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	<title>Historisches Lexikon Wasserburg - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Revolution_und_Arbeiterrat&amp;diff=15776</id>
		<title>Revolution und Arbeiterrat</title>
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		<updated>2025-03-31T16:40:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Simon Haserer|Simon Haserer]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:20. Jahrhundert]] [[Kategorie:Politik/Verwaltung]] [[Kategorie: Artikel A-Z]] [[Kategorie: Simon Haserer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Revolution 1918/1919 und Arbeiterrat in Wasserburg am Inn&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 11. November 1918 endete in ganz Europa der Erste Weltkrieg. Auch in Wasserburg forderte der „Große Krieg“ seine Opfer: 124 Wasserburger fielen an der Front, die Versorgungslage in der Stadt war durch die britische Seeblockade, wie im ganzen Land, schlecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rink, Erster Weltkrieg|Rink, Erster Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
An eine Rückkehr zur Normalität der Vorkriegszeit unter der Herrschaft von König und Kaiser war nicht mehr zu denken. Schon zwei Tage früher, am 9. November, war in Berlin zwei Mal die Republik ausgerufen worden, sowohl von dem Sozialdemokraten Phillip Scheidemann als auch dem Kommunisten Karl Liebknecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Revolution von 1918/19|Scriba, Revolution von 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In Bayern war die Revolution sogar noch einmal zwei Tage schneller, das Land wurde bereits am 7. November von Kurt Eisner zum Freistaat erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Grau, Revolution, 1918/19|Grau, Revolution, 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Infolge dieses revolutionären Umbruchs kam es überall im Reich zur Gründung demokratisch gewählter Gremien zur Vertretung bisher unterrepräsentierter gesellschaftlicher Gruppen und Schichten: die Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. Auch in der Stadt Wasserburg gründet sich am 10. November 1918  ein Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Im Folgenden sollen nun sowohl die Tätigkeit des Arbeiterrates in Wasserburg als auch der Verlauf der Revolution in der Stadt beleuchtet werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verlauf der Revolution in Wasserburg am Inn==&lt;br /&gt;
Bereits am 10. November, als die Revolution in vielen Landesteilen noch gar nicht angekommen war, fand in Wasserburg gegen 9 Uhr eine Versammlung der Arbeiterschaft statt. Auf Anregung des Vorsitzenden der freien Gewerkschaften in Wasserburg, Simon Heigenmoser, sollte  ein Arbeiterrat für die Stadt gewählt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Heigenmoser selbst wurde in den Vorsitz diese Gremiums gewählt, dem neben sieben Mitgliedern der Arbeiterschaft auch drei   &amp;quot;Bürgerliche“ beiwohnen durften. Die öffentliche Verwaltung stand zu diesem Zeitpunkt zumindest offiziell bereits geschlossen hinter der neuen Republik.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Die einzige nennenswerte Opposition fand sich in Form eines Anschlags, in dem anonym die Loyalität zum alten Regime betont wurde. Dies ist der einzige Hinweis auf einen Rest monarchistischer Gesinnung in der allgemeinen Bevölkerung, die sich im reaktionären [[Wasserburger Anzeiger]] finden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Arbeiterrat und den etablierten Behörden kam es dagegen von Anfang an zu Konflikten. So wollte der Arbeiterrat gleich nach der Gründung zwei Mitglieder mit dem Auto zum Innenministerium nach München schicken. Der Bezirk Wasserburg weigerte sich jedoch das dafür benötigte Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. &amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beschlossen wurde daraufhin nicht mit Gewalt vorzugehen und mit der Bahn nach München zu fahren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Arbeiterrat Wasserburg an den Zentralarbeiterrat München, Bitte um Hilfe bei Kooperation mit Bezirksamt, Schreiben vom 4.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch sonst zeigte sich der Bezirk Wasserburg gegenüber dem Arbeiterrat erst nicht sonderlich kooperationswillig. So ging beim Zentralrat in München am 4.1.1919 folgende Beschwerde der Wasserburger Genossen ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben allen Anlass zu nehmen, dass bei hiesigem Bezirksamte folgende Ansicht herrscht: Der Arbeiterrat Wasserburg Stadt hätte in Dinge nichts hineinzureden, die den Bezirk bezw. den Distrikt beträfen, weil dieser Arbeiterrat nur für den Stadbez. bestellt worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zentralrat stellte dem Arbeiterrat Wasserburg daraufhin eine Vollmacht bis zur Bildung eines Bezirksarbeiterrates aus. Der Bezirk beugte sich: Am 14. Januar geht eine offizielle Einladung für die Teilnahme an den Sitzungen vom Bezirksamt an den Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Bezirksamt Wasserburg an den Arbeiterrat Wasserburg, Einladung zur Teilnahme an Sitzungen, Schreiben vom 14.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Ansonsten war der Alltag im Rätesystem zumindest in Wasserburg zuerst eher unspektakulär. Der Arbeiterrat arbeitete, wie alle anderen Behörden im Freistaat auch, fieberhaft daran die Folgen von Hunger, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit einzudämmen, die nach dem Krieg die Bevölkerung plagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Tätigkeit des Arbeiterrates bis zum Februar 1919==&lt;br /&gt;
[[Datei:II9119.jpg|400px|thumb|right|Ausweis für Josef Max Mayr, Mitglied des Arbeiterrates Wasserburg mit offiziellem Stempel eingelegt in die Akte.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Aufgaben definierte der Arbeiterrat gegenüber dem Wasserburger Anzeiger folgendermaßen:  &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Sie [die Arbeiterräte] sind Berufsparlamente, befugt, unmittelbar gesetzgeberische Vorschläge zu machen. Sie sollen aber auch Aufsichtsorgane […] sein, […] sich mit der Tätigkeit der Regierung beschäftigen, nicht als Vollzugsorgane, sondern als Kontrollorgane, als kritische Organe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918|Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Selbstverständnis deckte sich nur teils mit einem Gesetzesvorschlag, der zur Institutionalisierung der Räte Ende Januar auf einer Konferenz, bei der auch Vertreter des Wasserburger Arbeiterrates anwesend waren, erarbeitet wurde. Darin hieß es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die A.-&amp;amp; B. [Bauern] Räte wahren die gesamten Interessen des arbeitenden Volkes. Sie haben keine gesetzgebende oder vollziehende Gewalt. Sie entsenden nach Bedarf Vertrauensmänner in die öffentlichen Körperschaften und Behörden, um dort Wünsche und Beschwerden des arbeitenden Volkes zu vertreten. Die Zentralräte […] haben das Recht, […] , dem Landtage Gesetzentwürfe zu unterbreiten und sie im Landtage durch einen Vertreter zu begründen.&amp;lt;ref&amp;gt; Tagung der Arbeiter- und Soldatenräte Bayerns, Sammlung zur Tagung vom 13.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9120|StadtA Wasserburg a. Inn, II9120]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es war also vorgesehen, die Räte in einer fast ausschließlich beratenden Funktion beizubehalten. Von einer kontrollierenden Funktion gegenüber den etablierten Institutionen war zu diesem Zeitpunkt bereits keine Rede mehr. Tatsächlich gibt es auch nur ein Beispiel für die konkrete Ausübung einer Kontrollfunktion. Zur Neubesetzung einer vakanten Stelle im Kommunalamt hieß es vom Arbeiterrat Wasserburg am 15.12.1918: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerüchteweise verlautete, dass ein naher Verwandter des Herrn Setzinger für diese Stelle in Aussicht genommen sei. Eine derartige Besetzung könnten wir nur als Provisorium betrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Beschwerde über Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei dem genannten Setzinger handelte es sich um den damaligen Vorsitzenden des Kommunalverbandes. Auf diesen höflich formulierten Vorwurf der Vetternwirtschaft reagierte der Bezirk Wasserburg mit einer Bestätigung, dass ein Bruder von Setzinger&amp;lt;ref&amp;gt;  Die Gebrüder Setzinger waren im Beruf beide Kaufmann: Franz Setzinger, *1877 in Megentheim und Paul Setzinger, *1889 in Megentheim. Der jüngere Bruder wurde im Dezember 1918 vom Militär entlassen und kam aus Berlin/Charlottenburg  nach Wasserburg; der ältere Bruder zog bereits 1915 zu. &amp;lt;/ref&amp;gt;   die Stelle temporär ausfüllen würde und gab als Grund einen Mangel an Alternativen an.&amp;lt;ref&amp;gt; Bezirksamt Wasserburg an Arbeiterrat Wasserburg, Eingehen auf Beschwerde wegen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 24.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
Darauf sendete der Arbeiterrat dem Bezirksamt eine kurze Liste mit ähnlich qualifizierten Kandidaten.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Vorschlag zur alternativen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 6.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der Ausgang dieser Streitigkeit ist unklar, auch ob die Vorwürfe der Vetternwirtschaft im Bezirksamt zutrafen wird heute kaum geklärt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen anderen Tätigkeitsbereichen war der Arbeiterrat dagegen aktiver. Zur Verbesserung der Versorgungslage, vor allem mit Fleischwaren, brachte der Arbeiterrat gleich mehrere Vorschläge ein. So sollten die vier Metzger der Stadt verpflichtet werden, sich zu einer einzelnen GmbH zusammen zu schließen, um Schlachtung, Produktion und Verkauf besser koordinieren und planen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Antrag zur Abänderung des Verteilungsmodus von Fleisch &amp;amp; Wurstwaren, Schreiben vom 1.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Vor allem das Anstehen für Lebensmittel schien für die Wasserburger Bevölkerung ein großes Ärgernis gewesen zu sein. Für manche stellte es anscheinend sogar ein gesundheitliches Risiko dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erst kürzlich fiel eine ältere Frau bei[m] Warten vor einem Metzgerladen um.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Kommunalverband Wasserburg, Antrag auf Einführung von wöchentlicher Versorgungsperiode, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Zweck der Verteilung schlug der Arbeiterrat ein System von Kundenscheinen vor. Außerdem sollten laut der Pläne alle Lebensmittelmarken auf einmal ausgegeben und von Jugendlichen verteilt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Auf eine tatsächliche Umsetzung dieser Vorschläge durch Bezirk (Landkreis)&amp;lt;ref&amp;gt;Die &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; wurden nach Bekanntmachungen durchgesehen und überprüft.&amp;lt;/ref&amp;gt;   oder Magistrat gibt es keine Hinweise. Zeitungsartikel oder Antworten der benachrichtigten Behörden liegen (Stand Juli 2024) nicht vor. Die Markierungen auf den eingereichten Dokumenten legen jedoch zumindest nahe, dass sie von den Behörden zur Kenntnis genommen wurden. &lt;br /&gt;
Auch am Kampf gegen Schmuggel und Unterschlagung von Lebensmitteln beteiligte sich der Arbeiterrat.  Dazu vermeldet der Arbeiterrat im Wasserburger Anzeiger: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeden Tag können unsere Patrouillen feststellen, daß große Koffer und Kisten Lebensmitteln […] weggebracht werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den eigenen Patrouillen wurde dabei auch mit dem Bezirksamt und der örtlichen Gendarmerie zusammengearbeitet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die Gendarmerie Station Wasserburg, Hinweis auf Schmuggel von Lebensmitteln, Schreiben vom 20.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der umfangreichste Tätigkeitsbereich des Rates umfasste die Vertretung der Interessen der arbeitenden Bevölkerung. Einzelpersonen konnten sich mit ihren Problemen an den Arbeiterrat wenden, woraufhin dieser ihre Positionen bei den offiziellen Stellen und Behörden vertrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So befand sich der Postbote Matthias Berger aufgrund einer Kriegsverletzung im zeitlichen Ruhestand, trotz seines Wunsches wieder im Postdienst eingesetzt zu werden. Er wendete sich an den Arbeiterrat, der sich daraufhin in einem Schreiben an die Oberpostdirektion in Landshut für ihn einsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;  Oberpostdirektion Landshut an den Arbeiterrat Wasserburg, Auskunft über den Status eines ehemaligen Postboten, Schreiben vom 14.4.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Aushilfskraft Maria Doubze, die ursprünglich aus Italien kam und zu dieser Zeit im Amtsgericht Wasserburg angestellt war, drohte die Entlassung und damit die Arbeitslosigkeit. Der Arbeiterrat setzte sich deswegen für sie beim Bayerischen Staatsministerium für Justiz für eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für zwei Monate ein, jedoch mit unbekanntem Resultat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an das Staatsministerium der Justiz, Bitte um Beibehalten einer Hilfskraft, Schreiben vom 10.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Zuletzt war der Rat auch an der Beseitigung des Wohnungsmangels in der Nachkriegszeit beteiligt. In Berichten des Rates über die Wohnungssituation an den Stadtmagistrat heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;In Reitberg, Gde. Rammerberg ist der Fall vorgekommen, dass eine arme alleinstehende Arbeitersfrau mit ihren kleinen Kindern genötigt war, lange Zeit u. heute noch im Hausgang eines Hauses zu wohnen u. da wird sie nur gutwillig geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039; &lt;br /&gt;
und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist vorgekommen, dass gewinnsüchtige Vermieter (allerdings nur sehr vereinzelt) ganz übertriebene Preise für ihre Wohnungen verlangt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Stadtmagistrat Wasserburg, Antrag auf die Bildung einer Wohnungskommission, Schreiben vom 2.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Probleme wie diese zu lösen, brachte der Rat verschiedenen Lösungsvorschläge vor die Verwaltungsbehörden von Bezirk und Stadt. Um gegen Wucher bei den Vermietern anzukämpfen wurde eine städtische Wohnungskommission zur Mietkontrolle vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Auch die temporäre Beschlagnahmung von leerstehendem Wohneigentum wurde vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Zudem wurde der Beginn des Baus von vier Pflegerhäusern für die Klinik Gabersee angeregt, die bereits länger geplant und bewilligt waren, wobei diese Maßnahme tatsächlich umgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die Regierung des Volksstaates, Antrag auf Baubeginn bei Pflegerhäusern, Schreiben vom 24.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat war also bemüht, auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens in Stadt und Umgebung Einfluss zu nehmen und dabei die Situation vor allem der unteren Bevölkerungsschichten zu verbessern. Aufgrund mangelnder Befugnisse hatte er bei seinen Forderungen jedoch allem Anschein nach wenig tatsächliche Durchsetzungsmöglichkeiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Überprüfung, Durchsicht der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 7.11.1918-27.12.1918 sowie der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 2.1.1919-22.5.1919 nach entsprechenden Bekanntmachungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der politische Einfluss des Rates war bis zum Februar 1919 immer abhängig von den etablierten lokalen Behörden und den Beschlüssen der Regierung in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Landtagswahlen vom 12. Januar 1919==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 12. Januar 1919 fanden in Bayern die ersten freien Landtagswahlen statt. Mit dem Sozialdemokraten Simon Reile kandidierte auch einer der beiden Vorsitzenden des Wasserburger Arbeiterrates für den Landtag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahlergebnisse in Wasserburg (Bezirk) im Vergleich zum Gesamtergebnis&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19|Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; :&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &amp;lt;table border=&#039;1&#039;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;            &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;MSPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;USPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;DVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;BVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bauernbund&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Mittelstandspartei&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bund der Unteroffiziere&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
              &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt; Stimmen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;; &amp;gt;1708&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;425&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;3226&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4287&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
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            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;Anteil in %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;17,6 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
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                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;44,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
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            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;In ganz Bayern (%)&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2,5 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;35,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;9,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;5,8 % (zusammen mit Nationalliberalen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;-&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im landwirtschaftlich geprägten Bezirk Wasserburg war der Erfolg des Bauernbundes keine Überraschung. Mit 889 Stimmen war die SPD in der Stadt Wasserburg selbst die stärkste Kraft. Die USPD konnte in Wasserburg kaum Wähler überzeugen, wie im Rest von Bayern schnitten die Unabhängigen katastrophal schlecht ab. Dieses Ergebnis machte die Position Kurt Eisners (USPD) als Ministerpräsident von Bayern unhaltbar. Als dieser am 21. Februar 1919 seinen Rücktritt erklären wollte, wurde er auf dem Weg zum Landtag von einem Rechtsradikalen ermordet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners|Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dieses Ereignis sollte auch für die Stadt Wasserburg noch beträchtliche Konsequenzen nach sich ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Revolution kommt (wieder) nach Wasserburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-2171.jpg|400px|thumb|right|Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates und selbsternannte „Diktator“ Guido Kopp spricht vom Balkon des Wasserburger Rathauses zu den versammelten Wasserburger und Rosenheimer Arbeitern.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Ermordung Eisners blieb es in Wasserburg erst einmal ruhig, abgesehen vom Überflug eines Flugzeuges, das politische Flugblätter über der Stadt abwarf, die die Tat verurteilten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Vier Tage nach der Tat trafen die Unruhen dann Wasserburg. Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates, Guido Kopp, rückte am 25. Februar mit seiner Miliz in Wasserburg ein und besetzte die Stadt. Der Wasserburger Anzeiger berichtete ausführlich über die Ereignisse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben eine zweite Revolution durchzumachen und diese hat nun auch [hier eingesetzt]. Am Dienstag in den Morgenstunden erschienen bei uns etwa vierzig Mitglieder des Rosenheimer Soldatenrates, bewaffnet mit Gewehren. Sie besetzten zuerst die Aemter, auch Realschule und Schülerheim. Der Stadt bemächtigte sich eine gewisse Aufregung, und in Trupps stand die Bevölkerung, um in mehr oder minder großer Erregung die neue Lage zu besprechen. Im Übrigen aber nahm das Publikum das ungewohnte Bild ruhig hin. Abgesehen von der Zitierung einiger Personen aufs [[Rathaus]] –mitunter aufgrund gewissenloser Angebereien- geschah zunächst nichts. Die Stadt war bis in den entlegensten Teil besetzt und die „bewaffnete Macht“ wuchs ständig, da als Gegengengewicht auch der hiesige A.- u. S.-Rat die Arbeiter bewaffnete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf folgte ein Demonstrationszug durch die Stadt zu Ehren Kurt Eisners und eine Rede von Kopp vom Balkon des Rathauses aus. Darin kündigte er seine weiteren Maßnahmen für die Stadt an. Die Mitglieder des Magistrats Weber und Rieperdinger mussten ihre Ämter niederlegen, die bereits der Vetternwirtschaft bezichtigten Gebrüder Setzinger sollten, genau wie der Rentier Riezoldi und die weiblichen Hilfskräfte, aus den Kommunalbehörden entlassen werden und durch Kriegsteilnehmer ersetzt werden. Stadtsekretär Lindner und Bezirksamtssekretär Löffler sollten sich dagegen für ihr Verhalten bei den unteren Bevölkerungsschichten entschuldigen. Auch aus dem Arbeiterrat sollten nach Vorstellung Kopps die Räte Meisterbauer und Unterauer ausscheiden. Nach dieser Erklärung zogen die Rosenheimer schließlich gegen Abend ohne weitere Komplikationen wieder aus Wasserburg ab.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 568.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als Reaktion wurde vom Arbeiterrat in Wasserburg eine Stadtkommandantur unter dem Stadtkommandanten Dr. Gartenhof errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg unter Darstein und das Ende des Rates==&lt;br /&gt;
Sowohl offiziell als auch in internen Protokollen gab der Arbeiterrat von Wasserburg an, von den Aktionen der Rosenheimer überrascht worden zu sein. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Erklärung an die Bevölkerung des Bezirks Wasserburg, Zeitungsausschnitt vom 26.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   In seinem Protokoll der Sitzung, die am Tag nach der Besatzung durch Rosenheim stattfand und bei der noch Vertreter aus Rosenheim anwesend waren, heißt es aber auch, dass man die Demonstration schließlich unterstützt habe. Dennoch stellte sich der Arbeiterrat Wasserburg klar auf die Seite der gemäßigten Mehrheitssozialdemokraten (MSPD), gegen die linksrevolutionäre USPD und den kommunistischen Spartakusbund und jede Diktatur, „sei sie von oben oder von unten“&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der herrschende Soldatenrat von Rosenheim wurde in dieser Sitzung zu einer Untersuchung der Ereignisse des Vortages aufgefordert; es sei zu Ausschreitungen wie Plünderungen durch Rosenheimer gekommen und Schlimmeres sei nur durch die bewaffnete Arbeiterschaft Wasserburgs verhindert worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sämtliche Amtsenthebungen wurden auch kurze Zeit später vom Vollzugsrat in München für nichtig erklärt, die abgesetzten Magistrate kehrten dennoch nicht in ihre Ämter zurück. Seit dem 26. Februar stand die Stadt Wasserburg unter Belagerungszustand. Die Räte verzeichneten dabei einen eindeutigen Gewinn an Macht und Bedeutung innerhalb der Stadt. Der Wasserburger Anzeiger stand unter Zensur des Soldatenrates, die Räte bestimmten zudem über die Polizeistunde und die Zulassung von Tanzveranstaltungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Insgesamt schien sich die Lage wieder zu stabilisieren, wie auch im Rest Bayerns. In München fand zum Zeitpunkt des Rosenheimer Übergriffes ein Rätekongress statt, auf dem Wasserburg durch den Obersekretär Meier vertreten war. Radikale Maßnahmen, wie die Ausrufung einer Räterepublik, in der die Räte die Regierungsgewalt übernommen hätten, wurden dabei mehrheitlich abgelehnt, die mehrheitssozialistische Linie schien sich bei den meisten Räten durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919|Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch verschärften sich die Spannungen zwischen der MSPD und Linkssozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. April 1919 wurde in München vom Zentralrat die „Baierische“ Räterepublik ausgerufen. Die Regierung unter Ministerpräsident Hoffmann (MSPD) floh aus der Stadt und bezog Quartier in Bamberg. Die neue Räteregierung, die sich aus Schriftstellern, Anarchisten und Pazifisten zusammensetzte, plante umfassende soziale Reformen, die sich in der Realität wegen der Gegenmaßnahmen der Regierung Hoffmanns und eines Boykotts bei der Versorgung Münchens durch die Bauern nicht umsetzen ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik|BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch schlossen sich viele Städte zumindest formal der Räterepublik an, so auch Wasserburg. Zur Verkündung der Räterepublik gab es einen halben Feiertag, zudem wurde der verschärfte Belagerungszustand über die nun räterepublikanische Stadt verhängt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Für den Zeitraum vermerkte der Schriftführer des Arbeiterrates im Nachhinein: &amp;lt;i&amp;gt;In diesem Heft ist nicht alles verzeichnet, was sich seit Beginn der Revolution, besonders seit 7. April, dem Tage der Ausrufung der Räterepublik in Bayern ereignete.&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Laut diesem Nachtrag soll ab diesem Zeitpunkt der Vorsitzende des Soldatenrates, der Gefreite Ernst Friedrich Darstein, in Wasserburg die Macht übernommen haben. Außer Rang und Namen ist über Darstein nur bekannt, dass er am 10. Oktober 1884 in Straßburg geboren wurde, von Beruf Kaufmann war und am 2. April 1919 zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kinder die bayerische Staatsangehörigkeit erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt; Abschrift, Aufnahmeurkunde Deutsches Reich, Volksstaat Bayern, Dokument vom 27.5.1919, StadtA Wasserburg a. Inn, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702|StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Er war seit dessen Gründung Mitglied des Wasserburger Soldatenrates. Vom Schriftführer wird Darstein vorgeworfen, den Arbeiterrat als „ein Mäntelchen für die gesetzlichen und ungesetzlichen Handlungen, für alle Miss- und Übergriffe“ zu missbrauchen. Dabei sagt er Darstein eine linksradikale Gesinnung nach, was sich allerdings mit einer vorherigen Stelle widerspricht, in der er behauptet, Darsteins Verhalten hätte auch den Kommunisten in München „Anlaß zum Einschreiten“ gegeben. Auch legt er nahe, dass Darsteins Bezeichnung als „Kommunist“ nur Selbstdarstellung war. Ferner kritisiert er die „oft maßlose Eitelkeit“ des Gefreiten, die diesen angeblich zu seinen Taten trieb. Darstein soll dabei für den Belagerungszustand und die „damit verbundenen Schikanen“ verantwortlich gewesen sein, dazu gehörten unter anderem eine strikte Sperrstunde und ein Verbot öffentlicher Versammlungen für die Wasserburger Einwohner. Auch soll Darstein mit dem Rosenheimer Soldatenrat unter Kopp zusammengearbeitet und „Bestrebungen, Privateigentum unter dem Deckmantel der Sozialisierung sich anzueignen“ unternommen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Dieser Vermerk des Schriftführers ist die einzige detaillierte Quelle über Darsteins Wirken in Wasserburg. Im Wasserburger Anzeiger finden sich lediglich die Hinweise auf die Zensur durch den von Darstein geleiteten Soldatenrat. Hinweise auf eine Umsetzung der aus München für die Räterepublik angeordneten Maßnahmen gibt es nicht. Am 12. April druckte der Wasserburger Anzeiger bereits eine Stellungnahme der Regierung Hoffmann ab, in der die Illegitimität der Räteregierung bekräftigt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Einen weiteren Schritt in  Richtung der Opposition gegen den Zentralrat unternahm der Arbeiterrat mit der Duldung der Bewaffnung der Bürgerschaft am 14. April durch den Bezirksbauernrat, angeblich zum Schutz vor Raub und Plünderungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Diese Einwohnerwehr rückte mit 70 Mann gegen Rosenheim vor, mit dem Ziel die dortige Räteherrschaft unter Kopp zu beenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies wurde durch das Scheitern eines Putschversuchs durch regierungstreue Truppen in München allerdings vereitelt, die Wasserburger mussten erfolglos in die Heimat zurückkehren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;  In München kam es bedingt durch den Umsturzversuch zu einer zweiten Räterepublik, diesmal unter der Führung der kommunistischen Partei, der KPD. Nach dieser Eskalation holte sich Ministerpräsident Hoffmann Hilfe von der Reichsregierung, die ihn mit dem regulären Militär und größtenteils rechtsextremen Milizen, den sogenannten Freikorps, unterstützte. Nach dem Führungswechsel in München wandten sich die meisten Ortschaften von der Räterepublik ab und suchten den Schulterschluss mit der Regierung Hoffmann in Bamberg. Andere gaben nach der Konfrontation mit den Regierungstruppen schnell auf, sodass bald nur noch wenige „rote“ Hochburgen wie München selbst, Rosenheim und Kolbermoor übrig waren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immer ausweglosere Lage sorgte dafür, dass der Zentralrat der Räterepublik Eugen Levine, Wilhelm Reichart und Karl Petermoser mit einem Flugzeug Richtung Budapest schickte, um bei der dortigen Räteregierung um Unterstützung zu bitten. Am 20. April mussten sie allerdings bei Wasserburg notlanden, da ihr Pilot einen Motorschaden vortäuschte, und wurden anschließend mit dem Auto nach München zurückgebracht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Am Tag darauf wurde in Bamberg die Aufstellung eines eigenen Freikorps für Wasserburg beschlossen, um an den Kämpfen gegen die Räterepublik teilzunehmen. Oberleutnant Heinrich Schneider, der dieses „Freikorps Wasserburg“ anführen sollte, traf am 22. April in der Stadt ein. Dort erfuhr er von Bürgern von der Herrschaft Darsteins, was ihn dazu veranlasste, Verstärkung aus Passau anzufordern. Am 25. April trafen dann zehn Regierungssoldaten ein. Der Soldatenrat Darstein überließ dem neugebildeten Freikorps daraufhin 300 Gewehre und 8 MG, trotz seiner angeblich „roten“ Gesinnung. Über seinen weiteren Verbleib ist nichts bekannt. Noch am selben Tag wurde in Wasserburg eine Volksversammlung abgehalten, bei der Dr. Gartenhof als Stadtkommandant bestätigt und mit der Aufstellung des Freikorps begonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Die Tätigkeiten des Arbeiterrates wurden mit der Ankunft der Regierungstruppen weitgehend eingestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das &amp;quot;Freikorps Wasserburg&amp;quot; und das Ende der Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-1864.jpg|400px|thumb|right|Reichswehrminister Gustav Noske (3.v.l.), auch bekannt als der „Bluthund“ zusammen mit den Anführern der bayrischen Einwohnerwehren zu Besuch in Wasserburg am 3. August 1919.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neugebildete Freikorps hatte mit nur 40 Freiwilligen bis zum 27. April wenig Zulauf. Durch eine große Anzahl von Werbeveranstaltungen und die Unterstützung des Stadtkommandanten Gartenhof konnte seine Popularität in der Bevölkerung allerdings mit der Zeit gesteigert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Seinen ersten Einsatz hatte es in Gars: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Am 27. ds. Mts. wurden angehörige der hies. Volkswehr, die einen Garser Einwohner zur Vernehmung nach Wasserburg verbringen sollten, von dortigen Einwohnern entwaffnet und festgehalten. […] Unter diesen Umständen war das Wasserburger Freikorps zur gewaltsamen Befreiung seiner Mitbürger gezwungen. Der erste Transport des Freikorps stieß auf bewaffneten Widerstand […].  Nach kurzem Feuergefecht, in dem es leichte Verwundungen auf Seiten der Garser gab, erbaten die Garser Verhandlungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am 29. April stießen weitere Rotgardisten von Rosenheim nach Rott in Richtung Wasserburg vor. Dieser Angriff konnte allerdings auch ohne Unterstützung des Wasserburger Freikorps zurückgeschlagen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Bei den anschließenden Verhandlungen mit der Rosenheimer Schutztruppe führten Stadtkommandant Gartenhof und Oberleutnant Schneider das Wort. Die vereinbarten Kapitulationsbedingungen für Rosenheim konnten allerdings unter anderem wegen Widerstands von Seiten Kopps nicht eigehalten werden, weshalb es zu einer gewaltsamen Besetzung von Rosenheim unter der Beteiligung des Freikorps Wasserburg kam, das dabei auch in Gefechte verwickelt wurde und Verluste zu beklagen hatte. Die Rosenheimer mussten sich schließlich geschlagen geben, Kopp wurde mit seinen Unterstützern vor Gericht gestellt und zu langen Haftstrafen verurteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 428 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 1. bis zum 3. Mai wurde München von Regierungstruppen gestürmt. In den Gefechten und dem darauffolgenden „Weißen Terror“, bei dem es zum Teil zu willkürlichen Erschießungen von Zivilisten durch Regierungstruppen kam, starben bis zu 1.200 Menschen. Mit der Kapitulation von Kolbermoor endete schließlich die Räterepublik in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihre Anhänger erwarteten hohe Strafen, so auch 46 Wasserburger und Rosenheimer, die am 14. Juni in Traunstein vor dem Volksgerichtshof standen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das Freikorps Wasserburg mit zu diesem Zeitpunkt 650 Mitgliedern wurde am 8. Mai aufgelöst und in das reguläre Kader Infanterie Regiment 44 überführt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoß, Freikorps|Thoß, Freikorps]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Einen letzten Auftritt hatte es mit dem Besuch von Reichswehrminister Noske in Wasserburg am 3. August, der die Rolle der Einwohnerwehren bei der Niederschlagung der Revolution in Deutschland lobte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rätegedanke spielte nach dem gewaltsamen Ende der Revolution in Wasserburg und Bayern keine Rolle mehr. Der politische Alltag wurde, vor allem im ländlichen Raum, von der antidemokratischen „Ordnungszellenpolitik“ der Bayrischen Volkspartei (BVP) bestimmt. Kommunisten tauchten hier nur noch als (oft antisemitische) Feindbilder auf.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern|Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Simon Haserer}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Revolution_und_Arbeiterrat&amp;diff=15775</id>
		<title>Revolution und Arbeiterrat</title>
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		<updated>2025-03-31T13:39:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Simon Haserer|Simon Haserer]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:20. Jahrhundert]] [[Kategorie:Politik/Verwaltung]] [[Kategorie: Artikel A-Z]] [[Kategorie: Simon Haserer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Revolution 1918/1919 und Arbeiterrat in Wasserburg am Inn&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 11. November 1918 endete in ganz Europa der Erste Weltkrieg. Auch in Wasserburg forderte der „Große Krieg“ seine Opfer: 124 Wasserburger fielen an der Front, die Versorgungslage in der Stadt war durch die britische Seeblockade, wie im ganzen Land, schlecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rink, Erster Weltkrieg|Rink, Erster Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
An eine Rückkehr zur Normalität der Vorkriegszeit unter der Herrschaft von König und Kaiser war nicht mehr zu denken. Schon zwei Tage früher, am 9. November, war in Berlin zwei Mal die Republik ausgerufen worden, sowohl von dem Sozialdemokraten Phillip Scheidemann als auch dem Kommunisten Karl Liebknecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Revolution von 1918/19|Scriba, Revolution von 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In Bayern war die Revolution sogar noch einmal zwei Tage schneller, das Land wurde bereits am 7. November von Kurt Eisner zum Freistaat erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Grau, Revolution, 1918/19|Grau, Revolution, 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Infolge dieses revolutionären Umbruchs kam es überall im Reich zur Gründung demokratisch gewählter Gremien zur Vertretung bisher unterrepräsentierter gesellschaftlicher Gruppen und Schichten: die Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. Auch in der Stadt Wasserburg gründet sich am 10. November 1918  ein Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Im Folgenden sollen nun sowohl die Tätigkeit des Arbeiterrates in Wasserburg als auch der Verlauf der Revolution in der Stadt beleuchtet werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verlauf der Revolution in Wasserburg am Inn==&lt;br /&gt;
Bereits am 10. November, als die Revolution in vielen Landesteilen noch gar nicht angekommen war, fand in Wasserburg gegen 9 Uhr eine Versammlung der Arbeiterschaft statt. Auf Anregung des Vorsitzenden der freien Gewerkschaften in Wasserburg, Simon Heigenmoser, sollte  ein Arbeiterrat für die Stadt gewählt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Heigenmoser selbst wurde in den Vorsitz diese Gremiums gewählt, dem neben sieben Mitgliedern der Arbeiterschaft auch drei   &amp;quot;Bürgerliche“ beiwohnen durften. Die öffentliche Verwaltung stand zu diesem Zeitpunkt zumindest offiziell bereits geschlossen hinter der neuen Republik.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Die einzige nennenswerte Opposition fand sich in Form eines Anschlags, in dem anonym die Loyalität zum alten Regime betont wurde. Dies ist der einzige Hinweis auf einen Rest monarchistischer Gesinnung in der allgemeinen Bevölkerung, die sich im reaktionären [[Wasserburger Anzeiger]] finden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Arbeiterrat und den etablierten Behörden kam es dagegen von Anfang an zu Konflikten. So wollte der Arbeiterrat gleich nach der Gründung zwei Mitglieder mit dem Auto zum Innenministerium nach München schicken. Der Bezirk Wasserburg weigerte sich jedoch das dafür benötigte Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. &amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beschlossen wurde daraufhin nicht mit Gewalt vorzugehen und mit der Bahn nach München zu fahren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Arbeiterrat Wasserburg an den Zentralarbeiterrat München, Bitte um Hilfe bei Kooperation mit Bezirksamt, Schreiben vom 4.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch sonst zeigte sich der Bezirk Wasserburg gegenüber dem Arbeiterrat erst nicht sonderlich kooperationswillig. So ging beim Zentralrat in München am 4.1.1919 folgende Beschwerde der Wasserburger Genossen ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben allen Anlass zu nehmen, dass bei hiesigem Bezirksamte folgende Ansicht herrscht: Der Arbeiterrat Wasserburg Stadt hätte in Dinge nichts hineinzureden, die den Bezirk bezw. den Distrikt beträfen, weil dieser Arbeiterrat nur für den Stadbez. bestellt worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zentralrat stellte dem Arbeiterrat Wasserburg daraufhin eine Vollmacht bis zur Bildung eines Bezirksarbeiterrates aus. Der Bezirk beugte sich: Am 14. Januar geht eine offizielle Einladung für die Teilnahme an den Sitzungen vom Bezirksamt an den Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Bezirksamt Wasserburg an den Arbeiterrat Wasserburg, Einladung zur Teilnahme an Sitzungen, Schreiben vom 14.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Ansonsten war der Alltag im Rätesystem zumindest in Wasserburg zuerst eher unspektakulär. Der Arbeiterrat arbeitete, wie alle anderen Behörden im Freistaat auch, fieberhaft daran die Folgen von Hunger, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit einzudämmen, die nach dem Krieg die Bevölkerung plagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Tätigkeit des Arbeiterrates bis zum Februar 1919==&lt;br /&gt;
[[Datei:II9119.jpg|400px|thumb|right|Ausweis für Josef Max Mayr, Mitglied des Arbeiterrates Wasserburg mit offiziellem Stempel eingelegt in die Akte.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Aufgaben definierte der Arbeiterrat gegenüber dem Wasserburger Anzeiger folgendermaßen:  &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Sie [die Arbeiterräte] sind Berufsparlamente, befugt, unmittelbar gesetzgeberische Vorschläge zu machen. Sie sollen aber auch Aufsichtsorgane […] sein, […] sich mit der Tätigkeit der Regierung beschäftigen, nicht als Vollzugsorgane, sondern als Kontrollorgane, als kritische Organe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918|Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Selbstverständnis deckte sich nur teils mit einem Gesetzesvorschlag, der zur Institutionalisierung der Räte Ende Januar auf einer Konferenz, bei der auch Vertreter des Wasserburger Arbeiterrates anwesend waren, erarbeitet wurde. Darin hieß es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die A.-&amp;amp; B. [Bauern] Räte wahren die gesamten Interessen des arbeitenden Volkes. Sie haben keine gesetzgebende oder vollziehende Gewalt. Sie entsenden nach Bedarf Vertrauensmänner in die öffentlichen Körperschaften und Behörden, um dort Wünsche und Beschwerden des arbeitenden Volkes zu vertreten. Die Zentralräte […] haben das Recht, […] , dem Landtage Gesetzentwürfe zu unterbreiten und sie im Landtage durch einen Vertreter zu begründen.&amp;lt;ref&amp;gt; Tagung der Arbeiter- und Soldatenräte Bayerns, Sammlung zur Tagung vom 13.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9120|StadtA Wasserburg a. Inn, II9120]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es war also vorgesehen, die Räte in einer fast ausschließlich beratenden Funktion beizubehalten. Von einer kontrollierenden Funktion gegenüber den etablierten Institutionen war zu diesem Zeitpunkt bereits keine Rede mehr. Tatsächlich gibt es auch nur ein Beispiel für die konkrete Ausübung einer Kontrollfunktion. Zur Neubesetzung einer vakanten Stelle im Kommunalamt hieß es vom Arbeiterrat Wasserburg am 15.12.1918: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerüchteweise verlautete, dass ein naher Verwandter des Herrn Setzinger für diese Stelle in Aussicht genommen sei. Eine derartige Besetzung könnten wir nur als Provisorium betrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Beschwerde über Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei dem genannten Setzinger handelte es sich um den damaligen Vorsitzenden des Kommunalverbandes. Auf diesen höflich formulierten Vorwurf der Vetternwirtschaft reagierte der Bezirk Wasserburg mit einer Bestätigung, dass ein Bruder von Setzinger&amp;lt;ref&amp;gt;  Die Gebrüder Setzinger waren im Beruf beide Kaufmann: Franz Setzinger, *1877 in Megentheim und Paul Setzinger, *1889 in Megentheim. Der jüngere Bruder wurde im Dezember 1918 vom Militär entlassen und kam aus Berlin/Charlottenburg  nach Wasserburg; der ältere Bruder zog bereits 1915 zu. &amp;lt;/ref&amp;gt;   die Stelle temporär ausfüllen würde und gab als Grund einen Mangel an Alternativen an.&amp;lt;ref&amp;gt; Bezirksamt Wasserburg an Arbeiterrat Wasserburg, Eingehen auf Beschwerde wegen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 24.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
Darauf sendete der Arbeiterrat dem Bezirksamt eine kurze Liste mit ähnlich qualifizierten Kandidaten.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Vorschlag zur alternativen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 6.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der Ausgang dieser Streitigkeit ist unklar, auch ob die Vorwürfe der Vetternwirtschaft im Bezirksamt zutrafen wird heute kaum geklärt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen anderen Tätigkeitsbereichen war der Arbeiterrat dagegen aktiver. Zur Verbesserung der Versorgungslage, vor allem mit Fleischwaren, brachte der Arbeiterrat gleich mehrere Vorschläge ein. So sollten die vier Metzger der Stadt verpflichtet werden, sich zu einer einzelnen GmbH zusammen zu schließen, um Schlachtung, Produktion und Verkauf besser koordinieren und planen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Antrag zur Abänderung des Verteilungsmodus von Fleisch &amp;amp; Wurstwaren, Schreiben vom 1.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Vor allem das Anstehen für Lebensmittel schien für die Wasserburger Bevölkerung ein großes Ärgernis gewesen zu sein. Für manche stellte es anscheinend sogar ein gesundheitliches Risiko dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erst kürzlich fiel eine ältere Frau bei[m] Warten vor einem Metzgerladen um.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Kommunalverband Wasserburg, Antrag auf Einführung von wöchentlicher Versorgungsperiode, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Zweck der Verteilung schlug der Arbeiterrat ein System von Kundenscheinen vor. Außerdem sollten laut der Pläne alle Lebensmittelmarken auf einmal ausgegeben und von Jugendlichen verteilt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Auf eine tatsächliche Umsetzung dieser Vorschläge durch Bezirk (Landkreis)&amp;lt;ref&amp;gt;Die &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; wurden nach Bekanntmachungen durchgesehen und überprüft.&amp;lt;/ref&amp;gt;   oder Magistrat gibt es keine Hinweise. Zeitungsartikel oder Antworten der benachrichtigten Behörden liegen (Stand Juli 2024) nicht vor. Die Markierungen auf den eingereichten Dokumenten legen jedoch zumindest nahe, dass sie von den Behörden zur Kenntnis genommen wurden. &lt;br /&gt;
Auch am Kampf gegen Schmuggel und Unterschlagung von Lebensmitteln beteiligte sich der Arbeiterrat.  Dazu vermeldet der Arbeiterrat im Wasserburger Anzeiger: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeden Tag können unsere Patrouillen feststellen, daß große Koffer und Kisten Lebensmitteln […] weggebracht werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den eigenen Patrouillen wurde dabei auch mit dem Bezirksamt und der örtlichen Gendarmerie zusammengearbeitet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die Gendarmerie Station Wasserburg, Hinweis auf Schmuggel von Lebensmitteln, Schreiben vom 20.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der umfangreichste Tätigkeitsbereich des Rates umfasste die Vertretung der Interessen der arbeitenden Bevölkerung. Einzelpersonen konnten sich mit ihren Problemen an den Arbeiterrat wenden, woraufhin dieser ihre Positionen bei den offiziellen Stellen und Behörden vertrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So befand sich der Postbote Matthias Berger aufgrund einer Kriegsverletzung im zeitlichen Ruhestand, trotz seines Wunsches wieder im Postdienst eingesetzt zu werden. Er wendete sich an den Arbeiterrat, der sich daraufhin in einem Schreiben an die Oberpostdirektion in Landshut für ihn einsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;  Oberpostdirektion Landshut an den Arbeiterrat Wasserburg, Auskunft über den Status eines ehemaligen Postboten, Schreiben vom 14.4.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Aushilfskraft Maria Doubze, die ursprünglich aus Italien kam und zu dieser Zeit im Amtsgericht Wasserburg angestellt war, drohte die Entlassung und damit die Arbeitslosigkeit. Der Arbeiterrat setzte sich deswegen für sie beim Bayerischen Staatsministerium für Justiz für eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für zwei Monate ein, jedoch mit unbekanntem Resultat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an das Staatsministerium der Justiz, Bitte um Beibehalten einer Hilfskraft, Schreiben vom 10.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Zuletzt war der Rat auch an der Beseitigung des Wohnungsmangels in der Nachkriegszeit beteiligt. In Berichten des Rates über die Wohnungssituation an den Stadtmagistrat heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;In Reitberg, Gde. Rammerberg ist der Fall vorgekommen, dass eine arme alleinstehende Arbeitersfrau mit ihren kleinen Kindern genötigt war, lange Zeit u. heute noch im Hausgang eines Hauses zu wohnen u. da wird sie nur gutwillig geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039; &lt;br /&gt;
und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist vorgekommen, dass gewinnsüchtige Vermieter (allerdings nur sehr vereinzelt) ganz übertriebene Preise für ihre Wohnungen verlangt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Stadtmagistrat Wasserburg, Antrag auf die Bildung einer Wohnungskommission, Schreiben vom 2.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Probleme wie diese zu lösen, brachte der Rat verschiedenen Lösungsvorschläge vor die Verwaltungsbehörden von Bezirk und Stadt. Um gegen Wucher bei den Vermietern anzukämpfen wurde eine städtische Wohnungskommission zur Mietkontrolle vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Auch die temporäre Beschlagnahmung von leerstehendem Wohneigentum wurde vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Zudem wurde der Beginn des Baus von vier Pflegerhäusern für die Klinik Gabersee angeregt, die bereits länger geplant und bewilligt waren, wobei diese Maßnahme tatsächlich umgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die &amp;gt;Regierung des Volksstaates, Antrag auf Baubeginn bei Pflegerhäusern, Schreiben vom 24.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat war also bemüht, auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens in Stadt und Umgebung Einfluss zu nehmen und dabei die Situation vor allem der unteren Bevölkerungsschichten zu verbessern. Aufgrund mangelnder Befugnisse hatte er bei seinen Forderungen jedoch allem Anschein nach wenig tatsächliche Durchsetzungsmöglichkeiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Überprüfung, Durchsicht der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 7.11.1918-27.12.1918 sowie der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 2.1.1919-22.5.1919 nach entsprechenden Bekanntmachungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der politische Einfluss des Rates war bis zum Februar 1919 immer abhängig von den etablierten lokalen Behörden und den Beschlüssen der Regierung in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Landtagswahlen vom 12. Januar 1919==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 12. Januar 1919 fanden in Bayern die ersten freien Landtagswahlen statt. Mit dem Sozialdemokraten Simon Reile kandidierte auch einer der beiden Vorsitzenden des Wasserburger Arbeiterrates für den Landtag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahlergebnisse in Wasserburg (Bezirk) im Vergleich zum Gesamtergebnis&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19|Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; :&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &amp;lt;table border=&#039;1&#039;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;            &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;MSPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;USPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;DVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;BVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bauernbund&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Mittelstandspartei&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bund der Unteroffiziere&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
              &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt; Stimmen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;; &amp;gt;1708&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;425&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;3226&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4287&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;28&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;Anteil in %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;17,6 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4,4 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,3 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;44,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;In ganz Bayern (%)&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2,5 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;35,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;9,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;5,8 % (zusammen mit Nationalliberalen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;-&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im landwirtschaftlich geprägten Bezirk Wasserburg war der Erfolg des Bauernbundes keine Überraschung. Mit 889 Stimmen war die SPD in der Stadt Wasserburg selbst die stärkste Kraft. Die USPD konnte in Wasserburg kaum Wähler überzeugen, wie im Rest von Bayern schnitten die Unabhängigen katastrophal schlecht ab. Dieses Ergebnis machte die Position Kurt Eisners (USPD) als Ministerpräsident von Bayern unhaltbar. Als dieser am 21. Februar 1919 seinen Rücktritt erklären wollte, wurde er auf dem Weg zum Landtag von einem Rechtsradikalen ermordet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners|Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dieses Ereignis sollte auch für die Stadt Wasserburg noch beträchtliche Konsequenzen nach sich ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Revolution kommt (wieder) nach Wasserburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-2171.jpg|400px|thumb|right|Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates und selbsternannte „Diktator“ Guido Kopp spricht vom Balkon des Wasserburger Rathauses zu den versammelten Wasserburger und Rosenheimer Arbeitern.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Ermordung Eisners blieb es in Wasserburg erst einmal ruhig, abgesehen vom Überflug eines Flugzeuges, das politische Flugblätter über der Stadt abwarf, die die Tat verurteilten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Vier Tage nach der Tat trafen die Unruhen dann Wasserburg. Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates, Guido Kopp, rückte am 25. Februar mit seiner Miliz in Wasserburg ein und besetzte die Stadt. Der Wasserburger Anzeiger berichtete ausführlich über die Ereignisse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben eine zweite Revolution durchzumachen und diese hat nun auch [hier eingesetzt]. Am Dienstag in den Morgenstunden erschienen bei uns etwa vierzig Mitglieder des Rosenheimer Soldatenrates, bewaffnet mit Gewehren. Sie besetzten zuerst die Aemter, auch Realschule und Schülerheim. Der Stadt bemächtigte sich eine gewisse Aufregung, und in Trupps stand die Bevölkerung, um in mehr oder minder großer Erregung die neue Lage zu besprechen. Im Übrigen aber nahm das Publikum das ungewohnte Bild ruhig hin. Abgesehen von der Zitierung einiger Personen aufs [[Rathaus]] –mitunter aufgrund gewissenloser Angebereien- geschah zunächst nichts. Die Stadt war bis in den entlegensten Teil besetzt und die „bewaffnete Macht“ wuchs ständig, da als Gegengengewicht auch der hiesige A.- u. S.-Rat die Arbeiter bewaffnete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf folgte ein Demonstrationszug durch die Stadt zu Ehren Kurt Eisners und eine Rede von Kopp vom Balkon des Rathauses aus. Darin kündigte er seine weiteren Maßnahmen für die Stadt an. Die Mitglieder des Magistrats Weber und Rieperdinger mussten ihre Ämter niederlegen, die bereits der Vetternwirtschaft bezichtigten Gebrüder Setzinger sollten, genau wie der Rentier Riezoldi und die weiblichen Hilfskräfte, aus den Kommunalbehörden entlassen werden und durch Kriegsteilnehmer ersetzt werden. Stadtsekretär Lindner und Bezirksamtssekretär Löffler sollten sich dagegen für ihr Verhalten bei den unteren Bevölkerungsschichten entschuldigen. Auch aus dem Arbeiterrat sollten nach Vorstellung Kopps die Räte Meisterbauer und Unterauer ausscheiden. Nach dieser Erklärung zogen die Rosenheimer schließlich gegen Abend ohne weitere Komplikationen wieder aus Wasserburg ab.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 568.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als Reaktion wurde vom Arbeiterrat in Wasserburg eine Stadtkommandantur unter dem Stadtkommandanten Dr. Gartenhof errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg unter Darstein und das Ende des Rates==&lt;br /&gt;
Sowohl offiziell als auch in internen Protokollen gab der Arbeiterrat von Wasserburg an, von den Aktionen der Rosenheimer überrascht worden zu sein. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Erklärung an die Bevölkerung des Bezirks Wasserburg, Zeitungsausschnitt vom 26.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   In seinem Protokoll der Sitzung, die am Tag nach der Besatzung durch Rosenheim stattfand und bei der noch Vertreter aus Rosenheim anwesend waren, heißt es aber auch, dass man die Demonstration schließlich unterstützt habe. Dennoch stellte sich der Arbeiterrat Wasserburg klar auf die Seite der gemäßigten Mehrheitssozialdemokraten (MSPD), gegen die linksrevolutionäre USPD und den kommunistischen Spartakusbund und jede Diktatur, „sei sie von oben oder von unten“&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der herrschende Soldatenrat von Rosenheim wurde in dieser Sitzung zu einer Untersuchung der Ereignisse des Vortages aufgefordert; es sei zu Ausschreitungen wie Plünderungen durch Rosenheimer gekommen und Schlimmeres sei nur durch die bewaffnete Arbeiterschaft Wasserburgs verhindert worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sämtliche Amtsenthebungen wurden auch kurze Zeit später vom Vollzugsrat in München für nichtig erklärt, die abgesetzten Magistrate kehrten dennoch nicht in ihre Ämter zurück. Seit dem 26. Februar stand die Stadt Wasserburg unter Belagerungszustand. Die Räte verzeichneten dabei einen eindeutigen Gewinn an Macht und Bedeutung innerhalb der Stadt. Der Wasserburger Anzeiger stand unter Zensur des Soldatenrates, die Räte bestimmten zudem über die Polizeistunde und die Zulassung von Tanzveranstaltungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Insgesamt schien sich die Lage wieder zu stabilisieren, wie auch im Rest Bayerns. In München fand zum Zeitpunkt des Rosenheimer Übergriffes ein Rätekongress statt, auf dem Wasserburg durch den Obersekretär Meier vertreten war. Radikale Maßnahmen, wie die Ausrufung einer Räterepublik, in der die Räte die Regierungsgewalt übernommen hätten, wurden dabei mehrheitlich abgelehnt, die mehrheitssozialistische Linie schien sich bei den meisten Räten durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919|Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch verschärften sich die Spannungen zwischen der MSPD und Linkssozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. April 1919 wurde in München vom Zentralrat die „Baierische“ Räterepublik ausgerufen. Die Regierung unter Ministerpräsident Hoffmann (MSPD) floh aus der Stadt und bezog Quartier in Bamberg. Die neue Räteregierung, die sich aus Schriftstellern, Anarchisten und Pazifisten zusammensetzte, plante umfassende soziale Reformen, die sich in der Realität wegen der Gegenmaßnahmen der Regierung Hoffmanns und eines Boykotts bei der Versorgung Münchens durch die Bauern nicht umsetzen ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik|BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch schlossen sich viele Städte zumindest formal der Räterepublik an, so auch Wasserburg. Zur Verkündung der Räterepublik gab es einen halben Feiertag, zudem wurde der verschärfte Belagerungszustand über die nun räterepublikanische Stadt verhängt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Für den Zeitraum vermerkte der Schriftführer des Arbeiterrates im Nachhinein: &amp;lt;i&amp;gt;In diesem Heft ist nicht alles verzeichnet, was sich seit Beginn der Revolution, besonders seit 7. April, dem Tage der Ausrufung der Räterepublik in Bayern ereignete.&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Laut diesem Nachtrag soll ab diesem Zeitpunkt der Vorsitzende des Soldatenrates, der Gefreite Ernst Friedrich Darstein, in Wasserburg die Macht übernommen haben. Außer Rang und Namen ist über Darstein nur bekannt, dass er am 10. Oktober 1884 in Straßburg geboren wurde, von Beruf Kaufmann war und am 2. April 1919 zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kinder die bayerische Staatsangehörigkeit erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt; Abschrift, Aufnahmeurkund Deutsches Reich, Volksstaat Bayern, Dokument vom 27.5.1919, StadtA Wasserburg a. Inn, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702|StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Er war seit dessen Gründung Mitglied des Wasserburger Soldatenrates. Vom Schriftführer wird Darstein vorgeworfen, den Arbeiterrat als „ein Mäntelchen für die gesetzlichen und ungesetzlichen Handlungen, für alle Miss- und Übergriffe“ zu missbrauchen. Dabei sagt er Darstein eine linksradikale Gesinnung nach, was sich allerdings mit einer vorherigen Stelle widerspricht, in der er behauptet, Darsteins Verhalten hätte auch den Kommunisten in München „Anlaß zum Einschreiten“ gegeben. Auch legt er nahe, dass Darsteins Bezeichnung als „Kommunist“ nur Selbstdarstellung war. Ferner kritisiert er die „oft maßlose Eitelkeit“ des Gefreiten, die diesen angeblich zu seinen Taten trieb. Darstein soll dabei für den Belagerungszustand und die „damit verbundenen Schikanen“ verantwortlich gewesen sein, dazu gehörten unter anderem eine strikte Sperrstunde und ein Verbot öffentlicher Versammlungen für die Wasserburger Einwohner. Auch soll Darstein mit dem Rosenheimer Soldatenrat unter Kopp zusammengearbeitet und „Bestrebungen, Privateigentum unter dem Deckmantel der Sozialisierung sich anzueignen“ unternommen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Dieser Vermerk des Schriftführers ist die einzige detaillierte Quelle über Darsteins Wirken in Wasserburg. Im Wasserburger Anzeiger finden sich lediglich die Hinweise auf die Zensur durch den von Darstein geleiteten Soldatenrat. Hinweise auf eine Umsetzung der aus München für die Räterepublik angeordneten Maßnahmen gibt es nicht. Am 12. April druckte der Wasserburger Anzeiger bereits eine Stellungnahme der Regierung Hoffmann ab, in der die Illegitimität der Räteregierung bekräftigt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Einen weiteren Schritt in  Richtung der Opposition gegen den Zentralrat unternahm der Arbeiterrat mit der Duldung der Bewaffnung der Bürgerschaft am 14. April durch den Bezirksbauernrat, angeblich zum Schutz vor Raub und Plünderungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Diese Einwohnerwehr rückte mit 70 Mann gegen Rosenheim vor, mit dem Ziel die dortige Räteherrschaft unter Kopp zu beenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies wurde durch das Scheitern eines Putschversuchs durch regierungstreue Truppen in München allerdings vereitelt, die Wasserburger mussten erfolglos in die Heimat zurückkehren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;  In München kam es bedingt durch den Umsturzversuch zu einer zweiten Räterepublik, diesmal unter der Führung der kommunistischen Partei, der KPD. Nach dieser Eskalation holte sich Ministerpräsident Hoffmann Hilfe von der Reichsregierung, die ihn mit dem regulären Militär und größtenteils rechtsextremen Milizen, den sogenannten Freikorps, unterstützte. Nach dem Führungswechsel in München wandten sich die meisten Ortschaften von der Räterepublik ab und suchten den Schulterschluss mit der Regierung Hoffmann in Bamberg. Andere gaben nach der Konfrontation mit den Regierungstruppen schnell auf, sodass bald nur noch wenige „rote“ Hochburgen wie München selbst, Rosenheim und Kolbermoor übrig waren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immer ausweglosere Lage sorgte dafür, dass der Zentralrat der Räterepublik Eugen Levine, Wilhelm Reichart und Karl Petermoser mit einem Flugzeug Richtung Budapest schickte, um bei der dortigen Räteregierung um Unterstützung zu bitten. Am 20. April mussten sie allerdings bei Wasserburg notlanden, da ihr Pilot einen Motorschaden vortäuschte, und wurden anschließend mit dem Auto nach München zurückgebracht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Am Tag darauf wurde in Bamberg die Aufstellung eines eigenen Freikorps für Wasserburg beschlossen, um an den Kämpfen gegen die Räterepublik teilzunehmen. Oberleutnant Heinrich Schneider, der dieses „Freikorps Wasserburg“ anführen sollte, traf am 22. April in der Stadt ein. Dort erfuhr er von Bürgern von der Herrschaft Darsteins, was ihn dazu veranlasste, Verstärkung aus Passau anzufordern. Am 25. April trafen dann zehn Regierungssoldaten ein. Der Soldatenrat Darstein überließ dem neugebildeten Freikorps daraufhin 300 Gewehre und 8 MG, trotz seiner angeblich „roten“ Gesinnung. Über seinen weiteren Verbleib ist nichts bekannt. Noch am selben Tag wurde in Wasserburg eine Volksversammlung abgehalten, bei der Dr. Gartenhof als Stadtkommandant bestätigt und mit der Aufstellung des Freikorps begonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Die Tätigkeiten des Arbeiterrates wurden mit der Ankunft der Regierungstruppen weitgehend eingestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das &amp;quot;Freikorps Wasserburg&amp;quot; und das Ende der Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-1864.jpg|400px|thumb|right|Reichswehrminister Gustav Noske (3.v.l.), auch bekannt als der „Bluthund“ zusammen mit den Anführern der bayrischen Einwohnerwehren zu Besuch in Wasserburg am 3. August 1919.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neugebildete Freikorps hatte mit nur 40 Freiwilligen bis zum 27. April wenig Zulauf. Durch eine große Anzahl von Werbeveranstaltungen und die Unterstützung des Stadtkommandanten Gartenhof konnte seine Popularität in der Bevölkerung allerdings mit der Zeit gesteigert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Seinen ersten Einsatz hatte es in Gars: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Am 27. ds. Mts. wurden angehörige der hies. Volkswehr, die einen Garser Einwohner zur Vernehmung nach Wasserburg verbringen sollten, von dortigen Einwohnern entwaffnet und festgehalten. […] Unter diesen Umständen war das Wasserburger Freikorps zur gewaltsamen Befreiung seiner Mitbürger gezwungen. Der erste Transport des Freikorps stieß auf bewaffneten Widerstand […].  Nach kurzem Feuergefecht, in dem es leichte Verwundungen auf Seiten der Garser gab, erbaten die Garser Verhandlungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am 29. April stießen weitere Rotgardisten von Rosenheim nach Rott in Richtung Wasserburg vor. Dieser Angriff konnte allerdings auch ohne Unterstützung des Wasserburger Freikorps zurückgeschlagen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Bei den anschließenden Verhandlungen mit der Rosenheimer Schutztruppe führten Stadtkommandant Gartenhof und Oberleutnant Schneider das Wort. Die vereinbarten Kapitulationsbedingungen für Rosenheim konnten allerdings unter anderem wegen Widerstands von Seiten Kopps nicht eigehalten werden, weshalb es zu einer gewaltsamen Besetzung von Rosenheim unter der Beteiligung des Freikorps Wasserburg kam, das dabei auch in Gefechte verwickelt wurde und Verluste zu beklagen hatte. Die Rosenheimer mussten sich schließlich geschlagen geben, Kopp wurde mit seinen Unterstützern vor Gericht gestellt und zu langen Haftstrafen verurteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 428 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 1. bis zum 3. Mai wurde München von Regierungstruppen gestürmt. In den Gefechten und dem darauffolgenden „Weißen Terror“, bei dem es zum Teil zu willkürlichen Erschießungen von Zivilisten durch Regierungstruppen kam, starben bis zu 1.200 Menschen. Mit der Kapitulation von Kolbermoor endete schließlich die Räterepublik in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihre Anhänger erwarteten hohe Strafen, so auch 46 Wasserburger und Rosenheimer, die am 14. Juni in Traunstein vor dem Volksgerichtshof standen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das Freikorps Wasserburg mit zu diesem Zeitpunkt 650 Mitgliedern wurde am 8. Mai aufgelöst und in das reguläre Kader Infanterie Regiment 44 überführt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoß, Freikorps|Thoß, Freikorps]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Einen letzten Auftritt hatte es mit dem Besuch von Reichswehrminister Noske in Wasserburg am 3. August, der die Rolle der Einwohnerwehren bei der Niederschlagung der Revolution in Deutschland lobte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rätegedanke spielte nach dem gewaltsamen Ende der Revolution in Wasserburg und Bayern keine Rolle mehr. Der politische Alltag wurde, vor allem im ländlichen Raum, von der antidemokratischen „Ordnungszellenpolitik“ der Bayrischen Volkspartei (BVP) bestimmt. Kommunisten tauchten hier nur noch als (oft antisemitische) Feindbilder auf.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern|Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Simon Haserer}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<title>Bayerisches Rautenwappen und Wasserburg</title>
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		<updated>2025-02-12T16:09:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Sebastian Dietz|Sebastian Dietz]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hochmittelalter]] [[Kategorie:Spätmittelalter]] [[Kategorie:Architektur, Bauwerke, Objekte]] [[Kategorie:Politik/Verwaltung]] [[Kategorie: Artikel A-Z]] [[Kategorie:Sebastian Dietz]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Argumente für die Herkunft des Bayerischen Rautenwappens aus Wasserburg&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt und gilt als noch nicht veröffentlicht. Nachnutzung und Verwendung/Zitat ausdrücklich unter Vorbehalt. VÖ erfolgt zum 17.02.2025. Wir bitten um Geduld.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Wasserburg Ludwig Siegel.png|mini|Ursprünglich eine Wasserburger „Marke“: Urform des bayerischen Rautenwappens, Nachzeichnung aus dem Siegel Herzog Ludwig II. von 1247]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem Spätmittelalter verwendete das bayerische Herrscherhaus den weiß (heraldisch: silber) und blau schräg gerauteten Schild als Wappen. Bis in die Gegenwart wird dieser im großen und kleinen Staatswappen als Hoheitssymbol des bayerischen Staates verwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bayerisches Staatsministerium des Innern, Staatssymbole des Freistaates Bayern|Bayerisches Staatsministerium des Innern, Staatssymbole des Freistaates Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Darüber hinaus sind die Rauten (je nach Definitionsauffassung auch als Wecken bezeichnet) das allgemein anerkannte, vielfach verwendete Symbol für Bayern. Zum ersten Mal nutzte der Wittelsbacher [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Strenge Ludwig II. der Strenge] (* 13. April 1229 in Heidelberg, † 2. Februar 1294 ebd., ab 1253 Herzog von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein) den Rautenschild in seinem Siegel an einer Urkunde für das Kloster Seeon vom 19. November 1247.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Seeon 10|BayHStA, Urkunden Seeon 10]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch vor den Wittelsbachern sind Rauten in den Siegeln der Grafen von Wasserburg und einigen niederadeligen Geschlechtern in der Oberpfalz zu sehen, das Wappen der Grafen von Bogen wird gemeinhin auch als Rauten interpretiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herkunft der Wittelsbacher Rauten wurde seit dem 18. Jahrhundert in Gelehrtenkreisen diskutiert. Nachdem anfänglich eine Herleitung von Heinrich dem Löwen oder gar den Bajuwaren im Raum stand, setzte sich am Ende einer über hundert Jahre anhaltenden Diskussion der Fachwelt eine Abstammungsthese durch, die eine Übernahme der Rauten durch die Wittelsbacher von den älteren Wappen der Wasserburger oder Bogener Grafen annahm. [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_von_Jochner Georg Maria von Jochner], der letzte Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns zur Zeit der Monarchie und wohl seinerzeit bedeutendste bayerische Heraldiker, vertrat die Wasserburger Abstammung. Diese geriet seit der Neugestaltung des Staatswappens 1950 jedoch in Vergessenheit, denn damals wurde eine Herkunft von den Grafen von Bogen als Faktum in die Symboldeutung aufgenommen, ohne dass dafür irgendein Nachweis erbracht werden konnte. Gegenwärtig wird die Bogener These auch in der Wissenschaft allzuoft ohne Begründung oder Angabe von Quellen rezipiert und ihre Gültigkeit schon als selbstverständlich angenommen&amp;lt;ref&amp;gt;z.B. bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Slowioczek, Die Grafen von Bogen|Slowioczek, Die Grafen von Bogen]], 7, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Volkert, Wappen der Wittelsbacher|Volkert, Wappen der Wittelsbacher]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingegen sprechen aber vier Gründe eindeutig für die Wasserburger These:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das erste Wittelsbacher Rautensiegel taucht zeitlich unmittelbar nach der Eroberung von Wasserburg auf&lt;br /&gt;
* Ausstellungsorte und Adressaten der Urkunden Herzog Ludwigs, an denen sein Rautensiegel angebracht ist, sind häufig im Wasserburger Umland&lt;br /&gt;
* In überlieferten Siegelwappen der Wasserburger Grafen sind eindeutig rhombenförmige Rauten zu sehen, während es sich beim Wappen der Grafen von Bogen eher um ein Schachbrett oder Gittermuster handelt &lt;br /&gt;
* Die Tradition des Wasserburger Hausklosters Klosters Attel, das ab 1440 die Rauten seiner Stifter in den überlieferten Farben Weiß-Blau weiterführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein finaler Beweis kann auch mit dem nachfolgenden Beitrag nicht angetreten werden. Dies wäre dann der Fall, wenn Herzog Ludwig II. neben dem Wappen auch den Titel des Geschlechts übernommen hätte. Zu keinem Zeitpunkt war &#039;&#039;Graf von Wasserburg&#039;&#039; oder &#039;&#039;Hallgraf&#039;&#039; Bestandteil des bayerischen Herrschertitels, ebensowenig wie &#039;&#039;Graf von Bogen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Diese Miszelle erläutert die Siegel und Wappen der Wasserburger Grafen im Detail und diskutiert die oben genannten Gründe, die für eine Übernahme deren Wappens durch die Wittelsbacher sprechen, ausführlich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vorliegender Beitrag basiert auf [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dietz, Das Rautenwappen der Wittelsbacher|Dietz, Das Rautenwappen der Wittelsbacher]] wurde für die Darstellung in diesem Lexikon jedoch umfangreich erweitert.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Dabei wird die wissenschaftliche Diskussion um eine umfassende Auswertung der verfügbaren Quellen und Literatur ergänzt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Frühzeit der Heraldik==&lt;br /&gt;
Bevor die Wappen der Grafen von Wasserburg vorgestellt werden, ist zur Einordnung in den historischen Kontext ein Exkurs zur Entwicklung der Heraldik angebracht, insbesondere in Hinblick auf die Entwicklung des Wappens der Wittelsbacher sowie der heraldischen Figur der Rauten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entstehung des Wappenwesens===&lt;br /&gt;
In der heraldischen Fachwelt herrscht überwiegend der Konsens, dass das europäische Wappenwesen zur Zeit der Kreuzzüge zu Beginn des 12. Jahrhunderts entstand, auch wenn es immer wieder Spekulationen über noch ältere Spuren gab, eine davon führt auch nach Wasserburg: Der Begründer der wissenschaftlichen Heraldik, [https://de.wikipedia.org/wiki/Claude-Fran%C3%A7ois_M%C3%A9nestrier Claude-François Ménestrier], behauptete am Grabmal des Warmund von Wasserburg († um 1010) in St. Emmeram in Regensburg das älteste Wappen Europas, einen Löwen, gesehen zu haben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mayaud, Méthodes et réflexions du père Ménestrier et des érudits héraldistes|Mayaud, Méthodes et réflexions du père Ménestrier et des érudits héraldistes]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Grabmal stammt aber aus wesentlich späterer Zeit und das Löwenwappen war dort schon im späten 18. Jahrhundert nicht mehr zu sehen&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lipowsky, Geschlechtswappen der Pfalzgrafen von Scheyern und Wittelsbach|Lipowsky, Geschlechtswappen der Pfalzgrafen von Scheyern und Wittelsbach]], 196 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. So gilt Menestriers Beobachtung als widerlegt, ist aber wohl der Hintergrund für Vermutungen um einen [https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Wappen_und_Siegel_der_Stadt_Wasserburg Zusammenhang des Wasserburger Stadtwappens mit den Grafen von Wasserburg]. Der Löwe ist wohl dennoch die älteste heraldische Figur: Die erste belegbare Wappenverleihung – das Recht, ein Wappen offiziell führen zu dürfen, genehmigt durch einen Souverän – stammt aus dem Jahr 1127: Der König von England verlieh damals seinem Schwiegersohn [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_V._(Anjou) Gottfried Plantagenet] einen Schild mit gemalten Löwen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schroeder, Kleine Wappenkunst|Schroeder, Kleine Wappenkunst]], 28.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erhalten sind aus dieser Frühzeit der Heraldik vor allem Reitersiegel, die im gesamten europäischen Kulturraum ähnlich ausgestaltet sind. Im Regelfall ist dort der Siegelinhaber in voller Rüstung zu Pferde dargestellt. Über dem Kettenpanzer trägt er eine Tunika, auf dem Kopf einen geschlossenen Topfhelm oder seltener einen offenen Normannenhelm. In einer Hand hält er ein Schild mit dem eigentlichen Wappenbild, in der anderen Hand hält er eine Lanze, an der ein Banner befestigt ist, das sogenannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Gonfanon Gonfanon], welche das Wappenbild wiederholen kann. Bei Landesherren ist das Banner zwei- oder dreizipflig und oft gemustert, auch gerautet, dabei handelt es sich aber um die Darstellung eines textilen Musters und keines heraldischen Elements.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schöntag, Reitersiegel als Rechtssymbol|Schöntag, Reitersiegel als Rechtssymbol]], 88. In diesem Zusammenhang soll Folgendes erwähnt sein: Mutmaßungen über ein Rautenbanner im Siegel Herzog Ottos II., z.B. an seinem Siegel an der Urkunde [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Reichsstadt Regensburg 19|BayHStA, Urkunden Reichsstadt Regensburg 19]] von 1233, sind unzutreffend. Hier handelt es sich eindeutig um ein gemustertes Gonfanon ohne Heraldik, wie es in vielen anderen Herrschersiegeln auftritt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige heute noch verwendete Länderwappen sind zum ersten Mal auf solchen Reitersiegeln anzutreffen: Der Thüringer Löwe im Siegel Landgraf Herrmanns von 1209 oder die staufischen drei übereinanderschreitenden Löwen im Siegel   [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_(VII.)_(HRR) Herzog Heinrichs von Schwaben] von 1216, die heute im Landeswappen von Baden-Württemberg zu finden sind. Vereinzelt existieren auch Siegel, die nur den Wappenschild enthalten (z.B. der schon erwähnte Rautenschild Herzog Ludwigs des Strengen 1247) oder auch nur die Wappenfigur ohne Schild ([https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Löwe Heinrich der Löwe] nach seiner Entmachtung, um 1180).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schroeder, Kleine Wappenkunst|Schroeder, Kleine Wappenkunst]], 25-26.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr häufig treten in der frühen Heraldik die bereits in der Antike verwendeten Machtsymbole Adler und Löwe auf, die auch als Symbol der kaiserlich-staufischen (Adler) oder welfischen Partei (Löwe) interpretiert werden. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts begannen die Landesfürsten, die bislang den Adler führten, eigenständige Wappen zu zeigen, um ihre Unabhängigkeit vom staufischen Reich zu demonstrieren (z.B. Böhmen, Österreich).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hye, Wappen der Grafen von Andechs|Hye, Wappen der Grafen von Andechs]], 661.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei den Wittelsbachern führt der vom staufischen Kaiser begünstigte und mit dem Herzogtum belehnte [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_I._(Bayern) Otto I.] einen Adler. Ebenso tut es sein Sohn [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Kelheimer Ludwig I.] bis ca. 1220-22. Von da an bis zu seinem Tod 1231 zeigt er den Zackenbalken, das vermutliche Stammwappen der Grafen von Scheyern, welches in seiner Form den Rauten nicht unähnlich ist und auch schon für solche gehalten wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Dies wurde seit der Preisfrage (siehe [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Einzinger, Historische Wappengallerie|Einzinger, Historische Wappengallerie]], 13) der kurfürstlich-bayerischen Akademie der Wissenschaften von 1775 immer wieder kontrovers diskutiert. Letztlich besteht aber bis heute die Vermutung, dass es sich bei dem Zackenbalken um das Stammwappen der Wittelsbacher handelt, vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hofmann, Urkundenwesen|Hofmann, Urkundenwesen]], 54.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Denkbar wäre, dass der zwischen Staufern und Welfen hin und her paktierende Herzog ein eigenständiges Hoheitszeichen präsentieren wollte. Sein Sohn [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_II._(Bayern) Otto II. der Erlauchte], der über seine Frau Agnes, eine Welfentochter, die Rheinpfalz erbte, führte den Pfälzer Löwen, der dann zum bayerischen Löwen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Primbs, Entwicklung des wittelsbachischen Wappens|Primbs, Entwicklung des wittelsbachischen Wappens]], 264-265.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rauten in der Frühzeit der Heraldik===&lt;br /&gt;
Fast ähnlich beliebt wie Adler und Löwe sind Schach&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Geschacht (Heraldik)|Wikipedia, Geschacht (Heraldik)]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Gritzner, Grundsätze der Wappenkunst|Gritzner, Grundsätze der Wappenkunst]], 33.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Raute&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Raute (Heraldik)|Wikipedia, Raute (Heraldik)]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Gritzner, Grundsätze der Wappenkunst|Gritzner, Grundsätze der Wappenkunst]], 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;, beide sind sich im Aufbau ähnlich. Oft wird der gesamte Schild geschacht oder gerautet, dies lässt wieder an die Schildbespannung der Kreuzritter mit gemusterten orientalischen Stoffen als Ursprung denken. Das Schach, bei dem der Schild mit einer gleichen Anzahl von rechtwinkligen Spaltungs- und Teilungslinien belegt ist, ist als Wappen nachweisbar ab 1141&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Archives départementales de la Somme, 20H9/3|Archives départementales de la Somme, 20H9/3]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Wohl eine Abwandlung des Schachs sind die Rauten, wobei der wesentliche Unterschied der ungleiche Winkel beim Aufeinandertreffen der Linien ist, die einzelne Raute erhält damit die Form eines Rhombus. Nur in der deutschen Heraldik existieren noch die Figuren Wecken (längliche Rauten)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Wecke (Heraldik)|Wikipedia, Wecke (Heraldik)]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Spindeln (besonders schlanke Form der Wecke)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Spindel (Heraldik)|Wikipedia, Spindel (Heraldik)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Beim bayerischen Wappen existiert auch in der Fachliteratur keine eindeutige Unterscheidung, die Begriffe Wecken und Rauten werden zumeist synonym verwendet und in der amtlichen Definition des Innenministeriums ist nur von Rauten die Rede.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bayerisches Staatsministerium des Innern, Staatssymbole des Freistaates Bayern|Bayerisches Staatsministerium des Innern, Staatssymbole des Freistaates Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rauten sind aber keine ausschließlich bayerische heraldische Figur. Früh erscheint sie in Frankreich, z.B. beim Haus [https://de.wikipedia.org/wiki/Craon_(Adelsgeschlecht) Craon]. Prominent ist das Rautenwappen der ursprünglich Genuesischen Adelsfamilie [https://de.wikipedia.org/wiki/Grimaldi Grimaldi], das sich heute im Staatswappen von Monaco befindet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Coat of Arms of Monaco|Wikipedia, Coat of Arms of Monaco]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Deutschland sind Rauten bei mehreren Adelsfamilien vorzufinden, bekannt sind die [https://de.wikipedia.org/wiki/Teck_(mittelalterliches_Adelsgeschlecht) &#039;&#039;Teckschen Wecken&#039;&#039;] einer Seitenlinie der Zähringer Herzöge, nachweisbar ab 1261.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Generallandesarchiv Karlsruhe, Salemer Urkunden 4, Nr. 7053|Generallandesarchiv Karlsruhe, Salemer Urkunden 4, Nr. 7053]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bayern tauchen Rauten erstmals 1180 bei dem niederadeligen Geschlecht der Liebensteiner auf, Ministerialen der Reichsabtei Waldsassen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Seyler/Siebmacher, Abgestorbener bayerischer Adel 1|Seyler/Siebmacher, Abgestorbener bayerischer Adel 1]], 160./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hefner, Altbayerische Heraldik|Hefner, Altbayerische Heraldik]], 115.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Hefner&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hefner, Altbayerische Heraldik|Hefner, Altbayerische Heraldik]], 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;stehen sie in einer Wappengemeinschaft mit den Hohenfelsern und Ehrenfelsern, Ministerialen des Hochstifts Regensburg. Ab 1202/03 zeigen die Wasserburger Grafen Rauten und ab 1209 die  Grafen von Bogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwähnt soll an dieser Stelle noch der geschachte Schild im Stammwappen der Sponheimer sein, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts nachweisbar ist&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mötsch, Siegel der Grafen von Sponheim|Mötsch, Siegel der Grafen von Sponheim]], 461 und 467./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Primbs, Wanderung durch die Sammlung von Siegelabgüssen|Primbs, Wanderung durch die Sammlung von Siegelabgüssen]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, jedoch wegen seiner Schlichtheit auch älteren Ursprungs sein könnte. Es handelt sich um eine ursprünglich rheinländische Familie, von der sich ein bayerischer Zweig als Grafen von Ortenburg abspaltete, der die Pfalzgrafenwürde erlangte und damit im alten Herzogtum Bayern nach dem Herzog selbst an zweiter Stelle in der Adelshierarchie kam.  Diese Familie war mit den mächtigen altbayerischen Grafengeschlechtern verschwägert, so auch mit den Grafen von Wasserburg. Der bayerische Zweig führte jedoch als Wappen einen Panther. Als Inspirationsquelle für Rauten beim bayerischen Adel wäre wohl das Sponheimer Stammwappen auch denkbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier dargestellte Vielzahl an Rautenwappen, die noch vor den Wittelsbachern geführt wurde, zeigt zunächst einmal, dass die Rauten nicht einem einzigen Geschlecht zuzuorden sind und eine Herkunftsthese vor allem auch den zeitlichen und örtlichen Verwendungskontext betrachten sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Stammwappen der Sponheimer aus Siebmacher Bd. 6 Abt. 7.jpg|Stammwappen der Sponheimer nach Siebmacher.&lt;br /&gt;
File:Ludwig der Kehlheimer.jpg|Ludwig der Kehlheimer mit Zackenbalken nach Scholliner.&lt;br /&gt;
File:Liebenstein.png|Wappen der Liebensteiner, Ministerialen der Reichsabtei Waldsassen, nach Siebmacher.&lt;br /&gt;
File:Siegel Graf Berthold IV. von Bogen .jpg|Siegel Graf Berthold IV. von Bogen nach Scholliner, Idealisierte Darstellung.&lt;br /&gt;
File:Siegel Graf Albert IV. von Bogen (1233) nach Monumenta Boica.jpg|Siegel Graf Albert IV. von Bogen nach Scholliner.&lt;br /&gt;
File:Wappen Hohenfels nach Siebmacher.png|Wappen der Hohenfelser und Ehrenfelser, Ministerialen des Hochstifts Regensburg, nach Siebmacher.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Wappen der Grafen von Wasserburg==&lt;br /&gt;
===Die siegelführenden Grafen===&lt;br /&gt;
[[Datei:Reiter Dietrich.png|mini|Nachzeichnung des Reitersiegels Graf Dietrichs von Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bei anderen altbayerischen Hochadelsgeschlechtern auch, liegen die Anfänge der Grafen von Wasserburg im Dunkeln. Vermutlich handelt es sich um eine Nebenlinie des Hauses Dießen-Andechs, über die eine Abstammung von den Regensburger Domvögten hergeleitet werden kann.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Noichl, Grafen von Wasserburg|Noichl, Grafen von Wasserburg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Kerngebiet des Herrschaftsbereichs war das Wasserburger Umland mit der Limburg als Herrschaftssitz, der im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts nach Wasserburg verlegt wurde. Vogteirechte wurden über die Hausklöster Attel und Altenhohenau sowie Rott am Inn ausgeübt. Ergänzt wurde der Herrschaftsbereich durch die  Viechtenstein im Inntal bei Passau (ab 1220 an Passau übertragen) und die Hallgrafschaft in Reichenhall (ab 1220 durch den Herzog von Bayern übernommen). Eine ausführliche Darstellung der Genealogie ist bereits bei Noichl&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Noichl, Grafen von Wasserburg|Noichl, Grafen von Wasserburg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; erfolgt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier kann zum Verständnis ein kurzer Überblick der im Weiteren relevanten genealogischen Daten der letzten beiden Grafen genügen, für die auch Siegel erhalten sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dietrich, Graf von Wasserburg († 1206) ∞ vor 1178 Heilika von Wittelsbach, Tochter von Herzog Otto I..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Konrad, Graf von Wasserburg († 1259 Offenburg in der Steiermark) ∞ vor 1223 Kunigunde von Hirschberg, Witwe Bertholds IV., Graf von Bogen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als einziger Sohn Dietrichs, schloss er - kinderlos - 1242 mit Herzog Otto II. von Bayern einen Erbvertrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reitersiegel der Wasserburger Grafen===&lt;br /&gt;
Für Graf Dietrich ist eine Wappenfigur überliefert, für Graf Konrad sind es zwei, von denen eine vermutlich älter ist und im Laufe der Zeit durch die zweite ersetzt wurde. Im Folgenden werden diese im Detail vorgestellt werden. Die in den Abbildungen hypothetisch verwendete Tingierung silbern (weiß) und blau bei den Rautenwappen ist durch die [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Das_Wappen_des_Klosters_Attel_in_der_Nachfolge_des_Wasserburger_Rautenwappens|unten aufgeführte]] Überlieferung des Wasserburger Grafenwappens im Wappen des Klosters Attel begründet. &lt;br /&gt;
Die vorgenommene Typisierung wird durch den schlechten Erhaltungszustand des Großteils der noch vorhandenen Siegel erschwert.&amp;lt;ref&amp;gt;In bayerischen und österreichischen Archiven sind 44 Urkunden der Grafen von Wasserburg erhalten, an 39 davon sind noch Siegel oder Siegelreste vorhanden, siehe [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dietz, Auswertung der Siegel der Grafen von Wasserburg|Dietz, Auswertung der Siegel der Grafen von Wasserburg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Das volle Rautenwappen Graf Dietrichs von Wasserburg====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Volles Rautenwappen der Grafen von Wasserburg.png|Volles Rautenwappen der Grafen von Wasserburg.&lt;br /&gt;
File: 3,1_Kloster-Attel-Urk_10.jpg|Reitersiegel Graf Dietrich mit vollem Rautenwappen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Graf Dietrich, bekleidet in hochmittelalterlicher Rüstung mit einem Nasal- oder Normannenhelm präsentiert eine gerautete Fahnenlanze und einen gerauteten Dreiecksschild. Die Ähnlichkeit zum heutigen bayerischen Rautenwappen ist unverkennbar. Das Siegel ist an insgesamt vier Urkunden im bayerischen Hauptstaatsarchiv erhalten&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Schäftlarn 3|BayHStA, Urkunden Schäftlarn 3]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Rott am Inn 10|BayHStA, Urkunden Rott am Inn 10]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Attel 9|BayHStA, Urkunden Attel 9]] und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Attel 10|BayHStA, Urkunden Attel 10]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, von denen jedoch nur eines so gut erhalten ist&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Attel 10|BayHStA, Urkunden Attel 10]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, dass hier die Rauten erkennbar sind. Beim Größenvergleich wird aber klar, dass alle vier Siegel vom gleichen Typar stammen, man kann also davon ausgehen, dass Graf Dietrich nur dieses eine Wappen geführt hat. Bei genauerer Betrachtung der Nachzeichnung des Reiters ist der Schild mit zehn Rauten in der Anordnung 3:3:3:1 belegt. Da die frühen Wappen noch nicht bis ins kleinste Detail definiert waren, kann man wohl eher davon ausgehen, dass die Anordnung willkürlich gewählt war und einfach ein gerauteter Schild dargestellt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum hat nun Graf Dietrich das Rautenwappen angenommen oder, was nicht belegbar ist, von seinen Vorfahren übernommen? Die Rautenwappen der Regensburger Ministerialengeschlechter sind möglicherweise artverwandt, wie bei anderen bayerischen Dynastengeschlechtern führt eine genealogische Spur in den Raum der alten bajuwarischen Stammeshauptstadt Regensburg, nämlich über die Domvögte von Regensburg. Es könnte also sein, dass die Rauten ein Hinweis auf die Regensburger Abstammung sind oder ein Hinweis auf die Beziehung zu der Stadt, in der auch Graf Warmund beigesetzt wurde. Dietrich war aber auch Kreuzzugsteilnehmer und wie [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Rauten in der Frühzeit der Heraldik|oben]]  dargestellt, sind die Rauten ein in Frankreich sehr früh vorkommendes Wappenelement. Eventuell hat er sie dort gesehen und übernommen. Vielleicht handelt es sich um eine Abwandlung des Sponheimer Schachs, denn es ist eine genealogische Beziehung zu den Grafen von Sponheim vorhanden. Dies sind aber Hypothesen, für die keine direkten Nachweise erbracht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Schrägbalken mit drei Sternen====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File: Schild Schrägbalken.png|mini|Wappen Graf Konrad: Schrägbalken mit drei Sternen&lt;br /&gt;
File: BayHStA Siegelsammlung MS A 6210.jpg|Reitersiegel Konrad von Wasserburg BayHStA Siegelsammlung MS A 6210&lt;br /&gt;
File: BayHStA Siegelsammlung MS A 6210 Detail.jpg|BayHStA Siegelsammlung MS A 6210 Detail: Deutlich zu erkennen sind die fünfzackigen Sterne&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Graf Konrad sind insgesamt 34 Siegel mehr oder weniger gut erhalten, die sich aber aufgrund des Größenunterschieds zwei Typaren zuordnen lassen. Auf dem vermutlich Älteren ist der Graf mit einem zeitgemäßen Topfhelm dargestellt, in einer Hand ein Schwert schwingend, in der anderen einen Schild, der mit einem rechten Schrägbalken belegt ist. Nur ein Siegel ist so gut erhalten, dass man auf dem Schrägbalken noch drei fünfzackige Sterne erkennt. An einem Metallabguss aus dem bayerischen Hauptstaatsarchiv von Ende des 19. Jahrhunderts sind diese noch ganz genau zu erkennen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Primbs, Wanderung durch die Sammlung von Siegelabgüssen|Primbs, Wanderung durch die Sammlung von Siegelabgüssen]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Metallabgussammlung A 6210|BayHStA, Metallabgussammlung A 6210]], Abguss nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Hochstift Regensburg 45|BayHStA, Urkunden Hochstift Regensburg 45]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich mit zeitgenössischen Wappen fällt auf, dass dieses Wappen Konrads dem der Burggrafen von Regensburg sehr ähnelt, die einen rechten Schrägbalken mit drei Rosen führten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Burggraf von Regensburg|Wikipedia, Burggraf von Regensburg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wie bei Graf Dietrich könnte dies ein Hinweis auf eine Verwandtschaft oder Herkunft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klemens Stadler&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Klemens Stadler|Wikipedia, Klemens Stadler]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in der Nachkriegszeit am Bayerischen Hauptstaatsarchiv zuständig für Heraldik und Herausgeber einer Buchreihe zu den Deutschen Ortswappen, hat die Sterne im Wappen Graf Konrads etwas leichtfertig ebenfalls als Rosen interpretiert und in Zusammenhang mit dem Stadtwappen von Rosenheim gebracht &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadler, Wappen und Siegel der Stadt Rosenheim|Stadler, Wappen und Siegel der Stadt Rosenheim]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, eine Legende, die sich bis heute hält, so z.B. im Internetauftritt der Stadt Rosenheim &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rosenheim, Stadtwappen und Logo|Rosenheim, Stadtwappen und Logo]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Rosenheim geht wohl auf eine Burg im Besitz der Grafen von Wasserburg zurück&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Burg Rosenheim|Wikipedia, Burg Rosenheim]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, aber das Stadtwappen ist doch eher ein redendes Wappen und wurde auch erst 1374 zum ersten Mal verwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rosenheim, Stadtwappen und Logo|Rosenheim, Stadtwappen und Logo]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Zudem sind die Sterne auf dem Siegel eindeutig als solche zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Das reduzierte Rautenwappen====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Reduziertes Rautenwappen der Grafen von Wasserburg.png|Wappen Graf Konrad: Reduziertes Rautenwappen&lt;br /&gt;
File:BayHStA Siegelsammlung MS A 6211.jpg|Reitersiegel Konrad von Wasserburg BayHStA Siegelsammlung MS A 6211&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konrad führte dieses Wappen bis ca. 1234 und wechselte dann vermehrt – jedoch nicht ausschließlich – auf ein Wappen mit drei Rauten.&amp;lt;ref&amp;gt;Am besten erkennbar auf [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Metallabgussammlung A 6211|BayHStA, Metallabgussammlung A 6211]], Nachweis des zweiten Typars Graf Konrads.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Siegel mit beiden Wappen – Schrägbalken und Rauten – sehen sehr ähnlich aus: es ist jeweils ein schwertschwingender Reiter mit Topfhelm dargestellt. Der Unterschied besteht in Details, vor allem aber im Größenunterschied. Damit lassen sich auch die schlecht erhaltenen Siegel klassifizieren. Die drei Rauten sind wahrscheinlich eine Reduktion des Rautenschilds seines Vaters auf eine Rauten-Dreierreihe, gemäß dem heraldischen Prinzip &#039;&#039;pars pro toto&#039;&#039; (ein Teil steht für das Ganze). Damit handelt es sich um eine Vereinfachung des ursprünglichen Rautenwappens, wie sie auch schon bei der Wappengemeinschaft Liebenstein-Ehrenfels-Hohenfels praktiziert wurde. Auch nach seiner Entmachtung 1247 stellte Konrad noch Urkunden aus, an denen das Siegel jedoch entweder nicht erhalten oder in so schlechtem Zustand ist, dass keine Zuordnung zu einem der beiden Typare erfolgen kann.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möglich, dass die Motivation für die Wahl eines anderen Wappenbildes ein Politikwechsel zwischen dem kaiserlichen und päpstlichen Lager war. So unterstützte Konrad am Ende seiner Herrschaft die päpstliche Seite gegen den kaisertreuen bayerischen Herzog.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Inninger, Konradin|Inninger, Konradin]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Betrachtet man die Häufung des Schrägbalkenwappens nach Adressaten, so fällt auf, dass es häufiger auf Urkunden für externe Adressaten verwendet wurde, z.B. für das Domkapitel oder Hochstift von Passau oder für St. Peter in Salzburg. Das Rautenwappen wurde hingegen bevorzugt auf Urkunden für die bevogteten Klöster Attel, Rott am Inn und Altenhohenau, verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rautenwappenforschung - ein Literaturüberblick==&lt;br /&gt;
====Die Gelehrtendiskussion von 1775 bis ins 20. Jahrhundert====&lt;br /&gt;
Bis in die frühe Neuzeit hinein gab es keine Deutungsversuche zum Wittelsbacher Rautenwappen. In den Geschichtswerken von Aventinus und Hundt findet man nichts zu einer Herkunftstheorie. Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts beginnt dann eine Diskussion, die sich letztendlich über mehrere Jahrhunderte erstreckte, jedoch nahezu ausschließlich in wissenschaftlichen Fachkreisen der Heraldiker stattfand und von der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde. Der Ausgangspunkt war 1775 eine Preisfrage der kurfürstlich-bayerischen Akademie der Wissenschaften: &#039;&#039;Was hatten die Pfalzgrafen von Scheyren und Wittelsbach für ein Geschlechts- Wappen? Warum haben Sie, Als Herzoge, die Wecken und den Löwen wechselweise, die Herzoge in Niederbayern aber zu diesen noch ein Panterthier angenommen?&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Neben der Veröffentlichung der Schrift des Gewinners der Preisfrage, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lipowsky, Geschlechtswappen der Pfalzgrafen von Scheyern und Wittelsbach|Lipowsky, Geschlechtswappen der Pfalzgrafen von Scheyern und Wittelsbach]], berichtet auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Einzinger, Historische Wappengallerie|Einzinger, Historische Wappengallerie]], 13 f., darüber. Eine Zusammenfassung der Diskussion ist auch bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Primbs, Entwicklung des wittelsbachischen Wappens|Primbs, Entwicklung des wittelsbachischen Wappens]], 257-260 enthalten.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Preis war wie damals üblich eine Goldmedaille ausgelobt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei renommierte Historiker und Heraldiker antworteten, wobei sich ihre Ausführungen im Wesentlichen auf Abbildungen in den Monumenta Boica&amp;lt;ref&amp;gt;Für die Grafen von Bogen:[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Monumenta Boica 11|Monumenta Boica 11]] Tab. III,[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Monumenta Boica 14|Monumenta Boica 14]] Tab. II. Für die Grafen von Wasserburg:[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Monumenta Boica 1|Monumenta Boica 1]] Tab. I &amp;lt;/ref&amp;gt; bezogen, welche aber auch falsche Darstellungen enthalten&amp;lt;ref&amp;gt;So weicht die Darstellung des Siegels Berthold IV. von Bogen in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Monumenta Boica 11|Monumenta Boica 11]] Tab. III stark vom originalen Siegel an der Urkunde BayHStA Kloster Niederaltaich, Urkunden 2098 ab&amp;lt;/ref&amp;gt; und überinterpretiert wurden &amp;lt;ref&amp;gt;Ein Beispiel für die Überinterpretation ist die Schraffur bei den Grafen von Wasserburg und Bogen in den Abbildungen, die in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Einzinger, Historische Wappengallerie|Einzinger, Historische Wappengallerie]] S.139 als rote Farbe interpretiert wird. Die Siegel sind jedoch nachweislich nicht bemalt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Goldmedaille erhielt der Reichersberger Augustinerchorherr P. Augustin Maximilian Lipowsky, der die Rauten für ein bayerisches Stammeswappen hielt, das schon von den Welfenherzögen verwendet worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lipowsky, Geschlechtswappen der Pfalzgrafen von Scheyern und Wittelsbach|Lipowsky, Geschlechtswappen der Pfalzgrafen von Scheyern und Wittelsbach]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ähnlich sah es der Jurist und Heraldiker Johann Martin Maximilian Einzinger von Einzing, der die Rauten für das Staats- oder Gebietswappen von Niederbayern hielt, im Gegensatz zum oberbayerischen ungekrönten Löwen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Einzinger, Historische Wappengallerie|Einzinger, Historische Wappengallerie]], 196 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einzinger erhielt für diese Erörterung einen Sachpreis. Bei der Preisfrage leer ausgegangen ist P. Hermann Scholliner, Professor an den Universitäten Ingolstadt und Salzburg und Oberalteicher Benediktinerpater.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Einzinger, Historische Wappengallerie|Einzinger, Historische Wappengallerie]], 13 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er vermutete eine Abstammung von den Grafen von Bogen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scholliner, Historisch-Heraldische Abhandlung|Scholliner, Historisch-Heraldische Abhandlung]], 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rauten der Wasserburger Grafen waren den Autoren auch bekannt und wurden von allen drei erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Einzinger, Historische Wappengallerie|Einzinger, Historische Wappengallerie]], 137, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lipowsky, Geschlechtswappen der Pfalzgrafen von Scheyern und Wittelsbach|Lipowsky, Geschlechtswappen der Pfalzgrafen von Scheyern und Wittelsbach]], 267, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scholliner, Historisch-Heraldische Abhandlung|Scholliner, Historisch-Heraldische Abhandlung]], 45.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war das Thema aber nicht abgeschlossen, die Diskussion zog sich bis ans Ende des darauf folgenden Jahrhunderts und fast jeder bayerische Heraldiker hat sich fortan in eine der schon bei der Preisfrage aufgetanen Richtungen geäußert. Noch im neuen Siebmacher, dem Standardwerk der deutschen Heraldik bis heute, ist von den Siegeln der Grafen von Bogen als Vorlage für das Bayerische Rautenwappen keine Rede; hier wird eine ähnliche These wie bei Lipowsky und Einzinger formuliert, während eine Abstammung von den Grafen von Wasserburg erwähnt, aber verworfen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hefner/Siebmacher, Soveraine der deutschen Bundesstaaten 1|Hefner/Siebmacher, Soveraine der deutschen Bundesstaaten 1]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende scheint sich die Abstammungsthese doch durchzusetzen. Die Rauten der Grafen von Wasserburg finden aber immer noch gleichrangig mit den Rauten der Grafen von Bogen Erwähnung, zum Beispiel bei Mayer von Mayerfels 1880&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mayer von Mayerfels, Wittelsbacher Stamm-, Haus- u. Geschlechtswappen|Mayer von Mayerfels, Wittelsbacher Stamm-, Haus- u. Geschlechtswappen]], 39 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Primbs 1883&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Primbs, Entwicklung des wittelsbachischen Wappens|Primbs, Entwicklung des wittelsbachischen Wappens]], 258.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Hupp 1912&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hupp, Wappen und Siegel|Hupp, Wappen und Siegel]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Hervorzuheben im Bezug auf Wasserburg ist die Aussage des [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Einführung|Eingangs erwähnten]] Georg von Jochner. Der Archivar war von 1916 bis 1922 Generaldirektor des Allgemeinen Reichsarchivs in München, der Vorgängerinstitution des Bayerischen Hauptstaatsarchivs. Aufgrund seiner Verdienste wurde ihm im September 1918 das Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone verliehen, verbunden mit dem persönlichen Adel, dadurch war er auch einer der letzten Zivilisten, der von König Ludwig III. in den Adelsstand erhoben wurde. Jochner war zu seiner Zeit die in Bayern führende Autorität in Sachen Heraldik. In einem Aufsatz von 1894 schreibt er, dass das Rautenwappen eindeutig von den Wasserburger Grafen übernommen wurde,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Jochner, Das Wittelsbachische Hauswappen|Jochner, Das Wittelsbachische Hauswappen]], 8.&amp;lt;/ref&amp;gt; dies wird [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Zeitlicher Kontext: Die Eroberung von Wasserburg 1247|im Folgenden]] weiter ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Bogener These wird amtlich (ab 1950)====&lt;br /&gt;
Es stellt sich die Frage, warum  die Wasserburger Herkunft der Rauten in Vergessenheit geriet und heute selbst in der Fachwelt wenig bekannt zu sein scheint oder nicht diskutiert wird?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Grund ist die Übernahme der Bogener These in die Symbolerklärung zum bayerischen Rautenwappen durch das Innenministerium. Der Hintergrund dazu lässt sich wie folgt rekonstruieren: Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Annahme eines neuen Staatswappens diskutiert. Hierzu lag 1946 ein Entwurf&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Volkert, Die Wappenzeichen des Landes Bayern|Volkert, Die Wappenzeichen des Landes Bayern]], 691.&amp;lt;/ref&amp;gt; des Grafikers und Heraldikers Eduard Ege &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Heraldik Wiki, Eduard Ege|Heraldik Wiki, Eduard Ege]].&amp;lt;/ref&amp;gt; vor. Dieser wurde in Fachkreisen wegen der Symbolik, die die Landesteile Bayerns repräsentierten und auch wegen der damals modernen grafischen Gestaltung diskutiert. Allerdings wurde eher über die Symbole für Niederbayern und Schwaben debattiert, die Rauten als zentrales Element standen nicht zur Diskussion. Der [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Der Schrägbalken mit drei Sternen|oben]] bereits erwähnte Klemens Stadler, zuständig für Heraldik am Bayerischen Hauptstaatsarchiv verfasste ein Gutachten dazu, welches er auch in etwas geänderter Form 1949 veröffentlicht hat.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadler, Das bayer. Staatswappen|Stadler, Das bayer. Staatswappen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er spricht sich gegen den neuen Entwurf aus. In jenem Aufsatz erwähnt er nebenbei auch seine Auffassung von der Bogener Herkunft der Rauten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Es besteht wohl kein Zweifel mehr, dass die Wecken dem Wappen der 1242 ausgestorbenen und auf Grund Versippung von den Wittelsbachern beerbten Grafen von Bogen a. Donau entstammen. ... Es lag nahe, an seiner Stelle das den nicht unbedeutenden Ländergewinn an der Donau versinnbildende Wappen der verschwägerten Grafen nach deren Erlöschen zum herzoglichen Wahrzeichen zu erheben.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadler, Das bayer. Staatswappen|Stadler, Das bayer. Staatswappen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich hat sich entgegen der Empfehlung Stadlers der Entwurf Eges durchgesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Abendzeitung, Bayerischer Wappenkrieg|Abendzeitung, Bayerischer Wappenkrieg]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und wurde 1950 offiziell angenommen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wappengesetz Bayern|Wappengesetz Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Zunächst wurde das Wappen - wie auch schon seine Vorgänger - lediglich durch einen Rechtsakt definiert, ohne dass von offizieller Stelle eine Symbolerklärung verfasst wurde. Der damalige Staatsminister für Unterricht und Kultus, Alois Hundhammer, wandte sich 1950 an das Innenministerium mit der Bitte um eine Symbolerklärung, um die Popularität des neuen Wappens zu erhöhen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hundhammer, Schreiben an das Innenministerium 1950|Hundhammer, Schreiben an das Innenministerium 1950]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dem wurde entsprochen und von Stadler ein Beitrag in der Bayerischen Staatszeitung verfasst&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadler,  Bayerische Staatszeitung 1953|Stadler,  Bayerische Staatszeitung 1953]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, der die Grundlage für die heute vom Bayerischen Innenministerium verbreitete Version&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bayerisches Staatsministerium des Innern, Staatssymbole des Freistaates Bayern|Bayerisches Staatsministerium des Innern, Staatssymbole des Freistaates Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt; bildet. Bald darauf begann die Stadt Bogen sich als &#039;&#039;Wiege des Rautenwappens&#039;&#039; zu bezeichnen und dies entsprechend als Marketing-Slogan zu verwenden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michal, Museumsführer Bogen|Michal, Museumsführer Bogen]], 20.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Bemerkungen zum Nachweis der Bogener These durch Stadler====&lt;br /&gt;
In Fachkreisen geriet daraufhin die Wasserburger These in Vergessenheit und die Bogener These wurde kritiklos, allermeist ohne Quellenangabe rezipiert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Volkert, Wappen der Wittelsbacher|Volkert, Wappen der Wittelsbacher]], 14 und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Volkert, Die Wappenzeichen des Landes Bayern|Volkert, Die Wappenzeichen des Landes Bayern]], 680 f., [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Loibl, Die Grafen von Bogen|Loibl, Die Grafen von Bogen]], 59 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Lediglich in Paul Ernst Rattelmüllers Buch zum Bayerischen Wappen &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rattelmüller, Das Wappen von Bayern|Rattelmüller, Das Wappen von Bayern]], 19-21&amp;lt;/ref&amp;gt; findet sich ein Hinweis auf die für den Nachweis der Bogener These maßgebliche Veröffentlichung: Dies ist wiederum Stadlers Aufsatz von 1949.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadler, Das bayer. Staatswappen|Stadler, Das bayer. Staatswappen]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Deswegen lohnt es sich, sich mit der allerdings etwas spärlichen Argumentation Stadlers genauer auseinanderzusetzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes Argument nennt er den bedeutenden Ländergewinn durch das Bogener Erbe von 1242. Auch in späteren Veröffentlichungen wird dies immer wieder aufgeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;z.B. bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Loibl, Die Grafen von Bogen|Loibl, Die Grafen von Bogen]], 59 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist jedoch nur eine Hypothese, da kein Wittelsbacher je den Titel eines Grafen von Bogen führte. Sicherlich trug der Ländergewinn einen Teil zur Konsolidierung der Herzogsmacht der Wittelsbacher bei, jedoch wurden im gleichen Zeitraum eine ganze Reihe altbayerischer Adelsgeschlechter von den Wittelsbachern beerbt, die fast gleichzeitig ausstarben. Neben den Wittelsbachern selbst waren die bedeutendsten davon vor allem die [https://de.wikipedia.org/wiki/Andechs_(Adelsgeschlecht) Andechser], die den Herzogstitel von Meranien trugen, sowie auch die Grafen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsgrafschaft_Ortenburg Ortenburg]und [https://de.wikipedia.org/wiki/Grafen_von_Grögling-Hirschberg Hirschberg].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Prinz, Die bayerischen Dynastengeschlechter des Hochmittelalters|Prinz, Die bayerischen Dynastengeschlechter des Hochmittelalters]], 262&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier stellt sich die Frage, warum die Herzöge das Wappen ausgerechnet der Grafen von Bogen und nicht das der Andechser oder eines anderen, von ihnen beerbten oder entmachteten Geschlechts gleicher Bedeutung gewählt haben. Insbesondere kann das Argument einer Übernahme des Rautenwappens aufgrund eines Erbfalls auch für die Grafschaft Wasserburg verwendet werden, zumal das von den Wasserburger Grafen zeitweise ausgeübte Amt des Hallgrafen, das ebenfalls von den Wittelsbachern übernommen wurde, einen Zugriff auf die wirtschaftlich enorm bedeutende Reichenhaller Salzgewinnung mit sich brachte.    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als materielle Nachweise führt Stadler, neben den schon bekannten Siegeln, lediglich apokryphe (d.h. in viel späterer Zeit entstandene und ihnen zugeschriebene) Rautenwappen der Grafen von Bogen in Windberg und Oberaltaich, deren Hausklöstern, auf. Diese wurden auch schon von Scholliner&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scholliner, Historisch-Heraldische Abhandlung|Scholliner, Historisch-Heraldische Abhandlung]], 18.&amp;lt;/ref&amp;gt; erwähnt, jedoch nicht als Hauptanhaltspunkt für seine These verwendet, denn der Zeitpunkt der Entstehung dieser Wappen liegt über 300 Jahre nach dem Aussterben der Grafen von Bogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 1418 errichteten Kenotaph der Klostergründer in Oberaltaich, der Regensburger Domvögte Friedrich I. (†1102) und Aswin (†1098), die gemäß der Inschrift fälschlich &amp;lt;ref&amp;gt; Zu den neuesten Forschungsergebnissen der Verwandschaft zwischen den Regensburger Domvögten und den Grafen von Bogen sei auf [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Slowioczek, Die Grafen von Bogen|Slowioczek, Die Grafen von Bogen]], 26-30 verwiesen.&amp;lt;/ref&amp;gt;zu den Grafen von Bogen gerechnet wurden, ist zu Füßen des Grafen Aswin ein Rautenschild dargestellt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Rauten wurden allerdings erst rund hundert Jahre nach Aswin und Friedrich von den Grafen von Bogen verwendet. Es ist hier eher so, dass wie bei einer Vielzahl gotischer und barocker Bildwerke in bayerischen Klöstern den dort dargestellten früh- und hochmittelalterlichen Herrschern die herzoglich-bayerischen Rauten mangels eines bekannten eigenen Wappens zugeschrieben wurden. Damit wollte man ein Mitglied oder einen Verwandten (wie im Falle der Bogener Grafen) der Herzogsfamilie kennzeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Zur Unterlegung der Aussage sollen hier einige Beispiele aus bayerischen Kirchen dargestellt werden, in denen hochmittelalterlichen Herrschern aus vorheraldischer Zeit Rauten zugeschrieben wurden: Gotisch: Dom zu Bamberg – Grabmal Heinrich II. (†1024), Stiftskirche Aschaffenburg – Grabmal Herzog Otto, Augsburg St. Moritz – Grabmal Bischof Brun (†1029), Bruder Heinrichs II. Barock: Wallfahrtskirche Grafrath, Deckenfresko im Chor – der legendäre Graf Rasso von Andechs, Klosterkirche Scheyern – Grabmal der Grafen von Dachau, Nebenlinie der Wittelsbacher (†1148 ausgestorben)&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Helmzier des dargestellten Rautenwappens, Büffelhörner, aus denen Lindenzweige wachsen, ist eindeutig Wittelsbachisch und wurde erstmals im Reitersiegel Herzog Ludwigs II. ab 1266 verwendet,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Primbs, Siegel der Wittelsbacher|Primbs, Siegel der Wittelsbacher]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; dies unterstützt die These, dass es sich hier um eine Abwandlung des Wittelsbacher Herzogswappens handelt, ohne Rückgriff auf das tatsächliche Wappen der Grafen von Bogen.      &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Spätgotische Wappenschilde der Grafen von Arco in der Klosterkirche Oberaltaich, mit einer Umschrift, die das Wappen den Grafen von Bogen zuschreibt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Wappen ist viergeteilt, im ersten und vierten Feld jeweils drei goldene Bögen auf blauem Grund, im zweiten und dritten Feld silbern (weiß)-blaue Rauten. Dieses Wappen ist auch an einem Klostertor dargestellt, datiert auf 1543. Im ursprünglichen Haus Arco entstand etwa zu jener Zeit die Legende, von den mächtigeren Bogener Grafen abzustammen, die auch so bei Aventinus&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Aventinus, Sämtliche Werke 3,1|Aventinus, Sämtliche Werke 3,1]], 228.&amp;lt;/ref&amp;gt; wiedergegeben wird. Deswegen haben sich die Grafen von Arco in Oberaltaich, dem Hauskloster ihrer vermeintlichen Ahnen, mit ihrem Wappen verewigt und dies ihren Vorfahren zugeschrieben. Das dargestellte Wappen entspricht der schlesischen Linie der Grafen Arco&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Arco, Chronik der Grafen von Arco|Arco, Chronik der Grafen von Arco]], 212.&amp;lt;/ref&amp;gt; und hat keinen Bezug zu den Grafen von Bogen. Die Rauten könnten auf eine Wappenbesserung zur Zeit Kaiser Ludwigs des Bayern zurückzuführen sein, der gelegentlich seine Rauten als Wappenzusatz an Günstlinge verliehen hat.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Katalog Bayerische Landesausstellung 2014 Ludwig der Bayer|Katalog Bayerische Landesausstellung 2014 Ludwig der Bayer]], 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
      &lt;br /&gt;
* Das Kloster Windberg, zweites Hauskloster der Grafen von Bogen, führte ab Mitte des 16. Jahrhunderts ebenfalls ein Rautenwappen, belegt mit einem goldenen Glevenrad, auch als Lilienhaspel&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Heraldik Wiki, Lilienhaspel|Heraldik Wiki, Lilienhaspel]]&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnet.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieses Wappen wird auch dem Gründer des Klosters, Albrecht II. von Bogen (1146) zugeschrieben, z.B. dargestellt in der Windberger Äbtetafel von 1589. Hier ist sicher die gleiche Motivation wie schon am Oberaltaicher Kenotaph zu vermuten, wobei das Glevenrad wohl noch als Unterscheidungsmerkmal zum herzoglich bayerischen Wappen beigegeben wurde. Dieser Befund wird wie auch schon beim Oberaltaicher Wappen insbesondere durch die Helmzier an den Wappendarstellungen in Windberg unterstützt: Der Löwe zwischen zwei Büffelhörnern, aus denen Lindenzweige wachsen, ist eine eindeutige Übernahme aus dem Wappen der Wittelsbacher&amp;lt;ref&amp;gt;Die Büffelhörner kombiniert mit dem Löwen wurden als Helmzier erstmals von Herzog Ernst ab 1395 verwendet, siehe [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Primbs, Siegel der Wittelsbacher|Primbs, Siegel der Wittelsbacher]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; und steht in keiner Beziehung zu den Grafen von Bogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun treten Rauten in bayerischen Klosterwappen auch in anderen Fällen auf, auch in den Wasserburger Hausklöstern [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Überlieferung der Farben über das Kloster Attel|Attel und Altenhohenau]].&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt; Wir sehen also, dass die von Stadler aufgeführten, den Bogener Grafen erst ab der frühen Neuzeit zugeschriebenen Wappen keineswegs als Beweismaterial ausreichen.&amp;lt;br&amp;gt; Noch aussagekräftiger ist jedoch die Auseinandersetzung mit den originalen hochmittelalterlichen Quellen, wie sie hier weiter [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Das bayerische Rautenwappen kommt aus Wasserburg – vier Gründe|unten]] erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stadler war zwar gebürtiger Münchner, wuchs aber in Altötting auf und war der Inn-Salzach-Gegend sein Leben lang verbunden, wie zahlreiche Veröffentlichungen zu historischen und kunsthistorischen Themen aus der Region zeigen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Der Archivar, Nachruf Stadler|Der Archivar, Nachruf Stadler]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Geschichte der Grafen von Wasserburg und die Wasserburger Rautenthese muss ihm daher als Fachmann bekannt gewesen sein. Was die Beweggründe gewesen sein könnten, diese gar nicht mehr zu reflektieren, muss weitgehend dahingestellt bleiben: Vielleicht begegnete er in seiner Schulzeit im Internat des Klosters Metten, einem Benediktinerkloster an der Donau in Niederbayern, unweit von Bogen, Scholliners These&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scholliner, Historisch-Heraldische Abhandlung|Scholliner, Historisch-Heraldische Abhandlung]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und hat diese später nicht mehr kritisch hinterfragt. [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Der Schrägbalken mit drei Sternen|Wir erinnern uns]]: Auch beim Rosenheimer Wappen hat Stadler die Legende vom &#039;&#039;Rosenwappen der Wasserburger Grafen&#039;&#039; ungeprüft übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das bayerische Rautenwappen kommt aus Wasserburg – vier Gründe==&lt;br /&gt;
[[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Bemerkungen zum Nachweis der Bogener These durch Stadler|Wir haben gesehen]], dass die Argumente für die bis heute offiziell verbreitete Bogener Rautenthese dürftig sind und eine wissenschaftliche Diskussion - wohl unterstützt durch die amtliche Festlegung auf eine offizielle Erklärweise der heraldischen Elemente des bayerischen Staatswappens&amp;lt;ref&amp;gt;w.o. bereits zitiert...https://www.bayern.landtag.de/parlament/staatssymbole/bayerisches-staatswappen/&amp;lt;/ref&amp;gt; - über Jahrzehnte zum Erliegen gekommen ist.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Anhand von Originalquellen soll nun untersucht werden, was die Motivation für Herzog Ludwig II. war, das Rautenwappen anzunehmen.&lt;br /&gt;
Ganz klar führen die Spuren hier nach Wasserburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zeitlicher Kontext: Die Eroberung von Wasserburg 1247===&lt;br /&gt;
[[Datei:Siegel Ludwig der Strenge 1247.jpg|mini|Siegel Herzog Ludwig II. der Strenge: Erstmalige Verwendung eines Rautenschildes durch die Wittelsbacher an einer Urkunde, ausgestellt auf der ehem. Wasserburgischen Burg Hartmannsberg, 1247.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konrad von Wasserburg war in seiner Politik zwischen der kaiserlichen und der päpstlichen Partei wankelmütig. Das unterschied ihn aber kaum von anderen Territorialherren seiner Zeit. Den Wittelsbachern war er teils wohlgesonnen, schließlich war seine Mutter eine Wittelsbacherin: So schloss er mit Herzog Otto einen Erbvertrag im Jahr 1242, als ihm klar war, dass er kinderlos bleiben würde. Das Wasserburger Erbe war den Wittelsbachern damit sicher und zunächst war kein Grund für einen militärischen Konflikt in Sicht. Dann aber ließ sich der unstete Konrad von dem Wanderprediger Albert Beham gegen den Herzog aufstacheln. Der bayerische Historiker Max Spindler spricht gar von einem Kreuzzug.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte Bd. 2|Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte Bd. 2]], 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das war Herzog Otto II. dann doch zu viel, wohl wähnte er sein Erbe in Gefahr und er schickte seinen 17-jährigen Sohn Ludwig mit einer Streitmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserburger Feldzug gegen Konrad war für den jungen Ludwig die erste militärische Aktion, die er alleine anleitete, gewissermaßen seine Bewährungsprobe. Konrad erwies sich als zäher Gegner, die Belagerung dauerte 17 Wochen. Als er die Stadt am 11. November 1247&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hiebl, Konrad von Wasserburg|Hiebl, Konrad von Wasserburg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; endlich erobert und damit Konrad von Wasserburg entmachtet hatte, eignete er sich sogleich dessen Rautenschild an und begann unmittelbar Urkunden im Wasserburger Umfeld damit zu siegeln. Die eingangs genannte Urkunde aus dem Kloster Seeon ist auch die erste von Ludwig ausgestellte Urkunde überhaupt, sie wurde auf der ehemals gräflich wasserburgischen Burg Hartmannsberg ausgestellt. Diese wurde wohl schon vor der Stammesfestung Wasserburg erobert und könnte Ludwig als Hauptquartier während der Belagerung gedient haben. Hierzu sei auch der [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Die Gelehrtendiskussion von 1775 bis ins 20. Jahrhundert|oben]] erwähnte Georg von Jochner zitiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Sollte es nun Zufall sein, dass Ludwig in eben dieser Zeit des Teils durch Erbvertrag teils durch Waffengewalt neu erworbenen Besitzes sich auch eines neuen Siegels bedient? Muß nicht vielmehr hier ein ursächlicher Zusammenhang bestehen, wenn er dasselbe Wappenzeichen annimmt gerade jener Wasserburger deren Gebiet – dem wittelsbachischen Hause bereits zugesprochen – er nun, da das Erbe verlorenzugehen droht, mit Waffengewalt festzuhalten und zu erobern gedenkt? Angesichts der Stammesfeste entfaltet er das alte Banner des früheren Herrn derselben zum Zeichen, dass nun Wittelsbach der neue Herr ist und bleiben will&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Jochner, Das Wittelsbachische Hauswappen|Jochner, Das Wittelsbachische Hauswappen]], 404.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Tat würde es zu Ludwigs zynischem Charakter passen - wegen der Ermordung seiner ersten Gemahlin bekam er von der Nachwelt den Beinahmen der Strenge - dass er in einem auch für damalige Verhältnisse diplomatischem Eklat provoziert, in dem er das Wappen des noch nicht ausgestorbenen Wasserburger Geschlechts ursurpiert. Betrachtet man den Zeitraum von nur acht Tagen zwischen der Eroberung Wasserburgs und der Ausfertigung der Urkunde für das Kloster Seeon, bleibt die Frage, woher so schnell ein Typar mit dem Rautenwappen kam. Möglicherweise wurde mit der Anfertigung schon während der Wasserburger Belagerung begonnen, da die Einverleibung der Grafschaft eine beschlossene Sache war und das Kräfteverhältnis wohl klar auf Ludwigs Seite lag. Oder es sollte nach der Eroberung schnell ein Typar gefertigt werden und ob der begrenzten Zeit wurde nicht das für einen Fürsten üblichere, aber handwerklich aufwändigere Reitersiegel angefertigt, sondern ein einfacher herzustellendes Siegel, das nur den Wappenschild enthält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fällt auf, dass das Siegel Ludwigs II. eher das Wappen Graf Dietrichs, nämlich den vollen Rautenschild, abbildet als das Wappen Konrads mit den drei Rauten. Auch wenn die Beweggründe im Dunklen liegen, so können folgende Vermutungen angestellt werden: Das volle Rautenwappen war das verbreitete Hoheitszeichen der Wasserburger Grafen und seit Dietrichs Zeiten an Bannern und Schilden angebracht, sodass Ludwig dieses während der Belagerung Wasserburgs gesehen hat. Auch könnte ein Zusammenhang zwischen der näheren Verwandtschaft des mit den Wittelsbachern verschwägerten Grafen Dietrich und dem Rückgriff auf dessen Wappen bestehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häufige Verwendung des Rautensiegels Herzog Ludwigs II. im Wasserburger Umland===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wasserburg Karte 2.jpg|mini|550px|Rautenlandschaft: Verwendung des Rautenschildes durch Herzog Ludwig II. im Herzogtum Bayern bis zur Landesteilung 1255; Empfänger der Urkunden nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hofmann, Urkundenwesen|Hofmann, Urkundenwesen]],236-240]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Ort seines ersten Triumphes hatte Ludwig gerade in seinen frühen Regierungsjahren ein besonderes Verhältnis, dies zeigt ein Blick auf die Urkunden aus seinen frühen Regierungsjahren für sein bayerisches Herrschaftsgebiet (daneben stellt er noch Urkunden in der Pfalz aus). Insbesondere die Urkunden, die er ausschließlich in eigenem Namen verfasste, haben als Adressaten Klöster im Wasserburger Umland, denen er Rechte bestätigte oder die Vogteirechte übernahm. In seinen Anfangsjahren als Herrscher wollte er damit seinen Herrschaftsbereich insbesondere im südlichen Oberbayern festigen. Es liegt nahe, dass er das dort überall bekannte Wasserburger Rautenwappen als politisches Symbol nutzte, denn diese Eigenschaft besaßen Wappen zu dieser Zeit durchaus, wie [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Entstehung des Wappenwesens|bereits]] beschrieben wurde. Nachfolgend waren seine Urkunden dann alle mit dem Rautensiegel aus der Burg Hartmannsberg versehen. [[Auf der Burg]] Wasserburg brachte er auch den jungen Konradin unter, ein Faustpfand seiner pro-staufischen Politik.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Inninger, Konradin|Inninger, Konradin]], 12 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist ein weiterer Hinweis für die hohe Bedeutung Wasserburgs als Verwaltungssitz Ludwigs und mit Sicherheit hat er sich selbst dort oft aufgehalten. Hingegen im Herrschaftsbereich der Grafen von Bogen sind keine Urkunden Ludwigs erhalten, es ist nicht einmal klar, ob er Niederbayern östlich der Donau, wo sich die Grafschaft Bogen befand, jemals bereist hat. Auch wird er kaum eine besondere familiäre Beziehung zu den Stiefsöhnen seiner Großmutter geführt haben, das Verwandtschaftsverhältnis ist da schon sehr weitläufig. Daher wird er sich kaum mitten im Wasserburger Krieg an das Wappen seiner Stiefonkel erinnert haben. Wenn andererseits die Wittelsbacher wirklich das Wappen der Grafen von Bogen übernehmen hätten wollen, so hätte dies Ludwigs Vater Otto II. gleich nach deren Aussterben 1242 getan. Von ihm ist aber kein Siegel mit Rautenwappen überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abbildung&amp;lt;ref&amp;gt;Basis für die Abbildung ist [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hofmann, Urkundenwesen|Hofmann, Urkundenwesen]], 236-240.&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigt die Empfänger der Urkunden Herzog Ludwigs bis zur bayerischen Landesteilung.&amp;lt;ref&amp;gt;Landesteilung als Endpunkt deswegen, weil dadurch auch die Verwaltung umgegliedert wurde und sich entsprechend die Ausstellungsorte nach den Verwaltungssitzen richten (hauptsächlich Landshut/Niederbayern, München/Oberbayern). Auch war zu dem Zeitpunkt das Rautenwappen schon voll etabliert.&amp;lt;/ref&amp;gt; An allen diesen ist entweder das Siegel mit dem Rautenschild von 1247 erhalten oder hat sich mit ziemlicher Sicherheit daran befunden, denn erst ab 1256 verwendet er zusätzlich ein Reitersiegel.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hofmann, Urkundenwesen|Hofmann, Urkundenwesen]], 137 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ab 1254 verwendet auch sein jüngerer Bruder Heinrich ein Siegel mit gerautetem Dreieckschild, ab 1259 ebenfalls ein Reitersiegel.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Primbs, Siegel der Wittelsbacher|Primbs, Siegel der Wittelsbacher]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vom Tod Ottos II. des Erlauchten 1253 bis 1255 regieren die Brüder das Herzogtum gemeinsam, danach teilen sie es in Pfalz-Oberbayern (Ludwig) und Niederbayern (Heinrich). Die Grenzen entsprachen jedoch noch nicht denen der heutigen Regierungsbezirke. Bei der Betrachtung der Empfängerorte fällt auf, dass die allgemeinen Staatsgeschäfte, die Ludwig entweder mit seinem Vater oder Bruder tätigt, im ganzen Herzogtum verteilt sind, während die Urkunden, die er alleine ausstellt, d.h. seine eigenen politischen Angelegenheiten, sich auf die ehemalige Grafschaft Wasserburg und deren Umland konzentrieren&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hofmann, Urkundenwesen|Hofmann, Urkundenwesen]], 236-240&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich mit den Grafen von Bogen: Rauten und Gitternetz===&lt;br /&gt;
[[Datei:Vergleich der Wappen auf Siegeln der Grafen von Bogen und Wasserburg.jpg|mini|Vergleich der Wappen auf Siegeln der Grafen von Bogen und Wasserburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man die Wappenschilde und Fahnenlanzen der Bogener und Wasserburger Siegel, so fällt auf, dass es sich nur bei den Wasserburgern um echte Rauten handelt, mathematisch beschrieben ein Rhombus mit unterschiedlichen Winkeln (im Gegensatz zum Schach, das eine Fläche quadratisch unterteilt). Auch sind auf den Wasserburger Siegeln die Rauten erhaben dargestellt, womit der Kunsthandwerker darstellen wollte, dass sie sich farblich vom Schildgrund bzw. Tuch der Fahnenlanze bei Dietrich unterscheiden. Bei den Bogener Siegeln ist hingegen ein aufgelegtes Gitternetz zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Scholliner, der Urheber der Bogener These,  erwähnt ja die Wasserburger These, führt aber als ausschlaggebendes Argument auf, dass die Wasserburger Rauten senkrecht und nicht schrägrechts stehen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scholliner, Historisch-Heraldische Abhandlung|Scholliner, Historisch-Heraldische Abhandlung]], 16 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er beruft sich jedoch auf Abbildungen/Zeichnungen in den Monumenta Boica&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Monumenta Boica 11|Monumenta Boica 11]] Tab. III,[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Monumenta Boica 14|Monumenta Boica 14]] Tab. II.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die insbesondere bei den Bogener Siegeln irreführend sind (siehe Abbildungen [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Rauten in der Frühzeit der Heraldik|oben]]). In der nebenstehenden Abbildung sind die Details aus den Siegeln der Bogener und Wasserburger Grafen im Vergleich zum Rautensiegel Herzog Ludwigs dargestellt. Augenscheinlich sind Scholliners geometrische Argumente nicht zutreffend, bei den Bogener Grafen wurde schlicht eine andere heraldische Figur dargestellt, nämlich ein aufgelegtes Gitternetz. Hingegen ist die Ähnlichkeit der Rauten insbesondere bei Graf Dietrich und Herzog Ludwig frappierend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich ist auch die Aussage des bayerischen Historikers Wiguläus Hund von 1585, also zwei Jahrhunderte vor Scholliner, als der Erhaltungszustand entsprechend besser war. Er spricht explizit von einem Schach, nicht von Rauten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;… Die Graven von Pogen führten drey gelb Pogen in blawen Feldt/ aber ich find das sie auch ein gschachten Schildt geführt/ die Farb weyß ich nit …&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hund, Bayrisch Stammen-Buch|Hund, Bayrisch Stammen-Buch]], 121.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre zu dieser Zeit schon die Bogener Rautenthese im Umlauf gewesen, hätte Hund das wahrscheinlich mitbekommen und auch davon berichtet: Er erwarb 1584 die Hofmark Steinach nahe dem Kloster Oberaltaich und hat sich dort wohl auch öfter aufgehalten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Heigl, Heimatgeschichte Steinach|Heigl, Heimatgeschichte Steinach]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Überlieferung der Farben über das Kloster Attel===&lt;br /&gt;
Das erste Mal sind die Rauten der Wittelsbacher farblich in silber-blau im Armorial Wijnbergen anzutreffen, das zwischen 1265 und 1285, also noch zu Lebzeiten Ludwigs II. entstanden ist.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bibliothèque royale de Belgique, Collection Goethals, ms. 2569, f° 233|Bibliothèque royale de Belgique, Collection Goethals, ms. 2569, f° 233]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Über die Ursprünge der Farben wurde schon spekuliert, gar eine Herkunft vom Banner der alten Bajuwaren wurde gemutmaßt, auch im Zusammenhang mit den Wappenfarben anderer bayerischer Adelsfamilien.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rattelmüller, Das Wappen von Bayern|Rattelmüller, Das Wappen von Bayern]], 21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachweisen lässt sich dies jedoch nicht. Es könnte sich aber eine Spur zu den Farben des Wappens der Wasserburger Grafen ergeben, und zwar über das Wappen des Klosters Attel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts&amp;lt;ref&amp;gt;.[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Noichl, Gründungsurkunde des Klosters Attel|Noichl, Gründungsurkunde des Klosters Attel]], 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;von Hallgraf Engelbert gegründete Benediktinerkloster Attel war das Hauskloster der Grafen von Wasserburg, neben dem 1235 von Graf Konrad gegründeten Dominikanerkloster Altenhohenau. Es war üblich, als Klosterwappen das Wappen des ausgestorbenen Stiftergeschlechts zu wählen, praktiziert vor allem ab dem 15. Jahrhundert. So gibt es im altbayerischen Raum einige bekannte Beispiele&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zimmermann, Bayerische Klosterheraldik|Zimmermann, Bayerische Klosterheraldik]].&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die von den frühen Wittelsbachern gegründenten Klöster Indersdorf, Ensdorf und Scheyern führen den Zackenbalken der Wittelsbacher. Dießen und Andechs führen Löwe und Adler aus dem Siegel des letzten Grafen von Dießen-Andechs.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hye, Wappen der Grafen von Andechs|Hye, Wappen der Grafen von Andechs]], 661.&amp;lt;/ref&amp;gt; Attel führte das Wappen Konrads von Wasserburg mit den drei Rauten. Andere Klöster führen apokryphe (den Gründern zugeschriebene, für diese aber nicht direkt nachweisbare) Wappen, z.B. Steingaden den Greifenlöwen der Welfen. Für das Kloster Windberg, gegründet von den Grafen von Bogen, ist ab Mitte des 16. Jahrhunderts das [[Bayerisches_Rautenwappen_und_Wasserburg#Bemerkungen zum Nachweis der Bogener These durch Stadler|oben]] bereits erwähnte, mit einem Glevenrad belegte Rautenwappen überliefert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hund, Bayrisch Stammen-Buch|Hund, Bayrisch Stammen-Buch]], 122. Wegen des Glevenrades als gravierendem Unterschied zu den Siegeln der Bogener Grafen ist es in die Kategegorie apokryphe Wappen einzuordnen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zu den Siegeln weltlicher Herren tauchen heraldische Elemente aber bei geistlichen Institutionen erst relativ spät auf. Im frühen und hohen Mittelalter ist zumeist nur der geistliche Würdenträger oder ein Kirchenpatron dargestellt, so auch an Atteler Urkunden, z.B. 1368 &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a2|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a2]].&amp;lt;/ref&amp;gt;: Abt und Konvent führen je ein Siegel mit dem Hl. Michael. Der früheste bildliche Nachweis für die Verwendung der drei Rauten im Wappen des Klosters Attel stammt von 1440.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zimmermann, Bayerische Klosterheraldik |Zimmermann, Bayerische Klosterheraldik ]], 36.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Rautenwappen wurde vom Abt oder für die Abtei als Ganzes verwendet, der Konvent führte ein Wappen mit einem Rad, das Zimmermann als Schildbuckel interpretiert und damit dem als Schild des Hl. Michael am Konventswappen in den genannten Urkunden entspricht. So befinden sich zu Füßen der Figuren am Stiftergrab auch das Konventswappen, zu beiden Seiten je das Abteiwappen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zimmermann, Bayerische Klosterheraldik |Zimmermann, Bayerische Klosterheraldik ]], 36.&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tingierung (Farbgebung) des Atteler Wappens ist überliefert als silberner Schild mit drei blauen Rauten, der älteste Nachweis ist auf der bayerischen Landtafel von Hans Mielich zu finden, einer Illustration im Bußpsalmencodex Herzog Albrechts des V. von 1565.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mielich, Wappen der bayerischen Landstände|Mielich, Wappen der bayerischen Landstände]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort ist auch ein Wappen des Klosters Altenhohenau überliefert mit den Kirchenpatronen, zwischen denen sich ein Rautenschild befindet. Es ist unklar, ob das auch ein Hinweis auf die Wasserburger Grafen ist oder eher auf Margaret von Bayern, Tochter Herzog Georgs des Reichen und Wohltäterin des Klosters. Doch zurück zum Atteler Wappen: Wenn man nun von einer authentischen Fortführung des Rautenwappens Graf Konrads durch Attel ausgeht, so werden sicher auch die Farben übernommen worden sein. Alle Darstellungen auf Siegeln oder Grabsteinen des Atteler Klosterwappens bilden die Rauten als erhabenes Relief ab - ganz genau wie auf dem Wappenschild im Siegel Konrads - und man kann hier bereits von einer einheitlichen Tingierung ausgehen. Im Hinblick auf die bayerischen Rauten könnte so auch die Farbgebung weiß (heraldisch silber) und blau in einer kontinuierlichen Tradition der Grafen von Wasserburg stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Mielich Wappen Altenhohenau.png|Hans Mielich, um 1565: Wappen des Klosters Altenhohenau&lt;br /&gt;
File:Mielich Wappen Attel.png|Hans Mielich, um 1565: Wappen des Klosters Attel&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
Die Wasserburger Rautenthese ist heute nahezu unbekannt, wurde aber in der Fachwelt jahrhundertelang diskutiert. Doch bei einer genaueren Betrachtung des historischen Kontextes der erstmaligen Verwendung des Rautenwappens durch den Wittelsbacher Herzogssohn Ludwig II. lässt sich Wasserburg nicht ignorieren: Nicht nur die Urkunde von 1247 selbst wurde in der ehemaligen Grafschaft Wasserburg ausgestellt, sondern auch viele Urkunden gerade aus Ludwigs früher Regierungszeit zeugen von Wasserburg als einen Schwerpunkt seiner Politik. Dass er das Symbol des ehemaligen Inhabers der Grafschaft, Konrads von Wasserburg, ursurpierte, ist naheliegend. Vorliegender Artikel soll dazu beitragen, dass eine sehr wahrscheinliche Herkunft der bayerischen Rauten aus Wasserburg in Zukunft auch in der Heraldik berücksichtigt wird und nicht mehr nur die Bogener These ohne Angabe von Quellen oder Beweisen rezipiert wird. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Sebastian Dietz}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Revolution_und_Arbeiterrat&amp;diff=15627</id>
		<title>Revolution und Arbeiterrat</title>
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		<updated>2025-02-07T10:38:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: /* Wasserburg unter Darstein und das Ende des Rates */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__HIDDENCAT__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Revolution und Arbeiterrat in Wasserburg am Inn  - Ausführliche/Alt. Überschrift&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um Geduld.&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Autorenzeile&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 11. November 1918 endet in ganz Europa der Erste Weltkrieg. Auch in Wasserburg forderte der „Große Krieg“ seine Opfer: 124 Wasserburger fielen an der Front, die Versorgungslage in der Stadt war durch die britische Seeblockade, wie im ganzen Land, schlecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rink, Erster Weltkrieg|Rink, Erster Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
An eine Rückkehr zur Normalität der Vorkriegszeit unter der Herrschaft von König und Kaiser war nicht mehr zu denken. Schon zwei Tage früher, am 9. November, war in Berlin zwei Mal die Republik ausgerufen worden, sowohl von dem Sozialdemokraten Phillip Scheidemann als auch dem Kommunisten Karl Liebknecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Revolution von 1918/19|Scriba, Revolution von 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In Bayern war die Revolution sogar noch einmal zwei Tage schneller, das Land wurde bereits am 7. November von Kurt Eisner zum Freistaat erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Grau, Revolution, 1918/19|Grau, Revolution, 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
In Folge dieses revolutionären Umbruchs kam es überall im Reich zur Gründung demokratisch gewählter Gremien zur Vertretung gewisser Gesellschaftlicher Gruppen und Schichten: die Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. Auch in der Stadt Wasserburg gründet sich am 10. November 1918  ein Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Im Folgenden sollen nun sowohl die Tätigkeit des Arbeiterrates in Wasserburg als auch der Verlauf der Revolution in der Stadt beleuchtet werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verlauf der Revolution in Wasserburg am Inn==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 10. November, als die Revolution in vielen Landesteilen noch gar nicht angekommen war, fand in Wasserburg gegen 9 Uhr eine Versammlung der Arbeiterschaft statt. Auf Anregung des Vorsitzenden der freien Gewerkschaften in Wasserburg, Simon Heigenmoser, sollte  ein Arbeiterrat für die Stadt gewählt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Heigenmoser selbst wurde in den Vorsitz diese Gremiums gewählt, dem neben sieben Mitgliedern der Arbeiterschaft auch drei   &amp;quot;Bürgerliche“ beiwohnen durften. Die öffentliche Verwaltung stand zu diesem Zeitpunkt zumindest offiziell bereits geschlossen hinter der neuen Republik.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Die einzige nennenswerte Opposition fand sich in Form eines Anschlags, in dem anonym die Loyalität zum alten Regime betont wurde. Dies ist der einzige Hinweis auf einen Rest monarchistischer Gesinnung in der allgemeinen Bevölkerung, die sich im reaktionären [[Wasserburger Anzeiger]] finden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Arbeiterrat und den etablierten Behörden kam es dagegen von Anfang an zu Konflikten. So wollte der Arbeiterrat gleich nach der Gründung zwei Mitglieder mit dem Auto zum Innenministerium nach München schicken – Der Bezirk Wasserburg weigerte sich jedoch das dafür benötigte Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. &amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beschlossen wurde daraufhin nicht mit Gewalt vorzugehen, und mit der Bahn nach München zu fahren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Arbeiterrat Wasserburg an den Zentralarbeiterrat München, Bitte um Hilfe bei Kooperation mit Bezirksamt, Schreiben vom 4.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch sonst zeigte sich der Bezirk Wasserburg gegenüber dem Arbeiterrat erst nicht sonderlich kooperationswillig. So ging beim Zentralrat in München am 4.1.1919 folgende Beschwerde der Wasserburger Genossen ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben allen Anlass zu nehmen, dass bei hiesigem Bezirksamte folgende Ansicht herrscht: Der Arbeiterrat Wasserburg Stadt hätte in Dinge nichts hineinzureden, die den Bezirk bezw. den Distrikt beträfen, weil dieser Arbeiterrat nur für den Stadbez. bestellt worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zentralrat stellte dem Arbeiterrat Wasserburg daraufhin eine Vollmacht bis zur Bildung eines Bezirksarbeiterrates aus. Der Bezirk knickte ein: Am 14. Januar geht eine offizielle Einladung für die Teilnahme an den Sitzungen vom Bezirksamt an den Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Bezirksamt Wasserburg an den Arbeiterrat Wasserburg, Einladung zur Teilnahme an Sitzungen, Schreiben vom 14.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Ansonsten war der Alltag im Rätesystem zumindest in Wasserburg zuerst eher unspektakulär. Der Arbeiterrat arbeitete, wie alle anderen Behörden im Freistaat auch, fieberhaft daran die Folgen von Hunger, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit einzudämmen, die nach dem Krieg die Bevölkerung plagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Tätigkeit des Arbeiterrates bis zum Februar 1919==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:II9119.jpg|400px|thumb|right|Ausweis für Josef Max Mayr, Mitglied des Arbeiterrates Wasserburg mit offiziellem Stempel eingelegt in die Akte.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Aufgaben definierte der Arbeiterrat gegenüber dem Wasserburger Anzeiger folgendermaßen:  &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Sie [die Arbeiterräte] sind Berufsparlamente, befugt, unmittelbar gesetzgeberische Vorschläge zu machen. Sie sollen aber auch Aufsichtsorgane […] sein, […] sich mit der Tätigkeit der Regierung beschäftigen, nicht als Vollzugsorgane, sondern als Kontrollorgane, als kritische Organe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918|Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Selbstverständnis deckte sich nur teils mit einem Gesetzesvorschlag, der zur Institutionalisierung der Räte Ende Januar auf einer Konferenz, bei der auch Vertreter des Wasserburger Arbeiterrates anwesend waren, erarbeitet wurde. Darin hieß es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die A.-&amp;amp; B. [Bauern] Räte wahren die gesamten Interessen des arbeitenden Volkes. Sie haben keine gesetzgebende oder vollziehende Gewalt. Sie entsenden nach Bedarf Vertrauensmänner in die öffentlichen Körperschaften und Behörden, um dort Wünsche und Beschwerden des arbeitenden Volkes zu vertreten. Die Zentralräte […] haben das Recht, […] , dem Landtage Gesetzentwürfe zu unterbreiten und sie im Landtage durch einen Vertreter zu begründen.&amp;lt;ref&amp;gt; Tagung der Arbeiter- und Soldatenräte Bayerns, Sammlung zur Tagung vom 13.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9120|StadtA Wasserburg a. Inn, II9120]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es war also vorgesehen, die Räte in einer fast ausschließlich beratenden Funktion beizubehalten. Von einer kontrollierenden Funktion gegenüber den etablierten Institutionen war zu diesem Zeitpunkt bereits keine Rede mehr. Tatsächlich gibt es auch nur ein Beispiel für die konkrete Ausübung einer Kontrollfunktion. Zur Neubesetzung einer vakanten Stelle im Kommunalamt hieß es vom Arbeiterrat Wasserburg am 15.12.1918: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerüchteweise verlautete, dass ein naher Verwandter des Herrn Setzinger für diese Stelle in Aussicht genommen sei. Eine derartige Besetzung könnten wir nur als Provisorium betrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Beschwerde über Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei dem genannten Setzinger handelte es sich um den damaligen Vorsitzenden des Kommunalverbandes. Auf diesen höflich formulierten Vorwurf der Vetternwirtschaft reagierte der Bezirk Wasserburg mit einer Bestätigung, dass ein Bruder von Setzinger&amp;lt;ref&amp;gt;  Die Gebrüder Setzinger waren im Beruf beide Kaufmann: Franz Setzinger, *1877 in Megentheim und Paul Setzinger, *1889 in Megentheim. Der jüngere Bruder wurde im Dezember 1918 vom Militär entlassen und kam aus Berlin/Charlottenburg  nach Wasserburg; der ältere Bruder zog bereits 1915 zu. &amp;lt;/ref&amp;gt;   die Stelle temporär ausfüllen würde und gab als Grund einen Mangel an Alternativen an.&amp;lt;ref&amp;gt; Bezirksamt Wasserburg an Arbeiterrat Wasserburg, Eingehen auf Beschwerde wegen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 24.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
Darauf sendete der Arbeiterrat dem Bezirksamt eine kurze Liste mit ähnlich qualifizierten Kandidaten.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Vorschlag zur alternativen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 6.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der Ausgang dieser Streitigkeit ist unklar, auch ob die Vorwürfe der Vetternwirtschaft im Bezirksamt zutrafen wird heute kaum geklärt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen anderen Tätigkeitsbereichen war der Arbeiterrat dagegen aktiver. Zur Verbesserung der Versorgungslage, vor allem mit Fleischwaren, brachte der Arbeiterrat gleich mehrere Vorschläge ein. So sollten die vier Metzger der Stadt verpflichtet werden, sich zu einer einzelnen GmbH zusammen zu schließen, um Schlachtung, Produktion und Verkauf besser koordinieren und planen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Antrag zur Abänderung des Verteilungsmodus von Fleisch &amp;amp; Wurstwaren, Schreiben vom 1.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Vor allem das Anstehen für Lebensmittel schien für die Wasserburger Bevölkerung ein großes Ärgernis gewesen zu sein. Für manche stellte es anscheinend sogar ein gesundheitliches Risiko dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erst kürzlich fiel eine ältere Frau bei[m] Warten vor einem Metzgerladen um.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Kommunalverband Wasserburg, Antrag auf Einführung von wöchentlicher Versorgungsperiode, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Zweck der Verteilung schlug der Arbeiterrat ein System von Kundenscheinen vor. Außerdem sollten laut der Pläne alle Lebensmittelmarken auf einmal ausgegeben und von Jugendlichen verteilt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Auf eine tatsächliche Umsetzung dieser Vorschläge durch Bezirk (Landkreis)&amp;lt;ref&amp;gt;Die &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; wurden nach Bekanntmachungen durchgesehen und überprüft.&amp;lt;/ref&amp;gt;   oder Magistrat gibt es keine Hinweise. Zeitungsartikel oder Antworten der benachrichtigten Behörden liegen (Stand Juli 2024) nicht vor. Die Markierungen auf den eingereichten Dokumenten legen jedoch zumindest nahe, dass sie von den Behörden zur Kenntnis genommen wurden, wenn auch nicht mehr. &lt;br /&gt;
Auch am Kampf gegen Schmuggel und Unterschlagung von Lebensmitteln beteiligte sich der Arbeiterrat.  Dazu vermeldet der Arbeiterrat im Wasserburger Anzeiger: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeden Tag können unsere Patrouillen feststellen, daß große Koffer und Kisten Lebensmitteln […] weggebracht werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den eigenen Patrouillen wurde dabei auch mit dem Bezirksamt und der örtlichen Gendarmerie zusammengearbeitet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die Gendarmerie Station Wasserburg, Hinweis auf Schmuggel von Lebensmitteln, Schreiben vom 20.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der umfangreichste Tätigkeitsbereich des Rates umfasste allerdings die Vertretung der Interessen der arbeitenden Bevölkerung. Einzelpersonen konnten sich mit ihren Problemen an den Arbeiterrat wenden, woraufhin dieser ihre Positionen bei den offiziellen Stellen und Behörden vertrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So befand sich der Postbote Matthias Berger aufgrund einer Kriegsverletzung im zeitlichen Ruhestand, trotz seines Wunsches wieder im Postdienst eingesetzt zu werden. Er wendete sich an den Arbeiterrat, der sich daraufhin in einem Schreiben an die Oberpostdirektion in Landshut für ihn einsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;  Oberpostdirektion Landshut an den Arbeiterrat Wasserburg, Auskunft über den Status eines ehemaligen Postboten, Schreiben vom 14.4.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Aushilfskraft Maria Doubze, die ursprünglich aus Italien kam und zu dieser Zeit im Amtsgericht Wasserburg angestellt war, drohte die Entlassung und damit die Arbeitslosigkeit. Der Arbeiterrat setzte sich deswegen für sie beim bayerischen Staatsministerium für Justiz für eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für zwei Monate ein, jedoch mit unbekanntem Resultat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an das Staatsministerium der Justiz, Bitte um Beibehalten einer Hilfskraft, Schreiben vom 10.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Zuletzt war der Rat auch an der Beseitigung des Wohnungsmangels in der Nachkriegszeit beteiligt. In Berichten des Rates über die Wohnungssituation an den Stadtmagistrat heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;In Reitberg, Gde. Rammerberg ist der Fall vorgekommen, dass eine arme alleinstehende Arbeitersfrau mit ihren kleinen Kindern genötigt war, lange Zeit u. heute noch im Hausgang eines Hauses zu wohnen u. da wird sie nur gutwillig geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039; &lt;br /&gt;
und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist vorgekommen, dass gewinnsüchtige Vermieter (allerdings nur sehr vereinzelt) ganz übertriebene Preise für ihre Wohnungen verlangt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Stadtmagistrat Wasserburg, Antrag auf die Bildung einer Wohnungskommission, Schreiben vom 2.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Probleme wie diese zu lösen brachte der Rat verschiedenen Lösungsvorschläge vor die Verwaltungsbehörden von Bezirk und Stadt. Um gegen Wucher bei den Vermietern anzukämpfen wurde eine städtische Wohnungskommission zur Mietkontrolle vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Auch die temporäre Beschlagnahmung von leerstehendem Wohneigentum wurde vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Zudem wurde der Beginn des Baus von vier Pflegerhäusern für die Klinik Gabersee angeregt, die bereits länger geplant und bewilligt waren, wobei diese Maßnahme tatsächlich umgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die &amp;gt;Regierung des Volksstaates, Antrag auf Baubeginn bei Pflegerhäusern, Schreiben vom 24.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat war also bemüht, auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens in Stadt und Umgebung Einfluss zu nehmen und dabei die Situation vor allem der unteren Bevölkerungsschichten zu verbessern. Aufgrund mangelnder Befugnisse hatte er bei seinen Forderungen jedoch allem Anschein nach wenig tatsächliches Durchsetzungsvermögen.&amp;lt;ref&amp;gt;Überprüfung, Durchsicht der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 7.11.1918-27.12.1918 sowie der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 2.1.1919-22.5.1919 nach entsprechenden Bekanntmachungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der politische Einfluss des Rates war bis zum Februar 1919 immer abhängig von den etablierten lokalen Behörden und den Beschlüssen der Regierung in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Landtagswahlen vom 12. Januar 1919==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 12. Januar 1919 fanden in Bayern die ersten freien Landtagswahlen statt. Mit dem Sozialdemokraten Simon Reile kandidierte auch einer der beide Vorsitzenden des Wasserburger Arbeiterrates für den Landtag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahlergebnisse in Wasserburg (Bezirk) im Vergleich zum Gesamtergebnis&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19|Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; :&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &amp;lt;table border=&#039;1&#039;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;            &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;MSPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;USPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;DVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;BVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bauernbund&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Mittelstandspartei&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bund der Unteroffiziere&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
              &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt; Stimmen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;; &amp;gt;1708&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;425&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;3226&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4287&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;28&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;Anteil in %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;17,6 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4,4 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,3 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;44,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;In ganz Bayern (%)&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2,5 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;35,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;9,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;5,8 % (zusammen mit Nationalliberalen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;-&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im landwirtschaftlich geprägten Bezirk Wasserburg war der Erfolg des Bauernbundes keine Überraschung. Mit 889 Stimmen war die SPD in der Stadt Wasserburg selbst die stärkste Kraft. Die USPD konnte in Wasserburg kaum Wähler überzeugen, wie im Rest von Bayern schnitten die Unabhängigen katastrophal schlecht ab. Dieses Ergebnis machte die Position Kurt Eisners (USPD) als Ministerpräsident von Bayern unhaltbar. Als dieser am 21. Februar 1919 seinen Rücktritt erklären wollte, wurde er auf dem Weg zum Landtag von einem Rechtsradikalen ermordet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners|Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dieses Ereignis sollte auch für die Stadt Wasserburg noch beträchtliche Konsequenzen nach sich ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Revolution kommt (wieder) nach Wasserburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-2171.jpg|400px|thumb|right|Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates und selbsternannte „Diktator“ Guido Kopp spricht vom Balkon des Wasserburger Rathauses zu den versammelten Wasserburger und Rosenheimer Arbeitern.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Ermordung Eisners blieb es in Wasserburg erst einmal ruhig, abgesehen vom Überflug eines Flugzeuges, das politische Flugblätter über der Stadt abwarf, die die Tat verurteilten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Vier Tage nach der Tat trafen die Unruhen dann Wasserburg. Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates, Guido Kopp, rückte am 25. Februar mit seiner Miliz in Wasserburg ein und besetzte die Stadt. Der Wasserburger Anzeiger berichtete ausführlich über die Ereignisse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben eine zweite Revolution durchzumachen und diese hat nun auch [hier eingesetzt]. Am Dienstag in den Morgenstunden erschienen bei uns etwa vierzig Mitglieder des Rosenheimer Soldatenrates, bewaffnet mit Gewehren. Sie besetzten zuerst die Aemter, auch Realschule und Schülerheim. Der Stadt bemächtigte sich eine gewisse Aufregung, und in Trupps stand die Bevölkerung, um in mehr oder minder großer Erregung die neue Lage zu besprechen. Im Übrigen aber nahm das Publikum das ungewohnte Bild ruhig hin. Abgesehen von der Zitierung einiger Personen aufs [[Rathaus]] –mitunter aufgrund gewissenloser Angebereien- geschah zunächst nichts. Die Stadt war bis in den entlegensten Teil besetzt und die „bewaffnete Macht“ wuchs ständig, da als Gegengengewicht auch der hiesige A.- u. S.-Rat die Arbeiter bewaffnete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf folgte ein Demonstrationszug durch die Stadt zu Ehren Kurt Eisners und eine Rede von Kopp vom Balkon des Rathauses aus. Darin kündigte er seine weiteren Maßnahmen für die Stadt an. Die Mitglieder des Magistrats Weber und Rieperdinger mussten ihre Ämter niederlegen, die bereits der Vetternwirtschaft bezichtigten Gebrüder Setzinger sollten, genau wie der Rentier Riezoldi und die weiblichen Hilfskräfte, aus den Kommunalbehörden entlassen werden und durch Kriegsteilnehmer ersetzt werden. Stadtsekretär Lindner und Bezirksamtssekretär Löffler sollten sich dagegen für ihr Verhalten bei den unteren Bevölkerungsschichten entschuldigen. Auch aus dem Arbeiterrat sollten nach Vorstellung Kopps die Räte Meisterbauer und Unterauer ausscheiden. Nach dieser Erklärung zogen die Rosenheimer schließlich gegen Abend ohne weitere Komplikationen wieder aus Wasserburg ab.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 568.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als Reaktion wurde vom Arbeiterrat in Wasserburg eine Stadtkommandantur unter dem Stadtkommandanten Dr. Gartenhof errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg unter Darstein und das Ende des Rates==&lt;br /&gt;
Sowohl offiziell als auch in internen Protokollen gab der Arbeiterrat von Wasserburg an, von den Aktionen der Rosenheimer überrascht worden zu sein. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Erklärung an die Bevölkerung des Bezirks Wasserburg, Zeitungsausschnitt vom 26.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   In seinem Protokoll der Sitzung, die am Tag nach der Besatzung durch Rosenheim stattfand und bei der noch Vertreter aus Rosenheim anwesend waren, heißt es aber auch, dass man die Demonstration schließlich unterstützt habe. Dennoch stellte sich der Arbeiterrat Wasserburg klar auf die Seite der gemäßigten Mehrheitssozialdemokraten (MSPD), gegen die linksrevolutionäre USPD und den kommunistischen Spartakusbund und jede Diktatur, „sei sie von oben oder von unten“&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der herrschende Soldatenrat von Rosenheim wurde in dieser Sitzung zu einer Untersuchung der Ereignisse des Vortages aufgefordert; es sei zu Ausschreitungen wie Plünderungen durch Rosenheimer gekommen und Schlimmeres sei nur durch die bewaffnete Arbeiterschaft Wasserburgs verhindert worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sämtliche Amtsenthebungen wurden auch kurze Zeit später vom Vollzugsrat in München für nichtig erklärt, die abgesetzten Magistrate kehrten dennoch nicht in ihre Ämter zurück. Seit dem 26. Februar stand die Stadt Wasserburg unter Belagerungszustand. Die Räte verzeichneten dabei einen eindeutigen Gewinn an Macht und Bedeutung innerhalb der Stadt. Der Wasserburger Anzeiger stand unter Zensur des Soldatenrates, die Räte bestimmten zudem über die Polizeistunde und die Zulassung von Tanzveranstaltungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Insgesamt schien die Lage sich wieder zu stabilisieren, auch im Rest Bayerns. In München fand zum Zeitpunkt des Rosenheimer Übergriffes ein Rätekongress statt, auf dem Wasserburg durch den Obersekretär Meier vertreten war. Radikale Maßnahmen, wie die Ausrufung einer Räterepublik, in der die Räte die Regierungsgewalt übernommen hätten, wurden dabei mehrheitlich abgelehnt, die mehrheitssozialistische Linie schien sich bei den meisten Räten durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919|Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch verschärften sich die Spannungen zwischen der MSPD und Linkssozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. April 1919 wurde in München vom Zentralrat die „Baierische“ Räterepublik ausgerufen. Die Regierung unter Ministerpräsident Hoffmann (MSPD) floh aus der Stadt und bezog Quartier in Bamberg. Die neue Räteregierung, die sich aus Schriftstellern, Anarchisten und Pazifisten zusammensetzte, plante umfassende soziale Reformen, die sich in der Realität wegen der Gegenmaßnahmen der Regierung Hoffmanns und eines Boykotts bei der Versorgung Münchens durch die Bauern nicht umsetzen ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik|BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch schlossen sich viele Städte zumindest formal der Räterepublik an, so auch Wasserburg. Zur Verkündung der Räterepublik gab es einen halben Feiertag, zudem wurde der verschärfte Belagerungszustand über die nun räterepublikanische Stadt verhängt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Für den Zeitraum vermerkte der Schriftführer des Arbeiterrates im Nachhinein: &amp;lt;i&amp;gt;In diesem Heft ist nicht alles verzeichnet, was sich seit Beginn der Revolution, besonders seit 7.4, dem Tage der Ausrufung der Räterepublik in Bayern ereignete.&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Laut diesem Nachtrag soll ab diesem Zeitpunkt der Vorsitzende des Soldatenrates, der Gefreite Ernst Friedrich Darstein, in Wasserburg die Macht übernommen haben. Außer Rang und Namen ist über Darstein nur bekannt, dass er am 10. Oktober 1884 in Straßburg geboren wurde, von Beruf Kaufmann war und am 2. April 1919 zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kinder die bayerische Staatsangehörigkeit erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt; Abschrift, Aufnahmeurkund Deutsches Reich, Volksstaat Bayern, Dokument vom 27.5.1919, StadtA Wasserburg a. Inn, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702|StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Er war seit dessen Gründung Mitglied des Wasserburger Soldatenrates. Vom Schriftführer wird Darstein vorgeworfen, den Arbeiterrat als „ein Mäntelchen für die gesetzlichen und ungesetzlichen Handlungen, für alle Miss- und Übergriffe“ zu missbrauchen. Dabei sagt er Darstein eine linksradikale Gesinnung nach, was sich allerdings mit einer vorherigen Stelle widerspricht, in der er behauptet, Darsteins Verhalten hätte auch den Kommunisten in München „Anlaß zum Einschreiten“ gegeben. Auch legt er nahe, dass Darsteins Bezeichnung als „Kommunist“ nur Selbstdarstellung war. Ferner kritisiert er die „oft maßlose Eitelkeit“ des Gefreiten, die diesen angeblich zu seinen Taten trieb. Darstein soll dabei für den Belagerungszustand und die „damit verbundenen Schikanen“ verantwortlich gewesen sein, dazu gehörten unter anderem eine strikte Sperrstunde und ein Verbot öffentlicher Versammlungen für die Wasserburger Einwohner. Auch soll Darstein mit dem Rosenheimer Soldatenrat unter Kopp zusammengearbeitet und „Bestrebungen, Privateigentum unter dem Deckmantel der Sozialisierung sich anzueignen“ unternommen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Dieser Vermerk des Schriftführers ist die einzige detaillierte Quelle über Darsteins Wirken in Wasserburg. Im Wasserburger Anzeiger finden sich lediglich die Hinweise auf die Zensur durch den von Darstein geleiteten Soldatenrat. Hinweise auf eine Umsetzung der aus München für die Räterepublik angeordneten Maßnahmen gibt es nicht. Am 12. April druckte der Wasserburger Anzeiger bereits eine Stellungnahme der Regierung Hoffmann ab, in der die Illegitimität der Räteregierung bekräftigt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Einen weiteren Schritt in  Richtung der Opposition gegen den Zentralrat unternahm der Arbeiterrat mit der Duldung der Bewaffnung der Bürgerschaft am 14. April durch den Bezirksbauernrat, angeblich zum Schutz vor Raub und Plünderungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Diese Einwohnerwehr rückte mit 70 Mann gegen Rosenheim vor, mit dem Ziel die dortige Räteherrschaft unter Kopp zu beenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies wurde durch das Scheitern eines Putschversuchs durch regierungstreue Truppen in München allerdings vereitelt, die Wasserburger mussten erfolglos in die Heimat zurückkehren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;  In München kam es bedingt durch den Umsturzversuch zu einer zweiten Räterepublik, diesmal unter der Führung der kommunistischen Partei, der KPD. Nach dieser Eskalation holte sich Ministerpräsident Hoffmann Hilfe von der Reichsregierung, die ihn mit dem regulären Militär und größtenteils rechtsextremen Milizen, den sogenannten Freikorps, unterstützte. Nach dem Führungswechsel in München wandten sich die meisten Ortschaften von der Räterepublik ab und suchten den Schulterschluss mit der Regierung Hoffmann in Bamberg. Andere gaben nach der Konfrontation mit den Regierungstruppen schnell auf, sodass bald nur noch wenige „rote“ Hochburgen wie München selbst, Rosenheim und Kolbermoor übrig waren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immer ausweglosere Lage sorgte dafür, dass der Zentralrat der Räterepublik Eugen Levine, Wilhelm Reichart und Karl Petermoser mit einem Flugzeug Richtung Budapest schickte, um bei der dortigen Räteregierung um Unterstützung zu bitten. Am 20. April mussten sie allerdings bei Wasserburg notlanden, da ihr Pilot einen Motorschaden vortäuschte, und wurden anschließend mit dem Auto nach München zurückgebracht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Am Tag darauf wurde in Bamberg die Aufstellung eines eigenen Freikorps für Wasserburg beschlossen, um an den Kämpfen gegen die Räterepublik teilzunehmen. Oberleutnant Heinrich Schneider, der dieses „Freikorps Wasserburg“ anführen sollte, traf am 22. April in der Stadt ein. Dort erfuhr er von Bürgern von der Herrschaft Darsteins, was ihn dazu veranlasste Verstärkung aus Passau hinzuzuziehen, die am 25. April in Form von zehn Regierungssoldaten eintraf. Der Soldatenrat Darstein überließ dem neugebildeten Freikorps daraufhin 300 Gewehre und 8 MG, trotz seiner angeblich „roten“ Gesinnung. Über seinen weiteren Verbleib ist nichts bekannt. Noch am selben Tag wurde in Wasserburg eine Volksversammlung abgehalten, bei der Dr. Gartenhof als Stadtkommandant bestätigt und mit der Aufstellung des Freikorps begonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Die Tätigkeiten des Arbeiterrates wurden mit der Ankunft der Regierungstruppen weitgehend eingestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das &amp;quot;Freikorps Wasserburg&amp;quot; und das Ende der Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-1864.jpg|400px|thumb|right|Reichswehrminister Gustav Noske (3.v.l.), auch bekannt als der „Bluthund“ zusammen mit den Anführern der bayrischen Einwohnerwehren zu Besuch in Wasserburg am 3. August 1919.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neugebildete Freikorps hatte mit nur 40 Freiwilligen bis zum 27. April wenig Zulauf. Durch eine große Anzahl von Werbeveranstaltungen und die Unterstützung des Stadtkommandanten Gartenhof konnte seine Popularität in der Bevölkerung allerdings mit der Zeit gesteigert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Seinen ersten Einsatz hatte es in Gars: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Am 27. ds. Mts. wurden angehörige der hies. Volkswehr, die einen Garser Einwohner zur Vernehmung nach Wasserburg verbringen sollten, von dortigen Einwohnern entwaffnet und festgehalten. […] Unter diesen Umständen war das Wasserburger Freikorps zur gewaltsamen Befreiung seiner Mitbürger gezwungen. Der erste Transport des Freikorps stieß auf bewaffneten Widerstand […].  Nach kurzem Feuergefecht, in dem es leichte Verwundungen auf Seiten der Garser gab, erbaten die Garser Verhandlungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am 29. April stießen weitere Rotgardisten von Rosenheim nach Rott in Richtung Wasserburg vor. Dieser Angriff konnte allerdings auch ohne Unterstützung des Wasserburger Freikorps zurückgeschlagen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Bei den anschließenden Verhandlungen mit der Rosenheimer Schutztruppe führten allerdings dennoch Stadtkommandant Gartenhof und Oberleutnant Schneider das Wort. Die vereinbarten Kapitulationsbedingungen für Rosenheim konnten allerdings unter anderem wegen Widerstands von Seiten Kopps nicht eigehalten werden, weshalb es zu einer gewaltsamen Besetzung von Rosenheim unter der Beteiligung des Freikorps Wasserburg kam, das dabei auch in Gefechte verwickelt wurde und Verluste zu beklagen hatte. Die Rosenheimer mussten sich schließlich geschlagen geben, Kopp wurde mit seinen Unterstützern vor Gericht gestellt und zu langen Haftstrafen verurteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 428 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 1. bis zum 3. Mai wurde München von Regierungstruppen gestürmt. In den Gefechten und dem darauffolgenden „Weißen Terror“, bei dem es zum Teil zu willkürlichen Erschießungen von Zivilisten durch Regierungstruppen kam, starben bis zu 1.200 Menschen. Mit der Kapitulation von Kolbermoor endete schließlich die Räterepublik in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihre Anhänger erwarteten hohe Strafen, so auch 46 Wasserburger und Rosenheimer, die am 14. Juni in Traunstein vor dem Volksgerichtshof standen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das Freikorps Wasserburg mit zu diesem Zeitpunkt 650 Mitgliedern wurde am 8. Mai aufgelöst und in das reguläre Kader Infanterie Regiment 44 überführt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoß, Freikorps|Thoß, Freikorps]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Einen letzten Auftritt hatte es mit dem Besuch von Reichswehrminister Noske in Wasserburg am 3. August, der die Rolle der Einwohnerwehren bei der Niederschlagung der Revolution in Deutschland lobte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rätegedanke spielte nach dem gewaltsamen Ende der Revolution in Wasserburg und Bayern keine Rolle mehr. Der politische Alltag wurde, vor allem im ländlichen Raum, von der antidemokratischen „Ordnungszellenpolitik“ der Bayrischen Volkspartei (BVP) bestimmt. Kommunisten tauchten hier nur noch als (oft antisemitische) Feindbilder auf.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern|Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Revolution_und_Arbeiterrat&amp;diff=15626</id>
		<title>Revolution und Arbeiterrat</title>
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		<updated>2025-02-07T10:18:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__HIDDENCAT__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Revolution und Arbeiterrat in Wasserburg am Inn  - Ausführliche/Alt. Überschrift&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um Geduld.&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Autorenzeile&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 11. November 1918 endet in ganz Europa der Erste Weltkrieg. Auch in Wasserburg forderte der „Große Krieg“ seine Opfer: 124 Wasserburger fielen an der Front, die Versorgungslage in der Stadt war durch die britische Seeblockade, wie im ganzen Land, schlecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rink, Erster Weltkrieg|Rink, Erster Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
An eine Rückkehr zur Normalität der Vorkriegszeit unter der Herrschaft von König und Kaiser war nicht mehr zu denken. Schon zwei Tage früher, am 9. November, war in Berlin zwei Mal die Republik ausgerufen worden, sowohl von dem Sozialdemokraten Phillip Scheidemann als auch dem Kommunisten Karl Liebknecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Revolution von 1918/19|Scriba, Revolution von 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In Bayern war die Revolution sogar noch einmal zwei Tage schneller, das Land wurde bereits am 7. November von Kurt Eisner zum Freistaat erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Grau, Revolution, 1918/19|Grau, Revolution, 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
In Folge dieses revolutionären Umbruchs kam es überall im Reich zur Gründung demokratisch gewählter Gremien zur Vertretung gewisser Gesellschaftlicher Gruppen und Schichten: die Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. Auch in der Stadt Wasserburg gründet sich am 10. November 1918  ein Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Im Folgenden sollen nun sowohl die Tätigkeit des Arbeiterrates in Wasserburg als auch der Verlauf der Revolution in der Stadt beleuchtet werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verlauf der Revolution in Wasserburg am Inn==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 10. November, als die Revolution in vielen Landesteilen noch gar nicht angekommen war, fand in Wasserburg gegen 9 Uhr eine Versammlung der Arbeiterschaft statt. Auf Anregung des Vorsitzenden der freien Gewerkschaften in Wasserburg, Simon Heigenmoser, sollte  ein Arbeiterrat für die Stadt gewählt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Heigenmoser selbst wurde in den Vorsitz diese Gremiums gewählt, dem neben sieben Mitgliedern der Arbeiterschaft auch drei   &amp;quot;Bürgerliche“ beiwohnen durften. Die öffentliche Verwaltung stand zu diesem Zeitpunkt zumindest offiziell bereits geschlossen hinter der neuen Republik.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Die einzige nennenswerte Opposition fand sich in Form eines Anschlags, in dem anonym die Loyalität zum alten Regime betont wurde. Dies ist der einzige Hinweis auf einen Rest monarchistischer Gesinnung in der allgemeinen Bevölkerung, die sich im reaktionären [[Wasserburger Anzeiger]] finden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Arbeiterrat und den etablierten Behörden kam es dagegen von Anfang an zu Konflikten. So wollte der Arbeiterrat gleich nach der Gründung zwei Mitglieder mit dem Auto zum Innenministerium nach München schicken – Der Bezirk Wasserburg weigerte sich jedoch das dafür benötigte Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. &amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beschlossen wurde daraufhin nicht mit Gewalt vorzugehen, und mit der Bahn nach München zu fahren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Arbeiterrat Wasserburg an den Zentralarbeiterrat München, Bitte um Hilfe bei Kooperation mit Bezirksamt, Schreiben vom 4.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch sonst zeigte sich der Bezirk Wasserburg gegenüber dem Arbeiterrat erst nicht sonderlich kooperationswillig. So ging beim Zentralrat in München am 4.1.1919 folgende Beschwerde der Wasserburger Genossen ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben allen Anlass zu nehmen, dass bei hiesigem Bezirksamte folgende Ansicht herrscht: Der Arbeiterrat Wasserburg Stadt hätte in Dinge nichts hineinzureden, die den Bezirk bezw. den Distrikt beträfen, weil dieser Arbeiterrat nur für den Stadbez. bestellt worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zentralrat stellte dem Arbeiterrat Wasserburg daraufhin eine Vollmacht bis zur Bildung eines Bezirksarbeiterrates aus. Der Bezirk knickte ein: Am 14. Januar geht eine offizielle Einladung für die Teilnahme an den Sitzungen vom Bezirksamt an den Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Bezirksamt Wasserburg an den Arbeiterrat Wasserburg, Einladung zur Teilnahme an Sitzungen, Schreiben vom 14.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Ansonsten war der Alltag im Rätesystem zumindest in Wasserburg zuerst eher unspektakulär. Der Arbeiterrat arbeitete, wie alle anderen Behörden im Freistaat auch, fieberhaft daran die Folgen von Hunger, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit einzudämmen, die nach dem Krieg die Bevölkerung plagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Tätigkeit des Arbeiterrates bis zum Februar 1919==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:II9119.jpg|400px|thumb|right|Ausweis für Josef Max Mayr, Mitglied des Arbeiterrates Wasserburg mit offiziellem Stempel eingelegt in die Akte.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Aufgaben definierte der Arbeiterrat gegenüber dem Wasserburger Anzeiger folgendermaßen:  &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Sie [die Arbeiterräte] sind Berufsparlamente, befugt, unmittelbar gesetzgeberische Vorschläge zu machen. Sie sollen aber auch Aufsichtsorgane […] sein, […] sich mit der Tätigkeit der Regierung beschäftigen, nicht als Vollzugsorgane, sondern als Kontrollorgane, als kritische Organe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918|Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Selbstverständnis deckte sich nur teils mit einem Gesetzesvorschlag, der zur Institutionalisierung der Räte Ende Januar auf einer Konferenz, bei der auch Vertreter des Wasserburger Arbeiterrates anwesend waren, erarbeitet wurde. Darin hieß es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die A.-&amp;amp; B. [Bauern] Räte wahren die gesamten Interessen des arbeitenden Volkes. Sie haben keine gesetzgebende oder vollziehende Gewalt. Sie entsenden nach Bedarf Vertrauensmänner in die öffentlichen Körperschaften und Behörden, um dort Wünsche und Beschwerden des arbeitenden Volkes zu vertreten. Die Zentralräte […] haben das Recht, […] , dem Landtage Gesetzentwürfe zu unterbreiten und sie im Landtage durch einen Vertreter zu begründen.&amp;lt;ref&amp;gt; Tagung der Arbeiter- und Soldatenräte Bayerns, Sammlung zur Tagung vom 13.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9120|StadtA Wasserburg a. Inn, II9120]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es war also vorgesehen, die Räte in einer fast ausschließlich beratenden Funktion beizubehalten. Von einer kontrollierenden Funktion gegenüber den etablierten Institutionen war zu diesem Zeitpunkt bereits keine Rede mehr. Tatsächlich gibt es auch nur ein Beispiel für die konkrete Ausübung einer Kontrollfunktion. Zur Neubesetzung einer vakanten Stelle im Kommunalamt hieß es vom Arbeiterrat Wasserburg am 15.12.1918: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerüchteweise verlautete, dass ein naher Verwandter des Herrn Setzinger für diese Stelle in Aussicht genommen sei. Eine derartige Besetzung könnten wir nur als Provisorium betrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Beschwerde über Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei dem genannten Setzinger handelte es sich um den damaligen Vorsitzenden des Kommunalverbandes. Auf diesen höflich formulierten Vorwurf der Vetternwirtschaft reagierte der Bezirk Wasserburg mit einer Bestätigung, dass ein Bruder von Setzinger&amp;lt;ref&amp;gt;  Die Gebrüder Setzinger waren im Beruf beide Kaufmann: Franz Setzinger, *1877 in Megentheim und Paul Setzinger, *1889 in Megentheim. Der jüngere Bruder wurde im Dezember 1918 vom Militär entlassen und kam aus Berlin/Charlottenburg  nach Wasserburg; der ältere Bruder zog bereits 1915 zu. &amp;lt;/ref&amp;gt;   die Stelle temporär ausfüllen würde und gab als Grund einen Mangel an Alternativen an.&amp;lt;ref&amp;gt; Bezirksamt Wasserburg an Arbeiterrat Wasserburg, Eingehen auf Beschwerde wegen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 24.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
Darauf sendete der Arbeiterrat dem Bezirksamt eine kurze Liste mit ähnlich qualifizierten Kandidaten.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Vorschlag zur alternativen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 6.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der Ausgang dieser Streitigkeit ist unklar, auch ob die Vorwürfe der Vetternwirtschaft im Bezirksamt zutrafen wird heute kaum geklärt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen anderen Tätigkeitsbereichen war der Arbeiterrat dagegen aktiver. Zur Verbesserung der Versorgungslage, vor allem mit Fleischwaren, brachte der Arbeiterrat gleich mehrere Vorschläge ein. So sollten die vier Metzger der Stadt verpflichtet werden, sich zu einer einzelnen GmbH zusammen zu schließen, um Schlachtung, Produktion und Verkauf besser koordinieren und planen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Antrag zur Abänderung des Verteilungsmodus von Fleisch &amp;amp; Wurstwaren, Schreiben vom 1.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Vor allem das Anstehen für Lebensmittel schien für die Wasserburger Bevölkerung ein großes Ärgernis gewesen zu sein. Für manche stellte es anscheinend sogar ein gesundheitliches Risiko dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erst kürzlich fiel eine ältere Frau bei[m] Warten vor einem Metzgerladen um.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Kommunalverband Wasserburg, Antrag auf Einführung von wöchentlicher Versorgungsperiode, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Zweck der Verteilung schlug der Arbeiterrat ein System von Kundenscheinen vor. Außerdem sollten laut der Pläne alle Lebensmittelmarken auf einmal ausgegeben und von Jugendlichen verteilt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Auf eine tatsächliche Umsetzung dieser Vorschläge durch Bezirk (Landkreis)&amp;lt;ref&amp;gt;Die &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; wurden nach Bekanntmachungen durchgesehen und überprüft.&amp;lt;/ref&amp;gt;   oder Magistrat gibt es keine Hinweise. Zeitungsartikel oder Antworten der benachrichtigten Behörden liegen (Stand Juli 2024) nicht vor. Die Markierungen auf den eingereichten Dokumenten legen jedoch zumindest nahe, dass sie von den Behörden zur Kenntnis genommen wurden, wenn auch nicht mehr. &lt;br /&gt;
Auch am Kampf gegen Schmuggel und Unterschlagung von Lebensmitteln beteiligte sich der Arbeiterrat.  Dazu vermeldet der Arbeiterrat im Wasserburger Anzeiger: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeden Tag können unsere Patrouillen feststellen, daß große Koffer und Kisten Lebensmitteln […] weggebracht werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den eigenen Patrouillen wurde dabei auch mit dem Bezirksamt und der örtlichen Gendarmerie zusammengearbeitet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die Gendarmerie Station Wasserburg, Hinweis auf Schmuggel von Lebensmitteln, Schreiben vom 20.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der umfangreichste Tätigkeitsbereich des Rates umfasste allerdings die Vertretung der Interessen der arbeitenden Bevölkerung. Einzelpersonen konnten sich mit ihren Problemen an den Arbeiterrat wenden, woraufhin dieser ihre Positionen bei den offiziellen Stellen und Behörden vertrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So befand sich der Postbote Matthias Berger aufgrund einer Kriegsverletzung im zeitlichen Ruhestand, trotz seines Wunsches wieder im Postdienst eingesetzt zu werden. Er wendete sich an den Arbeiterrat, der sich daraufhin in einem Schreiben an die Oberpostdirektion in Landshut für ihn einsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;  Oberpostdirektion Landshut an den Arbeiterrat Wasserburg, Auskunft über den Status eines ehemaligen Postboten, Schreiben vom 14.4.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Aushilfskraft Maria Doubze, die ursprünglich aus Italien kam und zu dieser Zeit im Amtsgericht Wasserburg angestellt war, drohte die Entlassung und damit die Arbeitslosigkeit. Der Arbeiterrat setzte sich deswegen für sie beim bayerischen Staatsministerium für Justiz für eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für zwei Monate ein, jedoch mit unbekanntem Resultat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an das Staatsministerium der Justiz, Bitte um Beibehalten einer Hilfskraft, Schreiben vom 10.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Zuletzt war der Rat auch an der Beseitigung des Wohnungsmangels in der Nachkriegszeit beteiligt. In Berichten des Rates über die Wohnungssituation an den Stadtmagistrat heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;In Reitberg, Gde. Rammerberg ist der Fall vorgekommen, dass eine arme alleinstehende Arbeitersfrau mit ihren kleinen Kindern genötigt war, lange Zeit u. heute noch im Hausgang eines Hauses zu wohnen u. da wird sie nur gutwillig geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039; &lt;br /&gt;
und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist vorgekommen, dass gewinnsüchtige Vermieter (allerdings nur sehr vereinzelt) ganz übertriebene Preise für ihre Wohnungen verlangt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Stadtmagistrat Wasserburg, Antrag auf die Bildung einer Wohnungskommission, Schreiben vom 2.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Probleme wie diese zu lösen brachte der Rat verschiedenen Lösungsvorschläge vor die Verwaltungsbehörden von Bezirk und Stadt. Um gegen Wucher bei den Vermietern anzukämpfen wurde eine städtische Wohnungskommission zur Mietkontrolle vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Auch die temporäre Beschlagnahmung von leerstehendem Wohneigentum wurde vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Zudem wurde der Beginn des Baus von vier Pflegerhäusern für die Klinik Gabersee angeregt, die bereits länger geplant und bewilligt waren, wobei diese Maßnahme tatsächlich umgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die &amp;gt;Regierung des Volksstaates, Antrag auf Baubeginn bei Pflegerhäusern, Schreiben vom 24.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat war also bemüht, auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens in Stadt und Umgebung Einfluss zu nehmen und dabei die Situation vor allem der unteren Bevölkerungsschichten zu verbessern. Aufgrund mangelnder Befugnisse hatte er bei seinen Forderungen jedoch allem Anschein nach wenig tatsächliches Durchsetzungsvermögen.&amp;lt;ref&amp;gt;Überprüfung, Durchsicht der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 7.11.1918-27.12.1918 sowie der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 2.1.1919-22.5.1919 nach entsprechenden Bekanntmachungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der politische Einfluss des Rates war bis zum Februar 1919 immer abhängig von den etablierten lokalen Behörden und den Beschlüssen der Regierung in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Landtagswahlen vom 12. Januar 1919==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 12. Januar 1919 fanden in Bayern die ersten freien Landtagswahlen statt. Mit dem Sozialdemokraten Simon Reile kandidierte auch einer der beide Vorsitzenden des Wasserburger Arbeiterrates für den Landtag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahlergebnisse in Wasserburg (Bezirk) im Vergleich zum Gesamtergebnis&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19|Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; :&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &amp;lt;table border=&#039;1&#039;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;            &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;MSPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;USPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;DVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;BVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bauernbund&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Mittelstandspartei&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bund der Unteroffiziere&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
              &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt; Stimmen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;; &amp;gt;1708&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;425&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;3226&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4287&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;28&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;Anteil in %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;17,6 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4,4 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,3 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;44,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;In ganz Bayern (%)&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2,5 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;35,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;9,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;5,8 % (zusammen mit Nationalliberalen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;-&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im landwirtschaftlich geprägten Bezirk Wasserburg war der Erfolg des Bauernbundes keine Überraschung. Mit 889 Stimmen war die SPD in der Stadt Wasserburg selbst die stärkste Kraft. Die USPD konnte in Wasserburg kaum Wähler überzeugen, wie im Rest von Bayern schnitten die Unabhängigen katastrophal schlecht ab. Dieses Ergebnis machte die Position Kurt Eisners (USPD) als Ministerpräsident von Bayern unhaltbar. Als dieser am 21. Februar 1919 seinen Rücktritt erklären wollte, wurde er auf dem Weg zum Landtag von einem Rechtsradikalen ermordet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners|Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dieses Ereignis sollte auch für die Stadt Wasserburg noch beträchtliche Konsequenzen nach sich ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Revolution kommt (wieder) nach Wasserburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-2171.jpg|400px|thumb|right|Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates und selbsternannte „Diktator“ Guido Kopp spricht vom Balkon des Wasserburger Rathauses zu den versammelten Wasserburger und Rosenheimer Arbeitern.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Ermordung Eisners blieb es in Wasserburg erst einmal ruhig, abgesehen vom Überflug eines Flugzeuges, das politische Flugblätter über der Stadt abwarf, die die Tat verurteilten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Vier Tage nach der Tat trafen die Unruhen dann Wasserburg. Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates, Guido Kopp, rückte am 25. Februar mit seiner Miliz in Wasserburg ein und besetzte die Stadt. Der Wasserburger Anzeiger berichtete ausführlich über die Ereignisse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben eine zweite Revolution durchzumachen und diese hat nun auch [hier eingesetzt]. Am Dienstag in den Morgenstunden erschienen bei uns etwa vierzig Mitglieder des Rosenheimer Soldatenrates, bewaffnet mit Gewehren. Sie besetzten zuerst die Aemter, auch Realschule und Schülerheim. Der Stadt bemächtigte sich eine gewisse Aufregung, und in Trupps stand die Bevölkerung, um in mehr oder minder großer Erregung die neue Lage zu besprechen. Im Übrigen aber nahm das Publikum das ungewohnte Bild ruhig hin. Abgesehen von der Zitierung einiger Personen aufs [[Rathaus]] –mitunter aufgrund gewissenloser Angebereien- geschah zunächst nichts. Die Stadt war bis in den entlegensten Teil besetzt und die „bewaffnete Macht“ wuchs ständig, da als Gegengengewicht auch der hiesige A.- u. S.-Rat die Arbeiter bewaffnete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf folgte ein Demonstrationszug durch die Stadt zu Ehren Kurt Eisners und eine Rede von Kopp vom Balkon des Rathauses aus. Darin kündigte er seine weiteren Maßnahmen für die Stadt an. Die Mitglieder des Magistrats Weber und Rieperdinger mussten ihre Ämter niederlegen, die bereits der Vetternwirtschaft bezichtigten Gebrüder Setzinger sollten, genau wie der Rentier Riezoldi und die weiblichen Hilfskräfte, aus den Kommunalbehörden entlassen werden und durch Kriegsteilnehmer ersetzt werden. Stadtsekretär Lindner und Bezirksamtssekretär Löffler sollten sich dagegen für ihr Verhalten bei den unteren Bevölkerungsschichten entschuldigen. Auch aus dem Arbeiterrat sollten nach Vorstellung Kopps die Räte Meisterbauer und Unterauer ausscheiden. Nach dieser Erklärung zogen die Rosenheimer schließlich gegen Abend ohne weitere Komplikationen wieder aus Wasserburg ab.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 568.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als Reaktion wurde vom Arbeiterrat in Wasserburg eine Stadtkommandantur unter dem Stadtkommandanten Dr. Gartenhof errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg unter Darstein und das Ende des Rates==&lt;br /&gt;
Sowohl offiziell als auch in internen Protokollen gab der Arbeiterrat von Wasserburg an, von den Aktionen der Rosenheimer überrascht worden zu sein. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Erklärung an die Bevölkerung des Bezirks Wasserburg, Zeitungsausschnitt vom 26.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   In seinem Protokoll der Sitzung, die am Tag nach der Besatzung durch Rosenheim stattfand und bei der noch Vertreter aus Rosenheim anwesend waren, heißt es aber auch, dass man die Demonstration schließlich unterstützt habe. Dennoch stellte sich der Arbeiterrat Wasserburg klar auf die Seite der gemäßigten Mehrheitssozialdemokraten (MSPD), gegen die linksrevolutionäre USPD und den kommunistischen Spartakusbund und jede Diktatur, „sei sie von oben oder von unten“&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der herrschende Soldatenrat von Rosenheim wurde in dieser Sitzung zu einer Untersuchung der Ereignisse des Vortages aufgefordert; es sei zu Ausschreitungen wie Plünderungen durch Rosenheimer gekommen und Schlimmeres sei nur durch die bewaffnete Arbeiterschaft Wasserburgs verhindert worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sämtliche Amtsenthebungen wurden auch kurze Zeit später vom Vollzugsrat in München für nichtig erklärt, die abgesetzten Magistrate kehrten dennoch nicht in ihre Ämter zurück. Seit dem 26. Februar stand die Stadt Wasserburg unter Belagerungszustand. Die Räte verzeichneten dabei einen eindeutigen Gewinn an Macht und Bedeutung innerhalb der Stadt. Der Wasserburger Anzeiger stand unter Zensur des Soldatenrates, die Räte bestimmten zudem über die Polizeistunde und die Zulassung von Tanzveranstaltungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Insgesamt schien die Lage sich wieder zu stabilisieren, auch im Rest Bayerns. In München fand zum Zeitpunkt des Rosenheimer Übergriffes ein Rätekongress statt, auf dem Wasserburg durch den Obersekretär Meier vertreten war. Radikale Maßnahmen, wie die Ausrufung einer Räterepublik, in der die Räte die Regierungsgewalt übernommen hätten, wurden dabei mehrheitlich abgelehnt, die mehrheitssozialistische Linie schien sich bei den meisten Räten durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919|Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch verschärften sich die Spannungen zwischen der MSPD und Linkssozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. April 1919 wurde in München vom Zentralrat die „Baierische“ Räterepublik ausgerufen. Die Regierung unter Ministerpräsident Hoffmann (MSPD) floh aus der Stadt und bezog Quartier in Bamberg. Die neue Räteregierung, die sich aus Schriftstellern, Anarchisten und Pazifisten zusammensetzte, plante umfassende soziale Reformen, die sich in der Realität wegen der Gegenmaßnahmen der Regierung Hoffmanns und eines Boykotts bei der Versorgung Münchens durch die Bauern nicht umsetzen ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik|BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch schlossen sich viele Städte zumindest formal der Räterepublik an, so auch Wasserburg. Zur Verkündung der Räterepublik gab es einen halben Feiertag, zudem wurde der verschärfte Belagerungszustand über die nun räterepublikanische Stadt verhängt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Für den Zeitraum vermerkte der Schriftführer des Arbeiterrates im Nachhinein: &amp;lt;i&amp;gt;In diesem Heft ist nicht alles verzeichnet, was sich seit Beginn der Revolution, besonders seit 7.4, dem Tage der Ausrufung der Räterepublik in Bayern ereignete.&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Laut diesem Nachtrag soll ab diesem Zeitpunkt der Vorsitzende des Soldatenrates, der Gefreite Ernst Friedrich Darstein, in Wasserburg die Macht übernommen haben. Außer Rang und Namen ist über Darstein nur bekannt, dass er am 10. Oktober 1884 in Straßburg geboren wurde, von Beruf Kaufmann war und am 2. April 1919 zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kinder die bayerische Staatsangehörigkeit erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt; Abschrift, Aufnahmeurkund Deutsches Reich, Volksstaat Bayern, Dokument vom 27.5.1919, StadtA Wasserburg a. Inn, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702|StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Er war seit dessen Gründung Mitglied des Wasserburger Soldatenrates. Vom Schriftführer wird Darstein vorgeworfen, den Arbeiterrat als „ein Mäntelchen für die gesetzlichen und ungesetzlichen Handlungen, für alle Miss- und Übergriffe“ zu missbrauchen. Dabei sagt er Darstein eine linksradikale Gesinnung nach, was sich allerdings mit einer vorherigen Stelle widerspricht, in der er behauptet, Darsteins Verhalten hätte auch den Kommunisten in München „Anlaß zum Einschreiten“ gegeben. Auch legt er nahe, dass Darsteins Bezeichnung als „Kommunist“ nur Selbstdarstellung war. Ferner kritisiert er die „oft maßlose Eitelkeit“ des Gefreiten, die diesen angeblich zu seinen Taten trieb. Darstein soll dabei für den Belagerungszustand und die „damit verbundenen Schikanen“ verantwortlich gewesen sein, dazu gehörten unter anderem eine strikte Sperrstunde und ein Verbot öffentlicher Versammlungen für die Wasserburger Einwohner. Auch soll Darstein mit dem Rosenheimer Soldatenrat unter Kopp zusammengearbeitet und „Bestrebungen, Privateigentum unter dem Deckmantel der Sozialisierung sich anzueignen“ unternommen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Dieser Vermerk des Schriftführers ist die einzige detaillierte Quelle über Darsteins Wirken in Wasserburg. Im Wasserburger Anzeiger finden sich lediglich die Hinweise auf die Zensur durch den von Darstein geleiteten Soldatenrat. Hinweise auf eine Umsetzung der aus München für die Räterepublik angeordneten Maßnahmen gibt es nicht. Am 12. April druckte der Wasserburger Anzeiger bereits eine Stellungnahme der Regierung Hoffmann ab, in der die Illegitimität der Räteregierung bekräftigt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Einen weiteren Schritt in  Richtung der Opposition gegen den Zentralrat unternahm der Arbeiterrat mit der Duldung der Bewaffnung der Bürgerschaft am 14. April durch den Bezirksbauernrat, angeblich zum Schutz vor Raub und Plünderungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Diese Einwohnerwehr rückte mit 70 Mann gegen Rosenheim vor, mit dem Ziel die dortige Räteherrschaft unter Kopp zu beenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies wurde durch das Scheitern eines Putschversuchs durch regierungstreue Truppen in München allerdings vereitelt, die Wasserburger mussten erfolglos in die Heimat zurückkehren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;  In München kam es bedingt durch den Umsturzversuch zu einer zweiten Räterepublik, diesmal unter der Führung der kommunistischen Partei, der KPD. Nach dieser Eskalation holte sich Ministerpräsident Hoffmann Hilfe von der Reichsregierung, die ihn mit dem regulären Militär und größtenteils rechtsextremen Milizen, den sogenannten Freikorps, unterstütze. Nach dem Führungswechsel in München wandten sich die meisten Ortschaften von der Räterepublik ab und suchten den Schulterschluss mit der Regierung Hoffmann in Bamberg. Andere gaben nach der Konfrontation mit den Regierungstruppen schnell auf, sodass bald nur noch wenige „rote“ Hochburgen wie München selbst, Rosenheim und Kolbermoor übrig waren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immer ausweglosere Lage sorgte dafür, dass der Zentralrat der Räterepublik Eugen Levine, Wilhelm Reichart und Karl Petermoser mit einem Flugzeug Richtung Budapest schickte, um bei der dortigen Räteregierung um Unterstützung zu bitten. Am 20. April mussten sie allerdings bei Wasserburg notlanden, da ihr Pilot einen Motorschaden vortäuschte, und wurden anschließend mit dem Auto nach München zurückgebracht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Am Tag darauf wurde in Bamberg die Aufstellung eines eigenen Freikorps für Wasserburg beschlossen, um an den Kämpfen gegen die Räterepublik teilzunehmen. Oberleutnant Heinrich Schneider, der dieses „Freikorps Wasserburg“ anführen sollte traf am 22. April in der Stadt ein. Dort erfuhr er von Bürgern von der Herrschaft Darsteins, was ihn dazu veranlasste Verstärkung aus Passau hinzuzuziehen, die am 25. April in Form von zehn Regierungssoldaten eintraf. Der Soldatenrat Darstein überließ dem neugebildeten Freikorps daraufhin 300 Gewehre und 8 MG, trotz seiner angeblich „roten“ Gesinnung. Über seinen weiteren Verbleib ist nichts bekannt. Noch am selben Tag wurde in Wasserburg eine Volksversammlung abgehalten, bei der Dr. Gartenhof als Stadtkommandant bestätigt und mit der Aufstellung des Freikorps begonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Die Tätigkeiten des Arbeiterrates wurden mit der Ankunft der Regierungstruppen weitgehend eingestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das &amp;quot;Freikorps Wasserburg&amp;quot; und das Ende der Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-1864.jpg|400px|thumb|right|Reichswehrminister Gustav Noske (3.v.l.), auch bekannt als der „Bluthund“ zusammen mit den Anführern der bayrischen Einwohnerwehren zu Besuch in Wasserburg am 3. August 1919.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neugebildete Freikorps hatte mit nur 40 Freiwilligen bis zum 27. April wenig Zulauf. Durch eine große Anzahl von Werbeveranstaltungen und die Unterstützung des Stadtkommandanten Gartenhof konnte seine Popularität in der Bevölkerung allerdings mit der Zeit gesteigert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Seinen ersten Einsatz hatte es in Gars: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Am 27. ds. Mts. wurden angehörige der hies. Volkswehr, die einen Garser Einwohner zur Vernehmung nach Wasserburg verbringen sollten, von dortigen Einwohnern entwaffnet und festgehalten. […] Unter diesen Umständen war das Wasserburger Freikorps zur gewaltsamen Befreiung seiner Mitbürger gezwungen. Der erste Transport des Freikorps stieß auf bewaffneten Widerstand […].  Nach kurzem Feuergefecht, in dem es leichte Verwundungen auf Seiten der Garser gab, erbaten die Garser Verhandlungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am 29. April stießen weitere Rotgardisten von Rosenheim nach Rott in Richtung Wasserburg vor. Dieser Angriff konnte allerdings auch ohne Unterstützung des Wasserburger Freikorps zurückgeschlagen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Bei den anschließenden Verhandlungen mit der Rosenheimer Schutztruppe führten allerdings dennoch Stadtkommandant Gartenhof und Oberleutnant Schneider das Wort. Die vereinbarten Kapitulationsbedingungen für Rosenheim konnten allerdings unter anderem wegen Widerstands von Seiten Kopps nicht eigehalten werden, weshalb es zu einer gewaltsamen Besetzung von Rosenheim unter der Beteiligung des Freikorps Wasserburg kam, das dabei auch in Gefechte verwickelt wurde und Verluste zu beklagen hatte. Die Rosenheimer mussten sich schließlich geschlagen geben, Kopp wurde mit seinen Unterstützern vor Gericht gestellt und zu langen Haftstrafen verurteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 428 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 1. bis zum 3. Mai wurde München von Regierungstruppen gestürmt. In den Gefechten und dem darauffolgenden „Weißen Terror“, bei dem es zum Teil zu willkürlichen Erschießungen von Zivilisten durch Regierungstruppen kam, starben bis zu 1.200 Menschen. Mit der Kapitulation von Kolbermoor endete schließlich die Räterepublik in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihre Anhänger erwarteten hohe Strafen, so auch 46 Wasserburger und Rosenheimer, die am 14. Juni in Traunstein vor dem Volksgerichtshof standen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das Freikorps Wasserburg mit zu diesem Zeitpunkt 650 Mitgliedern wurde am 8. Mai aufgelöst und in das reguläre Kader Infanterie Regiment 44 überführt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoß, Freikorps|Thoß, Freikorps]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Einen letzten Auftritt hatte es mit dem Besuch von Reichswehrminister Noske in Wasserburg am 3. August, der die Rolle der Einwohnerwehren bei der Niederschlagung der Revolution in Deutschland lobte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rätegedanke spielte nach dem gewaltsamen Ende der Revolution in Wasserburg und Bayern keine Rolle mehr. Der politische Alltag wurde, vor allem im ländlichen Raum, von der antidemokratischen „Ordnungszellenpolitik“ der Bayrischen Volkspartei (BVP) bestimmt. Kommunisten tauchten hier nur noch als (oft antisemitische) Feindbilder auf.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern|Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Revolution_und_Arbeiterrat&amp;diff=15625</id>
		<title>Revolution und Arbeiterrat</title>
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		<updated>2025-02-07T10:13:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__HIDDENCAT__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Revolution und Arbeiterrat in Wasserburg am Inn  - Ausführliche/Alt. Überschrift&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um Geduld.&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Autorenzeile&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 11. November 1918 endet in ganz Europa der Erste Weltkrieg. Auch in Wasserburg forderte der „Große Krieg“ seine Opfer: 124 Wasserburger fielen an der Front, die Versorgungslage in der Stadt war durch die britische Seeblockade, wie im ganzen Land, schlecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rink, Erster Weltkrieg|Rink, Erster Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
An eine Rückkehr zur Normalität der Vorkriegszeit unter der Herrschaft von König und Kaiser war nicht mehr zu denken. Schon zwei Tage früher, am 9. November, war in Berlin zwei Mal die Republik ausgerufen worden, sowohl von dem Sozialdemokraten Phillip Scheidemann als auch dem Kommunisten Karl Liebknecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Revolution von 1918/19|Scriba, Revolution von 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In Bayern war die Revolution sogar noch einmal zwei Tage schneller, das Land wurde bereits am 7. November von Kurt Eisner zum Freistaat erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Grau, Revolution, 1918/19|Grau, Revolution, 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
In Folge dieses revolutionären Umbruchs kam es überall im Reich zur Gründung demokratisch gewählter Gremien zur Vertretung gewisser Gesellschaftlicher Gruppen und Schichten: die Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. Auch in der Stadt Wasserburg gründet sich am 10. November 1918  ein Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Im Folgenden sollen nun sowohl die Tätigkeit des Arbeiterrates in Wasserburg als auch der Verlauf der Revolution in der Stadt beleuchtet werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verlauf der Revolution in Wasserburg am Inn==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 10. November, als die Revolution in vielen Landesteilen noch gar nicht angekommen war, fand in Wasserburg gegen 9 Uhr eine Versammlung der Arbeiterschaft statt. Auf Anregung des Vorsitzenden der freien Gewerkschaften in Wasserburg, Simon Heigenmoser, sollte  ein Arbeiterrat für die Stadt gewählt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Heigenmoser selbst wurde in den Vorsitz diese Gremiums gewählt, dem neben sieben Mitgliedern der Arbeiterschaft auch drei   &amp;quot;Bürgerliche“ beiwohnen durften. Die öffentliche Verwaltung stand zu diesem Zeitpunkt zumindest offiziell bereits geschlossen hinter der neuen Republik.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Die einzige nennenswerte Opposition fand sich in Form eines Anschlags, in dem anonym die Loyalität zum alten Regime betont wurde. Dies ist der einzige Hinweis auf einen Rest monarchistischer Gesinnung in der allgemeinen Bevölkerung, die sich im reaktionären [[Wasserburger Anzeiger]] finden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Arbeiterrat und den etablierten Behörden kam es dagegen von Anfang an zu Konflikten. So wollte der Arbeiterrat gleich nach der Gründung zwei Mitglieder mit dem Auto zum Innenministerium nach München schicken – Der Bezirk Wasserburg weigerte sich jedoch das dafür benötigte Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. &amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beschlossen wurde daraufhin nicht mit Gewalt vorzugehen, und mit der Bahn nach München zu fahren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Arbeiterrat Wasserburg an den Zentralarbeiterrat München, Bitte um Hilfe bei Kooperation mit Bezirksamt, Schreiben vom 4.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch sonst zeigte sich der Bezirk Wasserburg gegenüber dem Arbeiterrat erst nicht sonderlich kooperationswillig. So ging beim Zentralrat in München am 4.1.1919 folgende Beschwerde der Wasserburger Genossen ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben allen Anlass zu nehmen, dass bei hiesigem Bezirksamte folgende Ansicht herrscht: Der Arbeiterrat Wasserburg Stadt hätte in Dinge nichts hineinzureden, die den Bezirk bezw. den Distrikt beträfen, weil dieser Arbeiterrat nur für den Stadbez. bestellt worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zentralrat stellte dem Arbeiterrat Wasserburg daraufhin eine Vollmacht bis zur Bildung eines Bezirksarbeiterrates aus. Der Bezirk knickte ein: Am 14. Januar geht eine offizielle Einladung für die Teilnahme an den Sitzungen vom Bezirksamt an den Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Bezirksamt Wasserburg an den Arbeiterrat Wasserburg, Einladung zur Teilnahme an Sitzungen, Schreiben vom 14.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Ansonsten war der Alltag im Rätesystem zumindest in Wasserburg zuerst eher unspektakulär. Der Arbeiterrat arbeitete, wie alle anderen Behörden im Freistaat auch, fieberhaft daran die Folgen von Hunger, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit einzudämmen, die nach dem Krieg die Bevölkerung plagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Tätigkeit des Arbeiterrates bis zum Februar 1919==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:II9119.jpg|400px|thumb|right|Ausweis für Josef Max Mayr, Mitglied des Arbeiterrates Wasserburg mit offiziellem Stempel eingelegt in die Akte.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Aufgaben definierte der Arbeiterrat gegenüber dem Wasserburger Anzeiger folgendermaßen:  &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Sie [die Arbeiterräte] sind Berufsparlamente, befugt, unmittelbar gesetzgeberische Vorschläge zu machen. Sie sollen aber auch Aufsichtsorgane […] sein, […] sich mit der Tätigkeit der Regierung beschäftigen, nicht als Vollzugsorgane, sondern als Kontrollorgane, als kritische Organe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918|Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Selbstverständnis deckte sich nur teils mit einem Gesetzesvorschlag, der zur Institutionalisierung der Räte Ende Januar auf einer Konferenz, bei der auch Vertreter des Wasserburger Arbeiterrates anwesend waren, erarbeitet wurde. Darin hieß es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die A.-&amp;amp; B. [Bauern] Räte wahren die gesamten Interessen des arbeitenden Volkes. Sie haben keine gesetzgebende oder vollziehende Gewalt. Sie entsenden nach Bedarf Vertrauensmänner in die öffentlichen Körperschaften und Behörden, um dort Wünsche und Beschwerden des arbeitenden Volkes zu vertreten. Die Zentralräte […] haben das Recht, […] , dem Landtage Gesetzentwürfe zu unterbreiten und sie im Landtage durch einen Vertreter zu begründen.&amp;lt;ref&amp;gt; Tagung der Arbeiter- und Soldatenräte Bayerns, Sammlung zur Tagung vom 13.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9120|StadtA Wasserburg a. Inn, II9120]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es war also vorgesehen, die Räte in einer fast ausschließlich beratenden Funktion beizubehalten. Von einer kontrollierenden Funktion gegenüber den etablierten Institutionen war zu diesem Zeitpunkt bereits keine Rede mehr. Tatsächlich gibt es auch nur ein Beispiel für die konkrete Ausübung einer Kontrollfunktion. Zur Neubesetzung einer vakanten Stelle im Kommunalamt hieß es vom Arbeiterrat Wasserburg am 15.12.1918: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerüchteweise verlautete, dass ein naher Verwandter des Herrn Setzinger für diese Stelle in Aussicht genommen sei. Eine derartige Besetzung könnten wir nur als Provisorium betrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Beschwerde über Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei dem genannten Setzinger handelte es sich um den damaligen Vorsitzenden des Kommunalverbandes. Auf diesen höflich formulierten Vorwurf der Vetternwirtschaft reagierte der Bezirk Wasserburg mit einer Bestätigung, dass ein Bruder von Setzinger&amp;lt;ref&amp;gt;  Die Gebrüder Setzinger waren im Beruf beide Kaufmann: Franz Setzinger, *1877 in Megentheim und Paul Setzinger, *1889 in Megentheim. Der jüngere Bruder wurde im Dezember 1918 vom Militär entlassen und kam aus Berlin/Charlottenburg  nach Wasserburg; der ältere Bruder zog bereits 1915 zu. &amp;lt;/ref&amp;gt;   die Stelle temporär ausfüllen würde und gab als Grund einen Mangel an Alternativen an.&amp;lt;ref&amp;gt; Bezirksamt Wasserburg an Arbeiterrat Wasserburg, Eingehen auf Beschwerde wegen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 24.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
Darauf sendete der Arbeiterrat dem Bezirksamt eine kurze Liste mit ähnlich qualifizierten Kandidaten.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Vorschlag zur alternativen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 6.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der Ausgang dieser Streitigkeit ist unklar, auch ob die Vorwürfe der Vetternwirtschaft im Bezirksamt zutrafen wird heute kaum geklärt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen anderen Tätigkeitsbereichen war der Arbeiterrat dagegen aktiver. Zur Verbesserung der Versorgungslage, vor allem mit Fleischwaren, brachte der Arbeiterrat gleich mehrere Vorschläge ein. So sollten die vier Metzger der Stadt verpflichtet werden, sich zu einer einzelnen GmbH zusammen zu schließen, um Schlachtung, Produktion und Verkauf besser koordinieren und planen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Antrag zur Abänderung des Verteilungsmodus von Fleisch &amp;amp; Wurstwaren, Schreiben vom 1.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Vor allem das Anstehen für Lebensmittel schien für die Wasserburger Bevölkerung ein großes Ärgernis gewesen zu sein. Für manche stellte es anscheinend sogar ein gesundheitliches Risiko dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erst kürzlich fiel eine ältere Frau bei[m] Warten vor einem Metzgerladen um.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Kommunalverband Wasserburg, Antrag auf Einführung von wöchentlicher Versorgungsperiode, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Zweck der Verteilung schlug der Arbeiterrat ein System von Kundenscheinen vor. Außerdem sollten laut der Pläne alle Lebensmittelmarken auf einmal ausgegeben und von Jugendlichen verteilt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Auf eine tatsächliche Umsetzung dieser Vorschläge durch Bezirk (Landkreis)&amp;lt;ref&amp;gt;Die &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; wurden nach Bekanntmachungen durchgesehen und überprüft.&amp;lt;/ref&amp;gt;   oder Magistrat gibt es keine Hinweise. Zeitungsartikel oder Antworten der benachrichtigten Behörden liegen (Stand Juli 2024) nicht vor. Die Markierungen auf den eingereichten Dokumenten legen jedoch zumindest nahe, dass sie von den Behörden zur Kenntnis genommen wurden, wenn auch nicht mehr. &lt;br /&gt;
Auch am Kampf gegen Schmuggel und Unterschlagung von Lebensmitteln beteiligte sich der Arbeiterrat.  Dazu vermeldet der Arbeiterrat im Wasserburger Anzeiger: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeden Tag können unsere Patrouillen feststellen, daß große Koffer und Kisten Lebensmitteln […] weggebracht werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den eigenen Patrouillen wurde dabei auch mit dem Bezirksamt und der örtlichen Gendarmerie zusammengearbeitet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die Gendarmerie Station Wasserburg, Hinweis auf Schmuggel von Lebensmitteln, Schreiben vom 20.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der umfangreichste Tätigkeitsbereich des Rates umfasste allerdings die Vertretung der Interessen der arbeitenden Bevölkerung. Einzelpersonen konnten sich mit ihren Problemen an den Arbeiterrat wenden, woraufhin dieser ihre Positionen bei den offiziellen Stellen und Behörden vertrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So befand sich der Postbote Matthias Berger aufgrund einer Kriegsverletzung im zeitlichen Ruhestand, trotz seines Wunsches wieder im Postdienst eingesetzt zu werden. Er wendete sich an den Arbeiterrat, der sich daraufhin in einem Schreiben an die Oberpostdirektion in Landshut für ihn einsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;  Oberpostdirektion Landshut an den Arbeiterrat Wasserburg, Auskunft über den Status eines ehemaligen Postboten, Schreiben vom 14.4.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Aushilfskraft Maria Doubze, die ursprünglich aus Italien kam und zu dieser Zeit im Amtsgericht Wasserburg angestellt war, drohte die Entlassung und damit die Arbeitslosigkeit. Der Arbeiterrat setzte sich deswegen für sie beim bayerischen Staatsministerium für Justiz für eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für zwei Monate ein, jedoch mit unbekanntem Resultat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an das Staatsministerium der Justiz, Bitte um Beibehalten einer Hilfskraft, Schreiben vom 10.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Zuletzt war der Rat auch an der Beseitigung des Wohnungsmangels in der Nachkriegszeit beteiligt. In Berichten des Rates über die Wohnungssituation an den Stadtmagistrat heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;In Reitberg, Gde. Rammerberg ist der Fall vorgekommen, dass eine arme alleinstehende Arbeitersfrau mit ihren kleinen Kindern genötigt war, lange Zeit u. heute noch im Hausgang eines Hauses zu wohnen u. da wird sie nur gutwillig geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039; &lt;br /&gt;
und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist vorgekommen, dass gewinnsüchtige Vermieter (allerdings nur sehr vereinzelt) ganz übertriebene Preise für ihre Wohnungen verlangt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Stadtmagistrat Wasserburg, Antrag auf die Bildung einer Wohnungskommission, Schreiben vom 2.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Probleme wie diese zu lösen brachte der Rat verschiedenen Lösungsvorschläge vor die Verwaltungsbehörden von Bezirk und Stadt. Um gegen Wucher bei den Vermietern anzukämpfen wurde eine städtische Wohnungskommission zur Mietkontrolle vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Auch die temporäre Beschlagnahmung von leerstehendem Wohneigentum wurde vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Zudem wurde der Beginn des Baus von vier Pflegerhäuser für die Klinik Gabersee angeregt, die bereits länger geplant und bewilligt waren, wobei diese Maßnahme tatsächlich umgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die &amp;gt;Regierung des Volksstaates, Antrag auf Baubeginn bei Pflegerhäusern, Schreiben vom 24.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat war also bemüht, auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens in Stadt und Umgebung Einfluss zu nehmen und dabei die Situation vor allem der unteren Bevölkerungsschichten zu verbessern. Aufgrund mangelnder Befugnisse hatte er bei seinen Forderungen jedoch allem Anschein nach wenig tatsächliches Durchsetzungsvermögen.&amp;lt;ref&amp;gt;Überprüfung, Durchsicht der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 7.11.1918-27.12.1918 sowie der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 2.1.1919-22.5.1919 nach entsprechenden Bekanntmachungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der politische Einfluss des Rates war bis zum Februar 1919 immer abhängig von den etablierten lokalen Behörden und den Beschlüssen der Regierung in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Landtagswahlen vom 12. Januar 1919==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 12. Januar 1919 fanden in Bayern die ersten freien Landtagswahlen statt. Mit dem Sozialdemokraten Simon Reile kandidierte auch einer der beide Vorsitzenden des Wasserburger Arbeiterrates für den Landtag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahlergebnisse in Wasserburg (Bezirk) im Vergleich zum Gesamtergebnis&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19|Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; :&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &amp;lt;table border=&#039;1&#039;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;            &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;MSPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;USPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;DVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;BVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bauernbund&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Mittelstandspartei&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bund der Unteroffiziere&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
              &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt; Stimmen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;; &amp;gt;1708&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;425&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;3226&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4287&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;28&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;Anteil in %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;17,6 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4,4 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,3 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;44,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;In ganz Bayern (%)&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2,5 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;35,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;9,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;5,8 % (zusammen mit Nationalliberalen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;-&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im landwirtschaftlich geprägten Bezirk Wasserburg war der Erfolg des Bauernbundes keine Überraschung. Mit 889 Stimmen war die SPD in der Stadt Wasserburg selbst die stärkste Kraft. Die USPD konnte in Wasserburg kaum Wähler überzeugen, wie im Rest von Bayern schnitten die Unabhängigen katastrophal schlecht ab. Dieses Ergebnis machte die Position Kurt Eisners (USPD) als Ministerpräsident von Bayern unhaltbar. Als dieser am 21. Februar 1919 seinen Rücktritt erklären wollte, wurde er auf dem Weg zum Landtag von einem Rechtsradikalen ermordet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners|Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dieses Ereignis sollte auch für die Stadt Wasserburg noch beträchtliche Konsequenzen nach sich ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Revolution kommt (wieder) nach Wasserburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-2171.jpg|400px|thumb|right|Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates und selbsternannte „Diktator“ Guido Kopp spricht vom Balkon des Wasserburger Rathauses zu den versammelten Wasserburger und Rosenheimer Arbeitern.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Ermordung Eisners blieb es in Wasserburg erst einmal ruhig, abgesehen vom Überflug eines Flugzeuges, das politische Flugblätter über der Stadt abwarf, die die Tat verurteilten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Vier Tage nach der Tat trafen die Unruhen dann Wasserburg. Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates, Guido Kopp, rückte am 25. Februar mit seiner Miliz in Wasserburg ein und besetzte die Stadt. Der Wasserburger Anzeiger berichtete ausführlich über die Ereignisse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben eine zweite Revolution durchzumachen und diese hat nun auch [hier eingesetzt]. Am Dienstag in den Morgenstunden erschienen bei uns etwa vierzig Mitglieder des Rosenheimer Soldatenrates, bewaffnet mit Gewehren. Sie besetzten zuerst die Aemter, auch Realschule und Schülerheim. Der Stadt bemächtigte sich eine gewisse Aufregung, und in Trupps stand die Bevölkerung, um in mehr oder minder großer Erregung die neue Lage zu besprechen. Im Übrigen aber nahm das Publikum das ungewohnte Bild ruhig hin. Abgesehen von der Zitierung einiger Personen aufs [[Rathaus]] –mitunter aufgrund gewissenloser Angebereien- geschah zunächst nichts. Die Stadt war bis in den entlegensten Teil besetzt und die „bewaffnete Macht“ wuchs ständig, da als Gegengengewicht auch der hiesige A.- u. S.-Rat die Arbeiter bewaffnete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf folgte ein Demonstrationszug durch die Stadt zu Ehren Kurt Eisners und eine Rede von Kopp vom Balkon des Rathauses aus. Darin kündigte er seine weiteren Maßnahmen für die Stadt an. Die Mitglieder des Magistrats Weber und Rieperdinger mussten ihre Ämter niederlegen, die bereits der Vetternwirtschaft bezichtigten Gebrüder Setzinger sollten, genau wie der Rentier Riezoldi und die weiblichen Hilfskräfte, aus den Kommunalbehörden entlassen werden und durch Kriegsteilnehmer ersetzt werden. Stadtsekretär Lindner und Bezirksamtssekretär Löffler sollten sich dagegen für ihr Verhalten bei den unteren Bevölkerungsschichten entschuldigen. Auch aus dem Arbeiterrat sollten nach Vorstellung Kopps die Räte Meisterbauer und Unterauer ausscheiden. Nach dieser Erklärung zogen die Rosenheimer schließlich gegen Abend ohne weitere Komplikationen wieder aus Wasserburg ab.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 568.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als Reaktion wurde vom Arbeiterrat in Wasserburg eine Stadtkommandantur unter dem Stadtkommandanten Dr. Gartenhof errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg unter Darstein und das Ende des Rates==&lt;br /&gt;
Sowohl offiziell als auch in internen Protokollen gab der Arbeiterrat von Wasserburg an, von den Aktionen der Rosenheimer überrascht worden zu sein. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Erklärung an die Bevölkerung des Bezirks Wasserburg, Zeitungsausschnitt vom 26.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   In seinem Protokoll der Sitzung, die am Tag nach der Besatzung durch Rosenheim stattfand und bei der noch Vertreter aus Rosenheim anwesend waren, heißt es aber auch, dass man die Demonstration schließlich unterstützt habe. Dennoch stellte sich der Arbeiterrat Wasserburg klar auf die Seite der gemäßigten Mehrheitssozialdemokraten (MSPD), gegen die linksrevolutionäre USPD und den kommunistischen Spartakusbund und jede Diktatur, „sei sie von oben oder von unten“&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der herrschende Soldatenrat von Rosenheim wurde in dieser Sitzung zu einer Untersuchung der Ereignisse des Vortages aufgefordert; es sei zu Ausschreitungen wie Plünderungen durch Rosenheimer gekommen und Schlimmeres sei nur durch die bewaffnete Arbeiterschaft Wasserburgs verhindert worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sämtliche Amtsenthebungen wurden auch kurze Zeit später vom Vollzugsrat in München für nichtig erklärt, die abgesetzten Magistrate kehrten dennoch nicht in ihre Ämter zurück. Seit dem 26. Februar stand die Stadt Wasserburg unter Belagerungszustand. Die Räte verzeichneten dabei einen eindeutigen Gewinn an Macht und Bedeutung innerhalb der Stadt. Der Wasserburger Anzeiger stand unter Zensur des Soldatenrates, die Räte bestimmten zudem über die Polizeistunde und die Zulassung von Tanzveranstaltungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Insgesamt schien die Lage sich wieder zu stabilisieren, auch im Rest Bayerns. In München fand zum Zeitpunkt des Rosenheimer Übergriffes ein Rätekongress statt, auf dem Wasserburg durch den Obersekretär Meier vertreten war. Radikale Maßnahmen, wie die Ausrufung einer Räterepublik, in der die Räte die Regierungsgewalt übernommen hätten, wurden dabei mehrheitlich abgelehnt, die mehrheitssozialistische Linie schien sich bei den meisten Räten durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919|Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch verschärften sich die Spannungen zwischen der MSPD und Linkssozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. April 1919 wurde in München vom Zentralrat die „Baierische“ Räterepublik ausgerufen. Die Regierung unter Ministerpräsident Hoffmann (MSPD) floh aus der Stadt und bezog Quartier in Bamberg. Die neue Räteregierung, die sich aus Schriftstellern, Anarchisten und Pazifisten zusammensetzte, plante umfassende soziale Reformen, die sich in der Realität wegen der Gegenmaßnahmen der Regierung Hoffmanns und eines Boykotts bei der Versorgung Münchens durch die Bauern nicht umsetzen ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik|BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch schlossen sich viele Städte zumindest formal der Räterepublik an, so auch Wasserburg. Zur Verkündung der Räterepublik gab es einen halben Feiertag, zudem wurde der verschärfte Belagerungszustand über die nun räterepublikanische Stadt verhängt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Für den Zeitraum vermerkte der Schriftführer des Arbeiterrates im Nachhinein: &amp;lt;i&amp;gt;In diesem Heft ist nicht alles verzeichnet, was sich seit Beginn der Revolution, besonders seit 7.4, dem Tage der Ausrufung der Räterepublik in Bayern ereignete.&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Laut diesem Nachtrag soll ab diesem Zeitpunkt der Vorsitzende des Soldatenrates, der Gefreite Ernst Friedrich Darstein, in Wasserburg die Macht übernommen haben. Außer Rang und Namen ist über Darstein nur bekannt, dass er am 10. Oktober 1884 in Straßburg geboren wurde, von Beruf Kaufmann war und am 2. April 1919 zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kinder die bayerische Staatsangehörigkeit erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt; Abschrift, Aufnahmeurkund Deutsches Reich, Volksstaat Bayern, Dokument vom 27.5.1919, StadtA Wasserburg a. Inn, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702|StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Er war seit dessen Gründung Mitglied des Wasserburger Soldatenrates. Vom Schriftführer wird Darstein vorgeworfen, den Arbeiterrat als „ein Mäntelchen für die gesetzlichen und ungesetzlichen Handlungen, für alle Miss- und Übergriffe“ zu missbrauchen. Dabei sagt er Darstein eine linksradikale Gesinnung nach, was sich allerdings mit einer vorherigen Stelle widerspricht, in der er behauptet, Darsteins Verhalten hätte auch den Kommunisten in München „Anlaß zum Einschreiten“ gegeben. Auch legt er nahe, dass Darsteins Bezeichnung als „Kommunist“ nur Selbstdarstellung war. Ferner kritisiert er die „oft maßlose Eitelkeit“ des Gefreiten, die diesen angeblich zu seinen Taten trieb. Darstein soll dabei für den Belagerungszustand und die „damit verbundenen Schikanen“ verantwortlich gewesen sein, dazu gehörten unter anderem eine strikte Sperrstunde und ein Verbot öffentlicher Versammlungen für die Wasserburger Einwohner. Auch soll Darstein mit dem Rosenheimer Soldatenrat unter Kopp zusammengearbeitet und „Bestrebungen, Privateigentum unter dem Deckmantel der Sozialisierung sich anzueignen“ unternommen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Dieser Vermerk des Schriftführers ist die einzige detaillierte Quelle über Darsteins Wirken in Wasserburg. Im Wasserburger Anzeiger finden sich lediglich die Hinweise auf die Zensur durch den von Darstein geleiteten Soldatenrat. Hinweise auf eine Umsetzung der aus München für die Räterepublik angeordneten Maßnahmen gibt es nicht. Am 12. April druckte der Wasserburger Anzeiger bereits eine Stellungnahme der Regierung Hoffmann ab, in der die Illegitimität der Räteregierung bekräftigt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Einen weiteren Schritt in  Richtung der Opposition gegen den Zentralrat unternahm der Arbeiterrat mit der Duldung der Bewaffnung der Bürgerschaft am 14. April durch den Bezirksbauernrat, angeblich zum Schutz vor Raub und Plünderungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Diese Einwohnerwehr rückte mit 70 Mann gegen Rosenheim vor, mit dem Ziel die dortige Räteherrschaft unter Kopp zu beenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies wurde durch das Scheitern eines Putschversuchs durch regierungstreue Truppen in München allerdings vereitelt, die Wasserburger mussten erfolglos in die Heimat zurückkehren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;  In München kam es bedingt durch den Umsturzversuch zu einer zweiten Räterepublik, diesmal unter der Führung der kommunistischen Partei, der KPD. Nach dieser Eskalation holte sich Ministerpräsident Hoffmann Hilfe von der Reichsregierung, die ihn mit dem regulären Militär und größtenteils rechtsextremen Milizen, den sogenannten Freikorps, unterstütze. Nach dem Führungswechsel in München wandten sich die meisten Ortschaften von der Räterepublik ab und suchten den Schulterschluss mit der Regierung Hoffmann in Bamberg. Andere gaben nach der Konfrontation mit den Regierungstruppen schnell auf, sodass bald nur noch wenige „rote“ Hochburgen wie München selbst, Rosenheim und Kolbermoor übrig waren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immer ausweglosere Lage sorgte dafür, dass der Zentralrat der Räterepublik Eugen Levine, Wilhelm Reichart und Karl Petermoser mit einem Flugzeug Richtung Budapest schickte, um bei der dortigen Räteregierung um Unterstützung zu bitten. Am 20. April mussten sie allerdings bei Wasserburg notlanden, da ihr Pilot einen Motorschaden vortäuschte, und wurden anschließend mit dem Auto nach München zurückgebracht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Am Tag darauf wurde in Bamberg die Aufstellung eines eigenen Freikorps für Wasserburg beschlossen, um an den Kämpfen gegen die Räterepublik teilzunehmen. Oberleutnant Heinrich Schneider, der dieses „Freikorps Wasserburg“ anführen sollte traf am 22. April in der Stadt ein. Dort erfuhr er von Bürgern von der Herrschaft Darsteins, was ihn dazu veranlasste Verstärkung aus Passau hinzuzuziehen, die am 25. April in Form von zehn Regierungssoldaten eintraf. Der Soldatenrat Darstein überließ dem neugebildeten Freikorps daraufhin 300 Gewehre und 8 MG, trotz seiner angeblich „roten“ Gesinnung. Über seinen weiteren Verbleib ist nichts bekannt. Noch am selben Tag wurde in Wasserburg eine Volksversammlung abgehalten, bei der Dr. Gartenhof als Stadtkommandant bestätigt und mit der Aufstellung des Freikorps begonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Die Tätigkeiten des Arbeiterrates wurden mit der Ankunft der Regierungstruppen weitgehend eingestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das &amp;quot;Freikorps Wasserburg&amp;quot; und das Ende der Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-1864.jpg|400px|thumb|right|Reichswehrminister Gustav Noske (3.v.l.), auch bekannt als der „Bluthund“ zusammen mit den Anführern der bayrischen Einwohnerwehren zu Besuch in Wasserburg am 3. August 1919.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neugebildete Freikorps hatte mit nur 40 Freiwilligen bis zum 27. April wenig Zulauf. Durch eine große Anzahl von Werbeveranstaltungen und die Unterstützung des Stadtkommandanten Gartenhof konnte seine Popularität in der Bevölkerung allerdings mit der Zeit gesteigert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Seinen ersten Einsatz hatte es in Gars: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Am 27. ds. Mts. wurden angehörige der hies. Volkswehr, die einen Garser Einwohner zur Vernehmung nach Wasserburg verbringen sollten, von dortigen Einwohnern entwaffnet und festgehalten. […] Unter diesen Umständen war das Wasserburger Freikorps zur gewaltsamen Befreiung seiner Mitbürger gezwungen. Der erste Transport des Freikorps stieß auf bewaffneten Widerstand […].  Nach kurzem Feuergefecht, in dem es leichte Verwundungen auf Seiten der Garser gab, erbaten die Garser Verhandlungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am 29. April stießen weitere Rotgardisten von Rosenheim nach Rott in Richtung Wasserburg vor. Dieser Angriff konnte allerdings auch ohne Unterstützung des Wasserburger Freikorps zurückgeschlagen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Bei den anschließenden Verhandlungen mit der Rosenheimer Schutztruppe führten allerdings dennoch Stadtkommandant Gartenhof und Oberleutnant Schneider das Wort. Die vereinbarten Kapitulationsbedingungen für Rosenheim konnten allerdings unter anderem wegen Widerstands von Seiten Kopps nicht eigehalten werden, weshalb es zu einer gewaltsamen Besetzung von Rosenheim unter der Beteiligung des Freikorps Wasserburg kam, das dabei auch in Gefechte verwickelt wurde und Verluste zu beklagen hatte. Die Rosenheimer mussten sich schließlich geschlagen geben, Kopp wurde mit seinen Unterstützern vor Gericht gestellt und zu langen Haftstrafen verurteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 428 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 1. bis zum 3. Mai wurde München von Regierungstruppen gestürmt. In den Gefechten und dem darauffolgenden „Weißen Terror“, bei dem es zum Teil zu willkürlichen Erschießungen von Zivilisten durch Regierungstruppen kam, starben bis zu 1.200 Menschen. Mit der Kapitulation von Kolbermoor endete schließlich die Räterepublik in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihre Anhänger erwarteten hohe Strafen, so auch 46 Wasserburger und Rosenheimer, die am 14. Juni in Traunstein vor dem Volksgerichtshof standen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das Freikorps Wasserburg mit zu diesem Zeitpunkt 650 Mitgliedern wurde am 8. Mai aufgelöst und in das reguläre Kader Infanterie Regiment 44 überführt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoß, Freikorps|Thoß, Freikorps]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Einen letzten Auftritt hatte es mit dem Besuch von Reichswehrminister Noske in Wasserburg am 3. August, der die Rolle der Einwohnerwehren bei der Niederschlagung der Revolution in Deutschland lobte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rätegedanke spielte nach dem gewaltsamen Ende der Revolution in Wasserburg und Bayern keine Rolle mehr. Der politische Alltag wurde, vor allem im ländlichen Raum, von der antidemokratischen „Ordnungszellenpolitik“ der Bayrischen Volkspartei (BVP) bestimmt. Kommunisten tauchten hier nur noch als (oft antisemitische) Feindbilder auf.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern|Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Revolution_und_Arbeiterrat&amp;diff=15624</id>
		<title>Revolution und Arbeiterrat</title>
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		<updated>2025-02-07T10:10:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__HIDDENCAT__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Revolution und Arbeiterrat in Wasserburg am Inn  - Ausführliche/Alt. Überschrift&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um Geduld.&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Autorenzeile&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 11. November 1918 endet in ganz Europa der Erste Weltkrieg. Auch in Wasserburg forderte der „Große Krieg“ seine Opfer: 124 Wasserburger fielen an der Front, die Versorgungslage in der Stadt war durch die britische Seeblockade, wie im ganzen Land, schlecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rink, Erster Weltkrieg|Rink, Erster Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
An eine Rückkehr zur Normalität der Vorkriegszeit unter der Herrschaft von König und Kaiser war nicht mehr zu denken. Schon zwei Tage früher, am 9. November, war in Berlin zwei Mal die Republik ausgerufen worden, sowohl von dem Sozialdemokraten Phillip Scheidemann als auch dem Kommunisten Karl Liebknecht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Revolution von 1918/19|Scriba, Revolution von 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In Bayern war die Revolution sogar noch einmal zwei Tage schneller, das Land wurde bereits am 7. November von Kurt Eisner zum Freistaat erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Grau, Revolution, 1918/19|Grau, Revolution, 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
In Folge dieses revolutionären Umbruchs kam es überall im Reich zur Gründung demokratisch gewählter Gremien zur Vertretung gewisser Gesellschaftlicher Gruppen und Schichten: die Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. Auch in der Stadt Wasserburg gründet sich am 10. November 1918  ein Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Im Folgenden sollen nun sowohl die Tätigkeit des Arbeiterrates in Wasserburg als auch der Verlauf der Revolution in der Stadt beleuchtet werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verlauf der Revolution in Wasserburg am Inn==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 10. November, als die Revolution in vielen Landesteilen noch gar nicht angekommen war, fand in Wasserburg gegen 9 Uhr eine Versammlung der Arbeiterschaft statt. Auf Anregung des Vorsitzenden der freien Gewerkschaften in Wasserburg, Simon Heigenmoser, sollte  ein Arbeiterrat für die Stadt gewählt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Heigenmoser selbst wurde in den Vorsitz diese Gremiums gewählt, dem neben sieben Mitgliedern der Arbeiterschaft auch drei   &amp;quot;Bürgerliche“ beiwohnen durften. Die öffentliche Verwaltung stand zu diesem Zeitpunkt zumindest offiziell bereits geschlossen hinter der neuen Republik.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Die einzige nennenswerte Opposition fand sich in Form eines Anschlags, in dem anonym die Loyalität zum alten Regime betont wurde. Dies ist der einzige Hinweis auf einen Rest monarchistischer Gesinnung in der allgemeinen Bevölkerung, die sich im reaktionären [[Wasserburger Anzeiger]] finden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Arbeiterrat und den etablierten Behörden kam es dagegen von Anfang an zu Konflikten. So wollte der Arbeiterrat gleich nach der Gründung zwei Mitglieder mit dem Auto zum Innenministerium nach München schicken – Der Bezirk Wasserburg weigerte sich jedoch das dafür benötigte Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. &amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beschlossen wurde daraufhin nicht mit Gewalt vorzugehen, und mit der Bahn nach München zu fahren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Arbeiterrat Wasserburg an den Zentralarbeiterrat München, Bitte um Hilfe bei Kooperation mit Bezirksamt, Schreiben vom 4.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch sonst zeigte sich der Bezirk Wasserburg gegenüber dem Arbeiterrat erst nicht sonderlich kooperationswillig. So ging beim Zentralrat in München am 4.1.1919 folgende Beschwerde der Wasserburger Genossen ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben allen Anlass zu nehmen, dass bei hiesigem Bezirksamte folgende Ansicht herrscht: Der Arbeiterrat Wasserburg Stadt hätte in Dinge nichts hineinzureden, die den Bezirk bezw. den Distrikt beträfen, weil dieser Arbeiterrat nur für den Stadbez. bestellt worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zentralrat stellte dem Arbeiterrat Wasserburg daraufhin eine Vollmacht bis zur Bildung eines Bezirksarbeiterrates aus. Der Bezirk knickte ein: Am 14. Januar geht eine offizielle Einladung für die Teilnahme an den Sitzungen vom Bezirksamt an den Arbeiterrat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Bezirksamt Wasserburg an den Arbeiterrat Wasserburg, Einladung zur Teilnahme an Sitzungen, Schreiben vom 14.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Ansonsten war der Alltag im Rätesystem zumindest in Wasserburg zuerst eher unspektakulär. Der Arbeiterrat arbeitete, wie alle anderen Behörden im Freistaat auch, fieberhaft daran die Folgen von Hunger, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit einzudämmen, die nach dem Krieg die Bevölkerung plagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Tätigkeit des Arbeiterrates bis zum Februar 1919==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:II9119.jpg|400px|thumb|right|Ausweis für Josef Max Mayr, Mitglied des Arbeiterrates Wasserburg mit offiziellem Stempel eingelegt in die Akte.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Aufgaben definierte der Arbeiterrat gegenüber dem Wasserburger Anzeiger folgendermaßen:  &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Sie [die Arbeiterräte] sind Berufsparlamente, befugt, unmittelbar gesetzgeberische Vorschläge zu machen. Sie sollen aber auch Aufsichtsorgane […] sein, […] sich mit der Tätigkeit der Regierung beschäftigen, nicht als Vollzugsorgane, sondern als Kontrollorgane, als kritische Organe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918|Wasserburger Anzeiger, 21.12.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Selbstverständnis deckte sich nur teils mit einem Gesetzesvorschlag, der zur Institutionalisierung der Räte Ende Januar auf einer Konferenz, bei der auch Vertreter des Wasserburger Arbeiterrates anwesend waren, erarbeitet wurde. Darin hieß es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die A.-&amp;amp; B. [Bauern] Räte wahren die gesamten Interessen des arbeitenden Volkes. Sie haben keine gesetzgebende oder vollziehende Gewalt. Sie entsenden nach Bedarf Vertrauensmänner in die öffentlichen Körperschaften und Behörden, um dort Wünsche und Beschwerden des arbeitenden Volkes zu vertreten. Die Zentralräte […] haben das Recht, […] , dem Landtage Gesetzentwürfe zu unterbreiten und sie im Landtage durch einen Vertreter zu begründen.&amp;lt;ref&amp;gt; Tagung der Arbeiter- und Soldatenräte Bayerns, Sammlung zur Tagung vom 13.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9120|StadtA Wasserburg a. Inn, II9120]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es war also Vorgesehenvorgesehen, die Räte in einer fast ausschließlich beratenden Funktion beizubehalten. Von einer kontrollierenden Funktion gegenüber den etablierten Institutionen war zu diesem Zeitpunkt bereits keine Rede mehr. Tatsächlich gibt es auch nur ein Beispiel für die konkrete Ausübung einer Kontrollfunktion. Zur Neubesetzung einer vakanten Stelle im Kommunalamt hieß es vom Arbeiterrat Wasserburg am 15.12.1918: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerüchteweise verlautete, dass ein naher Verwandter des Herrn Setzinger für diese Stelle in Aussicht genommen sei. Eine derartige Besetzung könnten wir nur als Provisorium betrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Beschwerde über Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei dem genannten Setzinger handelte es sich um den damaligen Vorsitzenden des Kommunalverbandes. Auf diesen höflich formulierten Vorwurf der Vetternwirtschaft reagierte der Bezirk Wasserburg mit einer Bestätigung, dass ein Bruder von Setzinger&amp;lt;ref&amp;gt;  Die Gebrüder Setzinger waren im Beruf beide Kaufmann: Franz Setzinger, *1877 in Megentheim und Paul Setzinger, *1889 in Megentheim. Der jüngere Bruder wurde im Dezember 1918 vom Militär entlassen und kam aus Berlin/Charlottenburg  nach Wasserburg; der ältere Bruder zog bereits 1915 zu. &amp;lt;/ref&amp;gt;   die Stelle temporär ausfüllen würde und gab als Grund einen Mangel an Alternativen an.&amp;lt;ref&amp;gt; Bezirksamt Wasserburg an Arbeiterrat Wasserburg, Eingehen auf Beschwerde wegen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 24.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
Darauf sendete der Arbeiterrat dem Bezirksamt eine kurze Liste mit ähnlich qualifizierten Kandidaten.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Vorschlag zur alternativen Besetzung einer Stelle, Schreiben vom 6.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der Ausgang dieser Streitigkeit ist unklar, auch ob die Vorwürfe der Vetternwirtschaft im Bezirksamt zutrafen wird heute kaum geklärt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen anderen Tätigkeitsbereichen war der Arbeiterrat dagegen aktiver. Zur Verbesserung der Versorgungslage, vor allem mit Fleischwaren, brachte der Arbeiterrat gleich mehrere Vorschläge ein. So sollten die vier Metzger der Stadt verpflichtet werden, sich zu einer einzelnen GmbH zusammen zu schließen, um Schlachtung, Produktion und Verkauf besser koordinieren und planen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Bezirksamt Wasserburg, Antrag zur Abänderung des Verteilungsmodus von Fleisch &amp;amp; Wurstwaren, Schreiben vom 1.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Vor allem das Anstehen für Lebensmittel schien für die Wasserburger Bevölkerung ein großes Ärgernis gewesen zu sein. Für manche stellte es anscheinend sogar ein gesundheitliches Risiko dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erst kürzlich fiel eine ältere Frau bei[m] Warten vor einem Metzgerladen um.&amp;lt;ref&amp;gt; Arbeiterrat Wasserburg an Kommunalverband Wasserburg, Antrag auf Einführung von wöchentlicher Versorgungsperiode, Schreiben vom 15.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Zweck der Verteilung schlug der Arbeiterrat ein System von Kundenscheinen vor. Außerdem sollten laut der Pläne alle Lebensmittelmarken auf einmal ausgegeben und von Jugendlichen verteilt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Auf eine tatsächliche Umsetzung dieser Vorschläge durch Bezirk (Landkreis)&amp;lt;ref&amp;gt;Die &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; wurden nach Bekanntmachungen durchgesehen und überprüft.&amp;lt;/ref&amp;gt;   oder Magistrat gibt es keine Hinweise. Zeitungsartikel oder Antworten der benachrichtigten Behörden liegen (Stand Juli 2024) nicht vor. Die Markierungen auf den eingereichten Dokumenten legen jedoch zumindest nahe, dass sie von den Behörden zur Kenntnis genommen wurden, wenn auch nicht mehr. &lt;br /&gt;
Auch am Kampf gegen Schmuggel und Unterschlagung von Lebensmitteln beteiligte sich der Arbeiterrat.  Dazu vermeldet der Arbeiterrat im Wasserburger Anzeiger: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeden Tag können unsere Patrouillen feststellen, daß große Koffer und Kisten Lebensmitteln […] weggebracht werden.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 15.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den eigenen Patrouillen wurde dabei auch mit dem Bezirksamt und der örtlichen Gendarmerie zusammengearbeitet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die Gendarmerie Station Wasserburg, Hinweis auf Schmuggel von Lebensmitteln, Schreiben vom 20.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der umfangreichste Tätigkeitsbereich des Rates umfasste allerdings die Vertretung der Interessen der arbeitenden Bevölkerung. Einzelpersonen konnten sich mit ihren Problemen an den Arbeiterrat wenden, woraufhin dieser ihre Positionen bei den offiziellen Stellen und Behörden vertrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So befand sich der Postbote Matthias Berger aufgrund einer Kriegsverletzung im zeitlichen Ruhestand, trotz seines Wunsches wieder im Postdienst eingesetzt zu werden. Er wendete sich an den Arbeiterrat, der sich daraufhin in einem Schreiben an die Oberpostdirektion in Landshut für ihn einsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;  Oberpostdirektion Landshut an den Arbeiterrat Wasserburg, Auskunft über den Status eines ehemaligen Postboten, Schreiben vom 14.4.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Aushilfskraft Maria Doubze, die ursprünglich aus Italien kam und zu dieser Zeit im Amtsgericht Wasserburg angestellt war, drohte die Entlassung und damit die Arbeitslosigkeit. Der Arbeiterrat setzte sich deswegen für sie beim bayerischen Staatsministerium für Justiz für eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für zwei Monate ein, jedoch mit unbekanntem Resultat.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an das Staatsministerium der Justiz, Bitte um Beibehalten einer Hilfskraft, Schreiben vom 10.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Zuletzt war der Rat auch an der Beseitigung des Wohnungsmangels in der Nachkriegszeit beteiligt. In Berichten des Rates über die Wohnungssituation an den Stadtmagistrat heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;In Reitberg, Gde. Rammerberg ist der Fall vorgekommen, dass eine arme alleinstehende Arbeitersfrau mit ihren kleinen Kindern genötigt war, lange Zeit u. heute noch im Hausgang eines Hauses zu wohnen u. da wird sie nur gutwillig geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039; &lt;br /&gt;
und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist vorgekommen, dass gewinnsüchtige Vermieter (allerdings nur sehr vereinzelt) ganz übertriebene Preise für ihre Wohnungen verlangt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an Stadtmagistrat Wasserburg, Antrag auf die Bildung einer Wohnungskommission, Schreiben vom 2.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Probleme wie diese zu lösen brachte der Rat verschiedenen Lösungsvorschläge vor die Verwaltungsbehörden von Bezirk und Stadt. Um gegen Wucher bei den Vermietern anzukämpfen wurde eine städtische Wohnungskommission zur Mietkontrolle vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Auch die temporäre Beschlagnahmung von leerstehendem Wohneigentum wurde vorgeschlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an den Stadtmagistrat Wasserburg, Hinweis auf den Wohnungsmangel und Empfehlungen zu dessen Bekämpfung, Schreiben vom 17.12.1918, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Zudem wurde der Beginn des Baus von vier Pflegerhäuser für die Klinik Gabersee angeregt, die bereits länger geplant und bewilligt waren, wobei diese Maßnahme tatsächlich umgesetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;  Arbeiterrat Wasserburg an die &amp;gt;Regierung des Volksstaates, Antrag auf Baubeginn bei Pflegerhäusern, Schreiben vom 24.1.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat war also bemüht, auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens in Stadt und Umgebung Einfluss zu nehmen und dabei die Situation vor allem der unteren Bevölkerungsschichten zu verbessern. Aufgrund mangelnder Befugnisse hatte er bei seinen Forderungen jedoch allem Anschein nach wenig tatsächliches Durchsetzungsvermögen.&amp;lt;ref&amp;gt;Überprüfung, Durchsicht der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 7.11.1918-27.12.1918 sowie der &#039;&#039;Amtsblätter des Bezirksamtes Wasserburg&#039;&#039; vom 2.1.1919-22.5.1919 nach entsprechenden Bekanntmachungen.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Der politische Einfluss des Rates war bis zum Februar 1919 immer abhängig von den etablierten lokalen Behörden und den Beschlüssen der Regierung in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Landtagswahlen vom 12. Januar 1919==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 12. Januar 1919 fanden in Bayern die ersten freien Landtagswahlen statt. Mit dem Sozialdemokraten Simon Reile kandidierte auch einer der beide Vorsitzenden des Wasserburger Arbeiterrates für den Landtag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahlergebnisse in Wasserburg (Bezirk) im Vergleich zum Gesamtergebnis&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19|Bavariathek, Revolution in Bayern 1918/19]].&amp;lt;/ref&amp;gt; :&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &amp;lt;table border=&#039;1&#039;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;            &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px;&amp;quot;&amp;gt;MSPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;USPD        &amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;DVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;BVP&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bauernbund&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Mittelstandspartei&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;th bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;; style=&amp;quot;width: 180px&amp;gt;Bund der Unteroffiziere&amp;lt;/th&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
              &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt; Stimmen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;; &amp;gt;1708&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;425&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;3226&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4287&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;28&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
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            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;Anteil in %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;17,6 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;4,4 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,3 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;44,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;0,2 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td bgcolor=&amp;quot;silver&amp;quot;;&amp;gt;In ganz Bayern (%)&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;33,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;2,5 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;14,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;35,0 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;9,1 %&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;5,8 % (zusammen mit Nationalliberalen&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
                &amp;lt;td style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot;;&amp;gt;-&amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
            &amp;lt;/tr&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im landwirtschaftlich geprägten Bezirk Wasserburg war der Erfolg des Bauernbundes keine Überraschung. Mit 889 Stimmen war die SPD in der Stadt Wasserburg selbst die stärkste Kraft. Die USPD konnte in Wasserburg kaum Wähler überzeugen, wie im Rest von Bayern schnitten die Unabhängigen katastrophal schlecht ab. Dieses Ergebnis machte die Position Kurt Eisners (USPD) als Ministerpräsident von Bayern unhaltbar. Als dieser am 21. Februar 1919 seinen Rücktritt erklären wollte, wurde er auf dem Weg zum Landtag von einem Rechtsradikalen ermordet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners|Bavarikon, Ermordung Kurz Eisners]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dieses Ereignis sollte auch für die Stadt Wasserburg noch beträchtliche Konsequenzen nach sich ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Revolution kommt (wieder) nach Wasserburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-2171.jpg|400px|thumb|right|Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates und selbsternannte „Diktator“ Guido Kopp spricht vom Balkon des Wasserburger Rathauses zu den versammelten Wasserburger und Rosenheimer Arbeitern.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Ermordung Eisners blieb es in Wasserburg erst einmal ruhig, abgesehen vom Überflug eines Flugzeuges, das politische Flugblätter über der Stadt abwarf, die die Tat verurteilten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919|Wasserburger Anzeiger, 25.2.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Vier Tage nach der Tat trafen die Unruhen dann Wasserburg. Der Vorsitzende des Rosenheimer Soldatenrates, Guido Kopp, rückte am 25. Februar mit seiner Miliz in Wasserburg ein und besetzte die Stadt. Der Wasserburger Anzeiger berichtete ausführlich über die Ereignisse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir haben eine zweite Revolution durchzumachen und diese hat nun auch [hier eingesetzt]. Am Dienstag in den Morgenstunden erschienen bei uns etwa vierzig Mitglieder des Rosenheimer Soldatenrates, bewaffnet mit Gewehren. Sie besetzten zuerst die Aemter, auch Realschule und Schülerheim. Der Stadt bemächtigte sich eine gewisse Aufregung, und in Trupps stand die Bevölkerung, um in mehr oder minder großer Erregung die neue Lage zu besprechen. Im Übrigen aber nahm das Publikum das ungewohnte Bild ruhig hin. Abgesehen von der Zitierung einiger Personen aufs [[Rathaus]] –mitunter aufgrund gewissenloser Angebereien- geschah zunächst nichts. Die Stadt war bis in den entlegensten Teil besetzt und die „bewaffnete Macht“ wuchs ständig, da als Gegengengewicht auch der hiesige A.- u. S.-Rat die Arbeiter bewaffnete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.3.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf folgte ein Demonstrationszug durch die Stadt zu Ehren Kurt Eisners und eine Rede von Kopp vom Balkon des Rathauses aus. Darin kündigte er seine weiteren Maßnahmen für die Stadt an. Die Mitglieder des Magistrats Weber und Rieperdinger mussten ihre Ämter niederlegen, die bereits der Vetternwirtschaft bezichtigten Gebrüder Setzinger sollten, genau wie der Rentier Riezoldi und die weiblichen Hilfskräfte, aus den Kommunalbehörden entlassen werden und durch Kriegsteilnehmer ersetzt werden. Stadtsekretär Lindner und Bezirksamtssekretär Löffler sollten sich dagegen für ihr Verhalten bei den unteren Bevölkerungsschichten entschuldigen. Auch aus dem Arbeiterrat sollten nach Vorstellung Kopps die Räte Meisterbauer und Unterauer ausscheiden. Nach dieser Erklärung zogen die Rosenheimer schließlich gegen Abend ohne weitere Komplikationen wieder aus Wasserburg ab.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 568.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als Reaktion wurde vom Arbeiterrat in Wasserburg eine Stadtkommandantur unter dem Stadtkommandanten Dr. Gartenhof errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg unter Darstein und das Ende des Rates==&lt;br /&gt;
Sowohl offiziell als auch in internen Protokollen gab der Arbeiterrat von Wasserburg an, von den Aktionen der Rosenheimer überrascht worden zu sein. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Erklärung an die Bevölkerung des Bezirks Wasserburg, Zeitungsausschnitt vom 26.2.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   In seinem Protokoll der Sitzung, die am Tag nach der Besatzung durch Rosenheim stattfand und bei der noch Vertreter aus Rosenheim anwesend waren, heißt es aber auch, dass man die Demonstration schließlich unterstützt habe. Dennoch stellte sich der Arbeiterrat Wasserburg klar auf die Seite der gemäßigten Mehrheitssozialdemokraten (MSPD), gegen die linksrevolutionäre USPD und den kommunistischen Spartakusbund und jede Diktatur, „sei sie von oben oder von unten“&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der herrschende Soldatenrat von Rosenheim wurde in dieser Sitzung zu einer Untersuchung der Ereignisse des Vortages aufgefordert; es sei zu Ausschreitungen wie Plünderungen durch Rosenheimer gekommen und Schlimmeres sei nur durch die bewaffnete Arbeiterschaft Wasserburgs verhindert worden.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sämtliche Amtsenthebungen wurden auch kurze Zeit später vom Vollzugsrat in München für nichtig erklärt, die abgesetzten Magistrate kehrten dennoch nicht in ihre Ämter zurück. Seit dem 26. Februar stand die Stadt Wasserburg unter Belagerungszustand. Die Räte verzeichneten dabei einen eindeutigen Gewinn an Macht und Bedeutung innerhalb der Stadt. Der Wasserburger Anzeiger stand unter Zensur des Soldatenrates, die Räte bestimmten zudem über die Polizeistunde und die Zulassung von Tanzveranstaltungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 4.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Insgesamt schien die Lage sich wieder zu stabilisieren, auch im Rest Bayerns. In München fand zum Zeitpunkt des Rosenheimer Übergriffes ein Rätekongress statt, auf dem Wasserburg durch den Obersekretär Meier vertreten war. Radikale Maßnahmen, wie die Ausrufung einer Räterepublik, in der die Räte die Regierungsgewalt übernommen hätten, wurden dabei mehrheitlich abgelehnt, die mehrheitssozialistische Linie schien sich bei den meisten Räten durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919|Köglmeier, Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, 1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch verschärften sich die Spannungen zwischen der MSPD und Linkssozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. April 1919 wurde in München vom Zentralrat die „Baierische“ Räterepublik ausgerufen. Die Regierung unter Ministerpräsident Hoffmann (MSPD) floh aus der Stadt und bezog Quartier in Bamberg. Die neue Räteregierung, die sich aus Schriftstellern, Anarchisten und Pazifisten zusammensetzte, plante umfassende soziale Reformen, die sich in der Realität wegen der Gegenmaßnahmen der Regierung Hoffmanns und eines Boykotts bei der Versorgung Münchens durch die Bauern nicht umsetzen ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik|BPB, Vor 100 Jahren: Proklamation der ersten Münchner Räterepublik]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Dennoch schlossen sich viele Städte zumindest formal der Räterepublik an, so auch Wasserburg. Zur Verkündung der Räterepublik gab es einen halben Feiertag, zudem wurde der verschärfte Belagerungszustand über die nun räterepublikanische Stadt verhängt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 10.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Für den Zeitraum vermerkte der Schriftführer des Arbeiterrates im Nachhinein: &amp;lt;i&amp;gt;In diesem Heft ist nicht alles verzeichnet, was sich seit Beginn der Revolution, besonders seit 7.4, dem Tage der Ausrufung der Räterepublik in Bayern ereignete.&amp;lt;/i&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Laut diesem Nachtrag soll ab diesem Zeitpunkt der Vorsitzende des Soldatenrates, der Gefreite Ernst Friedrich Darstein, in Wasserburg die Macht übernommen haben. Außer Rang und Namen ist über Darstein nur bekannt, dass er am 10. Oktober 1884 in Straßburg geboren wurde, von Beruf Kaufmann war und am 2. April 1919 zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kinder die bayerische Staatsangehörigkeit erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt; Abschrift, Aufnahmeurkund Deutsches Reich, Volksstaat Bayern, Dokument vom 27.5.1919, StadtA Wasserburg a. Inn, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702|StadtA Wasserburg a. Inn, II945-03702]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Er war seit dessen Gründung Mitglied des Wasserburger Soldatenrates. Vom Schriftführer wird Darstein vorgeworfen, den Arbeiterrat als „ein Mäntelchen für die gesetzlichen und ungesetzlichen Handlungen, für alle Miss- und Übergriffe“ zu missbrauchen. Dabei sagt er Darstein eine linksradikale Gesinnung nach, was sich allerdings mit einer vorherigen Stelle widerspricht, in der er behauptet, Darsteins Verhalten hätte auch den Kommunisten in München „Anlaß zum Einschreiten“ gegeben. Auch legt er nahe, dass Darsteins Bezeichnung als „Kommunist“ nur Selbstdarstellung war. Ferner kritisiert er die „oft maßlose Eitelkeit“ des Gefreiten, die diesen angeblich zu seinen Taten trieb. Darstein soll dabei für den Belagerungszustand und die „damit verbundenen Schikanen“ verantwortlich gewesen sein, dazu gehörten unter anderem eine strikte Sperrstunde und ein Verbot öffentlicher Versammlungen für die Wasserburger Einwohner. Auch soll Darstein mit dem Rosenheimer Soldatenrat unter Kopp zusammengearbeitet und „Bestrebungen, Privateigentum unter dem Deckmantel der Sozialisierung sich anzueignen“ unternommen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Dieser Vermerk des Schriftführers ist die einzige detaillierte Quelle über Darsteins Wirken in Wasserburg. Im Wasserburger Anzeiger finden sich lediglich die Hinweise auf die Zensur durch den von Darstein geleiteten Soldatenrat. Hinweise auf eine Umsetzung der aus München für die Räterepublik angeordneten Maßnahmen gibt es nicht. Am 12. April druckte der Wasserburger Anzeiger bereits eine Stellungnahme der Regierung Hoffmann ab, in der die Illegitimität der Räteregierung bekräftigt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 12.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Einen weiteren Schritt in  Richtung der Opposition gegen den Zentralrat unternahm der Arbeiterrat mit der Duldung der Bewaffnung der Bürgerschaft am 14. April durch den Bezirksbauernrat, angeblich zum Schutz vor Raub und Plünderungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Diese Einwohnerwehr rückte mit 70 Mann gegen Rosenheim vor, mit dem Ziel die dortige Räteherrschaft unter Kopp zu beenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies wurde durch das Scheitern eines Putschversuchs durch regierungstreue Truppen in München allerdings vereitelt, die Wasserburger mussten erfolglos in die Heimat zurückkehren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;  In München kam es bedingt durch den Umsturzversuch zu einer zweiten Räterepublik, diesmal unter der Führung der kommunistischen Partei, der KPD. Nach dieser Eskalation holte sich Ministerpräsident Hoffmann Hilfe von der Reichsregierung, die ihn mit dem regulären Militär und größtenteils rechtsextremen Milizen, den sogenannten Freikorps, unterstütze. Nach dem Führungswechsel in München wandten sich die meisten Ortschaften von der Räterepublik ab und suchten den Schulterschluss mit der Regierung Hoffmann in Bamberg. Andere gaben nach der Konfrontation mit den Regierungstruppen schnell auf, sodass bald nur noch wenige „rote“ Hochburgen wie München selbst, Rosenheim und Kolbermoor übrig waren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immer ausweglosere Lage sorgte dafür, dass der Zentralrat der Räterepublik Eugen Levine, Wilhelm Reichart und Karl Petermoser mit einem Flugzeug Richtung Budapest schickte, um bei der dortigen Räteregierung um Unterstützung zu bitten. Am 20. April mussten sie allerdings bei Wasserburg notlanden, da ihr Pilot einen Motorschaden vortäuschte, und wurden anschließend mit dem Auto nach München zurückgebracht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919|Wasserburger Anzeiger, 26.4.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Am Tag darauf wurde in Bamberg die Aufstellung eines eigenen Freikorps für Wasserburg beschlossen, um an den Kämpfen gegen die Räterepublik teilzunehmen. Oberleutnant Heinrich Schneider, der dieses „Freikorps Wasserburg“ anführen sollte traf am 22. April in der Stadt ein. Dort erfuhr er von Bürgern von der Herrschaft Darsteins, was ihn dazu veranlasste Verstärkung aus Passau hinzuzuziehen, die am 25. April in Form von zehn Regierungssoldaten eintraf. Der Soldatenrat Darstein überließ dem neugebildeten Freikorps daraufhin 300 Gewehre und 8 MG, trotz seiner angeblich „roten“ Gesinnung. Über seinen weiteren Verbleib ist nichts bekannt. Noch am selben Tag wurde in Wasserburg eine Volksversammlung abgehalten, bei der Dr. Gartenhof als Stadtkommandant bestätigt und mit der Aufstellung des Freikorps begonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt;   Die Tätigkeiten des Arbeiterrates wurden mit der Ankunft der Regierungstruppen weitgehend eingestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;  Protokollbuch Arbeiter-Rat Wasserburg, 08.12.1920, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II9119|StadtA Wasserburg a. Inn, II9119]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das &amp;quot;Freikorps Wasserburg&amp;quot; und das Ende der Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:StadtA WS BildA IVd2-1864.jpg|400px|thumb|right|Reichswehrminister Gustav Noske (3.v.l.), auch bekannt als der „Bluthund“ zusammen mit den Anführern der bayrischen Einwohnerwehren zu Besuch in Wasserburg am 3. August 1919.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neugebildete Freikorps hatte mit nur 40 Freiwilligen bis zum 27. April wenig Zulauf. Durch eine große Anzahl von Werbeveranstaltungen und die Unterstützung des Stadtkommandanten Gartenhof konnte seine Popularität in der Bevölkerung allerdings mit der Zeit gesteigert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Seinen ersten Einsatz hatte es in Gars: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Am 27. ds. Mts. wurden angehörige der hies. Volkswehr, die einen Garser Einwohner zur Vernehmung nach Wasserburg verbringen sollten, von dortigen Einwohnern entwaffnet und festgehalten. […] Unter diesen Umständen war das Wasserburger Freikorps zur gewaltsamen Befreiung seiner Mitbürger gezwungen. Der erste Transport des Freikorps stieß auf bewaffneten Widerstand […].  Nach kurzem Feuergefecht, in dem es leichte Verwundungen auf Seiten der Garser gab, erbaten die Garser Verhandlungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919|Wasserburger Anzeiger, 1.5.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am 29. April stießen weitere Rotgardisten von Rosenheim nach Rott in Richtung Wasserburg vor. Dieser Angriff konnte allerdings auch ohne Unterstützung des Wasserburger Freikorps zurückgeschlagen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Bei den anschließenden Verhandlungen mit der Rosenheimer Schutztruppe führten allerdings dennoch Stadtkommandant Gartenhof und Oberleutnant Schneider das Wort. Die vereinbarten Kapitulationsbedingungen für Rosenheim konnten allerdings unter anderem wegen Widerstands von Seiten Kopps nicht eigehalten werden, weshalb es zu einer gewaltsamen Besetzung von Rosenheim unter der Beteiligung des Freikorps Wasserburg kam, das dabei auch in Gefechte verwickelt wurde und Verluste zu beklagen hatte. Die Rosenheimer mussten sich schließlich geschlagen geben, Kopp wurde mit seinen Unterstützern vor Gericht gestellt und zu langen Haftstrafen verurteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 428 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 1. bis zum 3. Mai wurde München von Regierungstruppen gestürmt. In den Gefechten und dem darauffolgenden „Weißen Terror“, bei dem es zum Teil zu willkürlichen Erschießungen von Zivilisten durch Regierungstruppen kam, starben bis zu 1.200 Menschen. Mit der Kapitulation von Kolbermoor endete schließlich die Räterepublik in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bischel, Räterepublik Baiern (1919)|Bischel, Räterepublik Baiern (1919)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihre Anhänger erwarteten hohe Strafen, so auch 46 Wasserburger und Rosenheimer, die am 14. Juni in Traunstein vor dem Volksgerichtshof standen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das Freikorps Wasserburg mit zu diesem Zeitpunkt 650 Mitgliedern wurde am 8. Mai aufgelöst und in das reguläre Kader Infanterie Regiment 44 überführt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoß, Freikorps|Thoß, Freikorps]].&amp;lt;/ref&amp;gt;   Einen letzten Auftritt hatte es mit dem Besuch von Reichswehrminister Noske in Wasserburg am 3. August, der die Rolle der Einwohnerwehren bei der Niederschlagung der Revolution in Deutschland lobte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land|Baumgartner/Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land]], S. 570.&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rätegedanke spielte nach dem gewaltsamen Ende der Revolution in Wasserburg und Bayern keine Rolle mehr. Der politische Alltag wurde, vor allem im ländlichen Raum, von der antidemokratischen „Ordnungszellenpolitik“ der Bayrischen Volkspartei (BVP) bestimmt. Kommunisten tauchten hier nur noch als (oft antisemitische) Feindbilder auf.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern|Gelberg/Latzin, Ordnungszelle Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Arnold_Weiss-R%C3%BCthel&amp;diff=14772</id>
		<title>Arnold Weiss-Rüthel</title>
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		<updated>2024-06-21T10:05:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Robert Obermayr|Robert Obermayr]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Weissruthel, Arnold}} [[Kategorie:20. Jahrhundert]] [[Kategorie:Personen]] [[Kategorie: Artikel A-Z]] [[Kategorie: Robert Obermayr]] [[Besitzt::GND-Normdatensatz| ]]{{#set:GND-ID=119338858 | Link={{fullurl:Arnold Weiss-Rüthel}}}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biografie Arnold Weiss-Rüthel&amp;lt;ref&amp;gt;Verschiedentlich findet sich die Schreibweise &#039;&#039;Weiß-Rüthel&#039;&#039;. Hier wird jedoch die amtliche Schreibung des Familiennamens mit Doppel-S verwendet. &amp;lt;/ref&amp;gt; - Seine Zeit in Wasserburg am Inn&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://d-nb.info/gnd/119338858 GND-Normdatensatz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der früh verstorbene Schriftsteller, Satiriker und Publizist lebte nach Kriegsende 1945 in Soyen und Wasserburg und bekleidete für ein Jahr das Amt des Klägers an der Spruchkammer Wasserburg. In diesem Beitrag soll vor allem der Frage nachgegangen werden, welche Spuren Arnold Weiss-Rüthel in Wasserburg hinterlassen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebensdaten==&lt;br /&gt;
Arnold Weiss-Rüthel, * 21. Februar 1900 in München, † 26. Juni 1949 in München.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben und Wirken==&lt;br /&gt;
===Vor 1933: Anfänge beim Theater und als Schriftsteller===&lt;br /&gt;
[[Datei:Arnold Weiss-Rüthel ca.1946-1948 Foto v. privat.jpg|mini|Arnold Weiss-Rüthel, sitzend auf der Türschwelle seines Häuschens am Achatzberg, ca. 1946-1948.]]&lt;br /&gt;
Der als Arnold Weiss geborene Münchner besuchte zunächst die Real- und Oberschule und studierte ab 1918 einige Semester an der Universität.&amp;lt;ref&amp;gt;autobiographische Angaben finden sich in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel|Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel]], 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorher befand er sich vermutlich im Kriegseinsatz; seine pazifistische Erzählung &#039;&#039;Musketier Reue&#039;&#039; dürfte autobiographisch geprägt sein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Musketier Reue|Weiss-Rüthel, Musketier Reue]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zog ihn bald zum Theater und er verehrte die junge Schauspielerin, Dichterin und &#039;&#039;Femme fatale&#039;&#039; Else Rüthel. Aus Schwärmerei legte er sich den zweiten Nachnamen zu und nannte sich fortan Arnold Weiss-Rüthel.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dittmann, Oskar Maria Graf nimmt fiebernd teil|Dittmann, Oskar Maria Graf nimmt fiebernd teil]], 28.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für einige Jahre war er als Spielleiter, Schauspieler und Dramaturg an verschiedenen Theatern in der Provinz tätig, u.a. in Landshut und Kaufbeuren und konnte bald erste Triumphe feiern.&amp;lt;ref&amp;gt; im Folgenden: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BR, Archivnummer/Take: 94220320 000|BR, Archivnummer/Take: 94220320 000]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diese Zeit fiel auch seine erste Heirat mit der Schauspielerkollegin Monna Waldeck. Das finanzielle Auskommen war bescheiden und das Paar zog nach München, wo Weiss-Rüthel als freier Schriftsteller arbeitete. Er schrieb für demokratische Blätter wie den &#039;&#039;Uhu&#039;&#039;, den &#039;&#039;Simplicissimus&#039;&#039; und ab 1925 regelmäßig in der Berliner &#039;&#039;Weltbühne&#039;&#039;. An der Seite von Autoren wie Erich Kästner und Kurt Tucholsky wandte er sich mit satirischer Schärfe gegen Obrigkeitsstaat, Nationalismus und Kriegsverherrlichung, weshalb er damals schon das Missfallen der Nazionalsozialisten erregte. Nebenbei verkehrte der junge Künstler in der Schwabinger Boheme und galt bald als &#039;&#039;in München gefeierter und geachteter Autor&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dittmann, Oskar Maria Graf nimmt fiebernd teil|Dittmann, Oskar Maria Graf nimmt fiebernd teil]], 30.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Satiren, Glossen und Tageslyrik. 1929 fand er Ankerkennung als Prosaautor der &#039;&#039;neuen Sachlichkeit&#039;&#039; und seine pazifistische Erzählung &#039;&#039;Musketier Reue&#039;&#039; wurde im von Hermann Kesten herausgegebenen Sammelband &#039;&#039;24 Neue Deutsche Erzähler&#039;&#039; aufgenommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Lebenslauf des Verfassers in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Die Herzensuhr|Weiss-Rüthel, Die Herzensuhr]], 70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===NS-Zeit: Riskante Gratwanderung===&lt;br /&gt;
[[Datei:Tu nichts dergleichen, Gedicht.jpg|mini|Widerstand in Versform: Lyrik von Arnold Weiss-Rüthel in der Zeitschrift &#039;&#039;Jugend&#039;&#039;.]]&lt;br /&gt;
====Chefredakteur der &#039;&#039;Jugend&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
Im März 1934, gut ein Jahr nach dem Machtantritt Hitlers, übernahm Arnold Weiss-Rüthel die Hauptschriftleitung der Zeitschrift &#039;&#039;Jugend&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel|Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel]], 168.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da es nicht möglich war, offene Opposition gegen das Regime zu betreiben, versuchte er die &#039;&#039;Gratwanderung&#039;&#039;, die Zeitschrift &#039;&#039;redaktionell zwischen Anpassung und Freiraum zu manövrieren&#039;&#039; und &#039;&#039;die Freiheit des Humors zu verteidigen&#039;&#039;, wie der Medienforscher Hans-Ulrich Wagner feststellt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wagner, Arnold Weiß-Rüthel (1900-1949)|Wagner, Arnold Weiß-Rüthel (1900-1949)]], 44.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seiner Leitung machte die &#039;&#039;Jugend&#039;&#039; taktisch gebotene Zugeständnisse, veröffentlichte Zeichnungen von Künstlern, die dem nationalsozialistischen Ideal entsprachen, bot gar zweifarbige Portraits von Hitler, Goebbels und Göring zum Kauf an. Weiss-Rüthel verantwortete aber auch provozierende Beiträge, &#039;&#039;in denen der Widerstand manifest wird&#039;&#039;, wo er &#039;&#039;wagt [...] was damals kein anderer Redakteur gewagt hat&#039;&#039;, urteilt der Germanist Fritz Schlawe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel|Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel]], 168.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Konfrontation mit den Herrschenden blieb nicht aus. Als der &#039;&#039;Völkische Beobachter&#039;&#039;, das publizistische Organ der NSDAP, gegen eine Germanen-Karikatur in der &#039;&#039;Jugend&#039;&#039; polemisierte, reagierte Weiss-Rüthel in der Ausgabe vom 3. Juli 1934 mit der Kolumne &#039;&#039;In eigener Sache&#039;&#039; und verteidigte das Recht auf Humor und Satire sowie eine staatsfeindliche Gesinnung zurückweisend:&amp;lt;ref&amp;gt;siehe auch in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel|Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel]], 170.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ich freue mich von Herzen dieser Welt, in der ein guter Geist dafür gesorgt hat, daß die Würde und der Ernst des Lebens einen erlösenden Ausgleich erfahren in den vielerlei Spielarten eines offenen Humors. [...] Wir stehen, im entscheidenden Augenblick so treu zur Sache wie dieser und jener – und stehen um so treuer, als das Maß unserer persönlichen Freiheit nicht vom unerträglichen Verdacht der Gesinnungslosigkeit geregelt wird. Wir haben keine Gemeinschaft mit jener Klique, die von draußen auf uns einspeit und das schnöde Greuelmärchen verbreitet, in Deutschland sei sogar der Humor verboten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Jugend, 1934, Nr. 28|Jugend, 1934, Nr. 442]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Gedicht Sachsenhausen aus Die Herzensuhr.jpg|mini|Titelblatt der Gedichtsammlung &#039;&#039;Die Herzensuhr&#039;&#039; und das Gedicht &#039;&#039;Sachsenhausen&#039;&#039;.]]&lt;br /&gt;
Es folgten weitere Auseinandersetzungen, etwa mit der nationalsozialistischen Wochenschrift &#039;&#039;Die Bewegung&#039;&#039;, die der Redaktion der &#039;&#039;Jugend&#039;&#039; im Januar 1936 unmissverständlich androhte, man müsse nun &#039;&#039;Schluß machen&#039;&#039; und könne keine Rücksicht mehr walten lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel|Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel]], 172.&amp;lt;/ref&amp;gt; Arnold Weiss-Rüthel wehrte sich in der &#039;&#039;Jugend&#039;&#039; vom 11. Februar 1936, wiederum &#039;&#039;in eigener Sache&#039;&#039;, mit einer für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Schärfe, die bereits &#039;&#039;die Grenze der Hybris&#039;&#039; streifte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel|Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel]], 172.&amp;lt;/ref&amp;gt; Selbst als die Gestapo erste Hausdurchsuchungen bei ihm durchführte, ließ er sich nicht einschüchtern, sondern veröffentlichte Gedichte, die immer unverhohlener Protest gegen die NS-Herrschaft und die Gleichschaltung der Presse zum Ausdruck brachten ([[:Datei:Tu nichts dergleichen, Gedicht.jpg|vgl. Abbildung &#039;&#039;Widerstand in Versform&#039;&#039;]]).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Jugend, 1936, Nr. 24|Jugend, 1936, Nr. 24]], 378.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Ausgabe vom 22. September 1936 war noch vollständig &#039;&#039;der 800jährigen Stadt Wasserburg am Inn gewidmet&#039;&#039; und wurde von dort ansässigen Autoren und Malern mitgestaltet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Jugend, 1936, Nr. 39|Jugend, 1936, Nr. 39.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Gemälde von Karl Wähmann zierte die Titelseite und der Schriftsteller Peter Scher trug zwei Gedichte bei. Es ist anzunehmen, dass zu beiden damals schon freundschaftliche Beziehungen bestanden. &lt;br /&gt;
Die Sondernummer geriet eher neutral und weniger anstößig, wenn man von einem pazifistisch inspirierten Gedicht auf der letzten Seite absieht. Doch als sich schließlich Goebbels&#039; Propagandaministerium einschaltete, weil er als Schriftleiter keiner NS-Fachorganisation angehörte, musste Weiss-Rüthel im November 1936 seine Stellung bei der &#039;&#039;Jugend&#039;&#039; aufgeben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel|Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Fünf Jahre Konzentrationslager====&lt;br /&gt;
Der Versuch, als freier Publizist zu arbeiten, scheiterte an der fehlenden Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Reichsschrifttumskammer.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel|Schlawe, Arnold Weiß-Rüthel]], 173.&amp;lt;/ref&amp;gt; Den Posten als Schreiber an der Münchner Universität konnte er nicht lange ausüben, da die Gestapo Ende 1939 seine Tagebücher fand und damit den Beweis für seine &#039;&#039;dem Nationalsozialismus feindliche Gesinnung&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel|Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel]], 18.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zur Flucht war es längst zu spät; der Vater zweier Kinder wurde am 12. März 1940 verhaftet und am 18. April 1940 zur &#039;&#039;Schutzhaft&#039;&#039; ins Konzentrationslager Sachsenhausen überführt, da das Lager in Dachau zu der Zeit überfüllt war.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Erlebnisse in der &#039;&#039;Mördergrube&#039;&#039; schilderte der &#039;&#039;Häftling Nr. 18710&#039;&#039; eindringlich im Buch &#039;&#039;Nacht und Nebel&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel|Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel]], 33ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie in den Gedichten &#039;&#039;Sachsenhausen&#039;&#039; (vgl. Abbildung &#039;&#039;Gedicht &amp;quot;Sachsenhausen&#039;&#039;) und &#039;&#039;Der Lagertag&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Die Herzensuhr|Weiss-Rüthel, Die Herzensuhr]], 47ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch seinen zeitweisen Einsatz im Büro der Bauleitung erhielt er Einblick in Baupläne, Statistiken und geplante Vorhaben der Lagerleitung.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel|Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel]], 125.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um der Haft zu entkommen, meldete er sich zum Kriegseinsatz und wird am 1. (oder 2.) März 1945 entlassen, mit der Auflage, sich bei einer Ausbildungsabteilung der Artillerie in Jüterborg zu melden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel|Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel]], 152.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach fünfwöchiger Ausbildung musste er an die Front, begab sich am 20. April aber freiwillig in russische Gefangenschaft und betätigte sich anschließend als Propagandist im &#039;&#039;Nationalkomitee Freies Deutschland&#039;&#039;, einer Vereinigung, in der deutsche Kriegsgefangene und kommunistische Emigranten die NS-Herrschaft bekämpften und ein neues Deutschland vorbereiten wollten.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll der Zeugenvernehmung vom 21.4.1948, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#IfZ, ZS 1661|IfZ, ZS 1661]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Kurz nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager schrieb er einen Dankesbrief an Peter Scher, in dem er seinen Wunsch nach einem Besuch in Wasserburg geradezu sehnlichst zum Ausdruck brachte. Er kannte die Stadt, die ihm hier wie Eduard Mörikes imaginäre Zauberinsel erschien, offenbar recht gut von früheren Aufenthalten:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Lieber Peter Scher, […] Ich habe Ihre Sendungen, mit herzlichem Dank, erhalten und Sie können überzeugt sein, die Bücher haben mir eine große Freude gemacht. Nicht nur, weil sie so teuer sind, nicht nur, weil sie so gut und schön sind, sondern auch weil sie aus der Heimat kommen, dem lieben Wasserburg, das fünf Jahre lang durch meine Träume geisterte und mir so unerreichbar ferne lag wie die Zauberinsel Orplid. Nun bringt mich das Bewußtsein der Freiheit wieder in eine [?] Nähe zu dem Städtchen und wenn Gott uns gnädig ist, werden wir schließlich doch einmal wieder bei Fletzinger sitzen oder von Ihrer Arbeitsstube aus in den blühenden Garten schauen dürfen. Lieber Peter Scher! Die Welt ist schlimm geworden – alles was uns am Herzen lag liegt in Trümmern. Berlin sieht entsetzlich aus. Aber unser München sieht nicht anders aus. Gott allein weiß, wie das alles enden mag.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief Arnold Weiss-Rüthel vom 9.3.1945 [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5567|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5567]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nach Kriegsende 1945: Neubeginn in Wasserburg und früher Tod===&lt;br /&gt;
[[Datei:Arnold Weiss-Rüthel BayHStA MSo 5424.jpg|mini|Passfoto Arnold Weiss-Rüthels aus seiner Personalakte des Bayer. Staatsministeriums für Sonderaufgaben, ca. 1946.]]&lt;br /&gt;
====&amp;quot;Florettkämpfer für Demokratie und Frieden&amp;quot;====&lt;br /&gt;
Im August 1945 wurde Arnold Weiss-Rüthel aus russischer Gefangenschaft entlassen und ging zurück in die bayerische Heimat, zunächst &#039;&#039;zu einer Bekannten zur Erholung&#039;&#039; nach Soyen, in der Nähe von Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll der Zeugenvernehmung vom 21.4.1948, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#IfZ, ZS 1661|IfZ, ZS 1661]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von der US-Militärregierung&amp;lt;ref&amp;gt;zur Entnazifizierung der Stadtbibliothek siehe Monthly Historical Report vom Dezember 1945 [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGUS 10/78-3/1|BayHStA, OMGUS 10/78-3/1]], 15, obwohl Weiss-Rüthel dort nicht namentlich erwähnt wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde er beauftragt, als kommissarischer Bibliothekar &#039;&#039;die Wasserburger Stadt-Bibliothek zu entnazifizieren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll der Zeugenvernehmung vom 21.4.1948, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#IfZ, ZS 1661|IfZ, ZS 1661]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem von ihm verfassten Artikel im Oberbayerischen Volksblatt berichtete er über die Wiedereröffnung des Wasserburger Heimathauses und der Städtischen Bibliothek (vgl. Abbildung &#039;&#039;Wiedereröffnung des Heimathauses&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Anlage 782 aus: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 20.1.1947.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus einem Brief Weiss-Rüthels an den Schriftsteller Peter Scher geht hervor, dass er bereits im November 1945 in engerer Verbindung mit dem Wasserburger Landrat Josef Estermann stand, den er seinen &#039;&#039;Freund und Genossen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Estermann war damals noch Anhänger der KPD und auch Weiss-Rüthel findet sich auf einer Liste von Unterstützern der Wasserburger Kommunisten, siehe &#039;&#039;Mitgliederliste KPD&#039;&#039; vom 5.2.1946, Monthly Political Activity Report 28.2.1946 [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGUS CO 465/1|BayHStA, OMGUS CO 465/1]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte.&amp;lt;ref&amp;gt; Brief Peter Scher an Weiss-Rüthel vom 21.11.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5567|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5567]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im November 1945 war er demnach auch an Gesprächen zur Gründung einer Tageszeitung für den Raum Wasserburg beteiligt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 16. März 1946 wurde er vom Bayerischen Staatsministerium für Sonderaufgaben zum Ankläger der Spruchkammer Wasserburg ernannt.&amp;lt;ref&amp;gt; Ernennungsurkunde vom 16.4.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MSo 5424|BayHStA, MSo 5424]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Anzunehmen ist, dass er noch im selben Jahr das Häuschen am Achatzberg 308e in Wasserburg beziehen konnte, das sich im Eigentum der Familie des früheren nationalsozialistischen Bürgermeisters Franz Baumann befand. Ein Jahr lang übte Weiss-Rüthel die Funktion als Kläger trotz Widerständen und Anfeindungen gewissenhaft und engagiert aus. Von ihm beklagte einstige NSDAP-Mitglieder versuchten ihn zu diskreditieren, indem sie auf einen Zeitungsartikel rekurrierten, in dem Weiss-Rüthel im Jahr 1938 zu einem &#039;&#039;Bekenntnis zu Großdeutschland&#039;&#039; aufgerufen hatte. Dieser Artikel, der US-Militärregierung längst bekannt, wurde von dieser als verzweifelter Versuch des damaligen Regimegegners eingeordnet, damit den Fängen der Gestapo zu entkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Beschwerde Dr. Hartmann vom 12.9.1947 und Abschrift Süddeutscher Wegweiser, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MSo 5424|BayHStA, MSo 5424]]./ Schreiben W.-Rüthel vom 26. Juli 1947 an die Berufungskammer im Verfahren Anton Meggle, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, SpkA K3795|SpkA K3795]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er lernte in dieser Zeit die ebenfalls bei der Spruchkammer Wasserburg angestellte Marina Jürgens kennen, die er am 30. Oktober 1946 in zweiter Ehe heiratete.&amp;lt;ref&amp;gt; Angaben der Stieftochter Tanja Neubauer./ Vermählungskarte [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5598|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5598]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Trotz seiner durch die langjährige KZ-Haft angeschlagenen Gesundheit arbeitete Weiss-Rüthel viel. In den Jahren 1946 bis 1947 veröffentlichte er das Essay &#039;&#039;Der verratene Soldat&#039;&#039;, den Gedichtband &#039;&#039;Die Herzensuhr&#039;&#039; (vgl. Abbildung &#039;&#039;Titelblatt der Gedichtsammlung Die Herzensuhr&#039;&#039;), das KZ-Buch &#039;&#039;Nacht und Nebel, Aufzeichnungen aus fünf Jahren Schutzhaft&#039;&#039; und publizistische Beiträge, etwa in der &#039;&#039;Neuen Zeitung (NZ)&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wagner, Arnold Weiß-Rüthel (1900-1949)|Wagner, Arnold Weiß-Rüthel (1900-1949)]],45.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Wasserburger Heimathaus wieder eröffnet, Oberbayer. Volksblatt, April 1946.jpg|mini|Artikel im Oberbayerischen Volksblatt vom April 1946, verfasst von Arnold Weiss-Rüthel anlässlich der Wiedereröffnung des Heimathauses und der Städtischen Bibliothek.]]&lt;br /&gt;
Mit der Schrift &#039;&#039;Der verratene Soldat&#039;&#039; wandte er sich explizit an die junge Generation und ermutigte sie, am Zustandekommen des demokratischen Staatswesens aktiv mitzuwirken: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Es gibt keine Rezeptsammlung, mit deren Hilfe man einen autoritären Staat in einen demokratischen umwandelt. Demokratie im höheren Sinne ist die Summe der Werte, die aus dem größten Verantwortungsgefühl des einzelnen resultieren und in ihrer Zusammenwirkung die Gewähr bieten für das geistige und materielle Auskommen aller. [...] Die Fähigkeit Demokrat zu sein, muß ein jeder in sich selbst entwickeln und fördern; er kann das praktisch tagtäglich, wo immer er auch steht, in welchem Beruf er auch tätig ist und welcher Partei er auch angehört.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Der verratene Soldat|Weiss-Rüthel, Der verratene Soldat]], 46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Wasserburger Lokalredakteur Willi Schneider würdigte Weiss-Rüthel dafür in einer Rezension: &#039;&#039;Als Florettfechter für Demokratie und Frieden kämpft er mit geistigen Waffen gegen jede Art von Verrat an den Menschen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schneider, Der verratene Soldat, Rezension|Schneider, Der verratene Soldat, Rezension]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Nebenbei betätigte sich Weiss-Rüthel vielfältig im kulturellen Leben der Kleinstadt. Er war von Februar 1946 bis zu seinem Wegzug nach München Schriftführer des wiederbegründeten Heimatvereins Wasserburg&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Steffan, Die Vorstandschaft des Heimatvereins|Steffan, Die Vorstandschaft des Heimatvereins]], 218.&amp;lt;/ref&amp;gt; und trat bei verschiedenen Anlässen als Redner auf. Er hielt einen Vortrag zur Eröffnung der Volkshochschule Wasserburg &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 20.1.1947.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zur Gedächtnisausstellung für den verstorbenen Otto Geigenberger&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, BezA/LRA 112705|StAM, BezA/LRA 112705]], Monatsbericht September 1947, Punkt 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; und zur Gedenkfeier der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) im Wasserburger Rathaussaal.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberbayerisches Volksblatt vom 19.9.47, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1044|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1044]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in der Broschüre zur Hermann-Schlittgen-Ausstellung am 15. Juni 1947 findet sich ein Text von Weiss-Rüthel.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Hermann Schlittgen Gedächtnis-Ausstellung|Weiss-Rüthel, Hermann Schlittgen Gedächtnis-Ausstellung]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In einem Brief vom Juni 1946 an den im amerikanischen Exil lebenden Schriftsteller Oskar Maria Graf äußerte er sich bereits enttäuscht über den Fortgang der Entnazifizierung und den ausbleibenden politischen Neubeginn: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Diese 12 Jahre faschistischer Herrschaft haben alle Erblaster des deutschen Volkes in einer Weise zur Entfaltung gebracht, daß man schier verzweifeln möchte vor der Aufgabe, diese Nation zu entgiften.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Brief an Oskar Maria Graf vom 2.6.1946, in Privatbesitz, wiedergegeben in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dittmann, Oskar Maria Graf nimmt fiebernd teil|Dittmann, Oskar Maria Graf nimmt fiebernd teil]], 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Kurze Zeit bei Radio München====&lt;br /&gt;
Zum 31. Mai 1947 legte er sein Amt für die Spruchkammer nieder, da er eine Anstellung als Chefdramaturg und Leiter der literarischen Abteilung bei Radio München, dem Vorgänger des Bayerischen Rundfunks, antreten konnte.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben des 1. Vorsitzenden Ruffini an das Sonderministerium vom 29.09.1947, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MSo 4738|BayHStA, MSo 4738]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Er wohnte von da an vermutlich hauptsächlich in München. Weiss-Rüthel förderte literarische und politische Programminhalte genauso wie die Sparte Unterhaltung und den bayerischen Humor. So schrieb der geborene Münchner ein bayerisches Weihnachtsstück und Sketche für Volksschauspieler wie Michl Lang und Wastl Witt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BR, Archivnummer/Take: 94220320 000|BR, Archivnummer/Take: 94220320 000]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Radiosendung &#039;&#039;Wanderungen durch Bayern – wir führen Sie heute nach Wasserburg am Inn&#039;&#039; am Pfingstmontag 1948 war er neben den Einheimischen Josef Kirmayer und Karl Wähmann zu hören.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BR, Historisches Archiv, HF/10065|BR, Historisches Archiv, HF/10065]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch die Phase als Radiomacher währte nur kurz. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich im Frühjahr 1949 zunehmend. Den wohl letzten Brief an Peter Scher versandte der schwer Erkrankte bereits aus dem Krankenhaus Tutzing: &#039;&#039;Meine Konstitution in Ehren, aber man hat mich im KZ &#039;&#039;fertig&#039;&#039; gemacht&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Brief an Peter Scher vom 3. Mai 1949, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5598|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5598]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 26. Juni 1949 starb Arnold Weiss-Rüthel und wurde auf dem Münchner Nordfriedhof beigesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Seine Witwe Marina sowie der Schauspieler, Moderator und Kabarettist Klaus Havenstein, den sie 1958 heiratete, sind dort ebenfalls bestattet, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Nerger, Grabstätte Havenstein und Weiss-Rüthel|Nerger, Grabstätte Havenstein und Weiss-Rüthel]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das Häuschen am Achatzberg nahe der Kosaklinde hatte er auch nach Antritt seiner Anstellung bei Radio München zumindest noch zeitweise bewohnt und wohl als Rückzugsort vom hektischen München geschätzt.&amp;lt;ref&amp;gt; Dies geht aus den Absenderangaben seiner Korrespondenz hervor, so im Brief an Helene Scher vom 18.8.48, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5598|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5598]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Den Ausblick von dort auf das südlich gelegene Eiselfing und den Chiemgau beschrieb er 1948 in einem Brief an Oskar Maria Graf:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Von meinem Fenster aus sehe ich hinüber nach Kircheiselfing, wo der weisse Kirchturm mit seiner grünen Zwiebel in einen zartblauen Himmel sticht. Dahinter, in der Chiemseegegend überschneidet hauchdünn die Kontur des Gebirgs den Horizont und vom Ameranger Strässchen herunter gehen die Kirchgänger nach Wasserburg. Es ist schön hier und friedlich.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Brief vom 2.3.1948, in Privatbesitz, wiedergegeben in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dittmann, Oskar Maria Graf nimmt fiebernd teil|Dittmann, Oskar Maria Graf nimmt fiebernd teil]], 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Resümee==&lt;br /&gt;
Wie viele Künstler, die unter der NS-Herrschaft litten, ereilte auch den frühverstorbenen Weiss-Rüthel das Schicksal des Vergessenwerdens. Dabei galt sein literarisches Werk als &#039;&#039;exemplarisch und zukunftsweisend für die jeweilige Nachkriegsepoche.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dittmann, Oskar Maria Graf nimmt fiebernd teil|Dittmann, Oskar Maria Graf nimmt fiebernd teil]], 30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine unbeugsame Haltung gegen die Gleichschaltung der Presse ließen ihn die Nationalsozialisten schwer büßen. Die Entlassung aus der KZ-Haft überlebte er nur wenige Jahre. In Archiven finden sich Belege für ein vielfältiges Wirken Weiss-Rüthels während seines kurzen Aufenthalts in Wasserburg nach 1945. Er beteiligte sich an den notwendigen, aber unpopulären Entnazifizierungsmaßnahmen, engagierte sich in der Erinnerungs- und Kulturarbeit der Kleinstadt und setzte sich somit, getreu seiner inneren Überzeugung, auch ganz konkret vor Ort für den demokratischen Neubeginn ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werke==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://portal.dnb.de/opac/simpleSearch?reset=true&amp;amp;cqlMode=true&amp;amp;query=auRef%3D119338858&amp;amp;selectedCategory=any - Nachweis von Werken in der Deutschen Nationalbibliothek]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Weitere Bücher und Schriften:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Musketier Reue, in: Hermann Kesten (Hg.), 24 neue deutsche Erzähler, Erstauflage 1929&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
- Die Erschießung des Bibelforschers, in: Wolfgang Weyrauch (Hg.), Tausend Gramm. Ein deutsches Bekenntnis in dreißig Geschichten aus dem Jahr 1949, Erstauflage 1949&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
- Ein Roman, der 1940 (vermutlich unter Pseudonym) erschienen sein soll, gilt als vermisst&amp;lt;ref&amp;gt;wird von Weiss-Rüthel erwähnt in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel|Weiss-Rüthel, Nacht und Nebel]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Veröffentlichungen in Zeitschriften:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zahlreiche Beiträge unter anderem in: &#039;&#039;Die Weltbühne&#039;&#039;, &#039;&#039;Das Tagebuch&#039;&#039;, &#039;&#039;Jugend&#039;&#039; (Schriftleiter von März 1934 bis November 1936), &#039;&#039;Neue Zeitung (NZ)&#039;&#039; oder &#039;&#039;Deutsche Kunst und Dekoration&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hörspielbearbeitungen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- &#039;&#039;Dantons Tod&#039;&#039; von Georg Büchner, Radio München 1948, in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks: https://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/ausstrahlung-488648.html&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
- &#039;&#039;Draußen vor der Tür&#039;&#039; von Wolfgang Borchert, Radio München 1948, im Hörspiel Pool von Bayern 2: https://www.br.de/mediathek/podcast/hoerspiel-pool/wolfgang-borchert-draussen-vor-der-tuer/1440041&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Erhaltener Redebeitrag von Arnold-Weiss-Rüthel:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arnold Weiss-Rüthel beglückwünscht Rudolf von Scholtz zu dessen Wahl zum ersten deutschen Intendanten bei Radio München, Ausschnitt einer Rede vom 19.12.1947, ARD Audiothek, https://www.ardaudiothek.de/episode/100-jahre-radio/radio-muenchen-1947-arnold-weiss-ruethel-zur-intendantenwahl/br/13218223/ &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Robert Obermayr}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<title>Erster Weltkrieg</title>
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		<updated>2024-01-28T13:50:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel soll einen Überblick über die Zeit des Ersten Weltkrieges mit seinen Auswirkungen auf die Stadt Wasserburg geben.&lt;br /&gt;
Lokale Quellen wurden für diese Arbeit in Auswahl herangezogen. Die Fülle der Überlieferung ließe weitere Auswertungen oder genauere Einzelbetrachtungen durchaus sinnvoll erscheinen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Lage in Europa 1914==&lt;br /&gt;
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg dürfte Europa wohl auf dem Höhepunkt seiner globalen Dominanz gestanden haben. Durch die industrielle Revolution und die Bevölkerungsexplosion war es den Staaten in Europa zusammen mit den ebenfalls seit Ende des 19. Jahrhunderts imperial agierenden Mächten Japan und USA gelungen, eine globale politische Herrschaft zu etablieren. Der Erwerb von Kolonien in Afrika und Asien dokumentierte diese Dominanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Die Lage in Europa 1914.png|mini|thumb|right|Die Bündnisgeographie in der Regierungszeit Otto von Bismarcks, das &#039;&#039;Spiel mit den fünf Bällen&#039;&#039;.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sprach man lange von einer Pentarchie, weil es hier fünf Großmächte gab, die, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung, die Welt zu beherrschen suchten. Es handelte sich um das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland, die französische Republik, das zaristische Russland, das deutsche Kaiserreich und das Kaiserreich Österreich-Ungarn. Die USA, China und Japan wurden in dieser Sichtweise noch nicht als imperialistische Großmächte im engeren Sinne angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bündnisse in Europa 1914.png|mini|thumb|right|Bündnisse in Europa 1914.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Politik des deutschen Kaiserreichs unter Bismarck, jenes &#039;&#039;Spiel mit den fünf Bällen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Bezeichnung hatte sich im Deutschen Kaiserreich für Bismarcks Europapolitik eingebürgert und bezeichnete das Bemühen, die fünf Großmächte in Europa in einem Gleichgewicht zu halten, damit ein brüchiger Friede gewahrt werden konnte. Bismarck hatte immer wieder betont, dass sich Deutschland in einer &#039;&#039;Mittellage&#039;&#039; befinde und es daher ein ureigenes deutsches Interesse sei, dieses Gleichgewicht zu erhalten.&amp;lt;/ref&amp;gt;, war in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts im Grunde erfolgreich, da das kaiserliche Deutschland keine Kolonialpolitik betreiben wollte. Bismarcks Credo, Deutschland sei saturiert&amp;lt;ref&amp;gt;Bei der Reichsgründung 1871 soll Bismarck dies verkündet haben, um die anderen europäischen Mächte dahingehend zu beruhigen, dass Deutschland keinen Kolonialbesitz anstrebe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, hatte also zumindest in dieser Hinsicht eine gewisse friedenssichernde Qualität. Mit dem Tode Kaiser Wilhelm I. 1888, der kurz darauf erfolgten Inthronisierung von Kaiser Wilhelm II. und dem Rücktritt des Reichskanzlers Otto von Bismarck 1890 änderte sich die deutsche Außenpolitik aber grundlegend. Das Deutsche Reich war nunmehr an Kolonien interessiert, Wilhelm II. wollte &#039;&#039;Weltgeltung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Aussenpolitik|Lemo, Aussenpolitik]].&amp;lt;/ref&amp;gt; für Deutschland und suchte zum Beispiel die britische Überlegenheit auf dem Gebiet der Marine durch rüstungsintensive Investitionen abzubauen und geriet in eine Situation, die dazu führte, dass Russland, Frankreich und das Vereinigte Königreich mit der &#039;&#039;Entente Cordiale&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Entente|Lemo, Entente]].&amp;lt;/ref&amp;gt; ein Bündnis begründeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren vor 1914 rüsteten alle europäischen Großmächte intensiv auf, Deutschland hatte ab 1912 hierbei einen gewissen Vorsprung, den Russland bis 1916/17 abzubauen gedachte, weshalb sich unter den deutschen Militärs die Auffassung durchsetzen konnte, dass ein Krieg 1913/14 wohl sinnvoller und Erfolg versprechender sei als zwei oder drei Jahre später. Deutschland befand sich in einem Bündnis mit Österreich-Ungarn und in gewisser Weise auch mit Italien und dem Osmanischen Reich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr unsicher war die Situation auf dem Balkan. Österreich-Ungarn hatte 1908 Bosnien-Herzegowina annektiert; darüber hinaus hatte die Donaumonarchie Teile Galiziens okkupiert. &lt;br /&gt;
Die in Russland weit verbreitete Ideologie des Panslawismus&amp;lt;ref&amp;gt;Insbesondere sollten die osteuropäischen Gebiete, in denen &#039;&#039;slawische&#039;&#039; Sprachen vorherrschten, russisch kontrolliert sein. Damit entsprach der &#039;&#039;Panslawismus&#039;&#039; auch dem Bemühen Russlands um einen &#039;&#039;Cordon sanitaire&#039;&#039;, mit dem die Sowjetunion sich gegen die westlichen Mächte zu schützen suchte.&amp;lt;/ref&amp;gt; zielte aber auf eine Kontrolle all dieser Gebiete durch Russland. Dadurch entstanden Konflikte, die eigentlich kaum friedlich gelöst werden konnten. Konflikte und Krisen im Südosten Europas, wo das christliche Europa an das islamische Osmanische Reich grenzte&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Clark, Schlafwandler|Clark, Schlafwandler, 8.]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, waren an sich nichts Neues für die Herrschenden in der Welt. Seit 1911 aber verschärfte sich die Situation: Italien begann im September 1911 einen Eroberungskrieg im heutigen Libyen. Da dieser Angriff mehrere Überfälle auf osmanische Gebiete auf dem Balkan provozierte, geriet auch das geopolitische Gleichgewicht in eine klare Schieflage. Die Balkankriege&amp;lt;ref&amp;gt;Montenegro erklärte dem Osmanischen Reich am 25. September 1912 und am 16. Oktober 1912 das Osmanische Reich Bulgarien den Krieg. Am Tag darauf erklärten Serbien, Bulgarien und Griechenland gemeinsam dem Osmanischen Reich den Krieg. Die folgenden militärischen Niederlagen des Osmanischen Reiches, das durch den 1912 verlorenen Italienisch-Türkischen Krieg und verschiedene Aufstände in den Balkanprovinzen schon vorher geschwächt war, machten deutlich, dass es seine europäische Herrschaft so nicht mehr länger würde aufrechterhalten können.&amp;lt;/ref&amp;gt; sorgten nunmehr dafür, dass sich das Osmanische Reich, abgesehen von einem kleinen thrakischen Zipfel, in Europa nicht mehr länger halten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bekanntmachung über den Kriegszustand.png|200px|thumb|right|Bekanntmachung über den Kriegszustand.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann man erkennen, dass die Großmächte um die Vorherrschaft in Europa und der Welt kämpften und hier spielte das Mittelmeer eine bedeutsame Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur daran, dass Russland seit jeher einen eisfreien Hafen wünschte, der aber in der Ostsee kaum realisiert werden konnte, da der nördlichste eisfreie Hafen Königsberg in Ostpreußen war, das auf dem Territorium des Deutschen Reiches lag. Von den russischen Häfen im Schwarzen Meer (Rostow am Don, Sewastopol, Mariupol, Odessa) konnte man das Mittelmeer nur erreichen, wenn man die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen passieren konnte. Beide Meerengen wurden aber vom Osmanischen Reich kontrolliert. Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn war sehr daran interessiert, seine Häfen in der Adria, also vor allem Fiume (Rijeka) und Pola (Pula) in Istrien zu bewahren. Das Vereinigte Königreich war seinerseits brennend daran interessiert, den Suez-Kanal und die Meerenge von Gibraltar dauerhaft unter britischer Kontrolle zu halten.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Zentrum der europäischen Konflikte stand natürlich der Balkan, von dem große Teile bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts vom Osmanischen Reich kontrolliert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Russland, das auch mit seiner Ideologie des Panslawismus die Kriegsbereitschaft anheizte. Es darf allerdings festgestellt werden, dass wohl eine gewisse Kriegsbereitschaft in vielen europäischen Staaten vorherrschte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Attentat auf den österreichisch-ungarischen Kronprinzen Franz Ferdinand und seine Gattin in Sarajevo am 28. Juni 1914 war die Kriegsbegeisterung bei allen Großmächten ganz offensichtlich stärker als die Friedenssehnsucht. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Akten, die über den Besuch des französischen Präsidenten Poincaré im Juli 1914 in St. Petersburg Auskunft geben könnten, sowohl auf französischer als auch auf russischer Seite verschwunden sind. Man ist also gezwungen, die Ereignisse im Juli 1914 im Großen und Ganzen zu erschließen, da wichtige Quellen anscheinend vernichtet wurden oder jedenfalls nicht zugänglich sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hier ausführlich: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#McMeekin, Russlands Weg in den Krieg|McMeekin, Russlands Weg in den Krieg]], 75 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zur Situation in Wasserburg 1914==&lt;br /&gt;
Auch in Wasserburg dürfte die Kriegsbegeisterung im Sommer 1914 groß gewesen sein. Und es darf die These gewagt werden, dass auch hier die militärische Option gegenüber der politischen die Oberhand behielt. Allerdings wurden die Ereignisse ab dem 23. Juli 1914, dem Tag, an dem der französische Staatspräsident Poincaré St. Petersburg verließ und die Österreichisch-Ungarische Regierung der Serbischen ihr Ultimatum vorlegte, weder in der Ausgabe des Wasserburger Anzeigers vom 25. Juli 1914 noch in der vom 28. Juli 1914 erwähnt. Dies geschah erst am 30. Juli 1914. Viele andere Zeitungen berichteten hingegen bereits ab 24. Juli 1914 über diese Note, deren Ton als harsch und undiplomatisch interpretiert wurde&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 28.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Zeitungsausschnitt vom 6. August 1914- Aufruf des Roten Kreuzes.png|200px|thumb|right|Zeitungsausschnitt vom 6. August 1914: Aufruf des Roten Kreuzes.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wasserburger Anzeiger vom 30. Juli 1914 wird die Kriegsbegeisterung deutlich ausgesprochen: Ein Wasserburger, er wird namentlich &#039;&#039;Hr. Ing. Huber&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Dies war: Fritz Huber (* 8. März 1881 in Wasserburg; † 14. April 1942 in Mannheim), ein deutscher Konstrukteur. Er gilt als Erfinder des (Lanz-)Bulldogs. &amp;lt;/ref&amp;gt;genannt, er weilte im Juli 1914 in Wien, schrieb an seine Angehörigen und erwähnte hier, dass man es eine &#039;&#039;Erlösung gefunden&#039;&#039; habe, &#039;&#039;daß es einmal losgeht. Vor russischem Eingriff hat man keine Angst.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und später schreibt er dann noch: &#039;&#039;Der Krieg ist sehr populär!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Huber, der seinen Artikel &#039;&#039;Stimmungsbild&#039;&#039; nennt, schreibt allerdings aus Wien. Die Einschätzung, die er liefert, dürfte aber ähnlich zu derjenigen der Wasserburger Bevölkerung gewesen sein. &#039;&#039;Man faßt im übrigen die Sache sehr gelassen auf und läßt sich nicht aus der Gemütlichkeit bringen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Mit Gott für Kaiser und Reich, König und Vaterland.png|200px|thumb|right|Mit Gott für Kaiser und Reich, König und Vaterland.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen war kein direktes Kriegsgeschehen in Wasserburg spürbar, der Krieg begann in Belgien, wo die deutschen Truppen, dem Schlieffen-Plan folgend, Belgien überrannten, Luxemburg&amp;lt;ref&amp;gt;Luxemburg war übrigens das einzige Land in Europa, das die Besetzung kampflos hinnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt; besetzten und in Richtung Frankreich und Ostpreußen (Tannenbergschlacht) marschierten. Insofern spürte man in Wasserburg die Auswirkungen des Krieges zwar sehr deutlich, auch wenn es hier kein Kriegsgeschehen im engeren Sinne gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Deutsche Reich hatte Russland am 1. August 1914 den Krieg erklärt. In Bayern&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;wurde der Kriegszustand nicht wie im übrigen Reich nach Art. 68 der Reichsverfassung durch den Kaiser ausgesprochen. Vielmehr war gemäß dem bayerischen Gesetz über den Kriegszustand von 1912 hierfür eine königliche Verordnung notwendig. Dies war nur im Kriegsfall oder bei drohender Kriegsgefahr zulässig, nicht aber wie in Preußen bei einer Bedrohung von innen. Im Weltkrieg wurde der Kriegszustand für Bayern durch die bayerische Verordnung vom 31. Juli 1914 verhängt. Dieses Gesetz sah keine Ermächtigung zum Eingriff in die individuelle Freiheitssphäre vor, sondern nur eine Verschärfung des Strafrechts, insbesondere bei staatsgefährdenden Delikten. Das Standrecht (gemäß bayerischem Strafgesetzbuch) konnte angeordnet werden, das die Verhängung der Todesstrafe ausdehnte und ein summarisches Verfahren vorsah&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19|Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Telegramme, die der Wasserburger Anzeiger an den Stadtmagistrat übersandte, wiederholen im Großen und Ganzen die allgemeinen Kriegsberichte. Aber dieses Wasserburger Medium beschäftigt sich so gut wie gar nicht mit Wasserburg, wenn es um den Krieg geht. Am 1. November 1914 erscheint jedoch folgende Meldung:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ein Hurra! Für unseren Bürgermeister! Unter der Ueberschrift: Ehre, wem Ehre gebührt! Teilt uns soeben eine Anzahl freudeerfüllter Mannschaften des 2. Reserve-Infanterie-Regiments mit, dass ihr Bataillonskommandeur, Herr rechts. Bürgerm. Ertl von Wasserburg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], 212. Anschlag, Telegramm vom 1.11.1914.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Weitere lokale Meldungen sucht man in den Telegrammen des Wasserburger Anzeigers eigentlich vergeblich. Es werden hier im Grunde nur die Frontberichte wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56]]. Die Ordner mit der Benennung Teil 1 und 2 liegen in getippter Form vor, während die Teile 3 und 4 nur in handschriftlicher Form archiviert sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ludwig III. hat am 31.07.1914 die &#039;&#039;Königliche Verordnung vom 31. Juli 1914, die Verhängung des Kriegszustands betreffend herausgegeben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Bayern, Nr. 35 vom 31.7.1914, 327f, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]&amp;lt;/ref&amp;gt; notwendig, weil die Verfassung ein Sonderrecht für Bayern vorsah. Damit war auch hier der Kriegszustand erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1914 postuliert das kgl. Bezirksamt Wasserburg im Amtsblatt die Notwendigkeit einer militärischen &#039;&#039;Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt des königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 48 vom 23. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde verfügt, bis zum 10.11.1914&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;ein Verzeichnis aller derjenigen jungen Männer im Alter vom vollendeten 16. bis zum 25.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914 wird dieses Alter in &#039;&#039;20 Jahre&#039;&#039; korrigiert. Bei der Abfassung des Ausschreibens vom 20. Oktober 1914, Nr. 8490 ist ein Schreibversehen unterlaufen; in Zeile 3 des Absatzes 2 muss es &#039;&#039;statt 25. Lebensjahr&#039;&#039; selbstverständlich heißen: &#039;&#039;20. Lebensjahr&#039;&#039;, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Lebensjahre unter Angabe ihrer Geburtszeit […] und unter Mitteilung ihrer Bereitwilligkeit, sich für den Dienst des Vaterlandes zu schulen und an den Uebungen teilzunehmen, herzustellen und dem Bezirksamt vorzulegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In den ebenfalls beigefügten &#039;&#039;Richtlinien für die militärische Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]&amp;lt;/ref&amp;gt; vom Oktober 1914 wird eingehend erläutert, welche militärischen Kenntnisse und Fertigkeiten der Jugend in kürzester Zeit zu vermitteln seien. Die Forderung, auch die Namen der jungen Männer mitzuteilen, die nicht fähig oder willens seien, in den Krieg zu ziehen, lässt auf den möglichen Druck schließen, der weniger kriegsbegeisterten jungen Männern wohl drohte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anfängliche Begeisterung bei der Rekrutierung - und die sich daran anschließende Ernüchterung==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Krieg ist solange lustig, wie niemand zurückschießt&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 71.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Begeisterung, die in Deutschland anscheinend zunächst vorherrschte, wich jedoch sehr bald einer größeren Ernüchterung. Doch zunächst wollten tatsächlich sehr viele junge Männer in den Krieg ziehen. Im Wasserburger Anzeiger war diesbezüglich zu lesen, dass nicht Wenige zur Beichte und anschließend zum &#039;&#039;Tisch des Herrn&#039;&#039; gegangen seien: &#039;&#039;Vor dem Ausmarsch noch eine Verbindung mit Gott! Das nenn ich Gottvertrauen und das wird uns zum Sieg verhelfen!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; In der Zeitung vom 1. August 1914 war noch die Rede davon, dass das Militär nun sprechen müsse, damit es &#039;&#039;endlich&#039;&#039; losgehe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch schon bald wurde deutlich, dass es in Deutschland kritisch werden könnte, denn zum einen fehlten bald sehr viele Arbeitskräfte, zum zweiten war Deutschland wie kein zweites Land in Europa auf Lebensmittelimporte angewiesen, da es seinen Lebensmittelbedarf nur zu ca. 35 Prozent selbst decken konnte. Zum dritten war Deutschland ein rohstoffarmes Land, man war also auch zur Waffenproduktion auf Importe angewiesen, die angesichts der Blockade aber ausblieben. &lt;br /&gt;
Mit Beginn des Krieges wurde auch die formale Pressefreiheit aufgehoben. Die Medienkontrolle ging an 62 verschiedene Zensurstellen beim Militär über, die unabhängig voneinander agierten. Dadurch kam es wiederholt zu sich widersprechenden Auflagen der Zensurstellen. Generell verboten waren kriegsrelevante Nachrichten wie Truppenbewegungen, Statistiken über Verluste an der Front, aber auch Informationen über besondere Notlagen der Bevölkerung. Überwacht wurden Texte über Friedensbestrebungen und über die Unterdrückung fremder Völker.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg|Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ist nachvollziehbar, da die Kriegsgegner keine Informationen über die eigene Kriegsstrategie erhalten sollten, andererseits diente diese Zensur natürlich und vor allem der Desinformation der eigenen Bevölkerung, damit die Kriegsbegeisterung aufrechterhalten bleiben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern gibt die Lektüre zeitgenössischer Quellen nur unzureichend Aufschluss über das Geschehen nach dem 1. August 1914. Was aber feststeht, ist die Tatsache, dass die politischen Entscheidungsträger den militärischen das alleinige Entscheidungsrecht zubilligten, wie im Kriege zu handeln sei. Kaiser Wilhelm II. blieb zwar formal an der Spitze des Reiches, hatte aber tatsächlich nicht mehr viel zu sagen.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wenn man so will, schließen Militärs und Kaiser unausgesprochen einen Pakt: Der Kaiser genehmigt zumeist anstandslos die Planungen des Generalstabschefs und erteilt ihm die Vollmacht, in seinem Namen Befehle zu erteilen. Im Gegenzug achtet die militärische Führung darauf, den Anschein der kaiserlichen Befehlsgewalt dem Volk gegenüber zu wahren. Als der Krieg beginnt, befindet sich der Monarch deshalb in einer eigentümlichen Lage: Er steht mitten im Geschehen und bleibt doch außen vor.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Menschen 1914|o.V., Menschen 1914]], 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch die sprunghaft nach oben schnellenden Zahlen der gefallenen Soldaten dürften dafür gesorgt haben, dass die Kriegsbegeisterung recht bald einer großen Ernüchterung wich, ebenso wie die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung mit Lebensmitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nicht immer große Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen, führte zu Klagen. So beklagt sich der stellvertretende Vorsitzende des Wehrbundes Wasserburg in einem Schreiben,&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;dass in der letzten Zeit eine ziemliche Zahl ohne Grund und unentschuldigt den [Wehr-]Übungen fern blieb. [...] Die Leitung des Wehrbundes spricht die bestimmte Erwartung aus, daß dieser Appell an das Ehrgefühl und die Treue der Teilnehmer genügt, um die Mitglieder des Wehrbundes zu neuem Eifer anzuspornen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von Otto Laubet, Rechtsanwalt vom 23. Januar 1915, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe des Krieges wurde der Ton in dieser Hinsicht schärfer, dies dürfte ein Indiz dafür sein, dass sich die Wehrbereitschaft nicht im Interesse des Generalkommandos der Armee entwickelte. So äußert sich der kommandierende General von der Tann in einem Schreiben am 22. Februar 1917 wie folgt:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Es wurde in Erfahrung gebracht, dass in der Bevölkerung die Ansicht stark verbreitet ist, dass die militärisch vorgebildeten jungen Leute früher an die Front geschickt werden, als die Nichtgeübten. Aus diesem Grunde haben mehrere ehemalige Jungmannen bei ihrem Einrücken zur Truppe ihre frühere Zugehörigkeit zur Jugendwehr absichtlich verschwiegen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellvertretendes Generalkommando des I. Bayerischen Armeekorps) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von der Tann betont abschließend in seinem Schreiben, dass die Heeresverwaltung &#039;&#039;keinesfalls [...] die Absicht&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellvertretendes Generalkommando des I. Bayerischen Armeekorps) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; habe, die früheren Angehörigen der militärischen Jugendvereinigungen früher an die Front zu schicken.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellvertretendes Generalkommando des I. Bayerischen Armeekorps) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgung der Armee mit Soldaten stockte immer wieder, sodass sich das preußische und das Bayerische Kriegsministerium veranlasst sahen, im Frühjahr 1916 einen Aufruf an alle Gemeinden in Bayern zu verfassen, in dem es heißt:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Unsere Feinde haben eingesehen, daß sie uns nicht auszuhungern imstande sind. Auch ihre Hoffnung auf Deutschlands finanziellen Zusammenbruch verwandelte sich in Staunen über die unerschöpfliche Finanzkraft des Deutschen Volkes. [...] Es muß nur jeder kriegsverwendungsfähige Mann der Front zugeführt werden&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben des kgl. Preuß. Kriegsministeriums und des kgl. Bayer. Kriegsministeriums vom 1. März 1916 bzw. 19. Mai 1916 an sämtliche Gemeindebehörden, zitiert nach: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Spionagehysterie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz nach dem Ausbruch des Krieges internierte Großbritannien wahllos deutsche, österreichisch-ungarische und osmanische Staatsbürger, die in Großbritannien lebten, auf der Isle of Man. Die Angst, von Spionen umzingelt zu sein, war überall in Europa sehr groß. Als Reaktion setzte die deutsche Reichsleitung ihrerseits im November 1914 britische Staatsbürger und Deutsch-Briten, die teilweise seit Jahrzehnten in Deutschland gelebt hatten, in Lagern fest. Viele Briten hatten sich auch bloß auf Urlaubsreise oder geschäftlich in Deutschland aufgehalten, als der Krieg begann.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Habermehl, Stachldrahtkrankheit|Habermehl, Stachldrahtkrankheit]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Hysterie hielt an, zumal beispielsweise Meldungen über die Doppelagentin Mata Hari das ihrige taten, die entsprechenden Ängste zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kriegsverwaltung und Beschäftigungssituation==&lt;br /&gt;
[[Datei:Stellenangebote.png|thumb|right|rechts|Stellenangebote.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Stellenangebote .png|thumb|right|Stellenangebote.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bald nach Kriegsbeginn war ich neben 14 weiblichen Angestellten im Alter von 15 bis 50 Jahren der einzige Mann im Verlag&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 114.&amp;lt;/ref&amp;gt;, konstatierte der Münchner Verleger Reinhard Piper. Auch in Wasserburg verschoben sich Stellengesuche und Stellenangebote nach dem Ausbruch des Krieges deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurden vor Beginn des Krieges mehrfach Dienstmädchen, Köchinnen und Arbeitskräfte für ähnliche haushaltsnahe Dienstleistungen gesucht, so suchten nunmehr diese selbst eine Beschäftigung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits war das Stellenangebot für Handwerker und Dienstknechte groß.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Grund ist plausibel wie naheliegend: Während die Männer eingezogen wurden und deshalb die entsprechenden Stellen vakant wurden, konnten sich viele angesichts der massiven Preissteigerungen Haushaltspersonal nicht mehr leisten, sodass nunmehr Köchinnen, Dienstmädchen und ähnliche Beschäftigte eine Arbeit suchten. Aber in Wirklichkeit dürfte es wohl nicht an Arbeitskräften gemangelt haben, sondern an Arbeit. &#039;&#039;Fast alle Kommunalverwaltungen überraschte, dass trotz der Einziehung von Millionen von Männern die Arbeitslosigkeit deutlich zunahm&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 117.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bezogen auf ganz Deutschland stieg die Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent im Juli 1914 auf 22,7 Prozent im September 1914.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 215. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gleichzeitig sank das Einkommensniveau der Familien beträchtlich: Ein arbeitslos gewordener, gut ausgebildeter Arbeiter mit einem Kind musste mit durchschnittlich 30 Mark Kriegsunterstützung auskommen, vorher standen ihm ca. 128 Mark zur Verfügung.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 121.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reichswollwoche - Vaterländischer Hilfsdienst==&lt;br /&gt;
Vom 18. bis 24. Januar 1915 fand die &#039;&#039;Reichswollwoche&#039;&#039; statt. Man sammelte warme Unterkleidung für die deutschen Truppen&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Chronik 1915|Lemo, Chronik 1915]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und hoffte auf diese Weise, die Kampfbereitschaft zu erhöhen. In Wasserburg wurde die Sammlung im Rahmen der Reichswollwoche jedoch nicht durchgeführt. So kann man im Wasserburger Anzeiger vom 21. Januar 1915 lesen:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;(Wollsachen als Liebesgaben.) Nach übereinstimmenden Mitteilungen, die an das bayerische Landeskomitee vom Roten Kreuz gelangt sind, ist die Versorgung unserer im Felde stehenden Truppen mit Wollsachen auf längere Zeit ausreichend und sogar Überfluß vorhanden. Infolgedessen ist es nicht beabsichtigt, in nächster Zeit Wollsachen in größeren Mengen an die Truppen gelangen zu lassen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus diesen Gründen beteiligten sich wohl die Menschen in Oberbayern und auch in Wasserburg nicht im gleichen Umfange an der Reichswollwoche wie in anderen Landesteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr wohl wurden allerdings in Wasserburg Rohstoffe gesammelt, wie zum Beispiel Bierglasdeckel aus Zinn&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Amtsblatt des Königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 10 vom 1. März 1917, 1, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]].&amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch Schuhwaren. Der Bedarf an Rohstoffen für die Rüstungsindustrie war enorm und konnte auch durch die zahlreichen Sammlungen bei der Bevölkerung nicht gedeckt werden. So nimmt es nicht wunder, dass es immer wieder Mahnungen an die Bevölkerung gab, mehr für die einzelnen Zwecke zu spenden, da anscheinend die Spendenbereitschaft geringer war als der Bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Spendenaufruf-_Weihnachten_im_Feld_1914..jpg|Spendenaufruf - Weihnachten im Feld 1914.&lt;br /&gt;
File:Werbung für Heldenfeuerzigarre als Liebesgabe.png|Werbung für Heldenfeuerzigarre als Liebesgabe.&lt;br /&gt;
File:Liebesgaben 1914 - Bericht des Wasserburger Anzeigers über eingegangene Spenden.png|Liebesgaben 1914 - Bericht des Wasserburger Anzeigers über eingegangene Spenden.&lt;br /&gt;
File:6d.jpg|Schüler der Luitpold-Realschule sammeln Altpapier.&lt;br /&gt;
File:Aufruf zur Spende für „Liebesgaben“ und andere Unterstützungen, vermutlich in Wasserburg, Ledererzeile Ecke Schustergasse, Herbst 1915.jpg|Aufruf zur Spende für &#039;&#039;Liebesgaben&#039;&#039; Herbst 1915.&lt;br /&gt;
File:Schüler der Luitpold-Realschule sammeln Altpapier für die „Sammlung Vaterlandsdank“ in Wasserburg a. Inn, Februar - März 1915..jpg|Schüler der Luitpold-Realschule sammeln Altpapier für die &#039;&#039;Sammlung Vaterlandsdank&#039;&#039; in Wasserburg a. Inn, Februar - März 1915.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geldbedarf - Nagelung am Rathaustor==&lt;br /&gt;
In Wasserburg fehlten auch die Mittel für die Hinterbliebenen der gefallenen Soldaten. Deshalb beschloss der Magistrat der Stadt, dass im Dezember 1915 das Eingangstor des Rathauses mit einem Löwen und weiteren Verzierungen verschönert werden sollte. Das Bild sollte durch eine Vielzahl unterschiedlich großer Nägel entstehen. Bereits im Frühjahr 1915 wandte sich der Magistrat der Stadt Wasserburg an mehrere Städte in Süddeutschland und fragte an, ob dort ebenfalls an eine Benagelung an wichtigen Gebäuden geplant sei.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt ca. 4.500 Nägel wurden in der Folge in das Rathaustor genagelt, darunter 400 große Nägel, für die allein zwischen zehn und 400 Reichsmark pro Nagel gespendet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik|Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt gab es drei Größen für die Nägel, für sie wurden Spenden erhoben. Die großen Nägel kosteten mindestens fünf Reichsmark, ein mittlerer kostete 2 Reichsmark und ein kleiner war für 40 oder 20 Pfennig zu haben. Schulkinder konnten einen kleinen Nagel für zehn Pfennig erwerben. Für den 12. Dezember 1915 wurde zu einer &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; eingeladen, in der &#039;&#039;die Benagelung des Stadtlöwen für das Rathaustor als dauerndes Wahrzeichen der Kriegszeit verbunden wird&#039;&#039;. &amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Woche nach dieser &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; wurden die Schulklassen der Schulen in Wasserburg an das Tor geführt und durften ihrerseits Nägel anbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Geldbedarf - Nagelung am Rathaustor v3.jpg|Ankündigung der &#039;&#039;Vaterländischen Feier am 12. Dezember 1915&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Umgang mit Hunger und Mangel und die Errichtung einer &#039;&#039;Volksküche&#039;&#039;/Beschlagnahme von Gütern==&lt;br /&gt;
[[Datei:Volksküche.jpg|thumb|right|Wasserburger mit Kindern stehen bei der Käserei Giglinger in der Ledererzeile nach Essensprodukten an, 1917.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Glockenabnahme 1917..jpg|mini|Glockenabnahme 1917.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die kriegsbedingten wirtschaftlichen Probleme führten bereits im Winter 1914/15 zu enormen Preissteigerungen und großen Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen|Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 23. Juli 1915 erließ deshalb der Bundesrat die &#039;&#039;Bekanntmachung gegen übermäßige Preissteigerung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikimedia, Reichsgesetzblatt|Wikimedia, Reichsgesetzblatt]], 467.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber die Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung kaum zu lösen vermochte. Da Deutschland seit August 1914 unter der Tatsache litt, dass nahezu keine Nahrungsmittel mehr importiert wurden, war den Entscheidungsträgern recht bald deutlich: Man werde die deutsche Bevölkerung kaum ausreichend ernähren können. Spätestens im Januar 1916 dürfte diese Tatsache jedem bewusst gewesen sein. Die Reichsgetreidestelle organisierte zentral den Aufkauf von Brotgetreide und subventionierte auch die Endkundenpreise, die Reichskartoffelstelle übernahm die zu geringen Kartoffelimporte, der Kriegsausschuss für Öle und Fette musste die ausbleibenden Importe von Öl und Fett durch Produkte der einheimischen Landwirtschaft ersetzen. Angesichts dieser Vielzahl von staatlichen Koordinierungsstellen wurde die Versorgung der Bevölkerung jedoch schlechter und nicht besser.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 194.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen des akuten Mangels an Fleisch produzierte zum Beispiel die Stadt München &#039;&#039;Kriegswurst&#039;&#039;, das war eine Wurst, die mit Kartoffelschalen und Küchenabfällen gestreckt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da es nirgends genug von dem gab, was man brauchte, entwickelte sich ein Schwarzmarkt und die Menschen verstärkten ihre Hamsterkäufe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 197.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Stettiner Hausbesitzerin Redepenning ist die folgende Quelle überliefert, in der sie eine Mieterhöhung direkt mit den epochalen Ereignissen des Spätsommers 1914 verknüpfte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die gewaltige Wendung, die durch die Gnade des Allmächtigen Gottes unsere durch seine Macht und Kraft bewaffneten Truppen uns errungen haben, lassen uns in eine große gesegnete kommende Zeit blicken. Möchte unser Volk so viel Gnade nie vergessen, nie den alten Gott, der Staat und Volk vor allem Übel bewahrt. Ihre Wohnung kostet vom 1. Oktober ab 30 Mark mehr&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Eduard Engel, 1914. Ein Tagebuch, Braunschweig 1915, zitiert nach: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 205.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland fehlten bereits ganz offensichtlich 1914 die notwendigen Planungen für eine gesicherte Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Deutschland war das Land in Europa, das von Lebensmittelimporten abhängig war wie kein zweites. Etwa zwei Drittel der notwendigen Lebensmittel wurden vor Kriegsausbruch nach Deutschland importiert. Durch die Schließung der Grenzen war diese Einfuhr fortan nicht mehr möglich, da vor allem die Importe aus Großbritannien und Russland fehlten. Spätestens mit der Gründung des Kriegsernährungsamtes im Mai 1916 stieg der Kartoffelverbrauch in Deutschland auf das Zweieinhalbfache des Vorkriegsniveaus. Da vor allem Fleisch fehlte, wurden sogenannte &#039;&#039;Fleischersatzprodukte&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Hierbei handelte es sich häufig um Kohlrüben, auch Steckrüben genannt, aber auch Küchen- und andere Speiseabfälle, die in die Wurst eingearbeitet wurden.&amp;lt;/ref&amp;gt; in die Wurst eingearbeitet. Zu allem Überfluss war der Herbst 1916 sehr verregnet, deshalb litt die Bevölkerung auch unter der &#039;&#039;Kartoffelfäule&#039;&#039;, die die Kartoffelernte auf ca. 50 Prozent der Vorjahresernte reduzierte. So wurde die &#039;&#039;Steckrübe&#039;&#039; ein höchst wichtiges Nahrungsmittel, man fertigte Steckrübensuppe, Steckrübenauflauf, Steckrübenkoteletts, Steckrübenpudding, Steckrübenmarmelade und Steckrübenbrot. Anfang 1916 war in Deutschland eines sehr deutlich: Es würde das ganze Jahr über auf keinen Fall genügend Nahrung für die Bevölkerung geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 193.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 wird das Ausmaß der unzureichenden Ernährung der Bevölkerung offenbar: Am 30. Oktober 1916 erreichte den Wasserburger Magistrat eine Anfrage aus München, ob hier eine &#039;&#039;Volksküche&#039;&#039; geplant sei. Tatsächlich wurde bei der Heeresleitung der Bedarf erkannt, die Ernährung der Bevölkerung als staatliche Aufgabe zu begreifen. Und so wurden die existierenden Gasthäuser nicht selten in &#039;&#039;Speisehäuser&#039;&#039; umgewandelt, damit möglichst viele Menschen zumindest halbwegs ernährt werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Dokumente zur Errichtung einer Volksküche, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II59|StadtA Wasserburg a. Inn, II59]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lisa Marie Tanner hat in ihrer Seminararbeit die Ernährungssituation in Wasserburg während des Ersten Weltkrieges recht treffend beschrieben. Zu Beginn des Krieges sei die Versorgung der Menschen in der Stadt Wasserburg mit Getreide, Kartoffeln und Zucker noch gut gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als sich dann aber die Wintermonate genähert hätten, habe sich der Andrang auf Lebensmittel erhöht. Zudem seien die Lebensmittelpreise stetig gestiegen. Oftmals hätten sich die Menschen in Wasserburg zwar gerade noch die Lebensmittel zu den erhöhten Preisen leisten können, nicht aber mehr jene für Miete und Strom.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1915 sind dann Lebensmittelkarten eingeführt worden. Dadurch waren die Bewohner Wasserburgs berechtigt, Waren in bestimmten Läden oder eine Portion Essen in Gaststätten zu erwerben. Man zahlte 30 Pfennig und bekam dafür eine Lebensmittelkarte, mit der man sich beispielsweise entweder drei Liter Milch oder eine Portion Essen oder Fleisch oder Wurst oder Kolonialwaren oder Brot beschaffen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Tanner schließt daraus, dass die Lebensmittelkarten einen Ersatz für Geld darstellten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kriegsmangelwirtschaft hatte in Wasserburg nicht nur die direkte Auswirkung einer eingeschränkten Versorgungslage. Auch wurde der Stadt und der Bürgerschaft durch die Beschlagnahme von Gütern für die Rüstungsindustrie einiges abverlangt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu eine der vielen Beschlagnahmeakten des Stadtarchivs: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II61|StadtA Wasserburg a. Inn, II61]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beschlagnahmung und Abnahme der Kirchenglocke vom Frauenkirchturm (am 25. Juni 1917) ist hier als herausragendes Beispiel zu nennen und ist im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung noch weit über das Kriegsende hinaus in Erinnerung geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Giftgas==&lt;br /&gt;
Einsatz von Kampfmitteln, die die Atemwege der Soldaten beeinträchtigten, sind schon seit der Antike bekannt. Bereits im Peloponnesischen Krieg (431 bis 404 vor Christus) sollen die Spartaner Brandkörper gegen die Athener eingesetzt haben, um auf diese Weise die Luft mit Schwefeldioxid zu vergiften. Moderne chemische Kriegführung kennen wir seit 1914. Es waren die französischen Streitkräfte, die bereits im August 1914 C-Waffen gegen die deutschen Truppen einsetzten. Allerdings handelte es sich zunächst &#039;&#039;nur&#039;&#039; um das Tränengas Xylylbromid. Für den ersten Einsatz tödlicher Giftgase waren dann allerdings die deutschen Truppen verantwortlich: Am 22. April 1915 griff das XV. Armeekorps unter General Berthold von Deimling zwischen Langemarck und Ypern mit Chlorgas an. Es war Kriegsminister Erich von Falkenhayn, der den Einsatz von Reizstoffen an der Front genehmigte. Da Chlor schwerer ist als Luft, sank es in die französischen Schützengräben. Dieser erste Angriff forderte schätzungsweise 1.200 Tote und 3.000 Verwundete. Damit die Soldaten wussten, was in den einzelnen Gasbehältern enthalten war, erhielten diese farbige Markierungen: Grüne Kreuze standen für Lungenkampfstoffe, blaue Kreuze für Blutkampfstoffe, gelbe für Hautkampfstoffe. Bei einem Chemieangriff mit verschiedenen Kampfstoffen sprachen die Soldaten deshalb lapidar-zynisch vom &#039;&#039;Buntschießen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe|Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verdeutschung ausländischer Begriffe==&lt;br /&gt;
[[Datei:Flaggengala.png|thumb|right|Vermeidung entbehrlicher Fremdwörter.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum war der Erste Weltkrieg ausgebrochen, hielt die patriotische Begeisterung Einzug in fast alle Lebensbereiche. Ebenso wie in Frankreich und Großbritannien, wo deutsche Begriffe getilgt wurden&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur an das Adelsgeschlecht Battenberg, das fürderhin nur noch &#039;&#039;Mountbatten&#039;&#039; genannt werden wollte und auch genannt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt;, versuchten die Deutschen, &#039;&#039;entbehrliche Fremdwörter&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; So eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1915, zitiert nach: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter|Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter]].&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem deutschen Sprachgebrauch zu tilgen. Betroffen waren vor allem französischsprachige Redewendungen wie zum Beispiel &#039;&#039;Adieu&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Dafür sollte man jetzt &#039;&#039;Auf Wiedersehen&#039;&#039; sagen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mann und Frau sollten sich nicht mehr zu einem &#039;&#039;Rendez-Vous&#039;&#039; treffen, sondern sich zu einer &#039;&#039;Verabredung&#039;&#039; zusammenfinden. Ähnlich war es mit Begriffen wie zum Beispiel &#039;&#039;Etage&#039;&#039; (Stockwerk) oder &#039;&#039;vis-à-vis&#039;&#039; (von Angesicht zu Angesicht). In den großen Städten wurden auch Eigennamen eingedeutscht wie zum Beispiel &#039;&#039;Café Windsor&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffee Winzer&#039;&#039;, das &#039;&#039;Piccadilly Café&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffeehaus Vaterland&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter.jpg|200px|thumb|right|Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der bis heute in Österreich gängige Begriff &#039;&#039;Kaffeehaus&#039;&#039; hat in dieser &#039;&#039;Verdeutschungskampagne&#039;&#039; seinen Ursprung. Aus &#039;&#039;Boutiquen&#039;&#039; wurden &#039;&#039;Modegeschäfte&#039;&#039; und selbst der Begriff &#039;&#039;chic&#039;&#039; wurde durch &#039;&#039;flott&#039;&#039; ersetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Schließlich wurden auch Markennamen eingedeutscht: Vor allem die vor dem Weltkrieg ausgesprochen kosmopolitisch klingenden Zigarettennamen ersetzten die Hersteller wie Manoli oder Garbáty nach Kriegsbeginn sehr schnell durch deutsche Namen. Aus &#039;&#039;Duke of Edinborough&#039;&#039; wurde &#039;&#039;Flaggengala&#039;&#039;, aus &#039;&#039;Gibson Girl&#039;&#039; wurde &#039;&#039;Wimpel&#039;&#039;, aus &#039;&#039;Duke of York&#039;&#039; wurde &#039;&#039;Graf Yorck von Wartenburg&#039;&#039;. Anfangs überklebten die Hersteller die Zigarettendosen mit der neuen Bezeichnung. Diese Überklebung wurde dann nicht selten auf die Zigarettendosen aufgedruckt, ohne das ursprüngliche Design zu verändern, um die Bindung der Konsumenten an die Marke nicht durch ein neues Design zu stören. So blieb der Eindruck eines nur vorübergehenden Zustands erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Wasserburg ist dieser Trend umgesetzt worden, man kann ihn heute aber im Quellenstudium eigentlich nur daran erkennen, dass auf französisch- und englischsprachige Begriffe signifikant verzichtet wurde, während in den Vorkriegsjahren vor allem die französischsprachigen Begriffe doch weitaus geläufiger waren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So ist vor Beginn des Krieges von &#039;&#039;Couplet&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914]].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Rede, von &#039;&#039;Bonbonnière&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder &#039;&#039;Equipage&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Beginn des Krieges las man dagegen vermehrt von &#039;&#039;Strophe&#039;&#039;, &#039;&#039;Pralinen&#039;&#039; (was nun auch nicht sehr deutsch ist) oder &#039;&#039;Ausrüstung&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Sehr ausführlich bei: Oskar Kresse, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter, zitiert nach:[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918|Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918]], 103f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schweinemord 1915==&lt;br /&gt;
Bei Kriegsausbruch gab es in Deutschland an die 25 Millionen Schweine, die größtenteils mit Gerste gefüttert wurden, die aus Russland importiert wurde. Durch den Handelsboykott, der mit Kriegsbeginn in Kraft trat, unterblieb der Import von Getreide vollkommen. Das führte dazu, dass die Schweine nicht mehr ausreichend gefüttert werden konnten. Am 26. Januar 1915 konnte man in der Zeitung lesen, dass zu sparsamem Nahrungsmittelverbrauch aufgerufen wurde und dass der Höchstpreis für Roggen- oder Weizenkleie den Betrag von 13 Mark pro Doppelzentner nicht übersteigen dürfe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch mussten viele Schweine geschlachtet werden. Etwa ein Drittel des Bestandes wurde 1915 getötet, weil das Futter nicht mehr ausreichte. Die Folge war ein Preisverfall für Schweinefleisch bei gleichzeitiger Preissteigerung für andere Lebensmittel. Im Wasserburger Anzeiger wurde mehrfach inseriert, dass Futterschweine &#039;&#039;billigst abzugeben&#039;&#039; und &#039;&#039;Futterferkel zu verkaufen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. aus der Fülle der Beispiele [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915]], 4./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; seien. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1915 gab es einen regelrechten Preisverfall bei Schweinefleisch. Im ersten Quartal 1915 wurden an die fünf Millionen Schweine geschlachtet. Allerdings stiegen die Preise in der zweiten Jahreshälfte 1915 wieder an, weil es nunmehr an Schlachtvieh gemangelt haben dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kriegsgefangene==&lt;br /&gt;
Insgesamt acht Millionen Soldaten gerieten während des Ersten Weltkrieges in Kriegsgefangenschaft, mehr als 800.000 davon waren Deutsche. Von den 13 Millionen deutschen Kriegsteilnehmern sind also knapp zehn Prozent in Gefangenschaft geraten. Die Wasserburger Kriegsgefangenen wurden, ebenso wie viele andere deutsche Kriegsgefangene, erst nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28. Juni 1919 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, was in vielen Gemeinden bemerkenswerte Versorgungsprobleme nach sich zog.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenen-Heimkehrfeier 1919&#039;&#039; veranstaltet, im Juli 1919 wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenenheimkehrstelle&#039;&#039; eingerichtet&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und der Bayerische Staatsanzeiger berichtete am 1. August 1919, dass Kriegsheimkehrer eine &#039;&#039;Sonderzuweisung Ernährung&#039;&#039; erhalten sollen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bayerischer Staatsanzeiger Nr. 188 vom 1. August 1919, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Stadt Wasserburg erstellte ein Verzeichnis von Familien, die bereit seien, entlassene Kriegsgefangene für eine gewisse Zeit bei sich aufzunehmen. Es existiert eine Liste, auf der sich allerdings nur eine einzige Familie zu einer solchen Aufnahme bereit erklärt hatte. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Russen ziehen am Hochgarten in Wasserburg vorüber.jpg|Russen ziehen am Hochgarten in Wasserburg vorüber.&lt;br /&gt;
File:Gefangene Franzosen als Arbeiter in der Brauerei Stechl im Sommer 1915.jpg|Gefangene Franzosen als Arbeiter in der Brauerei Stechl im Sommer 1915.&lt;br /&gt;
File:Franzosen in Eiselfing 1915.jpg|Franzosen in Eiselfing 1915.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Opfer des Krieges==&lt;br /&gt;
In Wasserburg hat es gegen Kriegsende eine Auflistung der Gefallenen des Krieges gegeben. In der Liste sind 124 gefallene Wasserburger verzeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II184|StadtA Wasserburg a. Inn, II184]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Männer waren alle mindestens 18 Jahre alt und dürften kaum älter als 40 Jahre gewesen sein. Das Wählerverzeichnis für die Stadtmagistratswahl, zu der auch nur erwachsene Männer zugelassen waren, verzeichnet in den Jahren 1896 bis 1914 insgesamt zwischen 232 und 314 Personen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II6729|StadtA Wasserburg a. Inn, II6729]], Teil 1: 1896 waren 237 Wahlberechtigte verzeichnet, 1899 314 Wahlberechtigte, 1902 289, 1905 259, 1908 273, 1911 262 und 1914 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Nimmt man als Ausgangszahl das Wählerverzeichnis von 1914, dann dürften im Krieg folglich mehr als 50 Prozent der wehrfähigen Männer Wasserburgs gefallen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die &#039;&#039;Spanische Grippe&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Über die &#039;&#039;neuartige spanische Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird in den Quellen, die in Wasserburg zugänglich sind, eigentlich zunächst gar nichts berichtet. &#039;&#039;Die Zeitungen hielten sich daran, keine Meldungen zu bringen, welche die deutsche Öffentlichkeit im vierten Kriegsjahr irgendwie hätten beunruhigen können&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und das, obwohl die Epidemie wohl mehr Todesopfer gefordert haben dürfte als der Krieg selbst. &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Das Grippevirus H1N1, das zum Auslöser der Pandemie wurde, ist vermutlich im Januar oder Februar 1918 im Mittleren Westen der USA von Geflügel oder Schweinen auf den Menschen übergesprungen. Es fand vor allem in den überfüllten Ausbildungslagern des sich in Aufstellung beﬁndlichen US-Expeditionskorps für Europa reichlich Gelegenheit zur Verbreitung. Die ersten Massenerkrankungen sind Anfang März 1918 im Camp Funston in Kansas verbürgt. Mitte April 1918 erreichte die Inﬂuenza mit den US-Truppentransporten dann Frankreich, wo man die ersten Fälle in Bordeaux registrierte. Die Frühjahrspandemie führte in allen betroffenen Ländern zwar zu vielen Erkrankungen, die aber zumeist harmlos verliefen. Allerdings kamen auch schon im Frühjahr gelegentlich äußerst heftige Grippefälle vor, die insbesondere bei Menschen im eigentlich widerstandsfähigsten Alter zu einem schnellen Tode führten. Bei den Obduktionen der Opfer ﬁelen den Ärzten bereits jetzt vereinzelt die dann in der Herbstwelle oft anzutreffenden völlig zerstörten, mit Blut und Flüssigkeit durchtränkten Lungenﬂügel auf&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 5f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So darf also vermutet werden, dass diese &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039;, wie sie in der Kirmayer-Chronik und dem Wasserburger Anzeiger bezeichnet wurde, auch die Wasserburger Bevölkerung erheblich befallen haben dürfte. Erstmalig wird dies im Sommer 1918 deutlich: &lt;br /&gt;
Wenn man Eckard Michels Glauben schenken mag, haben einzelne Zeitungen darüber berichtet, wie zum Beispiel die Magdeburger Zeitung am 29. Mai 1918 erstmalig.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Wasserburger Anzeiger thematisiert die Krankheit zum ersten Male im Juli 1918.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918]], 2: &#039;&#039;(Die &#039;spanische Krankheit&#039;) scheint überall ihren Einzug zu halten. Die &#039;&#039;Grippe&#039;&#039; (eine ungefährliche influenzartige Erkrankung soll stärker auftreten in München, Landshut, Regensburg, Passau. Auch Wasserburger sollen schon &#039;&#039;spanisch&#039;&#039; erkrankt sein&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenige Tage später berichtet die Zeitung, dass die Jahresabschlussfeier der Luitpold-Realschule wegen der &#039;&#039;Spanischen Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;(Ohne Jahresabschlußfeier) schlossen sich heuer die Pforten unserer Luitpoldrealschule. Die &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039; hat die Schülerzahl durch frühe Beurlaubungen so herabgesetzt, daß von einer solchen Feier leider Umgang genommen werden musste.&#039;&#039;, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgesagt werden musste. Der Ton der Meldung legt ein begrenztes Verständnis für diese Maßnahme nahe, was vermuten lässt, dass man die Folgen der &#039;&#039;Spanischen Grippe&#039;&#039; wohl nicht so richtig überblickt haben dürfte. Im November 1918 wartet der Wasserburger Anzeiger dann mit der Nachricht auf, dass man sich gegen die Grippe impfen lassen könne.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch hält die Infektionswelle an und fordert auch nach Kriegsende noch Todesopfer.&amp;lt;ref&amp;gt;So meldet der Wasserburger Anzeiger am 16. Januar 1919 insgesamt 26 Todesopfer binnen einer Woche, die an den Folgen der Grippe verstorben sind, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parlamentarisierung und Kriegsende==&lt;br /&gt;
Das Jahr&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;1917 war das Jahr der Meutereien und Streiks, der Kriegsmüdigkeit und der kollektiven Erschöpfung, der Polarisierung der Kriegsgesellschaften und der Neuausrichtung der Innenpolitik gewesen - bis hin zur radikalen Utopie als Ergebnis einer gewaltsamen Revolution und des Übergangs vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg in Russland. Aber in den kriegführenden Gesellschaften setzte sich diese Entwicklung nicht fort. Vielmehr konnte man eine steigende Bereitschaft beobachten, den Krieg fortzusetzen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 806.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese These Jörn Leonhards wird durch die Ereignisse, wie sie sich auch im Wasserburger Anzeiger dokumentieren, bestätigt: So berichtet der Wasserburger Anzeiger von einem Telegramm, das der &#039;&#039;Freie Ausschuss für einen Deutschen Arbeiterfrieden&#039;&#039;, der 300.000 Mitglieder habe, an den Deutschen Reichskanzler Graf Hertling geschickt habe und in dem stehe, dass man entrüstet sei über die deutschen Bedingungen für einen Frieden mit dem sowjetisch regierten Russland, denn in den Bedingungen liege der vollkommene Verzicht &#039;&#039;auf den deutschen Sieg&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tatsächlich mehrten sich die Stimmen, die erneute Offensiven nach dem Erschöpfungsjahr 1917 forderten. Das Deutsche Reich konnte sich in den Verhandlungen mit Sowjetrussland in dem am 3. März 1918 geschlossenen Friedensvertrag von Brest-Litowsk in vielen Punkten durchsetzen, weshalb man später in der Sowjetunion und auch in der DDR vom &#039;&#039;Raubfrieden von Brest-Litowsk&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Herbst, Novemberrevolution in Deutschland|Herbst, Novemberrevolution in Deutschland]], 15 sowie Kurzfassung unter gleichnamigen Titel in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Band 12, Berlin (Ost), 1964, 831.&amp;lt;/ref&amp;gt; sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Januar 1918 lud die sowjetrussische Regierung die anderen Ententemächte ein, einen umfassenden Frieden mit Deutschland, Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich ins Auge zu fassen und an den Friedensgesprächen in Brest-Litowsk teilzunehmen. Der Wasserburger Anzeiger berichtet hierzu, dass die Ententemächte diese Einladung abgelehnt hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], dort heißt es: &#039;&#039;Die Einladung der russischen Regierung an die Entente zur Teilnahme an den Friedensvorbesprechungen in Brest-Litowsk ist ein höhnisches Nein gefolgt und Amerika glaubt noch seinen Extrasenf dreingeben zu müssen, um seinen Bundesgenossen den Rücken zu stärken.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings weist die Zeitung darauf hin, dass man im Vereinigten Königreich die Bedingungen für einen Frieden, wie sie von Österreich-Ungarn und Deutschland formuliert worden seien, durchaus als ernst zu nehmend betrachte. Der Wasserburger Anzeiger ergänzt hierzu: &#039;&#039;Das wäre […] die erste Stimme der Vernunft, die man von Seiten der Alliierten zu hören bekäme&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Januar 1918 wartete schließlich US-Präsident Woodrow Wilson mit seinen 14 Punkten für einen Friedensschluss auf. Die von ihm formulierten Voraussetzungen für einen Friedensschluss wurden interessanterweise nicht nur von den Mittelmächten abgelehnt&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 808.&amp;lt;/ref&amp;gt;, sondern auch von den Verbündeten in der Entente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beginn des letzten Kriegsjahres 1918 war in Deutschland geprägt von der Hoffnung auf eine Kriegswende, begleitet von der großen Furcht, dass es diese Kriegswende doch nicht geben würde. Und trotz des Friedens von Brest-Litowsk trat im Laufe des Frühsommers erneut jene Erschöpfung bei den deutschen Soldaten ein, die die Jahre 1916 und 1917 geprägt hatten. Hinzu kam, dass die Prognosen für die Gewinnung neuer Soldaten eher bescheiden ausfielen. Nur 100.000 neue Soldaten des Jahrgangs 1900 würden deutschlandweit eingezogen werden können. Diese Tatsache und der Umstand, dass keine der Kriegsparteien nennenswerte Erfolge erzielen konnte, ließ überall in Europa die Kriegsmüdigkeit anwachsen. Dies wurde auch durch die Tatsache verstärkt, dass der Luftkrieg wichtiger wurde. Das neue Phänomen des Luftkrieges trug nämlich den Krieg in die Heimat. Zunächst kam es zu einem systematischen Bombardement alliierter Städte. Die Alliierten beantworteten dies mit Luftschlägen aus großer Höhe, bei denen es gar nicht darauf ankam, gezielte Objekte zu treffen, sondern vielmehr die Moral bei den Deutschen zu zerstören, indem man auch zivile Ziele unter Beschuss nahm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 810.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von all dem ist in den in Wasserburg zugänglichen Quellen wenig zu lesen. Natürlich liest man von Gefallenen, man erfährt auch von Kriegsgefangenen, aber der Krieg selbst drang nie nach Wasserburg vor, wohl aber dessen Begleiterscheinungen wie Nahrungsmangel, Spendenaufrufe und dergleichen. Noch im November 1918, unmittelbar vor dem Waffenstillstand, gibt es Aufrufe in der Zeitung, die neue Kriegsanleihe zu zeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918]], 3-4 und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte September 1918 unterbreitet die österreichisch-ungarische Monarchie den Vorschlag einer Friedenskonferenz&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber von den Entente-Mächten abgelehnt wird. Angesichts der immer zahlreicher werdenden Streiks und Aufstände gegen den Krieg informierte am Abend des 3. Oktober 1918 Reichskanzler Prinz Max von Baden den amerikanischen Präsidenten. Die Reichsregierung ersuchte die US-Regierung um &#039;&#039;die Herstellung des Friedens&#039;&#039; auf der Basis von Wilsons 14 Punkten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Prinz Max von Baden stand der ersten parlamentarischen Reichsregierung vor und war seit 30. September 1918 im Amt. Mit dieser Initiative wurde im Grunde das Ende des Krieges endgültig eingeläutet. US-Präsident Wilson ließ seinen Außenminister darauf mit der Frage antworten, was denn &#039;&#039;der genaue Sinn der Note des Reichskanzlers&#039;&#039; sei?&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes|Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Da die amerikanische Seite zu keinem Frieden bereit war, solange deutsche Soldaten auf fremdem Territorium stünden, legte Prinz Max von Baden am 21.10.1918 nach: Man verband die formale Bitte mit dem Angebot, die besetzten Gebiete zu räumen und den U-Boot-Krieg einzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch führende Militärs der Obersten Heeresleitung machten Druck auf die Reichsregierung, einen schnellen Waffenstillstand herbeizuführen. Hindenburg teilte der Regierung bei seinem Antrittsbesuch in Berlin am 7. Oktober 1918 mit: &#039;&#039;Die Lage kann für uns nicht mehr besser werden, daher ist jede Verzögerung des Friedensschlusses, militärisch gesprochen, zu unserem Nachteil&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von alledem war in Wasserburg selbst nur wenig zu erfahren. Zu lange und höchst intensiv wurde der Glaube an den &#039;&#039;Siegfrieden&#039;&#039;, wie ihn die dritte Oberste Heeresleitung (OHL) immer wieder postulierte, gepflegt. Doch jetzt, im Oktober 1918, nachdem Wilhelm II. Prinz Max zum Reichskanzler ernannt hatte und der den Rückhalt der Parlamentsmehrheit genoss, schwenkte auch General Ludendorff um und wünschte einen Friedensvertrag auch auf der Basis von Wilsons 14 Punkten. Ein solcher &#039;&#039;maßvoller&#039;&#039; Frieden würde weder Sieger noch Besiegte kennen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19|Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19]], 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang auf ein System, in dem eine parlamentarische Kontrolle vorgesehen war, wurde zwar im Reich und in Bayern vollzogen, und auch auf kommunaler Ebene lesen wir von einem Soldaten- und Arbeiterrat, der sich im November 1918 gegründet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2: &#039;&#039;Auch hier hat sich ein Soldaten- und Arbeiterrat gebildet&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Leider versagt weiteres Quellenstudium am Fehlen der diesbezüglichen Quellen&amp;lt;ref&amp;gt; Die diesbezüglichen Akten könnten eigentlich im Staatsarchiv München eingesehen werden, doch im Findbuch zu Wasserburg während des Ersten Weltkrieges sind die hier genannten Dokumente leider nicht vorhanden.&amp;lt;/ref&amp;gt;: So lesen wir von einer Veranstaltung im Danningerbräu, die einen &#039;&#039;äußerst starken Besuch&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehabt habe, &#039;&#039;darunter nicht wenige Frauen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der neue Landrat des Bezirks Wasserburg, Birnkammer, hielt einen zweistündigen Vortrag, in dem er &#039;&#039;das Interesse seiner Hörerschaft fesselte und diese oft zu lebhaftem Beifall hinriß&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ging anscheinend dem wohl sozialdemokratischen Landrat darum zu zeigen, dass die Sozialdemokratie während der gesamten Kriegsdauer stets ermahnt habe, einen Verständigungsfrieden mit den Entente-Mächten anzustreben, den die militärische Führung in Deutschland stets unterlaufen und boykottiert habe. Landrat Birnkammer dürfte wohl dann auch die Besucher aufgefordert haben, der sozialdemokratischen Partei beizutreten und es zu unterlassen, in der Stadt &#039;&#039;nachts feige reaktionäre Plakate anzuschlagen, die zudem keinen Wert hätten, da drei Viertel der Bevölkerung für die neue Ordnung seien&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den am 12. Januar 1919 durchgeführten Landtagswahlen, bei denen auch erstmals Frauen das aktive und passive Wahlrecht erhalten hatten, ergab sich dann allerdings keine Mehrheit für die Sozialdemokraten&amp;lt;ref&amp;gt;So erhielt die MSPD 17,6 Prozent der Stimmen und die USPD 0,1 Prozent, während die Bayerische Volkspartei auf 33,3 Prozent der Stimmen kam und der Bauernbund auf 44,2 Prozent, zitiert nach: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Wasserburg. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<title>Erster Weltkrieg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel soll einen Überblick über die Zeit des Ersten Weltkrieges mit seinen Auswirkungen auf die Stadt Wasserburg geben.&lt;br /&gt;
Lokale Quellen wurden für diese Arbeit in Auswahl herangezogen. Die Fülle der Überlieferung ließe weitere Auswertungen oder genauere Einzelbetrachtungen durchaus sinnvoll erscheinen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Lage in Europa 1914==&lt;br /&gt;
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg dürfte Europa wohl auf dem Höhepunkt seiner globalen Dominanz gestanden haben. Durch die industrielle Revolution und die Bevölkerungsexplosion war es den Staaten in Europa zusammen mit den ebenfalls seit Ende des 19. Jahrhunderts imperial agierenden Mächten Japan und USA gelungen, eine globale politische Herrschaft zu etablieren. Der Erwerb von Kolonien in Afrika und Asien dokumentierte diese Dominanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Die Lage in Europa 1914.png|mini|thumb|right|Die Bündnisgeographie in der Regierungszeit Otto von Bismarcks, das &#039;&#039;Spiel mit den fünf Bällen&#039;&#039;.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sprach man lange von einer Pentarchie, weil es hier fünf Großmächte gab, die, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung, die Welt zu beherrschen suchten. Es handelte sich um das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland, die französische Republik, das zaristische Russland, das deutsche Kaiserreich und das Kaiserreich Österreich-Ungarn. Die USA, China und Japan wurden in dieser Sichtweise noch nicht als imperialistische Großmächte im engeren Sinne angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bündnisse in Europa 1914.png|mini|thumb|right|Bündnisse in Europa 1914.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Politik des deutschen Kaiserreichs unter Bismarck, jenes &#039;&#039;Spiel mit den fünf Bällen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Bezeichnung hatte sich im Deutschen Kaiserreich für Bismarcks Europapolitik eingebürgert und bezeichnete das Bemühen, die fünf Großmächte in Europa in einem Gleichgewicht zu halten, damit ein brüchiger Friede gewahrt werden konnte. Bismarck hatte immer wieder betont, dass sich Deutschland in einer &#039;&#039;Mittellage&#039;&#039; befinde und es daher ein ureigenes deutsches Interesse sei, dieses Gleichgewicht zu erhalten.&amp;lt;/ref&amp;gt;, war in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts im Grunde erfolgreich, da das kaiserliche Deutschland keine Kolonialpolitik betreiben wollte. Bismarcks Credo, Deutschland sei saturiert&amp;lt;ref&amp;gt;Bei der Reichsgründung 1871 soll Bismarck dies verkündet haben, um die anderen europäischen Mächte dahingehend zu beruhigen, dass Deutschland keinen Kolonialbesitz anstrebe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, hatte also zumindest in dieser Hinsicht eine gewisse friedenssichernde Qualität. Mit dem Tode Kaiser Wilhelm I. 1888, der kurz darauf erfolgten Inthronisierung von Kaiser Wilhelm II. und dem Rücktritt des Reichskanzlers Otto von Bismarck 1890 änderte sich die deutsche Außenpolitik aber grundlegend. Das Deutsche Reich war nunmehr an Kolonien interessiert, Wilhelm II. wollte &#039;&#039;Weltgeltung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Aussenpolitik|Lemo, Aussenpolitik]].&amp;lt;/ref&amp;gt; für Deutschland und suchte zum Beispiel die britische Überlegenheit auf dem Gebiet der Marine durch rüstungsintensive Investitionen abzubauen und geriet in eine Situation, die dazu führte, dass Russland, Frankreich und das Vereinigte Königreich mit der &#039;&#039;Entente Cordiale&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Entente|Lemo, Entente]].&amp;lt;/ref&amp;gt; ein Bündnis begründeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren vor 1914 rüsteten alle europäischen Großmächte intensiv auf, Deutschland hatte ab 1912 hierbei einen gewissen Vorsprung, den Russland bis 1916/17 abzubauen gedachte, weshalb sich unter den deutschen Militärs die Auffassung durchsetzen konnte, dass ein Krieg 1913/14 wohl sinnvoller und Erfolg versprechender sei als zwei oder drei Jahre später. Deutschland befand sich in einem Bündnis mit Österreich-Ungarn und in gewisser Weise auch mit Italien und dem Osmanischen Reich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr unsicher war die Situation auf dem Balkan. Österreich-Ungarn hatte 1908 Bosnien-Herzegowina annektiert; darüber hinaus hatte die Donaumonarchie Teile Galiziens okkupiert. &lt;br /&gt;
Die in Russland weit verbreitete Ideologie des Panslawismus&amp;lt;ref&amp;gt;Insbesondere sollten die osteuropäischen Gebiete, in denen &#039;&#039;slawische&#039;&#039; Sprachen vorherrschten, russisch kontrolliert sein. Damit entsprach der &#039;&#039;Panslawismus&#039;&#039; auch dem Bemühen Russlands um einen &#039;&#039;Cordon sanitaire&#039;&#039;, mit dem die Sowjetunion sich gegen die westlichen Mächte zu schützen suchte.&amp;lt;/ref&amp;gt; zielte aber auf eine Kontrolle all dieser Gebiete durch Russland. Dadurch entstanden Konflikte, die eigentlich kaum friedlich gelöst werden konnten. Konflikte und Krisen im Südosten Europas, wo das christliche Europa an das islamische Osmanische Reich grenzte&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Clark, Schlafwandler|Clark, Schlafwandler, 8.]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, waren an sich nichts Neues für die Herrschenden in der Welt. Seit 1911 aber verschärfte sich die Situation: Italien begann im September 1911 einen Eroberungskrieg im heutigen Libyen. Da dieser Angriff mehrere Überfälle auf osmanische Gebiete auf dem Balkan provozierte, geriet auch das geopolitische Gleichgewicht in eine klare Schieflage. Die Balkankriege&amp;lt;ref&amp;gt;Montenegro erklärte dem Osmanischen Reich am 25. September 1912 und am 16. Oktober 1912 das Osmanische Reich Bulgarien den Krieg. Am Tag darauf erklärten Serbien, Bulgarien und Griechenland gemeinsam dem Osmanischen Reich den Krieg. Die folgenden militärischen Niederlagen des Osmanischen Reiches, das durch den 1912 verlorenen Italienisch-Türkischen Krieg und verschiedene Aufstände in den Balkanprovinzen schon vorher geschwächt war, machten deutlich, dass es seine europäische Herrschaft so nicht mehr länger würde aufrechterhalten können.&amp;lt;/ref&amp;gt; sorgten nunmehr dafür, dass sich das Osmanische Reich, abgesehen von einem kleinen thrakischen Zipfel, in Europa nicht mehr länger halten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bekanntmachung über den Kriegszustand.png|200px|thumb|right|Bekanntmachung über den Kriegszustand.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann man erkennen, dass die Großmächte um die Vorherrschaft in Europa und der Welt kämpften und hier spielte das Mittelmeer eine bedeutsame Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur daran, dass Russland seit jeher einen eisfreien Hafen wünschte, der aber in der Ostsee kaum realisiert werden konnte, da der nördlichste eisfreie Hafen Königsberg in Ostpreußen war, das auf dem Territorium des Deutschen Reiches lag. Von den russischen Häfen im Schwarzen Meer (Rostow am Don, Sewastopol, Mariupol, Odessa) konnte man das Mittelmeer nur erreichen, wenn man die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen passieren konnte. Beide Meerengen wurden aber vom Osmanischen Reich kontrolliert. Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn war sehr daran interessiert, seine Häfen in der Adria, also vor allem Fiume (Rijeka) und Pola (Pula) in Istrien zu bewahren. Das Vereinigte Königreich war seinerseits brennend daran interessiert, den Suez-Kanal und die Meerenge von Gibraltar dauerhaft unter britischer Kontrolle zu halten.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Zentrum der europäischen Konflikte stand natürlich der Balkan, von dem große Teile bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts vom Osmanischen Reich kontrolliert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Russland, das auch mit seiner Ideologie des Panslawismus die Kriegsbereitschaft anheizte. Es darf allerdings festgestellt werden, dass wohl eine gewisse Kriegsbereitschaft in vielen europäischen Staaten vorherrschte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Attentat auf den österreichisch-ungarischen Kronprinzen Franz Ferdinand und seine Gattin in Sarajevo am 28. Juni 1914 war die Kriegsbegeisterung bei allen Großmächten ganz offensichtlich stärker als die Friedenssehnsucht. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Akten, die über den Besuch des französischen Präsidenten Poincaré im Juli 1914 in St. Petersburg Auskunft geben könnten, sowohl auf französischer als auch auf russischer Seite verschwunden sind. Man ist also gezwungen, die Ereignisse im Juli 1914 im Großen und Ganzen zu erschließen, da wichtige Quellen anscheinend vernichtet wurden oder jedenfalls nicht zugänglich sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hier ausführlich: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#McMeekin, Russlands Weg in den Krieg|McMeekin, Russlands Weg in den Krieg]], 75 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zur Situation in Wasserburg 1914==&lt;br /&gt;
Auch in Wasserburg dürfte die Kriegsbegeisterung im Sommer 1914 groß gewesen sein. Und es darf die These gewagt werden, dass auch hier die militärische Option gegenüber der politischen die Oberhand behielt. Allerdings wurden die Ereignisse ab dem 23. Juli 1914, dem Tag, an dem der französische Staatspräsident Poincaré St. Petersburg verließ und die Österreichisch-Ungarische Regierung der Serbischen ihr Ultimatum vorlegte, weder in der Ausgabe des Wasserburger Anzeigers vom 25. Juli 1914 noch in der vom 28. Juli 1914 erwähnt. Dies geschah erst am 30. Juli 1914. Viele andere Zeitungen berichteten hingegen bereits ab 24. Juli 1914 über diese Note, deren Ton als harsch und undiplomatisch interpretiert wurde&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 28.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Zeitungsausschnitt vom 6. August 1914- Aufruf des Roten Kreuzes.png|200px|thumb|right|Zeitungsausschnitt vom 6. August 1914: Aufruf des Roten Kreuzes.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wasserburger Anzeiger vom 30. Juli 1914 wird die Kriegsbegeisterung deutlich ausgesprochen: Ein Wasserburger, er wird namentlich &#039;&#039;Hr. Ing. Huber&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Dies war: Fritz Huber (* 8. März 1881 in Wasserburg; † 14. April 1942 in Mannheim), ein deutscher Konstrukteur. Er gilt als Erfinder des (Lanz-)Bulldogs. &amp;lt;/ref&amp;gt;genannt, er weilte im Juli 1914 in Wien, schrieb an seine Angehörigen und erwähnte hier, dass man es eine &#039;&#039;Erlösung gefunden&#039;&#039; habe, &#039;&#039;daß es einmal losgeht. Vor russischem Eingriff hat man keine Angst.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und später schreibt er dann noch: &#039;&#039;Der Krieg ist sehr populär!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Huber, der seinen Artikel &#039;&#039;Stimmungsbild&#039;&#039; nennt, schreibt allerdings aus Wien. Die Einschätzung, die er liefert, dürfte aber ähnlich zu derjenigen der Wasserburger Bevölkerung gewesen sein. &#039;&#039;Man faßt im übrigen die Sache sehr gelassen auf und läßt sich nicht aus der Gemütlichkeit bringen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Mit Gott für Kaiser und Reich, König und Vaterland.png|200px|thumb|right|Mit Gott für Kaiser und Reich, König und Vaterland.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen war kein direktes Kriegsgeschehen in Wasserburg spürbar, der Krieg begann in Belgien, wo die deutschen Truppen, dem Schlieffen-Plan folgend, Belgien überrannten, Luxemburg&amp;lt;ref&amp;gt;Luxemburg war übrigens das einzige Land in Europa, das die Besetzung kampflos hinnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt; besetzten und in Richtung Frankreich und Ostpreußen (Tannenbergschlacht) marschierten. Insofern spürte man in Wasserburg die Auswirkungen des Krieges zwar sehr deutlich, auch wenn es hier kein Kriegsgeschehen im engeren Sinne gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Deutsche Reich hatte Russland am 1. August 1914 den Krieg erklärt. In Bayern&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;wurde der Kriegszustand nicht wie im übrigen Reich nach Art. 68 der Reichsverfassung durch den Kaiser ausgesprochen. Vielmehr war gemäß dem bayerischen Gesetz über den Kriegszustand von 1912 hierfür eine königliche Verordnung notwendig. Dies war nur im Kriegsfall oder bei drohender Kriegsgefahr zulässig, nicht aber wie in Preußen bei einer Bedrohung von innen. Im Weltkrieg wurde der Kriegszustand für Bayern durch die bayerische Verordnung vom 31. Juli 1914 verhängt. Dieses Gesetz sah keine Ermächtigung zum Eingriff in die individuelle Freiheitssphäre vor, sondern nur eine Verschärfung des Strafrechts, insbesondere bei staatsgefährdenden Delikten. Das Standrecht (gemäß bayerischem Strafgesetzbuch) konnte angeordnet werden, das die Verhängung der Todesstrafe ausdehnte und ein summarisches Verfahren vorsah&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19|Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Telegramme, die der Wasserburger Anzeiger an den Stadtmagistrat übersandte, wiederholen im Großen und Ganzen die allgemeinen Kriegsberichte. Aber dieses Wasserburger Medium beschäftigt sich so gut wie gar nicht mit Wasserburg, wenn es um den Krieg geht. Am 1. November 1914 erscheint jedoch folgende Meldung:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ein Hurra! Für unseren Bürgermeister! Unter der Ueberschrift: Ehre, wem Ehre gebührt! Teilt uns soeben eine Anzahl freudeerfüllter Mannschaften des 2. Reserve-Infanterie-Regiments mit, dass ihr Bataillonskommandeur, Herr rechts. Bürgerm. Ertl von Wasserburg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], 212. Anschlag, Telegramm vom 1.11.1914.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Weitere lokale Meldungen sucht man in den Telegrammen des Wasserburger Anzeigers eigentlich vergeblich. Es werden hier im Grunde nur die Frontberichte wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56]]. Die Ordner mit der Benennung Teil 1 und 2 liegen in getippter Form vor, während die Teile 3 und 4 nur in handschriftlicher Form archiviert sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ludwig III. hat am 31.07.1914 die &#039;&#039;Königliche Verordnung vom 31. Juli 1914, die Verhängung des Kriegszustands betreffend herausgegeben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Bayern, Nr. 35 vom 31.7.1914, 327f, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]&amp;lt;/ref&amp;gt; notwendig, weil die Verfassung ein Sonderrecht für Bayern vorsah. Damit war auch hier der Kriegszustand erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1914 postuliert das kgl. Bezirksamt Wasserburg im Amtsblatt die Notwendigkeit einer militärischen &#039;&#039;Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt des königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 48 vom 23. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde verfügt, dass bis zum 10.11.1914&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;ein Verzeichnis aller derjenigen jungen Männer im Alter vom vollendeten 16. bis zum 25.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914 wird dieses Alter in &#039;&#039;20 Jahre&#039;&#039; korrigiert. Bei der Abfassung des Ausschreibens vom 20. Oktober 1914, Nr. 8490 ist ein Schreibversehen unterlaufen; in Zeile 3 des Absatzes 2 muss es &#039;&#039;statt 25. Lebensjahr&#039;&#039; selbstverständlich heißen: &#039;&#039;20. Lebensjahr&#039;&#039;, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Lebensjahre unter Angabe ihrer Geburtszeit […] und unter Mitteilung ihrer Bereitwilligkeit, sich für den Dienst des Vaterlandes zu schulen und an den Uebungen teilzunehmen, herzustellen und dem Bezirksamt vorzulegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In den ebenfalls beigefügten &#039;&#039;Richtlinien für die militärische Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]&amp;lt;/ref&amp;gt; vom Oktober 1914 wird eingehend erläutert, welche militärischen Kenntnisse und Fertigkeiten der Jugend in kürzester Zeit zu vermitteln seien. Die Forderung, auch die Namen der jungen Männer mitzuteilen, die nicht fähig oder willens seien, in den Krieg zu ziehen, lässt auf den möglichen Druck schließen, der weniger kriegsbegeisterten jungen Männern wohl drohte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anfängliche Begeisterung bei der Rekrutierung - und die sich daran anschließende Ernüchterung==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Krieg ist solange lustig, wie niemand zurückschießt&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 71.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Begeisterung, die in Deutschland anscheinend zunächst vorherrschte, wich jedoch sehr bald einer größeren Ernüchterung. Doch zunächst wollten tatsächlich sehr viele junge Männer in den Krieg ziehen. Im Wasserburger Anzeiger war diesbezüglich zu lesen, dass nicht Wenige zur Beichte und anschließend zum &#039;&#039;Tisch des Herrn&#039;&#039; gegangen seien: &#039;&#039;Vor dem Ausmarsch noch eine Verbindung mit Gott! Das nenn ich Gottvertrauen und das wird uns zum Sieg verhelfen!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; In der Zeitung vom 1. August 1914 war noch die Rede davon, dass das Militär nun sprechen müsse, damit es &#039;&#039;endlich&#039;&#039; losgehe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch schon bald wurde deutlich, dass es in Deutschland kritisch werden könnte, denn zum einen fehlten bald sehr viele Arbeitskräfte, zum zweiten war Deutschland wie kein zweites Land in Europa auf Lebensmittelimporte angewiesen, da es seinen Lebensmittelbedarf nur zu ca. 35 Prozent selbst decken konnte. Zum dritten war Deutschland ein rohstoffarmes Land, man war also auch zur Waffenproduktion auf Importe angewiesen, die angesichts der Blockade aber ausblieben. &lt;br /&gt;
Mit Beginn des Krieges wurde auch die formale Pressefreiheit aufgehoben. Die Medienkontrolle ging an 62 verschiedene Zensurstellen beim Militär über, die unabhängig voneinander agierten. Dadurch kam es wiederholt zu sich widersprechenden Auflagen der Zensurstellen. Generell verboten waren kriegsrelevante Nachrichten wie Truppenbewegungen, Statistiken über Verluste an der Front, aber auch Informationen über besondere Notlagen der Bevölkerung. Überwacht wurden Texte über Friedensbestrebungen und über die Unterdrückung fremder Völker.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg|Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ist nachvollziehbar, da die Kriegsgegner keine Informationen über die eigene Kriegsstrategie erhalten sollten, andererseits diente diese Zensur natürlich und vor allem der Desinformation der eigenen Bevölkerung, damit die Kriegsbegeisterung aufrechterhalten bleiben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern gibt die Lektüre zeitgenössischer Quellen nur unzureichend Aufschluss über das Geschehen nach dem 1. August 1914. Was aber feststeht, ist die Tatsache, dass die politischen Entscheidungsträger den militärischen das alleinige Entscheidungsrecht zubilligten, wie im Kriege zu handeln sei. Kaiser Wilhelm II. blieb zwar formal an der Spitze des Reiches, hatte aber tatsächlich nicht mehr viel zu sagen.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wenn man so will, schließen Militärs und Kaiser unausgesprochen einen Pakt: Der Kaiser genehmigt zumeist anstandslos die Planungen des Generalstabschefs und erteilt ihm die Vollmacht, in seinem Namen Befehle zu erteilen. Im Gegenzug achtet die militärische Führung darauf, den Anschein der kaiserlichen Befehlsgewalt dem Volk gegenüber zu wahren. Als der Krieg beginnt, befindet sich der Monarch deshalb in einer eigentümlichen Lage: Er steht mitten im Geschehen und bleibt doch außen vor.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Menschen 1914|o.V., Menschen 1914]], 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch die sprunghaft nach oben schnellenden Zahlen der gefallenen Soldaten dürften dafür gesorgt haben, dass die Kriegsbegeisterung recht bald einer großen Ernüchterung wich, ebenso wie die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung mit Lebensmitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nicht immer große Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen, führte zu Klagen. So beklagt sich der stellvertretende Vorsitzende des Wehrbundes Wasserburg in einem Schreiben,&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;dass in der letzten Zeit eine ziemliche Zahl ohne Grund und unentschuldigt den [Wehr-]Übungen fern blieb. [...] Die Leitung des Wehrbundes spricht die bestimmte Erwartung aus, daß dieser Appell an das Ehrgefühl und die Treue der Teilnehmer genügt, um die Mitglieder des Wehrbundes zu neuem Eifer anzuspornen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von Otto Laubet, Rechtsanwalt vom 23. Januar 1915, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe des Krieges wurde der Ton in dieser Hinsicht schärfer, dies dürfte ein Indiz dafür sein, dass sich die Wehrbereitschaft nicht im Interesse des Generalkommandos der Armee entwickelte. So äußert sich der kommandierende General von der Tann in einem Schreiben am 22. Februar 1917 wie folgt:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Es wurde in Erfahrung gebracht, dass in der Bevölkerung die Ansicht stark verbreitet ist, dass die militärisch vorgebildeten jungen Leute früher an die Front geschickt werden, als die Nichtgeübten. Aus diesem Grunde haben mehrere ehemalige Jungmannen bei ihrem Einrücken zur Truppe ihre frühere Zugehörigkeit zur Jugendwehr absichtlich verschwiegen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellvertretendes Generalkommando des I. Bayerischen Armeekorps) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von der Tann betont abschließend in seinem Schreiben, dass die Heeresverwaltung &#039;&#039;keinesfalls [...] die Absicht&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellvertretendes Generalkommando des I. Bayerischen Armeekorps) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; habe, die früheren Angehörigen der militärischen Jugendvereinigungen früher an die Front zu schicken.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellvertretendes Generalkommando des I. Bayerischen Armeekorps) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgung der Armee mit Soldaten stockte immer wieder, sodass sich das preußische und das Bayerische Kriegsministerium veranlasst sahen, im Frühjahr 1916 einen Aufruf an alle Gemeinden in Bayern zu verfassen, in dem es heißt:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Unsere Feinde haben eingesehen, daß sie uns nicht auszuhungern imstande sind. Auch ihre Hoffnung auf Deutschlands finanziellen Zusammenbruch verwandelte sich in Staunen über die unerschöpfliche Finanzkraft des Deutschen Volkes. [...] Es muß nur jeder kriegsverwendungsfähige Mann der Front zugeführt werden&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben des kgl. Preuß. Kriegsministeriums und des kgl. Bayer. Kriegsministeriums vom 1. März 1916 bzw. 19. Mai 1916 an sämtliche Gemeindebehörden, zitiert nach: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Spionagehysterie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz nach dem Ausbruch des Krieges internierte Großbritannien wahllos deutsche, österreichisch-ungarische und osmanische Staatsbürger, die in Großbritannien lebten, auf der Isle of Man. Die Angst, von Spionen umzingelt zu sein, war überall in Europa sehr groß. Als Reaktion setzte die deutsche Reichsleitung ihrerseits im November 1914 britische Staatsbürger und Deutsch-Briten, die teilweise seit Jahrzehnten in Deutschland gelebt hatten, in Lagern fest. Viele Briten hatten sich auch bloß auf Urlaubsreise oder geschäftlich in Deutschland aufgehalten, als der Krieg begann.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Habermehl, Stachldrahtkrankheit|Habermehl, Stachldrahtkrankheit]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Hysterie hielt an, zumal beispielsweise Meldungen über die Doppelagentin Mata Hari das ihrige taten, die entsprechenden Ängste zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kriegsverwaltung und Beschäftigungssituation==&lt;br /&gt;
[[Datei:Stellenangebote.png|thumb|right|rechts|Stellenangebote.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Stellenangebote .png|thumb|right|Stellenangebote.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bald nach Kriegsbeginn war ich neben 14 weiblichen Angestellten im Alter von 15 bis 50 Jahren der einzige Mann im Verlag&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 114.&amp;lt;/ref&amp;gt;, konstatierte der Münchner Verleger Reinhard Piper. Auch in Wasserburg verschoben sich Stellengesuche und Stellenangebote nach dem Ausbruch des Krieges deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wurden vor Beginn des Krieges mehrfach Dienstmädchen, Köchinnen und Arbeitskräfte für ähnliche haushaltsnahe Dienstleistungen gesucht, so suchten nunmehr diese selbst eine Beschäftigung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits war das Stellenangebot für Handwerker und Dienstknechte groß.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Grund ist plausibel wie naheliegend: Während die Männer eingezogen wurden und deshalb die entsprechenden Stellen vakant wurden, konnten sich viele angesichts der massiven Preissteigerungen Haushaltspersonal nicht mehr leisten, sodass nunmehr Köchinnen, Dienstmädchen und ähnliche Beschäftigte eine Arbeit suchten. Aber in Wirklichkeit dürfte es wohl nicht an Arbeitskräften gemangelt haben, sondern an Arbeit. &#039;&#039;Fast alle Kommunalverwaltungen überraschte, dass trotz der Einziehung von Millionen von Männern die Arbeitslosigkeit deutlich zunahm&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 117.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bezogen auf ganz Deutschland stieg die Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent im Juli 1914 auf 22,7 Prozent im September 1914.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 215. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gleichzeitig sank das Einkommensniveau der Familien beträchtlich: Ein arbeitslos gewordener, gut ausgebildeter Arbeiter mit einem Kind musste mit durchschnittlich 30 Mark Kriegsunterstützung auskommen, vorher standen ihm ca. 128 Mark zur Verfügung.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 121.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reichswollwoche - Vaterländischer Hilfsdienst==&lt;br /&gt;
Vom 18. bis 24. Januar 1915 fand die &#039;&#039;Reichswollwoche&#039;&#039; statt. Man sammelte warme Unterkleidung für die deutschen Truppen&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Chronik 1915|Lemo, Chronik 1915]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und hoffte auf diese Weise, die Kampfbereitschaft zu erhöhen. In Wasserburg wurde die Sammlung im Rahmen der Reichswollwoche jedoch nicht durchgeführt. So kann man im Wasserburger Anzeiger vom 21. Januar 1915 lesen:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;(Wollsachen als Liebesgaben.) Nach übereinstimmenden Mitteilungen, die an das bayerische Landeskomitee vom Roten Kreuz gelangt sind, ist die Versorgung unserer im Felde stehenden Truppen mit Wollsachen auf längere Zeit ausreichend und sogar Überfluß vorhanden. Infolgedessen ist es nicht beabsichtigt, in nächster Zeit Wollsachen in größeren Mengen an die Truppen gelangen zu lassen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus diesen Gründen beteiligten sich wohl die Menschen in Oberbayern und auch in Wasserburg nicht im gleichen Umfange an der Reichswollwoche wie in anderen Landesteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr wohl wurden allerdings in Wasserburg Rohstoffe gesammelt, wie zum Beispiel Bierglasdeckel aus Zinn&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Amtsblatt des Königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 10 vom 1. März 1917, 1, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]].&amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch Schuhwaren. Der Bedarf an Rohstoffen für die Rüstungsindustrie war enorm und konnte auch durch die zahlreichen Sammlungen bei der Bevölkerung nicht gedeckt werden. So nimmt es nicht wunder, dass es immer wieder Mahnungen an die Bevölkerung gab, mehr für die einzelnen Zwecke zu spenden, da anscheinend die Spendenbereitschaft geringer war als der Bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Spendenaufruf-_Weihnachten_im_Feld_1914..jpg|Spendenaufruf - Weihnachten im Feld 1914.&lt;br /&gt;
File:Werbung für Heldenfeuerzigarre als Liebesgabe.png|Werbung für Heldenfeuerzigarre als Liebesgabe.&lt;br /&gt;
File:Liebesgaben 1914 - Bericht des Wasserburger Anzeigers über eingegangene Spenden.png|Liebesgaben 1914 - Bericht des Wasserburger Anzeigers über eingegangene Spenden.&lt;br /&gt;
File:6d.jpg|Schüler der Luitpold-Realschule sammeln Altpapier.&lt;br /&gt;
File:Aufruf zur Spende für „Liebesgaben“ und andere Unterstützungen, vermutlich in Wasserburg, Ledererzeile Ecke Schustergasse, Herbst 1915.jpg|Aufruf zur Spende für &#039;&#039;Liebesgaben&#039;&#039; Herbst 1915.&lt;br /&gt;
File:Schüler der Luitpold-Realschule sammeln Altpapier für die „Sammlung Vaterlandsdank“ in Wasserburg a. Inn, Februar - März 1915..jpg|Schüler der Luitpold-Realschule sammeln Altpapier für die &#039;&#039;Sammlung Vaterlandsdank&#039;&#039; in Wasserburg a. Inn, Februar - März 1915.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geldbedarf - Nagelung am Rathaustor==&lt;br /&gt;
In Wasserburg fehlten auch die Mittel für die Hinterbliebenen der gefallenen Soldaten. Deshalb beschloss der Magistrat der Stadt, dass im Dezember 1915 das Eingangstor des Rathauses mit einem Löwen und weiteren Verzierungen verschönert werden sollte. Das Bild sollte durch eine Vielzahl unterschiedlich großer Nägel entstehen. Bereits im Frühjahr 1915 wandte sich der Magistrat der Stadt Wasserburg an mehrere Städte in Süddeutschland und fragte an, ob dort ebenfalls an eine Benagelung an wichtigen Gebäuden geplant sei.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt ca. 4.500 Nägel wurden in der Folge in das Rathaustor genagelt, darunter 400 große Nägel, für die allein zwischen zehn und 400 Reichsmark pro Nagel gespendet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik|Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt gab es drei Größen für die Nägel, für sie wurden Spenden erhoben. Die großen Nägel kosteten mindestens fünf Reichsmark, ein mittlerer kostete 2 Reichsmark und ein kleiner war für 40 oder 20 Pfennig zu haben. Schulkinder konnten einen kleinen Nagel für zehn Pfennig erwerben. Für den 12. Dezember 1915 wurde zu einer &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; eingeladen, in der &#039;&#039;die Benagelung des Stadtlöwen für das Rathaustor als dauerndes Wahrzeichen der Kriegszeit verbunden wird&#039;&#039;. &amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Woche nach dieser &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; wurden die Schulklassen der Schulen in Wasserburg an das Tor geführt und durften ihrerseits Nägel anbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Geldbedarf - Nagelung am Rathaustor v3.jpg|Ankündigung der &#039;&#039;Vaterländischen Feier am 12. Dezember 1915&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Umgang mit Hunger und Mangel und die Errichtung einer &#039;&#039;Volksküche&#039;&#039;/Beschlagnahme von Gütern==&lt;br /&gt;
[[Datei:Volksküche.jpg|thumb|right|Wasserburger mit Kindern stehen bei der Käserei Giglinger in der Ledererzeile nach Essensprodukten an, 1917.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Glockenabnahme 1917..jpg|mini|Glockenabnahme 1917.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die kriegsbedingten wirtschaftlichen Probleme führten bereits im Winter 1914/15 zu enormen Preissteigerungen und großen Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen|Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 23. Juli 1915 erließ deshalb der Bundesrat die &#039;&#039;Bekanntmachung gegen übermäßige Preissteigerung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikimedia, Reichsgesetzblatt|Wikimedia, Reichsgesetzblatt]], 467.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber die Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung kaum zu lösen vermochte. Da Deutschland seit August 1914 unter der Tatsache litt, dass nahezu keine Nahrungsmittel mehr importiert wurden, war den Entscheidungsträgern recht bald deutlich: Man werde die deutsche Bevölkerung kaum ausreichend ernähren können. Spätestens im Januar 1916 dürfte diese Tatsache jedem bewusst gewesen sein. Die Reichsgetreidestelle organisierte zentral den Aufkauf von Brotgetreide und subventionierte auch die Endkundenpreise, die Reichskartoffelstelle übernahm die zu geringen Kartoffelimporte, der Kriegsausschuss für Öle und Fette musste die ausbleibenden Importe von Öl und Fett durch Produkte der einheimischen Landwirtschaft ersetzen. Angesichts dieser Vielzahl von staatlichen Koordinierungsstellen wurde die Versorgung der Bevölkerung jedoch schlechter und nicht besser.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 194.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen des akuten Mangels an Fleisch produzierte zum Beispiel die Stadt München &#039;&#039;Kriegswurst&#039;&#039;, das war eine Wurst, die mit Kartoffelschalen und Küchenabfällen gestreckt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da es nirgends genug von dem gab, was man brauchte, entwickelte sich ein Schwarzmarkt und die Menschen verstärkten ihre Hamsterkäufe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 197.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Stettiner Hausbesitzerin Redepenning ist die folgende Quelle überliefert, in der sie eine Mieterhöhung direkt mit den epochalen Ereignissen des Spätsommers 1914 verknüpfte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die gewaltige Wendung, die durch die Gnade des Allmächtigen Gottes unsere durch seine Macht und Kraft bewaffneten Truppen uns errungen haben, lassen uns in eine große gesegnete kommende Zeit blicken. Möchte unser Volk so viel Gnade nie vergessen, nie den alten Gott, der Staat und Volk vor allem Übel bewahrt. Ihre Wohnung kostet vom 1. Oktober ab 30 Mark mehr&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Eduard Engel, 1914. Ein Tagebuch, Braunschweig 1915, zitiert nach: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 205.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland fehlten bereits ganz offensichtlich 1914 die notwendigen Planungen für eine gesicherte Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Deutschland war das Land in Europa, das von Lebensmittelimporten abhängig war wie kein zweites. Etwa zwei Drittel der notwendigen Lebensmittel wurden vor Kriegsausbruch nach Deutschland importiert. Durch die Schließung der Grenzen war diese Einfuhr fortan nicht mehr möglich, da vor allem die Importe aus Großbritannien und Russland fehlten. Spätestens mit der Gründung des Kriegsernährungsamtes im Mai 1916 stieg der Kartoffelverbrauch in Deutschland auf das Zweieinhalbfache des Vorkriegsniveaus. Da vor allem Fleisch fehlte, wurden sogenannte &#039;&#039;Fleischersatzprodukte&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Hierbei handelte es sich häufig um Kohlrüben, auch Steckrüben genannt, aber auch Küchen- und andere Speiseabfälle, die in die Wurst eingearbeitet wurden.&amp;lt;/ref&amp;gt; in die Wurst eingearbeitet. Zu allem Überfluss war der Herbst 1916 sehr verregnet, deshalb litt die Bevölkerung auch unter der &#039;&#039;Kartoffelfäule&#039;&#039;, die die Kartoffelernte auf ca. 50 Prozent der Vorjahresernte reduzierte. So wurde die &#039;&#039;Steckrübe&#039;&#039; ein höchst wichtiges Nahrungsmittel, man fertigte Steckrübensuppe, Steckrübenauflauf, Steckrübenkoteletts, Steckrübenpudding, Steckrübenmarmelade und Steckrübenbrot. Anfang 1916 war in Deutschland eines sehr deutlich: Es würde das ganze Jahr über auf keinen Fall genügend Nahrung für die Bevölkerung geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 193.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 wird das Ausmaß der unzureichenden Ernährung der Bevölkerung offenbar: Am 30. Oktober 1916 erreichte den Wasserburger Magistrat eine Anfrage aus München, ob hier eine &#039;&#039;Volksküche&#039;&#039; geplant sei. Tatsächlich wurde bei der Heeresleitung der Bedarf erkannt, die Ernährung der Bevölkerung als staatliche Aufgabe zu begreifen. Und so wurden die existierenden Gasthäuser nicht selten in &#039;&#039;Speisehäuser&#039;&#039; umgewandelt, damit möglichst viele Menschen zumindest halbwegs ernährt werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Dokumente zur Errichtung einer Volksküche, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II59|StadtA Wasserburg a. Inn, II59]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lisa Marie Tanner hat in ihrer Seminararbeit die Ernährungssituation in Wasserburg während des Ersten Weltkrieges recht treffend beschrieben. Zu Beginn des Krieges sei die Versorgung der Menschen in der Stadt Wasserburg mit Getreide, Kartoffeln und Zucker noch gut gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als sich dann aber die Wintermonate genähert hätten, habe sich der Andrang auf Lebensmittel erhöht. Zudem seien die Lebensmittelpreise stetig gestiegen. Oftmals hätten sich die Menschen in Wasserburg zwar gerade noch die Lebensmittel zu den erhöhten Preisen leisten können, nicht aber mehr jene für Miete und Strom.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1915 sind dann Lebensmittelkarten eingeführt worden. Dadurch waren die Bewohner Wasserburgs berechtigt, Waren in bestimmten Läden oder eine Portion Essen in Gaststätten zu erwerben. Man zahlte 30 Pfennig und bekam dafür eine Lebensmittelkarte, mit der man sich beispielsweise entweder drei Liter Milch oder eine Portion Essen oder Fleisch oder Wurst oder Kolonialwaren oder Brot beschaffen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Tanner schließt daraus, dass die Lebensmittelkarten einen Ersatz für Geld darstellten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kriegsmangelwirtschaft hatte in Wasserburg nicht nur die direkte Auswirkung einer eingeschränkten Versorgungslage. Auch wurde der Stadt und der Bürgerschaft durch die Beschlagnahme von Gütern für die Rüstungsindustrie einiges abverlangt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu eine der vielen Beschlagnahmeakten des Stadtarchivs: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II61|StadtA Wasserburg a. Inn, II61]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beschlagnahmung und Abnahme der Kirchenglocke vom Frauenkirchturm (am 25. Juni 1917) ist hier als herausragendes Beispiel zu nennen und ist im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung noch weit über das Kriegsende hinaus in Erinnerung geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Giftgas==&lt;br /&gt;
Einsatz von Kampfmitteln, die die Atemwege der Soldaten beeinträchtigten, sind schon seit der Antike bekannt. Bereits im Peleponnesischen Krieg (431 bis 404 vor Christus) sollen die Spartaner Brandkörper gegen die Athener eingesetzt haben, um auf diese Weise die Luft mit Schwefeldioxid zu vergiften. Moderne chemische Kriegführung kennen wir seit 1914. Es waren die französischen Streitkräfte, die bereits im August 1914 C-Waffen gegen die deutschen Truppen einsetzten. Allerdings handelte es sich zunächst &#039;&#039;nur&#039;&#039; um das Tränengas Xylylbromid. Für den ersten Einsatz tödlicher Giftgase waren dann allerdings die deutschen Truppen verantwortlich: Am 22. April 1915 griff das XV. Armeekorps unter General Berthold von Deimling zwischen Langemarck und Ypern mit Chlorgas an. Es war Kriegsminister Erich von Falkenhayn, der den Einsatz von Reizstoffen an der Front genehmigte. Da Chlor schwerer ist als Luft, sank es in die französischen Schützengräben. Dieser erste Angriff forderte schätzungsweise 1.200 Tote und 3.000 Verwundete. Damit die Soldaten wussten, was in den einzelnen Gasbehältern enthalten war, erhielten diese farbige Markierungen: Grüne Kreuze standen für Lungenkampfstoffe, blaue Kreuze für Blutkampfstoffe, gelbe für Hautkampfstoffe. Bei einem Chemieangriff mit verschiedenen Kampfstoffen sprachen die Soldaten deshalb lapidar-zynisch vom &#039;&#039;Buntschießen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe|Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verdeutschung ausländischer Begriffe==&lt;br /&gt;
[[Datei:Flaggengala.png|thumb|right|Vermeidung entbehrlicher Fremdwörter.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum war der Erste Weltkrieg ausgebrochen, hielt die patriotische Begeisterung Einzug in fast alle Lebensbereiche. Ebenso wie in Frankreich und Großbritannien, wo deutsche Begriffe getilgt wurden&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur an das Adelsgeschlecht Battenberg, das fürderhin nur noch &#039;&#039;Mountbatten&#039;&#039; genannt werden wollte und auch genannt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt;, versuchten die Deutschen, &#039;&#039;entbehrliche Fremdwörter&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; So eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1915, zitiert nach: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter|Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter]].&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem deutschen Sprachgebrauch zu tilgen. Betroffen waren vor allem französischsprachige Redewendungen wie zum Beispiel &#039;&#039;Adieu&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Dafür sollte man jetzt &#039;&#039;Auf Wiedersehen&#039;&#039; sagen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mann und Frau sollten sich nicht mehr zu einem &#039;&#039;Rendez-Vous&#039;&#039; treffen, sondern sich zu einer &#039;&#039;Verabredung&#039;&#039; zusammenfinden. Ähnlich war es mit Begriffen wie zum Beispiel &#039;&#039;Etage&#039;&#039; (Stockwerk) oder &#039;&#039;vis-à-vis&#039;&#039; (von Angesicht zu Angesicht). In den großen Städten wurden auch Eigennamen eingedeutscht wie zum Beispiel &#039;&#039;Café Windsor&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffee Winzer&#039;&#039;, das &#039;&#039;Piccadilly Café&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffeehaus Vaterland&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter.jpg|200px|thumb|right|Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der bis heute in Österreich gängige Begriff &#039;&#039;Kaffeehaus&#039;&#039; hat in dieser &#039;&#039;Verdeutschungskampagne&#039;&#039; seinen Ursprung. Aus &#039;&#039;Boutiquen&#039;&#039; wurden &#039;&#039;Modegeschäfte&#039;&#039; und selbst der Begriff &#039;&#039;chic&#039;&#039; wurde durch &#039;&#039;flott&#039;&#039; ersetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Schließlich wurden auch Markennamen eingedeutscht: Vor allem die vor dem Weltkrieg ausgesprochen kosmopolitisch klingenden Zigarettennamen ersetzten die Hersteller wie Manoli oder Garbáty nach Kriegsbeginn sehr schnell durch deutsche Namen. Aus &#039;&#039;Duke of Edinborough&#039;&#039; wurde &#039;&#039;Flaggengala&#039;&#039;, aus &#039;&#039;Gibson Girl&#039;&#039; wurde &#039;&#039;Wimpel&#039;&#039;, aus &#039;&#039;Duke of York&#039;&#039; wurde &#039;&#039;Graf Yorck von Wartenburg&#039;&#039;. Anfangs überklebten die Hersteller die Zigarettendosen mit der neuen Bezeichnung. Diese Überklebung wurde dann nicht selten auf die Zigarettendosen aufgedruckt, ohne das ursprüngliche Design zu verändern, um die Bindung der Konsumenten an die Marke nicht durch ein neues Design zu stören. So blieb der Eindruck eines nur vorübergehenden Zustands erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Wasserburg ist dieser Trend umgesetzt worden, man kann ihn heute aber im Quellenstudium eigentlich nur daran erkennen, dass auf französisch- und englischsprachige Begriffe signifikant verzichtet wurde, während in den Vorkriegsjahren vor allem die französischsprachigen Begriffe doch weitaus geläufiger waren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So ist vor Beginn des Krieges von &#039;&#039;Couplet&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914]].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Rede, von &#039;&#039;Bonbonnière&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder &#039;&#039;Equipage&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Beginn des Krieges las man dagegen vermehrt von &#039;&#039;Strophe&#039;&#039;, &#039;&#039;Pralinen&#039;&#039; (was nun auch nicht sehr deutsch ist) oder &#039;&#039;Ausrüstung&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Sehr ausführlich bei: Oskar Kresse, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter, zitiert nach:[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918|Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918]], 103f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schweinemord 1915==&lt;br /&gt;
Bei Kriegsausbruch gab es in Deutschland an die 25 Millionen Schweine, die größtenteils mit Gerste gefüttert wurden, die aus Russland importiert wurde. Durch den Handelsboykott, der mit Kriegsbeginn in Kraft trat, unterblieb der Import von Getreide vollkommen. Das führte dazu, dass die Schweine nicht mehr ausreichend gefüttert werden konnten. Am 26. Januar 1915 konnte man in der Zeitung lesen, dass zu sparsamem Nahrungsmittelverbrauch aufgerufen wurde und dass der Höchstpreis für Roggen- oder Weizenkleie den Betrag von 13 Mark pro Doppelzentner nicht übersteigen dürfe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch mussten viele Schweine geschlachtet werden. Etwa ein Drittel des Bestandes wurde 1915 getötet, weil das Futter nicht mehr ausreichte. Die Folge war ein Preisverfall für Schweinefleisch bei gleichzeitiger Preissteigerung für andere Lebensmittel. Im Wasserburger Anzeiger wurde mehrfach inseriert, dass Futterschweine &#039;&#039;billigst abzugeben&#039;&#039; und &#039;&#039;Futterferkel zu verkaufen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. aus der Fülle der Beispiele [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915]], 4./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; seien. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1915 gab es einen regelrechten Preisverfall bei Schweinefleisch. Im ersten Quartal 1915 wurden an die fünf Millionen Schweine geschlachtet. Allerdings stiegen die Preise in der zweiten Jahreshälfte 1915 wieder an, weil es nunmehr an Schlachtvieh gemangelt haben dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kriegsgefangene==&lt;br /&gt;
Insgesamt acht Millionen Soldaten gerieten während des Ersten Weltkrieges in Kriegsgefangenschaft, mehr als 800.000 davon waren Deutsche. Von den 13 Millionen deutschen Kriegsteilnehmern sind also knapp zehn Prozent in Gefangenschaft geraten. Die Wasserburger Kriegsgefangenen wurden, ebenso wie viele andere deutsche Kriegsgefangene, erst nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28. Juni 1919 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, was in vielen Gemeinden bemerkenswerte Versorgungsprobleme nach sich zog.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenen-Heimkehrfeier 1919&#039;&#039; veranstaltet, im Juli 1919 wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenenheimkehrstelle&#039;&#039; eingerichtet&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und der Bayerische Staatsanzeiger berichtete am 1. August 1919, dass Kriegsheimkehrer eine &#039;&#039;Sonderzuweisung Ernährung&#039;&#039; erhalten sollen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bayerischer Staatsanzeiger Nr. 188 vom 1. August 1919, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Stadt Wasserburg erstellte ein Verzeichnis von Familien, die bereit seien, entlassene Kriegsgefangene für eine gewisse Zeit bei sich aufzunehmen. Es existieren eine Liste, auf der sich allerdings nur eine einzige Familie zu einer solchen Aufnahme bereit erklärt hatte. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Russen ziehen am Hochgarten in Wasserburg vorüber.jpg|Russen ziehen am Hochgarten in Wasserburg vorüber.&lt;br /&gt;
File:Gefangene Franzosen als Arbeiter in der Brauerei Stechl im Sommer 1915.jpg|Gefangene Franzosen als Arbeiter in der Brauerei Stechl im Sommer 1915.&lt;br /&gt;
File:Franzosen in Eiselfing 1915.jpg|Franzosen in Eiselfing 1915.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Opfer des Krieges==&lt;br /&gt;
In Wasserburg hat es gegen Kriegsende eine Auflistung der Gefallenen des Krieges gegeben. In der Liste sind 124 gefallene Wasserburger verzeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II184|StadtA Wasserburg a. Inn, II184]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Männer waren alle mindestens 18 Jahre alt und dürften kaum älter als 40 Jahre gewesen sein. Das Wählerverzeichnis für die Stadtmagistratswahl, zu der auch nur erwachsene Männer zugelassen waren, verzeichnet in den Jahren 1896 bis 1914 insgesamt zwischen 232 und 314 Personen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II6729|StadtA Wasserburg a. Inn, II6729]], Teil 1: 1896 waren 237 Wahlberechtigte verzeichnet, 1899 314 Wahlberechtigte, 1902 289, 1905 259, 1908 273, 1911 262 und 1914 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Nimmt man als Ausgangszahl das Wählerverzeichnis von 1914, dann dürften im Krieg folglich mehr als 50 Prozent der wehrfähigen Männer Wasserburgs gefallen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die &#039;&#039;Spanische Grippe&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Über die &#039;&#039;neuartige spanische Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird in den Quellen, die in Wasserburg zugänglich sind, eigentlich zunächst gar nichts berichtet. &#039;&#039;Die Zeitungen hielten sich daran, keine Meldungen zu bringen, welche die deutsche Öffentlichkeit im vierten Kriegsjahr irgendwie hätten beunruhigen können&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und das, obwohl die Epidemie wohl mehr Todesopfer gefordert haben dürfte als der Krieg selbst. &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Das Grippevirus H1N1, das zum Auslöser der Pandemie wurde, ist vermutlich im Januar oder Februar 1918 im Mittleren Westen der USA von Geflügel oder Schweinen auf den Menschen übergesprungen. Es fand vor allem in den überfüllten Ausbildungslagern des sich in Aufstellung beﬁndlichen US-Expeditionskorps für Europa reichlich Gelegenheit zur Verbreitung. Die ersten Massenerkrankungen sind Anfang März 1918 im Camp Funston in Kansas verbürgt. Mitte April 1918 erreichte die Inﬂuenza mit den US-Truppentransporten dann Frankreich, wo man die ersten Fälle in Bordeaux registrierte. Die Frühjahrspandemie führte in allen betroffenen Ländern zwar zu vielen Erkrankungen, die aber zumeist harmlos verliefen. Allerdings kamen auch schon im Frühjahr gelegentlich äußerst heftige Grippefälle vor, die insbesondere bei Menschen im eigentlich widerstandsfähigsten Alter zu einem schnellen Tode führten. Bei den Obduktionen der Opfer ﬁelen den Ärzten bereits jetzt vereinzelt die dann in der Herbstwelle oft anzutreffenden völlig zerstörten, mit Blut und Flüssigkeit durchtränkten Lungenﬂügel auf&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 5f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So darf also vermutet werden, dass diese &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039;, wie sie in der Kirmayer-Chronik und dem Wasserburger Anzeiger bezeichnet wurde, auch die Wasserburger Bevölkerung erheblich befallen haben dürfte. Erstmalig wird dies im Sommer 1918 deutlich: &lt;br /&gt;
Wenn man Eckard Michels Glauben schenken mag, haben einzelne Zeitungen darüber berichtet, wie zum Beispiel die Magdeburger Zeitung am 29. Mai 1918 erstmalig.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Wasserburger Anzeiger thematisiert die Krankheit zum ersten Male im Juli 1918.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918]], 2: &#039;&#039;(Die &#039;spanische Krankheit&#039;) scheint überall ihren Einzug zu halten. Die &#039;&#039;Grippe&#039;&#039; (eine ungefährliche influenzartige Erkrankung soll stärker auftreten in München, Landshut, Regensburg, Passau. Auch Wasserburger sollen schon &#039;&#039;spanisch&#039;&#039; erkrankt sein&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenige Tage später berichtet die Zeitung, dass die Jahresabschlussfeier der Luitpold-Realschule wegen der &#039;&#039;Spanischen Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;(Ohne Jahresabschlußfeier) schlossen sich heuer die Pforten unserer Luitpoldrealschule. Die &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039; hat die Schülerzahl durch frühe Beurlaubungen so herabgesetzt, daß von einer solchen Feier leider Umgang genommen werden musste.&#039;&#039;, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgesagt werden musste. Der Ton der Meldung legt ein begrenztes Verständnis für diese Maßnahme nahe, was vermuten lässt, dass man die Folgen der &#039;&#039;Spanischen Grippe&#039;&#039; wohl nicht so richtig überblickt haben dürfte. Im November 1918 wartet der Wasserburger Anzeiger dann mit der Nachricht auf, dass man sich gegen die Grippe impfen lassen könne.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch hält die Infektionswelle an und fordert auch nach Kriegsende noch Todesopfer.&amp;lt;ref&amp;gt;So meldet der Wasserburger Anzeiger am 16. Januar 1919 insgesamt 26 Todesopfer binnen einer Woche, die an den Folgen der Grippe verstorben sind, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parlamentarisierung und Kriegsende==&lt;br /&gt;
Das Jahr&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;1917 war das Jahr der Meutereien und Streiks, der Kriegsmüdigkeit und der kollektiven Erschöpfung, der Polarisierung der Kriegsgesellschaften und der Neuausrichtung der Innenpolitik gewesen - bis hin zur radikalen Utopie als Ergebnis einer gewaltsamen Revolution und des Übergangs vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg in Russland. Aber in den kriegführenden Gesellschaften setzte sich diese Entwicklung nicht fort. Vielmehr konnte man eine steigende Bereitschaft beobachten, den Krieg fortzusetzen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 806.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese These Jörn Leonhards wird durch die Ereignisse, wie sie sich auch im Wasserburger Anzeiger dokumentieren, bestätigt: So berichtet der Wasserburger Anzeiger von einem Telegramm, das der &#039;&#039;Freie Ausschuss für einen Deutschen Arbeiterfrieden&#039;&#039;, der 300.000 Mitglieder habe, an den Deutschen Reichskanzler Graf Hertling geschickt habe und in dem stehe, dass man entrüstet sei über die deutschen Bedingungen für einen Frieden mit dem sowjetisch regierten Russland, denn in den Bedingungen liege der vollkommene Verzicht &#039;&#039;auf den deutschen Sieg&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tatsächlich mehrten sich die Stimmen, die erneute Offensiven nach dem Erschöpfungsjahr 1917 forderten. Das Deutsche Reich konnte sich in den Verhandlungen mit Sowjetrussland in dem am 3. März 1918 geschlossenen Friedensvertrag von Brest-Litowsk in vielen Punkten durchsetzen, weshalb man später in der Sowjetunion und auch in der DDR vom &#039;&#039;Raubfrieden von Brest-Litowsk&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Herbst, Novemberrevolution in Deutschland|Herbst, Novemberrevolution in Deutschland]], 15 sowie Kurzfassung unter gleichnamigen Titel in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Band 12, Berlin (Ost), 1964, 831.&amp;lt;/ref&amp;gt; sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Januar 1918 lud die sowjetrussische Regierung die anderen Ententemächte ein, einen umfassenden Frieden mit Deutschland, Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich ins Auge zu fassen und an den Friedensgesprächen in Brest-Litowsk teilzunehmen. Der Wasserburger Anzeiger berichtet hierzu, dass die Ententemächte diese Einladung abgelehnt hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], dort heißt es: &#039;&#039;Die Einladung der russischen Regierung an die Entente zur Teilnahme an den Friedensvorbesprechungen in Brest-Litowsk ist ein höhnisches Nein gefolgt und Amerika glaubt noch seinen Extrasenf dreingeben zu müssen, um seinen Bundesgenossen den Rücken zu stärken.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings weist die Zeitung darauf hin, dass man im Vereinigten Königreich die Bedingungen für einen Frieden, wie sie von Österreich-Ungarn und Deutschland formuliert worden seien, durchaus als ernst zu nehmend betrachte. Der Wasserburger Anzeiger ergänzt hierzu: &#039;&#039;Das wäre […] die erste Stimme der Vernunft, die man von Seiten der Alliierten zu hören bekäme&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Januar 1918 wartete schließlich US-Präsident Woodrow Wilson mit seinen 14 Punkten für einen Friedensschluss auf. Die von ihm formulierten Voraussetzungen für einen Friedensschluss wurden interessanterweise nicht nur von den Mittelmächten abgelehnt&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 808.&amp;lt;/ref&amp;gt;, sondern auch von den Verbündeten in der Entente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beginn des letzten Kriegsjahres 1918 war in Deutschland geprägt von der Hoffnung auf eine Kriegswende, begleitet von der großen Furcht, dass es diese Kriegswende doch nicht geben würde. Und trotz des Friedens von Brest-Litowsk trat im Laufe des Frühsommers erneut jene Erschöpfung bei den deutschen Soldaten ein, die die Jahre 1916 und 1917 geprägt hatten. Hinzu kam, dass die Prognosen für die Gewinnung neuer Soldaten eher bescheiden ausfielen. Nur 100.000 neue Soldaten des Jahrgangs 1900 würden deutschlandweit eingezogen werden können. Diese Tatsache und der Umstand, dass keine der Kriegsparteien nennenswerte Erfolge erzielen konnte, ließ überall in Europa die Kriegsmüdigkeit anwachsen. Dies wurde auch durch die Tatsache verstärkt, dass der Luftkrieg wichtiger wurde. Das neue Phänomen des Luftkrieges trug nämlich den Krieg in die Heimat. Zunächst kam es zu einem systematischen Bombardement alliierter Städte. Die Alliierten beantworteten dies mit Luftschlägen aus großer Höhe, bei denen es gar nicht darauf ankam, gezielte Objekte zu treffen, sondern vielmehr die Moral bei den Deutschen zu zerstören, indem man auch zivile Ziele unter Beschuss nahm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 810.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von all dem ist in den in Wasserburg zugänglichen Quellen wenig zu lesen. Natürlich liest man von Gefallenen, man erfährt auch von Kriegsgefangenen, aber der Krieg selbst drang nie nach Wasserburg vor, wohl aber dessen Begleiterscheinungen wie Nahrungsmangel, Spendenaufrufe und dergleichen. Noch im November 1918, unmittelbar vor dem Waffenstillstand, gibt es Aufrufe in der Zeitung, die neue Kriegsanleihe zu zeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918]], 3-4 und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte September 1918 unterbreitet die österreichisch-ungarische Monarchie den Vorschlag einer Friedenskonferenz&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber von den Entente-Mächten abgelehnt wird. Angesichts der immer zahlreicher werdenden Streiks und Aufstände gegen den Krieg informierte am Abend des 3. Oktober 1918 Reichskanzler Prinz Max von Baden den amerikanischen Präsidenten. Die Reichsregierung ersuchte die US-Regierung um &#039;&#039;die Herstellung des Friedens&#039;&#039; auf der Basis von Wilsons 14 Punkten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Prinz Max von Baden stand der ersten parlamentarischen Reichsregierung vor und war seit 30. September 1918 im Amt. Mit dieser Initiative wurde im Grunde das Ende des Krieges endgültig eingeläutet. US-Präsident Wilson ließ seinen Außenminister darauf mit der Frage antworten, was denn &#039;&#039;der genaue Sinn der Note des Reichskanzlers&#039;&#039; sei?&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes|Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Da die amerikanische Seite zu keinem Frieden bereit war, solange deutsche Soldaten auf fremdem Territorium stünden, legte Prinz Max von Baden am 21.10.1918 nach: Man verband die formale Bitte mit dem Angebot, die besetzten Gebiete zu räumen und den U-Boot-Krieg einzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch führende Militärs der Obersten Heeresleitung machten Druck auf die Reichsregierung, einen schnellen Waffenstillstand herbeizuführen. Hindenburg teilte der Regierung bei seinem Antrittsbesuch in Berlin am 7. Oktober 1918 mit: &#039;&#039;Die Lage kann für uns nicht mehr besser werden, daher ist jede Verzögerung des Friedensschlusses, militärisch gesprochen, zu unserem Nachteil&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von alledem war in Wasserburg selbst nur wenig zu erfahren. Zu lange und höchst intensiv wurde der Glaube an den &#039;&#039;Siegfrieden&#039;&#039;, wie ihn die dritte Oberste Heeresleitung (OHL) immer wieder postulierte, gepflegt. Doch jetzt, im Oktober 1918, nachdem Wilhelm II. Prinz Max zum Reichskanzler ernannt hatte und der den Rückhalt der Parlamentsmehrheit genoss, schwenkte auch General Ludendorff um und wünschte einen Friedensvertrag auch auf der Basis von Wilsons 14 Punkten. Ein solcher &#039;&#039;maßvoller&#039;&#039; Frieden würde weder Sieger noch Besiegte kennen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19|Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19]], 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang auf ein System, in dem eine parlamentarische Kontrolle vorgesehen war, wurde zwar im Reich und in Bayern vollzogen, und auch auf kommunaler Ebene lesen wir von einem Soldaten- und Arbeiterrat, der sich im November 1918 gegründet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2: &#039;&#039;Auch hier hat sich ein Soldaten- und Arbeiterrat gebildet&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Leider versagt weiteres Quellenstudium am Fehlen der diesbezüglichen Quellen&amp;lt;ref&amp;gt; Die diesbezüglichen Akten könnten eigentlich im Staatsarchiv München eingesehen werden, doch im Findbuch zu Wasserburg während des Ersten Weltkrieges sind die hier genannten Dokumente leider nicht vorhanden.&amp;lt;/ref&amp;gt;: So lesen wir von einer Veranstaltung im Danningerbräu, die einen &#039;&#039;äußerst starken Besuch&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehabt habe, &#039;&#039;darunter nicht wenige Frauen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der neue Landrat des Bezirks Wasserburg, Birnkammer, hielt einen zweistündigen Vortrag, in dem er &#039;&#039;das Interesse seiner Hörerschaft fesselte und diese oft zu lebhaftem Beifall hinriß&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ging anscheinend dem wohl sozialdemokratischen Landrat darum zu zeigen, dass die Sozialdemokratie während der gesamten Kriegsdauer stets ermahnt habe, einen Verständigungsfrieden mit den Entente-Mächten anzustreben, den die militärische Führung in Deutschland stets unterlaufen und boykottiert habe. Landrat Birnkammer dürfte wohl dann auch die Besucher aufgefordert haben, der sozialdemokratischen Partei beizutreten und es zu unterlassen, in der Stadt &#039;&#039;nachts feige reaktionäre Plakate anzuschlagen, die zudem keinen Wert hätten, da drei Viertel der Bevölkerung für die neue Ordnung seien&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den am 12. Januar 1919 durchgeführten Landtagswahlen, bei denen auch erstmals Frauen das aktive und passive Wahlrecht erhalten hatten, ergab sich dann allerdings keine Mehrheit für die Sozialdemokraten&amp;lt;ref&amp;gt;So erhielt die MSPD 17,6 Prozent der Stimmen und die USPD 0,1 Prozent, während die Bayerische Volkspartei auf 33,3 Prozent der Stimmen kam und der Bauernbund auf 44,2 Prozent, zitiert nach: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Wasserburg. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Wassernutzung_Wuhr&amp;diff=13449</id>
		<title>Wassernutzung Wuhr</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Wassernutzung_Wuhr&amp;diff=13449"/>
		<updated>2022-08-17T15:10:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: einige Satzzeichen (Kommata) gestrichen oder ergänzt, Rechtschreib- und Grammatikfehler, Tippfehler. Beim Begriff &amp;quot;Drahlmühle&amp;quot; unsicher ob nicht &amp;quot;Drahtmühle&amp;quot; gemeint ist, keine Korrektur vorgenommen.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__HIDDENCAT__&lt;br /&gt;
Matthias Haupt&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Identifikation historischer Nutzbauten an den Gewässern Mühlbach und Wuhrbach im Stadtgebiet Wasserburg - Grundzüge ihrer Entwicklung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Artikel wird derzeit erstellt. Die Fertigstellung/Veröffentlichung erfolgt zum 11.09.2022.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;-ENTWURFS-BEARBEITUNGSSTAND-&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachdem der Verfasser durch einzelne Archivanfragen und seit seiner Mitarbeit am Kommunalen Denkmalkonzept der Stadt immer wieder einmal mit den verschiedenen ehemaligen Mühlgebäuden am Mühlbach der Wuhr in Berührung kam, hierzu jedoch keine, die ehemaligen Handwerks- und Gewerbebetriebe vollständig beschreibende Abhandlung vorliegt, entstand eine Idee: Die alten Gebäude am Bach - oder soweit historische Gebäude nicht mehr vorhanden sind, die Orte, wo diese einstmals standen - und ihre ehemaligen Nutzungen, die mit dem Wasser verbunden waren, sollten bei einer historischen Wanderung am Tag des offenen Denkmals® 2022 vorgestellt und in Erinnerung gerufen werden. Mit Beginn der vorbereitenden Auswertungsarbeiten reifte der Entschluss, die Ergebnisse zum Veranstaltungstag im Historischen Lexikon Wasserburg zugänglich zu machen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Herausforderung der nachfolgend publizierten Arbeit war, die verschiedenen historischen Gewerbe, von denen heute keines mehr existiert, und die sich in einem seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stark veränderten, teilweise auch &#039;&#039;überformten&#039;&#039; Stadtgebiet &#039;&#039;verstecken&#039;&#039;, nicht nur herauszustellen, sondern auch ihrer Entwicklung nachzugehen. Der Titel der Abhandlung - &#039;&#039;Identifikation historischer Nutzbauten an den Gewässern Mühlbach und Wuhrbach im Stadtgebiet Wasserburg - Grundzüge ihrer Entwicklung&#039;&#039; - weist auf die Ausrichtung der Arbeit hin: Die Studie erschließt die Gebäude und ihre Nutzungen systematisch und in den Grundzügen. Doch sie kann in diesem gesteckten Rahmen nicht leisten, den zumindest teilweise auch für die Zeit vor 1800 noch weitergehend vorhandenen Quellen auswertend nachzuspüren. Was von dieser Miszelle ebenso nicht erwartet werden kann, ist eine befriedigende technikgeschichtliche Abhandlung. Weiterhin beschränkt sich die Erörterung auf das Stadtgebiet Wasserburg - die mit der Stadtgeschichte gleichwohl zusammenhängenden Bachmehringer Mühlen (Obermühle/Mittermühle/Untermühle/Hammerschmiede) werden hier nicht besprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Topographie: Der Mühlbach und Wuhrbach von der Gemeindegrenze bis zu ihren Mündungen in den Inn==&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740632.64&amp;amp;N=5327337.64&amp;amp;zoom=10&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Die Darstellung im BayernAtlas ist leider recht ungenau, da dieser nur den Wuhrbach explizit ausweist sowie u.a. auch der Gerinneverlauf des Mühlbachs am Kapuzinerweg falsch dargestellt ist.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Ausschnitt Grundrissplan 1615.jpg|mini|Ausschnitt aus dem Grundrissplan von 1615.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Ausschnitt Vermessungsplan 1813.jpg|mini|Ausschnitt aus dem Vermessungsplan von 1813.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Ausschnitt Vermessungsplan 1854.jpg|mini|Ausschnitt aus dem Vermessungsplan von 1854.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Wasserwirtschaftsaemter 304 Lageplan.jpg|mini|Lageplan &#039;&#039;Wasserkraftanlage Wildgruber&#039;&#039;, 1921: Die Einzeichnung erfolgte im älteren Katasterplan, Mitte 19. Jh., welcher verdeutlicht, dass auch in den Jahren vor 1920/21 der Wehrbereich der oberen Wuhr mit Ableitung des oberen Mühlkanals (bediente &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; und &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039;) an der Stelle des 1921 projektierten Stauwehrs für eine neue Wasserkraftanlage lag.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im nacheiszeitlichen Urstromtal der Ur-Prien vereinen sich Mühlbach und Schwarzmoosbach am nord-östlichen Rand der Ortschaft Bachmehring (Gemeinde Eiselfing) zum Mühlbach, während ein weiterer Bachlauf von südlich der Dirnecker Straße (historischer Flurname hier: &#039;&#039;Grabenwiesen&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Lageplan &#039;&#039;Wasserkraftanlage Wildgruber&#039;&#039;, 1921. Einzeichnung im älteren Kataster, Mitte 19. Jh., [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304]].&amp;lt;/ref&amp;gt; entspringend (u.a. das Firmengelände Huber verrohrt unterlaufend) bei der Hammerschmiede 1 (Gemeinde Eiselfing) - nun bereits Stadtgebiet Wasserburg - mit dem Mühlbach zusammentrifft. Nördlich (historischer Flurname: &#039;&#039;Hammerleite&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Lageplan &#039;&#039;Wasserkraftanlage Wildgruber&#039;&#039;, 1921, Einzeichnung im älteren Kataster, Mitte 19. Jh., [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304]].&amp;lt;/ref&amp;gt; heißt der Bach heute bis zum Beginn des Staubereichs (errichtet 1920/21-1924/25 im Bereich eines Vorgängerwehres) Mühlbach und ab dort Wuhrbach. Der östliche Abfluss im Anschluss an das [[Wassernutzung_Wuhr#Elektrizit.C3.A4tswerk.2FWasserkraftwerk.2C_Am_Wuhrbach_6.2C_.28Krafthaus.29_sowie_Stauwehranlage_.28Wuhr.29_mit_Staubereich.2FStauweiher_des_Wuhrbachs.2C_ohne_Adresse.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn|Stauwerk]] wird weiterhin als Wuhrbach bezeichnet, der westliche Abfluss vom heutigen Staubereich als Mühlbach oder &#039;&#039;oberer Mühlkanal&#039;&#039; (heute: Rohrleitung zum Kraftwerk). Neben zwei Wehren im Stadtbereich Wasserburg sind der Bach bzw. zwei seiner Zweige heute circa zur Hälfte der gesamten Bachstrecke unterirdisch kanalisiert, verrohrt oder überbaut.&lt;br /&gt;
Die zweite Ableitung vom Wuhrbach oberhalb des [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_3.2C_10_.2F_12.2C_14_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummern_314_.2F_313_.28312.29.29|Steinmühlwegs 3]] (Stauwehranlage &#039;&#039;Schredl&#039;&#039; der [[Wassernutzung_Wuhr#Bruckm.C3.BChlweg_1_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_319.29|&#039;&#039;Bruckmühle&#039;&#039;]] und hier etwas oberhalb  wieder mündend - der ehemalige &#039;&#039;obere Mühlkanal&#039;&#039;) wird wieder Mühlbach genannt. Dieser verläuft im Grundstücksbereich des Steinmühlwegs 3 an der Straße Steinmühlweg noch als offenes Gerinne entlang, ist im Anschluss jedoch großteils überbaut/kanalisiert oder verrohrt bis zum Kapuzinerweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Wehr der &#039;&#039;Bruckmühle&#039;&#039; unterhalb der ehemaligen &#039;&#039;Stein-oder Wildgrubermühle&#039;&#039; fließen Mühlbach (westlich) und Wuhrbach (östlich) parallel in Richtung der Rosenheimer Straße. Der Wuhrbach verläuft ab der Rosenheimer Straße kanalisiert (verrohrt seit 1980), macht hier eine deutliche Nord-Ost-Biegung und mündet westlich der [[Wassernutzung_Wuhr#Vorg.C3.A4ngerbau_zur_Rosenheimer_Stra.C3.9Fe_2_.28Wuhrbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_321c.29|Rosenheimer Straße 2]], kurz oberhalb der Innbrücke, in den Inn. Der Mühlbach verläuft ab dem Abzweig vom Wuhrbach entlang des Steinmühlwegs und ist dort sowie im Bereich des Kapuzinerwegs teilweise noch als freies Gerinne sichtbar, bevor er mit der &#039;&#039;Bruckmühle&#039;&#039; die &#039;&#039;Wehrinhaberin&#039;&#039; erreicht und nördlich davon kanalisiert/verrohrt in den Inn mündet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die differenzierte Bezeichnung bzw. Unterscheidung zwischen Wuhrbach und Mühlbach ist für den Verlauf im Stadtgebiet Wasserburg im Sprachgebrauch nicht immer gegeben. Die Bezeichnung Wuhrbach wird heute häufig auch auf den Verlauf des Mühlbachs übertragen. Das mag an solchen, den Wuhrbach begleitenden, weiteren geografischen Namen (&#039;&#039;Wuhrtal&#039;&#039;, Straßennamen &#039;&#039;Wuhrweg&#039;&#039; und &#039;&#039;Am Wuhrbach&#039;&#039;) liegen, die zugunsten der Wuhrbezeichnung beitragen. Im BayernAtlas fehlt die Ausweisung des Mühlbachs für das Stadtgebiet Wasserburg gänzlich. Außerdem ist die historische Funktion des Mühlbachs - im Stadtgebiet Wasserburg der Mühlkanal, welcher den Mühlen zugeführt wurde - verloren gegangen.&lt;br /&gt;
Die Bezeichnungsgeschichte fällt im Vergleich zu heute jedoch zugunsten der Mühlbachbezeichnung aus: Vor dem Bau des [[Wassernutzung_Wuhr#Elektrizit.C3.A4tswerk.2FWasserkraftwerk.2C_Am_Wuhrbach_6.2C_.28Krafthaus.29_sowie_Stauwehranlage_.28Wuhr.29_mit_Staubereich.2FStauweiher_des_Wuhrbachs.2C_ohne_Adresse.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn|Wuhrstauwerkes &#039;&#039;Wildgruber&#039;&#039;]] (ab 1920) fehlt in der Regel die Bezeichnung Wuhrbach. So weisen ältere Planwerke (Grundriss 1615/Vermessungsplan 1813/1854) die Bezeichnung Mühlbach für beide Bachläufe aus - für den die Mühlen antreibenden Mühlkanal einerseits und für das heute als Wuhrbach bezeichnete Gewässer andererseits. Dass die Gewässerbezeichnung Mühlbach älter sein dürfte als die Bezeichnung Wuhrbach, lässt sich auch funktional erklären: Der Begriff &#039;&#039;Wuhr&#039;&#039; bedeutet &#039;&#039;Wehr&#039;&#039;. Es ist anzunehmen, dass zwei Bachsperren im Stadtgebiet Wasserburg - also wasserbauliche Eingriffe am durch das Wuhrtal fließenden ursprünglichen Mühlbach -, die dazu dienten den Wasserstand zu regulieren (Wasser stauen/Wasser ablassen/Wasser in Mühlkanäle ableiten), seit mindestens 1480 (veränderlich) vorhanden waren und mit den Wehrbauten auch die Bezeichnung des &#039;&#039;Wuhrbachs&#039;&#039; verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;am Wuhr der Reitter-Benefiziumstiftung&#039;&#039; als ein älterer namentlicher Nachweis, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a332|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a332]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Situation vor 1920:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Stauwehranlagen des Wuhrbachs und somit die Staubereiche haben sich mit dem [[Wassernutzung_Wuhr#Elektrizit.C3.A4tswerk.2FWasserkraftwerk.2C_Am_Wuhrbach_6.2C_.28Krafthaus.29_sowie_Stauwehranlage_.28Wuhr.29_mit_Staubereich.2FStauweiher_des_Wuhrbachs.2C_ohne_Adresse.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn|Stauwerkbau &#039;&#039;Wildgruber&#039;&#039; (ab 1920/21-1924/25)]] verändert. Der Stauweiherbereich oberhalb der ehemaligen [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_3.2C_10_.2F_12.2C_14_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummern_314_.2F_313_.28312.29.29|&#039;&#039;Stein- und Walkmühle&#039;&#039;]] hat sich im Vergleich zu Katasterplänen des 19. Jahrhunderts deutlich verkleinert. Die Ableitungen eines ehemals großteils offen verlaufenden &#039;&#039;oberen Mühlkanals&#039;&#039; (und weiterer kleinerer Ableitungen und Mühlzuläufe) vom Vorgängerwehr im oberen Wuhrtal (vor 1920/21) über die [[Wassernutzung_Wuhr#Grundst.C3.BCcksbereich_Wuhrweg_18.2F20_.28M.C3.BChlbach.29_bzw._.C3.B6stlich_der_heute_bestehenden_Wohnh.C3.A4user.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_310.29|&#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039;]] bis zur &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039; sowie der Abzweig des Mühlkanals vom Wehr der &#039;&#039;Bruckmühle&#039;&#039; bis zur Mündung bei der [[Wassernutzung_Wuhr#Bruckm.C3.BChlweg_5_.28heute_mit_7.29_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_320.29|&#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039;]] in den Inn waren schon vor 1920 vorhanden und zum Betrieb der nachfolgend einzeln beschriebenen Mühlen und Gewerbe essentiell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Weitere historische Bezeichnungen für den Wuhrbach bzw. den Mühlbach bzw. die Mühlkanalableitungen waren:&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Bachmehringer Bach&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; in der Regel für den Bachlauf im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Bachmehring (heute Eiselfing) bis zur Hammerschmiede/Gemeindegrenze, bisweilen jedoch auch auf das Stadtgebiet übertragen&amp;lt;ref&amp;gt;z.B. in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304.]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Fehlbach&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (z.B. 1808) als Bezeichnung für den Teilungsverlauf unterhalb der Hammerschmiede/Hammerleite&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, V38|StadtA Wasserburg a. Inn, V38]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bewertung des Stadtbereichs im Kommunalen Denkmalkonzept===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mühlbach:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Das Kommunale Denkmalkonzept bezeichnet den Mühlbach (entsprechend dem begrenzten Betrachtungsraum) im Bereich des Kapuzinerwegs als &#039;&#039;Historisches Gewässer&#039;&#039;, da dieser teilweise sichtbar &#039;&#039;in einem engen Gerinne von der Ableitung des Wuhrbachs bis zum Inn&#039;&#039; verläuft und &#039;&#039;im Kontext zum Bach auch noch einzelne Gebäude bestehen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Baudenkmäler und Denkmalwerte|Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Baudenkmäler und Denkmalwerte]], 156.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wuhrbach:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Geschäftsbauten entlang des kanalisierten Wuhrbachs im Bereich der Rosenheimer Straße stellen laut Kommunalem Denkmalkonzept eine &#039;&#039;starke Überformung&#039;&#039; dieses Stadtbereichs dar.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Handlungsbedarf, Leitlinien und Handlungsempfehlungen|Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Handlungsbedarf, Leitlinien und Handlungsempfehlungen]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bewertung:&#039;&#039;&#039; Die in der &#039;&#039;Achatz-Vorstadt&#039;&#039; ehemals &#039;&#039;ansässige kleinteilige Struktur aus Handwerkerhäuschen, Mühlenstandorten und kanalisiertem Mühlbach ist angesichts der flächenhaften Gebäude (Penny-Markt, Getränkemarkt, Geschäftshaus, Parkhaus) kaum mehr nachvollziehbar. Allein der kanalisierte Bach und einige zum Teil denkmalgeschützte Bauten erinnern an die ehemalige historische Struktur&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Handlungsbedarf, Leitlinien und Handlungsempfehlungen|Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Handlungsbedarf, Leitlinien und Handlungsempfehlungen]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die historischen Gewässer Mühlbach und Wuhrbach sind gemäß Kommunalem Denkmalkonzept dennoch als Elemente der historisch-städtebaulichen Grundstruktur im Stadt-Quartier &#039;&#039;südliche Innvorstadt&#039;&#039; klassifiziert. Bei zukünftigen &#039;&#039;baulichen Entwicklungen (Neubau/Sanierung/Umstrukturierung) sollten die unterschiedlichen und historisch gewachsenen Charakteristika und Prägungen erhalten und berücksichtigt werden&#039;&#039;. Insbesondere sollte der Mühlbach als historisches Kulturlandschaftselement und als offenes Gerinne &#039;&#039;eine Stärkung erfahren&#039;&#039;. Hier wäre auch &#039;&#039;eine Aufwertung der Freiraumqualitäten anzustreben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Handlungsbedarf, Leitlinien und Handlungsempfehlungen|Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Handlungsbedarf, Leitlinien und Handlungsempfehlungen]], 16, 27, 29.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sich aktuell für den [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_1_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_315.29|Steinmühlweg 1]] abzeichnenden baulichen Entwicklungen widersprechen diesen Feststellungen des Kommunalen Denkmalkonzeptes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bach- und Wasserkraftnutzung in der Geschichte==&lt;br /&gt;
[[Datei:Stadtarchiv Wasserburg, I1b207.jpg|mini|Konstruktionszeichnung von drei oberschlächtigen Wasserrädern einer Mahlmühle und &#039;&#039;wie das waser drauf gefiert&#039;&#039; wird, 1610.]]&lt;br /&gt;
Bis in das Jahr 1405 lässt sich das Mühlwesen Wasserburgs anhand des städtischen Archivguts zurückverfolgen. Die überlieferten Urkunden des Spätmittelalters geben hauptsächlich Auskünfte zu besitz- und lehensrechtlichen Angelegenheiten der Mühlen. Im Jahr 1463 erteilte Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut (* 23. Februar 1417, † 18. Januar 1479) dem Heilig-Geist-Spital die Erlaubnis auf dem Gries einen Mühlschlag zu errichten. Ebenfalls Lehen des Herzogs waren die Obermühle und Untermühle in Bachmehring.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Bachmehringer Mühlen sind nicht Gegenstand dieser Abhandlung, wenngleich auch zu diesen, u.a. durch ihre &#039;Zugehörigkeit&#039; zum Spital, schriftliche Quellen vorliegen, die bis in das Spätmittelalter zurückreichen. Insbesondere zur Hammerschmiede sind im Stadtarchiv auch umfangreiche Bilddokumente überliefert, die Einblicke ins Innere dieser Schmiede erlauben, was leider zu den im Folgenden genauer vorgestellten vergleichbaren ehemaligen Handwerksbetrieben (mit Ausnahme der gezeigten Planüberlieferungen, welche auch Funktionseinblicke erlauben sowie dem ehemaligen [[Wassernutzung_Wuhr#Kapuzinerweg_2_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28urspr.C3.BCnglich_Nebengeb.C3.A4ude_zur_Alten_Hausnummer_321.29|Färberhandwerk am Kapuzinerweg 2]]) nicht festgestellt werden kann.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Lehensgüter waren seit dem 15. Jahrhundert beim Spital oder bei der Stadt. In Folge der Vergabe der Nutzungsrechte an die Grunduntertanen bezogen die Lehensträger Geld- und Naturalabgaben (Gilten) aus dem Mühlbetrieb. Vor allem Mehl wurde regelmäßig zur Verpflegung der Pfründner des Spitals benötigt. Auch drei Schiffsmühlen am Inn gehörten dem Spital. Die Wechsel der Lehensträgerschaft zwischen Stadt und Spital sind noch nicht weitergehend erforscht, jedenfalls wurde die Obermühle ab 1736 regelmäßig als Stadteigentum geführt, ab 1803 das ehemalige Lehensgut in der Regel zu Eigentum überlassen.&lt;br /&gt;
Der bauliche Unterhalt der Mühlen lag ebenso beim Spital oder bei der Stadt. &#039;&#039;Vor der Innbrücke&#039;&#039; - so wurde der gesamte Betrachtungsraum dieser Abhandlung früher bezeichnet - befanden sich die Stein-, Walch- und Schleifmühlen, welche durch die Wasserkraft des Mühlbachs und dessen Abzweigen (Mühlkanälen) angetrieben wurden. Vermutlich im Umfeld des bei der [[Wassernutzung_Wuhr#Grundst.C3.BCcksbereich_Wuhrweg_18.2F20_.28M.C3.BChlbach.29_bzw._.C3.B6stlich_der_heute_bestehenden_Wohnh.C3.A4user.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_310.29|&#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039;]] gelegenen sogenannten Schleifangers sollte im Jahr 1610 eine weitere Mühle - eine Mahlmühle - errichtet werden.&lt;br /&gt;
In der hierzu überlieferten Archivakte befinden sich einige schöne Konstruktionszeichnungen und Baupläne sowie ein Baukostenanschlag zum Bau dieser Mühle.&amp;lt;ref&amp;gt;Abschnitt hier grob zusammenfassend aus Metadaten/Erschließungsdatenauswertung StadtA Wasserburg a. Inn, Bestand I sowie [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b207|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b207]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für den Mühlbetrieb waren die dem Wuhrbach den Namen gebenden Wehre am Mühlbach - mindestens eine Bachsperre, die dazu diente, den Wasserstand zu regulieren (Wasser zu stauen/Wasser abzulassen) war bereits 1480 vorhanden und geht wohl noch viel weiter in die Vergangenheit zurück (&#039;&#039;am Wuhr der Reitter-Benefiziumstiftung&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a332|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a332]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zwei Wehre im Wuhrtal waren auch die Voraussetzung dafür, künstliche Wassergräben abzuzweigen, die heute als Mühlbach bezeichnet werden. Die Mühlkanäle dienten dem Betrieb mehrerer hintereinander liegender Mühlen oder das Wasser nutzender Gewerbe. Die Steuerung der Wasserdurchläufe und die zwei wichtigsten Abzweige der Wuhr [[Wassernutzung_Wuhr#Elektrizit.C3.A4tswerk.2FWasserkraftwerk.2C_Am_Wuhrbach_6.2C_.28Krafthaus.29_sowie_Stauwehranlage_.28Wuhr.29_mit_Staubereich.2FStauweiher_des_Wuhrbachs.2C_ohne_Adresse.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn|oberhalb der &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039;]] sowie unterhalb der [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_3.2C_10_.2F_12.2C_14_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummern_314_.2F_313_.28312.29.29|&#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039;]] dienten auch der Unabhängigkeit der Betriebe (z.B. der [[Wassernutzung_Wuhr#Bruckm.C3.BChlweg_1_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_319.29|&#039;&#039;Bruckmühle&#039;&#039;]]) von oberhalb liegenden Bauten (z.B. der &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden alle Gebäude/Gewerbe unterhalb der Bachmehringer Hammerschmiede, die das Wasser, die Wasserkraft oder den Bachlauf (z.B. zum Entsorgen von Abwasser) genutzt haben, ausgehend von den ersten Vermessungsplänen (Uraufnahmen) des 19. Jahrhunderts erschlossen sowie Nutzungsnachweise im Archivgut zugeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größeren am Mühlbach gelegenen Mühlen, deren archivalische Nachweise bis in das Spätmittelalter zurückreichen, waren noch 1796 sämtlich im Stadteigentum:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese waren&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* die [[Wassernutzung_Wuhr#Grundst.C3.BCcksbereich_Wuhrweg_18.2F20_.28M.C3.BChlbach.29_bzw._.C3.B6stlich_der_heute_bestehenden_Wohnh.C3.A4user.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_310.29|&#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
* die [obere] [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_3.2C_10_.2F_12.2C_14_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummern_314_.2F_313_.28312.29.29|&#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039; und &#039;&#039;Walchmühle&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
* die [untere] [[Wassernutzung_Wuhr#Bruckm.C3.BChlweg_1_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_319.29|&#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039; und &#039;&#039;Walchmühle&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
* sowie die [[Wassernutzung_Wuhr#Bruckm.C3.BChlweg_5_.28heute_mit_7.29_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_320.29|&#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039;]].&lt;br /&gt;
Diesen Mühlen ist gemein, dass sie Anfang des 19. Jahrhunderts allesamt in privates Eigentum übergingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Zäsur für sämtliche Betriebe war die Industrialisierung. Im Prinzip waren es nur zwei Betriebe - beides Getreidemühlen -, welche ihre althergebrachten Mühlen in diese moderne Zeit überführt und zu &#039;&#039;Kunstmühlen&#039;&#039; umgebaut haben:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* die [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_3.2C_10_.2F_12.2C_14_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummern_314_.2F_313_.28312.29.29|&#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039;]] und&lt;br /&gt;
* die [[Wassernutzung_Wuhr#Bruckm.C3.BChlweg_1_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_319.29|&#039;&#039;Bruckmühle Schredl&#039;&#039;]].&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese stehen für einen Wandel der Wasserkraftnutzung am Mühlbach. Beide Mühlen ersetzten um 1900 ihre alten, direkt vom Wasser angetriebenen Mühlräder durch moderne Turbinen zum Antrieb sowie die alten Mahlgänge mit Mühlsteinen durch moderne Walzenstühle.&lt;br /&gt;
Betriebe, die diese Entwicklung nicht nahmen, verschwanden.&lt;br /&gt;
Bis heute überdauert haben schließlich nur zwei Verstromungsnutzungen der Wasserkraft:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* das von den Stadtwerken betriebene [[Wassernutzung_Wuhr#Elektrizit.C3.A4tswerk.2FWasserkraftwerk.2C_Am_Wuhrbach_6.2C_.28Krafthaus.29_sowie_Stauwehranlage_.28Wuhr.29_mit_Staubereich.2FStauweiher_des_Wuhrbachs.2C_ohne_Adresse.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn|Wasserkraftwerk an der Wuhr]] und&lt;br /&gt;
* eine Verstromungsanlage zum Heizen von Wohnräumen in der ehemaligen [[Wassernutzung_Wuhr#Bruckm.C3.BChlweg_1_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_319.29|&#039;&#039;Bruckmühle&#039;&#039;]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die einzelnen historischen Gewerbe bachabwärts==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Am Mühlbach (Mühlbachkanäle)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Grundstücksbereich Wuhrweg 18/20 (Mühlbach) bzw. östlich der heute bestehenden Wohnhäuser, Stadt Wasserburg a. Inn (Alte Hausnummer 310)====&lt;br /&gt;
[[Datei:V38 Ausschnitt.jpg|mini|&#039;&#039;Schleif Mühl&#039;&#039; und &#039;&#039;Weisgerber Walch&#039;&#039;, 1808.]]&lt;br /&gt;
=====Frühere Bezeichnungen=====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schleifmihl vor der Ihnpruckhen&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1710)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c513|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c513]], hier zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1710, 2. Januar.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Underthail der Schleifmihl&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (&#039;&#039;Weisgärber&#039;&#039;) (1710)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c513|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c513]], hier zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1710, 2. Januar.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schleif Mühl und Weisgerber Walch&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;/&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Glassur Mühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1808)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, V38|StadtA Wasserburg a. Inn, V38]]. Planzeichner: &#039;&#039;Georg Stadle[r], Maurermeister&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unterreiner (Unterauer) Georg. Schleifer&#039;&#039;(1796-1824)&amp;lt;ref&amp;gt;Drei Quellen bis 1824, u.a. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b31|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b31]] geben den Schleifmühlbesitzer als &#039;&#039;Georg Unterreiner&#039;&#039; an, eine weist den Namen &#039;&#039;Unterauer&#039;&#039; aus: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;310 Wildgruber Martin&#039;&#039;, darauf folgend &#039;&#039;310 Furtner Georg&#039;&#039; sowie Abteilung &#039;&#039;310a&#039;&#039; (1856)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II473|StadtA Wasserburg a. Inn, II473]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;310 Furtner Georg&#039;&#039; sowie Teilbesitz &#039;&#039;310 1/3&#039;&#039; noch bei &#039;&#039;Wildgruber Martin&#039;&#039; (1897)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II471|StadtA Wasserburg a. Inn, II471]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Lage=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740514.58&amp;amp;N=5327345.44&amp;amp;zoom=14&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Klassifikation des Gebäudes=====&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Schleifm%C3%BChle Schleifmühle]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Walkm%C3%BChle Weißgerberwalk]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://ceramica-ch.ch/glossary/glasurmuehle/#q=*%3A* Glasurmühle]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Art der Gewässernutzung=====&lt;br /&gt;
Antrieb der Mühlen (z.B. des Stockgetriebes der Schleifmühle) durch Wasserkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Nutzungshistorie/Beschreibung=====&lt;br /&gt;
[[Datei:II 485 0009.jpg|mini|&#039;&#039;Plan über die vom Unterrainer Schleifer neuzuerbauende Schleifmühle&#039;&#039;, 1824.]]&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; war die nächstfolgende Mühle unterhalb der Bachmehringer Mühlen (&#039;&#039;Obermühle/Mittermühle/Untermühle/Hammerschmiede&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
Angetrieben wurde diese vom sogenannten oberen Mühlkanal, der bei einem [[Wassernutzung_Wuhr#Elektrizit.C3.A4tswerk.2FWasserkraftwerk.2C_Am_Wuhrbach_6.2C_.28Krafthaus.29_sowie_Stauwehranlage_.28Wuhr.29_mit_Staubereich.2FStauweiher_des_Wuhrbachs.2C_ohne_Adresse.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn|Vorgängerwehr im Bereich des heutigen Wuhrstauwerkes]] abzweigte.&amp;lt;ref&amp;gt;Lageplan &#039;&#039;Wasserkraftanlage Wildgruber&#039;&#039;, 1921, Einzeichnung im älteren Kataster, Mitte 19. Jh., [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zwei urkundliche Erwähnungen der Schleifmühle legen nahe, dass dieses Gewerbe hier am Mühlbach mindestens bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht.&lt;br /&gt;
Die Vormünder von &#039;&#039;Andree und Ursula Lel&#039;&#039; verkauften deren &#039;&#039;Schleifmühle vor der Innbrücke&#039;&#039; am 22. August 1560 an &#039;&#039;Hanns Wolfganng&#039;&#039;. Nur kurze Zeit später - im November desselben Jahres - wurde die &#039;&#039;Schleifmühle vor der Innbrücke&#039;&#039; an die Stadt Wasserburg übertragen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a2450|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a2450]] und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a2451|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a2451]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Leibgeding&#039;&#039; ist die &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; fortan in den Kammerrechnungen nachzuverfolgen.&lt;br /&gt;
Der Mühlbetrieb bestand gemäß einer Planzeichnung des Jahres 1808 aus drei Gebäuden: Der obere Teil war die &#039;&#039;Schleif Mühl&#039;&#039;, der untere Teil die &#039;&#039;Weisgerber Walch&#039;&#039; sowie an einem weiteren, kleineren nördlichen Bachabzweig angesiedelt, eine kleinere Glasurmühle (Keramikproduktion), die jedoch weiterhin nicht belegbar ist.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, V38|StadtA Wasserburg a. Inn, V38.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese auf dem Plan festgehaltene Situation wurde oder war bereits 1809 wieder verändert, indem der Schleifmühlbau östlich vom Wohnhaus des Schleifers aus diesem herausgelöst und auf Stadtgrund verlegt wurde. Entstehungsgrund des bezeichneten Planes ist jedoch nicht die &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; gewesen, sondern Anlass war ein Bauvorhaben einer weiteren &#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039; des &#039;&#039;Steinmühlers&#039;&#039; am Fuß bzw. nördlich des &#039;&#039;Leprosenhaus-Bucklangers&#039;&#039; an der Wuhr - auch &#039;&#039;Achatiusberg&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Lageplan &#039;&#039;Wasserkraftanlage Wildgruber&#039;&#039;, 1921, Einzeichnung im älteren Kataster, Mitte 19. Jh., [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304]].&amp;lt;/ref&amp;gt; genannt. Diese Planung wäre heute im Stadtbereich Wuhrbach 8 anzusiedeln.&lt;br /&gt;
Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Wert-Schätzung der &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; - deren Name sich mit der Bezeichnung &#039;&#039;Schleifergraben&#039;&#039; auch auf den weiteren Verlauf des oberen Mühlbachkanals bis zur unterhalb liegenden [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_3.2C_10_.2F_12.2C_14_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummern_314_.2F_313_.28312.29.29|&#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039;]] übertragen hatte. Zur Bestimmung der &#039;&#039;Laudemialabgabe&#039;&#039; Anfang des 19. Jahrhunderts wurde anlässlich der &#039;&#039;Leibgedingverleihung der Schleifmühle an Georg Unterreiner&#039;&#039; auf eine ältere Verleihung der &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; an &#039;&#039;Joseph und Ursula Landman&#039;&#039; 1759 rekurriert.&amp;lt;ref&amp;gt;Metadaten/Erschließungsdatenauswertung StadtA Wasserburg a. Inn, Bestand II./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b31|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b31]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ursprünglich war die &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; - wie schon erwähnt - mit dem Wohnhaus des &#039;&#039;bürgerlichen Messerschmids und Schleifers Georg Unterrainer &#039;&#039; verbunden, wurde jedoch nach einem &#039;&#039;Wasserschaden&#039;&#039; 1807 im Jahr 1809 verlegt und somit vom Haus getrennt. Hierfür wurde dem Schleifer städtischer Grund am oberen Mühlkanal überlassen. 1823/1824 sollte nochmals ein Neubau der &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; auf dem benachbarten Grund des &#039;&#039;königlichen Rentamts&#039;&#039; erfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II485|StadtA Wasserburg a. Inn, II485]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um 1856 war die &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; (das Haus 310) in das Eigentum Martin Wildgrubers übergegangen, der seine Mühle unterhalb betrieb.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II473|StadtA Wasserburg a. Inn, II473]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; wurde seitdem offensichtlich nicht oder nicht mehr lange weiterbetrieben, wohl aber waren die anzunehmenden Besitzrechte Wildgrubers am Bachlauf hier wohl auch entscheidend für den späteren Ausbau seiner unterhalb gelegenen Mühle zur Kunstmühle sowie den späteren Bau des Stau- und Wuhrwerkes.&amp;lt;ref&amp;gt;Hier, nur unweit östlich der &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039;, waren [https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserschloss_(Ingenieurwesen) &#039;&#039;Wasserschloss&#039;&#039;] und das Gefälle zum &#039;&#039;Krafthaus Wildgruber&#039;&#039; (heute am  Wuhrbach 6) vorgesehen, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ehemalige Schleifmühlgebäude wurde zwar noch im 19. Jahrhundert von Wildgruber wieder veräußert, jedoch fortan - das kann aus den Berufsbezeichnungen der Eigentümer geschlossen werden - nur noch zu Wohn- bzw. Werkstattzwecken genutzt. Die althergebrachte Bezeichnung &#039;&#039;beim Schleifer&#039;&#039; hielt sich im Sprachgebrauch der Wasserburger dennoch bis mindestens in die Nachkriegszeit.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1947, 4. Oktober.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heutige Gebäude Wuhrweg 20 weist Freskenreste einer Marienkrönung und eines hl. Nepomuk, wohl aus dem 19. Jahrhundert, auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am ehemaligen &#039;&#039;Schleifmühl(en)anger&#039;&#039; - eine weitere mit der historischen Nutzung verbundene, bis mindestens 1610&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b207|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b207]].&amp;lt;/ref&amp;gt; zurückreichende Grund- oder Flurbezeichnung - wurde ab 1943 eine &#039;&#039;Behelfsheim-Siedlung für Luftkriegsbetroffene&#039;&#039; durch das Deutsche Wohnungshilfswerk geplant (dies wäre heute in etwa der Stadtbereich Wuhrweg 1a-11).&amp;lt;ref&amp;gt;Metadaten/Erschließungsdatenauswertung StadtA Wasserburg a. Inn, Bestand II.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=====Galerie: hist. Ansichten, Pläne, Dokumente=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:II 485 0009 Ausschnitt.jpg|mini|Lageplan/&#039;&#039;Situation&#039;&#039; des &#039;&#039;Schleifers&#039;&#039; oberhalb der &#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039; am Mühlbach, Ausschnitt aus dem &#039;&#039;Plan über die vom Unterrainer Schleifer neuzuerbauende Schleifmühle&#039;&#039;, 1824.&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Grundsteuerkatatasterplan m. Einz. Wildgruber und Schleifmühle c.1851.jpg|Ausschnitt aus dem Grundsteuerkatataster-plan mit oberhalb des &#039;&#039;Wildgruber&#039;schen Eigentums&#039;&#039; (= Einzeichnungen/farbige Kennzeichnungen) gelegener &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039;, nach 1851.&lt;br /&gt;
File:Areal der ehem. Steinmühle Juli 2022.jpg|Areal der ehem. &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; (Bildhintergrund), vom &#039;&#039;Wasserschloss&#039;&#039; (Bildvordergrund) des unterhalb gelegenen Wasserkraftwerks an der Wuhr aus fotografiert, Juli 2022.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Steinmühlweg 3, 10/12, 14 (Mühlbach), Stadt Wasserburg a. Inn (Alte Hausnummern 314/313 (312))====&lt;br /&gt;
[[Datei:Ausschnitt Grundsteuerkatatasterplan m. Einzeichnung Wildgruber Eigentum c.1851.jpg|mini|Ausschnitt aus dem Grundsteuerkatatasterplan mit farbiger Kennzeichnung (Einzeichnung) des &#039;&#039;Wildgruber&#039;schen Eigentum&#039;&#039; (&#039;&#039;Steinmühlbesitz&#039;&#039;) sowie unmittelbar unterhalb folgender &#039;&#039;Walchmühle&#039;&#039; nebst Wehr und Nebengebäuden, nach 1851.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Frühere Bezeichnungen=====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (heute: Steinmühlweg 14/Alte Hausnummer 313)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
und &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Walch&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (heute: Steinmühlweg 3/Alte Hausnummer 314) (1796)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;313 Thomaschütz, Müller&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
und &#039;&#039;314 Schußer, Walker&#039;&#039; (1813)&amp;lt;ref&amp;gt;Vermessungsplan 1813 mit [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn,  II472|StadtA Wasserburg a. Inn,  II472]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;312/313 Wildgruber Mühler&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
sowie als letzter Betreiber der &#039;&#039;Walch&#039;&#039; - &#039;&#039;314 Unterauer, Walker&#039;&#039; - auf diesen folgend &#039;&#039;Kobler Windmühlmacher&#039;&#039; (Umnutzung) (1856)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II473|StadtA Wasserburg a. Inn, II473]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Steinmüller-Anwesen 313 mit &#039;&#039;&#039;Drahlmühle&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Sägmühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1907)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI-Akz.22|StadtA Wasserburg a. Inn, VI-Akz.22]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wildgruber-Mühle&#039;&#039;: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Steinmühler Wildgruber&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;/&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Kunstmühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mit &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mahlmühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, unterhalb liegender &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Sägmühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1894/1928)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, V1246|StadtA Wasserburg a. Inn, V1246]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II820|StadtA Wasserburg a. Inn, II820]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Lage=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740635.50&amp;amp;N=5327547.89&amp;amp;zoom=14&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Klassifikation der Gebäude=====&lt;br /&gt;
(Steinmühlweg 12, 14:)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ehem. [https://de.wikipedia.org/wiki/Steinm%C3%BChle Steinmühle], ehem. Drahlmühle ([https://de.wikipedia.org/wiki/Drahtzug Drahtmühle]), ehem. [https://de.wikipedia.org/wiki/Getreidem%C3%BChle Getreidemühle]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
seit 1894 [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstm%C3%BChle Kunstmühle] (Getreidemühle) (= ehem. Mühlenensemble, bestehend aus Getreide- und Sägemühle mit Nebengebäuden)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
sowie&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Steinmühlweg 3, 10:)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
unmittelbar unterhalb folgende ehem. [https://de.wikipedia.org/wiki/Walkm%C3%BChle &#039;&#039;Walch&#039;&#039; (&#039;&#039;Walkmühle&#039;&#039; samt Nebengebäuden)]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
sowie zur &#039;&#039;Bruckmühle&#039;&#039; gehörige Wehr- und Bachleitungsbauten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;Nur&#039; der zur ehemaligen &#039;&#039;Walkmühle&#039;&#039; gehörende Stadl, das Gebäude Steinmühlweg 10, ist als Baudenkmal in der Denkmalliste eingetragen: &#039;&#039;Wohnhaus, zweigeschossiger Traufseitbau, wohl Mitte 19. Jh.; Bundwerkstadel, Mitte 19. Jh.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler Wasserburg a.Inn (Stand: 02.06.2022)|Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler Wasserburg a. Inn (Stand: 2.6.2022)]], 27.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Gebäudezusammenhänge des &#039;Steinmühlensembles&#039; sowie des &#039;Walkmühlensembles&#039; werden in der Denkmalliste nicht benannt, desgleichen gilt derzeit für die hier gelegenen, in Verantwortung der &#039;&#039;Bruckmühle&#039;&#039; stehenden Wehr- und Bachleitungsbauten, die an dieser Stelle mindestens auf das 18. Jahrhundert zurückgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Art der Gewässernutzung=====&lt;br /&gt;
Nutzung der Wasserkraft zum Mühlenantrieb&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wehrbau mit Ableitung des Mühlkanals zum Bruckmühlweg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Kunstmühle Wildgruber&#039;&#039; war seit 1920 auch mit dem Bau des oberhalb liegenden [[Wassernutzung_Wuhr#Elektrizit.C3.A4tswerk.2FWasserkraftwerk.2C_Am_Wuhrbach_6.2C_.28Krafthaus.29_sowie_Stauwehranlage_.28Wuhr.29_mit_Staubereich.2FStauweiher_des_Wuhrbachs.2C_ohne_Adresse.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn|Stau- und Elektrizitätswerkes]] verknüpft. Der dort durch Wasserkraft erzeugte Strom sollte die schon zuvor bestehenden elektrischen Triebwerke der Mühle antreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Nutzungshistorie/Beschreibung=====&lt;br /&gt;
[[Datei:V1246.jpg|mini|&#039;&#039;Plan für Martin Wildgruber Steinmühler in Wasserburg, welcher seine Mahlmühle um 1 1/2 Stock erhöht, den Dachstuhl erneuert, und das ganze Mühlwerk neu einbaut&#039;&#039;, 1894.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Album002-1356.jpg|mini|&#039;&#039;Kunstmühle Wildgruber&#039;&#039; mit erneuerter Getreidemühle (links), unmittelbar anschließender Sägemühle (Holzbau) sowie anschließender/unterhalb gelegener ehem. &#039;&#039;Walkmühle&#039;&#039; (Bildvordergrund rechts), um 1912.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:II2-3286.jpg|mini|Schwimmbad im ehemaligen Staubereich des Wuhrbachs oberhalb der &#039;&#039;Wildgruber Steinmühle&#039;&#039;, um 1900.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:II820-Aufl..jpg|mini|Der &#039;&#039;Wildgruber&#039;sche Mühlbesitz&#039;&#039; zum Zeitpunkt der Eigentumsübernahme durch Stadt und Sparkasse, 1928. Zwar sind die zeitgenössischen Bezifferungen der Gebäude dieser Fotografie im Überlieferungszusammenhang nicht erläutert/aufgelöst, können aber durch den Verfasser mit Hilfe der schriftlichen Auflistung des Besitzes im Erwerbsakt zugeordnet werden: (1) &#039;&#039;Wohnhaus mit Stall und Stadel, Stallung&#039;&#039;, (2) &#039;&#039;Mahlmühle mit Maschinenhaus und Hofraum&#039;&#039;, (3) &#039;&#039;Nebengebäude mit Werkraum, Schweinestall&#039;&#039;, (4) weiteres &#039;&#039;Wohnhaus&#039;&#039; mit &#039;&#039;Wiese&#039;&#039; und &#039;&#039;Stadel&#039;&#039;, (5) &#039;&#039;Stadel mit Werkstätte, Holzlegen und Schupfen&#039;&#039;.]]&lt;br /&gt;
1796 sind die am Mühlbach gelegenen und unmittelbar benachbarten Mühlbetriebe (samt ihrer jeweils zugehörigen Nebengebäude) unabhängig voneinander als &#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039; (oberhalb) und als &#039;&#039;Walch&#039;&#039; (&#039;&#039;Walkmühle&#039;&#039;) (unterhalb) im Häuserverzeichnis eingetragen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gesamte 19. Jahrhundert hindurch, jedoch wohl auch schon in der Zeit davor, waren die zum Steinmühlbetrieb (Steinmühlweg 12, 14) sowie die zum Walkmühlbetrieb (Steinmühlweg 3, 10) gehörigen Gebäude durchwegs in unterschiedlicher Eigentümerhand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1851 bis 1928 gehörten die ehemalige &#039;&#039;Stein- bzw. Drahlmühle&#039;&#039; (seit 1894 erneuerte Kunstmühle/Getreidemühle) und die an diese damals noch unmittelbar anschließende Sägemühle der Müllerfamilie Martin Wildgruber, während die direkt unterhalb liegende &#039;&#039;Walkmühle&#039;&#039; zwar zunächst noch weiterbetrieben, im Verlauf des 19. Jahrhunderts jedoch umgenutzt bzw. als &#039;&#039;Walch&#039;&#039; aufgelassen wurde. Im Jahr 1925 erwarb Martin Wildgruber das mit dieser ehemaligen Mühle noch in Verbindung stehende Wasserrecht, die zu dieser Zeit im Eigentum eines Tabakfabrikanten war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II820|StadtA Wasserburg a. Inn, II820]]./ Nach Erhebungen eines Schulprojektes sei auch die Tabakfabrik noch mit einem Rad betrieben worden, vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner, Die Wuhr|Baumgartner, Die Wuhr]], was jedoch anhand der Unterlagen des Stadtarchivs nicht nachvollzogen werden kann.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt der Betrachtung steht im Folgenden das Herzstück des Mühlbetriebs Wildgruber (die Mühle Steinmühlweg 14):&lt;br /&gt;
Zum &#039;&#039;Steinmülleranwesen&#039;&#039; (&#039;&#039;Hausnummer 313&#039;&#039;) gehörten gemäß einem &#039;&#039;Auszug aus dem Grundsteuerkataster&#039;&#039; vom 16. Januar 1907&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI-Akz.22|StadtA Wasserburg a. Inn, VI-Akz.22]].&amp;lt;/ref&amp;gt; u.a.:&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wohnhaus mit Stadl und Stallung, Zubauhäusl mit Schweinestall, Drahlmühle, Sägmühle&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Stadl mit Zimmererwerkstätte&#039;&#039;, &#039;&#039;Remise&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Badeanstalt auf der Bachwiese (Gebäude im Eigentum der Stadtgemeinde)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* verschiedene Grundstücke und damit verbundene Rechte, u.a.: &#039;&#039;Grasgärtl, Hausgärtl, Baumgarten, Hopfengarten, Bachwiesen, Hausweg, Wuhrwiese mit Mühlbach Wasser, Holzlagerplatz, Dirneckerwiese, Hammerleiten, Viehtrieb neben dem Mühlbach, verschiedene (Acker-)Anger&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Fall der Bezeichnung der &#039;&#039;Drahlmühle&#039;&#039; muss es sich um eine im Grundsteuerkataster belassene ältere Bezeichnung der Mühle handeln, so wie diese vor 1894 gestaltet oder genutzt war: Denn die ehemalige Stein- oder spätere Drahlmühle wurde seit 1894 als Getreidemühle technisch modernisiert und ausgebaut. Fortan als  &#039;&#039;Kunstmühle&#039;&#039; des &#039;&#039;Kleinunternehmers Martin Wildgruber&#039;&#039; bezeichnet, verfügte sie seitdem über ein modernes &#039;&#039;Walzwerk&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Plan aus dem Jahr 1894, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, V1246|StadtA Wasserburg a. Inn, V1246]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der Baumaßnahme 1894 gehörten neben der Getreidemühle die damals im ursprünglichen Zustand belassene Sägmühle zum Betrieb - ein Holzgebäude -, welches vermutlich beim Hochwasser 1920 zerstört wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Staubereich der Wuhr oberhalb des Wehres östlich der &#039;&#039;Walkmühle&#039;&#039; (zur Lage des Staubereichs vgl. den Ausschnitt aus dem Grundsteuerkatatasterplan) betrieb die Stadt im 19. Jahrhundert mehrfach veränderte und erneuerte Wuhrbäder: 1848 wurde auf Anregung des Magistrats oberhalb der &#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039; erstmals ein &#039;&#039;offenes kaltes Bad&#039;&#039; errichtet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1848, 20. Juni.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses wurde 1861 erneuert, war aber schon 1882 erneut baufällig geworden. Alle Bäder waren vom Bach durchflossen und befanden sich auf dem Grund des &#039;&#039;Besitzers der Steinmühle&#039;&#039; - Martin Wildgruber - der die jeweiligen Nutzungen gegen Entgelt gestattete:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Das Schwimmbad in der Wuhr ist ruinös und muss über kurz oder lang durch ein vollständig neues ersetzt werden. Schon eine gründliche Reparatur, die unabweisbar ist, kostet erhebliches und vermag die Anstalt nur auf kurze Zeit zu fristen. Für jeden Fall bedarf es jährlich beträchtlicher Unterhaltungskosten. Man wird daher das Wuhrbad vollständig aufgeben und oberhalb der &#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039; ein Schwimmbadebassin in 2 Abteilungen graben, nachdem der dortige Besitzer annehmbare Bedingungen stellt.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1882 c.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1920 war Martin Wildgruber gerade in Begriff die Wuhr oberhalb der ehemaligen &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; zur Elektrizitätsgewinnung für seinen Mühlenbetrieb auszubauen (vgl. hierzu ausführlicher das Kapitel zum [[Wassernutzung_Wuhr#Elektrizit.C3.A4tswerk.2FWasserkraftwerk.2C_Am_Wuhrbach_6.2C_.28Krafthaus.29_sowie_Stauwehranlage_.28Wuhr.29_mit_Staubereich.2FStauweiher_des_Wuhrbachs.2C_ohne_Adresse.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn|Stau- und Kraftwerk]]), als ihn eine Hochwasser-Katastrophe im September schwer schädigte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Es regnete jeglichen Tag seit Wochen, heute besonders arg. Der Innpegel zeigte allerdings erst 3,50 m an. Aber die Wuhr! Mit unheimlicher Schnelle begann und vollendete sie ein nie geschautes Vernichtungswerk. Dort, wo schon vor kurzem die zum Ausweichen gezwungenen Wasser sich ein tiefes Rinnsal von der oberen zur unteren Wuhr gegraben, fand der Wasserschwall auch diesmal den schwächsten Punkt und riß, Bäume entwurzelnd, ein Loch, das wohl die Vorstellungskraft der meisten beschämt. Der Schaden, der dem Mühlbesitzer Wildgruber [...] entstand, geht in die Hunderttausende. Die entwaldeten Hänge der Wuhr machte den Fruchtigkeitsüberschuß lebendig; an zahlreichen Stellen rutschte die Oberdecke ab. Gleiches zeigte sich übrigens auch an zahlreichen anderen Hängen. So am Kellerberg, in der Ponschabau, am Weg zur Landschaft usw. Dadurch, daß die Wuhrwasser ihren Weg durch die untere Wuhr nahmen, blieb der obere Bach [damit war der obere Mühlkanal gemeint] ohne Wasser, was vielleicht anderes Übel verhütete, aber der untere Wasserlauf [damit war die Wuhr gemeint] richtete schlimme Verheerungen an, vermurte Wiesen und selbst einige über dem sonstigen Wasserspiegel liegende Gärten, riß den Mühlsteg ab und drang auf der Straße bis zur [[Wassernutzung_Wuhr#Vorg.C3.A4ngerbau_zur_Rosenheimer_Stra.C3.9Fe_2_.28Wuhrbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_321c.29|Lederfabrik Mirring (ehemals La[c]kenbauer)]]. Auch den oberhalb des Wuhrweihers gelegenen Mühlen und Werkstätten setzte das wilde Wasser bös zu. Unsere Feuerwehr wurde spät abends dorthin zur Sicherung der Holzvorräte berufen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1882, 6. September.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Folge dieses Ereignisses erklärte der Stadtrat sich damit einverstanden, &#039;&#039;daß das Bett des Wuhrbaches durch Gründung einer Wildbachverbauungsgenossenschaft, zu der sämtliche Beteiligte im Sinne des Wassergesetzes herangezogen werden müssen, wieder instand gesetzt wird.&#039;&#039; Weiterhin befürwortete die Stadt die Fortsetzung bzw. die Wiederaufnahme &#039;&#039;des Wildgruber&#039;schen Projektes&#039;&#039; zum &#039;&#039;Ausbau eines Stauwehres.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1921, 11. Oktober.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte allerdings bis 1924, dass diese Bautätigkeit im Wuhrtal nennenswert voran kam:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Kunstmühlbesitzer Mart. Wildgruber hat nun den Bau eines eigenen Elektrizitätswerkes neuerdings aufgenommen. Das Wasserschloß in Form einer stumpfen kleine Pyramide beim ehemaligen Schleiferhäusl steht bereits und unterhalb im Talgrund erwächst rasch das Turbinenhaus [Am Wuhrbach 6] [https://de.wikipedia.org/wiki/Francis-Turbine einer Francisturbine]&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Planung vgl. den Plan zum Einbau einer Francisturbine, 1920, geprüft 1925, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die von Ingenieur Max Rothmaier erbaute Wuhrkraftanlage bringt eine wesentliche Besserung des jetzt ziemlich wüsten Landschaftsbildes durch Errichtung einer Stauanlage mit einem neuen Stauweiher, der Aussicht auf ein künftiges Bad gibt.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1924, 23. April.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Hauptwerk&#039;&#039; - das Stauwehr - wurde im Juni 1924 fertig gestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1924, 30. Juni.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Überrest Stauwehr und Bachabzweig bei der ehemaligen Wildgruber-Walchmühle Juli 2022.jpg|mini|Überrest Wehr- und Bachabzweig oberhalb der ehemaligen &#039;&#039;Walchmühle&#039;&#039; und unterhalb der ehemaligen &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039;, Juli 2022.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erlittene Hochwasserschaden und die hohen Investitions- und Finanzierungskosten des neuen Stauwehr- und Kraftwerkbaus einerseits sowie die im Gefolge der Wirtschaftskrisen seit der Mitte der 1920er Jahre stehenden Belastungen andererseits, führten zu einer Überschuldung des Betriebs. Kunstmühlbesitzer Martin Wildgruber, der bereits 1924/1925 sogenannte Notkredite beziehen musste, war und wurde schließlich gezwungen, sämtlichen Besitz zu veräußern:&lt;br /&gt;
Im August 1928 erwarb die Stadtgemeinde, die zuvor noch die Abnahme von Strom aus dem privaten Elektrizitätswerk Wildgrubers abgelehnt und somit dessen wirtschaftliche Situation verschärft hatte:&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;das Elektrizitätswerk einschließlich der dazugehörigen Grundstücke&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wuhrhänge und Grundstücke an der Bachniederung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und &#039;&#039;den Wuhrweiher&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die weiterhin von Stadt, Leprosenhausstiftung und Sparkasse erworbenen Gebäude der ehemaligen &#039;&#039;Kunstmühle Wildgruber&#039;&#039; waren:&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wohnhaus mit Stall und Stadel, Stallung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Nebengebäude mit Werkraum, Schweinestall&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Mahlmühle mit Maschinenhaus und Hofraum&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Stadel mit Werkstätte, Holzlegen und Schupfen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Gärten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
sowie ein weiteres&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wohnhaus&#039;&#039; mit&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wiese&#039;&#039; und &#039;&#039;Stadel&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Der Notzeit entsprechend sollten in der ehemaligen &#039;&#039;Wildgruber&#039;schen Mühle&#039;&#039; zunächst Behelfswohnungen für plötzlich obdachlos Gewordene, bedürftige Mieter und Fürsorgeempfänger geschaffen werden; mit Beginn der nationalsozialistischen Zeit – ein Arbeitsdienstlager.&amp;lt;ref&amp;gt;Gesamter Abschnitt vornehmlich nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II820|StadtA Wasserburg a. Inn, II820]] sowie Metadaten/Erschließungsdatenauswertung StadtA Wasserburg a. Inn, Bestand II.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der zunächst tatsächlich erfolgten Wohnraumnutzung der ehemaligen &#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039; ab den 1930er Jahren sowie ab 1931 erfolgter Teilveräußerungen des Wildgruber-Besitzes durch die Stadt, vor allem aber in Folge des Erwerbs und der Umnutzung der Mühlgebäude durch die Brennerei Sigl ab 1939 wurde das Erscheinungsbild des ehemaligen Mühlbetriebs stark verändert. Der &#039;&#039;alte Betrieb&#039;&#039; Sigl zog in die ehemalige Mühle ein, durch den 1960/61 errichteten &#039;&#039;neuen Betrieb&#039;&#039; wurde das nord-westlich der ehemaligen Mühle gelegene Areal überformt. (Vgl. hierzu das Firmenporträt in der Galerie).&amp;lt;ref&amp;gt;Entwicklung der Brennerei Otto Sigl Wasserburg a. Inn, (Firmenporträt 1962), in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hoeppner, Stadt und Landkreis Wasserburg am Inn|Hoeppner, Stadt und Landkreis Wasserburg am Inn]], 198-199.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erfolgte im Umgriff südlich und westlich der ehemaligen &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039; - diese einbeziehend bzw. direkt an diese anschließend - das Eigentumswohnungsbauprojekt &#039;&#039;Wohnnatur Steinmühlweg&#039;&#039; durch die &#039;&#039;TBS Gesellschaft für Wohn- und Gewerbebau mbH Schloßberg&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;TBS Gesellschaft für Wohn- und Gewerbebau mbH Schloßberg, &#039;&#039;Wohnnatur Steinmühlweg&#039;&#039;, 1994, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Il2-M1-M4|StadtA Wasserburg a. Inn, Il2-M1-M4]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Schulprojekt der Hauptschule Wasserburg in den Jahren 1995-1997 wurde ein etwa sieben Zentner schwerer Mühlstein aus dem Bachbett hinter dem Wehr (beim Steinmühlweg 3) geborgen und aus dem Bach gezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner, Die Wuhr|Baumgartner, Die Wuhr]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute erinnern vor allem die Gebäude Steinmühlweg 3 und 14 sowie die Überreste von Mühlsteg, Bachabzweig und Wehr (&#039;&#039;Schredl-Wehr&#039;&#039;) noch an die ehemalige Mühlen bzw. die Bedeutung von Bachabzweigen zum Betrieb unterhalb liegender Mühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Galerie: hist. Ansichten, Pläne, Dokumente=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Vermessungsplan 1813 312-14.jpg|Die Gebäude 313 und 314 im Vermessungsplan 1813.&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Vermessungsplan 1854 312-14.jpg|Die Gebäude 313 und 314 im Vermessungsplan 1854.&lt;br /&gt;
File:N-0025 02.jpg|&#039;&#039;Sägemühle Wildgruber&#039;&#039;, um 1910.&lt;br /&gt;
File:II820-I.jpg|Die &#039;&#039;Kunstmühle Wildgruber&#039;&#039; (historisch: &#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039;) unmittelbar vor oder kurz nach dem Eigentumsübergang an die Stadt, um 1928, heute Steinmühlweg 14.&lt;br /&gt;
File:II820-M.jpg|Im Bildvordergrund die ehemalige &#039;&#039;Walchmühle&#039;&#039;, um 1928, heute Steinmühlweg 3.&lt;br /&gt;
File:Brennerei Otto Sigl.jpg|Entwicklung der Brennerei Otto Sigl Wasserburg a. Inn, (Firmenporträt 1962).&lt;br /&gt;
File:SM-Il2-M2 Wildgruber-Sigel 1981 F Mühlbauer.jpg|Die ehemalige &#039;&#039;Brennerei Otto Sigl&#039;&#039; (alter Standort des Betriebs) in der ehem. &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039;, 1981. Auch der Betrieb der Brennerei leitete der Wuhr über den Mühlkanal Abwasser zu.&lt;br /&gt;
File:SM-Il2-M2 Wohnnatur Steinmühlweg Planung 2. Bauabschnitt 1994 TBS Wohn- und Gewerbebau.jpg|Lageplan der &#039;&#039;Wohnnatur Steinmühlweg&#039;&#039;, Planungs- und Verkaufsbroschüre, 2. Bauabschnitt, TBS Gesellschaft für Wohn- und Gewerbebau, 1994.&lt;br /&gt;
File:Ehem. Wildgrubermühle Juli 2022.jpg|Ehem. Wildgrubermühle, Juli 2022.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Steinmühlweg 1 (Mühlbach), Stadt Wasserburg a. Inn (Alte Hausnummer 315)====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Frühere Bezeichnungen=====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wimmer Bleicher&#039;&#039; (1796)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wimmer, Blaicher&#039;&#039; (1813)&amp;lt;ref&amp;gt;Vermessungsplan 1813 mit [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn,  II472|StadtA Wasserburg a. Inn,  II472]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Moser Josef Blaicher&#039;&#039; (1854/1856)&amp;lt;ref&amp;gt;Vermessungsplan 1854 mit [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II473|StadtA Wasserburg a. Inn, II473]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wäscherei Scheiel&#039;&#039; (1949)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II582|StadtA Wasserburg a. Inn, II582]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wäscherei Lazarus&#039;&#039; (&#039;&#039;in Betrieb bis ca. 1980&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner, Die Wuhr|Baumgartner, Die Wuhr]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Lage=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740622.91&amp;amp;N=5327601.41&amp;amp;zoom=14&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Klassifikation des Gebäudes=====&lt;br /&gt;
Ehem. [https://de.wikipedia.org/wiki/Bleichen#Geschichte Bleiche]/ehem. Wäscherei mit Wasserschwenke und Bleichplatz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Art der Gewässernutzung=====&lt;br /&gt;
Nutzung des Wassers zum Waschen und Bleichen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wasserversorgung/Wasserentsorgung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Nutzungshistorie/Beschreibung=====&lt;br /&gt;
[[Datei:SM-Il2-M3 Moserbleiche um 1910.jpg|mini|Rechts am Bildrand: Die Moserbleiche von Norden um 1910, vom östlich am Gebäude vorbei fließenden Wuhrbach aus fotografiert. Dahinter die ehemalige &#039;&#039;Walkmühle&#039;&#039;, zum Zeitpunkt der Fotografie &#039;&#039;Tabakfabrik Brucker&#039;&#039;. Im Bildhintergrund: Forstamt und Kirche St. Achatz.]]&lt;br /&gt;
Wasserburgs spätmittelalterliche/frühneuzeitliche Bleiche war mit entsprechender Platzausdehnung, die eine natürliche Rasen- oder Pfahlbleiche erforderte, im Bereich des Halses der Altstadthalbinsel vor der Stichmauer, die den Hag schützte, angesiedelt.&lt;br /&gt;
Die beiden Bleichen am Mühlbach mit jeweils kleineren Bleichplätzen waren jüngere Einrichtungen und zugleich auch Wäschereien. Die Einrichtungen hier gehen wohl auf das späte 18. Jahrhundert zurück.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahr 1864 erweiterte der &#039;&#039;Bleicher Joseph Moser&#039;&#039; sein hier bereits bestehendes Gebäude.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II582|StadtA Wasserburg a. Inn, II582]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Bauplan aus dem Jahr 1949 zeigt die Nutzung des Hauses als Wäscherei auf (&#039;&#039;Wäscherei Rosina Scheiel&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II582|StadtA Wasserburg a. Inn, II582]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als ältere, heute nicht mehr gebräuchliche Wege- und Flurbezeichnungen, die mit der früheren Nutzung und dem Gewerbe in Verbindung stehen, lassen sich für diesen Stadtbereich u.a. die Namen &#039;&#039;Bleicherweg&#039;&#039; und &#039;&#039;Bleicher-Anger&#039;&#039; nachweisen.&amp;lt;ref&amp;gt;u.a.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II582|StadtA Wasserburg a. Inn, II582]]; auch: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Erinnerungen und Befragungen zum Betrieb der Wäscherei Lazarus bzw. der Vorgängerbetriebe ermittelt - wurde 1995/1997 in einem Schulprojekt festgehalten und dokumentiert: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die Wäscherei hieß vorher &#039;Scheierl&#039;, noch früher &#039;Moser-Bleiche&#039;. Die Wäscherei &#039;Lazarus&#039; war noch bis ca. 1980 in Betrieb. Auch Gasthäuser und Hotels brachten ihre Wäsche. Nach dem Waschen im Kessel wurde früher die Wäsche zunächst im Wuhrkanal [sic: &#039;durch das Haus&#039; lief der Mühlbach oder Mühlkanal, östlich am Gebäude vorbei - der Wuhrbach], der durch das Haus fließt ausgespült. Die Frauen knieten dabei auf Brettern, die über den Bach gelegt waren. Die Wäsche wurde anschließend in einer mechanischen Kurbelschleuder geschleudert und entweder daheim oder auf der Bleiche unterhalb der Wäscherei zum Trocknen aufgehängt. Für die große Schleuder zahlte man 30Pf&amp;lt;ref&amp;gt;Wann genau das war, ist in den Aufzeichnungen nicht festgehalten.&amp;lt;/ref&amp;gt;, für die kleine 10Pf pro Füllung. In ganz alten Zeiten wachte ein Wärter in einem Häuschen darüber, dass keine Wäsche gestohlen wurde.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner, Die Wuhr|Baumgartner, Die Wuhr]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier besprochene Gebäude wurde 2022 abgerissen. Auf dem Gelände sollen nun, stark verdichtet, 24 Stadtwohnungen entstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Projektbeschreibung derzeit unter: https://rdecker.de/objekte/wasserburg-am-inn-24-wohnungen-projektierung/, aufgerufen am 21.7.2022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Galerie: hist. Ansichten, Pläne, Dokumente=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Vermessungsplan 1813 315 316.jpg|mini|Die Gebäude 315 und 316 im Vermessungsplan 1813.&lt;br /&gt;
File:II 582 0006.jpg|Bauplan 1949.&lt;br /&gt;
File:Ehem. Walchmühle Juli 2022.jpg|mini|Blick entlang des Mühlkanals (Mühlbach) zur ehemaligen &#039;&#039;Walchmühle&#039;&#039;, Juli 2022. Das Foto entstand in Höhe des 2022 abgerissenen ehemaligen Bleich- und Wäschereigebäudes am Steinmühlweg 1.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Steinmühlweg 4(-8) (Mühlbach), Stadt Wasserburg a. Inn (Alte Hausnummer 316)====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Frühere Bezeichnungen=====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Niedl Bleicher&#039;&#039; (1796)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Niedl, Blaicher&#039;&#039; (1813)&amp;lt;ref&amp;gt;Vermessungsplan 1813 mit [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn,  II472|StadtA Wasserburg a. Inn,  II472]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Schaefler Leopold Blaicher&#039;&#039; (1854/1856), später &#039;&#039;Stechl Christoph&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vermessungsplan 1854 mit [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II473|StadtA Wasserburg a. Inn, II473]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Breuherr Karl&#039;&#039; (1950)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Lage=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740583.32&amp;amp;N=5327661.94&amp;amp;zoom=14&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Klassifikation des Gebäudes=====&lt;br /&gt;
Ehem. Bleiche mit kleinem Bleichplatz/Weberei/Waschanstalt&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wasserschwenke&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Art der Gewässernutzung=====&lt;br /&gt;
Nutzung des Wassers zum Waschen und Bleichen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wasserversorgung/Wasserentsorgung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Nutzungshistorie/Beschreibung=====&lt;br /&gt;
Vgl. [[Wassernutzung_Wuhr#Nutzungshistorie.2FBeschreibung_3|Steinmühlweg 1]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eigentümer Leopold Schäffler, der 1864 im Alter von 73 Jahren verstarb, wird im Zusammenhang seiner Todesanzeige als &#039;&#039;bürgerlicher Bleicher und Webermeister&#039;&#039; bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1864, 23. Juni.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der 1876 geborene und gelernte Müller Karl Breuherr († 1959) übernahm den Gewerbebau im Jahr 1916. Fortan wird er als &#039;&#039;Waschanstaltbesitzer&#039;&#039; bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II945-02995|StadtA Wasserburg a. Inn, II945-02995]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Galerie: hist. Ansichten, Pläne, Dokumente=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Vermessungsplan 1813 315 316.jpg|mini|Die Gebäude 315 und 316 im Vermessungsplan 1813.&lt;br /&gt;
File:N-0025 01.jpg|&#039;&#039;Breuherr Bleiche&#039;&#039;, ca. 1910, mit Bleichplatz und Wäschepfählen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Kapuzinerweg 2 (Mühlbach), Stadt Wasserburg a. Inn (ursprünglich Nebengebäude zur Alten Hausnummer 321)====&lt;br /&gt;
[[Datei:Ausschnitt Vermessungsplan 1813 321 mit Nebengebäude Färberwerkstatt am Mühlbach.jpg|mini| Das Gebäude 321 mit dem Nebengebäude der Färberwerkstatt am Mühlbach im Ausschnitt des Vermessungsplans 1813. ]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SM-Il2-M4 01 Ausschweifen des Papps um 1980.jpg|mini|Der letzte Färbermeister und Blaudrucker Josef Unterauer beim letzten Arbeitsschritt des Blaudrucks - dem &#039;&#039;Ausschweifen/Auswaschen des Papps&#039;&#039; im Mühlbach, ca. 1980.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Ehem. Färberei Unterauer am Mühlkanal mit Überrest einer Schwenke.jpg|mini|Ehem. Färberei Unterauer am Mühlkanal mit Überrest einer Schwenke mit Blickrichtung zur ehem. &#039;&#039;Bruckmühle Schreiber&#039;&#039;, Juli 2022.]]&lt;br /&gt;
=====Frühere Bezeichnungen=====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Stainmull, Walch unnd ferbhaus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (16. Jahrhundert)&amp;lt;ref&amp;gt;z.B. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b386|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b386]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unterauer Färber&#039;&#039; (1796)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unterauer Färber&#039;&#039; mit Alter Hausnummer 321 1/2 (1813)&amp;lt;ref&amp;gt;Vermessungsplan 1813./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn,  II472|StadtA Wasserburg a. Inn,  II472]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Lage=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740652.20&amp;amp;N=5327808.20&amp;amp;zoom=14&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Klassifikation des Gebäudes=====&lt;br /&gt;
Ehem. [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%A4rben Färberei]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gebäude ist als Baudenkmal in der Denkmalliste eingetragen: &#039;&#039;Ehem. Färberei, zweigeschossiger Flachsatteldachbau mit Mezzanin, Erdgeschoss mit Gewölben, Umbau und Aufstockung 1882, im Kern älter.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler Wasserburg a.Inn (Stand: 02.06.2022)|Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler Wasserburg a. Inn (Stand: 02.06.2022)]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuvor (2017) im Kommunalen Denkmalkonzept als ortsbildprägendes Gebäude herausgestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Baudenkmäler und Denkmalwerte|Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Baudenkmäler und Denkmalwerte]], 131.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Art der Gewässernutzung=====&lt;br /&gt;
Nutzung des Wassers des Mühlkanals bei den wasserintensiven Prozessen des [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%A4rben Färbens]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schwenke am Mühlbach zum Auswaschen/Schweifen/Spülen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Nutzungshistorie/Beschreibung=====&lt;br /&gt;
In mehreren Rechnungen des 16. Jahrhunderts werden &#039;&#039;Stainmull, Walch unnd ferbhaus&#039;&#039; als zusammengehörige Einheit von den zur Rechnungsführung vom Rat der Stadt bestellten &#039;&#039;Walchmaistern&#039;&#039; geführt.&amp;lt;ref&amp;gt;z.B. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b386|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b386]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das ursprüngliche und ältere &#039;&#039;Färbhaus&#039;&#039; (Alte Hausnummer 321, heute Rosenheimer Straße 6) am Mühlbach ist schon 1594 erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#|Brunhuber, Kriegsvolk]], 11f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der heute noch erhaltene Bau (in den letzten Jahren bis dato Stück für Stück renoviert) geht laut Hausinschrift auf das Jahr 1689 zurück, ein Bildstock am Nachbarhaus verweist auf das Jahr 1656. Dieses ursprüngliche Färber-Gebäude 321 war jedoch nicht direkt mit dem Gewässer verbunden, erst die wohl seit dem 19. Jahrhundert (spätestens 1813) bestehende Werkstatt (heute Kapuzinerweg 2) lag dann - dem hohen Wasserbedarf einer Färberei entgegenkommend - direkt am Bach.&lt;br /&gt;
Noch bis 1982 - zuletzt seit rund 250 Jahre durch die Färberhandwerksfamilie Unterauer - wurde das Handwerk hier betrieben.&lt;br /&gt;
Teile der Werkstatt befinden sich heute im Museum Wasserburg.&lt;br /&gt;
Das Wohnhaus und Warengeschäft der Familie - das sogenannte &#039;&#039;Unterauerhaus&#039;&#039; - befand sich seit 1879 an der Salzburger Straße 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Weiterführende Literatur=====&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Färberei Unterauer und das hiermit später verbundene Warengeschäft in der Salzburger Straße 2 (&#039;&#039;Unterauerhaus&#039;&#039;) ist durch eine neuere Veröffentlichung gut erschlossen, so dass für dieses Kapitel auf den zur Sanierung des Hauses im Jahr 2008 heraugegebenen kleinen Sammelband &#039;&#039;Matthias Haupt/Ferdinand Steffan (Bearb.), Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg am Inn (Hg.), Das Haus vor der Stadt. Die Geschichte eines Hauses und seiner Bewohner über drei Jahrhunderte, 2008&#039;&#039; mit den darin enthaltenen Aufsätzen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Baugeschichte Salzburger Straße 2|Haupt, Baugeschichte Salzburger Straße 2]] und&lt;br /&gt;
* [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Steffan, Bewohner des Hauses Salzburger Straße 2|Steffan, Bewohner des Hauses Salzburger Straße 2]], hier zur Färberei insbesondere 42-62&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
verwiesen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Bruckmühlweg 1 (Mühlbach), Stadt Wasserburg a. Inn (Alte Hausnummer 319)====&lt;br /&gt;
[[Datei:II 2102 0064.jpg|mini|&#039;&#039;Plan des von Johan Schrödl Bruckmiller [...] größer zu bauenden [...] Mühlgebäudes&#039;&#039;, 1841.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Album002-1147.jpg|mini|Die in Steinbauweise 1852 neu errichtete Mahlmühle (ehemalige &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039;) in der Zeit der Nutzung als Sägemühle sowie die zur Kunstmühle ausgebaute &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039; nebst Anger, von Norden, um 1900.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Ib2-3232.jpg|mini|Mehlhandlung Schredl, Färbergasse 16, ca. 1905-1910.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:N-0026.jpg|mini|Die &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039;, um 1910.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:DO398.jpg|mini|Luftbild entlang der Rosenheimer Straße mit &#039;&#039;Bruckmühle, Kleinmühle, Schilka Spinnweberei&#039;&#039; sowie der &#039;&#039;Knagge und Peitz Werkstätten für Herrenbekleidung&#039;&#039;, Ende der 1950er Jahre.]]&lt;br /&gt;
=====Frühere Bezeichnungen=====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Stainmull, Walch unnd ferbhaus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b386|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b386]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Stain Mühl und Walch&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1615)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#HAAB, Kt 100 Wasser 3 R Ms|HAAB, Kt 100 Wasser 3 R Ms]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Bruckmühl&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1796)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;319 Schredl, Müller&#039;&#039;/&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1813)&amp;lt;ref&amp;gt;Vermessungsplan 1813./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn,  II472|StadtA Wasserburg a. Inn,  II472]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Übernahme der unterhalb der &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039; liegenden &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039; durch Johann Schredl und Neubau einer Mahlmühle (1852))&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;319/320 Schredl, Johann [später (=überschrieben)] Josef&#039;&#039; (1856), gemeinsames Eigentum mit Bruckmühlweg 5/7 (320)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II473|StadtA Wasserburg a. Inn, II473]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;319 Schredl, Josef&#039;&#039; (1897), weiterhin gemeinsames Eigentum mit Bruckmühlweg 5/7 (320)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II471|StadtA Wasserburg a. Inn, II471]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schreibermühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;(seit 1931) &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1931, 16. April.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
weiterhin zusammengehörig mit Bruckmühlweg 5/7 &#039;&#039;Schreiber, Franz&#039;&#039;/&#039;&#039;Schreibermühle&#039;&#039; (1950)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Lage=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740635.58&amp;amp;N=5327829.95&amp;amp;zoom=14&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Klassifikation des Gebäudes=====&lt;br /&gt;
Ehem. [https://de.wikipedia.org/wiki/Steinm%C3%BChle Steinmühle] und &#039;&#039;Walch&#039;&#039; ([https://de.wikipedia.org/wiki/Walkm%C3%BChle &#039;&#039;Walkmühle&#039;&#039;])&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ehem. [https://de.wikipedia.org/wiki/Getreidem%C3%BChle Getreidemühle]/[https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstm%C3%BChle Kunstmühle]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kommunalen Denkmalkonzept als ortsbildprägendes Gebäude herausgestellt: &#039;&#039;Ehemaliges Mühlengebäude, mehrgeschossig über quadratischem Grundriss.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Baudenkmäler und Denkmalwerte|Stadt Wasserburg a. Inn (Hg.), Kommunales Denkmalkonzept, Baudenkmäler und Denkmalwerte]], 128.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Art der Gewässernutzung=====&lt;br /&gt;
Antrieb der drei (1615) bzw. zwei (1813/1854) Mühlräder durch Wasserkraft&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
später Verstromung der Wasserkraft zum Betrieb der Triebwerke der Kunstmühle&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
heute noch Verstromung der Wasserkraft und Nutzung des erzeugten Stromes zum Heizen des Wohnhauses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Nutzungshistorie/Beschreibung=====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Steinmühle vor der Innbrücke&#039;&#039; lässt sich urkundlich bis 1519/1521/1527 zurück verfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Entscheidend für die Zuordnung hier: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a1023|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a1023]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 1559 verkaufte Herzog Albrecht V. (* 29. Februar 1528, † 24. Oktober 1579) diese &#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039; dem Wasserburger Handwerk der Tuchmacher,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a1463|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a1463]].&amp;lt;/ref&amp;gt; so dass sie entsprechend der daraus zu folgernden Funktionserweiterung zur &#039;&#039;Walkmühle&#039;&#039; und mit der damit einhergehenden Bezeichnung im Grundriss 1615 als &#039;&#039;Stain Mühl und Walch&#039;&#039; auch örtlich eindeutig zugeordnet werden kann. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#HAAB, Kt 100 Wasser 3 R Ms|HAAB, Kt 100 Wasser 3 R Ms]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In mehreren Rechnungen des 16. Jahrhunderts werden &#039;&#039;Stainmull, Walch unnd ferbhaus&#039;&#039; als zusammengehörige Einheit bezeichnet und von den zur Rechnungsführung vom Rat der Stadt bestellten &#039;&#039;Walchmaistern&#039;&#039; verwaltet.&amp;lt;ref&amp;gt;z.B. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b386|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b386]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit dem überlassenen Lehnsgut erzielte die Stadtkammer regelmäßige Einnahmen. Aus den Kammerrechnungen 1710 geht beispielsweise hervor, dass &#039;&#039;der Gemainer Statt Stainmichl vnnd Färber Haus Geörg Hueber iezig Stainmihler vnnd Leibgedings Ihnhaber Jährlichen Stifft&#039;&#039; zahlt sowie &#039;&#039;Bernhard Plass Burger vnnd Tuechmacher auch walcher, von der Walch je Quartals&#039;&#039; ebenfalls Abgaben zu leisten hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c513|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c513]], hier zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1710, 2. Januar.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit 1780 wurde in der &#039;&#039;Steinmühle&#039;&#039; Korn gemahlen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c-HLG-251|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c-HLG-251]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem 19. Jahrhundert (nachweisbar ab 1813) war die ehemalige &#039;&#039;Stein- und Walkmühle&#039;&#039; im Eigentum der Müllerfamilie Schredl, die hier weiterhin ausschließlich Getreide verarbeitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nun regelmäßig als &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039; bezeichneten Mühle zugehörig war der Mühlkanal bis bzw. einschließlich des Wehres beim heutigen [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_3.2C_10_.2F_12.2C_14_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummern_314_.2F_313_.28312.29.29|Steinmühlweg 3]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1822 wollte &#039;&#039;Joseph Schrödl, Bruckmüller&#039;&#039; für seine &#039;&#039;Mahlmühle&#039;&#039; einen &#039;&#039;Getreidereinigungs- oder Koppgang&#039;&#039; errichten, um alle drei Mahlgänge seiner Mühle ununterbrochen für alle zu verarbeitenden Getreide zu nutzen. Dies, so gab Schredl beim Magistrat zu Protokoll, weil ein Mahlgang bisher, vor allem während der Sudzeit der Brauereien, ausschließlich zum Malzschroten/Malzbrechen verwendet werde und daher - nicht voll ausgelastet - zwischenzeitlich ungenutzt still stehe. Das Vorhaben lehnte die Stadt ab mit der Begründung, dass der Wasserstand des Mühlbaches ohnehin nur den gleichzeitigen Betrieb von zwei Mahlgängen erlaube.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Feststellung war freilich auch für den Betrieb der unterhalb liegenden - und zu diesem Zeitpunkt noch eigenständigen - [[Wassernutzung_Wuhr#Bruckm.C3.BChlweg_5_.28heute_mit_7.29_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_320.29|&#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039;]] relevant, die von einem ausreichenden Wasserstand abhängig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1841 erfolgte eine Erneuerung, Vergrößerung sowie Erhöhung des Mühlgebäudes, wovon ein Bauplan erhalten blieb.&lt;br /&gt;
Neben der Mühle betrieb die Familie auch eine Landwirtschaft mit Schweine- (seit 1849) und Rindviehbestand (spätestens seit 1899)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1899, 4. Februar.&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie eine Mehlhandlung in der Färbergasse.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Ib2-3232|StadtA Wasserburg a. Inn, Ib2-3232]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1920, 8. Januar.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1852 konnte Schredl seinen Besitz um die unmittelbar unterhalb folgende &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039; erweitern,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt; deren historischer Name &#039;&#039;Prugg Mühl&#039;&#039; als &#039;&#039;Bruckmühle&#039;&#039; fortan auf die größere Schredl- oder spätere &#039;&#039;Schreibermühle&#039;&#039; übertragen wurde.&lt;br /&gt;
Der Müllermeister gehörte zu dieser Zeit regelmäßig der Vorstandschaft der Müllerzunft an.&amp;lt;ref&amp;gt;u.a.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1850, 7. August.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin wurde der Familienname Schredl im Sprachgebrauch auch auf die ursprünglich zur &#039;&#039;Brugmaister-Mühle&#039;&#039; gehörigen Fluren (&#039;&#039;Prugg Anger&#039;&#039;/&#039;&#039;Prugg-Mühl-Anger&#039;&#039;, ab 1796 Grundstück &#039;&#039;320&#039;&#039;) übertragen. Der dann &#039;&#039;Schredl-Anger&#039;&#039; genannte Grund, aus dem Schredl schon einige Jahre vorher ein Teilstück zur Verbesserung seiner Zufahrt ausgelöst hatte, beherbergte in der kurzen Phase der Dampfschifffahrt auf dem Inn (1854-1860) eine Kohlenhütte, die 1862 abgebrochen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1862, 15. März.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Eigentümerschaft Schredl wurde die Mühle technisch modernisiert und nochmals vergrößert, weshalb man sie in Folge dessen - ebenso wie im Fall der [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_3.2C_10_.2F_12.2C_14_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummern_314_.2F_313_.28312.29.29|&#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039;]] - auch als &#039;&#039;Kunstmühle&#039;&#039; bezeichnete. Bemerkenswerterweise fehlen die Baunterlagen zu diesen Maßnahmen, die daher bisher nicht genau datiert werden können, jedoch mit Blick auf Fotografien dieser Zeit als um 1900 abgeschlossen angesetzt werden müssten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Strombedarf für die dann (jedoch erst später explizit erwähnten) elektrisch betriebenen Triebwerke wurde (zu einem großen Teil) durch Verstromung der Wasserkraft selbst erzeugt, weshalb für städtisch verursachte Ausfallzeiten (Wartungen am Bachlauf/Umleitung des Wassers über den Wuhrbach) kostenlos Ersatzstrom durch die Stadt geliefert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Mühlbach wurde im Bereich der &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039; und bis hinauf zum Wehr zu dieser Zeit auch als &#039;&#039;Schredlmühlbach&#039;&#039; bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1931 verkaufte der letzte Inhaber der &#039;&#039;Kunstmühle Josef Schredl&#039;&#039; den Besitz samt der &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039; an Franz Schreiber,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1931, 16. April.&amp;lt;/ref&amp;gt; woraufhin die Wasserburger bald den Namen &#039;&#039;Schreibermühle&#039;&#039; als Bezeichnung der vormaligen &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039; gebrauchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wasserrecht hatte die dann bereits ehemalige Mühle nach einer Befragung der Eigentümer in den 1990er Jahren weiterhin (und wohl bis heute) ab dem der Mühle zugehörigen Stauwehr unterhalb der &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039; bzw. dem dortigen Abzweig des Mühlkanals inne,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner, Die Wuhr|Baumgartner, Die Wuhr]].&amp;lt;/ref&amp;gt; was auch in den Quellen unterschiedliche Bestätigungen findet, u.a. mit der Bezeichnung als &#039;&#039;Wehr Schredl&#039;&#039; in einem Lageplan (1921).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1934 erfolgte oberhalb der Mühle eine neue Betonfassung des Mühlbachs, unterhalb der Mühle, nach dem Durchfluss durch diese, eine Kanalisierung in Betonrohren. 1936/1937 wurde ein Getreidesilo&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und eine Turbine neu gebaut. Diese Turbine (Schluckvermögen: 280 Liter/Sekunde, vier Schaufeln, 287 Umdrehungen/Minute, 13,5 Kilowatt Stromerzeugung pro Stunde, Wasserfallhöhe: sechs Meter) treibt nach der Umnutzung des Gebäudes zu Wohnzwecken (ab 1978) eine Wirbelstrommaschine an, in der Öl durch ständiges Verquirlen erhitzt und zur Heizung der Wohnungen genutzt wird.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner, Die Wuhr|Baumgartner, Die Wuhr]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1938 versuchte der Müller Schreiber beim Stadtbauamt zu erreichen, die im Zuge der &#039;&#039;Steinmühlstraße&#039;&#039; (heute: Steinmühlweg) durch die Stadtgemeinde hergestellte Verrohrung verbessern zu lassen, da diese nach Meinung des &#039;&#039;Bruckmüllers&#039;&#039; den Wasserdurchfluss &#039;&#039;bei seinem Triebwerk&#039;&#039; verringere, hingegen diese zu &#039;&#039;engen Rohre&#039;&#039; bei der oberhalb liegenden [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_1_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_315.29|&#039;&#039;Wäscherei Scheiel&#039;&#039;]] zu Rückstauungen führen, so dass man dort &#039;&#039;das Wasser im Hause hat&#039;&#039;. Ein Rückbau solle nun &#039;&#039;dem Wasser wieder freien Lauf zu seinem Triebwerke&#039;&#039; geben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Stadt hielt entgegen, dass Ursache des Rückstaus keineswegs die städtische Verrohrung, sondern der nicht geräumte Bach unterhalb des Durchlasses sei,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt; dessen Unterhaltspflicht in der Verantwortung des Bruckmüllers war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1954 enden die zugänglichen aktenmäßigen Archivnachweise zur &#039;&#039;Franz Schreiber Bruckmühle&#039;&#039; im Stadtarchiv: Für die elektrisch angetriebene Mühle stellte der Betrieb der Stadt damals eine Rechnung für zusätzlichen Strombedarf während einiger Instandsetzungsarbeiten am Bachufer, welche die Gemeinde veranlasst hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1978 wurde die Mühle zu Wohnzwecken umgebaut.&lt;br /&gt;
Sie war damit das wohl am längsten betriebene Gewerbe am Mühlbach, welches seit Jahrhunderten die Wasserkraft des Gewässers ausnutzte.&lt;br /&gt;
=====Galerie: hist. Ansichten, Pläne, Dokumente=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Grundrissplan 1615 319-320.jpg|Die &#039;&#039;Prugg Mühl&#039;&#039; sowie die &#039;&#039;Stain Mühl und Walch&#039;&#039; (die späteren Gebäude 320 und 319) im Grundriss 1615.&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Vermessungsplan 1813 319-320.jpg|Die Gebäude 320 und 319 im Vermessungsplan 1813.&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Vermessungsplan 1854 319-320.jpg|Die Gebäude 320 und 319 im Vermessungsplan 1854.&lt;br /&gt;
File:SM-Il2-M4 01 Schredlmühle um 1900.jpg|mini|Holzkanal von der &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039; zur unterhalb liegenden, als Sägemühle umgenutzten Mühle, um 1900.&lt;br /&gt;
File:Im1-3396.jpg|Blick auf die &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039; vor dem Bau des Silos entlang des holzgefassten (noch nicht betongefassten) Mühlbachs, um 1910. Im Bildhintergrund die &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
File:Vi1b-2889.jpg|Liefersituation/Rampe der &#039;&#039;Bruckmühle Schreiber&#039;&#039;, nach 1931.&lt;br /&gt;
File:Vi1b-2898.jpg|Bau des neuen Siloturmes an der &#039;&#039;Bruckmühle Schreiber&#039;&#039;, 1937.&lt;br /&gt;
File:Vi1b-2898.4.jpg|Fertiggestellter Siloturm an der &#039;&#039;Bruckmühle Schreiber&#039;&#039;, 1937.&lt;br /&gt;
File:II 2102 0115.jpg|Briefkopf der &#039;&#039;Bruckmühle Franz Schreiber&#039;&#039;, 1954.&lt;br /&gt;
File: Bruckmühle 2022.jpg|mini|Ehem. &#039;&#039;Bruckmühle Schreiber&#039;&#039;, Juli 2022.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Bruckmühlweg 5 (heute mit 7) (Mühlbach), Stadt Wasserburg a. Inn (Alte Hausnummer 320)====&lt;br /&gt;
[[Datei:II 2102 0015.jpg|mini|&#039;&#039;Plan zu einer Mahlmühle des Johann Schredl&#039;&#039;, 1852.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SM-Il2-M4 01 Schredlmühle um 1900.jpg|mini|Holzkanal von der &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039; zur unterhalb liegenden, als Sägemühle umgenutzten Mühle, um 1900.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:DO398.1.jpg|mini|Luftbildausschnitt der zur &#039;&#039;Bruckmühle&#039;&#039; gehörigen ehemaligen &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039;, Situation Ende der 1950er Jahre.]]&lt;br /&gt;
=====Frühere Bezeichnungen=====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Brugmaister-Mühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;(1473)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a348|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a348]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Prugg Mühl&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1615)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#HAAB, Kt 100 Wasser 3 R Ms|HAAB, Kt 100 Wasser 3 R Ms]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Kleinmühl&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1796)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;320 Huber, Müller&#039;&#039; (1813)&amp;lt;ref&amp;gt;Vermessungsplan 1813./[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn,  II472|StadtA Wasserburg a. Inn,  II472]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die dem Franz Hagen gehörige Kleinmühle&#039;&#039; (1852)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Übernahme der &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039; durch Johann Schredl und Neuplanung einer &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mahlmühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1852)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;319/320 Schredl, Johann/später (= überschrieben) Josef&#039;&#039; (1856), gemeinsames Eigentum mit Bruckmühlweg 1 (319)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II473|StadtA Wasserburg a. Inn, II473]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;320 Schredl, Josef&#039;&#039; (1897), weiterhin gemeinsames Eigentum mit Bruckmühlweg 1 (319)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II471|StadtA Wasserburg a. Inn, II471]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Sägemühle&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner, Die Wuhr|Baumgartner, Die Wuhr]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Il2-M1-M4|StadtA Wasserburg a. Inn, Il2-M1-M4]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
weiterhin zusammengehörig mit Bruckmühlweg 1 &#039;&#039;Schreiber, Franz&#039;&#039;/&#039;&#039;Schreibermühle&#039;&#039; (1950)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123|StadtA Wasserburg a. Inn, BB 123]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Lage=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740655.82&amp;amp;N=5327888.09&amp;amp;zoom=14&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Klassifikation des Gebäudes=====&lt;br /&gt;
Ehem. [https://de.wikipedia.org/wiki/Getreidem%C3%BChle Getreidemühle]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ehem. [https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4gem%C3%BChle Sägemühle]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Art der Gewässernutzung=====&lt;br /&gt;
Antrieb der zwei Mühlräder (1615) bzw. eines Mühlrads (1813/1852) durch Wasserkraft, 1858 Umbau zur Sägemühle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Nutzungshistorie/Beschreibung=====&lt;br /&gt;
[[Datei:SM-Im1-M1 Foto MG ehem. Kleinmühle 1978.jpg|mini|Umbau des 1852 errichteten Mühlbaus, 1978.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bezeichnung &#039;&#039;Prugg Mühl&#039;&#039; im Grundriss 1615 nachgehend,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#HAAB, Kt 100 Wasser 3 R Ms|HAAB, Kt 100 Wasser 3 R Ms]].&amp;lt;/ref&amp;gt; könnte das hier zu verortende historische Gebäude bereits mit einer Mühlenerwähnung des Jahres 1473 in Verbindung gebracht werden: Damals stiftete &#039;&#039;Albrecht Lambfridsheimer vier Schilling Pfennige Ewiggilt von seinem Haus jenseits der Brücke bei der Brugmaister-Mühle zur Pfarrkirche St. Jakob&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a348|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a348]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nächst der Mühle war der &#039;&#039;Prugg Anger&#039;&#039; angesiedelt. Das Grundstück gehörte auch in den folgenden Jahrhunderten zur Mühle (im 19. Jahrhundert: Grundstück(e) zur Hausnummer 320).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit spätestens 1796 - damals im städtischen Eigentum - wurde die Mühle als &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039; bezeichnet. 1832 drohte ein Brand &#039;&#039;beim Kleinmühler vor der Brücke&#039;&#039; das Gebäude zu zerstören, wurde aber wohl noch rechtzeitig gelöscht, so dass keine größeren Zerstörungen zu verzeichnen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1832, 10. September.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahr 1852 wurde die Baufälligkeit der &#039;&#039;Kleinmühle von Franz Hagen&#039;&#039; durch den Magistrat festgestellt. Zu dieser Zeit sei das gesamte Gebäude &#039;&#039;ganz von Holz&#039;&#039; und &#039;&#039;verfault&#039;&#039; gewesen und konnte nicht weiterbetrieben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Da die verarmten Müller einen Neubau finanziell nicht stemmen konnten, wurde der Besitz schließlich zwangsversteigert. Der benachbarte Müller Schredl übernahm das Eigentum an der &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039; samt Anger und widmete sich der Aufgabe des notwendigen Neubaus. Ein für den Neubau einer &#039;&#039;Mahlmühle&#039;&#039; gefertigter Bauplan stammt noch aus dem Übernahmejahr.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1858 erfolgte mit dem Bau einer Schneid- oder Sägmühle eine Umnutzung bzw. ein Erweiterungsbau und somit nochmals eine Vergrößerung des Gesamtbetriebs. Im Jahr 1927 wird dieser Bau bereits als &#039;&#039;ehemaliges Säggebäude&#039;&#039; bezeichnet, dass nun wiederum zu Wohnzwecken umgebaut werden sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2102|StadtA Wasserburg a. Inn, II2102]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Zur oberschlächtig betriebenen Sägemühle wurde der Bach ehedem über einen Holzkanal über den Hof geführt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Baumgartner, Die Wuhr|Baumgartner, Die Wuhr]]./ Vgl. hierzu die Schrägluftbildfotografie, welche den Holzkanal von der &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039; zur unterhalb liegenden, als Sägemühle umgenutzten Mühle um 1900 zeigt, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Il2-M1-M4|StadtA Wasserburg a. Inn, Il2-M1-M4]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitgleich mit dem Umbau der ehemaligen [[Wassernutzung_Wuhr#Bruckm.C3.BChlweg_1_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummer_319.29|&#039;&#039;Schreibermühle&#039;&#039;]] zu Wohnzwecken ab 1978 erfolgte die Renovierung des 1852 errichteten Mühlbaus, wodurch die äußere Hülle des historischen Gebäudes (durch einen modernen Anbau erweitert) bis heute erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Galerie: hist. Ansichten, Pläne, Dokumente=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Grundrissplan 1615 319-320.jpg|Die &#039;&#039;Prugg Mühl&#039;&#039; sowie die &#039;&#039;Stain Mühl und Walch&#039;&#039; (die späteren Gebäude 320 und 319) im Grundriss 1615.&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Vermessungsplan 1813 319-320.jpg|Die Gebäude 320 und 319 im Vermessungsplan 1813.&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Vermessungsplan 1854 319-320.jpg|Die Gebäude 320 und 319 im Vermessungsplan 1854.&lt;br /&gt;
File:Album002-1147.jpg|Die in Steinbauweise 1852 neu errichtete ehemalige &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039; und die zur &#039;&#039;Kunstmühle&#039;&#039; ausgebaute &#039;&#039;Schredlmühle&#039;&#039; nebst Anger, von Norden, um 1900.&lt;br /&gt;
File:Ehem. Kleinmühle Juli 2022.jpg|mini|Ehem. &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039;, Juli 2022. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Am Wuhrbach===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Elektrizitätswerk/Wasserkraftwerk, Am Wuhrbach 6, (Krafthaus) sowie Stauwehranlage (&#039;&#039;Wuhr&#039;&#039;) mit Staubereich/Stauweiher des Wuhrbachs, ohne Adresse, Stadt Wasserburg a. Inn====&lt;br /&gt;
[[Datei:Il2-3372.jpg|mini|Blick auf den Staudamm für die &#039;&#039;Wasserkraftanlage Wildgruber&#039;&#039;, um 1925/1928.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Wasserwirtschaftsaemter 304 Lageplan.jpg|mini|Ausschnitt aus Lageplan &#039;&#039;Wasserkraftanlage Wildgruber&#039;&#039;, 1921.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Wasserwirtschaftsaemter 304 Plan Turbine.jpg|mini|Plan zum Einbau einer Francisturbine, 1920, geprüft 1925.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:II 2078 0012.jpg|mini|Lageplan: &#039;&#039;Hochwasserentlastungsanlage&#039;&#039; mit &#039;&#039;Überlaufbauwerk&#039;&#039;, 1933.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Album-001-856.1.jpg|mini|Holzwasserrohrverlegung vom Wuhrstauwerk zum Krafthaus am Wuhrbach 6. Die Arbeiten wurden unter Zwangseinsatz französischer Kriegsgefangener im Jahr 1940 durchgeführt. Die Holz-Rohre wurden 1956 durch Eternitrohre ersetzt.]]&lt;br /&gt;
=====Frühere Bezeichnungen=====&lt;br /&gt;
Für das Kraftwerk Am Wuhrbach 6:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Wasserkraftanlage Wildgruber&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1920-1928)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1671|StadtA Wasserburg a. Inn, II1671]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Elektrizitätswerk/Wasserkraftwerk an der Wuhr&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (ab 1928)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1671|StadtA Wasserburg a. Inn, II1671]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Heute: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Wasserkraftwerk an der Wuhr&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (Bezeichnung der Stadtwerke Wasserburg, 2022)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ABC der Stadtwerke Wasserburg, unter: https://stadtwerke-wasserburg.de/unternehmen/abc/, aufgerufen am 25.7.2022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für den Staubereich:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Staudamm/Stauwehr/Wehranlage&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;/&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Staudämme&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;/&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Stauweiher&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1927)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuhrweiher (Sprachgebrauch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuhrbad/Wuhr-Schwimmbad/Schwimmbad an der Wuhr (ca. 1930-1956)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Lage=====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stauwehranlage:&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740805.19&amp;amp;N=5327151.91&amp;amp;zoom=13&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Krafthaus/Elektrizitätswerk/Wasserkraftwerk an der Wuhr:&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740556.08&amp;amp;N=5327334.16&amp;amp;zoom=14&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Klassifikation der Gebäude=====&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Wehr_(Wasserbau) Stauwehranlage]/[https://de.wikipedia.org/wiki/Staudamm Staudamm]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserkraftwerk Wasserkraftwerk/Krafthaus] zur Stromerzeugung mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Francis-Turbine Francisturbine]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ehem. Schwimmbad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Art der Gewässernutzung=====&lt;br /&gt;
Stromerzeugung durch Wasserkraft/Umwandlung der Energie des Wassers in elektrische Energie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Nutzungshistorie/Beschreibung&amp;lt;ref&amp;gt;Im Rahmen dieses Artikels sehr komprimiert zusammengefasst. Eine ausführlichere technikgeschichtliche oder auch wasserbaurechtshistorische Betrachtung wäre wünschenswert. Entstehungsgeschichtlich bereits gut zusammengetragen bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Geschichte der städtischen Versorgungsbetriebe Wasserburg|Scheidacher, Geschichte der städtischen Versorgungsbetriebe Wasserburg]], 199-204.&amp;lt;/ref&amp;gt;=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Wasserkraftanlage Wildgruber&#039;&#039; wurde ab 1920 geplant und in den Jahren 1921 bis 1924/25 vor allem für den Strombedarf des bachabwärts liegenden [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_3.2C_10_.2F_12.2C_14_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummern_314_.2F_313_.28312.29.29|Mühlbetriebs Martin Wildgruber]] in privater Bauträgerschaft errichtet.&lt;br /&gt;
Das begonnene bzw. gerade in Vorbereitung befindliche - eine Vorgängerwehranlage ersetzende - Projekt wurde durch Hochwasserschäden 1920 unterbrochen, 1921 wieder aufgegriffen sowie 1924/25 vollendet und in Betrieb genommen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II820|StadtA Wasserburg a. Inn, II820]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahr 1928 übernahm die Stadt die Stauwehranlagen und das Elektrizitätswerk zusammen mit dem Mühlbesitz des überschuldeten Betreibers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Kraftwerk sollte einerseits das wohl zeitgleich zur Planung und Ausführungsvorbereitung im Jahr 1920 durch Hochwasser geschädigte Triebwerk zur Stromerzeugung bei der &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039; ersetzen. Diese Vorgänger-Stromerzeugungsanlage der Kunstmühle hatte bisher nur dem Eigenbedarf der Mühle gedient. Andererseits wäre das neue Kraftwerk auch für eine Stromabgabe an Dritte geeignet gewesen: Im Vorfeld der Errichtung wohl noch zugesagt, verwehrte aber die Stadt dem privaten Betreiber bis 1928 die Stromabnahme, was dessen Bankrott und die Übernahme der Anlagen durch die Stadt beschleunigte. Der Ablehnungsentscheidung lag ein Gutachten vom 9. September 1925 zu Grunde.&lt;br /&gt;
Dies riet der Stadt davon ab,&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;elektrische Arbeit aus dem Wildgruber&#039;sehen Kraftwerk in das Netz des städtischen Elektrizitätswerks zu übernehmen. Es stützte sich auf mehrere Gründe: Da waren die Erfahrungen mit dem Strombezug aus dem &#039;Kraftwerk Hagen&#039;. Da gab es technische Probleme, weil die Stromeinspeisung nicht unmittelbar bei der Zentrale, sondern am Südende des Netzes erfolgen musste. Da war ein vertragsrechtliches Problem, weil die &#039;Obüz&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Oberbayerische Überlandzentrale AG.&amp;lt;/ref&amp;gt; darauf bestand, daß die Stadt ihren gesamten Strombedarf aus dem Netz der &#039;Obüz&#039; zu decken hatte. Da war die Abhängigkeit der elektrischen Leistung von der Unregelmäßigkeit der Wasserführung der Wuhr. Da war ein Angebot zu einem Strompreis, welcher höher war als der Strompreis bei Bezug von der &#039;Obüz&#039;. Am 17. März 1925 hat es der Stadtrat abgelehnt, einen Stromlieferungsvertrag zu vereinbaren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Geschichte der städtischen Versorgungsbetriebe Wasserburg|Scheidacher, Geschichte der städtischen Versorgungsbetriebe Wasserburg]], 200-201.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Entwurfsplanung für das &#039;&#039;Wildgruber&#039;sche Wuhrkraftwerk&#039;&#039;, den der Ingenieur Rothmaier 1920/21 gefertigt hatte, sah vor, dass dieses je nach der Zahl der jährlichen Betriebsstunden eine elektrische Jahresarbeit zwischen 109.000 und 150.000 Kilowattstunden erreichen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Geschichte der städtischen Versorgungsbetriebe Wasserburg|Scheidacher, Geschichte der städtischen Versorgungsbetriebe Wasserburg]], 199.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die tatsächlich erbrachte Leistung lag im Jahr vor der Sanierung des Staudamms 2022 mit 111.500 Kilowattstunden Stromerzeugung (womit ca. 20-30 Haushalte versorgt werden können) im Rahmen dieser rund 100 Jahre alten Planungsberechnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ABC der Stadtwerke Wasserburg, unter: https://stadtwerke-wasserburg.de/unternehmen/abc/, aufgerufen am 25.7.2022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sei aber der Erwerb des &#039;&#039;Kleinkraftwerks an der Wuhr&#039;&#039; schon im Erwerbsjahr 1928 &#039;&#039;ein ziemlich bescheidenes Ergebnis der jahrelangen städtischen Bemühungen&#039;&#039; gewesen, &#039;&#039;die eigene Stromversorgung auf die Ausnutzung von Wasserkraft zu stützen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Geschichte der städtischen Versorgungsbetriebe Wasserburg|Scheidacher, Geschichte der städtischen Versorgungsbetriebe Wasserburg]], 204.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch: Das Wuhrkraftwerk wurde und wird bis heute von den Stadtwerken Wasserburg weiterbetrieben. Die Stadt hat die historische Technik über die Jahre hinweg gepflegt und betriebsfähig erhalten. Die oberhalb des Krafthauses/Elektrizitätswerkes (Am Wuhrbach 6) gelegene Stauwehr- und Staudammanlage wird derzeit (2022) grundsaniert und erneuert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme des Werkes 1928 wurden der neuen Betreiberin umfangreiche Pflichten für die mit dem Stauwehr verbundenen Gefahren am Wuhrbach übertragen. U.a. heißt es in einem bezirksamtlichen Beschluss zum Betrieb der Wasserkraftanlage vom 8. März 1927:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;[...] 3. Die gesamten wasserbautechnischen Teile der Anlage sind in gutem Zustande zu erhalten, insbesondere der Erhaltung der Staudämme die grösste Sorgfalt angedeihen zu lassen. [...] 5. Die Unterhaltung des Stauweihers des Mühlober- und Unterwasserkanals und des Flutbaches vom Wehr bis zur Wiedereinmündung des Mühlbaches&amp;lt;ref&amp;gt;[=Wehr unterhalb der ehemaligen &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039;]/[ab hier (in den Plänen der Planungszeit als &#039;&#039;Wehr Schredl&#039;&#039; bezeichnet) lag das Wasserrecht des Mühlbachs und lagen die Sicherungspflichten, die mit dieser Wehranlage verbunden waren, beim Schredlmüller/bei den Schredl-Nachfolgern].&amp;lt;/ref&amp;gt; obliegt dem Unternehmer. [...] 7. Der Unternehmer haftet für alle Schäden, die gegebenfalls Dritten aus dem Bestand und Betrieb der Anlage entstehen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr eines Hochwassers wurde in den Bauunterlagen, die zum Kraftwerk vorliegen, seit dem Ereignis des Jahres 1920 immer wieder diskutiert.&lt;br /&gt;
Ab 1933 projektierte und baute die Stadt Wasserburg eine &#039;&#039;Hochwasserentlastungsanlage&#039;&#039; mittels eines neuen &#039;&#039;Überlaufbauwerkes&#039;&#039; an der Stauwehranlage.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2078|StadtA Wasserburg a. Inn, II2078]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Bau des Stauwerkes waren gemäß den Planunterlagen auch Änderungen des Wuhrbach- und Mühlbachverlaufs bis zur &#039;&#039;Wehranlage Schredl&#039;&#039; (beim Steinmühlweg 3) verbunden: Unterhalb des Auslaufs der neuen Wehranlage war eine &#039;&#039;Bachverlegung&#039;&#039; (in den Planzeichnungen der 1920er Jahre als &#039;&#039;Fehlbach&#039;&#039; bezeichnet) des Wuhrbachs notwendig. Der &#039;&#039;Oberwasserkanal&#039;&#039; wurde für den Verlauf vom Stauwerk weg in Rohrleitungen kanalisiert sowie wenige Meter oberhalb der ehemaligen &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039; vom &#039;&#039;Wasserschloss oder Wasserstuhl&#039;&#039; durch eine Gefällerohrleitung zum noch heute bestehenden Krafthaus (Wuhrweg 6) herabgeführt und danach wieder dem Wuhrbach zugeleitet. Der alte Oberkanal ab diesem neu errichteten Übergabepunkt etwas oberhalb der ehem. &#039;&#039;Schleifmühle&#039;&#039;, der diese ehemals bediente und als offenes Gerinne von dort entlang des heutigen Wuhrwegs bis zur &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039; führte, wurde aufgelassen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304|StAM, Wasserwirtschaftsaemter 304]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schwimmbad:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Der Wunsch, das alte Schwimmbad oberhalb des Stauwehrs bei der &#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039; zum hier neu entstehenden Staubereich der Wuhr zu verlegen, wurde schon in der Planungs- bzw. Bauzeit diskutiert: &#039;&#039;Die von Ingenieur Max Rothmaier erbaute Wuhrkraftanlage bringt eine wesentliche Besserung des jetzt ziemlich wüsten Landschaftsbildes durch Errichtung einer Stauanlage mit einem neuen Stauweiher, der Aussicht auf ein künftiges Bad gibt.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1924, 23. April.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Einrichtung des Wuhrbades erfolgte dann ab 1930, teils gleichzeitig wurde das seit 1912 in Betrieb befindliche städtische Schwimmbad im Eck zwischen Steinmühlweg und Rosenheimer Straße betrieben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1930, 26. Oktober.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Ausbau des Wuhrbades zur Badeanstalt erfolgte in den Jahren 1940/41 und wurde am 22. Juni 1941 eröffnet. Das Schwimmbad wurde maßgeblich durch französische Kriegsgefangene errichtet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, NS-Zwangsarbeit in der Stadt|Haupt, NS-Zwangsarbeit in der Stadt]], 317-321.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das obere Wuhrbad wurde 1956 geschlossen, das untere städtische Schwimmbad an der Rosenheimer Straße schloss 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Galerie: hist. Ansichten, Pläne, Dokumente=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Album-001-856.2.jpg|Holzwasserrohrverlegung beim Krafthaus am Wuhrbach 6, 1940.&lt;br /&gt;
File:Staudamm und Wasserkraftwerk an der Wuhr Juli 2022.jpg|Stauwehr/Staudamm an der Wuhr während der Sanierung im Juli 2022.&lt;br /&gt;
File:SM-Il2-M2 Wuhrbad 1930er.jpg|&#039;&#039;Fischerstechen&#039;&#039; im Wuhrbad, 1930er Jahre.&lt;br /&gt;
File:SM-In1 städtisches Schwimmbad an der Rosenheimer Straße.jpg|Schrägluftbild des städtischen Schwimmbads an der Rosenheimer Straße (am Mühlbach), 1968. Von 1912 bis 1973 - neben dem bis 1956 bestehenden oberen Wuhrbad - betrieben.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Vorgängerbau zur Rosenheimer Straße 2 (Wuhrbach), Stadt Wasserburg a. Inn (Alte Hausnummer 321c)====&lt;br /&gt;
[[Datei:N-0026 ehem. Mirring.jpg|mini|Die ehem. Lederfabrik Mirring nach der Übernahme des Gebäudes durch die Stadt Wasserburg und vor dem Einzug des Betriebs Knagge und Peitz, nach 1933/vor 1939.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:DO398 Ausschnitt Knagge und Peitz.jpg|mini|Luftbildausschnitt, &#039;&#039;Knagge und Peitz Werkstätten für Herrenbekleidung&#039;&#039; entlang der Rosenheimer Straße, Ende der 1950er Jahre.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SM-Il2-M3 01 Wuhrbachverrohrung 1980 Gm.jpg|mini|Wuhrbachverrohrung an der Rosenheimer Straße bei der Mündung in den Inn, 1980.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Frühere Bezeichnungen=====&lt;br /&gt;
Im Vermessungsplan (1813) noch Wiese im Besitz der &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vermessungsplan 1813./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn,  II472|StadtA Wasserburg a. Inn,  II472]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Vermessungsplan (1854) vorhandenes Gebäude 321c &#039;&#039;Hinterneder, Wolfgang Lederer&#039;&#039;, später &#039;&#039;Lakenbauer Martin&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II473|StadtA Wasserburg a. Inn, II473]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Gerberei Lackenbauer&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; geht in das Eigentum des &#039;&#039;Gerbermeisters Mirring&#039;&#039; über (1918)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1918, 20. August.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lederfabrik Mirring&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (1920)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Knagge und Peitz Kleiderfabrik&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; (seit 1939)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2308|StadtA Wasserburg a. Inn, II2308]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Lage=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11&amp;amp;E=740737.73&amp;amp;N=5327833.68&amp;amp;zoom=13&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Klassifikation des Gebäudes=====&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerben Ehem. Lederer/Gerberei]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ehem. Lederfabrik&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ehem. Kleidungsfabrik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Art der Gewässernutzung=====&lt;br /&gt;
Nutzung des Wuhrwassers für die Arbeitsschritte der Gerbung&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Entsorgung von Abwasser der Gerberei bzw. der Lederfabrik im Wuhrbach&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Nutzungshistorie/Beschreibung=====&lt;br /&gt;
Noch 1813 befand sich hier eine Wiese, die im Besitz der damaligen &#039;&#039;Kleinmühle&#039;&#039; war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vermessungsplan 1813./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn,  II472|StadtA Wasserburg a. Inn,  II472]].&amp;lt;/ref&amp;gt;1854 war ein Gebäude &#039;&#039;321c&#039;&#039; vorhanden, welches vom &#039;&#039;Hinterneder, Wolfgang Lederer&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II473|StadtA Wasserburg a. Inn, II473]].&amp;lt;/ref&amp;gt; genutzt war und 1882 in das Eigentum des Lederermeisters Martin Lackenbauer überging.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1882, 20. September.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für diese Nutzungszeiten kann davon ausgegangen werden, dass der Wuhrbach diesem Handwerk, welches einen hohen Wasserbedarf in der Herstellung der Leder bzw. Gerbung der Felle hat, sowohl für die Wasserentnahme als auch für die Abwasserentsorgung diente. Später, im Jahr 1918, ging die Gerberei Lackenbauer an den Gerbermeister Mirring über,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1918, 20. August.&amp;lt;/ref&amp;gt; der den Betrieb industrialisierte und bis 1923 zu einer &#039;&#039;Lederfabrik&#039;&#039; ausbaute.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1920, 23. Mai.&amp;lt;/ref&amp;gt; Was die Wasserversorgung betraf, war die Fabrik in der Zeit längst an das Leitungsnetz angeschlossen; Abwässer hingegen wurden weiterhin über den Wuhrbach in den Inn gleitet. Eine Verbesserung dieses Umstands war der Bau einer kleinen &#039;&#039;Kläranlage&#039;&#039; ab 1922, über die jedoch außer der Erwähnung und der hiermit verbundenen Errichtung einer &#039;&#039;Abortanlage&#039;&#039; weiterhin nichts bekannt ist.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1922, Nr. 188.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der erfolgreichen Modernisierung des Betriebs und nachdem Mirring Anfang der 1920er Jahre häufig als Wohltäter und Spender für die Stadt in Erscheinung trat, traf auch ihn die Wirtschaftskrise hart: Im Juni 1924 musste &#039;&#039;über das Vermögen des Fabrikanten Hermann Mirring, Alleininhaber der Firmen H. Mirring, Lederwarenfabrik in München, und Maier und Mirring, Sägewerk und Holzgroßhandlung in Forsting der Konkurs eröffnet&#039;&#039; werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1924, 2. Juli.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge ging das Gebäude an die Stadt Wasserburg über, welches ab 1933 zunächst durch NSDAP, NSV, Hitlerjugend und NS-Frauenschaft genutzt wurde. Nach &#039;&#039;intensiven Bemühungen der Stadt&#039;&#039; konnte diese ab 1939 einen neuen Mieter für das für eine gewerbliche Nutzung geeignete Mietobjekt finden. Der politische Wunsch der Gewerbeansiedlung gelang ab 1939 mit dem Einzug der Stuttgarter &#039;&#039;Knagge und Peitz Kleiderfabrik&#039;&#039;. Während der Kriegszeiten wurden hier hauptsächlich Uniformen gefertigt. Durchschnittlich 14% der Mitarbeiter in der Zeit 1939-1945 waren Zwangsarbeiterinnen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haase/Rauschenberger, Zwangsarbeit|Haase/Rauschenberger, Zwangsarbeit]], 84.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das für den Betrieb benötigte Wasser wurde der Kleiderfabrik bis zum Verbrauch von 500 Kubikmeter Wasser (500.000 Liter) kostenfrei durch die Stadt zur Verfügung gestellt. Die Lage am Bach scheint für Knagge und Peitz nicht mehr wichtig gewesen zu sein. Im Gegenteil, sie wurde zur Last:&lt;br /&gt;
Die Uferschutzmauern des Wuhrbachs waren in den 1940er Jahren in einem schlechten Zustand, das Mauerwerk des Gebäudes soll bis zum 1. Stockwerk hinauf feucht, die Räume klamm gewesen sein. Im Jahr 1940 wurde daher erstmals eine Warmwasserheizung in das Gebäude eingebaut. In den Wuhrbach eingeleitet wurde zwar noch das Abwasser, als problematisch wurde jedoch ausschließlich die Einleitung des Abwassers der Abortanlagen gesehen: Da der Bach häufig &#039;&#039;nur ganz geringe Wassermengen&#039;&#039; führte, blieben die &#039;&#039;Fäkalien nebst Papierteilen liegen&#039;&#039; und verbreiteten &#039;&#039;einen unangenehmen Geruch&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Gesamter Abschnitt zusammenfassend aus: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2308|StadtA Wasserburg a. Inn, II2308]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Übrigens waren viele der am &#039;&#039;Wuhr- oder Fehlbach&#039;&#039; liegenden Gebäude - darunter auch die der ehemaligen [[Wassernutzung_Wuhr#Steinm.C3.BChlweg_3.2C_10_.2F_12.2C_14_.28M.C3.BChlbach.29.2C_Stadt_Wasserburg_a._Inn_.28Alte_Hausnummern_314_.2F_313_.28312.29.29|&#039;&#039;Wildgrubermühle&#039;&#039; nachfolgende &#039;&#039;Brennerei Sigl&#039;&#039;]] - gemäß einer Aktennotiz im &#039;&#039;Gebäudeakt Knagge und Peitz&#039;&#039; noch bis in die 1960er Jahre hinein nicht an die Kanalisation angeschlossen und leiteten ihre Abwässer, unter anderem aus &#039;&#039;Abort- und Klärgruben&#039;&#039;, direkt in den Bach ein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2308|StadtA Wasserburg a. Inn, II2308]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1980 wurde der am Gebäude und entlang der Rosenheimer Straße bis dato noch offen verlaufende Wuhrbach verrohrt. Der ehemalige Gewerbebau wurde vor dem Bau eines neuen Geschäftsgebäudes der Sparkasse in den Jahren 1994 bis 1996 abgerissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Galerie: hist. Ansichten, Pläne, Dokumente=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Vermessungsplan 1813 Kleinmühlgrund.jpg|Kleinmühlgrund &#039;&#039;320&#039;&#039; entlang der Rosenheimer Straße im Ausschnitt des Vermessungsplans 1813. Uraufnahme 1812/1813.&lt;br /&gt;
File:Ausschnitt Vermessungsplan 1854 321c.jpg|Das Gebäude &#039;&#039;321c&#039;&#039; des Lederers Wolfgang Hinterneder im Ausschnitt aus dem Vermessungsplan 1854.&lt;br /&gt;
File:II2308 Briefkopf Knagge-Peitz.jpg|mini|Briefkopf Knagge und Peitz mit einer Grafik des Firmengebäudes an der Rosenheimer Straße, 1954.&lt;br /&gt;
File:Knagge und Peitz Firmenporträt 1962.jpg|Knagge und Peitz Firmenporträt, 1962.&lt;br /&gt;
File:SM-Il2-M3 01 Wuhrbachverrohrung 1980 unifoto.jpg|Wuhrbachverrohrung entlang des ehemaligen Knagge und Peitz Betriebes an der Rosenheimer Straße, 1980.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Matthias Haupt}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bearbeitungs-, Redaktionsstand!&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jegliche Verwendung bis zur Veröffentlichung am 11.09.2022 ist untersagt.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Josef_Estermann&amp;diff=12845</id>
		<title>Josef Estermann</title>
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		<updated>2022-06-07T13:58:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: /* Die Nachkriegszeit: Intermezzo als Bürgermeister und Landrat */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Robert Obermayr|Robert Obermayr]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Robert Obermayr]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biografie Josef Estermann&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Diese Person besitzt derzeit keinen GND-Normdatensatz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Artikel wird derzeit erstellt. Wir bitten noch um etwas Geduld.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Passfoto Josef Estermann.png|mini|Passfoto Josef Estermann.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Josef Estermann war der erste von der US-Militärverwaltung ernannte Bürgermeister der Stadt Wasserburg am Inn nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft. Anschließend war er fast ein Jahr lang Landrat des Landkreises Wasserburg. In den 1920er Jahren leitete er die Ortsgruppe der Kommunistischen Partei und führte in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs die &#039;&#039;Wasserburger Freiheitsaktion&#039;&#039; an. In der Heimat am Inn Nr. 39/40 (2021)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchte der Autor ausführlich Josef Estermanns Rolle in den letzten Kriegstagen. In diesem Beitrag im Historischen Lexikon soll der bewegte Lebenswandel Estermanns von der Kindheit bis ins Alter (zusammenfassend) dargestellt und sein Wirken für Stadt und Landkreis Wasserburg gewürdigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebensdaten==&lt;br /&gt;
Josef Estermann * 28. Dezember 1898 in Wasserburg am Inn, † 8. November 1982 in Wasserburg am Inn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Von der Kaiserzeit zur Räterepublik==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kindheit in Wasserburg&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Josef Estermann stammt aus einfachen Verhältnissen und einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus.&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Vater war der Forstarbeiter Georg Estermann, verheiratet mit Sofie Estermann, geborene Peintinger. Während beide Eltern &#039;&#039;die meiste Zeit im Wald&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; arbeiteten, erlebten Josef und seine zwei Brüder eine &#039;&#039;freie Kindheit&#039;&#039; im sogenannten Hering-Haus in der Wasserburger Neustraße. &lt;br /&gt;
Nach Ende der Volksschulzeit, Estermann spricht von täglichen Prügeln durch den Lehrer, schickte ihn der Vater zur Arbeit in die Landwirtschaft. Die harten Arbeitsbedingungen, &#039;&#039;den Tag a 14 Stund g’arbat, […] koan Urlaub ned und d‘Woch a Mark&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, dürften seine politische Einstellung mit geprägt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Landsturmpflichtiger und Rotarmist&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Foto Josef Estermann als Soldat im 1. Weltkrieg.jpg|mini|Estermann als junger Mann im ersten Weltkrieg (links) mit einem unbekannten Kameraden.]]&lt;br /&gt;
Noch nicht volljährig, begab sich Josef Estermann auf Wanderschaft und heuerte in Hamburg auf einem Schiff an, wohl auch, um sich &#039;&#039;dem Barras&#039;&#039;, dem Dienst an der Waffe im mittlerweile entbrannten Ersten Weltkrieg, zu entziehen. Im Dezember 1916 holte man ihn in Hamburg &#039;&#039;vom Schiff runter&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und zog ihn als Landsturmpflichtigen in das Infanterieregiment 76 ein.&amp;lt;ref&amp;gt; Wehrpass Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Nach einer Verwundung an der Westfront in Flandern und einem Lazarettaufenthalt in Witten im Ruhrgebiet, wo er seine spätere Frau, die Lazaretthelferin Johanna Kirsten, kennenlernte, versetzte man ihn zum 7. Bayerischen Feldartillerie-Regiment.&amp;lt;ref&amp;gt;im Folgenden: Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 6ff, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]], siehe auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 45ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort diente er bis Kriegsende und soll das Eiserne Kreuz erhalten haben, nachdem er einem Offizier das Leben rettete. Im Frühjahr 1919 landete er nach den Kriegswirren im vom revolutionären Umsturz erfassten München und schloss sich zur Verteidigung der dort errichteten Räterepublik der Roten Armee an. Nachdem die Stadt von Reichswehr und Freikorpsverbänden eingenommen wurde, geriet auch Estermann in Gefangenschaft. Seinen Schilderungen zufolge wäre er fast ein Opfer der Erschießungen geworden, die Anfang Mai 1919 nach Niederschlagung der Räterepublik im Gefängnis Stadelheim stattfanden. In einem Interview beschreibt er, wie er dem Tod nur knapp entkam, da ihn der befehligende Offizier als seinen früheren Regimentsangehörigen und tüchtigen Soldaten wiedererkannte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Des [Erschießungs-)Kommando is hervorn g‘standen, ungefähr 9 oder 10 Mann, die haben ihr Gewehr schon geladen gehabt. Und dann geht der Offizier nochmal unsre Front ab, schaut uns allesamt an und dann geht er zu mir und sagt er: &#039;Ja, Estermann&#039;, sagt er, &#039;was machst denn du da?&#039; Des war mein Kompanieführer, […] der Oberleutnant Metzger. […] Dann sagt er, &#039;Geh einmal raus. Den Mann kenn ich ja gut&#039;, sagt er, &#039;des is ja a guter Soldat gwesen&#039; […]. Und ich bin dann wieder reinkommen, die andren sind umgelegt worden.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die weiteren Mitgefangenen nach Darstellung Estermanns erschossen worden seien, bekam dieser auf Veranlassung des Oberleutnants einen Passierschein ausgestellt und konnte unversehrt den Fußweg nach Hause antreten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ausweis der Stadtkommandantur München vom 1.5.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI4041|StadtA Wasserburg a. Inn, VI4041]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Weimarer Jahre: Einmal Arbeiterparadies und zurück==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Familiengründung in harten Zeiten und Leitung der örtlichen KPD&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zurück in Wasserburg schlug sich Estermann als Gelegenheitsarbeiter durch. Er half seinem Vater bis zu dessen frühen Tod im Mai 1922 bei der Forstarbeit im städtischen Wald und verdingte sich als Torfstecher und als Hilfsarbeiter beim Flussamt für kargen Lohn, von dem er sich in Zeiten galoppierender Inflation kaum genug zum Leben kaufen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 77 und 103.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es soll dabei auch zu kleinen Betrügereien, wie dem Verkauf von gestrecktem Pfeffer oder gestohlenen Christbäumen, gekommen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]], 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Zeitraum von 1923 bis 1929 verzeichnet Estermanns Strafregister drei Haftstrafen wegen Diebstahl, Unterschlagung und Betrug.&amp;lt;ref&amp;gt;Auszug aus dem Strafregister der Staatsanwaltschaft Traunstein vom 20.6.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach Phasen der Arbeitslosigkeit fand er in der damaligen Bierstadt Wasserburg schließlich eine Festanstellung bei der Brauerei Greinbräu. Am 17. November 1923 heiratete er in Wasserburg die aus Witten an der Ruhr stammende Krankenhelferin Johanna Kirsten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 142.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das junge Paar konnte an Weihnachten 1923 ein in Eigenleistung halb fertiggestelltes Häuschen am Riedenerweg beziehen, auf einem Grundstück, das die Stadt Wasserburg auf Erbbaurecht an Bedürftige vergeben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2303|StadtA Wasserburg a. Inn, II2303]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald waren jedoch die Raten für den Kredit angesichts der Zinslast und dem kargen Einkommen in jenen Jahren nicht länger aufzubringen, so dass die mittlerweile dreiköpfige Familie&amp;lt;ref&amp;gt;1924 und 1927 wurden die beiden Söhne Karl und Rudolf geboren.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Haus 1926 verkaufen und in eine Mietwohnung in der Färbergasse 121 ziehen musste.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 150ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Estermann engagierte sich seit seiner Rückkehr nach Wasserburg parteipolitisch, ließ sich zunächst für die örtliche SPD anwerben sowie als Fahnenträger des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Ab Mitte der 1920er Jahre schloss er sich nach deren Gründung der Ortsgruppe der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 155.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald stieg er zum Kopf der rasch anwachsenden Gruppierung auf, was bei seinem Arbeitgeber auf Missfallen stieß, der ihn aber offenbar als fleißigen Arbeiter behalten wollte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ich war damals pol. Leiter der Ortsgruppe Wasserburg[;] wir hatten damals bald 100 Mitglieder. Meine Frau leitete die Rote Hilfe. Ich hatte beim Greinbräu eine gute Stelle in der Brauerei. Mein Chef (Hr. Hatzl) wollte mich immer entlassen wegen meiner politischen Arbeit. Aber sonderbarerweise tat er es nicht.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 10, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Waffendiebstahl und Flucht in die Sowjetunion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Meldung Kommunistenführer entflohen, Wasserburger Anzeiger April 1931.jpg|mini|Meldung im Wasserburger Anzeiger über die Flucht Estermanns nach Moskau.]]&lt;br /&gt;
Im November 1930 entwendete er mit weiteren Genossen Maschinengewehre aus einem heimlichen Waffendepot in einer Ziegelei im Weiler Holzmann bei Pfaffing, das vermutlich von Anhängern der NSDAP angelegt worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;im Folgenden: Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 10ff, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]] und Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann, der den Fund sogleich dem KPD-Reichstagsabgeordneten Albert Buchmann&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Albert Buchmann (Politiker)|Wikipedia, Albert Buchmann (Politiker)]].&amp;lt;/ref&amp;gt; meldete, sollte die Gewehre zur KPD nach München bringen, aber die örtliche Polizei fand die in einer Gartenlaube zwischengelagerte Beute. Er konnte sich der Verhaftung durch einen Sprung aus dem Fenster entziehen und floh über Griesstätt und Kolbermoor in die Arbeiterhochburg Feldmoching, wohin ihn Max Holy, Landesleiter der Roten Hilfe Bayern, auf dem Motorrad brachte. Die Rote Hilfe besorgte ihm falsche Ausweispapiere (&#039;&#039;Kurt Radke aus Königsberg&#039;&#039;) und organisierte im März 1931 die Zugfahrt über Berlin nach Moskau, wo der Genosse aus dem Westen am Bahnhof von &#039;&#039;Rotfront&#039;&#039;-Rufen der Komsomolzen empfangen wurde. &lt;br /&gt;
Als Sowjetbürger arbeitete er zunächst als Baggerführer in Magnitogorsk im Südural, bis er Anfang Mai eine Parteischulung in Moskau absolvierte und fortan als Redner im Sowjetreich eingesetzt war: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;[In Rostow am Don] sprach ich in ein paar Versammlungen in gebrochenem Russisch mit viel deutschen Wörtern gemischt. Man reichte mich von einer Versammlung in die andere und da ich immer das gleiche sprach[,] ging die Sache ganz leidlich. Von der Parteileitung bekam ich immer wieder den Auftrag[,] wohin in die nächste Stadt. Ich sprach unter anderem in Odessa, dann Irkutsk, Wladiwostok.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 13, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Die Erfahrungen, die er während des Aufenthalts im Arbeiterstaat sammelte, führten aber offenbar zur Ernüchterung des bis dahin überzeugten Kommunisten. Als Vorzeige-Gast aus dem Westen bewegte er sich in der &#039;&#039;besseren Gesellschaft&#039;&#039; der KP-Funktionäre, aber die sozialen Gegensätze blieben ihm nicht verborgen: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir konnten in extra Läden alles[,] aber auch alles kaufen, während die armen Teufel, die Arbeiter in Ihrem Paradies der Arbeiter stundenlang um Brot anstellen mussten. Da bekam meine kommunistische Überzeugung eine richtigen Knacks. Man frage mich[,] wie es mir in Rußland gefalle usw. Ich hab ihr dortiges System über alles gelobt. Ich war doch nicht blöd.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 14, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Moskau.jpg|mini|Postkarte aus der Sowjetunion 1932 an den Bruder Georg: &#039;&#039;Willst du nicht rüber?&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hochverrats-Prozess und Gefängnisaufenthalt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hatte Estermann zunächst noch gedacht, seine Familie in die Sowjetunion nachzuholen, beschloss er nach sechsmonatigem Aufenthalt nach Deutschland zurückzukehren. Das deutsche Konsulat in Moskau händigte ihm ein Ausreisevisum aus und im September 1931 kam er in Wasserburg an, wo er sich nach drei Tagen der örtlichen Polizei stellte.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 28, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das Reichsgericht Leipzig verurteilte ihn im Februar 1932 wegen Waffendiebstahl und Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren Gefängnis.&amp;lt;ref&amp;gt;Staatsanwaltschaft Traunstein, Abschrift aus dem Strafregister vom 20.6.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann und den Mittätern wurde vorgeworfen, sie hätten die Maschinengewehre in der Absicht entwendet, sie &#039;&#039;im Falle einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit der bestehenden Gesellschaftsordnung für die parteipolitischen Ziele der KPD zu verwenden&#039;&#039;,&amp;lt;ref&amp;gt;Die Wasserburger Maschinengewehre, Trostberger Tagblatt, Artikel datiert auf 19.8.1931, hier zum Prozess gegen die weiteren Beteiligten, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; während die Beschuldigten einwandten, sie hätten die Waffenbestände aus &#039;&#039;faschistischer Herkunft&#039;&#039; nur deshalb beseitigt, damit sie nicht gegen die Arbeiterschaft gerichtet werden konnten. &lt;br /&gt;
Seinen Gefängnisaufenthalt, den er ab 25. April 1932 in der Haftanstalt Bernau am Chiemsee verbüßte, nutzte Josef Estermann vorausschauend zur Erlernung des Korbmacherhandwerks, und am 22. Dezember 1932 wurde er im Zuge der sogenannten Schleicher-Amnestie vorzeitig aus der Haft entlassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Staatsanwaltschaft Traunstein, Abschrift aus dem Strafregister vom 20.6.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==In der NS-Zeit: Von der Lagerhaft zur &#039;&#039;Wasserburger Freiheitsaktion&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schutzhaft&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Estermann wurde nach der Machtübername der Nationalsozialisten mehrfach aus politischen Gründen inhaftiert.&amp;lt;ref&amp;gt;im Folgenden: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 323ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine erste Festnahme erfolgte am 3. Februar 1933, als er mit dem Genossen Martin Allgeier auf dem Wasserburger Taubenmarkt kommunistische Flugblätter verteilte.&amp;lt;ref&amp;gt;Meldung im Wasserburger Anzeiger vom 6. Februar 1933, ohne Titel, 15, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hermann Auer, Der Landkreis Wasserburg im Dritten Reich|Hermann Auer, Der Landkreis Wasserburg im Dritten Reich]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Anfang März 1933 nahm man ihn erneut fest und er musste 50 Tage im Gefängnis Auf der Burg verbringen. Noch härter kam es am 12. August, als Polizei und SA sowohl ihn als auch seine Ehefrau Johanna abführten: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;meine Frau und ich wurden um 5 Uhr früh aus dem Bett geholt. Die SA-Männer waren alles Schulkameraden von mir. Sie kamen 6 Mann stark stellten die Wohnung auf den Kopf und lieferten uns im hies[igen] Gefängnis ab. Meine Kinder nahm meine alte Mutter. Ich kam auf Dachau[,] meine Frau auf Stadelheim.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 24, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:SpkA K 3828 0001Schutzhaftbefehl Veröff.-Genehm. StAM.jpg|mini|Schutzhaftbefehl des Bezirksamts Wasserburg vom 14.8.1933 u.a. gegen Joseph Estermann.]]&lt;br /&gt;
Während seines Aufenthalts im Konzentrationslager Dachau war er den unwürdigen Lagerbedingungen mit alltäglichen Schikanen ausgesetzt. Konnte sich Estermann zunächst mit dem Arbeitsdienst in der Lagerküche den schlimmsten Drangsalen entziehen, änderte sich dies drastisch, als aufkam, dass er Lebensmittel für seine unter Hunger leidenden Mithäftlinge entwenden wollte, wie der ebenfalls inhaftierte Herrmann Winnig später bezeugte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Estermann war in der Küche. Er stahl oft Lebensmittel von der SS um den Gefangenen davon zu essen zu geben. Seine besonderen Gefährten, mit denen er teilte, waren Max Hol[l]y und Winnig. Als er einmal 10 Pfund Geräuchertes stahl, wurde er dabei von der SS ertappt und 4 Stunden unmenschlich geschlagen, so dass er zum Schluss einem Fleischklumpen gleich sah. Dann legte man ihm einen Strick um den Hals, forderte ihn auf, die Genossen zu benennen, denen er die Lebensmittel gegeben hatte. Estermann hat seine Genossen dabei nicht verraten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll des Prozesses vom 14.3.1946, 2, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da auf Lagerdiebstahl die Todesstrafe folgte, stand er nach eigener Schilderung zum zweiten Mal in seinem Leben kurz vor der Exekution, der er nur deshalb knapp entkam, da dem SS-Scharführer offenbar seine tapfere Haltung imponierte und Aufseher ein Wort für ihn einlegten.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 11f, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Am 28. Mai 1934 wurde er nach mehr als neun Monaten aus dem Lager Dachau entlassen und der Schutzhaftbefehl &#039;&#039;probeweise aufgehoben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Beschluss der Bayerischen Politischen Polizei vom 26.4.1934, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 111216|StAM, LRA 111216]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufbau des Korbmacherbetriebs und &#039;&#039;Gestapo-Kontakte&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Foto Josef Estermann beim Korbflechten.jpg|mini|Josef Estermann in seiner Korbmacherwerkstätte, Ende der 1930er Jahre.]]    &lt;br /&gt;
Wieder zurück in Wasserburg konnte er sich allmählich eine berufliche Existenz als Korbmacher aufbauen, wobei ihm das Bezirksamt Wasserburg zeitweise staatliche Fürsorge gewährte, da der Ertrag zunächst kaum zum Leben reichte.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben des Ortsfürsorgeausschuss vom 22.3.1935 mit Beschluss vom 20.3.1934, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3664|StadtA Wasserburg a. Inn, II3664]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass die Zeit nach seiner Entlassung nicht einfach war, schrieb sich Estermann als fast 80jähriger von der Seele: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ich musste mich damals täglich melden und zwar beim Winkler Otto der war mal mein Schulkamerad, aber für ihn war ich ein Untermensch, ein Mensch 2. Klasse. Das war so deprimierend, daß ich mich manchmal nach Dachau sehnte, da waren wir Kameraden und [in] Wasserburg traute sich keiner mit mir reden, geschweige verkehren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 18f, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bereits drei Wochen nach der Rückkehr aus Dachau wurde er von Gestapo-Beamten aufgesucht, um ihn als Verbindungsmann zu gewinnen. Laut Estermann kamen die Beamten regelmäßig, wobei er später im US-Militärgerichtsverfahren versicherte, seine Genossen gewarnt und an die Gestapo nur irrelevante Informationen weitergegeben zu haben.&amp;lt;ref&amp;gt;siehe die Urteilsverkündigung vom 18.3.1946, Personalakte Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei stand der vermeintliche Spitzel zumindest zeitweise selbst unter intensiver Beobachtung, wie aus einem peniblen Überwachungsbericht vom Mai 1937 hervorgeht. Die Auftraggeber zeigten sich bestens unterrichtet über Estermanns Kontakte zum ortsbekannten Kommunisten Peter Balk, Besuche von Vertretern mit &#039;&#039;jüdischem Aussehen&#039;&#039; und verdächtige &#039;&#039;Frauenspersonen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bericht über das Verhalten des ehemaligen Kom[m]unisten Josef Estermann&#039;&#039; vom 5.5.1937, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3664|StadtA Wasserburg a. Inn, II3664]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Josef Estermann eröffnete zunächst ein Korbwarengeschäft in der Färbergasse 124&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bericht über das Verhalten des ehemaligen Kom[m]unisten Josef Estermann&#039;&#039; vom 5.5.1937, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI3664|StadtA Wasserburg a. Inn, VI3664]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und erhielt im März 1939 die offizielle Erlaubnis zur Errichtung einer Verkaufsstelle im Anwesen Ledererstraße 240 &#039;&#039;zum Feilhalten von Kinderwagen, Spielwaren u. Lederwaren&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Landratsamt Wasserburg, Erlaubnis zur Errichtung einer Verkaufsstelle vom 10.3.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die oberste Gestapo-Stelle in München bestätigte 1939, der Verdächtigte habe sich von der kommunistischen Irrlehre abgewandt und werde kaum mehr Anlass zu einer Beanstandung politischer Art geben.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben der Gestapo München vom 05.8.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Somit galt der einstige &#039;&#039;Schutzhäftling&#039;&#039; auch als wehrdienstwürdig und musste von 27. August 1939 bis 23. Januar 1940 bei der Panzerabwehr an der Westfront dienen.&amp;lt;ref&amp;gt; Wehrpass Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Da er ab 1943 in den Werkstätten am Pulverturm Granatkörbe für die Wehrmacht produzierte, galt er fortan als &#039;&#039;uk-gestellt&#039;&#039;, also unabkömmlich, weshalb er weiteren Kriegseinsätzen entkommen konnte. Als Fabrikant von kriegswichtigen Waren beschäftigte er bis zu 31 sogenannte Zwangsarbeiter.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haase/Rauschenberger, Zwangsarbeit|Haase/Rauschenberger]], Zwangsarbeit, 340.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Werkstätte Estermann am Pulverturm.jpg|mini|Die Korbmacherwerkstatt am Pulverturm, Schopperstatt, ca. 1943.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Freiheitsaktion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Politisch aktiv wurde Estermann wohl erst wieder in den Jahren vor Kriegsende, als er eine Widerstandsgruppe aufbaute, die sich zunächst &#039;&#039;Freiheitsaktion Neues Deutschland&#039;&#039; nannte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 62ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er knüpfte ein Netzwerk aus Nachbarn und weiteren Bürgern, die er als vertrauenswürdig empfand und auf Vertraulichkeit einschwor. &lt;br /&gt;
Am Morgen des 28. April 1945, als die Freiheitsaktion Bayern zur &#039;&#039;Jagd auf die Goldfasanen&#039;&#039; aufrief, führte der mittlerweile 46jährige eine Gruppe von Mitstreitern an, die in die Parteizentrale der NSDAP eindrang und die NS-Funktionäre unter Arrest setzte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 74ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorher hatte man im Postamt am Bahnhofsplatz die Telefonleitungen gekappt, um zu verhindern, dass Hilfe zur Niederschlagung des Aufstands gerufen werden konnte. Anschließend nahm Estermann an einer Versammlung im Wehrmeldeamt Wasserburg teil und veröffentlichte gemeinsam mit Oberstleutnant Puhl, Landrat Dr. Moos, Bürgermeister Baumann eine Erklärung gegen die Verteidigung der Stadt, die mit Flugblättern und über Lautsprecher am Rathaus veröffentlicht wurde. &lt;br /&gt;
Als der Gauleiter über Rundfunk den Putsch dementierte wurde Estermann als Rädelsführer verhaftet, konnte aber anschließend aus dem Wehrmeldeamt entkommen und sich dank einiger Helfer auf dem Krankenhausgelände versteckt halten. Am Abend des 2. Mai befreite er mehrere inhaftierte Mitstreiter aus dem Gefängnis auf der Burg und nahm am Morgen des Folgetags Kontakt mit der vor Wasserburg stehenden US-Armee auf, die er in die Altstadt begleitete. Gemeinsam mit weiteren Helfern trug er vermutlich entscheidend dazu bei, dass die Übergabe der Stadt kampflos erfolgen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Nachkriegszeit: Intermezzo als Bürgermeister und Landrat==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artikel Mayor Risk Gallow.jpg|mini|Artikel &#039;&#039;Wasserburger Bürgermeister riskiert Galgen&#039;&#039;, aus der Truppenzeitschrift Ninth Division News vom September 1945.]]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ernennung als Bürgermeister&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 10. Mai 1945, wurde der mittlerweile 46jährige aufgrund seiner führenden Rolle bei der &#039;&#039;Wasserburger Freiheitsaktion&#039;&#039; von der US-Militärverwaltung zum vorläufigen Bürgermeister (&#039;&#039;temporary mayor&#039;&#039;) der Stadt Wasserburg ernannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Befehl der US-Militärregierung vom 10.5.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Um ihn zur Amtsübernahme zu bewegen, soll extra eine Abordnung des F.A.B.-Anführers Rupprecht Gerngross aus München nach Wasserburg gekommen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits am Tag der Amtsübernahme forderte der neue Bürgermeister über Lautsprecher &#039;&#039;die gesamte Einwohnerschaft der Stadt Wasserburg auf[,] in dieser schweren Zeit mitzuarbeiten, daß wir und unsere Kinder einer glücklicheren Zukunft entgegensehen können&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 10.5.1945.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ging nun daran, in enger Absprache mit dem US-Militärgouverneur die drängendsten Fragen des politischen Neubeginns und zur Versorgung der Bevölkerung zu regeln. Da in dieser frühen Phase die Entnazifizierungsgesetze in den Besatzungszonen noch nicht umgesetzt waren, musste bei personellen Besetzungen häufig improvisiert und nach freiem Ermessen entschieden werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hoser, Entnazifizierung|Hoser, Entnazifizierung]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Estermanns Vorschlag wurden mehrere seiner Mitstreiter im Widerstand zu städtischen Hilfspolizisten und Stadträten ernannt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 293 und 305.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber auch weitere möglichst unbelastete Bürger unterschiedlicher parteipolitischer Ausrichtung konnten in den neuen Stadtrat einziehen. Offenbar legte Estermann als Bürgermeister der Kreisstadt seine Kompetenzen teilweise weit aus, wenn er, eigenen Aussagen zufolge, etwa den früheren Leiter des örtlichen SS-Sicherheitsdienstes Steiner in Eigenregie verhaftete&amp;lt;ref&amp;gt;früherer Redeentwurf &#039;&#039;Meine Herren Richter&#039;&#039;, 2, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; oder in den Gemeinden des Landkreises die Absetzung von belasteten Bürgermeistern durchsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Untersuchung in der Angelegenheit Estermann, KPD Wasserburg, 4, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wechsel ins Landratsamt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Anscheinend hatte sich der ursprünglich im Verwaltungshandeln völlig unerfahrene Korbmacher im Bürgermeisteramt bewährt, da ihn der US-Gouverneur Abraham L. Klinger am 10. Oktober 1945 zum Landrat des Kreises Wasserburg &#039;&#039;beförderte&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernennung als vorläufiger Landrat, US-Militärverwaltung, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Freilich dürfte auch die begrenzte Personalauswahl eine Rolle gespielt haben. Jedenfalls wollten die Besatzer erklärtermaßen ihre Entschiedenheit auf dem Gebiet der Entnazifizierung demonstrieren, indem sie beide Spitzenämter in Stadt und Landkreis mit Mitgliedern des Wasserburger Widerstandskreises besetzten und den SPD-Mann Kaspar Wiedemann auf den Bürgermeisterstuhl der Kreisstadt nachrücken ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 291ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun musste sich Estermann auf Kreisebene mit &#039;&#039;Entlassungen, Beschlagnahmungen, Sperrungen usw. und Beseitigung von Engpässen auf allen Gebieten&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Verwaltungsbeamter: Die Wohnungsaktion wird verwässert, Oberbayerisches Volksblatt, undatiert, vermutlich vom 9.7.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; befassen und hatte zudem die Entnazifizierung in 62 Kreisgemeinden zu überwachen. Erschwerend kam hinzu, dass er das Amt zu einer Zeit übernahm, als sämtliche Referatsleiter und zahlreiche Angestellte des Landratsamtes auf Anordnung der Militärregierung wegen Parteizugehörigkeit entlassen worden waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Redeentwurf zur Kreistagssitzung, vermutlich am 30.5.1946, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch der erst am 10. Mai 1945 ernannte kommissarische Landrat Johann Unterbirker musste aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft weichen, wurde aber auf ausdrückliche Bitte Estermanns in untergeordneter Funktion und als dessen &#039;&#039;rechte Hand&#039;&#039; im Landratsamt belassen. &lt;br /&gt;
Estermann betonte, bei personellen Entscheidungen stets mit Augenmaß und Rücksicht auf die Funktionsfähigkeit von Verwaltung und Wirtschaft vorgegangen zu sein: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Nur in den Fällen, wo die Militärregierung sich die Entscheidung selbst vorbehalten hat, habe ich nicht eingegriffen. Leiter von Fachgeschäften wurden in untergeordneter Stellung in einem anderen Geschäft derselben Branche eingestz[t]. Ich bin nämlich der Ansicht, dass es besser ist, wenn Fachkräfte nicht als Strassenkehrer, sondern ihren Fähigkeiten entsprechend, anderweitig Verwendung finden. Ich kann auch nicht die Entnazifizierung eines Landkreises in 8 Tagen vornehmen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Offener Brief an die Bezirksleitung der KPD vom 14.1.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zerwürfnis mit der KPD&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bereits im Dezember 1945 kam es zum Zerwürfnis zwischen Estermann und der örtlichen KPD. Während eines parteiinternen Treffens am 14. Dezember 1945, bei dem auch der Landesvorsitzende der Bayern-KPD Fritz Sperling&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Fritz Sperling (Politiker)|Wikipedia, Fritz Sperling (Politiker)]].&amp;lt;/ref&amp;gt; anwesend war, musste sich Estermann in einer verhörartigen Befragung unter anderem ein zu geringes Engagement in Sachen Entnazifizierung und mangelnden Einsatz für die kommunistische Partei vorwerfen lassen. Als man ihm am Ende der Sitzung zur Treue ermahnte und eine Untersuchung ankündigte, erklärte er resigniert seinen Austritt aus der Partei.&amp;lt;ref&amp;gt;Untersuchung in der Angelegenheit Estermann, KPD Wasserburg, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Kurz darauf reichte der KPD-Mann und vormalige Leiter des Wirtschaftsamts im Landratsamt Wasserburg, Bernhard Steinberger&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Bernhard Steinberger|Wikipedia, Bernhard Steinberger]].&amp;lt;/ref&amp;gt; eine 23 Punkte umfassende Beschwerde gegen den Landrat bei der staatlichen Aufsichtsbehörde ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Personalakte Josef Estermann, Schreiben des Regierungspräsidenten vom 15.1.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann hatte ihn zuvor wegen Verstoß gegen seine Weisungen entlassen müssen. Die Vorwürfe erwiesen sich im Wesentlichen als haltlos, doch die Auseinandersetzungen wurden bald auch öffentlich ausgetragen. Wochenlang lieferten sich Estermann und der KPD-Sekretär Peter Balk ein Wortgefecht über mehrere Artikel im Oberbayerischen Volksblatt.&amp;lt;ref&amp;gt;Mitteilung der KPD unter &#039;&#039;Rund um Wasserburg&#039;&#039; im OVB, vermutlich vom 11.1.1946, Die Legende Estermann, vermutlich vom 29.1.1946 und Stellungnahme des Landrats, vermutlich vom 5.2.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]] sowie Offener Brief des Landrats vom 14.1.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann hatte sich inzwischen der Wasserburger SPD angenähert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 149 sowie Schreiben Osthelder vom 15.10.1945 in der Personalakte Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Suspendierung und US-Militärgerichtsverfahren&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 1. März 1946 wurde Estermann vom Geheimdienst der US-Armee in München verhört und anschließend vom Militärgouverneur Klinger seines Amtes enthoben.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 32, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]] und Schreiben Military Gouvernement vom 1.3.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Inhaftierung konnte er durch die Zahlung einer Kaution in Höhe von 10.000 Reichsmark abwenden, musste aber in den drei Wochen bis zur Gerichtsverhandlung in Hausarrest bleiben.&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Militärregierung brachte in Erfahrung, dass er &#039;&#039;von 1934 bis zur Kapitulation Deutschlands als V.-Mann (Vertrauensmann) im Dienste der Geheimen Staatspolizei stand&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel OVB, Vertrauensmann der Gestapo, vermutlich vom 7.3.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, wie das Oberbayerische Volksblatt berichtete. &lt;br /&gt;
[[Datei:Artikel_März_1946,_sw_be.jpg|mini|Das Oberbayerische Volksblatt im März 1946 über die Entlassung und Wiedereinsetzung Estermanns als Landrat.]]&lt;br /&gt;
Estermann hatte dazu im Fragebogen der US-Militärbehörde keine und damit falsche Angaben gemacht und war nun dem Verdacht ausgesetzt, er hätte wissentlich und zum Schaden seiner KPD-Genossen Spitzeltätigkeit geleistet. Bei der Verhandlung des US-Militärgerichts am 13. März 1946 im vollbesetzten Wasserburger Rathaussaal, vor dem sich Estermann selbst verteidigte, forderte er seinen Freispruch:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Meine Herren! Mein ganzes Leben ist ein einziger Kampf. Reich an Erfolgen und Rückschlägen. Aber kein Rückschlag hat mich so schwer getroffen und erniedrigt, als die Behauptung, dass ich für die Gestapo V Mann war. Mit Stolz kann ich sagen, dass spontan die alten Kampfgenossen und Freunde zu mir kamen, und mich über die schwersten Stunden hinweghalfen. Und ich weiß, möge dieses Urteil ausfallen wie es will, diese Männer wissen, dass ich nicht schuldig bin. [...] Ich behaupte nochmals, niemals Vertrauensmann gewesen zu sein und bekenne mich nicht als schuldig. Ich fordere deshalb meine Freisprechung!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Redemanuskript &#039;&#039;Meine Herren&#039;&#039;, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er betonte, nie gewusst zu haben, dass er als V-Mann geführt werde. Er habe Aussagen für die Gestapo nur nach Zwang gemacht und &#039;&#039;durch geschickte Manöver nie[,] aber auch nie[,] einem Genossen geschadet&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll des Prozesses vom 14.3.1946, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die von ihm benannten Zeugen sagten im Prozess zu seinen Gunsten aus und auch der frühere Leiter der Nachrichten-Abteilung KPD der Gestapo-Dienststelle München, Franz Regnat, offenbarte, dass Estermann als Gestapo-Agent nicht von Wert gewesen sei. &lt;br /&gt;
Fünf Tage später, am 18. März 1946, wurde das schriftliche Urteil verkündet und Josef Estermann für unschuldig erklärt. Er konnte mit sofortiger Wirkung seinen Posten als Landrat wieder antreten. Das Gericht führte aus, dass er zwar unzweifelhaft als V-Mann geführt wurde und er sich über seine Stellung als Spitzel der Gestapo hätte bewusst sein müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Personalakte Josef Estermann, Abschrift der Urteilsverkündigung vom 18.3.1946, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Man wertete allerdings die langjährige KPD-Zugehörigkeit und aktive Opposition des Angeklagten gegen das Hitlerregime als entlastend. Weder könne von einer freiwilligen Mitwirkung gesprochen werden, noch dass er verwertbare Auskunft geliefert habe oder durch ihn Dritte zu Schaden gekommen seien. Die mündliche Vereinbarung zwischen ihm und der Gestapo sei unter Zwang erfolgt und daher &#039;&#039;null und nichtig&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Personalakte Josef Estermann, Abschrift der Urteilsverkündigung vom 18.3.1946, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die US-Militärverwaltung äußerte sich in ihrem Jahresbericht zufrieden über den Prozessausgang und sah darin nicht nur eine Ehrenrettung Estermanns und vieler seiner Anhänger, sondern auch einen Beitrag zum Prestige der Militärregierung und der US-amerikanischen Justiz.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report, det. E283, LK Wasserburg, 1945.6 - 1946/6, 15, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGB 13/141-2/011|BayHStA, OMGB 13/141-2/011]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die KZ-Beratungsstelle Rosenheim begrüßte in einem Presseartikel den Freispruch und die volle Rehabilitierung Estermanns.&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel Gestapo und V-Mann, vermutlich aus dem Oberbayerischen Volksblatt vom 22.3.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Von verschiedenen Seiten wurde noch Jahrzehnte später die Ansicht geäußert, Estermann sei als Agent tätig gewesen und habe Interna an die Gestapo weitergegeben&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 332.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zuweilen ergänzt um den Vorwurf, er sei &#039;&#039;zugleich [...] Agent der Russen u. Amerikaner&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;So der frühere Wasserburger Landrat Dr. Willi Moos in seinen handschriftlichen Aufzeichnungen, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Moos, Vor 25 Jahren|Moos, Vor 25 Jahren]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Landrat auf Abruf&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da sich die Wahl eines Nachfolgers schwierig gestaltete, blieb Estermann kommissarisch bis 30. September 1946 im Amt. Die Militärverwaltung berichtete, die lange Interimszeit sei von Seiten des Landratsamts als wenig segensreich empfunden worden, da Estermann als Amtsinhaber auf Abruf keine weitreichenden Entscheidungen mehr traf, um seinen Nachfolger nicht zu binden.&amp;lt;ref&amp;gt;LK Wasserburg (Det. E-283), Monthly political activity report 30.6.1946, 4, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGUS CO 465/01|BayHStA, OMGUS CO 465/01]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mehrheitsverhältnisse hatten sich nach der ersten freien Kreistagswahl eindeutig zugunsten der CSU verschoben. Der Kreistag wählte am 30. Mai 1946 mit konservativer Stimmenmehrheit den Landwirtschaftsrat und späteren CSU-Landtagsabgeordneten Dr. Karl Lenz&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Karl Lenz|Wikipedia, Karl Lenz]].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Landrat. Wegen Einwänden verzögerte die Militärverwaltung aber seine Ernennung, worauf Lenz seine Kandidatur letztlich zurückzog.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report, det. E283, LK Wasserburg, 1945.6 - 1946/6, 16, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGB 13/141-2/011|BayHStA, OMGB 13/141-2/011]] und Artikel &#039;&#039;Eine Erwiderung der CSU&#039;&#039;, OVB, ohne Datierung, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der Kreistagssitzung am 28.6.46 fand sich schließlich eine Mehrheit von 43 Stimmen für den Regierungsassessor Hans Niedermeier aus München.&amp;lt;ref&amp;gt;LK Wasserburg (Det. E-283), Monthly political activity report 30.6.1946, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGUS CO 465/01|BayHStA, OMGUS CO 465/01]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bestätigt wurde er aber erst am 30. September 1946. Die Sprecher von SPD und CSU im Kreistag, Cembelli und Max Zwicknagl&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Max Zwicknagl|Wikipedia, Max Zwicknagl]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, dankten vor dem Kreistag dem scheidenden Landrat für die geleistete Arbeit &#039;&#039;in schwerster Zeit&#039;&#039; und würdigten seinen Einsatz in den letzten Kriegstagen.&amp;lt;ref&amp;gt; Artikel Die Neuwahl des Wasserburger Landrats, OVB, ohne Datierung, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann selbst hatte bereits in seiner Rede bei der Kreistagssitzung am 30. Mai mit deutlichen Worten eine Bilanz seiner Amtszeit gezogen und dabei die Vorteile seiner parteilichen Ungebundenheit betont:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Notzeiten bringen immer Härten mit sich, und ich musste im Interesse des Volkes, bei einigen Ablieferungssündern empfindliche Strafen aussprechen. Man muss auch den Mut aufbringen, unpopulär zu werden. Ich selbst, meine Herren, bin parteilos und habe mich so in verschiedenen Dingen leichter getan, als wenn ich an eine Partei gebunden wäre. Meine Herren, der Karren ist vor einem Jahr so tief im Dreck gesteckt, dass er auch in 2 Jahren noch nicht wieder heraussen sein wird.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Entwurf Eröffnungsrede der Kreistagssitzung, vermutlich am 30.5.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Obwohl es nicht einfach gewesen sei, &#039;&#039;zwei Herren&#039;&#039; zu dienen, der US-Militärregierung und den deutschen Behörden, sei der Kreis Wasserburg schließlich &#039;&#039;einer der besten&#039;&#039; Kreise auf dem Gebiet der Entnazifizierung gewesen. Man habe zur Überbrückung der Lücke im Gesetzesvollzug ein durchdachtes Verfahren entwickelt, so dass sich sogar der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München beim Landratsamt Wasserburg nach dem &#039;&#039;augenblicklichen Vollzug des Gesetzes Nr. 8&#039;&#039; erkundigte und Richtlinien einholte.&amp;lt;ref&amp;gt;Aktennotiz zum Schreiben vom Staatsminister für Sonderaufgaben vom 4.1.1946, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der städtische Chronist Josef Kirmayer vermerkte am 30. September 1946 zum personellen Wechsel im Landratsamt: &#039;&#039;Korbwarenfabrikant Josef Estermann endlich[!] als Landrat (zuletzt kommissarisch) abgetreten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 29.9.1946.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Rückzug ins Privat- und Geschäftsleben&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem endgültigen Ausscheiden aus dem Amt widmete sich Josef Estermann wieder ganz dem Privatleben und seiner gewerblichen Tätigkeit. Er führte das Lebensmittelgeschäft am Wasserburger Holzhofweg bis ins hohe Alter, während seine Frau Johanna den Korb- und Spielwarenladen in der Herrengasse leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit Johanna Pixner, der Enkelin Estermanns, am 18.1.2022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Kaufhaus J. Estermann, Werbeanzeige.jpg|mini|Werbeanzeige Kaufhaus J. Estermann, 1949.]]     &lt;br /&gt;
Im Jahr 1956 errichtete er aus Abbruchmaterial ein Wohnhaus am Pulverturm am Wasserburger Holzhofweg, offensichtlich gegen den Willen der hiesigen Baubehörde.&amp;lt;ref&amp;gt;zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]], 257.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beschriftete Marmortafel, die er über dem Hauseingang anbringen ließ, war geeignet, den Eindruck zu festigen, dass da einer allzu gerne der Obrigkeit ein Schnippchen schlug:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Erbaut v. Josef u. Hanna Estermann 1956 - 1957. Nach Ansicht eines Herrn der Bayr. Staatsregierung und einer hiesigen Behörde fällt dieses Haus spätestens im Jahre 1976 ein. Gib, o Gott, in diesem Land den Menschen mehr Salz in den Verstand.&amp;lt;ref&amp;gt;zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]], 257.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Elfer-Rat Lederergmoa 1970er.jpg|mini|Sepp Estermann als Mitglied des Elfer-Rats der Faschingsgesellschaft &#039;&#039;Lederergmoa&#039;&#039; (vierter von links).]]&lt;br /&gt;
Auch wenn er sich aus der Politik zurückgezogen hatte, engagierte sich Josef Estermann aktiv im Wasserburger Vereinsleben. Er gilt mit seinem Sohn Karl als Mitbegründer der Wasserburger Stadtgarde 1965 und blieb der Fußballabteilung des TSV 1880 als &#039;&#039;prominenter Platzwart&#039;&#039; in Erinnerung.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Motzkus, 75 Jahre Fußball|Motzkus, 75 Jahre Fußball]], 85.&amp;lt;/ref&amp;gt; An den Faschingszügen der Stadt beteiligten sich &#039;&#039;die Estermänner&#039;&#039; häufig mit aufwändig gestalteten Wägen und einfallsreichen Motiven, bei denen es durchaus politisch werden konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Motzkus, 25 Jahre Stadtgarde|Motzkus, 25 Jahre Stadtgarde]], 41.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heimatautor Hans Klinger führte in den 1970er Jahren zahlreiche Gespräche mit Josef Estermann und recherchierte intensiv die Lebensgeschichte des bekannten Wasserburgers. Das Buch &#039;&#039;Gestorben wird erst später … Ein deutscher Lebenslauf&#039;&#039; veröffentlichte Klinger im Jahr 1984, zwei Jahre nach Estermanns Tod.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die im Zuge seiner Recherchen und zu Estermann gesammelten Dokumente überließ Hans Klinger dem Stadtarchiv Wasserburg im Jahr 2003 zur Bewahrung und öffentlichen Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1978 konnte Josef Estermann in seinen Aufzeichnungen, die er der Nachwelt hinterließ, beruhigt notieren: &#039;&#039;Und morgen werd ich 80 Jahre[;] mein Leben war alles[,] bloß nicht langweilig und ich werde wahrscheinlich einmal im Bett sterben.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 32, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Er verstarb wenige Monate vor seinem 83. Geburtstag an den Folgen einer Erkrankung im Wasserburger Krankenhaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Resümee&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Josef Estermanns aus verschiedenen Quellen gut belegbarer Lebenslauf spiegelt das 20. Jahrhundert mit seinen Hoffnungen, Wirrungen und Katastrophen wider. Mit seiner politischen Haltung und seinem bewegten Lebenswandel schien der einst &#039;&#039;kommunistische Bürgerschreck&#039;&#039; nicht so recht in die ländlich geprägte Kleinstadt zu passen, war aber dennoch fest in ihr verwurzelt. Dass der Sohn eines einfachen Forstarbeiters gegen Kriegsende vorausschauend den Widerstand organisierte und sein Leben für die Rettung der Stadt riskierte, beeindruckte wohl viele seiner Mitbürger. Er scheute auch die Verantwortung nicht, als ihm die US-Militärverwaltung hohe kommunale Ämter antrug. Wenngleich seine Amtszeiten nur sehr kurz waren, so steht er doch für all jene Männer und Frauen, die in Stadt und Landkreis Wasserburg den schwierigen Neubeginn nach der Kapitulation im Mai 1945 tatkräftig mitgestalteten. Als Bürgermeister und Landrat war er mit den Herausforderungen der Entnazifizierung konfrontiert und musste gleichzeitig die Funktionsfähigkeit des Verwaltungsapparats und die Versorgung der Bevölkerung im Blick behalten. Ein schwieriger Spagat, bei dem er anscheinend Standhaftigkeit und Realitätssinn zeigte, der ihn aber immer mehr von seiner einstigen politischen Heimat, der Kommunistischen Partei, entfremdete. Als tragisch gilt, dass er, der von den Nationalsozialisten verfolgte Widerständler und Antifaschist, in den Verdacht geriet, er habe der Gestapo willfährig Dienste geleistet und seine Mitstreiter verraten.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Robert Obermayr}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<title>Josef Estermann</title>
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		<updated>2022-06-07T13:00:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: /* In der NS-Zeit: Von der Lagerhaft zur Wasserburger Freiheitsaktion */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Robert Obermayr|Robert Obermayr]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Robert Obermayr]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biografie Josef Estermann&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Diese Person besitzt derzeit keinen GND-Normdatensatz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Artikel wird derzeit erstellt. Wir bitten noch um etwas Geduld.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Passfoto Josef Estermann.png|mini|Passfoto Josef Estermann.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Josef Estermann war der erste von der US-Militärverwaltung ernannte Bürgermeister der Stadt Wasserburg am Inn nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft. Anschließend war er fast ein Jahr lang Landrat des Landkreises Wasserburg. In den 1920er Jahren leitete er die Ortsgruppe der Kommunistischen Partei und führte in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs die &#039;&#039;Wasserburger Freiheitsaktion&#039;&#039; an. In der Heimat am Inn Nr. 39/40 (2021)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchte der Autor ausführlich Josef Estermanns Rolle in den letzten Kriegstagen. In diesem Beitrag im Historischen Lexikon soll der bewegte Lebenswandel Estermanns von der Kindheit bis ins Alter (zusammenfassend) dargestellt und sein Wirken für Stadt und Landkreis Wasserburg gewürdigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebensdaten==&lt;br /&gt;
Josef Estermann * 28. Dezember 1898 in Wasserburg am Inn, † 8. November 1982 in Wasserburg am Inn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Von der Kaiserzeit zur Räterepublik==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kindheit in Wasserburg&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Josef Estermann stammt aus einfachen Verhältnissen und einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus.&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Vater war der Forstarbeiter Georg Estermann, verheiratet mit Sofie Estermann, geborene Peintinger. Während beide Eltern &#039;&#039;die meiste Zeit im Wald&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; arbeiteten, erlebten Josef und seine zwei Brüder eine &#039;&#039;freie Kindheit&#039;&#039; im sogenannten Hering-Haus in der Wasserburger Neustraße. &lt;br /&gt;
Nach Ende der Volksschulzeit, Estermann spricht von täglichen Prügeln durch den Lehrer, schickte ihn der Vater zur Arbeit in die Landwirtschaft. Die harten Arbeitsbedingungen, &#039;&#039;den Tag a 14 Stund g’arbat, […] koan Urlaub ned und d‘Woch a Mark&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, dürften seine politische Einstellung mit geprägt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Landsturmpflichtiger und Rotarmist&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Foto Josef Estermann als Soldat im 1. Weltkrieg.jpg|mini|Estermann als junger Mann im ersten Weltkrieg (links) mit einem unbekannten Kameraden.]]&lt;br /&gt;
Noch nicht volljährig, begab sich Josef Estermann auf Wanderschaft und heuerte in Hamburg auf einem Schiff an, wohl auch, um sich &#039;&#039;dem Barras&#039;&#039;, dem Dienst an der Waffe im mittlerweile entbrannten Ersten Weltkrieg, zu entziehen. Im Dezember 1916 holte man ihn in Hamburg &#039;&#039;vom Schiff runter&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und zog ihn als Landsturmpflichtigen in das Infanterieregiment 76 ein.&amp;lt;ref&amp;gt; Wehrpass Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Nach einer Verwundung an der Westfront in Flandern und einem Lazarettaufenthalt in Witten im Ruhrgebiet, wo er seine spätere Frau, die Lazaretthelferin Johanna Kirsten, kennenlernte, versetzte man ihn zum 7. Bayerischen Feldartillerie-Regiment.&amp;lt;ref&amp;gt;im Folgenden: Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 6ff, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]], siehe auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 45ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort diente er bis Kriegsende und soll das Eiserne Kreuz erhalten haben, nachdem er einem Offizier das Leben rettete. Im Frühjahr 1919 landete er nach den Kriegswirren im vom revolutionären Umsturz erfassten München und schloss sich zur Verteidigung der dort errichteten Räterepublik der Roten Armee an. Nachdem die Stadt von Reichswehr und Freikorpsverbänden eingenommen wurde, geriet auch Estermann in Gefangenschaft. Seinen Schilderungen zufolge wäre er fast ein Opfer der Erschießungen geworden, die Anfang Mai 1919 nach Niederschlagung der Räterepublik im Gefängnis Stadelheim stattfanden. In einem Interview beschreibt er, wie er dem Tod nur knapp entkam, da ihn der befehligende Offizier als seinen früheren Regimentsangehörigen und tüchtigen Soldaten wiedererkannte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Des [Erschießungs-)Kommando is hervorn g‘standen, ungefähr 9 oder 10 Mann, die haben ihr Gewehr schon geladen gehabt. Und dann geht der Offizier nochmal unsre Front ab, schaut uns allesamt an und dann geht er zu mir und sagt er: &#039;Ja, Estermann&#039;, sagt er, &#039;was machst denn du da?&#039; Des war mein Kompanieführer, […] der Oberleutnant Metzger. […] Dann sagt er, &#039;Geh einmal raus. Den Mann kenn ich ja gut&#039;, sagt er, &#039;des is ja a guter Soldat gwesen&#039; […]. Und ich bin dann wieder reinkommen, die andren sind umgelegt worden.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die weiteren Mitgefangenen nach Darstellung Estermanns erschossen worden seien, bekam dieser auf Veranlassung des Oberleutnants einen Passierschein ausgestellt und konnte unversehrt den Fußweg nach Hause antreten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ausweis der Stadtkommandantur München vom 1.5.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI4041|StadtA Wasserburg a. Inn, VI4041]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Weimarer Jahre: Einmal Arbeiterparadies und zurück==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Familiengründung in harten Zeiten und Leitung der örtlichen KPD&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zurück in Wasserburg schlug sich Estermann als Gelegenheitsarbeiter durch. Er half seinem Vater bis zu dessen frühen Tod im Mai 1922 bei der Forstarbeit im städtischen Wald und verdingte sich als Torfstecher und als Hilfsarbeiter beim Flussamt für kargen Lohn, von dem er sich in Zeiten galoppierender Inflation kaum genug zum Leben kaufen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 77 und 103.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es soll dabei auch zu kleinen Betrügereien, wie dem Verkauf von gestrecktem Pfeffer oder gestohlenen Christbäumen, gekommen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]], 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Zeitraum von 1923 bis 1929 verzeichnet Estermanns Strafregister drei Haftstrafen wegen Diebstahl, Unterschlagung und Betrug.&amp;lt;ref&amp;gt;Auszug aus dem Strafregister der Staatsanwaltschaft Traunstein vom 20.6.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach Phasen der Arbeitslosigkeit fand er in der damaligen Bierstadt Wasserburg schließlich eine Festanstellung bei der Brauerei Greinbräu. Am 17. November 1923 heiratete er in Wasserburg die aus Witten an der Ruhr stammende Krankenhelferin Johanna Kirsten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 142.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das junge Paar konnte an Weihnachten 1923 ein in Eigenleistung halb fertiggestelltes Häuschen am Riedenerweg beziehen, auf einem Grundstück, das die Stadt Wasserburg auf Erbbaurecht an Bedürftige vergeben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2303|StadtA Wasserburg a. Inn, II2303]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald waren jedoch die Raten für den Kredit angesichts der Zinslast und dem kargen Einkommen in jenen Jahren nicht länger aufzubringen, so dass die mittlerweile dreiköpfige Familie&amp;lt;ref&amp;gt;1924 und 1927 wurden die beiden Söhne Karl und Rudolf geboren.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Haus 1926 verkaufen und in eine Mietwohnung in der Färbergasse 121 ziehen musste.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 150ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Estermann engagierte sich seit seiner Rückkehr nach Wasserburg parteipolitisch, ließ sich zunächst für die örtliche SPD anwerben sowie als Fahnenträger des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Ab Mitte der 1920er Jahre schloss er sich nach deren Gründung der Ortsgruppe der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 155.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald stieg er zum Kopf der rasch anwachsenden Gruppierung auf, was bei seinem Arbeitgeber auf Missfallen stieß, der ihn aber offenbar als fleißigen Arbeiter behalten wollte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ich war damals pol. Leiter der Ortsgruppe Wasserburg[;] wir hatten damals bald 100 Mitglieder. Meine Frau leitete die Rote Hilfe. Ich hatte beim Greinbräu eine gute Stelle in der Brauerei. Mein Chef (Hr. Hatzl) wollte mich immer entlassen wegen meiner politischen Arbeit. Aber sonderbarerweise tat er es nicht.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 10, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Waffendiebstahl und Flucht in die Sowjetunion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Meldung Kommunistenführer entflohen, Wasserburger Anzeiger April 1931.jpg|mini|Meldung im Wasserburger Anzeiger über die Flucht Estermanns nach Moskau.]]&lt;br /&gt;
Im November 1930 entwendete er mit weiteren Genossen Maschinengewehre aus einem heimlichen Waffendepot in einer Ziegelei im Weiler Holzmann bei Pfaffing, das vermutlich von Anhängern der NSDAP angelegt worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;im Folgenden: Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 10ff, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]] und Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann, der den Fund sogleich dem KPD-Reichstagsabgeordneten Albert Buchmann&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Albert Buchmann (Politiker)|Wikipedia, Albert Buchmann (Politiker)]].&amp;lt;/ref&amp;gt; meldete, sollte die Gewehre zur KPD nach München bringen, aber die örtliche Polizei fand die in einer Gartenlaube zwischengelagerte Beute. Er konnte sich der Verhaftung durch einen Sprung aus dem Fenster entziehen und floh über Griesstätt und Kolbermoor in die Arbeiterhochburg Feldmoching, wohin ihn Max Holy, Landesleiter der Roten Hilfe Bayern, auf dem Motorrad brachte. Die Rote Hilfe besorgte ihm falsche Ausweispapiere (&#039;&#039;Kurt Radke aus Königsberg&#039;&#039;) und organisierte im März 1931 die Zugfahrt über Berlin nach Moskau, wo der Genosse aus dem Westen am Bahnhof von &#039;&#039;Rotfront&#039;&#039;-Rufen der Komsomolzen empfangen wurde. &lt;br /&gt;
Als Sowjetbürger arbeitete er zunächst als Baggerführer in Magnitogorsk im Südural, bis er Anfang Mai eine Parteischulung in Moskau absolvierte und fortan als Redner im Sowjetreich eingesetzt war: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;[In Rostow am Don] sprach ich in ein paar Versammlungen in gebrochenem Russisch mit viel deutschen Wörtern gemischt. Man reichte mich von einer Versammlung in die andere und da ich immer das gleiche sprach[,] ging die Sache ganz leidlich. Von der Parteileitung bekam ich immer wieder den Auftrag[,] wohin in die nächste Stadt. Ich sprach unter anderem in Odessa, dann Irkutsk, Wladiwostok.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 13, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Die Erfahrungen, die er während des Aufenthalts im Arbeiterstaat sammelte, führten aber offenbar zur Ernüchterung des bis dahin überzeugten Kommunisten. Als Vorzeige-Gast aus dem Westen bewegte er sich in der &#039;&#039;besseren Gesellschaft&#039;&#039; der KP-Funktionäre, aber die sozialen Gegensätze blieben ihm nicht verborgen: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir konnten in extra Läden alles[,] aber auch alles kaufen, während die armen Teufel, die Arbeiter in Ihrem Paradies der Arbeiter stundenlang um Brot anstellen mussten. Da bekam meine kommunistische Überzeugung eine richtigen Knacks. Man frage mich[,] wie es mir in Rußland gefalle usw. Ich hab ihr dortiges System über alles gelobt. Ich war doch nicht blöd.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 14, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Moskau.jpg|mini|Postkarte aus der Sowjetunion 1932 an den Bruder Georg: &#039;&#039;Willst du nicht rüber?&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hochverrats-Prozess und Gefängnisaufenthalt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hatte Estermann zunächst noch gedacht, seine Familie in die Sowjetunion nachzuholen, beschloss er nach sechsmonatigem Aufenthalt nach Deutschland zurückzukehren. Das deutsche Konsulat in Moskau händigte ihm ein Ausreisevisum aus und im September 1931 kam er in Wasserburg an, wo er sich nach drei Tagen der örtlichen Polizei stellte.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 28, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das Reichsgericht Leipzig verurteilte ihn im Februar 1932 wegen Waffendiebstahl und Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren Gefängnis.&amp;lt;ref&amp;gt;Staatsanwaltschaft Traunstein, Abschrift aus dem Strafregister vom 20.6.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann und den Mittätern wurde vorgeworfen, sie hätten die Maschinengewehre in der Absicht entwendet, sie &#039;&#039;im Falle einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit der bestehenden Gesellschaftsordnung für die parteipolitischen Ziele der KPD zu verwenden&#039;&#039;,&amp;lt;ref&amp;gt;Die Wasserburger Maschinengewehre, Trostberger Tagblatt, Artikel datiert auf 19.8.1931, hier zum Prozess gegen die weiteren Beteiligten, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; während die Beschuldigten einwandten, sie hätten die Waffenbestände aus &#039;&#039;faschistischer Herkunft&#039;&#039; nur deshalb beseitigt, damit sie nicht gegen die Arbeiterschaft gerichtet werden konnten. &lt;br /&gt;
Seinen Gefängnisaufenthalt, den er ab 25. April 1932 in der Haftanstalt Bernau am Chiemsee verbüßte, nutzte Josef Estermann vorausschauend zur Erlernung des Korbmacherhandwerks, und am 22. Dezember 1932 wurde er im Zuge der sogenannten Schleicher-Amnestie vorzeitig aus der Haft entlassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Staatsanwaltschaft Traunstein, Abschrift aus dem Strafregister vom 20.6.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==In der NS-Zeit: Von der Lagerhaft zur &#039;&#039;Wasserburger Freiheitsaktion&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schutzhaft&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Estermann wurde nach der Machtübername der Nationalsozialisten mehrfach aus politischen Gründen inhaftiert.&amp;lt;ref&amp;gt;im Folgenden: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 323ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine erste Festnahme erfolgte am 3. Februar 1933, als er mit dem Genossen Martin Allgeier auf dem Wasserburger Taubenmarkt kommunistische Flugblätter verteilte.&amp;lt;ref&amp;gt;Meldung im Wasserburger Anzeiger vom 6. Februar 1933, ohne Titel, 15, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hermann Auer, Der Landkreis Wasserburg im Dritten Reich|Hermann Auer, Der Landkreis Wasserburg im Dritten Reich]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Anfang März 1933 nahm man ihn erneut fest und er musste 50 Tage im Gefängnis Auf der Burg verbringen. Noch härter kam es am 12. August, als Polizei und SA sowohl ihn als auch seine Ehefrau Johanna abführten: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;meine Frau und ich wurden um 5 Uhr früh aus dem Bett geholt. Die SA-Männer waren alles Schulkameraden von mir. Sie kamen 6 Mann stark stellten die Wohnung auf den Kopf und lieferten uns im hies[igen] Gefängnis ab. Meine Kinder nahm meine alte Mutter. Ich kam auf Dachau[,] meine Frau auf Stadelheim.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 24, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:SpkA K 3828 0001Schutzhaftbefehl Veröff.-Genehm. StAM.jpg|mini|Schutzhaftbefehl des Bezirksamts Wasserburg vom 14.8.1933 u.a. gegen Joseph Estermann.]]&lt;br /&gt;
Während seines Aufenthalts im Konzentrationslager Dachau war er den unwürdigen Lagerbedingungen mit alltäglichen Schikanen ausgesetzt. Konnte sich Estermann zunächst mit dem Arbeitsdienst in der Lagerküche den schlimmsten Drangsalen entziehen, änderte sich dies drastisch, als aufkam, dass er Lebensmittel für seine unter Hunger leidenden Mithäftlinge entwenden wollte, wie der ebenfalls inhaftierte Herrmann Winnig später bezeugte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Estermann war in der Küche. Er stahl oft Lebensmittel von der SS um den Gefangenen davon zu essen zu geben. Seine besonderen Gefährten, mit denen er teilte, waren Max Hol[l]y und Winnig. Als er einmal 10 Pfund Geräuchertes stahl, wurde er dabei von der SS ertappt und 4 Stunden unmenschlich geschlagen, so dass er zum Schluss einem Fleischklumpen gleich sah. Dann legte man ihm einen Strick um den Hals, forderte ihn auf, die Genossen zu benennen, denen er die Lebensmittel gegeben hatte. Estermann hat seine Genossen dabei nicht verraten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll des Prozesses vom 14.3.1946, 2, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da auf Lagerdiebstahl die Todesstrafe folgte, stand er nach eigener Schilderung zum zweiten Mal in seinem Leben kurz vor der Exekution, der er nur deshalb knapp entkam, da dem SS-Scharführer offenbar seine tapfere Haltung imponierte und Aufseher ein Wort für ihn einlegten.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 11f, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Am 28. Mai 1934 wurde er nach mehr als neun Monaten aus dem Lager Dachau entlassen und der Schutzhaftbefehl &#039;&#039;probeweise aufgehoben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Beschluss der Bayerischen Politischen Polizei vom 26.4.1934, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 111216|StAM, LRA 111216]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufbau des Korbmacherbetriebs und &#039;&#039;Gestapo-Kontakte&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Foto Josef Estermann beim Korbflechten.jpg|mini|Josef Estermann in seiner Korbmacherwerkstätte, Ende der 1930er Jahre.]]    &lt;br /&gt;
Wieder zurück in Wasserburg konnte er sich allmählich eine berufliche Existenz als Korbmacher aufbauen, wobei ihm das Bezirksamt Wasserburg zeitweise staatliche Fürsorge gewährte, da der Ertrag zunächst kaum zum Leben reichte.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben des Ortsfürsorgeausschuss vom 22.3.1935 mit Beschluss vom 20.3.1934, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3664|StadtA Wasserburg a. Inn, II3664]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass die Zeit nach seiner Entlassung nicht einfach war, schrieb sich Estermann als fast 80jähriger von der Seele: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ich musste mich damals täglich melden und zwar beim Winkler Otto der war mal mein Schulkamerad, aber für ihn war ich ein Untermensch, ein Mensch 2. Klasse. Das war so deprimierend, daß ich mich manchmal nach Dachau sehnte, da waren wir Kameraden und [in] Wasserburg traute sich keiner mit mir reden, geschweige verkehren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 18f, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bereits drei Wochen nach der Rückkehr aus Dachau wurde er von Gestapo-Beamten aufgesucht, um ihn als Verbindungsmann zu gewinnen. Laut Estermann kamen die Beamten regelmäßig, wobei er später im US-Militärgerichtsverfahren versicherte, seine Genossen gewarnt und an die Gestapo nur irrelevante Informationen weitergegeben zu haben.&amp;lt;ref&amp;gt;siehe die Urteilsverkündigung vom 18.3.1946, Personalakte Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei stand der vermeintliche Spitzel zumindest zeitweise selbst unter intensiver Beobachtung, wie aus einem peniblen Überwachungsbericht vom Mai 1937 hervorgeht. Die Auftraggeber zeigten sich bestens unterrichtet über Estermanns Kontakte zum ortsbekannten Kommunisten Peter Balk, Besuche von Vertretern mit &#039;&#039;jüdischem Aussehen&#039;&#039; und verdächtige &#039;&#039;Frauenspersonen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bericht über das Verhalten des ehemaligen Kom[m]unisten Josef Estermann&#039;&#039; vom 5.5.1937, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3664|StadtA Wasserburg a. Inn, II3664]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Josef Estermann eröffnete zunächst ein Korbwarengeschäft in der Färbergasse 124&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bericht über das Verhalten des ehemaligen Kom[m]unisten Josef Estermann&#039;&#039; vom 5.5.1937, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI3664|StadtA Wasserburg a. Inn, VI3664]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und erhielt im März 1939 die offizielle Erlaubnis zur Errichtung einer Verkaufsstelle im Anwesen Ledererstraße 240 &#039;&#039;zum Feilhalten von Kinderwagen, Spielwaren u. Lederwaren&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Landratsamt Wasserburg, Erlaubnis zur Errichtung einer Verkaufsstelle vom 10.3.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die oberste Gestapo-Stelle in München bestätigte 1939, der Verdächtigte habe sich von der kommunistischen Irrlehre abgewandt und werde kaum mehr Anlass zu einer Beanstandung politischer Art geben.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben der Gestapo München vom 05.8.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Somit galt der einstige &#039;&#039;Schutzhäftling&#039;&#039; auch als wehrdienstwürdig und musste von 27. August 1939 bis 23. Januar 1940 bei der Panzerabwehr an der Westfront dienen.&amp;lt;ref&amp;gt; Wehrpass Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Da er ab 1943 in den Werkstätten am Pulverturm Granatkörbe für die Wehrmacht produzierte, galt er fortan als &#039;&#039;uk-gestellt&#039;&#039;, also unabkömmlich, weshalb er weiteren Kriegseinsätzen entkommen konnte. Als Fabrikant von kriegswichtigen Waren beschäftigte er bis zu 31 sogenannte Zwangsarbeiter.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haase/Rauschenberger, Zwangsarbeit|Haase/Rauschenberger]], Zwangsarbeit, 340.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Werkstätte Estermann am Pulverturm.jpg|mini|Die Korbmacherwerkstatt am Pulverturm, Schopperstatt, ca. 1943.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Freiheitsaktion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Politisch aktiv wurde Estermann wohl erst wieder in den Jahren vor Kriegsende, als er eine Widerstandsgruppe aufbaute, die sich zunächst &#039;&#039;Freiheitsaktion Neues Deutschland&#039;&#039; nannte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 62ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er knüpfte ein Netzwerk aus Nachbarn und weiteren Bürgern, die er als vertrauenswürdig empfand und auf Vertraulichkeit einschwor. &lt;br /&gt;
Am Morgen des 28. April 1945, als die Freiheitsaktion Bayern zur &#039;&#039;Jagd auf die Goldfasanen&#039;&#039; aufrief, führte der mittlerweile 46jährige eine Gruppe von Mitstreitern an, die in die Parteizentrale der NSDAP eindrang und die NS-Funktionäre unter Arrest setzte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 74ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorher hatte man im Postamt am Bahnhofsplatz die Telefonleitungen gekappt, um zu verhindern, dass Hilfe zur Niederschlagung des Aufstands gerufen werden konnte. Anschließend nahm Estermann an einer Versammlung im Wehrmeldeamt Wasserburg teil und veröffentlichte gemeinsam mit Oberstleutnant Puhl, Landrat Dr. Moos, Bürgermeister Baumann eine Erklärung gegen die Verteidigung der Stadt, die mit Flugblättern und über Lautsprecher am Rathaus veröffentlicht wurde. &lt;br /&gt;
Als der Gauleiter über Rundfunk den Putsch dementierte wurde Estermann als Rädelsführer verhaftet, konnte aber anschließend aus dem Wehrmeldeamt entkommen und sich dank einiger Helfer auf dem Krankenhausgelände versteckt halten. Am Abend des 2. Mai befreite er mehrere inhaftierte Mitstreiter aus dem Gefängnis auf der Burg und nahm am Morgen des Folgetags Kontakt mit der vor Wasserburg stehenden US-Armee auf, die er in die Altstadt begleitete. Gemeinsam mit weiteren Helfern trug er vermutlich entscheidend dazu bei, dass die Übergabe der Stadt kampflos erfolgen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Nachkriegszeit: Intermezzo als Bürgermeister und Landrat==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artikel Mayor Risk Gallow.jpg|mini|Artikel &#039;&#039;Wasserburger Bürgermeister riskiert Galgen&#039;&#039;, aus der Truppenzeitschrift Ninth Division News vom September 1945.]]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ernennung als Bürgermeister&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 10. Mai 1945, wurde der mittlerweile 46jährige aufgrund seiner führenden Rolle bei der &#039;&#039;Wasserburger Freiheitsaktion&#039;&#039; von der US-Militärverwaltung zum vorläufigen Bürgermeister (&#039;&#039;temporary mayor&#039;&#039;) der Stadt Wasserburg ernannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Befehl der US-Militärregierung vom 10.5.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Um ihn zur Amtsübernahme zu bewegen, soll extra eine Abordnung des F.A.B.-Anführers Rupprecht Gerngross aus München nach Wasserburg gekommen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits am Tag der Amtsübernahme forderte der neue Bürgermeister über Lautsprecher &#039;&#039;die gesamte Einwohnerschaft der Stadt Wasserburg auf[,] in dieser schweren Zeit mitzuarbeiten, daß wir und unsere Kinder einer glücklicheren Zukunft entgegensehen können&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 10.5.1945.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ging nun daran, in enger Absprache mit dem US-Militärgouverneur die drängendsten Fragen des politischen Neubeginns und zur Versorgung der Bevölkerung zu regeln. Da in dieser frühen Phase die Entnazifizierungsgesetze in den Besatzungszonen noch nicht umgesetzt waren, musste bei personellen Besetzungen häufig improvisiert und nach freiem Ermessen entschieden werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hoser, Entnazifizierung|Hoser, Entnazifizierung]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Estermanns Vorschlag wurden mehrere seiner Mitstreiter im Widerstand zu städtischen Hilfspolizisten und Stadträten ernannt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 293 und 305.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber auch weitere möglichst unbelastete Bürger unterschiedlicher parteipolitischer Ausrichtung konnten in den neuen Stadtrat einziehen. Offenbar legte Estermann als Bürgermeister der Kreisstadt seine Kompetenzen teilweise weit aus, wenn er, eigenen Aussagen zufolge, etwa den früheren Leiter des örtlichen SS-Sicherheitsdienstes Steiner in Eigenregie verhaftete&amp;lt;ref&amp;gt;früherer Redeentwurf &#039;&#039;Meine Herren Richter&#039;&#039;, 2, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; oder in den Gemeinden des Landkreises die Absetzung von belasteten Bürgermeistern durchsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Untersuchung in der Angelegenheit Estermann, KPD Wasserburg, 4, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wechsel ins Landratsamt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Anscheinend hatte sich der ursprünglich im Verwaltungshandeln völlig unerfahrene Korbmacher im Bürgermeisteramt bewährt, da ihn der US-Gouverneur Abraham L. Klinger am 10. Oktober 1945 zum Landrat des Kreises Wasserburg &#039;&#039;beförderte&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernennung als vorläufiger Landrat, US-Militärverwaltung, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Freilich dürfte auch die begrenzte Personalauswahl eine Rolle gespielt haben. Jedenfalls wollten die Besatzer erklärtermaßen ihre Entschiedenheit auf dem Gebiet der Entnazifizierung demonstrieren, indem sie beide Spitzenämter in Stadt und Landkreis mit Mitgliedern des Wasserburger Widerstandskreises besetzten und den SPD-Mann Kaspar Wiedemann auf den Bürgermeisterstuhl der Kreisstadt nachrücken ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 291ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun musste sich Estermann auf Kreisebene mit &#039;&#039;Entlassungen, Beschlagnahmungen, Sperrungen usw. und Beseitigung von Engpässen auf allen Gebieten&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Verwaltungsbeamter: Die Wohnungsaktion wird verwässert, Oberbayerisches Volksblatt, undatiert, vermutlich vom 9.7.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; befassen und hatte zudem die Entnazifizierung in 62 Kreisgemeinden zu überwachen. Erschwerend kam hinzu, dass er das Amt zu einer Zeit übernahm, als sämtliche Referatsleiter und zahlreiche Angestellte des Landratsamtes auf Anordnung der Militärregierung wegen Parteizugehörigkeit entlassen worden waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Redeentwurf zur Kreistagssitzung, vermutlich am 30.5.1946, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch der erst am 10. Mai 1945 ernannte kommissarische Landrat Johann Unterbirker musste aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft weichen, wurde aber auf ausdrückliche Bitte Estermanns in untergeordneter Funktion und als dessen &#039;&#039;rechte Hand&#039;&#039; im Landratsamt belassen. &lt;br /&gt;
Estermann betonte, bei personellen Entscheidungen stets mit Augenmaß und Rücksicht auf die Funktionsfähigkeit von Verwaltung und Wirtschaft vorgegangen zu sein: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Nur in den Fällen, wo die Militärregierung sich die Entscheidung selbst vorbehalten hat, habe ich nicht eingegriffen. Leiter von Fachgeschäften wurden in untergeordneter Stellung in einem anderen Geschäft derselben Branche eingestz[t]. Ich bin nämlich der Ansicht, dass es besser ist, wenn Fachkräfte nicht als Strassenkehrer, sondern ihren Fähigkeiten entsprechend, anderweitig Verwendung finden. Ich kann auch nicht die Entnazifizierung eines Landkreises in 8 Tagen vornehmen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Offener Brief an die Bezirksleitung der KPD vom 14.1.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zerwürfnis mit der KPD&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bereits im Dezember 1945 kam es zum Zerwürfnis zwischen Estermann und der örtlichen KPD. Während eines parteiinternen Treffens am 14. Dezember 1945, bei dem auch der Landesvorsitzende der Bayern-KPD Fritz Sperling&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Fritz Sperling (Politiker)|Wikipedia, Fritz Sperling (Politiker)]].&amp;lt;/ref&amp;gt; anwesend war, musste sich Estermann in einer verhörartigen Befragung unter anderem ein zu geringes Engagement in Sachen Entnazifizierung und mangelnden Einsatz für die kommunistische Partei vorwerfen lassen. Als man ihm am Ende der Sitzung zur Treue ermahnte und eine Untersuchung ankündigte, erklärte er resigniert seinen Austritt aus der Partei.&amp;lt;ref&amp;gt;Untersuchung in der Angelegenheit Estermann, KPD Wasserburg, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Kurz darauf reichte der KPD-Mann und vormalige Leiter des Wirtschaftsamts im Landratsamt Wasserburg, Bernhard Steinberger&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Bernhard Steinberger|Wikipedia, Bernhard Steinberger]].&amp;lt;/ref&amp;gt; eine 23 Punkte umfassende Beschwerde gegen den Landrat bei der staatlichen Aufsichtsbehörde ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Personalakte Josef Estermann, Schreiben des Regierungspräsidenten vom 15.1.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann hatte ihn zuvor wegen Verstoß gegen seine Weisungen entlassen müssen. Die Vorwürfe erwiesen sich im Wesentlichen als haltlos, doch die Auseinandersetzungen wurden bald auch öffentlich ausgetragen. Wochenlang lieferten sich Estermann und der KPD-Sekretär Peter Balk ein Wortgefecht über mehrere Artikel im Oberbayerischen Volksblatt.&amp;lt;ref&amp;gt;Mitteilung der KPD unter &#039;&#039;Rund um Wasserburg&#039;&#039; im OVB, vermutlich vom 11.1.1946, Die Legende Estermann, vermutlich vom 29.1.1946 und Stellungnahme des Landrats, vermutlich vom 5.2.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]] sowie Offener Brief des Landrats vom 14.1.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann hatte sich inzwischen der Wasserburger SPD angenähert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 149 sowie Schreiben Osthelder vom 15.10.1945 in der Personalakte Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Suspendierung und US-Militärgerichtsverfahren&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 1. März 1946 wurde Estermann vom Gemeindienst der US-Armee in München verhört und anschließend vom Militärgouverneur Klinger seines Amtes enthoben.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 32, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]] und Schreiben Military Gouvernement vom 1.3.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Inhaftierung konnte er durch die Zahlung einer Kaution in Höhe von 10.000 Reichsmark abwenden, musste aber in den drei Wochen bis zur Gerichtsverhandlung in Hausarrest bleiben.&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Militärregierung brachte in Erfahrung, dass er &#039;&#039;von 1934 bis zur Kapitulation Deutschlands als V.-Mann (Vertrauensmann) im Dienste der Gemeinem Staatspolizei stand&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel OVB, Vertrauensmann der Gestapo, vermutlich vom 7.3.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, wie das Oberbayerische Volksblatt berichtete. &lt;br /&gt;
[[Datei:Artikel_März_1946,_sw_be.jpg|mini|Das Oberbayerische Volksblatt im März 1946 über die Entlassung und Wiedereinsetzung Estermanns als Landrat.]]&lt;br /&gt;
Estermann hatte dazu im Fragebogen der US-Militärbehörde keine und damit falsche Angaben gemacht und war nun dem Verdacht ausgesetzt, er hätte wissentlich und zum Schaden seiner KPD-Genossen Spitzeltätigkeit geleistet. Bei der Verhandlung des US-Militärgerichts am 13. März 1946 im vollbesetzten Wasserburger Rathaussaal, vor dem sich Estermann selbst verteidigte, forderte er seinen Freispruch:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Meine Herren! Mein ganzes Leben ist ein einziger Kampf. Reich an Erfolgen und Rückschlägen. Aber kein Rückschlag hat mich so schwer getroffen und erniedrigt, als die Behauptung, dass ich für die Gestapo V Mann war. Mit Stolz kann ich sagen, dass spontan die alten Kampfgenossen und Freunde zu mir kamen, und mich über die schwersten Stunden hinweghalfen. Und ich weiß, möge dieses Urteil ausfallen wie es will, diese Männer wissen, dass ich nicht schuldig bin. [...] Ich behaupte nochmals, niemals Vertrauensmann gewesen zu sein und bekenne mich nicht als schuldig. Ich fordere deshalb meine Freisprechung!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Redemanuskript &#039;&#039;Meine Herren&#039;&#039;, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er betonte, nie gewusst zu haben, dass er als V-Mann geführt werde. Er habe Aussagen für die Gestapo nur nach Zwang gemacht und &#039;&#039;durch geschickte Manöver nie[,] aber auch nie[,] einem Genossen geschadet&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll des Prozesses vom 14.3.1946, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die von ihm benannten Zeugen sagten im Prozess zu seinem Gunsten aus und auch der frühere Leiter der Nachrichten-Abteilung KPD der Gestapo-Dienststelle München, Franz Regnat, offenbarte, dass Estermann als Gestapo-Agent nicht von Wert gewesen sei. &lt;br /&gt;
Fünf Tage später, am 18. März 1946, wurde das schriftliche Urteil verkündet und Josef Estermann für unschuldig erklärt. Er konnte mit sofortiger Wirkung seinen Posten als Landrat wieder antreten. Das Gericht führte aus, dass er zwar unzweifelhaft als V-Mann geführt wurde und er sich über seine Stellung als Spitzel der Gestapo hätte bewusst sein müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Personalakte Josef Estermann, Abschrift der Urteilsverkündigung vom 18.3.1946, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Man wertete allerdings die langjährige KPD-Zugehörigkeit und aktive Opposition des Angeklagten gegen das Hitlerregime als entlastend. Weder könne von einer freiwilligen Mitwirkung gesprochen werden, noch dass er verwertbare Auskunft geliefert habe oder durch ihn Dritte zu Schaden gekommen seien. Die mündliche Vereinbarung zwischen ihm und der Gestapo sei unter Zwang erfolgt und daher &#039;&#039;null und nichtig&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Personalakte Josef Estermann, Abschrift der Urteilsverkündigung vom 18.3.1946, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die US-Militärverwaltung äußerte sich in ihrem Jahresbericht zufrieden über den Prozessausgang und sah darin nicht nur eine Ehrenrettung Estermanns und vieler seiner Anhänger, sondern auch einen Beitrag zum Prestige der Militärregierung und der US-amerikanischen Justiz.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report, det. E283, LK Wasserburg, 1945.6 - 1946/6, 15, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGB 13/141-2/011|BayHStA, OMGB 13/141-2/011]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die KZ-Beratungsstelle Rosenheim begrüßte in einem Presseartikel den Freispruch und die volle Rehabilitierung Estermanns.&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel Gestapo und V-Mann, vermutlich aus dem Oberbayerischen Volksblatt vom 22.3.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Von verschiedenen Seite wurde noch Jahrzehnte später die Ansicht geäußert, Estermann sei als Agent tätig gewesen und habe Interna an die Gestapo weitergegeben&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 332.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zuweilen ergänzt um den Vorwurf, er sei &#039;&#039;zugleich [...] Agent der Russen u. Amerikaner&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;So der frühere Wasserburger Landrat Dr. Willi Moos in seinen handschriftlichen Aufzeichnungen, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Moos, Vor 25 Jahren|Moos, Vor 25 Jahren]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Landrat auf Abruf&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da sich die Wahl eines Nachfolgers schwierig gestaltete, blieb Estermann kommissarisch bis 30. September 1946 im Amt. Die Militärverwaltung berichtete, die lange Interimszeit sei von Seiten des Landratsamts als wenig segensreich empfunden worden, da Estermann als Amtsinhaber auf Abruf keine weitreichenden Entscheidungen mehr traf, um seinen Nachfolger nicht zu binden.&amp;lt;ref&amp;gt;LK Wasserburg (Det. E-283), Monthly political activity report 30.6.1946, 4, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGUS CO 465/01|BayHStA, OMGUS CO 465/01]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mehrheitsverhältnisse hatten sich nach der ersten freien Kreistagswahl eindeutig zugunsten der CSU verschoben. Der Kreistag wählte am 30. Mai 1946 mit konservativer Stimmenmehrheit den Landwirtschaftsrat und späteren CSU-Landtagsabgeordneten Dr. Karl Lenz&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Karl Lenz|Wikipedia, Karl Lenz]].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Landrat. Wegen Einwänden verzögerte die Militärverwaltung aber seine Ernennung, worauf Lenz seine Kandidatur letztlich zurückzog.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report, det. E283, LK Wasserburg, 1945.6 - 1946/6, 16, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGB 13/141-2/011|BayHStA, OMGB 13/141-2/011]] und Artikel &#039;&#039;Eine Erwiderung der CSU&#039;&#039;, OVB, ohne Datierung, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der Kreistagssitzung am 28.6.46 fand sich schließlich eine Mehrheit von 43 Stimmen für den Regierungsassessor Hans Niedermeier aus München.&amp;lt;ref&amp;gt;LK Wasserburg (Det. E-283), Monthly political activity report 30.6.1946, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGUS CO 465/01|BayHStA, OMGUS CO 465/01]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bestätigt wurde er aber erst am 30. September 1946. Die Sprecher von SPD und CSU im Kreistag, Cembelli und Max Zwicknagl&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Max Zwicknagl|Wikipedia, Max Zwicknagl]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, dankten vor dem Kreistag dem scheidenden Landrat für die geleistete Arbeit &#039;&#039;in schwerster Zeit&#039;&#039; und würdigten seinen Einsatz in den letzten Kriegstagen.&amp;lt;ref&amp;gt; Artikel Die Neuwahl des Wasserburger Landrats, OVB, ohne Datierung, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann selbst hatte bereits in seiner Rede bei der Kreistagssitzung am 30. Mai mit deutlichen Worten eine Bilanz seiner Amtszeit gezogen und dabei die Vorteile seiner parteilichen Ungebundenheit betont:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Notzeiten bringen immer Härten mit sich, und ich musste im Interesse des Volkes, bei einigen Ablieferungssündern empfindliche Strafen aussprechen. Man muss auch den Mut aufbringen, unpopulär zu werden. Ich selbst, meine Herren, bin parteilos und habe mich so in verschiedenen Dingen leichter getan, als wenn ich an eine Partei gebunden wäre. Meine Herren, der Karren ist vor einem Jahr so tief im Dreck gesteckt, dass er auch in 2 Jahren noch nicht wieder heraussen sein wird.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Entwurf Eröffnungsrede der Kreistagssitzung, vermutlich am 30.5.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Obwohl es nicht einfach gewesen sei, &#039;&#039;zwei Herren&#039;&#039; zu dienen, der US-Militärregierung und den deutschen Behörden, sei der Kreis Wasserburg schließlich &#039;&#039;einer der besten&#039;&#039; Kreise auf dem Gebiet der Entnazifizierung gewesen. Man habe zur Überbrückung der Lücke im Gesetzesvollzug ein durchdachtes Verfahren entwickelt, so dass sich sogar der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München beim Landratsamt Wasserburg nach dem &#039;&#039;augenblicklichen Vollzug des Gesetzes Nr. 8&#039;&#039; erkundigte und Richtlinien einholte.&amp;lt;ref&amp;gt;Aktennotiz zum Schreiben vom Staatsminister für Sonderaufgaben vom 4.1.1946, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der städtische Chronist Josef Kirmeyer vermerkte am 30. September 1946 zum personellen Wechsel im Landratsamt: &#039;&#039;Korbwarenfabrikant Josef Estermann endlich[!] als Landrat (zuletzt kommissarisch) abgetreten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 29.9.1946.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Rückzug ins Privat- und Geschäftsleben&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem endgültigen Ausscheiden aus dem Amt widmete sich Josef Estermann wieder ganz dem Privatleben und seiner gewerblichen Tätigkeit. Er führte das Lebensmittelgeschäft am Wasserburger Holzhofweg bis ins hohe Alter, während seine Frau Johanna den Korb- und Spielwarenladen in der Herrengasse leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit Johanna Pixner, der Enkelin Estermanns, am 18.1.2022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Kaufhaus J. Estermann, Werbeanzeige.jpg|mini|Werbeanzeige Kaufhaus J. Estermann, 1949.]]     &lt;br /&gt;
Im Jahr 1956 errichtete er aus Abbruchmaterial ein Wohnhaus am Pulverturm am Wasserburger Holzhofweg, offensichtlich gegen den Willen der hiesigen Baubehörde.&amp;lt;ref&amp;gt;zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]], 257.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beschriftete Marmortafel, die er über dem Hauseingang anbringen ließ, war geeignet, den Eindruck zu festigen, dass da einer allzu gerne der Obrigkeit ein Schnippchen schlug:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Erbaut v. Josef u. Hanna Estermann 1956 - 1957. Nach Ansicht eines Herrn der Bayr. Staatsregierung und einer hiesigen Behörde fällt dieses Haus spätestens im Jahre 1976 ein. Gib, o Gott, in diesem Land den Menschen mehr Salz in den Verstand.&amp;lt;ref&amp;gt;zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]], 257.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Elfer-Rat Lederergmoa 1970er.jpg|mini|Sepp Estermann als Mitglied des Elfer-Rats der Faschingsgesellschaft &#039;&#039;Lederergmoa&#039;&#039; (vierter von links).]]&lt;br /&gt;
Auch wenn er sich aus der Politik zurückgezogen hatte, engagierte sich Josef Estermann aktiv im Wasserburger Vereinsleben. Er gilt mit seinem Sohn Karl als Mitbegründer der Wasserburger Stadtgarde 1965 und blieb der Fußballabteilung des TSV 1880 als &#039;&#039;prominenter Platzwart&#039;&#039; in Erinnerung.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Motzkus, 75 Jahre Fußball|Motzkus, 75 Jahre Fußball]], 85.&amp;lt;/ref&amp;gt; An den Faschingszügen der Stadt beteiligten sich &#039;&#039;die Estermänner&#039;&#039; häufig mit aufwändig gestalteten Wägen und einfallsreichen Motiven, bei denen es durchaus politisch werden konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Motzkus, 25 Jahre Stadtgarde|Motzkus, 25 Jahre Stadtgarde]], 41.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heimatautor Hans Klinger führte in den 1970er Jahren zahlreiche Gespräche mit Josef Estermann und recherchierte intensiv die Lebensgeschichte des bekannten Wasserburgers. Das Buch &#039;&#039;Gestorben wird erst später … Ein deutscher Lebenslauf&#039;&#039; veröffentlichte Klinger im Jahr 1984, zwei Jahre nach Estermanns Tod.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die im Zuge seiner Recherchen und zu Estermann gesammelten Dokumente überließ Hans Klinger dem Stadtarchiv Wasserburg im Jahr 2003 zur Bewahrung und öffentlichen Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1978 konnte Josef Estermann in einen Aufzeichnungen, die er der Nachwelt hinterließ, beruhigt notieren: &#039;&#039;Und morgen werd ich 80 Jahre[;] mein Leben war alles[,] bloß nicht langweilig und ich werde wahrscheinlich einmal im Bett sterben.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 32, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Er verstarb wenige Monate vor seinem 83. Geburtstag an den Folgen einer Erkrankung im Wasserburger Krankenhaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Resümee&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Josef Estermanns aus verschiedenen Quellen gut belegbarer Lebenslauf spiegelt das 20. Jahrhundert mit seinen Hoffnungen, Wirrungen und Katastrophen wider. Mit seiner politischen Haltung und seinem bewegten Lebenswandel schien der einst &#039;&#039;kommunistische Bürgerschreck&#039;&#039; nicht so recht in die ländlich geprägte Kleinstadt zu passen, war aber dennoch fest in ihr verwurzelt. Dass der Sohn eines einfachen Forstarbeiters gegen Kriegsende vorausschauend den Widerstand organisierte und sein Leben für die Rettung der Stadt riskierte, beeindruckte wohl viele seiner Mitbürger. Er scheute auch die Verantwortung nicht, als ihm die US-Militärverwaltung hohe kommunale Ämter antrug. Wenngleich seine Amtszeiten nur sehr kurz waren, so steht er doch für all jene Männer und Frauen, die in Stadt und Landkreis Wasserburg den schwierigen Neubeginn nach der Kapitulation im Mai 1945 tatkräftig mitgestalteten. Als Bürgermeister und Landrat war er mit den Herausforderungen der Entnazifizierung konfrontiert und musste gleichzeitig die Funktionsfähigkeit des Verwaltungsapparats und die Versorgung der Bevölkerung im Blick behalten. Ein schwieriger Spagat, bei dem er anscheinend Standhaftigkeit und Realitätssinn zeigte, der ihn aber immer mehr von seiner einstigen politischen Heimat, der Kommunistischen Partei, entfremdete. Als tragisch gilt, dass er, der von den Nationalsozialisten verfolgte Widerständler und Antifaschist, in den Verdacht geriet, er habe der Gestapo willfährig Dienste geleistet und seine Mitstreiter verraten.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Robert Obermayr}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Josef_Estermann&amp;diff=12843</id>
		<title>Josef Estermann</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Josef_Estermann&amp;diff=12843"/>
		<updated>2022-06-07T12:32:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: /* Die Weimarer Jahre: Einmal Arbeiterparadies und zurück */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Robert Obermayr|Robert Obermayr]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Robert Obermayr]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biografie Josef Estermann&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Diese Person besitzt derzeit keinen GND-Normdatensatz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Artikel wird derzeit erstellt. Wir bitten noch um etwas Geduld.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Passfoto Josef Estermann.png|mini|Passfoto Josef Estermann.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Josef Estermann war der erste von der US-Militärverwaltung ernannte Bürgermeister der Stadt Wasserburg am Inn nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft. Anschließend war er fast ein Jahr lang Landrat des Landkreises Wasserburg. In den 1920er Jahren leitete er die Ortsgruppe der Kommunistischen Partei und führte in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs die &#039;&#039;Wasserburger Freiheitsaktion&#039;&#039; an. In der Heimat am Inn Nr. 39/40 (2021)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersuchte der Autor ausführlich Josef Estermanns Rolle in den letzten Kriegstagen. In diesem Beitrag im Historischen Lexikon soll der bewegte Lebenswandel Estermanns von der Kindheit bis ins Alter (zusammenfassend) dargestellt und sein Wirken für Stadt und Landkreis Wasserburg gewürdigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebensdaten==&lt;br /&gt;
Josef Estermann * 28. Dezember 1898 in Wasserburg am Inn, † 8. November 1982 in Wasserburg am Inn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Von der Kaiserzeit zur Räterepublik==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kindheit in Wasserburg&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Josef Estermann stammt aus einfachen Verhältnissen und einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus.&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Vater war der Forstarbeiter Georg Estermann, verheiratet mit Sofie Estermann, geborene Peintinger. Während beide Eltern &#039;&#039;die meiste Zeit im Wald&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; arbeiteten, erlebten Josef und seine zwei Brüder eine &#039;&#039;freie Kindheit&#039;&#039; im sogenannten Hering-Haus in der Wasserburger Neustraße. &lt;br /&gt;
Nach Ende der Volksschulzeit, Estermann spricht von täglichen Prügeln durch den Lehrer, schickte ihn der Vater zur Arbeit in die Landwirtschaft. Die harten Arbeitsbedingungen, &#039;&#039;den Tag a 14 Stund g’arbat, […] koan Urlaub ned und d‘Woch a Mark&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, dürften seine politische Einstellung mit geprägt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Landsturmpflichtiger und Rotarmist&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Foto Josef Estermann als Soldat im 1. Weltkrieg.jpg|mini|Estermann als junger Mann im ersten Weltkrieg (links) mit einem unbekannten Kameraden.]]&lt;br /&gt;
Noch nicht volljährig, begab sich Josef Estermann auf Wanderschaft und heuerte in Hamburg auf einem Schiff an, wohl auch, um sich &#039;&#039;dem Barras&#039;&#039;, dem Dienst an der Waffe im mittlerweile entbrannten Ersten Weltkrieg, zu entziehen. Im Dezember 1916 holte man ihn in Hamburg &#039;&#039;vom Schiff runter&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und zog ihn als Landsturmpflichtigen in das Infanterieregiment 76 ein.&amp;lt;ref&amp;gt; Wehrpass Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Nach einer Verwundung an der Westfront in Flandern und einem Lazarettaufenthalt in Witten im Ruhrgebiet, wo er seine spätere Frau, die Lazaretthelferin Johanna Kirsten, kennenlernte, versetzte man ihn zum 7. Bayerischen Feldartillerie-Regiment.&amp;lt;ref&amp;gt;im Folgenden: Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 6ff, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]], siehe auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 45ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort diente er bis Kriegsende und soll das Eiserne Kreuz erhalten haben, nachdem er einem Offizier das Leben rettete. Im Frühjahr 1919 landete er nach den Kriegswirren im vom revolutionären Umsturz erfassten München und schloss sich zur Verteidigung der dort errichteten Räterepublik der Roten Armee an. Nachdem die Stadt von Reichswehr und Freikorpsverbänden eingenommen wurde, geriet auch Estermann in Gefangenschaft. Seinen Schilderungen zufolge wäre er fast ein Opfer der Erschießungen geworden, die Anfang Mai 1919 nach Niederschlagung der Räterepublik im Gefängnis Stadelheim stattfanden. In einem Interview beschreibt er, wie er dem Tod nur knapp entkam, da ihn der befehligende Offizier als seinen früheren Regimentsangehörigen und tüchtigen Soldaten wiedererkannte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Des [Erschießungs-)Kommando is hervorn g‘standen, ungefähr 9 oder 10 Mann, die haben ihr Gewehr schon geladen gehabt. Und dann geht der Offizier nochmal unsre Front ab, schaut uns allesamt an und dann geht er zu mir und sagt er: &#039;Ja, Estermann&#039;, sagt er, &#039;was machst denn du da?&#039; Des war mein Kompanieführer, […] der Oberleutnant Metzger. […] Dann sagt er, &#039;Geh einmal raus. Den Mann kenn ich ja gut&#039;, sagt er, &#039;des is ja a guter Soldat gwesen&#039; […]. Und ich bin dann wieder reinkommen, die andren sind umgelegt worden.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die weiteren Mitgefangenen nach Darstellung Estermanns erschossen worden seien, bekam dieser auf Veranlassung des Oberleutnants einen Passierschein ausgestellt und konnte unversehrt den Fußweg nach Hause antreten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ausweis der Stadtkommandantur München vom 1.5.1919, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI4041|StadtA Wasserburg a. Inn, VI4041]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Weimarer Jahre: Einmal Arbeiterparadies und zurück==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Familiengründung in harten Zeiten und Leitung der örtlichen KPD&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zurück in Wasserburg schlug sich Estermann als Gelegenheitsarbeiter durch. Er half seinem Vater bis zu dessen frühen Tod im Mai 1922 bei der Forstarbeit im städtischen Wald und verdingte sich als Torfstecher und als Hilfsarbeiter beim Flussamt für kargen Lohn, von dem er sich in Zeiten galoppierender Inflation kaum genug zum Leben kaufen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 77 und 103.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es soll dabei auch zu kleinen Betrügereien, wie dem Verkauf von gestrecktem Pfeffer oder gestohlenen Christbäumen, gekommen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]], 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Zeitraum von 1923 bis 1929 verzeichnet Estermanns Strafregister drei Haftstrafen wegen Diebstahl, Unterschlagung und Betrug.&amp;lt;ref&amp;gt;Auszug aus dem Strafregister der Staatsanwaltschaft Traunstein vom 20.6.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach Phasen der Arbeitslosigkeit fand er in der damaligen Bierstadt Wasserburg schließlich eine Festanstellung bei der Brauerei Greinbräu. Am 17. November 1923 heiratete er in Wasserburg die aus Witten an der Ruhr stammende Krankenhelferin Johanna Kirsten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 142.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das junge Paar konnte an Weihnachten 1923 ein in Eigenleistung halb fertiggestelltes Häuschen am Riedenerweg beziehen, auf einem Grundstück, das die Stadt Wasserburg auf Erbbaurecht an Bedürftige vergeben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II2303|StadtA Wasserburg a. Inn, II2303]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald waren jedoch die Raten für den Kredit angesichts der Zinslast und dem kargen Einkommen in jenen Jahren nicht länger aufzubringen, so dass die mittlerweile dreiköpfige Familie&amp;lt;ref&amp;gt;1924 und 1927 wurden die beiden Söhne Karl und Rudolf geboren.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Haus 1926 verkaufen und in eine Mietwohnung in der Färbergasse 121 ziehen musste.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 150ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Estermann engagierte sich seit seiner Rückkehr nach Wasserburg parteipolitisch, ließ sich zunächst für die örtliche SPD anwerben sowie als Fahnenträger des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Ab Mitte der 1920er Jahre schloss er sich nach deren Gründung der Ortsgruppe der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Der UNHEILIGE Josef|Klinger, Der UNHEILIGE Josef]], 155.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald stieg er zum Kopf der rasch anwachsenden Gruppierung auf, was bei seinem Arbeitgeber auf Missfallen stieß, der ihn aber offenbar als fleißigen Arbeiter behalten wollte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ich war damals pol. Leiter der Ortsgruppe Wasserburg[;] wir hatten damals bald 100 Mitglieder. Meine Frau leitete die Rote Hilfe. Ich hatte beim Greinbräu eine gute Stelle in der Brauerei. Mein Chef (Hr. Hatzl) wollte mich immer entlassen wegen meiner politischen Arbeit. Aber sonderbarerweise tat er es nicht.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 10, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Waffendiebstahl und Flucht in die Sowjetunion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Meldung Kommunistenführer entflohen, Wasserburger Anzeiger April 1931.jpg|mini|Meldung im Wasserburger Anzeiger über die Flucht Estermanns nach Moskau.]]&lt;br /&gt;
Im November 1930 entwendete er mit weiteren Genossen Maschinengewehre aus einem heimlichen Waffendepot in einer Ziegelei im Weiler Holzmann bei Pfaffing, das vermutlich von Anhängern der NSDAP angelegt worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;im Folgenden: Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 1, 10ff, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]] und Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann, der den Fund sogleich dem KPD-Reichstagsabgeordneten Albert Buchmann&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Albert Buchmann (Politiker)|Wikipedia, Albert Buchmann (Politiker)]].&amp;lt;/ref&amp;gt; meldete, sollte die Gewehre zur KPD nach München bringen, aber die örtliche Polizei fand die in einer Gartenlaube zwischengelagerte Beute. Er konnte sich der Verhaftung durch einen Sprung aus dem Fenster entziehen und floh über Griesstätt und Kolbermoor in die Arbeiterhochburg Feldmoching, wohin ihn Max Holy, Landesleiter der Roten Hilfe Bayern, auf dem Motorrad brachte. Die Rote Hilfe besorgte ihm falsche Ausweispapiere (&#039;&#039;Kurt Radke aus Königsberg&#039;&#039;) und organisierte im März 1931 die Zugfahrt über Berlin nach Moskau, wo der Genosse aus dem Westen am Bahnhof von &#039;&#039;Rotfront&#039;&#039;-Rufen der Komsomolzen empfangen wurde. &lt;br /&gt;
Als Sowjetbürger arbeitete er zunächst als Baggerführer in Magnitogorsk im Südural, bis er Anfang Mai eine Parteischulung in Moskau absolvierte und fortan als Redner im Sowjetreich eingesetzt war: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;[In Rostow am Don] sprach ich in ein paar Versammlungen in gebrochenem Russisch mit viel deutschen Wörtern gemischt. Man reichte mich von einer Versammlung in die andere und da ich immer das gleiche sprach[,] ging die Sache ganz leidlich. Von der Parteileitung bekam ich immer wieder den Auftrag[,] wohin in die nächste Stadt. Ich sprach unter anderem in Odessa, dann Irkutsk, Wladiwostok.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 13, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Die Erfahrungen, die er während des Aufenthalts im Arbeiterstaat sammelte, führten aber offenbar zur Ernüchterung des bis dahin überzeugten Kommunisten. Als Vorzeige-Gast aus dem Westen bewegte er sich in der &#039;&#039;besseren Gesellschaft&#039;&#039; der KP-Funktionäre, aber die sozialen Gegensätze blieben ihm nicht verborgen: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir konnten in extra Läden alles[,] aber auch alles kaufen, während die armen Teufel, die Arbeiter in Ihrem Paradies der Arbeiter stundenlang um Brot anstellen mussten. Da bekam meine kommunistische Überzeugung eine richtigen Knacks. Man frage mich[,] wie es mir in Rußland gefalle usw. Ich hab ihr dortiges System über alles gelobt. Ich war doch nicht blöd.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 14, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Moskau.jpg|mini|Postkarte aus der Sowjetunion 1932 an den Bruder Georg: &#039;&#039;Willst du nicht rüber?&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hochverrats-Prozess und Gefängnisaufenthalt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hatte Estermann zunächst noch gedacht, seine Familie in die Sowjetunion nachzuholen, beschloss er nach sechsmonatigem Aufenthalt nach Deutschland zurückzukehren. Das deutsche Konsulat in Moskau händigte ihm ein Ausreisevisum aus und im September 1931 kam er in Wasserburg an, wo er sich nach drei Tagen der örtlichen Polizei stellte.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 28, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das Reichsgericht Leipzig verurteilte ihn im Februar 1932 wegen Waffendiebstahl und Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren Gefängnis.&amp;lt;ref&amp;gt;Staatsanwaltschaft Traunstein, Abschrift aus dem Strafregister vom 20.6.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann und den Mittätern wurde vorgeworfen, sie hätten die Maschinengewehre in der Absicht entwendet, sie &#039;&#039;im Falle einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit der bestehenden Gesellschaftsordnung für die parteipolitischen Ziele der KPD zu verwenden&#039;&#039;,&amp;lt;ref&amp;gt;Die Wasserburger Maschinengewehre, Trostberger Tagblatt, Artikel datiert auf 19.8.1931, hier zum Prozess gegen die weiteren Beteiligten, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; während die Beschuldigten einwandten, sie hätten die Waffenbestände aus &#039;&#039;faschistischer Herkunft&#039;&#039; nur deshalb beseitigt, damit sie nicht gegen die Arbeiterschaft gerichtet werden konnten. &lt;br /&gt;
Seinen Gefängnisaufenthalt, den er ab 25. April 1932 in der Haftanstalt Bernau am Chiemsee verbüßte, nutzte Josef Estermann vorausschauend zur Erlernung des Korbmacherhandwerks, und am 22. Dezember 1932 wurde er im Zuge der sogenannten Schleicher-Amnestie vorzeitig aus der Haft entlassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Staatsanwaltschaft Traunstein, Abschrift aus dem Strafregister vom 20.6.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==In der NS-Zeit: Von der Lagerhaft zur &#039;&#039;Wasserburger Freiheitsaktion&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schutzhaft&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Estermann wurde nach der Machtübername der Nationalsozialisten mehrfach aus politischen Gründen inhaftiert.&amp;lt;ref&amp;gt;im Folgenden: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 323ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine erste Festnahme erfolgte am 3. Februar 1933, als er mit dem Genossen Martin Allgeier auf dem Wasserburger Taubenmarkt kommunistische Flugblätter verteilte.&amp;lt;ref&amp;gt;Meldung im Wasserburger Anzeiger vom 6. Februar 1933, ohne Titel, 15, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hermann Auer, Der Landkreis Wasserburg im Dritten Reich|Hermann Auer, Der Landkreis Wasserburg im Dritten Reich]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Anfang März 1933 nahm man ihn erneut fest und er musste 50 Tage im Gefängnis Auf der Burg verbringen. Noch härter kam es am 12. August, als Polizei und SA sowohl ihn, als auch seine Ehefrau Johanna abführten: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;meine Frau und ich wurden um 5 Uhr früh aus dem Bett geholt. Die SA-Männer waren alles Schulkameraden von mir. Sie kamen 6 Mann stark stellten die Wohnung auf den Kopf und lieferten uns im hies[igen] Gefängnis ab. Meine Kinder nahm meine alte Mutter. Ich kam auf Dachau[,] meine Frau auf Stadelheim.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 2, 24, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:SpkA K 3828 0001Schutzhaftbefehl Veröff.-Genehm. StAM.jpg|mini|Schutzhaftbefehl des Bezirksamts Wasserburg vom 14.8.1933 u.a. gegen Joseph Estermann.]]&lt;br /&gt;
Während seines Aufenthalts im Konzentrationslager Dachau war er den unwürdigen Lagerbedingungen mit alltäglichen Schikanen ausgesetzt. Konnte sich Estermann zunächst mit dem Arbeitsdienst in der Lagerküche den schlimmsten Drangsalen entziehen, änderte sich dies drastisch, als aufkam, dass er Lebensmittel für seine unter Hunger leidenden Mithäftlinge entwenden wollte, wie der ebenfalls inhaftierte Herrmann Winnig später bezeugte:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Estermann war in der Küche. Er stahl oft Lebensmittel von der SS um den Gefangenen davon zu essen zu geben. Seine besonderen Gefährten, mit denen er teilte, waren Max Hol[l]y und Winnig. Als er einmal 10 Pfund Geräuchertes stahl, wurde er dabei von der SS ertappt und 4 Stunden unmenschlich geschlagen, so dass er zum Schluss einem Fleischklumpen gleich sah. Dann legte man ihm einen Strick um den Hals, forderte ihn auf, die Genossen zu benennen, denen er die Lebensmittel gegeben hatte. Estermann hat seine Genossen dabei nicht verraten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll des Prozesses vom 14.3.1946, 2, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da auf Lagerdiebstahl die Todesstrafe folgte, stand er nach eigener Schilderung zum zweiten Mal in seinem Leben kurz vor der Exekution, der er nur deshalb knapp entkam, da dem SS-Scharführer offenbar seine tapfere Haltung imponierte und Aufseher ein Wort für ihn einlegten.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 11f, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Am 28. Mai 1934 wurde er nach mehr als neun Monaten aus dem Lager Dachau entlassen und der Schutzhaftbefehl &#039;&#039;probeweise aufgehoben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Beschluss der Bayerischen Politischen Polizei vom 26.4.1934, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 111216|StAM, LRA 111216]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufbau des Korbmacherbetriebs und &#039;&#039;Gestapo-Kontakte&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Foto Josef Estermann beim Korbflechten.jpg|mini|Josef Estermann in seiner Korbmacherwerkstätte, Ende der 1930er Jahre.]]    &lt;br /&gt;
Wieder zurück in Wasserburg konnte er sich allmählich eine berufliche Existenz als Korbmacher aufbauen, wobei ihm das Bezirksamt Wasserburg zeitweise staatliche Fürsorge gewährte, da der Ertrag zunächst kaum zum Leben reichte.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben des Ortsfürsorgeausschuss vom 22.3.1935 mit Beschluss vom 20.3.1934, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3664|StadtA Wasserburg a. Inn, II3664]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass die Zeit nach seiner Entlassung nicht einfach war, schrieb sich Estermann als fast 80jähriger von der Seele: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ich musste mich damals täglich melden und zwar beim Winkler Otto der war mal mein Schulkamerad, aber für ihn war ich ein Untermensch, ein Mensch 2. Klasse. Das war so deprimierend, daß ich mich manchmal nach Dachau sehnte, da waren wir Kameraden und [in] Wasserburg traute sich keiner mit mir reden, geschweige verkehren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 18f, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bereits drei Wochen nach der Rückkehr aus Dachau wurde er von Gestapo-Beamten aufgesucht, um ihn als Verbindungsmann zu gewinnen. Laut Estermann kamen die Beamten regelmäßig, wobei er später im US-Militärgerichtsverfahren versicherte, seine Genossen gewarnt und an die Gestapo nur irrelevante Informationen weitergegeben zu haben.&amp;lt;ref&amp;gt;siehe die Urteilsverkündigung vom 18.3.1946, Personalakte Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei stand der vermeintliche Spitzel zumindest zeitweise selbst unter intensiver Beobachtung, wie aus einem peniblen Überwachungsbericht vom Mai 1937 hervorgeht. Die Auftraggeber zeigten sich bestens unterrichtet über Estermanns Kontakte zum ortsbekannten Kommunisten Peter Balk, Besuche von Vertretern mit &#039;&#039;jüdischem Aussehen&#039;&#039; und verdächtige &#039;&#039;Frauenspersonen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bericht über das Verhalten des ehemaligen Kom[m]unisten Josef Estermann&#039;&#039; vom 5.5.1937, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3664|StadtA Wasserburg a. Inn, II3664]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Josef Estermann eröffnete zunächst ein Korbwarengeschäft in der Färbergasse 124&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bericht über das Verhalten des ehemaligen Kom[m]unisten Josef Estermann&#039;&#039; vom 5.5.1937, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI3664|StadtA Wasserburg a. Inn, VI3664]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und erhielt im März 1939 die offizielle Erlaubnis zur Errichtung einer Verkaufsstelle im Anwesen Ledererstraße 240 &#039;&#039;zum Feilhalten von Kinderwagen, Spielwaren u. Lederwaren&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Landratsamt Wasserburg, Erlaubnis zur Errichtung einer Verkaufsstelle vom 10.3.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die oberste Gestapo-Stelle in München bestätigte 1939, der Verdächtigte habe sich von der kommunistischen Irrlehre abgewandt und werde kaum mehr Anlass zu einer Beanstandung politischer Art geben.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben der Gestapo München vom 05.8.1939, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Somit galt der einstige &#039;&#039;Schutzhäftling&#039;&#039; auch als wehrdienstwürdig und musste von 27. August 1939 bis 23. Januar 1940 bei der Panzerabwehr an der Westfront dienen.&amp;lt;ref&amp;gt; Wehrpass Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Da er ab 1943 in den Werkstätten am Pulverturm Granatkörbe für die Wehrmacht produzierte, galt er fortan als &#039;&#039;uk-gestellt&#039;&#039;, also unabkömmlich, weshalb er weiteren Kriegseinsätzen entkommen konnte. Als Fabrikant von kriegswichtigen Waren beschäftigte er bis zu 31 sogenannte Zwangsarbeiter.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haase/Rauschenberger, Zwangsarbeit|Haase/Rauschenberger]], Zwangsarbeit, 340.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Werkstätte Estermann am Pulverturm.jpg|mini|Die Korbmacherwerkstatt am Pulverturm, Schopperstatt, ca. 1943.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Freiheitsaktion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Politisch aktiv wurde Estermann wohl erst wieder in den Jahren vor Kriegsende, als er eine Widerstandsgruppe aufbaute, die sich zunächst &#039;&#039;Freiheitsaktion Neues Deutschland&#039;&#039; nannte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 62ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er knüpfte ein Netzwerk aus Nachbarn und weiteren Bürgern, die er als vertrauenswürdig empfand und auf Vertraulichkeit einschwor. &lt;br /&gt;
Am Morgen des 28. April 1945, als die Freiheitsaktion Bayern zur &#039;&#039;Jagd auf die Goldfasanen&#039;&#039; aufrief, führte der mittlerweile 46jährige eine Gruppe von Mitstreitern an, die in die Parteizentrale der NSDAP eindrang und die NS-Funktionäre unter Arrest setzte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 74ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorher hatte man im Postamt am Bahnhofsplatz die Telefonleitungen gekappt, um zu verhindern, dass Hilfe zur Niederschlagung des Aufstands gerufen werden konnte. Anschließend nahm Estermann an einer Versammlung im Wehrmeldeamt Wasserburg teil und veröffentlichte gemeinsam mit Oberstleutnant Puhl, Landrat Dr. Moos, Bürgermeister Baumann eine Erklärung gegen die Verteidigung der Stadt, die mit Flugblättern und über Lautsprecher am Rathaus veröffentlicht wurde. &lt;br /&gt;
Als der Gauleiter über Rundfunk den Putsch dementierte wurde Estermann als Rädelsführer verhaftet, konnte aber anschließend aus dem Wehrmeldeamt entkommen und sich dank einiger Helfer auf dem Krankenhausgelände versteckt halten. Am Abend des 2. Mai befreite er mehrere inhaftierte Mitstreiter aus dem Gefängnis auf der Burg und nahm am Morgen des Folgetags Kontakt mit der vor Wasserburg stehenden US-Armee auf, die er in die Altstadt begleitete. Gemeinsam mit weiteren Helfern trug er vermutlich entscheidend dazu bei, dass die Übergabe der Stadt kampflos erfolgen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Nachkriegszeit: Intermezzo als Bürgermeister und Landrat==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artikel Mayor Risk Gallow.jpg|mini|Artikel &#039;&#039;Wasserburger Bürgermeister riskiert Galgen&#039;&#039;, aus der Truppenzeitschrift Ninth Division News vom September 1945.]]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ernennung als Bürgermeister&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 10. Mai 1945, wurde der mittlerweile 46jährige aufgrund seiner führenden Rolle bei der &#039;&#039;Wasserburger Freiheitsaktion&#039;&#039; von der US-Militärverwaltung zum vorläufigen Bürgermeister (&#039;&#039;temporary mayor&#039;&#039;) der Stadt Wasserburg ernannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Befehl der US-Militärregierung vom 10.5.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Um ihn zur Amtsübernahme zu bewegen, soll extra eine Abordnung des F.A.B.-Anführers Rupprecht Gerngross aus München nach Wasserburg gekommen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits am Tag der Amtsübernahme forderte der neue Bürgermeister über Lautsprecher &#039;&#039;die gesamte Einwohnerschaft der Stadt Wasserburg auf[,] in dieser schweren Zeit mitzuarbeiten, daß wir und unsere Kinder einer glücklicheren Zukunft entgegensehen können&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 10.5.1945.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ging nun daran, in enger Absprache mit dem US-Militärgouverneur die drängendsten Fragen des politischen Neubeginns und zur Versorgung der Bevölkerung zu regeln. Da in dieser frühen Phase die Entnazifizierungsgesetze in den Besatzungszonen noch nicht umgesetzt waren, musste bei personellen Besetzungen häufig improvisiert und nach freiem Ermessen entschieden werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hoser, Entnazifizierung|Hoser, Entnazifizierung]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Estermanns Vorschlag wurden mehrere seiner Mitstreiter im Widerstand zu städtischen Hilfspolizisten und Stadträten ernannt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 293 und 305.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber auch weitere möglichst unbelastete Bürger unterschiedlicher parteipolitischer Ausrichtung konnten in den neuen Stadtrat einziehen. Offenbar legte Estermann als Bürgermeister der Kreisstadt seine Kompetenzen teilweise weit aus, wenn er, eigenen Aussagen zufolge, etwa den früheren Leiter des örtlichen SS-Sicherheitsdienstes Steiner in Eigenregie verhaftete&amp;lt;ref&amp;gt;früherer Redeentwurf &#039;&#039;Meine Herren Richter&#039;&#039;, 2, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; oder in den Gemeinden des Landkreises die Absetzung von belasteten Bürgermeistern durchsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Untersuchung in der Angelegenheit Estermann, KPD Wasserburg, 4, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wechsel ins Landratsamt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Anscheinend hatte sich der ursprünglich im Verwaltungshandeln völlig unerfahrene Korbmacher im Bürgermeisteramt bewährt, da ihn der US-Gouverneur Abraham L. Klinger am 10. Oktober 1945 zum Landrat des Kreises Wasserburg &#039;&#039;beförderte&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernennung als vorläufiger Landrat, US-Militärverwaltung, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Freilich dürfte auch die begrenzte Personalauswahl eine Rolle gespielt haben. Jedenfalls wollten die Besatzer erklärtermaßen ihre Entschiedenheit auf dem Gebiet der Entnazifizierung demonstrieren, indem sie beide Spitzenämter in Stadt und Landkreis mit Mitgliedern des Wasserburger Widerstandskreises besetzten und den SPD-Mann Kaspar Wiedemann auf den Bürgermeisterstuhl der Kreisstadt nachrücken ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 291ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun musste sich Estermann auf Kreisebene mit &#039;&#039;Entlassungen, Beschlagnahmungen, Sperrungen usw. und Beseitigung von Engpässen auf allen Gebieten&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Verwaltungsbeamter: Die Wohnungsaktion wird verwässert, Oberbayerisches Volksblatt, undatiert, vermutlich vom 9.7.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; befassen und hatte zudem die Entnazifizierung in 62 Kreisgemeinden zu überwachen. Erschwerend kam hinzu, dass er das Amt zu einer Zeit übernahm, als sämtliche Referatsleiter und zahlreiche Angestellte des Landratsamtes auf Anordnung der Militärregierung wegen Parteizugehörigkeit entlassen worden waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Redeentwurf zur Kreistagssitzung, vermutlich am 30.5.1946, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch der erst am 10. Mai 1945 ernannte kommissarische Landrat Johann Unterbirker musste aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft weichen, wurde aber auf ausdrückliche Bitte Estermanns in untergeordneter Funktion und als dessen &#039;&#039;rechte Hand&#039;&#039; im Landratsamt belassen. &lt;br /&gt;
Estermann betonte, bei personellen Entscheidungen stets mit Augenmaß und Rücksicht auf die Funktionsfähigkeit von Verwaltung und Wirtschaft vorgegangen zu sein: &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Nur in den Fällen, wo die Militärregierung sich die Entscheidung selbst vorbehalten hat, habe ich nicht eingegriffen. Leiter von Fachgeschäften wurden in untergeordneter Stellung in einem anderen Geschäft derselben Branche eingestz[t]. Ich bin nämlich der Ansicht, dass es besser ist, wenn Fachkräfte nicht als Strassenkehrer, sondern ihren Fähigkeiten entsprechend, anderweitig Verwendung finden. Ich kann auch nicht die Entnazifizierung eines Landkreises in 8 Tagen vornehmen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Offener Brief an die Bezirksleitung der KPD vom 14.1.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zerwürfnis mit der KPD&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bereits im Dezember 1945 kam es zum Zerwürfnis zwischen Estermann und der örtlichen KPD. Während eines parteiinternen Treffens am 14. Dezember 1945, bei dem auch der Landesvorsitzende der Bayern-KPD Fritz Sperling&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Fritz Sperling (Politiker)|Wikipedia, Fritz Sperling (Politiker)]].&amp;lt;/ref&amp;gt; anwesend war, musste sich Estermann in einer verhörartigen Befragung unter anderem ein zu geringes Engagement in Sachen Entnazifizierung und mangelnden Einsatz für die kommunistische Partei vorwerfen lassen. Als man ihm am Ende der Sitzung zur Treue ermahnte und eine Untersuchung ankündigte, erklärte er resigniert seinen Austritt aus der Partei.&amp;lt;ref&amp;gt;Untersuchung in der Angelegenheit Estermann, KPD Wasserburg, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Kurz darauf reichte der KPD-Mann und vormalige Leiter des Wirtschaftsamts im Landratsamt Wasserburg, Bernhard Steinberger&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Bernhard Steinberger|Wikipedia, Bernhard Steinberger]].&amp;lt;/ref&amp;gt; eine 23 Punkte umfassende Beschwerde gegen den Landrat bei der staatlichen Aufsichtsbehörde ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Personalakte Josef Estermann, Schreiben des Regierungspräsidenten vom 15.1.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann hatte ihn zuvor wegen Verstoß gegen seine Weisungen entlassen müssen. Die Vorwürfe erwiesen sich im Wesentlichen als haltlos, doch die Auseinandersetzungen wurden bald auch öffentlich ausgetragen. Wochenlang lieferten sich Estermann und der KPD-Sekretär Peter Balk ein Wortgefecht über mehrere Artikel im Oberbayerischen Volksblatt.&amp;lt;ref&amp;gt;Mitteilung der KPD unter &#039;&#039;Rund um Wasserburg&#039;&#039; im OVB, vermutlich vom 11.1.1946, Die Legende Estermann, vermutlich vom 29.1.1946 und Stellungnahme des Landrats, vermutlich vom 5.2.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]] sowie Offener Brief des Landrats vom 14.1.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann hatte sich inzwischen der Wasserburger SPD angenähert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 149 sowie Schreiben Osthelder vom 15.10.1945 in der Personalakte Josef Estermann, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Suspendierung und US-Militärgerichtsverfahren&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 1. März 1946 wurde Estermann vom Gemeindienst der US-Armee in München verhört und anschließend vom Militärgouverneur Klinger seines Amtes enthoben.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 32, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]] und Schreiben Military Gouvernement vom 1.3.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Inhaftierung konnte er durch die Zahlung einer Kaution in Höhe von 10.000 Reichsmark abwenden, musste aber in den drei Wochen bis zur Gerichtsverhandlung in Hausarrest bleiben.&amp;lt;ref&amp;gt;Tonband-Interview von Hans Klinger mit Josef Estermann vom 17.6.1975, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082|StadtA Wasserburg a. Inn, VIT-082]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Militärregierung brachte in Erfahrung, dass er &#039;&#039;von 1934 bis zur Kapitulation Deutschlands als V.-Mann (Vertrauensmann) im Dienste der Gemeinem Staatspolizei stand&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel OVB, Vertrauensmann der Gestapo, vermutlich vom 7.3.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, wie das Oberbayerische Volksblatt berichtete. &lt;br /&gt;
[[Datei:Artikel_März_1946,_sw_be.jpg|mini|Das Oberbayerische Volksblatt im März 1946 über die Entlassung und Wiedereinsetzung Estermanns als Landrat.]]&lt;br /&gt;
Estermann hatte dazu im Fragebogen der US-Militärbehörde keine und damit falsche Angaben gemacht und war nun dem Verdacht ausgesetzt, er hätte wissentlich und zum Schaden seiner KPD-Genossen Spitzeltätigkeit geleistet. Bei der Verhandlung des US-Militärgerichts am 13. März 1946 im vollbesetzten Wasserburger Rathaussaal, vor dem sich Estermann selbst verteidigte, forderte er seinen Freispruch:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Meine Herren! Mein ganzes Leben ist ein einziger Kampf. Reich an Erfolgen und Rückschlägen. Aber kein Rückschlag hat mich so schwer getroffen und erniedrigt, als die Behauptung, dass ich für die Gestapo V Mann war. Mit Stolz kann ich sagen, dass spontan die alten Kampfgenossen und Freunde zu mir kamen, und mich über die schwersten Stunden hinweghalfen. Und ich weiß, möge dieses Urteil ausfallen wie es will, diese Männer wissen, dass ich nicht schuldig bin. [...] Ich behaupte nochmals, niemals Vertrauensmann gewesen zu sein und bekenne mich nicht als schuldig. Ich fordere deshalb meine Freisprechung!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Redemanuskript &#039;&#039;Meine Herren&#039;&#039;, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er betonte, nie gewusst zu haben, dass er als V-Mann geführt werde. Er habe Aussagen für die Gestapo nur nach Zwang gemacht und &#039;&#039;durch geschickte Manöver nie[,] aber auch nie[,] einem Genossen geschadet&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll des Prozesses vom 14.3.1946, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die von ihm benannten Zeugen sagten im Prozess zu seinem Gunsten aus und auch der frühere Leiter der Nachrichten-Abteilung KPD der Gestapo-Dienststelle München, Franz Regnat, offenbarte, dass Estermann als Gestapo-Agent nicht von Wert gewesen sei. &lt;br /&gt;
Fünf Tage später, am 18. März 1946, wurde das schriftliche Urteil verkündet und Josef Estermann für unschuldig erklärt. Er konnte mit sofortiger Wirkung seinen Posten als Landrat wieder antreten. Das Gericht führte aus, dass er zwar unzweifelhaft als V-Mann geführt wurde und er sich über seine Stellung als Spitzel der Gestapo hätte bewusst sein müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Personalakte Josef Estermann, Abschrift der Urteilsverkündigung vom 18.3.1946, 1, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Man wertete allerdings die langjährige KPD-Zugehörigkeit und aktive Opposition des Angeklagten gegen das Hitlerregime als entlastend. Weder könne von einer freiwilligen Mitwirkung gesprochen werden, noch dass er verwertbare Auskunft geliefert habe oder durch ihn Dritte zu Schaden gekommen seien. Die mündliche Vereinbarung zwischen ihm und der Gestapo sei unter Zwang erfolgt und daher &#039;&#039;null und nichtig&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Personalakte Josef Estermann, Abschrift der Urteilsverkündigung vom 18.3.1946, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 96106|BayHStA, MINN 96106]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die US-Militärverwaltung äußerte sich in ihrem Jahresbericht zufrieden über den Prozessausgang und sah darin nicht nur eine Ehrenrettung Estermanns und vieler seiner Anhänger, sondern auch einen Beitrag zum Prestige der Militärregierung und der US-amerikanischen Justiz.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report, det. E283, LK Wasserburg, 1945.6 - 1946/6, 15, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGB 13/141-2/011|BayHStA, OMGB 13/141-2/011]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die KZ-Beratungsstelle Rosenheim begrüßte in einem Presseartikel den Freispruch und die volle Rehabilitierung Estermanns.&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel Gestapo und V-Mann, vermutlich aus dem Oberbayerischen Volksblatt vom 22.3.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Von verschiedenen Seite wurde noch Jahrzehnte später die Ansicht geäußert, Estermann sei als Agent tätig gewesen und habe Interna an die Gestapo weitergegeben&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 332.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zuweilen ergänzt um den Vorwurf, er sei &#039;&#039;zugleich [...] Agent der Russen u. Amerikaner&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;So der frühere Wasserburger Landrat Dr. Willi Moos in seinen handschriftlichen Aufzeichnungen, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Moos, Vor 25 Jahren|Moos, Vor 25 Jahren]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Landrat auf Abruf&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da sich die Wahl eines Nachfolgers schwierig gestaltete, blieb Estermann kommissarisch bis 30. September 1946 im Amt. Die Militärverwaltung berichtete, die lange Interimszeit sei von Seiten des Landratsamts als wenig segensreich empfunden worden, da Estermann als Amtsinhaber auf Abruf keine weitreichenden Entscheidungen mehr traf, um seinen Nachfolger nicht zu binden.&amp;lt;ref&amp;gt;LK Wasserburg (Det. E-283), Monthly political activity report 30.6.1946, 4, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGUS CO 465/01|BayHStA, OMGUS CO 465/01]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mehrheitsverhältnisse hatten sich nach der ersten freien Kreistagswahl eindeutig zugunsten der CSU verschoben. Der Kreistag wählte am 30. Mai 1946 mit konservativer Stimmenmehrheit den Landwirtschaftsrat und späteren CSU-Landtagsabgeordneten Dr. Karl Lenz&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Karl Lenz|Wikipedia, Karl Lenz]].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Landrat. Wegen Einwänden verzögerte die Militärverwaltung aber seine Ernennung, worauf Lenz seine Kandidatur letztlich zurückzog.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report, det. E283, LK Wasserburg, 1945.6 - 1946/6, 16, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGB 13/141-2/011|BayHStA, OMGB 13/141-2/011]] und Artikel &#039;&#039;Eine Erwiderung der CSU&#039;&#039;, OVB, ohne Datierung, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der Kreistagssitzung am 28.6.46 fand sich schließlich eine Mehrheit von 43 Stimmen für den Regierungsassessor Hans Niedermeier aus München.&amp;lt;ref&amp;gt;LK Wasserburg (Det. E-283), Monthly political activity report 30.6.1946, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, OMGUS CO 465/01|BayHStA, OMGUS CO 465/01]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bestätigt wurde er aber erst am 30. September 1946. Die Sprecher von SPD und CSU im Kreistag, Cembelli und Max Zwicknagl&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zur Person in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikipedia, Max Zwicknagl|Wikipedia, Max Zwicknagl]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, dankten vor dem Kreistag dem scheidenden Landrat für die geleistete Arbeit &#039;&#039;in schwerster Zeit&#039;&#039; und würdigten seinen Einsatz in den letzten Kriegstagen.&amp;lt;ref&amp;gt; Artikel Die Neuwahl des Wasserburger Landrats, OVB, ohne Datierung, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann selbst hatte bereits in seiner Rede bei der Kreistagssitzung am 30. Mai mit deutlichen Worten eine Bilanz seiner Amtszeit gezogen und dabei die Vorteile seiner parteilichen Ungebundenheit betont:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Notzeiten bringen immer Härten mit sich, und ich musste im Interesse des Volkes, bei einigen Ablieferungssündern empfindliche Strafen aussprechen. Man muss auch den Mut aufbringen, unpopulär zu werden. Ich selbst, meine Herren, bin parteilos und habe mich so in verschiedenen Dingen leichter getan, als wenn ich an eine Partei gebunden wäre. Meine Herren, der Karren ist vor einem Jahr so tief im Dreck gesteckt, dass er auch in 2 Jahren noch nicht wieder heraussen sein wird.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Entwurf Eröffnungsrede der Kreistagssitzung, vermutlich am 30.5.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Obwohl es nicht einfach gewesen sei, &#039;&#039;zwei Herren&#039;&#039; zu dienen, der US-Militärregierung und den deutschen Behörden, sei der Kreis Wasserburg schließlich &#039;&#039;einer der besten&#039;&#039; Kreise auf dem Gebiet der Entnazifizierung gewesen. Man habe zur Überbrückung der Lücke im Gesetzesvollzug ein durchdachtes Verfahren entwickelt, so dass sich sogar der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München beim Landratsamt Wasserburg nach dem &#039;&#039;augenblicklichen Vollzug des Gesetzes Nr. 8&#039;&#039; erkundigte und Richtlinien einholte.&amp;lt;ref&amp;gt;Aktennotiz zum Schreiben vom Staatsminister für Sonderaufgaben vom 4.1.1946, 3, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5606]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der städtische Chronist Josef Kirmeyer vermerkte am 30. September 1946 zum personellen Wechsel im Landratsamt: &#039;&#039;Korbwarenfabrikant Josef Estermann endlich[!] als Landrat (zuletzt kommissarisch) abgetreten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 29.9.1946.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Rückzug ins Privat- und Geschäftsleben&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem endgültigen Ausscheiden aus dem Amt widmete sich Josef Estermann wieder ganz dem Privatleben und seiner gewerblichen Tätigkeit. Er führte das Lebensmittelgeschäft am Wasserburger Holzhofweg bis ins hohe Alter, während seine Frau Johanna den Korb- und Spielwarenladen in der Herrengasse leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit Johanna Pixner, der Enkelin Estermanns, am 18.1.2022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Kaufhaus J. Estermann, Werbeanzeige.jpg|mini|Werbeanzeige Kaufhaus J. Estermann, 1949.]]     &lt;br /&gt;
Im Jahr 1956 errichtete er aus Abbruchmaterial ein Wohnhaus am Pulverturm am Wasserburger Holzhofweg, offensichtlich gegen den Willen der hiesigen Baubehörde.&amp;lt;ref&amp;gt;zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]], 257.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beschriftete Marmortafel, die er über dem Hauseingang anbringen ließ, war geeignet, den Eindruck zu festigen, dass da einer allzu gerne der Obrigkeit ein Schnippchen schlug:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Erbaut v. Josef u. Hanna Estermann 1956 - 1957. Nach Ansicht eines Herrn der Bayr. Staatsregierung und einer hiesigen Behörde fällt dieses Haus spätestens im Jahre 1976 ein. Gib, o Gott, in diesem Land den Menschen mehr Salz in den Verstand.&amp;lt;ref&amp;gt;zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]], 257.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Elfer-Rat Lederergmoa 1970er.jpg|mini|Sepp Estermann als Mitglied des Elfer-Rats der Faschingsgesellschaft &#039;&#039;Lederergmoa&#039;&#039; (vierter von links).]]&lt;br /&gt;
Auch wenn er sich aus der Politik zurückgezogen hatte, engagierte sich Josef Estermann aktiv im Wasserburger Vereinsleben. Er gilt mit seinem Sohn Karl als Mitbegründer der Wasserburger Stadtgarde 1965 und blieb der Fußballabteilung des TSV 1880 als &#039;&#039;prominenter Platzwart&#039;&#039; in Erinnerung.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Motzkus, 75 Jahre Fußball|Motzkus, 75 Jahre Fußball]], 85.&amp;lt;/ref&amp;gt; An den Faschingszügen der Stadt beteiligten sich &#039;&#039;die Estermänner&#039;&#039; häufig mit aufwändig gestalteten Wägen und einfallsreichen Motiven, bei denen es durchaus politisch werden konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Motzkus, 25 Jahre Stadtgarde|Motzkus, 25 Jahre Stadtgarde]], 41.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heimatautor Hans Klinger führte in den 1970er Jahren zahlreiche Gespräche mit Josef Estermann und recherchierte intensiv die Lebensgeschichte des bekannten Wasserburgers. Das Buch &#039;&#039;Gestorben wird erst später … Ein deutscher Lebenslauf&#039;&#039; veröffentlichte Klinger im Jahr 1984, zwei Jahre nach Estermanns Tod.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klinger, Gestorben wird erst später|Klinger, Gestorben wird erst später]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die im Zuge seiner Recherchen und zu Estermann gesammelten Dokumente überließ Hans Klinger dem Stadtarchiv Wasserburg im Jahr 2003 zur Bewahrung und öffentlichen Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1978 konnte Josef Estermann in einen Aufzeichnungen, die er der Nachwelt hinterließ, beruhigt notieren: &#039;&#039;Und morgen werd ich 80 Jahre[;] mein Leben war alles[,] bloß nicht langweilig und ich werde wahrscheinlich einmal im Bett sterben.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen Josef Estermann, Heft 3, 32, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141|StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Er verstarb wenige Monate vor seinem 83. Geburtstag an den Folgen einer Erkrankung im Wasserburger Krankenhaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Resümee&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Josef Estermanns aus verschiedenen Quellen gut belegbarer Lebenslauf spiegelt das 20. Jahrhundert mit seinen Hoffnungen, Wirrungen und Katastrophen wider. Mit seiner politischen Haltung und seinem bewegten Lebenswandel schien der einst &#039;&#039;kommunistische Bürgerschreck&#039;&#039; nicht so recht in die ländlich geprägte Kleinstadt zu passen, war aber dennoch fest in ihr verwurzelt. Dass der Sohn eines einfachen Forstarbeiters gegen Kriegsende vorausschauend den Widerstand organisierte und sein Leben für die Rettung der Stadt riskierte, beeindruckte wohl viele seiner Mitbürger. Er scheute auch die Verantwortung nicht, als ihm die US-Militärverwaltung hohe kommunale Ämter antrug. Wenngleich seine Amtszeiten nur sehr kurz waren, so steht er doch für all jene Männer und Frauen, die in Stadt und Landkreis Wasserburg den schwierigen Neubeginn nach der Kapitulation im Mai 1945 tatkräftig mitgestalteten. Als Bürgermeister und Landrat war er mit den Herausforderungen der Entnazifizierung konfrontiert und musste gleichzeitig die Funktionsfähigkeit des Verwaltungsapparats und die Versorgung der Bevölkerung im Blick behalten. Ein schwieriger Spagat, bei dem er anscheinend Standhaftigkeit und Realitätssinn zeigte, der ihn aber immer mehr von seiner einstigen politischen Heimat, der Kommunistischen Partei, entfremdete. Als tragisch gilt, dass er, der von den Nationalsozialisten verfolgte Widerständler und Antifaschist, in den Verdacht geriet, er habe der Gestapo willfährig Dienste geleistet und seine Mitstreiter verraten.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Robert Obermayr}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<title>Franz Baumann</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: /* Die Zeit vor 1933 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Robert Obermayr|Robert Obermayr]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Robert Obermayr]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kurzbiografie Franz Baumann&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Diese Person besitzt derzeit keinen GND-Normdatensatz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebensdaten==&lt;br /&gt;
[[Datei:Foto Baumann m. Parteiabz StdA SM-V4a1-M1A-nr.1.jpg|mini|Franz Baumann, 1930er Jahre.]]&lt;br /&gt;
Franz Baumann, * 1. Dezember 1896 in Berchtesgaden&amp;lt;ref&amp;gt;Meldebogen vom 19.1.1947, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, SpkA K3790| StAM, SpkA K3790]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, † 18. April 1963 in Haag in Oberbayern.&amp;lt;ref&amp;gt;Sterbebild, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, V4a1-M1/2|StadtA Wasserburg a. Inn, V4a1-M1/2]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirken in der NS-Zeit==&lt;br /&gt;
Franz Baumann war in der Zeit von 25. Juni 1937&amp;lt;ref&amp;gt;Beschluss zur Ernennung vom 25.6.1937, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Reg.Verz.Teil2-XB45| StadtA Wasserburg a. Inn, Reg.Verz.Teil2-XB45]].&amp;lt;/ref&amp;gt; bis 9. Mai 1945&amp;lt;ref&amp;gt;Befehl der US-Militärregierung vom 10.5.1945 zur Ernennung von Josef Estermann als nachfolgenden Bürgermeister, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141| StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bürgermeister der Stadt Wasserburg am Inn. Seiner Ernennung zum Bürgermeister ging keine Wahl voraus, sondern sie erfolgte, wie damals üblich, auf Vorschlag des NSDAP-Kreisleiters Fritz Schwägerl und nach Einverständnis der Aufsichtsbehörden.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Reg.Verz.Teil2-XB45|StadtA Wasserburg a. Inn, Reg.Verz.Teil2-XB45]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Baumann gehörte bereits 1933 dem Stadtrat Wasserburg an und war seit 1934 1. Beigeordneter, was dem Stellvertreter des Bürgermeisters entsprach. In seine Amtszeit fiel auch die Ausrichtung der 800-Jahr-Feier der Stadt Wasserburg im Juni 1938.&lt;br /&gt;
Nach dem Aufruf der Freiheitsaktion Bayern am 28. April 1945 unterzeichnete er mit weiteren Wasserburgern die Erklärung zur Nichtverteidigung der Stadt, die er über Lautsprecher am Rathaus bekanntgeben ließ.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 112ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Spruchkammern Wasserburg und Rosenheim werteten dies entlastend als aktiven Widerstand und stuften ihn trotz seiner hohen formellen Belastung im Nachverfahren in die Personengruppe 4, als &#039;&#039;Mitläufer&#039;&#039;, ein.&amp;lt;ref&amp;gt; Spruch der Hauptkammer Rosenheim vom 29.4.1949, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, SpkA K3790| StAM, SpkA K3790]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehrere Zeugen bestätigten, er habe sich als Bürgermeister &#039;&#039;gerecht, unparteiisch und stets hilfsbereit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Ermittlungsbericht der Spruchkammer Wasserburg vom 15.12.1947, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, SpkA K3792| StAM, SpkA K3792]].&amp;lt;/ref&amp;gt; gezeigt. Obwohl er einst als &#039;&#039;eifriger, überzeugter und zum Teil fanatischer Nationalsozialist&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Klage der Spruchkammer Wasserburg vom 15.1.1948, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, SpkA K3792| StAM, SpkA K3792]].&amp;lt;/ref&amp;gt; in Erscheinung getreten sei, habe er sich seit Kriegsbeginn innerlich vom Nationalsozialismus abgewandt. Eine missbräuchliche Amtsausübung konnte ihm nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Zeit vor 1933== &lt;br /&gt;
Der damals 23-jährige Baumann kam im Jahr 1919 nach Wasserburg und wurde Inhaber des Betriebs &#039;&#039;Optik-, Uhren- und Goldwaren A. Rauch&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Mitteilung der Lagerspruchkammer Garmisch v. 02.12.1947,[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, SpkA K3792| StAM, SpkA K3792]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Er trat nachweislich am 1. Juli 1930 der NSDAP und in den Folgejahren mehreren NS-Gliederungen bei.&amp;lt;ref&amp;gt;Liste Mitglieder NSDAP, Ortsgruppe Wasserburg, 1 [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, NSDAP 2466| StAM, NSDAP 2466]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine frühere NSDAP-Mitgliedschaft bereits 1922 bestritt er ebenso wie eine aktive Rolle beim Aufbau der Wasserburger Ortsgruppe der NSDAP im Jahr 1930.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Obermayr, Jetzt kommt da Estermann|Obermayr, Jetzt kommt da Estermann]], 374ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach 1945==&lt;br /&gt;
Der Vater von sechs Kindern musste auf Anordnung der US-Militärregierung die Zeit von Dezember 1945 bis Juni 1947 in verschiedenen Internierungslagern verbringen.&amp;lt;ref&amp;gt; Entlassungsschein vom 19.6.1947, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, SpkA K3792| StAM, SpkA K3792]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Ablauf der einjährigen Bewährungsfrist im Entnazifizierungsverfahren konnte er im April 1949 wieder seinem Beruf als selbständiger Optiker und Uhrmacher in der Wasserburger Bruckgasse nachgehen. Franz Baumann verstarb am 18. April 1963 im Alter von 66 Jahren.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Robert Obermayr}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
	</entry>
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		<title>Paul Fuchshofer</title>
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		<updated>2021-10-04T08:50:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: /* Belegbare Arbeiten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Ferdinand Steffan|Ferdinand Steffan]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Ferdinand Steffan]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Kistler und Kunstschreiner Paul(us) Fuchshofer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Salzburg gebürtige Paul Fuchshofer (auch Fuxhofer) wurde laut dem am 22. Mai 1647 ausgestellten Geburtsbrief am 11. Dezember 1647 als Bürger in Wasserburg aufgenommen.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Geburtsbrief, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Geburtsbrief 1048|StadtA Wasserburg a. Inn, Geburtsbrief 1048]], gibt als Geburtsjahr 1620 an. Der Tischler Paul Fuchshofer ist Sohn des Müllers Paul Fuxhofer (damals Inwohner am Stain) und dessen zweiter Ehefrau Ottilia, geborene Khreizer. Als Zeugen sind ein Bäcker, ein Müller, ein Getreidemesser und ein Wirt angeführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das darin genannte Geburtsjahr 1620 stimmt jedoch nicht mit den Personendaten auf dem erhaltenen Porträt überein, die vermerken: &#039;&#039;Anno 1678 / Paülüß Fuxhofer / seineß Alters 57 / Jahr&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Museum Wasserburg a. Inn, Inv. Nr. 937|Museum Wasserburg a. Inn, Inv. Nr. 937]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Demnach wäre er erst 1621 geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Grabdenkmal, Nr. 169 Fuchshofer Porträt..jpg|mini|Porträt des Paulus Fuchshofer, 1678.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kistler und Kunsttischler wohnte und arbeitete in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Haus Nr. 199, welches heute die Adresse Färbergasse 7 (früher Vergessene Zeile) hat. Ob er die örtliche Gerechtigkeit als Kistler/Tischler durch Einheirat erworben oder das Geschäft hier neu aufgebaut hat, lässt sich nicht ermitteln. Auf seinem [[Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693|Grabstein]] ist nur eine Ehefrau aufgeführt, deren Name Elisabeth Hörmann mit den Initialen  &#039;&#039;E H&#039;&#039;  an der Decke der ehemaligen Wohnstube übereinstimmt. Die beigefügte Jahreszahl &#039;&#039;1 6 6 0&#039;&#039;  könnte sich auf das Jahr der Eheschließung beziehen oder aber nur den Zeitpunkt angeben, wann Fuchshofer die Decke gefertigt hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Decke wurde 1891 in das Amtszimmer des Bürgermeisters im Wasserburger Rathaus übertragen und durch schmucklose Felder der neuen Raumgröße angepasst.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gegebenenfalls hätte er mit ca. 40 Jahren zum zweiten Mal geheiratet.&lt;br /&gt;
Im Zentrum der Decke befinden sich ein umlaufender Spruch und die Initialen &#039;&#039;P. FH.&#039;&#039; sowie &#039;&#039;E. H.&#039;&#039;, dazwischen die Jahreszahlen &#039;&#039;16 – 60&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;WER GUT MAAS HELT IN SPEIS UND TRANCK&amp;lt;br&amp;gt;WIRD WOL ALT UND SELTEN KRANCK&amp;lt;br&amp;gt;DER IST WEIS UND WOLGELEHRT&amp;lt;br&amp;gt;DER ALLE DING ZUM BESSTEN KERT.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Wappen Fuchshofer.jpg|mini|Wappen des Paulus Fuchshofer.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Ecken ist Handwerkszeug des Tischlers eingefügt. Die Intarsien bestehen aus unterschiedlichen Hölzern, die Felder werden von Perlstäben mit länglichen Zwischenstücken eingerahmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Haus Färbergasse 7 existiert noch eine zweite Decke mit ähnlicher Einteilung und Materialien in einem Erdgeschossraum. Sie ist jedoch einfacher gestaltet.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Schaffen des Kistlers und Kunstschreiners liegen nur wenige Nachrichten vor, die zudem teilweise falsche Angaben enthalten.&amp;lt;ref&amp;gt;So bezeichnet ihn [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ernst, Ausstatter kurfürstlicher Schiffe|Ernst, Ausstatter kurfürstlicher Schiffe]], 9, mit &#039;&#039;An Paulus Fuxhofer erinnern im Heimathaus ein Gemälde und ein Epitaph&#039;&#039; irrtümlich als Bildhauer und schreibt ihm Arbeiten zu, für die es keine Belege gibt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem in den Kunstdenkmal-Bänden des ehemaligen Landkreises Rosenheim &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bomhard, Kunstdenkmäler I|Bomhard, Kunstdenkmäler I]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bomhard, Kunstdenkmäler II|Bomhard, Kunstdenkmäler II]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bomhard, Kunstdenkmäler III|Bomhard, Kunstdenkmäler III]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stalla, Register|Stalla, Register]].&amp;lt;/ref&amp;gt; (also ab Vogtareuth südlich) Fuchshofer nirgends vorkommt und für den Altlandkreis Wasserburg keine entsprechenden Arbeiten vorliegen, ist es schwierig, mögliche Arbeiten etwa an Altären nachzuweisen. Die Durchsicht der &#039;&#039;Dokumentation(en) zur Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;unveröffentlichte Manuskripte, ggf. einsehbar im Kulturreferat der Erzdiözese München bzw. über die entsprechenden Pfarreien.&amp;lt;/ref&amp;gt; folgender Kirchen erbrachte keinerlei Hinweise auf eine Tätigkeit Fuchshofers: St. Alban, Pf. Peterskirchen, Amerang, Evenhausen, Griesstätt, St. Leonhard am Buchat, Stephanskirchen, Pf. Amerang, Kirchensur, Schnaitsee, Gars a. Inn und Zell, Pf. Rieden. Damit ist immerhin ein weiter geographischer Raum im Südosten und Nordosten von Wasserburg abgedeckt, ohne dass der Name Fuchshofer in den Akten erscheint. Bestenfalls wären Tätigkeiten Fuchshofers noch über die Zusammenarbeit mit den örtlichen Bildhauern und Malern erschließbar.&amp;lt;ref&amp;gt;In der Regel bilden Bildhauer, Kistler und Maler bei der Herstellung von Altären ein festes, eingespieltes Team, das über Jahre/Jahrzehnte konstant bleibt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im öffentlichen Leben der Stadt wirkt der Handwerksmeister als Äußerer und Innerer Rat, wo er turnusgemäß auch das Amt des Bürgermeisters innehat. In der Funktion als Ratsmitglied werden 1681&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Haus Fuchshofers 192 Fass Salz, 1682&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; 434 Scheiben Salz eingelagert. 1681 wirkt Fuchshofer (&#039;&#039;gmain des Rhats&#039;&#039;) als Feldgeschworener.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1684 hat er das Amt des Baumeisters inne.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Porträt aus dem Jahr 1678 zeigt Paulus Fuchshofer im Alter von 57 Jahren. Er trägt vornehme bürgerliche Gewandung mit Spitzenkragen. Als Standeszeichen seines Berufs hält er Zirkel und Elle in Händen, die am Ende einen Messingbeschlag mit den Initialen &#039;&#039;P.FH.&#039;&#039; hat. Lang wallendes Haupthaar, ein Spitzbart und ein Schnurbart prägen das markante Gesicht. Ob es ein Pendant mit dem Porträt seiner Gattin gab, ist unbekannt. Fuchshofer und seine Gattin führen ein sogenanntes Sprechendes Wappen: Seines zeigt in rotem Feld mit schräg linkem Balken in weiß einen steigenden Fuchs nach rechts. Der Helm mit gespreizten Schwingen in rot mit weißem Balken ist mit einer Blüte belegt. Die Helmdecken sind weiß-rot. Um den Helm windet sich ein gedrehtes Band in weiß-rot. Das Kleinod bildet ein frontal ausgerichteter sitzender Fuchs. Das Wappen seiner Gattin Elisabeth Hörmann zeigt einen stehenden Mann auf einem Dreiberg mit Hörrohr in der rechten Hand.&lt;br /&gt;
Als Paul Fuchshofer am 16. November 1693 starb, erhielt er einen Grabstein, der sich von den fast serienmäßig geschaffenen Grabmälern eines Gregor Pichler jener Zeit deutlich unterscheidet. Das Ehepaar kniet gemeinsam auf einem Betschemel vor einem Kruzifix auf einem Altar in einem angedeuteten Sakralraum. Die Details der Kleidung und die Gesichtszüge sind so fein ausgearbeitet, dass man fast von einem Porträt sprechen kann. Die Inschrift lautet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Grabmal Fuchshofer Gesamtansicht.jpg|mini|Grabdenkmal, Nr. 169 Fuchshofer Detail..jpg|mini|Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693, Gesamtansicht.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Alda Ligen Begraben  Der Ehrnves(t u)nd&amp;lt;br&amp;gt;Weiße Herr Paüllüs Füxhofer des Eüsser(n Rhat)s&amp;lt;br&amp;gt;Bürger Und Khisstler al(hie so) den 16. Novembe(r 1693 Dan die)&amp;lt;br&amp;gt;Ehrntügentsame Fraü Elisabetha Hörman(nin) Dessen&amp;lt;br&amp;gt;haüsfraü welche den […] in gott (S)eelliglich&amp;lt;br&amp;gt;entschlaffen Deren Und allen Cristgläubigen Sellen&amp;lt;br&amp;gt;ein Freliche Aüfersteheüng verleichen welle Amen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693|Vgl. die ausführliche Beschreibung des Grabdenkmals in diesem Lexikon]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belegbare Arbeiten==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Grabdenkmal, Nr. 169 Fuchshofer Detail..jpg|mini|Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693, Detail Inschrift.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1660 fertigt Fuchshofer eine Decke für seine Wohnstube und einen weiteren Raum. Es sind dies die frühesten und einzig erhaltenen Arbeiten des Kistlers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1663 wird Fuchshofer bei der Endabrechnung für den Hochaltar von St. Jakob zusammen mit dem Kistler Hans Aberl(in) erwähnt, ohne dass die Arbeiten spezifiziert wären.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zoege von Manteuffel, Bildhauerfamilie Zürn|Zoege von Manteuffel, Bildhauerfamilie Zürn]], Bd. I, 315./ Die Angabe von [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ernst, Ausstatter kurfürstlicher Schiffe|Ernst, Ausstatter kurfürstlicher Schiffe]], 9, der Altar von St. Jakob wäre 1663 aufgestellt worden, ist falsch, richtig ist 1655 – 58, die Endabrechnung erfolgte 1663, in der Fuchshofer erwähnt wird, ohne dass seine spezifische Leistung aufgelistet wäre.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1668 erhält er für die Ausbesserung des Heiligen Grabes im Spital 46 Kreuzer.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c-HLG-145|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c-HLG-145]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1669 arbeitet er am Seelenaltar in St. Jakob: &#039;&#039;Paullusen Fuxhovern Khistler welcher solchen Altar Schwartz gepaist, gemacht 120 fl&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c141|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ferner: &#039;&#039;Ermelten Fuxhover Khistler umb das Er vor dem Altar herumb ain Gäder gemacht, ihme hiefür yber abpruch 1 fl 8 kr zalt … 14 fl 52 kr&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c141|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1670 Diesen Sommer ließ sich Kurfürst Ferdinand Maria für 721 Gulden ein Leibschiff auf dem Chiemsee bauen, um damit das Bayerische Meer zu befahren. Auch Wasserburger haben daran mitgearbeitet, so der Kistler Fuchshofer mit vier Gesellen. Sie fertigten an Ort und Stelle das Kabinett für das Leibschiff, auch die Fensterstöcke, dann Tische, Bänke und das Seitengeländer &#039;&#039;von schön geschweiften Seillen und Delphinen, auch andern Zirathen&#039;&#039;. Als eigenen Taglohn von 45 und solchen von 26 Kreuzer für die Gesellen erhielt er insgesamt 63 Gulden. Der Schlosser Härdtle von Wasserburg und der dortige Glaser Hans Held erhielten dann für ihre Arbeiten 26 bzw. 23 ½ Gulden. Dann rückte von dieser Innstadt der Maler Franz Pecker an und hat &#039;&#039;das ganze churfürstl. Leibschiff inen und auswendig mit Veldungen, daran Rodesken [Grotesken] plau und weis, ingleich auch 20 Delphin, 82 Stäffel zur Galle [Galerie] 2 Timon [Steuerruder], 18 Ruder, 2 Tisch mit ihren zugehörigen Gestiellen [Gestühl] und Penken, das ganze Cabinet samt der Tachung in- und auswendig gar fein und sauber, wie es der Augenschein geben, bemahlen.&#039;&#039; Er verlangte schließlich 210 Gulden, bekam aber davon nur 190.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1670 a./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mitterwieser, Prunkschiffe|Mitterwieser, Prunkschiffe]], 101/102.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1671 zur Errichtung des Eugenia-Altares: &#039;&#039;Paullus Fuxhover Khistler für die gemachte Sarch 6 fl 25 kr&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c143|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c143]]. Mit dem &#039;&#039;Sarch&#039;&#039; dürfte der Reliquienschrein gemeint sein, in dem die Gebeine der Heiligen Eugenia für die Verehrung durch die Gläubigen aufgebahrt wurden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1676 stattet Fuchshofer die Reiseplätte für Kurfürst Ferdinand Maria aus. Auf die 96 Schuh (fast 29 Meter) lange Plätte werden drei abschraubbare Zimmer aufgesetzt: das für den Kurfürsten 16 Schuh (4,8 Meter) lang und zwei jeweils zwölf Schuh (3,6 Meter) lang, die durch acht Doppeltüren erschlossen werden. Dazu &#039;&#039;sambt einem iber sich gehenngt vertieften Poden absonderlichen Tachung und Gallery mit 28 Fenstern&#039;&#039;, außerdem Sitzbänke und drei Tafeln (Tische). Die Galerie wird durch 180 &#039;&#039;gedrähte Stäffel&#039;&#039; erschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mitterwieser, Prunkschiffe|Mitterwieser, Prunkschiffe]], 112.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1678 macht Fuchshofer zwei neue Fensterrahmen mit zwei Schiebern oder &#039;&#039;Guzern&#039;&#039; (kleine Fenster), auch &#039;&#039;Gätter&#039;&#039; mit zwei &#039;&#039;Guzern&#039;&#039; und zwei Fensterbalken, ein Gesims für die spanische Wand oben und unten drei &#039;&#039;Pfähl zum Schieben&#039;&#039;, drei &#039;&#039;Rammen&#039;&#039;, Türrahmen, bei der Schießtafel zwei geleimte Tafeln an die Wand für das Schießhaus.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1679 Für dieses Jahr gibt Christoph Schnepf an, dass der Altar in der Schlosskapelle von Hart/Edling von Fuchshofer gefertigt worden sei. Dies wäre zwar von den biographischen Daten Fuchshofers her möglich, doch fehlen sowohl stilistische Vergleichsmöglichkeiten als auch archivalische Belege. Der Altar soll bis zur Restaurierung Ende 19./Anfang 20. Jh. die Jahreszahl 1679 getragen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Schloß Hart|Schnepf, Schloß Hart]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Das Bayernland|Das Bayernland]], 172. Die Zuschreibung von Christoph Schnepf auf Grund der Jahreszahl 1679 an den Wasserburger Kistler Paul Fuchshofer dürfte nicht haltbar sein, wenn der Altar schon/noch unter Sigmund Hauser (gest. 1643) angeschafft worden war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1683 stattet Fuchshofer das Leibschiff für Kurfürst Max Emanuel zur Fahrt in die Türkenkriege aus.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mitterwieser, Prunkschiffe|Mitterwieser, Prunkschiffe]], 115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1684 macht Fuchshofer zwei Türen zu den Fleischbänken in der Hofstatt, wird Äußerer Rat, Kistler und derzeit Baumeister genannt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1684 erhält Fuchshofer für die Erhöhung des Tabernakels im Spital 2 Gulden 24 Kreuzer.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c-HLG-157|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c-HLG-157]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* 1688 fertigt Fuchshofer einen Handlauf von der Schranne in den ersten Stock.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Heiserer, Kreistags-Versammlungen|Heiserer, Kreistags-Versammlungen]], 20. Die angebliche Ausstattung der kleinen Ratsstube im Rathaus 1688 für die Kreistagssitzung, wie sie Ernst (vgl. oben) erwähnt, beschränkt sich bei Heiserer bzw. Kirmayer auf einen Handlauf (&#039;&#039;Handstangen&#039;&#039;) an der Schrannenstiege für 24 Kreuzer.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1692 ist Paulus Fuchshofer, Kistler zu Wasserburg, in Pietenberg tätig.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Pietenberg, Kirche St. Mariae Himmelfahrt, Pf. Taufkirchen, Ldkr. Mühldorf a. Inn: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Böhm, Der heutige Landkreis Mühldorf im 18. Jahrhundert|Böhm, Der heutige Landkreis Mühldorf im 18. Jahrhundert]], 103.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies dürfte einer der letzten Aufträge gewesen sein, allerdings werden Umfang und Art nicht genannt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Ferdinand Steffan}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<title>Paul Fuchshofer</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Ferdinand Steffan|Ferdinand Steffan]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Ferdinand Steffan]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Kistler und Kunstschreiner Paul(us) Fuchshofer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Salzburg gebürtige Paul Fuchshofer (auch Fuxhofer) wurde laut dem am 22. Mai 1647 ausgestellten Geburtsbrief am 11. Dezember 1647 als Bürger in Wasserburg aufgenommen.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Geburtsbrief, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Geburtsbrief 1048|StadtA Wasserburg a. Inn, Geburtsbrief 1048]], gibt als Geburtsjahr 1620 an. Der Tischler Paul Fuchshofer ist Sohn des Müllers Paul Fuxhofer (damals Inwohner am Stain) und dessen zweiter Ehefrau Ottilia, geborene Khreizer. Als Zeugen sind ein Bäcker, ein Müller, ein Getreidemesser und ein Wirt angeführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das darin genannte Geburtsjahr 1620 stimmt jedoch nicht mit den Personendaten auf dem erhaltenen Porträt überein, die vermerken: &#039;&#039;Anno 1678 / Paülüß Fuxhofer / seineß Alters 57 / Jahr&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Museum Wasserburg a. Inn, Inv. Nr. 937|Museum Wasserburg a. Inn, Inv. Nr. 937]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Demnach wäre er erst 1621 geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Grabdenkmal, Nr. 169 Fuchshofer Porträt..jpg|mini|Porträt des Paulus Fuchshofer, 1678.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kistler und Kunsttischler wohnte und arbeitete in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Haus Nr. 199, welches heute die Adresse Färbergasse 7 (früher Vergessene Zeile) hat. Ob er die örtliche Gerechtigkeit als Kistler/Tischler durch Einheirat erworben oder das Geschäft hier neu aufgebaut hat, lässt sich nicht ermitteln. Auf seinem [[Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693|Grabstein]] ist nur eine Ehefrau aufgeführt, deren Name Elisabeth Hörmann mit den Initialen  &#039;&#039;E H&#039;&#039;  an der Decke der ehemaligen Wohnstube übereinstimmt. Die beigefügte Jahreszahl &#039;&#039;1 6 6 0&#039;&#039;  könnte sich auf das Jahr der Eheschließung beziehen oder aber nur den Zeitpunkt angeben, wann Fuchshofer die Decke gefertigt hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Decke wurde 1891 in das Amtszimmer des Bürgermeisters im Wasserburger Rathaus übertragen und durch schmucklose Felder der neuen Raumgröße angepasst.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gegebenenfalls hätte er mit ca. 40 Jahren zum zweiten Mal geheiratet.&lt;br /&gt;
Im Zentrum der Decke befinden sich ein umlaufender Spruch und die Initialen &#039;&#039;P. FH.&#039;&#039; sowie &#039;&#039;E. H.&#039;&#039;, dazwischen die Jahreszahlen &#039;&#039;16 – 60&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;WER GUT MAAS HELT IN SPEIS UND TRANCK&amp;lt;br&amp;gt;WIRD WOL ALT UND SELTEN KRANCK&amp;lt;br&amp;gt;DER IST WEIS UND WOLGELEHRT&amp;lt;br&amp;gt;DER ALLE DING ZUM BESSTEN KERT.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Wappen Fuchshofer.jpg|mini|Wappen des Paulus Fuchshofer.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Ecken ist Handwerkszeug des Tischlers eingefügt. Die Intarsien bestehen aus unterschiedlichen Hölzern, die Felder werden von Perlstäben mit länglichen Zwischenstücken eingerahmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Haus Färbergasse 7 existiert noch eine zweite Decke mit ähnlicher Einteilung und Materialien in einem Erdgeschossraum. Sie ist jedoch einfacher gestaltet.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Schaffen des Kistlers und Kunstschreiners liegen nur wenige Nachrichten vor, die zudem teilweise falsche Angaben enthalten.&amp;lt;ref&amp;gt;So bezeichnet ihn [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ernst, Ausstatter kurfürstlicher Schiffe|Ernst, Ausstatter kurfürstlicher Schiffe]], 9, mit &#039;&#039;An Paulus Fuxhofer erinnern im Heimathaus ein Gemälde und ein Epitaph&#039;&#039; irrtümlich als Bildhauer und schreibt ihm Arbeiten zu, für die es keine Belege gibt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem in den Kunstdenkmal-Bänden des ehemaligen Landkreises Rosenheim &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bomhard, Kunstdenkmäler I|Bomhard, Kunstdenkmäler I]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bomhard, Kunstdenkmäler II|Bomhard, Kunstdenkmäler II]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bomhard, Kunstdenkmäler III|Bomhard, Kunstdenkmäler III]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stalla, Register|Stalla, Register]].&amp;lt;/ref&amp;gt; (also ab Vogtareuth südlich) Fuchshofer nirgends vorkommt und für den Altlandkreis Wasserburg keine entsprechenden Arbeiten vorliegen, ist es schwierig, mögliche Arbeiten etwa an Altären nachzuweisen. Die Durchsicht der &#039;&#039;Dokumentation(en) zur Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;unveröffentlichte Manuskripte, ggf. einsehbar im Kulturreferat der Erzdiözese München bzw. über die entsprechenden Pfarreien.&amp;lt;/ref&amp;gt; folgender Kirchen erbrachte keinerlei Hinweise auf eine Tätigkeit Fuchshofers: St. Alban, Pf. Peterskirchen, Amerang, Evenhausen, Griesstätt, St. Leonhard am Buchat, Stephanskirchen, Pf. Amerang, Kirchensur, Schnaitsee, Gars a. Inn und Zell, Pf. Rieden. Damit ist immerhin ein weiter geographischer Raum im Südosten und Nordosten von Wasserburg abgedeckt, ohne dass der Name Fuchshofer in den Akten erscheint. Bestenfalls wären Tätigkeiten Fuchshofers noch über die Zusammenarbeit mit den örtlichen Bildhauern und Malern erschließbar.&amp;lt;ref&amp;gt;In der Regel bilden Bildhauer, Kistler und Maler bei der Herstellung von Altären ein festes, eingespieltes Team, das über Jahre/Jahrzehnte konstant bleibt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im öffentlichen Leben der Stadt wirkt der Handwerksmeister als Äußerer und Innerer Rat, wo er turnusgemäß auch das Amt des Bürgermeisters innehat. In der Funktion als Ratsmitglied werden 1681&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Haus Fuchshofers 192 Fass Salz, 1682&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; 434 Scheiben Salz eingelagert. 1681 wirkt Fuchshofer (&#039;&#039;gmain des Rhats&#039;&#039;) als Feldgeschworener.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1684 hat er das Amt des Baumeisters inne.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Porträt aus dem Jahr 1678 zeigt Paulus Fuchshofer im Alter von 57 Jahren. Er trägt vornehme bürgerliche Gewandung mit Spitzenkragen. Als Standeszeichen seines Berufs hält er Zirkel und Elle in Händen, die am Ende einen Messingbeschlag mit den Initialen &#039;&#039;P.FH.&#039;&#039; hat. Lang wallendes Haupthaar, ein Spitzbart und ein Schnurbart prägen das markante Gesicht. Ob es ein Pendant mit dem Porträt seiner Gattin gab, ist unbekannt. Fuchshofer und seine Gattin führen ein sogenanntes Sprechendes Wappen: Seines zeigt in rotem Feld mit schräg linkem Balken in weiß einen steigenden Fuchs nach rechts. Der Helm mit gespreizten Schwingen in rot mit weißem Balken ist mit einer Blüte belegt. Die Helmdecken sind weiß-rot. Um den Helm windet sich ein gedrehtes Band in weiß-rot. Das Kleinod bildet ein frontal ausgerichteter sitzender Fuchs. Das Wappen seiner Gattin Elisabeth Hörmann zeigt einen stehenden Mann auf einem Dreiberg mit Hörrohr in der rechten Hand.&lt;br /&gt;
Als Paul Fuchshofer am 16. November 1693 starb, erhielt er einen Grabstein, der sich von den fast serienmäßig geschaffenen Grabmälern eines Gregor Pichler jener Zeit deutlich unterscheidet. Das Ehepaar kniet gemeinsam auf einem Betschemel vor einem Kruzifix auf einem Altar in einem angedeuteten Sakralraum. Die Details der Kleidung und die Gesichtszüge sind so fein ausgearbeitet, dass man fast von einem Porträt sprechen kann. Die Inschrift lautet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Grabmal Fuchshofer Gesamtansicht.jpg|mini|Grabdenkmal, Nr. 169 Fuchshofer Detail..jpg|mini|Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693, Gesamtansicht.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Alda Ligen Begraben  Der Ehrnves(t u)nd&amp;lt;br&amp;gt;Weiße Herr Paüllüs Füxhofer des Eüsser(n Rhat)s&amp;lt;br&amp;gt;Bürger Und Khisstler al(hie so) den 16. Novembe(r 1693 Dan die)&amp;lt;br&amp;gt;Ehrntügentsame Fraü Elisabetha Hörman(nin) Dessen&amp;lt;br&amp;gt;haüsfraü welche den […] in gott (S)eelliglich&amp;lt;br&amp;gt;entschlaffen Deren Und allen Cristgläubigen Sellen&amp;lt;br&amp;gt;ein Freliche Aüfersteheüng verleichen welle Amen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693|Vgl. die ausführliche Beschreibung des Grabdenkmals in diesem Lexikon]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belegbare Arbeiten==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Grabdenkmal, Nr. 169 Fuchshofer Detail..jpg|mini|Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693, Detail Inschrift.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1660 fertigt Fuchshofer eine Decke für seine Wohnstube und einen weiteren Raum. Es sind dies die frühesten und einzig erhaltenen Arbeiten des Kistlers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1663 wird Fuchshofer bei der Endabrechnung für den Hochaltar von St. Jakob zusammen mit dem Kistler Hans Aberl(in) erwähnt, ohne dass die Arbeiten spezifiziert wären.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zoege von Manteuffel, Bildhauerfamilie Zürn|Zoege von Manteuffel, Bildhauerfamilie Zürn]], Bd. I, 315./ Die Angabe von [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ernst, Ausstatter kurfürstlicher Schiffe|Ernst, Ausstatter kurfürstlicher Schiffe]], 9, der Altar von St. Jakob wäre 1663 aufgestellt worden, ist falsch, richtig ist 1655 – 58, die Endabrechnung erfolgte 1663, in der Fuchshofer erwähnt wird, ohne dass seine spezifische Leistung aufgelistet wäre.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1668 erhält er für die Ausbesserung des Heiligen Grabes im Spital 46 Kreuzer.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c-HLG-145|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c-HLG-145]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1669 arbeitet er am Seelenaltar in St. Jakob: &#039;&#039;Paullusen Fuxhovern Khistler welcher solchen Altar Schwartz gepaist, gemacht 120 fl&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c141|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c141]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ferner: &#039;&#039;Ermelten Fuxhover Khistler umb das Er vor dem Altar herumb ain Gäder gemacht, ihme hiefür yber abpruch 1 fl 8 kr zalt … 14 fl 52 kr&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c141|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c141]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1670 Diesen Sommer ließ sich Kurfürst Ferdinand Maria für 721 Gulden ein Leibschiff auf dem Chiemsee bauen, um damit das Bayerische Meer zu befahren. Auch Wasserburger haben daran mitgearbeitet, so der Kistler Fuchshofer mit vier Gesellen. Sie fertigten an Ort und Stelle das Kabinett für das Leibschiff, auch die Fensterstöcke, dann Tische, Bänke und das Seitengeländer &#039;&#039;von schön geschweiften Seillen und Delphinen, auch andern Zirathen&#039;&#039;. Als eigenen Taglohn von 45 und solchen von 26 Kreuzer für die Gesellen erhielt er insgesamt 63 Gulden. Der Schlosser Härdtle von Wasserburg und der dortige Glaser Hans Held erhielten dann für ihre Arbeiten 26 bzw. 23 ½ Gulden. Dann rückte von dieser Innstadt der Maler Franz Pecker an und hat &#039;&#039;das ganze churürstl. Leibschiff inen und auswendig mit Veldungen, daran Rodesken [Grotesken] plau und weis, ingleich auch 20 Delphin, 82 Stäffel zur Galle [Galerie] 2 Timon [Steuerruder], 18 Ruder, 2 Tisch mit ihren zugehörigen Gestiellen [Gestühl] und Penken, das ganze Cabinet samt der Tachung in- und auswendig gar fein und sauber, wie es der Augenschein geben, bemahlen.&#039;&#039; Er verlangte schließlich 210 Gulden, bekam aber davon nur 190.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1670 a./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mitterwieser, Prunkschiffe|Mitterwieser, Prunkschiffe]], 101/102.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1671 zur Errichtung des Eugenia-Altares: &#039;&#039;Paullus Fuxhover Khistler für die gemachte Sarch 6 fl 25 kr&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c143|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c143]]. Mit dem &#039;&#039;Sarch&#039;&#039; dürfte der Reliquienschrein gemeint sein, in dem die Gebeine der Heiligen Eugenia für die Verehrung durch die Gläubigen aufgebahrt wurden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1676 stattet Fuchshofer die Reiseplätte für Kurfürst Ferdinand Maria aus. Auf die 96 Schuh (fast 29 Meter) lange Plätte werden drei abschraubbare Zimmer aufgesetzt: das für den Kurfürsten 16 Schuh (4,8 Meter) lang und zwei jeweils zwölf Schuh (3,6 Meter) lang, die durch acht Doppeltüren erschlossen werden. Dazu &#039;&#039;sambt einem iber sich gehenngt vertieften Poden absonderlichen Tachung und Gallery mit 28 Fenstern&#039;&#039;, außerdem Sitzbänke und drei Tafeln (Tische). Die Galerie wird durch 180 &#039;&#039;gedrähte Stäffel&#039;&#039; erschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mitterwieser, Prunkschiffe|Mitterwieser, Prunkschiffe]], 112.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1678 macht Fuchshofer zwei neue Fensterrahmen mit zwei Schiebern oder &#039;&#039;Guzern&#039;&#039; (kleine Fenster), auch &#039;&#039;Gätter&#039;&#039; mit zwei &#039;&#039;Guzern&#039;&#039; und zwei Fensterbalken, ein Gesims für die spanische Wand oben und unten drei &#039;&#039;Pfähl zum Schieben&#039;&#039;, drei &#039;&#039;Rammen&#039;&#039;, Türrahmen, bei der Schießtafel zwei geleimte Tafeln an die Wand für das Schießhaus.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1679 Für dieses Jahr gibt Christoph Schnepf an, dass der Altar in der Schlosskapelle von Hart/Edling von Fuchshofer gefertigt worden sei. Dies wäre zwar von den biographischen Daten Fuchshofers her möglich, doch fehlen sowohl stilistische Vergleichsmöglichkeiten als auch archivalische Belege. Der Altar soll bis zur Restaurierung Ende 19./Anfang 20. Jh. die Jahreszahl 1679 getragen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Schloß Hart|Schnepf, Schloß Hart]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Das Bayernland|Das Bayernland]], 172. Die Zuschreibung von Christoph Schnepf auf Grund der Jahreszahl 1679 an den Wasserburger Kistler Paul Fuchshofer dürfte nicht haltbar sein, wenn der Altar schon/noch unter Sigmund Hauser (gest. 1643) angeschafft worden war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1683 stattet Fuchshofer das Leibschiff für Kurfürst Max Emanuel zur Fahrt in die Türkenkriege aus.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mitterwieser, Prunkschiffe|Mitterwieser, Prunkschiffe]], 115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1684 macht Fuchshofer zwei Türen zu den Fleischbänken in der Hofstatt, wird Äußerer Rat, Kistler und derzeit Baumeister genannt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Brunhuber, Baubuch Khornmesser|Brunhuber, Baubuch Khornmesser]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1684 erhält Fuchshofer für die Erhöhung des Tabernakels im Spital 2 Gulden 24 Kreuzer.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2c-HLG-157|StadtA Wasserburg a. Inn, I2c-HLG-157]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* 1688 fertigt Fuchshofer einen Handlauf von der Schranne in den ersten Stock.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Heiserer, Kreistags-Versammlungen|Heiserer, Kreistags-Versammlungen]], 20. Die angebliche Ausstattung der kleinen Ratsstube im Rathaus 1688 für die Kreistagssitzung, wie sie Ernst (vgl. oben) erwähnt, beschränkt sich bei Heiserer bzw. Kirmayer auf einen Handlauf (&#039;&#039;Handstangen&#039;&#039;) an der Schrannenstiege für 24 Kreuzer.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1692 ist Paulus Fuchshofer, Kistler zu Wasserburg, in Pietenberg tätig.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Pietenberg, Kirche St. Mariae Himmelfahrt, Pf. Taufkirchen, Ldkr. Mühldorf a. Inn: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Böhm, Der heutige Landkreis Mühldorf im 18. Jahrhundert|Böhm, Der heutige Landkreis Mühldorf im 18. Jahrhundert]], 103.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies dürfte einer der letzten Aufträge gewesen sein, allerdings werden Umfang und Art nicht genannt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Ferdinand Steffan}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Gemeindegebietsreform&amp;diff=12137</id>
		<title>Gemeindegebietsreform</title>
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		<updated>2021-10-04T00:09:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: /* Umsetzung im Landkreis Wasserburg */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Gemeindegebietsreform im Bereich des (Alt-)Landkreises Wasserburg a. Inn&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zwischen 1969 und 1978 wurde in Bayern eine umfassende kommunale Gebietsreform durchgeführt. Diese bestand aus einer Gemeindegebietsreform, einer [[Kreisgebietsreform|Landkreisreform]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kreisgebietsreform|Vgl. den entsprechenden Artikel in diesem Lexikon.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und einer Funktionalreform &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mattern, Gebietsreform|Mattern, Gebietsreform]].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&#039;&#039; Im Zuge dieser Reform wurde sowohl die Zahl der Landkreise in Bayern (von 143 auf 71), als auch der kreisfreien Städte (von 48 auf 25) deutlich reduziert. Eine noch erheblichere Wirkung hatte jedoch die Gemeindegebietsreform, da hierdurch 5.021 der 7.073 Gemeinden in Bayern ihre Eigenständigkeit verloren &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mattern, Gebietsreform|Mattern, Gebietsreform]].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation und Ziele der Gemeindegebietsreform ==&lt;br /&gt;
Anders als in anderen Bundesländern basierte die Gebietsreform in Bayern, auch die Gemeindegebietsreform, nicht so sehr auf den Ergebnissen von wissenschaftlichen Kommissionen, sondern auf zahlreichen Gutachten und Meinungen verschiedener Gruppen aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mattern, Gebietsreform|Mattern, Gebietsreform]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Man wollte in Bayern  augenscheinlich Entscheidungen, welche die gewachsenen Traditionen der Gemeinden außer Acht lassen, vermeiden. Besonders augenfällig für eine fehlgeleitete Gemeindegebietsreform war in Hessen wohl die Gründung der Stadt Lahn als Zusammenschluss der Städte Gießen und Wetzlar nebst zahlreichen kleinen Gemeinden. Dieses Stadtkonstrukt hielt tatsächlich nur 31 Monate und gilt heute vielen als Musterbeispiel einer fehlgeleiteten Gebietsreform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bayern war die Gemeindegebietsreform, ähnlich wie die Kreisgebietsreform, geleitet vom Bewusstsein, dass der starke Wandel der Lebensverhältnisse vor allem im ländlichen Raum und die Ausweitung der öffentlichen Aufgaben in den Gemeinden zu einer Überforderung vor allem der ehrenamtlichen Bürgermeister und der weniger geschulten Verwaltungskräfte geführt habe und hat führen müssen. Die großen Ziele der Reform waren für die Reformer letztlich eine Steigerung der Effektivität und der Wirtschaftlichkeit der Verwaltung. &lt;br /&gt;
Man wollte zweierlei: Zum einen sollte gewährleistet werden, dass durch den Einsatz von hauptamtlichem Personal die Qualität der Verwaltungsarbeit verbessert werden kann, zum anderen sollte durch die Verlagerung staatlicher Aufgaben von den Landkreisen auf die künftig auch finanziell besser ausgestatteten Gemeinden eine größere Bürgernähe erreicht werden. Damit sollte dann letztendlich die kommunale Selbstverwaltung gestärkt werden &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mattern, Gebietsreform|Mattern, Gebietsreform]].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Durchführung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gemeindegebietsreform in Bayern war bereits seit 1969, seit der Finanzreform in Bayern, virulent. Allerdings galt zu dieser Zeit bis einschließlich  1. Januar 1976 die sogenannte &#039;&#039;Freiwilligkeitsphase&#039;&#039;, d.h. Gemeinden, die sich von den neuen Aufgaben der öffentlichen Verwaltung zu stark gefordert fühlten, sollten sich eigenständig zu größeren Einheiten zusammenschließen oder von größeren Gemeinden eingliedern lassen. Alle Gemeinden, die bis 1975 Beschlüsse nach den Eingemeindungsbeschlüssen des Bayerischen Innenministeriums zusammenschlossen, konnten mit staatlichen Zuschüssen rechnen. Allen Gemeinden, die dies nicht wie gefordert umsetzten, wurden die Zuschüsse gestrichen. Dieses Verhalten der Staatsregierung wurde von nicht wenigen Gemeinden als &#039;&#039;Angebotsdiktatur&#039;&#039; empfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Umsetzung im Landkreis Wasserburg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird das Augenmerk auf die Gemeindegebietsreform im Landkreis Wasserburg bzw. im ehemaligen Landkreis Wasserburg gerichtet. &lt;br /&gt;
Im Landkreis Wasserburg gab es mehrere Diskussions- und Streitfälle, von denen die folgenden drei näher beleuchtet werden sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stadt Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Plakat der  Protestbewegung2.jpg|mini|Plakat der Protestbewetung.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Edling Einig Frei.jpg|mini|Edling Einig Frei.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Edling muß wieder selbständig werden!.jpg|mini|Edling muß wieder selbständig werden!]]&lt;br /&gt;
Schon relativ früh war allen Beteiligten klar, dass Wasserburg entweder als Kreisstadt eines Kreises Wasserburg oder als Mittelzentrum, falls der Landkreis Wasserburg aufgelöst werden sollte, eine starke Einheitsgemeinde werden würde. Initiativen der Stadt Wasserburg, die bis ins Jahr 1969 zurückreichen, wonach die Gemeinden Attel, Edling, Penzing, Bachmehring, Aham und Freiham in die Stadt Wasserburg eingegliedert werden sollen, stießen bei den Entscheidungsträgern der betroffenen Gemeinden auf taube Ohren. Die Gemeinden Aham, Freiham, Bachmehring und Schönberg hatten ihrerseits bereits 1970 beim Bayerischen Innenministerium beantragt, sich zu einer Gemeinde zusammenschließen zu können, und zwar ohne Wasserburg. Da das Innenministerium entschieden hatte, dass Eingemeindungen bis 1976 nur auf freiwilliger Basis erfolgen könnten &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 94866|BayHStA, MINN 94866]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, schied eine Eingemeindung der neu entstandenen Gemeinde Eiselfing mit Aham, Freiham, Schönberg und Bachmehring nach Wasserburg aus &amp;lt;ref&amp;gt;Das Bayerische Innenministerium hatte dieser Planung zugestimmt. Im Schreiben vom 3.3.1971 werden die Bemühungen der Stadt Wasserburg, die angrenzenden Gemeinden in die Stadt zu integrieren, nicht erwähnt, die Stadt Wasserburg als Empfängerin dieses Schreibens auch zunächst gar nicht erwähnt und erst später handschriftlich eingefügt. In diesem Schreiben findet sich noch folgende handschriftliche Einfügung: &#039;&#039;Die Angelegenheit wurde am 24.8. mit Herrn LR Bauer besprochen. Der Landrat wird die Gemeinden ermuntern, ihre grundsätzl. Bereitschaft zu Grenzbereinigungen mit der Stadt Wasserburg zu erklären. Dagegen würde nach Meinung des Landrats der Zusammenschluß scheitern, wenn den Wünschen der Stadt Wasserburg auch nur annähernd entsprochen werden wollte.&#039;&#039; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 93901/I|BayHStA, MINN 93901/I]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits war die Stadt Wasserburg bemüht, neue Baugebiete auszuweisen, damit die Zuzugsmöglichkeiten nach Wasserburg offen blieben. Da die Stadt durch die Auflösung des Landkreises Wasserburg einen Bedeutungsverlust befürchtete, war diese Perspektive der Erweiterung für die Stadtväter wichtig. Und die Lage am Inn beschränkte die Erweiterungsmöglichkeiten. Viele Entscheidungsträger ermutigten demzufolge die Stadt dazu, ihre Erweiterungen im Westen zu suchen, also Reitmehring, Attel und Edling als Orte zu verstehen, die nach Wasserburg eingemeindet werden könnten. So betrieb man die Eingemeindung von Reitmehring, Attel und Edling aktiv und stieß gerade bei den Bewohnern von Attel und Edling auf heftigste Widerstände. Dort wollte man die eigene Unabhängigkeit bewahren und nach Wasserburg wollte man auf keinen Fall eingemeindet werden. So entstand die Gemeinde Eiselfing als Zusammenschluss der Gemeinden Aham, Freiham, Teilen von Schönberg und Bachmehring mit Zentrum in Kircheiselfing &amp;lt;ref&amp;gt; &#039;&#039;In ihrer heutigen Form ist die Kommune erst am 1. April 1971 durch die Zusammenlegung der bis dahin eigenständigen Gemeinden Aham, Bachmehring, Freiham und Schönberg entstanden und daher vergleichsweise jung. Ihren Namen erhielt die neue Gemeinde vom damaligen Hauptort Bachmehrings: Aus Kircheiselfing wurde Eiselfing&#039;&#039;. Vgl. https://www.landkreis-rosenheim.de/gemeinde/eiselfing/.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Damit war die Eingemeindung von Bachmehring nach Wasserburg gescheitert, was in Wasserburg mit Unverständnis aufgenommen wurde, da Wasserburg beim Innenministerium darauf insistiert hatte, dass Bachmehring zu Wasserburg eingemeindet werden solle, da die Ortschaft Bachmehring von Wasserburg mit Wasser versorgt werde und nach den Vorstellungen des Wasserwirtschaftsamtes in das überörtliche Kanalisationssystem der Stadt einschließlich Kläranlage einbezogen werden sollte &amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Schreiben der Stadt Wasserburg an das Landratsamt Wasserburg vom 6.4.1970, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 93901/II|BayHStA, MINN 93901/II]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dennoch beherzigte man den Grundsatz, dass, soweit möglich, keine Gemeinde gegen ihren Willen in eine andere Gemeinde eingemeindet würde. Die Bereitschaft zur Eingemeindung hat der Freistaat Bayern den betroffenen Gemeinden mit großzügigen Unterstützungen versüßt. &lt;br /&gt;
Ebenso verhielt es sich mit Penzing. Auch diese Gemeinde sollte nach dem Willen der Wasserburger Stadtväter nach Wasserburg eingemeindet werden, aber Penzing wollte auf keinen Fall ein Teil Wasserburgs werden und schloss sich deshalb mit Babensham und Teilen von Schönberg zur Gemeinde Babensham zusammen &amp;lt;ref&amp;gt;Der 2. Bürgermeister Kaiser betont die Bereitschaft, mit den umliegenden Gemeinden (das heißt: Attel, Penzing, Babensham, Schönberg, Evenhausen, Bachmehring, Aham, Freiham) eng zusammenzuarbeiten, sich zu vereinigen. Kaiser betont dabei, dass die Stadt Wasserburg großzügige Angebote an die Nachbargemeinden gemacht habe und darauf keine Antwort bekommen habe und dass manche Gemeinde ihre Ablehnung an Wasserburg in der Presse publiziert habe. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 93901/II|BayHStA, MINN 93901/II]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Aber die Gemeinde war nach den Vorgaben der Gemeindegebietsreform immer noch nicht lebensfähig. Deshalb wurde eine Verwaltungsgemeinschaft mit Eiselfing und Kling gebildet, die aber nur vom 1. Mai 1978 bis 31. Dezember 1979 Bestand hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wasserburg konnte sich deshalb nur nach Westen ausdehnen und hatte hier die Gemeinden Attel (mit Reitmehring) und Edling im Auge &amp;lt;ref&amp;gt;Bis 1976 waren Eingemeindungen nur auf freiwilliger Basis möglich. In einem Schreiben des 1. Bürgermeisters Huber der Gemeinde Edling an das Landratsamt Rosenheim vom 26.4.1973 wird hierzu ausgeführt, dass die Gemeinden Edling und Attel eine Einheitsgemeinde bilden wollten und nicht nach Wasserburg einverleibt werden wollten. Die Gemeinde Attel beschließt am 11.4.1973 mit 13:3 Stimmen eine Zusammenlegung mit Edling zu fordern. Aktennotiz des BayStM Innern (I B 3 - 3000 - 41a vom 10.10.1973): Staatssekretär Kiesl erklärt, er könne sich eine Einheitsgemeinde aus Pfaffing und Albaching durchaus vorstellen, mit einem Teil von Attel dazu. Der Rest von Attel sollte in die Stadt Wasserburg eingegliedert werden. Er bringt auch zum Ausdruck, dass die Stadt Wasserburg noch erheblich erweitert werden müsste. Der Staatsminister des Innern rate dazu, neben  Gabersee und Reitmehring auch Kircheiselfing und Bachmehring nach Wasserburg einzugemeinden. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 94866|BayHStA, MINN 94866]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Man erhoffte sich hiervon in Wasserburg neue Siedlungsgebiete, damit Wasserburg seiner Rolle als Mittelzentrum auch gerecht werden konnte. In der Gemeinde Attel versuchte man erfolglos, die Eingemeindung zu verhindern. Der Widerstand gegen die Eingemeindung war in Edling allerdings viel heftiger.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wiedererlangung der Selbstständigkeit wurde in Edling teilweise in einer Weise betrieben, als ginge es um die Wahrung der Freiheitsrechte der Menschen. Als im Mai 1978 endgültig verfügt wurde, dass Edling Teil der Stadt Wasserburg würde, kämpfte Edling nunmehr juristisch gegen diese Eingemeindung. Im Februar 1979 wurde die &#039;&#039;Bürgervereinigung zur Wiedererlangung der Eigenständigkeit der Gemeinde Edling&#039;&#039; gegründet. Vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof strengte man in einer Popularklage die Rücknahme der Eingemeindung an. Am 29. April 1981 entschied dann der Bayerische Verfassungsgerichtshof, &#039;&#039;dass die Auflösung der Gemeinde nach der Zielsetzung der Gemeindegebietsreform nicht geboten gewesen war &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Drax, Edling|Drax, Edling]].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&#039;&#039; Und weiterhin wird ausgeführt: &#039;&#039;[…] dass die für die Eingliederung von Edling in die Stadt Wasserburg sprechenden Gründe nicht gewichtig genug sind, um den Eingriff in den Fortbestand dieser Gemeinde zu rechtfertigen&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Drax, Edling|Drax, Edling]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gemeinde Albaching&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Gemeinde Albaching sollte aufgelöst werden und Teil der Gemeinde Pfaffing werden. Der Grund ist einfach. Albaching unterschritt die für eine Einzelgemeinde avisierte notwendige Einwohnerzahl von 5.000 deutlich. Dennoch regte sich großer Widerstand, der zu einer Klage führte. Über diese Klage wurde erst 1993 entschieden, sodass Albaching seit 1.1.1994 wieder eine eigenständige Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Pfaffing ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zillham / Schonstett / Halfing / Höslwang&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits im Frühjahr 1970 zeichnete sich ab, dass die Gemeinden Schonstett, Zillham, Halfing und Höslwang ihre Eigenständigkeit nicht würden wahren können. So gab es Gespräche der vier Gemeinden, was eine gewisse Brisanz entfaltete, weil sich Zillham und Schonstett im Landkreis Wasserburg befanden, während Höslwang und Halfing im Landkreis Rosenheim lagen. Im Bayerischen Innenministerium wollte man Gemeindegründungen, die Landkreisgrenzen überschritten, wohl so weit wie möglich vermeiden. Erst als im Frühjahr 1971 ruchbar wurde, dass der Landkreis Wasserburg aufgelöst werden würde, aktivierte man die Idee der Verwaltungsgemeinschaft neu und setzte sie in die Tat um. Ob der Wunsch im Bayerischen Innenministerium, diese Verwaltungsgemeinschaft zu ermöglichen, die Entscheidung, den Landkreis Wasserburg aufzulösen, beeinflusst hat, lässt sich aus den Quellen leider nicht bestätigen, zumal ein beachtlicher Teil der Akten des Landkreises Wasserburg nicht mehr auffindbar ist bzw. die Akten der Staatskanzlei immer noch nicht frei zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zillham wurde am 1. Januar 1971 in die Gemeinde Schonstett eingemeindet. Die Verwaltungsgemeinschaft Halfing mit den Mitgliedsgemeinden Höslwang, Halfing und Schonstett wurde 1978 gebildet und existiert seither.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Folgen der Gebietsreform ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Endergebnis hat Wasserburg als Mittelzentrum lediglich die Gemeinde Attel/Reitmehring samt ihrer zahlreichen zugehörigen Ortsteile eingemeinden können&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Wasserburg a. Inn zählen heute 22 Gemeindeteile: Attel, Attlerau, Au, Edgarten, Elend, Gabersee, Gern, Heberthal, Kobl, Kornberg, Kroit, Langwiederberg, Limburg, Osterwies, Reisach, Reitmehring, Rottmoos, Seewies, Staudham, Viehhausen, Wasserburg a.Inn, Weikertsham.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Allerdings ist doch festzustellen, dass gerade die ehemals eigenständige Gemeinde Attel/Reitmehring auch auf ein gewisses Eigenleben achtet. So gibt es eine Wählervereinigung, die für den Stadtrat kandidiert und auch Sitze im Stadtrat erzielt hat, die ausschließlich aus Reitmehringer Bürgern besteht. Attel führt durch die Stiftung Attl und das angeschlossene &#039;&#039;Zuhause für Menschen mit geistiger Behinderung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;So auf der Website der Stiftung Attl zu lesen, URL: https://www.stiftung.attl.de (29.9.2021).&amp;lt;/ref&amp;gt;ein gewisses Eigenleben. Die Menschen aus der Stiftung Attl sind aber bestens in die städtische Gesellschaft integriert. Insgesamt hat sich der Wirbel um die Gemeindegebietsreform zwischenzeitlich im Großen und Ganzen beruhigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Gemeindegebietsreform&amp;diff=12136</id>
		<title>Gemeindegebietsreform</title>
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		<updated>2021-10-03T23:52:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: /* Motivation und Ziele der Gemeindegebietsreform */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Gemeindegebietsreform im Bereich des (Alt-)Landkreises Wasserburg a. Inn&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zwischen 1969 und 1978 wurde in Bayern eine umfassende kommunale Gebietsreform durchgeführt. Diese bestand aus einer Gemeindegebietsreform, einer [[Kreisgebietsreform|Landkreisreform]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kreisgebietsreform|Vgl. den entsprechenden Artikel in diesem Lexikon.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und einer Funktionalreform &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mattern, Gebietsreform|Mattern, Gebietsreform]].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&#039;&#039; Im Zuge dieser Reform wurde sowohl die Zahl der Landkreise in Bayern (von 143 auf 71), als auch der kreisfreien Städte (von 48 auf 25) deutlich reduziert. Eine noch erheblichere Wirkung hatte jedoch die Gemeindegebietsreform, da hierdurch 5.021 der 7.073 Gemeinden in Bayern ihre Eigenständigkeit verloren &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mattern, Gebietsreform|Mattern, Gebietsreform]].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation und Ziele der Gemeindegebietsreform ==&lt;br /&gt;
Anders als in anderen Bundesländern basierte die Gebietsreform in Bayern, auch die Gemeindegebietsreform, nicht so sehr auf den Ergebnissen von wissenschaftlichen Kommissionen, sondern auf zahlreichen Gutachten und Meinungen verschiedener Gruppen aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mattern, Gebietsreform|Mattern, Gebietsreform]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Man wollte in Bayern  augenscheinlich Entscheidungen, welche die gewachsenen Traditionen der Gemeinden außer Acht lassen, vermeiden. Besonders augenfällig für eine fehlgeleitete Gemeindegebietsreform war in Hessen wohl die Gründung der Stadt Lahn als Zusammenschluss der Städte Gießen und Wetzlar nebst zahlreichen kleinen Gemeinden. Dieses Stadtkonstrukt hielt tatsächlich nur 31 Monate und gilt heute vielen als Musterbeispiel einer fehlgeleiteten Gebietsreform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bayern war die Gemeindegebietsreform, ähnlich wie die Kreisgebietsreform, geleitet vom Bewusstsein, dass der starke Wandel der Lebensverhältnisse vor allem im ländlichen Raum und die Ausweitung der öffentlichen Aufgaben in den Gemeinden zu einer Überforderung vor allem der ehrenamtlichen Bürgermeister und der weniger geschulten Verwaltungskräfte geführt habe und hat führen müssen. Die großen Ziele der Reform waren für die Reformer letztlich eine Steigerung der Effektivität und der Wirtschaftlichkeit der Verwaltung. &lt;br /&gt;
Man wollte zweierlei: Zum einen sollte gewährleistet werden, dass durch den Einsatz von hauptamtlichem Personal die Qualität der Verwaltungsarbeit verbessert werden kann, zum anderen sollte durch die Verlagerung staatlicher Aufgaben von den Landkreisen auf die künftig auch finanziell besser ausgestatteten Gemeinden eine größere Bürgernähe erreicht werden. Damit sollte dann letztendlich die kommunale Selbstverwaltung gestärkt werden &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mattern, Gebietsreform|Mattern, Gebietsreform]].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Durchführung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gemeindegebietsreform in Bayern war bereits seit 1969, seit der Finanzreform in Bayern, virulent. Allerdings galt zu dieser Zeit bis einschließlich  1. Januar 1976 die sogenannte &#039;&#039;Freiwilligkeitsphase&#039;&#039;, d.h. Gemeinden, die sich von den neuen Aufgaben der öffentlichen Verwaltung zu stark gefordert fühlten, sollten sich eigenständig zu größeren Einheiten zusammenschließen oder von größeren Gemeinden eingliedern lassen. Alle Gemeinden, die bis 1975 Beschlüsse nach den Eingemeindungsbeschlüssen des Bayerischen Innenministeriums zusammenschlossen, konnten mit staatlichen Zuschüssen rechnen. Allen Gemeinden, die dies nicht wie gefordert umsetzten, wurden die Zuschüsse gestrichen. Dieses Verhalten der Staatsregierung wurde von nicht wenigen Gemeinden als &#039;&#039;Angebotsdiktatur&#039;&#039; empfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Umsetzung im Landkreis Wasserburg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird das Augenmerk auf die Gemeindegebietsreform im Landkreis Wasserburg bzw. im ehemaligen Landkreis Wasserburg gerichtet. &lt;br /&gt;
Im Landkreis Wasserburg gab es mehrere Diskussions- und Streitfälle, von denen die folgenden drei näher beleuchtet werden sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stadt Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Plakat der  Protestbewegung2.jpg|mini|Plakat der Protestbewetung.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Edling Einig Frei.jpg|mini|Edling Einig Frei.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Edling muß wieder selbständig werden!.jpg|mini|Edling muß wieder selbständig werden!]]&lt;br /&gt;
Schon relativ früh war allen Beteiligten klar, dass Wasserburg entweder als Kreisstadt eines Kreises Wasserburg oder als Mittelzentrum, falls der Landkreis Wasserburg aufgelöst werden sollte, eine starke Einheitsgemeinde werden würde. Initiativen der Stadt Wasserburg, die bis ins Jahr 1969 zurückreichen, wonach die Gemeinden Attel, Edling, Penzing, Bachmehring, Aham und Freiham in die Stadt Wasserburg eingegliedert werden sollen, stießen bei den Entscheidungsträgern der betroffenen Gemeinden auf taube Ohren. Die Gemeinden Aham, Freiham, Bachmehring und Schönberg hatten ihrerseits bereits 1970 beim Bayerischen Innenministerium beantragt, sich zu einer Gemeinde zusammenschließen zu können, und zwar ohne Wasserburg. Da das Innenministerium entschieden hatte, dass Eingemeindungen bis 1976 nur auf freiwilliger Basis erfolgen könnten &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 94866|BayHStA, MINN 94866]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, schied eine Eingemeindung der neu entstandenen Gemeinde Eiselfing mit Aham, Freiham, Schönberg und Bachmehring nach Wasserburg aus &amp;lt;ref&amp;gt;Das Bayerische Innenministerium hatte dieser Planung zugestimmt. Im Schreiben vom 3.3.1971 werden die Bemühungen der Stadt Wasserburg, die angrenzenden Gemeinden in die Stadt zu integrieren, nicht erwähnt, die Stadt Wasserburg als Empfängerin dieses Schreibens auch zunächst gar nicht erwähnt und erst später handschriftlich eingefügt. In diesem Schreiben findet sich noch folgende handschriftliche Einfügung: &#039;&#039;Die Angelegenheit wurde am 24.8. mit Herrn LR Bauer besprochen. Der Landrat wird die Gemeinden ermuntern, ihre grundsätzl. Bereitschaft zu Grenzbereinigungen mit der Stadt Wasserburg zu erklären. Dagegen würde nach Meinung des Landrats der Zusammenschluß scheitern, wenn den Wünschen der Stadt Wasserburg auch nur annähernd entsprochen werden wollte.&#039;&#039; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 93901/I|BayHStA, MINN 93901/I]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits war die Stadt Wasserburg bemüht, neue Baugebiete auszuweisen, damit die Zuzugsmöglichkeiten nach Wasserburg offen blieben. Da die Stadt durch den Auflösung des Landkreises Wasserburg einen Bedeutungsverlust befürchtete, war diese Perspektive der Erweiterung für die Stadtväter wichtig. Und die Lage am Inn beschränkte die Erweiterungsmöglichkeiten. Viele Entscheidungsträger ermutigten demzufolge die Stadt dazu, ihre Erweiterungen im Westen zu suchen, also Reitmehring, Attel und Edling als Orte zu verstehen, die nach Wasserburg eingemeindet werden könnten. So betrieb man die Eingemeindung von Reitmehring, Attel und Edling aktiv und stieß gerade bei den Bewohnern von Attel und Edling auf heftigste Widerstände. Dort wollte man die eigene Unabhängigkeit bewahren und nach Wasserburg wollte man auf keinen Fall eingemeindet werden. So entstand die Gemeinde Eiselfing als Zusammenschluss der Gemeinden Aham, Freiham Teilen von Schönberg und Bachmehring mit Zentrum in Kircheiselfing &amp;lt;ref&amp;gt; &#039;&#039;In ihrer heutigen Form ist die Kommune erst am 1. April 1971 durch die Zusammenlegung der bis dahin eigenständigen Gemeinden Aham, Bachmehring, Freiham und Schönberg entstanden und daher vergleichsweise jung. Ihren Namen erhielt die neue Gemeinde vom damaligen Hauptort Bachmehrings: Aus Kircheiselfing wurde Eiselfing&#039;&#039;. Vgl. https://www.landkreis-rosenheim.de/gemeinde/eiselfing/.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Damit war die Eingemeindung von Bachmehring nach Wasserburg gescheitert, was in Wasserburg mit Unverständnis aufgenommen wurde, da Wasserburg beim Innenministerium darauf insistiert hatte, dass Bachmehring zu Wasserburg eingemeindet werden solle, da die Ortschaft Bachmehring von Wasserburg mit Wasser versorgt werde und nach den Vorstellungen des Wasserwirtschaftsamtes in das überörtliche Kanalisationssystem der Stadt einschließlich Kläranlage einbezogen werden sollte &amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Schreiben der Stadt Wasserburg an das Landratsamt Wasserburg vom 6.4.1970, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 93901/II|BayHStA, MINN 93901/II]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dennoch beherzigte man den Grundsatz, dass, soweit möglich, keine Gemeinde gegen ihren Willen in eine andere Gemeinde eingemeindet würde. Die Bereitschaft zur Eingemeindung hat der Freistaat Bayern den betroffenen Gemeinden mit großzügigen Unterstützungen versüßt. &lt;br /&gt;
Ebenso verhielt es sich mit Penzing. Auch diese Gemeinde sollte nach dem Willen der Wasserburger Stadtväter nach Wasserburg eingemeindet werden, aber Penzing wollte auf keinen Fall ein Teil Wasserburgs werden und schloss sich deshalb mit Babensham und Teilen von Schönberg zur Gemeinde Babensham zusammen &amp;lt;ref&amp;gt;Der 2. Bürgermeister Kaiser betont die Bereitschaft, mit den umliegenden Gemeinden (das heißt: Attel, Penzing, Babensham, Schönberg, Evenhausen, Bachmehring, Aham, Freiham) eng zusammenzuarbeiten, sich zu vereinigen. Kaiser betont dabei, dass die Stadt Wasserburg großzügige Angebote an die Nachbargemeinden gemacht habe und darauf keine Antwort bekommen habe und dass manche Gemeinde ihre Ablehnung an Wasserburg in der Presse publiziert habe. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 93901/II|BayHStA, MINN 93901/II]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Aber die Gemeinde war nach den Vorgaben der Gemeindegebietsreform immer noch nicht lebensfähig. Deshalb wurde eine Verwaltungsgemeinschaft mit Eiselfing und Kling gebildet, die aber nur vom 1. Mai 1978 bis 31. Dezember 1979 Bestand hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wasserburg konnte sich deshalb nur nach Westen ausdehnen und hatte hier die Gemeinden Attel (mit Reitmehring) und Edling im Auge &amp;lt;ref&amp;gt;Bis 1976 waren Eingemeindungen nur auf freiwilliger Basis möglich. In einem Schreiben des 1. Bürgermeisters Huber der Gemeinde Edling an das Landratsamt Rosenheim vom 26.4.1973 wird hierzu ausgeführt, dass die Gemeinden Edling und Attel eine Einheitsgemeinde bilden wollten und nicht nach Wasserburg einverleibt werden wollten. Die Gemeinde Attel beschließt am 11.4.1973 mit 13:3 Stimmen eine Zusammenlegung mit Edling zu fordern. Aktennotiz des BayStM Innern (I B 3 - 3000 - 41a vom 10.10.1973): Staatssekretär Kiesl erklärt, er könne sich Einheitsgemeinde aus Pfaffing und Albaching durchaus vorstellen, mit einem Teil von Attel dazu. Der Rest von Attel sollte in die Stadt Wasserburg eingegliedert werden. Er bringt auch zum Ausdruck, dass die Stadt Wasserburg noch erheblich erweitert werden müsste. Der Staatsminister des Innern rate dazu, neben  Gabersee und Reitmehring auch Kircheiselfing und Bachmehring nach Wasserburg einzugemeinden. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 94866|BayHStA, MINN 94866]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Man erhoffte sich hiervon in Wasserburg neue Siedlungsgebiete, damit Wasserburg seiner Rolle als Mittelzentrum auch gerecht werden konnte. In der Gemeinde Attel versuchte man erfolglos, die Eingemeindung zu verhindern. Der Widerstand gegen die Eingemeindung war in Edling allerdings viel heftiger.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wiedererlangung der Selbstständigkeit wurde in Edling teilweise in einer Weise betrieben, als ginge es um die Wahrung der Freiheitsrechte der Menschen. Als im Mai 1978 endgültig verfügt wurde, dass Edling Teil der Stadt Wasserburg würde, kämpfte Edling nunmehr juristisch gegen diese Eingemeindung. Im Februar 1979 wurde die &#039;&#039;Bürgervereinigung zur Wiedererlangung der Eigenständigkeit der Gemeinde Edling&#039;&#039; gegründet. Vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof strengte man in einer Popularklage die Rücknahme der Eingemeindung an. Am 29. April 1981 entschied dann der Bayerische Verfassungsgerichtshof, &#039;&#039;dass die Auflösung der Gemeinde nach der Zielsetzung der Gemeindegebietsreform nicht geboten gewesen war &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Drax, Edling|Drax, Edling]].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&#039;&#039; Und weiterhin wird ausgeführt: &#039;&#039;[…] dass die für die Eingliederung von Edling in die Stadt Wasserburg sprechenden Gründe nicht gewichtig genug sind, um den Eingriff in den Fortbestand dieser Gemeinde zu rechtfertigen&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Drax, Edling|Drax, Edling]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gemeinde Albaching&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Gemeinde Albaching sollte aufgelöst werden und Teil der Gemeinde Pfaffing werden. Der Grund ist einfach. Albaching unterschritt die für eine Einzelgemeinde avisierte notwendige Einwohnerzahl von 5.000 deutlich. Dennoch regte sich großer Widerstand, der zu einer Klage führte. Über diese Klage wurde erst 1993 entschieden, sodass Albaching seit 1.1.1994 wieder eine eigenständige Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Pfaffing ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zillham / Schonstett / Halfing / Höslwang&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits im Frühjahr 1970 zeichnete sich ab, dass die Gemeinden Schonstett, Zillham, Halfing und Höslwang ihre Eigenständigkeit nicht würden wahren können. So gab es Gespräche der vier Gemeinden, was eine gewisse Brisanz entfaltete, weil sich Zillham und Schonstett im Landkreis Wasserburg befanden, während Höslwang und Halfing im Landkreis Rosenheim lagen. Im Bayerischen Innenministerium wollte man Gemeindegründungen, die Landkreisgrenzen überschritten, wohl so weit wie möglich vermeiden. Erst als Frühjahr 1971 ruchbar wurde, dass der Landkreis Wasserburg aufgelöst werden würde, aktivierte man die Idee der Verwaltungsgemeinschaft neu und setzte sie in die Tat um. Ob der Wunsch im Bayerischen Innenministerium, diese Verwaltungsgemeinschaft zu ermöglichen, die Entscheidung, den Landkreis Wasserburg aufzulösen, beeinflusst hat, lässt sich aus den Quellen leider nicht bestätigen, zumal ein beachtlicher Teil der Akten des Landkreises Wasserburg nicht mehr auffindbar ist bzw. die Akten der Staatskanzlei immer noch nicht frei zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zillham wurde am 1. Januar 1971 in die Gemeinde Schonstett eingemeindet. Die Verwaltungsgemeinschaft Halfing mit den Mitgliedsgemeinden Höslwang, Halfing und Schonstett wurde 1978 gebildet und existiert seither.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Folgen der Gebietsreform ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Endergebnis hat Wasserburg als Mittelzentrum lediglich die Gemeinde Attel/Reitmehring samt ihrer zahlreichen zugehörigen Ortsteile eingemeinden können&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Wasserburg a. Inn zählen heute 22 Gemeindeteile: Attel, Attlerau, Au, Edgarten, Elend, Gabersee, Gern, Heberthal, Kobl, Kornberg, Kroit, Langwiederberg, Limburg, Osterwies, Reisach, Reitmehring, Rottmoos, Seewies, Staudham, Viehhausen, Wasserburg a.Inn, Weikertsham.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Allerdings ist doch festzustellen, dass gerade die ehemals eigenständige Gemeinde Attel/Reitmehring auch auf ein gewisses Eigenleben achtet. So gibt es eine Wählervereinigung, die für den Stadtrat kandidiert und auch Sitze im Stadtrat erzielt hat, die ausschließlich aus Reitmehringer Bürgern besteht. Attel führt durch die Stiftung Attl und das angeschlossene &#039;&#039;Zuhause für Menschen mit geistiger Behinderung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;So auf der Website der Stiftung Attl zu lesen, URL: https://www.stiftung.attl.de (29.9.2021).&amp;lt;/ref&amp;gt;ein gewisses Eigenleben. Die Menschen aus der Stiftung Attl sind aber bestens in die städtische Gesellschaft integriert. Insgesamt hat sich der Wirbel um die Gemeindegebietsreform zwischenzeitlich im Großen und Ganzen beruhigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Gumpeltsheimerstra%C3%9Fe&amp;diff=9869</id>
		<title>Gumpeltsheimerstraße</title>
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		<updated>2020-10-23T14:13:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Matthias Haupt|Matthias Haupt]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Matthias Haupt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gumpeltsheimerstraße&#039;&#039;&#039; [[Gehört zu::Straßennamen]] (Ortsstraße, Wasserburg a. Inn, statistischer Ortsteil Burgerfeld)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11,122&amp;amp;E=740378.30&amp;amp;N=5327714.71&amp;amp;zoom=13&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Grabdenkmal, Nr. 28, Gumpelzheimer, 1514, Portrait des Jörg Gumpelzheimer.jpg|240px|thumb|right|Portrait des Jörg Gumpelzheimer.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinnstiftende Benennung ohne Benennungsbeschluss des Stadtrates. Mit dem &amp;lt;nowiki&amp;gt;Straßennamen&amp;lt;/nowiki&amp;gt; wird die Bürger-, Patrizier-, Rats-, Stifter- und Handelsfamilie der Gumpeltsheimer/Gumpelzheimer/Gumpeltzhaimer (u.ä.) geehrt.&lt;br /&gt;
1927 gemäß einem Aktenvermerk bereits als Straßenname für die damals neue Straße festgelegt, ohne jedoch im Anschluss mitsamt einer umfangreichen Gruppe von &amp;lt;nowiki&amp;gt;Straßennamen&amp;lt;/nowiki&amp;gt; durch den Stadtrat bestätigt worden zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Aktenvermerk &#039;&#039;Neue und geänderte Strassennamen&#039;&#039;, April 1927, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II918|StadtA Wasserburg a. Inn, II918]]./ Sitzung des Stadtrates vom 12.4.1927, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3101|StadtA Wasserburg a. Inn, II3101]], 73-76.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Aktenvermerk gibt über die Benennungspraxis keinen Aufschluss, im Stadtratsprotokoll fällt der Straßenname nur im Zusammenhang mit einer anderen Wegebenennung.&amp;lt;ref&amp;gt;Festgelegt wurde die Benennung des &#039;&#039;Fußweg von der Heiligbrunnerstraße zur Gumpeltsheimerstraße bei Kurz&#039;&#039; als &#039;&#039;Liebhartweg&#039;&#039;. Beschluss des Stadtrates vom 12.4.1927, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3101|StadtA Wasserburg a. Inn, II3101]], 76.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Gumpeltsheimer-Genealogie.jpg|mini|Eduard Wimmers Geschichte und Genealogie der Gumpelzhaimer.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Somit ist unklar, ob die Verwaltung intendierte, die Familie oder ein bestimmtes Familienmitglied der Gumpeltsheimer ehren zu wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Geschichte der Familie in Wasserburg:&lt;br /&gt;
Am 10. Januar 1599 verstarb Jörg (Georg) Gumpeltsheimer, genannt der Jüngere, in Wasserburg. Er ist als bedeutender und reicher Patrizier - neben seinem Vater Georg Gumpelzhaimer dem Älteren - wohl als das bekannteste Familienmitglied der Wasserburger Linie zu nennen und hinterließ ein Vermögen von mehr als 100.000 Gulden. Georg Gumpeltsheimer war &#039;&#039;mit Maria Madtin (Martein?) verrheiratet und bewohnte in der Stadt das Haus Nr. 17 am Marienplatz (heute Goldbecker-Haus/Markthallen). Die vier Töchter aus dieser Ehe waren allesamt mit Rats- und Handelsherren Wasserburgs oder umliegender Städte verheiratet&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Birkmaier, Das Testament des Jörg Gumpeltsheimer|Birkmaier, Das Testament des Jörg Gumpeltsheimer]], 176.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sehr ausführliche handschriftliche &#039;&#039;Genealogie &amp;amp; Geschichte der zu Wasserburg, Trostberg, Augsburg, Linz und zuletzt in Regensburg angesessenen Gumpelzhaimer&#039;&#039; liegt im Stadtarchiv vor&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I3-225|StadtA Wasserburg a. Inn, I3-225]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I3-226|StadtA Wasserburg a. Inn, I3-226]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I3-227|StadtA Wasserburg a. Inn, I3-227]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, aus der jüngst Richard Charteris neue Erkenntnisse zum Musiker Adam Gumpelzhaimer gewinnen konnte, dem wohl bekanntesten Vertreter der Trostberger Linie.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Charteris, Two Canons by Adam Gumpelzhaimer|Charteris, Two Canons by Adam Gumpelzhaimer]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der bis 2019 erfolgten Neuerschließung des Alten Archivs der Stadt verzeichnet dieses 124 Archivalien zum Wasserburger Familienzweig bzw. zu deren Stiftungen.&lt;br /&gt;
Zuerst ist Bürger Hans Gumpelzhamer 1440 als Zeuge nachgewiesen&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], 1440 e./ Die Originalurkunde fehlt.&amp;lt;/ref&amp;gt;, ab 1510 haben Familienmitglieder (hier: Kämmerer Wolfgang Gumpelzhaimer/Gumpelzheimer) bedeutende Ratsämter inne.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c56|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c56]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die wohltätige Stiftungstätigkeit der Familie, zunächst als Zustiftung Georg Gumpelzhaimer des Älteren u.a. zum Reichen Allmosen 1586 (hier sollte jährlich für zehn Gulden schwarzes Wasserburger Tuch&lt;br /&gt;
gekauft und an Arme unverarbeitet zur Herstellung von Bekleidung gespendet werden)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a159|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a159]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, mündete schließlich in einer eigenständigen &#039;&#039;bürgerlichen Allmosen Stiftung für Allmosen, Heiratsverwilligungen, arme und kranke Bürger&#039;&#039;, die bis in das 19. Jahrhundert hinein nahezu lückenlos verfolgt werden kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführlichere Beschreibung der Stiftungen findet sich in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Nonnast, Armenwesen Wasserburg|Nonnast, Armenwesen Wasserburg]], 69-72.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Grabdenkmal,_Nr._28,_Gumpelzheimer,_1514|Ein Grabdenkmal]] des Wolfgang Gumpelzheimer (†1514), Jörg Gumpelzheimer (†1521) und der Magdalena Gumpelzheimer (†15xx) befindet sich an der [[Pfarrkirche St. Jakob (Außen)]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umfeld der Gumpeltsheimerstraße weitere, verschiedene Personen der Stadtgeschichte ehrende &amp;lt;nowiki&amp;gt;Straßennamen&amp;lt;/nowiki&amp;gt;. Hierunter finden sich sowohl solche Sinnstiftungen, die an historisch-bedeutende Wasserburger Bürgergeschlechter (Beispielsweise: Surauer - Surauerstraße oder Abraham Kern - Abraham-Kern-Straße) erinnern; jedoch benachbart auch Personen anderer Zeitstellungen mit ähnlicher Bedeutung für die Ortshistorie (Lehrerpersönlichkeiten/Geschichtsschreiber). (Beispielsweise: Heilingbrunner - Heilingbrunnerstraße,  Dionys Reithofer - Dionys-Reithofer-Straße oder Kaspar Brunhuber - Brunhuberstraße). Die Motivation für diese nicht stringent wirkende Benennungspraxis oder für die Kombination und Auswahl der zu Ehrenden bleibt unklar.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Matthias Haupt}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=M%C3%BCnzst%C3%A4tte_und_M%C3%BCnzpr%C3%A4gung&amp;diff=9319</id>
		<title>Münzstätte und Münzprägung</title>
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		<updated>2020-06-25T23:18:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Hubert Emmerig|Hubert Emmerig]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Hubert Emmerig]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Münzstätte und Münzprägung in Wasserburg&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beitrag folgt weitgehend [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], insbesondere 147-187, enthält aber auch neue Erkenntnisse und Sichtweisen. Auch der [[Münzstätte_und_Münzprägung#Quellen_zur_Geschichte_der_M.C3.BCnzst.C3.A4tte_und_M.C3.BCnzpr.C3.A4gung_in_Wasserburg_.28Anhang.29.5B33.5D|Anhang]] mit der Liste der relevanten Quellen findet sich dort so nicht und enthält zudem viele Neufunde und einige wichtige Quellen erstmals im Volltext. Matthias Haupt danke ich für seine Unterstützung sehr herzlich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Artikel wird derzeit erstellt. Wir bitten noch um etwas Geduld.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einleitung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seit der am 19. November 1392 beurkundeten Landesteilung gab es vier bayerische Herzogtümer: Bayern-München (Johann II.), Bayern-Ingolstadt (Stephan III.), Bayern-Landshut (Friedrich) und (schon länger) Bayern-Straubing-Holland. Am 31. Oktober 1395 schlossen die Herzöge dieser Herzogtümer mit dem Regensburger Bischof und mit der Stadt Regensburg einen umfangreichen Münzvertrag. Die Stadt Wasserburg, vorher zu Oberbayern gehörend, kam bei der Landesteilung 1392 an Bayern-Ingolstadt. Diese Linie starb im Jahr 1447 aus, das Land fiel infolgedessen an Bayern-Landshut. Nun wurde Wasserburg Sitz eines Rentmeisteramtes, also einer mittleren Einrichtung der Finanzverwaltung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes dieser Herzogtümer von 1392 prägte seine eigenen Münzen in eigenen Münzstätten. In der Münzpolitik sprachen sich die bayerischen Herzöge auch nach 1395 meist untereinander ab, es gibt allerdings auch Perioden, in denen sie sich nicht auf eine gemeinsame Münzpolitik einigen konnten. Die Absprachen betrafen das Aussehen der Pfennige, aber auch deren Münzfuß, der für den Wert der Pfennige verantwortlich war: dabei ging es um das Gesamtgewicht der Pfennige (Raugewicht) und den Anteil des Silbers daran (Feingehalt), für den Wert entscheidend war dann das Feingewicht, also das enthaltene Feinsilber. Geprägt wurden Pfennige und zeitweise auch halbe Pfennige (Hälblinge); zwei dieser Pfennige waren einen Regensburger Pfennig wert. Größere Münzeinheiten wurden in Bayern nicht hergestellt, kamen aber aus anderen Territorien ins Land. Als Recheneinheiten für größere Beträge wurden in Bayern Pfund und Schilling nach dem folgenden System verwendet: 1 Pfund Pfennige = 8 Schilling Pfennige = 240 Pfennig; 1 Schilling = 30 Pfennig. Dies sind reine Zähleinheiten, keine größeren Münzen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herzogtum Bayern-Ingolstadt kennen wir sieben Münzstätten, in denen die Prägung stattfand. In den Kernlanden und Besitzungen in Oberbayern lagen die Hauptmünzstätte in der Residenzstadt Ingolstadt (kreisfreie Stadt, Oberbayern), die ebenfalls gut belegte Münzstätte in Wasserburg (Lkr. Rosenheim, Oberbayern) sowie die nur minimal im Jahr 1405 belegte Münzstätte in Aichach (Lkr. Aichach-Friedberg, Schwaben). Vier weitere Münzstätten sind in den Besitzungen auf dem Nordgau bekannt, die bei der Auflösung der sogenannten &#039;&#039;Böhmischen Pfandschaft&#039;&#039; an Bayern-Ingolstadt fielen. Sie liegen heute in den Regierungsbezirken Oberpfalz und Mittelfranken: Freystadt (Lkr. Neumarkt i. d. OPf., Oberpfalz), Hersbruck (Lkr. Nürnberger Land, Mittelfranken), Hilpoltstein (Lkr. Roth, Mittelfranken) und Lauf a. d. Pegnitz (Lkr. Nürnberger Land, Mittelfranken). Auch für diese liegen nur relativ wenige konkrete und aussagekräftige Angaben und Erwähnungen vor. Aichacher Prägungen kennen wir bisher nicht. Auch die Zuweisung von Pfennigen an die Münzstätten auf dem Nordgau ist schwierig und weitgehend unsicher.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in diesem Beitrag genannten Archivalien sind im Quellenverzeichnis am Ende mit Nachweisen aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte der Wasserburger Münzstätte==&lt;br /&gt;
Die erste Erwähnung Wasserburgs im Zusammenhang mit der Münzprägung stammt vom 6. Juni 1391, also aus dem Jahr vor der Landesteilung. Die drei noch gemeinsam regierenden Herzöge Stephan III. (1375-1413), Friedrich (1375-1393) und Johann II. (1375-1397) legten fest, in ihrem (noch ungeteilten) Land solle nur in München geprägt werden. Es wurde ein Aufsichtsgremium über die Münzstätte eingesetzt, in dem neben sieben Männern aus dem Rat und der Umgebung der Herzöge und drei Vertretern Münchens auch die Städte Ingolstadt, Landshut und Wasserburg mit jeweils einem ihrer Bürger einen Sitz hatten. Wasserburg wurde hier von Marquard Aysinger vertreten. Nach dem Wortlaut der Urkunde ist die Existenz einer Münzstätte in Wasserburg zu dieser Zeit auszuschließen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 608 Nr. R 63./ Zu Aysinger vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 187.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das bestätigt wohl auch die Urkunde der Herzöge vom 27. September 1391, die an Pfennigen nur die Münchner im Geldumlauf zuließ. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 610 f. Nr. R 71.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor der Landesteilung, am 21. Mai 1392, hatten die Testamentsvollstrecker Johanns von Prunnheim Regelungen über einen für das Spital in Amberg (kreisfreie Stadt, Oberpfalz) gekauften Jahreszins beurkundet. Unter den drei Testamentsvollstreckern findet sich nicht nur der Amberger Münzmeister Heinrich Kegler, sondern auch Meister Niklas von Wasserburg, damals Stadtprediger zu Amberg. Der Name Niklas wird uns beim Münzpersonal in Wasserburg permanent begleiten, ein Münzmeister taucht auch auf, trotzdem wird dieser Niklas nichts mit der Wasserburger Münzstätte zu tun haben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vielleicht erste Beleg für die Wasserburger Münzstätte besteht in zwei Urkunden, die nicht im Original überliefert sind. In ihnen habe Herzog Stephan &#039;&#039;die münss zue Wasserburg Niclasen Smelczer und Herman Munsmaistter bevolhen und verlassen&#039;&#039;. Die Quellen sind zwei Ingolstädter Archivinventare. Somit handelt es sich um Herzog Stephan III. von Bayern-Ingolstadt (1392-1413, Herzog seit 1375), zu datieren sind die beiden Urkunden wohl nach der Landesteilung vom 19. November 1392. Die Münzstätte wurde zwei Männern übergeben, die als Smelczer (Schmelzer) und Münzmeister bezeichnet werden. Es wird sich wohl um ihre Berufsbezeichnungen handeln. Niklas wäre dann für die Schmiede, in der das Metall verarbeitet wurde, verantwortlich gewesen, während Hermann für die münzspezifischen Aufgaben zuständig gewesen wäre, also z. B. Fragen der richtigen Legierung und Stückelung der Münzen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 600 Nr. R 21, R 22, vgl. auch 936, 946.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber schon hier können wir nicht sicher sein, ob Smelczer und Münzmeister Berufsbezeichnungen oder (aus Berufsbezeichnungen entstandene) Nachnamen sind. Im zweiteren Fall könnte man vermuten, dass Niklas vorher im Bergbau tätig gewesen sein könnte, während Hermann wirklich aus der Münzbranche gekommen wäre. Die Datierung der Urkunden kann wohl noch auf spätestens 1408 eingegrenzt werden, da aus diesem Jahr eine Quittung für Niklas Smelczer vorliegt, auf die wir gleich zurückkommen. Die Frage, ob der Begriff Münzmeister eine aktuelle Berufstätigkeit in dieser Branche belegt, oder ein auf die frühere berufliche Tätigkeit verweisender Nachname ist, wird sich im 15. Jahrhundert noch viel drängender stellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden nicht erhaltenen Anstellungsurkunden für die beiden Männer in der Münzstätte dürften wohl bald nach der Landesteilung oder allenfalls im Jahr 1393 ausgestellt worden sein. Denn bereits aus dem Januar 1394 liegt eine erste Urkunde vor, welche eine Zahlung mit Wasserburger Pfennigen vorsah. Ab dem 22. Januar 1394 gibt es nun eine beträchtliche Reihe von solchen Nachweisen, wenn auch derzeit nicht im Volltext publiziert und vielfach nur mit sehr vagen Angaben in einem kleinen Aufsatz von Bürgermeister Christoph Schnepf von 1887 erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]]./ Inhaltlich wie textlich fast identisch ist: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger und Haager Münzen|Schnepf, Wasserburger und Haager Münzen]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch sie sind im [[Münzstätte_und_Münzprägung#Quellen_zur_Geschichte_der_M.C3.BCnzst.C3.A4tte_und_M.C3.BCnzpr.C3.A4gung_in_Wasserburg_.28Anhang.29.5B33.5D|Anhang]] aufgelistet. Es kommen hier wohl im Wesentlichen zwei Formulierungen vor: Wasserburger Pfennige; Wasserburger Währung. Beide Formulierungen dürften wohl Belege für Prägungen der Wasserburger Münzstätte sein; die vagere Formulierung, bei der man Zweifel haben könnte, wären etwa Pfennige, die in Wasserburg gang und gäbe sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Kombination beider Formulierungen in der Urkunde vom 10. Juli 1406: &#039;&#039;alles guter und genger Wasserburger pfenning oder die munss, die dann da für geng und gäbe ist&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine letzte Erwähnung von Wasserburger Münze findet sich nach Schnepf in einer Urkunde aus dem Jahr 1456.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahr 1395 setzt eine weitere wichtige Reihe von Quellenbelegen ein. In den Münchner Kammerrechnungen werden immer wieder Bezahlungen bzw. Spesenersatz für Personen abgerechnet, die wegen der Münze in Wasserburg waren, oder sonstige Ausgaben in diesem Zusammenhang verbucht. Zahlungen erfolgten: am 28. Oktober 1395 an Ludwig Potschner und Vinger, die wegen der Münze in Wasserburg waren; am 12. März 1396 für den Kauf von 7 Schilling 2 Pfennig Wasserburger Pfennigen (also 212 Pfennig) für eine Metallanalyse; am 11. November 1396 an Krell, der wegen der Münze in Wasserburg und Hall war; am 25. Dezember 1396 an einen Boten, der wegen des Wechsels in Wasserburg war; kurz vor dem 25. Juli 1400 an einen Boten, der wegen der Münze in Wasserburg war; am 24. Juni 1406 (oder wenig später) an einen Boten, der wegen der Münze in Wasserburg war; am 25. Juli 1406 für den Kauf von (wohl 150) Wasserburger Pfennigen für eine Metallanalyse. Der Kauf von Pfennigen weist wohl auf einen vorherigen Einschnitt in der Münzprägung hin. In beiden Fällen, 1396 und 1406, gab es vorher einen neuen Münzvertrag (1395 Oktober 31; 1406 Juli 19).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also ziemlich eindeutige und dichte Belege, dass einerseits seit dem Januar 1394 in Wasserburg geprägt wurde und andererseits auch ganz konkret nach Abschluss der beiden Münzverträge von 1395 und 1406 geprägt wurde; die Stadt München beschaffte sich dann solche neuen Pfennige, um zu kontrollieren, ob die Vorgaben des Münzvertrags eingehalten wurden. Wäre das nicht der Fall gewesen, so hätte sie ihre Bürger vor den neuen Pfennigen gewarnt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Münzvertrag vom 31. Oktober 1395 enthält aber u. a. die folgende Regelung: Jeder Fürst solle nur in einer Münzstätte prägen: Stephan III. und Ludwig VII. (1413-1443, † 1447) in Ingolstadt; Johann II. und Ernst (1397-1438) in München; Heinrich XVI. (1393-1450), falls er prägen werde, in Landshut. Somit wäre die Münzprägung in Wasserburg nach diesem Vertrag ab November 1395 einzustellen gewesen, was ziemlich sicher nicht geschehen ist.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 10. Juni 1408 quittierte Herzog Stephan III. seinem Münzmeister Niclas Smelczer die vollständige Abrechnung und Bezahlung des Schlagschatzes bis zum vergangenen 24. April 1408. Dabei handelt es sich um den Gewinn, den der Herzog aus der Münzprägung erhält. Er liegt normalerweise in einer Größenordnung von 2 bis 3 % vom verarbeiteten Silber. Die Urkunde nennt leider keinen Betrag. Wenn die Vermutung richtig ist, dass die verschollene Anstellungsurkunde für Niklas Smelczer gegen Ende 1392 oder im Jahr 1393 ausgestellt wurde, dann hätte er seine Stelle inzwischen etwa 15 Jahre lang innegehabt. Umso mehr überrascht es, dass er offenbar in den Wasserburger Urkunden ansonsten nicht auftaucht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. allerdings den &#039;&#039;des Schmeltzer gartten&#039;&#039; in einer Urkunde vom 19. Januar 1482. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a559|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a559]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Urkunde betrifft ebenfalls die Finanzen im Umkreis der Münzstätte. Am 28. Februar 1413 bekannte Herzog Stephan III., der &#039;&#039;Margreten, Otten unsers Sröters säligen hawsfrawn, burgerynn zu Munchen&#039;&#039; 370 Gulden zu schulden, die er ihr derzeit nicht zurückzahlen könne. Er verschrieb ihr deshalb einen Teil des Schlagschatzes der Wasserburger Münzstätte: Von jeder Mark Silber, die verarbeitet würde, sollte sie 3 Pfennig erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Vergleich: Im Jahr 1396 wurde in der Münzstätte München der (gesamte) Schlagschatz von 3,5 auf 4 Pfennig pro Mark Silber erhöht. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 548.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Jahr 1413 lag der Kurs des Guldens etwa bei 174 Pfennig.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Spufford, Handbook of medieval exchange|Spufford, Handbook of medieval exchange]], 270.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie hätte also Anspruch auf 64.380 Pfennig gehabt; zu einer vollständigen Rückzahlung wäre also die Verarbeitung von 21.460 Mark Silber notwendig gewesen. Für das Markgewicht wird man wohl das in Ingolstadt und München übliche zu etwa 224,5 g ansetzen dürfen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 948 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dann wäre dafür also die Verarbeitung von 4.818 kg Silber erforderlich gewesen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fassen wir die Lage bis 1413 zusammen: Vieles spricht für einen Prägebeginn im Jahr 1393. Die Währungsnennungen und die regelmäßigen Kontaktaufnahmen aus München machen eine Prägung auch in den nächsten Jahren wahrscheinlich. Am konkretesten sind die Belege von 1396 und 1406, als neue Pfennige in Wasserburg für die Probierung erworben wurden. Die Schlagschatzabrechnung bis 24. April 1408 und die Verpfändung eines Schlagschatzteils in beachtlicher Höhe ab 28. Februar 1413 legen nahe, von einer mehr oder weniger kontinuierlichen Prägung von 1393 bis zum Tod Stephans III. am 25. September 1413 auszugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Niklas und Hermann Münzmeister==&lt;br /&gt;
Stephan III. folgte sein Sohn Ludwig VII. in der Herrschaft nach. Dieser kam aber erst Anfang 1415 aus Frankreich zurück, wo er lange gelebt hatte. Im Jahr 1414 taucht erstmals Niklas Münzmeister in den Urkunden auf. Es sind bis jetzt 20 Urkunden bekannt, in denen er genannt ist, bevor er 1451 als verstorben erwähnt wird. In zwei Fällen steht neben Niklas auch ein Hermann Münzmeister, 1416 und 1425. Am 9. Juli 1416 waren beide Beisitzer bei einem Gerichtsentscheid, Hermann und Niklas. Am 31. Januar 1425 stehen sie in einer längeren Zeugenliste nebeneinander, Niklas vor Hermann. Im Jahr 1437 ist Niklas in zwei Fällen mit seiner Frau Anna genannt. 1446 verschrieb er den Sondersiechen einen Zins; in diesem Zusammenhang sind seine Frauen Ottilie und Anna genannt. Die zweite Frau Anna wird wohl die 1431 erwähnte Witwe Anna Martein sein, so dass die beiden 1451 genannten Stiefsöhne Christoff und Erasm Martein deren Kinder aus erster Ehe waren.&amp;lt;ref&amp;gt;1431 Juni 6. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a99|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a99]]. – 1451 Mai 4 (2 Urkunden), [[Münzstätte_und_Münzprägung#Quellen_zur_Geschichte_der_M.C3.BCnzst.C3.A4tte_und_M.C3.BCnzpr.C3.A4gung_in_Wasserburg_.28Anhang.29.5B33.5D|siehe Anhang]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde vom 27. Juli 1451 ist Niklas Münzmeister als verstorben erwähnt. Erst am 4. Mai 1451 hatten Bürgermeister und Rat der Stadt seine testamentarischen Verfügungen beurkundet, vermutlich war er auch zu dieser Zeit bereits verstorben: Er stiftete eine ewige Messe in St. Jakob auf dem Hl.-Geist-Altar, sein Haus vererbte er an seine Stiefsöhne Christoff und Erasm Martein, sein übriges Hab und Gut sollte für Baukosten der Pfarrkirche St. Jakob und der Frauenkirche angelegt werden. Ein Ewiggeld in Höhe von 15 Pfund Pfennigen, das vom Haus an die Messstiftung gehen sollte, ersetzten die Stiefsöhne in einer Urkunde vom selben Tag durch die Stiftung von vier Gütern, davon eines mit See, und einem Anger an die Messstiftung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst die Tätigkeiten und Funktionen, mit denen Niklas Münzmeister in der erwähnten Urkundenreihe genannt ist:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1414 Juli 23  -  Zeuge bzw. Gerichtsbeisitzer&lt;br /&gt;
* 1415 Oktober 18  -  er kauft ein Grundstück&lt;br /&gt;
* 1416 Mai 10  -  Rat zu Wasserburg&lt;br /&gt;
* 1416 Juli 9  -  Hermann und er sind Gerichtsbeisitzer&lt;br /&gt;
* 1417 Dezember 13  -  Jörg Wagner zu Salzburg schuldet ihm 40 Dukaten bzw. Gulden&lt;br /&gt;
* 1421 Juni 30  -  er kauft ein Grundstück&lt;br /&gt;
* 1423 September 7  -  er kauft mit seiner Frau diverse Einkünfte&lt;br /&gt;
* 1425 Januar 31  -  er und Hermann sind Zeugen&lt;br /&gt;
* 1425 Februar 5  -  Spitalmeister&lt;br /&gt;
* 1426 August 27  -  er kauft mit seiner Frau einen Krautacker&lt;br /&gt;
* 1437 April 23  -  er und seine Frau Anna verschreiben den Sondersiechen einen Zins&lt;br /&gt;
* 1437 September 1  -  er und seine Frau Anna übergeben den Sondersiechen ein Ewiggeld&lt;br /&gt;
* 1439 April 9  -  er kauft einen halben Krautacker&lt;br /&gt;
* 1445 August 3  -  Kirchenpropst von St. Jakob&lt;br /&gt;
* 1445 August 5  -  Kirchenpropst von St. Jakob&lt;br /&gt;
* 1446 März 20  -  er verkauft einen Krautacker&lt;br /&gt;
* 1446 Oktober 18  -  er verschreibt den Sondersiechen einen Anger (seine Frauen Ottilie und Anna erwähnt)&lt;br /&gt;
* 1448 März 18  -  Zechpropst der St. Jakob-Pfarrkirchenstiftung&lt;br /&gt;
* 1450 Oktober 16  -  Kirchenpropst der Pfarrkirche St. Jakob&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Liste gibt es einige zeitliche Lücken: 1418-1420, 1427-1436, 1440-1444. Ich halte es trotzdem für sehr unwahrscheinlich, dass es sich um zwei verschiedene Personen gleichen Namens handelt, also z. B. Vater und Sohn. Darauf gibt es keinen Hinweis.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem überaus aktiven Niklas Münzmeister steht der nur zweimal erwähnte Hermann gegenüber, der als Gerichtsbeisitzer und Urkundenzeuge genannt ist. Beide Personen fallen zunächst durch ihre Parallelen zum Münzpersonal unter Herzog Stephan III. auf. Damals wurden Niklas Smeltzer und Hermann Münzmeister angestellt, jetzt sind Münzmeister mit den Namen Niklas und Hermann belegt. So stellen sich neue Fragen: Könnte es sich um dieselben Personen handeln, Niklas, der sich früher Smelczer nannte, wegen seiner langjährigen Tätigkeit in der Münzstätte jetzt aber Münzmeister hieß? Etwa 1393 bis 1451, das wäre ein enorm langes aktives Leben, 58 Jahre vom ersten Nachweis bis zum Tod – das ist wohl wenig wahrscheinlich. Aber vielleicht ist Niklas Münzmeister der Sohn von Niklas Smelczer? Derselbe Vorname, dieselbe Branche, das wäre denkbar.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hermann Münzmeister, 1425 das letzte Mal genannt, könnte sehr wohl derselbe wie der in den 1390er Jahren gewesen sein. Eine weitere Frage ist das Verhältnis zwischen Niklas und Hermann. Da bei den zwei gemeinsamen Nennungen die Reihenfolge wechselt, möchte ich ein Vater-Sohn-Verhältnis ausschließen; der Wechsel spricht für eine gleichberechtigte Stellung, also Geschwister (oder hätte hier der ältere den Vorrang?) oder keine Verwandtschaft? Diese Fragen können derzeit nicht beantwortet werden. Vielleicht tauchen aber noch Quellen auf, die uns hier weiterbringen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings hat man sogleich Zweifel, ob &#039;&#039;Münzmeister&#039;&#039; hier wirklich ihre Tätigkeit in diesem Amt oder nur einen Familiennamen bedeutete. In der Liste des urkundlichen Auftretens der beiden Männer fällt auf, dass keinerlei münzspezifische Aktivitäten erkennbar sind. Niklas war offenbar reich und angesehen. Er kaufte Immobilien und Geldanlagen und war ein engagierter Mann, der als Gerichtsbeisitzer und Zeuge herangezogen wurde, vor allem aber für kirchliche und karitative Einrichtungen vielfach tätig war. Er heiratete eine Witwe aus der Familie Martein, die wiederum später über eine Heiratsverbindung zu den Fröschl verfügte.&amp;lt;ref&amp;gt;1480 November 4. Elspet Fröschl ist die Schwester von Erasm und Christoph Martein, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a469|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a469]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch auf diese beiden Familien gehen wichtige Stiftungen in Wasserburg zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Martein: vgl. z. B. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., althertümliche silberne Monstranz|o.V., althertümliche silberne Monstranz]]./ Fröschl: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Nonnast, Armenwesen Wasserburg|Nonnast, Armenwesen Wasserburg]], 66-68.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Ende der Wasserburger Münzprägung==&lt;br /&gt;
Es ist deshalb zu fragen: Welche Belege für eine Münzprägung haben wir vom Herrschaftsantritt Ludwigs VII. 1413 bis zum Aussterben der Ingolstädter Linie 1447? Die Nennungen von Wasserburger Pfennigen und Wasserburger Währung laufen in diesem Zeitraum weiter. Als zuverlässigen Beweis für eine Prägung wird man das aber nicht ansehen können. Auch sollte man sich dann die konkreten Formulierungen ansehen, die mir nicht vorliegen. Die Nennung von Wasserburger Währung könnte jedenfalls auch aus Gewohnheit fortgesetzt worden sein, obwohl nun nur mehr das in Wasserburg übliche Geld damit gemeint war. Die Archivalien liefern derzeit keine positiven Belege.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man sich aber die münzpolitische Entwicklung des Herzogtums unter Ludwig VII. anschaut, ergibt sich eine neue Perspektive. Ludwig kam also erst 1415 nach Bayern, wo es zu einem Konflikt mit Herzog Heinrich XVI. von Landshut kam, der im bayerischen Krieg von 1420 bis 1422 seinen Höhepunkt erreichte. Münzpolitisch wurde Ludwig erstmals am 22. Januar 1419 aktiv. Er schrieb die Stadt Regensburg an und teilte mit, er habe bisher nicht geprägt, um nicht gegen den Münzvertrag von 1395 zu verstoßen. Nun herrsche aber Mangel an Münze. Die Stadt antwortete ihm korrekt, dass der Vertrag von 1395 nicht mehr gültig sei. Am 25. Juli 1421 fasste er den Entschluss, wieder zu prägen. Es kam wirklich zur Aufnahme der Prägung, im August 1421 ist in den Ingolstädter Rentmeisteramtsrechnungen die neue Münze erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu ausführlich: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 160-165 mit den Nachweisen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Entwicklung belegt wohl den Abbruch der Münzprägung mit dem Amtsantritt Ludwigs VII., also wohl 1413. Die Aufnahme der Prägung 1421 ist nur in Ingolstadt belegt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zuletzt die Typologie der Münzen, die später noch genauer vorgestellt werden. Bis 1406 wurden in Bayern einseitige Pfennige geprägt, die ein Bild tragen, das auf den Sitz der Münzstätte hinweist. Solche Pfennige mit dem Wasserburger Wappen liegen vor. Ab 1406 wurden zweiseitige Pfennige geprägt, und zwar nach folgendem System, das im Vertrag vom 19. Juli 1406 formuliert wurde:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;[...] und sol geprägtt werden in yeder stat mit derselben stat zaichen auf ayner seitten und mit des herren und fürsten seins namen des ersten püchstaben auf der andern seitten kuntlich, also das man ains ieglichen herren münzz für des andern aigenlich erchennen müg&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 31-33 und 660 f. Nr. R 300 mit allen Nachweisen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das Zeichen der Stadt – wie auch schon vor 1406 – und auf der anderen Seite jetzt der Anfangsbuchstabe des Vornamens des Fürsten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die einseitigen Prägungen folgten im Ingolstädter Herzogtum Münzen mit den Buchstaben SL bzw. sl für Stephan III. und Ludwig VII. Trotz der weitgehenden Abwesenheit des Sohnes verstand sich die Herrschaft offenbar als eine gemeinsame. Die 1421 einsetzenden Prägungen Ludwigs in Ingolstadt tragen dementsprechend ein Majuskel-L. Für Wasserburg liegen solche Prägungen nicht vor.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So spricht alles dafür, das Ende der Wasserburger Münzprägung bereits im Jahr 1413 mit dem Tod Herzog Stephans III. anzusetzen. Niklas und Hermann Münzmeister müssen wir dann nur als Träger dieses Namens, nicht aber als in diesem Beruf tätige Personen ansehen. Umso wahrscheinlicher sind dann die vermutete Identität und Verwandtschaftsbeziehung mit den beiden wirklich noch in der Münzstätte tätig gewesenen Männern der 1390er Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Münzmeister-Benefizium==&lt;br /&gt;
Die Beurkundung des Nachlasses von Niklas Münzmeister durch Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg am 4. Mai 1451 stellt zugleich die Stiftungsurkunde des sogenannten Münzmeister-Benefiziums dar, der Stiftung einer ewigen Messe in der Pfarrkirche St. Jakob am Heilig-Geist-Altar. Die Stiftung wurde mit einem Ewiggeld in Höhe von 15 Pfund Wasserburger Pfennigen aus dem an die Stiefsöhne Christoff und Erasm Martein vererbten Haus ausgestattet. Am selben Tag, dem 4. Mai 1451, ersetzten die beiden Stiefsöhne die 15 Pfund Pfennige Ewiggeld durch die Stiftung von vier Gütern in Pernham, Bachmehring, Kohlgrub und Surbrunn (mit dem dortigen See) sowie einem Anger in Spielberg. Es folgten noch im gleichen Jahr weitere Urkunden: Am 27. Juli 1451 erwarben Bürgermeister und Rat ein halbes Pfund Pfennige Ewiggeld von einem Krautacker für das Münzmeister-Benefizium. Am 29. September 1451 regelte das Kloster Attel das städtische Präsentationsrecht für die Stiftung. 1452 wurde in [[St. Jakob]] die [[St._Jakob#Der_Neubau_des_Chors_und_der_Sakristei_1445_bis_1448.2F52_durch_Stephan_Krumenauer|Münzmeisterkapelle]] fertiggestellt (heute: Herz-Jesu-Kapelle).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dehio, Kunstdenkmäler Oberbayern|Dehio, Kunstdenkmäler Oberbayern]], 1249./ Vgl. auch: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bezold, Bezirksämter Traunstein und Wasserburg|Bezold, Bezirksämter Traunstein und Wasserburg]], 2071, 2088 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 17. März 1453 stifteten die drei Brüder Schonsteter auf Schloss Warnbach der Stiftung einen Zehnt. Im Jahr 1453 wurde offenbar ein Glas(fenster?) zur Erinnerung an Niklas Münzmeister in Auftrag gegeben. Ruprecht Fudrer aus Passau quittierte dafür am 16. April 1453 den Empfang von 64 Pfund Pfennigen. Die folgende Liste von Urkunden, welche diese Stiftung betreffen, verdeutlicht deren wirtschaftliche Aktivitäten und Geldgeschäfte, bei welchen vor allem Gelder langfristig gegen jährliche Ewiggeldzahlung angelegt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bezold, Bezirksämter Traunstein und Wasserburg|Bezold, Bezirksämter Traunstein und Wasserburg]], 2071, 2088 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Im Jahr 1455, am 14. November, ist wieder von der Stiftung die Rede. Niklas Münzmeister hatte offenbar auch 50 Pfund Pfennige für den Kauf eines Benefiziatenhauses gestiftet; davon sollte nun der Benefiziat jährlich 2 Pfund Pfennige bekommen, bis das Haus gekauft werde.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 4. April 1464 verschrieb der Kaplan des Münzmeister-Altars, Erasm Preisser, der Priesterbruderschaft sein Haus und der Pfarrkirche St. Jakob ein halbes Pfund Pfennige Ewiggeld von seinem Haus.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 4. November 1465 verkauften die Kirchpröpste von St. Jakob der Priesterbruderschaft ein halbes Pfund Pfennige jährliche Gilt, das Erasm Peysser, Kaplan des Münzmeister-Altars, aus seinem Haus der Pfarrkirche St. Jakob vermacht hatte, zurück für 10 Pfund Pfennige.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 5. Oktober 1467 überschrieb Ulrich Surbrunner mit Familie dem Kaplan der Münzmeistermesse Christian Dremel ein Baurecht auf ihrem Gut in Surbrunn.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 23. August 1469 einigte sich Heinz Niederhuber mit Frau mit dem Kaplan der Münzmeistermesse Christian Dremel über strittige Punkte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 30. Januar 1470 kam es zu einer ähnlichen Einigung zwischen Oswald Mair aus Surbrunn mit Christian Dremel.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 27. März 1471 verkauften Christian und Kathrin Siechstarffer dem Münzmeister-Benefizium 1 Pfund Pfennige als Ewiggeld.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 1. Februar 1476 stiftete Konrad Aignschmidt 60 Pfund Pfennige Ewiggeld an die Stiftung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 23. April 1477 verkaufte Konrad Teutlhauser dem Christian Dremel, Kaplan des Münzmeister-Benefiziums, 2 Pfund Pfennige Ewiggeld. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 19. Juni 1483 verkauften Friedrich und Juliana Hofmann der Stiftung vier rheinische Gulden Ewiggeld.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 14. Januar 1544 bestätigte der Stadtpfarrer und Vikar bei St. Jakob, Michael Steintaler, auch das Heilig-Geist-Benefizium und das Münzmeister-Benefizium empfangen zu haben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* Am 18. November 1596 übergab Albrecht Penninger dem Münzmeister-Benefizium drei Gulden jährliche Gilt aus einem Brauhaus. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg im Herzogtum Bayern-Landshut==&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme des Herzogtums Ingolstadt durch Bayern-Landshut wurde Wasserburg zum Sitz eines Rentmeisteramts. Diese Funktion war wohl (mit) dafür verantwortlich, dass Wasserburg in der Münzgeschichte der kommenden Jahrzehnte noch ein paar Mal auftaucht.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1454 planten die Herzöge Albrecht III. (1438-1460) von Bayern-München und Ludwig IX. (1450-1479) von Bayern-Landshut eine Münztagung in Wasserburg, zu der auch Vertreter des Salzburger Erzbischofs eingeladen wurden (1454 März 23). Es sollte um die geplante zukünftige Münzprägung gehen. Am 26. März 1454 schrieb Herzog Ludwig IX. seine Leute in Wasserburg, Pfleger Hans Layminger, Rentmeister Jörg Etlinger und Linhart Spilberger, sowie die Stadt an und bat sie, über die zukünftige Münzprägung zu beraten. Ich sehe keinen Hinweis, dass der Hintergrund dieses Schreibens eine geplante Wiederaufnahme der Prägung in Wasserburg gewesen sein könnte. Die Finanzfachleute am Sitz eines Rentmeisteramts und eine wichtige Stadt brachten die Kompetenz für diese Frage mit. Die Wasserburger Tagung hatte offenbar stattgefunden, denn am 10. Juni 1454 schrieb der Salzburger Erzbischof Sigmund I. (1452-1461) Herzog Ludwig IX. an, verwies auf die beschlusslos verlaufene Tagung und bot den Abschluss einer gemeinsamen Münzordnung an. Am 21. Juni 1454 baten die Anwälte Herzog Ludwigs den Kanzler Andre Loder, dem Wasserburger Rentmeister anzuschreiben und ihn auf die Einhaltung neuer Regelungen im Geldwesen hinzuweisen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 4. März 1458 liegt ein an Herzog Ludwig IX. gerichtetes Beglaubigungsschreiben des Rats der Stadt Wasserburg für Hans Räuter und Michael Hofmann vor, mit dem sie ihm einen Ratschlag über die Münze überbrachten. Auch dieser undatierte Ratschlag ist erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;(zu 1458 März 4). [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GR fasz. 1156/44 II|BayHStA, GR fasz. 1156/44 II]], fol. 20r-20v (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 760 f. Nr. R 730; vgl. 73.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 17. April 1458 schickte der Herzog dann ein neues Landgebot zur Münze an seine Pfleger, Richter, Städte, Märkte und Rentmeisterämter aus, also auch nach Wasserburg. Am 6. Dezember 1458 lud Herzog Ludwig IX. zu einer Münztagung nach Landshut ein, auch die Stadt Wasserburg sollte einen Vertreter schicken.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte 1459 kam es zur massiven Verschlechterung des Geldes in Bayern-Landshut, der sog. Schinderlingszeit. Darauf nimmt eine Anweisung vom 15. August 1459 Bezug, in der die Amtleute in Wasserburg angewiesen wurden, bis 25. Juli fällig gewesene Zahlungen nur in guter alter Münze, in Zukunft fällige Zahlungen aber in guter alter Münze oder den jetzt in Landshut geprägten Pfennigen anzunehmen. Gegen Jahresende 1459 war offenbar wieder eine Münztagung in Wasserburg geplant, die aber in einer undatierten Instruktion (1459 Dezember 6-11) des Herzogs für seinen Rat Tywolt Reigker, der Herzog Albrecht III. aufsuchen sollte, als abgesagt erwähnt wird. Am 11. Dezember 1459 schrieb Herzog Ludwig IX. nochmals in dieser Sache, nun direkt an Herzog Albrecht III.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch in der Schinderlingszeit, am 14. März 1460, forderte Herzog Ludwig IX. Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg auf, Regelungen für den Geldumlauf in der Stadt bekannt zu machen: Zugelassen seien nur bayerische Münzen; rheinische Gulden dürfe man für maximal 12 Schilling Pfennige (360 Pfennig), ungarische Gulden und Dukaten nicht höher als für 2 Pfund Pfennnige (480 Pfennig) nehmen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 17. Juli 1465 stammt eine eindrucksvolle Urkunde, die in Wasserburg ausgestellt wurde. 19 genannte Personen beurkundeten für sich und weitere sechs genannte Personen, dass sie mit Herzog Ludwig IX. einen Vertrag über den Silberkauf geschlossen hätten, dessen Regelungen im Detail ausgeführt werden. Unter den finanzstarken Mitgliedern dieses Konsortiums finden sich u. a. folgende Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Nachweiese bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 872 Nr. R 1089 sowie über das Register.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Virgil Hofer, der 1459-1460 Salzburger Münzmeister gewesen war. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Engelhart, der zwischen 1446 und 1460 als Münzmeister in Neuötting und dann in Landshut nachgewiesen ist und angeblich auch Münzmeister in Salzburg gewesen sein soll; er wechselte dann in den Bergbau, aber auch dort wurde er mehrfach noch als Münzmeister bezeichnet.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jörg Pürckel/Prugkler, der in der Schinderlingszeit in Bayern-Landshut einen &#039;&#039;Freibrief&#039;&#039; erhalten hatte, zur Versorgung der Münzstätten als Silberaufkäufer im Land unterwegs zu sein.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hermann Grünhofer, Münzmeister in Meran.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Virgil Pflanzner, auch dieser hatte in der Schinderlingszeit einen Landshuter Freibrief zum Silberaufkauf.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Paul Engelhart, der einmal als Münzmeister bezeichnet wurde, obwohl dieses Amt für ihn nicht nachweisbar ist. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (Jörg?) Präger, der vielleicht in der Münzstätte Passau tätig gewesen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Wasserburger Münzen==&lt;br /&gt;
Die Pfennige, die heute der Münzstätte Wasserburg zugewiesen werden, zeichnen sich durch das Bild eines gekrönten Löwen aus, der das Wappentier der Stadt ist. Prägungen aus der Münzstätte Ingolstadt zeigen an gleicher Stelle den Ingolstädter Panther.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wasserburger Pfennige verteilen sich auf zwei Gruppen. Bis ins Jahr 1406 war in Bayern die Prägung von einseitigen Pfennigen üblich. Solche dürften also in Wasserburg von etwa 1392/94 bis 1406 unter Herzog Stephan III. (1375-1413) geprägt worden sein ([[Münzstätte_und_Münzprägung#Herzogtum_Bayern-Ingolstadt.2FHerzog_Stephan_III._.281375.E2.80.931413.29|vgl. Katalog, Abbildungsfolge 1]]). Diese Pfennige sind offenbar erstmals im 1904 entdeckten Fund von Rabenschwand (Gde. Oberhofen am Irrsee, Politischer Bezirk Vöcklabruck, Oberösterreich)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dworschak/Noss/Moeser, Münzfund von Oberhofen-Rabenschwand|Dworschak/Noss/Moeser, Münzfund von Oberhofen-Rabenschwand]], Tafeln 12-13.&amp;lt;/ref&amp;gt; bekannt geworden, dessen Verbergung ab 1441 anzusetzen ist. Nur in einem Exemplar ist bisher ein Hälbling dieses Typs belegt ([[Münzstätte_und_Münzprägung#Herzogtum_Bayern-Ingolstadt.2FHerzog_Stephan_III._.281375.E2.80.931413.29|vgl. Katalog, Abbildung 2]]).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1406 wurde die Prägung von zweiseitigen Pfennigen eingeführt, welche auf der Vorderseite die Anfangsbuchstaben der Namen der Prägeherren tragen sollten, hier also die Minuskeln sl für die Herzöge Stephan III. und seinen Sohn Ludwig VII. (1413-1443, † 1447), der schon im Münzvertrag des Jahres 1395 gemeinsam mit seinem Vater genannt ist. Diese Pfennige gehören also in die Jahre zwischen 1406, als der zweiseitige Münztyp eingeführt wurde, und 1413, als Herzog Stephan III. starb. Auf der Rückseite steht wiederum der gekrönte Löwe für die Münzstätte in Wasserburg, nunmehr aber in einem Linienkreis, den man auch als Rundschild beschreiben könnte ([[Münzstätte_und_Münzprägung#Herzogtum_Bayern-Ingolstadt.2FHerz.C3.B6ge_Stephan_III._.281375.E2.80.931413.29_und_Ludwig_VII._.281413.E2.80.931445.29|vgl. Katalog, Abbildungsfolge 3]]). Diese Münzen, die schon länger bekannt waren, hat erstmals Franz Ebner 1892 der Münzstätte Wasserburg zugewiesen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ebner, Braunauer und Wasserburger Pfennige|Ebner, Braunauer und Wasserburger Pfennige]], hier 50-53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Prägungen, die nur ein S und rückseitig den Löwen (teils mit Einfassung) tragen, wären demnach vielleicht Prägungen Herzog Stephans III. alleine; auch sie wären wohl in die Jahre zwischen 1406 und 1413 zu datieren ([[Münzstätte_und_Münzprägung#Herzogtum_Bayern-Ingolstadt.2FHerzog_Stephan_III._.281375.E2.80.931413.29_2|vgl. Katalog, Abbildungsfolge 4 sowie Abbildung 5]]). Die Zuweisung dieser Gepräge ist jedoch unsicher. Auch sie kamen im Fund von Rabenschwand vor.&lt;br /&gt;
Prägungen Herzog Ludwigs VII. alleine, die nach dem bis in die 1450er Jahre gültigen System den Buchstaben L und den gekrönten Löwen tragen sollten, sind bisher nicht bekannt geworden.&lt;br /&gt;
Wie oben dargelegt, dürfte das Ende der Wasserburger Prägetätigkeit mit dem Tod Herzog Stephans III. 1413 anzusetzen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Münzfuß==&lt;br /&gt;
In diesen etwa 20 Jahren, die für eine Wasserburger Münzprägung wohl in Frage kommen, gab es vier Münzfußänderungen: 1395, 1400, 1406 und 1412.&lt;br /&gt;
Grundlage eines Prägebeginns im Jahr 1393 waren wohl zwei Urkunden vom 6. und 15. Juni 1391. Die drei, vor der Landesteilung von 1392 gemeinsam regierenden Herzöge Stephan III., Friedrich und Johann II. regelten am 6. Juni die Münzprägung in Oberbayern mit der Münzstätte München;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 608 Nr. R 63.&amp;lt;/ref&amp;gt; am 15. Juni folgte eine Urkunde für Niederbayern und die Münzstätte Neuötting.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 608 f. Nr. R 64.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Silber sollte achtlötig sein. Eine Mark Silber enthält 16 Lot, davon sollten 8 Lot Silber sein, die anderen 8 Kupfer. Die Feinheit betrug also 500 ‰. Beide Urkunden verwenden als Grundgewicht die Regensburger Mark, die in der Größenordnung von 245,2 bis 245,5 g anzusetzen sein dürfte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 949.&amp;lt;/ref&amp;gt; In München und Neuötting sollten aus der Mark 13 Schilling 10 Pfennig ausgebracht werden, also 400 Pfennig. Das bedeutete ein Sollgewicht (Raugewicht) von 0,61 g bei einem Silbergehalt von 0,305 g. Die Urkunden regelten auch die Münzprägung in der Münzstätte Regensburg, die aber höherwertige Pfennige nach einem anderen Münzfuß prägte. Das gilt auch für die weiteren Urkunden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 31. Oktober 1395 einigten sich die Herzöge der drei Herzogtümer, Stephan III., Johann II., Ludwig VII., Ernst und Heinrich XVI. mit dem Regenten von Bayern-Straubing-Holland Albrecht II. (1387-1397), Bischof Johann I. (1384-1409) von Regensburg und der Stadt Regensburg auf einen neuen Münzfuß.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 625 f. Nr. R 137.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für die bayerischen Münzstätten Ingolstadt, München und Landshut, falls Herzog Heinrich XVI. prägen werde, galt jetzt: Die Feinheit blieb bei 500 ‰. Aus der Regensburger Mark sollten nun aber 14 Schilling 12 Pfennig geprägt werden, also 432 Pfennig. Das Raugewicht sank damit auf 0,57 g, der Feinsilbergehalt auf 0,285 g. Die Pfennige wurden also etwas leichter, bei unveränderter Feinheit.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 4. Mai 1400 setzten die Herzöge von Ingolstadt und München, Stephan III., Ernst und Wilhelm III. (1397-1435), einen neuen Münzmeister in München ein, auch ein Ingolstädter Münzmeister wird erwähnt, von Wasserburg ist nicht die Rede.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 643 Nr. R 218.&amp;lt;/ref&amp;gt; Beim Münzfuß wurde hier eine Änderung vorgenommen, die also für Bayern-Landshut nicht galt. Als Grundgewicht wird jetzt mit der Münchner Mark gearbeitet, die wir heute bei etwa 224,5 g sehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 949.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Feinheit wurde auf 7 Lot fixiert, was 437,5 ‰ entspricht. Aus der Münchner Mark waren 14 Schilling weniger 4 Pfennig, also 416 Pfennig, zu prägen. Für diese ergibt sich somit ein Raugewicht von 0,54 g bei einem Feinsilbergehalt von 0,24 g. Die Pfennige waren also leichter geworden, gleichzeitig wurde auch die Feinheit gesenkt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 19. Juli 1406 einigten sich erneut die Herzöge der drei Herzogtümer, nunmehr Stephan III., Ernst und Wilhelm III. sowie Heinrich XVI., auf einen neuen Münzfuß. Von der Urkunde gibt es zwei Fassungen, von denen eine wohl nicht ausgefertigt wurde, auf die ich hier nicht weiter eingehe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 660 f. Nr. R 299, R 300 (nicht ausgefertigt).&amp;lt;/ref&amp;gt; Nun wurde ein anderes Markgewicht verwendet, die Landshuter Mark, die wir heute mit 249,4 g ansetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 949&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Feinheit sollte jetzt nur noch 6 Lot betragen, also 6/16 oder 375 ‰. Aus der Landshuter Mark wollte man 13 Schilling weniger 11½ Pfennig prägen, also 378½ Pfennig. Diese wogen nun 0,66 g und enthielten 0,25 g Feinsilber. Die Pfennige wurden also deutlich schwerer, trotzdem sank der Silbergehalt. Mit dieser Münzordnung wurden die zweiseitigen Pfennige eingeführt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Münzvertrag vom 4. Juni 1412 entstand ohne Landshut, Aussteller sind die Herzöge Stephan III., Ernst und Wilhelm III.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 671 Nr. R 349.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es kam wieder die Münchner Mark zum Einsatz. Die Feinheit blieb bei 6 Lot oder 375 ‰. Die Ausbringung wurde nun aber auf dieselben 14 Schilling weniger 4 Pfennig fixiert, die bereits der Vertrag von 1400 vorgesehen hatte, also 416 Pfennig. Für diese ergibt sich somit wieder das Raugewicht von 0,54 g, bei einem nunmehr gesenkten Feinsilbergehalt von 0,20 g.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1400 und 1412 vereinbarten also die Herzöge in Ingolstadt und München einen eigenen Weg, der aber von dem gemeinsamen Vertrag mit Landshut im Jahr 1406 unterbrochen wurde. Der Silbergehalt der Pfennige sank von 0,305 g im Jahr 1391 auf 0,20 g im Vertrag von 1412; innerhalb von 21 Jahren sank er um ein Drittel.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang stellen sich noch zwei Fragen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde von 1400 wird der Ingolstädter Münzmeister erwähnt, von der Wasserburger Münzstätte, die wir zu dieser Zeit eigentlich in Betrieb sehen, ist keine Rede. War ihre Tätigkeit zu dieser Zeit unterbrochen?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist es wirklich denkbar, dass man im Ingolstädter Herzogtum also im Raugewicht eine solche Auf- und Ab-Entwicklung durchmachte, wie sie diese Urkunden vorschreiben? Im Jahr 1400 rau 0,54 g, 1406 dann 0,66 g, 1412 dann erneut 0,54 g. Wenn das der Fall gewesen ist, müssten an den ab 1406 geprägten zweiseitigen Pfennigen zwei Gewichtsstufen beobachtbar sein. Diese Frage ist an den Münzen bisher nicht untersucht worden. Es ist allerdings im Mittelalter immer problematisch, die Vorschriften in den schriftlichen Quellen mit den technischen Daten der vorliegenden Münzen in Übereinstimmung bringen zu wollen. Der Grund dafür ist, dass nicht der Anspruch bestand, dass jede Münze das richtige Gewicht hatte. Kontrolliert wurde, ob der Durchschnitt der Münzen eines neu hergestellten Postens der Vorschrift entsprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Katalog&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Katalogteil ist eine vereinfachte Fassung des Katalogs in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 172-175, die dortige Nummerierung wurde für die ausführlichen Bilddateibeschreibungen beibehalten (BI = Bayern-Ingolstadt); BI-1 bis BI-7 sind die gleichzeitigen Prägungen der Münzstätte Ingolstadt. BI-13 bis BI-29 sind die weiteren Prägungen der Herzogtums, welche bisher allenfalls unsicher einer Münzstätte in Altbayern oder auf dem Nordgau zugewiesen werden können.&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfennige bestehen aus Silberlegierungen, die maximal 50 % Silber enthalten, und wiegen in der Regel knapp über ein halbes Gramm. Zu Details der einzelnen Münzordnungen vgl. die Kapitel [[Münzstätte_und_Münzprägung#Wasserburg_im_Herzogtum_Bayern-Landshut|Wasserburg im Herzogtum Bayern-Landshut]] und [[Münzstätte_und_Münzprägung#Der_M.C3.BCnzfu.C3.9F|Münzfuß]]. Der Durchmesser der Pfennige liegt bei etwa 15 mm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzogtum Bayern-Ingolstadt/Herzog Stephan III. (1375–1413)===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Abbildungsfolge 1&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:BI-08.1 w.jpg|mini|Stephan III., Wasserburger Pfennig (1392/94-1406), ohne Beizeichen.&lt;br /&gt;
File:BI-08.2 m.jpg|mini|Stephan III., Wasserburger Pfennig (1392/94-1406), Punkt über dem Löwen.&lt;br /&gt;
File:BI-08.4 m1.jpg|mini|Stephan III., Wasserburger Pfennig (1392/94-1406), Buchstabe S hinter dem Schwanz des Löwen.&lt;br /&gt;
File:BI-08.4 m2.jpg|mini|Stephan III., Wasserburger Pfennig (1392/94-1406), Buchstabe S unter dem Schwanz des Löwen.&lt;br /&gt;
File:BI-08.5 w.jpg|mini|Stephan III., Wasserburger Pfennig (1392/94-1406), Buchstabe S zwischen Körper und Schweif des Löwen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Abbildungsfolge 1 zeigt den einseitigen Wasserburger Pfennig der Münzstätte Wasserburg (1392/94–1406).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Avers: Gekrönter steigender Löwe nach links, im Feld Beizeichen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Varianten sind von links nach rechts:&lt;br /&gt;
* Ohne Beizeichen bzw. kein Beizeichen erkennbar.&lt;br /&gt;
* Über dem Kopf des Löwen ein Punkt.&lt;br /&gt;
* Hinter dem Löwen eine Raute. &lt;br /&gt;
* Hinter dem Löwen der Buchstabe S (Majuskel) in verschiedenen Stellungen (hinter dem Schweif; hinter dem linken Hinterbein).&lt;br /&gt;
* Hinter dem Löwen zwischen Körper und Schweif der Buchstabe S (Majuskel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Abbildung 2&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:BI-09.jpg|mini|Stephan III., Wasserburger Hälbling (1392/94-1406).&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Abbildung 2 zeigt den Wasserburger Einseitigen Hälbling, Münzstätte Wasserburg (1392/93–1406).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Avers: Gekrönter steigender Löwe nach links.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzogtum Bayern-Ingolstadt/Herzöge Stephan III. (1375–1413) und Ludwig VII. (1413–1445)===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Abbildungsfolge 3&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:BI-10.1.jpg|mini|Stephan III. und Ludwig VII., Wasserburger Pfennig (1406-1413), Buchstaben sl ohne Beizeichen.&lt;br /&gt;
File:BI-10.2.jpg|mini|Stephan III. und Ludwig VII., Wasserburger Pfennig (1406-1413), unter den Buchstaben sl ein Ringel.&lt;br /&gt;
File:BI-10.3.jpg|mini|Stephan III. und Ludwig VII., Wasserburger Pfennig (1406-1413), zwischen den Buchstaben sl ein Punkt.&lt;br /&gt;
File:BI-10.4.jpg|mini|Stephan III. und Ludwig VII., Wasserburger Pfennig (1406-1413), unter den Buchstaben sl eine Rosette.&lt;br /&gt;
File:BI-10.5.jpg|mini|Stephan III. und Ludwig VII., Wasserburger Pfennig (1406-1413), zwischen den Buchstaben sl ein Punkt über Rosette.&lt;br /&gt;
File:BI-10.7 m.jpg|mini|Stephan III. und Ludwig VII., Wasserburger Pfennig (1406-1413), einseitige Prägung der Rückseite.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Abbildungsfolge 3 zeigt den Wasserburger Pfennig der Münzstätte Wasserburg (1406–1413).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Avers: Die Buchstaben sl (Minuskeln), dabei teilweise Beizeichen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Revers: Gekrönter steigender Löwe nach links in Linienkreis.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Varianten sind von links nach rechts: &lt;br /&gt;
* Ohne (erkennbares) Beizeichen.&lt;br /&gt;
* Unter den Buchstaben sl ein Ringel. &lt;br /&gt;
* Zwischen den Buchstaben sl ein Punkt.&lt;br /&gt;
* Unter den Buchstaben sl eine fünfteilige Rosette. &lt;br /&gt;
* Zwischen den Buchstaben sl ein Punkt, unter ihnen eine fünfteilige Rosette. &lt;br /&gt;
* Zwischen den Buchstaben sl zwei Punkte, unter ihnen eine fünfteilige Rosette. (nicht abgebildet)&lt;br /&gt;
* Einseitig der Revers.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzogtum Bayern-Ingolstadt/Herzog Stephan III. (1375–1413)===&lt;br /&gt;
Die Zuweisung der beiden folgenden Pfennige ist unsicher. Wenn es sich um Prägungen Stephans III. handeln sollte, wären sie in die Jahre 1406-1413 zu datieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Abbildungsfolge 4&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:BI-11 1.jpg|mini|Zuweisung unsicher: Stephan III., Pfennig, Münzstätte Wasserburg?&lt;br /&gt;
File:BI-11 2.jpg|mini|Zuweisung unsicher: Stephan III., Pfennig, Münzstätte Wasserburg?&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Abbildungsfolge 4 zeigt Pfennige, vielleicht der Münzstätte Wasserburg, oder Beischlag zu Wasserburger Pfennigen?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Avers: Großer Buchstabe S.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Revers: Gekrönter steigender Löwe nach links in Kreis.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Abbildung 5&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:BI-12-1.jpg|mini|Zuweisung unsicher: Stephan III., Pfennig, Münzstätte Wasserburg? Beizeichen Hammer hinter dem Löwen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Abbildung 5 zeigt Pfennig, vielleicht Münzstätte Wasserburg, oder Beischlag zu Wasserburger Pfennigen?&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Avers: Großer Buchstabe S.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Revers: Gekrönter steigender Löwe nach links, hinter dem Rücken ein Hammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen zur Geschichte der Münzstätte und Münzprägung in Wasserburg (Anhang)&amp;lt;ref&amp;gt;Die Textzitate in diesem Anhang beruhen überwiegend auf älteren eigenen Arbeits-Transkriptionen des Verfassers. Sie stellen keine wissenschaftliche Edition dar und sind wohl auch nicht zu 100 % zuverlässig. Für weitergehende Arbeiten empfehle ich die Kontrolle anhand der Archivalien. Soweit gedruckte Editionen vorliegen, sind diese zitiert.&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erstellung dieser Liste war das vorläufige Findbuch der Urkunden im Wasserburger Stadtarchiv (Stand 04-2020), das Matthias Haupt zur Verfügung gestellt hat, eine große und wichtige Hilfe. So war es möglich, eine beträchtliche Zahl neuer Quellenbelege zum Themenbereich zu erfassen.&lt;br /&gt;
Soweit die Quellen bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], bereits erwähnt sind, finden sich dort neben den Regesten (Nr. R 1 bis R 1136) teilweise ausführlichere Angaben sowie weitere Literaturhinweise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1391 Juni 6, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Herzöge Stephan III., Friedrich und Johann II. regeln Münzfuß und Personal ihrer Münzstätte in München für Oberbayern, neben der es keine weitere Münzstätte geben soll. Sie setzen ein Aufsichtsgremium über die Münzstätte ein, in das sie an letzter Stelle &#039;&#039;awz unserer stat zü Wazzerburg Marquarden den Aysinger&#039;&#039; berufen.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Bayerische Landschaft 79|BayHStA, Urkunden Bayerische Landschaft 79]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3825|BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3825]], fol. 5r-6v (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA München, Freiheitenbuch 1532|StadtA München, Freiheitenbuch 1532]], fol. lxxi v – lxxii v (117v-118v) (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lori, Sammlung baierischen Münzrechts|Lori, Sammlung baierischen Münzrechts]], Bd. 1, 21-23 Nr. 30 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 608 Nr. R 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1391 Juni 15, Burghausen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Herzöge Stephan III., Friedrich und Johann II. regeln Münzfuß und Personal ihrer Münzstätte in Neuötting für Niederbayern, neben der es keine weitere Münzstätte geben soll. Sie setzen ein Aufsichtsgremium über die Münzstätte ein.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Pfalz-Neuburg 1391|BayHStA, Urkunden Pfalz-Neuburg 1391]], Juni 15 (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 44|BayHStA, Neuburger Copialbücher 44]], fol. 197r-199v (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 109|BayHStA, Neuburger Copialbücher 109]],fol. 312r-316r (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GR fasz. 1156/44 I|BayHStA, GR fasz. 1156/44 I]], fol. 2r-3r (Abschrift mit falscher Jahresangabe 1399 und Überschrift: &#039;&#039;Von der munß wegen gein Osterich&#039;&#039;)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lori, Sammlung baierischen Münzrechts|Lori, Sammlung baierischen Münzrechts]], Bd. 1, 24 f. Nr. 32 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wittmann, Monumenta Wittelsbacensia|Wittmann, Monumenta Wittelsbacensia]],  Bd. 2, 546-550 Nr. 371 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ay, Dokumente Bayern|Ay, Dokumente Bayern]], 377-379 Nr. 278 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 608 f. Nr. R 64.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1391 September 27, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Herzöge Stephan III., Friedrich und Johann II. treffen Vorschriften für den Zoll. In München, Wasserburg und überall soll Salz nur gegen Gulden oder aktuelle Münchner Pfennige gehandelt werden, andere Münze ist nicht zugelassen. Andere Pfennigsorten werden in der Münchner Münzstätte angekauft, für manche gelten noch Übergangsregeln.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a496|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a496]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a503|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a503]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Bayerische Landschaft 80|BayHStA, Urkunden Bayerische Landschaft 80]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Kurbayern 5428|BayHStA, Urkunden Kurbayern 5428]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 109|BayHStA, Neuburger Copialbücher 109]], fol. 301r-303r (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA München, Bürgermeister und Rat 59/I|StadtA München, Bürgermeister und Rat 59/I]], (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA München, Freiheitenbuch 1532|StadtA München, Freiheitenbuch 1532]], fol. lxxiiii r-v (120r-v) (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 610 f. Nr. R 71.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1392 Mai 21.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Verweser und Meister des Spitals in Amberg legen einen Jahrtag fest bezüglich eines Jahreszinses, den die drei Testamentsvollstrecker des verstorbenen Junkers Johann von Prunnheim, &#039;&#039;dy erbern weysen mayster Niclas von Wazzerburkch, yczund statprediger zu Amberg, Ulrich Wollntshofer, an der czeit unsers genedigen herrn herczog Ruprechtz des jungern kuchenmeyster, und Heinrich Kegler, an der czeit münczmayster zu Amberg&#039;&#039; dem Spital gekauft haben.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Gericht Amberg 612|BayHStA, Urkunden Gericht Amberg 612]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 613 Nr. R 84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1392 November 19, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Herzöge Stephan, Friedrich und Johann teilen Ober- und Niederbayern gemeinsam unter sich auf. &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rall, Wittelsbacher Hausverträge|Rall, Wittelsbacher Hausverträge]], 175-207 (Druck, Übersetzung, ausführliche Kommentare).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;(zwischen 1392 November 19 und 1408 Juni 10).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Ingolstädter Archivinventare nennen Abschriften von zwei Urkunden, mit denen Herzog Stephan die Münzstätte Wasserburg Niklas Smelczer und Hermann Münzmeister anvertraut habe.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Item zwo abschrift wie herczog Stepphan die münss zue Wasserburg Niclasen Smelczer und Herman Munsmaistter bevolhen und verlassen hat&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 14|BayHStA, Neuburger Copialbücher 14]], fol. 22r und 308v (erwähnt)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 15|BayHStA, Neuburger Copialbücher 15]], fol. 20r (erwähnt)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 600 Nr. R 21 und R 22 (dort noch datiert mit: 1375-1413).&lt;br /&gt;
Es handelt sich bei den Einträgen um zwei separate Urkunden. Wahrscheinlich ist eine Datierung zwischen 19. November 1392 und Januar 1394.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1394 Januar 22.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
Albrecht der Has, Bürger zu Wasserburg, verkauft eine Hube zu Pachman um 51 Pfund Wasserburger Pfennige. &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a34|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a34]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1394 Juli 12.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Ulreich der Weinman und seine Frau Katrey verkaufen Heinreich dem Werder, Pfleger und Zollner von Wasserburg, ihre Hube in Lintach, Grafschaft Kling, für 60 Pfund Wasserburger Pfennige.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a37|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a37]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1395 Oktober 28, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eintrag in den Münchner Kammerrechnungen. Ludwig Potschner und Vinger, die wegen der Münze in Wasserburg waren, rechnen Spesen in Höhe von 3 Gulden 50 Pfennig ab: &#039;&#039;Item Lud. Potschner, Vinger gen Wasserburg von der munzz wegen zerung 3 gld. 50 dn. Simonis et Jude&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3|Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3]],  136 Nr. 19 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 625 Nr. R 136.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1395 Oktober 31.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Herzöge Stephan III., Johann II., Ludwig VII., Ernst und Heinrich XVI. einigen sich mit Herzog Albrecht II., Bischof Johann von Regensburg und der Stadt Regensburg auf die Prägung einer neuen Münze. Jeder Fürst soll nur in einer Münzstätte prägen: Stephan III. und Ludwig VII. in Ingolstadt; Johann II. und Ernst in München; Heinrich XVI., falls er prägen werde, in Landshut.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Reichsstadt Regensburg 3500|BayHStA, Urkunden Reichsstadt Regensburg 3500]], (Ausfertigung; dabei außerdem zwei zeitgenössische Abschriften)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Reichsstadt Regensburg Literalien 298 1/3|BayHStA, Reichsstadt Regensburg Literalien 298 1/3]], fol. 3r-4r (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GR fasz. 1156/44 I|BayHStA, GR fasz. 1156/44 I]], fol. 4r-5r (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 2|BayHStA, Neuburger Copialbücher 2]], fol. 278v-281r (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 33|BayHStA, Neuburger Copialbücher 33]], fol. 290r-291r (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 36|BayHStA, Neuburger Copialbücher 36]], fol. 241r-242v (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lori, Sammlung baierischen Münzrechts|Lori, Sammlung baierischen Münzrechts]], Bd. 1, 25-27 Nr. 33 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wittmann, Monumenta Wittelsbacensia|Wittmann, Monumenta Wittelsbacensia]], Bd. 2, 573-579 Nr. 378 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ay, Dokumente Bayern|Ay, Dokumente Bayern]], 379 f. Nr. 279 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 625 f. Nr. R 137.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1395 Oktober 31.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Herzöge Stephan III. und Ludwig VII. einigen sich mit den Herzögen Johann II., Albrecht II., Ernst und Heinrich XVI. sowie mit Bischof Johann von Regensburg und der Stadt Regensburg auf die Prägung einer neuen Münze. Alle weiteren Regelungen folgen der Urkunde aller Herzöge vom gleichen Tag, sind hier aber lediglich auf die Münzstätte Ingolstadt bezogen.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Reichsstadt Regensburg Literalien 298 1/3|BayHStA, Reichsstadt Regensburg Literalien 298 1/3]],fol. 4v-5v (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 626 Nr. R 138.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1396 März 12, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eintrag in den Münchner Kammerrechnungen. Die Stadt kauft 7 Schilling 2 Pfennig Wasserburger Pfennige, um sie untersuchen zu lassen: &#039;&#039;Item 7 s. 2 Wasserpurger zu versůchen zu ainem korn letare&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3|Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3]], 136 Nr. 25 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 633 Nr. R 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1396 November 11, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eintrag in den Münchner Kammerrechnungen. Dem Krell, der wegen der Münze in Wasserburg und Hall war, werden Spesen in Höhe von 1 Pfund Münchner Pfennige erstattet: &#039;&#039;Item 1 lib. Monacensium dem Krellen, do er rait gen Wazzerburg, gen Hall von der munzz wegen Marteini&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3|Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3]], 137 Nr. 27 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 636 Nr. R 191.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1396 Dezember 25, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eintrag in den Münchner Kammerrechnungen. Einem Boten, der wegen des Wechsels in Wasserburg war, werden 28 Münchner Pfennig ausbezahlt: &#039;&#039;Item 28 Monacenses einem botten gen Wazzerburg von dez wechssels wegen zu weichnachten&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3|Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3]], 137 Nr. 28 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 629 Nr. R 199.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1400 Mai 6, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Herzöge Stephan III., Ernst und Wilhelm III. geben ihrem Münzmeister zu München &#039;&#039;Petern dem Giesser&#039;&#039; / &#039;&#039;Gressaer&#039;&#039; die Münchner Münzstätte auf 12 Jahre und regeln seine Tätigkeit. Die Herzöge wollen im Land keinen anderen Münzmeister über ihm einsetzen, abgesehen von &#039;&#039;Chlawsen dem Seger&#039;&#039; zu Ingolstadt, den sie jetzt mit ihm als Münzmeister in München eingesetzt haben. Weitere Regelungen betreffen den Geldumlauf.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA München, Freiheitenbuch 2|StadtA München, Freiheitenbuch 2]], 2 fol. 68vf. (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA München, Freiheitenbuch 1532|StadtA München, Freiheitenbuch 1532]],fol. 100v-101v (146v-147v) (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lori, Sammlung baierischen Münzrechts|Lori, Sammlung baierischen Münzrechts]], Bd. 1, 28 f. Nr. 34 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dirr, Denkmäler des Münchner Stadtrechts|Dirr, Denkmäler des Münchner Stadtrechts]], 1, 571-575 Nr. 15 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 643 Nr. R 218.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1400 vor Juli 25, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eintrag in den Münchner Kammerrechnungen. Die Stadt bezahlt einem Boten, der wegen der Münze in Wasserburg war, 32 Pfennig: &#039;&#039;Item 32 dn. gab wir einem poten gen Wasserburg auch von der munss wegen vor Jacoby etc. CCCC&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3|Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3]], 138 Nr. 37 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 644 Nr. R 220.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1403 Juli 9.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Stephan von Bayern entscheidet in einem Streit zwischen der Stadt Wasserburg und dem Kloster Attel, dass die ewige tägliche Messe in der St. Michaels-Kapelle wieder aufgenommen werden soll, jährlich ein Pfund Wasserburger oder Münchner Pfennige an das Kloster Attel gezahlt werden muss und der Rat der Stadt Wasserburg das Präsentationsrecht für die Kapelle hat; der Abt und der Konvent des Klosters Attel und der Rat der Stadt bestätigen, dass sie diese Entscheidung annehmen.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a304|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a304]], (Ausfertigung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1404 April 4.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Hans Jule, Bürger zu Traunstein, verkauft Peter dem Marttein, Bürger zu Wasserburg, für 22 Pfund Wasserburger Pfennige sein Recht an einem Eckladen, welcher unter dem Haus Peters des Marttein hinter dem Spitalbad liegt.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a53|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a53]], (Ausfertigung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1405 Juli 19.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Konrad der Pewnter, Bürger zu Wasserburg, und seine Frau Barbara verkaufen Stephan, Abt des Gotteshauses zu Attel, Haus und Hofstatt in Wasserburg, die zwischen dem Pfarrhaus St. Jakob und dem Haus des Abtes am Friedhof von St. Jakob liegen und auf welchen ein Ewiggeld von ½ Pfund Wasserburger Pfennige besteht.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a48|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a48]], (Ausfertigung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1406 Juni 24 (oder wenig später), München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eintrag in den Münchner Kammerrechnungen. Die Stadt bezahlt einem Boten, der wegen der Münze in Wasserburg war, 32 Pfennig: &#039;&#039;Item 32 d. einem boten zu lon gen Wasserburg von der müncz wegen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3|Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3]], 139 Nr. 52 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 658 Nr. R 290.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1406 Juli 10, Wasserburg.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Stephan schuldet &#039;&#039;Oswolden dem Newnhauser&#039;&#039;, Bürger zu Wasserburg, 33 Pfund 56 Pfennig, &#039;&#039;alles guter und genger Wasserburger pfenning oder die munss, die dann da für geng und gäbe ist&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
BayHStA München, Gericht Wasserburg Literalien 4a (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 659 Nr. R 297.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1406 Juli 19.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Herzöge Stephan III., Ernst, Wilhelm III. und Heinrich XVI. einigen sich als Maßnahme gegen das schlechte Geld auf eine neue Münzprägung. Alle Münzmeister sollen die Prägung einstellen und dann eine neue Münze prägen: 13 Schilling weniger 11½ Pfennig aus der Landshuter Mark oder 23 2/3 Pfennig aus dem Landshuter Lot, die Feinheit 6 Lot Silber und 10 Lot Zusatz; das Geld soll schwarz und zweiseitig geprägt sein, auf einer Seite das Zeichen der Stadt, auf der anderen Seite der Anfangsbuchstabe des Namens des Fürsten. Es folgen weitere Regelungen für Münzbetrieb und Geldumlauf.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Bayerische Landschaft 1406 Juli 19 I|BayHStA, Urkunden Bayerische Landschaft 1406 Juli 19 I]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Bayerische Landschaft 1406 Juli 19 II|BayHStA, Urkunden Bayerische Landschaft 1406 Juli 19 II]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3825|BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3825]], fol. 8r-10v (Abschrift)./[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GR fasz. 1156/44 I|BayHStA, GR fasz. 1156/44 I]], fol. 8r-9v (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA München, Bürgermeister und Rat 59/I|StadtA München, Bürgermeister und Rat 59/I]], (3 Abschriften)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lori, Sammlung baierischen Münzrechts|Lori, Sammlung baierischen Münzrechts]], Bd. 1, 29-31 Nr. 35 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lerchenfeld, landständische Freibriefe|Lerchenfeld, landständische Freibriefe]], CCXXXIX-CCXLII Nr. 647 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 660 Nr. R 299.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1406 Juli 25.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Hans der Swalich, Bürger zu Wasserburg, verkauft Leinhartt dem Schneider und Hans dem Efenhauser, Zechpröbsten der Schneiderzech in Wasserburg, ein Ewiggeld über 60 Wasserburger Pfennig aus seinem Haus und Hofstatt an der Pfaffenzeile neben dem Haus Andreas des Maurers in Wasserburg.&lt;br /&gt;
[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a54|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a54]], (Ausfertigung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1406 Juli 25, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eintrag in den Münchner Kammerrechnungen. Die Stadt München hat einen ungarischen Gulden für 5 Schilling Pfennige ausgegeben, für die man Wasserburger Pfennige gekauft hat, die dann probiert wurden: &#039;&#039;Item wir haben geben ein guldein Unger für 5 s. d. umb Wasserburger pfenning, daraus man ein korn prent hat&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3|Bastian, Das Runtingerbuch, Bd. 3]], 140 Nr. 57 (Druck)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 662 Nr. R 304.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1407 Mai 20.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Oswalt der Mautner von Katzenberg verkauft dem Heilig-Geist-Spital einen Zins auf der Gruft zwischen seinem Haus und der Spitalkirche um 32 Pfund gute Wasserburger Pfennige.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a172|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a172]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoma, Urkundenregestern Wasserburg|Thoma, Urkundenregestern Wasserburg]], (Jg. 6, Nr. 4), 4 Nr. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1408 Juni 10, Wasserburg.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Stephan III. von Bayern-Ingolstadt bestätigt, dass sein Münzmeister zu Wasserburg, Niklas Smelczer, den Schlagschatz bis zum vergangenen 24. April vollständig abgerechnet hat. Keine Seite blieb der anderen etwas schuldig.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir Stephan von gotc genaden herzoge in Beyern etc. bekennen offenlich mit dem brif fur uns, unser erben und nachkumen, daz uns Niclas Smelczer, unser munnssmeister zu Wasserburg unsern slegschatz dez er uns von derselben unser munss wegen schuldig ist, gar und gennczlich verrechent hat, alz lange er den von unsern wegen innegehabt und gehanndelt hat biz auf sand Gorigen tag nehst vergangen und sagen auch in, sein hausfrawn und erben derselben rechnung allez ein nemens und ausgebens gar und genczlich quit ledig und los mit dem brif, und da ain stugk, allez ein nemen und ausgeben gen dem andern abgezogen warde, da ist ain tail dem andern nichs schuldig beliben, urkund dez brifs der geben und mit unserm aufgedrugktem insigel versigelt ist zu Wasserburg an suntag nach pfingsten anno quadringentesimo octavo in.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a438|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a438]], (Ausfertigung). Nicht bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1408 Oktober 5.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Thomas der Mäss, Bürger zu Wasserburg, verkauft Konrad dem Enzinger und Konrad, einem anderen Enzinger gleichen Namens, beide Bürger zu Wasserburg, für 9 Pfund 60 Pfennig ½ Pfund Wasserburger Pfennige Ewiggeld, das auf ihrem Haus mit Hofstatt am Gries zwischen den Häusern des Modles und Ulrichs des Fischers liegt und einem ewigen Jahrtag für den verstorbenen Peter Enzinger gewidmet ist.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a57|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a57]], (Ausfertigung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1411 Oktober 20.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Heinrich Wirt zu Halfing schuldet den Wasserburger Bürgern Kristan dem Baben und Gorgen dem Tanner 31 Pfund weniger 52 Pfennig (&#039;&#039;an ains treissig pfunt minner an zwen funfzig pfenning&#039;&#039;), &#039;&#039;alles guter und genager Wasserburger pfenning, oder die münzz die denn dafur geng und gäb ist&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
StadtA Wasserburg a. Inn, I1a61 (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 77.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1412 Juni 4, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Herzöge Stephan III., Ernst und Wilhelm III. schließen wegen des Verderbens durch fremde und schlechte Münze einen neuen Münzvertrag. Sie wollen eine Münze prägen, 6 Lot fein, 14 Schilling weniger 4 Pfennig aus der Mark, d. h. 26 Pfennig aus dem Münchner Lot. Nach Bartholomäus (August 24) solle alle fremde Münze im Land verboten sein.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#|BayHStA, Urkunden Kurbayern 5430]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 109|BayHStA, Neuburger Copialbücher 109]], fol. 311r-312r (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 671 Nr. R 349.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1413 Februar 28, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Stephan III. bekennt, der Münchner Bürgerin Margret, der Frau von Ott Sröter selig, 370 Gulden zu schulden. Da er ihr dieses Geld nicht zurückzahlen kann, verschreibt er ihr diese Summe auf den Schlagschatz zu Wasserburg, von dem sie 3 Pfennig von der vermünzten Mark bekommen soll, bis die Schuld zurückbezahlt ist.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir Stephan von gotes genaden pfallenczgrafe bey Rein und herczog in Bayern etc bechennen offenleich mit dem brief fur uns, all unser erben und nachkomen, daz wir schuldig worden sein und geben sullen Margreten, Otten unsers Sröters säligen hawsfrawn, burgerynn zu Munchen, und allen iren erben drew hundert und sibenczigk guldein, allez guter newer ungerischer und ducaten, die wir ir vor langer zeit geben und bezalt solten haben und die auch der vorgenant ir man und sy also berait fur uns ausgeben habend, nu mochten wir sy desselben irs gelcz yeczo mit beraitschaft nicht bezaln, als doch ir notturft gewesen wär, und haben ir und irn erben die verschaft und verschriben, schreiben und verschaffen in auch die yn kraft des briefs auf unserm slegschacz hie zu Wasserburg, also daz sy yeczo ansten und drey pfenning von ainer mark von demselben unserm slegschacz aufheben und einnemen sullen als lang und als vil, bis daz sy zu abslegen irer obgenanten gulden gänczleich davon ausgericht und bezalt sind an allen irn schaden, und schaffen auch darauf mit denselben unsern munsmaystern, die wir yeczo da haben oder fürbazz gewynnen, daz ir sy irs obgenanten geltcz von unsern wegen also fuderleichen und an verziehen aufricht und bezalt, dar an tut ir gänczleich unsern willen, und wellen ew auch daz allzeit legen und abziehen an der rechnung, die ir uns von demselben unserm slegschacz tun werdet, und ob wir yemand anders brief darüber gäben, ez wär von vergessens wegen oder wie daz beschäch, daz sol dhein kraft noch macht wider den brief nicht enhaben in dheiner weis, wär aber, daz in nu fürbazz dheinerlay irrung oder einfäll darynne beschäch und irs obgenanten gelcz nicht bezahlt würden als oben geschriben stet, daz sullen und wellen wir in zestund genadichleichen wenden und richtig machen an allen irn schaden, täten wir dez nicht, waz sy dez dann fürbazz schaden nämen, wie die genant wärn, die sullen und wellen wir in genadichleichen ausrichten mitsambt dem hauptgut, und dez allez sullent sy also haben und bechoment sein zu unsern genaden und trewn und muget auch uns, unser land und lawt und die unsern darumb wol angreiffen, aufhalten und pfenden bis auf ganczew vollew werung hauptgutz und aller schäden und wer in auch dez hilffet, der tut dar an nicht wider uns noch wider nyemant von unsern wegen in dhein weis, wer auch den brief mit irm guten willen ynnehat, dem sein wir allez dez schuldig daz oben geschriben stet als yn selben, urchund dez briefs, der geben und mit unserm anhangundem insigel besigelt ist zu München an eritag nach sand Mathyas tag, do man zalt von kristi gepurt vierzehnhundert jar und dar nach in dem dreyzehenden jare.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Pfalz-Neuburg 1413 Februar 28|BayHStA, Urkunden Pfalz-Neuburg 1413 Februar 28]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 672 Nr. R 353.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1414 Juli 23.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Der Stadtrichter zu Wasserburg, &#039;&#039;Stephan Kyczingär&#039;&#039;, urteilt in einer Klage des &#039;&#039;Ulrich Neidegker&#039;&#039; gegen &#039;&#039;Kristan Pachaimer&#039;&#039;. Unter den Zeugen und Gerichtsbeisitzern: &#039;&#039;Nicklas Munßmaister&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Gericht Wasserburg 386|BayHStA, Urkunden Gericht Wasserburg 386]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 673 Nr. R 356.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1415 Juni 17.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Andreas Erlacher, Heinrich Ärdinger und Konrad Winter geben aus der Hinterlassenschaft des Ortolf Hofher einen Zins von dessen Haus am Griezz an die Kirche des Heilig-Geist-Spitals zur Stiftung eines Jahrtags; aus dem Haus des Stifters geht dafür ein jährlicher Zins von ½ Pfund Wasserburger Pfennige ein.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a173|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a173]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoma, Urkundenregestern Wasserburg|Thoma, Urkundenregestern Wasserburg]], (Jg. 6, Nr. 4), 4 Nr. 22.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1415 August 13.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
Hans Grünaug zu Flintsbach verkauft der Kirche zu Schnaitsee und den Zechpröpsten Stephan von Axheim und Ortolff Petschner eine Hube zu Pettenham um 50 Pfund 60 Pfennig Wasserburger Pfennige.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a68|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a68]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 77.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1415 Oktober 18.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Balthasar der Ronstel, Bürger zu Wasserburg, verkauft dem Niklas Münzmeister, Bürger zu Wasserburg, ein Grundstück auf dem Tobel für 57 Dukaten bzw. neue ungarische Gulden und 60 Pfennig.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a69|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a69]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 673 Nr. R 357.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1416 Mai 10, Ingolstadt.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Abt Erhart zu Seeon, Abt Simon zu Ebersberg, Abt Konrad zu Rott, Abt Johann zu Attel, Hans Layminger, Georg Fraunberger von Hochenburg, Jörg Gumppenberger, die drei herzoglichen Räte Ludwig Graf zu Oettingen, Hauptmann, Hans Gumppenberger, Marschalk, und Wieland Swelher, Hans Tengk, Rat und Kammerer, und Ulrich Fischer von Ingolstadt, Ott Lautes und Niklas Münzmeister, Räte zu Wasserburg, Conrad Kropfel, Rat zu Rattenberg, Hans Pfister, Rat zu Kitzbühel, Thomas an der Prugk, Rat zu Kufstein, Wilhelm Westendorfer und Stephan Prenner, Räte zu Aichach, Cunrad Landirgot und Sige Fischer, Räte zu Schrobenhausen, Andre Grabmair und Berthold Lederer, Räte zu Neunburg, und Clas von Puch und Heinrich Segensmid, Räte zu Rain, bestätigen, dass die Turner Herzog Ludwig in Bayern hinsichtlich seiner Ansprüche auf Wildenwart vor der Landschaft zu Ingolstadt das Recht verweigert haben.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 673 f. Nr. R 361.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1416 Juni 22.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Chunrat Öder verkauft der Kramerzeche ½ Pfund Wasserburger Pfennige Ewiggeld von seinem Haus in der Vergessenen Zeil.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a413|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a413]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1416 Juli 9.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Wernhart Told, Landrichter zu Kling, beurkundet einen Gerichtsentscheid; unter den Beisitzern: Herman und Nyclas, beide Münzmeister.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 674 Nr. R 362.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1417 Dezember 13.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Jörg der Wagner, Bürger zu Salzburg, schuldet Niklas dem Münzmeister, Bürger zu Wasserburg, für eine Ladung Tuch 40 Dukaten bzw. ungarische Gulden.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a73|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a73]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1418.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
50 Pfund gute und ganze Wasserburger Pfennige. &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 77. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1418 März 18.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Stephan Prennöder, Bürger zu Wasserburg, und dessen Ehefrau Margred Samenpreinerin verkaufen Konrad dem Weissen, Bürger zu Wasserburg, für 36 Pfund Pfennige ein Ewiggeld über 2 Pfund Wasserburger Pfennige.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a75|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a75]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 77 (diese Urkunde gemeint?).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1420 Februar 26.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Elisabeth die Pablin verkauft Friedrich dem Schären ihre Brotbank unter dem Rathaus und ihren Krautacker im Hag für 52 Pfund Wasserburger Pfennige.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a80|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a80]],(Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 77 (diese Urkunde gemeint?).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1421 Juni 30.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Hans der Fraunstetter verkauft Niklas Münzmeister seinen Anger am Mühlbach für 60 Dukaten.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a1191|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a1191]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 675 Nr. R 369.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1421 Juli 25, Ingolstadt.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Ludwig VII. bekundet unter Verweis auf die Münzordnung der Herzöge Stephan III., Ernst und Wilhelm III. von 1412 Juni 4 (deren Münzfuß genannt wird) und auf das Ruhen der Münzprägung seit dem Tod seines Vaters seine Absicht, nach dem Münzfuß dieser Münzordnung von 1412 wieder zu prägen. Ab Lichtmeß (1422 Februar 2) soll nur noch diese neue und andere bayerische Münze nach gleichem Münzfuß zugelassen sein.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Bayerische Landschaft 1421 Juli 25|BayHStA, Urkunden Bayerische Landschaft 1421 Juli 25]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 2|BayHStA, Neuburger Copialbücher 2]], fol. 381v-382v (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 36|BayHStA, Neuburger Copialbücher 36]], fol. 243r-243v (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 675 Nr. R 370.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1421 August 15, Ingolstadt.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Einträge in der Rentmeisterrechnung für das Oberland (Ingolstadt) für 1421: Notiz über diverse Zahlungen &#039;&#039;von der newen münß&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Herzogtum Bayern Ämterrechnungen bis 1506 Nr. 12|BayHStA, Herzogtum Bayern Ämterrechnungen bis 1506 Nr. 12]], fol. 46r, 46v (Originaleinträge)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 676 Nr. R 371.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1421 August 22.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eintrag in der Rentmeisterrechnung für das Oberland (Ingolstadt) für 1421: Zahlung von 100 rheinischen Gulden in neuer Münze an Werner Parsberger für seinen Sold. &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Item zu Neunburg an fritag xxii tag Augst han ich geben von der newen münß her Wernher Parsperger fur seinen sold das er damit bezalt ist bis auf den quatember Michaelis anno xximo. Darumb ich meins herrn geschaftbrief und des Parspergers quitbrif han. C gl rh.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Herzogtum Bayern Ämterrechnungen bis 1506 Nr. 12|BayHStA, Herzogtum Bayern Ämterrechnungen bis 1506 Nr. 12]], fol. 47r (Originaleintrag)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 676 Nr. R 372.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1421 Dezember 1.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Hans Pfister schuldet Christan dem Werdär und Peter dem Heltaler, Kirchpröpsten von St. Jakob und der Frauenkirche, 4 Pfund 3 Schilling Wasserburger Pfennige und verpflichtet sich, diese Schuld bis Pfingsten zu begleichen.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a82|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a82]],(Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 77.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1422 November 5.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Ulreich Härder verkauft Peter dem Heltaler ein Ewiggeld um ½ Pfund Wasserburger Pfennige von seinem Haus in Wasserburg.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a83|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a83]] (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1423 September 7.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Hans Fraunsteter und seine Frau verkaufen Niklas Münzmeister und seiner Frau den großen und den kleinen Zehnt von zwei Huben und zwei Weiden in Rädming, einem Hof in Griesstätt und den Zehnt von drei Selden und einer Weide.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a85|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a85]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1423 Oktober 17.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Konrad Tunnzel verkauft Christian Pachamer und Konrad Enzinger, Kirchpröbsten der Pfarrkirche St. Jakob, 32 Wasserburger Pfennig Ewiggeld von seinem Haus im Weberzipfl.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a356|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a356]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1425 Januar 31.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Konrad der Zainaher, Pfarrer zu Traunstein, vermacht einen Anger im Burgfried zu einer ewigen Messe auf dem St. Blasius-Altar in der Frauen-Kapelle. Die Zeugen: Erasm Martein, Ulrich Freisinger, Niklas Münzmeister, Hermann Münzmeister, Christian Werder, Lienhart Zachreis, Lienhart, Kaplan des Erasm Martein, Michael Chölmisch, Zollner zu Wasserburg, Andre Erlacher, Bürger zu Wasserburg.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a551|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a551]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 678 Nr. R 381.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1425 Februar 5.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Spitalmeister Niklas Münzmeister und Andreas Schönsweter verkaufen Erasm dem Martein und seiner Frau 1 Pfund Ewiggeld von dem Laden des Peter Swertfeger unter dem Haus des Erasm Martein für 21 Pfund 60 Pfennig Wasserburger Währung.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a89|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a89]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 677 Nr. R 379.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1426 August 27.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Hans Frawnsteter und seine Frau verkaufen Niklas Münzmeister und seiner Frau einen Krautacker in der Weitpeunt im Burgfrieden der Stadt für 9 Pfund Wasserburger Pfennige.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a91|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a91]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78 (diese Urkunde gemeint?).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1426 Dezember 14.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Christan Schönperger und seine Frau verkaufen Hans dem Glöstlein und seiner Frau 1 Pfund Wasserburger Pfennige von ihrem halben Badhaus und der Hofstatt bei dem Türlein für 25 Gulden.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a92|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a92]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78 (diese Urkunde gemeint?).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1427 Januar 31.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Örndel der Bader und seine Frau Diemut verkaufen Hans dem Glöstlein 5 Pfund Wasserburger Pfennige Ewiggeld von ihrem halben Bad und Badhaus beim Türlein für 25 Gulden und 60 Pfennig.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a122|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a122]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78 (diese Urkunde gemeint?).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1437 März 19.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Martein Mötel verkauft Lienhart Mülperger sein halbes Haus und seine halbe Brotbank für 70 Pfund Wasserburger Pfennige.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a1177|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a1177]], (Ausfertigung). &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1437 April 23.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Niklas Münzmeister, Bürger zu Wasserburg, und Anna, seine eheliche Hausfrau, verschreiben den Sondersiechen bei der St. Achatz-Kirche einen jährlichen Zins von 10 Schilling Pfennige von ihrem Anger, gelegen im Burgfried.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a556|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a556]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 699 Nr. R 467.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1437 September 1.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Niklas Münzmeister und seine Frau Anna übergeben den Sondersiechen bei der St. Achatz-Kirche (= Leprosenhausstiftung) 10 Schilling Pfennige jährliches Ewiggeld von ihrem Anger im Burgfried.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a556|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a556]], (Ausfertigung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1439 April 9.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Sygmund Widerspacher verkauft Niklas Münzmeister seinen halben Krautacker im Hag für 7 Pfund Pfennige.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a137|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a137]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 152./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1442 April 19.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Michel Zänndl verkauft Ulrich dem Pruntaler ½ Pfund Wasserburger Pfennige Ewiggeld von seinem Haus an der Schmidzeile.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a152|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a152]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1443 August 9.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Heinrich, Kaplan am Altar von Hans dem Glöstlein in der Frauenkirche (= Glöstel-Benefiziumstiftung), und seine Mutter Kristein, Witwe von Lieblein dem Ledrer, verkaufen der Priesterbruderschaft ½ Pfund Pfennige jährliches Ewiggeld von ihrem Haus, Hofstatt und Garten an der Lederergasse für 9 Pfund 6 Schilling Pfennige Wasserburger Münze.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a560|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a560]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoma, Urkundenregestern Wasserburg|Thoma, Urkundenregestern Wasserburg]], (Jg. 6, Nr. 5), 6 Nr. 35 (dort zum 16. August).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1443 Oktober 22.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Heinrich Zunhaymer und Andreas Pawnberg, Zechpröbste von St. Achatz (= Leprosenhausstiftung), verkaufen der Priesterbruderschaft ihr jährliches Ewiggeld in Höhe von 5 Schilling Pfennige aus Haus und Hofstatt von Michel und Margret Stäpflein an der Vergessenen Zeil für 12 Pfund 60 Pfennig Wasserburger Währung.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a561|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a561]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1444 Mai 19.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Hans Grat, Pfarrer zu Erharting, verkauft der Priesterbruderschaft sein jährliches Ewiggeld in Höhe von 1 Pfund Pfennige aus Haus und Hofstatt von Friedrich dem Engelstorffer an der Bäckergasse für eine Summe Geldes Wasserburger Währung.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a562|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a562]] (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1445 Juli 27.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Hans Grasmann verkauft Ulrich Pruntaler ½ Pfund Pfennige Ewiggeld von seinem Haus in der Salzsendergasse für 8 Pfund Wasserburger Pfennige.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a441|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a441]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1445 August 3.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Niklas Münzmeister und Wilhalm Egksteter, Kirchenpröpste von St. Jakob, bestätigen, dass Friedrich Fralhaimer zu dem Jahrtag, den sein Vater Hans gestiftet hat, 18 Pfund Pfennige hinzu gegeben hat.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a378|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a378]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1445 August 5.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Kirchenpröpste der Pfarrkirche St. Jakob, Niklas Münzmeister und Wilhalm Egksteter, bestätigen, dass sie die 47 Pfund Wasserburger Pfennige des Hanns Esslinger für einen Jahrtag zu seinem Gedenken angelegt haben.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a449|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a449]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1446.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
38 Pfund 7 Schilling Wasserburger Währung.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1446 Januar 12.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Otto Kochlär und seine Frau Dorothea schulden Margarete Frälhaimer 26 Pfund Pfennige &#039;&#039;gueter Wasserburger werung&#039;&#039; für den Kauf ihres Hauses, die sie in Raten abzahlen werden.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a161|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a161]],(Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78 (diese Urkunde gemeint?).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1446 März 20.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Niklas Münzmeister, Bürger zu Wasserburg, verkauft einen Krautacker.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Gericht Wasserburg 404|BayHStA, Urkunden Gericht Wasserburg 404]], (Ausfertigung, sehr schlecht erhalten)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 708 Nr. R 509.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1446 Juni 28.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Mathes Laymer und seine Frau Kathrey verkaufen Andreas Planckburger ihre halbe Joiche auf dem Dobl für 13½ Pfund Pfennige &#039;&#039;guter Wasserburger werung&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a163|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a163]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78 (diese Urkunde gemeint?).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1446 Oktober 18.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Niklas Münzmeister, Bürger zu Wasserburg, verschreibt den Sondersiechen bei St. Achatz seinen Anger, gelegen zu Wasserburg in dem Burgfried, zugleich mit 12 Schilling Pfennige jährlichem Zins. Nach seinem Ableben soll für ihn und seine Ehefrauen Ottilia und Anna am St. Achaz-Tag nachts eine Vesper und morgens ein Amt gehalten werden..&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a563|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a563]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 708 Nr. R 511./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoma, Urkundenregestern Wasserburg|Thoma, Urkundenregestern Wasserburg]], (Jg. 6, Nr. 5), 6 Nr. 38.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1447.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Gute Wasserburger werung. &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1448.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Gute Wasserburger werung. &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1448 März 18.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Niklas Münzmeister und Hainrich Ettlinger als Zechpröpste der St. Jakob-Pfarrkirchenstiftung verkaufen einen Anger zu Wasserburg an Wilhalm Eglstetter.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a980|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a980]], (Ausfertigung). &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1450.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Gute Wasserburger werung. &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1450 Oktober 16.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Niklas Münzmeister und Hainreich Etlinger, Kirchenpröpste der Pfarrkirche St. Jakob, übernehmen die Versorgung und Ausstattung der täglichen und ewigen Messe, die Ludwig Reiter auf dem Altar in der Kapelle der Heiligen Bartholomeus und Stefan in der Pfarrkirche gestiftet hat, und erhalten dafür von ihm 80 rheinische Gulden für die Ausstattung der Messe.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a565|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a565]] (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 715 Nr. R 541.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1451 Februar 4.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Fridrich Moser aus Sepaberg verkauft Ulrich Prannstondl 4 Pfund Pfennige Ewiggeld von 1½ Joichen in der Tegernau und auf dem Tobel für 66 Pfund Wasserburger Pfennige.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a181|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a181]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1451 April 13.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Konrad Mosshamer stiftet ½ Pfund Wasserburger Pfennige von seinem Garten vor der Brücke für einen Jahrtag in der Pfarrkirche St. Jakob.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a450|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a450]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1451 Mai 4.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg bestätigen, dass Niklas Münzmeister eine ewige Messe in St. Jakob auf dem Heilig-Geist-Altar gestiftet hat, sein übriges Hab und Gut für Bauausgaben bei der Pfarr- und Frauenkirche(nstiftung) angelegt werden soll und er sein Haus an seine Stiefsöhne Christoff und Erasm Martein vererbt hat, mit Ausnahme von 15 Pfund Wasserburger Pfennigen, die als jährliches Ewiggeld an das gestiftete Benefizium gehen.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a370|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a370]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1451 Mai 4.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Brüder Christoff und Erasm Martein stiften anstatt der 15 Pfund Pfennige Ewiggeld für das von ihrem Stiefvater Niklas Münzmeister geerbte Haus das Gut zu Pernham, ein Gut in Bachmehring, ein Gut in Kollgrub, ein Gut zu Surbrunn mit dem dortigen See und einen Anger in Spielberg der Münzmeister-Benefiziumstiftung.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a372|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a372]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1451 Juli 27.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Hanns Aindorffer verkauft dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Wasserburg als Nachlassverwaltern des verstorbenen Niklas Münzmeister ½ Pfund Pfennige Ewiggeld von einem Krautacker im Hag zur Münzmeistermesse auf dem Heilig-Geist-Altar in der Pfarrkirche St. Jakob.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a180|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a180]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1451 September 29.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Abt Georg, Prior Hans und der Konvent des Klosters Attel bestätigen der Stadt Wasserburg ihr Präsentationsrecht für das Münzmeister-Benefizium und versprechen, den vorgeschlagenen Kandidaten nicht abzulehnen.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a377|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a377]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1453 März 17.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Brüder Hektor, Hans und Erasm Schonsteter zu Warnbach stiften den Zehnten, den sie auf den Gütern haben, die Niklas Münzmeister zu seiner Messe gestiftet hatte, der Münzmeister-Benefizium-Stiftung.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a376|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a376]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1453 April 16.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Ruprecht Fudrer aus Passau bestätigt den Empfang von 64 Pfund Pfennigen für ein Glas für die Pfarrkirche St. Jakob wegen des verstorbenen Niklas Münzmeister.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a186|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a186]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1454 März 23, München.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Herzöge Albrecht III. und Ludwig IX. bestätigen dem Salzburger Erzbischof, dass Oswald Torringer bei ihnen in München war und das Salzburger Anliegen überbracht habe, dass er vorhabe zu prägen und das gerne auf bayerischen Münzfuß täte. Sie laden den Erzbischof deshalb ein, zu einer Tagung in Wasserburg am Sonntag nach Ostern (April 28) Vertreter zu schicken, damit man die Sache dort bespreche.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3825|BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3825]], fol. 28r-v (Konzept)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 723 Nr. R 573.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1454 März 26, Ingolstadt.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Ludwig IX. sendet dem Pfleger &#039;&#039;Hansen Layminger&#039;&#039;, dem Rentmeister &#039;&#039;Jorgen Etlinger&#039;&#039;, &#039;&#039;Linharten Spilberger&#039;&#039; und der Stadt Wasserburg seine und Herzog Albrechts III. &#039;&#039;verwilligung der munss&#039;&#039; und bittet, zu beraten, ob man das Münzen einstellen und anders prägen solle.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GL Wasserburg 4a|BayHStA, GL Wasserburg 4a[[ (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 723 Nr. R 574.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1454 Juni 10, Salzburg.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Erzbischof Sigmund I. von Salzburg teilt Herzog Ludwig IX. mit, nachdem er kürzlich seine Botschaft zur Münztagung mit Ludwigs und Albrechts Räten in Wasserburg gehabt habe, auf der nichts beschlossen worden sei, und gehört habe, dass Ludwig wegen anderer Angelegenheiten der Sache vielleicht nicht nachgehen wolle, dass er nun vorhabe, auf den bayerischen Münzfuß prägen zu lassen. Er sei bereit, falls der Herzog das wolle, darüber eine Münzordnung oder einen Vertrag zu schließen und zu diesem Zweck eine Botschaft zu schicken.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3825|BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3825]], fol. 33r-33v (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 724 Nr. R 580.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1454 Juni 21.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Anwälte Herzog Ludwigs IX., Hanns von Parsperg, Friedrich Toblhaimer und Karl Kärgl, senden dem Kanzler Andreas Loder ein Schreiben von Herzog Albrecht (wohl 1454 Juni 14) mit einer Abschrift ihrer Antwort an den Herzog und bitten ihn, dem Rentmeister in Wasserburg eine Abschrift des herzoglichen Schreibens zu schicken und ihn auf die Einhaltung des beschlossenen Gebots hinzuweisen. Auch dem Rentmeister in Burghausen und weiteren Personen, wo es ihm nützlich scheine, solle er ähnliche Schreiben senden.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3825|BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3825]], Blatt vor fol. 38 (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 726 Nr. R 588.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1455 November 14.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg geben dem Benefiziaten der Münzmeister-Benefiziumstiftung jährlich 2 Pfund Pfennige von den 50 Pfund Pfennigen, die Niklas Münzmeister für den Kauf eines Benefiziatenhauses gestiftet hatte, bis das Haus gekauft wird.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a371|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a371]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1456.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Letzte Erwähnung der Wasserburger Münze in einer Urkunde. &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schnepf, Wasserburger Währung|Schnepf, Wasserburger Währung]], 78. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1458 März 4.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Beglaubigungsschreiben des Rats der Stadt Wasserburg an Herzog Ludwig IX. für Hans Räwtter und Michael Hofmann, die ein Schreiben der Stadt zum Ratschlag über die Münze überbringen und weitere Anliegen mündlich vortragen werden.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GR fasz. 1156/44 II|BayHStA, GR fasz. 1156/44 II]], fol. 19r-19v (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 760 Nr. R 729.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;(zu 1458 März 4).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Ratschlag der Stadt Wasserburg, gerichtet an Herzog Ludwig IX. (überbracht von Hans Räuter und Michael Hofmann, vgl. Beglaubigungsschreiben von 1458 März 4). Die Fürsten von Bayern sollen alle gleich auf 5½ Lot und 31 oder 32 Pfennig auf das Lot prägen. Die Fürsten sollen keinen Schlagschatz davon nehmen, die Amtleute sollen bekommen: Versucher von der Mark 1 Hälbling, Aufzieher 1 Hälbling, Eisengraber 1 Hälbling, Präger 1 Hälbling. Es soll in mehreren Münzstätten geprägt werden, damit man schneller zu einer guten Münze komme. Der Gulden solle dann auf 5½ Schilling Pfennige für den rheinischen und 7 Schilling Pfennige für den ungarischen gesetzt werden, denn wenn er höher gesetzt werde, so würden die neuen Münzen gegen Gold aus dem Land fließen, wie es bisher gewesen sei. Innerhalb eines Jahres werde der Gulden von selbst seinen rechten Preis gewinnen. Die Fürsten sollen auf den Schlagschatz zugunsten des Nutzens für Land und Leute verzichten; in ihren Renten und Gülten werde das mit größerem Nutzen wieder ausgeglichen. Die Städte, in denen gemünzt werde, würden sich sicher auch mit Bürgern und Kaufleuten um den Silberkauf kümmern. Zum Silbergewicht: Das Münchner und das Wasserburger seien gleich, aber leichter als das Landshuter, Neuöttinger und Braunauer; das Amberger und das Neumarkter seien wohl leichter.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Item unnser genädig herren die fürsten von Beyern etc durch ir räte und lanndtschafft mit ganczem fleyß wol bedächtlich und mit gueter weil über die sach von der münnß wegen siczen und darinn nach aller notdurfft darumb fürnemen und also ein überwegen tuen, damit lanndt und läwtten nucz und frumen und zu künftigen zeiten kain schade daraws erstee, nach dem hoch und gros an der münnß ligt, den fürsten und iren inwanern in dem haws zu Beyern an iren rännten, güllten, auch kaufläwtten, burgern und pawrn an allen iren gewerben und hanndlungen, und ist zubesorgen, das an eine gemayne länntschafft mit gähe, die sach nit geratschlagt werden müg, nach fleissiger gueter notdurfft der fürssten und ir lannde und läwt, doch sovil wir ieczo kürczlich bedacht sein auf unsers genädigen herren herczog Ludwigs etc schreiben und begern, bedäwcht uns ein gemayner nucz.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Item das die fürsten von Beyrn all gleich auf ein korn münnssen zw sexthalben lot feins sylbers ein gemyschte marckh, xxxi oder xxxii dn auf ein lot, und das also pfenning wurden geschlagen, damit gleich ainer als swär wurd als der annder, darumb das man sy nicht möcht ersaygern die swärn aws den ringen, als dann vor beschehen ist, und das sölh münssen den steten bevolhen werde, treflichen mit gannczem fleyss lanndt und läwtten zu nucz, an allen vorteyl, bey höher pene, so darauf geseczt werde, das auch die fursten noch nyemal kainen schlagschacz davon nit haben noch nemen, die ambtläwt der münnss mit namen der versucher von der marckh i haller, aufzyeher i haller, eysengraber i haller und der prager i haller nemen und haben und auch nit mer, darumb das man nach dem genawisten den sachen nach geen müeß von des sylber kauffs wegen, wann die stet durch ir kaufläwt das in die landt bringen, das dann jetz härt an kumbt und hochgülltig ist, nach dem in dem lannde zw Beyrn nicht sylber ist. &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Item sölhen grossen fleyß der münß kan noch mag nyemant pas tuen dann die stet, wann sich nit gepürtt nach dem und die gestalt und gelegenhayt der münss jetz stet, das man mit eylen oder mit dem Geytn (Heytn ?) schlahen oder münssen sülle, es sol und mues gar mit hohen und grossem fleyß und mit gueter weil gemünnsst werden, da mit den sachen darinn recht beschehe und damit recht umbganngen und gehanndelt werde das treulich hayss und sey.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Item und nach dem des münnssen so wol nit schlawmet, so ainer pfenning so swär sey als der annder, das dann gros notdurfft ist, sunst an das mag den fürsten, auch iren lannden und läwtten zu nucz nicht gemünnsst werden, sol man darob sein, damit desterpas an menigen ennden und steten münnß geschlagen werde, dadurch so kumbt man fürderlichen zw gueter münnss und das pot, so iecz am jüngsten darumb awsganngen ist, mag desterpas gehallten werden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Item so in der maynung, wie obengeschriben stet, gemünnsst wirdet und nach unserm versteen ein ganczer gemayner und grosser nucz wär, den gulden darauf zepieten und zeseczen einen reynischen für vj (5 ½) sol dn, den ungrischen für vii sol dn und nit höher und das von sölher ursach wegen, ob man den gulden höher seczt, so bringt das gold die ietzgeschlagen newen münnss wider aws dem lanndt, als vor auch beschehen ist, man sol ein fürnemen tuen, das die münß im lannde beleibe, das lannde zu Beyern kan noch mag nicht anndern lannden münss schlahen, es vermag sein auch nit an sylber, und so der gulden je leichter geseczt wirdet, so die münnß ie pas im lannde beleibt, und das ist dann guet, es ist auch für die fürsten und für ir lanndt und läwtt, und ee ein jar vergeet, so wirdet der gulden an im selbs seinen rechten satz und ganckh gewingen.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Item die fürsten von Beyrn etc unnser genädig lieb herren süllen den schlagschatz nit wegen in selbs, auch lanndt und läwtten zw nucz nachgeben, wann es in an iren rännten und güllten vil mit grösserm nucz wider zw geet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Item und maynen so also gemünsst solt werden, das es zu mal gros für die fürsten, auch für ir lannde und läwt sein wurde, und das auch die stet, da man dann münnss schlahen wurde, durch ir burger und kauflawt mit sölichem fleys des silberkauffs also darob wurden sein gein den münsmaystern und anndern ambtläwtten der münss zugehörnndt, das genuegsamlich gemünst wurde und des auch ein jeder münnsmayster wol zukömen und erleyden möcht, wann nyemant in der sach grössern und stätern fleyß kan noch mag tuen, dann die stet, darinn dann gemünt wirdet. Die es gar fürsichtigklichen nach dem pessten stäts in treflichen vleys mussen hallten und albeg darinn gein der herrschaft sorgfeltiger sein und an allen vortayl hanndeln dann jemant annder.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Item recht zu bedencken das silbergewicht, wann uns bedunckt das Münchner und Wasserburger gewicht geleich und doch nit so swär sey als Lanntshuter, Öttinger und Prawnawer gewicht, es möcht villeicht Amberger und Newnmarckter gewicht auf dem sannt auch, als uns bedunckt, ringer sein, darumb so mues je den sachen aus menigen wege, der darinn, als die notdurfft tuet, ist fürzenemen fürsichtigklichen wey sleichen und trewlichen nachganngen und wol mit fleyß betracht werden, wann mit solichen gewichten ainer stat wider die an dem münnssen nachtayl oder vortayl ergeen und der münß kranckh bringen möcht an ettlichen steten, genädiger herr, also vernymbt ewer gnad unnser arms aynfeltigs versteen der sach von der münz wegen von ewer stat Wasserburgk.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GR fasz. 1156/44 II|BayHStA, GR fasz. 1156/44 II]], fol. 20r-20v (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 760 f. Nr. R 730.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1458 April 17, Burghausen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Ludwig IX. schickt dem Rentmeister von Landshut eine Abschrift des neuen Landgebots über die Münze und beauftragt ihn, es allen Pflegern, Richtern, Städten und Märkten und auch den Rentmeisterämtern Burglengenfeld und Weiden schriftlich bekannt zu machen und auf die Einhaltung zu achten. Ähnliche Schreiben gehen nach Wasserburg und ins Oberland.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Neuburger Copialbücher 36|BayHStA, Neuburger Copialbücher 36]], fol. 214r (Konzept)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 779 Nr. R 786.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1458 Dezember 6.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Ludwig IX. lädt zur Münztagung am 29. Dezember in Landshut ein. Mit Liste der zu ladenden Personen. Von den Räten: Marschall, &#039;&#039;Hanns Frawnberger, Thoman Preisinger, Jorg Closner, Hainrich Nothaft, Hanns Seywoltstorffer, Jorg Ahaimer, Jorg von Kamer, Ott Pienczenawer&#039;&#039;; von den Prälaten: Abt von &#039;&#039;Alltaich&#039;&#039;, Abt von &#039;&#039;Sewn&#039;&#039;; aus der Landschaft: &#039;&#039;Ortolff Trenbeck, Hanns Richer, Jorg Eschelbeck, Tywolt Reigker, Hainrich Haßlanger&#039;&#039;; von den Städten: Landshut, Burghausen, Neuötting, Ingolstadt, Wasserburg (je ein Vertreter). Dem Viztum in Amberg ist zu schreiben, einen Vertreter zu entsenden. Weiter soll man den Münzmeister &#039;&#039;Engelharten&#039;&#039; laden und auffordern, &#039;&#039;dy weil ein durchzogne munss zumachen und dy mit im zubringen ain pfunt oder zway&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GR fasz. 1156/44 I|BayHStA, GR fasz. 1156/44 I]], fol. 104v (Konzept)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 813 f. Nr. R 886.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1459 August 15, Burghausen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Ludwig IX. weist die Amtleute in Wasserburg (Rentmeister &#039;&#039;Jorgen Ettlinger&#039;&#039;, Zöllner &#039;&#039;Andre Zeller&#039;&#039;) an, Renten, Zinsen und Gülten des Rentmeisteramts, die bis 25. Juli fällig waren, nur in guter alter Münze, nach dem 25. Juli und in Zukunft fällige aber in guter alter Münze oder in den jetzt in Landshut geprägten Pfennigen zu nehmen, nicht aber in irgendeiner fremden Münze. Im Gebirge allerdings soll zugelassen sein, was auch unter dem verstorbenen Herzog Ludwig VII. erlaubt gewesen ist.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GR fasz. 1156/44 II|BayHStA, GR fasz. 1156/44 II]], fol. 157r (Konzept)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 836 Nr. R 961.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Undatiert (1459 Dezember 6-11).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Ludwigs IX. Instruktion für seinen Rat &#039;&#039;Tywolten Reigker&#039;&#039;, der zu Verhandlungen zu Herzog Albrecht III. reist. Er solle berichten über den Besuch der Vertreter des Rats von Ingolstadt, die an Nikolaus (Dezember 6) beim Herzog waren und sich über die Zölle und Mauten beim Transport von Wein und Salz beklagt hätten, und ihm einen Aufschlag auf Weintransporte in den Mautstellen Straubing und Vilshofen vorschlagen. Was die Münze angehe, so werde klar, dass beide Herzöge nicht lange ohne großen Schaden auf 3 Lot prägen könnten, da fremde und schlechte verbotene Münze in Haufen ins Land komme und die dreilötige Münze aufgekauft und in fremde Münzstätten ausgeführt werde. Mit Landgeboten komme man dagegen nicht an. Er habe deshalb mit dem Rat beschlossen, nun so zu prägen, wie der Kaiser und andere Herren, (nämlich von drei Lot auf ein Lot herunterzugehen; [diese Passage gestrichen]). Er solle Herzog Albrecht sagen, dass er keine Räte nach Wasserburg zu schicken brauche, da der Herzog die Tagung auch dem Erzbischof von Salzburg abgesagt habe.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GR fasz. 1156/44 II|BayHStA, GR fasz. 1156/44 II]], fol. 178r-179v (Konzept)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 846 Nr. R 1001.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1459 Dezember 11, Tittmoning.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Ludwig IX. hat von den Räten, die kürzlich bei Herzog Albrecht III. in München waren, erfahren, dass gemeinsam mit dem Erzbischof von Salzburg am kommenden Freitag (Dezember 14) eine Münztagung in Wasserburg stattfinden solle, und teilt nun Herzog Albrecht mit, dass, wie er von &#039;&#039;Tybolden Reicker&#039;&#039; wohl schon erfahren habe, die Tagung nicht stattfinden werde. Er bittet den Herzog deshalb um Vorschlag eines neuen Termins.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3826|BayHStA, Kurbayern Äußeres Archiv 3826]], fol. 35r-35v (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 846 Nr. R 1002.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1460 März 14, Landshut.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Herzog Ludwig IX. weist, da entgegen den früheren Landgeboten Haufen fremder Münze ins Land und die eigene außer Landes kämen, Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg an, bekannt zu machen, dass ausschließlich bayerische Münzen zugelassen seien; den rheinischen Gulden solle man für 12 Schilling Pfennige und den ungarischen oder Dukaten für zwei Pfund Pfennige und nicht höher nehmen. &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, GL Wasserburg 4a|BayHStA, GL Wasserburg 4a]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 855 Nr. R 1031.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1464 April 4.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Erasm Peysser, Kaplan des Niklas Münzmeister-Altars zu Wasserburg, verschreibt der Priesterbruderschaft sein Haus und Hofstatt zur Einrichtung eines Jahrtages und der Pfarrkirche St. Jakob ½ Pfund Pfennige jährliches Ewiggeld von seinem Haus und seiner Hofstatt für Baumaßnahmen.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a57|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a575]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 160 mit Anm. 102./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoma, Urkundenregestern Wasserburg|Thoma, Urkundenregestern Wasserburg]], (Jg. 6, Nr. 7), 6 Nr. 52.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1465 Juli 17, Wasserburg.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Virgili Hofer, Hanns Lerer&#039;&#039; und &#039;&#039;Hanns Rewter&#039;&#039; für sich und &#039;&#039;Hannsen Rockendorffer&#039;&#039; (alle von Salzburg), &#039;&#039;Hanns Englhart&#039;&#039; von Landshut, &#039;&#039;Cuncz Pawmgarttner&#039;&#039; von Kufstein, &#039;&#039;Jorig Pürckel&#039;&#039; und &#039;&#039;Hanns Altman&#039;&#039; von Burghausen, &#039;&#039;Herman Grünhover&#039;&#039;, Münzmeister in Meran, &#039;&#039;Virgil Pflanczner, Gabriel Egrer&#039;&#039; für sie beide und ihren Schwager &#039;&#039;Wilhalm Porczem&#039;&#039;, &#039;&#039;Pauls Englhart&#039;&#039; für sich und seine Mutter, &#039;&#039;Steffan Singer&#039;&#039; von Passau, &#039;&#039;Oswald Schef&#039;&#039; und &#039;&#039;Linhart Heller&#039;&#039; von Rattenberg, &#039;&#039;Sigmund Prentl&#039;&#039; und &#039;&#039;Wernher Hunczdorffer&#039;&#039; von Burghausen für sie beide und den Präger von Landshut, &#039;&#039;Ulrich&#039;&#039; und &#039;&#039;Martein die Harscher&#039;&#039; und &#039;&#039;Christan Krautmüllner&#039;&#039; von Kitzbühl für sie drei und für &#039;&#039;Walthazar Troyer&#039;&#039; und den &#039;&#039;Rebhannsen&#039;&#039; bekennen, dass Herzog Ludwig IX. mit ihnen einen Vertrag über den Silberkauf geschlossen hat, dessen Regelungen im Detail ausgeführt werden. Siegler: die Pfleger &#039;&#039;Hanns Layminger zu Cling&#039;&#039; und &#039;&#039;Fridrich Piencznawer&#039;&#039; zu Irlbach, Zöllner &#039;&#039;Conrad Zeller&#039;&#039; und der Wasserburger Bürger &#039;&#039;Kilian Ochsenperger&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir die hernachgeschriben mit namen Virgili Hofer, Hanns Lerer und Hanns Rewter für mich selbs und Hannsen Rockendorffer, für den ich zugesagt han, alle von Sallczpurg, Hanns Englhart von Landshut, Cuncz Pawmgarttner von Kuffstein, Jorig Pürckel und Hanns Altman von Burckhawsen, Herman Grünhover, münczmeister von Meran, Virgil Pflanczner, Gabriel Egrer für uns zwen und Wilhalm Porczem unnsern swager, für den wir zugesagt haben, Pauls Englhart für mich und mein muter, Steffan Singer von Passaw, Oswald Schef und Linhart Heller von Ratemberg, Sigmund Prentl und Wernher Hunczdorffer von Burckhausen für uns bede und den preger von Landshut, Ulrich und Martein die Harscher und Cristan Krautmüllner von Kiczpühl für uns drey und Walthazar Troyer und den Rebhannsen bekennen mit dem brieve gen allermenigclich, das uns der durchluchtig hochgeborn fürste und herr herr Ludwig phallczgrave bey Rein, herczoge in nidern und obern Bairn etc unser gnediger herr von unser vleissigen bete wegen sich mit uns von des silberkaufs wegen vereinet und vertragen hat als hernachvolget. Item wann unser ainer hinfur in den smelczhütten gen Ratemberg gehörende vermeinet abczutreiben, so solle er das vor zeitlich gen Ratemberg zuwissen tun dem den sein genade darczu geordent hat, und das mit solichem wissen fürnemen, das derselb in einer yeden hütten, wo man dann vermeinet abczutreiben bei demselben abtreiben sein möge, und wann dann das silber also abgetriben, so sol der, der von unnsers gnedigen herrn wegen dabei gewest ist, solichs schreiben mit seiner handt in das register, das des ist, dem das silber zusteet, desgeleichen sol dasselb silber auch von dem, des es ist, geschriben werden in das register, das dem zusteet, den unser gnediger herr über dise ding geordent hat. Item wann dann ettliche under uns in den hütten gen Kiczpühl und Kufstein gehörnde abtreiben wellen, so solle unser yeder das auch dem, den unser gnediger herr zu Kufstein darczu geordent hat, zeitlich zuwissen tun unde es in allermassen hallten mit dem abtreiben, einschreiben und andern sachen wie oben von den smelczhütten umb Ratenberg gelegen, gesaczt ist. Item in welicher hütten dann das silber also abgetriben würdet söllen der, dem das under uns zusteet, und auch der, den unser gnediger herr darczu geordent hat, soofft das abtreiben gescheen ist, das von stundan in einen sack tun, mit ir beder petschaft verpetschefften und in das prenngaden gen Ratemberg antworten, da selbst sol es dann, das es kaufmannsgut sey, durch den geswornen brenner geprannt und mit unnser gnedigen herrn und des czeichen, dem es zusteet, ob es anders zeichens wirdig sey, geczeichent werden und darnach in seiner gnaden brenngaden beleiben solang, bis das dem berckmaister von einer yeden marckh wienisch gewicht drey ort eins reinischen gulden von dem, des das silber ist, ausgericht und beczalet werden. Item so sollen wir auch dem genanten unserm gnedigen herrn das silber, ob er anders des begern würd in dem kauff, als wir es sünst ungeverlich verkauffen, widerfaren lassen. Item unser yeder smelczer sol auch von stundan unssers gnedigen herrn berckmaister an seiner gnaden stat mit truen an aids stat geloben und swern, das sy alles silber, so sy abtreiben, zu einer yeden czeit, so offt sy von seiner gnaden wegen darumb gefragt werden, seinen gnaden oder dem, der sy allso von seiner gnaden wegen fragt, die warhait sagen und darinn gancz nichcz verhallten noch versweigen wellen, und ob derselben smelczer ettlich sterben oder sunst absteen, weliche dann von den hütthern furtter aufgenomen wurden, die sollen von stundan dem berckmaister benent werden, geloben und sweren, alles das zuhallten, das obbegriffen ist. Wellicher aber under uns den sachen allen und yeden wie hievor stet nit nach käm, derselb sol leib und gut seinen genaden on alle verrer erkantnuß des rechten und darczu on alle genad vervallen sein, des sich sein genade auch zue im nach seiner gnaden willen und wolgevallen hallten und gebrauchen mag, doch so hat sein gnad im auch hieinn vorbehallten dem obgeschriben zusagen nachczukomen, wie kurcz oder langk er wil, seinen gnaden sol auch durch dise berednuss nit benomen noch verleczt sein, das zusagen des silberkaufshalben seinen gnaden, als er vormaln zu Ratemberg gewesen ist, bescheen und darczu sol es auch seinen gnaden an der verschreibung, die di von der hadergraben seinen genaden des silber kaufshalben vormaln getan haben unvergriffen und unschedlich sein und beleiben, und so auch der silberkauf nach lautt dits briefs von seinen gnaden abgesagt worden wär, so solt dise verschreibung tod und absein und niemont darinn begriffen hinfür binden in kain wege, und des zu urkunt, besigelt mit der edeln, strenngen und vesten herren Hannsen Layminger zu Cling, herrn Fridrichen Piencznawers zu Irlbach, pflegere, Conraden Zeller, zollner, und Kilian Ochsenpergers, burger zu Wasserburg, aigen anhangenden insigeln, die sy nach unser vleissigen bete willen hieran gehangen haben, doch in und iren erben one schaden, darunder wir uns alle und yeder besunder mit waren truen an aids stat verpinden vesst und stät zuhallten innhallt des brieves, der geben ist zu Wasserburg am mitwoch nach divisionis apostolorum nach cristi geburd vierczehenhundert und im funfundsechczigisten jarn.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Urkunden Pfalz-Neuburg Bergwerksgegenstände 19|BayHStA, Urkunden Pfalz-Neuburg Bergwerksgegenstände 19]], (Ausfertigung)./ |BayHStA, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Staatsverwaltung Nr. 1620|Staatsverwaltung Nr. 1620]], fol. 188r-189v (Abschrift)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 872 Nr. R 1089./ Nicht bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lori, Sammlung baierischen Münzrechts|Lori, Sammlung baierischen Münzrechts]].&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1465 November 4.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Lienhart Erlacher und Cristoff Martein, Kirchpröpste der Pfarrkirche St. Jakob, verkaufen der Priesterbruderschaft ½ Pfund Pfennige jährliche Gilt, das Erasm Peysser, Kaplan des Münzmeister-Altars, aus seinem Haus an der Ledererzeile der Pfarrkirche St. Jakob vermacht hat, für 10 Pfund Pfennige zurück.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a578|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a578]], (Ausfertigung)./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Emmerig, Bayerns Münzgeschichte|Emmerig, Bayerns Münzgeschichte]], 160 mit Anm. 102./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Thoma, Urkundenregestern Wasserburg|Thoma, Urkundenregestern Wasserburg]], (Jg. 6, Nr. 7), 7 Nr. 55.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1467 Oktober 5.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Ulrich Surprunner aus Surbrunn und seine Frau Barbara, seine Mutter Diemut, seine Schwester Margret und Hainrich Vorer aus Eyting überschreiben Christan Dremel, Kaplan der Münzmeistermesse, das Baurecht und die &amp;quot;vordrung&amp;quot; auf ihrem Gut in Surbrunn.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a237|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a237]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1469 August 23.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Heintz Niderhueber aus Bärnham und seine Frau Ursula einigen sich mit ihrem Stiftherrn Christan Dremel, Kaplan des Münzmeister-Benefiziums, dahingehend, dass sie ohne seine Erlaubnis kein Holz schlagen und ihre Stiftzeiten einhalten.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a250|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a250]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1470 Januar 30.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Oswolt Mair aus Surbrunn einigt sich mit Christan Dremel, Kaplan des Münzmeister-Benefiziums, dahingehend, dass er sein Gut in Surbrunn zu Lehen übertragen bekommt, wenn er zwei Jahre die Stift zahlt und nur zum Eigenbedarf Holz schlägt.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a253|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a253]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1471 März 27.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Cristan und Kathrei Siechstarffer verkaufen der Münzmeister-Benefiziumstiftung 1 Pfund Pfennige Ewiggeld von ihrem Haus in der Salzsenderzeile am Eck.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a375|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a375]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1476 Februar 1.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Connrat Aignsmidt stiftet 60 Pfund Pfennige Ewiggeld von seinem Haus und seinem Stadel vor der Brücke zur Münzmeister-Benefiziumstiftung.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a374|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a374]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1477 April 23.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Connrat Teutlhauser verkauft Cristan Dremel, Kaplan des Münzmeister-Benefiziums, 2 Pfund Pfennige Ewiggilt von einem Haus an der Ledererzeile.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a301|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a301]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1483 Juni 19.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Fridrich und Juliana Hoffmann verkaufen der Münzmeister-Benfiziumstiftung vier rheinische Gulden Ewiggeld für 80 rheinische Gulden.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a373|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a373]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1544 Januar 14.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Michael Staintaler bestätigt, das Amt des Stadtpfarrers und Vikars bei St. Jakob und dazu das Heilig-Geist-Benefizium und das Münzmeister-Benefizium empfangen zu haben und das Einkommen der vazierenden Messen als Darlehen zu bekommen und vom Einkommen des Werder-Benefiziums und des Primhauser-Benefiziums einen Teil an den dritten Gesellpriester abzugeben.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a238|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a238]], (Ausfertigung).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;1596 November 18.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Albrecht Penninger übergibt der Münzmeister-Messe drei Gulden jährliche Gilt aus dem Brauhaus von Hanns Müttermayr an der Schustergasse, nachdem er deren Stadel und Garten vor der Innbrücke gekauft hat und noch ein Teil des Kaufpreises ausständig ist.&lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I2a767|StadtA Wasserburg a. Inn, I2a767]], (Ausfertigung).&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Hubert Emmerig}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Penzinger-M%C3%BChl-Weg&amp;diff=9035</id>
		<title>Penzinger-Mühl-Weg</title>
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		<updated>2020-05-06T14:07:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Matthias Haupt|Matthias Haupt]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Matthias Haupt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Penzinger-Mühl-Weg&#039;&#039;&#039; [[Gehört zu::Straßennamen]] (Gemeindeverbindungsstraße, Wasserburg a. Inn, statistischer Ortsteil Äußere Lohe und Neudeck)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Straßenname ohne urkundlichen Beleg, wohl aber althergebracht. Die Widmung zur Gemeindeverbindungsstraße erfolgte 1984.&amp;lt;ref&amp;gt;Einstimmiger Beschluss in der Sitzung vom 13.12.1984, Stadtratsprotokoll, StadtA Wasserburg a. Inn, III1312, 205.&amp;lt;/ref&amp;gt; Historisch der (Fuhr-)Weg von Penzing zu den Mühlen in Bachmehring und in umgekehrter Richtung - somit hat(te) der Name richtungsanzeigende, orientierungshelfende Funktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Penzing vor 1910.jpg|mini|Der Ort Penzing mit Schloss und See vor 1910]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Ortsnamen Penzing: Sogenannte echte -ing-Namen gehören zur ältesten bayerischen Siedlungsschichte. Das Suffix –ing drückt die Zugehörigkeit zu einer Person oder Personengruppe aus. Es liegt dem Ortsnamen Penzing demnach eine Personenbezeichnung zugrunde,&amp;lt;ref&amp;gt;Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein, Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung, 1991, 16-17; Max Spindler (Hg.), Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts (Handbuch der bayerischen Geschichte), 1981, 118.&amp;lt;/ref&amp;gt; die durch das Zugehörigkeitssuffix abgeleitet ist; hier der Name &#039;&#039;Penz/Penzo&#039;&#039; – Koseform von Pernhart, Pernher (von lat. &#039;&#039;pero&#039;&#039; – Bär)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich Gotthard, Über die Ortsnamen in Oberbayern, 1849, 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; – die Leute, die beim &#039;&#039;Penzo&#039;&#039; wohnen bzw. zur Gruppe des Stammes mit dem Oberhaupt &#039;&#039;Penzo&#039;&#039; gehören.&lt;br /&gt;
Abgesehen davon lässt sich der Ortsname auch urkundlich weit zurückverfolgen. Ein Conradus von &#039;&#039;Penzingen&#039;&#039;, wahrscheinlich der Wasserburger Ministerialität angehörend, tritt schon 1255 in einer Attler Urkunde auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Monumenta Boica. Volumen Primum, 1763, 283-284.&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Das [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schloss_Penzing&amp;amp;oldid=178843855 spätgotische Schloss] gibt dem Dorf Penzing, welches heute zur Gemeinde Babensham gehört, ein prägendes Gesicht. Vom 15. Jh.- 18. Jh. erscheinen See und Sedelhof&amp;lt;ref&amp;gt;steuerbefreiter adeliger Hof&amp;lt;/ref&amp;gt; von Penzing als herzogliches Lehen, wobei die Besitzerfamilien wechselten. Penzing war Hofmark, die Niedergerichtsbarkeit wurde 1781 dem Eigentümer Franz Xaver Mooshammer entzogen, weil dieser der Edelmannsfreiheit nicht fähig war, später war es dann wieder Ortsgericht und Patrimonialgericht II. Klasse.&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu ausführlicher: Tertulina Burkhard, Landgericht Wasserburg und Kling (Historischer Atlas Bayern), 1965, 306-307.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Eine Mühle in Penzing ist in den Quellen nicht nachweisbar: Im ‚Topo-geographisch-statistischen Lexicon vom Königreiche Bayern‘ des Jahres 1832, welches vorhandene Mühlen der Ortschaften vermerkt, heißt es:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Dorf und Parochialort von Eiselfing, des Landgerichts Wasserburg, mit 22 Häusern, 90 Einwohnern, 1 Schlosse, Patrimonialgericht und 1 Kapelle, ½ Stunde von Wasserburg. In der Nähe gibt es Steinkohlen und einen kleinen See. Die früheren Besitzer waren: Die Frösch, Perkhofer, Flitzing, Grafen von Lodron; dann kam es an den Professor von Moosham.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph Eisenmann, Friedrich Anton Karl Hohn, Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern. Oder alphabetische Beschreibung aller im Königreiche Bayern enthaltenen Kreise, Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Höfe, Schlösser, Einöden, Gebirge, vorzüglichen Berge und Waldungen, Gewässer usw., Band 2, M - Z, 1832, 275.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
So sind also Penzinger (wie auch die Hafenhamer) auf einem Fuhr- und Mühlweg zu den Bachmehringer Mühlen gefahren und liegen die Teilstücke dieser Wege heute auf Wasserburger Gemeindegebiet. In Privatbesitz befindet sich noch heute das zum Schloss gehörige Adelsarchiv, was die Erforschung der Geschichte der Penzinger Hofmark nicht leicht macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Matthias Haupt}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<title>Odelshamer Straße</title>
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		<updated>2020-05-06T13:59:55Z</updated>

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[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Matthias Haupt]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Odelshamer Straße [[Gehört zu::Straßennamen]]&lt;br /&gt;
(Gemeindeverbindungsstraße, Wasserburg a. Inn, statistischer Ortsteil [[Äußere Lohe]] und Neudeck)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Richtungsanzeige, 1990 durch Stadtratsbeschluss festgesetzt&amp;lt;ref&amp;gt;Die Festsetzung des Straßennamens Odelshamer Straße durch den Stadtrat erfolgte ohne weitergehende Begründung oder nachweisbare Diskussion durch einstimmigen Beschluss in der Sitzung vom 15.2.1990, Stadtratsprotokoll, StadtA Wasserburg a. Inn, III1304, 29.&amp;lt;/ref&amp;gt; (wohl aber althergebracht; früheste amtliche Eintragungsverfügung bereits von 1961) – Straße von Neudeck nach Odelsham.&lt;br /&gt;
Dem Ortsnamen liegt der Personenname &#039;&#039;Odilo/Udilo&#039;&#039;, &#039;&#039;Udal/Odal&#039;&#039; zugrunde, dem wiederum die ursprüngliche Bedeutung (ge/ererbtes) Gut/Grundbesitz/Wohnsitz innewohnt. Auch die etymologische Wurzel des Begriffs Adel geht auf &#039;&#039;Odal&#039;&#039; zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu z.B. &#039;&#039;Odal&#039;&#039;, in: Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, URL: https://www.dwds.de/wb/Odal (17.12.2018).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Ersterwähnung als &#039;&#039;Udalhaim&#039;&#039; 1140.&amp;lt;ref&amp;gt;Monumenta Boica. Volumen Secundum, 1764, 308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Älteste Erwähnung des Ortes in den Unterlagen des Stadtarchivs Wasserburg aus dem Jahr 1473, als der Landrichter zu Kling besiegelte, dass Chunrat Püchlmair aus Odelsham seiner Tochter Anna und ihrem Mann Ulreich Smid aus Babensham die Hälfte des Püchlgutes [in Odelsham] als Heiratsgut gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Chunrat Püchlmair aus Odelsham gibt seiner Tochter Anna und ihrem Mann Ulreich Smid aus Babensham die Hälfte des Püchlgutes [in Odelsham] als Heiratsgut, Urkunde vom 30.11.1473, StadtA Wasserburg a. Inn, I1a264.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das Kirchdorf Odelsham gehörte 1876 zur Gemeinde Penzing und zählte damals 40 Einwohner.&amp;lt;ref&amp;gt;Odelsham, in: Verlag für wiss.-hist. Dokumentationen Anna Vilsmeier (Hg.): Ortsverzeichnis von Bayern 1876. Nach vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, 1877, (CD-ROM-Ausgabe), 2000.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<title>Neudecker Straße</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
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[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Matthias Haupt]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Neudecker Straße&#039;&#039;&#039; [[Gehört zu::Straßennamen]]&lt;br /&gt;
(Gemeindeverbindungsstraße, Wasserburg a. Inn, statistischer Ortsteil [[Äußere Lohe]] und Neudeck)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Richtungsanzeige, ohne urkundlichen Beleg (wohl aber althergebracht, früheste amtliche Eintragungsverfügung von 1961) – Straße zu der zwischen den Gemeinden Wasserburg und Babensham zweigeteilten Siedlung Neudeck. Zum Ortsnamen Neudeck gibt es keine wissenschaftlich gesicherte Deutung. Ortsnamenforscher Josef Kirmayer meinte, dass sich das Wort von &#039;&#039;Neud&#039;&#039; zu ahd. &#039;&#039;nid&#039;&#039;– Neid, Hass bestimmen ließe und das Grundwort &#039;&#039;eck&#039;&#039; hier als Ecke einer Anhöhe oder als auslaufender, vorgeschobener Teil eines Hügels zu verstehen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Band 26, Ortsnamen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkbar wäre aber auch die Interpretation, dass der Ortsname Neudeck in Bezug zur Entstehungszeit „eine neu errichtete Burg“ bezeichnet hat: von mhd. &#039;&#039;ecke&#039;&#039;, bayerisch &#039;&#039;eck&#039;&#039; – Burgenbezeichnung für Bauten, die auf einem Felssporn aufragen – Höhenburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein, Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung, 1991, 115-116.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Die erste schriftliche Erwähnung des Ortsnamens im Stadtarchiv findet sich 1472, als Jörg Nägwein aus Neudeck Lienhart und Sabina Wild ihr Erbrecht und ihre Gerechtigkeit auf einem Weiher auf der Lohen bei Langwied (&#039;&#039;Langwayd&#039;&#039;) zusammen mit ihrem Haus verkaufte.&amp;lt;ref&amp;gt;Jörg Nägwein aus Neudeck und seine Magdalena verkaufen Lienhart und Sabina Wild ihr Erbrecht und ihre Gerechtigkeit auf einem Weiher auf der Lohen bei Langwied („Langwayd“) zusammen mit ihrem Haus, Urkunde vom 16.10.1472, StadtA Wasserburg a. Inn, I1a262.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Archäologische Belege oder schriftliche Quellen einer vom Ortsnamen abgeleiteten, abgegangenen Burg- oder Wehranlage existieren nicht. Die Burg müsste wohl, wenn sie denn tatsächlich existiert hätte und bis heute unbekannt geblieben wäre, spätestens bis zum 11. /12. Jh. wieder zerstört, aufgegeben oder abgetragen worden sein.&lt;br /&gt;
Den in den besprochenen [[Straßennamen]] steckenden Orts- und Siedlungsnamen Penzing, Neudeck und Odelsham, die geografisch nahe beieinanderliegen, ist jedoch gemein, dass es sich um sehr alte Siedlungsnamen handelt; bei Penzing und Odelsham wird dies durch frühe urkundliche Überlieferung unterstrichen, im Odelshamer Ortsnamen steckt die spätere Bezeichnung Adelsbesitz, Penzing kann mit der Wasserburger Grafenministerialität in Verbindung gebracht werden. Könnte diese Häufung ältester Besiedlung nicht eine Untermauerung der Vermutung einer abgegangenen Wehranlage bei Neudeck am Hochufer und oberhalb des Prallhangs (starke Gelände-Abtragungen im Laufe der Jahrhunderte) des Inn sein, auch wenn in räumlicher Nähe bisher gerade einmal eine späte Bronzefibel gefunden werden konnte?&amp;lt;ref&amp;gt;Ferdinand Steffan, [[Vor- und Frühgeschichte]] in Stadt und Landkreis Rosenheim II (Kataloge der archäologischen Staatssammlung München, Fortsetzung der prähistorischen Staatssammlung, Nr. 29), 2003, 106.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Neudeck hätte damit quasi ein logisches Gegenüber (die nord-östliche Sicherung der Halbinsel mit Innübergang) des archäologisch bestätigten frühmittelalterlichen Wasserburger Burgstalls (süd-östliche Sicherung) oberhalb der Achatz-Kirche gebildet.&amp;lt;ref&amp;gt;Steffan, Vor- und Frühgeschichte (wie Anmerkung 3), 245-246.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Matthias Haupt}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=H%C3%B6hfeldner_M%C3%BChlweg&amp;diff=9032</id>
		<title>Höhfeldner Mühlweg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
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[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Matthias Haupt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Höhfeldner Mühlweg&#039;&#039;&#039; [[Gehört zu::Straßennamen]]&lt;br /&gt;
(Gemeindeverbindungsstraße, Wasserburg a. Inn, statistischer Ortsteil Wuhr/Tegernau)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richtungsanzeige ohne urkundlichen Beleg (wohl aber althergebracht) – Weg zum Weiler Höhfelden, Gemeinde Eiselfing/(Fuhr-)Weg von Höhfelden zu den Mühlen in Bachmehring und in umgekehrter Richtung.&amp;lt;ref&amp;gt;Umfassende Überlieferung im Stadtarchiv zu den Wasserburger und Bachmehringer Mühlen, für Bachmehring der früheste Nachweis: Ludwig, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Ober- und Niederbayern gibt Peter Fröschl die Obermull in Bachmehring zu Lehen, Urkunde vom 27.2.1470, StadtA Wasserburg a. Inn, I2a93.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort wird 1399 als &#039;&#039;Hefelden&#039;&#039; urkundlich erwähnt. Ersterwähnung in den Archivalien des Stadtarchivs 1477,&amp;lt;ref&amp;gt;StadtA Wasserburg a. Inn, I1a304.&amp;lt;/ref&amp;gt; für die Ortsgeschichte bedeutender jedoch die Erwähnung 1535, als Hans Cässtl den Erhalt des zum Wasserburger Heilig-Geist-Spital gehörigen Freistift-Gutes in Höhfelden in der Pfarrei Eiselfing, Landgericht Kling, bestätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Cässtl bestätigt den Erhalt des ihm zu Freistift verliehenen und zum Heilig-Geist-Spital gehörigen Gutes in Höhfelden in der Pfarrei Eiselfing, Landgericht Kling, Urkunde vom 24.7.1535, StadtA Wasserburg a. Inn a. Inn, I2a31.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Mühle für Höhfelden kann in den Quellen nicht nachgewiesen werden, daher ist es wahrscheinlich, dass die Bewohner des Ortes den Weg nach Bachmehring, also den Weg zur nächstgelegenen Mühle, als Mühlweg bezeichneten. Mühlwege standen seit dem Mittelalter unter dem Schutz der Obrigkeit, das Mühlengebiet wurde in den Landfriedensordnungen  als besonders geschütztes Gebiet bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Martina Switalski, Landmüller und Industrialisierung. Sozialgeschichte fränkischer Mühlen im 19. Jahrhundert (Internationale Hochschulschriften, Band 450), 2005, 83.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwischen 1760-1814 hatte der Ort 6 Anwesen, 1876 wurden 21 Einwohner gezählt. Umgangssprachlich wurden die Ortschaften Hausmehring, Freiham und Höhfelden auch mit dem Namen Dirnsteiner Winkel bezeichnet (1740 abgebrochenes Kirchlein St. Laurentius am Dürnstein).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Matthias Haupt}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Salzburger_Stra%C3%9Fe&amp;diff=9004</id>
		<title>Salzburger Straße</title>
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		<updated>2020-05-01T18:17:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
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&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Matthias Haupt|Matthias Haupt]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Matthias Haupt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Salzburger Straße&#039;&#039;&#039; [[Gehört zu::Straßennamen]] (Gemeindeverbindungsstraße, Wasserburg a. Inn, statistischer Ortsteil Burgstall/Kellerberg)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;iframe key=&#039;geoportal&#039; path=&#039;https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/embed.html?lang=de&amp;amp;topic=ba&amp;amp;bgLayer=atkis&amp;amp;catalogNodes=11,122&amp;amp;E=740724.53&amp;amp;N=5327566.91&amp;amp;zoom=12&#039; width=&#039;400&#039; height=&#039;300&#039; frameborder=&#039;0&#039; style=&#039;border:0&#039;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richtungsbeschreibender Name für die von Wasserburg nach Salzburg führende Straße (Staatsstraße 2092). [https://badreichenhallwiki.eu/index.php?title=Salzburg_(Ortsname) Zum Ortsnamen &#039;&#039;Salzburg&#039;&#039;]: Der deutsche Name &#039;&#039;Salzburg&#039;&#039; löste etwa um 755 den römischen Namen &#039;&#039;Iuvavum&#039;&#039; ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu u.a.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hirsch, Salzburg (Ortsname)|Hirsch, Salzburg (Ortsname)]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Namensverwandtschaft zum Wasserburger &amp;lt;nowiki&amp;gt;Straßennamen&amp;lt;/nowiki&amp;gt; Salzsenderzeile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburger Straße vor 1930.jpg|mini|Salzburger Straße vor 1930.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch ist die Straße Teil der von Salzburg kommenden (Salz-)Handelsroute (Salzburg-Bad Reichenhall-Wasserburg-München-Landsberg am Lech-Bodensee). Die moderne Straße nimmt heute und nicht nur auf Wasserburger Gemeindegebiet einen anderen Straßenverlauf als der Handelsweg. Urkundlich ist die Kreuzung &#039;&#039;Salzburger/Penzinger Straße&#039;&#039; und damit der moderne Straßenname im Stadtarchiv Wasserburg erstmals 1803 erwähnt, als Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg Adam und Barbara Bachmayr dort einen Holzboden zu Erbrecht verliehen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a423|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a423]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In den Quellen des Spätmittelalters/der Frühneuzeit finden sich unterschiedliche kommunikativ geprägte Bezeichnungen und Beschreibungen der alten Salzstraße. Die Bezeichnung als &#039;&#039;die straß&#039;&#039; impliziert die Wichtigkeit des Ost-West Handelsweges. Richtungsbezeichnungen der Straße &#039;&#039;von Reichenhall&#039;&#039;, &#039;&#039;von Trostberg&#039;&#039;, &#039;&#039;nach München&#039;&#039; finden sich ebenso. Wenn zum Beispiel Mitte des 15. Jahrhunderts das &#039;&#039;salz&#039;&#039; auf der Straße [...] &#039;&#039;von hall gein wasßburg geet&#039;&#039; findet sich zwar in den Wasserburger Beschreibungen des Handelsweges nicht der explizite Begriff einer &#039;&#039;Salzstraße&#039;&#039;, aber der umschreibende.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnungen zu Streitigkeiten um die Salzrouten, &#039;&#039;1457?&#039;&#039;, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c1|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c1]] zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hippke, Kopialbuch der Stadtrechte|Hippke, Kopialbuch der Stadtrechte]], 146, 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Salzrecht#Niederlagsrecht.2C_Markttage_und_Handelsrouten|Salzhandelsrouten]] sind Gegenstand vieler mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Streitigkeiten und Auseinandersetzungen gewesen, da mit dem Handel des lebensnotwendigen Salzes immer auch konkurrierende Interessen um Handelswege und Wegstrecken, Niederlagsrechte, Zölle und Abgaben verbunden waren. Im Wasserburger Kopialbuch der Stadtrechte sind die frühesten Aufzeichnungen zu Streitigkeiten um die (Bestellung) der Salzrouten ([[Salzrecht]]) unseres Raumes aus der Zeit um 1457 überliefert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c1|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c1]] nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hippke, Kopialbuch der Stadtrechte|Hippke, Kopialbuch der Stadtrechte]], 143-146.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Münchner Straße bzw. die Straße in der Burgau, die Köbingerbergstraße, die frühere Straße Am Hals, die Straße Auf der Burg, die Schmidzeile, der Westteil des Marienplatzes, die Innbrücke und die Salzburger Straße sind ebenfalls Teil der alten Salzstraße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Straße ist gemäß ihrem früheren Verlauf über den &#039;&#039;Achazberg&#039;&#039; auch als &#039;&#039;St. Achaz-Straße&#039;&#039; oder &#039;&#039;Achatzbergstraße&#039;&#039; nachweisbar. In den Jahren 1903-1905/1907 wurde sie westlich des Achazberges und um diesen herum als Staatsstraße neu angelegt, sodass die Steigung der neuen Straße mit 5% erheblich minimiert wurde. Die Erweiterung, Befestigung und Teerung der damaligen Reichsfernstraße Nr. 10 erfolgte Anfang der 1930er Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II396|StadtA Wasserburg a. Inn, II396]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umbenennung als &#039;&#039;Hindenburgstraße&#039;&#039; während der NS-Zeit und Rücknahme dieses Beschlusses/Wiedereinführung des Namens Salzburger Straße im Juni 1945.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadtratssitzung vom 1.6.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]], 17.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Matthias Haupt}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Haberfeldtreiben&amp;diff=9001</id>
		<title>Haberfeldtreiben</title>
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		<updated>2020-05-01T16:50:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Elmar Schieder|Elmar Schieder]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Elmar Schieder]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Haberfeldtreiben im Landgerichtsbezirk Wasserburg&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben.jpg|mini|Akten zu Haberfeldtreiben im Bezirksamt Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; versteht man einen Spott- oder Rügebrauch im Gebiet zwischen Isar und Inn. Von einem harmlosen katzenmusikähnlichen Spott-Aufzug zu Beginn des 18. Jahrhunderts hat er sich zu einem kriminelle und geheimbündlerische Züge annehmenden Rügegericht gewandelt. Durch Literatur und Kunst idealisiert, wurde er im Nationalsozialismus als Beispiel hochstehenden germanischen Sittengefühls missdeutet. Ab dem  19. Jahrhundert bildeten die &#039;&#039;Haberer&#039;&#039; einen militärisch organisierten Geheimbund, um bei der Abhaltung ihrer nächtlichen Exzesse der behördlichen und polizeilichen Verfolgung zu entgehen. Als aber ab 1892 mehrere Mitglieder aus Gefallsucht oder aus Rache ihr Schweigen brachen, wurden über 100 von ihnen gefasst und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Mindestens ebenso viele flohen vor der Verfolgung mit ihren Familien nach Nord- oder Südamerika. Die Bedeutung und Herkunft des Ausdrucks &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; ist nicht eindeutig geklärt. {{Anker|unverheiratetes Mädchen}}Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; verweist auf Hans Sachs, bei dem der Ausdruck &#039;&#039;jemand auf die Haberwaid schlagen&#039;&#039; mit der Bedeutung &#039;&#039;jemanden sitzen lassen, einen Korb geben&#039;&#039; zu  finden ist. Ursprünglich war das Opfer einer solchen Katzenmusik eine sitzengelassene schwangere Bauerntochter. Es könnte also durchaus sein, dass man diesen Vorgang, dass eine Frau, die von ihrem Liebhaber &#039;&#039;ins oder aufs Haberfeld getrieben&#039;&#039; wurde, öffentlich machte und ihn ebenso bezeichnete.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Artikel behandelt die Treiben im Zuständigkeitsbereich des ehemaligen Bezirksamtes/Landgerichtsbezirkes Wasserburg beziehungsweise in der unmittelbaren Umgebung dieser behördlichen Sprengel.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine wichtige Grundlage der Bearbeitung bildete dabei die Überlieferung zu den Haberfeldtreiben des Bezirksamtes Wasserburg, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Er bildet damit eine regionale Ergänzung des vom selben Autor im [https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Haberfeldtreiben Historischen Lexikon Bayerns] veröffentlichten Beitrags.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schieder, Haberfeldtreiben|Schieder, Haberfeldtreiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Weiterhin betreibt der Autor eine [http://www.Haberfeld-treiben.de Webseite], welche die Haberfeldtreiben in Oberbayern dokumentiert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schieder, Haberfeldtreiben Oberbayern|Schieder, Haberfeldtreiben Oberbayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erste Beschreibung eines Haberfeldtreibens  1716=&lt;br /&gt;
Die  erste, urkundlich belegte Information über das Haberfeldtreiben enthält ein Protokoll des Hofmarksgerichts Fagen vom  22.12.1716:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, BrPr 902|StAM, BrPr 902]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Hannß Steindl Kistler zu Fagn clagt Casparn Kolb Mezgern und Mathiaßen Holzer beide von Fagn dieselbe haben sambt mehr and. cons. am verwichen Herbst nit allein sein clegers tochter &#039;zum spot in das sogenante haber veld getriben, das ist mit allerhand iniuriosen, geschray, schnalzen und stain werfen sambt and. Rumorereyen veriebet&#039;, sondern auch ihmbe Cleger sein Holzschupfen eingerissen und ihm dardurch wenigstens pt:1 fl 30 k: schaden verursacht, umb dessen guetmachung er gehorsambst bittet, der straff nit massgebent.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Beschuldigten antworten, sie wüssten nichts vom Einreißen eines Schupfens, geben aber freimütig die Namen aller Beteiligten an, soweit sie diese in der Dunkelheit erkannt hatten.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;weillen aber solches haaber Veld treiben umb diese gegend sehr gebreichig, und durch solche possen niemand nichts proiudicirt würdt, dessen hoffen sye hierdurch nichts verworcht zuhaben, sondern bitten umb absolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
In den Briefprotokollen des Hofmarkgerichts Vagen von 1642-1802 findet sich zwar kein weiterer Eintrag über ein Treiben, aufgrund der Aussagen der Beschuldigten darf man aber annehmen, dass &#039;&#039;solche Possen&#039;&#039; in der Gegend des Mangfallbogens öfters verübt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Haberfeldtreiben hundert Jahre später=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte des deutschen Reiches Blatt 639 Wasserburg.jpg|miniatur|Das Gebiet um Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgerichtsbezirk Wasserburg lässt sich das Haberfeldtreiben erst über 100 Jahre später nachweisen. Allerdings hat es sich bis dahin entscheidend verändert. Ursprünglich galt es, ([[#unverheiratetes Mädchen|siehe oben]]) einem unverheirateten - vielleicht auch noch besonders stolzem - Mädchen, das ein Kind bekam oder bekommen hatte. Die Burschen und Männer aus seiner Nachbarschaft und näheren Umgebung verabredeten sich und zogen bei Nacht vor das Haus des Opfers, weckten es und veranstalteten fürchterlichen Lärm. Man kann - mit einem Fragezeichen versehen - die Darstellung noch erweitern: Den Lärm unterbrachen sie mehrmals, um Verse vorzulesen, die das Vergehen anprangerten. Spätestens ab 1824 gehen die Bezirksämter und die Gendarmerie gegen die Haberfeldtreiber vor. Nach einem Treiben in Maxhofen 1834 werden einige Teilnehmer aufgegriffen, die wiederum Namen von anderen Anwesenden verraten. Daraufhin verurteilt das Landgericht Wolfratshausen 43 Personen zu Arreststrafen und 32 zu Rutenhieben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28859|StAM, RA 1780/28859]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;Gefahr&#039;&#039; von außen bewirkt den engeren Zusammenschluss im Innern. Die Aktivitäten werden geheim vorbereitet und  mit einer ortsübergreifenden Organisation durchgeführt. Erstmals tritt der &#039;&#039;Haberfeldmeister&#039;&#039; in Erscheinung, der in einem Vers unter falschem Namen aufgerufen wird. Die Teilnehmerzahl hat sich erheblich vergrößert, die Teilnehmer rekrutieren sich nicht mehr wie früher aus dem Ort des Treibens, sondern marschieren von weiter her an, um keinen Ortsansässigen in Verdacht zu bringen. Das Treibgebiet weitet sich  über die bisherigen Grenzen, die in etwa dem Mangfallbogen entsprechen, aus, wohl auch, weil im &#039;&#039;Stammland&#039;&#039; die polizeiliche Verfolgung die Treiben wenn nicht verhinderte, so doch erschwerte. So findet im Juli 1834 erstmals ein Treiben im Landgerichtsbezirk Ebersberg, in Hohenthann statt. Die Teilnehmer kommen allerdings überwiegend aus der Aiblinger Gegend.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
König Ludwig I. gibt seine wohlwollende Haltung gegenüber den Haberfeldtreibern auf, verbietet mit Erlass vom 31. Juli 1834 den &#039;&#039;Exzess&#039;&#039; und droht den Gemeinden mit Einlagerung von Militär. Die königliche Regierung ordnete 1834 auch Militärexekutionen an, das heißt die Gemeinden mussten für die Einquartierung von 22 Soldaten über einen Zeitraum von 3 Monaten aufkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 2749a/3|StAM, AR 2749a/3]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zeigte Wirkung: fünf Jahre gab es keine Treiben mehr. Eine weitere einschneidende Veränderung ist, dass bei einem Treiben mehrere Personen beschuldigt werden. Als Folge davon wird (auch aus Sicherheitsgründen) nicht mehr vor dem Haus, sondern am Ortsrand getrieben. Auch richteten sich die Vorwürfe nicht mehr nur gegen eine weibliche Person, sondern zunehmend gegen mehrere und vor allem gegen Männer, und es ging auch nicht mehr nur um sexuelle Verfehlungen. So wurde das Treiben mehr &#039;&#039;Ortsangelegenheit&#039;&#039; als ein  &#039;&#039;Gericht&#039;&#039; gegen eine Einzelperson (1845 in Litzldorf wird erstmals in einem Polizei-Protokoll der Kaiser Karl erwähnt. Allerdings berichtet bereits Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]], 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;: &#039;&#039;Sie fahren wieder heim, so hört man wol sagen, zu ihrem Herrn, dem Kaiser Karl im Untersberg.&#039;&#039; Die Herleitung des Auftrags zum Haberfeldtreiben vom Kaiser Karl ist jedenfalls erst in dieser Zeit nachweisbar). 1848 erging ein allgemeiner Erlass an die Pfarrer und Kaplane der Gegend, bei den Treiben die Kirchenglocken zu läuten. Die Haberfeldtreiber verstopften daher vor den Treiben die Schlösser der Kirchen und Kirchtürme mit Lehm, Sand oder Werg. Dies war in vielen Fällen das einzige, aber zuverlässige Anzeichen dafür, dass ein Treiben beabsichtigt, aber kurzfristig abgesagt wurde. Die Haberfeldtreiber waren keineswegs die verschworene Gemeinschaft, als die sie in der zeitgenössischen Literatur und Presse dargestellt werden. Immer wieder drangen Informationen an Polizei und Gerichte durch, sagten Teilnehmer gegen andere Teilnehmer aus. Auch die Behauptung, sie würden niemandem etwas zuleide tun, lässt sich nicht aufrecht erhalten; es gab immer wieder durch Schüsse verletzte Zuschauer. Ab 1845 treten sie militärisch auf und tragen meist einheitlich Gebirgler-Tracht, das heißt Loden-Joppen und Stopselhüte. Mit geschwärzten Gesichtern und Wergbärten zur Tarnung, wie es auch bei den Wilderern Praxis war, treten sie allerdings schon ab 1766 auf. Wenn früher berichtet wurde, dass die Treiber &#039;&#039;wie aus dem Boden gewachsen&#039;&#039; am Treibort erschienen, so ziehen sie jetzt lärmend und zum Teil mit Musik in &#039;&#039;militärischer Ordnung zu zwei Gliedern&#039;&#039; an und ab. Dem Trupp voraus gehen zwei Späher, die bei größerem Polizeiaufgebot Alarm schlagen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die ersten Haberfeldtreiben im oder am Rande des Landgerichtsbezirks Wasserburg ab 1834=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Gartenlaube.jpg|mini|&#039;&#039;Das Gericht der Haberer&#039;&#039; von Philipp Sporrer.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Vorfall im Landgerichtsbezirk Wasserburg, der mit dem Haberfeldtreiben in Verbindung gebracht wird, ereignete sich in der Nacht von 26. auf 27. August 1834 in &#039;&#039;Prutting&#039;&#039;, am südlichen Rand des Landgerichtsbezirks.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehrere Burschen zogen kurz vor Mitternacht einen Pflug kreuz und quer durch ein 3 Tagwerk großes Rübenfeld und verwüsteten es gänzlich. Danach zogen sie mit heftigem Geschrei, Gejodel und vielmaligem Schießen durch die Gegend um Haidham und Langhausen. Es handelte sich wohl eher um einen Burschenstreich, der nur deshalb mit dem Haberfeldtreiben in Verbindung gebracht wurde, weil in diesem Jahr mindestens 7 mal getrieben worden war und daher in der Bevölkerung eine gewisse Alarmstimmung herrschte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Östlich des Inns fand ein richtiges Haberfeldtreiben erst 1848 in Söllhuben statt. Über den Inn und zurück kam man nur über Brücken oder mit Fähren, eine Kontrolle an solchen Nadelöhren war einfach und für die Teilnehmer aus dem Westen gefährlich. Die ersten Treiben im Landgerichtsbezirk Wasserburg fanden daher in Orten westlich des Inns statt. (Die Landgerichtsgrenzen (Verlauf am Ende des 18. Jahrhunderts dargestellt bei Burkard&amp;lt;ref&amp;gt;[https://geschichte.digitale-sammlungen.de/hab/kapitel/bsb00007644_chapter_77 Kartenwerk] bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling|Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling]], VIII.&amp;lt;/ref&amp;gt;) verliefen damals vom südlichsten Punkt Leonhardpfunzen nach Osten zum Nordufer des Simsees bei Edling, weiter über Bad Endorf zum Chiemsee nach Gstaad, das Seeufer entlang bis Seebruck, von dort an der Alz entlang bis Ischl, dann nach Norden über Zeiling bis zum nördlichen Unterzarnham, schwenkte nach Westen und traf bei Au auf den Inn, diesem folgte sie bis Edmühle, verlief dann vom Inn weg nach Südwesten über Soyen und Buchsee bis Springlbach und wandte sich dann südlich an Schalldorf vorbei bis Feldkirch.)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Obwohl es nicht mehr im beschriebenen Landgerichtsbezirk Wasserburg stattfand, ist das nächste Treiben erwähnenswert, denn es zeigt, wie sich die Treiben nach Osten und Norden ausdehnten. Es fand in der Nacht vom 25. auf 26.10.1845 in Schechen, Gemeinde Hochstätt statt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, HFM Hohenaschau K4|StAM, HFM Hohenaschau K4]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 2843/2221|StAM, AR 2843/2221]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 50 bis 100 Haberfeldtreiber hatten sich auf einem unangebauten Feld vor dem Ort versammelt. Ein Vorleser stand auf einem aus Holzschragen errichteten Gerüst und las gegen mehrere Bauern des Orts &#039;&#039;aus den Lebensverhältnissen dieser Personen entnommene und ersonnene Vorfälle&#039;&#039; ab. Das Treiben soll fast zwei Stunden gedauert haben. Ein Abzug von ca. 30 Personen, die in Gebirgstracht (spitze Hüte, Gebirgsjoppen) auftraten, erfolgte nach Westen Richtung Karolinenfeld. Teilnehmer aus dem Wasserburger Bezirk waren wohl nicht dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rott am Inn 17./18.10.1846&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 3644|StAM, LRA 3644]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Ziemlich genau ein Jahr später findet dann das erste richtige Treiben im Gerichtsbezirk Wasserburg, und zwar bei &#039;&#039;Rott am Inn&#039;&#039; statt. Es gibt darauf nur indirekte Hinweise: in der Gegend von Schalldorf verlief die Nacht vom 17. auf 18. Oktober 1846 sehr unruhig, es wurden 20-25 Schüsse gehört und Burschen in kleineren Rotten gesehen, die durch die Nacht marschierten. Die Gendarmerie vermutete, dass in Schalldorf ein erster Treffpunkt für die Teilnehmer dieses Treibens in Rott gewesen sei. Da der Zuzug aus dem Westen kam, waren wohl keine Personen aus dem Wasserburger Bezirk aktiv am Treiben beteiligt. Ein Jahr später, 1847, soll dann laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 34.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Schalldorf ein Treiben stattgefunden haben. Dazu gibt es keine weiteren Hinweise in den Akten. Ein weiteres Treiben am Rande des Gerichtsbezirks Wasserburg wird in der Nacht von 24. auf 25. November 1848 aus &#039;&#039;Zaissering&#039;&#039; gemeldet. Beteiligt waren allerdings nur 20 bis 25 Mann.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 949|StAM, AR 949]], 146.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prutting 8./9.12.1850&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1777/28801|StAM, RA 1777/28801]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Zwei Jahre später veranstalten in der Nacht von 8. auf 9. Dezember 1850 etwa 40 bis 50 Burschen ein Treiben in Prutting. Der Zuzug erfolgt durch Riedering, das acht Tage zuvor schon einen Habererdurchzug zum Treiben nach Hetzenbichl erlebt hatte. Es gibt dazu keine Schilderungen. Möglicherweise hat sich dort oder um Söllhuben ein kleiner Ableger der Habererorganisation gebildet, denn der Inn bildete immer noch ein Hindernis, das nur mit Gefahr zu überwinden war. Bis 1864 beschränkten sich die Aktivitäten der Haberfeldtreiber also auf den Süden des Gerichtsbezirks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Haberfeldtreiben von 1864 bis 1867=&lt;br /&gt;
Von 1852 bis 1861 fanden insgesamt nur zwei Treiben statt. Als es dann im Dezember 1861 wieder krachte und in den darauf folgenden sechs Jahren bis 1867 mindestens 37 Treiben, davon sechs im Wasserburger Bezirk stattfanden, war allerdings von einem &#039;&#039;alten&#039;&#039; Brauch des vorigen Jahrhunderts außer dem Namen und dem Lärmen nicht viel übrig geblieben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Haberfeldtreiber haben in diesen Jahren ihr Treibgebiet nochmals ausgeweitet, vor allem Richtung München (Aschheim, Ottendichl), aber auch nach Norden (Markt Schwaben, Finsing), Richtung Chiemsee (Stephanskirchen, Höhenmoos) und auch Richtung Wasserburg (Edling, Albaching). Die Teilnehmer nahmen zum Teil recht weite Fußwege in Kauf oder kamen mit Fuhrwerken angereist.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vor den Treiben wurden an den Treffpunkten dann ein oder mehrere Fass Bier geleert, wie an Versammlungsorten aufgefundene leere Bierfässer bezeugen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Gendarmerie ist noch aktiver - und vielfach erfolgreicher - in der Verfolgung der Treiber. Die Treiber werden -möglicherweise infolgedessen- militanter und radikaler. Sie schießen wahllos in die Ortschaften, ein Toter und mehrere Verletzte gehen auf ihr Konto. Aber auch auf ihrer Seite gibt es einen Toten und mehrere Verwundete.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Ihre Verse werden derber und zotiger, Treibgründe sind neben sexuellen Verfehlungen Brandstiftung, Bierpanschen, Diebstahl, Unterschlagung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Vorwürfe richten sich hauptsächlich gegen Männer, vielfach gegen Honoratioren und Amtsträger. Nur weniges ist nachweislich wahr und das liegt oft schon Jahre zurück.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Treiben selbst bieten über einen Zeitraum von bis zu zwei Stunden neben den äußerst deftigen Versen Attraktionen wie das Auftreten von Musikern und das Abschießen von Raketen. Mit scharfer Munition wird in die Luft und auf die Dächer der Orte geschossen. Dadurch steigen die Teilnehmerzahlen auf bis zu 200 Teilnehmer. Das militärische Marschieren (sich in der Gruppe stark fühlen), das Raketenabschießen, das Herumknallen mit scharfer Munition spricht auch dafür, dass es vor allem zu einer Belustigung der Teilnehmer diente und dabei zu einer üblen Form, sich an unliebsamen Bürgern &#039;&#039;anonym&#039;&#039; zu rächen, mutierte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von einem &#039;&#039;ehrbaren Sittengericht&#039;&#039;, das &#039;&#039;Ausfluß ernster Volksjustiz&#039;&#039; sein sollte, kann jedenfalls spätestens jetzt keine Rede mehr sein. Die Ankündigung von Treiben, die dann nicht stattfinden, die Gerüchte um stattgehabte Treiben und ihre oft übertriebene Darstellung führen etwa ab 1863 zu einer fast schon hysterischen Angst. Der Landrichter von Rosenheim schreibt:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Bürgermeister von Aibling befürchtet nichts, aber die dortigen Beamten. Es wird in Wirtshäusern, Gewerbsläden und Privatzirkeln fast nichts mehr gesprochen als vom Haberfeldtreiben, es herrscht unter dem Volke eine wahre Haberfeld-Epidemie wie seiner Zeit beim Tischrücken, es werden hie und da absichtlich Lügen wie z.B. vom Haberfeldtreiben in Pfaffenhofen, Rott oder Vogtareuth verbreitet und sollen die letzteren beiden gerade am 14./15. d.M. (November) vorgefallen sein- an allem kein wahres Wort. Von dieser Furcht scheinen vor allem einige Beamtenkreise in Aibling befallen zu sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Mit dieser Furcht steigt auch der Widerstand der Bevölkerung, die den Unfug ob der verhängten Nachtwachen und anderer lästiger Strafen wie der Einlagerung von Soldaten ablehnt oder mit Läuten der Kirchenglocken versucht, wenigstens das Anhören der Verse zu verhindern. Wenn die Berichte davon sprechen, dass immer mehr ganz junge Burschen mitmarschieren, spricht das auch dafür, dass sich ältere Knechte und Bauern nicht mehr beteiligen wollen. Ziemlich genau im Zentrum des Treibgebietes liegt ein kleiner, versteckter Ort: Münster bei Egmating. Die Entfernung von dort zu den entlegensten Treiborten ist in Luftlinie kaum größer als 30 km. Dort sitzt vermutlich der damalige Haberfeldmeister, der Killibauer, später Bürgermeister von Egmating.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rott 10./11.11.1864&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28822|StAM, RA 1780/28822]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28823|StAM, RA 1780/28823]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28825|StAM, RA 1780/28825]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 963/12|StAM, AR 963/12]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
1864 kommen die Haberfeldtreiber in den Gerichtsbezirk Wasserburg, wieder nach Rott am Inn. Tatsächlich finden in der Nacht von 10. auf 11. November, Donnerstag auf Freitag 1864 zwei Haberfeldtreiben statt, in Zorneding und in Rott am Inn. Der Text der Verse und Beschuldigungen ist teilweise sogar identisch, nur auf verschiedene Personen bezogen. Die Gemeinde Schalldorf zeigte an, dass in Rott zwischen viertel nach zwölf und zwei Uhr etwa eine Dreiviertelstunde getrieben wurde. Mehr als 100 meist bewaffnete Personen stießen grobe Beschimpfungen gegen mehrere Ortsangehörige aus, vor allem wegen Vergehen in &#039;&#039;fleischlicher Beziehung&#039;&#039;. Die Haberfeldtreiber hatten sich im Karree aufgestellt, der Vorleser stand auf einer Art &#039;&#039;Bühne&#039;&#039; aus Brettern und Schragen, es wurde scharf geschossen, aber nicht gegen Rott. Es wurde eine Getreideputzmühle mitgeführt und mit Trompeten geblasen. Getrieben wurde namentlich gegen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Grob und seine Köchin&lt;br /&gt;
* den Posthalter Maier und seine Frau&lt;br /&gt;
* den Landarzt Berger und seine Frau&lt;br /&gt;
* den Schlossermeister Leu und seine &#039;&#039;Zuhälterin&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* den ehemaligen Gendarm Alois Weber&lt;br /&gt;
* den königlichen Revierförster Schrager oder Schreyer&lt;br /&gt;
* den Schneidermeister Zach&lt;br /&gt;
* den Wagnermeister Stöcker von Arbing&lt;br /&gt;
* den Gütler Jakob Alban von Rott,&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
wegen Hurerei, Ehebruch und Diebstahl. Der Brigadier Gottfried Höhn berichtet:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28822|StAM, RA 1780/28822]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Diese Bühne bestieg der Haberfeldmeister und hub an: Nun, ihr Rotter, ihr recht schlechten Leut, muß man so einen weiten Weg machen um Euch einmal die Wahrheit gehörig sagen zu können. Dann trug er seine Knüttel- und Sauglockenverse vor worüber dan die Haberer in die Hände klatschten, schrieen und lachten und so ihre Zufriedenheit kund gaben. Dabei wurden Gewehrschüsse abgefeuert. Die vorgetragenen Verse konnten nicht alle von den Zuhörern gemerkt werden, da die Haberer den Neugierigen sogleich über den Kopf schossen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Trotzdem konnte der Brigadier einige Verse sammeln:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Pfarrer von Rott geht gar nicht mehr aus&amp;lt;br&amp;gt;Weil er seine Köchin zu Haus muß mauß&amp;lt;br&amp;gt;Die Bauern von Grünthal die thuns halt nicht leiden,&amp;lt;br&amp;gt;Dass der Herr Pfarrer auf seiner Köchin tuth reiten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
(Der Pfarrer von Grünthal, Gericht Wasserburg, hat einen Bauernhof eine viertel Stunde von Rott entfernt, welcher durch seine Köchin, die früher in Grünthal war, verwaltet wird.)&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der &#039;Vorsteher&#039; rief: &#039;was ist denn das?&#039; Darauf die anderen: &#039;das ist eine Hur!&#039; und &#039;heraus mit der Hur aus dem Pfarrhof!&#039; Dann der Befehl: &#039;Alle in die Höhe schießen!&#039; und als die Leute näher kamen: &#039;Blei nei!&#039;, worauf scharf geschossen wurde. Der Posthalter, das ist ein Stier, muß jetzt seiner Dienzehlin (?)...Vater drei vier. Die Posthalterin, die Hur, zu der geht der Schneider Zach wenn ihr Mann ist fortgegangen.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schneider Zach ist ein grober Schnallner der hat dem Messner Xaver 300 fl aus dem K... aus gestohlen&amp;lt;br&amp;gt;Den Andren Kommandanten... wenn man hat wollen&amp;lt;br&amp;gt;hat man ihn bei der Frau Bengern(?) müssen abholen.&amp;lt;br&amp;gt;Der Gendarm Weber war bei der Wagnerin in Lehen oft geschwind&amp;lt;br&amp;gt;Dann habens ihn vertrieben, so schnell wie der Wind.&amp;lt;br&amp;gt;Der Kaufmann Resch war sonst ein ganz... Mann,&amp;lt;br&amp;gt;Hätt er nicht d`Goaß mit die Menscher verthan.&amp;lt;br&amp;gt;Der Förster ist mit seinen Holzknechten gar so grob&amp;lt;br&amp;gt;In anderer Beziehung aber ganz fein&amp;lt;br&amp;gt;Und thut seinen Stutzen der Stalldirn hinein.&amp;lt;br&amp;gt;Der Jakob Alban der Hebammen Sohn&amp;lt;br&amp;gt;Der maust seine Mutter, dann lauft er davon.&amp;lt;br&amp;gt;Am Schluß brachten die H. dem Brauereibesitzer Heim zu Rott ein Lebehoch. Aus der Mitte der Treiber&amp;lt;br&amp;gt;erschall die Stimme &#039;Warum denn dieses Hochleben lassen?&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;Weil die Rotter Lumpen ihn nicht mögen&#039; war die Antwort des ganzen Haufen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eine weitere Notiz in den Akten überliefert den Treibtext wie folgt:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Gemeinde Rott:&amp;lt;br&amp;gt;Der Kaiser Karl vom Untersberg schickt uns her&amp;lt;br&amp;gt;Die Leut zu bekern,&amp;lt;br&amp;gt;Jetzt losts auf jetzt könts was hörn.&amp;lt;br&amp;gt;1.&amp;lt;br&amp;gt;Der Posthalter der große Stier, er hat am bei der Dirn&amp;lt;br&amp;gt;geben a große Müah, jetzt derfer Sie... prahlen&amp;lt;br&amp;gt;weil er muaß bei der Bavaria 900 Gulden zahlen&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Es is guat dass a an großn Sach hatt. Der kann Wetten mehra&amp;lt;br&amp;gt;Da kann er brav Kinda macha, bei der Kellnerin darf er blos&amp;lt;br&amp;gt;200 Gulden zahlen und dös muaß aa öfters nach München fahrn&amp;lt;br&amp;gt;3.&amp;lt;br&amp;gt;Der Posthalter der werd morgn in d&#039; Stadt eine fahrn&amp;lt;br&amp;gt;Mitt seine Häuta, damit er kon die Haberfeldtreiber azagn&amp;lt;br&amp;gt;Den zu sein Weib kumt er erst den dritten Tag&amp;lt;br&amp;gt;Wo er die anderen all abgfürtischat&amp;lt;br&amp;gt;4.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schloßer Lau is aner der in Acht&amp;lt;br&amp;gt;Weil er der Harmann Lies a Kind hat gmacht,&amp;lt;br&amp;gt;Den däs is aber am Pfarrer a grad gleich&amp;lt;br&amp;gt;Den er hat bei seiner Köchin selber scho drei.&amp;lt;br&amp;gt;5.&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer ko nimma an d Kirch aufi gehen&amp;lt;br&amp;gt;Weil er allweil muaß bei der Köchin läng&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer macht sie beim Schloßer seiner gschicht nix draus&amp;lt;br&amp;gt;Weil er allweil selba sei Köchin maust.&amp;lt;br&amp;gt;6.&amp;lt;br&amp;gt;Die Gemeinde Grünthal hat am Pfarrer die Köchin vertriebn&amp;lt;br&amp;gt;weil er allweil auf da Köchin is grin (geritten)&amp;lt;br&amp;gt;7.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schneider Zach is gar a grober Zoln&amp;lt;br&amp;gt;Der hat de an Schulehrer Xaverl 200 Gulden aus an Kastn aussa gstohln&amp;lt;br&amp;gt;Den der Schneider hat zwar zlacha&amp;lt;br&amp;gt;Weil er da Posthalterin an Dep derf macha&amp;lt;br&amp;gt;9.&amp;lt;br&amp;gt;Der Rakerl is gar a guata, der thuats sein Wei&amp;lt;br&amp;gt;seiner Tochter und sogar seiner Eignen Muatta&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Weitere Verse sollen Bewohner der Gemeinde Hochstätt, Königliches Bezirksamt Rosenheim betroffen haben:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;1.&amp;lt;br&amp;gt;Beim Winkl in Riad is aa scho gfehlt&amp;lt;br&amp;gt;Weil er sein Weib a Geld aus Kastn aussa stehlt.&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Vom Barthl Gigling muaß enk a was erzähln&amp;lt;br&amp;gt;Der hats beim Pfarraschuasta d... Kuah ausam Stahl ausagstohln&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Auch Bewohner des Ortes Feldkirchen (südlich von Rott) wurden beschimpft:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;1.&amp;lt;br&amp;gt;Der Haringer in Dobl is a groba Doln&amp;lt;br&amp;gt;Der hat z&#039;Emmering da Muatta Gottes zwe Bayrisch-Thaller oba gstohln&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Vom Brandl z Lendorf kuaß i enk aa was sagn&amp;lt;br&amp;gt;der hat beim Six in sein Waschhaus an Kurz... Keffl hoam tragn.&amp;lt;br&amp;gt;3.&amp;lt;br&amp;gt;N Schaffler von Lendorf deaf ma nött vogeßn&amp;lt;br&amp;gt;Der hat amal unrecht n Habern vomeßen.&amp;lt;br&amp;gt;4.&amp;lt;br&amp;gt;S&#039; Stegrein vo Lendorf hat oana übern Schob einibong&amp;lt;br&amp;gt;Und hat oana Ihr 200 Gulden ins Loch einigschobn&amp;lt;br&amp;gt;Dös hätt i selber ned glaubt&amp;lt;br&amp;gt;Daweil ha oana zum Fenster einigschaut&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Z&#039;Lendorf müß ma a amal eiführn&amp;lt;br&amp;gt;Weil bei einer Franzosen thän sich einquartiern&amp;lt;br&amp;gt;Mir wollens zwar ned alsam nenna&amp;lt;br&amp;gt;Doch bei der Mäßl Resl woll ma anfnag nehma.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Schimpfwörter sind Lump = Stier Spitzbua Dieb&amp;lt;br&amp;gt;Schlechta Kerl = Hur Schlechts Mensch Hurenkerl etc.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Das Sturmläuten unterblieb, da der Pfarrer im Pfarrhof nicht aufmachte, obschon der Gemeindevorsteher mehrmals läutete. Angeblich sei kurz vor dem Treiben eine zweispännige Kutsche aus München eingetroffen, man mutmaßte, zwei Münchner Teilnehmer seien so angereist. Der Abzug von etwa 60 Mann erfolgte über Wurzach Richtung Schalldorf, etwa 15 Mann zogen über Arbing nach Lampferding. Dort und in Aßling wird auch der &#039;&#039;Herd&#039;&#039; der Haberfeldtreiber vermutet. Ein anderer Trupp von ca. 20 Mann ging Richtung Ramerberg und Rettenbach. Von zu Hause abwesend waren während der Nacht fünf Burschen, darunter:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Pankratz Reiser von Emmering, ein berüchtigter Haberfeldtreiber.&lt;br /&gt;
* Peter Maierbacher, der schon 1863 deswegen in Untersuchung war.&lt;br /&gt;
Die Haberfeldtreiber äußerten, man werde noch zweimal treiben, zu Ebersberg und zu Glonn, dann sei es für immer vorbei. Andererseits ging das Gerücht, es werde in Zorneding nochmals getrieben. Der Bezirksamtmann von Wasserburg meint: &#039;&#039;Das Haberfeldtreiben wurde nicht mit der sonst üblichen Vorsicht abgehalten, das heißt ein Aufstellen der Vorposten unterblieb.&#039;&#039; Die Untersuchungen in Rott und Umgebung verliefen ergebnislos. Die Abzüge nach Norden und die Verdächtigung eines Mannes aus Emmering zeigen, dass jetzt auch Teilnehmer aus dem Wasserburger Bezirk kommen. Bei der Schilderung des in derselben Nacht in Zorneding stattgehabten Treibens findet sich eine interessante Aufstellung über die Bewaffnung der aus Eglharting bei Kirchseeon kommenden Treiber:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36450|StAM, LRA 36450]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Josef Öttl, Bauer: starker Stock&lt;br /&gt;
* Anton Enzensberger, Bauer: Zwillingsgewehr&lt;br /&gt;
* Schmiedgeselle Steiner: Mistgabel&lt;br /&gt;
* Georg Gabriel, Knecht: Schießgewehr&lt;br /&gt;
* Leonhard Kaffy, Wirtsknecht: alter ungeladener Karabiner&lt;br /&gt;
* Josef Steiner: Asthacke&lt;br /&gt;
* Josef Lang, Bauer: alter langer Säbel&lt;br /&gt;
* Josef Kirchmaier, Zimmermann: Nachtwächterspieß&lt;br /&gt;
* Balthasar Müller: Mistgabel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Albaching  Landgericht Haag, Bezirksamt Wasserburg   6./7.12.1864&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/288633|StAM, RA 1780/288633]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28826|StAM, RA 1779/28826]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Etwa 200 Teilnehmer marschieren in mondheller Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 6. auf 7. Dezember 1864 singend und juchzend und mit großem Lärm von Zell und Ebrach kommend durch den südlichen Teil des Ortes. Voran geht einer, der mit einer großen Kuhglocke läutet. Sie marschieren dann heraus auf eine Anhöhe etwa 200 Schritt südlich vom letzten Haus des Ortes, auf dem das Haus des praktischen Arztes Dr. Zink steht und formieren etwa 50 Meter davor einen Kreis. Es werden Vorposten aufgestellt: &#039;&#039;Sämtliche Haberer bilden eine Kette und haben unter sich ein gewießes Losungswort:das ist Feldgeschrei. Wenn ein Schuss falle, werde der Ort &#039;geplündert&#039;&#039;&#039;, drohten sie. Der Vorleser stand in der Mitte des Kreises, ohne &#039;&#039;Tribüne&#039;&#039;. Es wurde geschossen und Raketen und Feuerräder kamen zu Einsatz. Die Verse von &#039;&#039;beispielloser Unflätigkeit&#039;&#039; richten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Wirt und die Wirtin Kässer von Albaching&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Franz Breitenacher&lt;br /&gt;
* den Kramer Hartmann&lt;br /&gt;
* den Bauernsohn Balthasar Zacherl von Ebrach&lt;br /&gt;
* die Schürflin in Einöden&lt;br /&gt;
* den Kistler Lorenz Fünfeder&lt;br /&gt;
* den Kramer Huber&lt;br /&gt;
* den Maier im Tal&lt;br /&gt;
* den ledigen Josef Edmüller&lt;br /&gt;
alle wegen unsittlichen Lebenswandels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Feuerwerk 3.jpg|mini|Verkaufsliste für Feuerwerk in den Akten des Bezirksamtes.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Ablesens stiegen viele Raketen hoch, es fielen etwa 60 Schuss. Am Ende schimpften sie nochmals auf die Wirtin Theres Kässer und verkündeten, dass jeder erlittene Schaden ersetzt würde, sie hätten 1000 fl. beisammen. Sie brachten ein Hoch auf den Pfarrer, den Kooperator und den Landrichter von Haag aus und drohten ein Treiben in Freimehring im nächsten Jahr an. Das Ende war gegen dreiviertel ein Uhr. Der Abzug nach einer letzten Salve von 60 Schuss erfolgte &#039;&#039;schritthaltend und schweigend&#039;&#039; einerseits Richtung Ebrach, Steinhöring, Zell, der kleinere Teil Richtung Thal, Pfaffing und Rettenbach. Dabei wurde denen, die der Rotte folgen wollten, mit Erschießen gedroht, so dem Gemeindevorsteher von Utzenbichl. Am nächsten Morgen wurden wegen des gefrorenen Bodens und frischem Reif kaum Spuren gefunden, der Kreis, den sie gebildet hatten, hatte einen Durchmesser von 20-24 Schritt. Hülsen von Raketen und Feuerwerkskörpern lagen herum, Mitten auf dem Platz lag eine große, dicke Stange, wahrscheinlich verwendet zum Anbringen von Feuerrädern. Verdächtigt wurden Bewohner aus Jakobneuharting, Frauenneuharting, Tulling, Rettenbach und Pfaffing. Am 13.12.1864 wurden die ledigen Bauersburschen Georg und Balthasar Ruppersdorfer von Wiesham und Karl Deutschenbauer von Gasta(?) wegen dringenden Verdachts festgenommen, am Haberfeldtreiben zu Albaching teilgenommen zu haben. Von der Regierung von Oberbayern wurden Sicherheitswachen angeordnet. Am 31. März 1865 werden die Untersuchungen vom Bezirksamt Wasserburg eingestellt. Auch hier vermutete man Teilnehmer auch aus dem Wasserburger Bezirk, konnte aber keine Nachweise erbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schechen 30.9./1.10.1865 &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]], Ad 111,112./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36451|StAM, LRA 36451]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 30. September auf 1. Oktober 1865 kamen die Haberfeldtreiber nach Schechen. Gegen Mitternacht trafen einige Teilnehmer bei Au zusammen, einige kamen von Hochstätt und Rott her. Sie durchzogen juchzend den Ort Schechen und fassten auf einer Anhöhe westlich von Schechen Posten, wo sie sich weit ausbreiteten. Es waren insgesamt etwa 150 Teilnehmer. Auf der Anhöhe begann das Treiben mit der Vorrede, dass man nicht um zu schaden gekommen sei, sondern um Schandtaten aufzudecken, dabei wurde geschrien, geschossen und auf Bretter geschlagen. Die Knittelverse richteten sich hauptsächlich gegen:&lt;br /&gt;
* die Geißbauer (oder Heißbauer) Eheleute wegen unsittlicher und unredlicher Handlungen&lt;br /&gt;
* einen Prozeßkrämer&lt;br /&gt;
* den Joh. Mayer, Hafengutbauer, früher Gemeindevorsteher, dass er ein uneheliches Kind mit der Ganterbauerntochter gezeugt habe&lt;br /&gt;
* die Schloßbauerngeschwister Theres und Xaver Graner (?), dass sie zusammen Unzucht treiben&lt;br /&gt;
* den Quirin Holzmair, Hilgerbauer von Lochen, dass er bei seinen Dirnen schlafe aber aufgehört habe, weil sein Sohn sich diese zugeeignet habe,&lt;br /&gt;
* den Vorsteher Zobel&lt;br /&gt;
* den Lehrer von Hochstätt&lt;br /&gt;
Am Schluss ließ man den Pfarrer Weilhammer hoch leben. Für den Ort Schönegg bei Dietramszell, für die Stadt Rosenheim und die Märkte Tölz und Miesbach wurden Haberfeldtreiben angesagt. Der Abzug erfolgte in Richtung Rott, Tattenhausen und Hochstätt.&lt;br /&gt;
Die Regierung von Oberbayern (Freiherr von Stein) weist darauf hin, dass die &#039;&#039;seit dem Jahre 1812 angewandten Maßregeln, ja selbst die Verurteilung der Gemeinde Lenggries in die Kosten erfolglos sind&#039;&#039;. Die Hoffnung, es werde der Unfug wegen mangelnder Sympathien im Volke von selbst aufhören, werde wohl in den nächsten 100 Jahren nicht erfüllt. &#039;&#039;Es ist eine bekannte Tatsache, dass die beurlaubten Soldaten beim Haberfeldtreiben eine Hauptrolle spielten.&#039;&#039; Daraufhin werden am 13. November 1865 205 beurlaubte Soldaten des Bezirksamts Rosenheim einberufen, obwohl keiner von ihnen irgendwie verdächtig ist. Allgemein wird noch berichtet, dass beim Haberfeldtreiben anfänglich ein Namensaufruf stattfinden soll, es würden aber nicht die Haberer selbst aufgerufen, sondern viele andere Namen, namentlich auch von Personen, welche ein Amt bekleiden. Einerseits, um über die Personen, welche wirklich Haberfeld getrieben haben, zu täuschen, andrenteils um sich durch die fingierte Teilnahme ein amtliches Ansehen zu geben. Laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; waren als Beteiligte festgestellt:&lt;br /&gt;
* der Gütler Johan Prager von Dichau&lt;br /&gt;
* der Bauernsohn Joseph Zacherl&lt;br /&gt;
* der Dienstknecht Joseph Walch&lt;br /&gt;
Verdächtig waren:&lt;br /&gt;
* der Daschelbauernsohn von Hochstätt&lt;br /&gt;
* Matthias Reiser&lt;br /&gt;
* Man wollte die Stimme des &#039;&#039;Still von Hart&#039;&#039; erkannt haben&lt;br /&gt;
Verdächtigt werden auch Angehörige der Gemeinden Lampferding, Feldkirchen und Rott, aber auch Personen aus Ebersberg und Wasserburg. Es seien auch Zuzüge jenseits des Inns erfolgt, &#039;&#039;so darf man die Angehörigen der Gemeinden vom rechten Innufer mit Ausnahme der 4 Gemeinden am Samerberg, Nußdorf, Neu- und Altbeuren nicht ausnehmen.&#039;&#039; Dies stellt ein Novum dar, denn damit kamen erstmals Treiber von Ost nach West über den Inn. Am 30.11.1865 werden weitere Maßregeln zur Verhütung von Haberfeldtreiben erlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling 17./18.11.1865&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36452|StAM, LRA 36452]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28830|StAM, RA 1779/28830]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Edling.jpg|mini|Haberfeldtreiben Edling - Einberufung von Soldaten.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Nacht von Freitag auf Samstag 17. auf 18. November 1865 gegen zwölf Uhr zogen ca. 200 Bewaffnete durch das Dorf und nahmen in der Nähe des Steinbuchwaldes, etwa acht Minuten außerhalb des Ortes Stellung. Sicherheitsposten wurden bis weit gegen das Dorf vorgeschoben, sodass vieles nicht zu verstehen war. Sie trieben gegen:&lt;br /&gt;
* den Bierbrauer Windsberger von Hart wegen schlechten und teuren Biers und Bierpanschen&lt;br /&gt;
* den Nikolaus Gehrer, zum Zettel, von Edling&lt;br /&gt;
* Maria Spanbrucker, Schmiedmeistersfrau von Edling&lt;br /&gt;
* die Fischerbäuerin von Edling&lt;br /&gt;
* den Bauern Maierbacher zum Feichtl von Breitbrunn, Gde. Edling&lt;br /&gt;
alle wegen unsittlichen Lebenswandels. Verse nach einer Aufzeichnung in den Akten Wasserburg:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Den Pfarrer von Attl habens in Nußdorf verjagt&amp;lt;br&amp;gt;Weil er die Tuchmacher Nanni von Aibling maust und da wird jetzt gsagt&amp;lt;br&amp;gt;Die Schmidin vo Edling hat gar ein feins Gsicht,&amp;lt;br&amp;gt;Hat sich Schulbuben mit 12 Jahren schon abgricht&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Fischerin von Edling gibt sich für a Betschwester aus&amp;lt;br&amp;gt;dieweil hat sie ihr Vater so sackrisch gemaust&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Schmied von Viehhausen ist a grober Zolln&amp;lt;br&amp;gt;der hat dem Lamprecht von Reising seinen Waschkessl gstohln&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Baron von Ebersber, der hat 200 Küah&amp;lt;br&amp;gt;Da wär der Brauer von Hardt als Stier recht guat füa.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Bräuer von Hardt, das ist ein großer Stier&amp;lt;br&amp;gt;drum bräut er auch so ein schlechtes Bier&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Den Forstwart Schmitt von Steinberg, der thuat kan guten rache (er raucht keine guten)&amp;lt;br&amp;gt;und thuts Holz vom Forst an Bräu zu Hardt verkafa&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Am Schluss brachte man ein Hoch auf den Expositus Geißler und den Lehrer Ramsauer aus. Der Abzug erfolgte Richtung Ebersberg und Rott. In einem anonymen Brief wurden mehrere Personen der Teilnahme beschuldigt, bei Haussuchungen stellte sich aber heraus, dass diese während des Treibens zu Hause waren. Hauptbeteiligte sollen die Reißerer Bauernsöhne des Lohmarerbauern aus Bruckhof gewesen sein. Ein Verzeichnis aller beurlaubter Soldaten wurde angefertigt und aus der Gegend 17 vom Militär beurlaubte Burschen eingezogen. Die Untersuchungen blieben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosenheim - Versuch eines Haberfeldtreibens 2./3.12.1865&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28832|StAM, RA 1779/28832]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 2. auf 3. Dezember 1865 versammelte sich eine große Schar von Haberern in Rosenheim in der Nähe des provisorischen Bahnhofs. Aus unbekannter Ursache (angeblich wegen des Ausbleibens eines erwarteten Zuzugs aus Au, Feilnbach und Irschenberg) unterblieb das Treiben. Zwei Wochen später lag in der Gegend ziemlich tiefer Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hohenlinden, Bezirksamt Ebersberg, Bezirksamt Wasserburg 13./14.1.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28833|StAM, RA 1779/28833]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36453|StAM, LRA 36453]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 3023|StAM, AR 3023]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Samstag auf Sonntag 13. auf 14. Januar 1866 gegen zwölf Uhr zogen ca. 200 teilweise bewaffnete Mann (nach anderen Angaben nur 50 oder 70 Mann) auf dem Kirchweg in Richtung Kronacher auf einen Hügel ca. 300 Schritt östlich von Hohenlinden entfernt, vis-à-vis vom Posthaus, von wo aus man den Ort gut überblicken konnte. Ein erster Treffpunkt war schon am Baumerhölzl. Etwa 60 bis 80 Mann zogen von der Haager Straße her unter großem Lärm mitten durch den Ort und riefen &#039;&#039;auf ihr Lumpen!&#039;&#039; In &#039;&#039;gemeinster und unflätigster Sprache&#039;&#039; trieb man gegen:&lt;br /&gt;
* den Wirt Josef Sautreiber von Kronacher und&lt;br /&gt;
* den Wirt Josef Freindl von Pirka, beiden wegen Bierpanschens&lt;br /&gt;
* die Wirtinnen von Kronacher und Pirka&lt;br /&gt;
* den Kistlermeister Jakob Maier wegen Gewehrdiebstahls (soll 1831 gewesen sein)&lt;br /&gt;
* den Gütler Geibinger&lt;br /&gt;
* die Krämerin Dengler&lt;br /&gt;
* die Karrerin Rauch&lt;br /&gt;
* den Bader von Stocka&lt;br /&gt;
* einen Bauern von Keging&lt;br /&gt;
* den Wahlwirt von Neupullach&lt;br /&gt;
* den Bauern von Mutbach wegen Holzdiebstahls&lt;br /&gt;
* den alten Wirt von Peißendorf, er packe die Weiber auf dem Feld an&lt;br /&gt;
* den Thomabauern von Niederanzing, er packe die Dirnen in der Küche an&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Stadlberger und&lt;br /&gt;
* den Lehrer Schiessling von Hohenlinden wegen Unsittlichkeit.&lt;br /&gt;
Alle Vorwürfe seien vor über zehn Jahren vorgekommen, urteilt die Gendarmerie. Auf den Pfarrer, den Posthalter und den Gemeindevorsteher wurde ein Vivat ausgebracht, &#039;&#039;weil sie`s haben wollen, daß wir kommen sollen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Das Schlüsselloch der Kirche war verstopft. Es wurde scharf geschossen, Kugeln prallten an Hausdächern und Häusern ab. Die einen haben Joppen getragen, die anderen Mäntel, woraus man schloss, die ersteren wären Öxinger oder Grafinger. Nach etwa einer dreiviertel Stunde zog man gegen Haag, Preissendorf, Bullach (Kreis Erding) Karlsdorf und Lindach ab. Zunächst hieß es, es werde in Ebersberg getrieben. Die beiden Gerüchteverbreiter waren der ledige&lt;br /&gt;
* Inwohnersohn Nikolaus Kübelbeck und&lt;br /&gt;
* der Mesnerstiefsohn Pauli von Oexing&lt;br /&gt;
Beide hätten letztes Jahr in Edling teilgenommen und letzterer sei dabei an einer Hand verwundet worden. Verdächtig waren auch einige ledige Burschen, alle aus Hohenlinden:&lt;br /&gt;
* Johann Maier&lt;br /&gt;
* Andrä Eberl&lt;br /&gt;
* Zenon Greiml&lt;br /&gt;
* Hermann Heumeier&lt;br /&gt;
* Simon Halbinger&lt;br /&gt;
* Anton Meisler&lt;br /&gt;
Der Hochzeitslader und Schreinergesell Andreas Knappich erzählte dem Sohn des Vorstehers von Hintsberg unlängst (vor dem Treiben in Hintsberg) er sei in Hohenlinden Haberermeister gewesen. Da der Treibort genau an der Grenze zwischen den Amtsgerichtsbezirken Ebersberg und Wasserburg lag, gab es Streitigkeiten zwischen den Behörden um die Zuständigkeit bei der Aufklärung. Die Behörden sprachen von einer &#039;&#039;Nachäffung des Haberfeldtreibens, von einzelnen Kundigen angeführt und geleitet, von Burschen des Haager und Wasserburger LG ausgeführt&#039;&#039;. Es seien keine Teilnehmer verlesen worden, keine Lärminstrumente, z.B. Windmühlen, benutzt worden, die Teilnehmer seien junge Burschen gewesen, auch der Anführer habe eine ganz junge Stimme gehabt und geschrien &#039;&#039;Buabn juchatzt&#039;&#039;. Man vernahm Rufe wie &#039;&#039;Schützenkompanie&#039;&#039; und &#039;&#039;Schützen marsch&#039;&#039;. Ausserdem wurden bestimmte Personen, die eigentlich bedacht werden mussten, nicht erwähnt. Der Lärm wurde vor allem durch Geschrei und Schlagen auf Bretter erzeugt, nicht durch Musikinstrumente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Griesstätt 17./18.1.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28838|StAM, RA 1779/28838]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon vier Tage später trieben 150 bis 200 bewaffnete Mann in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, vom 17. auf den 18. Januar 1866 von zwölf bis ein Uhr 120 Schritte von dem letzten Haus des Ortes nach Norden gegen Altenfahrens zu wegen &#039;&#039;gemeiner Verbrechen als Mord und Diebstahl&#039;&#039; und &#039;&#039;Vergehen in fleischlicher Beziehung&#039;&#039;. Sie kamen in einem Zug von mindestens 100 Schritt Länge von Vogtareuth her und zogen durch den Ort Griesstätt mit Schreien und Johlen. Einer ging mit einer großen Kuhglocke läutend voraus. Sie trugen Joppen und Gebirgstracht, genaueres war wegen der finsteren Nacht nicht erkennbar. Dem Gang nach zu urteilen seien es überwiegend alte Männer gewesen. Auf einem Acker neben der Straße Wasserburg-Rosenheim nahmen sie in einem Kreis Aufstellung. Aus dem Stadel des Ortsvorstehers hatten sie eine Windmühle weggenommen. Der Vorleser stand auf 2 Brettern, die über 2 Schragen gelegt waren. Nur etwa zehn Bewohner gingen aus dem Ort, um zuzuhören. Ihnen wurde mit dem Ruf &#039;&#039;zurück!&#039;&#039; Einhalt geboten. Der Vorleser hatte eine sehr raue Stimme, sodass man kaum etwas verstehen konnte. Allerdings macht einer der Zuhörer dann doch sehr genaue Angaben:&lt;br /&gt;
* Dem Wasenmeister Franz Pältl zu Erbaum sei ein Mord vorgeworfen worden. &#039;&#039;Dem Erbaumer dem muaß ich heut sagn, der hat seine Vorfahren ins Wasser einigschlagn&#039;&#039;. Das betreffende Ereignis sei allerdings schon 5-6 Jahre her, damals habe man Alois Hart tot gefunden.&lt;br /&gt;
* dem Josef Klarner sei ein Brand zu Griesstätt vorgeworfen worden, der im Jahre 1844 stattfand.&lt;br /&gt;
* dem Simon Niederlechner, Hinterhiermeier Bauer und reicher Witwer, wurde vorgeworfen, er habe die Lehrerstochter geschwängert: &#039;&#039;Der Hirmeierbauer will Schulmeister von Griesstätt werdn, seine Bekanntschaft tut in Rosenheim privatisieren, drum tut er alle Wochen eine Fuhr getreide auffi führen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Über den ledigen Wirtssohn Joseph Soyer hieß es, er sei &#039;&#039;...ein Wilder im Draht und muaß a wissen, was jede Kellnerin für eine hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Vom Josef Gartnerseiner zum Falleisen, einem alten, auf Krücken gehenden Mann sagte man: &#039;&#039;der alte, der is zum erbarmen, möcht aber aa no an Fleck, so an warmen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* dem Simon Mayer zum Dustmaier sagte man: &#039;&#039;der Huber von Burgham waar gern ein angesehner Mann, er hats aber der Oberlechner Resi aa scho oft getan&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Getrieben wurde ferner:&lt;br /&gt;
* dem Mathias Waabuchner zum Jager&lt;br /&gt;
* dem Peter Saaleitner (oder Sennleitner) zum Duschl wegen Unsittlichkeiten&lt;br /&gt;
* dem Andreas Huber zu Leupfam und&lt;br /&gt;
* dem Joseph Kern von Edenberg&lt;br /&gt;
* der Müllerwitwe Marie Furtner und ihrer Tochter Magdalena&lt;br /&gt;
* dem Werkführer Hans Huber von Murn&lt;br /&gt;
* dem Johann Maier, Erpenbauer zu Sunkenrath&lt;br /&gt;
* dem Thomas Nickel, Huberbauer zu Sunkenrath&lt;br /&gt;
Weitere Verse lauteten:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Huber von Kettenham, den lassen wir laufen,&amp;lt;br&amp;gt;der stiehlt die Lampl und thut sie verkaufen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die  Huber von Moosham sind a nit zu loben&amp;lt;br&amp;gt;die ham an Bauern in Holbing seine Kronenthaler gstohlen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Samsl vo Moosham, der hat sie verganga und hat a weni mit der Dirn&amp;lt;br&amp;gt;statt mit seiner Frau angfanga&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Haberer hätten gesagt, sie seien von Miesbach her sehr weit bei schlechter Witterung gegangen. Es wurde scharf geschossen, über dem Ort pfiffen Kugeln. Am Schluss erging an die Getriebenen die Aufforderung, sich zu bessern. Nach dem Befehl &#039;&#039;auseinander, Marsch!&#039;&#039; erfolgt Schlag ein Uhr der Abzug gegen Edenberg nach Süden Richtung Rosenheim, angeblich nicht Richtung Wasserburg. (Allerdings sagen Zeugen, es seien einige über die Brücke in Wasserburg gezogen). Um über den Inn zu kommen, wurde die Überfuhr (Fähre) zu Murn benutzt. Das Schloss des für 24 Personen berechneten Nachens wurde geöffnet, wahrscheinlich mit einem Nachschlüssel, da keine Gewaltanwendung erkennbar war. Auch bei Altenhohenau und Edenberg sollen die Treiber über den Inn gekommen sein. Eine Gruppe wurde bei Schonstett gesehen, eine Rotte sei wohl erst bei Rosenheim über den Inn gegangen.&lt;br /&gt;
Etwa 80 Mann sollen beim Wirt in Vogtareuth Bier verlangt haben. Dieser streitet dies aber ab, es sei eine Verwechslung. Er habe miterlebt und nur erzählt, wie in der Nacht vom 24. auf 25. Januar eine Rotte von etwa 60 Mann bei seinem Kollegen in Paffenhofen Bier verlangt hätte. Am Treibort fand man Papierpfropfen von Zeitungen, die als Schusspapier gedient hatten. Der niedergetrampelte Teil des Ackers hatte einen Durchmesser von 28 Schritt, weshalb die Gendarmen vermuteten, dass es weniger als 150 Teilnehmer waren. Die Konsequenzen der Wasserburger Behörden ließen nicht lange auf sich warten: Die Gemeinden mussten wieder Nacht-Patrouillen laufen, es wurde bis auf weiteres jegliche Tanzmusik verboten, außerdem wurde die Polizeistunde herabgesetzt. Die beurlaubten Soldaten der Gegend wurden auf zwei Monate einberufen. In der Folge werden den Behörden verschiedene Hinweise, Verdächtigungen und Anschuldigungen anonym übermittelt. Die Untersuchungen dazu zeigen aber meist völlige Haltlosigkeit oder nur vage Anzeichen, sodass sie erfolglos bleiben und eingestellt werden. Laut Ministerium des Innern war es das elfte Haberfeldtreiben im Herbst/Winter 1865/66.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bruckhof 7./8.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28838|StAM, RA 1779/28838]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36456|StAM, LRA 36456]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Drei Wochen später, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, von 7. auf 8. Februar 1866 etwa um halb zwölf Uhr nachts zog eine Rotte von Grafing und Rott kommend durch Bruckhof unter Abfeuern von Flintenschüssen und Schreien (&#039;&#039;wia, hü, ho, ha&#039;&#039;). Etwa eine viertel Stunde später kamen sie in militärischer Ordnung zurück, und zwar um etliche Mann verstärkt, die aus Lampferding angerückt waren und schrien: &#039;&#039;die Haberer sind da!&#039;&#039; Sie nahmen Aufstellung Richtung Rott, 200 Schritt vom Wirthaus und 50 Schritt vom letzten Haus von Bruckhof entfernt, wo ein aus Richtung Rott angerückter Trupp schon gewartet hatte. Es wurde ein Kreis gebildet &#039;&#039;und Verse verlesen, die man aber nicht hören konnte, weil ein starker Sturm ging&#039;&#039;. Nur der Lamerbauer, ein früherer Raufer, der zunächst des Treibplatzes wohnte, hörte, &#039;&#039;dass von Hurerei, Rosenkranzstehlen und Fleischstehlen die Rede war&#039;&#039; und dass es in 14 Tagen nach Aßling gehe. Begonnen habe es mit dem Ruf &#039;&#039;Auf, auf, ihr Lumpen, neue Hurengeschichten müsst ihr hören&#039;&#039; und &#039;&#039;auf, die Haberer sind da&#039;&#039; und dann &#039;&#039;auseinander, Kreis gebildet&#039;&#039;. Es ging gegen:&lt;br /&gt;
* den Müllermeister Georg Kastenmüller&lt;br /&gt;
* Bauer Seb. Mayer&lt;br /&gt;
* Barbara Krämer von Blenchhof&lt;br /&gt;
* Kaspar Main von Schalldorf wegen Hurerei&lt;br /&gt;
* die Brettlin von Schalldorf wegen Diebstahls eines Rosenkranzes&lt;br /&gt;
* den Grenzl von Einöden&lt;br /&gt;
* den Heuknecht von Hinterberg, er habe beim H. in Dettendorf das Fleisch vom Kamin herunter&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Truppe, aus Emmering kommend, mit 31 Köpfen, habe lange Röcke und Bauernmützen getragen. Insgesamt sollen es nicht mehr als 50-60 Mann gewesen sein. Das Treiben dauerte etwa eine halbe Stunde. Wie in Hohenlinden seien es überwiegend junge Burschen gewesen. Dies schließt man auch daraus, dass Donnerstag (8. Februar) in dieser Gegend &#039;&#039;Schlenkelpfinster&#039;&#039; gewesen sei, ein Feiertag, an dem sich nicht verdingte Dienstboten am Markt in Grafing anbieten konnten. Der Wirt Jakob Sextl von Bruckhof erzählt, ihm habe der Bauer Michael Edelberger erzählt, er habe beim Lohmeierbauern M. Reißerer auf dem Getreideboden gleich nach dem Edlinger Treiben in einer geöffneten, an der Seite befindlichen Kammer 40 Gewehre gesehen. Die Söhne des Reißerer aus Bruckhof sollen die Hauptbeteiligten in Edling gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hintsberg bei Steinhöring 15./16.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28841|StAM, RA 1779/28841]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36456|StAM, LRA 36456]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Acht Tage nach dem Treiben in Bruckhof kamen die Haberfeldtreiber in der Nacht vom 15. auf 16. Februar in die Nähe von Steinhöring. Etwa um viertel nach elf Uhr zog eine Rotte von 20-25 bewaffneten Burschen von Steinhöring her ins Dorf, vor das Haus des Vorstehers und schrien, nachdem ein Schuss abgefeuert war: &#039;&#039;Vorsteher steh auf und weck deinen Toni auf&#039;&#039;. Sie zogen dann auf ein Feld auf einer Anhöhe, nördlich von Hintsberg, etwa 200 Schritt hinter dem Haus des Vorstehers und ca. eine halbe Stunde südlich von Steinhöring. Das Treiben richtete sich gegen den Vorsteher Kaspar Huber und seinen Sohn Anton. Der Vorsteher lasse sich &#039;&#039;abschmieren&#039;&#039; (bestechen), sein Sohn sei ein Stier und Hurenkerl. Nach jedem &#039;&#039;Artikel&#039;&#039; fielen etwa 15 Schuss und alle schrien &#039;&#039;Vivat&#039;&#039;. Es dauerte nur eine viertel Stunde (nicht drei Stunden, wie bei Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 61.&amp;lt;/ref&amp;gt; angeführt). Die Treiber hatten keine Lärminstrumente dabei, aber zwei Musikinstrumente, wohl Waldhörner. Es waren nur 20 bis 25 Personen, meist sehr junge Burschen, die in mehrere Richtungen abzogen, vor allem nach Hohenthann, Tulling und Oberndorf. Der Vorleser hatte ein Licht und drehte sich immer dahin, wo die Betroffenen wohnten. Beim Zuzug soll ein Bauer die Haberfeldtreiber gesehen und erkannt haben, sie seien aus dem Mailinger Winkel gewesen. Der Taglöhner Griesbeck aus Tulling war verdächtig, aber seine Frau sagte gegenüber Dritten, der beteilige sich nicht bei Treiben in so kleinen Orten. Das Bezirksamt Ebersberg bemerkt, dass Kaspar Huber ein ehrenwerter, fleißiger Mann sei und hält den Vorfall eher für eine Nachahmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg, Februar 1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Wasserburg.jpg|mini|Die &#039;&#039;Ermittlungsakten&#039;&#039; des Bezirksamtes für die Stadt Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Witwe Katharina Resch (46 Jahre) erscheint in der Gendarmerie und gibt an: am Abend des 7. Februar traten (in der Burgau) drei starke Männer in die Stube, sie trugen graue Joppen bis an die Wade, Hüte und Spielhahn-Federn und dunkle Vollbärte. Sie sprachen in &#039;&#039;gebildeter Sprache&#039;&#039; und fragten um Verhältnisse des Hofsteter Metzger und nach anderen Dorfbewohnern, insbesondere wer wen auf die Gant (in Konkurs) gebracht habe. Vier weitere Männer hätten die drei abgeholt. Man befürchtete daher zunächst ein Haberfeldtreiben in Wasserburg. Das Bezirksamt hielt die Zeugin und ihre Aussage jedoch für nicht glaubwürdig. Etwa drei Wochen später, am 12. März 1866 zeigt Georg Dengler am Harter Gütl an, dass in der sogenannten Tränkgasse eine Puppe an einem Baum hinge, in Gebirgstracht gekleidet, sie solle wahrscheinlich einen Haberfeldtreiber vorstellen. Als man die Puppe abnahm, fand man in der Joppentasche ein Schriftstück, datiert vom 10. März 1865(!). Es begann:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ihr Herren und Frauen aus Wasserburg!&amp;lt;br&amp;gt;O Wasserburg, du bedauerst mich auch könnt Ihr es schlechten Bürger es nicht verantworten, das ich wegen einer schleichten Huererei und Stehlen muß auf diesem Baum aufhenken. Die Leute schaug mich an und werden sich gewiß nichts gutes denken verzweifeln muß ich auf jeden Fahl den nichts als Schlechtigkeiten hörr ich von den noblichsten Herrn sie machen Bankrott u. Den armen Teufeln wir das Geld abgerappt. So könnte ich wahr erzählen und an der Wahrheit wird gewiß nicht fehlen. In einer Nacht könt ich bei Euch nicht vertig werden u in zwei könnt Ihr mich mit meiner Manschaft nicht ernährn weil die Meister sind zum Verderben. Noch zu letzten thut es mich das verdrissen das es die die armen Soldaten entgelden müssen doch scheuen wir weder Schildwach noch Protokoll der Teuffel soll euch alle holen. Ich meine ich habe schon überall Mühe genug gehabt bis ich die Leute auf den rechten Weg gebracht. Ich sage Euch auf meine Ehr es reut mich keine Stunde mehr. Aber bevor ich mein Leben werde beschließen werde ich meine Brüder dem Kaiser Karl am Untersperg noch schreiben müssen was Ihr führan Lebenslauf führt und wie Ihr haltet Eure Hurerei darauf.&amp;lt;br&amp;gt;Wenn ihr Euch nicht bekehrt in eine Jahr so ist Bedenkzeit gar, dan dürft ihr aber sicher hoffen das mein Bruder kommt mit 1000 Mann der Euch gewiß katholisch machen kann. Da kann Euer Major den Generalmarsch schlagen lassen um uns mit Hunden davon zu jagen. Thut ihr also Ihn Obacht nehmen den meine Schützen haben Haare auf den Zähnen. Wen es ankommt auf einen Ernst verzehn sie nicht fiel Scherz. Schissen auf jeden wen es a so sein muß eine warme Kugel durch die Brust.et, Auf schlechte Besserung oder gar auf Verlangen sehen wir uns wieder bis einem Jahr aber nicht schriftlich sondern mündlich in höherem oder gar in scharfen Grade wozu Euch die Ganze Arme der Haberfeldtreiber gratulieren.&amp;lt;br&amp;gt;Ostreich, Frankreich, Rußland und das Arme Kommando Kaiser Karl vom Untersberg&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Es folgen weiter zwölf Seiten bleistiftgeschrieben mit wirren Anschuldigungen. Ob in Wasserburg je ein Haberfeldtreiben geplant war, ist äußerst zweifelhaft. Die Organisatoren der Treiben achteten sehr darauf, dass sie gesicherte Rückzugswege hatten. Wegen der einfach zuzustellenden Fluchtwege im Ort wäre ein Treiben äußerst riskant gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Evenhausen, 23./24.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28842|StAM, RA 1779/28842]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In Evenhausen, einem Dorf mit zehn Anwesen zwischen Wasserburg und Amerang, Landgericht Wasserburg, zogen in der Nacht von Freitag auf Samstag, den 23. auf 24. Februar 1866 zwischen 60 und 100 Mann gegen halb ein Uhr nachts lärmend und schreiend den Berg hinauf durch das Dorf und stellten sich am südlichen Dorfende gleich neben dem Wirtshaus von Evenhausen auf halbem Weg nach Pfaffing auf. Sie schossen dann gegen den Ort zu scharf und begannen von ein bis halb zwei Uhr das Treiben, hauptsächlich wegen fleischlicher Verfehlungen gegen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Lorenz Schindlbeck&lt;br /&gt;
* den Mesner Phil. Huber, der so fleißig bete, dass seine Frau sterbe, die er schon zu Lebzeiten mit seiner jetzigen Frau betrogen habe&lt;br /&gt;
* den Schullehrer wegen Schulhausgelddiebstahls (völlig unbegründet)&lt;br /&gt;
* den Wirt nebst verschiedenen ledigen Weibspersonen und&lt;br /&gt;
* vor allem aber gegen den Pfarrer wegen fleischlicher Vergehen mit seiner Pfarrersköchin&lt;br /&gt;
Die Kirchturmtüre wurde mit Wasen verstopft. Eine Windmühle, die benutzt wurde, stammte vom Mesner Huber. Im Wirthshaus zu Evenhausen wurden zwei Fenster eingeschossen, eine Kugel durchschlug das Fenster des Kinderzimmers. Auch in den Mauern der Häuser befand sich &#039;&#039;viel Blei&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104 |StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Schluss erfolgte die Ankündigung eines Treibens in Söchtenau in 14 Tagen. Zu- wie auch Abzüge erfolgten Richtung Aham, Schonstett und Griesstätt, eine Rotte schlug den Fußweg nach Rehmbach, Breitenbach und Murn ein. Einige Treiber kamen über den Inn. Der Flößer Georg Ortner sagt aus, dass sein Floß zu einer Überfahrt benutzt worden sei. Amtliche Abschrift (Nachschrift) des Treibtextes:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir fangen gleich mit dem Allerschlechtesten an un dieß ist der Pfarrer von E., der größte Stier, der Hurenkerl hat seiner Köchin ein Kind gemacht, dös Kind is freili scho Wirthin und seine Köchin ist die allergrößte Hure.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Meßner hat 2 Jahre neben seinem Weib die Heilmeir Viktor gehabt, aber jetzt mag ers nimma, weils allaweil am Franckl sein Hosentürl dran ghängt ist.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wirt ist der Gemeindestier, der hat der Stannz Rosl a Kind gmacht, nacher ham sie mitanande an Kindsmord begangen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Stannz Rosl, die Hurn, des schlechte Weibsbild hat von an lutherischen Schäfer a Kind ghabt und jetzt geht’s in der nacht zum Schuster.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Heilmaier Anni hat sichs vom Lehrer Franckl Tag und Nacht thun lassen, der Lehrer F. Ist freilich fort, aber an Hund hat er ihr dalassen, der muß ihr die Fud ausschlecken und am Frankl sein geschäft versehn.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die  Schneider... als... ist beim Hellichten Tag beim Franckl dringlegn, jetzt macht sie Betschwester und singa kanns nimma, weils an F. Sei Pfeiferl nimmer hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Weitere Verse, die sich im Akt des Bezirksamts Wasserburg&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104 |StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; befinden:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Stefflknecht, der Fluri, der hat am Kochberg bei Hebertshan an Moar vo Oddelsham ausdrunka&amp;lt;br&amp;gt;Die Mili hat eam net so gschmeckt hat gmoant si hat nach der Braugruebn gstunka&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Den Petermüllerm den derf ma a net vergessn&amp;lt;br&amp;gt;Der thuat an Dirnen so gern de Tüacher vermessen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wabsmüller Aliis mit sein Goasbart&amp;lt;br&amp;gt;Hat a rothaarats Diandl mit 13 jahr scho g&#039;hat&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Diestl in da Schilchau, der is am Johannitag&amp;lt;br&amp;gt;Mit&#039;m Kreuz auf Schaunstädt ganga&amp;lt;br&amp;gt;Und im Hoamgeh hat a a Morthat beganga&amp;lt;br&amp;gt;Und hat an Schulseppn sei Wei in an Korn... drin gmaust&amp;lt;br&amp;gt;Da hats an Teufel in der Höll drin davor graust&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Mit dem Haberfeldtreiben is a koa Spaß&amp;lt;br&amp;gt;Is oana unter uns, hat an Fuaß wia a Goas&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Um a sechsi müaß ma vonr Kaiser Carl seiner Hausthür steh&amp;lt;br&amp;gt;Sonst derf ma &#039;s nachst mal nimmer zum Haberfeldtreiben mitgeh!&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer von Enhausn is a fürchterlicher Stier&amp;lt;br&amp;gt;Der werd jtzt brennt und zum B&#039;schäln vorgführt&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wirth von Enhausn is a ganz braver Mo&amp;lt;br&amp;gt;Der bind an Herrn Pfarrer sei Tochter an sei Hosenthürl no.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schullehrer von Enhausn is net zum Verachten&amp;lt;br&amp;gt;der tuat an Pfarrer sei Pelzhaubn a gern betracht.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Lehrer Frankl muaß rein auf fremde Straßn&amp;lt;br&amp;gt;Drum hat er seiner Nani sein Hund zum Mausen zruck lassen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Notar Gleißl war bei der Wirtin z&#039;Straß auf Visit&amp;lt;br&amp;gt;Und hat des alt Fell a öfters verkitt&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Strengs Resi vo Enhausn hat früher schön gsunga,&amp;lt;br&amp;gt;hat aber ihr kloans Kind umbrunga&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Dass es zwei Varianten von Treibtexten gibt, ist gar nicht so selten. Die Gendarmerie zeichnet erst die Verse nach Zeugenaussagen vom Hörensagen auf, später tauchen dann von den Haberern zugespielte Papiere auf, die andere und zusätzliche Verse enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kraiß, Gde. Steinhöring, 5./6.4.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28844|StAM, RA 1779/28844]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36459|StAM, LRA 36459]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 5. auf 6. April 1866 wurde zum zweiten Mal innerhalb von acht Wochen in der Nähe von Steinhöring getrieben. Nur 60 Schritt von dem aus zwei Häusern bestehenden Einödhof Kraiß auf einer Anhöhe wurde um Mitternacht dem&lt;br /&gt;
* Hofbesitzer Sebastian Bauer&lt;br /&gt;
das Haberfeld getrieben. Das Wecken am Haus erfolgte mit Schüssen und der Aufforderung, wenn er, der Bauer Pulver und Kugeln habe, dann solle er herauskommen. Es waren etwa 30-40 Mann, die aus Richtung Haag von der benachbarten Einöde Dailling kamen und gegen Hohenlinden abzogen. Zum Verlesen wurde ein Licht angezündet. Einer las etwas in Knittelversen ab, die anderen schrien:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Hurenkerl, der schlechte Kerl, Spitzbub, du hast deinen Vater erschießen lassen, hast scho zwei Weiber umgebracht und das dritte möchtest du auch noch umbringen. Du hängst ja den Dirnen an, bei dir kann sich keine aufhalten. Du bist einmal in Neufahrn vom Wirth mit der Hundspeitsche geprügelt worden, weil du Futtersäcke, Geiselstecken und Eisketten gestohlen hast. Am Schluß sagten sie: &#039;Jetzt ists zum letzten Mal, jetzt gehen ma nach Ebersberg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Zwei Wachhunde am Hof rissen sich von den Ketten los, zwei Kühe ebenfalls. Das ganze dauerte etwa eine viertel Stunde. Seb. Bauer war eine weithin verhasste Person, streitsüchtig, unfreundlich, stolz und brutal. Laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; war Hauptgrund für das Treiben &#039;&#039;Rache wegen eines Hausbaues&#039;&#039;.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Notiz in den Neuesten Nachrichten vom 24. Oktober 1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28848|StAM, RA 1779/28848]].&amp;lt;/ref&amp;gt; soll in der Kirchweihnacht dem Pfarrer Philipp Maier von Attel Haberfeld getrieben worden sein, und zwar von 13. auf 14. Oktober. Allerdings stellte sich heraus, dass einige mit den Diensthandlungen des Pfarrers Unzufriedene sich zum Pfarrhof begaben und dort ein Fenster einschlugen, eine Kugel durch das Fenster schossen und versuchten, die Haustüre einzuschlagen. Dabei wurde kein Wort gesprochen. Nach Ansicht des Wasserburger Bezirksamtmanns war es kein Haberfeldtreiben, denn: &#039;&#039;der Haberfeldtreiber will nur schimpfen, er zerstört aber nicht fremdes Eigentum&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Versuchtes Haberfeldtreiben in Rosenheim 29.10.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28832|StAM, RA 1779/28832]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Dieses Treiben wird hier aufgeführt, weil es für einige Teilnehmer aus dem Landgerichtsbezirk Wasserburg fatale Folgen hatte. Dem Gendarm von Feldkirchen wurden die Pläne für ein Haberfeldtreiben in Rosenheim von &#039;&#039;einem genau Eingeweihten&#039;&#039; verraten. Daraufhin wurde die gesamten Gendarmerie der Umgebung (zwölf Mann) und das Landwehr-Bataillon Kommando Rosenheim (32 Mann) mobilisiert und die Mangfall-Übergänge und andere wichtige Punkte besetzt. Der Oberleutnant Wilhelm von Reck wird am 20. Oktober mit einer Kompanie nach Rosenheim entsandt, und nimmt Stellung auf dem die Gegend beherrschenden Stockhammer Gütl. Vorposten standen:&lt;br /&gt;
* am Zugang nach Rosenheim beim Hofbräukeller (rechter Flügel)&lt;br /&gt;
* nach den Brachfeldern in Richtung Westerndorf&lt;br /&gt;
* nach dem Ziegelstadel von Fürstätt (linker Flügel) und&lt;br /&gt;
* nächst dem Bahnhof&lt;br /&gt;
Diese Vorposten hielten durch Patrouillen ständige Verbindung, die Rückzugslinie sollte immer das Stockhammer Gütl sein. Ein  Rest der Landwehr bezog Wache in Rosenheim und hielt mittels Patrouillen ebenfalls Verbindung zu Oberleutnant Reck. Die Nacht war mondhell. Um elf Uhr stieß die gegen den Hofbräukeller vorgeschobene Patrouille auf einen Trupp von zehn bis 15 Mann, die mit Schießgewehren bewaffnet und mit Bärten versehen waren. Sie riefen denselben &#039;&#039;Halt&#039;&#039; zu und warfen sich ihnen (zu zweit!) entgegen. Die Treiber flüchteten, die Gendarmen rissen aber einen aus ihrer Mitte heraus und konnte ihn arretieren: den Knecht Jakob Huber aus Vogtareuth (vier Gehstunden entfernt) Sein Hut war in auffallender Weise mit Holundersträuchen geziert. Man hielt ihn daher für den Haberfeldmeister. Aus seinen Äußerungen schloss man, dass noch mehr Haberer in einer Kiesgrube in der Nähe des Hofbräukellers verborgen seien. Daher führte man dorthin eine Patrouille durch. Auf der Straße dorthin, beim Haus des Lorettowagners sah der Kommandant einige Burschen laufen und schrie &#039;&#039;Halt&#039;&#039;, worauf geschossen wurde. Die Burschen versteckten sich im Garten des Wagnerhauses. Währenddessen kam ein anderer Trupp Haberfeldtreiber aus der Richtung Stockhamer Gütl gegen das Wagnerhaus gelaufen. Fast gleichzeitig traf auch eine Gendarmerie-Patrouille des Oberleutnant Reck ein, sodass die Haberfeldtreiber im Garten von zwei Seiten angegriffen wurden. Sie hatten aber Schutz durch die Obstbäume und zogen sich einzeln zurück. Die Gendarmen rückten nach, es kam zu einem Handgemenge, im Verlauf dessen vier Burschen gefangen genommen wurden:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Anton Rainer, vulgo Bart Toni Dienstknecht aus  Griesstätt (im Dienst als Knecht in der Obermühle Murn), gebürtig von Grünthal bei Pfraundorf&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. Paulus Baumann, Dienstknecht beim Kastl zu Sunkenroth bei Griesstätt&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. Josef Kronert, Dienstknecht und&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. Joseph Weber, Dienstknecht beim Oberhungerbauern in Kalbing bei Griesstätt, aus Kraiburg stammend&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ferner laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 104.&amp;lt;/ref&amp;gt; der abgehauste Bauer Georg Höllinger aus Rosenheim (möglicherweise identisch mit dem &#039;&#039;verheirateten Schmalzer&#039;&#039; aus Rosenheim). Die vier Festgenommenen wurden zum Stockhammer Gütl gebracht (acht-zehn Minuten Fußweg), wobei die Begleiteskorte dauernd von ca. 100 bis 150 Haberfeldtreibern aus den gegen Westerndorf ansteigenden Feldern beschossen wurden, &#039;&#039;dass die Kugeln nur so herumflogen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Oberleutnant Reck kam der Eskorte mit seiner gesamten Mannschaft entgegen, worauf sich die Rotte nach Westerndorf zurück zog. Nur zwei Burschen liefen, als ob sie die Stärke der bewaffneten Gendarmerie ausmachen wollten, fortwährend in die Schusslinien, bis einer unter dem linken Auge getroffen wurde und zu Boden stürzte. Der andere schrie &#039;&#039;mein Bruder, mein Bruder! Bist du tod?&#039;&#039; und stürzt sich auf ihn. Es waren der ledige Schmiedsohn Niklas Maier aus Langenpfunzen, der kurz darauf starb und sein Bruder Josef, der arretiert wurde. Darauf zogen sich die Haberfeldtreiber zurück. Die sieben Festgenommenen saßen in Traunstein ein. Wegen &#039;&#039;Vergehen des Aufstands&#039;&#039; werden vier Mann zu je zweieinviertel Jahren Haft verurteilt, der Bruder des Gefallenen zu eineinhalb Jahren, zwei werden freigesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Söchtenau  Bezirksamt Rosenheim 14./15.2.1867&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28853|StAM, RA 1779/28853]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 14. auf 15. Februar 1867 gegen ein Uhr hielten etwa 50-80 Teilnehmer, von Vogtareuth kommend, eine dreiviertel Stunde lang im Ort Söchtenau ein Haberfeldtreiben ab. Es ging gegen den Pfarrer Eder und die Wirtin und zugleich Pfarrersköchin und gegen einige Bauern. Als dann ein Sturmläuten der Pfarrkirche einsetzte, schossen sie gegen den Pfarrhof etwa 40 mal scharf, wodurch Fenster zertrümmert und Türen und Decken beschädigt wurden und drohten, der Pfarrer und seine Köchin würden erschossen und das Pfarrhaus abgebrannt. Der Pfarrer Eder war früher Kooperator in Au und soll dort ein Verhältnis mit der Wirtin von Litzldorf gehabt haben. Man nahm daher an, dass die Anstiftung zum Treiben von Au ausging. Der Abzug erfolgte Richtung Vogtareuth und Zaisering. Am Sonntag darauf, also dem 17. wurde nochmals im Ort geschossen und gelärmt, es war aber kein vollständiges Haberfeldtreiben mehr. Personen aus Griesstätt gerieten in Verdacht, sie sollen auch bei den Vorfällen in Rosenheim im Oktober 1866 beteiligt gewesen sein, [[#Versuchtes_Haberfeldtreiben_in_Rosenheim_29.10.1866.5B38.5D|siehe oben]]. Ausserdem sollen die  Wirte Georg Blumetsrieder von Litzldorf, der Wirt von Schonstett und Josef Schmid von Flintsbach das Haberfeldtreiben arrangiert haben, zusammen mit einem jungen Bauern und Müller mit Namen &#039;&#039;Fürst&#039;&#039;. Die Untersuchung gegen sie wurde eingestellt, aber das Bezirksamt ordnet eine personelle Verstärkung der Polizeistation und Sicherheitswachen an.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann war es im Landgerichtsbezirk Wasserburg für lange Jahre vorbei mit dem Haberfeldtreiben. Zusammenfassend kann man zu den aufgeführten Treiben 1864 bis 1867 im Bezirksamtsbereich sagen, dass sie alle in etwa gleich abliefen: Zunächst zog die Rotte in militärischer Ordnung durch den Ort, um sich dann auf einem Feld oder auf einer Anhöhe vor dem Ort aufzustellen. Es wurden fingierte Namen aufgerufen, die die Teilnehmer durch &#039;&#039;Hier&#039;&#039;-Rufe bestätigten, danach wurden Verse verlesen, vorher, zwischendurch und danach geschossen, (auch scharf), Raketen und Feuerräder gezündet und mit Getreidemühlen, Schlagen auf Bretter und Töpfe Lärm gemacht. Am Schluss erfolgte ein Hochruf, auf den Pfarrer, den Kooperator oder den Bezirkshauptmann, je nachdem, wer nicht getrieben wurde. Interessant ist ein Blick auf die Teilnehmerzahl.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die sechs Treiben im Bezirksamt Wasserburg:&lt;br /&gt;
{|class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Rott_10..2F11.11.1864.5B14.5D|Rott am Inn]] || 10./11.11.1864&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 100 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Albaching_Landgericht_Haag.2C_Bezirksamt_Wasserburg_6..2F7.12.1864.5B18.5D|Albaching]]  || 6./7.12.1864&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Edling_17..2F18.11.1865.5B21.5D|Edling]] || 17./18.11.1865&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Griesst.C3.A4dt_17..2F18.1.1866.5B25.5D|Griesstätt]] || 17./18.1.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 150-200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Bruckhof_7..2F8.2.1866.5B27.5D|Bruckhof]]  || 7./8.2.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-60 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Evenhausen.2C_23..2F24.2.1866.5B32.5D|Evenhausen]]  || 23./24.2.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demgegenüber nahmen an den Treiben im Umkreis des Bezirksamts Wasserburg teil:&lt;br /&gt;
{|class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Schechen_30.9..2F1.10.1865_.5B19.5D|Schechen]] || 30.9./1.10.1865&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 150 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Hohenlinden.2C_Bezirksamt_Ebersberg.2C_Bezirksamt_Wasserburg_13..2F14.1.1866.5B24.5D|Hohenlinden]]  || 13./14.1.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-70 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Hintsberg_bei_Steinh.C3.B6ring_15..2F16.2.1866.5B28.5D|Hintsberg]] || 5./6.4.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 20-25 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Versuchtes_Haberfeldtreiben_in_Rosenheim_29.10.1866.5B38.5D|Versuch Rosenheim]] || &amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#S.C3.B6chtenau_Bezirksamt_Rosenheim_14..2F15.2.1867.5B40.5D|Söchtenau]]  || 14./15.2.1867&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-80 Mann&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Es fällt auf, dass die Teilnehmerzahlen an den Treiben außerhalb des Bezirksamts weit geringer waren als bei den Treiben innerhalb des Amtssprengels. Die Vermutung liegt nahe, dass die aktiven Haberer im Bezirksamt nicht mehr als 50 bis 100 waren. Sie hatten die Treiben außerhalb des Amtssprengels zu beschicken, da man ja im eigenen &#039;&#039;Gäu&#039;&#039; nicht teilnahm, um keinen Verdacht zu erregen. Hingegen war die Zahl der aktiven Haberer aus den Bezirksämtern Ebersberg und Rosenheim viel größer. Sie konnten eher ungefährdet die Treiben in den auswärtigen Bezirksamtsbereichen besuchen. Wohl erstmals 1864 werden Zu- oder Abzüge aus dem nördlichen Teil des Amtsgerichtsbezirks verzeichnet und ein angeblicher Teilnehmer aus Emmering verdächtigt. 1866 wird für Bruckhof, wie schon vorher für Hohenlinden vermerkt, dass die Teilnehmer überwiegend junge Burschen wären, was dafür spricht, dass man nach dem &#039;&#039;Einschlafen&#039;&#039; des Brauches über fast 15 Jahre neue, junge Leute rekrutierte. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass bei keinem der sechs Wasserburger Treiben die Untersuchungen zu einem Ergebnis geführt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Haberfeldtreiben von 1893 bis 1905=&lt;br /&gt;
[[Datei:Miesbach.jpg|mini|Einschießen bei einem Haberfeldtreiben.]]&lt;br /&gt;
Wie auch im übrigen Oberland blieb es 15 Jahre lang ruhig. Im Zeitraum von 1867 bis 1882 fanden nur vier Treiben statt, eines davon in Rott am Inn,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 67.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Akten dazu sind verschollen. Der Brauch wird nun nachweislich von kriminellen Elementen missbraucht. Ab 1876 taucht der Name Hans Vogl auf. Dieser, Daxer-Wirt von Wall, war zu diesem Zeitpunkt bereits wegen groben Unfugs und 1875 wegen Erpessung vorbestraft. In seiner Wirtschaft treffen sich allerlei zwielichtige Gestalten, die sehr deftigen Treibtexte werden nun vervielfältigt und anschließend verkauft. Sein Bruder Joseph Vogl wurde wegen Verteilung obszöner Schriften 1887 zu mehr als fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Ab 1882 sind wieder mehr Treiben zu verzeichnen, zunächst aber nicht im Landgerichtsbezirk Wasserburg. 1886 wurde der Daxer als Haberfeldmeister abgesetzt und es übernahm Thomas Bacher, Bräuknecht in Feldkirchen, das Amt des Haberfeldmeisters. Die Treiben bis Oktober 1893 gehen auf seine Rechnung. Allerdings gelang es ihm nie, sich im Bund gegen die Umtriebe des Daxer durchzusetzen. Immerhin stieg die Teilnehmerzahl unter seiner Führung von 30-40 Mann langsam wieder auf etwa 200, wie in Valley 1893. Vermehrt findet man nun Plakate mit Ankündigungen von Treiben, ohne dass diese dann auch stattfinden oder Pasquillen mit Schmähversen meist obszönen Inhalts. Das &#039;&#039;Einschießen&#039;&#039;, das ist das scharfe Schießen in die Fenster von Wohnhäusern bei Nacht nimmt zu und wird den Haberfeldtreibern angelastet. Bleibt noch anzumerken, dass im Februar 1889 im Anschluss an ein Festschießen der Zimmerstutzen-Schützengesellschaft &#039;&#039;Schützenlust&#039;&#039; im Wasserburger Danningersaal ein Tanzkränzchen &#039;&#039;mit Preisverteilung und Haberfeldtreiben&#039;&#039; stattfand.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Nachrichten|o.V., Nachrichten]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde das &#039;&#039;Treiben&#039;&#039; zu einer Unterhaltungsnummer. Schon im November 1892 gibt es Gerüchte von einem Haberfeldtreiben, das in Rott stattfinden sollte. Grund war ein an die dortige Gendarmerie gerichtetes Schreiben vom 10. November 1892:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Rott.jpg|mini|Ankündigung Haberfeldtreiben in Rott.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wahrung.&amp;lt;br&amp;gt;Ich setzte Euch in Kentnis, am Sontag den 13ten November Nacht nach Rott die Haberer kommen, Es sind uns über 180 Mann. Wir warnen Euch zum Glück, daß Ihr Gendarme keinen Schuß hören läßt, sonst wird Ihr Euch putzen. Die Rother müssen wir das Sünden-Register verlesen, an Euch kommt kein Wort. Dinamit werden 35 geworfen, daß Nigelstinn Regent. Wenn ein Schaden gemacht, der wird zehnfach vergüdet, also sind ein wenig gescheid.&amp;lt;br&amp;gt;Mit Gruß&amp;lt;br&amp;gt;Hauptmann&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Im Oktober 1893, in der gleichen Nacht, in der das große Haberfeldtreiben in Miesbach stattfand, bei dem es zu einem Schusswechsel mit mindestens zwei Verletzten kam, gab es nach 19 Jahren wieder einen Auftritt der Haberer im Landgerichtsbezirk Wasserburg:&lt;br /&gt;
==Emmering 7./8.10.1893&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28869|StAM, RA 1779/28869]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77819|StAM, LRA 77819]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nähe des Schustergaulstadels bei Aßling traf sich am späten Abend des Samstag, 7. Oktober 1893 eine größere Gruppe. Dort wurde zur Stärkung Bier getrunken, bevor man sich gegen elf Uhr nachts auf den Weg nach Emmering machte. Vorher zog man in Aßling vor das Haus des Bürgermeisters, vor das Schulhaus, das Bichlersche Gasthaus und vor den Pfarrhof, alles in mehr oder weniger straffer militärischer Ordnung, voran der Tambour. Schon bei dieser Vorversammlung gab es ein Gerücht, dass man verraten sei und das Treiben abbrechen müsse. Dies geschah offenbar nicht. Der Münchner Bote&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]].&amp;lt;/ref&amp;gt; spricht von 300 Teilnehmern, der Regierungsbericht von 70 Mann. Diese durchzogen zunächst den Ort Emmering und stellten sich etwa 100 m südlich des Ortes, auf einem Hügel in der Nähe des Pfarrhofes auf. Ein anderer Teil kam durch Hirschbichl, Emmering und Westerberg. Sie stellten sich im Halbkreis auf und schickten Vorposten aus, die auch Warnschüsse abgaben. Dann feuerten sie Gewehre ab und lasen Verse vor, die sich vor allem gegen:&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Krauthofer von Emmering richteten. Er predige streng, habe es aber selbst mit Frauenzimmern&lt;br /&gt;
* Der Bürgermeister Brunner und andere wohlhabende Einwohner wurden gerügt, weil sie ihre Söhne vom Militär losbringen wollten.&lt;br /&gt;
Weiter getrieben wurde:&lt;br /&gt;
* einer Wirtin, weil sie es mit dem Mühlburschen hätte&lt;br /&gt;
* Wirtsleuten von Emmering, Bruckhof und Schalldorf&lt;br /&gt;
* dem Reuth von Westerberg&lt;br /&gt;
* dem Birkmeier von Westerberg und seiner Dirne&lt;br /&gt;
* den beiden Lehrern von Emmmering und noch anderen&lt;br /&gt;
Immer wieder wurde gefragt &#039;&#039;Is wahr?&#039;&#039; und bekräftigt: &#039;&#039;Ja, wahr is!&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Glocken der Pfarrkirche wurden geläutet, sodass man kaum Gesprochenes vernahm. Gegen halb zwei Uhr erfolgte der Abzug nach einer Dauer von ca. eineinhalb Stunden. Etwa 100 Mann, die auch gegen drei Uhr früh durch Aßling zogen, riefen vor dem Gendarmerielokal: &#039;&#039;geht heraus ihr grünen Hund, wenn ihr einen Schneid habt, dann schießen wir euch nieder.&#039;&#039; Beim Wirtshaus des Bichler verlangten etwa 20 Mann Bier. Vermutet wird, dass die Teilnehmer aus Aßling und Schalldorf kamen. Als die Gendarmen gegen elf Uhr den Lärm vernahmen, gingen sie zum Bauern Kirchlechner von Aßling, dessen Knecht Hilarius Limberger aus Niklasreuth schon lange als Haberfeldtreiber in Verdacht stand. Er war nicht daheim, kam aber nach zwölf Uhr ganz echauffiert heim. Sein Alibi, er sei bei seinem Bruder gewesen, konnte widerlegt werden. Die weitere Untersuchung ergibt, dass Limberger beim Brauereiverwalter von Grafing (Kasperlbräu) zwei Fässer Bier (112 Liter) bestellt und auch erhalten habe (bessere Qualität). Die Fässer seien zwar noch nicht zurück, aber das Geld sei inzwischen angekommen, in einem Brief, unterzeichnet mit &#039;&#039;das Geheimcomite der Haberer&#039;&#039;. Darin steht auch, dass Limberger nichts wisse und völlig unschuldig sei. Er wird zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, seine Revision verworfen. Der Maurerpolier Ecker, der den Haberfeldtreibern auf seinem Heimweg von Emmering nach Kronau nachts um elf begegnete, gibt an, ihm sei bedeutet worden, er solle machen, dass er weiter komme, weil er das Feldgeschrei nicht kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling, Versuch eines Haberfeldtreibens  1894==&lt;br /&gt;
Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 76. verweist auf Akte Kreisarchiv München Sign. Das  AR III. (nicht auffindbar)&amp;lt;/ref&amp;gt; führt ein Treiben in Edling im Herbst 1894 an. Es handelt sich dabei wahrscheinlich nur um einen Versuch. Ca. 35 Haberer versammelten sich im Steinbucher Forst nahe Edling am 29. August 1894. Möglicherweise wurde dieses Treiben abgesagt, jedendalls gibt es keine Nachweise in den Akten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pfaffing, 24./25.11.1894&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 377916|StAM, AR 377916]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon in der Nacht von 10. auf 11. März 1894 wurden in Filzen, Gemeinde Pfaffing von 30-40 Personen über 100 Schuss abgefeuert. Anscheinend war ein Haberfeldtreiben beabsichtigt. 20-25 Personen zogen Richtung Lauterbach vorüber. Es wurden keine Knittelverse verlesen. Die Ruhestörer sollen aus Frauenneuharting und Jakobneuharting stammen (Bezirksamt Wasserburg). Bei Josef und Engelbert Guggenberger, Schmiedsöhne von Linden, wurden Waffen gefunden, der Verdacht, dass sie an dem Unfug bei Filzen beteiligt waren, konnte nicht erhärtet werden. Von 24. auf 25. November, von Samstag auf Sonntag nachts gegen ein Uhr verübten dann 70-100, nach anderen Berichten bis 150 Personen auf einer Anhöhe ca. 200 m südwestlich von Hilgen entfernt ein Haberfeldtreiben. Der Anmarsch erfolgte auf dem Kirchenweg von Rettenbach her. Einer ging mit der Laterne voran und der Zug kam gegen das Haus des Forstner Bauern. Der Bäcker Fischerfeier wurde durch Schüsse und Lärmen geweckt. Posten wurden aufgestellt. Einer fragte den Forster, ob er eine Maß Bier möge, erhielt aber keine Antwort. Dann stellte man sich auf und feuerte mehrere Schüsse ab. Knittelverse wurden verlesen, die sich gegen Bauern, Wirte und Brauer aus Hilgen und Pfaffing richteten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Einzelnen getrieben wurde gegen:&lt;br /&gt;
* den Bürgermeister Posch von Eschelbach&lt;br /&gt;
* den Gastwirt Windsperger&lt;br /&gt;
* den Bäcker Fischerfeier, ihm soll man den Beutel wegschneiden&lt;br /&gt;
* den Lehrer Forstner und&lt;br /&gt;
* den ehemaligen Pfarrer&lt;br /&gt;
* die Frau Windsperger von Pfaffing und&lt;br /&gt;
* die Frau Hefter von Pfaffing, zur letzteren soll der Dr. Müller von Rott öfters herausgekommen sein&lt;br /&gt;
* Der Kramer Englhard soll einmal mit dem Dr. Müller ins Raufen gekommen sein&lt;br /&gt;
Am Schluss erfolgte ein donnerndes Hoch auf den Prinzregenten und den Pfarrer. Der Abmarsch erfolgte über den Zellbach in den Ebersberger Bezirk Richtung Jakobneuharting. Verdächtigt der Teilnahme wurden:&lt;br /&gt;
* der Distriktsstraßenwärter Gabriel Eder aus Edling&lt;br /&gt;
* der Musiker Michael Wimmer von Attel&lt;br /&gt;
* der Gütler Heinrich Schillinger in der Filzen&lt;br /&gt;
* der Flaschenbierhändler Alois Litzlfelder von Hirschbichl&lt;br /&gt;
* der Flaschenbierhändlerssohn Heinrich Hofstetter aus Graben&lt;br /&gt;
* der Bauer Joseph Lippacher im Thal (Pfaffing)&lt;br /&gt;
* der Schuhmacher Adolf Siegelwallner, Aßling und&lt;br /&gt;
* der Tagelöhner Benedikt Eichner aus Schacha (Schachaweber)&lt;br /&gt;
Verdächtigt wurden auch Pfaffinger Bürger.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Nacht von 24. auf 25. November landete ein anonymer Brief beim Bezirksamt Wasserburg. Darin wurden für das Haberfeldtreiben in Paffing folgende Personen verantwortlich gemacht:&lt;br /&gt;
* Sigmund Killi in Buch, Gemeinde  Ferwach(?) , Bruder des Killi-Hausl (Inhaftiert)&lt;br /&gt;
* Gastwirt Thomas Fellner aus Bichl ebenfalls Gemeinde Ferwach&lt;br /&gt;
* und sein Bruder Gabriel Fellner von Rettenbach (ebenfalls Gemeinde Ferwach)&lt;br /&gt;
Etwa gleichzeitig wurde dem Bezirksamt von der Haftanstalt Laufen mitgeteilt, der dort wegen Haberfeldtreibens einsitzende Dienstknecht Stefan Hoiß aus Dettendorf habe einen Brief erhalten von dem aus der Haft entlassenen Johann Linhuber im Hart, Gemeinde Hochstätt (Bezirksamt Rosenheim), wonach im nächsten Herbst ein Haberfeldtreiben sattfinden solle. Sigmund Killi aus Buch, ein Bruder des Killi Hausl wurde verhört und bestritt seine Teilnahme. Er war schon gerichtsbekannt wegen eines Diebstahls in Hohenthann, zusammen mit Thomas und Gabriel Fellner. Alle drei wurden am 4. Juni 1897 (zweieinhalb Jahre später!) verhaftet. Der Bürgermeister von Feldkirchen hatte durch einen Boten einsagen lassen, welche Angaben sie vor dem Untersuchungsrichter zu machen hätten. Fischbacher Joachim, Dienstknecht Gemeinde Ramelberg (=Ramerberg) bestreitet ebenfalls seine Teilnahme. Auch beim Steinhöringer Treiben sei er nicht dabei gewesen, da habe er einen Brief gekriegt. Er hat für beide Nächte kein Alibi und ist bei der Vernehmung sehr aufgeregt. In einem anonymen Brief werden der Scheuerl von Böckmühl und der Windsperger von Pfaffing als Anstifter genannt. Der siebenjährige Mühlhuber Pepperl erzählt in der Schule, sein Vater sei am Sonntagmorgen heimgekommen und habe erzählt, wie schön es beim Haberfeldtreiben gewesen sei und dass er es selbst gesehen habe. Mühlhuber wird verhört und erklärt, dass er nur im Besitz von einem Paar Stiefel sei, die er um die kritische Zeit beim Schuhmacher in Edling hatte. Am 13. August 1897 ergeht ein Einstellungsbeschluss.&lt;br /&gt;
In einem Zeitungsbericht vom 28. November 1894&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; heißt es, die Teilnehmer seien aus Aßling gekommen und auch dorthin wieder zurückgekehrt, sie seien:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;mit guten Hinterladern (Jagdgewehren) und Alpenglocken ausgerüstet gewesen. Zur Ehre der Haberer sei&#039;s gesagt, daß diesmal kein ausgelassenes Treiben, muthwilliges Schießen und Spektakelmachen, Sachbeschädigungen etc sondern ein formvollendetes Haberfeldtreiben stattfand. Der Haberfeldmeister hatte eine besonders hierfür gut passende, kräftige, weithin vernehmbare Stimme. Das Treiben galt anrüchigen Persönlichkeiten und obwaltet darüber nirgends Zweifel, wem es gegolten, es wurde sozusagen mit der ganzen Gegend auf einmal aufgeräumt. Das Treiben wurde nicht gestört, die Gendarmerie kam zu spät, das Militär gar nicht. Nächstesmal bei Grafing.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling, 30./31.3.1895&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72639|BayHStA, MINN 72639]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77820|StAM, LRA 77820]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1789/28870|StAM, RA 1789/28870]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 30. auf 31. März 1895 kurz nach Mitternacht kamen ca. 80 Mann auf der Distriktstraße von Pfaffing her gezogen und liefen durch den Ort. Sie schossen vor dem Pfarrhaus mehrere Salven ab und drehten dann um, um sich auf einem brachliegenden Acker zwischen der Straße von Edling nach Pfaffing und dem südlich davon verlaufenden Feldweg, nur ca. 100 m südlich vom Schulhaus Edling aufzustellen. Eine große Anzahl von Schüssen wurde abgefeuert und Raketen angezündet. Die Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Expositus Sedlmaier&lt;br /&gt;
* den Lehrer Haimerl&lt;br /&gt;
* den Bahnmeister&lt;br /&gt;
* den Spanbrucker Sebastian Schmid von Edling&lt;br /&gt;
* den Windsberger, Bräu in Hart&lt;br /&gt;
* Sebastian Gschwendtner&lt;br /&gt;
* die Huasbäurin&lt;br /&gt;
* die Schambacherin (Haushälterin von Georg Brand, Bäcker in Edling)&lt;br /&gt;
Der Wortlaut war allerdings kaum zu verstehen. Aus einer naheliegenden Scheune war eine Windmühle entwendet worden, mit der Lärm gemacht wurde, außerdem aus der Nähe Schragen und Bretter, aus denen für den Vorleser eine &#039;&#039;Rednerbühne&#039;&#039; errichtet worden war. Die Türen zum Kirchturm waren mit Papier verstopft. Das Treiben dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Rotte zog danach auf der Straße nach Hart ab. Auf dem Treibplatz fand man eine Menge Papierpfropfen, die zum Schießen verwendet worden waren. Das Papier stammte vom Ebersberger Anzeiger und ließ keine Rückschlüsse zu. Auch die vorgefundene Verpackung der Raketen mit der Aufschrift &#039;&#039;Heinrich Bungs Nachfolger, Balanstraße 8&#039;&#039; führt trotz gestellter Nachfrage bei der Firma nach Bestellungen aus der letzten Zeit zu keinem Ergebnis. Nach längeren Untersuchungen wird Karl Kleinschwäger festgenommen. Er soll in Pfaffing (November 1894) dabei gewesen sein und Haberfeldmeister und Vorleser in Edling gewesen sein. Er gibt schließlich zu, in einem Wirtshaus Verse aufgesagt zu haben, welche aber von 1865 stammten und dortmals abgesungen worden seien. Ein Strafverfahren wird gegen ihn in Traunstein eröffnet, dessen Ausgang aber nicht in den Akten dokumentiert ist. Noch 50 Jahre später wurde im Reichenhaller Tagblatt&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberfeldtreiben|o.V., Haberfeldtreiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt; des Treibens gedacht, es war:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;in der Nacht vom 30. auf 31. März in Wasserburg, besonders in der Bahnhofsgegend, ein ununterbrochenes Schießen hörbar. Anderntags stellte sich dann heraus, daß in der benachbarten Ortschaft Edling um die angegebene Zeit ein Haberfeldtreiben stattgefunden hat, wohl da letzte in der Geschichte dieses oberbayerischen Fehmgerichtsbrauches.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Es hätten 60-70 Männer teilgenommen. Ein &#039;&#039;alter Haberer&#039;&#039; berichtet 60 Jahre später in der Wasserburger Zeitung&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das letzte Treiben|o.V., Das letzte Treiben]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus seinen Erinnerungen: Der Filzenwirt habe einen Teil der Haberer auf gefährlichen Wegen über die Riedener Filze geführt.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir lagen in tiefem Schlaf, als uns unser Vater weckte. &#039;Kinder, stehts auf! Im Dorf drübn deans Haberfeld treibn&#039;. Wir waren plötzlich hellwach und standen am Fenster. Von Edling herüber ertönte fürchterlicher Lärm. Einmal langanhaltende Schießerei, dann wieder blechernes Klappern, Schreien. Dröhnen wie von Paukenschlägen, dann ein Trompetensignal, und schließlich für einige Minuten Stille. Es war dies, wie man uns dann erzählte, jene Spanne Zeit, wo der Haberermeister jeweils ein Kapitel seines Sündenregisters verlas. Diese Lautskala wiederholte sich einige Male. Am nächsten Morgen aber waren wir schon früh auf dem Platz, wo das Treiben stattgefunden hatte. Zahlreiche Menschen standen umher in aufgeregten Gesprächen und ein beträchtliches Aufgebot von Gendarmen stellte umständliche Erhebungen an. Wir mußten alle Patronenhülsen, die wir aufgehoben hatten, abliefern und es lagen viele herum, Hunderte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steinhöring 26./27.10.1895&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77817|StAM, LRA 77817]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28864|StAM, RA 1780/28864]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon ein halbes Jahr später, in der Nacht von 26. auf 27. Oktober 1895, kurz nach Mitternacht zogen zwischen 30 und 50 Mann von der Oelmühle kommend durch das Dorf Steinhöring in Richtung Hintsberg und trieben auf einer Anhöhe von halb eins bis ein Uhr, während aufgrund einer Warnung die Gendarmen in Glonn zusammengezogen waren. Das Treiben galt:&lt;br /&gt;
* dem Pfarrer Hellmeier wegen Misshandlung seines Bruders, den er erschlagen habe und weil er die Weiber gern am Unterleib kuriere&lt;br /&gt;
* dem Bauern Josef Moritz in Hintsberg wegen Feindseligkeit mit seinem Nachbarn&lt;br /&gt;
* dem Bäcker Felix Stangl wegen Unregelmäßigkeiten beim Backen&lt;br /&gt;
* dem Posthalter (Post-Aigin) wegen Umgangs mit seiner Kellnerin&lt;br /&gt;
* dem Privatier Johann Brandmeier wegen Intimitäten mit dem Pfarrer&lt;br /&gt;
* der Bierbrau-AG Höfter wegen &#039;&#039;Plömbösiadarei&#039;&#039; (=Plempel-Siederei = schlechtes Bier brauen)&lt;br /&gt;
* zwei Lehrern wegen Hurerei, dem Cooperator&lt;br /&gt;
Die Schlüssellöcher der Kirche wurden verstopft, die Telefonleitung gekappt und Raketen abgeschossen. Ein Trompeter blies am Schluss &#039;&#039;was man aus Liebe tut&#039;&#039;. Verdächtigt als Teilnehmer wurden die Steinhöringer selbst, Zuzügler aus Frauenneuharting, Aßling und Schalldorf, außerdem der Bauer Xaver Baur aus Nicklasreuth (Gemeinde Aßling). Am 13. November 1895 erhält der Vorstand des Bezirksamts Ebersberg einen Schmäh - und Drohbrief bezüglich dieses Treibens. Der veröffentlichte Treibtext enthält weitere und zum Teil andere Vorwürfe als die im Treiben aufgezählten. In der Nacht vom 1. auf 2. November 1896 wurde in der Gemeinde Griesstätt ein Vorfall registriert, der wohl nicht als Haberfeldtreiben bezeichnet werden kann. Vier Burschen machten im Ortsteil Kettenham unbewaffnet Lärm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verhaftungswelle 1896=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Albaching.jpg|mini|Beabsichtigtes Haberfeldtreiben in Albaching, 1893.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im April 1896 war der Killi-Hausl, Sohn des früheren Haberfeldmeisters, aus Münster bei Glonn verhaftet worden. Er hatte sich vor Kameraden mit der Teilnahme an mehreren Haberfeldtreiben gebrüstet. In der Haft verriet er einem Zellengenossen gegenüber den Haberfeldmeister Thomas Bacher und viele seiner Genossen bei den Treiben von Sauerlach und Peiß. Einige konnten sich rechtzeitig nach Amerika und Kanada absetzen, viele wurden verhaftet und später verurteilt. Am 27. April 1896 startet die Gendarmerie Wasserburg eine Umfrage bei den umliegenden Gendarmeriestationen über stattgehabte Haberfeldtreiben&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und diesbezügliche Verhaftungen. Die Gendarmerie Zorneding meldet 15 Inhaftierte, Glonn sechs Verhaftete, aus Oberhaching wird ein Mann gemeldet, ebenso aus Aying. Höhenkirchen berichtet von sieben Festnahmen, Sauerlach meldet drei Inhaftierte. Fast alle gingen davon aus, dass weitere Verhaftungen folgen. Zorneding merkt an, dass die Informationen vertraulich zu behandeln seien,&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;indem auf höheren Auftrage die größte Verschwiegenheit beachtet werden soll. Erstaunlicherweise meldet die Station Miesbach Fehlanzeige mit dem Hinweis, dass wohl auch künftig keine Hoffnung bestehe, Verhaftungen vornehmen zu können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis des Amtsbezirks Wasserburg vom 23. Dezember 1896 sind 15 Festnahmen vermerkt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72659|BayHStA, MINN 72659]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Verzeichnis 3.jpg|mini|Verzeichnis zur polizeilichen Verfolgung von Haberern.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des Treibens in Steinhöring Oktober 1895:&lt;br /&gt;
* Wurmanstetter Balthasar, verh. Schmied in Rettenberg, am 19. Oktober 1896 inhaftiert, in Freiheit gesetzt nach sechswöchiger Haft infolge Geständnis&lt;br /&gt;
* Fellner Xaver, verh. Gütler, Bachleuten, Gemeinde Farrach, am 8. November 1896 in Rott festgenommen, sofort aufgrund Geständnis wieder in Freiheit gesetzt&lt;br /&gt;
* Neumaier Gottfried, Musiker von Rettenbach, am 23. November 1896 in Rott inhaftiert, nach einigen Tagen wegen Geständnis frei gelassen&lt;br /&gt;
* Fischbacher Joachim, Dienstknecht in Sindlhausen, wohnhaft in Mühltal Gemeinde Edling, verhaftet am 26. November 1896 in Rott&lt;br /&gt;
* Maierbacher Gabriel, lediger Taglöhner in Bichl, Gemeinde Farrach, festgenommen am 27. November 1896 in Rott&lt;br /&gt;
* Mühlbauer Bernhard, lediger Torsteher von Oberding, Gemeinde Erding, wohnhaft in Springlbach, Gde. Pfaffing, festgenommen am 20. Oktober 1896 in Albaching&lt;br /&gt;
* Eichner Benedikt, verh. Gütler aus Schacha, Gde. Farrach, nach Geständnis freigelassen&lt;br /&gt;
* Brucker Josef,  led. Dienstknecht von Grafing, Gde. Ebersberg, wohnhaft in Rettenbach, freigelassen nach Geständnis&lt;br /&gt;
* Sewald Bernhard, led. Wagner von Zellerreit, Gde. Ramerberg, in Haft behalten worden&lt;br /&gt;
* Schaber Georg, led., Langdorf Gde. Rott freigelassen nach Geständnis&lt;br /&gt;
* Winkler Marin, led. Bauerssohn von Langdorf, Gde. Rott&lt;br /&gt;
* Hüttl Blaius, led. Dienstknecht von Ast, Gde. Aßling, wohnhaft in Rott&lt;br /&gt;
* Weber Michael, lediger Bräubursche von Pölling, wohnhaft Schloß Hart, Gde. Edling&lt;br /&gt;
* Neumaier Nikolaus, verh. Torsteher von Moos, Gde. Pfaffing, nach Geständnis freigelassen&lt;br /&gt;
* Lippacher Josef, led. Bauerssohn von Thal, Gde. Pfaffing, der allerdings flüchtig sei&lt;br /&gt;
Bis Mai 1897 werden 94 Haberfeldtreiber zu Gefängnisstrafen verurteilt. Drei Viertel von ihnen waren ledige Burschen, die Verheirateten fast ausschließlich Arbeiter, Handwerker und Kleingütler. 57 waren zwischen 20 und 30, zwischen 30 und 40 immerhin 32. Etwa zwei Drittel waren Arbeiter, Knechte, Tagelöhner, also aus den unteren sozialen Schichten, zwölf Bauern oder Bauerssöhne waren gezählt. Bei dieser &#039;&#039;sozialen&#039;&#039; Zusammensetzung des Teilnehmerkreises, die so auch für viele vorhergehende Treiben gelten dürfte, ist es abwegig, den Brauch als &#039;&#039;letztes Aufbäumen der niedergehenden bäuerlichen Welt&#039;&#039; zu klassifizieren. Diese ersten strengen Urteile gegen die Hauptbeteiligten führten im bayrischen Parlament zu einer Debatte, bei der die Sozialdemokraten, speziell der in Miesbach aufgewachsene Parteichef von Vollmar für die Haberer eintraten und eine Amnestie forderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Letzte Treiben 1901 bis 1905=&lt;br /&gt;
Die darauffolgenden Treiben waren untaugliche Versuche, den Bund und seine Mitglieder zusammenzuhalten und ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Immerhin hatten die Polizei- und Gerichtsaktionen eine hohe Publizität zur Folge, in allen Deutschen Zeitungen wurde das Wort &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; bekannt gemacht. So ist es nicht verwunderlich, dass plötzlich in ganz Bayern und in Tirol &#039;&#039;Haberfeld getrieben&#039;&#039; wurde. Zahlreiche Hinweise von Berchtesgaden bis Weiden in der Oberpfalz und von Oberstdorf bis Passau schienen darauf hinzudeuten, dass man dort auch Haberfeld getrieben habe. Wie sich bei näherem Hinsehen herausstellte, handelte es sich um nächtliche Umtriebe von Burschen, meist ohne Verse, mit Zumauern der Haustür (Berchtesgaden) oder Mistwagen aufs Dach stellen (Tirol). Die Leute nannten alle nächtlichen Exzesse jetzt Haberfeldtreiben. Das Wort hatte hohen Bekanntheitsgrad, was genau dahinter steckte, wusste kaum jemand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pfaffing 18./19.5.1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das Volksgericht|o.V., Das Volksgericht]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Samstag auf Sonntag, 18./19. Mai 1901 fand - nach fünf Jahren Stille - kurz nach Mitternacht auf der Distriktsstraße von Pfaffing nach Rott vor dem Haus des Alois Lechner im Weiler Neuhäusl ein Haberfeldtreiben mit Schreien, Johlen und Schießen durch acht bis zehn Mann statt. Die Aufstellung erfolgte am Spiegelberg. Abwechselnd wurden Spottlieder gesungen und einige Knittelverse verlesen. Einer rief nach jedem Vers &#039;&#039;ist das wahr?&#039;&#039; und die anderen schrien &#039;&#039;ja, wahr is!&#039;&#039; Die vier Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Raab in Pfaffing (ein Vers) und den&lt;br /&gt;
* Privatier Lechner in Neuhaus (drei Verse)&lt;br /&gt;
Beiden wurde intimer Verkehr vorgeworfen. Das ganze dauerte nur zehn Minuten. Die Münchner Neuesten Nachrichten vom 22. Mai 1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das Volksgericht|o.V., Das Volksgericht]].&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten ausführlich. Es sei nun die Zeit gekommen, wo die ersten abgestraften Haberer die Gefängnisse verließen und schon ginge es wieder los. Die Heirat des etwa 70 Jahre alten Austragsbauern, Lechner, genannt der &#039;&#039;alte Steinharker-Jackl&#039;&#039; mit einer um mehrere Jahrzehnte jüngeren Frau sei vermutlich der Anlass gewesen. Die Verse hätten sich aber auch gegen den Pfarrer Josef Raab und den Lehrer Adalbert Führer in Pfaffing gerichtet.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die Haberer - etwa 30 Mann an der Zahl- brachten zum Schlusse ihres &#039;Volksgerichtes&#039; das über eine Viertelstunde währte, merkwürdigerweise auf den Kunstmühlenbesitzer Herrn Scheuerl und dessen Gattin ein &#039;Hoch&#039; aus und zogen sich dann wieder in der Richtung gegen Faßrain auf der Rettenbachertsraße ebenso lautlos, wie sie gekommen, zurück.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Gendarmerie wiegelt ab: &#039;&#039;es scheint ein spontaner Unfug zu sein&#039;&#039;. Auch der Bezirksamtmann meint, dies sei ein Racheakt einiger Burschen gewesen. Denn der Privatier Alois Lechner beobachtete von seinem Haus aus die Dienstboten des Kunstmühlbesitzers Stefan Scheuerl, mit dem er befreundet war und meldete ihm Faulenzer. Außerdem verhinderte er, dass ein Knecht vom Scheuerl mit seiner Tochter anbandeln konnte. Der Pfarrer gelte in der Gegend als &#039;&#039;nicht ganz normal (Verfolgungswahn). Auch die Münchner Neuesten bezeichneten den Pfarrer als &#039;&#039;etwas streng und nervös&#039;&#039;. Der Bericht, wonach auch der Lehrer von Pfaffing mit einbezogen worden sei, wurde dementiert. Aufzeichnung des Sergant Thomas Butsch:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77821|StAM, LRA 77821]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Verse von dem Haberfeldtreiben in Neuhaus (Pfaffing):&amp;lt;br&amp;gt;I. Was wird die Weberin von Neuhaus verübt ham, weils den Gemeindestier müssen hat ham&amp;lt;br&amp;gt;II. Die Filsenzens ist eine Schnalln, darum thuts dem Pfarrer von Pfaffing so gfalln&amp;lt;br&amp;gt;III. Der Jackl, (den Lechner meinend), sei ein rechter Stier...&amp;lt;br&amp;gt;nachträglich zeige ich noch an, daß eine eidliche Vernehmung der Bewohner der Röckmühle nicht von Erfolg begleitet sein dürfte, da sich der Verdacht jetzt wieder mehr nach Rettenbach und Zell, Gemeinde Frauenneuharting Gbz. Ebersberg richtet. Der Bauer Josef Schwaiger von Zell ist Jagdpächter verkehrt viel bei der in den Versen genannten Filsenzenzl, &#039;Kreszenz Schillinger in Filsen, Gde. Rettenbach&#039; u. hört man häufig, dass er mit derselben auch in intimen Verkehr stehen soll. Der Mann derselben ist seit einem Jahr schwer krank gewesen und wurde deshalb vom Herrn Pfarrer Raab in Pfaffing öfter besucht und dieser von der Ehefrau, wie sie selber angibt, ein Stück Wegs begleitet, wobei sie über die Genesung des Ehemanns gesprochen hätten. Es wird nun vermutet, dass deshalb eine Eifersucht entstanden, u. deshalb der Herr Pfarrer mit hineingezogen wurde. Scheuerl gibt glaubhaft durch Nachweis an, dass bei ihm ein großer Wechsel an Dienstboten ist, und deshalb ein Zusammenschließen derselben zu einem solchen Vergehen nicht leicht anzunehmen wäre, dagegen ist nicht ausgeschlossen, ob sich nicht schon dort bedienstet Gewesene unter den Tätern befinden. Dringend verdächtig ist wohl der ledige Dienstknecht Joachim Fischbacher bei dem Krämer Josef Engelhart in Rettenbach, jedoch führten die Recherchen in der Richtung gegen diesen und auch andere Verdächtige zu keinem Resultat. Die Recherchen werden fortgesetzt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Haussuchungen bei den Dienstboten verliefen ohne Ergebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ramerberg 12./13.10.1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberer in Ramerberg|o.V., Haberer in Ramerberg]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Im ersten Bericht über dieses Treiben heißt es, es habe &#039;&#039;vormittag um 12 ½ Uhr&#039;&#039; stattgefunden. Dies wird später korrigiert. Natürlich war es in der Nacht von Samstag auf Sonntag, den 12./13. Oktober 1901 gegen Mitternacht, als zwischen 15 und 25 Mann aus Richtung Rettenbach, Maierbach und vom Rotter Fußweg den Ort von Süden her durchzogen und mehrere Schüsse (aus einem &#039;&#039;Central-Feuer-Jagdgewehr&#039;&#039;) abgaben. Einer sagte: &#039;&#039;Nun Maxl, geh, jetzt kanns losgehen!&#039;&#039; Sie riefen dem Lehrer zu: &#039;&#039;die Haberer sind da!&#039;&#039; Bei Machnerhaus wurde Aufstellung genommen, von da zog man zum Schulsaal, Pfarr- und Schulhaus. Dort schrien sie: &#039;&#039;Raus, Ramerberg, die Haberer sind da! Raus, wenn ihr eure Schandtaten hören wollt!&#039;&#039;. In der Nähe der Kirche kehrten sie um und zogen ca. 250 Meter ins freie Feld zwischen Eich und Witterhof, wo sie Aufstellung zum Haberfeldtreiben nahmen und Vorposten aufstellten. Zuerst wurden Lieder gesungen und Raketen und Knallfrösche abgebrannt. Dann lasen sie im Scheine eines Lichtes Verse vor gegen:&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzer Grein in Wasserburg&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzer Kaiser in Rott und&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzer Windsperger in Schloß Hart&lt;br /&gt;
* der Gütler Sebastian Maier, Urban von Katzbach&lt;br /&gt;
* der Josef Sixt, Bauer von Hochstätt&lt;br /&gt;
* der Bauer Wurm und&lt;br /&gt;
* der Georg Gerer, Bauer von Ramerberg wurden des Verkehrs mit ihrer Magd beschuldigt&lt;br /&gt;
Dazwischen wurde gefragt: &#039;&#039;is wahr?&#039;&#039; Und geantwortet: &#039;&#039;ja, wahr is!&#039;&#039; Die Schlösser der Kirche waren verstopft, sodass man nicht läuten konnte. Die Nacht war sehr dunkel, der Vorleser ziemlich leise und es ging ein starker Wind, sodass die Bewohner kaum etwas verstehen konnten. Frösche und Raketen wurden abgefeuert, es fielen ca. 200 Schuss, aber es wurde nicht scharf geschossen. Am Ende wurde auf den Pfarrer ein Hoch ausgebracht und ein weiteres Treiben in Bachleiten angekündigt. Schließlich sangen die Treiber das Lied &#039;&#039;was man aus Liebe tut&#039;&#039; und zogen wieder Richtung Rettenbach, Maierbach nach Westen ab. Der Wasserburger Anzeiger&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberer in Ramerberg|o.V., Haberer in Ramerberg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; nahm sich des &#039;&#039;Miniatur-Treibens&#039;&#039; an und berichtetet:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Wind geht über die junge Saat und die übermütigen Burschen, die &#039;Haberer&#039; sind, weil des Gesetzes strafender Arm sie im Vorjahr nicht erreichte, um so kühner wieder am Werke. Die etlichen 15-20 Burschen, die dem in ihnen gährenden Unmut durch eine von Raketenschein verklärte matte Nachahmung des bekannten Oberlandbrauches Luft machten, sind in auswärtigen Blättern (gemeint ist das Münchner Neue Tagblatt) bereits auf 100 angeschwollen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Als Treiber vermutete man Angehörige der Gemeinden Frauenneuharting, Schalldorf und Aßling, vom Ebersberger Bezirk seien mindestens zehn Mann herbeigezogen und über den Zellbach wieder zurückgegangen. Als Haupträdelsführer wurde am 30. Oktober&lt;br /&gt;
* der Dienstknecht Johann Fischbacher, 47 Jahre von Sindlhausen, Gemeinde Hohenthann verhaftet, aber im Dezember wieder entlassen und&lt;br /&gt;
* Franz Weiß, verheiratet, 25 Jahre, Taglöhner von Rott genannt&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Furcht vor Ihrer Rache war groß&#039;&#039;, hieß es in den Bezirksamtsakten. Angeblich fand in Neuhaus bei Ampfing am 6. November 1901 ein Haberfeldtreiben statt, möglicherweise eines der vielen unwahren Gerüchte. Am 14. November kündeten Plakate um Ramerberg ein Haberfeldtreiben in Jakobneuharting an, auch in Rott oder Albachig sollte ein Treiben stattfinden. Es wurden sechs Mann Sicherheitswachen täglich von zehn Uhr bis drei Uhr früh (je zwei Mann) angeordnet. Außerdem durfte keine Tanzmusik mehr stattfinden. Dienstpflichtige Burschen wurden für zwei Monate eingezogen. Ab dem 18. November 1901 lag Schnee, es gab keine weiteren Treiben. In der Nacht von 1. auf 2. Oktober 1902 fand in der Gegend von Lampferding, Gde. Dettendorf (Landgericht Ebersberg) ein kleines Treiben statt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72659|BayHStA, MINN 72659]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77821|StAM, LRA 77821]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauenneuharting 23./24.9.1905==&lt;br /&gt;
Der Stationskommandant von Pfaffing meldet, es habe in den beiden Orten Jakobneuharting und Frauenneuharting je ein Treiben in der gleichen Nacht stattgefunden. Dies war wohl nicht ganz so. In der Nacht von 23. auf 24. September 1905, zwischen halb eins und ein Uhr nachts zogen etwa 60 bis 70 Mann, von Jakobneuharting kommend nach Frauenneuharting, lärmend und scheltend durch das Dorf. Am Schulhaus fielen die ersten Schüsse. Sie stellten sich ca. 150 m nordwestlich von Frauenneuharting auf, schossen und zündeten Raketen. Die Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Zeller Johann, Schlossbauer in Lauterbach&lt;br /&gt;
* den Stacheter Georg, verh. Gütler in Hochholz&lt;br /&gt;
* den Weber Josef, verh. Gütler, Steinkirchen&lt;br /&gt;
* die Lehrersfrau Elise Bichler von Olching&lt;br /&gt;
* eine Wirtstochter&lt;br /&gt;
* den Hegenreiner Paul, verh. Bauer in ...graben&lt;br /&gt;
* den Brunnhuber Josef, Maurer in Eschenlohe und&lt;br /&gt;
* den Benefiziat Anzenhofer von Fuhr&lt;br /&gt;
Man vermutete als Teilnehmer Mitglieder des Burschenvereins, denn der Benefiziat, ein Gegner des Tanzvergnügens, hatte einen neuen, katholischen Burschenverein gegründet. Die Kirchentür war zugeklemmt, der Telefondraht abgezwickt worden. Der Abzug erfolgte Richtung Tegernau und Aßling. Man befürchtete in diesem Jahr weitere Treiben, am 16. November schneite es jedoch heftig. Der bereits oben ([[#Edling.2C_30..2F31.3.1895.5B49.5D|Edling]]) erwähnte &#039;&#039;alte Haberer&#039;&#039; war bei diesem Treiben dabei und schildert es aus seiner Erinnerung 1956 in der Wasserburger Zeitung,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das letzte Treiben|o.V., Das letzte Treiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt; allerdings datiert er das Treiben auf September 1906, also ein Jahr später:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;In der Gemeinde, wo ich damals arbeitete, waren uns 7 Leute, die zum Kreis der Haberer gehörten. Gegen 10 Uhr abends brachen wir auf und trafen uns draußen am Waldrand, von wo wir uns gemeinsam auf denn Weg zum großen Treffpunkt der Haberergilde machten. Jeder hatte sein Gesicht mit Ruß geschwärzt oder eine schwarze Zipfelmütze mit Augenschlitzen über den Kopf gezogen. Und jeder hatte ein Gewehr umgehängt. Außerdem trugen wir weite, schwarze Mäntel und Schaftstiefel. Am Eingang zur Riedener Filze trafen wir auf eine andere Gruppe von Vermummten. Das Losungswort wurde gegeben: &#039;Jagerbluat&#039;. Und dann huschten an die 20 Gespenster über das weite, nächtliche Moor. Alte Haberer führten die Jungen. Es war ein langer gefährlicher Weg über wassergefüllte Gruben, an sumpfigen Gräben entlang, über schmale Stege und glitschiges Moos. Auf einer Waldlichtung in der Nähe des Dorfes Tegernau war der Sammelplatz für die Haberer. Es kamen an die Hundert zusammen. Unter dem Sternenhimmel der Herbstnacht entwickelte sich ein buntes Lagerleben. Mit viel Bier feierten wir das Wiederaufleben des alten Fehmgerichts. Dann wurden die Patronen verteilt und in langem Zuge marschierte die neuerstandene Haberergilde ihrem Ziel zu. Das hochgelegene Dorf Frauenneuharting im Landkreis Ebersberg, - von unserem Lagerplatz aus hatten wir ¾ Stunden zu gehen - war der Schauplatz des Treibens. Wir hatten Anweisung, beim Marsch durch das Dorf aus allen Gewehren zu schießen. Und als wir die ersten Häuser erreichten, es war etwa um Mitternacht, erhob sich eine so wilde Schießerei aus allen Gewehren, dass wohl kein Einwohner den Schlaf sich aus den Augen reiben brauchte. Aufgeschreckt eilten die Leute ans Fenster, das Vieh in den Ställen begann zu brüllen, Hunde bellten wild. Einige Haberer hatten rechtzeitig die vom Dorf wegführenden Telefonleitungen durchschnitten und die Schlüssellöcher der Kirchentüren mit Papier und Erde verstopft, so dass nicht die Gefahr einer Benachrichtigung der Polizei durch Fernsprecher oder Kirchenglockengeläut bestand. Und dann begann das eigentliche Treiben. Auf einer hochgelegenen Stelle des Ortsausgangs wurden im weiten Umkreis Doppelposten aufgestellt. Im Innern dieses Postenkreises befanden sich alle anderen Haberer. Der Haberermeister, eine kräftige, mächtige Defreggergestalt, bestieg einen bereitgestellten Wagen, einer seiner Männer leuchtete mit einer Laterne zur Verlesung des umfangreichen Protokolls. Der Meister verkündete mit weithin hallender, tiefer Stimme den Wunsch des Kaiser Karls, das alte Fehmgericht nicht aussterben zu lassen und fortan strenge Auswahl zu halten unter den Haberern, dass nicht wieder Verrat begangen werde. Dann kam das Sündenregister zur Verlesung. In derben Versen wurden viele Leute aus der engeren und weiteren Umgebung angeprangert. Und jeweils, wenn der Reim über einen Angeklagten des Fehmgerichtes zu Ende war, schrie der Haberermeister, noch gewaltiger seine Stimme erhebend, vom Wagen herab über die Menge der Haberer hin: &#039;Is des a wahr?&#039; Worauf wir alle zurückschrien: &#039;Ja, wahr is!&#039; Dann folgte ein wahres Höllenkonzert zusammengesetzt aus Schreien, Schüssen, dem Klappern von Kochdeckeln und eisernen Pfannen, dem Geplärr alter Pauken und Posaunen. Schließlich ertönte ein Trompetensignal und nun wurde wieder gegen einen anderen die gereimte Anklage erhoben. Es dauerte wohl eine Stunde lang, bis alle an der Reihe waren. Dann trat eine kurze Stille ein und zuletzt ertönte - es klang fast feierlich unterm Sternenhimmel der klaren Nacht - das alte Trompetensolo der Haberer. (Anmerkung: wohl das Lied: &#039;was man aus Liebe tut&#039;) Der Trompeter stand auf dem Wagen neben dem Haberermeister und seinem Gehilfen, der die Laterne hielt. Ringsum die vermummten Gestalten mit ihren Ruß- und Kapuzengesichtern, mit ihren weiten Mänteln, den Gewehren in der Hand, mit ihren Lärminstrumenten, den Pfannen und Tiegeln: ein wilder Spuk, eine Meute aus dunklen Vortagen, eine geheimnisvolle Versammlung, so schien es. Die letzte Haberergilde des Oberlandes. Nach dem Signal wurden die Posten eingezogen und vor dem Dorf verschwanden die Haberer lautlos in alle Richtungen. Wir nahmen unseren Weg wieder zurück über das Moor und es war der Morgen nicht mehr fern, als wir endlich in unseren Betten lagen. Lange forschte auch diesmal die Polizei. Aber alle hielten dicht. Keiner wurde erwischt. Das Treiben in Frauenneuharting im September des Jahres 1906 aber ist das letzte Haberfeldtreiben geblieben. Und ich muss gestehen - es freut mich heute noch, daß ich dabei war.&amp;lt;br&amp;gt;Ein (jetzt schon recht alter) Haberer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Treiben zwischen 1893 und 1905 sind bis auf das erste wohl mehr oder weniger verzweifelte Versuche, den Behörden den Trotz der Oberlandler zu beweisen und an einem Brauch festzuhalten, der bei der Mehrheit der Bevölkerung keinen Rückhalt hatte. Mehr als 70 Teilnehmer brachte man nicht mehr zusammen, in Pfaffing gerade mal acht bis zehn, in Ramerberg 15-25. Es waren nicht nur häufige Festnahmen, Verurteilungen und die drakonischen Strafen, die potentielle Teilnehmer abhielten, es war auch die Einsicht in weiten Kreisen der Bevölkerung, dass die aufgebrummten Nachtwachen, die Einberufung von Söhnen und Knechten zum Militär und nicht zuletzt auch die hohe Entdeckungsgefahr eine Unterstützung des Habererbundes nicht rechtfertigten. Es ist bemerkenswert, dass nach 1897 im Wasserburger Landgerichtsbezirk noch zwei Treiben stattfanden, im ganzen übrigen Gebiet der Habereraktivitäten nur vier (1902 in Dettendorf, 1905 in Frauenneuharting, 1906 Neukirchen/Weyarn, 1907 Oberwarngau). Die beiden Treiben waren auch sehr klein. Man kann aber vermuten, dass die geringe Zahl der Verhafteten und Verurteilten im Wasserburger Gebiet die verbleibenden &#039;&#039;Aktivisten&#039;&#039; eher begünstigte als in den Bezirken Ebersberg, Rosenheim und Miesbach, wo viele Familien von den Nachforschungen und Gerichtsurteilen betroffen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zusammenfassung des Wandels des Erscheinungsbildes=&lt;br /&gt;
Wenn man nun aus allen Berichten zu den 144 Haberfeldtreiben zwischen 1719 und 1922 herausdestilliert, was bei allen Treiben gleich ist, was also ein Haberfeldtreiben über diesen Zeitraum ausmacht, so sind es nur vier Komponenten: das Zusammenkommen mehrerer Burschen oder Männer, der Lärm, das Erscheinen bei Nacht, ein oder mehrere Opfer, denen die Versammlung gilt. Bei allen anderen beobachteten Erscheinungsformen ergibt sich kein einheitliches Bild. Immerhin kann man konstatieren, dass das Treiben früher, das heißt im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich einer weiblichen Person galt, dass vor ihrem Haus getrieben wurde und dass ihr in Versen oder in Prosa sittliche Vergehen vorgeworfen wurden. Dies, ohne dass die Teilnehmer bewaffnet oder vermummt gewesen wären oder sich zum Stillschweigen verschworen hätten. Ab etwa 1826 hat sich das geändert: man treibt vor dem Dorf mehrere Personen beiderlei Geschlechts, die Treibgründe liegen auch außerhalb der Sittlichkeit, meist werden Verse verlesen, die Teilnehmer sind bewaffnet und geschwärzt oder vermummt. Weitere Rituale, wie das Aufrufen fingierter Teilnehmer, die Legitimation im Namen Kaiser Karls vom Untersberg, der  militärische An- und Abmarsch in einheitlicher Tracht kommen erst ab etwa 1834 dazu. Noch später kann man dann das Anreisen mit Stellwägen oder auf Pferdefuhrwerken, das Brotzeitmachen und Biertrinken an Versammlungsorten und das Schießen auf Zuschauer oder auf die Häuser der Ortschaften feststellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unbelegt oder unwahr sind folgende Behauptungen, sie treffen weder für die ältere noch für die jüngere Periode zu:&lt;br /&gt;
* Teilnehmer waren &#039;&#039;nur alt eingesessene Bauern mit bestem Leumund&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Treiben sind reine &#039;&#039;Herbstgerichte&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Gerügte Vergehen liegen &#039;&#039;außerhalb des polizeilichen Strafrechts&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Für angeprangerte Vergehen muss ein Wahrheitsbeweis vorliegen&lt;br /&gt;
* Treiben wurden vorher angekündigt&lt;br /&gt;
* Opfer wurden im Hemd aus dem Haus geholt, in ein Bocksfell gesteckt, auf den Misthaufen gestellt&lt;br /&gt;
* Maskierungen, Larven, Verkleidungen (ursprünglich gar nicht, dann nur Schwärzen und Wergbärte, (wie auch  beim Wildern))&lt;br /&gt;
* nie hat ein Haberer einen anderen verraten&lt;br /&gt;
* Wiedergutmachung des Schadens (in den seltensten Fällen)&lt;br /&gt;
* Haberer als prinzipielle Gegner des Zölibats&lt;br /&gt;
* Haberer als Verfechter sozialer Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
* Karl der Große als Gründer: (erst im 19. Jh.)&lt;br /&gt;
* Haberer als die &#039;&#039;Kerntruppe&#039;&#039; des Sendlinger Bauernaufstands&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Woher kommt der Ausdruck &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; oder &#039;&#039;ins Haberfeld treiben&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Nach dem, was wir jetzt über die ursprüngliche Form des Brauches wissen, können wir sagen, woher der Ausdruck nicht kommt:&lt;br /&gt;
* Das ethymologische Wörterbuch der deutschen Sprache&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kluge, Etymologisches Wörterbuch|Kluge, Etymologisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; stellt eine Verbindung zu lat. &#039;&#039;caper&#039;&#039;, der Ziegenbock her: &#039;&#039;haparfell&#039;&#039; sei das Bocksfell, in das das Opfer wie bei der mittelalterlichen Friedloslegung gezwängt worden sei. Simrock&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Simrock, Deutsche Mythologie|Simrock, Deutsche Mythologie]].&amp;lt;/ref&amp;gt; meint, die Treiber hätten das Opfer im Bocksfell umtanzt. Vermummung mit Fellen ist nicht nachweisbar.&lt;br /&gt;
* Haberfeld soll man als &#039;&#039;aperes&#039;&#039; Feld, also als offenes oder abgeerntetes Feld verstehen, auf das man das Opfer treibt. Oder &#039;&#039;aper&#039;&#039; wird auf das Opfer bezogen. das sich eine Blöße gibt, also aper wird. Oder &#039;&#039;Feld&#039;&#039; soll die Bedeutung von &#039;&#039;Thing&#039;&#039; haben, das Haberfeld also ein offenes Gericht sein. Die gerichtsähnlichen Beiwerke kamen aber erst im 19. Jahrhundert zum Brauch. Auch die Deutung &#039;&#039;aper feld&#039;&#039; als &#039;&#039;schneefreies Feld&#039;&#039; lässt sich ausschließen. Die Treiben fanden während des ganzen Jahres statt.&lt;br /&gt;
* Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; verweist auf Hans Sachs, in dessen Fastnachtsspielen findet man den Begriff &#039;&#039;jemanden auf die Haberwaid schlagen&#039;&#039;. Und zwar wird dort ein Mädchen von einem Burschen &#039;&#039;auf die Haberwaid geschlagen&#039;&#039;, wenn er sie zuerst geschwängert und dann verlassen hat. Der Ausdruck würde demnach nicht den Lärmaufzug selbst, sondern die Ursache desselben bezeichnen. Das würde bedeuten, dass im Namen des Aufzugs seine Ursache steckt: Das Mädchen, das zuerst geschwängert und dann verlassen wird, das also von ihm &#039;&#039;auf die Haberwaid geschlagen&#039;&#039; wird, wird von seinen Altersgenossen verspottet und durch einen Lärmaufzug gebrandmarkt. Dies könnten auch die Beschreibungen der Opfer bestätigen, die wir in frühester Zeit finden: &#039;&#039;seine clegers Tochter zum Spott&#039;&#039; heißt es in Vagen, in Parsberg ist es die Tochter der Sterzlbauers, &#039;&#039;weil sie ledigerweise ein Kind bekommen hatte&#039;&#039;, in Ginsham 1771 der im ledigen Stand Kindsmutter gewordenen Bauerstochter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Heimat des Haberfeldtreibens=&lt;br /&gt;
Das erste Treiben ist in Vagen 1716 nachgewiesen. Die Dynastien von Vagen, die Fagana, gehörten zu den fünf großen Edelgeschlechtern Bayerns. Ihr Sitz lag bei Feldkirchen, auf der sogenannten Altenburg. Ihre Nachfolger, die Grafen von Neuburg und Falkenstein beherrschten ein Gebiet, das die Kapitel Aibling und Miesbach beinhaltete, also von Tegernsee bis Rosenheim reichte. Nördliche Grenze war etwa die Mangfall, östliche der Inn. In der Tat fanden gerade in den frühen Perioden viele Treiben auf dem Hofmarkgebiet Vagen statt. Die Aussagen von 1716, dass das Haberfeldtreiben &#039;&#039;umb dise gegend sehr gebreichig&#039;&#039; sei und die von 1766, dass das Haberfeldtreiben vor allem um Aibling &#039;&#039;öffters vorbey&#039;&#039; gehe, bekräftigen die Annahme, dass dort einmal ein Zentrum des Brauches lag. Allerdings gibt es einen Hinweis aus dem Jahre 1670 von einem Vorfall in Straß nahe Samerberg, wo 17 Burschen vor das Haus des Bauern ziehen und einer ledigen Kindsmutter ein Lärmkonzert vollführen. In der Urkunde wird dieser Vorfall nicht als &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; sondern als &#039;&#039;Gedimmel&#039;&#039; bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;Haberer&#039;&#039; heute=&lt;br /&gt;
In Miesbach gibt es einen Verein der &#039;&#039;Haberer&#039;&#039; noch heute. Er hat sein Vereinsheim im Zentrum der Stadt und veranstaltet jedes Jahr ein Haberer-Fest, engagiert sich außerdem im sozialen Leben der Stadt bei gemeinnützigen Aufgaben und beim Fasching. Wenn es die Politik gar zu bunt treibt, kommt er mit einem Treiben auch einmal nach München. In Benediktbeuern wird jedes Jahr im Fasching ein Haberfeldtreiben veranstaltet, bei dem Leute aus dem Ort auf die Schippe genommen werden. Und auch in Brasilien, in Porto Alegre, haben bayrische Auswanderer einen &#039;&#039;Haberer-Verein&#039;&#039; gegründet, in dem deutsches Brauchtum gepflegt wird, der aber auch seit vielen Jahren als Sportverein fungiert. In vielen bayerischen Filmen (z.B. &#039;&#039;der Müllner Peter von Sachrang&#039;&#039;) sind Haberfeldtreiben &#039;&#039;eingebaut&#039;&#039; worden, weil sie sich spektakulär inszenieren lassen, ob sie nun in die Handlung passen oder nicht. Und Haberer-Songs (von Hans Schoierer oder der Gruppe Sparifankerl) gibt es mittlerweile auch. Das &#039;&#039;Derblecken&#039;&#039;, Krach machen, die Gaudi und das spöttische Aussingen liegt eben im bayrischen Blut, und so lebt das Haberfeldtreiben auch heute noch, in anderer Gestalt fort.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Elmar Schieder}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<title>Haberfeldtreiben</title>
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		<updated>2020-04-29T17:03:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Elmar Schieder|Elmar Schieder]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Elmar Schieder]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Haberfeldtreiben im Landgerichtsbezirk Wasserburg&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben.jpg|mini|Akten zu Haberfeldtreiben im Bezirksamt Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; versteht man einen Spott- oder Rügebrauch im Gebiet zwischen Isar und Inn. Von einem harmlosen katzenmusikähnlichen Spott-Aufzug zu Beginn des 18. Jahrhunderts hat er sich zu einem kriminelle und geheimbündlerische Züge annehmenden Rügegericht gewandelt. Durch Literatur und Kunst idealisiert, wurde er im Nationalsozialismus als Beispiel hochstehenden germanischen Sittengefühls missdeutet. Ab dem  19. Jahrhundert bildeten die &#039;&#039;Haberer&#039;&#039; einen militärisch organisierten Geheimbund, um bei der Abhaltung ihrer nächtlichen Exzesse der behördlichen und polizeilichen Verfolgung zu entgehen. Als aber ab 1892 mehrere Mitglieder aus Gefallsucht oder aus Rache ihr Schweigen brachen, wurden über 100 von ihnen gefasst und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Mindestens ebenso viele flohen vor der Verfolgung mit ihren Familien nach Nord- oder Südamerika. Die Bedeutung und Herkunft des Ausdrucks &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; ist nicht eindeutig geklärt. {{Anker|unverheiratetes Mädchen}}Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; verweist auf Hans Sachs, bei dem der Ausdruck &#039;&#039;jemand auf die Haberwaid schlagen&#039;&#039; mit der Bedeutung &#039;&#039;jemanden sitzen lassen, einen Korb geben&#039;&#039; zu  finden ist. Ursprünglich war das Opfer einer solchen Katzenmusik eine sitzengelassene schwangere Bauerntochter. Es könnte also durchaus sein, dass man diesen Vorgang, dass eine Frau, die von ihrem Liebhaber &#039;&#039;ins oder aufs Haberfeld getrieben&#039;&#039; wurde, öffentlich machte und ihn ebenso bezeichnete.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Artikel behandelt die Treiben im Zuständigkeitsbereich des ehemaligen Bezirksamtes/Landgerichtsbezirkes Wasserburg beziehungsweise in der unmittelbaren Umgebung dieser behördlichen Sprengel.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine wichtige Grundlage der Bearbeitung bildete dabei die Überlieferung zu den Haberfeldtreiben des Bezirksamtes Wasserburg, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Er bildet damit eine regionale Ergänzung des vom selben Autor im [https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Haberfeldtreiben Historischen Lexikon Bayerns] veröffentlichten Beitrags.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schieder, Haberfeldtreiben|Schieder, Haberfeldtreiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Weiterhin betreibt der Autor eine [http://www.Haberfeld-treiben.de Webseite], welche die Haberfeldtreiben in Oberbayern dokumentiert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schieder, Haberfeldtreiben Oberbayern|Schieder, Haberfeldtreiben Oberbayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erste Beschreibung eines Haberfeldtreibens  1716=&lt;br /&gt;
Die  erste, urkundlich belegte Information über das Haberfeldtreiben enthält ein Protokoll des Hofmarksgerichts Fagen vom  22.12.1716:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, BrPr 902|StAM, BrPr 902]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Hannß Steindl Kistler zu Fagn clagt Casparn Kolb Mezgern und Mathiaßen Holzer beide von Fagn dieselbe haben sambt mehr and. cons. am verwichen Herbst nit allein sein clegers tochter &#039;zum spot in das sogenante haber veld getriben, das ist mit allerhand iniuriosen, geschray, schnalzen und stain werfen sambt and. Rumorereyen veriebet&#039;, sondern auch ihmbe Cleger sein Holzschupfen eingerissen und ihm dardurch wenigstens pt:1 fl 30 k: schaden verursacht, umb dessen guetmachung er gehorsambst bittet, der straff nit massgebent.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Beschuldigten antworten, sie wüssten nichts vom Einreißen eines Schupfens, geben aber freimütig die Namen aller Beteiligten an, soweit sie diese in der Dunkelheit erkannt hatten.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;weillen aber solches haaber Veld treiben umb diese gegend sehr gebreichig, und durch solche possen niemand nichts proiudicirt würdt, dessen hoffen sye hierdurch nichts verworcht zuhaben, sondern bitten umb absolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
In den Briefprotokollen des Hofmarkgerichts Vagen von 1642-1802 findet sich zwar kein weiterer Eintrag über ein Treiben, aufgrund der Aussagen der Beschuldigten darf man aber annehmen, dass &#039;&#039;solche Possen&#039;&#039; in der Gegend des Mangfallbogens öfters verübt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Haberfeldtreiben hundert Jahre später=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte des deutschen Reiches Blatt 639 Wasserburg.jpg|miniatur|Das Gebiet um Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgerichtsbezirk Wasserburg lässt sich das Haberfeldtreiben erst über 100 Jahre später nachweisen. Allerdings hat es sich bis dahin entscheidend verändert. Ursprünglich galt es, ([[#unverheiratetes Mädchen|siehe oben]]) einem unverheirateten - vielleicht auch noch besonders stolzem - Mädchen, das ein Kind bekam oder bekommen hatte. Die Burschen und Männer aus seiner Nachbarschaft und näheren Umgebung verabredeten sich und zogen bei Nacht vor das Haus des Opfers, weckten es und veranstalteten fürchterlichen Lärm. Man kann - mit einem Fragezeichen versehen - die Darstellung noch erweitern: Den Lärm unterbrachen sie mehrmals, um Verse vorzulesen, die das Vergehen anprangerten. Spätestens ab 1824 gehen die Bezirksämter und die Gendarmerie gegen die Haberfeldtreiber vor. Nach einem Treiben in Maxhofen 1834 werden einige Teilnehmer aufgegriffen, die wiederum Namen von anderen Anwesenden verraten. Daraufhin verurteilt das Landgericht Wolfratshausen 43 Personen zu Arreststrafen und 32 zu Rutenhieben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28859|StAM, RA 1780/28859]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;Gefahr&#039;&#039; von außen bewirkt den engeren Zusammenschluss im Innern. Die Aktivitäten werden geheim vorbereitet und  mit einer ortsübergreifenden Organisation durchgeführt. Erstmals tritt der &#039;&#039;Haberfeldmeister&#039;&#039; in Erscheinung, der in einem Vers unter falschem Namen aufgerufen wird. Die Teilnehmerzahl hat sich erheblich vergrößert, die Teilnehmer rekrutieren sich nicht mehr wie früher aus dem Ort des Treibens, sondern marschieren von weiter her an, um keinen Ortsansässigen in Verdacht zu bringen. Das Treibgebiet weitet sich  über die bisherigen Grenzen, die in etwa dem Mangfallbogen entsprechen, aus, wohl auch, weil im &#039;&#039;Stammland&#039;&#039; die polizeiliche Verfolgung die Treiben wenn nicht verhinderte, so doch erschwerte. So findet im Juli 1834 erstmals ein Treiben im Landgerichtsbezirk Ebersberg, in Hohenthann statt. Die Teilnehmer kommen allerdings überwiegend aus der Aiblinger Gegend.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
König Ludwig I. gibt seine wohlwollende Haltung gegenüber den Haberfeldtreibern auf, verbietet mit Erlass vom 31. Juli 1834 den &#039;&#039;Exzess&#039;&#039; und droht den Gemeinden mit Einlagerung von Militär. Die königliche Regierung ordnete 1834 auch Militärexekutionen an, das heißt die Gemeinden mussten für die Einquartierung von 22 Soldaten über einen Zeitraum von 3 Monaten aufkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 2749a/3|StAM, AR 2749a/3]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zeigte Wirkung: fünf Jahre gab es keine Treiben mehr. Eine weitere einschneidende Veränderung ist, dass bei einem Treiben mehrere Personen beschuldigt werden. Als Folge davon wird (auch aus Sicherheitsgründen) nicht mehr vor dem Haus, sondern am Ortsrand getrieben. Auch richteten sich die Vorwürfe nicht mehr nur gegen eine weibliche Person, sondern zunehmend gegen mehrere und vor allem gegen Männer, und es ging auch nicht mehr nur um sexuelle Verfehlungen. So wurde das Treiben mehr &#039;&#039;Ortsangelegenheit&#039;&#039; als ein  &#039;&#039;Gericht&#039;&#039; gegen eine Einzelperson (1845 in Litzldorf wird erstmals in einem Polizei-Protokoll der Kaiser Karl erwähnt. Allerdings berichtet bereits Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]], 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;: &#039;&#039;Sie fahren wieder heim, so hört man wol sagen, zu ihrem Herrn, dem Kaiser Karl im Untersberg.&#039;&#039; Die Herleitung des Auftrags zum Haberfeldtreiben vom Kaiser Karl ist jedenfalls erst in dieser Zeit nachweisbar). 1848 erging ein allgemeiner Erlass an die Pfarrer und Kaplane der Gegend, bei den Treiben die Kirchenglocken zu läuten. Die Haberfeldtreiber verstopften daher vor den Treiben die Schlösser der Kirchen und Kirchtürme mit Lehm, Sand oder Werg. Dies war in vielen Fällen das einzige, aber zuverlässige Anzeichen dafür, dass ein Treiben beabsichtigt, aber kurzfristig abgesagt wurde. Die Haberfeldtreiber waren keineswegs die verschworene Gemeinschaft, als die sie in der zeitgenössischen Literatur und Presse dargestellt werden. Immer wieder drangen Informationen an Polizei und Gerichte durch, sagten Teilnehmer gegen andere Teilnehmer aus. Auch die Behauptung, sie würden niemandem etwas zuleide tun, lässt sich nicht aufrecht erhalten; es gab immer wieder durch Schüsse verletzte Zuschauer. Ab 1845 treten sie militärisch auf und tragen meist einheitlich Gebirgler-Tracht, das heißt Loden-Joppen und Stopselhüte. Mit geschwärzten Gesichtern und Wergbärten zur Tarnung, wie es auch bei den Wilderern Praxis war, treten sie allerdings schon ab 1766 auf. Wenn früher berichtet wurde, dass die Treiber &#039;&#039;wie aus dem Boden gewachsen&#039;&#039; am Treibort erschienen, so ziehen sie jetzt lärmend und zum Teil mit Musik in &#039;&#039;militärischer Ordnung zu zwei Gliedern&#039;&#039; an und ab. Dem Trupp voraus gehen zwei Späher, die bei größerem Polizeiaufgebot Alarm schlagen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die ersten Haberfeldtreiben im oder am Rande des Landgerichtsbezirks Wasserburg ab 1834=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Gartenlaube.jpg|mini|&#039;&#039;Das Gericht der Haberer&#039;&#039; von Philipp Sporrer.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Vorfall im Landgerichtsbezirk Wasserburg, der mit dem Haberfeldtreiben in Verbindung gebracht wird, ereignete sich in der Nacht von 26. auf 27. August 1834 in &#039;&#039;Prutting&#039;&#039;, am südlichen Rand des Landgerichtsbezirks.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehrere Burschen zogen kurz vor Mitternacht einen Pflug kreuz und quer durch ein 3 Tagwerk großes Rübenfeld und verwüsteten es gänzlich. Danach zogen sie mit heftigem Geschrei, Gejodel und vielmaligem Schießen durch die Gegend um Haidham und Langhausen. Es handelte sich wohl eher um einen Burschenstreich, der nur deshalb mit dem Haberfeldtreiben in Verbindung gebracht wurde, weil in diesem Jahr mindestens 7 mal getrieben worden war und daher in der Bevölkerung eine gewisse Alarmstimmung herrschte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Östlich des Inns fand ein richtiges Haberfeldtreiben erst 1848 in Söllhuben statt. Über den Inn und zurück kam man nur über Brücken oder mit Fähren, eine Kontrolle an solchen Nadelöhren war einfach und für die Teilnehmer aus dem Westen gefährlich. Die ersten Treiben im Landgerichtsbezirk Wasserburg fanden daher in Orten westlich des Inns statt. (Die Landgerichtsgrenzen (Verlauf am Ende des 18. Jahrhunderts dargestellt bei Burkard&amp;lt;ref&amp;gt;[https://geschichte.digitale-sammlungen.de/hab/kapitel/bsb00007644_chapter_77 Kartenwerk] bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling|Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling]], VIII.&amp;lt;/ref&amp;gt;) verliefen damals vom südlichsten Punkt Leonhardpfunzen nach Osten zum Nordufer des Simsees bei Edling, weiter über Bad Endorf zum Chiemsee nach Gstaad, das Seeufer entlang bis Seebruck, von dort an der Alz entlang bis Ischl, dann nach Norden über Zeiling bis zum nördlichen Unterzarnham, schwenkte nach Westen und traf bei Au auf den Inn, diesem folgte sie bis Edmühle, verlief dann vom Inn weg nach Südwesten über Soyen und Buchsee bis Springlbach und wandte sich dann südlich an Schalldorf vorbei bis Feldkirch.)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Obwohl es nicht mehr im beschriebenen Landgerichtsbezirk Wasserburg stattfand, ist das nächste Treiben erwähnenswert, denn es zeigt, wie sich die Treiben nach Osten und Norden ausdehnten. Es fand in der Nacht vom 25. auf 26.10.1845 in Schechen, Gemeinde Hochstätt statt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, HFM Hohenaschau K4|StAM, HFM Hohenaschau K4]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 2843/2221|StAM, AR 2843/2221]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 50 bis 100 Haberfeldtreiber hatten sich auf einem unangebauten Feld vor dem Ort versammelt. Ein Vorleser stand auf einem aus Holzschragen errichteten Gerüst und las gegen mehrere Bauern des Orts &#039;&#039;aus den Lebensverhältnissen dieser Personen entnommene und ersonnene Vorfälle&#039;&#039; ab. Das Treiben soll fast zwei Stunden gedauert haben. Ein Abzug von ca. 30 Personen, die in Gebirgstracht (spitze Hüte, Gebirgsjoppen) auftraten, erfolgte nach Westen Richtung Karolinenfeld. Teilnehmer aus dem Wasserburger Bezirk waren wohl nicht dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rott am Inn 17./18.10.1846&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 3644|StAM, LRA 3644]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Ziemlich genau ein Jahr später findet dann das erste richtige Treiben im Gerichtsbezirk Wasserburg, und zwar bei &#039;&#039;Rott am Inn&#039;&#039; statt. Es gibt darauf nur indirekte Hinweise: in der Gegend von Schalldorf verlief die Nacht vom 17. auf 18. Oktober 1846 sehr unruhig, es wurden 20-25 Schüsse gehört und Burschen in kleineren Rotten gesehen, die durch die Nacht marschierten. Die Gendarmerie vermutete, dass in Schalldorf ein erster Treffpunkt für die Teilnehmer dieses Treibens in Rott gewesen sei. Da der Zuzug aus dem Westen kam, waren wohl keine Personen aus dem Wasserburger Bezirk aktiv am Treiben beteiligt. Ein Jahr später, 1847, soll dann laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 34.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Schalldorf ein Treiben stattgefunden haben. Dazu gibt es keine weiteren Hinweise in den Akten. Ein weiteres Treiben am Rande des Gerichtsbezirks Wasserburg wird in der Nacht von 24. auf 25. November 1848 aus &#039;&#039;Zaissering&#039;&#039; gemeldet. Beteiligt waren allerdings nur 20 bis 25 Mann.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 949|StAM, AR 949]], 146.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prutting 8./9.12.1850&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1777/28801|StAM, RA 1777/28801]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Zwei Jahre später veranstalten in der Nacht von 8. auf 9. Dezember 1850 etwa 40 bis 50 Burschen ein Treiben in Prutting. Der Zuzug erfolgt durch Riedering, das acht Tage zuvor schon einen Habererdurchzug zum Treiben nach Hetzenbichl erlebt hatte. Es gibt dazu keine Schilderungen. Möglicherweise hat sich dort oder um Söllhuben ein kleiner Ableger der Habererorganisation gebildet, denn der Inn bildete immer noch ein Hindernis, das nur mit Gefahr zu überwinden war. Bis 1864 beschränkten sich die Aktivitäten der Haberfeldtreiber also auf den Süden des Gerichtsbezirks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Haberfeldtreiben von 1864 bis 1867=&lt;br /&gt;
Von 1852 bis 1861 fanden insgesamt nur zwei Treiben statt. Als es dann im Dezember 1861 wieder krachte und in den darauf folgenden sechs Jahren bis 1867 mindestens 37 Treiben, davon sechs im Wasserburger Bezirk stattfanden, war allerdings von einem &#039;&#039;alten&#039;&#039; Brauch des vorigen Jahrhunderts außer dem Namen und dem Lärmen nicht viel übrig geblieben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Haberfeldtreiber haben in diesen Jahren ihr Treibgebiet nochmals ausgeweitet, vor allem Richtung München (Aschheim, Ottendichl), aber auch nach Norden (Markt Schwaben, Finsing), Richtung Chiemsee (Stephanskirchen, Höhenmoos) und auch Richtung Wasserburg (Edling, Albaching). Die Teilnehmer nahmen zum Teil recht weite Fußwege in Kauf oder kamen mit Fuhrwerken angereist.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vor den Treiben wurden an den Treffpunkten dann ein oder mehrere Fass Bier geleert, wie an Versammlungsorten aufgefundene leere Bierfässer bezeugen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Gendarmerie ist noch aktiver - und vielfach erfolgreicher - in der Verfolgung der Treiber. Die Treiber werden -möglicherweise infolgedessen- militanter und radikaler. Sie schießen wahllos in die Ortschaften, ein Toter und mehrere Verletzte gehen auf ihr Konto. Aber auch auf ihrer Seite gibt es einen Toten und mehrere Verwundete.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Ihre Verse werden derber und zotiger, Treibgründe sind neben sexuellen Verfehlungen Brandstiftung, Bierpanschen, Diebstahl, Unterschlagung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Vorwürfe richten sich hauptsächlich gegen Männer, vielfach gegen Honoratioren und Amtsträger. Nur weniges ist nachweislich wahr und das liegt oft schon Jahre zurück.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Treiben selbst bieten über einen Zeitraum von bis zu zwei Stunden neben den äußerst deftigen Versen Attraktionen wie das Auftreten von Musikern und das Abschießen von Raketen. Mit scharfer Munition wird in die Luft und auf die Dächer der Orte geschossen. Dadurch steigen die Teilnehmerzahlen auf bis zu 200 Teilnehmer. Das militärische Marschieren (sich in der Gruppe stark fühlen), das Raketenabschießen, das Herumknallen mit scharfer Munition spricht auch dafür, dass es vor allem zu einer Belustigung der Teilnehmer diente und dabei zu einer üblen Form, sich an unliebsamen Bürgern &#039;&#039;anonym&#039;&#039; zu rächen, mutierte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von einem &#039;&#039;ehrbaren Sittengericht&#039;&#039;, das &#039;&#039;Ausfluß ernster Volksjustiz&#039;&#039; sein sollte, kann jedenfalls spätestens jetzt keine Rede mehr sein. Die Ankündigung von Treiben, die dann nicht stattfinden, die Gerüchte um stattgehabte Treiben und ihre oft übertriebene Darstellung führen etwa ab 1863 zu einer fast schon hysterischen Angst. Der Landrichter von Rosenheim schreibt:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Bürgermeister von Aibling befürchtet nichts, aber die dortigen Beamten. Es wird in Wirtshäusern, Gewerbsläden und Privatzirkeln fast nichts mehr gesprochen als vom Haberfeldtreiben, es herrscht unter dem Volke eine wahre Haberfeld-Epidemie wie seiner Zeit beim Tischrücken, es werden hie und da absichtlich Lügen wie z.B. vom Haberfeldtreiben in Pfaffenhofen, Rott oder Vogtareuth verbreitet und sollen die letzteren beiden gerade am 14./15. d.M. (November) vorgefallen sein- an allem kein wahres Wort. Von dieser Furcht scheinen vor allem einige Beamtenkreise in Aibling befallen zu sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Mit dieser Furcht steigt auch der Widerstand der Bevölkerung, die den Unfug ob der verhängten Nachtwachen und anderer lästiger Strafen wie der Einlagerung von Soldaten ablehnt oder mit Läuten der Kirchenglocken versucht, wenigstens das Anhören der Verse zu verhindern. Wenn die Berichte davon sprechen, dass immer mehr ganz junge Burschen mitmarschieren, spricht das auch dafür, dass sich ältere Knechte und Bauern nicht mehr beteiligen wollen. Ziemlich genau im Zentrum des Treibgebietes liegt ein kleiner, versteckter Ort: Münster bei Egmating. Die Entfernung von dort zu den entlegensten Treiborten ist in Luftlinie kaum größer als 30 km. Dort sitzt vermutlich der damalige Haberfeldmeister, der Killibauer, später Bürgermeister von Egmating.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rott 10./11.11.1864&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28822|StAM, RA 1780/28822]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28823|StAM, RA 1780/28823]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28825|StAM, RA 1780/28825]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 963/12|StAM, AR 963/12]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
1864 kommen die Haberfeldtreiber in den Gerichtsbezirk Wasserburg, wieder nach Rott am Inn. Tatsächlich finden in der Nacht von 10. auf 11. November, Donnerstag auf Freitag 1864 zwei Haberfeldtreiben statt, in Zorneding und in Rott am Inn. Der Text der Verse und Beschuldigungen ist teilweise sogar identisch, nur auf verschiedene Personen bezogen. Die Gemeinde Schalldorf zeigte an, dass in Rott zwischen viertel nach zwölf und zwei Uhr etwa eine Dreiviertelstunde getrieben wurde. Mehr als 100 meist bewaffnete Personen stießen grobe Beschimpfungen gegen mehrere Ortsangehörige aus, vor allem wegen Vergehen in &#039;&#039;fleischlicher Beziehung&#039;&#039;. Die Haberfeldtreiber hatten sich im Karree aufgestellt, der Vorleser stand auf einer Art &#039;&#039;Bühne&#039;&#039; aus Brettern und Schragen, es wurde scharf geschossen, aber nicht gegen Rott. Es wurde eine Getreideputzmühle mitgeführt und mit Trompeten geblasen. Getrieben wurde namentlich gegen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Grob und seine Köchin&lt;br /&gt;
* den Posthalter Maier und seine Frau&lt;br /&gt;
* den Landarzt Berger und seine Frau&lt;br /&gt;
* den Schlossermeister Leu und seine &#039;&#039;Zuhälterin&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* den ehemaligen Gendarm Alois Weber&lt;br /&gt;
* den königlichen Revierförster Schrager oder Schreyer&lt;br /&gt;
* den Schneidermeister Zach&lt;br /&gt;
* den Wagnermeister Stöcker von Arbing&lt;br /&gt;
* den Gütler Jakob Alban von Rott,&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
wegen Hurerei, Ehebruch und Diebstahl. Der Brigadier Gottfried Höhn berichtet:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28822|StAM, RA 1780/28822]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Diese Bühne bestieg der Haberfeldmeister und hub an: Nun, ihr Rotter, ihr recht schlechten Leut, muß man so einen weiten Weg machen um Euch einmal die Wahrheit gehörig sagen zu können. Dann trug er seine Knüttel- und Sauglockenverse vor worüber dan die Haberer in die Hände klatschten, schrieen und lachten und so ihre Zufriedenheit kund gaben. Dabei wurden Gewehrschüsse abgefeuert. Die vorgetragenen Verse konnten nicht alle von den Zuhörern gemerkt werden, da die Haberer den Neugierigen sogleich über den Kopf schossen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Trotzdem konnte der Brigadier einige Verse sammeln:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Pfarrer von Rott geht gar nicht mehr aus&amp;lt;br&amp;gt;Weil er seine Köchin zu Haus muß mauß&amp;lt;br&amp;gt;Die Bauern von Grünthal die thuns halt nicht leiden,&amp;lt;br&amp;gt;Dass der Herr Pfarrer auf seiner Köchin tuth reiten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
(Der Pfarrer von Grünthal, Gericht Wasserburg, hat einen Bauernhof eine viertel Stunde von Rott entfernt, welcher durch seine Köchin, die früher in Grünthal war, verwaltet wird.)&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der &#039;Vorsteher&#039; rief: &#039;was ist denn das?&#039; Darauf die anderen: &#039;das ist eine Hur!&#039; und &#039;heraus mit der Hur aus dem Pfarrhof!&#039; Dann der Befehl: &#039;Alle in die Höhe schießen!&#039; und als die Leute näher kamen: &#039;Blei nei!&#039;, worauf scharf geschossen wurde. Der Posthalter, das ist ein Stier, muß jetzt seiner Dienzehlin (?)...Vater drei vier. Die Posthalterin, die Hur, zu der geht der Schneider Zach wenn ihr Mann ist fortgegangen.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schneider Zach ist ein grober Schnallner der hat dem Messner Xaver 300 fl aus dem K... aus gestohlen&amp;lt;br&amp;gt;Den Andren Kommandanten... wenn man hat wollen&amp;lt;br&amp;gt;hat man ihn bei der Frau Bengern(?) müssen abholen.&amp;lt;br&amp;gt;Der Gendarm Weber war bei der Wagnerin in Lehen oft geschwind&amp;lt;br&amp;gt;Dann habens ihn vertrieben, so schnell wie der Wind.&amp;lt;br&amp;gt;Der Kaufmann Resch war sonst ein ganz... Mann,&amp;lt;br&amp;gt;Hätt er nicht d`Goaß mit die Menscher verthan.&amp;lt;br&amp;gt;Der Förster ist mit seinen Holzknechten gar so grob&amp;lt;br&amp;gt;In anderer Beziehung aber ganz fein&amp;lt;br&amp;gt;Und thut seinen Stutzen der Stalldirn hinein.&amp;lt;br&amp;gt;Der Jakob Alban der Hebammen Sohn&amp;lt;br&amp;gt;Der maust seine Mutter, dann lauft er davon.&amp;lt;br&amp;gt;Am Schluß brachten die H. dem Brauereibesitzer Heim zu Rott ein Lebehoch. Aus der Mitte der Treiber&amp;lt;br&amp;gt;erschall die Stimme &#039;Warum denn dieses Hochleben lassen?&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;Weil die Rotter Lumpen ihn nicht mögen&#039; war die Antwort des ganzen Haufen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eine weitere Notiz in den Akten überliefert den Treibtext wie folgt:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Gemeinde Rott:&amp;lt;br&amp;gt;Der Kaiser Karl vom Untersberg schickt uns her&amp;lt;br&amp;gt;Die Leut zu bekern,&amp;lt;br&amp;gt;Jetzt losts auf jetzt könts was hörn.&amp;lt;br&amp;gt;1.&amp;lt;br&amp;gt;Der Posthalter der große Stier, er hat am bei der Dirn&amp;lt;br&amp;gt;geben a große Müah, jetzt derfer Sie... prahlen&amp;lt;br&amp;gt;weil er muaß bei der Bavaria 900 Gulden zahlen&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Es is guat dass a an großn Sach hatt. Der kann Wetten mehra&amp;lt;br&amp;gt;Da kann er brav Kinda macha, bei der Kellnerin darf er blos&amp;lt;br&amp;gt;200 Gulden zahlen und dös muaß aa öfters nach München fahrn&amp;lt;br&amp;gt;3.&amp;lt;br&amp;gt;Der Posthalter der werd morgn in d&#039; Stadt eine fahrn&amp;lt;br&amp;gt;Mitt seine Häuta, damit er kon die Haberfeldtreiber azagn&amp;lt;br&amp;gt;Den zu sein Weib kumt er erst den dritten Tag&amp;lt;br&amp;gt;Wo er die anderen all abgfürtischat&amp;lt;br&amp;gt;4.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schloßer Lau is aner der in Acht&amp;lt;br&amp;gt;Weil er der Harmann Lies a Kind hat gmacht,&amp;lt;br&amp;gt;Den däs is aber am Pfarrer a grad gleich&amp;lt;br&amp;gt;Den er hat bei seiner Köchin selber scho drei.&amp;lt;br&amp;gt;5.&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer ko nimma an d Kirch aufi gehen&amp;lt;br&amp;gt;Weil er allweil muaß bei der Köchin läng&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer macht sie beim Schloßer seiner gschicht nix draus&amp;lt;br&amp;gt;Weil er allweil selba sei Köchin maust.&amp;lt;br&amp;gt;6.&amp;lt;br&amp;gt;Die Gemeinde Grünthal hat am Pfarrer die Köchin vertriebn&amp;lt;br&amp;gt;weil er allweil auf da Köchin is grin (geritten)&amp;lt;br&amp;gt;7.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schneider Zach is gar a grober Zoln&amp;lt;br&amp;gt;Der hat de an Schulehrer Xaverl 200 Gulden aus an Kastn aussa gstohln&amp;lt;br&amp;gt;Den der Schneider hat zwar zlacha&amp;lt;br&amp;gt;Weil er da Posthalterin an Dep derf macha&amp;lt;br&amp;gt;9.&amp;lt;br&amp;gt;Der Rakerl is gar a guata, der thuats sein Wei&amp;lt;br&amp;gt;seiner Tochter und sogar seiner Eignen Muatta&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Weitere Verse sollen Bewohner der Gemeinde Hochstätt, Königliches Bezirksamt Rosenheim betroffen haben:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;1.&amp;lt;br&amp;gt;Beim Winkl in Riad is aa scho gfehlt&amp;lt;br&amp;gt;Weil er sein Weib a Geld aus Kastn aussa stehlt.&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Vom Barthl Gigling muaß enk a was erzähln&amp;lt;br&amp;gt;Der hats beim Pfarraschuasta d... Kuah ausam Stahl ausagstohln&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Auch Bewohner des Ortes Feldkirchen (südlich von Rott) wurden beschimpft:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;1.&amp;lt;br&amp;gt;Der Haringer in Dobl is a groba Doln&amp;lt;br&amp;gt;Der hat z&#039;Emmering da Muatta Gottes zwe Bayrisch-Thaller oba gstohln&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Vom Brandl z Lendorf kuaß i enk aa was sagn&amp;lt;br&amp;gt;der hat beim Six in sein Waschhaus an Kurz... Keffl hoam tragn.&amp;lt;br&amp;gt;3.&amp;lt;br&amp;gt;N Schaffler von Lendorf deaf ma nött vogeßn&amp;lt;br&amp;gt;Der hat amal unrecht n Habern vomeßen.&amp;lt;br&amp;gt;4.&amp;lt;br&amp;gt;S&#039; Stegrein vo Lendorf hat oana übern Schob einibong&amp;lt;br&amp;gt;Und hat oana Ihr 200 Gulden ins Loch einigschobn&amp;lt;br&amp;gt;Dös hätt i selber ned glaubt&amp;lt;br&amp;gt;Daweil ha oana zum Fenster einigschaut&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Z&#039;Lendorf müß ma a amal eiführn&amp;lt;br&amp;gt;Weil bei einer Franzosen thän sich einquartiern&amp;lt;br&amp;gt;Mir wollens zwar ned alsam nenna&amp;lt;br&amp;gt;Doch bei der Mäßl Resl woll ma anfnag nehma.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Schimpfwörter sind Lump = Stier Spitzbua Dieb&amp;lt;br&amp;gt;Schlechta Kerl = Hur Schlechts Mensch Hurenkerl etc.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Das Sturmläuten unterblieb, da der Pfarrer im Pfarrhof nicht aufmachte, obschon der Gemeindevorsteher mehrmals läutete. Angeblich sei kurz vor dem Treiben eine zweispännige Kutsche aus München eingetroffen, man mutmaßte, zwei Münchner Teilnehmer seien so angereist. Der Abzug von etwa 60 Mann erfolgte über Wurzach Richtung Schalldorf, etwa 15 Mann zogen über Arbing nach Lampferding. Dort und in Aßling wird auch der &#039;&#039;Herd&#039;&#039; der Haberfeldtreiber vermutet. Ein anderer Trupp von ca. 20 Mann ging Richtung Ramerberg und Rettenbach. Von zu Hause abwesend waren während der Nacht fünf Burschen, darunter:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Pankratz Reiser von Emmering, ein berüchtigter Haberfeldtreiber.&lt;br /&gt;
* Peter Maierbacher, der schon 1863 deswegen in Untersuchung war.&lt;br /&gt;
Die Haberfeldtreiber äußerten, man werde noch zweimal treiben, zu Ebersberg und zu Glonn, dann sei es für immer vorbei. Andererseits ging das Gerücht, es werde in Zorneding nochmals getrieben. Der Bezirksamtmann von Wasserburg meint: &#039;&#039;Das Haberfeldtreiben wurde nicht mit der sonst üblichen Vorsicht abgehalten, das heißt ein Aufstellen der Vorposten unterblieb.&#039;&#039; Die Untersuchungen in Rott und Umgebung verliefen ergebnislos. Die Abzüge nach Norden und die Verdächtigung eines Mannes aus Emmering zeigen, dass jetzt auch Teilnehmer aus dem Wasserburger Bezirk kommen. Bei der Schilderung des in derselben Nacht in Zorneding stattgehabten Treibens findet sich eine interessante Aufstellung über die Bewaffnung der aus Eglharting bei Kirchseeon kommenden Treiber:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36450|StAM, LRA 36450]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Josef Öttl, Bauer: starker Stock&lt;br /&gt;
* Anton Enzensberger, Bauer: Zwillingsgewehr&lt;br /&gt;
* Schmiedgeselle Steiner: Mistgabel&lt;br /&gt;
* Georg Gabriel, Knecht: Schießgewehr&lt;br /&gt;
* Leonhard Kaffy, Wirtsknecht: alter ungeladener Karabiner&lt;br /&gt;
* Josef Steiner: Asthacke&lt;br /&gt;
* Josef Lang, Bauer: alter langer Säbel&lt;br /&gt;
* Josef Kirchmaier, Zimmermann: Nachtwächterspieß&lt;br /&gt;
* Balthasar Müller: Mistgabel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Albaching  Landgericht Haag, Bezirksamt Wasserburg   6./7.12.1864&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/288633|StAM, RA 1780/288633]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28826|StAM, RA 1779/28826]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Etwa 200 Teilnehmer marschieren in mondheller Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 6. auf 7. Dezember 1864 singend und juchzend und mit großem Lärm von Zell und Ebrach kommend durch den südlichen Teil des Ortes. Voran geht einer, der mit einer großen Kuhglocke läutet. Sie marschieren dann heraus auf eine Anhöhe etwa 200 Schritt südlich vom letzten Haus des Ortes, auf dem das Haus des praktischen Arztes Dr. Zink steht und formieren etwa 50 Meter davor einen Kreis. Es werden Vorposten aufgestellt: &#039;&#039;Sämtliche Haberer bilden eine Kette und haben unter sich ein gewießes Losungswort:das ist Feldgeschrei. Wenn ein Schuss falle, werde der Ort &#039;geplündert&#039;&#039;&#039;, drohten sie. Der Vorleser stand in der Mitte des Kreises, ohne &#039;&#039;Tribüne&#039;&#039;. Es wurde geschossen und Raketen und Feuerräder kamen zu Einsatz. Die Verse von &#039;&#039;beispielloser Unflätigkeit&#039;&#039; richten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Wirt und die Wirtin Kässer von Albaching&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Franz Breitenacher&lt;br /&gt;
* den Kramer Hartmann&lt;br /&gt;
* den Bauernsohn Balthasar Zacherl von Ebrach&lt;br /&gt;
* die Schürflin in Einöden&lt;br /&gt;
* den Kistler Lorenz Fünfeder&lt;br /&gt;
* den Kramer Huber&lt;br /&gt;
* den Maier im Tal&lt;br /&gt;
* den ledigen Josef Edmüller&lt;br /&gt;
alle wegen unsittlichen Lebenswandels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Feuerwerk 3.jpg|mini|Verkaufsliste für Feuerwerk in den Akten des Bezirksamtes.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Ablesens stiegen viele Raketen hoch, es fielen etwa 60 Schuss. Am Ende schimpften sie nochmals auf die Wirtin Theres Kässer und verkündeten, dass jeder erlittene Schaden ersetzt würde, sie hätten 1000 fl. beisammen. Sie brachten ein Hoch auf den Pfarrer, den Kooperator und den Landrichter von Haag aus und drohten ein Treiben in Freimehring im nächsten Jahr an. Das Ende war gegen dreiviertel ein Uhr. Der Abzug nach einer letzten Salve von 60 Schuss erfolgte &#039;&#039;schritthaltend und schweigend&#039;&#039; einerseits Richtung Ebrach, Steinhöring, Zell, der kleinere Teil Richtung Thal, Pfaffing und Rettenbach. Dabei wurde denen, die der Rotte folgen wollten, mit Erschießen gedroht, so dem Gemeindevorsteher von Utzenbichl. Am nächsten Morgen wurden wegen des gefrorenen Bodens und frischem Reif kaum Spuren gefunden, der Kreis, den sie gebildet hatten, hatte einen Durchmesser von 20-24 Schritt. Hülsen von Raketen und Feuerwerkskörpern lagen herum, Mitten auf dem Platz lag eine große, dicke Stange, wahrscheinlich verwendet zum Anbringen von Feuerrädern. Verdächtigt wurden Bewohner aus Jakobneuharting, Frauenneuharting, Tulling, Rettenbach und Pfaffing. Am 13.12.1864 wurden die ledigen Bauersburschen Georg und Balthasar Ruppersdorfer von Wiesham und Karl Deutschenbauer von Gasta(?) wegen dringenden Verdachts festgenommen, am Haberfeldtreiben zu Albaching teilgenommen zu haben. Von der Regierung von Oberbayern wurden Sicherheitswachen angeordnet. Am 31. März 1865 werden die Untersuchungen vom Bezirksamt Wasserburg eingestellt. Auch hier vermutete man Teilnehmer auch aus dem Wasserburger Bezirk, konnte aber keine Nachweise erbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schechen 30.9./1.10.1865 &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]], Ad 111,112./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36451|StAM, LRA 36451]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 30. September auf 1. Oktober 1865 kamen die Haberfeldtreiber nach Schechen. Gegen Mitternacht trafen einige Teilnehmer bei Au zusammen, einige kamen von Hochstätt und Rott her. Sie durchzogen juchzend den Ort Schechen und fassten auf einer Anhöhe westlich von Schechen Posten, wo sie sich weit ausbreiteten. Es waren insgesamt etwa 150 Teilnehmer. Auf der Anhöhe begann das Treiben mit der Vorrede, dass man nicht um zu schaden gekommen sei, sondern um Schandtaten aufzudecken, dabei wurde geschrien, geschossen und auf Bretter geschlagen. Die Knittelverse richteten sich hauptsächlich gegen:&lt;br /&gt;
* die Geißbauer (oder Heißbauer) Eheleute wegen unsittlicher und unredlicher Handlungen&lt;br /&gt;
* einen Prozeßkrämer&lt;br /&gt;
* den Joh. Mayer, Hafengutbauer, früher Gemeindevorsteher, dass er ein uneheliches Kind mit der Ganterbauerntochter gezeugt habe&lt;br /&gt;
* die Schloßbauerngeschwister Theres und Xaver Graner (?), dass sie zusammen Unzucht treiben&lt;br /&gt;
* den Quirin Holzmair, Hilgerbauer von Lochen, dass er bei seinen Dirnen schlafe aber aufgehört habe, weil sein Sohn sich diese zugeeignet habe,&lt;br /&gt;
* den Vorsteher Zobel&lt;br /&gt;
* den Lehrer von Hochstätt&lt;br /&gt;
Am Schluss ließ man den Pfarrer Weilhammer hoch leben. Für den Ort Schönegg bei Dietramszell, für die Stadt Rosenheim und die Märkte Tölz und Miesbach wurden Haberfeldtreiben angesagt. Der Abzug erfolgte in Richtung Rott, Tattenhausen und Hochstätt.&lt;br /&gt;
Die Regierung von Oberbayern (Freiherr von Stein) weist darauf hin, dass die &#039;&#039;seit dem Jahre 1812 angewandten Maßregeln, ja selbst die Verurteilung der Gemeinde Lenggries in die Kosten erfolglos sind&#039;&#039;. Die Hoffnung, es werde der Unfug wegen mangelnder Sympathien im Volke von selbst aufhören, werde wohl in den nächsten 100 Jahren nicht erfüllt. &#039;&#039;Es ist eine bekannte Tatsache, dass die beurlaubten Soldaten beim Haberfeldtreiben eine Hauptrolle spielten.&#039;&#039; Daraufhin werden am 13. November 1865 205 beurlaubte Soldaten des Bezirksamts Rosenheim einberufen, obwohl keiner von ihnen irgendwie verdächtig ist. Allgemein wird noch berichtet, dass beim Haberfeldtreiben anfänglich ein Namensaufruf stattfinden soll, es würden aber nicht die Haberer selbst aufgerufen, sondern viele andere Namen, namentlich auch von Personen, welche ein Amt bekleiden. Einerseits, um über die Personen, welche wirklich Haberfeld getrieben haben, zu täuschen, andrenteils um sich durch die fingierte Teilnahme ein amtliches Ansehen zu geben. Laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; waren als Beteiligte festgestellt:&lt;br /&gt;
* der Gütler Johan Prager von Dichau&lt;br /&gt;
* der Bauernsohn Joseph Zacherl&lt;br /&gt;
* der Dienstknecht Joseph Walch&lt;br /&gt;
Verdächtig waren:&lt;br /&gt;
* der Daschelbauernsohn von Hochstätt&lt;br /&gt;
* Matthias Reiser&lt;br /&gt;
* Man wollte die Stimme des &#039;&#039;Still von Hart&#039;&#039; erkannt haben&lt;br /&gt;
Verdächtigt werden auch Angehörige der Gemeinden Lampferding, Feldkirchen und Rott, aber auch Personen aus Ebersberg und Wasserburg. Es seien auch Zuzüge jenseits des Inns erfolgt, &#039;&#039;so darf man die Angehörigen der Gemeinden vom rechten Innufer mit Ausnahme der 4 Gemeinden am Samerberg, Nußdorf, Neu- und Altbeuren nicht ausnehmen.&#039;&#039; Dies stellt ein Novum dar, denn damit kamen erstmals Treiber von Ost nach West über den Inn. Am 30.11.1865 werden weitere Maßregeln zur Verhütung von Haberfeldtreiben erlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling 17./18.11.1865&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36452|StAM, LRA 36452]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28830|StAM, RA 1779/28830]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Edling.jpg|mini|Haberfeldtreiben Edling - Einberufung von Soldaten.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Nacht von Freitag auf Samstag 17. auf 18. November 1865 gegen zwölf Uhr zogen ca. 200 Bewaffnete durch das Dorf und nahmen in der Nähe des Steinbuchwaldes, etwa acht Minuten außerhalb des Ortes Stellung. Sicherheitsposten wurden bis weit gegen das Dorf vorgeschoben, sodass vieles nicht zu verstehen war. Sie trieben gegen:&lt;br /&gt;
* den Bierbrauer Windsberger von Hart wegen schlechten und teuren Biers und Bierpanschen&lt;br /&gt;
* den Nikolaus Gehrer, zum Zettel, von Edling&lt;br /&gt;
* Maria Spanbrucker, Schmiedmeistersfrau von Edling&lt;br /&gt;
* die Fischerbäuerin von Edling&lt;br /&gt;
* den Bauern Maierbacher zum Feichtl von Breitbrunn, Gde. Edling&lt;br /&gt;
alle wegen unsittlichen Lebenswandels. Verse nach einer Aufzeichnung in den Akten Wasserburg:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Den Pfarrer von Attl habens in Nußdorf verjagt&amp;lt;br&amp;gt;Weil er die Tuchmacher Nanni von Aibling maust und da wird jetzt gsagt&amp;lt;br&amp;gt;Die Schmidin vo Edling hat gar ein feins Gsicht,&amp;lt;br&amp;gt;Hat sich Schulbuben mit 12 Jahren schon abgricht&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Fischerin von Edling gibt sich für a Betschwester aus&amp;lt;br&amp;gt;dieweil hat sie ihr Vater so sackrisch gemaust&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Schmied von Viehhausen ist a grober Zolln&amp;lt;br&amp;gt;der hat dem Lamprecht von Reising seinen Waschkessl gstohln&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Baron von Ebersber, der hat 200 Küah&amp;lt;br&amp;gt;Da wär der Brauer von Hardt als Stier recht guat füa.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Bräuer von Hardt, das ist ein großer Stier&amp;lt;br&amp;gt;drum bräut er auch so ein schlechtes Bier&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Den Forstwart Schmitt von Steinberg, der thuat kan guten rache (er raucht keine guten)&amp;lt;br&amp;gt;und thuts Holz vom Forst an Bräu zu Hardt verkafa&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Am Schluss brachte man ein Hoch auf den Expositus Geißler und den Lehrer Ramsauer aus. Der Abzug erfolgte Richtung Ebersberg und Rott. In einem anonymen Brief wurden mehrere Personen der Teilnahme beschuldigt, bei Haussuchungen stellte sich aber heraus, dass diese während des Treibens zu Hause waren. Hauptbeteiligte sollen die Reißerer Bauernsöhne des Lohmarerbauern aus Bruckhof gewesen sein. Ein Verzeichnis aller beurlaubter Soldaten wurde angefertigt und aus der Gegend 17 vom Militär beurlaubte Burschen eingezogen. Die Untersuchungen blieben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosenheim - Versuch eines Haberfeldtreibens 2./3.12.1865&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28832|StAM, RA 1779/28832]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 2. auf 3. Dezember 1865 versammelte sich eine große Schar von Haberern in Rosenheim in der Nähe des provisorischen Bahnhofs. Aus unbekannter Ursache (angeblich wegen des Ausbleibens eines erwarteten Zuzugs aus Au, Feilnbach und Irschenberg) unterblieb das Treiben. Zwei Wochen später lag in der Gegend ziemlich tiefer Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hohenlinden, Bezirksamt Ebersberg, Bezirksamt Wasserburg 13./14.1.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28833|StAM, RA 1779/28833]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36453|StAM, LRA 36453]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 3023|StAM, AR 3023]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Samstag auf Sonntag 13. auf 14. Januar 1866 gegen zwölf Uhr zogen ca. 200 teilweise bewaffnete Mann (nach anderen Angaben nur 50 oder 70 Mann) auf dem Kirchweg in Richtung Kronacher auf einen Hügel ca. 300 Schritt östlich von Hohenlinden entfernt, vis-à-vis vom Posthaus, von wo aus man den Ort gut überblicken konnte. Ein erster Treffpunkt war schon am Baumerhölzl. Etwa 60 bis 80 Mann zogen von der Haager Straße her unter großem Lärm mitten durch den Ort und riefen &#039;&#039;auf ihr Lumpen!&#039;&#039; In &#039;&#039;gemeinster und unflätigster Sprache&#039;&#039; trieb man gegen:&lt;br /&gt;
* den Wirt Josef Sautreiber von Kronacher und&lt;br /&gt;
* den Wirt Josef Freindl von Pirka, beiden wegen Bierpanschens&lt;br /&gt;
* die Wirtinnen von Kronacher und Pirka&lt;br /&gt;
* den Kistlermeister Jakob Maier wegen Gewehrdiebstahls (soll 1831 gewesen sein)&lt;br /&gt;
* den Gütler Geibinger&lt;br /&gt;
* die Krämerin Dengler&lt;br /&gt;
* die Karrerin Rauch&lt;br /&gt;
* den Bader von Stocka&lt;br /&gt;
* einen Bauern von Keging&lt;br /&gt;
* den Wahlwirt von Neupullach&lt;br /&gt;
* den Bauern von Mutbach wegen Holzdiebstahls&lt;br /&gt;
* den alten Wirt von Peißendorf, er packe die Weiber auf dem Feld an&lt;br /&gt;
* den Thomabauern von Niederanzing, er packe die Dirnen in der Küche an&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Stadlberger und&lt;br /&gt;
* den Lehrer Schiessling von Hohenlinden wegen Unsittlichkeit.&lt;br /&gt;
Alle Vorwürfe seien vor über zehn Jahren vorgekommen, urteilt die Gendarmerie. Auf den Pfarrer, den Posthalter und den Gemeindevorsteher wurde ein Vivat ausgebracht, &#039;&#039;weil sie`s haben wollen, daß wir kommen sollen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Das Schlüsselloch der Kirche war verstopft. Es wurde scharf geschossen, Kugeln prallten an Hausdächern und Häusern ab. Die einen haben Joppen getragen, die anderen Mäntel, woraus man schloss, die ersteren wären Öxinger oder Grafinger. Nach etwa einer dreiviertel Stunde zog man gegen Haag, Preissendorf, Bullach (Kreis Erding) Karlsdorf und Lindach ab. Zunächst hieß es, es werde in Ebersberg getrieben. Die beiden Gerüchteverbreiter waren der ledige&lt;br /&gt;
* Inwohnersohn Nikolaus Kübelbeck und&lt;br /&gt;
* der Mesnerstiefsohn Pauli von Oexing&lt;br /&gt;
Beide hätten letztes Jahr in Edling teilgenommen und letzterer sei dabei an einer Hand verwundet worden. Verdächtig waren auch einige ledige Burschen, alle aus Hohenlinden:&lt;br /&gt;
* Johann Maier&lt;br /&gt;
* Andrä Eberl&lt;br /&gt;
* Zenon Greiml&lt;br /&gt;
* Hermann Heumeier&lt;br /&gt;
* Simon Halbinger&lt;br /&gt;
* Anton Meisler&lt;br /&gt;
Der Hochzeitslader und Schreinergesell Andreas Knappich erzählte dem Sohn des Vorstehers von Hintsberg unlängst (vor dem Treiben in Hintsberg) er sei in Hohenlinden Haberermeister gewesen. Da der Treibort genau an der Grenze zwischen den Amtsgerichtsbezirken Ebersberg und Wasserburg lag, gab es Streitigkeiten zwischen den Behörden um die Zuständigkeit bei der Aufklärung. Die Behörden sprachen von einer &#039;&#039;Nachäffung des Haberfeldtreibens, von einzelnen Kundigen angeführt und geleitet, von Burschen des Haager und Wasserburger LG ausgeführt&#039;&#039;. Es seien keine Teilnehmer verlesen worden, keine Lärminstrumente, z.B. Windmühlen, benutzt worden, die Teilnehmer seien junge Burschen gewesen, auch der Anführer habe eine ganz junge Stimme gehabt und geschrien &#039;&#039;Buabn juchatzt&#039;&#039;. Man vernahm Rufe wie &#039;&#039;Schützenkompanie&#039;&#039; und &#039;&#039;Schützen marsch&#039;&#039;. Ausserdem wurden bestimmte Personen, die eigentlich bedacht werden mussten, nicht erwähnt. Der Lärm wurde vor allem durch Geschrei und Schlagen auf Bretter erzeugt, nicht durch Musikinstrumente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Griesstätt 17./18.1.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28838|StAM, RA 1779/28838]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon vier Tage später trieben 150 bis 200 bewaffnete Mann in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, vom 17. auf den 18. Januar 1866 von zwölf bis ein Uhr 120 Schritte von dem letzten Haus des Ortes nach Norden gegen Altenfahrens zu wegen &#039;&#039;gemeiner Verbrechen als Mord und Diebstahl&#039;&#039; und &#039;&#039;Vergehen in fleischlicher Beziehung&#039;&#039;. Sie kamen in einem Zug von mindestens 100 Schritt Länge von Vogtareuth her und zogen durch den Ort Griesstätt mit Schreien und Johlen. Einer ging mit einer großen Kuhglocke läutend voraus. Sie trugen Joppen und Gebirgstracht, genaueres war wegen der finsteren Nacht nicht erkennbar. Dem Gang nach zu urteilen seien es überwiegend alte Männer gewesen. Auf einem Acker neben der Straße Wasserburg-Rosenheim nahmen sie in einem Kreis Aufstellung. Aus dem Stadel des Ortsvorstehers hatten sie eine Windmühle weggenommen. Der Vorleser stand auf 2 Brettern, die über 2 Schragen gelegt waren. Nur etwa zehn Bewohner gingen aus dem Ort, um zuzuhören. Ihnen wurde mit dem Ruf &#039;&#039;zurück!&#039;&#039; Einhalt geboten. Der Vorleser hatte eine sehr raue Stimme, sodass man kaum etwas verstehen konnte. Allerdings macht einer der Zuhörer dann doch sehr genaue Angaben:&lt;br /&gt;
* Dem Wasenmeister Franz Pältl zu Erbaum sei ein Mord vorgeworfen worden. &#039;&#039;Dem Erbaumer dem muaß ich heut sagn, der hat seine Vorfahren ins Wasser einigschlagn&#039;&#039;. Das betreffende Ereignis sei allerdings schon 5-6 Jahre her, damals habe man Alois Hart tot gefunden.&lt;br /&gt;
* dem Josef Klarner sei ein Brand zu Griesstätt vorgeworfen worden, der im Jahre 1844 stattfand.&lt;br /&gt;
* dem Simon Niederlechner, Hinterhiermeier Bauer und reicher Witwer, wurde vorgeworfen, er habe die Lehrerstochter geschwängert: &#039;&#039;Der Hirmeierbauer will Schulmeister von Griesstätt werdn, seine Bekanntschaft tut in Rosenheim privatisieren, drum tut er alle Wochen eine Fuhr getreide auffi führen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Über den ledigen Wirtssohn Joseph Soyer hieß es, er sei &#039;&#039;...ein Wilder im Draht und muaß a wissen, was jede Kellnerin für eine hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Vom Josef Gartnerseiner zum Falleisen, einem alten, auf Krücken gehenden Mann sagte man: &#039;&#039;der alte, der is zum erbarmen, möcht aber aa no an Fleck, so an warmen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* dem Simon Mayer zum Dustmaier sagte man: &#039;&#039;der Huber von Burgham waar gern ein angesehner Mann, er hats aber der Oberlechner Resi aa scho oft getan&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Getrieben wurde ferner:&lt;br /&gt;
* dem Mathias Waabuchner zum Jager&lt;br /&gt;
* dem Peter Saaleitner (oder Sennleitner) zum Duschl wegen Unsittlichkeiten&lt;br /&gt;
* dem Andreas Huber zu Leupfam und&lt;br /&gt;
* dem Joseph Kern von Edenberg&lt;br /&gt;
* der Müllerwitwe Marie Furtner und ihrer Tochter Magdalena&lt;br /&gt;
* dem Werkführer Hans Huber von Murn&lt;br /&gt;
* dem Johann Maier, Erpenbauer zu Sunkenrath&lt;br /&gt;
* dem Thomas Nickel, Huberbauer zu Sunkenrath&lt;br /&gt;
Weitere Verse lauteten:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Huber von Kettenham, den lassen wir laufen,&amp;lt;br&amp;gt;der stiehlt die Lampl und thut sie verkaufen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die  Huber von Moosham sind a nit zu loben&amp;lt;br&amp;gt;die ham an Bauern in Holbing seine Kronenthaler gstohlen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Samsl vo Moosham, der hat sie verganga und hat a weni mit der Dirn&amp;lt;br&amp;gt;statt mit seiner Frau angfanga&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Haberer hätten gesagt, sie seien von Miesbach her sehr weit bei schlechter Witterung gegangen. Es wurde scharf geschossen, über dem Ort pfiffen Kugeln. Am Schluss erging an die Getriebenen die Aufforderung, sich zu bessern. Nach dem Befehl &#039;&#039;auseinander, Marsch!&#039;&#039; erfolgt Schlag ein Uhr der Abzug gegen Edenberg nach Süden Richtung Rosenheim, angeblich nicht Richtung Wasserburg. (Allerdings sagen Zeugen, es seien einige über die Brücke in Wasserburg gezogen). Um über den Inn zu kommen, wurde die Überfuhr (Fähre) zu Murn benutzt. Das Schloss des für 24 Personen berechneten Nachens wurde geöffnet, wahrscheinlich mit einem Nachschlüssel, da keine Gewaltanwendung erkennbar war. Auch bei Altenhohenau und Edenberg sollen die Treiber über den Inn gekommen sein. Eine Gruppe wurde bei Schonstett gesehen, eine Rotte sei wohl erst bei Rosenheim über den Inn gegangen.&lt;br /&gt;
Etwa 80 Mann sollen beim Wirt in Vogtareuth Bier verlangt haben. Dieser streitet dies aber ab, es sei eine Verwechslung. Er habe miterlebt und nur erzählt, wie in der Nacht vom 24. auf 25. Januar eine Rotte von etwa 60 Mann bei seinem Kollegen in Paffenhofen Bier verlangt hätte. Am Treibort fand man Papierpfropfen von Zeitungen, die als Schusspapier gedient hatten. Der niedergetrampelte Teil des Ackers hatte einen Durchmesser von 28 Schritt, weshalb die Gendarmen vermuteten, dass es weniger als 150 Teilnehmer waren. Die Konsequenzen der Wasserburger Behörden ließen nicht lange auf sich warten: Die Gemeinden mussten wieder Nacht-Patrouillen laufen, es wurde bis auf weiteres jegliche Tanzmusik verboten, außerdem wurde die Polizeistunde herabgesetzt. Die beurlaubten Soldaten der Gegend wurden auf zwei Monate einberufen. In der Folge werden den Behörden verschiedene Hinweise, Verdächtigungen und Anschuldigungen anonym übermittelt. Die Untersuchungen dazu zeigen aber meist völlige Haltlosigkeit oder nur vage Anzeichen, sodass sie erfolglos bleiben und eingestellt werden. Laut Ministerium des Innern war es das elfte Haberfeldtreiben im Herbst/Winter 1865/66.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bruckhof 7./8.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28838|StAM, RA 1779/28838]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36456|StAM, LRA 36456]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Drei Wochen später, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, von 7. auf 8. Februar 1866 etwa um halb zwölf Uhr nachts zog eine Rotte von Grafing und Rott kommend durch Bruckhof unter Abfeuern von Flintenschüssen und Schreien (&#039;&#039;wia, hü, ho, ha&#039;&#039;). Etwa eine viertel Stunde später kamen sie in militärischer Ordnung zurück, und zwar um etliche Mann verstärkt, die aus Lampferding angerückt waren und schrien: &#039;&#039;die Haberer sind da!&#039;&#039; Sie nahmen Aufstellung Richtung Rott, 200 Schritt vom Wirthaus und 50 Schritt vom letzten Haus von Bruckhof entfernt, wo ein aus Richtung Rott angerückter Trupp schon gewartet hatte. Es wurde ein Kreis gebildet &#039;&#039;und Verse verlesen, die man aber nicht hören konnte, weil ein starker Sturm ging&#039;&#039;. Nur der Lamerbauer, ein früherer Raufer, der zunächst des Treibplatzes wohnte, hörte, &#039;&#039;dass von Hurerei, Rosenkranzstehlen und Fleischstehlen die Rede war&#039;&#039; und dass es in 14 Tagen nach Aßling gehe. Begonnen habe es mit dem Ruf &#039;&#039;Auf, auf, ihr Lumpen, neue Hurengeschichten müsst ihr hören&#039;&#039; und &#039;&#039;auf, die Haberer sind da&#039;&#039; und dann &#039;&#039;auseinander, Kreis gebildet&#039;&#039;. Es ging gegen:&lt;br /&gt;
* den Müllermeister Georg Kastenmüller&lt;br /&gt;
* Bauer Seb. Mayer&lt;br /&gt;
* Barbara Krämer von Blenchhof&lt;br /&gt;
* Kaspar Main von Schalldorf wegen Hurerei&lt;br /&gt;
* die Brettlin von Schalldorf wegen Diebstahls eines Rosenkranzes&lt;br /&gt;
* den Grenzl von Einöden&lt;br /&gt;
* den Heuknecht von Hinterberg, er habe beim H. in Dettendorf das Fleisch vom Kamin herunter&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Truppe, aus Emmering kommend, mit 31 Köpfen, habe lange Röcke und Bauernmützen getragen. Insgesamt sollen es nicht mehr als 50-60 Mann gewesen sein. Das Treiben dauerte etwa eine halbe Stunde. Wie in Hohenlinden seien es überwiegend junge Burschen gewesen. Dies schließt man auch daraus, dass Donnerstag (8. Februar) in dieser Gegend &#039;&#039;Schlenkelpfinster&#039;&#039; gewesen sei, ein Feiertag, an dem sich nicht verdingte Dienstboten am Markt in Grafing anbieten konnten. Der Wirt Jakob Sextl von Bruckhof erzählt, ihm habe der Bauer Michael Edelberger erzählt, er habe beim Lohmeierbauern M. Reißerer auf dem Getreideboden gleich nach dem Edlinger Treiben in einer geöffneten, an der Seite befindlichen Kammer 40 Gewehre gesehen. Die Söhne des Reißerer aus Bruckhof sollen die Hauptbeteiligten in Edling gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hintsberg bei Steinhöring 15./16.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28841|StAM, RA 1779/28841]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36456|StAM, LRA 36456]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Acht Tage nach dem Treiben in Bruckhof kamen die Haberfeldtreiber in der Nacht vom 15. auf 16. Februar in die Nähe von Steinhöring. Etwa um viertel nach elf Uhr zog eine Rotte von 20-25 bewaffneten Burschen von Steinhöring her ins Dorf, vor das Haus des Vorstehers und schrien, nachdem ein Schuss abgefeuert war: &#039;&#039;Vorsteher steh auf und weck deinen Toni auf&#039;&#039;. Sie zogen dann auf ein Feld auf einer Anhöhe, nördlich von Hintsberg, etwa 200 Schritt hinter dem Haus des Vorstehers und ca. eine halbe Stunde südlich von Steinhöring. Das Treiben richtete sich gegen den Vorsteher Kaspar Huber und seinen Sohn Anton. Der Vorsteher lasse sich &#039;&#039;abschmieren&#039;&#039; (bestechen), sein Sohn sei ein Stier und Hurenkerl. Nach jedem &#039;&#039;Artikel&#039;&#039; fielen etwa 15 Schuss und alle schrien &#039;&#039;Vivat&#039;&#039;. Es dauerte nur eine viertel Stunde (nicht drei Stunden, wie bei Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 61.&amp;lt;/ref&amp;gt; angeführt). Die Treiber hatten keine Lärminstrumente dabei, aber zwei Musikinstrumente, wohl Waldhörner. Es waren nur 20 bis 25 Personen, meist sehr junge Burschen, die in mehrere Richtungen abzogen, vor allem nach Hohenthann, Tulling und Oberndorf. Der Vorleser hatte ein Licht und drehte sich immer dahin, wo die Betroffenen wohnten. Beim Zuzug soll ein Bauer die Haberfeldtreiber gesehen und erkannt haben, sie seien aus dem Mailinger Winkel gewesen. Der Taglöhner Griesbeck aus Tulling war verdächtig, aber seine Frau sagte gegenüber Dritten, der beteilige sich nicht bei Treiben in so kleinen Orten. Das Bezirksamt Ebersberg bemerkt, dass Kaspar Huber ein ehrenwerter, fleißiger Mann sei und hält den Vorfall eher für eine Nachahmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg, Februar 1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Wasserburg.jpg|mini|Die &#039;&#039;Ermittlungsakten&#039;&#039; des Bezirksamtes für die Stadt Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Witwe Katharina Resch (46 Jahre) erscheint in der Gendarmerie und gibt an: am Abend des 7. Februar traten (in der Burgau) drei starke Männer in die Stube, sie trugen graue Joppen bis an die Wade, Hüte und Spielhahn-Federn und dunkle Vollbärte. Sie sprachen in &#039;&#039;gebildeter Sprache&#039;&#039; und fragten um Verhältnisse des Hofsteter Metzger und nach anderen Dorfbewohnern, insbesondere wer wen auf die Gant (in Konkurs) gebracht habe. Vier weitere Männer hätten die drei abgeholt. Man befürchtete daher zunächst ein Haberfeldtreiben in Wasserburg. Das Bezirksamt hielt die Zeugin und ihre Aussage jedoch für nicht glaubwürdig. Etwa drei Wochen später, am 12. März 1866 zeigt Georg Dengler am Harter Gütl an, dass in der sogenannten Tränkgasse eine Puppe an einem Baum hinge, in Gebirgstracht gekleidet, sie solle wahrscheinlich einen Haberfeldtreiber vorstellen. Als man die Puppe abnahm, fand man in der Joppentasche ein Schriftstück, datiert vom 10. März 1865(!). Es begann:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ihr Herren und Frauen aus Wasserburg!&amp;lt;br&amp;gt;O Wasserburg, du bedauerst mich auch könnt Ihr es schlechten Bürger es nicht verantworten, das ich wegen einer schleichten Huererei und Stehlen muß auf diesem Baum aufhenken. Die Leute schaug mich an und werden sich gewiß nichts gutes denken verzweifeln muß ich auf jeden Fahl den nichts als Schlechtigkeiten hörr ich von den noblichsten Herrn sie machen Bankrott u. Den armen Teufeln wir das Geld abgerappt. So könnte ich wahr erzählen und an der Wahrheit wird gewiß nicht fehlen. In einer Nacht könt ich bei Euch nicht vertig werden u in zwei könnt Ihr mich mit meiner Manschaft nicht ernährn weil die Meister sind zum Verderben. Noch zu letzten thut es mich das verdrissen das es die die armen Soldaten entgelden müssen doch scheuen wir weder Schildwach noch Protokoll der Teuffel soll euch alle holen. Ich meine ich habe schon überall Mühe genug gehabt bis ich die Leute auf den rechten Weg gebracht. Ich sage Euch auf meine Ehr es reut mich keine Stunde mehr. Aber bevor ich mein Leben werde beschließen werde ich meine Brüder dem Kaiser Karl am Untersperg noch schreiben müssen was Ihr führan Lebenslauf führt und wie Ihr haltet Eure Hurerei darauf.&amp;lt;br&amp;gt;Wenn ihr Euch nicht bekehrt in eine Jahr so ist Bedenkzeit gar, dan dürft ihr aber sicher hoffen das mein Bruder kommt mit 1000 Mann der Euch gewiß katholisch machen kann. Da kann Euer Major den Generalmarsch schlagen lassen um uns mit Hunden davon zu jagen. Thut ihr also Ihn Obacht nehmen den meine Schützen haben Haare auf den Zähnen. Wen es ankommt auf einen Ernst verzehn sie nicht fiel Scherz. Schissen auf jeden wen es a so sein muß eine warme Kugel durch die Brust.et, Auf schlechte Besserung oder gar auf Verlangen sehen wir uns wieder bis einem Jahr aber nicht schriftlich sondern mündlich in höherem oder gar in scharfen Grade wozu Euch die Ganze Arme der Haberfeldtreiber gratulieren.&amp;lt;br&amp;gt;Ostreich, Frankreich, Rußland und das Arme Kommando Kaiser Karl vom Untersberg&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Es folgen weiter zwölf Seiten bleistiftgeschrieben mit wirren Anschuldigungen. Ob in Wasserburg je ein Haberfeldtreiben geplant war, ist äußerst zweifelhaft. Die Organisatoren der Treiben achteten sehr darauf, dass sie gesicherte Rückzugswege hatten. Wegen der einfach zuzustellenden Fluchtwege im Ort wäre ein Treiben äußerst riskant gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Evenhausen, 23./24.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28842|StAM, RA 1779/28842]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In Evenhausen, einem Dorf mit zehn Anwesen zwischen Wasserburg und Amerang, Landgericht Wasserburg, zogen in der Nacht von Freitag auf Samstag, den 23. auf 24. Februar 1866 zwischen 60 und 100 Mann gegen halb ein Uhr nachts lärmend und schreiend den Berg hinauf durch das Dorf und stellten sich am südlichen Dorfende gleich neben dem Wirtshaus von Evenhausen auf halbem Weg nach Pfaffing auf. Sie schossen dann gegen den Ort zu scharf und begannen von ein bis halb zwei Uhr das Treiben, hauptsächlich wegen fleischlicher Verfehlungen gegen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Lorenz Schindlbeck&lt;br /&gt;
* den Mesner Phil. Huber, der so fleißig bete, dass seine Frau sterbe, die er schon zu Lebzeiten mit seiner jetzigen Frau betrogen habe&lt;br /&gt;
* den Schullehrer wegen Schulhausgelddiebstahls (völlig unbegründet)&lt;br /&gt;
* den Wirt nebst verschiedenen ledigen Weibspersonen und&lt;br /&gt;
* vor allem aber gegen den Pfarrer wegen fleischlicher Vergehen mit seiner Pfarrersköchin&lt;br /&gt;
Die Kirchturmtüre wurde mit Wasen verstopft. Eine Windmühle, die benutzt wurde, stammte vom Mesner Huber. Im Wirthshaus zu Evenhausen wurden zwei Fenster eingeschossen, eine Kugel durchschlug das Fenster des Kinderzimmers. Auch in den Mauern der Häuser befand sich &#039;&#039;viel Blei&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104 |StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Schluss erfolgte die Ankündigung eines Treibens in Söchtenau in 14 Tagen. Zu- wie auch Abzüge erfolgten Richtung Aham, Schonstett und Griesstätt, eine Rotte schlug den Fußweg nach Rehmbach, Breitenbach und Murn ein. Einige Treiber kamen über den Inn. Der Flößer Georg Ortner sagt aus, dass sein Floß zu einer Überfahrt benutzt worden sei. Amtliche Abschrift (Nachschrift) des Treibtextes:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir fangen gleich mit dem Allerschlechtesten an un dieß ist der Pfarrer von E., der größte Stier, der Hurenkerl hat seiner Köchin ein Kind gemacht, dös Kind is freili scho Wirthin und seine Köchin ist die allergrößte Hure.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Meßner hat 2 Jahre neben seinem Weib die Heilmeir Viktor gehabt, aber jetzt mag ers nimma, weils allaweil am Franckl sein Hosentürl dran ghängt ist.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wirt ist der Gemeindestier, der hat der Stannz Rosl a Kind gmacht, nacher ham sie mitanande an Kindsmord begangen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Stannz Rosl, die Hurn, des schlechte Weibsbild hat von an lutherischen Schäfer a Kind ghabt und jetzt geht’s in der nacht zum Schuster.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Heilmaier Anni hat sichs vom Lehrer Franckl Tag und Nacht thun lassen, der Lehrer F. Ist freilich fort, aber an Hund hat er ihr dalassen, der muß ihr die Fud ausschlecken und am Frankl sein geschäft versehn.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die  Schneider... als... ist beim Hellichten Tag beim Franckl dringlegn, jetzt macht sie Betschwester und singa kanns nimma, weils an F. Sei Pfeiferl nimmer hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Weitere Verse, die sich im Akt des Bezirksamts Wasserburg&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104 |StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; befinden:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Stefflknecht, der Fluri, der hat am Kochberg bei Hebertshan an Moar vo Oddelsham ausdrunka&amp;lt;br&amp;gt;Die Mili hat eam net so gschmeckt hat gmoant si hat nach der Braugruebn gstunka&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Den Petermüllerm den derf ma a net vergessn&amp;lt;br&amp;gt;Der thuat an Dirnen so gern de Tüacher vermessen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wabsmüller Aliis mit sein Goasbart&amp;lt;br&amp;gt;Hat a rothaarats Diandl mit 13 jahr scho g&#039;hat&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Diestl in da Schilchau, der is am Johannitag&amp;lt;br&amp;gt;Mit&#039;m Kreuz auf Schaunstädt ganga&amp;lt;br&amp;gt;Und im Hoamgeh hat a a Morthat beganga&amp;lt;br&amp;gt;Und hat an Schulseppn sei Wei in an Korn... drin gmaust&amp;lt;br&amp;gt;Da hats an Teufel in der Höll drin davor graust&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Mit dem Haberfeldtreiben is a koa Spaß&amp;lt;br&amp;gt;Is oana unter uns, hat an Fuaß wia a Goas&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Um a sechsi müaß ma vonr Kaiser Carl seiner Hausthür steh&amp;lt;br&amp;gt;Sonst derf ma &#039;s nachst mal nimmer zum Haberfeldtreiben mitgeh!&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer von Enhausn is a fürchterlicher Stier&amp;lt;br&amp;gt;Der werd jtzt brennt und zum B&#039;schäln vorgführt&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wirth von Enhausn is a ganz braver Mo&amp;lt;br&amp;gt;Der bind an Herrn Pfarrer sei Tochter an sei Hosenthürl no.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schullehrer von Enhausn is net zum Verachten&amp;lt;br&amp;gt;der tuat an Pfarrer sei Pelzhaubn a gern betracht.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Lehrer Frankl muaß rein auf fremde Straßn&amp;lt;br&amp;gt;Drum hat er seiner Nani sein Hund zum Mausen zruck lassen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Notar Gleißl war bei der Wirtin z&#039;Straß auf Visit&amp;lt;br&amp;gt;Und hat des alt Fell a öfters verkitt&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Strengs Resi vo Enhausn hat früher schön gsunga,&amp;lt;br&amp;gt;hat aber ihr kloans Kind umbrunga&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Dass es zwei Varianten von Treibtexten gibt, ist gar nicht so selten. Die Gendarmerie zeichnet erst die Verse nach Zeugenaussagen vom Hörensagen auf, später tauchen dann von den Haberern zugespielte Papiere auf, die andere und zusätzliche Verse enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kraiß, Gde. Steinhöring, 5./6.4.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28844|StAM, RA 1779/28844]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36459|StAM, LRA 36459]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 5. auf 6. April 1866 wurde zum zweiten Mal innerhalb von acht Wochen in der Nähe von Steinhöring getrieben. Nur 60 Schritt von dem aus zwei Häusern bestehenden Einödhof Kraiß auf einer Anhöhe wurde um Mitternacht dem&lt;br /&gt;
* Hofbesitzer Sebastian Bauer&lt;br /&gt;
das Haberfeld getrieben. Das Wecken am Haus erfolgte mit Schüssen und der Aufforderung, wenn er, der Bauer Pulver und Kugeln habe, dann solle er herauskommen. Es waren etwa 30-40 Mann, die aus Richtung Haag von der benachbarten Einöde Dailling kamen und gegen Hohenlinden abzogen. Zum Verlesen wurde ein Licht angezündet. Einer las etwas in Knittelversen ab, die anderen schrien:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Hurenkerl, der schlechte Kerl, Spitzbub, du hast deinen Vater erschießen lassen, hast scho zwei Weiber umgebracht und das dritte möchtest du auch noch umbringen. Du hängst ja den Dirnen an, bei dir kann sich keine aufhalten. Du bist einmal in Neufahrn vom Wirth mit der Hundspeitsche geprügelt worden, weil du Futtersäcke, Geiselstecken und Eisketten gestohlen hast. Am Schluß sagten sie: &#039;Jetzt ists zum letzten Mal, jetzt gehen ma nach Ebersberg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Zwei Wachhunde am Hof rissen sich von den Ketten los, zwei Kühe ebenfalls. Das ganze dauerte etwa eine viertel Stunde. Seb. Bauer war eine weithin verhasste Person, streitsüchtig, unfreundlich, stolz und brutal. Laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; war Hauptgrund für das Treiben &#039;&#039;Rache wegen eines Hausbaues&#039;&#039;.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Notiz in den Neuesten Nachrichten vom 24. Oktober 1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28848|StAM, RA 1779/28848]].&amp;lt;/ref&amp;gt; soll in der Kirchweihnacht dem Pfarrer Philipp Maier von Attel Haberfeld getrieben worden sein, und zwar von 13. auf 14. Oktober. Allerdings stellte sich heraus, dass einige mit den Diensthandlungen des Pfarrers Unzufriedene sich zum Pfarrhof begaben und dort ein Fenster einschlugen, eine Kugel durch das Fenster schossen und versuchten, die Haustüre einzuschlagen. Dabei wurde kein Wort gesprochen. Nach Ansicht des Wasserburger Bezirksamtmanns war es kein Haberfeldtreiben, denn: &#039;&#039;der Haberfeldtreiber will nur schimpfen, er zerstört aber nicht fremdes Eigentum&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Versuchtes Haberfeldtreiben in Rosenheim 29.10.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28832|StAM, RA 1779/28832]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Dieses Treiben wird hier aufgeführt, weil es für einige Teilnehmer aus dem Landgerichtsbezirk Wasserburg fatale Folgen hatte. Dem Gendarm von Feldkirchen wurden die Pläne für ein Haberfeldtreiben in Rosenheim von &#039;&#039;einem genau Eingeweihten&#039;&#039; verraten. Daraufhin wurde die gesamten Gendarmerie der Umgebung (zwölf Mann) und das Landwehr-Bataillon Kommando Rosenheim (32 Mann) mobilisiert und die Mangfall-Übergänge und andere wichtige Punkte besetzt. Der Oberleutnant Wilhelm von Reck wird am 20. Oktober mit einer Kompanie nach Rosenheim entsandt, und nimmt Stellung auf dem die Gegend beherrschenden Stockhammer Gütl. Vorposten standen:&lt;br /&gt;
* am Zugang nach Rosenheim beim Hofbräukeller (rechter Flügel)&lt;br /&gt;
* nach den Brachfeldern in Richtung Westerndorf&lt;br /&gt;
* nach dem Ziegelstadel von Fürstätt (linker Flügel) und&lt;br /&gt;
* nächst dem Bahnhof&lt;br /&gt;
Diese Vorposten hielten durch Patrouillen ständige Verbindung, die Rückzugslinie sollte immer das Stockhammer Gütl sein. Ein  Rest der Landwehr bezog Wache in Rosenheim und hielt mittels Patrouillen ebenfalls Verbindung zu Oberleutnant Reck. Die Nacht war mondhell. Um elf Uhr stieß die gegen den Hofbräukeller vorgeschobene Patrouille auf einen Trupp von zehn bis 15 Mann, die mit Schießgewehren bewaffnet und mit Bärten versehen waren. Sie riefen denselben &#039;&#039;Halt&#039;&#039; zu und warfen sich ihnen (zu zweit!) entgegen. Die Treiber flüchteten, die Gendarmen rissen aber einen aus ihrer Mitte heraus und konnte ihn arretieren: den Knecht Jakob Huber aus Vogtareuth (vier Gehstunden entfernt) Sein Hut war in auffallender Weise mit Holundersträuchen geziert. Man hielt ihn daher für den Haberfeldmeister. Aus seinen Äußerungen schloss man, dass noch mehr Haberer in einer Kiesgrube in der Nähe des Hofbräukellers verborgen seien. Daher führte man dorthin eine Patrouille durch. Auf der Straße dorthin, beim Haus des Lorettowagners sah der Kommandant einige Burschen laufen und schrie &#039;&#039;Halt&#039;&#039;, worauf geschossen wurde. Die Burschen versteckten sich im Garten des Wagnerhauses. Währenddessen kam ein anderer Trupp Haberfeldtreiber aus der Richtung Stockhamer Gütl gegen das Wagnerhaus gelaufen. Fast gleichzeitig traf auch eine Gendarmerie-Patrouille des Oberleutnant Reck ein, sodass die Haberfeldtreiber im Garten von zwei Seiten angegriffen wurden. Sie hatten aber Schutz durch die Obstbäume und zogen sich einzeln zurück. Die Gendarmen rückten nach, es kam zu einem Handgemenge, im Verlauf dessen vier Burschen gefangen genommen wurden:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Anton Rainer, vulgo Bart Toni Dienstknecht aus  Griesstätt (im Dienst als Knecht in der Obermühle Murn), gebürtig von Grünthal bei Pfraundorf&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. Paulus Baumann, Dienstknecht beim Kastl zu Sunkenroth bei Griesstätt&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. Josef Kronert, Dienstknecht und&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. Joseph Weber, Dienstknecht beim Oberhungerbauern in Kalbing bei Griesstätt, aus Kraiburg stammend&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ferner laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 104.&amp;lt;/ref&amp;gt; der abgehauste Bauer Georg Höllinger aus Rosenheim (möglicherweise identisch mit dem &#039;&#039;verheirateten Schmalzer&#039;&#039; aus Rosenheim). Die vier Festgenommenen wurden zum Stockhammer Gütl gebracht (acht-zehn Minuten Fußweg), wobei die Begleiteskorte dauernd von ca. 100 bis 150 Haberfeldtreibern aus den gegen Westerndorf ansteigenden Feldern beschossen wurden, &#039;&#039;dass die Kugeln nur so herumflogen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Oberleutnant Reck kam der Eskorte mit seiner gesamten Mannschaft entgegen, worauf sich die Rotte nach Westerndorf zurück zog. Nur zwei Burschen liefen, als ob sie die Stärke der bewaffneten Gendarmerie ausmachen wollten, fortwährend in die Schusslinien, bis einer unter dem linken Auge getroffen wurde und zu Boden stürzte. Der andere schrie &#039;&#039;mein Bruder, mein Bruder! Bist du tod?&#039;&#039; und stürzt sich auf ihn. Es waren der ledige Schmiedsohn Niklas Maier aus Langenpfunzen, der kurz darauf starb und sein Bruder Josef, der arretiert wurde. Darauf zogen sich die Haberfeldtreiber zurück. Die sieben Festgenommenen saßen in Traunstein ein. Wegen &#039;&#039;Vergehen des Aufstands&#039;&#039; werden vier Mann zu je zweieinviertel Jahren Haft verurteilt, der Bruder des Gefallenen zu eineinhalb Jahren, zwei werden freigesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Söchtenau  Bezirksamt Rosenheim 14./15.2.1867&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28853|StAM, RA 1779/28853]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 14. auf 15. Februar 1867 gegen ein Uhr hielten etwa 50-80 Teilnehmer, von Vogtareuth kommend, eine dreiviertel Stunde lang im Ort Söchtenau ein Haberfeldtreiben ab. Es ging gegen den Pfarrer Eder und die Wirtin und zugleich Pfarrersköchin und gegen einige Bauern. Als dann ein Sturmläuten der Pfarrkirche einsetzte, schossen sie gegen den Pfarrhof etwa 40 mal scharf, wodurch Fenster zertrümmert und Türen und Decken beschädigt wurden und drohten, der Pfarrer und seine Köchin würden erschossen und das Pfarrhaus abgebrannt. Der Pfarrer Eder war früher Kooperator in Au und soll dort ein Verhältnis mit der Wirtin von Litzldorf gehabt haben. Man nahm daher an, dass die Anstiftung zum Treiben von Au ausging. Der Abzug erfolgte Richtung Vogtareuth und Zaisering. Am Sonntag darauf, also dem 17. wurde nochmals im Ort geschossen und gelärmt, es war aber kein vollständiges Haberfeldtreiben mehr. Personen aus Griesstätt gerieten in Verdacht, sie sollen auch bei den Vorfällen in Rosenheim im Oktober 1866 beteiligt gewesen sein, [[#Versuchtes_Haberfeldtreiben_in_Rosenheim_29.10.1866.5B38.5D|siehe oben]]. Ausserdem sollen die  Wirte Georg Blumetsrieder von Litzldorf, der Wirt von Schonstett und Josef Schmid von Flintsbach das Haberfeldtreiben arrangiert haben, zusammen mit einem jungen Bauern und Müller mit Namen &#039;&#039;Fürst&#039;&#039;. Die Untersuchung gegen sie wurde eingestellt, aber das Bezirksamt ordnet eine personelle Verstärkung der Polizeistation und Sicherheitswachen an.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann war es im Landgerichtsbezirk Wasserburg für lange Jahre vorbei mit dem Haberfeldtreiben. Zusammenfassend kann man zu den aufgeführten Treiben 1864 bis 1867 im Bezirksamtsbereich sagen, dass sie alle in etwa gleich abliefen: Zunächst zog die Rotte in militärischer Ordnung durch den Ort, um sich dann auf einem Feld oder auf einer Anhöhe vor dem Ort aufzustellen. Es wurden fingierte Namen aufgerufen, die die Teilnehmer durch &#039;&#039;Hier&#039;&#039;-Rufe bestätigten, danach wurden Verse verlesen, vorher, zwischendurch und danach geschossen, (auch scharf), Raketen und Feuerräder gezündet und mit Getreidemühlen, Schlagen auf Bretter und Töpfe Lärm gemacht. Am Schluss erfolgte ein Hochruf, auf den Pfarrer, den Kooperator oder den Bezirkshauptmann, je nachdem, wer nicht getrieben wurde. Interessant ist ein Blick auf die Teilnehmerzahl.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die sechs Treiben im Bezirksamt Wasserburg:&lt;br /&gt;
{|class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Rott_10..2F11.11.1864.5B14.5D|Rott am Inn]] || 10./11.11.1864&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 100 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Albaching_Landgericht_Haag.2C_Bezirksamt_Wasserburg_6..2F7.12.1864.5B18.5D|Albaching]]  || 6./7.12.1864&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Edling_17..2F18.11.1865.5B21.5D|Edling]] || 17./18.11.1865&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Griesst.C3.A4dt_17..2F18.1.1866.5B25.5D|Griesstätt]] || 17./18.1.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 150-200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Bruckhof_7..2F8.2.1866.5B27.5D|Bruckhof]]  || 7./8.2.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-60 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Evenhausen.2C_23..2F24.2.1866.5B32.5D|Evenhausen]]  || 23./24.2.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demgegenüber nahmen an den Treiben im Umkreis des Bezirksamts Wasserburg teil:&lt;br /&gt;
{|class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Schechen_30.9..2F1.10.1865_.5B19.5D|Schechen]] || 30.9./1.10.1865&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 150 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Hohenlinden.2C_Bezirksamt_Ebersberg.2C_Bezirksamt_Wasserburg_13..2F14.1.1866.5B24.5D|Hohenlinden]]  || 13./14.1.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-70 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Hintsberg_bei_Steinh.C3.B6ring_15..2F16.2.1866.5B28.5D|Hintsberg]] || 5./6.4.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 20-25 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Versuchtes_Haberfeldtreiben_in_Rosenheim_29.10.1866.5B38.5D|Versuch Rosenheim]] || &amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#S.C3.B6chtenau_Bezirksamt_Rosenheim_14..2F15.2.1867.5B40.5D|Söchtenau]]  || 14./15.2.1867&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-80 Mann&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Es fällt auf, dass die Teilnehmerzahlen an den Treiben außerhalb des Bezirksamts weit geringer waren als bei den Treiben innerhalb des Amtssprengels. Die Vermutung liegt nahe, dass die aktiven Haberer im Bezirksamt nicht mehr als 50 bis 100 waren. Sie hatten die Treiben außerhalb des Amtssprengels zu beschicken, da man ja im eigenen &#039;&#039;Gäu&#039;&#039; nicht teilnahm, um keinen Verdacht zu erregen. Hingegen war die Zahl der aktiven Haberer aus den Bezirksämtern Ebersberg und Rosenheim viel größer. Sie konnten eher ungefährdet die Treiben in den auswärtigen Bezirksamtsbereichen besuchen. Wohl erstmals 1864 werden Zu- oder Abzüge aus dem nördlichen Teil des Amtsgerichtsbezirks verzeichnet und ein angeblicher Teilnehmer aus Emmering verdächtigt. 1866 wird für Bruckhof, wie schon vorher für Hohenlinden vermerkt, dass die Teilnehmer überwiegend junge Burschen wären, was dafür spricht, dass man nach dem &#039;&#039;Einschlafen&#039;&#039; des Brauches über fast 15 Jahre neue, junge Leute rekrutierte. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass bei keinem der sechs Wasserburger Treiben die Untersuchungen zu einem Ergebnis geführt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Haberfeldtreiben von 1893 bis 1905=&lt;br /&gt;
[[Datei:Miesbach.jpg|mini|Einschießen bei einem Haberfeldtreiben.]]&lt;br /&gt;
Wie auch im übrigen Oberland blieb es 15 Jahre lang ruhig. Im Zeitraum von 1867 bis 1882 fanden nur vier Treiben statt, eines davon in Rott am Inn,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 67.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Akten dazu sind verschollen. Der Brauch wird nun nachweislich von kriminellen Elementen missbraucht. Ab 1876 taucht der Name Hans Vogl auf. Dieser, Daxer-Wirt von Wall, war zu diesem Zeitpunkt bereits wegen groben Unfugs und 1875 wegen Erpessung vorbestraft. In seiner Wirtschaft treffen sich allerlei zwielichtige Gestalten, die sehr deftigen Treibtexte werden nun vervielfältigt und anschließend verkauft. Sein Bruder Joseph Vogl wurde wegen Verteilung obszöner Schriften 1887 zu mehr als fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Ab 1882 sind wieder mehr Treiben zu verzeichnen, zunächst aber nicht im Landgerichtsbezirk Wasserburg. 1886 wurde der Daxer als Haberfeldmeister abgesetzt und es übernahm Thomas Bacher, Bräuknecht in Feldkirchen, das Amt des Haberfeldmeisters. Die Treiben bis Oktober 1893 gehen auf seine Rechnung. Allerdings gelang es ihm nie, sich im Bund gegen die Umtriebe des Daxer durchzusetzen. Immerhin stieg die Teilnehmerzahl unter seiner Führung von 30-40 Mann langsam wieder auf etwa 200, wie in Valley 1893. Vermehrt findet man nun Plakate mit Ankündigungen von Treiben, ohne dass diese dann auch stattfinden oder Pasquillen mit Schmähversen meist obszönen Inhalts. Das &#039;&#039;Einschießen&#039;&#039;, das ist das scharfe Schießen in die Fenster von Wohnhäusern bei Nacht nimmt zu und wird den Haberfeldtreibern angelastet. Bleibt noch anzumerken, dass im Februar 1889 im Anschluss an ein Festschießen der Zimmerstutzen-Schützengesellschaft &#039;&#039;Schützenlust&#039;&#039; im Wasserburger Danningersaal ein Tanzkränzchen &#039;&#039;mit Preisverteilung und Haberfeldtreiben&#039;&#039; stattfand.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Nachrichten|o.V., Nachrichten]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde das &#039;&#039;Treiben&#039;&#039; zu einer Unterhaltungsnummer. Schon im November 1892 gibt es Gerüchte von einem Haberfeldtreiben, das in Rott stattfinden sollte. Grund war ein an die dortige Gendarmerie gerichtetes Schreiben vom 10. November 1892:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Rott.jpg|mini|Ankündigung Haberfeldtreiben in Rott.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wahrung.&amp;lt;br&amp;gt;Ich setzte Euch in Kentnis, am Sontag den 13ten November Nacht nach Rott die Haberer kommen, Es sind uns über 180 Mann. Wir warnen Euch zum Glück, daß Ihr Gendarme keinen Schuß hören läßt, sonst wird Ihr Euch putzen. Die Rother müssen wir das Sünden-Register verlesen, an Euch kommt kein Wort. Dinamit werden 35 geworfen, daß Nigelstinn Regent. Wenn ein Schaden gemacht, der wird zehnfach vergüdet, also sind ein wenig gescheid.&amp;lt;br&amp;gt;Mit Gruß&amp;lt;br&amp;gt;Hauptmann&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Im Oktober 1893, in der gleichen Nacht, in der das große Haberfeldtreiben in Miesbach stattfand, bei dem es zu einem Schusswechsel mit mindestens zwei Verletzten kam, gab es nach 19 Jahren wieder einen Auftritt der Haberer im Landgerichtsbezirk Wasserburg:&lt;br /&gt;
==Emmering 7./8.10.1893&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28869|StAM, RA 1779/28869]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77819|StAM, LRA 77819]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nähe des Schustergaulstadels bei Aßling traf sich am späten Abend des Samstag, 7. Oktober 1893 eine größere Gruppe. Dort wurde zur Stärkung Bier getrunken, bevor man sich gegen elf Uhr nachts auf den Weg nach Emmering machte. Vorher zog man in Aßling vor das Haus des Bürgermeisters, vor das Schulhaus, das Bichlersche Gasthaus und vor den Pfarrhof, alles in mehr oder weniger straffer militärischer Ordnung, voran der Tambour. Schon bei dieser Vorversammlung gab es ein Gerücht, dass man verraten sei und das Treiben abbrechen müsse. Dies geschah offenbar nicht. Der Münchner Bote&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]].&amp;lt;/ref&amp;gt; spricht von 300 Teilnehmern, der Regierungsbericht von 70 Mann. Diese durchzogen zunächst den Ort Emmering und stellten sich etwa 100 m südlich des Ortes, auf einem Hügel in der Nähe des Pfarrhofes auf. Ein anderer Teil kam durch Hirschbichl, Emmering und Westerberg. Sie stellten sich im Halbkreis auf und schickten Vorposten aus, die auch Warnschüsse abgaben. Dann feuerten sie Gewehre ab und lasen Verse vor, die sich vor allem gegen:&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Krauthofer von Emmering richteten. Er predige streng, habe es aber selbst mit Frauenzimmern&lt;br /&gt;
* Der Bürgermeister Brunner und andere wohlhabende Einwohner wurden gerügt, weil sie ihre Söhne vom Militär losbringen wollten.&lt;br /&gt;
Weiter getrieben wurde:&lt;br /&gt;
* einer Wirtin, weil sie es mit dem Mühlburschen hätte&lt;br /&gt;
* Wirtsleuten von Emmering, Bruckhof und Schalldorf&lt;br /&gt;
* dem Reuth von Westerberg&lt;br /&gt;
* dem Birkmeier von Westerberg und seiner Dirne&lt;br /&gt;
* den beiden Lehrern von Emmmering und noch anderen&lt;br /&gt;
Immer wieder wurde gefragt &#039;&#039;Is wahr?&#039;&#039; und bekräftigt: &#039;&#039;Ja, wahr is!&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Glocken der Pfarrkirche wurden geläutet, sodass man kaum Gesprochenes vernahm. Gegen halb zwei Uhr erfolgte der Abzug nach einer Dauer von ca. eineinhalb Stunden. Etwa 100 Mann, die auch gegen drei Uhr früh durch Aßling zogen, riefen vor dem Gendarmerielokal: &#039;&#039;geht heraus ihr grünen Hund, wenn ihr einen Schneid habt, dann schießen wir euch nieder.&#039;&#039; Beim Wirtshaus des Bichler verlangten etwa 20 Mann Bier. Vermutet wird, dass die Teilnehmer aus Aßling und Schalldorf kamen. Als die Gendarmen gegen elf Uhr den Lärm vernahmen, gingen sie zum Bauern Kirchlechner von Aßling, dessen Knecht Hilarius Limberger aus Niklasreuth schon lange als Haberfeldtreiber in Verdacht stand. Er war nicht daheim, kam aber nach zwölf Uhr ganz echauffiert heim. Sein Alibi, er sei bei seinem Bruder gewesen, konnte widerlegt werden. Die weitere Untersuchung ergibt, dass Limberger beim Brauereiverwalter von Grafing (Kasperlbräu) zwei Fässer Bier (112 Liter) bestellt und auch erhalten habe (bessere Qualität). Die Fässer seien zwar noch nicht zurück, aber das Geld sei inzwischen angekommen, in einem Brief, unterzeichnet mit &#039;&#039;das Geheimcomite der Haberer&#039;&#039;. Darin steht auch, dass Limberger nichts wisse und völlig unschuldig sei. Er wird zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, seine Revision verworfen. Der Maurerpolier Ecker, der den Haberfeldtreibern auf seinem Heimweg von Emmering nach Kronau nachts um elf begegnete, gibt an, ihm sei bedeutet worden, er solle machen, dass er weiter komme, weil er das Feldgeschrei nicht kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling, Versuch eines Haberfeldtreibens  1894==&lt;br /&gt;
Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 76. verweist auf Akte Kreisarchiv München Sign. Das  AR III. (nicht auffindbar)&amp;lt;/ref&amp;gt; führt ein Treiben in Edling im Herbst 1894 an. Es handelt sich dabei wahrscheinlich nur um einen Versuch. Ca. 35 Haberer versammelten sich im Steinbucher Forst nahe Edling am 29. August 1894. Möglicherweise wurde dieses Treiben abgesagt, jedendalls gibt es keine Nachweise in den Akten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pfaffing, 24./25.11.1894&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 377916|StAM, AR 377916]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon in der Nacht von 10. auf 11. März 1894 wurden in Filzen, Gemeinde Pfaffing von 30-40 Personen über 100 Schuss abgefeuert. Anscheinend war ein Haberfeldtreiben beabsichtigt. 20-25 Personen zogen Richtung Lauterbach vorüber. Es wurden keine Knittelverse verlesen. Die Ruhestörer sollen aus Frauenneuharting und Jakobneuharting stammen (Bezirksamt Wasserburg). Bei Josef und Engelbert Guggenberger, Schmiedsöhne von Linden, wurden Waffen gefunden, der Verdacht, dass sie an dem Unfug bei Filzen beteiligt waren, konnte nicht erhärtet werden. Von 24. auf 25. November, von Samstag auf Sonntag nachts gegen ein Uhr verübten dann 70-100, nach anderen Berichten bis 150 Personen auf einer Anhöhe ca. 200 m südwestlich von Hilgen entfernt ein Haberfeldtreiben. Der Anmarsch erfolgte auf dem Kirchenweg von Rettenbach her. Einer ging mit der Laterne voran und der Zug kam gegen das Haus des Forstner Bauern. Der Bäcker Fischerfeier wurde durch Schüsse und Lärmen geweckt. Posten wurden aufgestellt. Einer fragte den Forster, ob er eine Maß Bier möge, erhielt aber keine Antwort. Dann stellte man sich auf und feuerte mehrere Schüsse ab. Knittelverse wurden verlesen, die sich gegen Bauern, Wirte und Brauer aus Hilgen und Pfaffing richteten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Einzelnen getrieben wurde gegen:&lt;br /&gt;
* den Bürgermeister Posch von Eschelbach&lt;br /&gt;
* den Gastwirt Windsperger&lt;br /&gt;
* den Bäcker Fischerfeier, ihm soll man den Beutel wegschneiden&lt;br /&gt;
* den Lehrer Forstner und&lt;br /&gt;
* den ehemaligen Pfarrer&lt;br /&gt;
* die Frau Windsperger von Pfaffing und&lt;br /&gt;
* die Frau Hefter von Pfaffing, zur letzteren soll der Dr. Müller von Rott öfters herausgekommen sein&lt;br /&gt;
* Der Kramer Englhard soll einmal mit dem Dr. Müller ins Raufen gekommen sein&lt;br /&gt;
Am Schluss erfolgte ein donnerndes Hoch auf den Prinzregenten und den Pfarrer. Der Abmarsch erfolgte über den Zellbach in den Ebersberger Bezirk Richtung Jakobneuharting. Verdächtigt der Teilnahme wurden:&lt;br /&gt;
* der Distriktsstraßenwärter Gabriel Eder aus Edling&lt;br /&gt;
* der Musiker Michael Wimmer von Attel&lt;br /&gt;
* der Gütler Heinrich Schillinger in der Filzen&lt;br /&gt;
* der Flaschenbierhändler Alois Litzlfelder von Hirschbichl&lt;br /&gt;
* der Flaschenbierhändlerssohn Heinrich Hofstetter aus Graben&lt;br /&gt;
* der Bauer Joseph Lippacher im Thal (Pfaffing)&lt;br /&gt;
* der Schuhmacher Adolf Siegelwallner, Aßling und&lt;br /&gt;
* der Tagelöhner Benedikt Eichner aus Schacha (Schachaweber)&lt;br /&gt;
Verdächtigt wurden auch Pfaffinger Bürger.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Nacht von 24. auf 25. November landete ein anonymer Brief beim Bezirksamt Wasserburg. Darin wurden für das Haberfeldtreiben in Paffing folgende Personen verantwortlich gemacht:&lt;br /&gt;
* Sigmund Killi in Buch, Gemeinde  Ferwach(?) , Bruder des Killi-Hausl (Inhaftiert)&lt;br /&gt;
* Gastwirt Thomas Fellner aus Bichl ebenfalls Gemeinde Ferwach&lt;br /&gt;
* und sein Bruder Gabriel Fellner von Rettenbach (ebenfalls Gemeinde Ferwach)&lt;br /&gt;
Etwa gleichzeitig wurde dem Bezirksamt von der Haftanstalt Laufen mitgeteilt, der dort wegen Haberfeldtreibens einsitzende Dienstknecht Stefan Hoiß aus Dettendorf habe einen Brief erhalten von dem aus der Haft entlassenen Johann Linhuber im Hart, Gemeinde Hochstätt (Bezirksamt Rosenheim), wonach im nächsten Herbst ein Haberfeldtreiben sattfinden solle. Sigmund Killi aus Buch, ein Bruder des Killi Hausl wurde verhört und bestritt seine Teilnahme. Er war schon gerichtsbekannt wegen eines Diebstahls in Hohenthann, zusammen mit Thomas und Gabriel Fellner. Alle drei wurden am 4. Juni 1897 (zweieinhalb Jahre später!) verhaftet. Der Bürgermeister von Feldkirchen hatte durch einen Boten einsagen lassen, welche Angaben sie vor dem Untersuchungsrichter zu machen hätten. Fischbacher Joachim, Dienstknecht Gemeinde Ramelberg (=Ramerberg) bestreitet ebenfalls seine Teilnahme. Auch beim Steinhöringer Treiben sei er nicht dabei gewesen, da habe er einen Brief gekriegt. Er hat für beide Nächte kein Alibi und ist bei der Vernehmung sehr aufgeregt. In einem anonymen Brief werden der Scheuerl von Böckmühl und der Windsperger von Pfaffing als Anstifter genannt. Der siebenjährige Mühlhuber Pepperl erzählt in der Schule, sein Vater sei am Sonntagmorgen heimgekommen und habe erzählt, wie schön es beim Haberfeldtreiben gewesen sei und dass er es selbst gesehen habe. Mühlhuber wird verhört und erklärt, dass er nur im Besitz von einem Paar Stiefel sei, die er um die kritische Zeit beim Schuhmacher in Edling hatte. Am 13. August 1897 ergeht ein Einstellungsbeschluss.&lt;br /&gt;
In einem Zeitungsbericht vom 28. November 1894&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; heißt es, die Teilnehmer seien aus Aßling gekommen und auch dorthin wieder zurückgekehrt, sie seien:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;mit guten Hinterladern (Jagdgewehren) und Alpenglocken ausgerüstet gewesen. Zur Ehre der Haberer sei&#039;s gesagt, daß diesmal kein ausgelassenes Treiben, muthwilliges Schießen und Spektakelmachen, Sachbeschädigungen etc sondern ein formvollendetes Haberfeldtreiben stattfand. Der Haberfeldmeister hatte eine besonders hierfür gut passende, kräftige, weithin vernehmbare Stimme. Das Treiben galt anrüchigen Persönlichkeiten und obwaltet darüber nirgends Zweifel, wem es gegolten, es wurde sozusagen mit der ganzen Gegend auf einmal aufgeräumt. Das Treiben wurde nicht gestört, die Gendarmerie kam zu spät, das Militär gar nicht. Nächstesmal bei Grafing.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling, 30./31.3.1895&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72639|BayHStA, MINN 72639]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77820|StAM, LRA 77820]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1789/28870|StAM, RA 1789/28870]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 30. auf 31. März 1895 kurz nach Mitternacht kamen ca. 80 Mann auf der Distriktstraße von Pfaffing her gezogen und liefen durch den Ort. Sie schossen vor dem Pfarrhaus mehrere Salven ab und drehten dann um, um sich auf einem brachliegenden Acker zwischen der Straße von Edling nach Pfaffing und dem südlich davon verlaufenden Feldweg, nur ca. 100 m südlich vom Schulhaus Edling aufzustellen. Eine große Anzahl von Schüssen wurde abgefeuert und Raketen angezündet. Die Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Expositus Sedlmaier&lt;br /&gt;
* den Lehrer Haimerl&lt;br /&gt;
* den Bahnmeister&lt;br /&gt;
* den Spanbrucker Sebastian Schmid von Edling&lt;br /&gt;
* den Windsberger, Bräu in Hart&lt;br /&gt;
* Sebastian Gschwendtner&lt;br /&gt;
* die Huasbäurin&lt;br /&gt;
* die Schambacherin (Haushälterin von Georg Brand, Bäcker in Edling)&lt;br /&gt;
Der Wortlaut war allerdings kaum zu verstehen. Aus einer naheliegenden Scheune war eine Windmühle entwendet worden, mit der Lärm gemacht wurde, außerdem aus der Nähe Schragen und Bretter, aus denen für den Vorleser eine &#039;&#039;Rednerbühne&#039;&#039; errichtet worden war. Die Türen zum Kirchturm waren mit Papier verstopft. Das Treiben dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Rotte zog danach auf der Straße nach Hart ab. Auf dem Treibplatz fand man eine Menge Papierpfropfen, die zum Schießen verwendet worden waren. Das Papier stammte vom Ebersberger Anzeiger und ließ keine Rückschlüsse zu. Auch die vorgefundene Verpackung der Raketen mit der Aufschrift &#039;&#039;Heinrich Bungs Nachfolger, Balanstraße 8&#039;&#039; führt trotz gestellter Nachfrage bei der Firma nach Bestellungen aus der letzten Zeit zu keinem Ergebnis. Nach längeren Untersuchungen wird Karl Kleinschwäger festgenommen. Er soll in Pfaffing (November 1894) dabei gewesen sein und Haberfeldmeister und Vorleser in Edling gewesen sein. Er gibt schließlich zu, in einem Wirtshaus Verse aufgesagt zu haben, welche aber von 1865 stammten und dortmals abgesungen worden seien. Ein Strafverfahren wird gegen ihn in Traunstein eröffnet, dessen Ausgang aber nicht in den Akten dokumentiert ist. Noch 50 Jahre später wurde im Reichenhaller Tagblatt&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberfeldtreiben|o.V., Haberfeldtreiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt; des Treibens gedacht, es war:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;in der Nacht vom 30. auf 31. März in Wasserburg, besonders in der Bahnhofsgegend, ein ununterbrochenes Schießen hörbar. Anderntags stellte sich dann heraus, daß in der benachbarten Ortschaft Edling um die angegebene Zeit ein Haberfeldtreiben stattgefunden hat, wohl da letzte in der Geschichte dieses oberbayerischen Fehmgerichtsbrauches.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Es hätten 60-70 Männer teilgenommen. Ein &#039;&#039;alter Haberer&#039;&#039; berichtet 60 Jahre später in der Wasserburger Zeitung&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das letzte Treiben|o.V., Das letzte Treiben]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus seinen Erinnerungen: Der Filzenwirt habe einen Teil der Haberer auf gefährlichen Wegen über die Riedener Filze geführt.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir lagen in tiefem Schlaf, als uns unser Vater weckte. &#039;Kinder, stehts auf! Im Dorf drübn deans Haberfeld treibn&#039;. Wir waren plötzlich hellwach und standen am Fenster. Von Edling herüber ertönte fürchterlicher Lärm. Einmal langanhaltende Schießerei, dann wieder blechernes Klappern, Schreien. Dröhnen wie von Paukenschlägen, dann ein Trompetensignal, und schließlich für einige Minuten Stille. Es war dies, wie man uns dann erzählte, jene Spanne Zeit, wo der Haberermeister jeweils ein Kapitel seines Sündenregisters verlas. Diese Lautskala wiederholte sich einige Male. Am nächsten Morgen aber waren wir schon früh auf dem Platz, wo das Treiben stattgefunden hatte. Zahlreiche Menschen standen umher in aufgeregten Gesprächen und ein beträchtliches Aufgebot von Gendarmen stellte umständliche Erhebungen an. Wir mußten alle Patronenhülsen, die wir aufgehoben hatten, abliefern und es lagen viele herum, Hunderte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steinhöring 26./27.10.1895&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77817|StAM, LRA 77817]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28864|StAM, RA 1780/28864]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon ein halbes Jahr später, in der Nacht von 26. auf 27. Oktober 1895, kurz nach Mitternacht zogen zwischen 30 und 50 Mann von der Oelmühle kommend durch das Dorf Steinhöring in Richtung Hintsberg und trieben auf einer Anhöhe von halb eins bis ein Uhr, während aufgrund einer Warnung die Gendarmen in Glonn zusammengezogen waren. Das Treiben galt:&lt;br /&gt;
* dem Pfarrer Hellmeier wegen Misshandlung seines Bruders, den er erschlagen habe und weil er die Weiber gern am Unterleib kuriere&lt;br /&gt;
* dem Bauern Josef Moritz in Hintsberg wegen Feindseligkeit mit seinem Nachbarn&lt;br /&gt;
* dem Bäcker Felix Stangl wegen Unregelmäßigkeiten beim Backen&lt;br /&gt;
* dem Posthalter (Post-Aigin) wegen Umgangs mit seiner Kellnerin&lt;br /&gt;
* dem Privatier Johann Brandmeier wegen Intimitäten mit dem Pfarrer&lt;br /&gt;
* der Bierbrau-AG Höfter wegen &#039;&#039;Plömbösiadarei&#039;&#039; (=Plempel-Siederei = schlechtes Bier brauen)&lt;br /&gt;
* zwei Lehrern wegen Hurerei, dem Cooperator&lt;br /&gt;
Die Schlüssellöcher der Kirche wurden verstopft, die Telefonleitung gekappt und Raketen abgeschossen. Ein Trompeter blies am Schluss &#039;&#039;was man aus Liebe tut&#039;&#039;. Verdächtigt als Teilnehmer wurden die Steinhöringer selbst, Zuzügler aus Frauenneuharting, Aßling und Schalldorf, außerdem der Bauer Xaver Baur aus Nicklasreuth (Gemeinde Aßling). Am 13. November 1895 erhält der Vorstand des Bezirksamts Ebersberg einen Schmäh - und Drohbrief bezüglich dieses Treibens. Der veröffentlichte Treibtext enthält weitere und zum Teil andere Vorwürfe als die im Treiben aufgezählten. In der Nacht vom 1. auf 2. November 1896 wurde in der Gemeinde Griesstätt ein Vorfall registriert, der wohl nicht als Haberfeldtreiben bezeichnet werden kann. Vier Burschen machten im Ortsteil Kettenham unbewaffnet Lärm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verhaftungswelle 1896=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Albaching.jpg|mini|Beabsichtigtes Haberfeldtreiben in Albaching, 1893.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im April 1896 war der Killi-Hausl, Sohn des früheren Haberfeldmeisters, aus Münster bei Glonn verhaftet worden. Er hatte sich vor Kameraden mit der Teilnahme an mehreren Haberfeldtreiben gebrüstet. In der Haft verriet er einem Zellengenossen gegenüber den Haberfeldmeister Thomas Bacher und viele seiner Genossen bei den Treiben von Sauerlach und Peiß. Einige konnten sich rechtzeitig nach Amerika und Kanada absetzen, viele wurden verhaftet und später verurteilt. Am 27. April 1896 startet die Gendarmerie Wasserburg eine Umfrage bei den umliegenden Gendarmeriestationen über stattgehabte Haberfeldtreiben&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und diesbezügliche Verhaftungen. Die Gendarmerie Zorneding meldet 15 Inhaftierte, Glonn sechs Verhaftete, aus Oberhaching wird ein Mann gemeldet, ebenso aus Aying. Höhenkirchen berichtet von sieben Festnahmen, Sauerlach meldet drei Inhaftierte. Fast alle gingen davon aus, dass weitere Verhaftungen folgen. Zorneding merkt an, dass die Informationen vertraulich zu behandeln seien,&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;indem auf höheren Auftrage die größte Verschwiegenheit beachtet werden soll. Erstaunlicherweise meldet die Station Miesbach Fehlanzeige mit dem Hinweis, dass wohl auch künftig keine Hoffnung bestehe, Verhaftungen vornehmen zu können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis des Amtsbezirks Wasserburg vom 23. Dezember 1896 sind 15 Festnahmen vermerkt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72659|BayHStA, MINN 72659]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Verzeichnis 3.jpg|mini|Verzeichnis zur polizeilichen Verfolgung von Haberern.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des Treibens in Steinhöring Oktober 1895:&lt;br /&gt;
* Wurmanstetter Balthasar, verh. Schmied in Rettenberg, am 19. Oktober 1896 inhaftiert, in Freiheit gesetzt nach sechswöchiger Haft infolge Geständnis&lt;br /&gt;
* Fellner Xaver, verh. Gütler, Bachleuten, Gemeinde Farrach, am 8. November 1896 in Rott festgenommen, sofort aufgrund Geständnis wieder in Freiheit gesetzt&lt;br /&gt;
* Neumaier Gottfried, Musiker von Rettenbach, am 23. November 1896 in Rott inhaftiert, nach einigen Tagen wegen Geständnis frei gelassen&lt;br /&gt;
* Fischbacher Joachim, Dienstknecht in Sindlhausen, wohnhaft in Mühltal Gemeinde Edling, verhaftet am 26. November 1896 in Rott&lt;br /&gt;
* Maierbacher Gabriel, lediger Taglöhner in Bichl, Gemeinde Farrach, festgenommen am 27. November 1896 in Rott&lt;br /&gt;
* Mühlbauer Bernhard, lediger Torsteher von Oberding, Gemeinde Erding, wohnhaft in Springlbach, Gde. Pfaffing, festgenommen am 20. Oktober 1896 in Albaching&lt;br /&gt;
* Eichner Benedikt, verh. Gütler aus Schacha, Gde. Farrach, nach Geständnis freigelassen&lt;br /&gt;
* Brucker Josef,  led. Dienstknecht von Grafing, Gde. Ebersberg, wohnhaft in Rettenbach, freigelassen nach Geständnis&lt;br /&gt;
* Sewald Bernhard, led. Wagner von Zellerreit, Gde. Ramerberg, in Haft behalten worden&lt;br /&gt;
* Schaber Georg, led., Langdorf Gde. Rott freigelassen nach Geständnis&lt;br /&gt;
* Winkler Marin, led. Bauerssohn von Langdorf, Gde. Rott&lt;br /&gt;
* Hüttl Blaius, led. Dienstknecht von Ast, Gde. Aßling, wohnhaft in Rott&lt;br /&gt;
* Weber Michael, lediger Bräubursche von Pölling, wohnhaft Schloß Hart, Gde. Edling&lt;br /&gt;
* Neumaier Nikolaus, verh. Torsteher von Moos, Gde. Pfaffing, nach Geständnis freigelassen&lt;br /&gt;
* Lippacher Josef, led. Bauerssohn von Thal, Gde. Pfaffing, der allerdings flüchtig sei&lt;br /&gt;
Bis Mai 1897 werden 94 Haberfeldtreiber zu Gefängnisstrafen verurteilt. Drei Viertel von ihnen waren ledige Burschen, die Verheirateten fast ausschließlich Arbeiter, Handwerker und Kleingütler. 57 waren zwischen 20 und 30, zwischen 30 und 40 immerhin 32. Etwa zwei Drittel waren Arbeiter, Knechte, Tagelöhner, also aus den unteren sozialen Schichten, zwölf Bauern oder Bauerssöhne waren gezählt. Bei dieser &#039;&#039;sozialen&#039;&#039; Zusammensetzung des Teilnehmerkreises, die so auch für viele vorhergehende Treiben gelten dürfte, ist es abwegig, den Brauch als &#039;&#039;letztes Aufbäumen der niedergehenden bäuerlichen Welt&#039;&#039; zu klassifizieren. Diese ersten strengen Urteile gegen die Hauptbeteiligten führten im bayrischen Parlament zu einer Debatte, bei der die Sozialdemokraten, speziell der in Miesbach aufgewachsene Parteichef von Vollmar für die Haberer eintraten und eine Amnestie forderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Letzte Treiben 1901 bis 1905=&lt;br /&gt;
Die darauffolgenden Treiben waren untaugliche Versuche, den Bund und seine Mitglieder zusammenzuhalten und ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Immerhin hatten die Polizei- und Gerichtsaktionen eine hohe Publizität zur Folge, in allen Deutschen Zeitungen wurde das Wort &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; bekannt gemacht. So ist es nicht verwunderlich, dass plötzlich in ganz Bayern und in Tirol &#039;&#039;Haberfeld getrieben&#039;&#039; wurde. Zahlreiche Hinweise von Berchtesgaden bis Weiden in der Oberpfalz und von Oberstdorf bis Passau schienen darauf hinzudeuten, dass man dort auch Haberfeld getrieben habe. Wie sich bei näherem Hinsehen herausstellte, handelte es sich um nächtliche Umtriebe von Burschen, meist ohne Verse, mit Zumauern der Haustür (Berchtesgaden) oder Mistwagen aufs Dach stellen (Tirol). Die Leute nannten alle nächtlichen Exzesse jetzt Haberfeldtreiben. Das Wort hatte hohen Bekanntheitsgrad, was genau dahinter steckte, wusste kaum jemand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pfaffing 18./19.5.1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das Volksgericht|o.V., Das Volksgericht]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Samstag auf Sonntag, 18./19. Mai 1901 fand - nach fünf Jahren Stille - kurz nach Mitternacht auf der Distriktsstraße von Pfaffing nach Rott vor dem Haus des Alois Lechner im Weiler Neuhäusl ein Haberfeldtreiben mit Schreien, Johlen und Schießen durch acht bis zehn Mann statt. Die Aufstellung erfolgte am Spiegelberg. Abwechselnd wurden Spottlieder gesungen und einige Knittelverse verlesen. Einer rief nach jedem Vers &#039;&#039;ist das wahr?&#039;&#039; und die anderen schrien &#039;&#039;ja, wahr is!&#039;&#039; Die vier Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Raab in Pfaffing (ein Vers) und den&lt;br /&gt;
* Privatier Lechner in Neuhaus (drei Verse)&lt;br /&gt;
Beiden wurde intimer Verkehr vorgeworfen. Das ganze dauerte nur zehn Minuten. Die Münchner Neuesten Nachrichten vom 22. Mai 1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das Volksgericht|o.V., Das Volksgericht]].&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten ausführlich. Es sei nun die Zeit gekommen, wo die ersten abgestraften Haberer die Gefängnisse verließen und schon ginge es wieder los. Die Heirat des etwa 70 Jahre alten Austragsbauern, Lechner, genannt der &#039;&#039;alte Steinharker-Jackl&#039;&#039; mit einer um mehrere Jahrzehnte jüngeren Frau sei vermutlich der Anlass gewesen. Die Verse hätten sich aber auch gegen den Pfarrer Josef Raab und den Lehrer Adalbert Führer in Pfaffing gerichtet.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die Haberer - etwa 30 Mann an der Zahl- brachten zum Schlusse ihres &#039;Volksgerichtes&#039; das über eine Viertelstunde währte, merkwürdigerweise auf den Kunstmühlenbesitzer Herrn Scheuerl und dessen Gattin ein &#039;Hoch&#039; aus und zogen sich dann wieder in der Richtung gegen Faßrain auf der Rettenbachertsraße ebenso lautlos, wie sie gekommen, zurück.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Gendarmerie wiegelt ab: &#039;&#039;es scheint ein spontaner Unfug zu sein&#039;&#039;. Auch der Bezirksamtmann meint, dies sei ein Racheakt einiger Burschen gewesen. Denn der Privatier Alois Lechner beobachtete von seinem Haus aus die Dienstboten des Kunstmühlbesitzers Stefan Scheuerl, mit dem er befreundet war und meldete ihm Faulenzer. Außerdem verhinderte er, dass ein Knecht vom Scheuerl mit seiner Tochter anbandeln konnte. Der Pfarrer gelte in der Gegend als &#039;&#039;nicht ganz normal (Verfolgungswahn). Auch die Münchner Neuesten bezeichneten den Pfarrer als &#039;&#039;etwas streng und nervös&#039;&#039;. Der Bericht, wonach auch der Lehrer von Pfaffing mit einbezogen worden sei, wurde dementiert. Aufzeichnung des Sergant Thomas Butsch:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77821|StAM, LRA 77821]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Verse von dem Haberfeldtreiben in Neuhaus (Pfaffing):&amp;lt;br&amp;gt;I. Was wird die Weberin von Neuhaus verübt ham, weils den Gemeindestier müssen hat ham&amp;lt;br&amp;gt;II. Die Filsenzens ist eine Schnalln, darum thuts dem Pfarrer von Pfaffing so gfalln&amp;lt;br&amp;gt;III. Der Jackl, (den Lechner meinend), sei ein rechter Stier...&amp;lt;br&amp;gt;nachträglich zeige ich noch an, daß eine eidliche Vernehmung der Bewohner der Röckmühle nicht von Erfolg begleitet sein dürfte, da sich der Verdacht jetzt wieder mehr nach Rettenbach und Zell, Gemeinde Frauenneuharting Gbz. Ebersberg richtet. Der Bauer Josef Schwaiger von Zell ist Jagdpächter verkehrt viel bei der in den Versen genannten Filsenzenzl, &#039;Kreszenz Schillinger in Filsen, Gde. Rettenbach&#039; u. hört man häufig, dass er mit derselben auch in intimen Verkehr stehen soll. Der Mann derselben ist seit einem Jahr schwer krank gewesen und wurde deshalb vom Herrn Pfarrer Raab in Pfaffing öfter besucht und dieser von der Ehefrau, wie sie selber angibt, ein Stück Wegs begleitet, wobei sie über die Genesung des Ehemanns gesprochen hätten. Es wird nun vermutet, dass deshalb eine Eifersucht entstanden, u. deshalb der Herr Pfarrer mit hineingezogen wurde. Scheuerl gibt glaubhaft durch Nachweis an, dass bei ihm ein großer Wechsel an Dienstboten ist, und deshalb ein Zusammenschließen derselben zu einem solchen Vergehen nicht leicht anzunehmen wäre, dagegen ist nicht ausgeschlossen, ob sich nicht schon dort bedienstet Gewesene unter den Tätern befinden. Dringend verdächtig ist wohl der ledige Dienstknecht Joachim Fischbacher bei dem Krämer Josef Engelhart in Rettenbach, jedoch führten die Recherchen in der Richtung gegen diesen und auch andere Verdächtige zu keinem Resultat. Die Recherchen werden fortgesetzt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Haussuchungen bei den Dienstboten verliefen ohne Ergebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ramerberg 12./13.10.1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberer in Ramerberg|o.V., Haberer in Ramerberg]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Im ersten Bericht über dieses Treiben heißt es, es habe &#039;&#039;vormittag um 12 ½ Uhr&#039;&#039; stattgefunden. Dies wird später korrigiert. Natürlich war es in der Nacht von Samstag auf Sonntag, den 12./13. Oktober 1901 gegen Mitternacht, als zwischen 15 und 25 Mann aus Richtung Rettenbach, Maierbach und vom Rotter Fußweg den Ort von Süden her durchzogen und mehrere Schüsse (aus einem &#039;&#039;Central-Feuer-Jagdgewehr&#039;&#039;) abgaben. Einer sagte: &#039;&#039;Nun Maxl, geh, jetzt kanns losgehen!&#039;&#039; Sie riefen dem Lehrer zu: &#039;&#039;die Haberer sind da!&#039;&#039; Bei Machnerhaus wurde Aufstellung genommen, von da zog man zum Schulsaal, Pfarr- und Schulhaus. Dort schrien sie: &#039;&#039;Raus, Ramerberg, die Haberer sind da! Raus, wenn ihr eure Schandtaten hören wollt!&#039;&#039;. In der Nähe der Kirche kehrten sie um und zogen ca. 250 Meter ins freie Feld zwischen Eich und Witterhof, wo sie Aufstellung zum Haberfeldtreiben nahmen und Vorposten aufstellten. Zuerst wurden Lieder gesungen und Raketen und Knallfrösche abgebrannt. Dann lasen sie im Scheine eines Lichtes Verse vor gegen:&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzer Grein in Wasserburg&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzer Kaiser in Rott und&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzer Windsperger in Schloß Hart&lt;br /&gt;
* der Gütler Sebastian Maier, Urban von Katzbach&lt;br /&gt;
* der Josef Sixt, Bauer von Hochstätt&lt;br /&gt;
* der Bauer Wurm und&lt;br /&gt;
* der Georg Gerer, Bauer von Ramerberg wurden des Verkehrs mit ihrer Magd beschuldigt&lt;br /&gt;
Dazwischen wurde gefragt: &#039;&#039;is wahr?&#039;&#039; Und geantwortet: &#039;&#039;ja, wahr is!&#039;&#039; Die Schlösser der Kirche waren verstopft, sodass man nicht läuten konnte. Die Nacht war sehr dunkel, der Vorleser ziemlich leise und es ging ein starker Wind, sodass die Bewohner kaum etwas verstehen konnten. Frösche und Raketen wurden abgefeuert, es fielen ca. 200 Schuss, aber es wurde nicht scharf geschossen. Am Ende wurde auf den Pfarrer ein Hoch ausgebracht und ein weiteres Treiben in Bachleiten angekündigt. Schließlich sangen die Treiber das Lied &#039;&#039;was man aus Liebe tut&#039;&#039; und zogen wieder Richtung Rettenbach, Maierbach nach Westen ab. Der Wasserburger Anzeiger&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberer in Ramerberg|o.V., Haberer in Ramerberg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; nahm sich des &#039;&#039;Miniatur-Treibens&#039;&#039; an und berichtetet:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Wind geht über die junge Saat und die übermütigen Burschen, die &#039;Haberer&#039; sind, weil des Gesetzes strafender Arm sie im Vorjahr nicht erreichte, um so kühner wieder am Werke. Die etlichen 15-20 Burschen, die dem in ihnen gährenden Unmut durch eine von Raketenschein verklärte matte Nachahmung des bekannten Oberlandbrauches Luft machten, sind in auswärtigen Blättern (gemeint ist das Münchner Neue Tagblatt) bereits auf 100 angeschwollen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Als Treiber vermutete man Angehörige der Gemeinden Frauenneuharting, Schalldorf und Aßling, vom Ebersberger Bezirk seien mindestens zehn Mann herbeigezogen und über den Zellbach wieder zurückgegangen. Als Haupträdelsführer wurde am 30. Oktober&lt;br /&gt;
* der Dienstknecht Johann Fischbacher, 47 Jahre von Sindlhausen, Gemeinde Hohenthann verhaftet, aber im Dezember wieder entlassen und&lt;br /&gt;
* Franz Weiß, verheiratet, 25 Jahre, Taglöhner von Rott genannt&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Furcht vor Ihrer Rache war groß&#039;&#039;, hieß es in den Bezirksamtsakten. Angeblich fand in Neuhaus bei Ampfing am 6. November 1901 ein Haberfeldtreiben statt, möglicherweise eines der vielen unwahren Gerüchte. Am 14. November kündeten Plakate um Ramerberg ein Haberfeldtreiben in Jakobneuharting an, auch in Rott oder Albachig sollte ein Treiben stattfinden. Es wurden sechs Mann Sicherheitswachen täglich von zehn Uhr bis drei Uhr früh (je zwei Mann) angeordnet. Außerdem durfte keine Tanzmusik mehr stattfinden. Dienstpflichtige Burschen wurden für zwei Monate eingezogen. Ab dem 18. November 1901 lag Schnee, es gab keine weiteren Treiben. In der Nacht von 1. auf 2. Oktober 1902 fand in der Gegend von Lampferding, Gde. Dettendorf (Landgericht Ebersberg) ein kleines Treiben statt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72659|BayHStA, MINN 72659]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77821|StAM, LRA 77821]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauenneuharting 23./24.9.1905==&lt;br /&gt;
Der Stationskommandant von Pfaffing meldet, es habe in den beiden Orten Jakobneuharting und Frauenneuharting je ein Treiben in der gleichen Nacht stattgefunden. Dies war wohl nicht ganz so. In der Nacht von 23. auf 24. September 1905, zwischen halb eins und ein Uhr nachts zogen etwa 60 bis 70 Mann, von Jakobneuharting kommend nach Frauenneuharting, lärmend und scheltend durch das Dorf. Am Schulhaus fielen die ersten Schüsse. Sie stellten sich ca. 150 m nordwestlich von Frauenneuharting auf, schossen und zündeten Raketen. Die Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Zeller Johann, Schlossbauer in Lauterbach&lt;br /&gt;
* den Stacheter Georg, verh. Gütler in Hochholz&lt;br /&gt;
* den Weber Josef, verh. Gütler, Steinkirchen&lt;br /&gt;
* die Lehrersfrau Elise Bichler von Olching&lt;br /&gt;
* eine Wirtstochter&lt;br /&gt;
* den Hegenreiner Paul, verh. Bauer in ...graben&lt;br /&gt;
* den Brunnhuber Josef, Maurer in Eschenlohe und&lt;br /&gt;
* den Benefiziat Anzenhofer von Fuhr&lt;br /&gt;
Man vermutete als Teilnehmer Mitglieder des Burschenvereins, denn der Benefiziat, ein Gegner des Tanzvergnügens, hatte einen neuen, katholischen Burschenverein gegründet. Die Kirchentür war zugeklemmt, der Telefondraht abgezwickt worden. Der Abzug erfolgte Richtung Tegernau und Aßling. Man befürchtete in diesem Jahr weitere Treiben, am 16. November schneite es jedoch heftig. Der bereits oben ([[#Edling.2C_30..2F31.3.1895.5B49.5D|Edling]]) erwähnte &#039;&#039;alte Haberer&#039;&#039; war bei diesem Treiben dabei und schildert es aus seiner Erinnerung 1956 in der Wasserburger Zeitung,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das letzte Treiben|o.V., Das letzte Treiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt; allerdings datiert er das Treiben auf September 1906, also ein Jahr später:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;In der Gemeinde, wo ich damals arbeitete, waren uns 7 Leute, die zum Kreis der Haberer gehörten. Gegen 10 Uhr abends brachen wir auf und trafen uns draußen am Waldrand, von wo wir uns gemeinsam auf denn Weg zum großen Treffpunkt der Haberergilde machten. Jeder hatte sein Gesicht mit Ruß geschwärzt oder eine schwarze Zipfelmütze mit Augenschlitzen über den Kopf gezogen. Und jeder hatte ein Gewehr umgehängt. Außerdem trugen wir weite, schwarze Mäntel und Schaftstiefel. Am Eingang zur Riedener Filze trafen wir auf eine andere Gruppe von Vermummten. Das Losungswort wurde gegeben: &#039;Jagerbluat&#039;. Und dann huschten an die 20 Gespenster über das weite, nächtliche Moor. Alte Haberer führten die Jungen. Es war ein langer gefährlicher Weg über wassergefüllte Gruben, an sumpfigen Gräben entlang, über schmale Stege und glitschiges Moos. Auf einer Waldlichtung in der Nähe des Dorfes Tegernau war der Sammelplatz für die Haberer. Es kamen an die Hundert zusammen. Unter dem Sternenhimmel der Herbstnacht entwickelte sich ein buntes Lagerleben. Mit viel Bier feierten wir das Wiederaufleben des alten Fehmgerichts. Dann wurden die Patronen verteilt und in langem Zuge marschierte die neuerstandene Haberergilde ihrem Ziel zu. Das hochgelegene Dorf Frauenneuharting im Landkreis Ebersberg, - von unserem Lagerplatz aus hatten wir ¾ Stunden zu gehen - war der Schauplatz des Treibens. Wir hatten Anweisung, beim Marsch durch das Dorf aus allen Gewehren zu schießen. Und als wir die ersten Häuser erreichten, es war etwa um Mitternacht, erhob sich eine so wilde Schießerei aus allen Gewehren, dass wohl kein Einwohner den Schlaf sich aus den Augen reiben brauchte. Aufgeschreckt eilten die Leute ans Fenster, das Vieh in den Ställen begann zu brüllen, Hunde bellten wild. Einige Haberer hatten rechtzeitig die vom Dorf wegführenden Telefonleitungen durchschnitten und die Schlüssellöcher der Kirchentüren mit Papier und Erde verstopft, so dass nicht die Gefahr einer Benachrichtigung der Polizei durch Fernsprecher oder Kirchenglockengeläut bestand. Und dann begann das eigentliche Treiben. Auf einer hochgelegenen Stelle des Ortsausgangs wurden im weiten Umkreis Doppelposten aufgestellt. Im Innern dieses Postenkreises befanden sich alle anderen Haberer. Der Haberermeister, eine kräftige, mächtige Defreggergestalt, bestieg einen bereitgestellten Wagen, einer seiner Männer leuchtete mit einer Laterne zur Verlesung des umfangreichen Protokolls. Der Meister verkündete mit weithin hallender, tiefer Stimme den Wunsch des Kaiser Karls, das alte Fehmgericht nicht aussterben zu lassen und fortan strenge Auswahl zu halten unter den Haberern, dass nicht wieder Verrat begangen werde. Dann kam das Sündenregister zur Verlesung. In derben Versen wurden viele Leute aus der engeren und weiteren Umgebung angeprangert. Und jeweils, wenn der Reim über einen Angeklagten des Fehmgerichtes zu Ende war, schrie der Haberermeister, noch gewaltiger seine Stimme erhebend, vom Wagen herab über die Menge der Haberer hin: &#039;Is des a wahr?&#039; Worauf wir alle zurückschrien: &#039;Ja, wahr is!&#039; Dann folgte ein wahres Höllenkonzert zusammengesetzt aus Schreien, Schüssen, dem Klappern von Kochdeckeln und eisernen Pfannen, dem Geplärr alter Pauken und Posaunen. Schließlich ertönte ein Trompetensignal und nun wurde wieder gegen einen anderen die gereimte Anklage erhoben. Es dauerte wohl eine Stunde lang, bis alle an der Reihe waren. Dann trat eine kurze Stille ein und zuletzt ertönte - es klang fast feierlich unterm Sternenhimmel der klaren Nacht - das alte Trompetensolo der Haberer. (Anmerkung: wohl das Lied: &#039;was man aus Liebe tut&#039;) Der Trompeter stand auf dem Wagen neben dem Haberermeister und seinem Gehilfen, der die Laterne hielt. Ringsum die vermummten Gestalten mit ihren Ruß- und Kapuzengesichtern, mit ihren weiten Mänteln, den Gewehren in der Hand, mit ihren Lärminstrumenten, den Pfannen und Tiegeln: ein wilder Spuk, eine Meute aus dunklen Vortagen, eine geheimnisvolle Versammlung, so schien es. Die letzte Haberergilde des Oberlandes. Nach dem Signal wurden die Posten eingezogen und vor dem Dorf verschwanden die Haberer lautlos in alle Richtungen. Wir nahmen unseren Weg wieder zurück über das Moor und es war der Morgen nicht mehr fern, als wir endlich in unseren Betten lagen. Lange forschte auch diesmal die Polizei. Aber alle hielten dicht. Keiner wurde erwischt. Das Treiben in Frauenneuharting im September des Jahres 1906 aber ist das letzte Haberfeldtreiben geblieben. Und ich muss gestehen - es freut mich heute noch, daß ich dabei war.&amp;lt;br&amp;gt;Ein (jetzt schon recht alter) Haberer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Treiben zwischen 1893 und 1905 sind bis auf das erste wohl mehr oder weniger verzweifelte Versuche, den Behörden den Trotz der Oberlandler zu beweisen und an einem Brauch festzuhalten, der bei der Mehrheit der Bevölkerung keinen Rückhalt hatte. Mehr als 70 Teilnehmer brachte man nicht mehr zusammen, in Pfaffing gerade mal acht bis zehn, in Ramerberg 15-25. Es waren nicht nur häufige Festnahmen, Verurteilungen und die drakonischen Strafen, die potentielle Teilnehmer abhielten, es war auch die Einsicht in weiten Kreisen der Bevölkerung, dass die aufgebrummten Nachtwachen, die Einberufung von Söhnen und Knechten zum Militär und nicht zuletzt auch die hohe Entdeckungsgefahr eine Unterstützung des Habererbundes nicht rechtfertigten. Es ist bemerkenswert, dass nach 1897 im Wasserburger Landgerichtsbezirk noch zwei Treiben stattfanden, im ganzen übrigen Gebiet der Habereraktivitäten nur vier (1902 in Dettendorf, 1905 in Frauenneuharting, 1906 Neukirchen/Weyarn, 1907 Oberwarngau). Die beiden Treiben waren auch sehr klein. Man kann aber vermuten, dass die geringe Zahl der Verhafteten und Verurteilten im Wasserburger Gebiet die verbleibenden &#039;&#039;Aktivisten&#039;&#039; eher begünstigte als in den Bezirken Ebersberg, Rosenheim und Miesbach, wo viele Familien von den Nachforschungen und Gerichtsurteilen betroffen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zusammenfassung des Wandels des Erscheinungsbildes=&lt;br /&gt;
Wenn man nun aus allen Berichten zu den 144 Haberfeldtreiben zwischen 1719 und 1922 herausdestilliert, was bei allen Treiben gleich ist, was also ein Haberfeldtreiben über diesen Zeitraum ausmacht, so sind es nur vier Komponenten: das Zusammenkommen mehrerer Burschen oder Männer, der Lärm, das Erscheinen bei Nacht, ein oder mehrere Opfer, denen die Versammlung gilt. Bei allen anderen beobachteten Erscheinungsformen ergibt sich kein einheitliches Bild. Immerhin kann man konstatieren, dass das Treiben früher, das heißt im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich einer weiblichen Person galt, dass vor ihrem Haus getrieben wurde und dass ihr in Versen oder in Prosa sittliche Vergehen vorgeworfen wurden. Dies, ohne dass die Teilnehmer bewaffnet oder vermummt gewesen wären oder sich zum Stillschweigen verschworen hätten. Ab etwa 1826 hat sich das geändert: man treibt vor dem Dorf mehrere Personen beiderlei Geschlechts, die Treibgründe liegen auch außerhalb der Sittlichkeit, meist werden Verse verlesen, die Teilnehmer sind bewaffnet und geschwärzt oder vermummt. Weitere Rituale, wie das Aufrufen fingierter Teilnehmer, die Legitimation im Namen Kaiser Karls vom Untersberg, der  militärische An- und Abmarsch in einheitlicher Tracht kommen erst ab etwa 1834 dazu. Noch später kann man dann das Anreisen mit Stellwägen oder auf Pferdefuhrwerken, das Brotzeitmachen und Biertrinken an Versammlungsorten und das Schießen auf Zuschauer oder auf die Häuser der Ortschaften feststellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unbelegt oder unwahr sind folgende Behauptungen, sie treffen weder für die ältere wie für die jüngere Periode zu:&lt;br /&gt;
* Teilnehmer waren &#039;&#039;nur alt eingesessene Bauern mit bestem Leumund&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Treiben sind reine &#039;&#039;Herbstgerichte&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Gerügte Vergehen liegen &#039;&#039;außerhalb des polizeilichen Strafrechts&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Für angeprangerte Vergehen muss ein Wahrheitsbeweis vorliegen&lt;br /&gt;
* Treiben wurden vorher angekündigt&lt;br /&gt;
* Opfer wurden im Hemd aus dem Haus geholt, in ein Bocksfell gesteckt, auf den Misthaufen gestellt&lt;br /&gt;
* Maskierungen, Larven, Verkleidungen (ursprünglich gar nicht, dann nur Schwärzen und Wergbärte, (wie auch  beim Wildern))&lt;br /&gt;
* nie hat ein Haberer einen anderen verraten&lt;br /&gt;
* Wiedergutmachung des Schaden (in den seltensten Fällen)&lt;br /&gt;
* Haberer als prinzipielle Gegner des Zölibats&lt;br /&gt;
* Haberer als Verfechter sozialer Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
* Karl der Große als Gründer: (erst im 19. Jh.)&lt;br /&gt;
* Haberer als die &#039;&#039;Kerntruppe&#039;&#039; des Sendlinger Bauernaufstands&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Woher kommt der Ausdruck &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; oder &#039;&#039;ins Haberfeld treiben&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Nach dem, was wir jetzt über die ursprüngliche Form des Brauches wissen, können wir sagen, woher der Ausdruck nicht kommt:&lt;br /&gt;
* Das ethymologische Wörterbuch der deutschen Sprache&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kluge, Etymologisches Wörterbuch|Kluge, Etymologisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; stellt eine Verbindung zu lat. &#039;&#039;caper&#039;&#039;, der Ziegenbock her: &#039;&#039;haparfell&#039;&#039; sei das Bocksfell, in das das Opfer wie bei der mittelalterlichen Friedloslegung gezwängt worden sei. Simrock&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Simrock, Deutsche Mythologie|Simrock, Deutsche Mythologie]].&amp;lt;/ref&amp;gt; meint, die Treiber hätten das Opfer im Bocksfell umtanzt. Vermummung mit Fellen ist nicht nachweisbar.&lt;br /&gt;
* Haberfeld soll man als &#039;&#039;aperes&#039;&#039; Feld, also als offenes oder abgeerntetes Feld verstehen, auf das man das Opfer treibt. Oder &#039;&#039;aper&#039;&#039; wird auf das Opfer bezogen. das sich eine Blöße gibt, also aper wird. Oder &#039;&#039;Feld&#039;&#039; soll die Bedeutung von &#039;&#039;Thing&#039;&#039; haben, das Haberfeld also ein offenes Gericht sein. Die gerichtsähnlichen Beiwerke kamen aber erst im 19. Jahrhundert zum Brauch. Auch die Deutung &#039;&#039;aper feld&#039;&#039; als &#039;&#039;schneefreies Feld&#039;&#039; lässt sich ausschließen. Die Treiben fanden während des ganzen Jahres statt.&lt;br /&gt;
* Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; verweist auf Hans Sachs, in dessen Fastnachtsspielen findet man den Begriff &#039;&#039;jemanden auf die Haberwaid schlagen&#039;&#039;. Und zwar wird dort ein Mädchen von einem Burschen &#039;&#039;auf die Haberwaid geschlagen&#039;&#039;, wenn er sie zuerst geschwängert und dann verlassen hat. Der Ausdruck würde demnach nicht den Lärmaufzug selbst, sondern die Ursache desselben bezeichnen. Das würde bedeuten, dass im Namen des Aufzugs seine Ursache steckt: Das Mädchen, das zuerst geschwängert und dann verlassen wird, das also von ihm &#039;&#039;auf die Haberwaid geschlagen&#039;&#039; wird, wird von seinen Altersgenossen verspottet und durch einen Lärmaufzug gebrandmarkt. Dies könnten auch die Beschreibung der Opfer bestätigen, die wir in frühester Zeit finden: &#039;&#039;seine clegers Tochter zum Spott&#039;&#039; heißt es in Vagen, in Parsberg ist es die Tochter der Sterzlbauers, &#039;&#039;weil sie ledigerweise ein Kind bekommen hatte&#039;&#039;, in Ginsham 1771 der im ledigen Stand Kindsmutter gewordenen Bauerstochter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Heimat des Haberfeldtreibens=&lt;br /&gt;
Das erste Treiben ist in Vagen 1716 nachgewiesen. Die Dynasten von Vagen, die Fagana, gehörten zu den fünf großen Edelgeschlechtern Bayerns. Ihr Sitz lag bei Feldkirchen, auf der sogenannten Altenburg. Ihre Nachfolger, die Grafen von Neuburg und Falkenstein beherrschten ein Gebiet, das die Kapitel Aibling und Miesbach beinhaltete, also von Tegernsee bis Rosenheim reichte. Nördliche Grenze war etwa die Mangfall, östliche der Inn. In der Tat fanden gerade in den frühen Perioden viele Treiben auf dem Hofmarkgebiet Vagen statt. Die Aussagen von 1716, dass das Haberfeldtreiben &#039;&#039;umb dise gegend sehr gebreichig&#039;&#039; sei und die von 1766, dass das Haberfeldtreiben vor allem um Aibling &#039;&#039;öffters vorbey&#039;&#039; gehe, bekräftigen die Annahme, daß dort einmal ein Zentrum des Brauches lag. Allerdings gibt es einen Hinweis aus dem Jahre 1670 von einem Vorfall in Straß nahe Samerberg, wo 17 Burschen vor das Haus des Bauern ziehen und einer ledigen Kindsmutter ein Lärmkonzert vollführen. In der Urkunde wird dieser Vorfall nicht als &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; sondern als &#039;&#039;Gedimmel&#039;&#039; bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;Haberer&#039;&#039; heute=&lt;br /&gt;
In Miesbach gibt es einen Verein der &#039;&#039;Haberer&#039;&#039; noch heute. Er hat sein Vereinsheim im Zentrum der Stadt und veranstaltet jedes Jahr ein Haberer-Fest, engagiert sich ausserdem im sozialen Leben der Stadt bei gemeinnützigen Aufgaben und beim Fasching. Wenn es die Politik gar zu bunt treibt, kommt er mit einem Treiben auch einmal nach München. In Bendiktbeuern wird jedes Jahr im Fasching ein Haberfeldtreiben veranstaltet, bei dem Leute aus dem Ort auf die Schippe genommen werden. Und auch in Brasilien, in Porto Alegre, haben bayrische Auswanderer einen &#039;&#039;Haberer-Verein&#039;&#039; gegründet, in dem deutsches Brauchtum gepflegt wird, der aber auch seit vielen Jahren als Sportverein fungiert. In vielen bayerischen Filmen (z.B. &#039;&#039;der Müllner Peter von Sachrang&#039;&#039;) sind Haberfeldtreiben &#039;&#039;eingebaut&#039;&#039; worden, weil sie sich spektaluär inszenieren lassen, ob sie nun in die Handlung passen oder nicht. Und Haberer-Songs (von Hans Schoierer oder der Gruppe Sparifankerl) gibt es mittlerweile auch. Das &#039;&#039;Derblecken&#039;&#039;, Krach machen, die Gaudi und das spöttische Aussingen liegt eben im bayrischen Blut und so lebt das Haberfeldtreiben auch heute noch, in anderer Gestalt fort.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Elmar Schieder}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Haberfeldtreiben&amp;diff=8886</id>
		<title>Haberfeldtreiben</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Haberfeldtreiben&amp;diff=8886"/>
		<updated>2020-04-28T15:52:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Elmar Schieder|Elmar Schieder]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Elmar Schieder]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Haberfeldtreiben im Landgerichtsbezirk Wasserburg&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben.jpg|mini|Akten zu Haberfeldtreiben im Bezirksamt Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; versteht man einen Spott- oder Rügebrauch im Gebiet zwischen Isar und Inn. Von einem harmlosen katzenmusikähnlichen Spott-Aufzug zu Beginn des 18. Jahrhunderts hat er sich zu einem kriminelle und geheimbündlerische Züge annehmenden Rügegericht gewandelt. Durch Literatur und Kunst idealisiert, wurde er im Nationalsozialismus als Beispiel hochstehenden germanischen Sittengefühls missdeutet. Ab dem  19. Jahrhundert bildeten die &#039;&#039;Haberer&#039;&#039; einen militärisch organisierten Geheimbund, um bei der Abhaltung ihrer nächtlichen Exzesse der behördlichen und polizeilichen Verfolgung zu entgehen. Als aber ab 1892 mehrere Mitglieder aus Gefallsucht oder aus Rache ihr Schweigen brachen, wurden über 100 von ihnen gefasst und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Mindestens ebenso viele flohen vor der Verfolgung mit ihren Familien nach Nord- oder Südamerika. Die Bedeutung und Herkunft des Ausdrucks &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; ist nicht eindeutig geklärt. {{Anker|unverheiratetes Mädchen}}Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; verweist auf Hans Sachs, bei dem der Ausdruck &#039;&#039;jemand auf die Haberwaid schlagen&#039;&#039; mit der Bedeutung &#039;&#039;jemanden sitzen lassen, einen Korb geben&#039;&#039; zu  finden ist. Ursprünglich war das Opfer einer solchen Katzenmusik eine sitzengelassene schwangere Bauerntochter. Es könnte also durchaus sein, dass man diesen Vorgang, dass eine Frau, die von ihrem Liebhaber &#039;&#039;ins oder aufs Haberfeld getrieben&#039;&#039; wurde, öffentlich machte und ihn ebenso bezeichnete.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Artikel behandelt die Treiben im Zuständigkeitsbereich des ehemaligen Bezirksamtes/Landgerichtsbezirkes Wasserburg beziehungsweise in der unmittelbaren Umgebung dieser behördlichen Sprengel.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine wichtige Grundlage der Bearbeitung bildete dabei die Überlieferung zu den Haberfeldtreiben des Bezirksamtes Wasserburg, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Er bildet damit eine regionale Ergänzung des vom selben Autor im [https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Haberfeldtreiben Historischen Lexikon Bayerns] veröffentlichten Beitrags.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schieder, Haberfeldtreiben|Schieder, Haberfeldtreiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Weiterhin betreibt der Autor eine [http://www.Haberfeld-treiben.de Webseite], welche die Haberfeldtreiben in Oberbayern dokumentiert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schieder, Haberfeldtreiben Oberbayern|Schieder, Haberfeldtreiben Oberbayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erste Beschreibung eines Haberfeldtreibens  1716=&lt;br /&gt;
Die  erste, urkundlich belegte Information über das Haberfeldtreiben enthält ein Protokoll des Hofmarksgerichts Fagen vom  22.12.1716:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, BrPr 902|StAM, BrPr 902]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Hannß Steindl Kistler zu Fagn clagt Casparn Kolb Mezgern und Mathiaßen Holzer beide von Fagn dieselbe haben sambt mehr and. cons. am verwichen Herbst nit allein sein clegers tochter &#039;zum spot in das sogenante haber veld getriben, das ist mit allerhand iniuriosen, geschray, schnalzen und stain werfen sambt and. Rumorereyen veriebet&#039;, sondern auch ihmbe Cleger sein Holzschupfen eingerissen und ihm dardurch wenigstens pt:1 fl 30 k: schaden verursacht, umb dessen guetmachung er gehorsambst bittet, der straff nit massgebent.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Beschuldigten antworten, sie wüssten nichts vom Einreißen eines Schupfens, geben aber freimütig die Namen aller Beteiligten an, soweit sie diese in der Dunkelheit erkannt hatten.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;weillen aber solches haaber Veld treiben umb diese gegend sehr gebreichig, und durch solche possen niemand nichts proiudicirt würdt, dessen hoffen sye hierdurch nichts verworcht zuhaben, sondern bitten umb absolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
In den Briefprotokollen des Hofmarkgerichts Vagen von 1642-1802 findet sich zwar kein weiterer Eintrag über ein Treiben, aufgrund der Aussagen der Beschuldigten darf man aber annehmen, dass &#039;&#039;solche Possen&#039;&#039; in der Gegend des Mangfallbogens öfters verübt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Haberfeldtreiben hundert Jahre später=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte des deutschen Reiches Blatt 639 Wasserburg.jpg|miniatur|Das Gebiet um Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgerichtsbezirk Wasserburg lässt sich das Haberfeldtreiben erst über 100 Jahre später nachweisen. Allerdings hat es sich bis dahin entscheidend verändert. Ursprünglich galt es, ([[#unverheiratetes Mädchen|siehe oben]]) einem unverheirateten - vielleicht auch noch besonders stolzem - Mädchen, das ein Kind bekam oder bekommen hatte. Die Burschen und Männer aus seiner Nachbarschaft und näheren Umgebung verabredeten sich und zogen bei Nacht vor das Haus des Opfers, weckten es und veranstalteten fürchterlichen Lärm. Man kann - mit einem Fragezeichen versehen - die Darstellung noch erweitern: Den Lärm unterbrachen sie mehrmals, um Verse vorzulesen, die das Vergehen anprangerten. Spätestens ab 1824 gehen die Bezirksämter und die Gendarmerie gegen die Haberfeldtreiber vor. Nach einem Treiben in Maxhofen 1834 werden einige Teilnehmer aufgegriffen, die wiederum Namen von anderen Anwesenden verraten. Daraufhin verurteilt das Landgericht Wolfratshausen 43 Personen zu Arreststrafen und 32 zu Rutenhieben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28859|StAM, RA 1780/28859]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;Gefahr&#039;&#039; von außen bewirkt den engeren Zusammenschluss im Innern. Die Aktivitäten werden geheim vorbereitet und  mit einer ortsübergreifenden Organisation durchgeführt. Erstmals tritt der &#039;&#039;Haberfeldmeister&#039;&#039; in Erscheinung, der in einem Vers unter falschem Namen aufgerufen wird. Die Teilnehmerzahl hat sich erheblich vergrößert, die Teilnehmer rekrutieren sich nicht mehr wie früher aus dem Ort des Treibens, sondern marschieren von weiter her an, um keinen Ortsansässigen in Verdacht zu bringen. Das Treibgebiet weitet sich  über die bisherigen Grenzen, die in etwa dem Mangfallbogen entsprechen, aus, wohl auch, weil im &#039;&#039;Stammland&#039;&#039; die polizeiliche Verfolgung die Treiben wenn nicht verhinderte, so doch erschwerte. So findet im Juli 1834 erstmals ein Treiben im Landgerichtsbezirk Ebersberg, in Hohenthann statt. Die Teilnehmer kommen allerdings überwiegend aus der Aiblinger Gegend.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
König Ludwig I. gibt seine wohlwollende Haltung gegenüber den Haberfeldtreibern auf, verbietet mit Erlass vom 31. Juli 1834 den &#039;&#039;Exzess&#039;&#039; und droht den Gemeinden mit Einlagerung von Militär. Die königliche Regierung ordnete 1834 auch Militärexekutionen an, d.h. die Gemeinden mussten für die Einquartierung von 22 Soldaten über einen Zeitraum von 3 Monaten aufkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 2749a/3|StAM, AR 2749a/3]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zeigte Wirkung: 5 Jahre gab es keine Treiben mehr. Eine weitere einschneidende Veränderung ist, dass bei einem Treiben mehrere Personen beschuldigt werden. Als Folge davon wird (auch aus Sicherheitsgründen) nicht mehr vor dem Haus, sondern am Ortsrand getrieben. Auch richteten sich die Vorwürfe nicht mehr nur gegen eine weibliche Person, sondern zunehmend gegen mehrere und vor allem gegen Männer, und es ging auch nicht mehr nur um sexuelle Verfehlungen. So wurde das Treiben mehr &#039;&#039;Ortsangelegenheit&#039;&#039; als ein  &#039;&#039;Gericht&#039;&#039; gegen eine Einzelperson (1845 in Litzldorf wird erstmals in einem Polizei-Protokoll der Kaiser Karl erwähnt. Allerdings berichtet bereits Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]], 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;: &#039;&#039;Sie fahren wieder heim, so hört man wol sagen, zu ihrem Herrn, dem Kaiser Karl im Untersberg.&#039;&#039; Die Herleitung des Auftrags zum Haberfeldtreiben vom Kaiser Karl ist jedenfalls erst in dieser Zeit nachweisbar). 1848 erging ein allgemeiner Erlass an die Pfarrer und Kaplane der Gegend, bei den Treiben die Kirchenglocken zu läuten. Die Haberfeldtreiber verstopften daher vor den Treiben die Schlösser der Kirchen und Kirchtürme mit Lehm, Sand oder Werg. Dies war in vielen Fällen das einzige, aber zuverlässige Anzeichen dafür, dass ein Treiben beabsichtigt, aber kurzfristig abgesagt wurde. Die Haberfeldtreiber waren keineswegs die verschworene Gemeinschaft, als die sie in der zeitgenössischen Literatur und Presse dargestellt werden. Immer wieder drangen Informationen an Polizei und Gerichte durch, sagten Teilnehmer gegen andere Teilnehmer aus. Auch die Behauptung, sie würden niemandem etwas zuleide tun, lässt sich nicht aufrecht erhalten; es gab immer wieder durch Schüsse verletzte Zuschauer. Ab 1845 treten sie militärisch auf und tragen meist einheitlich Gebirgler-Tracht, d.h. Loden-Joppen und Stopselhüte. Mit geschwärzten Gesichtern und Wergbärten zur Tarnung, wie es auch bei den Wilderern Praxis war, treten sie allerdings schon ab 1766 auf. Wenn früher berichtet wurde, dass die Treiber &#039;&#039;wie aus dem Boden gewachsen&#039;&#039; am Treibort erschienen, so ziehen sie jetzt lärmend und zum Teil mit Musik in &#039;&#039;militärischer Ordnung zu zwei Gliedern&#039;&#039; an und ab. Dem Trupp voraus gehen zwei Späher, die bei größerem Polizeiaufgebot Alarm schlagen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die ersten Haberfeldtreiben im oder am Rande des Landgerichtsbezirks Wasserburg ab 1834=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Gartenlaube.jpg|mini|&#039;&#039;Das Gericht der Haberer&#039;&#039; von Philipp Sporrer.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Vorfall im Landgerichtsbezirk Wasserburg, der mit dem Haberfeldtreiben in Verbindung gebracht wird, ereignete sich in der Nacht von 26. auf 27. August 1834 in &#039;&#039;Prutting&#039;&#039;, am südlichen Rand des Landgerichtsbezirks.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehrere Burschen zogen kurz vor Mitternacht einen Pflug kreuz und quer durch ein 3 Tagwerk großes Rübenfeld und verwüsteten es gänzlich. Danach zogen sie mit heftigem Geschrei, Gejodel und vielmaligem Schießen durch die Gegend um Haidham und Langhausen. Es handelte sich wohl eher um einen Burschenstreich, der nur deshalb mit dem Haberfeldtreiben in Verbindung gebracht wurde, weil in diesem Jahr mindestens 7 mal getrieben worden war und daher in der Bevölkerung eine gewisse Alarmstimmung herrschte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Östlich des Inns fand ein richtiges Haberfeldtreiben erst 1848 in Söllhuben statt. Über den Inn und zurück kam man nur über Brücken oder mit Fähren, eine Kontrolle an solchen Nadelöhren war einfach und für die Teilnehmer aus dem Westen gefährlich. Die ersten Treiben im Landgerichtsbezirk Wasserburg fanden daher in Orten westlich des Inns statt. (Die Landgerichtsgrenzen verliefen damals vom südlichsten Punkt Leonhardpfunzen nach Osten zum Nordufer des Simsees bei Edling, weiter über Bad Endorf zum Chiemsee nach Gstaad, das Seeufer entlang bis Seebruck, von dort an der Alz entlang bis Ischl, dann nach Norden über Zeiling bis zum nördlichen Unterzarnham, schwenkte nach Westen und traf bei Au auf den Inn, diesem folgte sie bis Edmühle, verlief dann vom Inn weg nach Südwesten über Soyen und Buchsee bis Springlbach und wandte sich dann südlich an Schalldorf vorbei bis Feldkirch.)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#MDZ, Historischer Atlas Bayern|MDZ, Historischer Atlas Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Obwohl es nicht mehr im beschriebenen Landgerichtsbezirk Wasserburg stattfand, ist das nächste Treiben erwähnenswert, denn es zeigt, wie sich die Treiben nach Osten und Norden ausdehnten. Es fand in der Nacht vom 25. auf 26.10.1845 in Schechen, Gemeinde Hochstätt statt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, HFM Hohenaschau K4|StAM, HFM Hohenaschau K4]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 2843/2221|StAM, AR 2843/2221]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 50 bis 100 Haberfeldtreiber hatten sich auf einem unangebauten Feld vor dem Ort versammelt. Ein Vorleser stand auf einem aus Holzschragen errichteten Gerüst und las gegen mehrere Bauern des Orts &#039;&#039;aus den Lebensverhältnissen dieser Personen entnommene und ersonnene Vorfälle&#039;&#039; ab. Das Treiben soll fast 2 Stunden gedauert haben. Ein Abzug von ca. 30 Personen, die in Gebirgstracht (spitze Hüte, Gebirgsjoppen) auftraten, erfolgte nach Westen Richtung Karolinenfeld. Teilnehmer aus dem Wasserburger Bezirk waren wohl nicht dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rott am Inn 17./18.10.1846&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 3644|StAM, LRA 3644]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Ziemlich genau ein Jahr später findet dann das erste richtige Treiben im Gerichtsbezirk Wasserburg, und zwar bei &#039;&#039;Rott am Inn&#039;&#039; statt. Es gibt darauf nur indirekte Hinweise: in der Gegend von Schalldorf verlief die Nacht vom 17. auf 18. Oktober 1846 sehr unruhig, es wurden 20-25 Schüsse gehört und Burschen in kleineren Rotten gesehen, die durch die Nacht marschierten. Die Gendarmerie vermutete, dass in Schalldorf ein erster Treffpunkt für die Teilnehmer dieses Treibens in Rott gewesen sei. Da der Zuzug aus dem Westen kam, waren wohl keine Personen aus dem Wasserburger Bezirk aktiv am Treiben beteiligt. Ein Jahr später, 1847 soll dann laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 34.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Schalldorf ein Treiben stattgefunden haben. Dazu gibt es keine weiteren Hinweise in den Akten. Ein weiteres Treiben am Rande des Gerichtsbezirks Wasserburg wird in der Nacht von 24. auf 25. November 1848 aus &#039;&#039;Zaissering&#039;&#039; gemeldet. Beteiligt waren allerdings nur 20 bis 25 Mann.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 949|StAM, AR 949]], 146.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prutting 8./9.12.1850&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1777/28801|StAM, RA 1777/28801]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Zwei Jahre später veranstalten in der Nacht von 8. auf 9. Dezember 1850 etwa 40 bis 50 Burschen ein Treiben in Prutting. Der Zuzug erfolgt durch Riedering, das 8 Tage zuvor schon einen Habererdurchzug zum Treiben nach Hetzenbichl erlebt hatte. Es gibt dazu keine Schilderungen. Möglicherweise hat sich dort oder um Söllhuben ein kleiner Ableger der Habererorganisation gebildet, denn der Inn bildete immer noch ein Hindernis, das nur mit Gefahr zu überwinden war. Bis 1864 beschränkten sich die Aktivitäten der Haberfeldtreiber also auf den Süden des Gerichtsbezirks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Haberfeldtreiben von 1864 bis 1867=&lt;br /&gt;
Von 1852 bis 1861 fanden insgesamt nur 2 Treiben statt. Als es dann im Dezember 1861 wieder krachte und in den darauf folgenden 6 Jahren bis 1867 mindestens 37 Treiben, davon 6  im Wasserburger Bezirk stattfanden, war allerdings von einem &#039;&#039;alten&#039;&#039; Brauch des vorigen Jahrhunderts außer dem Namen und dem Lärmen nicht viel übrig geblieben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Haberfeldtreiber haben in diesen Jahren ihr Treibgebiet nochmals ausgeweitet, vor allem Richtung München (Aschheim, Ottendichl), aber auch nach Norden (Markt Schwaben, Finsing), Richtung Chiemsee (Stephanskirchen, Höhenmoos) und auch Richtung Wasserburg (Edling, Albaching). Die Teilnehmer nahmen zum Teil recht weite Fußwege in Kauf oder kamen mit Fuhrwerken angereist.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vor den Treiben wurden an den Treffpunkten dann ein oder mehrere Fass Bier geleert, wie an Versammlungsorten aufgefundene leere Bierfässer bezeugen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Gendarmerie ist noch aktiver - und vielfach erfolgreicher - in der Verfolgung der Treiber. Die Treiber werden -möglicherweise infolgedessen- militanter und radikaler. Sie schießen wahllos in die Ortschaften, ein Toter und mehrere Verletzte gehen auf ihr Konto. Aber auch auf ihrer Seite gibt es einen Toten und mehrere Verwundete.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Ihre Verse werden derber und zotiger, Treibgründe sind neben sexuellen Verfehlungen Brandstiftung, Bierpanschen, Diebstahl, Unterschlagung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Vorwürfe richten sich hauptsächlich gegen Männer, vielfach gegen Honoratioren und Amtsträger. Nur weniges ist nachweislich wahr und das liegt oft schon Jahre zurück.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Treiben selbst bieten über einen Zeitraum von bis zu zwei Stunden neben den äußerst deftigen Versen Attraktionen wie das Auftreten von Musikern und das Abschießen von Raketen. Mit scharfer Munition wird in die Luft und auf die Dächer der Orte geschossen. Dadurch steigen die Teilnehmerzahlen auf bis zu 200 Teilnehmer. Das militärische Marschieren (sich in der Gruppe stark fühlen), das Raketenabschießen, das Herumknallen mit scharfer Munition spricht auch dafür, dass es vor allem zu einer Belustigung der Teilnehmer diente  und dabei zu einer üblen Form, sich an unliebsamen Bürgern &#039;&#039;anonym&#039;&#039; zu rächen, mutierte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von einem &#039;&#039;ehrbaren Sittengericht&#039;&#039;, das &#039;&#039;Ausfluß ernster Volksjustiz&#039;&#039; sein sollte, kann jedenfalls spätestens jetzt keine Rede mehr sein. Die Ankündigung von Treiben, die dann nicht stattfinden, die Gerüchte um stattgehabte Treiben und ihre oft übertriebene Darstellung führen etwa ab 1863 zu einer fast schon hysterischen Angst. Der Landrichter von Rosenheim schreibt:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Bürgermeister von Aibling befürchtet nichts, aber die dortigen Beamten. Es wird in Wirtshäusern, Gewerbsläden und Privatzirkeln fast nichts mehr gesprochen als vom Haberfeldtreiben, es herrscht unter dem Volke eine wahre Haberfeld-Epidemie wie seiner Zeit beim Tischrücken, es werden hie und da absichtlich Lügen wie z.B. vom Haberfeldtreiben in Pfaffenhofen, Rott oder Vogtareuth verbreitet und sollen die letzteren beiden gerade am 14./15. d.M. (November) vorgefallen sein- an allem kein wahres Wort. Von dieser Furcht scheinen vor allem einige Beamtenkreise in Aibling befallen zu sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Mit dieser Furcht steigt auch der Widerstand der Bevölkerung, die den Unfug ob der verhängten Nachtwachen und anderer lästiger Strafen wie der Einlagerung von Soldaten ablehnt oder mit Läuten der Kirchenglocken versucht, wenigstens das Anhören der Verse zu verhindern. Wenn die Berichte davon sprechen, dass immer mehr ganz junge Burschen mitmarschieren, spricht das auch dafür, dass sich ältere Knechte und Bauern nicht mehr beteiligen wollen. Ziemlich genau im Zentrum des Treibgebietes liegt ein kleiner, versteckter Ort: Münster bei Egmating. Die Entfernung von dort zu den entlegensten Treiborten ist in Luftlinie kaum größer als 30 km. Dort sitzt vermutlich der damalige Haberfeldmeister, der Killibauer, später Bürgermeister von Egmating.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rott 10./11.11.1864&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28822|StAM, RA 1780/28822]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28823|StAM, RA 1780/28823]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28825|StAM, RA 1780/28825]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 963/12|StAM, AR 963/12]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
1864 kommen die Haberfeldtreiber in den Gerichtsbezirk Wasserburg, wieder nach Rott am Inn. Tatsächlich finden in der Nacht von 10. auf 11. November, Donnerstag auf Freitag 1864 zwei Haberfeldtreiben statt, in Zorneding und in Rott am Inn. Der Text der Verse und Beschuldigungen ist teilweise sogar identisch, nur auf verschiedene Personen bezogen. Die Gemeinde Schalldorf zeigte an, dass in Rott zwischen ¼ nach 12 und 2 Uhr etwa eine ¾ Stunde getrieben wurde. Mehr als 100 meist bewaffnete Personen stießen grobe Beschimpfungen gegen mehrere Ortsangehörige aus, vor allem wegen Vergehen in &#039;&#039;fleischlicher Beziehung&#039;&#039;. Die Haberfeldtreiber hatten sich im Karree aufgestellt, der Vorleser stand auf einer Art &#039;&#039;Bühne&#039;&#039; aus Brettern und Schragen, es wurde scharf geschossen, aber nicht gegen Rott. Es wurde eine Getreideputzmühle mitgeführt und mit Trompeten geblasen. Getrieben wurde namentlich gegen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Grob und seine Köchin&lt;br /&gt;
* den Posthalter Maier und seine Frau&lt;br /&gt;
* den Landarzt Berger und seine Frau&lt;br /&gt;
* den Schlossermeister Leu und seine &#039;&#039;Zuhälterin&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* den ehemaligen Gendarm Alois Weber&lt;br /&gt;
* den königlichen Revierförster Schrager oder Schreyer&lt;br /&gt;
* den Schneidermeister Zach&lt;br /&gt;
* den Wagnermeister Stöcker von Arbing&lt;br /&gt;
* den Gütler Jakob Alban von Rott,&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
wegen Hurerei, Ehebruch und Diebstahl. Der Brigadier Gottfried Höhn berichtet:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28822|StAM, RA 1780/28822]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Diese Bühne bestieg der Haberfeldmeister und hub an: Nun, ihr Rotter, ihr recht schlechten Leut, muß man so einen weiten Weg machen um Euch einmal die Wahrheit gehörig sagen zu können. Dann trug er seine Knüttel- und Sauglockenverse vor worüber dan die Haberer in die Hände klatschten, schrieen und lachten und so ihre Zufriedenheit kund gaben. Dabei wurden Gewehrschüsse abgefeuert. Die vorgetragenen Verse konnten nicht alle von den Zuhörern gemerkt werden, da die Haberer den Neugierigen sogleich über den Kopf schossen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Trotzdem konnte der Brigadier einige Verse sammeln:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Pfarrer von Rott geht gar nicht mehr aus&amp;lt;br&amp;gt;Weil er seine Köchin zu Haus muß mauß&amp;lt;br&amp;gt;Die Bauern von Grünthal die thuns halt nicht leiden,&amp;lt;br&amp;gt;Dass der Herr Pfarrer auf seiner Köchin tuth reiten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
(Der Pfarrer von Grünthal, Gericht Wasserburg, hat einen Bauernhof eine viertel Stunde von Rott entfernt, welcher durch seine Köchin, die früher in Grünthal war, verwaltet wird.)&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der &#039;Vorsteher&#039; rief: &#039;was ist denn das?&#039; Darauf die anderen: &#039;das ist eine Hur!&#039; und &#039;heraus mit der Hur aus dem Pfarrhof!&#039; Dann der Befehl: &#039;Alle in die Höhe schießen!&#039; und als die Leute näher kamen: &#039;Blei nei!&#039;, worauf scharf geschossen wurde. Der Posthalter, das ist ein Stier, muß jetzt seiner Dienzehlin (?)...Vater drei vier. Die Posthalterin, die Hur, zu der geht der Schneider Zach wenn ihr Mann ist fortgegangen.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schneider Zach ist ein grober Schnallner der hat dem Messner Xaver 300 fl aus dem K... aus gestohlen&amp;lt;br&amp;gt;Den Andren Kommandanten... wenn man hat wollen&amp;lt;br&amp;gt;hat man ihn bei der Frau Bengern(?) müssen abholen.&amp;lt;br&amp;gt;Der Gendarm Weber war bei der Wagnerin in Lehen oft geschwind&amp;lt;br&amp;gt;Dann habens ihn vertrieben, so schnell wie der Wind.&amp;lt;br&amp;gt;Der Kaufmann Resch war sonst ein ganz... Mann,&amp;lt;br&amp;gt;Hätt er nicht d`Goaß mit die Menscher verthan.&amp;lt;br&amp;gt;Der Förster ist mit seinen Holzknechten gar so grob&amp;lt;br&amp;gt;In anderer Beziehung aber ganz fein&amp;lt;br&amp;gt;Und thut seinen Stutzen der Stalldirn hinein.&amp;lt;br&amp;gt;Der Jakob Alban der Hebammen Sohn&amp;lt;br&amp;gt;Der maust seine Mutter, dann lauft er davon.&amp;lt;br&amp;gt;Am Schluß brachten die H. dem Brauereibesitzer Heim zu Rott ein Lebehoch. Aus der Mitte der Treiber&amp;lt;br&amp;gt;erschall die Stimme &#039;Warum denn dieses Hochleben lassen?&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;Weil die Rotter Lumpen ihn nicht mögen&#039; war die Antwort des ganzen Haufen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eine weitere Notiz in den Akten überliefert den Treibtext wie folgt:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Gemeinde Rott:&amp;lt;br&amp;gt;Der Kaiser Karl vom Untersberg schickt uns her&amp;lt;br&amp;gt;Die Leut zu bekern,&amp;lt;br&amp;gt;Jetzt losts auf jetzt könts was hörn.&amp;lt;br&amp;gt;1.&amp;lt;br&amp;gt;Der Posthalter der große Stier, er hat am bei der Dirn&amp;lt;br&amp;gt;geben a große Müah, jetzt derfer Sie... prahlen&amp;lt;br&amp;gt;weil er muaß bei der Bavaria 900 Gulden zahlen&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Es is guat dass a an großn Sach hatt. Der kann Wetten mehra&amp;lt;br&amp;gt;Da kann er brav Kinda macha, bei der Kellnerin darf er blos&amp;lt;br&amp;gt;200 Gulden zahlen und dös muaß aa öfters nach München fahrn&amp;lt;br&amp;gt;3.&amp;lt;br&amp;gt;Der Posthalter der werd morgn in d&#039; Stadt eine fahrn&amp;lt;br&amp;gt;Mitt seine Häuta, damit er kon die Haberfeldtreiber azagn&amp;lt;br&amp;gt;Den zu sein Weib kumt er erst den dritten Tag&amp;lt;br&amp;gt;Wo er die anderen all abgfürtischat&amp;lt;br&amp;gt;4.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schloßer Lau is aner der in Acht&amp;lt;br&amp;gt;Weil er der Harmann Lies a Kind hat gmacht,&amp;lt;br&amp;gt;Den däs is aber am Pfarrer a grad gleich&amp;lt;br&amp;gt;Den er hat bei seiner Köchin selber scho drei.&amp;lt;br&amp;gt;5.&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer ko nimma an d Kirch aufi gehen&amp;lt;br&amp;gt;Weil er allweil muaß bei der Köchin läng&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer macht sie beim Schloßer seiner gschicht nix draus&amp;lt;br&amp;gt;Weil er allweil selba sei Köchin maust.&amp;lt;br&amp;gt;6.&amp;lt;br&amp;gt;Die Gemeinde Grünthal hat am Pfarrer die Köchin vertriebn&amp;lt;br&amp;gt;weil er allweil auf da Köchin is grin (geritten)&amp;lt;br&amp;gt;7.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schneider Zach is gar a grober Zoln&amp;lt;br&amp;gt;Der hat de an Schulehrer Xaverl 200 Gulden aus an Kastn aussa gstohln&amp;lt;br&amp;gt;Den der Schneider hat zwar zlacha&amp;lt;br&amp;gt;Weil er da Posthalterin an Dep derf macha&amp;lt;br&amp;gt;9.&amp;lt;br&amp;gt;Der Rakerl is gar a guata, der thuats sein Wei&amp;lt;br&amp;gt;seiner Tochter und sogar seiner Eignen Muatta&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Weitere Verse sollen Bewohner der Gemeinde Hochstätt, Königliches Bezirksamt Rosenheim betroffen haben:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;1.&amp;lt;br&amp;gt;Beim Winkl in Riad is aa scho gfehlt&amp;lt;br&amp;gt;Weil er sein Weib a Geld aus Kastn aussa stehlt.&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Vom Barthl Gigling muaß enk a was erzähln&amp;lt;br&amp;gt;Der hats beim Pfarraschuasta d... Kuah ausam Stahl ausagstohln&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Auch Bewohner des Ortes Feldkirchen (südlich von Rott) wurden beschimpft:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;1.&amp;lt;br&amp;gt;Der Haringer in Dobl is a groba Doln&amp;lt;br&amp;gt;Der hat z&#039;Emmering da Muatta Gottes zwe Bayrisch-Thaller oba gstohln&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Vom Brandl z Lendorf kuaß i enk aa was sagn&amp;lt;br&amp;gt;der hat beim Six in sein Waschhaus an Kurz... Keffl hoam tragn.&amp;lt;br&amp;gt;3.&amp;lt;br&amp;gt;N Schaffler von Lendorf deaf ma nött vogeßn&amp;lt;br&amp;gt;Der hat amal unrecht n Habern vomeßen.&amp;lt;br&amp;gt;4.&amp;lt;br&amp;gt;S&#039; Stegrein vo Lendorf hat oana übern Schob einibong&amp;lt;br&amp;gt;Und hat oana Ihr 200 Gulden ins Loch einigschobn&amp;lt;br&amp;gt;Dös hätt i selber ned glaubt&amp;lt;br&amp;gt;Daweil ha oana zum Fenster einigschaut&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Z&#039;Lendorf müß ma a amal eiführn&amp;lt;br&amp;gt;Weil bei einer Franzosen thän sich einquartiern&amp;lt;br&amp;gt;Mir wollens zwar ned alsam nenna&amp;lt;br&amp;gt;Doch bei der Mäßl Resl woll ma anfnag nehma.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Schimpfwörter sind Lump = Stier Spitzbua Dieb&amp;lt;br&amp;gt;Schlechta Kerl = Hur Schlechts Mensch Hurenkerl etc.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Das Sturmläuten unterblieb, da der Pfarrer im Pfarrhof nicht aufmachte, obschon der Gemeindevorsteher mehrmals läutete. Angeblich sei kurz vor dem Treiben eine zweispännige Kutsche aus München eingetroffen, man mutmaßte, zwei Münchner Teilnehmer seien so angereist. Der Abzug von etwa 60 Mann erfolgte über Wurzach Richtung Schalldorf, etwa 15 Mann zogen über Arbing nach Lampferding. Dort und in Aßling wird auch der &#039;&#039;Herd&#039;&#039; der Haberfeldtreiber vermutet. Ein anderer Trupp von ca. 20 Mann ging Richtung Ramerberg und Rettenbach. Von zu Hause abwesend waren während der Nacht 5 Burschen, darunter:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Pankratz Reiser von Emmering, ein berüchtigter Haberfeldtreiber.&lt;br /&gt;
* Peter Maierbacher, der schon 1863 deswegen in Untersuchung war.&lt;br /&gt;
Die Haberfeldtreiber äußerten, man werde noch zweimal treiben, zu Ebersberg und zu Glonn, dann sei es für immer vorbei. Andererseits ging das Gerücht, es werde in Zorneding nochmals getrieben. Der Bezirksamtmann von Wasserburg meint: &#039;&#039;Das Haberfeldtreiben wurde nicht mit der sonst üblichen Vorsicht abgehalten, d.h. ein Aufstellen der Vorposten unterblieb.&#039;&#039; Die Untersuchungen in Rott und Umgebung verliefen ergebnislos. Die Abzüge nach Norden und die Verdächtigung eines Mannes aus Emmering zeigen, dass jetzt auch Teilnehmer aus dem Wasserburger Bezirk kommen. Bei der Schilderung des in derselben Nacht in Zorneding stattgehabten Treibens findet sich eine interessante Aufstellung über die Bewaffnung der aus Eglharting bei Kirchseeon kommenden Treiber:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36450|StAM, LRA 36450]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Josef Öttl, Bauer: starker Stock&lt;br /&gt;
* Anton Enzensberger, Bauer: Zwillingsgewehr&lt;br /&gt;
* Schmiedgeselle Steiner: Mistgabel&lt;br /&gt;
* Georg Gabriel, Knecht: Schießgewehr&lt;br /&gt;
* Leonhard Kaffy, Wirtsknecht: alter ungeladener Karabiner&lt;br /&gt;
* Josef Steiner: Asthacke&lt;br /&gt;
* Josef Lang, Bauer: alter langer Säbel&lt;br /&gt;
* Josef Kirchmaier, Zimmermann: Nachtwächterspieß&lt;br /&gt;
* Balthasar Müller: Mistgabel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Albaching  Landgericht Haag, Bezirksamt Wasserburg   6./7.12.1864&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/288633|StAM, RA 1780/288633]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28826|StAM, RA 1779/28826]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Etwa 200 Teilnehmer marschieren in mondheller Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 6. auf 7. Dezember 1864 singend und juchzend und mit großem Lärm von Zell und Ebrach kommend durch den südlichen Teil des Ortes. Voran geht einer, der mit einer großen Kuhglocke läutet. Sie marschieren dann heraus auf eine Anhöhe etwa 200 Schritt südlich vom letzten Haus des Ortes, auf dem das Haus des praktischen Arztes Dr. Zink steht und formieren etwa 50 Meter davor einen Kreis. Es werden Vorposten aufgestellt: &#039;&#039;Sämtliche Haberer bilden eine Kette und haben unter sich ein gewießes Losungswort:das ist Feldgeschrei. Wenn ein Schuss falle, werde der Ort &#039;geplündert&#039;&#039;&#039;, drohten sie. Der Vorleser stand in der Mitte des Kreises, ohne &#039;&#039;Tribüne&#039;&#039;. Es wurde geschossen und Raketen und Feuerräder kamen zu Einsatz. Die Verse von &#039;&#039;beispielloser Unflätigkeit&#039;&#039; richten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Wirt und die Wirtin Kässer von Albaching&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Franz Breitenacher&lt;br /&gt;
* den Kramer Hartmann&lt;br /&gt;
* den Bauernsohn Balthasar Zacherl von Ebrach&lt;br /&gt;
* die Schürflin in Einöden&lt;br /&gt;
* den Kistler Lorenz Fünfeder&lt;br /&gt;
* den Kramer Huber&lt;br /&gt;
* den Maier im Tal&lt;br /&gt;
* den ledigen Josef Edmüller&lt;br /&gt;
alle wegen unsittlichen Lebenswandels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Feuerwerk 3.jpg|mini|Verkaufsliste für Feuerwerk in den Akten des Bezirksamtes.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Ablesens stiegen viele Raketen hoch, es fielen etwa 60 Schuss. Am Ende schimpften sie nochmals auf die Wirtin Theres Kässer und verkündeten, dass jeder erlittene Schaden ersetzt würde, sie hätten 1000 fl. beisammen. Sie brachten ein Hoch auf den Pfarrer, den Kooperator und den Landrichter von Haag aus und drohten ein Treiben in Freimehring im nächsten Jahr an. Das Ende war gegen ¾ 1 Uhr. Der Abzug nach einer letzten Salve von 60 Schuss erfolgte &#039;&#039;schritthaltend und schweigend&#039;&#039; einerseits Richtung Ebrach, Steinhöring, Zell, der kleinere Teil Richtung Thal, Pfaffing und Rettenbach. Dabei wurde denen, die der Rotte folgen wollten, mit Erschießen gedroht, so dem Gemeindevorsteher von Utzenbichl. Am nächsten Morgen wurden wegen des gefrorenen Bodens und frischem Reif kaum Spuren gefunden, der Kreis, den sie gebildet hatten, hatte einen Durchmesser von 20-24 Schritt. Hülsen von Raketen und Feuerwerkskörpern lagen herum, Mitten auf dem Platz lag eine große, dicke Stange, wahrscheinlich verwendet zum Anbringen von Feuerrädern. Verdächtigt wurden Bewohner aus Jakobneuharting, Frauenneuharting, Tulling, Rettenbach und Pfaffing. Am 13.12.1864 wurden die ledigen Bauersburschen Georg und Balthasar Ruppersdorfer von Wiesham und Karl Deutschenbauer von Gasta(?) wegen dringenden Verdachts festgenommen, am Haberfeldtreiben zu Albaching teilgenommen zu haben. Von der Regierung von Oberbayern wurden Sicherheitswachen angeordnet. Am 31. März 1865 werden die Untersuchungen vom Bezirksamt Wasserburg eingestellt. Auch hier vermutete man Teilnehmer auch aus dem Wasserburger Bezirk, konnte aber keine Nachweise erbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schechen 30.9./1.10.1865 &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]], Ad 111,112./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36451|StAM, LRA 36451]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 30.9. auf 1.10.1865 kamen die Haberfeldtreiber nach Schechen. Gegen Mitternacht trafen einige Teilnehmer bei Au zusammen, einige kamen von Hochstätt und Rott her. Sie durchzogen juchzend den Ort Schechen und fassten auf einer Anhöhe westlich von Schechen Posten, wo sie sich weit ausbreiteten. Es waren insgesamt etwa 150 Teilnehmer. Auf der Anhöhe begann das Treiben mit der Vorrede, dass man nicht um zu schaden gekommen sei, sondern um Schandtaten aufzudecken, dabei wurde geschrien, geschossen und auf Bretter geschlagen. Die Knittelverse richteten sich hauptsächlich gegen:&lt;br /&gt;
* die Geißbauer (oder Heißbauer) Eheleute wegen unsittlicher und unredlicher Handlungen&lt;br /&gt;
* einen Prozeßkrämer&lt;br /&gt;
* den Joh. Mayer, Hafengutbauer, früher Gemeindevorsteher, dass er ein uneheliches Kind mit der Ganterbauerntochter gezeugt habe&lt;br /&gt;
* die Schloßbauerngeschwister Theres und Xaver Graner (?), dass sie zusammen Unzucht treiben&lt;br /&gt;
* den Quirin Holzmair, Hilgerbauer von Lochen, dass er bei seinen Dirnen schlafe aber aufgehört habe, weil sein Sohn sich diese zugeeignet habe,&lt;br /&gt;
* den Vorsteher Zobel&lt;br /&gt;
* den Lehrer von Hochstätt&lt;br /&gt;
Am Schluss ließ man den Pfarrer Weilhammer hoch leben. Für den Ort Schönegg bei Dietramszell, für die Stadt Rosenheim und die Märkte Tölz und Miesbach wurden Haberfeldtreiben angesagt. Der Abzug erfolgte in Richtung Rott, Tattenhausen und Hochstätt.&lt;br /&gt;
Die Regierung von Oberbayern (Frh. von Stein) weist darauf hin, dass die &#039;&#039;seit dem Jahre 1812 angewandten Maßregeln, ja selbst die Verurteilung der Gemeinde Lenggries in die Kosten erfolglos sind&#039;&#039;. Die Hoffnung, es werde der Unfug wegen mangelnder Sympathien im Volke von selbst aufhören, werde wohl in den nächsten 100 Jahren nicht erfüllt. &#039;&#039;Es ist eine bekannte Tatsache, dass die beurlaubten Soldaten beim Haberfeldtreiben eine Hauptrolle spielten.&#039;&#039; Daraufhin werden am 13.11.1865 205 beurlaubte Soldaten des Bezirksamts Rosenheim einberufen, obwohl keiner von ihnen irgendwie verdächtig ist. Allgemein wird noch berichtet, dass beim Haberfeldtreiben anfänglich ein Namensaufruf stattfinden soll, es würden aber nicht die Haberer selbst aufgerufen, sondern viele andere Namen, namentlich auch von Personen, welche ein Amt bekleiden. Einerseits, um über die Personen, welche wirklich Haberfeld getrieben haben, zu täuschen, andrenteils um sich durch die fingierte Teilnahme ein amtliches Ansehen zu geben. Laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; waren als Beteiligte festgestellt:&lt;br /&gt;
* der Gütler Johan Prager von Dichau&lt;br /&gt;
* der Bauernsohn Joseph Zacherl&lt;br /&gt;
* der Dienstknecht Joseph Walch&lt;br /&gt;
Verdächtig waren:&lt;br /&gt;
* der Daschelbauernsohn von Hochstätt&lt;br /&gt;
* Matthias Reiser&lt;br /&gt;
* Man wollte die Stimme des &#039;&#039;Still von Hart&#039;&#039; erkannt haben&lt;br /&gt;
Verdächtigt werden auch Angehörige der Gemeinden Lampferding, Feldkirchen und Rott, aber auch Personen aus Ebersberg und Wasserburg. Es seien auch Zuzüge jenseits des Inns erfolgt, &#039;&#039;so darf man die Angehörigen der Gemeinden vom rechten Innufer mit Ausnahme der 4 Gemeinden am Samerberg, Nußdorf, Neu- und Altbeuren nicht ausnehmen.&#039;&#039; Dies stellt ein Novum dar, denn damit kamen erstmals Treiber von Ost nach West über den Inn. Am 30.11.1865 werden weitere Maßregeln zur Verhütung von Haberfeldtreiben erlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling 17./18.11.1865&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36452|StAM, LRA 36452]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28830|StAM, RA 1779/28830]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Edling.jpg|mini|Haberfeldtreiben Edling - Einberufung von Soldaten.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Nacht von Freitag auf Samstag 17. auf 18. November 1865 gegen 12 Uhr zogen ca. 200 Bewaffnete durch das Dorf und nahmen in der Nähe des Steinbuchwaldes, etwa 8 Minuten außerhalb des Ortes Stellung. Sicherheitsposten wurden bis weit gegen das Dorf vorgeschoben, sodass vieles nicht zu verstehen war. Sie trieben gegen:&lt;br /&gt;
* den Bierbrauer Windsberger von Hart wegen schlechten und teuren Biers und Bierpanschen&lt;br /&gt;
* den Nikolaus Gehrer, zum Zettel, von Edling&lt;br /&gt;
* Maria Spanbrucker, Schmiedmeistersfrau von Edling&lt;br /&gt;
* die Fischerbäuerin von Edling&lt;br /&gt;
* den Bauern Maierbacher zum Feichtl von Breitbrunn, Gde. Edling&lt;br /&gt;
alle wegen unsittlichen Lebenswandels. Verse nach einer Aufzeichnung in den Akten Wasserburg:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Den Pfarrer von Attl habens in Nußdorf verjagt&amp;lt;br&amp;gt;Weil er die Tuchmacher Nanni von Aibling maust und da wird jetzt gsagt&amp;lt;br&amp;gt;Die Schmidin vo Edling hat gar ein feins Gsicht,&amp;lt;br&amp;gt;Hat sich Schulbuben mit 12 Jahren schon abgricht&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Fischerin von Edling gibt sich für a Betschwester aus&amp;lt;br&amp;gt;dieweil hat sie ihr Vater so sackrisch gemaust&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Schmied von Viehhausen ist a grober Zolln&amp;lt;br&amp;gt;der hat dem Lamprecht von Reising seinen Waschkessl gstohln&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Baron von Ebersber, der hat 200 Küah&amp;lt;br&amp;gt;Da wär der Brauer von Hardt als Stier recht guat füa.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Bräuer von Hardt, das ist ein großer Stier&amp;lt;br&amp;gt;drum bräut er auch so ein schlechtes Bier&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Den Forstwart Schmitt von Steinberg, der thuat kan guten rache (er raucht keine guten)&amp;lt;br&amp;gt;und thuts Holz vom Forst an Bräu zu Hardt verkafa&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Am Schluss brachte man ein Hoch auf den Expositus Geißler und den Lehrer Ramsauer aus. Der Abzug erfolgte Richtung Ebersberg und Rott. In einem anonymen Brief wurden mehrere Personen der Teilnahme beschuldigt, bei Haussuchungen stellte sich aber heraus, dass diese während des Treibens zu Hause waren. Hauptbeteiligte sollen die Reißerer Bauernsöhne des Lohmarerbauern aus Bruckhof gewesen sein. Ein Verzeichnis aller beurlaubter Soldaten wurde angefertigt und aus der Gegend 17 vom Militär beurlaubte Burschen eingezogen. Die Untersuchungen blieben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosenheim - Versuch eines Haberfeldtreibens 2./3.12.1865&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28832|StAM, RA 1779/28832]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 2. auf 3. Dezember 1865 versammelte sich eine große Schar von Haberern in Rosenheim in der Nähe des provisorischen Bahnhofs. Aus unbekannter Ursache (angeblich wegen des Ausbleibens eines erwarteten Zuzugs aus Au, Feilnbach und Irschenberg) unterblieb das Treiben. Zwei Wochen später lag in der Gegend ziemlich tiefer Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hohenlinden, Bezirksamt Ebersberg, Bezirksamt Wasserburg 13./14.1.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28833|StAM, RA 1779/28833]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36453|StAM, LRA 36453]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 3023|StAM, AR 3023]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Samstag auf Sonntag 13. auf 14. Januar 1866 gegen 12 Uhr zogen ca. 200 teilweise bewaffnete Mann (nach anderen Angaben nur 50 oder 70 Mann) auf dem Kirchweg in Richtung Kronacher auf einen Hügel ca. 300 Schritt östlich von Hohenlinden entfernt, vis-à-vis vom Posthaus, von wo aus man den Ort gut überblicken konnte. Ein erster Treffpunkt war schon am Baumerhölzl. Etwa 60 bis 80 Mann zogen von der Haager Straße her unter großem Lärm mitten durch den Ort und riefen &#039;&#039;auf ihr Lumpen!&#039;&#039; In &#039;&#039;gemeinster und unflätigster Sprache&#039;&#039; trieb man gegen:&lt;br /&gt;
* den Wirt Josef Sautreiber von Kronacher und&lt;br /&gt;
* den Wirt Josef Freindl von Pirka, beiden wegen Bierpanschens&lt;br /&gt;
* die Wirtinnen von Kronacher und Pirka&lt;br /&gt;
* den Kistlermeister Jakob Maier wegen Gewehrdiebstahls (soll 1831 gewesen sein)&lt;br /&gt;
* den Gütler Geibinger&lt;br /&gt;
* die Krämerin Dengler&lt;br /&gt;
* die Karrerin Rauch&lt;br /&gt;
* den Bader von Stocka&lt;br /&gt;
* einen Bauern von Keging&lt;br /&gt;
* den Wahlwirt von Neupullach&lt;br /&gt;
* den Bauern von Mutbach wegen Holzdiebstahls&lt;br /&gt;
* den alten Wirt von Peißendorf, er packe die Weiber auf dem Feld an&lt;br /&gt;
* den Thomabauern von Niederanzing, er packe die Dirnen in der Küche an&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Stadlberger und&lt;br /&gt;
* den Lehrer Schiessling von Hohenlinden wegen Unsittlichkeit.&lt;br /&gt;
Alle Vorwürfe seien vor  über 10 Jahren vorgekommen, urteilt die Gendarmerie. Auf den Pfarrer, den Posthalter und den Gemeindevorsteher wurde ein Vivat ausgebracht, &#039;&#039;weil sie`s haben wollen, daß wir kommen sollen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Das Schlüsselloch der Kirche war verstopft. Es wurde scharf geschossen, Kugeln prallten an Hausdächern und Häusern ab. Die einen haben Joppen getragen, die anderen Mäntel, woraus man schloss, die ersteren wären Öxinger oder Grafinger. Nach etwa einer ¾ Stunde zog man gegen Haag, Preissendorf, Bullach (Kreis Erding) Karlsdorf und Lindach ab. Zunächst hieß es, es werde in Ebersberg getrieben. Die beiden Gerüchteverbreiter waren der ledige&lt;br /&gt;
* Inwohnersohn Nikolaus Kübelbeck und&lt;br /&gt;
* der Mesnerstiefsohn Pauli von Oexing&lt;br /&gt;
Beide hätten letztes Jahr in Edling teilgenommen und letzterer sei dabei an einer Hand verwundet worden. Verdächtig waren auch einige ledige Burschen, alle aus Hohenlinden:&lt;br /&gt;
* Johann Maier&lt;br /&gt;
* Andrä Eberl&lt;br /&gt;
* Zenon Greiml&lt;br /&gt;
* Hermann Heumeier&lt;br /&gt;
* Simon Halbinger&lt;br /&gt;
* Anton Meisler&lt;br /&gt;
Der Hochzeitslader und Schreinergesell Andreas Knappich erzählte dem Sohn des Vorstehers von Hintsberg unlängst (vor dem Treiben in Hintsberg) er sei in Hohenlinden Haberermeister gewesen. Da der Treibort genau an der Grenze zwischen den Amtsgerichtsbezirken Ebersberg und Wasserburg lag, gab es Streitigkeiten zwischen den Behörden um die Zuständigkeit bei der Aufklärung. Die Behörden sprachen von einer &#039;&#039;Nachäffung des Haberfeldtreibens, von einzelnen Kundigen angeführt und geleitet, von Burschen des Haager und Wasserburger LG ausgeführt&#039;&#039;. Es seien keine Teilnehmer verlesen worden, keine Lärminstrumente, z.B. Windmühlen, benutzt worden, die Teilnehmer seien junge Burschen gewesen, auch der Anführer habe eine ganz junge Stimme gehabt und geschrien &#039;&#039;Buabn juchatzt&#039;&#039;. Man vernahm Rufe wie &#039;&#039;Schützenkompanie&#039;&#039; und &#039;&#039;Schützen marsch&#039;&#039;. Ausserdem wurden bestimmte Personen, die eigentlich bedacht werden mussten, nicht erwähnt. Der Lärm wurde vor allem durch Geschrei und Schlagen auf Bretter erzeugt, nicht durch Musikinstrumente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Griesstätt 17./18.1.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28838|StAM, RA 1779/28838]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon 4 Tage später trieben 150 bis 200 bewaffnete Mann in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, vom 17. auf den 18. Januar 1866 von 12 bis 1 Uhr 120 Schritte von dem letzten Haus des Ortes nach Norden gegen Altenfahrens zu wegen &#039;&#039;gemeiner Verbrechen als Mord und Diebstahl&#039;&#039; und &#039;&#039;Vergehen in fleischlicher Beziehung&#039;&#039;. Sie kamen in einem Zug von mindestens 100 Schritt Länge von Vogtareuth her und zogen durch den Ort Griesstätt mit Schreien und Johlen. Einer ging mit einer großen Kuhglocke läutend voraus. Sie trugen Joppen und Gebirgstracht, genaueres war wegen der finsteren Nacht nicht erkennbar. Dem Gang nach zu urteilen seien es überwiegend alte Männer gewesen. Auf einem Acker neben der Straße Wasserburg-Rosenheim nahmen sie in einem Kreis Aufstellung. Aus dem Stadel des Ortsvorstehers hatten sie eine Windmühle weggenommen. Der Vorleser stand auf 2 Brettern, die über 2 Schragen gelegt waren. Nur etwa 10 Bewohner gingen aus dem Ort, um zuzuhören. Ihnen wurde mit dem Ruf &#039;&#039;zurück!&#039;&#039; Einhalt geboten. Der Vorleser hatte eine sehr raue Stimme, sodass man kaum etwas verstehen konnte. Allerdings macht einer der Zuhörer dann doch sehr genaue Angaben:&lt;br /&gt;
* Dem Wasenmeister Franz Pältl zu Erbaum sei ein Mord vorgeworfen worden. &#039;&#039;Dem Erbaumer dem muaß ich heut sagn, der hat seine Vorfahren ins Wasser einigschlagn&#039;&#039;. Das betreffende Ereignis sei allerdings schon 5-6 Jahre her, damals habe man Alois Hart tot gefunden.&lt;br /&gt;
* dem Josef Klarner sei ein Brand zu Griesstätt vorgeworfen worden, der im Jahre 1844 stattfand.&lt;br /&gt;
* dem Simon Niederlechner, Hinterhiermeier Bauer und reicher Witwer, wurde vorgeworfen, er habe die Lehrerstochter geschwängert: &#039;&#039;Der Hirmeierbauer will Schulmeister von Griesstätt werdn, seine Bekanntschaft tut in Rosenheim privatisieren, drum tut er alle Wochen eine Fuhr getreide auffi führen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Über den ledigen Wirtssohn Joseph Soyer hieß es, er sei &#039;&#039;...ein Wilder im Draht und muaß a wissen, was jede Kellnerin für eine hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Vom Josef Gartnerseiner zum Falleisen, einem alten, auf Krücken gehenden Mann sagte man: &#039;&#039;der alte, der is zum erbarmen, möcht aber aa no an Fleck, so an warmen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* dem Simon Mayer zum Dustmaier sagte man: &#039;&#039;der Huber von Burgham waar gern ein angesehner Mann, er hats aber der Oberlechner Resi aa scho oft getan&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Getrieben wurde ferner:&lt;br /&gt;
* dem Mathias Waabuchner zum Jager&lt;br /&gt;
* dem Peter Saaleitner (oder Sennleitner) zum Duschl wegen Unsittlichkeiten&lt;br /&gt;
* dem Andreas Huber zu Leupfam und&lt;br /&gt;
* dem Joseph Kern von Edenberg&lt;br /&gt;
* der Müllerwitwe Marie Furtner und ihrer Tochter Magdalena&lt;br /&gt;
* dem Werkführer Hans Huber von Murn&lt;br /&gt;
* dem Johann Maier, Erpenbauer zu Sunkenrath&lt;br /&gt;
* dem Thomas Nickel, Huberbauer zu Sunkenrath&lt;br /&gt;
Weitere Verse lauteten:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Huber von Kettenham, den lassen wir laufen,&amp;lt;br&amp;gt;der stiehlt die Lampl und thut sie verkaufen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die  Huber von Moosham sind a nit zu loben&amp;lt;br&amp;gt;die ham an Bauern in Holbing seine Kronenthaler gstohlen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Samsl vo Moosham, der hat sie verganga und hat a weni mit der Dirn&amp;lt;br&amp;gt;statt mit seiner Frau angfanga&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Haberer hätten gesagt, sie seien von Miesbach her sehr weit bei schlechter Witterung gegangen. Es wurde scharf geschossen, über dem Ort pfiffen Kugeln. Am Schluss erging an die Getriebenen die Aufforderung, sich zu bessern. Nach dem Befehl &#039;&#039;auseinander, Marsch!&#039;&#039; erfolgt Schlag 1 Uhr der Abzug gegen Edenberg nach Süden Richtung Rosenheim, angeblich nicht Richtung Wasserburg. (Allerdings sagen Zeugen, es seien einige über die Brücke in Wasserburg gezogen). Um über den Inn zu kommen, wurde die Überfuhr (Fähre) zu Murn benutzt. Das Schloss des für 24 Personen berechneten Nachens wurde geöffnet, wahrscheinlich mit einem Nachschlüssel, da keine Gewaltanwendung erkennbar war. Auch bei Altenhohenau und Edenberg sollen die Treiber über den Inn gekommen sein. Eine Gruppe wurde bei Schonstett gesehen, eine Rotte sei wohl erst bei Rosenheim über den Inn gegangen.&lt;br /&gt;
Etwa 80 Mann sollen beim Wirt in Vogtareuth Bier verlangt haben. Dieser streitet dies aber ab, es sei eine Verwechslung. Er habe miterlebt und nur erzählt, wie in der Nacht vom 24. auf 25. Januar eine Rotte von etwa 60 Mann bei seinem Kollegen in Paffenhofen Bier verlangt hätte. Am Treibort fand man Papierpfropfen von Zeitungen, die als Schusspapier gedient hatten. Der niedergetrampelte Teil des Ackers hatte einen Durchmesser von 28 Schritt, weshalb die Gendarmen vermuteten, dass es weniger als 150 Teilnehmer waren. Die Konsequenzen der Wasserburger Behörden ließen nicht lange auf sich warten: Die Gemeinden mussten wieder Nacht-Patrouillen laufen, es wurde bis auf weiteres jegliche Tanzmusik verboten, außerdem wurde die Polizeistunde herabgesetzt. Die beurlaubten Soldaten der Gegend wurden auf 2 Monate einberufen. In der Folge werden den Behörden verschiedene Hinweise, Verdächtigungen und Anschuldigungen anonym übermittelt. Die Untersuchungen dazu zeigen aber meist völlige Haltlosigkeit oder nur vage Anzeichen, sodass sie erfolglos bleiben und eingestellt werden. Laut Ministerium des Innern war es das elfte Haberfeldtreiben im Herbst/Winter 65/66.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bruckhof 7./8.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28838|StAM, RA 1779/28838]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36456|StAM, LRA 36456]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Drei Wochen später, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, von 7. auf 8. Februar 1866 etwa um ½ 12 Uhr nachts zog eine Rotte von Grafing und Rott kommend durch Bruckhof unter Abfeuern von Flintenschüssen und Schreien (&#039;&#039;wia, hü, ho, ha&#039;&#039;). Etwa ¼ Stunde später kamen sie in militärischer Ordnung zurück, und zwar um etliche Mann verstärkt, die aus Lampferding angerückt waren und schrien: &#039;&#039;die Haberer sind da!&#039;&#039; Sie nahmen Aufstellung Richtung Rott, 200 Schritt vom Wirthaus und 50 Schritt vom letzten Haus von Bruckhof entfernt, wo ein aus Richtung Rott angerückter Trupp schon gewartet hatte. Es wurde ein Kreis gebildet &#039;&#039;und Verse verlesen, die man aber nicht hören konnte, weil ein starker Sturm ging&#039;&#039;. Nur der Lamerbauer, ein früherer Raufer, der zunächst des Treibplatzes wohnte, hörte, &#039;&#039;dass von Hurerei, Rosenkranzstehlen und Fleischstehlen die Rede war&#039;&#039; und dass es in 14 Tagen nach Aßling gehe. Begonnen habe es mit dem Ruf &#039;&#039;Auf, auf, ihr Lumpen, neue Hurengeschichten müsst ihr hören&#039;&#039; und &#039;&#039;auf, die Haberer sind da&#039;&#039; und dann &#039;&#039;auseinander, Kreis gebildet&#039;&#039;. Es ging gegen:&lt;br /&gt;
* den Müllermeister Georg Kastenmüller&lt;br /&gt;
* Bauer Seb. Mayer&lt;br /&gt;
* Barbara Krämer von Blenchhof&lt;br /&gt;
* Kaspar Main von Schalldorf wegen Hurerei&lt;br /&gt;
* die Brettlin von Schalldorf wegen Diebstahls eines Rosenkranzes&lt;br /&gt;
* den Grenzl von Einöden&lt;br /&gt;
* den Heuknecht von Hinterberg, er habe beim H. in Dettendorf das Fleisch vom Kamin herunter&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Truppe, aus Emmering kommend, mit 31 Köpfen, habe lange Röcke und Bauernmützen getragen. Insgesamt sollen es nicht mehr als 50-60 Mann gewesen sein. Das Treiben dauerte etwa ½ Stunde. Wie in Hohenlinden seien es überwiegend junge Burschen gewesen. Dies schließt man auch daraus, dass Donnerstag (8.2.) in dieser Gegend &#039;&#039;Schlenkelpfinster&#039;&#039; gewesen sei, ein Feiertag, an dem sich nicht verdingte Dienstboten am Markt in Grafing anbieten konnten. Der Wirt Jakob Sextl von Bruckhof erzählt, ihm habe der Bauer Michael Edelberger erzählt, er habe beim Lohmeierbauern M. Reißerer auf dem Getreideboden gleich nach dem Edlinger Treiben in einer geöffneten, an der Seite befindlichen Kammer 40 Gewehre gesehen. Die Söhne des Reißerer aus Bruckhof sollen die Hauptbeteiligten in Edling gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hintsberg bei Steinhöring 15./16.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28841|StAM, RA 1779/28841]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36456|StAM, LRA 36456]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
8 Tage nach dem Treiben in Bruckhof kamen die Haberfeldtreiber in der Nacht vom 15. auf 16. Februar in die Nähe von Steinhöring. Etwa um ¼ nach 11 Uhr zog eine Rotte von 20-25 bewaffneten Burschen von Steinhöring her ins Dorf, vor das Haus des Vorstehers und schrien, nachdem ein Schuss abgefeuert war: &#039;&#039;Vorsteher steh auf und weck deinen Toni auf&#039;&#039;. Sie zogen dann auf ein Feld auf einer Anhöhe, nördlich von Hintsberg, etwa 200 Schritt hinter dem Haus des Vorstehers und ca ½ Stunde südlich von Steinhöring. Das Treiben richtete sich gegen den Vorsteher Kaspar Huber und seinen Sohn Anton. Der Vorsteher lasse sich &#039;&#039;abschmieren&#039;&#039; (bestechen), sein Sohn sei ein Stier und Hurenkerl. Nach jedem &#039;&#039;Artikel&#039;&#039; fielen etwa 15 Schuss und alle schrien &#039;&#039;Vivat&#039;&#039;. Es dauerte nur eine viertel Stunde (nicht 3 Stunden, wie bei Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 61.&amp;lt;/ref&amp;gt; angeführt). Die Treiber hatten keine Lärminstrumente dabei, aber zwei Musikinstrumente, wohl Waldhörner. Es waren nur 20 bis 25 Personen, meist sehr junge Burschen, die in mehrere Richtungen abzogen, vor allem nach Hohenthann, Tulling und Oberndorf. Der Vorleser hatte ein Licht und drehte sich immer dahin, wo die Betroffenen wohnten. Beim Zuzug soll ein Bauer die Haberfeldtreiber gesehen und erkannt haben, sie seien aus dem Mailinger Winkel gewesen. Der Taglöhner Griesbeck aus Tulling war verdächtig, aber seine Frau sagte gegenüber Dritten, der beteilige sich nicht bei Treiben in so kleinen Orten. Das Bezirksamt Ebersberg bemerkt, dass Kaspar Huber ein ehrenwerter, fleißiger Mann sei und hält den Vorfall eher für eine Nachahmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg, Februar 1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Wasserburg.jpg|mini|Die &#039;&#039;Ermittlungsakten&#039;&#039; des Bezirksamtes für die Stadt Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Witwe Katharina Resch (46 Jahre) erscheint in der Gendarmerie und gibt an: am Abend des 7.2. traten (in der Burgau) 3 starke Männer in die Stube, sie trugen graue Joppen bis an die Wade, Hüte und Spielhahn-Federn und dunkle Vollbärte. Sie sprachen in &#039;&#039;gebildeter Sprache&#039;&#039; und fragten um Verhältnisse des Hofsteter Metzger und nach anderen Dorfbewohnern, insbesondere wer wen auf die Gant (in Konkurs) gebracht habe. 4 weitere Männer hätten die drei abgeholt. Man befürchtete daher zunächst ein Haberfeldtreiben in Wasserburg. Das Bezirksamt hielt die Zeugin und ihre Aussage jedoch für nicht glaubwürdig. Etwa 3 Wochen später, am 12. März 1866 zeigt Georg Dengler am Harter Gütl an, dass in der sogenannten Tränkgasse eine Puppe an einem Baum hinge, in Gebirgstracht gekleidet, sie solle wahrscheinlich einen Haberfeldtreiber vorstellen. Als man die Puppe abnahm, fand man in der Joppentasche ein Schriftstück, datiert vom 10.3.1865(!). Es begann:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ihr Herren und Frauen aus Wasserburg!&amp;lt;br&amp;gt;O Wasserburg, du bedauerst mich auch könnt Ihr es schlechten Bürger es nicht verantworten, das ich wegen einer schleichten Huererei und Stehlen muß auf diesem Baum aufhenken. Die Leute schaug mich an und werden sich gewiß nichts gutes denken verzweifeln muß ich auf jeden Fahl den nichts als Schlechtigkeiten hörr ich von den noblichsten Herrn sie machen Bankrott u. Den armen Teufeln wir das Geld abgerappt. So könnte ich wahr erzählen und an der Wahrheit wird gewiß nicht fehlen. In einer Nacht könt ich bei Euch nicht vertig werden u in zwei könnt Ihr mich mit meiner Manschaft nicht ernährn weil die Meister sind zum Verderben. Noch zu letzten thut es mich das verdrissen das es die die armen Soldaten entgelden müssen doch scheuen wir weder Schildwach noch Protokoll der Teuffel soll euch alle holen. Ich meine ich habe schon überall Mühe genug gehabt bis ich die Leute auf den rechten Weg gebracht. Ich sage Euch auf meine Ehr es reut mich keine Stunde mehr. Aber bevor ich mein Leben werde beschließen werde ich meine Brüder dem Kaiser Karl am Untersperg noch schreiben müssen was Ihr führan Lebenslauf führt und wie Ihr haltet Eure Hurerei darauf.&amp;lt;br&amp;gt;Wenn ihr Euch nicht bekehrt in eine Jahr so ist Bedenkzeit gar, dan dürft ihr aber sicher hoffen das mein Bruder kommt mit 1000 Mann der Euch gewiß katholisch machen kann. Da kann Euer Major den Generalmarsch schlagen lassen um uns mit Hunden davon zu jagen. Thut ihr also Ihn Obacht nehmen den meine Schützen haben Haare auf den Zähnen. Wen es ankommt auf einen Ernst verzehn sie nicht fiel Scherz. Schissen auf jeden wen es a so sein muß eine warme Kugel durch die Brust.et, Auf schlechte Besserung oder gar auf Verlangen sehen wir uns wieder bis einem Jahr aber nicht schriftlich sondern mündlich in höherem oder gar in scharfen Grade wozu Euch die Ganze Arme der Haberfeldtreiber gratulieren.&amp;lt;br&amp;gt;Ostreich, Frankreich, Rußland und das Arme Kommando Kaiser Karl vom Untersberg&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Es folgen weiter 12 Seiten bleistiftgeschrieben mit wirren Anschuldigungen. Ob in Wasserburg je ein Haberfeldtreiben geplant war, ist äußerst zweifelhaft. Die Organisatoren der Treiben achteten sehr darauf, dass sie gesicherte Rückzugswege hatten. Wegen der einfach zuzustellenden Fluchtwege im Ort wäre ein Treiben äußerst riskant gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Evenhausen, 23./24.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28842|StAM, RA 1779/28842]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In Evenhausen, einem Dorf mit 10 Anwesen zwischen Wasserburg und Amerang, Landgericht Wasserburg, zogen in der Nacht von Freitag auf Samstag, den 23. auf 24. Februar 1866 zwischen 60 und 100 Mann gegen ½ 1 Uhr nachts lärmend und schreiend den Berg hinauf durch das Dorf und stellten sich am südlichen Dorfende gleich neben dem Wirtshaus von Evenhausen auf halbem Weg nach Pfaffing auf. Sie schossen dann gegen den Ort zu scharf und begannen von 1 bis ½ 2 Uhr das Treiben, hauptsächlich wegen fleischlicher Verfehlungen gegen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Lorenz Schindlbeck&lt;br /&gt;
* den Mesner Phil. Huber, der so fleißig bete, dass seine Frau sterbe, die er schon zu Lebzeiten mit seiner jetzigen Frau betrogen habe&lt;br /&gt;
* den Schullehrer wegen Schulhausgelddiebstahls (völlig unbegründet)&lt;br /&gt;
* den Wirt nebst verschiedenen ledigen Weibspersonen und&lt;br /&gt;
* vor allem aber gegen den Pfarrer wegen fleischlicher Vergehen mit seiner Pfarrersköchin&lt;br /&gt;
Die Kirchturmtüre wurde mit Wasen verstopft. Eine Windmühle, die benutzt wurde, stammte vom Mesner Huber. Im Wirthshaus zu Evenhausen wurden 2 Fenster eingeschossen, eine Kugel durchschlug das Fenster des Kinderzimmers. Auch in den Mauern der Häuser befand sich &#039;&#039;viel Blei&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104 |StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Schluss erfolgte die Ankündigung eines Treibens in Söchtenau in 14 Tagen. Zu- wie auch Abzüge erfolgten Richtung Aham, Schonstett und Griesstätt, eine Rotte schlug den Fußweg nach Rehmbach, Breitenbach und Murn ein. Einige Treiber kamen über den Inn. Der Flößer Georg Ortner sagt aus, dass sein Floß zu einer Überfahrt benutzt worden sei. Amtliche Abschrift (Nachschrift) des Treibtextes:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir fangen gleich mit dem Allerschlechtesten an un dieß ist der Pfarrer von E., der größte Stier, der Hurenkerl hat seiner Köchin ein Kind gemacht, dös Kind is freili scho Wirthin und seine Köchin ist die allergrößte Hure.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Meßner hat 2 Jahre neben seinem Weib die Heilmeir Viktor gehabt, aber jetzt mag ers nimma, weils allaweil am Franckl sein Hosentürl dran ghängt ist.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wirt ist der Gemeindestier, der hat der Stannz Rosl a Kind gmacht, nacher ham sie mitanande an Kindsmord begangen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Stannz Rosl, die Hurn, des schlechte Weibsbild hat von an lutherischen Schäfer a Kind ghabt und jetzt geht’s in der nacht zum Schuster.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Heilmaier Anni hat sichs vom Lehrer Franckl Tag und Nacht thun lassen, der Lehrer F. Ist freilich fort, aber an Hund hat er ihr dalassen, der muß ihr die Fud ausschlecken und am Frankl sein geschäft versehn.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die  Schneider... als... ist beim Hellichten Tag beim Franckl dringlegn, jetzt macht sie Betschwester und singa kanns nimma, weils an F. Sei Pfeiferl nimmer hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Weitere Verse, die sich im Akt des Bezirksamts Wasserburg&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104 |StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; befinden:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Stefflknecht, der Fluri, der hat am Kochberg bei Hebertshan an Moar vo Oddelsham ausdrunka&amp;lt;br&amp;gt;Die Mili hat eam net so gschmeckt hat gmoant si hat nach der Braugruebn gstunka&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Den Petermüllerm den derf ma a net vergessn&amp;lt;br&amp;gt;Der thuat an Dirnen so gern de Tüacher vermessen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wabsmüller Aliis mit sein Goasbart&amp;lt;br&amp;gt;Hat a rothaarats Diandl mit 13 jahr scho g&#039;hat&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Diestl in da Schilchau, der is am Johannitag&amp;lt;br&amp;gt;Mit&#039;m Kreuz auf Schaunstädt ganga&amp;lt;br&amp;gt;Und im Hoamgeh hat a a Morthat beganga&amp;lt;br&amp;gt;Und hat an Schulseppn sei Wei in an Korn... drin gmaust&amp;lt;br&amp;gt;Da hats an Teufel in der Höll drin davor graust&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Mit dem Haberfeldtreiben is a koa Spaß&amp;lt;br&amp;gt;Is oana unter uns, hat an Fuaß wia a Goas&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Um a sechsi müaß ma vonr Kaiser Carl seiner Hausthür steh&amp;lt;br&amp;gt;Sonst derf ma &#039;s nachst mal nimmer zum Haberfeldtreiben mitgeh!&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer von Enhausn is a fürchterlicher Stier&amp;lt;br&amp;gt;Der werd jtzt brennt und zum B&#039;schäln vorgführt&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wirth von Enhausn is a ganz braver Mo&amp;lt;br&amp;gt;Der bind an Herrn Pfarrer sei Tochter an sei Hosenthürl no.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schullehrer von Enhausn is net zum Verachten&amp;lt;br&amp;gt;der tuat an Pfarrer sei Pelzhaubn a gern betracht.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Lehrer Frankl muaß rein auf fremde Straßn&amp;lt;br&amp;gt;Drum hat er seiner Nani sein Hund zum Mausen zruck lassen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Notar Gleißl war bei der Wirtin z&#039;Straß auf Visit&amp;lt;br&amp;gt;Und hat des alt Fell a öfters verkitt&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Strengs Resi vo Enhausn hat früher schön gsunga,&amp;lt;br&amp;gt;hat aber ihr kloans Kind umbrunga&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Dass es zwei Varianten von Treibtexten gibt, ist gar nicht so selten. Die Gendarmerie zeichnet erst die Verse nach Zeugenaussagen vom Hörensagen auf, später tauchen dann von den Haberern zugespielte Papiere auf, die andere und zusätzliche Verse enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kraiß, Gde. Steinhöring, 5./6.4.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28844|StAM, RA 1779/28844]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36459|StAM, LRA 36459]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 5. auf 6. April 1866 wurde zum zweiten Mal innerhalb von 8 Wochen in der Nähe von Steinhöring getrieben. Nur 60 Schritt von dem aus zwei Häusern bestehenden Einödhof Kraiss auf einer Anhöhe wurde um Mitternacht dem&lt;br /&gt;
* Hofbesitzer Sebastian Bauer&lt;br /&gt;
das Haberfeld getrieben. Das Wecken am Haus erfolgte mit Schüssen und der Aufforderung, wenn er, der Bauer Pulver und Kugeln habe, dann solle er herauskommen. Es waren etwa 30-40 Mann, die aus Richtung Haag von der benachbarten Einöde Dailling kamen und gegen Hohenlinden abzogen. Zum Verlesen wurde ein Licht angezündet. Einer las etwas in Knittelversen ab, die anderen schrieen:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Hurenkerl, der schlechte Kerl, Spitzbub, du hast deinen Vater erschießen lassen, hast scho zwei Weiber umgebracht und das dritte möchtest du auch noch umbringen. Du hängst ja den Dirnen an, bei dir kann sich keine aufhalten. Du bist einmal in Neufahrn vom Wirth mit der Hundspeitsche geprügelt worden, weil du Futtersäcke, Geiselstecken und Eisketten gestohlen hast. Am Schluß sagten sie: &#039;Jetzt ists zum letzten Mal, jetzt gehen ma nach Ebersberg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
2 Wachhunde am Hof rissen sich von den Ketten los, zwei Kühe ebenfalls. Das ganze dauerte etwas ¼ Stunde. Seb. Bauer war eine weithin verhasste Person, streitsüchtig, unfreundlich, stolz und brutal. Laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; war Hauptgrund für das Treiben &#039;&#039;Rache wegen eines Hausbaues&#039;&#039;.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Notiz in den Neuesten Nachrichten vom 24. Oktober 1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28848|StAM, RA 1779/28848]].&amp;lt;/ref&amp;gt; soll in der Kirchweihnacht dem Pfarrer Philipp Maier von Attel Haberfeld getrieben worden sein, und zwar von 13. auf 14. Oktober. Allerdings stellte sich heraus, dass einige mit den Diensthandlungen des Pfarrers Unzufriedene sich zum Pfarrhof begaben und dort ein Fenster einschlugen, eine Kugel durch das Fenster schossen und versuchten, die Haustüre einzuschlagen. Dabei wurde kein Wort gesprochen. Nach Ansicht des Wasserburger Bezirksamtmanns war es kein Haberfeldtreiben, denn: &#039;&#039;der Haberfeldtreiber will nur schimpfen, er zerstört aber nicht fremdes Eigentum&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Versuchtes Haberfeldtreiben in Rosenheim 29.10.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28832|StAM, RA 1779/28832]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Dieses Treiben wird hier aufgeführt, weil es für einige Teilnehmer aus dem Landgerichtsbezirk Wasserburg fatale Folgen hatte. Dem Gendarm von Feldkirchen wurden die Pläne für ein Haberfeldtreiben in Rosenheim von &#039;&#039;einem genau Eingeweihten&#039;&#039; verraten. Daraufhin wurde die gesamten Gendarmerie der Umgebung (12 Mann) und das Landwehr-Bataillon Kommando Rosenheim (32 Mann) mobilisiert und die Mangfall-Übergänge und andere wichtige Punkte besetzt. Der Oberleutnant Wilhelm von Reck wird am 20.10. mit einer Kompanie nach Rosenheim entsandt, und nimmt Stellung auf dem die Gegend beherrschenden Stockhammer Gütl. Vorposten standen:&lt;br /&gt;
* am Zugang nach Rosenheim beim Hofbräukeller (rechter Flügel)&lt;br /&gt;
* nach den Brachfeldern in Richtung Westerndorf&lt;br /&gt;
* nach dem Ziegelstadel von Fürstätt (linker Flügel) und&lt;br /&gt;
* nächst dem Bahnhof&lt;br /&gt;
Diese Vorposten hielten durch Patrouillen ständige Verbindung, die Rückzugslinie sollte immer das Stockhammer Gütl sein. Ein  Rest der Landwehr bezog Wache in Rosenheim und hielt mittels Patrouillen ebenfalls Verbindung zu Oberleutnant Reck. Die Nacht war mondhell. Um 11.00 stieß die gegen den Hofbräukeller vorgeschobene Patrouille auf einen Trupp von 10 bis 15 Mann, die mit Schießgewehren bewaffnet und mit Bärten versehen waren. Sie riefen denselben &#039;&#039;Halt&#039;&#039; zu und warfen sich ihnen (zu zweit!) entgegen. Die Treiber flüchteten, die Gendarmen rissen aber einen aus ihrer Mitte heraus und konnte ihn arretieren: den Knecht Jakob Huber aus Vogtareuth (vier Gehstunden entfernt) Sein Hut war in auffallender Weise mit Hollundersträuchen geziert. Man hielt ihn daher für den Haberfeldmeister. Aus seinen Äußerungen schloss man, dass noch mehr Haberer in einer Kiesgrube in der Nähe des Hofbräukellers verborgen seien. Daher führte man dorthin eine Patrouille durch. Auf der Straße dorthin, beim Haus des Lorettowagners sah der Kommandant einige Burschen laufen und schrie &#039;&#039;Halt&#039;&#039;, worauf geschossen wurde. Die Burschen versteckten sich im Garten des Wagnerhauses. Währenddessen kam ein anderer Trupp Haberfeldtreiber aus der Richtung Stockhamer Gütl gegen das Wagnerhaus gelaufen. Fast gleichzeitig traf auch eine Gendarmerie-Patrouille des Oberleutnant Reck ein, so dass die Haberfeldtreiber im Garten von 2 Seiten angegriffen wurden. Sie hatten aber Schutz durch die Obstbäume und zogen sich einzeln zurück. Die Gendarmen rückten nach, es kam zu einem Handgemenge, im Verlauf dessen 4 Burschen gefangen genommen wurden:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Anton Rainer, vulgo Bart Toni Dienstknecht aus  Grießstätt (im Dienst als Knecht in der Obermühle Murn), gebürtig von Grünthal bei Pfraundorf&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. Paulus Baumann, Dienstknecht beim Kastl zu Sunkenroth bei Grießstätt&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. Josef Kronert, Dienstknecht und&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. Joseph Weber, Dienstknecht beim Oberhungerbauern in Kalbing bei Griesstätt, aus Kraiburg stammend&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ferner laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 104.&amp;lt;/ref&amp;gt; der abgehauste Bauer Georg Höllinger aus Rosenheim (möglicherweise identisch mit dem &#039;&#039;verheirateten Schmalzer&#039;&#039; aus Rosenheim). Die vier Festgenommenen wurden zum Stockhammer Gütl gebracht (8-10 Minuten Fußweg), wobei die Begleiteskorte dauernd von ca. 100 bis 150 Haberfeldtreibern aus den gegen Westerndorf ansteigenden Feldern beschossen wurden, &#039;&#039;dass die Kugeln nur so herumflogen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Oberleutnant Reck kam der Eskorte mit seiner gesamten Mannschaft entgegen, worauf sich die Rotte nach Westerndorf zurück zog. Nur zwei Burschen liefen, als ob sie die Stärke der bewaffneten Gendarmerie ausmachen wollten, fortwährend in die Schußlinien, bis einer unter dem linken Auge getroffen wurde und zu Boden stürzte. Der andere schrie &#039;&#039;mein Bruder, mein Bruder! Bist du tod?&#039;&#039; und stürzt sich auf ihn. Es waren der ledige Schmiedsohn Niklas Maier aus Langenpfunzen, der kurz darauf starb und sein Bruder Josef, der arretiert wurde. Darauf zogen sich die Haberfeldtreiber zurück. Die 7 Festgenommenen saßen in Traunstein ein. Wegen &#039;&#039;Vergehen des Aufstands&#039;&#039; werden 4 Mann zu je 2 ½ Jahren Haft verurteilt, der Bruder des Gefallenen zu 1 ½ Jahren, zwei werden freigesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Söchtenau  Bezirksamt Rosenheim 14./15.2.1867&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28853|StAM, RA 1779/28853]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 14. auf 15. Ferbuar 1867 gegen 1 Uhr hielten etwa 50-80 Teilnehmer, von Vogtareuth kommend, eine ¾ Stunde lang im Ort Söchtenau ein Haberfeldtreiben ab. Es ging gegen den Pfarrer Eder und die Wirtin und zugleich Pfarrersköchin und gegen einige Bauern. Als dann ein Sturmläuten der Pfarrkirche einsetzte, schossen sie gegen den Pfarrhof etwa 40 mal scharf, wodurch Fenster zertrümmert und Türen und Decken beschädigt wurden und drohten, der Pfarrer und seine Köchin würden erschossen und das Pfarrhaus abgebrannt. Der Pfarrer Eder war früher Kooperator in Au und soll dort ein Verhältnis mit der Wirtin von Litzldorf gehabt haben. Man nahm daher an, dass die Anstiftung zum Treiben von Au ausging. Der Abzug erfolgte Richtung Vogtareuth und Zaissering. Am Sonntag darauf, also dem 17. wurde nochmals im Ort geschossen und gelärmt, es war aber kein vollständiges Haberfeldtreiben mehr. Personen aus Grießstätt gerieten in Verdacht, sie sollen auch bei den Vorfällen in Rosenheim im Oktober 1866 beteiligt gewesen sein, [[#Versuchtes_Haberfeldtreiben_in_Rosenheim_29.10.1866.5B38.5D|siehe oben]]. Ausserdem sollen die  Wirte Georg Blumetsrieder von Litzldorf, der Wirth von Schonstätt und Josef Schmid von Flintsbach das Haberfeldtreiben arrangiert haben, zusammen mit einem jungen Bauern und Müller mit Namen &#039;&#039;Fürst&#039;&#039;. Die Untersuchung gegen sie wurde eingestellt, aber das Bezirksamt ordnet eine personelle Verstärkung der Polizeistation und Sicherheitswachen an.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann war es im Landgerichtsbezirk Wasserburg für lange Jahre vorbei mit dem Haberfeldtreiben. Zusammenfassend kann man zu den aufgeführten Treiben 1864 bis 1867 im Bezirksamtsbereich sagen, dass sie alle in etwa gleich abliefen: Zunächst zog die Rotte in militärischer Ordnung durch den Ort, um sich dann auf einem Feld oder auf einer Anhöhe vor dem Ort aufzustellen. Es wurden fingierte Namen aufgerufen, die die Teilnehmer durch &#039;&#039;Hier&#039;&#039;-Rufe bestätigten, danach wurden Verse verlesen, vorher, zwischendurch und danach geschossen, (auch scharf), Raketen und Feuerräder gezündet und mit Getreidemühlen, Schlagen auf Bretter und Töpfe Lärm gemacht. Am Schluss erfolgte ein Hochruf, auf den Pfarrer, den Kooperator oder den Bezirkshauptmann, je nachdem, wer nicht getrieben wurde. Interessant ist ein Blick auf die Teilnehmerzahl.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die 6 Treiben im Bezirksamt Wasserburg:&lt;br /&gt;
{|class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Rott_10..2F11.11.1864.5B14.5D|Rott am Inn]] || 10./11.11.1864&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 100 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Albaching_Landgericht_Haag.2C_Bezirksamt_Wasserburg_6..2F7.12.1864.5B18.5D|Albaching]]  || 6./7.12.1864&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Edling_17..2F18.11.1865.5B21.5D|Edling]] || 17./18.11.1865&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Griesst.C3.A4dt_17..2F18.1.1866.5B25.5D|Griesstätt]] || 17./18.1.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 150-200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Bruckhof_7..2F8.2.1866.5B27.5D|Bruckhof]]  || 7./8.2.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-60 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Evenhausen.2C_23..2F24.2.1866.5B32.5D|Evenhausen]]  || 23./24.2.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demgegenüber nahmen an den Treiben im Umkreis des Bezirksamts Wasserburg teil:&lt;br /&gt;
{|class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Schechen_30.9..2F1.10.1865_.5B19.5D|Schechen]] || 30.9./1.10.1865&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 150 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Hohenlinden.2C_Bezirksamt_Ebersberg.2C_Bezirksamt_Wasserburg_13..2F14.1.1866.5B24.5D|Hohenlinden]]  || 13./14.1.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-70 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Hintsberg_bei_Steinh.C3.B6ring_15..2F16.2.1866.5B28.5D|Hintsberg]] || 5./6.4.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 20-25 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Versuchtes_Haberfeldtreiben_in_Rosenheim_29.10.1866.5B38.5D|Versuch Rosenheim]] || &amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#S.C3.B6chtenau_Bezirksamt_Rosenheim_14..2F15.2.1867.5B40.5D|Söchtenau]]  || 14./15.2.1867&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-80 Mann&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Es fällt auf, dass die Teilnehmerzahlen an den Treiben außerhalb des Bezirksamts weit geringer waren als bei den Treiben innerhalb des Amtssprengels. Die Vermutung liegt nahe, dass die aktiven Haberer im Bezirksamt nicht mehr als 50 bis 100 waren. Sie hatten die Treiben außerhalb des Amtssprengels zu beschicken, da man ja im eigenen &#039;&#039;Gäu&#039;&#039; nicht teilnahm, um keinen Verdacht zu erregen. Hingegen war die Zahl der aktiven Haberer aus den Bezirksämtern Ebersberg und Rosenheim viel größer. Sie konnten eher ungefährdet die Treiben in den auswärtigen Bezirksamtsbereichen besuchen. Wohl erstmals 1864 werden Zu- oder Abzüge aus dem nördlichen Teil des Amtsgerichtsbezirks verzeichnet und ein angeblicher Teilnehmer aus Emmering verdächtigt. 1866 wird für Bruckhof, wie schon vorher für Hohenlinden vermerkt, dass die Teilnehmer überwiegend junge Burschen wären, was dafür spricht, dass man nach dem &#039;&#039;Einschlafen&#039;&#039; des Brauches über fast 15 Jahre neue, junge Leute rekrutierte. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass bei keinem der 6 Wasserburger Treiben die Untersuchungen zu einem Ergebnis geführt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Haberfeldtreiben von 1893 bis 1905=&lt;br /&gt;
[[Datei:Miesbach.jpg|mini|Einschießen bei einem Haberfeldtreiben.]]&lt;br /&gt;
Wie auch im übrigen Oberland blieb es 15 Jahre lang ruhig. Im Zeitraum von 1867 bis 1882 fanden nur 4 Treiben statt, eines davon in Rott am Inn,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 67.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Akten dazu sind verschollen. Der Brauch wird nun nachweislich von kriminellen Elementen mißbraucht. Ab 1876 taucht der Name Hans Vogl auf. Dieser, Daxer-Wirt von Wall, war zu diesem Zeitpunkt bereits wegen groben Unfugs und 1875 wegen Erpessung vorbestraft. In seiner Wirtschaft treffen sich allerlei zwielichtige Gestalten, die sehr deftigen Treibtexte werden nun vervielfältigt und anschließend verkauft. Sein Bruder Joseph Vogl wurde wegen Verteilung obszöner Schriften 1887 zu mehr als 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Ab 1882 sind wieder mehr Treiben zu verzeichnen, zunächst aber nicht im Landgerichtsbezirk Wasserburg. 1886 wurde der Daxer als Haberfeldmeister abgesetzt und es übernahm Thomas Bacher, Bräuknecht in Feldkirchen, das Amt des Haberfeldmeisters. Die Treiben bis Oktober 1893 gehen auf seine Rechnung. Allerdings gelang es ihm nie, sich im Bund gegen die Umtriebe des Daxer durchzusetzen. Immerhin stieg die Teilnehmerzahl unter seiner Führung von 30-40 Mann langsam wieder auf etwa 200, wie in Valley 1893. Vermehrt findet man nun Plakate mit Ankündigungen von Treiben, ohne dass diese dann auch stattfinden oder Pasquillen mit Schmähversen meist obszönen Inhalts. Das &#039;&#039;Einschießen&#039;&#039;, das ist das scharfe Schießen in die Fenster von Wohnhäusern bei Nacht nimmt zu und wird den Haberfeldtreibern angelastet. Bleibt noch anzumerken, dass im Februar 1889 im Anschluss an ein Festschießen der Zimmerstutzen-Schützengesellschaft &#039;&#039;Schützenlust&#039;&#039; im Wasserburger Danningersaal ein Tanzkränzchen &#039;&#039;mit Preisverteilung und Haberfeldtreiben&#039;&#039; stattfand.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Nachrichten|o.V., Nachrichten]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde das &#039;&#039;Treiben&#039;&#039; zu einer Unterhaltungsnummer. Schon im November 1892 gibt es Gerüchte von einem Haberfeldtreiben, das in Rott stattfinden sollte. Grund war ein an die dortige Gendarmerie gerichtetes Schreiben vom 10.11.1892:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Rott.jpg|mini|Ankündigung Haberfeldtreiben in Rott.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wahrung.&amp;lt;br&amp;gt;Ich setzte Euch in Kentnis, am Sontag den 13ten November Nacht nach Rott die Haberer kommen, Es sind uns über 180 Mann. Wir warnen Euch zum Glück, daß Ihr Gendarme keinen Schuß hören läßt, sonst wird Ihr Euch putzen. Die Rother müssen wir das Sünden-Register verlesen, an Euch kommt kein Wort. Dinamit werden 35 geworfen, daß Nigelstinn Regent. Wenn ein Schaden gemacht, der wird zehnfach vergüdet, also sind ein wenig gescheid.&amp;lt;br&amp;gt;Mit Gruß&amp;lt;br&amp;gt;Hauptmann&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Im Oktober 1893, in der gleichen Nacht, in der das große Haberfeldtreiben in Miesbach stattfand, bei dem es zu einem Schusswechsel mit mindestens 2 Verletzten kam, gab es nach 19 Jahren wieder eine Auftritt der Haberer im Landgerichtsbezirk Wasserburg:&lt;br /&gt;
==Emmering 7./8.10.1893&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28869|StAM, RA 1779/28869]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77819|StAM, LRA 77819]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nähe des Schustergaulstadels bei Aßling traf sich am späten Abend des Samstag, 7. Oktober 1893 eine größere Gruppe. Dort wurde zur Stärkung Bier getrunken, bevor man sich gegen 11 Uhr nachts auf den Weg nach Emmering machte. Vorher zog man in Aßling vor das Haus des Bürgermeisters, vor das Schulhaus, das Bichlersche Gasthaus und vor den Pfarrhof, alles in mehr oder wenig straffer militärischer Ordnung, voran der Tambour. Schon bei dieser Vorversammlung gab es ein Gerücht, dass man verraten sei und das Treiben abbrechen müsse. Dies geschah offenbar nicht. Der Münchner Bote&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]].&amp;lt;/ref&amp;gt; spricht von 300 Teilnehmern, der Regierungsbericht von 70 Mann. Diese durchzogen zunächst den Ort Emmering und stellten sich etwa 100m südlich des Ortes, auf einem Hügel in der Nähe des Pfarrhofes auf. Ein anderer Teil kam durch Hirschbichl, Emmering und Westerberg. Sie stellten sich im Halbkreis auf und schickten Vorposten aus, die auch Warnschüsse abgaben. Dann feuerten sie Gewehre ab und lasen Verse vor, die sich vor allem gegen:&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Krauthofer von Emmering richteten. Er predige streng, habe es aber selbst mit Frauenzimmer&lt;br /&gt;
* Der Bürgermeister Brunner und andere wohlhabende Einwohner wurden gerügt, weil sie ihre Söhne vom Militär losbringen wollten.&lt;br /&gt;
Weiter getrieben wurde:&lt;br /&gt;
* einer Wirtin, weil sie es mit dem Mühlburschen hätte&lt;br /&gt;
* Wirtsleuten von Emmering, Bruckhof und Schalldorf&lt;br /&gt;
* dem Reuth von Westerberg&lt;br /&gt;
* dem Birkmeier von Westerberg und seiner Dirne&lt;br /&gt;
* den beiden Lehrer von Emmmering und noch anderen&lt;br /&gt;
Immer wieder wurde gefragt &#039;&#039;Is wahr?&#039;&#039; und bekräftigt: &#039;&#039;Ja, wahr is!&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Glocken der Pfarrkirche wurden geläutet, so daß man kaum Gesprochenes vernahm. Gegen ½ 2 erfolgte der Abzug nach einer Dauer von ca 1 ½ Stunden. Etwa 100 Mann, die auch gegen 3 Uhr früh durch Aßling zogen, riefen vor dem Gendarmerielokal: &#039;&#039;geht heraus ihr grünen Hund, wenn ihr einen Schneid habt, dann schießen wir euch nieder.&#039;&#039; Beim Wirtshaus des Bichler verlangten etwa 20 Mann Bier. Vermutet wird, dass die Teilnehmer aus Aßling und Schalldorf kamen. Als die Gendarmen gegen 11 den Lärm vernahmen, gingen sie zum Bauern Kirchlechner von Aßling, dessen Knecht Hilarius Limberger aus Niklasreuth schon lange als Haberfeldtreiber in Verdacht stand. Er war nicht daheim, kam aber nach 12 Uhr ganz echauffiert heim. Sein Alibi, er sei bei seinem Bruder gewesen, konnte widerlegt werden. Die weitere Untersuchung ergibt, daß Limberger beim Brauereiverwalter von Grafing (Kasperlbräu) 2 Fäßer Bier (112 Liter) bestellt und auch erhalten habe (bessere Qualität). Die Fäßer seien zwar noch nicht zurück, aber das Geld sei inzwischen angekommen, in einem Brief, unterzeichnet mit &#039;&#039;das Geheimcomite der Haberer&#039;&#039;. Darin steht auch, daß Limberger nichts wisse und völlig unschuldig sei. Er wird zu einer Haftstrafe von 1 Jahr verurteilt, seine Revision verworfen. Der Maurerpolier Ecker, der den Haberfeldtreibern auf seinem Heimweg von Emmering nach Kronau nachts um 11 begegnete, gibt an, ihm sei bedeutet worden, er solle machen, dass er weiter komme, weil er das Feldgeschrei nicht kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling, Versuch eines Haberfeldtreiben  1894==&lt;br /&gt;
Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 76. verweist auf Akte Kreisarchiv München Sign. Das  AR III. (nicht auffindbar)&amp;lt;/ref&amp;gt; führt ein Treiben in Edling im Herbst 1894 an. Es handelt sich dabei wahrscheinlich nur um einen Versuch. Ca. 35 Haberer versammelten sich im Steinbucher Forst nahe Edling am 29.8.1894. Möglicherweise wurde dieses Treiben abgesagt, jedendalls gibt es keine Nachweise in den Akten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pfaffing, 24./25.11.1894&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 377916|StAM, AR 377916]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon in der Nacht von 10. auf 11. März 1894 wurden in Filzen, Gemeinde Pfaffing von 30-40 Personen über 100 Schuss abgefeuert. Anscheinend war ein Haberfeldtreiben beabsichtigt. 20-25 Personen zogen Richtung Lauterbach vorüber. Es wurden keine Knittelverse verlesen. Die Ruhestörer sollen aus Frauenneuharting und Jakobneuharting stammen (Bezirksamt Wasserburg). Bei Josef und Engelbert Guggenberger, Schmiedsöhne von Linden, wurden Waffen gefunden, der Verdacht, dass sie an dem Unfug bei Filzen beteiligt waren, konnte nicht erhärtet werden. Von 24. auf 25. November, von Samstag auf Sonntag nachts gegen 1 Uhr verübten dann 70-100, nach anderen Berichten bis 150 Personen auf einer Anhöhe ca. 200 m südwestlich von Hilgen entfernt ein Haberfeldtreiben. Der Anmarsch erfolgte auf dem Kirchenweg von Rettenbach her. Einer ging mit der Laterne voran und der Zug kam gegen das Haus des Forstner Bauern. Der Bäcker Fischerfeier wurde durch Schüße und Lärmen geweckt. Posten wurden aufgestellt. Einer fragte den Forster, ob er eine Maß Bier möge, erhielt aber keine Antwort. Dann stellte man sich auf und feuerte mehrere Schüsse ab. Knittelverse wurden verlesen, die sich gegen Bauern, Wirte und Brauer aus Hilgen und Pfaffing richteten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Einzelnen getrieben wurde gegen:&lt;br /&gt;
* den Bürgermeister Posch von Eschelbach&lt;br /&gt;
* den Gastwirt Windsperger&lt;br /&gt;
* den Bäcker Fischerfeier, ihm soll man den Beutel wegschneiden&lt;br /&gt;
* den Lehrer Forstner und&lt;br /&gt;
* den ehemaligen Pfarrer&lt;br /&gt;
* die Frau Windsperger von Pfaffing und&lt;br /&gt;
* die Frau Hefter von Pfaffing, zur letzteren soll der Dr. Müller von Rott öfters herausgekommen sein&lt;br /&gt;
* Der Kramer Englhard soll einmal mit dem Dr. Müller ins Raufen gekommen sein&lt;br /&gt;
Am Schluß erfolgte ein donnerndes Hoch auf den Prinzregenten und den Pfarrer. Der Abmarsch erfolgte über den Zelbach in den Ebersberger Bezirk Richtung Jakobneuharting. Verdächtigt der Teilnahme wurden:&lt;br /&gt;
* der Distriktsstrassenwärter Gabriel Eder aus Edling&lt;br /&gt;
* der Musiker Michael Wimmer von Attel&lt;br /&gt;
* der Gütler Heinrich Schillinger in der Filzen&lt;br /&gt;
* der Flaschenbierhändler Alois Litzlfelder von Hirschbichl&lt;br /&gt;
* der Flaschenbierhändlerssohn Heinrich Hofstetter aus Graben&lt;br /&gt;
* der Bauer Joseph Lippacher im Thal (Pfaffing)&lt;br /&gt;
* der Schuhmacher Adolf Siegelwallner, Aßling und&lt;br /&gt;
* der Tagelöhner Benedikt Eichner aus Schacha (Schachaweber)&lt;br /&gt;
Verdächtigt wurden auch Pfaffinger Bürger.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Nacht von 24. auf 25. November landete ein anonymer Brief beim Bezirksamt Wasserburg. Darin wurden für das Haberfeldtreiben in Paffing folgende Personen verantwortlich gemacht:&lt;br /&gt;
* Sigmund Killi in Buch, Gemeinde  Ferwach(?) , Bruder des Killi-Hausl (Inhaftiert)&lt;br /&gt;
* Gastwirt Thomas Fellner aus Bichl ebenfall Gemeinde Ferwach&lt;br /&gt;
* und seine Bruder Gabriel Fellner von Rettenbach (ebenfalls Gemeinde Ferwach)&lt;br /&gt;
Etwa gleichzeitig wurde dem Bezirksamt von der Haftanstalt Laufen mitgeteilt, der dort wegen Haberfeldtreibens einsitzende Dienstknecht Stefan Hoiß aus Dettendorf habe einen Brief erhalten von dem aus der Haft entlassenen Johann Linhuber im Hardt, Gemeinde Höchstätt (Bezirksamt Rosenheim), wonach im nächsten Herbst ein Haberfeldtreiben sattfinden solle. Sigmund Killi aus Buch, ein Bruder des Killi Hausl wurde verhört und bestritt seine Teilnahme. Er war schon gerichtsbekannt wegen eines Diebstahls in Hohenthan, zusammen mit Thomas und Gabriel Fellner. Alle 3 wurden am 4.6.1897 (2 ½ Jahre später!) verhaftet. Der Bürgermeister von Feldkirchen hatte durch einen Boten einsagen lassen, welche Angaben sie vor dem Untersuchungsrichter zu machen hätten. Fischbacher Joachim, Dienstknecht Gemeinde Ramelberg bestreitet ebenfalls seine Teilnahme. Auch beim Steinhöringer Treiben sei er nicht dabei gewesen, da habe er einen Brief gekriegt. Er hat für beide Nächte kein Alibi und ist bei der Vernehmung sehr aufgeregt. In einem anonymen Brief werden der Scheuerl von Böckmühl und der Windsperger von Pfaffing als Anstifter genannt. Der 7-jährige Mühlhuber Pepperl erzählt in der Schule, sein Vater sei am Sonntagmorgen heimgekommen und habe erzählt, wie schön es beim Haberfeldtreiben gewesen sei und dass er es selbst gesehen habe. Mühlhuber wird verhört und erklärt, dass er nur im Besitz von einem Paar Stiefel sei, die er um die kritische Zeit beim Schuhmacher in Edling hatte. Am 13.8.1897 ergeht ein Einstellungsbeschluß.&lt;br /&gt;
In einem Zeitungsbericht vom 28. November 1894&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; heißt es, die Teilnehmer seien aus Aßling gekommen und auch dorthin wieder zurückgekehrt, sie seien:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;mit guten Hinterladern (Jagdgewehren) und Alpenglocken ausgerüstet gewesen. Zur Ehre der Haberer sei&#039;s gesagt, daß diesmal kein ausgelassenes Treiben, muthwilliges Schießen und Spektakelmachen, Sachbeschädigungen etc sondern ein formvollendetes Haberfeldtreiben stattfand. Der Haberfeldmeister hatte eine besonders hierfür gut passende, kräftige, weithin vernehmbare Stimme. Das Treiben galt anrüchigen Persönlichkeiten und obwaltet darüber nirgends Zweifel, wem es gegolten, es wurde sozusagen mit der ganzen Gegend auf einmal aufgeräumt. Das Treiben wurde nicht gestört, die Gendarmerie kam zu spät, das Militär gar nicht. Nächstesmal bei Grafing.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling, 30./31.3.1895&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72639|BayHStA, MINN 72639]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77820|StAM, LRA 77820]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1789/28870|StAM, RA 1789/28870]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 30. auf 31. März 1895 kurz nach Mitternacht kamen ca. 80 Mann auf der Distriktstraße von Pfaffing her gezogen und liefen durch durch den Ort. Sie schossen vor dem Pfarrhaus mehrere Salven ab und drehten dann um, um sich auf einem brachliegenden Acker zwischen der Straße von Edling nach Pfaffing und dem südlich davon verlaufenden Feldweg, nur ca. 100m südlich vom Schulhaus Edling aufzustellen. Eine große Anzahl von Schüssen wurde abgefeuert und Raketen angezündet. Die Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Expositus Sedlmaier&lt;br /&gt;
* den Lehrer Haimerl&lt;br /&gt;
* den Bahmeister&lt;br /&gt;
* den Spanbrucker Sebastian Schmid von Edling&lt;br /&gt;
* den Windsberger, Bräu in Harth&lt;br /&gt;
* Sebastian Gschwendtner&lt;br /&gt;
* die Huasbäurin&lt;br /&gt;
* die Schambacherin (Haushälterin von Georg Brand, Bäcker in Edling)&lt;br /&gt;
Der Wortlaut war allerdings kaum zu verstehen. Aus einer naheliegenden Scheune war eine Windmühle entwendet worden, mit der Lärm gemacht wurde, außerdem aus der Nähe Schragen und Bretter, aus denen für den Vorleser eine &#039;&#039;Rednerbühne&#039;&#039; errichtet worden war. Die Türen zum Kirchturm waren mit Papier verstopft. Das Treiben dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Rotte zog danach auf der Straße nach Hardt ab. Auf dem Treibplatz fand man eine Menge Papierpfropfen, die zum Schießen verwendet worden waren. Das Papier stammte vom Ebersberger Anzeiger und ließ keine Rückschlüsse zu. Auch die vorgefundene Verpackung der Raketen mit der Aufschrift &#039;&#039;Heinrich Bungs Nachfolger, Balanstraße 8&#039;&#039; führt trotz gestellter Nachfrage bei der Firma nach Bestellungen aus der letzten Zeit zu keinem Ergebnis. Nach längeren Untersuchungen wird Karl Kleinschwäger festgenommen. Er soll in Pfaffing (November 1894) dabei gwesen sein und Haberfeldmeister und Vorleser in Edling gewesen sein. Er gibt schließlich zu, in einem Wirtshaus Verse aufgesagt zu haben, welche aber von 1865 stammten und dortmals abgesungen worden seien. Ein Strafverfahren wird gegen ihn in Traunstein eröffnet, dessen Ausgang aber nicht in den Akten dokumentiert ist. Noch 50 Jahre später wurde im Reichenhaller Tagblatt&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberfeldtreiben|o.V., Haberfeldtreiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt; des Treibens gedacht, es war:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;in der Nacht vom 30. auf 31. März in Wasserburg, besonders in der Bahnhofsgegend, ein ununterbrochenes Schießen hörbar. Anderntags stellte sich dann heraus, daß in der benachbarten Ortschaft Edling um die angegebene Zeit ein Haberfeldtreiben stattgefunden hat, wohl da letzte in der Geschichte dieses oberbayerischen Fehmgerichtsbrauches.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Es hätten 60-70 Männer teilgenommen. Ein &#039;&#039;alter Haberer&#039;&#039; berichtet 60 Jahre später in der Wasserburger Zeitung&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das letzte Treiben|o.V., Das letzte Treiben]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus seinen Erinnerungen: Der Filzenwirt habe einen Teil der Haberer auf gefährlichen Wegen über die Riedener Filze geführt.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir lagen in tiefem Schlaf, als uns unser Vater weckte. &#039;Kinder, stehts auf! Im Dorf drübn deans Haberfeld treibn&#039;. Wir waren plötzlich hellwach und standen am Fenster. Von Edling herüber ertönte fürchterlicher Lärm. Einmal langanhaltende Schießerei, dann wieder blechernes Klappern, Schreien. Dröhnen wie von Paukenschlägen, dann ein Trompetensignal, und schließlich für einige Minuten Stille. Es war dies, wie man uns dann erzählte, jene Spanne Zeit, wo der Haberermeister jeweils ein Kapitel seines Sündenregisters verlas. Diese Lautskala wiederholte sich einige Male. Am nächsten Morgen aber waren wir schon früh auf dem Platz, wo das Treiben stattgefunden hatte. Zahlreiche Menschen standen umher in aufgeregten Gesprächen und ein beträchtliches Aufgebot von Gendarmen stellte umständliche Erhebungen an. Wir mußten alle Patronenhülsen, die wir aufgehoben hatten, abliefern und es lagen viele herum, Hunderte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steinhöring 26./27.10.1895&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77817|StAM, LRA 77817]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28864|StAM, RA 1780/28864]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon ein halbes Jahr später, in der Nacht von 26. auf 27. Oktober 1895, kurz nach Mitternacht zogen zwischen 30 und 50 Mann von der Oelmühle kommend durch das Dorf Steinhöring in Richtung Hintsberg und trieben auf einer Anhöhe von ½ 1 bis 1 Uhr, während aufgrund einer Warnung die Gendarmen in Glonn zusammengezogen waren. Das Treiben galt:&lt;br /&gt;
* dem Pfarrer Hellmeier wegen Mißhandlung seines Bruders, den er erschlagen habe und weil er die Weiber gern am Unterleib kuriere&lt;br /&gt;
* dem Bauern Josef Moritz in Hintsberg wegen Feindseligkeit mit seinem Nachbarn&lt;br /&gt;
* dem Bäcker Felix Stangl wegen Unregelmäßigkeiten beim Backen&lt;br /&gt;
* dem Posthalter (Post-Aigin) wegen Umgangs mit seiner Kellnerin&lt;br /&gt;
* dem Privatier Johann Brandmeier wegen Intimitäten mit dem Pfarrer&lt;br /&gt;
* der Bierbrau-AG Höfter wegen &#039;&#039;Plömbösiadarei&#039;&#039; (=Plempel-Siederei = schlechtes Bier brauen)&lt;br /&gt;
* zwei Lehrern wegen Hurerei, dem Cooperator&lt;br /&gt;
Die Schlüssellöcher der Kirche wurden verstopft, die Telefonleitung gekappt und Raketen abgeschossen. Ein Trompeter blies am Schluss &#039;&#039;was man aus Liebe tut&#039;&#039;. Verdächtigt als Teilnehmer wurden die Steinhöringer selbst, Zuzügler aus Frauenneuharting, Aßling und Schalldorf, außerdem der Bauer Xaver Baur aus Nicklasreuth (Gemeinde Aßling). Am 13.11.1895 erhält der Vorstand des Bezirksamts Ebersberg einen Schmäh - und Drohbrief bezüglich dieses Treibens. Der veröffentlichte Treibtext enthält weitere und zum Teil andere Vorwürfe als die im Treiben aufgezählten. In der Nacht vom 1. auf 2. November 1896 wurde in der Gemeinde Griesstätt ein Vorfall registriert, der wohl nicht als Haberfeldtreiben bezeichnet werden kann. 4 Burschen machten im Ortsteil Kettenham unbewaffnet Lärm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verhaftungswelle 1896=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Albaching.jpg|mini|Beabsichtigtes Haberfeldtreiben in Albaching, 1893.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im April 1896 war der Killi-Hausl, Sohn des früheren Haberfeldmeisters, aus Münster bei Glonn verhaftet worden. Er hatte sich vor Kameraden mit der Teilnahme an mehreren Haberfeldtreiben gebrüstet. In der Haft verriet er einem Zellengenossen gegenüber den Haberfeldmeister Thomas Bacher und viele seiner Genossen  bei den Treiben von Sauerlach und Peiß. Einige konnten sich rechtzeitig nach Amerika und Kanada absetzen, viele wurden verhaftet und später verurteilt. Am 27. April 1896 startet die Gendarmerie Wasserburg eine Umfrage bei den umliegenden Gendarmeriestationen über stattgehabte Haberfeldtreiben&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und diesbezügliche Verhaftungen. Die Gendarmerie Zorneding meldet 15 Inhaftierte, Glonn 6 Verhaftete, aus Oberhaching wird ein Mann gemeldet, ebenso aus Aying. Höhenkirchen berichtet von 7 Festnahmen, Sauerlach meldet 3 Inhaftierte. Fast alle gingen davon aus, daß weitere Verhaftungen folgen. Zorneding merkt an, daß die Informationen vertraulich zu behandeln seien,&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;indem auf höheren Auftrage die größte Verschwiegenheit beachtet werden soll. Erstaunlicherweise meldet die Station Miesbach Fehlanzeige mit dem Hinweis, dass wohl auch künftig keine Hoffnung bestehe, Verhaftungen vornehmen zu können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis des Amtsbezirks Wasserburg vom 23. Dezember 1896 sind 15 Festnahmen vermerkt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72659|BayHStA, MINN 72659]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Verzeichnis 3.jpg|mini|Verzeichnis zur polizeilichen Verfolgung von Haberern.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des Treibens in Steinhöring Oktober 1895:&lt;br /&gt;
* Wurmanstetter Balthasar, verh. Schmied in Rettenberg, am 19. Oktober 1896 inhaftiert, in Freiheit gesetzt nach 6 wöchiger Haft infolge Geständnis&lt;br /&gt;
* Fellner Xaver, verh. Gütler, Bachleuten, Gemeinde Farrach, am 8. November 1896 in Rott festgenommen, sofort aufgrund Geständnis wieder in Freiheit gesetzt&lt;br /&gt;
* Neumaier Gottfried, Musiker von Rettenbach, am 23. November 1896 in Rott inhaftiert, nach einigen Tagen wegen Geständnis frei gelassen&lt;br /&gt;
* Fischbacher Joachim, Dienstknecht in Sindlhausen, wohnhaft in Mühltal Gemeinde Edling, verhaftet am 26.11.1896 in Rott&lt;br /&gt;
* Maierbacher Gabriel, lediger Taglöhner in Bichl, Gemeinde Farrach, festgenommen am 27.11.1896 in Rott&lt;br /&gt;
* Mühlbauer Bernhard, lediger Torsteher von Oberding, Gemeinde Erding, wohnhaft in Springelbach, Gde. Pfaffing, festgenommen am 20.10.1896 in Albaching&lt;br /&gt;
* Eichner Benedikt, verh. Gütler aus Schacha, Gde. Farrach, nach Geständnis freigelassen&lt;br /&gt;
* Brucker Josef,  led. Dienstknecht von Grafing, Gde. Ebersberg, wohnhaft in Rettenbach, freigelassen nach Geständnis&lt;br /&gt;
* Sewald Bernhard, led. Wagner von Zellerreuth, Gde. Ramelberg, in Haft behalten worden&lt;br /&gt;
* Schaber Georg, led., Langdorf Gde. Rott frei gelassen nach Geständnis&lt;br /&gt;
* Winkler Marin, led. Bauerssohn von Langdorf, Gde. Rott&lt;br /&gt;
* Hüttl Blaius, led. Diesntknecht von Ast, Gde. Assling, wohnhaft in Rott&lt;br /&gt;
* Weber Michael, lediger Bräubursche von Pölling, wohnhaft Schloß Hart, Gde. Edling&lt;br /&gt;
* Neumaier Nikolaus, verh. Torsteher von Moos, Gde. Pfaffing, nach Geständnis freigelassen&lt;br /&gt;
* Lippacher Josef, led. Bauerssohn von Thal, Gde. Pfaffiing, der allerdings flüchtig sei&lt;br /&gt;
Bis Mai 1897 werden 94 Haberfeldtreiber zu Gefängnisstrafen verurteilt. Dreiviertel von ihnen waren ledige Burschen, die Verheirateten fast ausschließlich Arbeiter, Handwerker und Kleingütler. 57 waren zwischen 20 und 30, zwischen 30 und 40 immerhin 32. Etwa 2/3 waren Arbeiter, Knechte, Tagelöhner, also aus den unteren sozialen Schichten, 12 Bauern oder Bauerssöhne waren gezählt. Bei dieser &#039;&#039;sozialen&#039;&#039; Zusammensetzung des Teilnehmerkreises, die so auch für viele vorhergehende Treiben gelten dürfte, ist es abwegig, den  Brauch als &#039;&#039;letztes Aufbäumen der niedergehenden bäuerlichen Welt&#039;&#039; zu klassifizieren. Diese ersten strengen Urteile gegen die Hauptbeteiligten führten im bayrischen Parlament zu einer Debatte, bei der die Sozialdemokraten, speziell der in Miesbach aufgewachsene Parteichef von Vollmar für die Haberer eintraten und eine Amnestie forderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Letzte Treiben 1901 bis 1905=&lt;br /&gt;
Die darauffolgenden Treiben waren untaugliche Versuche, den Bund und seine Mitglieder zusammenzuhalten und ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Immerhin hatten die Polizei- und Gerichtsaktionen eine hohe Publizität zur Folge, in allen Deutschen Zeitungen wurde das Wort &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; bekannt gemacht. So ist es nicht verwunderlich, dass plötzlich in ganz Bayern und in Tirol &#039;&#039;Haberfeld getrieben&#039;&#039; wurde. Zahlreiche Hinweise von Berchtesgaden bis Weiden in der Oberpfalz und von Oberstdorf bis Passau schienen darauf hinzudeuten, dass man dort auch Haberfeld getrieben habe. Wie sich bei näherem Hinsehen herausstellte, handelte es sich um nächtliche Umtriebe von Burschen, meist ohne Verse, mit Zumauern der Haustür (Berchtesgaden) oder Mistwagen aufs Dach stellen (Tirol). Die Leute nannten alle nächtlichen Exzesse jetzt Haberfeldtreiben. Das Wort hatte hohen Bekanntheitsgrad, was genau dahinter steckte, wusste kaum jemand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pfaffing 18./19.5.1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das Volksgericht|o.V., Das Volksgericht]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Samstag auf Sonntag, 18. auf 19. Mai 1901 fand - nach 5 Jahren Stille - kurz nach Mitternacht auf der Distriktsstrasse von Pfaffing nach Rott vor dem Haus des Alois Lechner im Weiler Neuhäusl ein Haberfeldtreiben mit Schreien, Johlen und Schießen durch 8-10 Mann statt. Die Aufstellung erfolgte am Spiegelberg. Abwechselnd wurden Spottlieder gesungen und einige Knittelverse verlesen. Einer rief nach jedem Vers &#039;&#039;ist das wahr?&#039;&#039; und die anderen schrieen &#039;&#039;ja, wahr is!&#039;&#039; Die 4 Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Raab in Pfaffing (1 Vers) und den&lt;br /&gt;
* Privatier Lechner in Neuhaus (3 Verse)&lt;br /&gt;
Beiden wurde intimer Verkehr vorgeworfen. Das ganze dauerte nur 10 Minuten. Die Münchner Neuesten Nachrichten vom 22.5.1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das Volksgericht|o.V., Das Volksgericht]].&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten ausführlich. Es sei nun die Zeit gekommen, wo die ersten abgestraften Haberer die Gefängnisse verließen und schon ginge es wieder los. Die Heirat des etwa 70 Jahre alten Austragsbauer, Lechner, genannt der &#039;&#039;alte Steinharker-Jackl&#039;&#039; mit einer um mehrere Jahrzehnte jüngeren Frau sei vermutlich der Anlaß gewesen. Die Verse hätten sich aber auch gegen den Pfarrer Josef Raab und den Lehrer Adalbert Führer in Pfaffing gerichtet.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die Haberer - etwa 30 Mann an der Zahl- brachten zum Schlusse ihres &#039;Volksgerichtes&#039; das über eine Viertelstunde währte, merkwürdigerweise auf den Kunstmühlenbesitzer Herrn Scheuerl und dessen Gattin ein &#039;Hoch&#039; aus und zogen sich dann wieder in der Richtung gegen Faßrain auf der Rettenbachertsraße ebenso lautlos, wie sie gekommen, zurück.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Gendarmerie wiegelt ab: &#039;&#039;es scheint ein spontaner Unfug zu sein&#039;&#039;. Auch der Bezirksamtmann meint, dies sei ein Racheakt einiger Burschen gewesen. Denn der Privatier Alois Lechner beobachtete von seinem Haus aus die Dienstboten des Kunstmühlbesitzers Stefan Scheuerl, mit dem er befreundet war und meldete ihm Faulenzer. Außerdem verhinderte er, dass ein Knecht vom Scheuerl mit seiner Tochter anbandeln konnte. Der Pfarrer gelte in der Gegend als &#039;&#039;nicht ganz normal (Verfolgungswahn). Auch die Münchner Neuesten bezeichneten den Pfarrer als &#039;&#039;etwas streng und nervös&#039;&#039;. Der Bericht, wonach auch der Lehrer von Pfaffing mit einbezogen worden sei, wurde dementiert. Aufzeichnung des Sergant Thomas Butsch:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77821|StAM, LRA 77821]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Verse von dem Haberfeldtreiben in Neuhaus (Pfaffing):&amp;lt;br&amp;gt;I. Was wird die Weberin von Neuhaus verübt ham, weils den Gemeindestier müssen hat ham&amp;lt;br&amp;gt;II. Die Filsenzens ist eine Schnalln, darum thuts dem Pfarrer von Pfaffing so gfalln&amp;lt;br&amp;gt;III. Der Jackl, (den Lechner meinend), sei ein rechter Stier...&amp;lt;br&amp;gt;nachträglich zeige ich noch an, daß eine eidliche Vernehmung der Bewohner der Röckmühle nicht von Erfolg begleitet sein dürfte, da sich der Verdacht jetzt wieder mehr nach Rettenbach und Zell, Gemeinde Frauenneuharting Gbz. Ebersberg richtet. Der Bauer Josef Schwaiger von Zell ist Jagdpächter verkehrt viel bei der in den Versen genannten Filsenzenzl, &#039;Kreszenz Schillinger in Filsen, Gde. Rettenbach&#039; u. hört man häufig, dass er mit derselben auch in intimen Verkehr stehen soll. Der Mann derselben ist seit einem Jahr schwer krank gewesen und wurde deshalb vom Herrn Pfarrer Raab in Pfaffing öfter besucht und dieser von der Ehefrau, wie sie selber angibt, ein Stück Wegs begleitet, wobei sie über die Genesung des Ehemanns gesprochen hätten. Es wird nun vermutet, dass deshalb eine Eifersucht entstanden, u. deshalb der Herr Pfarrer mit hineingezogen wurde. Scheuerl gibt glaubhaft durch Nachweis an, dass bei ihm ein großer Wechsel an Dienstboten ist, und deshalb ein Zusammenschließen derselben zu einem solchen Vergehen nicht leicht anzunehmen wäre, dagegen ist nicht ausgeschlossen, ob sich nicht schon dort bedienstet Gewesene unter den Tätern befinden. Dringend verdächtig ist wohl der ledige Dienstknecht Joachim Fischbacher bei dem Krämer Josef Engelhart in Rettenbach, jedoch führten die Recherchen in der Richtung gegen diesen und auch andere Verdächtige zu keinem Resultat. Die Recherchen werden fortgesetzt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Haussuchungen bei den Dienstboten verliefen ohne Ergebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ramerberg 12./13.10.1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberer in Ramerberg|o.V., Haberer in Ramerberg]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Im ersten Bericht über dieses Treiben heißt es, es habe &#039;&#039;vormittag um 12 ½ Uhr&#039;&#039; stattgefunden. Dies wird später korrigiert. Natürlich war es in der Nacht von Samstag auf Sonntag, den 12. auf 13. Oktober 1901 gegen Mitternacht, als zwischen 15 und 25 Mann aus Richtung Rettenbach, Maierbach und vom Rotter Fußweg den Ort von Süden her durchzogen und mehrere Schüsse (aus einem &#039;&#039;Central-Feuer-Jagdgewehr&#039;&#039;) abgaben. Einer sagte: &#039;&#039;Nun Maxl, geh, jetzt kanns losgehen!&#039;&#039; Sie riefen dem Lehrer zu: &#039;&#039;die Haberer sind da!&#039;&#039; Bei Machnerhaus wurde Aufstellung genommen, von da zog man zum Schulsaal, Pfarr- und Schulhaus. Dort schrieen sie: &#039;&#039;Raus, Ramerberg, die Haberer sind da! Raus, wenn ihr eure Schandtaten hören wollt!&#039;&#039;. In der Nähe der Kirche kehrten sie um und zogen ca. 250 Meter ins freie Feld zwischen Eich und Witterhof, wo sie Aufstellung zum Haberfeldtreiben nahmen und Vorposten aufstellten. Zuerst wurden Lieder gesungen und Raketen und Knallfrösche abgebrannt. Dann lasen sie im Scheine eines Lichtes Verse vor gegen:&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzer Grein in Wasserburg&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzen Kaiser in Rott und&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzer Windsperger in Schloß Hart&lt;br /&gt;
* der Gütler Sebastian Maier, Urban von Katzbach&lt;br /&gt;
* der Josef Sixt, Bauer von Hochstätt&lt;br /&gt;
* der Bauer Wurm und&lt;br /&gt;
* der Georg Gerer, Bauer von Ramerberg wurden des Verkehrs mit ihrer Magd beschuldigt&lt;br /&gt;
Dazwischen wurde gefragt: &#039;&#039;is wahr?&#039;&#039; Und geantwortet: &#039;&#039;ja, wahr is!&#039;&#039; Die Schlösser der Kirche waren verstopft, so dass man nicht läuten konnte. Die Nacht war sehr dunkel, der Vorleser ziemlich leise und es ging ein starker Wind, so dass die Bewohner kaum etwas verstehen konnten. Frösche und Raketen wurden abgefeuert, es fielen ca. 200 Schuss, aber es wurde nicht scharf geschossen. Am Ende wurde auf den Pfarrer ein Hoch ausgebracht und ein weiteres Treiben in Bachleiten angekündigt. Schließlich sangen die Treiber das Lied &#039;&#039;was man aus Liebe tut&#039;&#039; und zogen wieder Richtung Rettenbach, Maierbach nach Westen ab. Der Wasserburger Anzeiger&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberer in Ramerberg|o.V., Haberer in Ramerberg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; nahm sich des &#039;&#039;Miniatur-Treibens&#039;&#039; an und berichtetet:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Wind geht über die junge Saat und die übermütigen Burschen, die &#039;Haberer&#039; sind, weil des Gesetzes strafender Arm sie im Vorjahr nicht erreichte, um so kühner wieder am Werke. Die etlichen 15-20 Burschen, die dem in ihnen gährenden Unmut durch eine von Raketenschein verklärte matte Nachahmung des bekannten Oberlandbrauches Luft machten, sind in auswärtigen Blättern (gemeint ist das Münchner Neue Tagblatt) bereits auf 100 angeschwollen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Als Treiber vermutete man Angehörige der Gemeinden Frauenneuharting, Schalldorf und Aßling, vom Ebersberger Bezirk seien mindestens 10 Mann herbei gezogen und über den Zellbach wieder zurück gegangen. Als Haupträdelsführer wurde am 30.10.&lt;br /&gt;
* der Dienstknecht Johann Fischbacher, 47 Jahre von Sindlhausen, Gemeinde Hohenthan verhaftet, aber im Dezember wieder entlassen und&lt;br /&gt;
* Franz Weiß, verheiratet, 25 Jahre, Taglöhner von Rott genannt&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Furcht vor Ihrer Rache war groß&#039;&#039;, heißte es in den Bezirksamtsakten. Angeblich fand in Neuhaus bei Ampfing am 6.11.1901 ein Haberfeldtreiben statt, möglicherweise eines der vielen unwahren Gerüchte. Am 14.11. kündeten Plakate um Ramerberg ein Haberfeldtreiben in Jakobneuharting an, auch in Rott oder Albachig sollte ein Treiben stattfinden. Es wurden 6 Mann Sicherheitswachen täglich von 10 Uhr bis 3 Uhr früh (je 2 Mann) angeordnet. Außerdem durfte keine Tanzmusik mehr stattfinden. Dienstpflichtige Burschen wurden für 2 Monate eingezogen. Ab dem 18.11.1901 lag Schnee, es gab keine weiteren Treiben. In der Nacht von 1. auf 2. Oktober 1902 fand in der Gegend von Lampferding, Gde. Dettendorf (Landgericht Ebersberg) ein kleines Treiben statt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72659|BayHStA, MINN 72659]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77821|StAM, LRA 77821]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauenneuharting 23./24.9.1905==&lt;br /&gt;
Der Stationskommandant von Pfaffing meldet, es habe in den beiden Orten Jakobneuharting und Frauenneuharting je ein Treiben in der gleichen Nacht stattgefunden. Dies war wohl nicht ganz so. In der Nacht von 23. auf 24. September 1905, zwischen ½ 1 und 1 Uhr nachts zogen etwa 60 bis 70 Mann, von Jakobneuharting kommend nach Frauenneuharting, lärmend und scheltend durch das Dorf. Am Schulhaus fielen die ersten Schüsse. Sie stellten sich ca. 150 m nordwestlich von Frauenneuharting auf, schossen und zündeten Raketen. Die Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Zeller Johann, Schloßbauer in Lauterbach&lt;br /&gt;
* den Stacheter Georg, verh. Gütler in Hochholz&lt;br /&gt;
* den Weber Josef, verh. Gütler, Steinkirchen&lt;br /&gt;
* die Lehrersfrau Elise Bichler von Olching&lt;br /&gt;
* eine Wirtstochter&lt;br /&gt;
* den Hegenreiner Paul, verh. Bauer in ...graben&lt;br /&gt;
* den Brunnhuber Josef, Maurer in Eschenlohe und&lt;br /&gt;
* den Benefiziat Anzenhofer von Fuhr&lt;br /&gt;
Man vermutete als Teilnehmer Mitglieder des Burschenvereins, denn der Benefiziat, ein Gegner des Tanzvergnügens, hatte einen neuen, katholischen Burschenverein gegründet. Die Kirchentür war zugeklemmt, der Telefondraht abgezwickt worden. Der Abzug erfolgte Richtung Tegernau und Aßling. Man befürchtete in diesem Jahr weitere Treiben, am 16. November schneite es jedoch heftig. Der bereits oben ([[#Edling.2C_30..2F31.3.1895.5B49.5D|Edling]]) erwähnte &#039;&#039;alte Haberer&#039;&#039; war bei diesem Treiben dabei und schildert es aus seiner Erinnerung 1956 in der Wasserburger Zeitung,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das letzte Treiben|o.V., Das letzte Treiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt; allerdings datiert er das Treiben auf September 1906, also ein Jahr später:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;In der Gemeinde, wo ich damals arbeitete, waren uns 7 Leute, die zum Kreis der Haberer gehörten. Gegen 10 Uhr abends brachen wir auf und trafen uns draußen am Waldrand, von wo wir uns gemeinsam auf denn Weg zum großen Treffpunkt der Haberergilde machten. Jeder hatte sein Gesicht mit Ruß geschwärzt oder eine schwarze Zipfelmütze mit Augenschlitzen über den Kopf gezogen. Und jeder hatte ein Gewehr umgehängt. Außerdem trugen wir weite, schwarze Mäntel und Schaftstiefel. Am Eingang zur Riedener Filze trafen wir auf eine andere Gruppe von Vermummten. Das Losungswort wurde gegeben: &#039;Jagerbluat&#039;. Und dann huschten an die 20 Gespenster über das weite, nächtliche Moor. Alte Haberer führten die Jungen. Es war ein langer gefährlicher Weg über wassergefüllte Gruben, an sumpfigen Gräben entlang, über schmale Stege und glitschiges Moos. Auf einer Waldlichtung in der Nähe des Dorfes Tegernau war der Sammelplatz für die Haberer. Es kamen an die Hundert zusammen. Unter dem Sternenhimmel der Herbstnacht entwickelte sich ein buntes Lagerleben. Mit viel Bier feierten wir das Wiederaufleben des alten Fehmgerichts. Dann wurden die Patronen verteilt und in langem Zuge marschierte die neuerstandene Haberergilde ihrem Ziel zu. Das hochgelegene Dorf Frauenneuharting im Landkreis Ebersberg, - von unserem Lagerplatz aus hatten wir ¾ Stunden zu gehen - war der Schauplatz des Treibens. Wir hatten Anweisung, beim Marsch durch das Dorf aus allen Gewehren zu schießen. Und als wir die ersten Häuser erreichten, es war etwa um Mitternacht, erhob sich eine so wilde Schießerei aus allen Gewehren, dass wohl kein Einwohner den Schlaf sich aus den Augen reiben brauchte. Aufgeschreckt eilten die Leute ans Fenster, das Vieh in den Ställen begann zu brüllen, Hunde bellten wild. Einige Haberer hatten rechtzeitig die vom Dorf wegführenden Telefonleitungen durchschnitten und die Schlüssellöcher der Kirchentüren mit Papier und Erde verstopft, so dass nicht die Gefahr einer Benachrichtigung der Polizei durch Fernsprecher oder Kirchenglockengeläut bestand. Und dann begann das eigentliche Treiben. Auf einer hochgelegenen Stelle des Ortsausgangs wurden im weiten Umkreis Doppelposten aufgestellt. Im Innern dieses Postenkreises befanden sich alle anderen Haberer. Der Haberermeister, eine kräftige, mächtige Defreggergestalt, bestieg einen bereitgestellten Wagen, einer seiner Männer leuchtete mit einer Laterne zur Verlesung des umfangreichen Protokolls. Der Meister verkündete mit weithin hallender, tiefer Stimme den Wunsch des Kaiser Karls, das alte Fehmgericht nicht aussterben zu lassen und fortan strenge Auswahl zu halten unter den Haberern, dass nicht wieder Verrat begangen werde. Dann kam das Sündenregister zur Verlesung. In derben Versen wurden viele Leute aus der engeren und weiteren Umgebung angeprangert. Und jeweils, wenn der Reim über einen Angeklagten des Fehmgerichtes zu Ende war, schrie der Haberermeister, noch gewaltiger seine Stimme erhebend, vom Wagen herab über die Menge der Haberer hin: &#039;Is des a wahr?&#039; Worauf wir alle zurückschrien: &#039;Ja, wahr is!&#039; Dann folgte ein wahres Höllenkonzert zusammengesetzt aus Schreien, Schüssen, dem Klappern von Kochdeckeln und eisernen Pfannen, dem Geplärr alter Pauken und Posaunen. Schließlich ertönte ein Trompetensignal und nun wurde wieder gegen einen anderen die gereimte Anklage erhoben. Es dauerte wohl eine Stunde lang, bis alle an der Reihe waren. Dann trat eine kurze Stille ein und zuletzt ertönte - es klang fast feierlich unterm Sternenhimmel der klaren Nacht - das alte Trompetensolo der Haberer. (Anmerkung: wohl das Lied: &#039;was man aus Liebe tut&#039;) Der Trompeter stand auf dem Wagen neben dem Haberermeister und seinem Gehilfen, der die Laterne hielt. Ringsum die vermummten Gestalten mit ihren Ruß- und Kapuzengesichtern, mit ihren weiten Mänteln, den Gewehren in der Hand, mit ihren Lärminstrumenten, den Pfannen und Tiegeln: ein wilder Spuk, eine Meute aus dunklen Vortagen, eine geheimnisvolle Versammlung, so schien es. Die letzte Haberergilde des Oberlandes. Nach dem Signal wurden die Posten eingezogen und vor dem Dorf verschwanden die Haberer lautlos in alle Richtungen. Wir nahmen unseren Weg wieder zurück über das Moor und es war der Morgen nicht mehr fern, als wir endlich in unseren Betten lagen. Lange forschte auch diesmal die Polizei. Aber alle hielten dicht. Keiner wurde erwischt. Das Treiben in Frauenneuharting im September des Jahres 1906 aber ist das letzte Haberfeldtreiben geblieben. Und ich muss gestehen - es freut mich heute noch, daß ich dabei war.&amp;lt;br&amp;gt;Ein (jetzt schon recht alter) Haberer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Treiben zwischen 1893 und 1905 sind bis auf das erste wohl mehr oder weniger verzweifelte Versuche, den Behörden den Trotz der Oberlandler zu beweisen und an einem Brauch festzuhalten, der bei der Mehrheit der Bevölkerung keinen Rückhalt hatte. Mehr als 70 Teilnehmer brachte man nicht mehr zusammen, in Pfaffing gerade mal 8-10, in Rammerberg 15-25. Es waren nicht nur häufigen Festnahmen, Verurteilungen und die drakonischen Strafen, die potentielle Teilnehmer abhielten, es war auch die Einsicht in weiten Kreisen der Bevölkerung, dass die aufgebrummten Nachtwachen, die Einberufung von Söhnen und Knechten zum Militär und nicht zuletzt auch die hohe Entdeckungsgefahr eine Unterstützung des Habererbundes nicht rechtfertigten. Es ist bemerkenswert, dass nach 1897 im Wasserburger Landgerichtsbezirk noch 2 Treiben stattfanden, im ganzen übrigen Gebiet der Habereraktivitäten nur 4 (1902 in Dettendorf, 1905 in Frauenneuharting, 1906 Neukirchen/Weyarn, 1907 Oberwarngau). Die beiden Treiben waren auch sehr klein. Man kann aber vermuten, dass die geringe Zahl der Verhafteten und Verurteilten im Wasserburger Gebiet die verbleibenden &#039;&#039;Aktivisten&#039;&#039; eher begünstigte als in den Bezirken Ebersberg, Rosenheim und Miesbach, wo viele Familien von den Nachforschungen und Gerichtsurteilen betroffen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zusammenfassung des Wandels des Erscheinungsbildes=&lt;br /&gt;
Wenn man nun aus allen Berichten zu den 144 Haberfeldtreiben zwischen 1719 und 1922 herausdestilliert, was bei allen Treiben gleich ist, was also ein Haberfeldtreiben über diesen Zeitraum ausmacht, so sind es nur 4 Komponenten: das Zusammenkommen mehrerer Burschen oder Männer, der Lärm, das Erscheinen bei Nacht, ein oder mehrere Opfer, denen die Versammlung gilt. Bei allen anderen beobachteten Erscheinungsformen ergibt sich kein einheitliches Bild. Immerhin kann man konstatieren, dass das Treiben früher, d.h. im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich einer weiblichen Person galt, dass vor ihrem Haus getrieben wurde und dass ihr in Versen oder in Prosa sittliche Vergehen vorgeworfen wurden. Dies, ohne dass die Teilnehmer bewaffnet oder vermummt gewesen wären oder sich zum Stillschweigen verschworen hätten. Ab etwa 1826 hat sich das geändert: man treibt vor dem Dorf mehreren Personen beiderlei Geschlechts, die Treibgründe liegen auch außerhalb der Sittlichkeit, meist werden Verse verlesen, die Teilnehmer sind bewaffnet und geschwärzt oder vermummt. Weitere Rituale, wie das Aufrufen fingierter Teilnehmer, die Legitimation im Namen Kaiser Karls vom Untersberg, der  militärische An- und Abmarsch in einheitlicher Tracht kommen erst ab etwa 1834 dazu. Noch später kann man dann das Anreisen mit Stellwägen oder auf Pferdefuhrwerken, das Brotzeitmachen und Biertrinken an Versammlungsorten und das Schießen auf Zuschauer oder auf die Häuser der Ortschaften feststellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unbelegt oder unwahr sind folgende Behauptungen, sie treffen weder für die ältere wie für die jüngere Periode zu:&lt;br /&gt;
* Teilnehmer waren &#039;&#039;nur alt eingesessene Bauern mit bestem Leumund&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Treiben sind reine &#039;&#039;Herbstgerichte&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Gerügte Vergehen liegen &#039;&#039;außerhalb des polizeilichen Strafrechts&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Für angeprangerte Vergehen muss ein Wahrheitsbeweis vorliegen&lt;br /&gt;
* Treiben wurden vorher angekündigt&lt;br /&gt;
* Opfer wurden im Hemd aus dem Haus geholt, in ein Bocksfell gesteckt, auf den Misthaufen gestellt&lt;br /&gt;
* Maskierungen, Larven, Verkleidungen (ursprünglich gar nicht, dann nur Schwärzen und Wergbärte, (wie auch  beim Wildern))&lt;br /&gt;
* nie hat ein Haberer einen anderen verraten&lt;br /&gt;
* Wiedergutmachung des Schaden (in den seltensten Fällen)&lt;br /&gt;
* Haberer als prinzipielle Gegner des Zölibats&lt;br /&gt;
* Haberer als Verfechter sozialer Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
* Karl der Große als Gründer: (erst im 19. Jh.)&lt;br /&gt;
* Haberer als die &#039;&#039;Kerntruppe&#039;&#039; des Sendlinger Bauernaufstands&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Woher kommt der Ausdruck &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; oder &#039;&#039;ins Haberfeld treiben&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Nach dem, was wir jetzt über die ursprüngliche Form des Brauches wissen, können wir sagen, woher der Ausdruck nicht kommt:&lt;br /&gt;
* Das ethymologische Wörterbuch der dt. Sprache&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kluge, Etymologisches Wörterbuch|Kluge, Etymologisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; stellt eine Verbindung zu lat. caper, der Ziegenbock her: &#039;&#039;haparfell&#039;&#039; sei das Bocksfell, in das das Opfer wie bei der mittelalterlichen Friedloslegung gezwängt worden sei. Simrock&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Simrock, Deutsche Mythologie|Simrock, Deutsche Mythologie]].&amp;lt;/ref&amp;gt; meint, die Treiber hätten das Opfer im Bocksfell umtanzt. Vermummung mit Fellen ist nicht nachweisbar.&lt;br /&gt;
* Haberfeld soll man als &#039;&#039;aperes&#039;&#039; Feld, also als offenes oder abgeerntetes Feld verstehen, auf das man das Opfer treibt. Oder &#039;&#039;aper&#039;&#039; wird auf das Opfer bezogen. das sich eine Blöße gibt, also aper wird. Oder &#039;&#039;Feld&#039;&#039; soll die Bedeutung von &#039;&#039;Thing&#039;&#039; haben, das Haberfeld also ein offenes Gericht sein. Die gerichtsähnlichen Beiwerke kamen aber erst im 19. Jahrhundert zum Brauch. Auch die Deutung &#039;&#039;aper feld&#039;&#039; als &#039;&#039;schneefreies Feld&#039;&#039; lässt sich ausschließen. Die Treiben fanden während des ganzen Jahres statt.&lt;br /&gt;
* Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; verweist auf Hans Sachs, in dessen Fastnachtsspielen findet man den Begriff &#039;&#039;jemanden auf die Haberwaid schlagen&#039;&#039;. Und zwar wird dort ein Mädchen von einem Burschen &#039;&#039;auf die Haberwaid geschlagen&#039;&#039;, wenn er sie zuerst geschwängert und dann verlassen hat. Der Ausdruck würde demnach nicht den Lärmaufzug selbst, sondern die Ursache desselben bezeichnen. Das würde bedeuten, dass im Namen des Aufzugs seine Ursache steckt: Das Mädchen, das zuerst geschwängert und dann verlassen wird, das also von ihm &#039;&#039;auf die Haberwaid geschlagen&#039;&#039; wird, wird von seinen Altersgenossen verspottet und durch einen Lärmaufzug gebrandmarkt. Dies könnten auch die Beschreibung der Opfer bestätigen, die wir in frühester Zeit finden: &#039;&#039;seine clegers Tochter zum Spott&#039;&#039; heißt es in Vagen, in Parsberg ist es die Tochter der Sterzlbauers, &#039;&#039;weil sie ledigerweise ein Kind bekommen hatte&#039;&#039;, in Ginsham 1771 der im ledigen Stand Kindsmutter gewordenen Bauerstochter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Heimat des Haberfeldtreibens=&lt;br /&gt;
Das erste Treiben ist in Vagen 1716 nachgewiesen. Die Dynasten von Vagen, die Fagana, gehörten zu den 5 großen Edelgeschlechtern Baierns. Ihr Sitz lag bei Feldkirchen, auf der sog. Altenburg. Ihre Nachfolger, die Grafen von Neuburg und Falkenstein beherrschten ein Gebiet, das die Kapitel Aibling und Miesbach beinhaltete, also von Tegernsee bis Rosenheim reichte. Nördliche Grenze war etwa die Mangfall, östliche der Inn. In der Tat fanden gerade in den frühen Perioden viele Treiben auf dem Hofmarkgebiet Vagen statt. Die Aussagen von 1716, daß das Haberfeldtreiben &#039;&#039;umb dise gegend sehr gebreichig&#039;&#039; sei und die von 1766, daß das Haberfeldtreiben vor allem um Aibling &#039;&#039;öffters vorbey&#039;&#039; gehe, bekräftigen die Annahme, daß dort einmal ein Zentrum des Brauches lag. Allerdings gibt es einen Hinweis aus dem Jahre 1670 von einem Vorfall in Straß nahe Samerberg, wo 17 Burschen vor das Haus des Bauern ziehen und einer ledigen Kindsmutter ein Lärmkonzert vollführen. In der Urkunde wird dieser Vorfall nicht als &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; sondern als &#039;&#039;Gedimmel&#039;&#039; bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;Haberer&#039;&#039; heute=&lt;br /&gt;
In Miesbach gibt es einen Verein der &#039;&#039;Haberer&#039;&#039; noch heute. Er hat sein Vereinsheim im Zentrum der Stadt und veranstaltet jedes Jahr ein Haberer-Fest, engagiert sich ausserdem im sozialen Leben der Stadt bei gemeinnützigen Aufgaben und beim Fasching. Wenn es die Politik gar zu bunt treibt, kommt er mit einem Treiben auch einmal nach München. In Bendiktbeuern wird jedes Jahr im Fasching ein Haberfeldtreiben veranstaltet, bei dem Leute aus dem Ort auf die Schippe genommen werden. Und auch in Brasilien, in Porto Alegre, haben bayrische Auswanderer einen &#039;&#039;Haberer-Verein&#039;&#039; gegründet, in dem deutsches Brauchtum gepflegt wird, der aber auch seit vielen Jahren als Sportverein fungiert. In vielen bayerischen Filmen (z.B. &#039;&#039;der Müllner Peter von Sachrang&#039;&#039;) sind Haberfeldtreiben &#039;&#039;eingebaut&#039;&#039; worden, weil sie sich spektaluär inszenieren lassen, ob sie nun in die Handlung passen oder nicht. Und Haberer-Songs (von Hans Schoierer oder der Gruppe Sparifankerl) gibt es mittlerweile auch. Das &#039;&#039;Derblecken&#039;&#039;, Krach machen, die Gaudi und das spöttische Aussingen liegt eben im bayrischen Blut und so lebt das Haberfeldtreiben auch heute noch, in anderer Gestalt fort.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Elmar Schieder}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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		<title>Haberfeldtreiben</title>
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		<updated>2020-04-28T13:57:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Deberstadt: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Elmar Schieder|Elmar Schieder]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Elmar Schieder]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Haberfeldtreiben im Landgerichtsbezirk Wasserburg&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben.jpg|mini|Akten zu Haberfeldtreiben im Bezirksamt Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; versteht man einen Spott- oder Rügebrauch im Gebiet zwischen Isar und Inn. Von einem harmlosen katzenmusikähnlichen Spott-Aufzug zu Beginn des 18. Jahrhunderts hat er sich zu einem kriminelle und geheimbündlerische Züge annehmenden Rügegericht gewandelt. Durch Literatur und Kunst idealisiert, wurde er im Nationalsozialismus als Beispiel hochstehenden germanischen Sittengefühls missdeutet. Ab dem  19. Jahrhundert bildeten die &#039;&#039;Haberer&#039;&#039; einen militärisch organisierten Geheimbund, um bei der Abhaltung ihrer nächtlichen Exzesse der behördlichen und polizeilichen Verfolgung zu entgehen. Als aber ab 1892 mehrere Mitglieder aus Gefallsucht oder aus Rache ihr Schweigen brachen, wurden über 100 von ihnen gefasst und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Mindestens ebenso viele flohen vor der Verfolgung mit ihren Familien nach Nord- oder Südamerika. Die Bedeutung und Herkunft des Ausdrucks &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; ist nicht eindeutig geklärt. {{Anker|unverheiratetes Mädchen}}Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; verweist auf Hans Sachs, bei dem der Ausdruck &#039;&#039;jemand auf die Haberwaid schlagen&#039;&#039; mit der Bedeutung &#039;&#039;jemanden sitzen lassen, einen Korb geben&#039;&#039; zu  finden ist. Ursprünglich war das Opfer einer solchen Katzenmusik eine sitzengelassene schwangere Bauerntochter. Es könnte also durchaus sein, dass man diesen Vorgang, dass eine Frau, die von ihrem Liebhaber &#039;&#039;ins oder aufs Haberfeld getrieben&#039;&#039; wurde, öffentlich machte und ihn ebenso bezeichnete.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Artikel behandelt die Treiben im Zuständigkeitsbereich des ehemaligen Bezirksamtes/Landgerichtsbezirkes Wasserburg beziehungsweise in der unmittelbaren Umgebung dieser behördlichen Sprengel.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine wichtige Grundlage der Bearbeitung bildete dabei die Überlieferung zu den Haberfeldtreiben des Bezirksamtes Wasserburg, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Er bildet damit eine regionale Ergänzung des vom selben Autor im [https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Haberfeldtreiben Historischen Lexikon Bayerns] veröffentlichten Beitrags.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schieder, Haberfeldtreiben|Schieder, Haberfeldtreiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Weiterhin betreibt der Autor eine [http://www.Haberfeld-treiben.de Webseite], welche die Haberfeldtreiben in Oberbayern dokumentiert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schieder, Haberfeldtreiben Oberbayern|Schieder, Haberfeldtreiben Oberbayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erste Beschreibung eines Haberfeldtreibens  1716=&lt;br /&gt;
Die  erste, urkundlich belegte Information über das Haberfeldtreiben enthält ein Protokoll des Hofmarksgerichts Fagen vom  22.12.1716:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, BrPr 902|StAM, BrPr 902]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Hannß Steindl Kistler zu Fagn clagt Casparn Kolb Mezgern und Mathiaßen Holzer beide von Fagn dieselbe haben sambt mehr and. cons. am verwichen Herbst nit allein sein clegers tochter &#039;zum spot in das sogenante haber veld getriben, das ist mit allerhand iniuriosen, geschray, schnalzen und stain werfen sambt and. Rumorereyen veriebet&#039;, sondern auch ihmbe Cleger sein Holzschupfen eingerissen und ihm dardurch wenigstens pt:1 fl 30 k: schaden verursacht, umb dessen guetmachung er gehorsambst bittet, der straff nit massgebent.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Beschuldigten antworten, sie wüssten nichts vom Einreißen eines Schupfens, geben aber freimütig die Namen aller Beteiligten an, soweit sie diese in der Dunkelheit erkannt hatten.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;weillen aber solches haaber Veld treiben umb diese gegend sehr gebreichig, und durch solche possen niemand nichts proiudicirt würdt, dessen hoffen sye hierdurch nichts verworcht zuhaben, sondern bitten umb absolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
In den Briefprotokollen des Hofmarkgerichts Vagen von 1642-1802 findet sich zwar kein weiterer Eintrag über ein Treiben, aufgrund der Aussagen der Beschuldigten darf man aber annehmen, dass &#039;&#039;solche Possen&#039;&#039; in der Gegend des Mangfallbogens öfters verübt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Haberfeldtreiben hundert Jahre später=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte des deutschen Reiches Blatt 639 Wasserburg.jpg|miniatur|Das Gebiet um Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgerichtsbezirk Wasserburg lässt sich das Haberfeldtreiben erst über 100 Jahre später nachweisen. Allerdings hat es sich bis dahin entscheidend verändert. Ursprünglich galt es, ([[#unverheiratetes Mädchen|siehe oben]]) einem unverheirateten - vielleicht auch noch besonders stolzem - Mädchen, das ein Kind bekam oder bekommen hatte. Die Burschen und Männer aus seiner Nachbarschaft und näheren Umgebung verabredeten sich und zogen bei Nacht vor das Haus des Opfers, weckten es und veranstalteten fürchterlichen Lärm. Man kann - mit einem Fragezeichen versehen - die Darstellung noch erweitern: Den Lärm unterbrachen sie mehrmals, um Verse vorzulesen, die das Vergehen anprangerten. Spätestens ab 1824 gehen die Bezirksämter und die Gendarmerie gegen die Haberfeldtreiber vor. Nach einem Treiben in Maxhofen 1834 werden einige Teilnehmer aufgegriffen, die wiederum Namen von anderen Anwesenden verraten. Daraufhin verurteilt das Landgericht Wolfratshausen 43 Personen zu Arreststrafen und 32 zu Rutenhieben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28859|StAM, RA 1780/28859]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;Gefahr&#039;&#039; von außen bewirkt den engeren Zusammenschluss im Innern. Die Aktivitäten werden geheim vorbereitet und  mit einer ortsübergreifenden Organisation durchgeführt. Erstmals tritt der &#039;&#039;Haberfeldmeister&#039;&#039; in Erscheinung, der in einem Vers unter falschem Namen aufgerufen wird. Die Teilnehmerzahl hat sich erheblich vergrößert, die Teilnehmer rekrutieren sich nicht mehr wie früher aus dem Ort des Treibens, sondern marschieren von weiter her an, um keinen Ortsansässigen in Verdacht zu bringen. Das Treibgebiet weitet sich  über die bisherigen Grenzen, die in etwa dem Mangfallbogen entsprechen, aus, wohl auch, weil im &#039;&#039;Stammland&#039;&#039; die polizeiliche Verfolgung die Treiben wenn nicht verhinderte, so doch erschwerte. So findet im Juli 1834 erstmals ein Treiben im Landgerichtsbezirk Ebersberg, in Hohenthann statt. Die Teilnehmer kommen allerdings überwiegend aus der Aiblinger Gegend.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
König Ludwig I. gibt seine wohlwollende Haltung gegenüber den Haberfeldtreibern auf, verbietet mit Erlass vom 31. Juli 1834 den &#039;&#039;Exzess&#039;&#039; und droht den Gemeinden mit Einlagerung von Militär. Die königliche Regierung ordnete 1834 auch Militärexekutionen an, d.h. die Gemeinden mussten für die Einquartierung von 22 Soldaten über einen Zeitraum von 3 Monaten aufkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 2749a/3|StAM, AR 2749a/3]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zeigte Wirkung: 5 Jahre gab es keine Treiben mehr. Eine weitere einschneidende Veränderung ist, dass bei einem Treiben mehrere Personen beschuldigt werden. Als Folge davon wird (auch aus Sicherheitsgründen) nicht mehr vor dem Haus, sondern am Ortsrand getrieben. Auch richteten sich die Vorwürfe nicht mehr nur gegen eine weibliche Person, sondern zunehmend gegen mehrere und vor allem gegen Männer, und es ging auch nicht mehr nur um sexuelle Verfehlungen. So wurde das Treiben mehr &#039;&#039;Ortsangelegenheit&#039;&#039; als ein  &#039;&#039;Gericht&#039;&#039; gegen eine Einzelperson (1845 in Litzldorf wird erstmals in einem Polizei-Protokoll der Kaiser Karl erwähnt. Allerdings berichtet bereits Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]], 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;: &#039;&#039;Sie fahren wieder heim, so hört man wol sagen, zu ihrem Herrn, dem Kaiser Karl im Untersberg.&#039;&#039; Die Herleitung des Auftrags zum Haberfeldtreiben vom Kaiser Karl ist jedenfalls erst in dieser Zeit nachweisbar). 1848 erging ein allgemeiner Erlass an die Pfarrer und Kaplane der Gegend, bei den Treiben die Kirchenglocken zu läuten. Die Haberfeldtreiber verstopften daher vor den Treiben die Schlösser der Kirchen und Kirchtürme mit Lehm, Sand oder Werg. Dies war in vielen Fällen das einzige, aber zuverlässige Anzeichen dafür, dass ein Treiben beabsichtigt, aber kurzfristig abgesagt wurde. Die Haberfeldtreiber waren keineswegs die verschworene Gemeinschaft, als die sie in der zeitgenössischen Literatur und Presse dargestellt werden. Immer wieder drangen Informationen an Polizei und Gerichte durch, sagten Teilnehmer gegen andere Teilnehmer aus. Auch die Behauptung, sie würden niemandem etwas zuleide tun, lässt sich nicht aufrecht erhalten; es gab immer wieder durch Schüsse verletzte Zuschauer. Ab 1845 treten sie militärisch auf und tragen meist einheitlich Gebirgler-Tracht, d.h. Loden-Joppen und Stopselhüte. Mit geschwärzten Gesichtern und Wergbärten zur Tarnung, wie es auch bei den Wilderern Praxis war, treten sie allerdings schon ab 1766 auf. Wenn früher berichtet wurde, dass die Treiber &#039;&#039;wie aus dem Boden gewachsen&#039;&#039; am Treibort erschienen, so ziehen sie jetzt lärmend und zum Teil mit Musik in &#039;&#039;militärischer Ordnung zu zwei Gliedern&#039;&#039; an und ab. Dem Trupp voraus gehen zwei Späher, die bei größerem Polizeiaufgebot Alarm schlagen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die ersten Haberfeldtreiben im oder am Rande des Landgerichtsbezirk Wasserburg ab 1834=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Gartenlaube.jpg|mini|&#039;&#039;Das Gericht der Haberer&#039;&#039; von Philipp Sporrer.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Vorfall im Landgerichtsbezirk Wasserburg, der mit dem Haberfeldtreiben in Verbindung gebracht wird, ereignete sich in der Nacht von 26. auf 27. August 1834 in &#039;&#039;Prutting&#039;&#039;, am südlichen Rand des Landgerichtsbezirks.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehrere Burschen zogen kurz vor Mitternacht einen Pflug kreuz und quer durch ein 3 Tagwerk großes Rübenfeld und verwüsteten es gänzlich. Danach zogen sie mit heftigem Geschrei, Gejodel und vielmaligem Schießen durch die Gegend um Haidham und Langhausen. Es handelte sich wohl eher um einen Burschenstreich, der nur deshalb mit dem Haberfeldtreiben in Verbindung gebracht wurde, weil in diesem Jahr mindestens 7 mal getrieben worden war und daher in der Bevölkerung eine gewisse Alarmstimmung herrschte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Östlich des Inns fand ein richtiges Haberfeldtreiben erst 1848 in Söllhuben statt. Über den Inn und zurück kam man nur über Brücken oder mit Fähren, eine Kontrolle an solchen Nadelöhren war einfach und für die Teilnehmer aus dem Westen gefährlich. Die ersten Treiben im Landgerichtsbezirk Wasserburg fanden daher in Orten westlich des Inns statt. (Die Landgerichts-Grenzen verliefen damals vom südlichsten Punkt Leonhardpfunzen nach Osten zum Nordufer des Simsee bei Edling, weiter über Bad Endorf zum Chiemsee nach Gstaad, das Seeufer entlang bis Seebruck, von dort an der Alz entlang bis Ischl, dann nach Norden über Zeiling bis zum nördlichen Unterzarnham, schwenkte nach Westen und traf bei Au auf den Inn, diesem folgte sie bis Edmühle, verlief dann vom Inn weg nach Südwesten über Soyen und Buchsee bis Springelbach und wandte sich dann südlich an Schalldorf vorbei bis Feldkirch.)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#MDZ, Historischer Atlas Bayern|MDZ, Historischer Atlas Bayern]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Obwohl es nicht mehr im beschriebenen Landgerichtsbezirk Wasserburg stattfand, ist das nächste Treiben erwähnenswert, denn es zeigt, wie sich die Treiben nach Osten und Norden ausdehnten. Es fand in der Nacht vom 25. auf 26.10.1845 in Schechen, Gemeinde Höchstädt statt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, HFM Hohenaschau K4|StAM, HFM Hohenaschau K4]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 2843/2221|StAM, AR 2843/2221]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 50 bis 100 Haberfeldtreiber hatte sich auf einem unangebauten Feld vor dem Ort versammelt. Ein Vorleser stand auf einem aus Holzschragen errichteten Gerüst und las gegen mehrere Bauern des Orts &#039;&#039;aus den Lebensverhältnissen dieser Personen entnommene und ersonnene Vorfälle&#039;&#039; ab. Das Treiben soll fast 2 Stunden gedauert haben. Ein Abzug von ca 30 Personen, die in Gebirgstracht (spitze Hüte, Gebirgsjoppen) auftraten, erfolgte nach Westen Richtung Karolinenfeld. Teilnehmer aus dem Wasserburger Bezirk waren wohl nicht dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rott am Inn 17./18.10.1846&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 3644|StAM, LRA 3644]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Ziemlich genau ein Jahr später findet dann das erste richtige Treiben im Gerichtsbezirk Wasserburg, und zwar bei &#039;&#039;Rott am Inn&#039;&#039; statt. Es gibt darauf nur indirekte Hinweise: in der Gegend von Schalldorf verlief die Nacht vom 17. auf 18. Oktober 1846 sehr unruhig, es wurden 20-25 Schüsse gehört und Burschen in kleineren Rotten gesehen, die durch die Nacht marschierten. Die Gendarmerie vermutete, dass in Schalldorf ein erster Treffpunkt für die Teilnehmer dieses Treibens in Rott gewesen sei. Da der Zuzug aus dem Westen kam, waren wohl keine Personen aus dem Wasserburger Bezirk aktiv am Treiben beteiligt. Ein Jahr später, 1847 soll dann laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 34.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Schalldorf ein Treiben stattgefunden haben. Dazu gibt es keine weiteren Hinweise in den Akten. Ein weiteres Treiben am Rande des Gerichtsbezirks Wasserburg wird in der Nacht von 24. auf 25. November 1848 aus &#039;&#039;Zaissering&#039;&#039; gemeldet. Beteiligt waren allerdings nur 20 bis 25 Mann.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 949|StAM, AR 949]], 146.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prutting 8./9.12.1850&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1777/28801|StAM, RA 1777/28801]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Zwei Jahre später veranstalten in der Nacht von 8. auf 9. Dezember 1850 etwa 40 bis 50 Burschen ein Treiben in Prutting. Der Zuzug erfolgt durch Riedering, das 8 Tage zuvor schon einen Habererdurchzug zum Treiben nach Hetzenbichl erlebt hatte. Es gibt dazu keine Schilderungen. Möglicherweise hat sich dort oder um Söllhuben ein kleiner Ableger der Habererorganisation gebildet, denn der Inn bildete immer noch ein Hindernis, das nur mit Gefahr zu überwinden war. Bis 1864 beschränkten sich die Aktivitäten der Haberfeldtreiber also auf den Süden des Gerichtsbezirks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Haberfeldtreiben von 1864 bis 1867=&lt;br /&gt;
Von 1852 bis 1861 fanden insgesamt nur 2 Treiben statt. Als es dann im Dezember 1861 wieder krachte und in den darauf folgenden 6 Jahren bis 1867 mindestens 37 Treiben, davon 6  im Wasserburger Bezirk stattfanden, war allerdings von einem &#039;&#039;alten&#039;&#039; Brauch des vorigen Jahrhunderts außer dem Namen und dem Lärmen nicht viel übrig geblieben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Haberfeldtreiber haben in diesen Jahren ihr Treibgebiet nochmals ausgeweitet, vor allem Richtung München (Aschheim, Ottendichl), aber auch nach Norden (Markt Schwaben, Finsing), Richtung Chiemsee (Stephanskirchen, Höhenmoos) und auch Richtung Wasserburg (Edling, Albaching). Die Teilnehmer nahmen zum Teil recht weite Fußwege in Kauf oder kamen mit Fuhrwerken angereist.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vor den Treiben wurden an den Treffpunkten dann ein oder mehrere Fass Bier geleer, wie an Versammlungsorten aufgefundene leere Bierfässer bezeugen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Gendarmerie ist noch aktiver - und vielfach erfolgreicher - in der Verfolgung der Treiber. Die Treiber werden -möglicherweise infolge dessen- militanter und radikaler. Sie schießen wahllos in die Ortschaften, ein Toter und mehrere Verletzte gehen auf ihr Konto. Aber auch auf ihrer Seite gibt es einen Toten und mehrere Verwundete.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Ihre Verse werden derber und zotiger, Treibgründe sind neben sexuellen Verfehlungen Brandstiftung, Bierpanschen, Diebstahl, Unterschlagung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Vorwürfe richten sich hauptsächlich gegen Männer, vielfach gegen Honoratioren und Amtsträger. Nur weniges ist nachweislich wahr und das liegt oft schon Jahre zurück.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Treiben selbst bieten über einen Zeitraum von bis zu zwei Stunden neben den äußerst deftigen Versen Attraktionen wie das Auftreten von Musikern und das Abschießen von Raketen. Mit scharfer Munition wird in die Luft und auf die Dächer der Orte geschossen. Dadurch steigen die Teilnehmerzahlen auf bis zu 200 Teilnehmer. Das militärische Marschieren (sich in der Gruppe stark fühlen), das Raketenabschießen, das Herumknallen mit scharfer Munition spricht auch dafür, daß es vor allem zu einer Belustigung der Teilnehmer diente  und dabei zu einer üblen Form, sich an unliebsamen Bürgern &#039;&#039;anonym&#039;&#039; zu rächen, mutierte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von einem &#039;&#039;ehrbaren Sittengericht&#039;&#039;, das &#039;&#039;Ausfluß ernster Volksjustiz&#039;&#039; sein sollte, kann jedenfalls spätestens jetzt keine Rede mehr sein. Die Ankündigung von Treiben, die dann nicht stattfinden, die Gerüchte um statt gehabte Treiben und ihre oft übertriebene Darstellung führen etwa ab 1863 zu einer fast schon hysterischen Angst. Der Landrichter von Rosenheim schreibt:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Bürgermeister von Aibling befürchtet nichts, aber die dortigen Beamten. Es wird in Wirtshäusern, Gewerbsläden und Privatzirkeln fast nichts mehr gesprochen als vom Haberfeldtreiben, es herrscht unter dem Volke eine wahre Haberfeld-Epidemie wie seiner Zeit beim Tischrücken, es werden hie und da absichtlich Lügen wie z.B. vom Haberfeldtreiben in Pfaffenhofen, Rott oder Vogtareuth verbreitet und sollen die letzteren beiden gerade am 14./15. d.M. (November) vorgefallen sein- an allem kein wahres Wort. Von dieser Furcht scheinen vor allem einige Beamtenkreise in Aibling befallen zu sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Mit dieser Furcht steigt auch der Widerstand der Bevölkerung, die den Unfug ob der verhängten Nachtwachen und anderer lästiger Strafen wie der Einlagerung von Soldaten ablehnt oder mit Läuten der Kirchenglocken versucht, wenigstens das Anhören der Verse zu verhindern. Wenn die Berichte davon sprechen, dass immer mehr ganz junge Burschen mitmarschieren, spricht das auch dafür, dass sich ältere Knechte und Bauern nicht mehr beteiligen wollen. Ziemlich genau im Zentrum des Treibgebietes liegt ein kleiner, versteckter Ort: Münster bei Egmating. Die Entfernung von dort zu den entlegensten Treiborten ist in Luftlinie kaum größer als 30 km. Dort sitzt vermutlich der damalige Haberfeldmeister, der Killibauer, später Bürgermeister von Egmating.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rott 10./11.11.1864&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28822|StAM, RA 1780/28822]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28823|StAM, RA 1780/28823]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28825|StAM, RA 1780/28825]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 963/12|StAM, AR 963/12]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
1864 kommen die Haberfeldtreiber in den Gerichtsbezirk Wasserburg, wieder nach Rott am Inn. Tatsächlich finden in der Nacht von 10. auf 11. November, Donnerstag auf Freitag 1864 zwei Haberfeldtreiben statt, in Zorneding und in Rott am Inn. Der Text der Verse und Beschuldigungen sind teilweise sogar identisch, nur auf verschiedene Personen bezogen. Die Gemeinde Schalldorf zeigte an, daß in Rott zwischen ¼ nach 12 und 2 Uhr etwa eine ¾ Stunde getrieben wurde. Mehr als 100 meist bewaffnete Personen stießen grobe Beschimpfungen gegen mehrere Ortsangehörige aus, vor allem wegen Vergehen in &#039;&#039;fleischlicher Beziehung&#039;&#039;. Die Haberfeldtreiber hatten sich im Carree aufgestellt, der Vorleser stand auf einer Art &#039;&#039;Bühne&#039;&#039; aus Brettern und Schragen, es wurde scharf geschossen, aber nicht gegen Rott. Es wurde eine Getreideputzmühle mitgeführt und mit Trompeten geblasen. Getrieben wurde namentlich gegen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Grob und seine Köchin&lt;br /&gt;
* den Posthalter Maier und seine Frau&lt;br /&gt;
* den Landarzt Berger und seine Frau&lt;br /&gt;
* den Schlossermeister Leu und seine &#039;&#039;Zuhälterin&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* den ehemaligen Gendarm Alois Weber&lt;br /&gt;
* den königlichen Revierförster Schrager oder Schreyer&lt;br /&gt;
* den Schneidermeister Zach&lt;br /&gt;
* den Wagnermeister Stöcker von Arbing&lt;br /&gt;
* den Gütler Jakob Alban von Rott,&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
wegen Hurerei, Ehebruch und Diebstahl. Der Brigadier Gottfried Höhn berichtet:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28822|StAM, RA 1780/28822]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Diese Bühne bestieg der Haberfeldmeister und hub an: Nun, ihr Rotter, ihr recht schlechten Leut, muß man so einen weiten Weg machen um Euch einmal die Wahrheit gehörig sagen zu können. Dann trug er seine Knüttel- und Sauglockenverse vor worüber dan die Haberer in die Hände klatschten, schrieen und lachten und so ihre Zufriedenheit kund gaben. Dabei wurden Gewehrschüsse abgefeuert. Die vorgetragenen Verse konnten nicht alle von den Zuhörern gemerkt werden, da die Haberer den Neugierigen sogleich über den Kopf schossen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Trotzdem konnte der Brigadier einige Verse sammeln:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Pfarrer von Rott geht gar nicht mehr aus&amp;lt;br&amp;gt;Weil er seine Köchin zu Haus muß mauß&amp;lt;br&amp;gt;Die Bauern von Grünthal die thuns halt nicht leiden,&amp;lt;br&amp;gt;Dass der Herr Pfarrer auf seiner Köchin tuth reiten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
(Der Pfarrer von Grünthal, Gericht Wasserburg, hat einen Bauernhof eine viertel Stunde von Rott entfernt, welcher durch seine Köchin, die früher in Grünthal war, verwaltet wird.)&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der &#039;Vorsteher&#039; rief: &#039;was ist denn das?&#039; Darauf die anderen: &#039;das ist eine Hur!&#039; und &#039;heraus mit der Hur aus dem Pfarrhof!&#039; Dann der Befehl: &#039;Alle in die Höhe schießen!&#039; und als die Leute näher kamen: &#039;Blei nei!&#039;, worauf scharf geschossen wurde. Der Posthalter, das ist ein Stier, muß jetzt seiner Dienzehlin (?)...Vater drei vier. Die Posthalterin, die Hur, zu der geht der Schneider Zach wenn ihr Mann ist fortgegangen.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schneider Zach ist ein grober Schnallner der hat dem Messner Xaver 300 fl aus dem K... aus gestohlen&amp;lt;br&amp;gt;Den Andren Kommandanten... wenn man hat wollen&amp;lt;br&amp;gt;hat man ihn bei der Frau Bengern(?) müssen abholen.&amp;lt;br&amp;gt;Der Gendarm Weber war bei der Wagnerin in Lehen oft geschwind&amp;lt;br&amp;gt;Dann habens ihn vertrieben, so schnell wie der Wind.&amp;lt;br&amp;gt;Der Kaufmann Resch war sonst ein ganz... Mann,&amp;lt;br&amp;gt;Hätt er nicht d`Goaß mit die Menscher verthan.&amp;lt;br&amp;gt;Der Förster ist mit seinen Holzknechten gar so grob&amp;lt;br&amp;gt;In anderer Beziehung aber ganz fein&amp;lt;br&amp;gt;Und thut seinen Stutzen der Stalldirn hinein.&amp;lt;br&amp;gt;Der Jakob Alban der Hebammen Sohn&amp;lt;br&amp;gt;Der maust seine Mutter, dann lauft er davon.&amp;lt;br&amp;gt;Am Schluß brachten die H. dem Brauereibesitzer Heim zu Rott ein Lebehoch. Aus der Mitte der Treiber&amp;lt;br&amp;gt;erschall die Stimme &#039;Warum denn dieses Hochleben lassen?&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;Weil die Rotter Lumpen ihn nicht mögen&#039; war die Antwort des ganzen Haufen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Eine weitere Notiz in den Akten überliefert den Treibtext wie folgt:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Gemeinde Rott:&amp;lt;br&amp;gt;Der Kaiser Karl vom Untersberg schickt uns her&amp;lt;br&amp;gt;Die Leut zu bekern,&amp;lt;br&amp;gt;Jetzt losts auf jetzt könts was hörn.&amp;lt;br&amp;gt;1.&amp;lt;br&amp;gt;Der Posthalter der große Stier, er hat am bei der Dirn&amp;lt;br&amp;gt;geben a große Müah, jetzt derfer Sie... prahlen&amp;lt;br&amp;gt;weil er muaß bei der Bavaria 900 Gulden zahlen&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Es is guat dass a an großn Sach hatt. Der kann Wetten mehra&amp;lt;br&amp;gt;Da kann er brav Kinda macha, bei der Kellnerin darf er blos&amp;lt;br&amp;gt;200 Gulden zahlen und dös muaß aa öfters nach München fahrn&amp;lt;br&amp;gt;3.&amp;lt;br&amp;gt;Der Posthalter der werd morgn in d&#039; Stadt eine fahrn&amp;lt;br&amp;gt;Mitt seine Häuta, damit er kon die Haberfeldtreiber azagn&amp;lt;br&amp;gt;Den zu sein Weib kumt er erst den dritten Tag&amp;lt;br&amp;gt;Wo er die anderen all abgfürtischat&amp;lt;br&amp;gt;4.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schloßer Lau is aner der in Acht&amp;lt;br&amp;gt;Weil er der Harmann Lies a Kind hat gmacht,&amp;lt;br&amp;gt;Den däs is aber am Pfarrer a grad gleich&amp;lt;br&amp;gt;Den er hat bei seiner Köchin selber scho drei.&amp;lt;br&amp;gt;5.&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer ko nimma an d Kirch aufi gehen&amp;lt;br&amp;gt;Weil er allweil muaß bei der Köchin läng&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer macht sie beim Schloßer seiner gschicht nix draus&amp;lt;br&amp;gt;Weil er allweil selba sei Köchin maust.&amp;lt;br&amp;gt;6.&amp;lt;br&amp;gt;Die Gemeinde Grünthal hat am Pfarrer die Köchin vertriebn&amp;lt;br&amp;gt;weil er allweil auf da Köchin is grin (geritten)&amp;lt;br&amp;gt;7.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schneider Zach is gar a grober Zoln&amp;lt;br&amp;gt;Der hat de an Schulehrer Xaverl 200 Gulden aus an Kastn aussa gstohln&amp;lt;br&amp;gt;Den der Schneider hat zwar zlacha&amp;lt;br&amp;gt;Weil er da Posthalterin an Dep derf macha&amp;lt;br&amp;gt;9.&amp;lt;br&amp;gt;Der Rakerl is gar a guata, der thuats sein Wei&amp;lt;br&amp;gt;seiner Tochter und sogar seiner Eignen Muatta&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Weitere Verse sollen Bewohner der Gemeinde Hochstätt, königlichen Bezirksamt Rosenheim betroffen haben:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;1.&amp;lt;br&amp;gt;Beim Winkl in Riad is aa scho gfehlt&amp;lt;br&amp;gt;Weil er sein Weib a Geld aus Kastn aussa stehlt.&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Vom Barthl Gigling muaß enk a was erzähln&amp;lt;br&amp;gt;Der hats beim Pfarraschuasta d... Kuah ausam Stahl ausagstohln&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Auch Bewohner des Ortes Feldkirchen (südlich von Rott) wurden beschimpft:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;1.&amp;lt;br&amp;gt;Der Haringer in Dobl is a groba Doln&amp;lt;br&amp;gt;Der hat z&#039;Emmering da Muatta Gottes zwe Bayrisch-Thaller oba gstohln&amp;lt;br&amp;gt;2.&amp;lt;br&amp;gt;Vom Brandl z Lendorf kuaß i enk aa was sagn&amp;lt;br&amp;gt;der hat beim Six in sein Waschhaus an Kurz... Keffl hoam tragn.&amp;lt;br&amp;gt;3.&amp;lt;br&amp;gt;N Schaffler von Lendorf deaf ma nött vogeßn&amp;lt;br&amp;gt;Der hat amal unrecht n Habern vomeßen.&amp;lt;br&amp;gt;4.&amp;lt;br&amp;gt;S&#039; Stegrein vo Lendorf hat oana übern Schob einibong&amp;lt;br&amp;gt;Und hat oana Ihr 200 Gulden ins Loch einigschobn&amp;lt;br&amp;gt;Dös hätt i selber ned glaubt&amp;lt;br&amp;gt;Daweil ha oana zum Fenster einigschaut&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Z&#039;Lendorf müß ma a amal eiführn&amp;lt;br&amp;gt;Weil bei einer Franzosen thän sich einquartiern&amp;lt;br&amp;gt;Mir wollens zwar ned alsam nenna&amp;lt;br&amp;gt;Doch bei der Mäßl Resl woll ma anfnag nehma.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Schimpfwörter sind Lump = Stier Spitzbua Dieb&amp;lt;br&amp;gt;Schlechta Kerl = Hur Schlechts Mensch Hurenkerl etc.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Das Sturmläuten unterblieb, da der Pfarrer im Pfarrhof nicht aufmachte, obschon der Gemeindevorsteher mehrmals läutete. Angeblich sei kurz vor dem Treiben ein zweispännige Kutsche aus München eingetroffen, man mutmaßte, zwei Münchner Teilnehmer seien so angereist. Der Abzug von etwa 60 Mann erfolgte über Wurzach Richtung Schalldorf, etwa 15 Mann zogen über Arbing nach Lampferding. Dort und in Aßling wird auch der &#039;&#039;Herd&#039;&#039; der Haberfeldtreiber vermutet. Ein anderer Trupp von ca. 20 Mann ging Richtung Rammelberg und Rettenbach. Von zu Hause abwesend waren während der Nacht 5 Burschen, darunter:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Pankratz Reiser von Emering, ein berüchtigter Haberfeldtreiber.&lt;br /&gt;
* Peter Maierbacher, der schon 1863 deswegen in Untersuchung war.&lt;br /&gt;
Die Haberfeldtreiber äußerten, man werde noch zweimal treiben, zu Ebersberg und zu Glonn, dann sei es für immer vorbei. Andererseits ging das Gerücht, es werde in Zorneding nochmals getrieben. Der Bezirksamtmann von Wasserburg meint: &#039;&#039;Das Haberfeldtreiben wurde nicht mit der sonst üblichen Vorsicht abgehalten, d.h. ein Aufstellen der Vorposten unterblieb.&#039;&#039; Die Untersuchungen in Rott und Umgebung verliefen ergebnislos. Die Abzüge nach Norden und die Verdächtigung eines Mannes aus Emmering zeigen, dass jetzt auch Teilnehmer aus dem Wasserburger Bezirk kommen. Bei der Schilderung des in derselben Nacht in Zorneding stattgehabten Treiben findet sich eine interessante Aufstellung über die Bewaffnung der aus Eglharting bei Kirchseeon kommenden Treiber:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36450|StAM, LRA 36450]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Josef Öttl, Bauer: starker Stock&lt;br /&gt;
* Anton Enzensberger, Bauer: Zwillingsgewehr&lt;br /&gt;
* Schmiedgeselle Steiner: Mistgabel&lt;br /&gt;
* Georg Gabriel, Knecht: Schießgewehr&lt;br /&gt;
* Leonhard Kaffy, Wirtsknecht: alter ungeladener Karabiner&lt;br /&gt;
* Josef Steiner: Asthacke&lt;br /&gt;
* Josef Lang, Bauer: alter langer Säbel&lt;br /&gt;
* Josef Kirchmaier, Zimmermann: Nachtwächterspieß&lt;br /&gt;
* Balthasar Müller: Mistgabel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Albaching  Landgericht Haag, Bezirksamt Wasserburg   6./7.12.1864&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/288633|StAM, RA 1780/288633]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28826|StAM, RA 1779/28826]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Etwa 200 Teilnehmer marschieren in mondheller Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 6. auf 7. Dezember 1864 singend und juchzend und mit großem Lärm von Zell und Ebrach kommend durch den südlichen Teil des Ortes, Voran geht einer, der mit einer großen Kuhglocke läutet. Sie marschieren dann heraus auf eine Anhöhe etwa 200 Schritt südlich vom letzten Haus des Ortes, auf dem das Haus des praktischen Arztes Dr. Zink steht und formieren etwa 50 Meter davor einen Kreis. Es werden Vorposten aufgestellt: &#039;&#039;Sämtliche Haberer bilden eine Kette und haben unter sich ein gewießes Losungswort:das ist Feldgeschrei. Wenn ein Schuss falle, werde der Ort &#039;geplündert&#039;&#039;&#039;, drohten sie. Der Vorleser stand in der Mitte des Kreises, ohne &#039;&#039;Tribüne&#039;&#039;. Es wurde geschossen und Raketen und Feuerräder kamen zu Einsatz. Die Verse von &#039;&#039;beispielloser Unflätigkeit&#039;&#039; richten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Wirt und die Wirtin Kässer von Albaching&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Franz Breitenacher&lt;br /&gt;
* den Kramer Hartmann&lt;br /&gt;
* den Bauernsohn Balthasar Zacherl von Ebrach&lt;br /&gt;
* die Schürflin in Einöden&lt;br /&gt;
* den Kistler Lorenz Fünfeder&lt;br /&gt;
* den Kramer Huber&lt;br /&gt;
* den Maier im Tal&lt;br /&gt;
* dem ledigen Josef Edmüller&lt;br /&gt;
alle wegen unsittlichen Lebenswandel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Feuerwerk 3.jpg|mini|Verkaufsliste für Feuerwerk in den Akten des Bezirksamtes.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Ablesens stiegen viele Raketen hoch, es fielen etwa 60 Schuss. Am Ende schimpften sie nochmals auf die Wirtin Theres Kässer und verkündeten, dass jeder erlittene Schaden ersetzt würde, sie hätten 1000 fl. beisammen. Sie brachten ein Hoch auf den Pfarrer, den Kooperator und den Landrichter von Haag aus und drohten ein Treiben in Freimehring im nächsten Jahr an. Das Ende war gegen ¾ 1 Uhr. Der Abzug nach einer letzten Salve von 60 Schuss erfolgte &#039;&#039;schritthaltend und schweigend&#039;&#039; einerseits Richtung Ebrach, Steinhöring, Zell, der kleiner Teil Richtung Thal, Pfaffing und Rettenbach. Dabei wurde denen, die der Rotte folgen wollten, mit Erschießen gedroht, so dem Gemeindevorsteher von Utzenbichl. Am nächsten Morgen wurden wegen des gefrorenen Bodens und frischem Reif kaum Spuren gefunden, der Kreis, den sie gebildet hatten, hatte einen Durchmesser von 20-24 Schritt. Hülsen von Raketen und Feuerwerkskörpern lagen herum, Mitten auf dem Platz lag eine große, dicke Stange, wahrscheinlich verwendet zum Anbringen von Feuerrädern. Verdächtigt wurden Bewohner aus Jakobneuharting, Frauenneuharting, Tulling, Rettenbach und Pfaffing. Am 13.12.1864 wurden die ledigen Bauersburschen Georg und Balthasar Ruppersdorfer von Wiesham und Karl Deutschenbauer von Gasta(?) wegen dringenden Verdachts festgenommen, am Haberfeldtreiben zu Albaching teilgenommen zu haben. Von der Regierung von Oberbayern wurden Sicherheitswachen angeordnet. Am 31. März 1865 werden die Untersuchungen vom Bezirksamt Wasserburg eingestellt. Auch hier vermutete man Teilnehmer auch aus dem Wasserburger Bezirk, konnte aber keine Nachweise erbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schechen 30.9./1.10.1865 &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]], Ad 111,112./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36451|StAM, LRA 36451]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 30.9. auf 1.10.1865 kamen die Haberfeldtreiber nach Schechen. Gegen Mitternacht trafen einige Teilnehmer bei Au zusammen, einige kamen von Hochstätt und Rott her. Sie durchzogen juchzend den Ort Schechen und fassten auf einer Anhöhe westlich von Schechen Posten, wo sie sich weit ausbreiteten. Es waren insgesamt etwa 150 Teilnehmer. Auf der Anhöhe begann das Treiben mit der Vorrede, dass man nicht um zu schaden gekommen sei, sondern um Schandtaten aufzudecken, dabei wurde geschrien, geschossen und auf Bretter geschlagen. Die Knittelverse richteten sich hauptsächlich gegen:&lt;br /&gt;
* die Geißbauer (oder Heißbauer) Eheleute wegen unsittlicher und unredlicher Handlungen&lt;br /&gt;
* einen Prozeßkrämer&lt;br /&gt;
* den Joh. Mayer, Hafengutbauer, früher Gemeindevorsteher, dass er ein uneheliches Kind mit der Ganterbauerntochter gezeugt habe&lt;br /&gt;
* die Schloßbauerngeschwister Theres und Xaver Graner (?), dass sie zusammen Unzucht treiben&lt;br /&gt;
* den Quirin Holzmair, Hilgerbauer von Lochen, dass er bei seinen Dirnen schlafe aber aufgehört habe, weil sein Sohn sich diese zugeeignet habe,&lt;br /&gt;
* den Vorsteher Zobel&lt;br /&gt;
* den Lehrer von Hochstätt&lt;br /&gt;
Am Schluß ließ man den Pfarrer Weilhammer hoch leben. Für den Ort Schönegg bei Dietramszell, für die Stadt Rosenheim und die Märkte Tölz und Miesbach wurden Haberfeldtreiben angesagt. Der Abzug erfolgte in Richtung Rott, Tattenhausen und Hochstätt.&lt;br /&gt;
Die Regierung von Oberbayern (Frh. Von Stein) weist darauf hin, daß die &#039;&#039;seit dem Jahre 1812 angewandten Maßregeln, ja selbst die Verurteilung der Gemeinde Lenggries in die Kosten erfolglos sind&#039;&#039;. Die Hoffnung, es werde der Unfug wegen mangelnder Sympathien im Volke von selbst aufhören, werde wohl in den nächsten 100 Jahren nicht erfüllt. &#039;&#039;Es ist eine bekannte Tatsache, dass die beurlaubten Soldaten beim Haberfeldtreiben eine Hauptrolle spielten.&#039;&#039; Daraufhin werden am 13.11.1865 205 beurlaubte Soldaten des Bezirksamts Rosenheim einberufen, obwohl keiner von ihnen irgendwie verdächtig ist. Allgemein wird noch berichtet, dass beim Haberfeldtreiben anfänglich ein Namensaufruf stattfinden soll, es würden aber nicht die Haberer selbst aufgerufen, sondern viele andere Namen, namentlich auch von Personen, welche ein Amt bekleiden. Einerseits, um über die Personen, welche wirklich Haberfeld getrieben haben, zu täuschen, andrenteils um sich durch die fingierte Teilnahme ein amtliches Ansehen zu geben. Laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; waren als Beteiligte festgestellt:&lt;br /&gt;
* der Gütler Johan Prager von Dichau&lt;br /&gt;
* der Bauernsohn Joseph Zacherl&lt;br /&gt;
* der Dienstknecht Joseph Walch&lt;br /&gt;
Verdächtig waren:&lt;br /&gt;
* der Daschelbauernsohn von Hochstätt&lt;br /&gt;
* Matthias Reiser&lt;br /&gt;
* Man wollte die Stimme des &#039;&#039;Still von Hart&#039;&#039; erkannt haben&lt;br /&gt;
Verdächtigt werden auch Angehörige der Gemeinden Lampferding, Feldkirchen und Rott, aber auch Personen aus Ebersberg und Wasserburg. Es seien auch Zuzüge jenseits des Inns erfolgt, &#039;&#039;so darf man die Angehörigen der Gemeinden vom rechten Innufer mit Ausnahme der 4 Gemeinden am Samerberg, Nußdorf, Neu- und Altbeuren nicht ausnehmen.&#039;&#039; Dies stellt ein Novum dar, denn damit kamen erstmals Treiber von Ost nach West über den Inn. Am 30.11.1865 werden weitere Maßregeln zur Verhütung von Haberfeldtreiben erlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling 17./18.11.1865&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 46559|BayHStA, MINN 46559]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36452|StAM, LRA 36452]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28830|StAM, RA 1779/28830]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Edling.jpg|mini|Haberfeldtreiben Edling - Einberufung von Soldaten.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Nacht von Freitag auf Samstag 17. auf 18. November 1865 gegen 12 Uhr zogen ca. 200 Bewaffnete durch das Dorf und nahmen in der Nähe des Steinbuchwaldes, etwa 8 Minuten ausserhalb des Ortes Stellung. Sicherheitsposten wurden bis weit gegen das Dorf vorgeschoben, so dass vieles nicht zu verstehen war. Sie trieben gegen:&lt;br /&gt;
* den Bierbrauer Windsberger von Hart wegen schlechten und teuren Biers und Bierpanschen&lt;br /&gt;
* den Nikolaus Gehrer, zum Zettel, von Edling&lt;br /&gt;
* Maria Spanbrucker, Schmiedmeistersfrau von Edling&lt;br /&gt;
* die Fischerbäuerin von Edling&lt;br /&gt;
* den Bauern Maierbacher zum Feichtl von Breitbrunn, Gde. Edling&lt;br /&gt;
alle wegen unsittlichen Lebenswandel. Verse nach einer Aufzeichnung in den Akten Wasserburg:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Den Pfarrer von Attl habens in Nußdorf verjagt&amp;lt;br&amp;gt;Weil er die Tuchmacher Nanni von Aibling maust und da wird jetzt gsagt&amp;lt;br&amp;gt;Die Schmidin vo Edling hat gar ein feins Gsicht,&amp;lt;br&amp;gt;Hat sich Schulbuben mit 12 Jahren schon abgricht&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Fischerin von Edling gibt sich für a Betschwester aus&amp;lt;br&amp;gt;dieweil hat sie ihr Vater so sackrisch gemaust&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Schmied von Viehhausen ist a grober Zolln&amp;lt;br&amp;gt;der hat dem Lamprecht von Reising seinen Waschkessl gstohln&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Baron von Ebersber, der hat 200 Küah&amp;lt;br&amp;gt;Da wär der Brauer von Hardt als Stier recht guat füa.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Bräuer von Hardt, das ist ein großer Stier&amp;lt;br&amp;gt;drum bräut er auch so ein schlechtes Bier&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Den Forstwart Schmitt von Steinberg, der thuat kan guten rache (er raucht keine guten)&amp;lt;br&amp;gt;und thuts Holz vom Forst an Bräu zu Hardt verkafa&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Am Schluß brachte man ein Hoch auf den Expositus Geißler und den Lehrer Ramsauer aus. Der Abzug erfolgte Richtung Ebersberg und Rott. In einem anonymen Brief wurden mehrere Personen der Teilnahme beschuldigt, bei Haussuchungen stellte sich aber heraus, dass diese während des Treibens zu Hause waren. Hauptbeteiligte sollen die Reißerer Bauernsöhne des Lohmarerbauern aus Bruckhof gewesen sein. Ein Verzeichnis aller beurlaubter Soldaten wurde angefertigt und aus der Gegend 17 vom Militär beurlaubte Burschen eingezogen. Die Untersuchungen blieben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosenheim - Versuch eines Haberfeldtreibens 2./3.12.1865&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28832|StAM, RA 1779/28832]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 2. auf 3. Dezember 1865 versammelte sich eine große Schar von Haberern in Rosenheim in der Nähe des provisorischen Bahnhofs. Aus unbekannter Ursache (angeblich wegen des Ausbleiben eines erwarteten Zuzugs aus Au, Feilnbach und Irschenberg) unterblieb das Treiben. Zwei Wochen später lag in der Gegend ziemlich tiefer Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hohenlinden, Bezirksamt Ebersberg, Bezirksamt Wasserburg 13./14.1.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28833|StAM, RA 1779/28833]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36453|StAM, LRA 36453]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 3023|StAM, AR 3023]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Samstag auf Sonntag 13. auf 14. Januar 1866 gegen 12 Uhr zogen ca. 200 teilweise bewaffnete Mann (nach anderen Angaben nur 50 oder 70 Mann) auf dem Kirchweg in Richtung Kronacher auf einen Hügel ca. 300 Schritt östlich von Hohenlinden entfernt, visavis vom Posthaus, von wo aus man den Ort gut überblicken konnte. Ein erster Treffpunkt war schon am Baumerhölzl. Etwa 60 bis 80 Mann zogen von der Haager Straße her unter großem Lärm mitten durch den Ort und riefen &#039;&#039;auf ihr Lumpen!&#039;&#039; In &#039;&#039;gemeinster und unflätigster Sprache&#039;&#039; trieb man gegen:&lt;br /&gt;
* den Wirth Josef Sautreiber von Kronacher und&lt;br /&gt;
* den Wirth Josef Freindl von Pirka, beiden wegen Bierpanschens&lt;br /&gt;
* die Wirtinnen von Kronacher und Pirka&lt;br /&gt;
* den Kistlermeister Jakob Maier wegen Gewehrdiebstahls (soll 1831 gewesen sein)&lt;br /&gt;
* den Gütler Geibinger&lt;br /&gt;
* die Krämerin Dengler&lt;br /&gt;
* die Karrerin Rauch&lt;br /&gt;
* den Bader von Stocka&lt;br /&gt;
* einen Bauern von Keging&lt;br /&gt;
* den Wahlwirt von Neupullach&lt;br /&gt;
* den Bauern von Mutbach wegen Holzdiebstahls&lt;br /&gt;
* den alten Wirth von Peißendorf, er packe die Weiber auf dem Feld an&lt;br /&gt;
* den Thomabauern von Niederanzing, er packe die Dirnen in der Küche an&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Stadlberger und&lt;br /&gt;
* den Lehrer Schiessling von Hohenlinden wegen Unsittlichkeit.&lt;br /&gt;
Alle Vorwürfe seien vor  über 10 Jahren vorgekommen, urteilt die Gendarmerie. Auf den Pfarrer, den Posthalter und den Gemeindevorsteher wurde ein Vivat ausgebracht, &#039;&#039;weil sie`s haben wollen, daß wir kommen sollen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Das Schlüsselloch der Kirche war verstopft. Es wurde scharf geschossen, Kugeln prallten an Hausdächern und Häusern ab. Die einen haben Joppen getragen, die anderen Mäntel, woraus man schloss, die ersteren wären Öxinger oder Grafinger. Nach etwa einer ¾ Stunde zog man gegen Haag, Preissendorf, Bullach (Kreis Erding) Karlsdorf und Lindach ab. Zunächst hieß es, es werde in Ebersberg getrieben. Die beiden Gerüchteverbreiter waren der ledige&lt;br /&gt;
* Inwohnersohn Nikolaus Kübelbeck und&lt;br /&gt;
* der Meßnerstiefsohn Pauli von Oexing&lt;br /&gt;
Beide hätten letztes Jahr in Edling teilgenommen und letzterer sei dabei an einer Hand verwundet wurden. Verdächtig waren auch einige ledige Burschen, alle aus Hohenlinden:&lt;br /&gt;
* Johann Maier&lt;br /&gt;
* Andrä Eberl&lt;br /&gt;
* Zenon Greiml&lt;br /&gt;
* Hermann Heumeier&lt;br /&gt;
* Simon Halbinger&lt;br /&gt;
* Anton Meisler&lt;br /&gt;
Der Hochzeitslader und Schreinergesell Andreas Knappich erzählte dem Sohn des Vorstehers von Hintsberg unlängst (vor dem Treiben in Hintsberg) er sei in Hohenlinden Haberermeister gewesen. Da der Treibort genau an der Grenze zwischen den Amtsgerichtsbezirken Ebersberg und Wasserburg lag, gab es Streitigkeiten zwischen den Behörden um die Zuständigkeit bei der Aufklärung. Die Behörden sprachen von einer &#039;&#039;Nachäffung des Haberfeldtreibens, von einzelnen Kundigen angeführt und geleitet, von Burschen des Haager und Wasserburger LG ausgeführt&#039;&#039;. Es seien keine Teilnehmer verlesen worden, keine Lärminstrumente, z.B. Windmühlen, benutzt worden, die Teilnehmer seinen junge Burschen gewesen, auch der Anführer habe ein ganz junge Stimme gehabt und geschrien &#039;&#039;Buabn juchatzt&#039;&#039;. Man vernahm Rufe wie &#039;&#039;Schützenkompanie&#039;&#039; und &#039;&#039;Schützen marsch&#039;&#039;. Ausserdem wurden bestimmte Personen, die eigentlich bedacht werden mussten, nicht erwähnt. Der Lärm wurde vor allem durch Geschrei und Schlagen auf Bretter erzeugt, nicht durch Musikinstrumente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Griesstädt 17./18.1.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28838|StAM, RA 1779/28838]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon 4 Tage später trieben 150 bis 200 bewaffnete Mann in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, vom 17. auf den 18. Januar 1866 von 12 bis 1 Uhr 120 Schritte von dem letzten Haus des Ortes nach Norden gegen Altenfahrens zu wegen &#039;&#039;gemeiner Verbrechen als Mord und Diebstahl&#039;&#039; und &#039;&#039;Vergehen in fleischlicher Beziehung&#039;&#039;. Sie kamen in einem Zug von mindestens 100 Schritt Länge von Vogtareuth her und zogen durch den Ort Griesstätt mit Schreien und Johlen. Einer ging mit einer großen Kuhglocke läutend voraus. Sie trugen Joppen und Gebirgstracht, genaueres war wegen der finsteren Nacht nicht erkennbar. Dem Gang nach zu urteilen seien es überwiegend alte Männer gewesen. Auf einem Acker neben der Straße Wasserburg-Rosenheim nahmen sie in einem Kreis Aufstellung. Aus dem Stadel des Ortsvorstehers hatten sie eine Windmühle weggenommen. Der Vorleser stand auf 2 Brettern, die über 2 Schragen gelegt waren. Nur etwa 10 Bewohner gingen aus dem Ort, um zuzuhören. Ihnen wurde mit dem Ruf &#039;&#039;zurück!&#039;&#039; Einhalt geboten. Der Vorleser hatte eine sehr raue Stimme, sodaß man kaum etwas verstehen konnte. Allerdings macht einer der Zuhörer dann doch sehr genaue Angaben:&lt;br /&gt;
* Dem Wasenmeister Franz Pältl zu Erbaum sei ein Mord vorgeworfen worden. &#039;&#039;Dem Erbaumer dem muaß ich heut sagn, der hat seine Vorfahren ins Wasser einigschlagn&#039;&#039;. Das betreffende Ereignis sei allerdings schon 5-6 Jahre her, damals habe man Alois Hart tot gefunden.&lt;br /&gt;
* dem Josef Klarner sei ein Brand zu Griesstätt vorgeworfen worden, der im Jahre 1844 stattfand.&lt;br /&gt;
* dem Simon Niederlechner, Hinterhiermeier Bauer und reicher Witwer, wurde vorgeworfen, er habe die Lehrerstochter geschwängert: &#039;&#039;Der Hirmeierbauer will Schulmeister von Griesstätt werdn, seine Bekanntschaft tut in Rosenheim privatisieren, drum tut er alle Wochen eine Fuhr getreide auffi führen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Über den ledigen Wirtssohn Joseph Soyer hieß es, er sei &#039;&#039;...ein Wilder im Draht und muaß a wissen, was jede Kellnerin für eine hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Vom Josef Gartnerseiner zum Falleisen, einem alten, auf Krücken gehenden Mann sagte man: &#039;&#039;der alte, der is zum erbarmen, möcht aber aa no an Fleck, so an warmen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* dem Simon Mayer zum Dustmaier sagte man: &#039;&#039;der Huber von Burgham waar gern ein angesehner Mann, er hats aber der Oberlechner Resi aa scho oft getan&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Getrieben wurde ferner:&lt;br /&gt;
* dem Mathias Waabuchner zum Jager&lt;br /&gt;
* dem Peter Saaleitner (oder Sennleitner) zum Duschl wegen Unsittlichkeiten&lt;br /&gt;
* dem Andreas Huber zu Leupfam und&lt;br /&gt;
* dem Joseph Kern von Edenberg&lt;br /&gt;
* der Müllerwitwe Marie Furtner und ihrer Tochter Magdalena&lt;br /&gt;
* dem Werkführer Hans Huber von Murn&lt;br /&gt;
* dem Johann Maier, Erpenbauer zu Sunkenrath&lt;br /&gt;
* dem Thomas Nickel, Huberbauer zu Sunkenrath&lt;br /&gt;
Weitere Verse lauteten:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Huber von Kettenham, den lassen wir laufen,&amp;lt;br&amp;gt;der stiehlt die Lampl und thut sie verkaufen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die  Huber von Moosham sind a nit zu loben&amp;lt;br&amp;gt;die ham an Bauern in Holbing seine Kronenthaler gstohlen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Samsl vo Moosham, der hat sie verganga und hat a weni mit der Dirn&amp;lt;br&amp;gt;statt mit seiner Frau angfanga&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Haberer hätten gesagt, sie seien von Miesbach her sehr weit bei schlechter Witterung gegangen. Es wurde scharf geschossen, über dem Ort pfiffen Kugeln. Am Schluss erging an die Getriebenen die Aufforderung, sich zu bessern. Nach dem Befehl &#039;&#039;auseinander, Marsch!&#039;&#039; erfolgt Schlag 1 Uhr der Abzug gegen Edenberg nach Süden Richtung Rosenheim, angeblich nicht Richtung Wasserburg. (Allerdings sagen Zeugen, es seien einige über die Brücke in Wasserburg gezogen). Um über den Inn zu kommen, wurde die Überfuhr (Fähre) zu Murn benutzt. Das Schloß des für 24 Personen berechneten Nachen wurde geöffnet, wahrscheinlich mit einem Nachschlüssel, da keine Gewaltanwendung erkennbar war. Auch bei Altenhohenau und Edenberg sollen die Treiber über den Inn gekommen sein. Eine Gruppe wurde bei Schonstätt gesehen, eine Rotte sei wohl erst bei Rosenheim über den Inn gegangen.&lt;br /&gt;
Etwa 80 Mann sollen beim Wirt in Vogtareuth Bier verlangt haben. Dieser streitet dies aber ab, es sei eine Verwechslung. Er habe miterlebt und nur erzählt, wie in der Nacht vom 24. auf 25. Januar eine Rotte von etwa 60 Mann bei seinem Kollegen in Paffenhofen Bier verlangt hätte. Am Treibort fand man Papierpfropfen von Zeitungen, die als Schusspapier gedient hatten. Der niedergetrampelte Teil des Ackers hatte einen Durchmesser von 28 Schritt, weshalb die Gendarmen vermuteten, dass es weniger als 150 Teilnehmer waren. Die Konsequenzen der Wasserburger Behörden ließen nicht lange auf sich warten: Die Gemeinden mussten wieder Nacht-Patroullien laufen, es wurde bis auf weiteres jegliche Tanzmusik verboten, außerdem wurde die Polizeistunde herabgesetzt. Die beurlaubten Soldaten der Gegend wurden auf 2 Monate einberufen. In der Folge werden den Behörden verschieden Hinweise, Verdächtigungen und Anschuldigungen anonym übermittelt. Die Untersuchungen dazu zeigen aber meist völlige Haltlosigkeit oder nur vage Anzeichen, sodass sie erfolglos bleiben und eingestellt werden. Laut Ministerium des Innern war es das elfte Haberfeldtreiben im Herbst/Winter 65/66.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bruckhof 7./8.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28838|StAM, RA 1779/28838]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36456|StAM, LRA 36456]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Drei Wochen später, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, von 7. auf 8. Februar 1866 etwa um ½ 12 Uhr nachts zog eine Rotte von Grafing und Rott kommend durch Bruckhof unter Abfeuern von Flintenschüssen und Schreien (&#039;&#039;wia, hü, ho, ha&#039;&#039;). Etwa ¼ Stunde später kamen sie in militärischer Ordnung zurück, und zwar um etliche Mann verstärkt, die aus Lampferding angerückt waren und schrien: &#039;&#039;die Haberer sind da!&#039;&#039; Sie nahmen Aufstellung Richtung Rott, 200 Schritt vom Wirthaus und 50 Schritt vom letzten Haus von Bruckhof entfernt, wo ein aus Richtung Rott angerückter Trupp schon gewartet hatte. Es wurde ein Kreis gebildet &#039;&#039;und Verse verlesen, die man aber nicht hören konnte, weil ein starker Sturm ging&#039;&#039;. Nur der Lamerbauer, ein früherer Raufer, der zunächst des Treibplatzes wohnte, hörte, &#039;&#039;dass von Hurerei, Rosenkranzstehlen und Fleischstehlen die Rede war&#039;&#039; und dass es in 14 Tagen nach Assling gehe. Begonnen habe es mit dem Ruf &#039;&#039;Auf, auf, ihr Lumpen, neue Hurengeschichten müsst ihr hören&#039;&#039; und &#039;&#039;auf, die Haberer sind da&#039;&#039; und dann &#039;&#039;auseinander, Kreis gebildet&#039;&#039;. Es ging gegen:&lt;br /&gt;
* den Müllermeister Georg Kastenmüller&lt;br /&gt;
* Bauer Seb. Mayer&lt;br /&gt;
* Barbara Krämer von Blenchhof&lt;br /&gt;
* Kaspar Main von Schalldorf wegen Hurerei&lt;br /&gt;
* die Brettlin von Schalldorf wegen Diebstahls eines Rosenkranzes&lt;br /&gt;
* den Grenzl von Einöden&lt;br /&gt;
* den Heuknecht von Hinterberg, er habe beim H. in Dettendorf das Fleisch vom Kamin herunter&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Truppe, aus Emmering kommend, mit 31 Köpfen, habe lange Röcke und Bauernmützen getragen. Insgesamt sollen es nicht mehr als 50-60 Mann gewesen sein. Das Treiben dauerte etwa ½ Stunde. Wie in Hohenlinden seien es überwiegend junge Burschen gewesen. Dies schließt man auch daraus, daß Donnerstag (8.2.) in dieser Gegend &#039;&#039;Schlenkelpfinster&#039;&#039; gewesen sei, ein Feiertag, an dem sich nicht verdingte Dienstboten am Markt in Grafing anbieten konnten. Der Wirt Jakob Sextl von Bruckhof erzählt, ihm habe der Bauer Michael Edelberger erzählt, er habe beim Lohmeierbauern M. Reißerer auf dem Getreideboden gleich nach dem Edlinger Treiben in einer geöffneten, an der Seite befindlichen Kammer 40 Gewehre gesehen. Die Söhne des Reißerer aus Bruckhof sollen die Hauptbeteiligten in Edling gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hintsberg bei Steinhöring 15./16.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28841|StAM, RA 1779/28841]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36456|StAM, LRA 36456]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
8 Tage nach dem Treiben in Bruckhof kamen die Haberfeldtreiber in der Nacht vom 15. auf 16. Februar in die Nähe von Steinhöring. Etwa um ¼ nach 11 Uhr zog eine Rotte von 20-25 bewaffneten Burschen von Steinhöring her ins Dorf, vor das Haus des Vorstehers und schrien, nachdem ein Schuss abgefeuert war: &#039;&#039;Vorsteher steh auf und weck deinen Toni auf&#039;&#039;. Sie zogen dann auf ein Feld auf einer Anhöhe, nördlich von Hintsberg, etwa 200 Schritt hinter dem Haus des Vorstehers und ca ½ Stunde südlich von Steinhöring. Das Treiben richtete sich gegen den Vorsteher Kaspar Huber und seinen Sohn Anton. Der Vorsteher lasse sich &#039;&#039;abschmieren&#039;&#039; (bestechen), sein Sohn sei ein Stier und Hurenkerl. Nach jedem &#039;&#039;Artikel&#039;&#039; fielen etwa 15 Schuß und alle schrieen &#039;&#039;Vivat&#039;&#039;. Es dauerte nur eine viertel Stunde (nicht 3 Stunden, wie bei Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 61.&amp;lt;/ref&amp;gt; angeführt). Die Treiber hatten keine Lärminstrumente dabei, aber zwei Musikinstrumente, wohl Waldhörner. Es waren nur 20 bis 25 Personen, meist sehr junge Burschen, die in mehrere Richtungen abzogen, vor allem nach Hohenthann, Thulling und Oberndorf. Der Vorleser hatte ein Licht und drehte sich immer dahin, wo die Betroffenen wohnten. Beim Zuzug soll ein Bauer die Haberfeldtreiber gesehen und erkannt haben, sie seien aus dem Mailinger Winkel gewesen. Der Taglöhner Griesbeck aus Thulling war verdächtig, aber seine Frau sagte gegenüber Dritten, der beteilige sich nicht bei Treiben in so kleinen Orten. Das Bezirksamt Ebersberg bemerkt, dass Kaspar Huber ein ehrenwerter, fleißiger Mann sei und hält den Vorfall eher für eine Nachahmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wasserburg, Februar 1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Wasserburg.jpg|mini|Die &#039;&#039;Ermittlungsakten&#039;&#039; des Bezirksamtes für die Stadt Wasserburg.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Witwe Katharina Resch (46 Jahre) erscheint in der Gendarmerie und gibt an: am Abend des 7.2. traten (in der Burgau) 3 starke Männer in die Stube, sie trugen graue Joppen bis an die Wade, Hüte und Spielhahn-Federn und dunkle Vollbärte. Sie sprachen in &#039;&#039;gebildeter Sprache&#039;&#039; und fragten um Verhältnisse des Hofsteter Metzger und nach anderen Dorfbewohnern, insbesondere wer wen auf die Gant (in Konkurs) gebracht habe. 4 weitere Männer hätten die drei abgeholt. Man befürchtete daher zunächst ein Haberfeldtreiben in Wasserburg. Das Bezirksamt hielt die Zeugin und ihre Aussage jedoch für nicht glaubwürdig. Etwa 3 Wochen später, am 12. März 1866 zeigt Georg Dengler am Harter Gütl an, daß in der sogenannten Tränkgasse eine Puppe an einem Baum hinge, in Gebirgstracht gekleidet, sie solle wahrscheinlich einen Haberfeldtreiber vorstellen. Als man die Puppe abnahm, fand man in der Joppentasche ein Schriftstück, datiert vom 10.3.1865(!). Es begann:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ihr Herren und Frauen aus Wasserburg!&amp;lt;br&amp;gt;O Wasserburg, du bedauerst mich auch könnt Ihr es schlechten Bürger es nicht verantworten, das ich wegen einer schleichten Huererei und Stehlen muß auf diesem Baum aufhenken. Die Leute schaug mich an und werden sich gewiß nichts gutes denken verzweifeln muß ich auf jeden Fahl den nichts als Schlechtigkeiten hörr ich von den noblichsten Herrn sie machen Bankrott u. Den armen Teufeln wir das Geld abgerappt. So könnte ich wahr erzählen und an der Wahrheit wird gewiß nicht fehlen. In einer Nacht könt ich bei Euch nicht vertig werden u in zwei könnt Ihr mich mit meiner Manschaft nicht ernährn weil die Meister sind zum Verderben. Noch zu letzten thut es mich das verdrissen das es die die armen Soldaten entgelden müssen doch scheuen wir weder Schildwach noch Protokoll der Teuffel soll euch alle holen. Ich meine ich habe schon überall Mühe genug gehabt bis ich die Leute auf den rechten Weg gebracht. Ich sage Euch auf meine Ehr es reut mich keine Stunde mehr. Aber bevor ich mein Leben werde beschließen werde ich meine Brüder dem Kaiser Karl am Untersperg noch schreiben müssen was Ihr führan Lebenslauf führt und wie Ihr haltet Eure Hurerei darauf.&amp;lt;br&amp;gt;Wenn ihr Euch nicht bekehrt in eine Jahr so ist Bedenkzeit gar, dan dürft ihr aber sicher hoffen das mein Bruder kommt mit 1000 Mann der Euch gewiß katholisch machen kann. Da kann Euer Major den Generalmarsch schlagen lassen um uns mit Hunden davon zu jagen. Thut ihr also Ihn Obacht nehmen den meine Schützen haben Haare auf den Zähnen. Wen es ankommt auf einen Ernst verzehn sie nicht fiel Scherz. Schissen auf jeden wen es a so sein muß eine warme Kugel durch die Brust.et, Auf schlechte Besserung oder gar auf Verlangen sehen wir uns wieder bis einem Jahr aber nicht schriftlich sondern mündlich in höherem oder gar in scharfen Grade wozu Euch die Ganze Arme der Haberfeldtreiber gratulieren.&amp;lt;br&amp;gt;Ostreich, Frankreich, Rußland und das Arme Kommando Kaiser Karl vom Untersberg&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Es folgen weiter 12 Seiten bleistiftgeschrieben mit wirren Anschuldigungen. Ob in Wasserburg je ein Haberfeldtreiben geplant war, ist äußerst zweifelhaft. Die Organisatoren der Treiben achteten sehr darauf, dass sie gesicherte Rückzugswege hatten. Wegen der einfach zuzustellenden Fluchtwege im Ort wäre ein Treiben äußerst riskant gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Evenhausen, 23./24.2.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28842|StAM, RA 1779/28842]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In Evenhausen, einem Dorf mit 10 Anwesen zwischen Wasserburg und Amerang, Landgericht Wasserburg, zogen in der Nacht von Freitag auf Samstag, den 23. auf 24. Februar 1866 zwischen 60 und 100 Mann gegen ½ 1 Uhr nachts lärmend und schreiend den Berg hinauf durch das Dorf und stellten sich am südlichen Dorfende gleich neben dem Wirtshaus von Evenhausen auf halbem Weg nach Pfaffing auf. Sie schossen dann gegen den Ort zu scharf und begannen von 1 bis ½ 2 Uhr das Treiben, hauptsächlich wegen fleischlicher Verfehlungen gegen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Lorenz Schindlbeck&lt;br /&gt;
* den Meßner Phil. Huber, der so fleißig bete, daß seine Frau sterbe, die er schon zu Lebzeiten mit seiner jetzigen Frau betrogen habe&lt;br /&gt;
* den Schullehrer wegen Schulhausgelddiebstahls (völlig unbegründet)&lt;br /&gt;
* den Wirth nebst verschiedenen ledigen Weibspersonen und&lt;br /&gt;
* vor allem aber gegen den Pfarrer wegen fleischlicher Vergehen mit seiner Pfarrersköchin&lt;br /&gt;
Die Kirchturmtüre wurde mit Wasen verstopft. Eine Windmühle, die benutzt wurde, stammte vom Mesner Huber. Im Wirthshaus zu Evenhausen wurden 2 Fenster eingeschossen, eine Kugel durchschlug das Fenster des Kinderzimmers. Auch in den Mauern der Häuser befand sich &#039;&#039;viel Blei&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104 |StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Schluß erfolgte die Ankündigung eines Treibens in Söchtenau in 14 Tagen. Zu- wie auch Abzüge erfolgten Richtung Aham, Schonstatt und Grießstätt, eine Rotte schlug den Fußweg nach Rehmbach, Breitenbach und Murn ein. Einige Treiber kamen über den Inn. Der Flößer Georg Ortner sagt aus, daß sein Floß zu einer Überfahrt benutzt worden sei. Amtliche Abschrift (Nachschrift) des Treibtextes:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir fangen gleich mit dem Allerschlechtesten an un dieß ist der Pfarrer von E., der größte Stier, der Hurenkerl hat seiner Köchin ein Kind gemacht, dös Kind is freili scho Wirthin und seine Köchin ist die allergrößte Hure.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Meßner hat 2 Jahre neben seinem Weib die Heilmeir Viktor gehabt, aber jetzt mag ers nimma, weils allaweil am Franckl sein Hosentürl dran ghängt ist.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wirt ist der Gemeindestier, der hat der Stannz Rosl a Kind gmacht, nacher ham sie mitanande an Kindsmord begangen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Stannz Rosl, die Hurn, des schlechte Weibsbild hat von an lutherischen Schäfer a Kind ghabt und jetzt geht’s in der nacht zum Schuster.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Heilmaier Anni hat sichs vom Lehrer Franckl Tag und Nacht thun lassen, der Lehrer F. Ist freilich fort, aber an Hund hat er ihr dalassen, der muß ihr die Fud ausschlecken und am Frankl sein geschäft versehn.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die  Schneider... als... ist beim Hellichten Tag beim Franckl dringlegn, jetzt macht sie Betschwester und singa kanns nimma, weils an F. Sei Pfeiferl nimmer hat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Weitere Verse, die sich im Akt des Bezirksamts Wasserburg&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104 |StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; befinden:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Stefflknecht, der Fluri, der hat am Kochberg bei Hebertshan an Moar vo Oddelsham ausdrunka&amp;lt;br&amp;gt;Die Mili hat eam net so gschmeckt hat gmoant si hat nach der Braugruebn gstunka&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Den Petermüllerm den derf ma a net vergessn&amp;lt;br&amp;gt;Der thuat an Dirnen so gern de Tüacher vermessen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wabsmüller Aliis mit sein Goasbart&amp;lt;br&amp;gt;Hat a rothaarats Diandl mit 13 jahr scho g&#039;hat&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Diestl in da Schilchau, der is am Johannitag&amp;lt;br&amp;gt;Mit&#039;m Kreuz auf Schaunstädt ganga&amp;lt;br&amp;gt;Und im Hoamgeh hat a a Morthat beganga&amp;lt;br&amp;gt;Und hat an Schulseppn sei Wei in an Korn... drin gmaust&amp;lt;br&amp;gt;Da hats an Teufel in der Höll drin davor graust&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Mit dem Haberfeldtreiben is a koa Spaß&amp;lt;br&amp;gt;Is oana unter uns, hat an Fuaß wia a Goas&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Um a sechsi müaß ma vonr Kaiser Carl seiner Hausthür steh&amp;lt;br&amp;gt;Sonst derf ma &#039;s nachst mal nimmer zum Haberfeldtreiben mitgeh!&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Pfarrer von Enhausn is a fürchterlicher Stier&amp;lt;br&amp;gt;Der werd jtzt brennt und zum B&#039;schäln vorgführt&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Wirth von Enhausn is a ganz braver Mo&amp;lt;br&amp;gt;Der bind an Herrn Pfarrer sei Tochter an sei Hosenthürl no.&amp;lt;br&amp;gt;Der Schullehrer von Enhausn is net zum Verachten&amp;lt;br&amp;gt;der tuat an Pfarrer sei Pelzhaubn a gern betracht.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Lehrer Frankl muaß rein auf fremde Straßn&amp;lt;br&amp;gt;Drum hat er seiner Nani sein Hund zum Mausen zruck lassen&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Notar Gleißl war bei der Wirtin z&#039;Straß auf Visit&amp;lt;br&amp;gt;Und hat des alt Fell a öfters verkitt&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Die Strengs Resi vo Enhausn hat früher schön gsunga,&amp;lt;br&amp;gt;hat aber ihr kloans Kind umbrunga&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Dass es zwei Varianten von Treibtexten gibt, ist gar nicht so selten. Die Gendarmerie zeichnet erst die Verse nach Zeugenaussagen vom Hörensagen auf, später tauchen dann von den Haberern zugespielte Papiere auf, die andere und zusätzliche Verse enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kraiss, Gde. Steinhöring, 5./6.4.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28844|StAM, RA 1779/28844]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 36459|StAM, LRA 36459]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 5. auf 6. April 1866 wurde zum zweiten Mal innerhalb von 8 Wochen in der Nähe von Steinhöring getrieben. Nur 60 Schritt von dem aus zwei Häusern bestehenden Einödhof Kraiss auf einer Anhöhe wurde um Mitternacht dem&lt;br /&gt;
* Hofbesitzer Sebastian Bauer&lt;br /&gt;
das Haberfeld getrieben. Das Wecken am Haus erfolgte mit Schüssen und der Aufforderung, wenn er, der Bauer Pulver und Kugeln habe, dann solle er herauskommen. Es waren etwa 30-40 Mann, die aus Richtung Haag von der benachbarten Einöde Dailling kamen und gegen Hohenlinden abzogen. Zum Verlesen wurde ein Licht angezündet. Einer las etwas in Knittelversen ab, die anderen schrieen:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Hurenkerl, der schlechte Kerl, Spitzbub, du hast deinen Vater erschießen lassen, hast scho zwei Weiber umgebracht und das dritte möchtest du auch noch umbringen. Du hängst ja den Dirnen an, bei dir kann sich keine aufhalten. Du bist einmal in Neufahrn vom Wirth mit der Hundspeitsche geprügelt worden, weil du Futtersäcke, Geiselstecken und Eisketten gestohlen hast. Am Schluß sagten sie: &#039;Jetzt ists zum letzten Mal, jetzt gehen ma nach Ebersberg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
2 Wachhunde am Hof rissen sich von den Ketten los, zwei Kühe ebenfalls. Das ganze dauerte etwas ¼ Stunde. Seb. Bauer war eine weithin verhaßte Person, streitsüchtig, unfreundlich, stolz und brutal. Laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; war Hauptgrund für das Treiben &#039;&#039;Rache wegen eines Hausbaues&#039;&#039;.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Notiz in den Neuesten Nachrichten vom 24. Oktober 1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28848|StAM, RA 1779/28848]].&amp;lt;/ref&amp;gt; soll in der Kirchweihnacht dem Pfarrer Philipp Maier von Attel Haberfeld getrieben worden sein, und zwar von 13. auf 14. Oktober. Allerdings stellte sich heraus, dass einige mit den Diensthandlungen des Pfarrers Unzufriedene sich zum Pfarrhof begaben und dort ein Fenster einschlugen, eine Kugel durch das Fenster schossen und versuchten, die Haustüre einzuschlagen. Dabei wurde kein Wort gesprochen. Nach Ansicht des Wasserburger Bezirksamtmanns war es kein Haberfeldtreiben, denn: &#039;&#039;der Haberfeldtreiber will nur schimpfen, er zerstört aber nicht fremdes Eigentum&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Versuchtes Haberfeldtreiben in Rosenheim 29.10.1866&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28832|StAM, RA 1779/28832]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Dieses Treiben wird hier aufgeführt, weil es für einige Teilnehmer aus dem Landgerichtsbezirk Wasserburg fatale Folgen hatte. Dem Gendarm von Feldkirchen wurden die Pläne für ein Haberfeldtreiben in Rosenheim von &#039;&#039;einem genau Eingeweihten&#039;&#039; verraten. Daraufhin wurde die gesamten Gendarmerie der Umgebung (12 Mann) und das Landwehr-Bataillon Kommando Rosenheim (32 Mann) mobilisiert und die Mangfall-Übergänge und andere wichtige Punkte besetzt. Der Oberleutnant Wilhelm von Reck wird am 20.10. mit einer Kompanie nach Rosenheim entsandt, und nimmt Stellung auf dem die Gegend beherrschenden Stockhammer Gütl. Vorposten standen:&lt;br /&gt;
* am Zugang nach Rosenheim beim Hofbräukeller (rechter Flügel)&lt;br /&gt;
* nach den Brachfeldern in Richtung Westerndorf&lt;br /&gt;
* nach dem Ziegelstadel von Fürstätt (linker Flügel) und&lt;br /&gt;
* nächst dem Bahnhof&lt;br /&gt;
Diese Vorposten hielten durch Patrouillen ständige Verbindung, die Rückzugslinie sollte immer das Stockhammer Gütl sein. Ein  Rest der Landwehr bezog Wache in Rosenheim und hielt mittels Patrouillen ebenfalls Verbindung zu Oberleutnant Reck. Die Nacht war mondhell. Um 11.00 stieß die gegen den Hofbräukeller vorgeschobene Patrouille auf einen Trupp von 10 bis 15 Mann, die mit Schießgewehren bewaffnet und mit Bärten versehen waren. Sie riefen denselben &#039;&#039;Halt&#039;&#039; zu und warfen sich ihnen (zu zweit!) entgegen. Die Treiber flüchteten, die Gendarmen rissen aber einen aus ihrer Mitte heraus und konnte ihn arretieren: den Knecht Jakob Huber aus Vogtareuth (vier Gehstunden entfernt) Sein Hut war in auffallender Weise mit Hollundersträuchen geziert. Man hielt ihn daher für den Haberfeldmeister. Aus seinen Äußerungen schloss man, dass noch mehr Haberer in einer Kiesgrube in der Nähe des Hofbräukellers verborgen seien. Daher führte man dorthin eine Patrouille durch. Auf der Straße dorthin, beim Haus des Lorettowagners sah der Kommandant einige Burschen laufen und schrie &#039;&#039;Halt&#039;&#039;, worauf geschossen wurde. Die Burschen versteckten sich im Garten des Wagnerhauses. Währenddessen kam ein anderer Trupp Haberfeldtreiber aus der Richtung Stockhamer Gütl gegen das Wagnerhaus gelaufen. Fast gleichzeitig traf auch eine Gendarmerie-Patrouille des Oberleutnant Reck ein, so dass die Haberfeldtreiber im Garten von 2 Seiten angegriffen wurden. Sie hatten aber Schutz durch die Obstbäume und zogen sich einzeln zurück. Die Gendarmen rückten nach, es kam zu einem Handgemenge, im Verlauf dessen 4 Burschen gefangen genommen wurden:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Anton Rainer, vulgo Bart Toni Dienstknecht aus  Grießstätt (im Dienst als Knecht in der Obermühle Murn), gebürtig von Grünthal bei Pfraundorf&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. Paulus Baumann, Dienstknecht beim Kastl zu Sunkenroth bei Grießstätt&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. Josef Kronert, Dienstknecht und&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. Joseph Weber, Dienstknecht beim Oberhungerbauern in Kalbing bei Griesstätt, aus Kraiburg stammend&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ferner laut Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 104.&amp;lt;/ref&amp;gt; der abgehauste Bauer Georg Höllinger aus Rosenheim (möglicherweise identisch mit dem &#039;&#039;verheirateten Schmalzer&#039;&#039; aus Rosenheim). Die vier Festgenommenen wurden zum Stockhammer Gütl gebracht (8-10 Minuten Fußweg), wobei die Begleiteskorte dauernd von ca. 100 bis 150 Haberfeldtreibern aus den gegen Westerndorf ansteigenden Feldern beschossen wurden, &#039;&#039;dass die Kugeln nur so herumflogen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Oberleutnant Reck kam der Eskorte mit seiner gesamten Mannschaft entgegen, worauf sich die Rotte nach Westerndorf zurück zog. Nur zwei Burschen liefen, als ob sie die Stärke der bewaffneten Gendarmerie ausmachen wollten, fortwährend in die Schußlinien, bis einer unter dem linken Auge getroffen wurde und zu Boden stürzte. Der andere schrie &#039;&#039;mein Bruder, mein Bruder! Bist du tod?&#039;&#039; und stürzt sich auf ihn. Es waren der ledige Schmiedsohn Niklas Maier aus Langenpfunzen, der kurz darauf starb und sein Bruder Josef, der arretiert wurde. Darauf zogen sich die Haberfeldtreiber zurück. Die 7 Festgenommenen saßen in Traunstein ein. Wegen &#039;&#039;Vergehen des Aufstands&#039;&#039; werden 4 Mann zu je 2 ½ Jahren Haft verurteilt, der Bruder des Gefallenen zu 1 ½ Jahren, zwei werden freigesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Söchtenau  Bezirksamt Rosenheim 14./15.2.1867&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28853|StAM, RA 1779/28853]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 14. auf 15. Ferbuar 1867 gegen 1 Uhr hielten etwa 50-80 Teilnehmer, von Vogtareuth kommend, eine ¾ Stunde lang im Ort Söchtenau ein Haberfeldtreiben ab. Es ging gegen den Pfarrer Eder und die Wirtin und zugleich Pfarrersköchin und gegen einige Bauern. Als dann ein Sturmläuten der Pfarrkirche einsetzte, schossen sie gegen den Pfarrhof etwa 40 mal scharf, wodurch Fenster zertrümmert und Türen und Decken beschädigt wurden und drohten, der Pfarrer und seine Köchin würden erschossen und das Pfarrhaus abgebrannt. Der Pfarrer Eder war früher Kooperator in Au und soll dort ein Verhältnis mit der Wirtin von Litzldorf gehabt haben. Man nahm daher an, dass die Anstiftung zum Treiben von Au ausging. Der Abzug erfolgte Richtung Vogtareuth und Zaissering. Am Sonntag darauf, also dem 17. wurde nochmals im Ort geschossen und gelärmt, es war aber kein vollständiges Haberfeldtreiben mehr. Personen aus Grießstätt gerieten in Verdacht, sie sollen auch bei den Vorfällen in Rosenheim im Oktober 1866 beteiligt gewesen sein, [[#Versuchtes_Haberfeldtreiben_in_Rosenheim_29.10.1866.5B38.5D|siehe oben]]. Ausserdem sollen die  Wirte Georg Blumetsrieder von Litzldorf, der Wirth von Schonstätt und Josef Schmid von Flintsbach das Haberfeldtreiben arrangiert haben, zusammen mit einem jungen Bauern und Müller mit Namen &#039;&#039;Fürst&#039;&#039;. Die Untersuchung gegen sie wurde eingestellt, aber das Bezirksamt ordnet eine personelle Verstärkung der Polizeistation und Sicherheitswachen an.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann war es im Landgerichtsbezirk Wasserburg für lange Jahre vorbei mit dem Haberfeldtreiben. Zusammenfassend kann man zu den aufgeführten Treiben 1864 bis 1867 im Bezirksamtsbereich sagen, dass sie alle in etwa gleich abliefen: Zunächst zog die Rotte in militärischer Ordnung durch den Ort, um sich dann auf einem Feld oder auf einer Anhöhe vor dem Ort aufzustellen. Es wurden fingierte Namen aufgerufen, die die Teilnehmer durch &#039;&#039;Hier&#039;&#039;-Rufe bestätigten, danach wurden Verse verlesen, vorher, zwischendurch und danach geschossen, (auch scharf), Raketen und Feuerräder gezündet und mit Getreidemühlen, Schlagen auf Bretter und Töpfe Lärm gemacht. Am Schluss erfolgte ein Hochruf, auf den Pfarrer, den Kooperator oder den Bezirkshauptmann, je nachdem, wer nicht getrieben wurde. Interessant ist ein Blick auf die Teilnehmerzahl.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die 6 Treiben im Bezirksamt Wasserburg:&lt;br /&gt;
{|class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Rott_10..2F11.11.1864.5B14.5D|Rott am Inn]] || 10./11.11.1864&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 100 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Albaching_Landgericht_Haag.2C_Bezirksamt_Wasserburg_6..2F7.12.1864.5B18.5D|Albaching]]  || 6./7.12.1864&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Edling_17..2F18.11.1865.5B21.5D|Edling]] || 17./18.11.1865&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Griesst.C3.A4dt_17..2F18.1.1866.5B25.5D|Griesstätt]] || 17./18.1.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 150-200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Bruckhof_7..2F8.2.1866.5B27.5D|Bruckhof]]  || 7./8.2.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-60 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Evenhausen.2C_23..2F24.2.1866.5B32.5D|Evenhausen]]  || 23./24.2.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demgegenüber nahmen an den Treiben im Umkreis des Bezirksamts Wasserburg teil:&lt;br /&gt;
{|class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Schechen_30.9..2F1.10.1865_.5B19.5D|Schechen]] || 30.9./1.10.1865&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 150 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Hohenlinden.2C_Bezirksamt_Ebersberg.2C_Bezirksamt_Wasserburg_13..2F14.1.1866.5B24.5D|Hohenlinden]]  || 13./14.1.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-70 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Hintsberg_bei_Steinh.C3.B6ring_15..2F16.2.1866.5B28.5D|Hintsberg]] || 5./6.4.1866&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 20-25 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#Versuchtes_Haberfeldtreiben_in_Rosenheim_29.10.1866.5B38.5D|Versuch Rosenheim]] || &amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 200 Mann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[#S.C3.B6chtenau_Bezirksamt_Rosenheim_14..2F15.2.1867.5B40.5D|Söchtenau]]  || 14./15.2.1867&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;|| 50-80 Mann&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Es fällt auf, dass die Teilnehmerzahlen an den Treiben außerhalb des Bezirksamts weit geringer waren als bei den Treiben innerhalb des Amtssprengels. Die Vermutung liegt nahe, dass die aktiven Haberer im Bezirksamt nicht mehr als 50 bis 100 waren. Sie hatten die Treiben außerhalb des Amtssprengels zu beschicken, da man ja im eigenen &#039;&#039;Gäu&#039;&#039; nicht teilnahm, um keinen Verdacht zu erregen. Hingegen war die Zahl der aktiven Haberer aus den Bezirksämtern Ebersberg und Rosenheim viel größer. Sie konnten eher ungefährdet die Treiben in den auswärtigen Bezirksamtsbereichen besuchen. Wohl erstmals 1864 werden Zu- oder Abzüge aus dem nördlichen Teil des Amtsgerichtsbezirks verzeichnet und ein angeblicher Teilnehmer aus Emmering verdächtigt. 1866 wird für Bruckhof, wie schon vorher für Hohenlinden vermerkt, dass die Teilnehmer überwiegend junge Burschen wären, was dafür spricht, dass man nach dem &#039;&#039;Einschlafen&#039;&#039; des Brauches über fast 15 Jahre neue, junge Leute rekrutierte. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass bei keinem der 6 Wasserburger Treiben die Untersuchungen zu einem Ergebnis geführt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Haberfeldtreiben von 1893 bis 1905=&lt;br /&gt;
[[Datei:Miesbach.jpg|mini|Einschießen bei einem Haberfeldtreiben.]]&lt;br /&gt;
Wie auch im übrigen Oberland blieb es 15 Jahre lang ruhig. Im Zeitraum von 1867 bis 1882 fanden nur 4 Treiben statt, eines davon in Rott am Inn,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 67.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Akten dazu sind verschollen. Der Brauch wird nun nachweislich von kriminellen Elementen mißbraucht. Ab 1876 taucht der Name Hans Vogl auf. Dieser, Daxer-Wirt von Wall, war zu diesem Zeitpunkt bereits wegen groben Unfugs und 1875 wegen Erpessung vorbestraft. In seiner Wirtschaft treffen sich allerlei zwielichtige Gestalten, die sehr deftigen Treibtexte werden nun vervielfältigt und anschließend verkauft. Sein Bruder Joseph Vogl wurde wegen Verteilung obszöner Schriften 1887 zu mehr als 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Ab 1882 sind wieder mehr Treiben zu verzeichnen, zunächst aber nicht im Landgerichtsbezirk Wasserburg. 1886 wurde der Daxer als Haberfeldmeister abgesetzt und es übernahm Thomas Bacher, Bräuknecht in Feldkirchen, das Amt des Haberfeldmeisters. Die Treiben bis Oktober 1893 gehen auf seine Rechnung. Allerdings gelang es ihm nie, sich im Bund gegen die Umtriebe des Daxer durchzusetzen. Immerhin stieg die Teilnehmerzahl unter seiner Führung von 30-40 Mann langsam wieder auf etwa 200, wie in Valley 1893. Vermehrt findet man nun Plakate mit Ankündigungen von Treiben, ohne dass diese dann auch stattfinden oder Pasquillen mit Schmähversen meist obszönen Inhalts. Das &#039;&#039;Einschießen&#039;&#039;, das ist das scharfe Schießen in die Fenster von Wohnhäusern bei Nacht nimmt zu und wird den Haberfeldtreibern angelastet. Bleibt noch anzumerken, dass im Februar 1889 im Anschluss an ein Festschießen der Zimmerstutzen-Schützengesellschaft &#039;&#039;Schützenlust&#039;&#039; im Wasserburger Danningersaal ein Tanzkränzchen &#039;&#039;mit Preisverteilung und Haberfeldtreiben&#039;&#039; stattfand.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Nachrichten|o.V., Nachrichten]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde das &#039;&#039;Treiben&#039;&#039; zu einer Unterhaltungsnummer. Schon im November 1892 gibt es Gerüchte von einem Haberfeldtreiben, das in Rott stattfinden sollte. Grund war ein an die dortige Gendarmerie gerichtetes Schreiben vom 10.11.1892:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Rott.jpg|mini|Ankündigung Haberfeldtreiben in Rott.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wahrung.&amp;lt;br&amp;gt;Ich setzte Euch in Kentnis, am Sontag den 13ten November Nacht nach Rott die Haberer kommen, Es sind uns über 180 Mann. Wir warnen Euch zum Glück, daß Ihr Gendarme keinen Schuß hören läßt, sonst wird Ihr Euch putzen. Die Rother müssen wir das Sünden-Register verlesen, an Euch kommt kein Wort. Dinamit werden 35 geworfen, daß Nigelstinn Regent. Wenn ein Schaden gemacht, der wird zehnfach vergüdet, also sind ein wenig gescheid.&amp;lt;br&amp;gt;Mit Gruß&amp;lt;br&amp;gt;Hauptmann&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Im Oktober 1893, in der gleichen Nacht, in der das große Haberfeldtreiben in Miesbach stattfand, bei dem es zu einem Schusswechsel mit mindestens 2 Verletzten kam, gab es nach 19 Jahren wieder eine Auftritt der Haberer im Landgerichtsbezirk Wasserburg:&lt;br /&gt;
==Emmering 7./8.10.1893&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28869|StAM, RA 1779/28869]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77819|StAM, LRA 77819]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nähe des Schustergaulstadels bei Aßling traf sich am späten Abend des Samstag, 7. Oktober 1893 eine größere Gruppe. Dort wurde zur Stärkung Bier getrunken, bevor man sich gegen 11 Uhr nachts auf den Weg nach Emmering machte. Vorher zog man in Aßling vor das Haus des Bürgermeisters, vor das Schulhaus, das Bichlersche Gasthaus und vor den Pfarrhof, alles in mehr oder wenig straffer militärischer Ordnung, voran der Tambour. Schon bei dieser Vorversammlung gab es ein Gerücht, dass man verraten sei und das Treiben abbrechen müsse. Dies geschah offenbar nicht. Der Münchner Bote&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72658|BayHStA, MINN 72658]].&amp;lt;/ref&amp;gt; spricht von 300 Teilnehmern, der Regierungsbericht von 70 Mann. Diese durchzogen zunächst den Ort Emmering und stellten sich etwa 100m südlich des Ortes, auf einem Hügel in der Nähe des Pfarrhofes auf. Ein anderer Teil kam durch Hirschbichl, Emmering und Westerberg. Sie stellten sich im Halbkreis auf und schickten Vorposten aus, die auch Warnschüsse abgaben. Dann feuerten sie Gewehre ab und lasen Verse vor, die sich vor allem gegen:&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Krauthofer von Emmering richteten. Er predige streng, habe es aber selbst mit Frauenzimmer&lt;br /&gt;
* Der Bürgermeister Brunner und andere wohlhabende Einwohner wurden gerügt, weil sie ihre Söhne vom Militär losbringen wollten.&lt;br /&gt;
Weiter getrieben wurde:&lt;br /&gt;
* einer Wirtin, weil sie es mit dem Mühlburschen hätte&lt;br /&gt;
* Wirtsleuten von Emmering, Bruckhof und Schalldorf&lt;br /&gt;
* dem Reuth von Westerberg&lt;br /&gt;
* dem Birkmeier von Westerberg und seiner Dirne&lt;br /&gt;
* den beiden Lehrer von Emmmering und noch anderen&lt;br /&gt;
Immer wieder wurde gefragt &#039;&#039;Is wahr?&#039;&#039; und bekräftigt: &#039;&#039;Ja, wahr is!&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Glocken der Pfarrkirche wurden geläutet, so daß man kaum Gesprochenes vernahm. Gegen ½ 2 erfolgte der Abzug nach einer Dauer von ca 1 ½ Stunden. Etwa 100 Mann, die auch gegen 3 Uhr früh durch Aßling zogen, riefen vor dem Gendarmerielokal: &#039;&#039;geht heraus ihr grünen Hund, wenn ihr einen Schneid habt, dann schießen wir euch nieder.&#039;&#039; Beim Wirtshaus des Bichler verlangten etwa 20 Mann Bier. Vermutet wird, dass die Teilnehmer aus Aßling und Schalldorf kamen. Als die Gendarmen gegen 11 den Lärm vernahmen, gingen sie zum Bauern Kirchlechner von Aßling, dessen Knecht Hilarius Limberger aus Niklasreuth schon lange als Haberfeldtreiber in Verdacht stand. Er war nicht daheim, kam aber nach 12 Uhr ganz echauffiert heim. Sein Alibi, er sei bei seinem Bruder gewesen, konnte widerlegt werden. Die weitere Untersuchung ergibt, daß Limberger beim Brauereiverwalter von Grafing (Kasperlbräu) 2 Fäßer Bier (112 Liter) bestellt und auch erhalten habe (bessere Qualität). Die Fäßer seien zwar noch nicht zurück, aber das Geld sei inzwischen angekommen, in einem Brief, unterzeichnet mit &#039;&#039;das Geheimcomite der Haberer&#039;&#039;. Darin steht auch, daß Limberger nichts wisse und völlig unschuldig sei. Er wird zu einer Haftstrafe von 1 Jahr verurteilt, seine Revision verworfen. Der Maurerpolier Ecker, der den Haberfeldtreibern auf seinem Heimweg von Emmering nach Kronau nachts um 11 begegnete, gibt an, ihm sei bedeutet worden, er solle machen, dass er weiter komme, weil er das Feldgeschrei nicht kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling, Versuch eines Haberfeldtreiben  1894==&lt;br /&gt;
Zipperer&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Zipperer, Haberfeldtreiben|Zipperer, Haberfeldtreiben]], 76. verweist auf Akte Kreisarchiv München Sign. Das  AR III. (nicht auffindbar)&amp;lt;/ref&amp;gt; führt ein Treiben in Edling im Herbst 1894 an. Es handelt sich dabei wahrscheinlich nur um einen Versuch. Ca. 35 Haberer versammelten sich im Steinbucher Forst nahe Edling am 29.8.1894. Möglicherweise wurde dieses Treiben abgesagt, jedendalls gibt es keine Nachweise in den Akten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pfaffing, 24./25.11.1894&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, AR 377916|StAM, AR 377916]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon in der Nacht von 10. auf 11. März 1894 wurden in Filzen, Gemeinde Pfaffing von 30-40 Personen über 100 Schuss abgefeuert. Anscheinend war ein Haberfeldtreiben beabsichtigt. 20-25 Personen zogen Richtung Lauterbach vorüber. Es wurden keine Knittelverse verlesen. Die Ruhestörer sollen aus Frauenneuharting und Jakobneuharting stammen (Bezirksamt Wasserburg). Bei Josef und Engelbert Guggenberger, Schmiedsöhne von Linden, wurden Waffen gefunden, der Verdacht, dass sie an dem Unfug bei Filzen beteiligt waren, konnte nicht erhärtet werden. Von 24. auf 25. November, von Samstag auf Sonntag nachts gegen 1 Uhr verübten dann 70-100, nach anderen Berichten bis 150 Personen auf einer Anhöhe ca. 200 m südwestlich von Hilgen entfernt ein Haberfeldtreiben. Der Anmarsch erfolgte auf dem Kirchenweg von Rettenbach her. Einer ging mit der Laterne voran und der Zug kam gegen das Haus des Forstner Bauern. Der Bäcker Fischerfeier wurde durch Schüße und Lärmen geweckt. Posten wurden aufgestellt. Einer fragte den Forster, ob er eine Maß Bier möge, erhielt aber keine Antwort. Dann stellte man sich auf und feuerte mehrere Schüsse ab. Knittelverse wurden verlesen, die sich gegen Bauern, Wirte und Brauer aus Hilgen und Pfaffing richteten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Einzelnen getrieben wurde gegen:&lt;br /&gt;
* den Bürgermeister Posch von Eschelbach&lt;br /&gt;
* den Gastwirt Windsperger&lt;br /&gt;
* den Bäcker Fischerfeier, ihm soll man den Beutel wegschneiden&lt;br /&gt;
* den Lehrer Forstner und&lt;br /&gt;
* den ehemaligen Pfarrer&lt;br /&gt;
* die Frau Windsperger von Pfaffing und&lt;br /&gt;
* die Frau Hefter von Pfaffing, zur letzteren soll der Dr. Müller von Rott öfters herausgekommen sein&lt;br /&gt;
* Der Kramer Englhard soll einmal mit dem Dr. Müller ins Raufen gekommen sein&lt;br /&gt;
Am Schluß erfolgte ein donnerndes Hoch auf den Prinzregenten und den Pfarrer. Der Abmarsch erfolgte über den Zelbach in den Ebersberger Bezirk Richtung Jakobneuharting. Verdächtigt der Teilnahme wurden:&lt;br /&gt;
* der Distriktsstrassenwärter Gabriel Eder aus Edling&lt;br /&gt;
* der Musiker Michael Wimmer von Attel&lt;br /&gt;
* der Gütler Heinrich Schillinger in der Filzen&lt;br /&gt;
* der Flaschenbierhändler Alois Litzlfelder von Hirschbichl&lt;br /&gt;
* der Flaschenbierhändlerssohn Heinrich Hofstetter aus Graben&lt;br /&gt;
* der Bauer Joseph Lippacher im Thal (Pfaffing)&lt;br /&gt;
* der Schuhmacher Adolf Siegelwallner, Aßling und&lt;br /&gt;
* der Tagelöhner Benedikt Eichner aus Schacha (Schachaweber)&lt;br /&gt;
Verdächtigt wurden auch Pfaffinger Bürger.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Nacht von 24. auf 25. November landete ein anonymer Brief beim Bezirksamt Wasserburg. Darin wurden für das Haberfeldtreiben in Paffing folgende Personen verantwortlich gemacht:&lt;br /&gt;
* Sigmund Killi in Buch, Gemeinde  Ferwach(?) , Bruder des Killi-Hausl (Inhaftiert)&lt;br /&gt;
* Gastwirt Thomas Fellner aus Bichl ebenfall Gemeinde Ferwach&lt;br /&gt;
* und seine Bruder Gabriel Fellner von Rettenbach (ebenfalls Gemeinde Ferwach)&lt;br /&gt;
Etwa gleichzeitig wurde dem Bezirksamt von der Haftanstalt Laufen mitgeteilt, der dort wegen Haberfeldtreibens einsitzende Dienstknecht Stefan Hoiß aus Dettendorf habe einen Brief erhalten von dem aus der Haft entlassenen Johann Linhuber im Hardt, Gemeinde Höchstätt (Bezirksamt Rosenheim), wonach im nächsten Herbst ein Haberfeldtreiben sattfinden solle. Sigmund Killi aus Buch, ein Bruder des Killi Hausl wurde verhört und bestritt seine Teilnahme. Er war schon gerichtsbekannt wegen eines Diebstahls in Hohenthan, zusammen mit Thomas und Gabriel Fellner. Alle 3 wurden am 4.6.1897 (2 ½ Jahre später!) verhaftet. Der Bürgermeister von Feldkirchen hatte durch einen Boten einsagen lassen, welche Angaben sie vor dem Untersuchungsrichter zu machen hätten. Fischbacher Joachim, Dienstknecht Gemeinde Ramelberg bestreitet ebenfalls seine Teilnahme. Auch beim Steinhöringer Treiben sei er nicht dabei gewesen, da habe er einen Brief gekriegt. Er hat für beide Nächte kein Alibi und ist bei der Vernehmung sehr aufgeregt. In einem anonymen Brief werden der Scheuerl von Böckmühl und der Windsperger von Pfaffing als Anstifter genannt. Der 7-jährige Mühlhuber Pepperl erzählt in der Schule, sein Vater sei am Sonntagmorgen heimgekommen und habe erzählt, wie schön es beim Haberfeldtreiben gewesen sei und dass er es selbst gesehen habe. Mühlhuber wird verhört und erklärt, dass er nur im Besitz von einem Paar Stiefel sei, die er um die kritische Zeit beim Schuhmacher in Edling hatte. Am 13.8.1897 ergeht ein Einstellungsbeschluß.&lt;br /&gt;
In einem Zeitungsbericht vom 28. November 1894&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; heißt es, die Teilnehmer seien aus Aßling gekommen und auch dorthin wieder zurückgekehrt, sie seien:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;mit guten Hinterladern (Jagdgewehren) und Alpenglocken ausgerüstet gewesen. Zur Ehre der Haberer sei&#039;s gesagt, daß diesmal kein ausgelassenes Treiben, muthwilliges Schießen und Spektakelmachen, Sachbeschädigungen etc sondern ein formvollendetes Haberfeldtreiben stattfand. Der Haberfeldmeister hatte eine besonders hierfür gut passende, kräftige, weithin vernehmbare Stimme. Das Treiben galt anrüchigen Persönlichkeiten und obwaltet darüber nirgends Zweifel, wem es gegolten, es wurde sozusagen mit der ganzen Gegend auf einmal aufgeräumt. Das Treiben wurde nicht gestört, die Gendarmerie kam zu spät, das Militär gar nicht. Nächstesmal bei Grafing.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Edling, 30./31.3.1895&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72639|BayHStA, MINN 72639]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77820|StAM, LRA 77820]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1789/28870|StAM, RA 1789/28870]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von 30. auf 31. März 1895 kurz nach Mitternacht kamen ca. 80 Mann auf der Distriktstraße von Pfaffing her gezogen und liefen durch durch den Ort. Sie schossen vor dem Pfarrhaus mehrere Salven ab und drehten dann um, um sich auf einem brachliegenden Acker zwischen der Straße von Edling nach Pfaffing und dem südlich davon verlaufenden Feldweg, nur ca. 100m südlich vom Schulhaus Edling aufzustellen. Eine große Anzahl von Schüssen wurde abgefeuert und Raketen angezündet. Die Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Expositus Sedlmaier&lt;br /&gt;
* den Lehrer Haimerl&lt;br /&gt;
* den Bahmeister&lt;br /&gt;
* den Spanbrucker Sebastian Schmid von Edling&lt;br /&gt;
* den Windsberger, Bräu in Harth&lt;br /&gt;
* Sebastian Gschwendtner&lt;br /&gt;
* die Huasbäurin&lt;br /&gt;
* die Schambacherin (Haushälterin von Georg Brand, Bäcker in Edling)&lt;br /&gt;
Der Wortlaut war allerdings kaum zu verstehen. Aus einer naheliegenden Scheune war eine Windmühle entwendet worden, mit der Lärm gemacht wurde, außerdem aus der Nähe Schragen und Bretter, aus denen für den Vorleser eine &#039;&#039;Rednerbühne&#039;&#039; errichtet worden war. Die Türen zum Kirchturm waren mit Papier verstopft. Das Treiben dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Rotte zog danach auf der Straße nach Hardt ab. Auf dem Treibplatz fand man eine Menge Papierpfropfen, die zum Schießen verwendet worden waren. Das Papier stammte vom Ebersberger Anzeiger und ließ keine Rückschlüsse zu. Auch die vorgefundene Verpackung der Raketen mit der Aufschrift &#039;&#039;Heinrich Bungs Nachfolger, Balanstraße 8&#039;&#039; führt trotz gestellter Nachfrage bei der Firma nach Bestellungen aus der letzten Zeit zu keinem Ergebnis. Nach längeren Untersuchungen wird Karl Kleinschwäger festgenommen. Er soll in Pfaffing (November 1894) dabei gwesen sein und Haberfeldmeister und Vorleser in Edling gewesen sein. Er gibt schließlich zu, in einem Wirtshaus Verse aufgesagt zu haben, welche aber von 1865 stammten und dortmals abgesungen worden seien. Ein Strafverfahren wird gegen ihn in Traunstein eröffnet, dessen Ausgang aber nicht in den Akten dokumentiert ist. Noch 50 Jahre später wurde im Reichenhaller Tagblatt&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberfeldtreiben|o.V., Haberfeldtreiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt; des Treibens gedacht, es war:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;in der Nacht vom 30. auf 31. März in Wasserburg, besonders in der Bahnhofsgegend, ein ununterbrochenes Schießen hörbar. Anderntags stellte sich dann heraus, daß in der benachbarten Ortschaft Edling um die angegebene Zeit ein Haberfeldtreiben stattgefunden hat, wohl da letzte in der Geschichte dieses oberbayerischen Fehmgerichtsbrauches.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Es hätten 60-70 Männer teilgenommen. Ein &#039;&#039;alter Haberer&#039;&#039; berichtet 60 Jahre später in der Wasserburger Zeitung&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das letzte Treiben|o.V., Das letzte Treiben]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus seinen Erinnerungen: Der Filzenwirt habe einen Teil der Haberer auf gefährlichen Wegen über die Riedener Filze geführt.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wir lagen in tiefem Schlaf, als uns unser Vater weckte. &#039;Kinder, stehts auf! Im Dorf drübn deans Haberfeld treibn&#039;. Wir waren plötzlich hellwach und standen am Fenster. Von Edling herüber ertönte fürchterlicher Lärm. Einmal langanhaltende Schießerei, dann wieder blechernes Klappern, Schreien. Dröhnen wie von Paukenschlägen, dann ein Trompetensignal, und schließlich für einige Minuten Stille. Es war dies, wie man uns dann erzählte, jene Spanne Zeit, wo der Haberermeister jeweils ein Kapitel seines Sündenregisters verlas. Diese Lautskala wiederholte sich einige Male. Am nächsten Morgen aber waren wir schon früh auf dem Platz, wo das Treiben stattgefunden hatte. Zahlreiche Menschen standen umher in aufgeregten Gesprächen und ein beträchtliches Aufgebot von Gendarmen stellte umständliche Erhebungen an. Wir mußten alle Patronenhülsen, die wir aufgehoben hatten, abliefern und es lagen viele herum, Hunderte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steinhöring 26./27.10.1895&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77817|StAM, LRA 77817]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1780/28864|StAM, RA 1780/28864]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Schon ein halbes Jahr später, in der Nacht von 26. auf 27. Oktober 1895, kurz nach Mitternacht zogen zwischen 30 und 50 Mann von der Oelmühle kommend durch das Dorf Steinhöring in Richtung Hintsberg und trieben auf einer Anhöhe von ½ 1 bis 1 Uhr, während aufgrund einer Warnung die Gendarmen in Glonn zusammengezogen waren. Das Treiben galt:&lt;br /&gt;
* dem Pfarrer Hellmeier wegen Mißhandlung seines Bruders, den er erschlagen habe und weil er die Weiber gern am Unterleib kuriere&lt;br /&gt;
* dem Bauern Josef Moritz in Hintsberg wegen Feindseligkeit mit seinem Nachbarn&lt;br /&gt;
* dem Bäcker Felix Stangl wegen Unregelmäßigkeiten beim Backen&lt;br /&gt;
* dem Posthalter (Post-Aigin) wegen Umgangs mit seiner Kellnerin&lt;br /&gt;
* dem Privatier Johann Brandmeier wegen Intimitäten mit dem Pfarrer&lt;br /&gt;
* der Bierbrau-AG Höfter wegen &#039;&#039;Plömbösiadarei&#039;&#039; (=Plempel-Siederei = schlechtes Bier brauen)&lt;br /&gt;
* zwei Lehrern wegen Hurerei, dem Cooperator&lt;br /&gt;
Die Schlüssellöcher der Kirche wurden verstopft, die Telefonleitung gekappt und Raketen abgeschossen. Ein Trompeter blies am Schluss &#039;&#039;was man aus Liebe tut&#039;&#039;. Verdächtigt als Teilnehmer wurden die Steinhöringer selbst, Zuzügler aus Frauenneuharting, Aßling und Schalldorf, außerdem der Bauer Xaver Baur aus Nicklasreuth (Gemeinde Aßling). Am 13.11.1895 erhält der Vorstand des Bezirksamts Ebersberg einen Schmäh - und Drohbrief bezüglich dieses Treibens. Der veröffentlichte Treibtext enthält weitere und zum Teil andere Vorwürfe als die im Treiben aufgezählten. In der Nacht vom 1. auf 2. November 1896 wurde in der Gemeinde Griesstätt ein Vorfall registriert, der wohl nicht als Haberfeldtreiben bezeichnet werden kann. 4 Burschen machten im Ortsteil Kettenham unbewaffnet Lärm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verhaftungswelle 1896=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Albaching.jpg|mini|Beabsichtigtes Haberfeldtreiben in Albaching, 1893.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im April 1896 war der Killi-Hausl, Sohn des früheren Haberfeldmeisters, aus Münster bei Glonn verhaftet worden. Er hatte sich vor Kameraden mit der Teilnahme an mehreren Haberfeldtreiben gebrüstet. In der Haft verriet er einem Zellengenossen gegenüber den Haberfeldmeister Thomas Bacher und viele seiner Genossen  bei den Treiben von Sauerlach und Peiß. Einige konnten sich rechtzeitig nach Amerika und Kanada absetzen, viele wurden verhaftet und später verurteilt. Am 27. April 1896 startet die Gendarmerie Wasserburg eine Umfrage bei den umliegenden Gendarmeriestationen über stattgehabte Haberfeldtreiben&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und diesbezügliche Verhaftungen. Die Gendarmerie Zorneding meldet 15 Inhaftierte, Glonn 6 Verhaftete, aus Oberhaching wird ein Mann gemeldet, ebenso aus Aying. Höhenkirchen berichtet von 7 Festnahmen, Sauerlach meldet 3 Inhaftierte. Fast alle gingen davon aus, daß weitere Verhaftungen folgen. Zorneding merkt an, daß die Informationen vertraulich zu behandeln seien,&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;indem auf höheren Auftrage die größte Verschwiegenheit beachtet werden soll. Erstaunlicherweise meldet die Station Miesbach Fehlanzeige mit dem Hinweis, dass wohl auch künftig keine Hoffnung bestehe, Verhaftungen vornehmen zu können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis des Amtsbezirks Wasserburg vom 23. Dezember 1896 sind 15 Festnahmen vermerkt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72659|BayHStA, MINN 72659]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Akten Haberfeldtreiben Verzeichnis 3.jpg|mini|Verzeichnis zur polizeilichen Verfolgung von Haberern.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des Treibens in Steinhöring Oktober 1895:&lt;br /&gt;
* Wurmanstetter Balthasar, verh. Schmied in Rettenberg, am 19. Oktober 1896 inhaftiert, in Freiheit gesetzt nach 6 wöchiger Haft infolge Geständnis&lt;br /&gt;
* Fellner Xaver, verh. Gütler, Bachleuten, Gemeinde Farrach, am 8. November 1896 in Rott festgenommen, sofort aufgrund Geständnis wieder in Freiheit gesetzt&lt;br /&gt;
* Neumaier Gottfried, Musiker von Rettenbach, am 23. November 1896 in Rott inhaftiert, nach einigen Tagen wegen Geständnis frei gelassen&lt;br /&gt;
* Fischbacher Joachim, Dienstknecht in Sindlhausen, wohnhaft in Mühltal Gemeinde Edling, verhaftet am 26.11.1896 in Rott&lt;br /&gt;
* Maierbacher Gabriel, lediger Taglöhner in Bichl, Gemeinde Farrach, festgenommen am 27.11.1896 in Rott&lt;br /&gt;
* Mühlbauer Bernhard, lediger Torsteher von Oberding, Gemeinde Erding, wohnhaft in Springelbach, Gde. Pfaffing, festgenommen am 20.10.1896 in Albaching&lt;br /&gt;
* Eichner Benedikt, verh. Gütler aus Schacha, Gde. Farrach, nach Geständnis freigelassen&lt;br /&gt;
* Brucker Josef,  led. Dienstknecht von Grafing, Gde. Ebersberg, wohnhaft in Rettenbach, freigelassen nach Geständnis&lt;br /&gt;
* Sewald Bernhard, led. Wagner von Zellerreuth, Gde. Ramelberg, in Haft behalten worden&lt;br /&gt;
* Schaber Georg, led., Langdorf Gde. Rott frei gelassen nach Geständnis&lt;br /&gt;
* Winkler Marin, led. Bauerssohn von Langdorf, Gde. Rott&lt;br /&gt;
* Hüttl Blaius, led. Diesntknecht von Ast, Gde. Assling, wohnhaft in Rott&lt;br /&gt;
* Weber Michael, lediger Bräubursche von Pölling, wohnhaft Schloß Hart, Gde. Edling&lt;br /&gt;
* Neumaier Nikolaus, verh. Torsteher von Moos, Gde. Pfaffing, nach Geständnis freigelassen&lt;br /&gt;
* Lippacher Josef, led. Bauerssohn von Thal, Gde. Pfaffiing, der allerdings flüchtig sei&lt;br /&gt;
Bis Mai 1897 werden 94 Haberfeldtreiber zu Gefängnisstrafen verurteilt. Dreiviertel von ihnen waren ledige Burschen, die Verheirateten fast ausschließlich Arbeiter, Handwerker und Kleingütler. 57 waren zwischen 20 und 30, zwischen 30 und 40 immerhin 32. Etwa 2/3 waren Arbeiter, Knechte, Tagelöhner, also aus den unteren sozialen Schichten, 12 Bauern oder Bauerssöhne waren gezählt. Bei dieser &#039;&#039;sozialen&#039;&#039; Zusammensetzung des Teilnehmerkreises, die so auch für viele vorhergehende Treiben gelten dürfte, ist es abwegig, den  Brauch als &#039;&#039;letztes Aufbäumen der niedergehenden bäuerlichen Welt&#039;&#039; zu klassifizieren. Diese ersten strengen Urteile gegen die Hauptbeteiligten führten im bayrischen Parlament zu einer Debatte, bei der die Sozialdemokraten, speziell der in Miesbach aufgewachsene Parteichef von Vollmar für die Haberer eintraten und eine Amnestie forderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Letzte Treiben 1901 bis 1905=&lt;br /&gt;
Die darauffolgenden Treiben waren untaugliche Versuche, den Bund und seine Mitglieder zusammenzuhalten und ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Immerhin hatten die Polizei- und Gerichtsaktionen eine hohe Publizität zur Folge, in allen Deutschen Zeitungen wurde das Wort &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; bekannt gemacht. So ist es nicht verwunderlich, dass plötzlich in ganz Bayern und in Tirol &#039;&#039;Haberfeld getrieben&#039;&#039; wurde. Zahlreiche Hinweise von Berchtesgaden bis Weiden in der Oberpfalz und von Oberstdorf bis Passau schienen darauf hinzudeuten, dass man dort auch Haberfeld getrieben habe. Wie sich bei näherem Hinsehen herausstellte, handelte es sich um nächtliche Umtriebe von Burschen, meist ohne Verse, mit Zumauern der Haustür (Berchtesgaden) oder Mistwagen aufs Dach stellen (Tirol). Die Leute nannten alle nächtlichen Exzesse jetzt Haberfeldtreiben. Das Wort hatte hohen Bekanntheitsgrad, was genau dahinter steckte, wusste kaum jemand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pfaffing 18./19.5.1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das Volksgericht|o.V., Das Volksgericht]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
In der Nacht von Samstag auf Sonntag, 18. auf 19. Mai 1901 fand - nach 5 Jahren Stille - kurz nach Mitternacht auf der Distriktsstrasse von Pfaffing nach Rott vor dem Haus des Alois Lechner im Weiler Neuhäusl ein Haberfeldtreiben mit Schreien, Johlen und Schießen durch 8-10 Mann statt. Die Aufstellung erfolgte am Spiegelberg. Abwechselnd wurden Spottlieder gesungen und einige Knittelverse verlesen. Einer rief nach jedem Vers &#039;&#039;ist das wahr?&#039;&#039; und die anderen schrieen &#039;&#039;ja, wahr is!&#039;&#039; Die 4 Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Pfarrer Raab in Pfaffing (1 Vers) und den&lt;br /&gt;
* Privatier Lechner in Neuhaus (3 Verse)&lt;br /&gt;
Beiden wurde intimer Verkehr vorgeworfen. Das ganze dauerte nur 10 Minuten. Die Münchner Neuesten Nachrichten vom 22.5.1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das Volksgericht|o.V., Das Volksgericht]].&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten ausführlich. Es sei nun die Zeit gekommen, wo die ersten abgestraften Haberer die Gefängnisse verließen und schon ginge es wieder los. Die Heirat des etwa 70 Jahre alten Austragsbauer, Lechner, genannt der &#039;&#039;alte Steinharker-Jackl&#039;&#039; mit einer um mehrere Jahrzehnte jüngeren Frau sei vermutlich der Anlaß gewesen. Die Verse hätten sich aber auch gegen den Pfarrer Josef Raab und den Lehrer Adalbert Führer in Pfaffing gerichtet.&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die Haberer - etwa 30 Mann an der Zahl- brachten zum Schlusse ihres &#039;Volksgerichtes&#039; das über eine Viertelstunde währte, merkwürdigerweise auf den Kunstmühlenbesitzer Herrn Scheuerl und dessen Gattin ein &#039;Hoch&#039; aus und zogen sich dann wieder in der Richtung gegen Faßrain auf der Rettenbachertsraße ebenso lautlos, wie sie gekommen, zurück.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Gendarmerie wiegelt ab: &#039;&#039;es scheint ein spontaner Unfug zu sein&#039;&#039;. Auch der Bezirksamtmann meint, dies sei ein Racheakt einiger Burschen gewesen. Denn der Privatier Alois Lechner beobachtete von seinem Haus aus die Dienstboten des Kunstmühlbesitzers Stefan Scheuerl, mit dem er befreundet war und meldete ihm Faulenzer. Außerdem verhinderte er, dass ein Knecht vom Scheuerl mit seiner Tochter anbandeln konnte. Der Pfarrer gelte in der Gegend als &#039;&#039;nicht ganz normal (Verfolgungswahn). Auch die Münchner Neuesten bezeichneten den Pfarrer als &#039;&#039;etwas streng und nervös&#039;&#039;. Der Bericht, wonach auch der Lehrer von Pfaffing mit einbezogen worden sei, wurde dementiert. Aufzeichnung des Sergant Thomas Butsch:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77821|StAM, LRA 77821]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104|StadtA Wasserburg a. Inn, VI5104]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Verse von dem Haberfeldtreiben in Neuhaus (Pfaffing):&amp;lt;br&amp;gt;I. Was wird die Weberin von Neuhaus verübt ham, weils den Gemeindestier müssen hat ham&amp;lt;br&amp;gt;II. Die Filsenzens ist eine Schnalln, darum thuts dem Pfarrer von Pfaffing so gfalln&amp;lt;br&amp;gt;III. Der Jackl, (den Lechner meinend), sei ein rechter Stier...&amp;lt;br&amp;gt;nachträglich zeige ich noch an, daß eine eidliche Vernehmung der Bewohner der Röckmühle nicht von Erfolg begleitet sein dürfte, da sich der Verdacht jetzt wieder mehr nach Rettenbach und Zell, Gemeinde Frauenneuharting Gbz. Ebersberg richtet. Der Bauer Josef Schwaiger von Zell ist Jagdpächter verkehrt viel bei der in den Versen genannten Filsenzenzl, &#039;Kreszenz Schillinger in Filsen, Gde. Rettenbach&#039; u. hört man häufig, dass er mit derselben auch in intimen Verkehr stehen soll. Der Mann derselben ist seit einem Jahr schwer krank gewesen und wurde deshalb vom Herrn Pfarrer Raab in Pfaffing öfter besucht und dieser von der Ehefrau, wie sie selber angibt, ein Stück Wegs begleitet, wobei sie über die Genesung des Ehemanns gesprochen hätten. Es wird nun vermutet, dass deshalb eine Eifersucht entstanden, u. deshalb der Herr Pfarrer mit hineingezogen wurde. Scheuerl gibt glaubhaft durch Nachweis an, dass bei ihm ein großer Wechsel an Dienstboten ist, und deshalb ein Zusammenschließen derselben zu einem solchen Vergehen nicht leicht anzunehmen wäre, dagegen ist nicht ausgeschlossen, ob sich nicht schon dort bedienstet Gewesene unter den Tätern befinden. Dringend verdächtig ist wohl der ledige Dienstknecht Joachim Fischbacher bei dem Krämer Josef Engelhart in Rettenbach, jedoch führten die Recherchen in der Richtung gegen diesen und auch andere Verdächtige zu keinem Resultat. Die Recherchen werden fortgesetzt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Haussuchungen bei den Dienstboten verliefen ohne Ergebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ramerberg 12./13.10.1901&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberer in Ramerberg|o.V., Haberer in Ramerberg]].&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Im ersten Bericht über dieses Treiben heißt es, es habe &#039;&#039;vormittag um 12 ½ Uhr&#039;&#039; stattgefunden. Dies wird später korrigiert. Natürlich war es in der Nacht von Samstag auf Sonntag, den 12. auf 13. Oktober 1901 gegen Mitternacht, als zwischen 15 und 25 Mann aus Richtung Rettenbach, Maierbach und vom Rotter Fußweg den Ort von Süden her durchzogen und mehrere Schüsse (aus einem &#039;&#039;Central-Feuer-Jagdgewehr&#039;&#039;) abgaben. Einer sagte: &#039;&#039;Nun Maxl, geh, jetzt kanns losgehen!&#039;&#039; Sie riefen dem Lehrer zu: &#039;&#039;die Haberer sind da!&#039;&#039; Bei Machnerhaus wurde Aufstellung genommen, von da zog man zum Schulsaal, Pfarr- und Schulhaus. Dort schrieen sie: &#039;&#039;Raus, Ramerberg, die Haberer sind da! Raus, wenn ihr eure Schandtaten hören wollt!&#039;&#039;. In der Nähe der Kirche kehrten sie um und zogen ca. 250 Meter ins freie Feld zwischen Eich und Witterhof, wo sie Aufstellung zum Haberfeldtreiben nahmen und Vorposten aufstellten. Zuerst wurden Lieder gesungen und Raketen und Knallfrösche abgebrannt. Dann lasen sie im Scheine eines Lichtes Verse vor gegen:&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzer Grein in Wasserburg&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzen Kaiser in Rott und&lt;br /&gt;
* den Brauereibesitzer Windsperger in Schloß Hart&lt;br /&gt;
* der Gütler Sebastian Maier, Urban von Katzbach&lt;br /&gt;
* der Josef Sixt, Bauer von Hochstätt&lt;br /&gt;
* der Bauer Wurm und&lt;br /&gt;
* der Georg Gerer, Bauer von Ramerberg wurden des Verkehrs mit ihrer Magd beschuldigt&lt;br /&gt;
Dazwischen wurde gefragt: &#039;&#039;is wahr?&#039;&#039; Und geantwortet: &#039;&#039;ja, wahr is!&#039;&#039; Die Schlösser der Kirche waren verstopft, so dass man nicht läuten konnte. Die Nacht war sehr dunkel, der Vorleser ziemlich leise und es ging ein starker Wind, so dass die Bewohner kaum etwas verstehen konnten. Frösche und Raketen wurden abgefeuert, es fielen ca. 200 Schuss, aber es wurde nicht scharf geschossen. Am Ende wurde auf den Pfarrer ein Hoch ausgebracht und ein weiteres Treiben in Bachleiten angekündigt. Schließlich sangen die Treiber das Lied &#039;&#039;was man aus Liebe tut&#039;&#039; und zogen wieder Richtung Rettenbach, Maierbach nach Westen ab. Der Wasserburger Anzeiger&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Haberer in Ramerberg|o.V., Haberer in Ramerberg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; nahm sich des &#039;&#039;Miniatur-Treibens&#039;&#039; an und berichtetet:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;der Wind geht über die junge Saat und die übermütigen Burschen, die &#039;Haberer&#039; sind, weil des Gesetzes strafender Arm sie im Vorjahr nicht erreichte, um so kühner wieder am Werke. Die etlichen 15-20 Burschen, die dem in ihnen gährenden Unmut durch eine von Raketenschein verklärte matte Nachahmung des bekannten Oberlandbrauches Luft machten, sind in auswärtigen Blättern (gemeint ist das Münchner Neue Tagblatt) bereits auf 100 angeschwollen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Als Treiber vermutete man Angehörige der Gemeinden Frauenneuharting, Schalldorf und Aßling, vom Ebersberger Bezirk seien mindestens 10 Mann herbei gezogen und über den Zellbach wieder zurück gegangen. Als Haupträdelsführer wurde am 30.10.&lt;br /&gt;
* der Dienstknecht Johann Fischbacher, 47 Jahre von Sindlhausen, Gemeinde Hohenthan verhaftet, aber im Dezember wieder entlassen und&lt;br /&gt;
* Franz Weiß, verheiratet, 25 Jahre, Taglöhner von Rott genannt&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Furcht vor Ihrer Rache war groß&#039;&#039;, heißte es in den Bezirksamtsakten. Angeblich fand in Neuhaus bei Ampfing am 6.11.1901 ein Haberfeldtreiben statt, möglicherweise eines der vielen unwahren Gerüchte. Am 14.11. kündeten Plakate um Ramerberg ein Haberfeldtreiben in Jakobneuharting an, auch in Rott oder Albachig sollte ein Treiben stattfinden. Es wurden 6 Mann Sicherheitswachen täglich von 10 Uhr bis 3 Uhr früh (je 2 Mann) angeordnet. Außerdem durfte keine Tanzmusik mehr stattfinden. Dienstpflichtige Burschen wurden für 2 Monate eingezogen. Ab dem 18.11.1901 lag Schnee, es gab keine weiteren Treiben. In der Nacht von 1. auf 2. Oktober 1902 fand in der Gegend von Lampferding, Gde. Dettendorf (Landgericht Ebersberg) ein kleines Treiben statt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, MINN 72659|BayHStA, MINN 72659]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, RA 1779/28864|StAM, RA 1779/28864]]./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StAM, LRA 77821|StAM, LRA 77821]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauenneuharting 23./24.9.1905==&lt;br /&gt;
Der Stationskommandant von Pfaffing meldet, es habe in den beiden Orten Jakobneuharting und Frauenneuharting je ein Treiben in der gleichen Nacht stattgefunden. Dies war wohl nicht ganz so. In der Nacht von 23. auf 24. September 1905, zwischen ½ 1 und 1 Uhr nachts zogen etwa 60 bis 70 Mann, von Jakobneuharting kommend nach Frauenneuharting, lärmend und scheltend durch das Dorf. Am Schulhaus fielen die ersten Schüsse. Sie stellten sich ca. 150 m nordwestlich von Frauenneuharting auf, schossen und zündeten Raketen. Die Verse richteten sich gegen:&lt;br /&gt;
* den Zeller Johann, Schloßbauer in Lauterbach&lt;br /&gt;
* den Stacheter Georg, verh. Gütler in Hochholz&lt;br /&gt;
* den Weber Josef, verh. Gütler, Steinkirchen&lt;br /&gt;
* die Lehrersfrau Elise Bichler von Olching&lt;br /&gt;
* eine Wirtstochter&lt;br /&gt;
* den Hegenreiner Paul, verh. Bauer in ...graben&lt;br /&gt;
* den Brunnhuber Josef, Maurer in Eschenlohe und&lt;br /&gt;
* den Benefiziat Anzenhofer von Fuhr&lt;br /&gt;
Man vermutete als Teilnehmer Mitglieder des Burschenvereins, denn der Benefiziat, ein Gegner des Tanzvergnügens, hatte einen neuen, katholischen Burschenverein gegründet. Die Kirchentür war zugeklemmt, der Telefondraht abgezwickt worden. Der Abzug erfolgte Richtung Tegernau und Aßling. Man befürchtete in diesem Jahr weitere Treiben, am 16. November schneite es jedoch heftig. Der bereits oben ([[#Edling.2C_30..2F31.3.1895.5B49.5D|Edling]]) erwähnte &#039;&#039;alte Haberer&#039;&#039; war bei diesem Treiben dabei und schildert es aus seiner Erinnerung 1956 in der Wasserburger Zeitung,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Das letzte Treiben|o.V., Das letzte Treiben]].&amp;lt;/ref&amp;gt; allerdings datiert er das Treiben auf September 1906, also ein Jahr später:&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;In der Gemeinde, wo ich damals arbeitete, waren uns 7 Leute, die zum Kreis der Haberer gehörten. Gegen 10 Uhr abends brachen wir auf und trafen uns draußen am Waldrand, von wo wir uns gemeinsam auf denn Weg zum großen Treffpunkt der Haberergilde machten. Jeder hatte sein Gesicht mit Ruß geschwärzt oder eine schwarze Zipfelmütze mit Augenschlitzen über den Kopf gezogen. Und jeder hatte ein Gewehr umgehängt. Außerdem trugen wir weite, schwarze Mäntel und Schaftstiefel. Am Eingang zur Riedener Filze trafen wir auf eine andere Gruppe von Vermummten. Das Losungswort wurde gegeben: &#039;Jagerbluat&#039;. Und dann huschten an die 20 Gespenster über das weite, nächtliche Moor. Alte Haberer führten die Jungen. Es war ein langer gefährlicher Weg über wassergefüllte Gruben, an sumpfigen Gräben entlang, über schmale Stege und glitschiges Moos. Auf einer Waldlichtung in der Nähe des Dorfes Tegernau war der Sammelplatz für die Haberer. Es kamen an die Hundert zusammen. Unter dem Sternenhimmel der Herbstnacht entwickelte sich ein buntes Lagerleben. Mit viel Bier feierten wir das Wiederaufleben des alten Fehmgerichts. Dann wurden die Patronen verteilt und in langem Zuge marschierte die neuerstandene Haberergilde ihrem Ziel zu. Das hochgelegene Dorf Frauenneuharting im Landkreis Ebersberg, - von unserem Lagerplatz aus hatten wir ¾ Stunden zu gehen - war der Schauplatz des Treibens. Wir hatten Anweisung, beim Marsch durch das Dorf aus allen Gewehren zu schießen. Und als wir die ersten Häuser erreichten, es war etwa um Mitternacht, erhob sich eine so wilde Schießerei aus allen Gewehren, dass wohl kein Einwohner den Schlaf sich aus den Augen reiben brauchte. Aufgeschreckt eilten die Leute ans Fenster, das Vieh in den Ställen begann zu brüllen, Hunde bellten wild. Einige Haberer hatten rechtzeitig die vom Dorf wegführenden Telefonleitungen durchschnitten und die Schlüssellöcher der Kirchentüren mit Papier und Erde verstopft, so dass nicht die Gefahr einer Benachrichtigung der Polizei durch Fernsprecher oder Kirchenglockengeläut bestand. Und dann begann das eigentliche Treiben. Auf einer hochgelegenen Stelle des Ortsausgangs wurden im weiten Umkreis Doppelposten aufgestellt. Im Innern dieses Postenkreises befanden sich alle anderen Haberer. Der Haberermeister, eine kräftige, mächtige Defreggergestalt, bestieg einen bereitgestellten Wagen, einer seiner Männer leuchtete mit einer Laterne zur Verlesung des umfangreichen Protokolls. Der Meister verkündete mit weithin hallender, tiefer Stimme den Wunsch des Kaiser Karls, das alte Fehmgericht nicht aussterben zu lassen und fortan strenge Auswahl zu halten unter den Haberern, dass nicht wieder Verrat begangen werde. Dann kam das Sündenregister zur Verlesung. In derben Versen wurden viele Leute aus der engeren und weiteren Umgebung angeprangert. Und jeweils, wenn der Reim über einen Angeklagten des Fehmgerichtes zu Ende war, schrie der Haberermeister, noch gewaltiger seine Stimme erhebend, vom Wagen herab über die Menge der Haberer hin: &#039;Is des a wahr?&#039; Worauf wir alle zurückschrien: &#039;Ja, wahr is!&#039; Dann folgte ein wahres Höllenkonzert zusammengesetzt aus Schreien, Schüssen, dem Klappern von Kochdeckeln und eisernen Pfannen, dem Geplärr alter Pauken und Posaunen. Schließlich ertönte ein Trompetensignal und nun wurde wieder gegen einen anderen die gereimte Anklage erhoben. Es dauerte wohl eine Stunde lang, bis alle an der Reihe waren. Dann trat eine kurze Stille ein und zuletzt ertönte - es klang fast feierlich unterm Sternenhimmel der klaren Nacht - das alte Trompetensolo der Haberer. (Anmerkung: wohl das Lied: &#039;was man aus Liebe tut&#039;) Der Trompeter stand auf dem Wagen neben dem Haberermeister und seinem Gehilfen, der die Laterne hielt. Ringsum die vermummten Gestalten mit ihren Ruß- und Kapuzengesichtern, mit ihren weiten Mänteln, den Gewehren in der Hand, mit ihren Lärminstrumenten, den Pfannen und Tiegeln: ein wilder Spuk, eine Meute aus dunklen Vortagen, eine geheimnisvolle Versammlung, so schien es. Die letzte Haberergilde des Oberlandes. Nach dem Signal wurden die Posten eingezogen und vor dem Dorf verschwanden die Haberer lautlos in alle Richtungen. Wir nahmen unseren Weg wieder zurück über das Moor und es war der Morgen nicht mehr fern, als wir endlich in unseren Betten lagen. Lange forschte auch diesmal die Polizei. Aber alle hielten dicht. Keiner wurde erwischt. Das Treiben in Frauenneuharting im September des Jahres 1906 aber ist das letzte Haberfeldtreiben geblieben. Und ich muss gestehen - es freut mich heute noch, daß ich dabei war.&amp;lt;br&amp;gt;Ein (jetzt schon recht alter) Haberer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Die Treiben zwischen 1893 und 1905 sind bis auf das erste wohl mehr oder weniger verzweifelte Versuche, den Behörden den Trotz der Oberlandler zu beweisen und an einem Brauch festzuhalten, der bei der Mehrheit der Bevölkerung keinen Rückhalt hatte. Mehr als 70 Teilnehmer brachte man nicht mehr zusammen, in Pfaffing gerade mal 8-10, in Rammerberg 15-25. Es waren nicht nur häufigen Festnahmen, Verurteilungen und die drakonischen Strafen, die potentielle Teilnehmer abhielten, es war auch die Einsicht in weiten Kreisen der Bevölkerung, dass die aufgebrummten Nachtwachen, die Einberufung von Söhnen und Knechten zum Militär und nicht zuletzt auch die hohe Entdeckungsgefahr eine Unterstützung des Habererbundes nicht rechtfertigten. Es ist bemerkenswert, dass nach 1897 im Wasserburger Landgerichtsbezirk noch 2 Treiben stattfanden, im ganzen übrigen Gebiet der Habereraktivitäten nur 4 (1902 in Dettendorf, 1905 in Frauenneuharting, 1906 Neukirchen/Weyarn, 1907 Oberwarngau). Die beiden Treiben waren auch sehr klein. Man kann aber vermuten, dass die geringe Zahl der Verhafteten und Verurteilten im Wasserburger Gebiet die verbleibenden &#039;&#039;Aktivisten&#039;&#039; eher begünstigte als in den Bezirken Ebersberg, Rosenheim und Miesbach, wo viele Familien von den Nachforschungen und Gerichtsurteilen betroffen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zusammenfassung des Wandels des Erscheinungsbildes=&lt;br /&gt;
Wenn man nun aus allen Berichten zu den 144 Haberfeldtreiben zwischen 1719 und 1922 herausdestilliert, was bei allen Treiben gleich ist, was also ein Haberfeldtreiben über diesen Zeitraum ausmacht, so sind es nur 4 Komponenten: das Zusammenkommen mehrerer Burschen oder Männer, der Lärm, das Erscheinen bei Nacht, ein oder mehrere Opfer, denen die Versammlung gilt. Bei allen anderen beobachteten Erscheinungsformen ergibt sich kein einheitliches Bild. Immerhin kann man konstatieren, dass das Treiben früher, d.h. im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich einer weiblichen Person galt, dass vor ihrem Haus getrieben wurde und dass ihr in Versen oder in Prosa sittliche Vergehen vorgeworfen wurden. Dies, ohne dass die Teilnehmer bewaffnet oder vermummt gewesen wären oder sich zum Stillschweigen verschworen hätten. Ab etwa 1826 hat sich das geändert: man treibt vor dem Dorf mehreren Personen beiderlei Geschlechts, die Treibgründe liegen auch außerhalb der Sittlichkeit, meist werden Verse verlesen, die Teilnehmer sind bewaffnet und geschwärzt oder vermummt. Weitere Rituale, wie das Aufrufen fingierter Teilnehmer, die Legitimation im Namen Kaiser Karls vom Untersberg, der  militärische An- und Abmarsch in einheitlicher Tracht kommen erst ab etwa 1834 dazu. Noch später kann man dann das Anreisen mit Stellwägen oder auf Pferdefuhrwerken, das Brotzeitmachen und Biertrinken an Versammlungsorten und das Schießen auf Zuschauer oder auf die Häuser der Ortschaften feststellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unbelegt oder unwahr sind folgende Behauptungen, sie treffen weder für die ältere wie für die jüngere Periode zu:&lt;br /&gt;
* Teilnehmer waren &#039;&#039;nur alt eingesessene Bauern mit bestem Leumund&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Treiben sind reine &#039;&#039;Herbstgerichte&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Gerügte Vergehen liegen &#039;&#039;außerhalb des polizeilichen Strafrechts&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Für angeprangerte Vergehen muss ein Wahrheitsbeweis vorliegen&lt;br /&gt;
* Treiben wurden vorher angekündigt&lt;br /&gt;
* Opfer wurden im Hemd aus dem Haus geholt, in ein Bocksfell gesteckt, auf den Misthaufen gestellt&lt;br /&gt;
* Maskierungen, Larven, Verkleidungen (ursprünglich gar nicht, dann nur Schwärzen und Wergbärte, (wie auch  beim Wildern))&lt;br /&gt;
* nie hat ein Haberer einen anderen verraten&lt;br /&gt;
* Wiedergutmachung des Schaden (in den seltensten Fällen)&lt;br /&gt;
* Haberer als prinzipielle Gegner des Zölibats&lt;br /&gt;
* Haberer als Verfechter sozialer Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
* Karl der Große als Gründer: (erst im 19. Jh.)&lt;br /&gt;
* Haberer als die &#039;&#039;Kerntruppe&#039;&#039; des Sendlinger Bauernaufstands&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Woher kommt der Ausdruck &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; oder &#039;&#039;ins Haberfeld treiben&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Nach dem, was wir jetzt über die ursprüngliche Form des Brauches wissen, können wir sagen, woher der Ausdruck nicht kommt:&lt;br /&gt;
* Das ethymologische Wörterbuch der dt. Sprache&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kluge, Etymologisches Wörterbuch|Kluge, Etymologisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; stellt eine Verbindung zu lat. caper, der Ziegenbock her: &#039;&#039;haparfell&#039;&#039; sei das Bocksfell, in das das Opfer wie bei der mittelalterlichen Friedloslegung gezwängt worden sei. Simrock&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Simrock, Deutsche Mythologie|Simrock, Deutsche Mythologie]].&amp;lt;/ref&amp;gt; meint, die Treiber hätten das Opfer im Bocksfell umtanzt. Vermummung mit Fellen ist nicht nachweisbar.&lt;br /&gt;
* Haberfeld soll man als &#039;&#039;aperes&#039;&#039; Feld, also als offenes oder abgeerntetes Feld verstehen, auf das man das Opfer treibt. Oder &#039;&#039;aper&#039;&#039; wird auf das Opfer bezogen. das sich eine Blöße gibt, also aper wird. Oder &#039;&#039;Feld&#039;&#039; soll die Bedeutung von &#039;&#039;Thing&#039;&#039; haben, das Haberfeld also ein offenes Gericht sein. Die gerichtsähnlichen Beiwerke kamen aber erst im 19. Jahrhundert zum Brauch. Auch die Deutung &#039;&#039;aper feld&#039;&#039; als &#039;&#039;schneefreies Feld&#039;&#039; lässt sich ausschließen. Die Treiben fanden während des ganzen Jahres statt.&lt;br /&gt;
* Schmeller&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schmeller, Bayerisches Wörterbuch|Schmeller, Bayerisches Wörterbuch]].&amp;lt;/ref&amp;gt; verweist auf Hans Sachs, in dessen Fastnachtsspielen findet man den Begriff &#039;&#039;jemanden auf die Haberwaid schlagen&#039;&#039;. Und zwar wird dort ein Mädchen von einem Burschen &#039;&#039;auf die Haberwaid geschlagen&#039;&#039;, wenn er sie zuerst geschwängert und dann verlassen hat. Der Ausdruck würde demnach nicht den Lärmaufzug selbst, sondern die Ursache desselben bezeichnen. Das würde bedeuten, dass im Namen des Aufzugs seine Ursache steckt: Das Mädchen, das zuerst geschwängert und dann verlassen wird, das also von ihm &#039;&#039;auf die Haberwaid geschlagen&#039;&#039; wird, wird von seinen Altersgenossen verspottet und durch einen Lärmaufzug gebrandmarkt. Dies könnten auch die Beschreibung der Opfer bestätigen, die wir in frühester Zeit finden: &#039;&#039;seine clegers Tochter zum Spott&#039;&#039; heißt es in Vagen, in Parsberg ist es die Tochter der Sterzlbauers, &#039;&#039;weil sie ledigerweise ein Kind bekommen hatte&#039;&#039;, in Ginsham 1771 der im ledigen Stand Kindsmutter gewordenen Bauerstochter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Heimat des Haberfeldtreibens=&lt;br /&gt;
Das erste Treiben ist in Vagen 1716 nachgewiesen. Die Dynasten von Vagen, die Fagana, gehörten zu den 5 großen Edelgeschlechtern Baierns. Ihr Sitz lag bei Feldkirchen, auf der sog. Altenburg. Ihre Nachfolger, die Grafen von Neuburg und Falkenstein beherrschten ein Gebiet, das die Kapitel Aibling und Miesbach beinhaltete, also von Tegernsee bis Rosenheim reichte. Nördliche Grenze war etwa die Mangfall, östliche der Inn. In der Tat fanden gerade in den frühen Perioden viele Treiben auf dem Hofmarkgebiet Vagen statt. Die Aussagen von 1716, daß das Haberfeldtreiben &#039;&#039;umb dise gegend sehr gebreichig&#039;&#039; sei und die von 1766, daß das Haberfeldtreiben vor allem um Aibling &#039;&#039;öffters vorbey&#039;&#039; gehe, bekräftigen die Annahme, daß dort einmal ein Zentrum des Brauches lag. Allerdings gibt es einen Hinweis aus dem Jahre 1670 von einem Vorfall in Straß nahe Samerberg, wo 17 Burschen vor das Haus des Bauern ziehen und einer ledigen Kindsmutter ein Lärmkonzert vollführen. In der Urkunde wird dieser Vorfall nicht als &#039;&#039;Haberfeldtreiben&#039;&#039; sondern als &#039;&#039;Gedimmel&#039;&#039; bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;Haberer&#039;&#039; heute=&lt;br /&gt;
In Miesbach gibt es einen Verein der &#039;&#039;Haberer&#039;&#039; noch heute. Er hat sein Vereinsheim im Zentrum der Stadt und veranstaltet jedes Jahr ein Haberer-Fest, engagiert sich ausserdem im sozialen Leben der Stadt bei gemeinnützigen Aufgaben und beim Fasching. Wenn es die Politik gar zu bunt treibt, kommt er mit einem Treiben auch einmal nach München. In Bendiktbeuern wird jedes Jahr im Fasching ein Haberfeldtreiben veranstaltet, bei dem Leute aus dem Ort auf die Schippe genommen werden. Und auch in Brasilien, in Porto Alegre, haben bayrische Auswanderer einen &#039;&#039;Haberer-Verein&#039;&#039; gegründet, in dem deutsches Brauchtum gepflegt wird, der aber auch seit vielen Jahren als Sportverein fungiert. In vielen bayerischen Filmen (z.B. &#039;&#039;der Müllner Peter von Sachrang&#039;&#039;) sind Haberfeldtreiben &#039;&#039;eingebaut&#039;&#039; worden, weil sie sich spektaluär inszenieren lassen, ob sie nun in die Handlung passen oder nicht. Und Haberer-Songs (von Hans Schoierer oder der Gruppe Sparifankerl) gibt es mittlerweile auch. Das &#039;&#039;Derblecken&#039;&#039;, Krach machen, die Gaudi und das spöttische Aussingen liegt eben im bayrischen Blut und so lebt das Haberfeldtreiben auch heute noch, in anderer Gestalt fort.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Elmar Schieder}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Deberstadt</name></author>
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