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	<title>Historisches Lexikon Wasserburg - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<updated>2020-12-14T18:43:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Category:Autoren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Autor des Historischen Lexikons Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuel Schwanse, B.A., M.A, Jahrgang 1990, leitet seit Juli 2020 das Laatzener Stadtarchiv. Zuvor war er als Wissenschaftlicher Dokumentar im Historischen Archiv des Bayerischen Rundfunks angestellt.&lt;br /&gt;
Arbeitsschwerpunkte sind: Erschließung und Zugänglichmachung von Archivgut; Durchführen von bestandssichernden Maßnahmen; Beantwortung von internen und externen Anfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Folgende Beiträge wurden vom Autor in diesem Lexikon verfasst:&#039;&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Category:Autoren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Autor des Historischen Lexikons Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuel Schwanse, B.A., M.A, Jahrgang 1990, leitet seit Juli 2020 das Laatzener Stadtarchiv. Zuvor war er als Wissenschaftlicher Dokumentar im Historischen Archiv des Bayerischen Rundfunks angestellt.&lt;br /&gt;
Arbeitsschwerpunkte sind: Erschließung Zugänglichmachung von Archivgut; Durchführen von bestandssichernden Maßnahmen; Beantwortung von internen und externen Anfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Folgende Beiträge wurden vom Autor in diesem Lexikon verfasst:&#039;&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
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		<updated>2020-12-14T18:36:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Category:Autoren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Autor des Historischen Lexikons Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuel Schwanse, B.A., M.A, Jahrgang 1990, leitet seit Juli 2020 das Laatzener Stadtarchiv. &lt;br /&gt;
Arbeitsschwerpunkte sind: Erschließung Zugänglichmachung von Archivgut; Durchführen von bestandssichernden Maßnahmen; Beantwortung von internen und externen Anfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Folgende Beiträge wurden vom Autor in diesem Lexikon verfasst:&#039;&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Ern%C3%A4hrungslage&amp;diff=1779</id>
		<title>Ernährungslage</title>
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		<updated>2019-03-24T20:46:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem offiziellen ernährungswirtschaftlichen Verteilungssystem gab es ein zweites, illegales Kompensationssystem, dem Maßnahmen wie Schwarzmarkthandel, Diebstähle, Fälschung von Lebensmittelmarken und Hamstern zuzurechnen sind. Ein großer Teil der Normalverbraucher war auf die illegale Zusatzversorgung angewiesen, um überleben zu können. Der Schwarzhandel war offiziell verboten, doch beteiligte sich beinahe jeder daran. Im Herbst 1947 schätzte ein leitender Beamter der bizonalen Ernährungsverwaltung, dass 95% der Bevölkerung der Bizone direkt oder indirekt mit dem Schwarzmarkt in Berührung kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Schwarzmarkt oder Schwarzhandel wurde der Handel außerhalb der Bewirtschaftungs-, Versorgungs- und Preisbestimmungen verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuchs, Ernährungslage und Schwarzmarkt in München (wie Anm. 13), 316.&amp;lt;/ref&amp;gt; Letztlich wurde die Kleinkriminalität der einfachen Bevölkerung mehr oder weniger geduldet. Dagegen versuchte man massiv gegen die im Hintergrund agierenden Berufsschwarzhändler vorzugehen. Wenn in den Unterlagen des Wasserburger Ernährungsamtes von Schwarzmarkt die Rede ist, dann werden die meist die Juden des DP-Lagers Gabersee als Verantwortliche genannt. Auch der von vielen Selbstversorgern begangene Tatbestand der Schwarzschlachtung war ein Problem. Bei regelmäßigen Viehzählungen mussten die Bauern ihr Vieh anmelden. Das Schlachten war nur erlaubt, wenn ein entsprechender Schlachtantrag genehmigt worden war. Durch Schwarzschlachtungen wollten die Bauern den Beschlagnahmungen zuvorkommen und das Fleisch gewinnbringend verkaufen bzw. gegen Gebrauchsgegenstände eintauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Schwarzmarktaktivitäten gab es auch andere Formen der illegalen Zusatzversorgung wie Hamstern, Eigentumsdelikte, Lebensmittelkartenfälschung oder das Erschleichen von Zusatzkarten. Der Begriff Hamstern wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem für das massenhaft auftretende Phänomen verwendet, sich bei Bauern auf dem Land durch Betteln oder den Tausch von Gebrauchsgegenständen Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Lebensmittel auf diese Weise ohne Bezugsberechtigung in den Besitz genommen wurden, war Hamstern ein Verstoß gegen die Verordnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu: Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Verbrauchsregelungs-Strafverordnung (Hamstern von Lebensmitteln u.a.), alphabetisch nach Beschuldigten 1943–1949, StAM, Ernährungsämter Abt. B 362–364.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hamsterfahrten aufs Land wurden vor allem von der großstädtischen Bevölkerung getätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 222.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bekämpfung des sogenannten ‚Hamstererunwesens‘ erwies sich allerdings als ähnlich erfolglos wie die des Schwarzmarktes. Bald konzentrierte sich die Polizei darauf, das Hamstern größerer Mengen Ware zu unterbinden, wohingegen das Hamstern weniger Lebensmittel durch arme Bevölkerungskreise nicht geahndet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Präsidiums der Landpolizei von Bayern vom 17.4.1947 an alle Chefdienststellen, alle Schulen, Leiter des Schulwesens, Vizepräsidenten, StAM, Polizeipräsidium Oberbayern 607 (=Bekämpfung des Schwarzhandels (Generalakt) 1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Eigentumsdelikte nahmen in der Nachkriegszeit dramatisch zu. Diese waren eng mit dem Schwarzhandel verbunden, denn Diebesgut war eine der wichtigsten Quellen des Schwarzen Marktes.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Großteil der Eigentumsdelikte lässt sich der Versorgungskriminalität zurechnen, etwa wenn Lebensmittel oder Kohle zum Eigenverbrauch oder zum Verkauf bzw. Tausch auf dem Schwarzmarkt geklaut wurden. Einbrüche in Ernährungsämter, Kartenausgabestellen und Druckereien waren allgegenwärtig, da Aufwand und Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn sehr gering waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Maßnahme zur illegalen Zusatzversorgung war die Fälschung von Lebensmittelkarten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 90% der für bestimmte Waren abgelieferten Marken gefälscht waren. In der Regel druckten die Markenfälscher nicht die ganze Karte nach, sondern nur einzelne, besonders wertvolle Abschnitte von Mangelwaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.6.1947 an die Stadtpolizei Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weit verbreitet war überdies das Erschleichen von Zusatzkarten. So versuchten sich z.B. Mütter Zusatzrationen zu erschwindeln, indem sie vorgaben Kinder zu stillen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 8.10.1947 an alle Hebammen des Landkreises Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bürokratismus war eine weitere prägende Erfahrung der Nachkriegszeit. Sehr deutlich wird sie in der Korrespondenz der Ernährungsämter mit der Bevölkerung. Die Beamten wurden von den Bürgern häufig für die eigene Unterversorgung verantwortlich gemacht. Daher waren die Bediensteten der Ernährungsämter ganz besonders von der insgesamt sehr gereizten Stimmung dieser Zeit betroffen. Im Februar 1948 bat ein Bürger aus dem Landkreis Wasserburg a. Inn den Leiter des Ernährungsamtes Abt. B, acht Abschnitte für Fische der Krankenzulagekarte seiner elfjährigen Tochter gegen Eier oder ähnliches mit gleichem Kalorienwert umzutauschen. Dies war nötig, da die Tochter keine Fische vertrug. Der Bürger fügte zudem an, dass &#039;&#039;wir durch zweimaliges Ausbomben in München alles verloren [haben] und ganz auf uns selbst gestellt sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Rudolf Bart vom 28.2.1948 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Reaktion des Ernährungsamtes fiel lapidar aus: &#039;&#039;Ein Umtausch der Fischmarken [ist] nur für die Krankheitsgruppe 9/1 […] möglich&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 10.3.1948 an Rudolf Bart, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tochter gehörte zur Krankheitsgruppe 9/2. Die Angestellten der Ernährungsämter standen vor dem ständigen Dilemma, dass sie zwar für die Bevölkerung da sein sollten, gleichzeitig aber zur genauen Einhaltung der Vorschriften angehalten waren. Dies war auch insofern problematisch, als sie relativ große Machtbefugnisse besaßen und bei der Vergabe der Lebensmittelkarten fast über Leben und Tod entscheiden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dierk Hoffmann, Nachkriegszeit. Deutschland 1945–1949, 2011, 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche Wasserburger versuchten in ihrem Elend und ihrer Verzweiflung die eigenen Forderungen mithilfe von Drohungen durchzusetzen. So wurde beispielsweise damit gedroht, den Fall im Oberbayerischen Volksblatt zu veröffentlichen oder die übergeordnete Behörde einzuschalten. Der Leiter des Wasserburger Ernährungsamtes ließ sich allerdings nicht jede Anschuldigung gefallen: &#039;&#039;In Ihrem Schreiben vom 28.1.1946 führen Sie zweimal das Wort ‚Unterschlagung‘ an. Diese unbegründete, wie unverschämte Anschuldigung weise ich auf das Schärfste […] zurück, im Wiederholungsfalle werde ich ein gerichtliches Verfahren gegen Sie einleiten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasseburg a. Inn vom 22.2.1946 an Mina Reiter, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten von Not, Elend und Hoffnungslosigkeit dachten die Menschen zuerst an sich, einen Zusammenhalt gab es kaum.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 33./ Paul Erker, Solidarität und Selbsthilfe. Die Arbeiterschaft in der Ernährungskrise, in: Wolfgang Benz (Hg.), Neuanfang in Bayern 1945–1949. Politik und Gesellschaft in der Nachkriegszeit, 82–102, hier 82.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einheit und Solidarität brachten im Gegensatz zu Egoismus und der Beteiligung am Schwarzmarkt keine Vorteile. Versorgungsdruck und Versorgungsneid zeigten sich in den allgegenwärtigen Vorwürfen, die eigene Zone, das eigene Land, die Heimatstadt oder die eigene Familie seien schlecht versorgt und würden benachteiligt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine immer wieder in den Quellen auftauchende Ebene des Versorgungsneides ist die zwischen der städtischen und der ländlichen Bevölkerung. Eigentlich könnte man meinen, die Bevölkerung des Landkreises Wasserburg a. Inn hätten keinen Grund gehabt, sich gegenüber den Stadtbewohnern benachteiligt zu fühlen, war die Versorgungslage auf dem Land doch meist besser als in den Großstädten. Doch gibt es in den Quellen eindeutige Belege dafür, dass sich auch die Landbevölkerung gegenüber den Städtern im Nachteil sah. Im Kreis Wasserburg gab es massive Beschwerden darüber, dass nur Städte mit 20.000 Einwohnern zusätzliche Lebensmittellieferungen erhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Wirtschaftsamt Wasserburg a. Inn September 1946, 30.9.1946, StAM, Wirtschaftsämter 157 (=Monatsberichte in englischer Sprache 1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein evakuierter Landbewohner aus dem Kreis Wasserburg beklagte sich, dass &#039;&#039;die Stadtbewohner, wie man tägl. sehen kann, mit […] Säcken u. Waschkörben aufs Land hinauskommen u. das Obst zentnerweise holen&#039;&#039;. Die Städter seien &#039;&#039;dann doppelt versorgt, weil sie ja auf die Obst- u. Gemüsekarte auch noch welches erhalten, während wir auf dem Lande das Nachsehen haben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Johann Mairle vom 23.9.1946 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber auch zwischen Angehörigen des gleichen Milieus kam es zu einer Polarisierung. In den Akten des Wasserburger Ernährungsamtes finden sich zahlreiche Beschwerden über den angeblich unstatthaften Empfang von Zulagekarten durch den ‚Mann oder die Frau von nebenan‘. So finden sich in den Quellen viele Beschwerden, dass die Nachbarin die Zusatzkarte für stillende Mütter bezieht, obwohl sie das Kind gar nicht stillt. Vorstellbar ist durchaus, dass persönliche Beweggründe in Zeiten der Not zur Denunziation von unliebsamen Mitbürgern führten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche Hilfsorganisationen versuchten in der Nachkriegszeit die Not der Menschen zu lindern. Von den ausländischen Hilfsorganisationen ist CARE&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Karl-Ludwig Sommer, Die CARE-Pakete im Nachkriegsdeutschland – historische Grundlagen einer legendären Hilfsaktion, in: Arbeiterbewegung und Sozialgeschichte 19 (2007), 35–48./ Volker Ilgen, CARE-Paket &amp;amp; Co. Von der Liebesgabe zum Westpaket, 2008.&amp;lt;/ref&amp;gt; bis heute die bekannteste. Die private amerikanische Nichtregierungsorganisation schickte in der Nachkriegszeit ca. zehn Millionen CARE-Pakete nach Deutschland. Humanitäre Auslandshilfe für Deutschland&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hans-Josef Wollasch, Humanitäre Auslandshilfe für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Darstellung und Dokumentation kirchlicher und nichtkirchlicher Hilfen, 1976.&amp;lt;/ref&amp;gt; leisteten auch andere Länder wie etwa die Schweiz und Organisationen wie die Quäker, die Schulspeisungen veranlassten. Zur Linderung der Not trugen ferner die katholische Kirche und vor allem der Deutsche Caritasverband bei. In Wasserburg a. Inn kümmerte sich der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt intensiv um Bedürftige. Besonders engagiert kümmerte sich die Wohlfahrtsorganisation um Kriegsgefangene bzw. Heimkehrer. So wurden Kriegsgefangene bei Entlassungsanträgen beraten und deren Angehörige betreut. Die Hilfe wurde jedoch nicht mit der Heimkehr aus der Gefangenschaft eingestellt: &#039;&#039;Die Arbeiterwohlfahrt will sich der Ärmsten annehmen, die dieser grausame Krieg auf die Straße des Elends getrieben hat: der aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassenen ehemaligen deutschen Soldaten. […] Wir wollen helfen und wir werden helfen! Mit sauberem Quartier, in dem sich die Verlassenen erst einmal von den Strapazen erholen können. Mit einem mehrwöchigen, guten Essen, das sie wieder zu Kräften kommen läßt, mit menschenwürdigen Kleidungsstücken und einer individuellen sofortigen Arbeitsvermittlung.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Arbeiterwohlfahrt Landesverbands Bayern vom 15.8.1947 an die Ortsausschüsse, Ortsvereine, Kreisverbände, Bezirksverbände, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1278 (=Rechnungsjahr 1947 des Arbeiterwohlfahrt Ortsvereins Wasserburg a. Inn 1946–1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Um dies zu finanzieren, lief im August 1947 in ganz Bayern unter dem Motto ‚Wir müssen den Heimkehrern helfen!‘ eine große Spendensammlung. Bedürftigen Müttern ermöglichte und finanzierte der Arbeiterwohlfahrt Ortsverein Wasserburg a. Inn einen Aufenthalt im Müttererholungsheim Ammerland.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Arbeiterwohlfahrt Bezirksverbands Oberbayern vom 21.7.1947 an alle Kreisverbände, Ortsvereine, Ortsausschüsse, Bezirksvorstandsmitglieder, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1278.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Gruppe von Bedürftigen waren die Kinder, vor allem Waisen, Kriegsversehrte, Flüchtlings- und Arbeiterkinder. So führte die Arbeiterwohlfahrt zusammen mit den freien Gewerkschaften zu Weihnachten 1946 eine Kinderbescherung durch.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verteilung von Hilfsgütern 1946–1949, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1275.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem wurden die Schulspeisungskosten für die Kinder von bedürftigen Familien übernommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Spendenverteilung des Arbeiterwohlfahrts Ortsvereins Wasserburg a. Inn 1947–1948, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1282.&amp;lt;/ref&amp;gt; An arme Rentnerinnen und Rentner der Stadt Wasserburg a. Inn wurden ebenfalls zu Weihnachten 1946 insgesamt 70 Zentner Kohle verteilt, was angesichts des Jahrhundertwinters 1946/47 eine lebensrettende Maßnahme gewesen sein dürfe. Überdies wurden Flüchtlinge und Vertriebene unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<title>Ernährungslage</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
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&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem offiziellen ernährungswirtschaftlichen Verteilungssystem gab es ein zweites, illegales Kompensationssystem, dem Maßnahmen wie Schwarzmarkthandel, Diebstähle, Fälschung von Lebensmittelmarken und Hamstern zuzurechnen sind. Ein großer Teil der Normalverbraucher war auf die illegale Zusatzversorgung angewiesen, um überleben zu können. Der Schwarzhandel war offiziell verboten, doch beteiligte sich beinahe jeder daran. Im Herbst 1947 schätzte ein leitender Beamter der bizonalen Ernährungsverwaltung, dass 95% der Bevölkerung der Bizone direkt oder indirekt mit dem Schwarzmarkt in Berührung kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Schwarzmarkt oder Schwarzhandel wurde der Handel außerhalb der Bewirtschaftungs-, Versorgungs- und Preisbestimmungen verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuchs, Ernährungslage und Schwarzmarkt in München (wie Anm. 13), 316.&amp;lt;/ref&amp;gt; Letztlich wurde die Kleinkriminalität der einfachen Bevölkerung mehr oder weniger geduldet. Dagegen versuchte man massiv gegen die im Hintergrund agierenden Berufsschwarzhändler vorzugehen. Wenn in den Unterlagen des Wasserburger Ernährungsamtes von Schwarzmarkt die Rede ist, dann werden die meist die Juden des DP-Lagers Gabersee als Verantwortliche genannt. Auch der von vielen Selbstversorgern begangene Tatbestand der Schwarzschlachtung war ein Problem. Bei regelmäßigen Viehzählungen mussten die Bauern ihr Vieh anmelden. Das Schlachten war nur erlaubt, wenn ein entsprechender Schlachtantrag genehmigt worden war. Durch Schwarzschlachtungen wollten die Bauern den Beschlagnahmungen zuvorkommen und das Fleisch gewinnbringend verkaufen bzw. gegen Gebrauchsgegenstände eintauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Schwarzmarktaktivitäten gab es auch andere Formen der illegalen Zusatzversorgung wie Hamstern, Eigentumsdelikte, Lebensmittelkartenfälschung oder das Erschleichen von Zusatzkarten. Der Begriff Hamstern wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem für das massenhaft auftretende Phänomen verwendet, sich bei Bauern auf dem Land durch Betteln oder den Tausch von Gebrauchsgegenständen Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Lebensmittel auf diese Weise ohne Bezugsberechtigung in den Besitz genommen wurden, war Hamstern ein Verstoß gegen die Verordnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu: Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Verbrauchsregelungs-Strafverordnung (Hamstern von Lebensmitteln u.a.), alphabetisch nach Beschuldigten 1943–1949, StAM, Ernährungsämter Abt. B 362–364.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hamsterfahrten aufs Land wurden vor allem von der großstädtischen Bevölkerung getätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 222.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bekämpfung des sogenannten ‚Hamstererunwesens‘ erwies sich allerdings als ähnlich erfolglos wie die des Schwarzmarktes. Bald konzentrierte sich die Polizei darauf, das Hamstern größerer Mengen Ware zu unterbinden, wohingegen das Hamstern weniger Lebensmittel durch arme Bevölkerungskreise nicht geahndet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Präsidiums der Landpolizei von Bayern vom 17.4.1947 an alle Chefdienststellen, alle Schulen, Leiter des Schulwesens, Vizepräsidenten, StAM, Polizeipräsidium Oberbayern 607 (=Bekämpfung des Schwarzhandels (Generalakt) 1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Eigentumsdelikte nahmen in der Nachkriegszeit dramatisch zu. Diese waren eng mit dem Schwarzhandel verbunden, denn Diebesgut war eine der wichtigsten Quellen des Schwarzen Marktes.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Großteil der Eigentumsdelikte lässt sich der Versorgungskriminalität zurechnen, etwa wenn Lebensmittel oder Kohle zum Eigenverbrauch oder zum Verkauf bzw. Tausch auf dem Schwarzmarkt geklaut wurden. Einbrüche in Ernährungsämter, Kartenausgabestellen und Druckereien waren allgegenwärtig, da Aufwand und Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn sehr gering waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Maßnahme zur illegalen Zusatzversorgung war die Fälschung von Lebensmittelkarten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 90% der für bestimmte Waren abgelieferten Marken gefälscht waren. In der Regel druckten die Markenfälscher nicht die ganze Karte nach, sondern nur einzelne, besonders wertvolle Abschnitte von Mangelwaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.6.1947 an die Stadtpolizei Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weit verbreitet war überdies das Erschleichen von Zusatzkarten. So versuchten sich z.B. Mütter Zusatzrationen zu erschwindeln, indem sie vorgaben Kinder zu stillen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 8.10.1947 an alle Hebammen des Landkreises Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bürokratismus war eine weitere prägende Erfahrung der Nachkriegszeit. Sehr deutlich wird sie in der Korrespondenz der Ernährungsämter mit der Bevölkerung. Die Beamten wurden von den Bürgern häufig für die eigene Unterversorgung verantwortlich gemacht. Daher waren die Bediensteten der Ernährungsämter ganz besonders von der insgesamt sehr gereizten Stimmung dieser Zeit betroffen. Im Februar 1948 bat ein Bürger aus dem Landkreis Wasserburg a. Inn den Leiter des Ernährungsamtes Abt. B, acht Abschnitte für Fische der Krankenzulagekarte seiner elfjährigen Tochter gegen Eier oder ähnliches mit gleichem Kalorienwert umzutauschen. Dies war nötig, da die Tochter keine Fische vertrug. Der Bürger fügte zudem an, dass &#039;&#039;wir durch zweimaliges Ausbomben in München alles verloren [haben] und ganz auf uns selbst gestellt sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Rudolf Bart vom 28.2.1948 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Reaktion des Ernährungsamtes fiel lapidar aus: &#039;&#039;Ein Umtausch der Fischmarken [ist] nur für die Krankheitsgruppe 9/1 […] möglich&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 10.3.1948 an Rudolf Bart, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tochter gehörte zur Krankheitsgruppe 9/2. Die Angestellten der Ernährungsämter standen vor dem ständigen Dilemma, dass sie zwar für die Bevölkerung da sein sollten, gleichzeitig aber zur genauen Einhaltung der Vorschriften angehalten waren. Dies war auch insofern problematisch, als sie relativ große Machtbefugnisse besaßen und bei der Vergabe der Lebensmittelkarten fast über Leben und Tod entscheiden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dierk Hoffmann, Nachkriegszeit. Deutschland 1945–1949, 2011, 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche Wasserburger versuchten in ihrem Elend und ihrer Verzweiflung die eigenen Forderungen mithilfe von Drohungen durchzusetzen. So wurde beispielsweise damit gedroht, den Fall im Oberbayerischen Volksblatt zu veröffentlichen oder die übergeordnete Behörde einzuschalten. Der Leiter des Wasserburger Ernährungsamtes ließ sich allerdings nicht jede Anschuldigung gefallen: &#039;&#039;In Ihrem Schreiben vom 28.1.1946 führen Sie zweimal das Wort ‚Unterschlagung‘ an. Diese unbegründete, wie unverschämte Anschuldigung weise ich auf das Schärfste […] zurück, im Wiederholungsfalle werde ich ein gerichtliches Verfahren gegen Sie einleiten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasseburg a. Inn vom 22.2.1946 an Mina Reiter, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten von Not, Elend und Hoffnungslosigkeit dachten die Menschen zuerst an sich, einen Zusammenhalt gab es kaum.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 33./ Paul Erker, Solidarität und Selbsthilfe. Die Arbeiterschaft in der Ernährungskrise, in: Wolfgang Benz (Hg.), Neuanfang in Bayern 1945–1949. Politik und Gesellschaft in der Nachkriegszeit, 82–102, hier 82.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einheit und Solidarität brachten im Gegensatz zu Egoismus und der Beteiligung am Schwarzmarkt keine Vorteile. Versorgungsdruck und Versorgungsneid zeigten sich in den allgegenwärtigen Vorwürfen, die eigene Zone, das eigene Land, die Heimatstadt oder die eigene Familie seien schlecht versorgt und würden benachteiligt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine immer wieder in den Quellen auftauchende Ebene des Versorgungsneides ist die zwischen der städtischen und der ländlichen Bevölkerung. Eigentlich könnte man meinen, die Bevölkerung des Landkreises Wasserburg a. Inn hätten keinen Grund gehabt, sich gegenüber den Stadtbewohnern benachteiligt zu fühlen, war die Versorgungslage auf dem Land doch meist besser als in den Großstädten. Doch gibt es in den Quellen eindeutige Belege dafür, dass sich auch die Landbevölkerung gegenüber den Städtern im Nachteil sah. Im Kreis Wasserburg gab es massive Beschwerden darüber, dass nur Städte mit 20.000 Einwohnern zusätzliche Lebensmittellieferungen erhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Wirtschaftsamt Wasserburg a. Inn September 1946, 30.9.1946, StAM, Wirtschaftsämter 157 (=Monatsberichte in englischer Sprache 1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein evakuierter Landbewohner aus dem Kreis Wasserburg beklagte sich, dass &#039;&#039;die Stadtbewohner, wie man tägl. sehen kann, mit […] Säcken u. Waschkörben aufs Land hinauskommen u. das Obst zentnerweise holen&#039;&#039;. Die Städter seien &#039;&#039;dann doppelt versorgt, weil sie ja auf die Obst- u. Gemüsekarte auch noch welches erhalten, während wir auf dem Lande das Nachsehen haben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Johann Mairle vom 23.9.1946 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber auch zwischen Angehörigen des gleichen Milieus kam es zu einer Polarisierung. In den Akten des Wasserburger Ernährungsamtes finden sich zahlreiche Beschwerden über den angeblich unstatthaften Empfang von Zulagekarten durch den ‚Mann oder die Frau von nebenan‘. So finden sich in den Quellen viele Beschwerden, dass die Nachbarin die Zusatzkarte für stillende Mütter bezieht, obwohl sie das Kind gar nicht stillt. Vorstellbar ist durchaus, dass persönliche Beweggründe in Zeiten der Not zur Denunziation von unliebsamen Mitbürgern führten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche Hilfsorganisationen versuchten in der Nachkriegszeit die Not der Menschen zu lindern. Von den ausländischen Hilfsorganisationen ist CARE&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Karl-Ludwig Sommer, Die CARE-Pakete im Nachkriegsdeutschland – historische Grundlagen einer legendären Hilfsaktion, in: Arbeiterbewegung und Sozialgeschichte 19 (2007), 35–48./ Volker Ilgen, CARE-Paket &amp;amp; Co. Von der Liebesgabe zum Westpaket, 2008.&amp;lt;/ref&amp;gt; bis heute die bekannteste. Die private amerikanische Nichtregierungsorganisation schickte in der Nachkriegszeit ca. zehn Millionen CARE-Pakete nach Deutschland. Humanitäre Auslandshilfe für Deutschland&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hans-Josef Wollasch, Humanitäre Auslandshilfe für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Darstellung und Dokumentation kirchlicher und nichtkirchlicher Hilfen, 1976.&amp;lt;/ref&amp;gt; leisteten auch andere Länder wie etwa die Schweiz und Organisationen wie die Quäker, die Schulspeisungen veranlassten. Zur Linderung der Not trugen ferner die katholische Kirche und vor allem der Deutsche Caritasverband bei. In Wasserburg a. Inn kümmerte sich der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt intensiv um Bedürftige. Besonders engagiert kümmerte sich die Wohlfahrtsorganisation um Kriegsgefangene bzw. Heimkehrer. So wurden Kriegsgefangene bei Entlassungsanträgen beraten und deren Angehörige betreut. Die Hilfe wurde jedoch nicht mit der Heimkehr aus der Gefangenschaft eingestellt: &#039;&#039;Die Arbeiterwohlfahrt will sich der Ärmsten annehmen, die dieser grausame Krieg auf die Straße des Elends getrieben hat: der aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassenen ehemaligen deutschen Soldaten. […] Wir wollen helfen und wir werden helfen! Mit sauberem Quartier, in dem sich die Verlassenen erst einmal von den Strapazen erholen können. Mit einem mehrwöchigen, guten Essen, das sie wieder zu Kräften kommen läßt, mit menschenwürdigen Kleidungsstücken und einer individuellen sofortigen Arbeitsvermittlung.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Arbeiterwohlfahrt Landesverbands Bayern vom 15.8.1947 an die Ortsausschüsse, Ortsvereine, Kreisverbände, Bezirksverbände, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1278 (=Rechnungsjahr 1947 des Arbeiterwohlfahrt Ortsvereins Wasserburg a. Inn 1946–1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Um dies zu finanzieren, lief im August 1947 in ganz Bayern unter dem Motto ‚Wir müssen den Heimkehrern helfen!‘ eine große Spendensammlung. Bedürftigen Müttern ermöglichte und finanzierte der Arbeiterwohlfahrt Ortsverein Wasserburg a. Inn einen Aufenthalt im Müttererholungsheim Ammerland.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Arbeiterwohlfahrt Bezirksverbands Oberbayern vom 21.7.1947 an alle Kreisverbände, Ortsvereine, Ortsausschüsse, Bezirksvorstandsmitglieder, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1278.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Gruppe von Bedürftigen waren die Kinder, vor allem Waisen, Kriegsversehrte, Flüchtlings- und Arbeiterkinder. So führte die Arbeiterwohlfahrt zusammen mit den freien Gewerkschaften zu Weihnachten 1946 eine Kinderbescherung durch.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verteilung von Hilfsgütern 1946–1949, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1275.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem wurden die Schulspeisungskosten für die Kinder von bedürftigen Familien übernommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Spendenverteilung des Arbeiterwohlfahrts Ortsvereins Wasserburg a. Inn 1947–1948, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1282.&amp;lt;/ref&amp;gt; An arme Rentnerinnen und Rentner der Stadt Wasserburg a. Inn wurden ebenfalls zu Weihnachten 1946 insgesamt 70 Zentner Kohle verteilt, was angesichts des Jahrhundertwinters 1946/47 eine lebensrettende Maßnahme gewesen sein dürfe. Überdies wurden Flüchtlinge und Vertriebene unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Ern%C3%A4hrungslage&amp;diff=1777</id>
		<title>Ernährungslage</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem offiziellen ernährungswirtschaftlichen Verteilungssystem gab es ein zweites, illegales Kompensationssystem, dem Maßnahmen wie Schwarzmarkthandel, Diebstähle, Fälschung von Lebensmittelmarken und Hamstern zuzurechnen sind. Ein großer Teil der Normalverbraucher war auf die illegale Zusatzversorgung angewiesen, um überleben zu können. Der Schwarzhandel war offiziell verboten, doch beteiligte sich beinahe jeder daran. Im Herbst 1947 schätzte ein leitender Beamter der bizonalen Ernährungsverwaltung, dass 95% der Bevölkerung der Bizone direkt oder indirekt mit dem Schwarzmarkt in Berührung kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Schwarzmarkt oder Schwarzhandel wurde der Handel außerhalb der Bewirtschaftungs-, Versorgungs- und Preisbestimmungen verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuchs, Ernährungslage und Schwarzmarkt in München (wie Anm. 13), 316.&amp;lt;/ref&amp;gt; Letztlich wurde die Kleinkriminalität der einfachen Bevölkerung mehr oder weniger geduldet. Dagegen versuchte man massiv gegen die im Hintergrund agierenden Berufsschwarzhändler vorzugehen. Wenn in den Unterlagen des Wasserburger Ernährungsamtes von Schwarzmarkt die Rede ist, dann werden die meist die Juden des DP-Lagers Gabersee als Verantwortliche genannt. Auch der von vielen Selbstversorgern begangene Tatbestand der Schwarzschlachtung war ein Problem. Bei regelmäßigen Viehzählungen mussten die Bauern ihr Vieh anmelden. Das Schlachten war nur erlaubt, wenn ein entsprechender Schlachtantrag genehmigt worden war. Durch Schwarzschlachtungen wollten die Bauern den Beschlagnahmungen zuvorkommen und das Fleisch gewinnbringend verkaufen bzw. gegen Gebrauchsgegenstände eintauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Schwarzmarktaktivitäten gab es auch andere Formen der illegalen Zusatzversorgung wie Hamstern, Eigentumsdelikte, Lebensmittelkartenfälschung oder das Erschleichen von Zusatzkarten. Der Begriff Hamstern wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem für das massenhaft auftretende Phänomen verwendet, sich bei Bauern auf dem Land durch Betteln oder den Tausch von Gebrauchsgegenständen Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Lebensmittel auf diese Weise ohne Bezugsberechtigung in den Besitz genommen wurden, war Hamstern ein Verstoß gegen die Verordnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu: Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Verbrauchsregelungs-Strafverordnung (Hamstern von Lebensmitteln u.a.), alphabetisch nach Beschuldigten 1943–1949, StAM, Ernährungsämter Abt. B 362–364.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hamsterfahrten aufs Land wurden vor allem von der großstädtischen Bevölkerung getätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 222.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bekämpfung des sogenannten ‚Hamstererunwesens‘ erwies sich allerdings als ähnlich erfolglos wie die des Schwarzmarktes. Bald konzentrierte sich die Polizei darauf, das Hamstern größerer Mengen Ware zu unterbinden, wohingegen das Hamstern weniger Lebensmittel durch arme Bevölkerungskreise nicht geahndet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Präsidiums der Landpolizei von Bayern vom 17.4.1947 an alle Chefdienststellen, alle Schulen, Leiter des Schulwesens, Vizepräsidenten, StAM, Polizeipräsidium Oberbayern 607 (=Bekämpfung des Schwarzhandels (Generalakt) 1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Eigentumsdelikte nahmen in der Nachkriegszeit dramatisch zu. Diese waren eng mit dem Schwarzhandel verbunden, denn Diebesgut war eine der wichtigsten Quellen des Schwarzen Marktes.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Großteil der Eigentumsdelikte lässt sich der Versorgungskriminalität zurechnen, etwa wenn Lebensmittel oder Kohle zum Eigenverbrauch oder zum Verkauf bzw. Tausch auf dem Schwarzmarkt geklaut wurden. Einbrüche in Ernährungsämter, Kartenausgabestellen und Druckereien waren allgegenwärtig, da Aufwand und Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn sehr gering waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Maßnahme zur illegalen Zusatzversorgung war die Fälschung von Lebensmittelkarten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 90% der für bestimmte Waren abgelieferten Marken gefälscht waren. In der Regel druckten die Markenfälscher nicht die ganze Karte nach, sondern nur einzelne, besonders wertvolle Abschnitte von Mangelwaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.6.1947 an die Stadtpolizei Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weit verbreitet war überdies das Erschleichen von Zusatzkarten. So versuchten sich z.B. Mütter Zusatzrationen zu erschwindeln, indem sie vorgaben Kinder zu stillen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 8.10.1947 an alle Hebammen des Landkreises Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bürokratismus war eine weitere prägende Erfahrung der Nachkriegszeit. Sehr deutlich wird sie in der Korrespondenz der Ernährungsämter mit der Bevölkerung. Die Beamten wurden von den Bürgern häufig für die eigene Unterversorgung verantwortlich gemacht. Daher waren die Bediensteten der Ernährungsämter ganz besonders von der insgesamt sehr gereizten Stimmung dieser Zeit betroffen. Im Februar 1948 bat ein Bürger aus dem Landkreis Wasserburg a. Inn den Leiter des Ernährungsamtes Abt. B, acht Abschnitte für Fische der Krankenzulagekarte seiner elfjährigen Tochter gegen Eier oder ähnliches mit gleichem Kalorienwert umzutauschen. Dies war nötig, da die Tochter keine Fische vertrug. Der Bürger fügte zudem an, dass &#039;&#039;wir durch zweimaliges Ausbomben in München alles verloren [haben] und ganz auf uns selbst gestellt sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Rudolf Bart vom 28.2.1948 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Reaktion des Ernährungsamtes fiel lapidar aus: &#039;&#039;Ein Umtausch der Fischmarken [ist] nur für die Krankheitsgruppe 9/1 […] möglich&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 10.3.1948 an Rudolf Bart, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tochter gehörte zur Krankheitsgruppe 9/2. Die Angestellten der Ernährungsämter standen vor dem ständigen Dilemma, dass sie zwar für die Bevölkerung da sein sollten, gleichzeitig aber zur genauen Einhaltung der Vorschriften angehalten waren. Dies war auch insofern problematisch, als sie relativ große Machtbefugnisse besaßen und bei der Vergabe der Lebensmittelkarten fast über Leben und Tod entscheiden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dierk Hoffmann, Nachkriegszeit. Deutschland 1945–1949, 2011, 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche Wasserburger versuchten in ihrem Elend und ihrer Verzweiflung die eigenen Forderungen mithilfe von Drohungen durchzusetzen. So wurde beispielsweise damit gedroht, den Fall im Oberbayerischen Volksblatt zu veröffentlichen oder die übergeordnete Behörde einzuschalten. Der Leiter des Wasserburger Ernährungsamtes ließ sich allerdings nicht jede Anschuldigung gefallen: &#039;&#039;In Ihrem Schreiben vom 28.1.1946 führen Sie zweimal das Wort ‚Unterschlagung‘ an. Diese unbegründete, wie unverschämte Anschuldigung weise ich auf das Schärfste […] zurück, im Wiederholungsfalle werde ich ein gerichtliches Verfahren gegen Sie einleiten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasseburg a. Inn vom 22.2.1946 an Mina Reiter, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten von Not, Elend und Hoffnungslosigkeit dachten die Menschen zuerst an sich, einen Zusammenhalt gab es kaum.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 33./ Paul Erker, Solidarität und Selbsthilfe. Die Arbeiterschaft in der Ernährungskrise, in: Wolfgang Benz (Hg.), Neuanfang in Bayern 1945–1949. Politik und Gesellschaft in der Nachkriegszeit, 82–102, hier 82.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einheit und Solidarität brachten im Gegensatz zu Egoismus und der Beteiligung am Schwarzmarkt keine Vorteile. Versorgungsdruck und Versorgungsneid zeigten sich in den allgegenwärtigen Vorwürfen, die eigene Zone, das eigene Land, die Heimatstadt oder die eigene Familie seien schlecht versorgt und würden benachteiligt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine immer wieder in den Quellen auftauchende Ebene des Versorgungsneides ist die zwischen der städtischen und der ländlichen Bevölkerung. Eigentlich könnte man meinen, die Bevölkerung des Landkreises Wasserburg a. Inn hätten keinen Grund gehabt, sich gegenüber den Stadtbewohnern benachteiligt zu fühlen, war die Versorgungslage auf dem Land doch meist besser als in den Großstädten. Doch gibt es in den Quellen eindeutige Belege dafür, dass sich auch die Landbevölkerung gegenüber den Städtern im Nachteil sah. Im Kreis Wasserburg gab es massive Beschwerden darüber, dass nur Städte mit 20.000 Einwohnern zusätzliche Lebensmittellieferungen erhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Wirtschaftsamt Wasserburg a. Inn September 1946, 30.9.1946, StAM, Wirtschaftsämter 157 (=Monatsberichte in englischer Sprache 1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein evakuierter Landbewohner aus dem Kreis Wasserburg beklagte sich, dass &#039;&#039;die Stadtbewohner, wie man tägl. sehen kann, mit […] Säcken u. Waschkörben aufs Land hinauskommen u. das Obst zentnerweise holen&#039;&#039;. Die Städter seien &#039;&#039;dann doppelt versorgt, weil sie ja auf die Obst- u. Gemüsekarte auch noch welches erhalten, während wir auf dem Lande das Nachsehen haben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Johann Mairle vom 23.9.1946 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber auch zwischen Angehörigen des gleichen Milieus kam es zu einer Polarisierung. In den Akten des Wasserburger Ernährungsamtes finden sich zahlreiche Beschwerden über den angeblich unstatthaften Empfang von Zulagekarten durch den ‚Mann oder die Frau von nebenan‘. So finden sich in den Quellen viele Beschwerden, dass die Nachbarin die Zusatzkarte für stillende Mütter bezieht, obwohl sie das Kind gar nicht stillt. Vorstellbar ist durchaus, dass persönliche Beweggründe in Zeiten der Not zur Denunziation von unliebsamen Mitbürgern führten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche Hilfsorganisationen versuchten in der Nachkriegszeit die Not der Menschen zu lindern. Von den ausländischen Hilfsorganisationen ist CARE&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Karl-Ludwig Sommer, Die CARE-Pakete im Nachkriegsdeutschland – historische Grundlagen einer legendären Hilfsaktion, in: Arbeiterbewegung und Sozialgeschichte 19 (2007), 35–48./ Volker Ilgen, CARE-Paket &amp;amp; Co. Von der Liebesgabe zum Westpaket, 2008.&amp;lt;/ref&amp;gt; bis heute die bekannteste. Die private amerikanische Nichtregierungsorganisation schickte in der Nachkriegszeit ca. zehn Millionen CARE-Pakete nach Deutschland. Humanitäre Auslandshilfe für Deutschland&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hans-Josef Wollasch, Humanitäre Auslandshilfe für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Darstellung und Dokumentation kirchlicher und nichtkirchlicher Hilfen, 1976.&amp;lt;/ref&amp;gt; leisteten auch andere Länder wie etwa die Schweiz und Organisationen wie die Quäker, die Schulspeisungen veranlassten. Zur Linderung der Not trugen ferner die katholische Kirche und vor allem der Deutsche Caritasverband bei. In Wasserburg a. Inn kümmerte sich der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt intensiv um Bedürftige. Besonders engagiert kümmerte sich die Wohlfahrtsorganisation um Kriegsgefangene bzw. Heimkehrer. So wurden Kriegsgefangene bei Entlassungsanträgen beraten und deren Angehörige betreut. Die Hilfe wurde jedoch nicht mit der Heimkehr aus der Gefangenschaft eingestellt: &#039;&#039;Die Arbeiterwohlfahrt will sich der Ärmsten annehmen, die dieser grausame Krieg auf die Straße des Elends getrieben hat: der aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassenen ehemaligen deutschen Soldaten. […] Wir wollen helfen und wir werden helfen! Mit sauberem Quartier, in dem sich die Verlassenen erst einmal von den Strapazen erholen können. Mit einem mehrwöchigen, guten Essen, das sie wieder zu Kräften kommen läßt, mit menschenwürdigen Kleidungsstücken und einer individuellen sofortigen Arbeitsvermittlung.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Arbeiterwohlfahrt Landesverbands Bayern vom 15.8.1947 an die Ortsausschüsse, Ortsvereine, Kreisverbände, Bezirksverbände, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1278 (=Rechnungsjahr 1947 des Arbeiterwohlfahrt Ortsvereins Wasserburg a. Inn 1946–1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Um dies zu finanzieren, lief im August 1947 in ganz Bayern unter dem Motto &#039;Wir müssen den Heimkehrern helfen!&#039; eine große Spendensammlung. Bedürftigen Müttern ermöglichte und finanzierte der Arbeiterwohlfahrt Ortsverein Wasserburg a. Inn einen Aufenthalt im Müttererholungsheim Ammerland.  Eine weitere Gruppe von Bedürftigen waren die Kinder, vor allem Waisen, Kriegsversehrte, Flüchtlings- und Arbeiterkinder. So führte die Arbeiterwohlfahrt zusammen mit den freien Gewerkschaften zu Weihnachten 1946 eine Kinderbescherung durch.  Außerdem wurden die Schulspeisungskosten für die Kinder von bedürftigen Familien übernommen.  An arme Rentnerinnen und Rentner der Stadt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Ern%C3%A4hrungslage&amp;diff=1776</id>
		<title>Ernährungslage</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem offiziellen ernährungswirtschaftlichen Verteilungssystem gab es ein zweites, illegales Kompensationssystem, dem Maßnahmen wie Schwarzmarkthandel, Diebstähle, Fälschung von Lebensmittelmarken und Hamstern zuzurechnen sind. Ein großer Teil der Normalverbraucher war auf die illegale Zusatzversorgung angewiesen, um überleben zu können. Der Schwarzhandel war offiziell verboten, doch beteiligte sich beinahe jeder daran. Im Herbst 1947 schätzte ein leitender Beamter der bizonalen Ernährungsverwaltung, dass 95% der Bevölkerung der Bizone direkt oder indirekt mit dem Schwarzmarkt in Berührung kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Schwarzmarkt oder Schwarzhandel wurde der Handel außerhalb der Bewirtschaftungs-, Versorgungs- und Preisbestimmungen verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuchs, Ernährungslage und Schwarzmarkt in München (wie Anm. 13), 316.&amp;lt;/ref&amp;gt; Letztlich wurde die Kleinkriminalität der einfachen Bevölkerung mehr oder weniger geduldet. Dagegen versuchte man massiv gegen die im Hintergrund agierenden Berufsschwarzhändler vorzugehen. Wenn in den Unterlagen des Wasserburger Ernährungsamtes von Schwarzmarkt die Rede ist, dann werden die meist die Juden des DP-Lagers Gabersee als Verantwortliche genannt. Auch der von vielen Selbstversorgern begangene Tatbestand der Schwarzschlachtung war ein Problem. Bei regelmäßigen Viehzählungen mussten die Bauern ihr Vieh anmelden. Das Schlachten war nur erlaubt, wenn ein entsprechender Schlachtantrag genehmigt worden war. Durch Schwarzschlachtungen wollten die Bauern den Beschlagnahmungen zuvorkommen und das Fleisch gewinnbringend verkaufen bzw. gegen Gebrauchsgegenstände eintauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Schwarzmarktaktivitäten gab es auch andere Formen der illegalen Zusatzversorgung wie Hamstern, Eigentumsdelikte, Lebensmittelkartenfälschung oder das Erschleichen von Zusatzkarten. Der Begriff Hamstern wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem für das massenhaft auftretende Phänomen verwendet, sich bei Bauern auf dem Land durch Betteln oder den Tausch von Gebrauchsgegenständen Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Lebensmittel auf diese Weise ohne Bezugsberechtigung in den Besitz genommen wurden, war Hamstern ein Verstoß gegen die Verordnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu: Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Verbrauchsregelungs-Strafverordnung (Hamstern von Lebensmitteln u.a.), alphabetisch nach Beschuldigten 1943–1949, StAM, Ernährungsämter Abt. B 362–364.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hamsterfahrten aufs Land wurden vor allem von der großstädtischen Bevölkerung getätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 222.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bekämpfung des sogenannten ‚Hamstererunwesens‘ erwies sich allerdings als ähnlich erfolglos wie die des Schwarzmarktes. Bald konzentrierte sich die Polizei darauf, das Hamstern größerer Mengen Ware zu unterbinden, wohingegen das Hamstern weniger Lebensmittel durch arme Bevölkerungskreise nicht geahndet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Präsidiums der Landpolizei von Bayern vom 17.4.1947 an alle Chefdienststellen, alle Schulen, Leiter des Schulwesens, Vizepräsidenten, StAM, Polizeipräsidium Oberbayern 607 (=Bekämpfung des Schwarzhandels (Generalakt) 1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Eigentumsdelikte nahmen in der Nachkriegszeit dramatisch zu. Diese waren eng mit dem Schwarzhandel verbunden, denn Diebesgut war eine der wichtigsten Quellen des Schwarzen Marktes.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Großteil der Eigentumsdelikte lässt sich der Versorgungskriminalität zurechnen, etwa wenn Lebensmittel oder Kohle zum Eigenverbrauch oder zum Verkauf bzw. Tausch auf dem Schwarzmarkt geklaut wurden. Einbrüche in Ernährungsämter, Kartenausgabestellen und Druckereien waren allgegenwärtig, da Aufwand und Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn sehr gering waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Maßnahme zur illegalen Zusatzversorgung war die Fälschung von Lebensmittelkarten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 90% der für bestimmte Waren abgelieferten Marken gefälscht waren. In der Regel druckten die Markenfälscher nicht die ganze Karte nach, sondern nur einzelne, besonders wertvolle Abschnitte von Mangelwaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.6.1947 an die Stadtpolizei Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weit verbreitet war überdies das Erschleichen von Zusatzkarten. So versuchten sich z.B. Mütter Zusatzrationen zu erschwindeln, indem sie vorgaben Kinder zu stillen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 8.10.1947 an alle Hebammen des Landkreises Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bürokratismus war eine weitere prägende Erfahrung der Nachkriegszeit. Sehr deutlich wird sie in der Korrespondenz der Ernährungsämter mit der Bevölkerung. Die Beamten wurden von den Bürgern häufig für die eigene Unterversorgung verantwortlich gemacht. Daher waren die Bediensteten der Ernährungsämter ganz besonders von der insgesamt sehr gereizten Stimmung dieser Zeit betroffen. Im Februar 1948 bat ein Bürger aus dem Landkreis Wasserburg a. Inn den Leiter des Ernährungsamtes Abt. B, acht Abschnitte für Fische der Krankenzulagekarte seiner elfjährigen Tochter gegen Eier oder ähnliches mit gleichem Kalorienwert umzutauschen. Dies war nötig, da die Tochter keine Fische vertrug. Der Bürger fügte zudem an, dass &#039;&#039;wir durch zweimaliges Ausbomben in München alles verloren [haben] und ganz auf uns selbst gestellt sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Rudolf Bart vom 28.2.1948 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Reaktion des Ernährungsamtes fiel lapidar aus: &#039;&#039;Ein Umtausch der Fischmarken [ist] nur für die Krankheitsgruppe 9/1 […] möglich&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 10.3.1948 an Rudolf Bart, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tochter gehörte zur Krankheitsgruppe 9/2. Die Angestellten der Ernährungsämter standen vor dem ständigen Dilemma, dass sie zwar für die Bevölkerung da sein sollten, gleichzeitig aber zur genauen Einhaltung der Vorschriften angehalten waren. Dies war auch insofern problematisch, als sie relativ große Machtbefugnisse besaßen und bei der Vergabe der Lebensmittelkarten fast über Leben und Tod entscheiden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dierk Hoffmann, Nachkriegszeit. Deutschland 1945–1949, 2011, 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche Wasserburger versuchten in ihrem Elend und ihrer Verzweiflung die eigenen Forderungen mithilfe von Drohungen durchzusetzen. So wurde beispielsweise damit gedroht, den Fall im Oberbayerischen Volksblatt zu veröffentlichen oder die übergeordnete Behörde einzuschalten. Der Leiter des Wasserburger Ernährungsamtes ließ sich allerdings nicht jede Anschuldigung gefallen: &#039;&#039;In Ihrem Schreiben vom 28.1.1946 führen Sie zweimal das Wort ‚Unterschlagung‘ an. Diese unbegründete, wie unverschämte Anschuldigung weise ich auf das Schärfste […] zurück, im Wiederholungsfalle werde ich ein gerichtliches Verfahren gegen Sie einleiten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasseburg a. Inn vom 22.2.1946 an Mina Reiter, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten von Not, Elend und Hoffnungslosigkeit dachten die Menschen zuerst an sich, einen Zusammenhalt gab es kaum.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 33./ Paul Erker, Solidarität und Selbsthilfe. Die Arbeiterschaft in der Ernährungskrise, in: Wolfgang Benz (Hg.), Neuanfang in Bayern 1945–1949. Politik und Gesellschaft in der Nachkriegszeit, 82–102, hier 82.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einheit und Solidarität brachten im Gegensatz zu Egoismus und der Beteiligung am Schwarzmarkt keine Vorteile. Versorgungsdruck und Versorgungsneid zeigten sich in den allgegenwärtigen Vorwürfen, die eigene Zone, das eigene Land, die Heimatstadt oder die eigene Familie seien schlecht versorgt und würden benachteiligt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine immer wieder in den Quellen auftauchende Ebene des Versorgungsneides ist die zwischen der städtischen und der ländlichen Bevölkerung. Eigentlich könnte man meinen, die Bevölkerung des Landkreises Wasserburg a. Inn hätten keinen Grund gehabt, sich gegenüber den Stadtbewohnern benachteiligt zu fühlen, war die Versorgungslage auf dem Land doch meist besser als in den Großstädten. Doch gibt es in den Quellen eindeutige Belege dafür, dass sich auch die Landbevölkerung gegenüber den Städtern im Nachteil sah. Im Kreis Wasserburg gab es massive Beschwerden darüber, dass nur Städte mit 20.000 Einwohnern zusätzliche Lebensmittellieferungen erhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Wirtschaftsamt Wasserburg a. Inn September 1946, 30.9.1946, StAM, Wirtschaftsämter 157 (=Monatsberichte in englischer Sprache 1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein evakuierter Landbewohner aus dem Kreis Wasserburg beklagte sich, dass &#039;&#039;die Stadtbewohner, wie man tägl. sehen kann, mit […] Säcken u. Waschkörben aufs Land hinauskommen u. das Obst zentnerweise holen&#039;&#039;. Die Städter seien &#039;&#039;dann doppelt versorgt, weil sie ja auf die Obst- u. Gemüsekarte auch noch welches erhalten, während wir auf dem Lande das Nachsehen haben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Johann Mairle vom 23.9.1946 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber auch zwischen Angehörigen des gleichen Milieus kam es zu einer Polarisierung. In den Akten des Wasserburger Ernährungsamtes finden sich zahlreiche Beschwerden über den angeblich unstatthaften Empfang von Zulagekarten durch den ‚Mann oder die Frau von nebenan‘. So finden sich in den Quellen viele Beschwerden, dass die Nachbarin die Zusatzkarte für stillende Mütter bezieht, obwohl sie das Kind gar nicht stillt. Vorstellbar ist durchaus, dass persönliche Beweggründe in Zeiten der Not zur Denunziation von unliebsamen Mitbürgern führten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche Hilfsorganisationen versuchten in der Nachkriegszeit die Not der Menschen zu lindern. Von den ausländischen Hilfsorganisationen ist CARE&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Karl-Ludwig Sommer, Die CARE-Pakete im Nachkriegsdeutschland – historische Grundlagen einer legendären Hilfsaktion, in: Arbeiterbewegung und Sozialgeschichte 19 (2007), 35–48./ Volker Ilgen, CARE-Paket &amp;amp; Co. Von der Liebesgabe zum Westpaket, 2008.&amp;lt;/ref&amp;gt; bis heute die bekannteste. Die private amerikanische Nichtregierungsorganisation schickte in der Nachkriegszeit ca. zehn Millionen CARE-Pakete nach Deutschland. Humanitäre Auslandshilfe für Deutschland&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hans-Josef Wollasch, Humanitäre Auslandshilfe für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Darstellung und Dokumentation kirchlicher und nichtkirchlicher Hilfen, 1976.&amp;lt;/ref&amp;gt; leisteten auch andere Länder wie etwa die Schweiz und Organisationen wie die Quäker, die Schulspeisungen veranlassten. Zur Linderung der Not trugen ferner die katholische Kirche und vor allem der Deutsche Caritasverband bei. In Wasserburg a. Inn kümmerte sich der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt intensiv um Bedürftige. Besonders engagiert kümmerte sich die Wohlfahrtsorganisation um Kriegsgefangene bzw. Heimkehrer. So wurden Kriegsgefangene bei Entlassungsanträgen beraten und deren Angehörige betreut. Die Hilfe wurde jedoch nicht mit der Heimkehr aus der Gefangenschaft eingestellt: &#039;&#039;Die Arbeiterwohlfahrt will sich der Ärmsten annehmen, die dieser grausame Krieg auf die Straße des Elends getrieben hat: der aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassenen ehemaligen deutschen Soldaten. […] Wir wollen helfen und wir werden helfen! Mit sauberem Quartier, in dem sich die Verlassenen erst einmal von den Strapazen erholen können. Mit einem mehrwöchigen, guten Essen, das sie wieder zu Kräften kommen läßt, mit menschenwürdigen Kleidungsstücken und einer individuellen sofortigen Arbeitsvermittlung.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Arbeiterwohlfahrt Landesverbands Bayern vom 15.8.1947 an die Ortsausschüsse, Ortsvereine, Kreisverbände, Bezirksverbände, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1278 (=Rechnungsjahr 1947 des Arbeiterwohlfahrt Ortsvereins Wasserburg a. Inn 1946–1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Ern%C3%A4hrungslage&amp;diff=1771</id>
		<title>Ernährungslage</title>
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		<updated>2019-03-21T10:03:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem offiziellen ernährungswirtschaftlichen Verteilungssystem gab es ein zweites, illegales Kompensationssystem, dem Maßnahmen wie Schwarzmarkthandel, Diebstähle, Fälschung von Lebensmittelmarken und Hamstern zuzurechnen sind. Ein großer Teil der Normalverbraucher war auf die illegale Zusatzversorgung angewiesen, um überleben zu können. Der Schwarzhandel war offiziell verboten, doch beteiligte sich beinahe jeder daran. Im Herbst 1947 schätzte ein leitender Beamter der bizonalen Ernährungsverwaltung, dass 95% der Bevölkerung der Bizone direkt oder indirekt mit dem Schwarzmarkt in Berührung kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Schwarzmarkt oder Schwarzhandel wurde der Handel außerhalb der Bewirtschaftungs-, Versorgungs- und Preisbestimmungen verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuchs, Ernährungslage und Schwarzmarkt in München (wie Anm. 13), 316.&amp;lt;/ref&amp;gt; Letztlich wurde die Kleinkriminalität der einfachen Bevölkerung mehr oder weniger geduldet. Dagegen versuchte man massiv gegen die im Hintergrund agierenden Berufsschwarzhändler vorzugehen. Wenn in den Unterlagen des Wasserburger Ernährungsamtes von Schwarzmarkt die Rede ist, dann werden die meist die Juden des DP-Lagers Gabersee als Verantwortliche genannt. Auch der von vielen Selbstversorgern begangene Tatbestand der Schwarzschlachtung war ein Problem. Bei regelmäßigen Viehzählungen mussten die Bauern ihr Vieh anmelden. Das Schlachten war nur erlaubt, wenn ein entsprechender Schlachtantrag genehmigt worden war. Durch Schwarzschlachtungen wollten die Bauern den Beschlagnahmungen zuvorkommen und das Fleisch gewinnbringend verkaufen bzw. gegen Gebrauchsgegenstände eintauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Schwarzmarktaktivitäten gab es auch andere Formen der illegalen Zusatzversorgung wie Hamstern, Eigentumsdelikte, Lebensmittelkartenfälschung oder das Erschleichen von Zusatzkarten. Der Begriff Hamstern wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem für das massenhaft auftretende Phänomen verwendet, sich bei Bauern auf dem Land durch Betteln oder den Tausch von Gebrauchsgegenständen Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Lebensmittel auf diese Weise ohne Bezugsberechtigung in den Besitz genommen wurden, war Hamstern ein Verstoß gegen die Verordnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu: Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Verbrauchsregelungs-Strafverordnung (Hamstern von Lebensmitteln u.a.), alphabetisch nach Beschuldigten 1943–1949, StAM, Ernährungsämter Abt. B 362–364.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hamsterfahrten aufs Land wurden vor allem von der großstädtischen Bevölkerung getätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 222.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bekämpfung des sogenannten ‚Hamstererunwesens‘ erwies sich allerdings als ähnlich erfolglos wie die des Schwarzmarktes. Bald konzentrierte sich die Polizei darauf, das Hamstern größerer Mengen Ware zu unterbinden, wohingegen das Hamstern weniger Lebensmittel durch arme Bevölkerungskreise nicht geahndet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Präsidiums der Landpolizei von Bayern vom 17.4.1947 an alle Chefdienststellen, alle Schulen, Leiter des Schulwesens, Vizepräsidenten, StAM, Polizeipräsidium Oberbayern 607 (=Bekämpfung des Schwarzhandels (Generalakt) 1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Eigentumsdelikte nahmen in der Nachkriegszeit dramatisch zu. Diese waren eng mit dem Schwarzhandel verbunden, denn Diebesgut war eine der wichtigsten Quellen des Schwarzen Marktes.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Großteil der Eigentumsdelikte lässt sich der Versorgungskriminalität zurechnen, etwa wenn Lebensmittel oder Kohle zum Eigenverbrauch oder zum Verkauf bzw. Tausch auf dem Schwarzmarkt geklaut wurden. Einbrüche in Ernährungsämter, Kartenausgabestellen und Druckereien waren allgegenwärtig, da Aufwand und Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn sehr gering waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Maßnahme zur illegalen Zusatzversorgung war die Fälschung von Lebensmittelkarten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 90% der für bestimmte Waren abgelieferten Marken gefälscht waren. In der Regel druckten die Markenfälscher nicht die ganze Karte nach, sondern nur einzelne, besonders wertvolle Abschnitte von Mangelwaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.6.1947 an die Stadtpolizei Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weit verbreitet war überdies das Erschleichen von Zusatzkarten. So versuchten sich z.B. Mütter Zusatzrationen zu erschwindeln, indem sie vorgaben Kinder zu stillen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 8.10.1947 an alle Hebammen des Landkreises Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bürokratismus war eine weitere prägende Erfahrung der Nachkriegszeit. Sehr deutlich wird sie in der Korrespondenz der Ernährungsämter mit der Bevölkerung. Die Beamten wurden von den Bürgern häufig für die eigene Unterversorgung verantwortlich gemacht. Daher waren die Bediensteten der Ernährungsämter ganz besonders von der insgesamt sehr gereizten Stimmung dieser Zeit betroffen. Im Februar 1948 bat ein Bürger aus dem Landkreis Wasserburg a. Inn den Leiter des Ernährungsamtes Abt. B, acht Abschnitte für Fische der Krankenzulagekarte seiner elfjährigen Tochter gegen Eier oder ähnliches mit gleichem Kalorienwert umzutauschen. Dies war nötig, da die Tochter keine Fische vertrug. Der Bürger fügte zudem an, dass &#039;&#039;wir durch zweimaliges Ausbomben in München alles verloren [haben] und ganz auf uns selbst gestellt sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Rudolf Bart vom 28.2.1948 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Reaktion des Ernährungsamtes fiel lapidar aus: &#039;&#039;Ein Umtausch der Fischmarken [ist] nur für die Krankheitsgruppe 9/1 […] möglich&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 10.3.1948 an Rudolf Bart, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tochter gehörte zur Krankheitsgruppe 9/2. Die Angestellten der Ernährungsämter standen vor dem ständigen Dilemma, dass sie zwar für die Bevölkerung da sein sollten, gleichzeitig aber zur genauen Einhaltung der Vorschriften angehalten waren. Dies war auch insofern problematisch, als sie relativ große Machtbefugnisse besaßen und bei der Vergabe der Lebensmittelkarten fast über Leben und Tod entscheiden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dierk Hoffmann, Nachkriegszeit. Deutschland 1945–1949, 2011, 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche Wasserburger versuchten in ihrem Elend und ihrer Verzweiflung die eigenen Forderungen mithilfe von Drohungen durchzusetzen. So wurde beispielsweise damit gedroht, den Fall im Oberbayerischen Volksblatt zu veröffentlichen oder die übergeordnete Behörde einzuschalten. Der Leiter des Wasserburger Ernährungsamtes ließ sich allerdings nicht jede Anschuldigung gefallen: &#039;&#039;In Ihrem Schreiben vom 28.1.1946 führen Sie zweimal das Wort ‚Unterschlagung‘ an. Diese unbegründete, wie unverschämte Anschuldigung weise ich auf das Schärfste […] zurück, im Wiederholungsfalle werde ich ein gerichtliches Verfahren gegen Sie einleiten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasseburg a. Inn vom 22.2.1946 an Mina Reiter, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten von Not, Elend und Hoffnungslosigkeit dachten die Menschen zuerst an sich, einen Zusammenhalt gab es kaum.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 33./ Paul Erker, Solidarität und Selbsthilfe. Die Arbeiterschaft in der Ernährungskrise, in: Wolfgang Benz (Hg.), Neuanfang in Bayern 1945–1949. Politik und Gesellschaft in der Nachkriegszeit, 82–102, hier 82.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einheit und Solidarität brachten im Gegensatz zu Egoismus und der Beteiligung am Schwarzmarkt keine Vorteile. Versorgungsdruck und Versorgungsneid zeigten sich in den allgegenwärtigen Vorwürfen, die eigene Zone, das eigene Land, die Heimatstadt oder die eigene Familie seien schlecht versorgt und würden benachteiligt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine immer wieder in den Quellen auftauchende Ebene des Versorgungsneides ist die zwischen der städtischen und der ländlichen Bevölkerung. Eigentlich könnte man meinen, die Bevölkerung des Landkreises Wasserburg a. Inn hätten keinen Grund gehabt, sich gegenüber den Stadtbewohnern benachteiligt zu fühlen, war die Versorgungslage auf dem Land doch meist besser als in den Großstädten. Doch gibt es in den Quellen eindeutige Belege dafür, dass sich auch die Landbevölkerung gegenüber den Städtern im Nachteil sah. Im Kreis Wasserburg gab es massive Beschwerden darüber, dass nur Städte mit 20.000 Einwohnern zusätzliche Lebensmittellieferungen erhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Wirtschaftsamt Wasserburg a. Inn September 1946, 30.9.1946, StAM, Wirtschaftsämter 157 (=Monatsberichte in englischer Sprache 1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein evakuierter Landbewohner aus dem Kreis Wasserburg beklagte sich, dass &#039;&#039;die Stadtbewohner, wie man tägl. sehen kann, mit […] Säcken u. Waschkörben aufs Land hinauskommen u. das Obst zentnerweise holen&#039;&#039;. Die Städter seien &#039;&#039;dann doppelt versorgt, weil sie ja auf die Obst- u. Gemüsekarte auch noch welches erhalten, während wir auf dem Lande das Nachsehen haben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Johann Mairle vom 23.9.1946 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber auch zwischen Angehörigen des gleichen Milieus kam es zu einer Polarisierung. In den Akten des Wasserburger Ernährungsamtes finden sich zahlreiche Beschwerden über den angeblich unstatthaften Empfang von Zulagekarten durch den ‚Mann oder die Frau von nebenan‘. So finden sich in den Quellen viele Beschwerden, dass die Nachbarin die Zusatzkarte für stillende Mütter bezieht, obwohl sie das Kind gar nicht stillt. Vorstellbar ist durchaus, dass persönliche Beweggründe in Zeiten der Not zur Denunziation von unliebsamen Mitbürgern führten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Ern%C3%A4hrungslage&amp;diff=1770</id>
		<title>Ernährungslage</title>
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		<updated>2019-03-20T16:57:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem offiziellen ernährungswirtschaftlichen Verteilungssystem gab es ein zweites, illegales Kompensationssystem, dem Maßnahmen wie Schwarzmarkthandel, Diebstähle, Fälschung von Lebensmittelmarken und Hamstern zuzurechnen sind. Ein großer Teil der Normalverbraucher war auf die illegale Zusatzversorgung angewiesen, um überleben zu können. Der Schwarzhandel war offiziell verboten, doch beteiligte sich beinahe jeder daran. Im Herbst 1947 schätzte ein leitender Beamter der bizonalen Ernährungsverwaltung, dass 95% der Bevölkerung der Bizone direkt oder indirekt mit dem Schwarzmarkt in Berührung kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Schwarzmarkt oder Schwarzhandel wurde der Handel außerhalb der Bewirtschaftungs-, Versorgungs- und Preisbestimmungen verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuchs, Ernährungslage und Schwarzmarkt in München (wie Anm. 13), 316.&amp;lt;/ref&amp;gt; Letztlich wurde die Kleinkriminalität der einfachen Bevölkerung mehr oder weniger geduldet. Dagegen versuchte man massiv gegen die im Hintergrund agierenden Berufsschwarzhändler vorzugehen. Wenn in den Unterlagen des Wasserburger Ernährungsamtes von Schwarzmarkt die Rede ist, dann werden die meist die Juden des DP-Lagers Gabersee als Verantwortliche genannt. Auch der von vielen Selbstversorgern begangene Tatbestand der Schwarzschlachtung war ein Problem. Bei regelmäßigen Viehzählungen mussten die Bauern ihr Vieh anmelden. Das Schlachten war nur erlaubt, wenn ein entsprechender Schlachtantrag genehmigt worden war. Durch Schwarzschlachtungen wollten die Bauern den Beschlagnahmungen zuvorkommen und das Fleisch gewinnbringend verkaufen bzw. gegen Gebrauchsgegenstände eintauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Schwarzmarktaktivitäten gab es auch andere Formen der illegalen Zusatzversorgung wie Hamstern, Eigentumsdelikte, Lebensmittelkartenfälschung oder das Erschleichen von Zusatzkarten. Der Begriff Hamstern wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem für das massenhaft auftretende Phänomen verwendet, sich bei Bauern auf dem Land durch Betteln oder den Tausch von Gebrauchsgegenständen Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Lebensmittel auf diese Weise ohne Bezugsberechtigung in den Besitz genommen wurden, war Hamstern ein Verstoß gegen die Verordnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu: Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Verbrauchsregelungs-Strafverordnung (Hamstern von Lebensmitteln u.a.), alphabetisch nach Beschuldigten 1943–1949, StAM, Ernährungsämter Abt. B 362–364.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hamsterfahrten aufs Land wurden vor allem von der großstädtischen Bevölkerung getätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 222.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bekämpfung des sogenannten ‚Hamstererunwesens‘ erwies sich allerdings als ähnlich erfolglos wie die des Schwarzmarktes. Bald konzentrierte sich die Polizei darauf, das Hamstern größerer Mengen Ware zu unterbinden, wohingegen das Hamstern weniger Lebensmittel durch arme Bevölkerungskreise nicht geahndet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Präsidiums der Landpolizei von Bayern vom 17.4.1947 an alle Chefdienststellen, alle Schulen, Leiter des Schulwesens, Vizepräsidenten, StAM, Polizeipräsidium Oberbayern 607 (=Bekämpfung des Schwarzhandels (Generalakt) 1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Eigentumsdelikte nahmen in der Nachkriegszeit dramatisch zu. Diese waren eng mit dem Schwarzhandel verbunden, denn Diebesgut war eine der wichtigsten Quellen des Schwarzen Marktes.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Großteil der Eigentumsdelikte lässt sich der Versorgungskriminalität zurechnen, etwa wenn Lebensmittel oder Kohle zum Eigenverbrauch oder zum Verkauf bzw. Tausch auf dem Schwarzmarkt geklaut wurden. Einbrüche in Ernährungsämter, Kartenausgabestellen und Druckereien waren allgegenwärtig, da Aufwand und Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn sehr gering waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Maßnahme zur illegalen Zusatzversorgung war die Fälschung von Lebensmittelkarten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 90% der für bestimmte Waren abgelieferten Marken gefälscht waren. In der Regel druckten die Markenfälscher nicht die ganze Karte nach, sondern nur einzelne, besonders wertvolle Abschnitte von Mangelwaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.6.1947 an die Stadtpolizei Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weit verbreitet war überdies das Erschleichen von Zusatzkarten. So versuchten sich z.B. Mütter Zusatzrationen zu erschwindeln, indem sie vorgaben Kinder zu stillen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 8.10.1947 an alle Hebammen des Landkreises Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bürokratismus war eine weitere prägende Erfahrung der Nachkriegszeit. Sehr deutlich wird sie in der Korrespondenz der Ernährungsämter mit der Bevölkerung. Die Beamten wurden von den Bürgern häufig für die eigene Unterversorgung verantwortlich gemacht. Daher waren die Bediensteten der Ernährungsämter ganz besonders von der insgesamt sehr gereizten Stimmung dieser Zeit betroffen. Im Februar 1948 bat ein Bürger aus dem Landkreis Wasserburg a. Inn den Leiter des Ernährungsamtes Abt. B, acht Abschnitte für Fische der Krankenzulagekarte seiner elfjährigen Tochter gegen Eier oder ähnliches mit gleichem Kalorienwert umzutauschen. Dies war nötig, da die Tochter keine Fische vertrug. Der Bürger fügte zudem an, dass &#039;&#039;wir durch zweimaliges Ausbomben in München alles verloren [haben] und ganz auf uns selbst gestellt sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Rudolf Bart vom 28.2.1948 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Reaktion des Ernährungsamtes fiel lapidar aus: &#039;&#039;Ein Umtausch der Fischmarken [ist] nur für die Krankheitsgruppe 9/1 […] möglich&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 10.3.1948 an Rudolf Bart, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tochter gehörte zur Krankheitsgruppe 9/2. Die Angestellten der Ernährungsämter standen vor dem ständigen Dilemma, dass sie zwar für die Bevölkerung da sein sollten, gleichzeitig aber zur genauen Einhaltung der Vorschriften angehalten waren. Dies war auch insofern problematisch, als sie relativ große Machtbefugnisse besaßen und bei der Vergabe der Lebensmittelkarten fast über Leben und Tod entscheiden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dierk Hoffmann, Nachkriegszeit. Deutschland 1945–1949, 2011, 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche Wasserburger versuchten in ihrem Elend und ihrer Verzweiflung die eigenen Forderungen mithilfe von Drohungen durchzusetzen. So wurde beispielsweise damit gedroht, den Fall im Oberbayerischen Volksblatt zu veröffentlichen oder die übergeordnete Behörde einzuschalten. Der Leiter des Wasserburger Ernährungsamtes ließ sich allerdings nicht jede Anschuldigung gefallen: &#039;&#039;In Ihrem Schreiben vom 28.1.1946 führen Sie zweimal das Wort ‚Unterschlagung‘ an. Diese unbegründete, wie unverschämte Anschuldigung weise ich auf das Schärfste […] zurück, im Wiederholungsfalle werde ich ein gerichtliches Verfahren gegen Sie einleiten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasseburg a. Inn vom 22.2.1946 an Mina Reiter, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<title>Ernährungslage</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem offiziellen ernährungswirtschaftlichen Verteilungssystem gab es ein zweites, illegales Kompensationssystem, dem Maßnahmen wie Schwarzmarkthandel, Diebstähle, Fälschung von Lebensmittelmarken und Hamstern zuzurechnen sind. Ein großer Teil der Normalverbraucher war auf die illegale Zusatzversorgung angewiesen, um überleben zu können. Der Schwarzhandel war offiziell verboten, doch beteiligte sich beinahe jeder daran. Im Herbst 1947 schätzte ein leitender Beamter der bizonalen Ernährungsverwaltung, dass 95% der Bevölkerung der Bizone direkt oder indirekt mit dem Schwarzmarkt in Berührung kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Schwarzmarkt oder Schwarzhandel wurde der Handel außerhalb der Bewirtschaftungs-, Versorgungs- und Preisbestimmungen verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuchs, Ernährungslage und Schwarzmarkt in München (wie Anm. 13), 316.&amp;lt;/ref&amp;gt; Letztlich wurde die Kleinkriminalität der einfachen Bevölkerung mehr oder weniger geduldet. Dagegen versuchte man massiv gegen die im Hintergrund agierenden Berufsschwarzhändler vorzugehen. Wenn in den Unterlagen des Wasserburger Ernährungsamtes von Schwarzmarkt die Rede ist, dann werden die meist die Juden des DP-Lagers Gabersee als Verantwortliche genannt. Auch der von vielen Selbstversorgern begangene Tatbestand der Schwarzschlachtung war ein Problem. Bei regelmäßigen Viehzählungen mussten die Bauern ihr Vieh anmelden. Das Schlachten war nur erlaubt, wenn ein entsprechender Schlachtantrag genehmigt worden war. Durch Schwarzschlachtungen wollten die Bauern den Beschlagnahmungen zuvorkommen und das Fleisch gewinnbringend verkaufen bzw. gegen Gebrauchsgegenstände eintauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Schwarzmarktaktivitäten gab es auch andere Formen der illegalen Zusatzversorgung wie Hamstern, Eigentumsdelikte, Lebensmittelkartenfälschung oder das Erschleichen von Zusatzkarten. Der Begriff Hamstern wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem für das massenhaft auftretende Phänomen verwendet, sich bei Bauern auf dem Land durch Betteln oder den Tausch von Gebrauchsgegenständen Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Lebensmittel auf diese Weise ohne Bezugsberechtigung in den Besitz genommen wurden, war Hamstern ein Verstoß gegen die Verordnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu: Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Verbrauchsregelungs-Strafverordnung (Hamstern von Lebensmitteln u.a.), alphabetisch nach Beschuldigten 1943–1949, StAM, Ernährungsämter Abt. B 362–364.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hamsterfahrten aufs Land wurden vor allem von der großstädtischen Bevölkerung getätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 222.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bekämpfung des sogenannten ‚Hamstererunwesens‘ erwies sich allerdings als ähnlich erfolglos wie die des Schwarzmarktes. Bald konzentrierte sich die Polizei darauf, das Hamstern größerer Mengen Ware zu unterbinden, wohingegen das Hamstern weniger Lebensmittel durch arme Bevölkerungskreise nicht geahndet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Präsidiums der Landpolizei von Bayern vom 17.4.1947 an alle Chefdienststellen, alle Schulen, Leiter des Schulwesens, Vizepräsidenten, StAM, Polizeipräsidium Oberbayern 607 (=Bekämpfung des Schwarzhandels (Generalakt) 1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Eigentumsdelikte nahmen in der Nachkriegszeit dramatisch zu. Diese waren eng mit dem Schwarzhandel verbunden, denn Diebesgut war eine der wichtigsten Quellen des Schwarzen Marktes.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Großteil der Eigentumsdelikte lässt sich der Versorgungskriminalität zurechnen, etwa wenn Lebensmittel oder Kohle zum Eigenverbrauch oder zum Verkauf bzw. Tausch auf dem Schwarzmarkt geklaut wurden. Einbrüche in Ernährungsämter, Kartenausgabestellen und Druckereien waren allgegenwärtig, da Aufwand und Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn sehr gering waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Maßnahme zur illegalen Zusatzversorgung war die Fälschung von Lebensmittelkarten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 90% der für bestimmte Waren abgelieferten Marken gefälscht waren. In der Regel druckten die Markenfälscher nicht die ganze Karte nach, sondern nur einzelne, besonders wertvolle Abschnitte von Mangelwaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.6.1947 an die Stadtpolizei Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weit verbreitet war überdies das Erschleichen von Zusatzkarten. So versuchten sich z.B. Mütter Zusatzrationen zu erschwindeln, indem sie vorgaben Kinder zu stillen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 8.10.1947 an alle Hebammen des Landkreises Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bürokratismus war eine weitere prägende Erfahrung der Nachkriegszeit. Sehr deutlich wird sie in der Korrespondenz der Ernährungsämter mit der Bevölkerung. Die Beamten wurden von den Bürgern häufig für die eigene Unterversorgung verantwortlich gemacht. Daher waren die Bediensteten der Ernährungsämter ganz besonders von der insgesamt sehr gereizten Stimmung dieser Zeit betroffen. Im Februar 1948 bat ein Bürger aus dem Landkreis Wasserburg a. Inn den Leiter des Ernährungsamtes Abt. B, acht Abschnitte für Fische der Krankenzulagekarte seiner elfjährigen Tochter gegen Eier oder ähnliches mit gleichem Kalorienwert umzutauschen. Dies war nötig, da die Tochter keine Fische vertrug. Der Bürger fügte zudem an, dass &#039;&#039;wir durch zweimaliges Ausbomben in München alles verloren [haben] und ganz auf uns selbst gestellt sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Rudolf Bart vom 28.2.1948 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Reaktion des Ernährungsamtes fiel lapidar aus: &#039;&#039;Ein Umtausch der Fischmarken [ist] nur für die Krankheitsgruppe 9/1 […] möglich&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 10.3.1948 an Rudolf Bart, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tochter gehörte zur Krankheitsgruppe 9/2. Die Angestellten der Ernährungsämter standen vor dem ständigen Dilemma, dass sie zwar für die Bevölkerung da sein sollten, gleichzeitig aber zur genauen Einhaltung der Vorschriften angehalten waren. Dies war auch insofern problematisch, als sie relativ große Machtbefugnisse besaßen und bei der Vergabe der Lebensmittelkarten fast über Leben und Tod entscheiden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dierk Hoffmann, Nachkriegszeit. Deutschland 1945–1949, 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche Wasserburger versuchten in ihrem Elend und ihrer Verzweiflung die eigenen Forderungen mithilfe von Drohungen durchzusetzen. So wurde beispielsweise damit gedroht, den Fall im Oberbayerischen Volksblatt zu veröffentlichen oder die übergeordnete Behörde einzuschalten. Der Leiter des Wasserburger Ernährungsamtes ließ sich allerdings nicht jede Anschuldigung gefallen: &#039;&#039;In Ihrem Schreiben vom 28.1.1946 führen Sie zweimal das Wort ‚Unterschlagung‘ an. Diese unbegründete, wie unverschämte Anschuldigung weise ich auf das Schärfste […] zurück, im Wiederholungsfalle werde ich ein gerichtliches Verfahren gegen Sie einleiten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasseburg a. Inn vom 22.2.1946 an Mina Reiter, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<title>Ernährungslage</title>
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		<updated>2019-03-20T13:26:22Z</updated>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem offiziellen ernährungswirtschaftlichen Verteilungssystem gab es ein zweites, illegales Kompensationssystem, dem Maßnahmen wie Schwarzmarkthandel, Diebstähle, Fälschung von Lebensmittelmarken und Hamstern zuzurechnen sind. Ein großer Teil der Normalverbraucher war auf die illegale Zusatzversorgung angewiesen, um überleben zu können. Der Schwarzhandel war offiziell verboten, doch beteiligte sich beinahe jeder daran. Im Herbst 1947 schätzte ein leitender Beamter der bizonalen Ernährungsverwaltung, dass 95% der Bevölkerung der Bizone direkt oder indirekt mit dem Schwarzmarkt in Berührung kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Schwarzmarkt oder Schwarzhandel wurde der Handel außerhalb der Bewirtschaftungs-, Versorgungs- und Preisbestimmungen verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuchs, Ernährungslage und Schwarzmarkt in München (wie Anm. 13), 316.&amp;lt;/ref&amp;gt; Letztlich wurde die Kleinkriminalität der einfachen Bevölkerung mehr oder weniger geduldet. Dagegen versuchte man massiv gegen die im Hintergrund agierenden Berufsschwarzhändler vorzugehen. Wenn in den Unterlagen des Wasserburger Ernährungsamtes von Schwarzmarkt die Rede ist, dann werden die meist die Juden des DP-Lagers Gabersee als Verantwortliche genannt. Auch der von vielen Selbstversorgern begangene Tatbestand der Schwarzschlachtung war ein Problem. Bei regelmäßigen Viehzählungen mussten die Bauern ihr Vieh anmelden. Das Schlachten war nur erlaubt, wenn ein entsprechender Schlachtantrag genehmigt worden war. Durch Schwarzschlachtungen wollten die Bauern den Beschlagnahmungen zuvorkommen und das Fleisch gewinnbringend verkaufen bzw. gegen Gebrauchsgegenstände eintauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Schwarzmarktaktivitäten gab es auch andere Formen der illegalen Zusatzversorgung wie Hamstern, Eigentumsdelikte, Lebensmittelkartenfälschung oder das Erschleichen von Zusatzkarten. Der Begriff Hamstern wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem für das massenhaft auftretende Phänomen verwendet, sich bei Bauern auf dem Land durch Betteln oder den Tausch von Gebrauchsgegenständen Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Lebensmittel auf diese Weise ohne Bezugsberechtigung in den Besitz genommen wurden, war Hamstern ein Verstoß gegen die Verordnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu: Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Verbrauchsregelungs-Strafverordnung (Hamstern von Lebensmitteln u.a.), alphabetisch nach Beschuldigten 1943–1949, StAM, Ernährungsämter Abt. B 362–364.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hamsterfahrten aufs Land wurden vor allem von der großstädtischen Bevölkerung getätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 222.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bekämpfung des sogenannten ‚Hamstererunwesens‘ erwies sich allerdings als ähnlich erfolglos wie die des Schwarzmarktes. Bald konzentrierte sich die Polizei darauf, das Hamstern größerer Mengen Ware zu unterbinden, wohingegen das Hamstern weniger Lebensmittel durch arme Bevölkerungskreise nicht geahndet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Präsidiums der Landpolizei von Bayern vom 17.4.1947 an alle Chefdienststellen, alle Schulen, Leiter des Schulwesens, Vizepräsidenten, StAM, Polizeipräsidium Oberbayern 607 (=Bekämpfung des Schwarzhandels (Generalakt) 1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Eigentumsdelikte nahmen in der Nachkriegszeit dramatisch zu. Diese waren eng mit dem Schwarzhandel verbunden, denn Diebesgut war eine der wichtigsten Quellen des Schwarzen Marktes.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Großteil der Eigentumsdelikte lässt sich der Versorgungskriminalität zurechnen, etwa wenn Lebensmittel oder Kohle zum Eigenverbrauch oder zum Verkauf bzw. Tausch auf dem Schwarzmarkt geklaut wurden. Einbrüche in Ernährungsämter, Kartenausgabestellen und Druckereien waren allgegenwärtig, da Aufwand und Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn sehr gering waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Maßnahme zur illegalen Zusatzversorgung war die Fälschung von Lebensmittelkarten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 90% der für bestimmte Waren abgelieferten Marken gefälscht waren. In der Regel druckten die Markenfälscher nicht die ganze Karte nach, sondern nur einzelne, besonders wertvolle Abschnitte von Mangelwaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.6.1947 an die Stadtpolizei Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weit verbreitet war überdies das Erschleichen von Zusatzkarten. So versuchten sich z.B. Mütter Zusatzrationen zu erschwindeln, indem sie vorgaben Kinder zu stillen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 8.10.1947 an alle Hebammen des Landkreises Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Ern%C3%A4hrungslage&amp;diff=1767</id>
		<title>Ernährungslage</title>
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		<updated>2019-03-20T13:25:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem offiziellen ernährungswirtschaftlichen Verteilungssystem gab es ein zweites, illegales Kompensationssystem, dem Maßnahmen wie Schwarzmarkthandel, Diebstähle, Fälschung von Lebensmittelmarken und Hamstern zuzurechnen sind. Ein großer Teil der Normalverbraucher war auf die illegale Zusatzversorgung angewiesen, um überleben zu können. Der Schwarzhandel war offiziell verboten, doch beteiligte sich beinahe jeder daran. Im Herbst 1947 schätzte ein leitender Beamter der bizonalen Ernährungsverwaltung, dass 95% der Bevölkerung der Bizone direkt oder indirekt mit dem Schwarzmarkt in Berührung kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Schwarzmarkt oder Schwarzhandel wurde der Handel außerhalb der Bewirtschaftungs-, Versorgungs- und Preisbestimmungen verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuchs, Ernährungslage und Schwarzmarkt in München (wie Anm. 13), 316. Letztlich wurde die Kleinkriminalität der einfachen Bevölkerung mehr oder weniger geduldet. Dagegen versuchte man massiv gegen die im Hintergrund agierenden Berufsschwarzhändler vorzugehen. Wenn in den Unterlagen des Wasserburger Ernährungsamtes von Schwarzmarkt die Rede ist, dann werden die meist die Juden des DP-Lagers Gabersee als Verantwortliche genannt. Auch der von vielen Selbstversorgern begangene Tatbestand der Schwarzschlachtung war ein Problem. Bei regelmäßigen Viehzählungen mussten die Bauern ihr Vieh anmelden. Das Schlachten war nur erlaubt, wenn ein entsprechender Schlachtantrag genehmigt worden war. Durch Schwarzschlachtungen wollten die Bauern den Beschlagnahmungen zuvorkommen und das Fleisch gewinnbringend verkaufen bzw. gegen Gebrauchsgegenstände eintauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Schwarzmarktaktivitäten gab es auch andere Formen der illegalen Zusatzversorgung wie Hamstern, Eigentumsdelikte, Lebensmittelkartenfälschung oder das Erschleichen von Zusatzkarten. Der Begriff Hamstern wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem für das massenhaft auftretende Phänomen verwendet, sich bei Bauern auf dem Land durch Betteln oder den Tausch von Gebrauchsgegenständen Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Lebensmittel auf diese Weise ohne Bezugsberechtigung in den Besitz genommen wurden, war Hamstern ein Verstoß gegen die Verordnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu: Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Verbrauchsregelungs-Strafverordnung (Hamstern von Lebensmitteln u.a.), alphabetisch nach Beschuldigten 1943–1949, StAM, Ernährungsämter Abt. B 362–364.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hamsterfahrten aufs Land wurden vor allem von der großstädtischen Bevölkerung getätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 222.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bekämpfung des sogenannten ‚Hamstererunwesens‘ erwies sich allerdings als ähnlich erfolglos wie die des Schwarzmarktes. Bald konzentrierte sich die Polizei darauf, das Hamstern größerer Mengen Ware zu unterbinden, wohingegen das Hamstern weniger Lebensmittel durch arme Bevölkerungskreise nicht geahndet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Präsidiums der Landpolizei von Bayern vom 17.4.1947 an alle Chefdienststellen, alle Schulen, Leiter des Schulwesens, Vizepräsidenten, StAM, Polizeipräsidium Oberbayern 607 (=Bekämpfung des Schwarzhandels (Generalakt) 1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Eigentumsdelikte nahmen in der Nachkriegszeit dramatisch zu. Diese waren eng mit dem Schwarzhandel verbunden, denn Diebesgut war eine der wichtigsten Quellen des Schwarzen Marktes.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Großteil der Eigentumsdelikte lässt sich der Versorgungskriminalität zurechnen, etwa wenn Lebensmittel oder Kohle zum Eigenverbrauch oder zum Verkauf bzw. Tausch auf dem Schwarzmarkt geklaut wurden. Einbrüche in Ernährungsämter, Kartenausgabestellen und Druckereien waren allgegenwärtig, da Aufwand und Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn sehr gering waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Maßnahme zur illegalen Zusatzversorgung war die Fälschung von Lebensmittelkarten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 90% der für bestimmte Waren abgelieferten Marken gefälscht waren. In der Regel druckten die Markenfälscher nicht die ganze Karte nach, sondern nur einzelne, besonders wertvolle Abschnitte von Mangelwaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.6.1947 an die Stadtpolizei Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weit verbreitet war überdies das Erschleichen von Zusatzkarten. So versuchten sich z.B. Mütter Zusatzrationen zu erschwindeln, indem sie vorgaben Kinder zu stillen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 8.10.1947 an alle Hebammen des Landkreises Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<title>Ernährungslage</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Ern%C3%A4hrungslage&amp;diff=1765</id>
		<title>Ernährungslage</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Ern%C3%A4hrungslage&amp;diff=1764</id>
		<title>Ernährungslage</title>
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		<updated>2019-03-19T10:42:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Ern%C3%A4hrungslage&amp;diff=1763</id>
		<title>Ernährungslage</title>
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		<updated>2019-03-19T10:37:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950). Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Ern%C3%A4hrungslage&amp;diff=1762</id>
		<title>Ernährungslage</title>
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		<updated>2019-03-18T13:22:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
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== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Beitrag wird derzeit erstellt. Wir bitten um etwas Geduld.&lt;br /&gt;
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{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
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{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Mschwanse</name></author>
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&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der &lt;br /&gt;
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== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
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		<author><name>Mschwanse</name></author>
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&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
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== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
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Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
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		<title>Dreißigjähriger Krieg</title>
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		<updated>2019-02-22T09:03:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
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[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Dreißigjähriger Krieg (1618 – 1648) – Die sozialen Folgen für die Bevölkerung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg brachte unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in Wasserburg. Die sozialen Folgen im Vergleich mit Rosenheim, Mühldorf und Trostberg. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes „local History &amp;amp; History of Arts“ der Stadt Wasserburg am Inn, 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einquartierungen, Schikanen der beherbergten Regimenter, Kriegskontributionen und Seuchen bestimmten den Alltag der Menschen – auch in den über weite Strecken nicht unmittelbar von Kampfhandlungen betroffenen Städten wie Wasserburg am Inn. Denn die vermeintlich eigenen, die kaiserlichen und bayerischen Truppen plünderten und mordeten kaum weniger als die feindliche Soldateska. 1632 kamen erstmals feindliche Truppen in das Territorium des Kurfürstentums Bayern, wo sie bis zum Jahr 1634 verblieben. In dieser Phase hatte die Wasserburger Bevölkerung massiv unter den indirekten Folgen des Krieges zu leiden. Erst im letzten Kriegsjahr 1648 war das Gebiet am Inn direkt von Feindeinwirkung betroffen und es bestand die Gefahr, dass Schweden und Franzosen den Inn überschreiten, um nach Österreich vorzudringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, 1998, 1081.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Phase wurde Wasserburg drei Tage von Schweden und Franzosen belagert. Der schwedisch-französische Vormarsch fand in Wasserburg seine Grenze und der Inn wurde für Habsburg zum rettenden Schutzwall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedische Krieg (1632 – 1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. April 1632 kam der Dreißigjährige Krieg nach Bayern, als Gustav Adolf&amp;lt;ref&amp;gt;Marcus Junkelmann, Gustav Adolf (1594–1632). Schwedens Aufstieg zur Großmacht, 1993.&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Rain am Lech den Flussübergang erzwang. In den folgenden Wochen konnte er Augsburg, Landshut und Freising erobern und am 17. Mai in München einziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Göran Rystad, Die Schweden in Bayern während des Dreißigjährigen Krieges, in: Hubert Glaser (Hg.), Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst. Band II/1, 1980, 424–435, hier 425.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nun bestand für Wasserburg erstmals im Krieg direkte Gefahr, denn es war das Kriegsziel Gustav Adolfs, das habsburgische Erbland anzugreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg im Dreißigjährigen Krieg 1632–1634, 1986, 14–15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der undurchsichtigen strategischen Lage zog Gustav Adolf allerdings am 7. Juni 1632 mit der Hauptmacht seines Heeres von München Richtung Augsburg ab. Dennoch war die Sorge der Bevölkerung östlich des Inns groß. Maria Magdalena Haidenbucher, Äbtissin von Frauenwörth, vermerkte in ihrem Tagebuch, dass &#039;&#039;„Sich aber Jeder man besorgt hat. es mechte sich villeicht die schwedische Macht ersterckhen vnd auf waserburg khumben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Maria Magdalena Haidenbucher, Geschicht Buech de Anno 1609 biß 1650. Das Tagebuch der Maria Magdalena Haidenbucher (1576–1650), Äbtissin von Frauenwörth, hg. v. Gerhard Stalla, 1988, 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar drangen schwedische Truppen in den nächsten Wochen noch weiter nach Osten vor, doch handelte es sich dabei nur um kleine, streifende Reitertrupps, die der befestigten Stadt Wasserburg nicht gefährlich werden konnten. Grundsätzlich sind die Sorgen der Äbtissin Haidenbucher nachvollziehbar. Der Inn und insbesondere Wasserburg war ein Schutzwall für die Gebiete östlich davon, damit auch für das Gebiet um den Chiemsee. Würde der Feind den Inn überschreiten, wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Kloster Frauenwörth im Chiemsee von der feindlichen Soldateska geplündert würde. Im November 1632 fiel Gustav Adolf bei Lützen. Die Kämpfe seiner Nachfolger mit den kaiserlich-bayerischen Truppen zogen sich über Monate hin und verwüsteten das Kurfürstentum schrecklich.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 426–427.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im letzten Jahresviertel 1633 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen wieder intensiver. Da der bayerische Kurfürst Maximilian I. nicht absehen konnte, wie weit die feindlichen Truppen nach Osten vordringen würden, befahl er vorsorglich, die Innlinie an den Standorten Wasserburg, Braunau, Schärding und Passau zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Juni 1634 gelang es kaiserlich-bayerischen Truppen, das von Schweden besetzte Regensburg zu erobern. Nach der schweren Niederlage der Schweden am 6. September 1634 bei Nördlingen konnte Bayern von der schwedischen Besatzung befreit werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 427–433.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einquartierungen == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Brief vom 24. Mai 1632.jpg|200px|thumb|right|Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Invasion Gustav Adolfs begann für die Wasserburger Bevölkerung eine von Drangsalen und Entbehrungen geprägte zweieinhalbjährige Leidenszeit. Das zunächst nur aus Landvolk&amp;lt;ref&amp;gt;Kriegsdienst leistende Bauern und Bürger.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus den umliegenden Gerichten bestehende Verteidigungskontingent wurde Ende April durch kaiserlich-bayerische Soldaten verstärkt. In den folgenden Monaten waren permanent Soldaten einquartiert, für die Verpflegung aus der Bevölkerung aufgebracht werden musste. Hinzu kam die Versorgung der Pferde mit Hafer, Heu und Stroh. Vermutlich mussten die rund 1.000 Wasserburger einer etwa gleichen Anzahl an Soldaten samt Gefolge Unterkunft und Verpflegung bieten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben den Familien der Soldaten und den Dienern der Offiziere war im Dreißigjährigen Krieg marodierendes Gesindel Teil des Trosses. Die Gefolgschaft der Truppen führte dazu, dass sich die unterzubringende und zu verpflegende Zahl von Menschen verdoppelte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siegfried Fiedler, Kriegswesen und Kriegsführung im Zeitalter der Landsknechte, 1985, 162.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Brief vom 21. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 21. Mai 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“).&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten Bürgermeister und Rat dem Kurfürsten von 1.250 Einquartierten. Der Rat beschwert sich, dass &#039;&#039;„die arme burgerschafft […] den geworbnen essen und trinkhen raichen“&#039;&#039; solle. Es wird argumentiert, dass die Bürger den Soldaten nichts schuldig wären und sich die Einquartierten Essen und Trinken von ihrem Monatssold kaufen sollten. &#039;&#039;„Ligerstatt, holz, licht unnd salz“&#039;&#039; werden hingegen gehorsam bereitgestellt. Am 24. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam aus Salzburg eine kurze Antwort des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. auf die Beschwerde des Rats der Stadt Wasserburg, in der er mitteilte, dass die &#039;&#039;„notturfft“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Existenzminimum.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Soldaten sichergestellt werden musste. In einem weiteren Brief teilten die kurfürstlichen Räte der Stadt mit, dass die Bürger froh sein sollten, dass sie die Soldaten nicht bezahlen mussten. Hinzu kommt, dass &#039;&#039;„dise einquartierung der soldaten zu euhrer burgerschafft und der ihrigen defension und beschuzung maistens gemaint und angesechen is.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der kurfürstlichen Räte vom 5. Juni 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tagesrationen für die Soldaten wurden vom Kurfürsten per  Befehl festgelegt: Jeder Soldat sollte täglich zweieinhalb Pfund Brot, eineinhalb Pfund Fleisch und zwei Maß Bier erhalten. Es verwundert kaum, dass die Bürgerschaft bei der Anzahl an Soldaten, deren Gefolge und den Pferden, die täglich versorgt werden mussten, über den kurfürstlichen Befehl nicht erfreut war. Daher schließen Bürgermeister und Rat den Brief mit der Bitte, &#039;&#039;„daß den soldaten ihre monatsold richtig bezalt [wird], darmit sie inen die notturfft essen und trinkhen selbs khauffen mögen, oder ein provianthaus lassen aufrichten, daraus inen die rationes täglich geraicht werden.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 8. Juni 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob diese Bittschriften große Wirkung auf Maximilian hatten, ist zumindest fragwürdig. Beschwerden und Klagen über die Belastungen durch Einquartierungen wird der Kurfürst aus vielen Städten und Märkten erhalten haben. Doch gab es zu einer Versorgung der Soldateska durch die Bürger keine Alternative. Daher blieb Maximilian I. oft nichts anderes übrig, als die Hilferufe seines Volkes zu ignorieren oder es zu vertrösten. Im November 1632 erreichte die Stadt Wasserburg ein kurfürstlicher Befehl, der die Not der Bevölkerung noch größer werden ließ. Bisher versuchte Maximilian I. die Räte der Stadt Wasserburg dadurch zu beschwichtigen, dass die Bürger die Soldaten nur verpflegen und nicht bezahlen müssten. Ende des Jahres mussten die Wasserburger zusätzlich die Besoldung der Truppen übernehmen. Durch eine Zusammenfassung der Belastungen der letzten Monate versucht der Rat der Stadt Wasserburg den Kurfürsten davon zu überzeugen, die Stadt und die Bürgerschaft von der Besoldung der Soldaten zu verschonen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Maximilian I. von Bayern.jpg|200px|thumb|right|Maximilian I. von Bayern (1573 – 1651)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was hiesige arme burgerschafft von denen in quarnison gelegnen reitern und fueskhnechten, auch willen starckhen durchzigen […] darbei gmainer statt unnd der burgerschafft mit essen und trinkhen, erkhauffung habern, hey unnd srey&amp;lt;ref&amp;gt;Hafer, Heu und Stroh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, sambt andern ausgaben, yber disß was selbigen destruirt und entwendet worden, in die 20 oder mehr tausent gulden aufganngen“.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 15. Dezember 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nicht nachvollziehen, ob die Spesen der Bürger tatsächlich 20.000 Gulden oder mehr betrugen. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass der wirtschaftliche Schaden im Dezember 1632 nach über siebenmonatiger Einquartierung für die Stadt und vor allem für die Bürger enorm gewesen sein muss. Den Winter 1632/1633 wollte Maximilian zur Auffüllung seiner dezimierten Truppen nutzen. Als Rekrutierungsplätze eigneten sich die vom Krieg bisher verschonten Gebiete am Inn. So kam zu der Unterbringung der bereits in Wasserburg liegenden Truppen nun die Verpflegung der neu rekrutierten Soldaten hinzu. Neben dem schon länger in Wasserburg liegenden Regiment kamen im Januar 1633 zusätzliche 1.000 Mann und 100 Pferde. Insgesamt mussten also deutlich mehr Soldaten versorgt werden, als Bürger in der Stadt waren. Die Quartierlasten setzten sich auch im Kriegsjahr 1634 fort. Zu der Last der Einquartierung  und Verpflegung der Soldaten kamen Schikanen und Gewaltdelikte der Soldateska. Zudem wurde mit Plünderungen gedroht, wenn sich die Bürger gegen die Soldaten auflehnen würden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 12. April 1634 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mitte Juli 1634 verschlimmerte sich die Lage weiter, denn die Schweden drangen von Augsburg nach Osten vor und eroberten am 22. Juli Landshut. Zu den bereits existierenden Bedrückungen kam nun zusätzlich die Last der Verteidigung. Konkret bedeutete dies eine weitere Zunahme der Einquartierungen an kaiserlichen und bayerischen Soldaten sowie die Pflicht zu Scharwerksdiensten. Die Julitage zwischen dem Verlust Landshuts an die Schweden und die Rückeroberung Regensburgs durch die Kaiserlichen brachten Wasserburg die letzten hohen Einquartierungslasten in den Kriegsjahren 1632 – 1634.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 139.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einem Dokument vom 24. Juli 1634 ist zu entnehmen, dass 647 Soldaten untergebracht werden mussten. Hinzu kam das Gefolge der Soldateska, bestehend aus 179 Frauen, 83 Kindern und 111 Dienerinnen und Dienern. Darüber hinaus brachten sie über 200 Pferde mit, die versorgt werden mussten. Für den Monatssold der Offiziere und Soldaten sowie die Futterkosten für die Pferde veranschlagte die Stadtkammer 6.571 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 141.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erschwerend hinzu kam die drangvolle Enge, mit der Wasserburg durch die Einquartierungen konfrontiert war. Für die rund 1.000 Bürger und eine ebenso große Menge an Soldaten samt Tross gab es wegen des umlaufenden Flusses keine Ausweichmöglichkeiten. Zwar liegen über die sanitären Verhältnisse keine Berichte vor, doch mussten diese in einer mit Menschen überfüllten Stadt im Dreißigjährigen Krieg katastrophal gewesen sein. Vor dem Hintergrund der schlechten hygienischen Verhältnisse und der mangelnden medizinischen Versorgung verwundert es kaum, dass sich Krankheiten und Seuchen wie die Pest in Wasserburg schnell ausbreiten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Liste vom 24. Juli 1634.jpg|200px|thumb|right|Liste vom 24. Juli 1634]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Scharwerksdienste und Schanzarbeiten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. April 1632, zwei Tage nachdem Gustav Adolf den Lech überquerte, kam der Befehl von Kurfürst Maximilian, die Befestigungsanlagen in Wasserburg zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies zeigt die Bedeutung der Stadt Wasserburg und des Inns als Schutzwall für das Land östlich davon. Für die Verstärkung der Befestigungsanlagen wurden Scharwerksdienste eingefordert, die für die Bevölkerung eine besonders große Belastung darstellten, da die Bürger grundsätzlich verpflichtet waren, diese Arbeit umsonst zu verrichten. Neben den Schanzarbeiten an der Festung in Wasserburg waren Scharwerksfuhren eine zusätzliche kriegsbedingte Last für die Bevölkerung der Innstadt. Maximilian I. echauffiert sich in einem an die Stadt Wasserburg gerichteten Brief&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 3. November 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; über die Weigerung der Wasserburger, Scharwerksfuhren nach München zu tätigen. Es sollten zwei Kartaunen und drei Haubitze&amp;lt;ref&amp;gt;Schwere Geschütze des 16. und 17. Jahrhunderts.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach München gebracht werden. Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg  argumentierten daraufhin, dass die Bürger durch Getreidefuhren und Scharwerksfuhren zum Ausbau der Befestigungsanlagen in Wasserburg bereits ausgelastet seien.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 5. November 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Kriegsjahr 1633 war eine stark befestigte Stadt Wasserburg für den Kurfürsten von großer Bedeutung, da die Schweden den Inn bei Wasserburg aufgrund der natürlichen Lage der Halbinsel nur nach einer Einnahme der Stadt hätten überschreiten können. Daher befahl Maximilian I. das &#039;&#039;„angefangene fortificationswesen&amp;lt;ref&amp;gt;Befestigungswesen.&amp;lt;/ref&amp;gt; […] forthsezen zelassen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 1. März 1633 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dem Argument, dass diese Arbeiten zur &#039;&#039;„defenßion des vatterlandts“&#039;&#039; beitragen, versucht der Kurfürst an die Vaterlandsliebe der Bevölkerung zu appellieren. Da Patriotismus alleine womöglich nicht ausreicht, um die Bürger für die unbeliebte Scharwerksarbeit&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.)/Andreas Kraus (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Zweiter Band. Das Alte Bayern. Der Territorialstaat vom Ausgang des 12. Jahrhunderts bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. 2., überarbeitete Auflage, 1988, 741.&amp;lt;/ref&amp;gt;  zu motivieren, folgt zum Schluss des Briefes eine Drohung: &#039;&#039;„Solten wir aber erfahren, das die underthannen sich fahrlessig ungehorsam und widersessig […] erzaigen sollen, so wollen wir gegen solchen ungehorsamen wolempfindtliche straff vornemmen“&#039;&#039;. Neben einer Zunahme der Einquartierungen hatte die Eroberung Landshuts durch die Schweden am 22. Juli 1634 auch zur Folge, dass die Bürger Wasserburgs erneut zu Scharwerksdiensten und Schanzarbeiten verpflichtet wurden. Durch einen Ausbau der Festung sollte Wasserburg uneinnehmbar gemacht und ein möglicher Vorstoß der Schweden am Inn gestoppt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegskontributionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Brief vom 17. März 1633.jpg|200px|thumb|right|Brief des Kurfürsten vom 17. März 1633 an die Stadt Wasserburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Belastungen durch die Einquartierungen und Scharwerks- und Schanzarbeiten brachte das Jahr 1633 noch die Einführung einer Kriegssteuer mit sich. Kurfürst Maximilian I. sah sich in Folge des entbehrungsreichen Jahres 1632 veranlasst, eine allgemeine Kontribution zu erheben. Grundlage der Kriegssteuer war ein kurfürstliches Mandat vom 10. Januar 1633. Um das Kurfürstentum verteidigen zu können, sei es nötig, &#039;&#039;„daß auch alle die jenige, welche solcher defension, und beschutzung geniessen, unndt im landt gesessen seyn […] zu fortsetzung und erhaltung solchen gemainnutzigen defensionwercks, darzu gehörigen mittln und unkosten […] das ihrige beysetzen und zuschiessen“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kurfürstliches Mandat vom 10. Januar 1633, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Kriegssteuer wurde nicht nur von der Stadt, sondern auch von den Bürgern eingetrieben. Sie mussten, ungeachtet ob sie bedürftig oder vermögend waren, von 100 Gulden ihres ganzen Vermögens monatlich drei Kreuzer entrichten. Mit dem Hinweis auf die permanenten Einquartierungen von kaiserlichen Soldaten versuchte die Stadt Wasserburg vergeblich eine Befreiung von der Kriegssteuer zu erwirken.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 8. Februar 1633 an den Pfleger von Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 17. März 1633&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 17. März 1633 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; erreichte Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg ein Schreiben des Kurfürsten, in dem Maximilian I. mit Missfallen feststellte, dass die Stadt dem &#039;&#039;„hochnothwendige[n] contribution wesen bißhero nicht mit schuldigstem vleiß und eiffer“&#039;&#039; nachgegangen sei. Es folgt ein dringender Befehl, die Kriegssteuer in Zukunft zu entrichten. Aus einem Brief des Rates der Stadt Wasserburg an den Kurfürsten ist zu entnehmen, dass der Stadt durch den Pfleger mitgeteilt worden sei, dass zur Verpflegung der Soldateska monatlich 2.150 Gulden aufgebracht werden müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 11. Februar 1634 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Summe könne von der verarmten Bürgerschaft nicht eingetrieben werden. In einem Befehl vom 15. Februar 1634 an den Pfleger zu Wasserburg legte Maximilian I. die monatliche Kriegssteuer für Wasserburg auf 1.457 Gulden fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 15. Februar 1634 an den Pfleger von Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Bauernaufstand (1633/1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Bürger der Stadt Wasserburg, auch die Bauern in den umliegenden Gebieten waren von den indirekten Folgen des Krieges und dabei insbesondere von den Einquartierungen betroffen. Ihre Wut über die Plünderungen der kaiserlichen und ligistischen Truppen entlud sich im Bauernaufstand von 1633/1634.&amp;lt;ref&amp;gt;Sigmund von Riezler, Der Aufstand der bayerischen Bauern im Winter 1633 auf 1634, 1901, 33–95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Soldaten lagen im Winterlager. Da Unterbringung und Verpflegung der Truppen in den stark vom Krieg betroffenen Gebieten zwischen Lech und Isar kaum möglich war, musste die Bevölkerung in den Landgerichten zwischen Isar und Salzach die Regimenter aufnehmen. Dabei scheinen die Städte, Märkte und Dörfer am Inn bevorzugt als Lagerplätze ausgewählt worden zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Haidenbucher, Geschicht Buech (wie Anm. 6), 106.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auslöser des Aufstandes war die Weigerung der Bauern am 3. Dezember 1633 im Gericht Kling, Scharwerksfuhren zum Transport schwedischer Gefangener zu leisten. Einen Tag später versammelte sich eine große Anzahl bewaffneter Bauern vor Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 99.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kurfürst Maximilian I. entschloss sich, zunächst Milde walten zu lassen und versuchte die Bauern zu beschwichtigen, was nicht gelang. In den ersten Tagen des Jahres 1634 drohte die Situation zu eskalieren. Westlich und östlich des Inns hatten sich Tausende von bewaffneten Bauern versammelt. In der Stadt Wasserburg lagen nach wie vor einige Hundert Soldaten in ihren Quartieren. Ein Aufeinandertreffen der beiden Parteien wäre für die Stadt Wasserburg katastrophal gewesen. Der Kurfürst entschloss sich, den Bauern entgegenzukommen und die Gebiete östlich des Inns zu von Einquartierungen zu verschonen. Die Bevölkerung westlich des Flusses musste der Soldateska weiterhin Unterkunft und Verpflegung bieten. Was den Kurfürsten dazu bewog, statt der durch den Krieg stärker betroffenen Bevölkerung westlich des Inns die Menschen östlich des Flusses zu entlasten, bleibt unklar. Dass der Aufstand unter diesen Umständen nicht ohne Blutvergießen zu Ende gehen konnte, war abzusehen. Am 18. Januar 1634 kam es bei Ebersberg zu einem Aufeinandertreffen von Bauern und Soldaten, bei dem etwa 200 Bauern umkamen. Das von den Bürgern und dem Rat befürchtete Aufeinandertreffen der Bauern und der Soldateska in Wasserburg blieb aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Pest (1634/1635) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pest drang vom Westen her in das Kurfürstentum Bayern ein und erreichte Mitte August 1634 München. Was den Schweden in den zurückliegenden Jahren nicht gelang, das schaffte die Pest: Sie erreichte den Inn und verlangte der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten große Opfer ab. Die ersten Pesttoten gab es in Wasserburg im Oktober 1634, ab November grassierte die Seuche gnadenlos in der Stadt am Inn und erreichte Ende des Monats ihren Höhepunkt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 168.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Rat fasste zahlreiche Beschlüsse mit dem Ziel, die Krankheit aufzuhalten. So wurden Erkrankte unter Quarantäne gestellt und mit Medikamenten wie Aloe, Olivenöl oder Zitrone behandelt, doch konnten diese kaum einen Betroffenen retten. Die Verzweiflung der Wasserburger über die nicht aufzuhaltende Pest zeigt sich in dem Pestgelübde vom 8. Dezember 1634. In diesem erkannten die Wasserburger die Seuche als gerechte Strafe Gottes für ihre Sünden an und baten Gott um Befreiung von der Pest. Dafür versprachen sie, die Pfarrkirche [[St. Jakob]] zu renovieren, womit sie schon im Jahr 1635 begannen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gerhard Skrabal, Geschichte der Stadtpfarrei St. Jakob zu Wasserburg am Inn, 1962, 21–22.&amp;lt;/ref&amp;gt; An das Pestgelübde erinnert eine 1653 gefertigte Votivtafel, die heute noch in der Sebastianskapelle der Pfarrkirche zu sehen ist. Im Januar 1635, als die Wasserburger das Schlimmste überstanden hatten, vermerkt Maria Magdalena Haidenbucher in ihrem Tagebuch, dass die Pest &#039;&#039;„auch zu wasserburg starkh ein griffen. [und] dz manichen dag bey hundert menschen gestorben“&#039;&#039; sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Haidenbucher, Geschicht Buech (wie Anm. 6), 109.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wasserburg hatte etwa 1.000 Bewohner. Wenn an einigen Tagen hundert Menschen der Pest zum Opfer gefallen wären, wäre die Stadt nach der Pestwelle menschenleer gewesen, was sie aber nicht war. Auch in der Forschungsliteratur&amp;lt;ref&amp;gt;Skrabal, Geschichte der Stadtpfarrei St. Jakob (wie Anm. 39), 21./ Martin Geiger, Wasserburg a. Inn. Ein geschichtlicher Abriß, in: Heimat am Inn 1 (1980), 10./ Josef Kirmayer, Chronik der Stadt Wasserburg a. Inn. Band 5, 1630–1679, 1957 (unveröffentlichtes, im Stadtarchiv Wasserburg aufbewahrtes, handschriftliches Manuskript), 1634 (aufgrund fehlender Seitenangaben in dem Manuskript wird als Nachweis die Jahreszahl angegeben, unter der die Informationen in Kirmayers Chronik verzeichnet sind)./ Josef Kirmayer, Wasserburg a. Inn, in: Erich Keyser/Heinz Stoob (Hg.), Bayerisches Städtebuch. Teil 2, 1974, 718–722, hier 718.&amp;lt;/ref&amp;gt; unterscheidet sich die angesetzte Anzahl der Pestopfer. Am realistischsten ist vermutlich die Schätzung von rund 500 durch die Pest gestorbenen Stadtbewohnern.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 180.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es sollte ungefähr 65 Jahre dauern, bis in Wasserburg wieder so viele Menschen lebten wie vor der Pestwelle von 1634/1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedisch-französische Krieg (1635 – 1648) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg über die Schweden bei Nördlingen am 6. September 1634 war der Krieg noch nicht vorbei. Die Franzosen traten an die Seite der Schweden in den Krieg ein und leiteten damit die letzte und längste Phase des Dreißigjährigen Krieges ein. Bis zu seinem Tod in der Schlacht bei Alerheim am 3. August 1645 gelang es General Mercy, den Feind von Bayern fernzuhalten. Da deshalb keine oder nur sehr wenige kaiserlich-ligistische Soldaten im südöstlichen Teil des Kurfürstentums einquartiert werden mussten, konnten sich Wasserburg und andere durch die Kriegslasten der Jahre 1632 – 1634 stark betroffenen Orte am Inn regenerieren. Im August 1646 vereinigten sich die französische und schwedische Armee und zogen mit ganzer Macht auf Bayern. Aufgrund der nahen Feindesgefahr zog sich der Kurfürst im September 1646 mit seinem Hofstaat nach Wasserburg zurück. Zudem leitete er, mit Hilfe eines eigens dafür angefertigten riesenhaften Plans des Innstroms, Maßnahmen zum Schutz der Verteidigungslinie am Inn ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Kirmayer, Chronik der Stadt Wasserburg a. Inn. (wie Anm. 41), 1646.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Land zwischen Lech, Isar und Donau wurde in den folgenden Wochen noch schonungsloser verwüstet als bei dem ersten Feindeseinfall 1632.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 433.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass für Wasserburg 1646 keine direkte Feindesgefahr bestand, lag an der politisch begründeten Weigerung des französischen Feldmarschalls Turenne, dem Plan des schwedischen Generals Wrangel folgend, die Isar bei Freising zu überqueren, um das östliche Bayern zu verheeren.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 602–603.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der befestigten Stadt Wasserburg blieb Maximilian I. rund sieben Monate. Die Entscheidung Maximilians für Wasserburg unterstreicht die Bedeutung der Stadt am Inn. Aufgrund ihrer durch den Inn und die Steilufer natürlich gesicherten Lage, aber auch wegen der durch die Schanzarbeiten von 1632 – 1634 gut ausgebauten Befestigungsanlage, konnte sich der Kurfürst in Wasserburg sicher fühlen. Zudem bestünde bei Feindesgefahr die Möglichkeit, von Wasserburg aus in das noch sicherere Burghausen oder über den Inn in die habsburgischen Erblande zu flüchten. Mit der Unterzeichnung des Ulmer Waffenstillstandes&amp;lt;ref&amp;gt;Gerhard Immler, Kurfürst Maximilian I. und der Westfälische Friedenskongreß. Die bayerische auswärtige Politik von 1644 bis zum Ulmer Waffenstillstand (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der neueren Geschichte, Band 20), 1992, 398–487.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf dem Schloss zu Wasserburg am 14. März 1647 trennte sich Maximilian I. von Kaiser Ferdinand III&amp;lt;ref&amp;gt;Mark Hengerer, Kaiser Ferdinand III. (1608–1657). Eine Biographie (Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs, Band 107), 2012.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwar brachte der Waffenstillstand Bayern für einige Monate Frieden mit Schweden und Franzosen und der Kurfürst konnte in seine Residenzstadt zurückkehren, doch fiel ihm der Entschluss zur Abkehr von seinem Verbündeten außerordentlich schwer.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 612.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im September 1647 kündigte Maximilian I. den Ulmer Waffenstillstand und schloss sich erneut dem Kaiser an. Der bayerischen Bevölkerung brachte diese Entscheidung  im letzten Kriegsjahr noch einmal großes Leid, da sich die Schweden an den Bayern für die Aufkündigung des Waffenstillstands rächen wollten.&amp;lt;ref&amp;gt;Albrecht, Maximilian I. von Bayern (wie Anm. 2), 1080.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Die Belagerung Wasserburgs.jpg|200px|thumb|right|Caspar Merian: Die Belagerung Wasserburgs]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. Mai 1648 wurden die kaiserlich-bayerischen Truppen bei Zusmarshausen von dem schwedisch-französischen Heer besiegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Albrecht, Maximilian I. von Bayern (wie Anm. 2), 1080.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den folgenden Wochen konnten Schweden und Franzosen Lech und Isar ohne größeren Widerstand passieren. Dabei wurde Bayern bis zum Inn verwüstet und geplündert. Nach Überschreitung der Isar, war es das nächste Ziel der feindlichen Truppen, den Inn zwischen Rosenheim, Wasserburg und Mühldorf zu passieren. Im Juni 1648 zogen Schweden und Franzosen &#039;&#039;„mit fölliger Macht auf wasserburg an den Jstromb [Innstrom]“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Haidenbucher, Geschicht Buech (wie Anm. 6), 161.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um die Stadt und die Innlinie zu verteidigen, zog der Kurfürst vor und in Wasserburg etwa 2.500 Soldaten zusammen. Maximilian I. ahnte wohl, dass es das strategische Ziel der Schweden und Franzosen war, den Innübergang zu erzwingen und in das habsburgische Erbland vorzustoßen, als er schrieb, wenn &#039;&#039;„auch dieser Fluß nicht verteidigt werden [könne] […] so würde sich bis zum adriatischen Meer keiner mehr finden, den man defendiren könnte“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 641.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 15. Juni 1648 trafen Schweden und Franzosen vor der westlich des Inns liegenden Stadt Wasserburg auf erbitterten Widerstand der Verteidiger. Am 16. Juni begannen die Belagerer die Beschießung der Stadt. Dass der Feind nach zweitägiger Beschießung der Stadt und unter großen Verlusten die Belagerung aufgab, lässt sich vermutlich mit der natürlich gesicherten Lage der Halbinsel und der stark befestigten Verteidigungsanlage erklären. Resigniert stellt General Wrangel fest, dass man in Wasserburg &#039;&#039;„ohne Anwendung vieler Zeith und sonderlicher Ceremonien nit hineinkommen khönte“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernst Höfer, Das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Strategie und Kriegsbild, 1997, 301.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Seiten der Angreifer gab es vermutlich etwa 500 Tote und Gefangene.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 641.&amp;lt;/ref&amp;gt; Über die Verluste der Verteidiger schweigen die Quellen, vermutlich aber waren sie deutlich geringerer als die der Belagerer. Auch die Gebäudeschäden durch die schwedischen und französischen Geschütze hielten sich in Grenzen. Am 18. Juni 1648 zogen die feindlichen Truppen innabwärts und versuchten in Mühldorf den Inn zu überschreiten. Hier scheiterte man außer am Widerstand der Verteidiger vor allem an dem durch starken Regen hoch angestiegenen Inn. In der Folge zogen sich Schweden und Franzosen nach Norden zurück. Anfang August wurden die Soldaten aus Wasserburg abgezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Wildgruber, Wasserburg im Tagebuch der Äbtissin Haidenbucher von Frauenchiemsee 1609–1648, in: Heimat am Inn 10 (1990), 157–200, hier 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 24. Oktober 1648 endete der Dreißigjährige Krieg mit der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens. Neben der Angst vor Plünderung und Zerstörung der Stadt waren von Ende Mai bis Anfang August 1648 Einquartierungen und Schanzarbeiten die größten Belastungen für die Bewohner Wasserburgs. Besonders im Juni war die Stadt voll von Soldaten, die neben ihrem Sold auch Unterkunft und Verpflegung beanspruchten. Trotz diesen Verhältnissen waren die Belastungen des Jahres 1648 verglichen mit den Bürden, die der Wasserburger Bevölkerung in den Kriegsjahren 1632 – 1634 auferlegt waren, gering. Zwar wurde Wasserburg im letzten Kriegsjahr erstmals belagert, doch dies nur für drei Tage. Während die Stadt im Jahr 1648 etwa zweieinhalb Monate Einquartierungslasten zu tragen hatte, waren es zwischen 1632 und 1634 fast zweieinhalb Jahre. Kurfürst Maximilian I. stellte der Stadt Wasserburg als Belohnung für ihre Entbehrungen und die Verteidigung der Innlinie am 16. Januar 1649 ein Ehrendiplom aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Wasserburg im Tagebuch der Äbtissin Haidenbucher (wie Anm. 55), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ferner erhielt die Stadt das Recht zur Getreideschranne.&amp;lt;ref&amp;gt;Kirmayer, Chronik der Stadt Wasserburg a. Inn (wie Anm. 41), 1649.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg&amp;diff=1485</id>
		<title>Dreißigjähriger Krieg</title>
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		<updated>2019-02-22T09:02:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dreißigjähriger Krieg (1618 – 1648) – Die sozialen Folgen für die Bevölkerung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg brachte unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in Wasserburg. Die sozialen Folgen im Vergleich mit Rosenheim, Mühldorf und Trostberg. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes „local History &amp;amp; History of Arts“ der Stadt Wasserburg am Inn, 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einquartierungen, Schikanen der beherbergten Regimenter, Kriegskontributionen und Seuchen bestimmten den Alltag der Menschen – auch in den über weite Strecken nicht unmittelbar von Kampfhandlungen betroffenen Städten wie Wasserburg am Inn. Denn die vermeintlich eigenen, die kaiserlichen und bayerischen Truppen plünderten und mordeten kaum weniger als die feindliche Soldateska. 1632 kamen erstmals feindliche Truppen in das Territorium des Kurfürstentums Bayern, wo sie bis zum Jahr 1634 verblieben. In dieser Phase hatte die Wasserburger Bevölkerung massiv unter den indirekten Folgen des Krieges zu leiden. Erst im letzten Kriegsjahr 1648 war das Gebiet am Inn direkt von Feindeinwirkung betroffen und es bestand die Gefahr, dass Schweden und Franzosen den Inn überschreiten, um nach Österreich vorzudringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, 1998, 1081.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Phase wurde Wasserburg drei Tage von Schweden und Franzosen belagert. Der schwedisch-französische Vormarsch fand in Wasserburg seine Grenze und der Inn wurde für Habsburg zum rettenden Schutzwall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedische Krieg (1632 – 1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. April 1632 kam der Dreißigjährige Krieg nach Bayern, als Gustav Adolf&amp;lt;ref&amp;gt;Marcus Junkelmann, Gustav Adolf (1594–1632). Schwedens Aufstieg zur Großmacht, 1993.&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Rain am Lech den Flussübergang erzwang. In den folgenden Wochen konnte er Augsburg, Landshut und Freising erobern und am 17. Mai in München einziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Göran Rystad, Die Schweden in Bayern während des Dreißigjährigen Krieges, in: Hubert Glaser (Hg.), Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst. Band II/1, 1980, 424–435, hier 425.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nun bestand für Wasserburg erstmals im Krieg direkte Gefahr, denn es war das Kriegsziel Gustav Adolfs, das habsburgische Erbland anzugreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg im Dreißigjährigen Krieg 1632–1634, 1986, 14–15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der undurchsichtigen strategischen Lage zog Gustav Adolf allerdings am 7. Juni 1632 mit der Hauptmacht seines Heeres von München Richtung Augsburg ab. Dennoch war die Sorge der Bevölkerung östlich des Inns groß. Maria Magdalena Haidenbucher, Äbtissin von Frauenwörth, vermerkte in ihrem Tagebuch, dass &#039;&#039;„Sich aber Jeder man besorgt hat. es mechte sich villeicht die schwedische Macht ersterckhen vnd auf waserburg khumben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Maria Magdalena Haidenbucher, Geschicht Buech de Anno 1609 biß 1650. Das Tagebuch der Maria Magdalena Haidenbucher (1576–1650), Äbtissin von Frauenwörth, hg. v. Gerhard Stalla, 1988, 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar drangen schwedische Truppen in den nächsten Wochen noch weiter nach Osten vor, doch handelte es sich dabei nur um kleine, streifende Reitertrupps, die der befestigten Stadt Wasserburg nicht gefährlich werden konnten. Grundsätzlich sind die Sorgen der Äbtissin Haidenbucher nachvollziehbar. Der Inn und insbesondere Wasserburg war ein Schutzwall für die Gebiete östlich davon, damit auch für das Gebiet um den Chiemsee. Würde der Feind den Inn überschreiten, wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Kloster Frauenwörth im Chiemsee von der feindlichen Soldateska geplündert würde. Im November 1632 fiel Gustav Adolf bei Lützen. Die Kämpfe seiner Nachfolger mit den kaiserlich-bayerischen Truppen zogen sich über Monate hin und verwüsteten das Kurfürstentum schrecklich.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 426–427.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im letzten Jahresviertel 1633 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen wieder intensiver. Da der bayerische Kurfürst Maximilian I. nicht absehen konnte, wie weit die feindlichen Truppen nach Osten vordringen würden, befahl er vorsorglich, die Innlinie an den Standorten Wasserburg, Braunau, Schärding und Passau zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Juni 1634 gelang es kaiserlich-bayerischen Truppen, das von Schweden besetzte Regensburg zu erobern. Nach der schweren Niederlage der Schweden am 6. September 1634 bei Nördlingen konnte Bayern von der schwedischen Besatzung befreit werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 427–433.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einquartierungen == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Brief vom 24. Mai 1632.jpg|200px|thumb|right|Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Invasion Gustav Adolfs begann für die Wasserburger Bevölkerung eine von Drangsalen und Entbehrungen geprägte zweieinhalbjährige Leidenszeit. Das zunächst nur aus Landvolk&amp;lt;ref&amp;gt;Kriegsdienst leistende Bauern und Bürger.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus den umliegenden Gerichten bestehende Verteidigungskontingent wurde Ende April durch kaiserlich-bayerische Soldaten verstärkt. In den folgenden Monaten waren permanent Soldaten einquartiert, für die Verpflegung aus der Bevölkerung aufgebracht werden musste. Hinzu kam die Versorgung der Pferde mit Hafer, Heu und Stroh. Vermutlich mussten die rund 1.000 Wasserburger einer etwa gleichen Anzahl an Soldaten samt Gefolge Unterkunft und Verpflegung bieten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben den Familien der Soldaten und den Dienern der Offiziere war im Dreißigjährigen Krieg marodierendes Gesindel Teil des Trosses. Die Gefolgschaft der Truppen führte dazu, dass sich die unterzubringende und zu verpflegende Zahl von Menschen verdoppelte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siegfried Fiedler, Kriegswesen und Kriegsführung im Zeitalter der Landsknechte, 1985, 162.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Brief vom 21. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 21. Mai 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“).&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten Bürgermeister und Rat dem Kurfürsten von 1.250 Einquartierten. Der Rat beschwert sich, dass &#039;&#039;„die arme burgerschafft […] den geworbnen essen und trinkhen raichen“&#039;&#039; solle. Es wird argumentiert, dass die Bürger den Soldaten nichts schuldig wären und sich die Einquartierten Essen und Trinken von ihrem Monatssold kaufen sollten. &#039;&#039;„Ligerstatt, holz, licht unnd salz“&#039;&#039; werden hingegen gehorsam bereitgestellt. Am 24. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam aus Salzburg eine kurze Antwort des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. auf die Beschwerde des Rats der Stadt Wasserburg, in der er mitteilte, dass die &#039;&#039;„notturfft“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Existenzminimum.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Soldaten sichergestellt werden musste. In einem weiteren Brief teilten die kurfürstlichen Räte der Stadt mit, dass die Bürger froh sein sollten, dass sie die Soldaten nicht bezahlen mussten. Hinzu kommt, dass &#039;&#039;„dise einquartierung der soldaten zu euhrer burgerschafft und der ihrigen defension und beschuzung maistens gemaint und angesechen is.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der kurfürstlichen Räte vom 5. Juni 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tagesrationen für die Soldaten wurden vom Kurfürsten per  Befehl festgelegt: Jeder Soldat sollte täglich zweieinhalb Pfund Brot, eineinhalb Pfund Fleisch und zwei Maß Bier erhalten. Es verwundert kaum, dass die Bürgerschaft bei der Anzahl an Soldaten, deren Gefolge und den Pferden, die täglich versorgt werden mussten, über den kurfürstlichen Befehl nicht erfreut war. Daher schließen Bürgermeister und Rat den Brief mit der Bitte, &#039;&#039;„daß den soldaten ihre monatsold richtig bezalt [wird], darmit sie inen die notturfft essen und trinkhen selbs khauffen mögen, oder ein provianthaus lassen aufrichten, daraus inen die rationes täglich geraicht werden.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 8. Juni 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob diese Bittschriften große Wirkung auf Maximilian hatten, ist zumindest fragwürdig. Beschwerden und Klagen über die Belastungen durch Einquartierungen wird der Kurfürst aus vielen Städten und Märkten erhalten haben. Doch gab es zu einer Versorgung der Soldateska durch die Bürger keine Alternative. Daher blieb Maximilian I. oft nichts anderes übrig, als die Hilferufe seines Volkes zu ignorieren oder es zu vertrösten. Im November 1632 erreichte die Stadt Wasserburg ein kurfürstlicher Befehl, der die Not der Bevölkerung noch größer werden ließ. Bisher versuchte Maximilian I. die Räte der Stadt Wasserburg dadurch zu beschwichtigen, dass die Bürger die Soldaten nur verpflegen und nicht bezahlen müssten. Ende des Jahres mussten die Wasserburger zusätzlich die Besoldung der Truppen übernehmen. Durch eine Zusammenfassung der Belastungen der letzten Monate versucht der Rat der Stadt Wasserburg den Kurfürsten davon zu überzeugen, die Stadt und die Bürgerschaft von der Besoldung der Soldaten zu verschonen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Maximilian I. von Bayern.jpg|200px|thumb|right|Maximilian I. von Bayern (1573 – 1651)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was hiesige arme burgerschafft von denen in quarnison gelegnen reitern und fueskhnechten, auch willen starckhen durchzigen […] darbei gmainer statt unnd der burgerschafft mit essen und trinkhen, erkhauffung habern, hey unnd srey&amp;lt;ref&amp;gt;Hafer, Heu und Stroh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, sambt andern ausgaben, yber disß was selbigen destruirt und entwendet worden, in die 20 oder mehr tausent gulden aufganngen“.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 15. Dezember 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nicht nachvollziehen, ob die Spesen der Bürger tatsächlich 20.000 Gulden oder mehr betrugen. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass der wirtschaftliche Schaden im Dezember 1632 nach über siebenmonatiger Einquartierung für die Stadt und vor allem für die Bürger enorm gewesen sein muss. Den Winter 1632/1633 wollte Maximilian zur Auffüllung seiner dezimierten Truppen nutzen. Als Rekrutierungsplätze eigneten sich die vom Krieg bisher verschonten Gebiete am Inn. So kam zu der Unterbringung der bereits in Wasserburg liegenden Truppen nun die Verpflegung der neu rekrutierten Soldaten hinzu. Neben dem schon länger in Wasserburg liegenden Regiment kamen im Januar 1633 zusätzliche 1.000 Mann und 100 Pferde. Insgesamt mussten also deutlich mehr Soldaten versorgt werden, als Bürger in der Stadt waren. Die Quartierlasten setzten sich auch im Kriegsjahr 1634 fort. Zu der Last der Einquartierung  und Verpflegung der Soldaten kamen Schikanen und Gewaltdelikte der Soldateska. Zudem wurde mit Plünderungen gedroht, wenn sich die Bürger gegen die Soldaten auflehnen würden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 12. April 1634 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mitte Juli 1634 verschlimmerte sich die Lage weiter, denn die Schweden drangen von Augsburg nach Osten vor und eroberten am 22. Juli Landshut. Zu den bereits existierenden Bedrückungen kam nun zusätzlich die Last der Verteidigung. Konkret bedeutete dies eine weitere Zunahme der Einquartierungen an kaiserlichen und bayerischen Soldaten sowie die Pflicht zu Scharwerksdiensten. Die Julitage zwischen dem Verlust Landshuts an die Schweden und die Rückeroberung Regensburgs durch die Kaiserlichen brachten Wasserburg die letzten hohen Einquartierungslasten in den Kriegsjahren 1632 – 1634.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 139.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einem Dokument vom 24. Juli 1634 ist zu entnehmen, dass 647 Soldaten untergebracht werden mussten. Hinzu kam das Gefolge der Soldateska, bestehend aus 179 Frauen, 83 Kindern und 111 Dienerinnen und Dienern. Darüber hinaus brachten sie über 200 Pferde mit, die versorgt werden mussten. Für den Monatssold der Offiziere und Soldaten sowie die Futterkosten für die Pferde veranschlagte die Stadtkammer 6.571 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 141.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erschwerend hinzu kam die drangvolle Enge, mit der Wasserburg durch die Einquartierungen konfrontiert war. Für die rund 1.000 Bürger und eine ebenso große Menge an Soldaten samt Tross gab es wegen des umlaufenden Flusses keine Ausweichmöglichkeiten. Zwar liegen über die sanitären Verhältnisse keine Berichte vor, doch mussten diese in einer mit Menschen überfüllten Stadt im Dreißigjährigen Krieg katastrophal gewesen sein. Vor dem Hintergrund der schlechten hygienischen Verhältnisse und der mangelnden medizinischen Versorgung verwundert es kaum, dass sich Krankheiten und Seuchen wie die Pest in Wasserburg schnell ausbreiten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Liste vom 24. Juli 1634.jpg|200px|thumb|right|Liste vom 24. Juli 1634]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Scharwerksdienste und Schanzarbeiten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. April 1632, zwei Tage nachdem Gustav Adolf den Lech überquerte, kam der Befehl von Kurfürst Maximilian, die Befestigungsanlagen in Wasserburg zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies zeigt die Bedeutung der Stadt Wasserburg und des Inns als Schutzwall für das Land östlich davon. Für die Verstärkung der Befestigungsanlagen wurden Scharwerksdienste eingefordert, die für die Bevölkerung eine besonders große Belastung darstellten, da die Bürger grundsätzlich verpflichtet waren, diese Arbeit umsonst zu verrichten. Neben den Schanzarbeiten an der Festung in Wasserburg waren Scharwerksfuhren eine zusätzliche kriegsbedingte Last für die Bevölkerung der Innstadt. Maximilian I. echauffiert sich in einem an die Stadt Wasserburg gerichteten Brief&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 3. November 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; über die Weigerung der Wasserburger, Scharwerksfuhren nach München zu tätigen. Es sollten zwei Kartaunen und drei Haubitze&amp;lt;ref&amp;gt;Schwere Geschütze des 16. und 17. Jahrhunderts.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach München gebracht werden. Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg  argumentierten daraufhin, dass die Bürger durch Getreidefuhren und Scharwerksfuhren zum Ausbau der Befestigungsanlagen in Wasserburg bereits ausgelastet seien.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 5. November 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Kriegsjahr 1633 war eine stark befestigte Stadt Wasserburg für den Kurfürsten von großer Bedeutung, da die Schweden den Inn bei Wasserburg aufgrund der natürlichen Lage der Halbinsel nur nach einer Einnahme der Stadt hätten überschreiten können. Daher befahl Maximilian I. das &#039;&#039;„angefangene fortificationswesen&amp;lt;ref&amp;gt;Befestigungswesen.&amp;lt;/ref&amp;gt; […] forthsezen zelassen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 1. März 1633 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dem Argument, dass diese Arbeiten zur &#039;&#039;„defenßion des vatterlandts“&#039;&#039; beitragen, versucht der Kurfürst an die Vaterlandsliebe der Bevölkerung zu appellieren. Da Patriotismus alleine womöglich nicht ausreicht, um die Bürger für die unbeliebte Scharwerksarbeit&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.)/Andreas Kraus (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Zweiter Band. Das Alte Bayern. Der Territorialstaat vom Ausgang des 12. Jahrhunderts bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. 2., überarbeitete Auflage, 1988, 741.&amp;lt;/ref&amp;gt;  zu motivieren, folgt zum Schluss des Briefes eine Drohung: &#039;&#039;„Solten wir aber erfahren, das die underthannen sich fahrlessig ungehorsam und widersessig […] erzaigen sollen, so wollen wir gegen solchen ungehorsamen wolempfindtliche straff vornemmen“&#039;&#039;. Neben einer Zunahme der Einquartierungen hatte die Eroberung Landshuts durch die Schweden am 22. Juli 1634 auch zur Folge, dass die Bürger Wasserburgs erneut zu Scharwerksdiensten und Schanzarbeiten verpflichtet wurden. Durch einen Ausbau der Festung sollte Wasserburg uneinnehmbar gemacht und ein möglicher Vorstoß der Schweden am Inn gestoppt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegskontributionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Brief vom 17. März 1633.jpg|200px|thumb|right|Brief des Kurfürsten vom 17. März 1633 an die Stadt Wasserburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Belastungen durch die Einquartierungen und Scharwerks- und Schanzarbeiten brachte das Jahr 1633 noch die Einführung einer Kriegssteuer mit sich. Kurfürst Maximilian I. sah sich in Folge des entbehrungsreichen Jahres 1632 veranlasst, eine allgemeine Kontribution zu erheben. Grundlage der Kriegssteuer war ein kurfürstliches Mandat vom 10. Januar 1633. Um das Kurfürstentum verteidigen zu können, sei es nötig, &#039;&#039;„daß auch alle die jenige, welche solcher defension, und beschutzung geniessen, unndt im landt gesessen seyn […] zu fortsetzung und erhaltung solchen gemainnutzigen defensionwercks, darzu gehörigen mittln und unkosten […] das ihrige beysetzen und zuschiessen“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kurfürstliches Mandat vom 10. Januar 1633, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Kriegssteuer wurde nicht nur von der Stadt, sondern auch von den Bürgern eingetrieben. Sie mussten, ungeachtet ob sie bedürftig oder vermögend waren, von 100 Gulden ihres ganzen Vermögens monatlich drei Kreuzer entrichten. Mit dem Hinweis auf die permanenten Einquartierungen von kaiserlichen Soldaten versuchte die Stadt Wasserburg vergeblich eine Befreiung von der Kriegssteuer zu erwirken.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 8. Februar 1633 an den Pfleger von Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 17. März 1633&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 17. März 1633 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; erreichte Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg ein Schreiben des Kurfürsten, in dem Maximilian I. mit Missfallen feststellte, dass die Stadt dem &#039;&#039;„hochnothwendige[n] contribution wesen bißhero nicht mit schuldigstem vleiß und eiffer“&#039;&#039; nachgegangen sei. Es folgt ein dringender Befehl, die Kriegssteuer in Zukunft zu entrichten. Aus einem Brief des Rates der Stadt Wasserburg an den Kurfürsten ist zu entnehmen, dass der Stadt durch den Pfleger mitgeteilt worden sei, dass zur Verpflegung der Soldateska monatlich 2.150 Gulden aufgebracht werden müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 11. Februar 1634 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Summe könne von der verarmten Bürgerschaft nicht eingetrieben werden. In einem Befehl vom 15. Februar 1634 an den Pfleger zu Wasserburg legte Maximilian I. die monatliche Kriegssteuer für Wasserburg auf 1.457 Gulden fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 15. Februar 1634 an den Pfleger von Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Bauernaufstand (1633/1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Bürger der Stadt Wasserburg, auch die Bauern in den umliegenden Gebieten waren von den indirekten Folgen des Krieges und dabei insbesondere von den Einquartierungen betroffen. Ihre Wut über die Plünderungen der kaiserlichen und ligistischen Truppen entlud sich im Bauernaufstand von 1633/1634.&amp;lt;ref&amp;gt;Sigmund von Riezler, Der Aufstand der bayerischen Bauern im Winter 1633 auf 1634, 1901, 33–95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Soldaten lagen im Winterlager. Da Unterbringung und Verpflegung der Truppen in den stark vom Krieg betroffenen Gebieten zwischen Lech und Isar kaum möglich war, musste die Bevölkerung in den Landgerichten zwischen Isar und Salzach die Regimenter aufnehmen. Dabei scheinen die Städte, Märkte und Dörfer am Inn bevorzugt als Lagerplätze ausgewählt worden zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Haidenbucher, Geschicht Buech (wie Anm. 6), 106.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auslöser des Aufstandes war die Weigerung der Bauern am 3. Dezember 1633 im Gericht Kling, Scharwerksfuhren zum Transport schwedischer Gefangener zu leisten. Einen Tag später versammelte sich eine große Anzahl bewaffneter Bauern vor Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 99.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kurfürst Maximilian I. entschloss sich, zunächst Milde walten zu lassen und versuchte die Bauern zu beschwichtigen, was nicht gelang. In den ersten Tagen des Jahres 1634 drohte die Situation zu eskalieren. Westlich und östlich des Inns hatten sich Tausende von bewaffneten Bauern versammelt. In der Stadt Wasserburg lagen nach wie vor einige Hundert Soldaten in ihren Quartieren. Ein Aufeinandertreffen der beiden Parteien wäre für die Stadt Wasserburg katastrophal gewesen. Der Kurfürst entschloss sich, den Bauern entgegenzukommen und die Gebiete östlich des Inns zu von Einquartierungen zu verschonen. Die Bevölkerung westlich des Flusses musste der Soldateska weiterhin Unterkunft und Verpflegung bieten. Was den Kurfürsten dazu bewog, statt der durch den Krieg stärker betroffenen Bevölkerung westlich des Inns die Menschen östlich des Flusses zu entlasten, bleibt unklar. Dass der Aufstand unter diesen Umständen nicht ohne Blutvergießen zu Ende gehen konnte, war abzusehen. Am 18. Januar 1634 kam es bei Ebersberg zu einem Aufeinandertreffen von Bauern und Soldaten, bei dem etwa 200 Bauern umkamen. Das von den Bürgern und dem Rat befürchtete Aufeinandertreffen der Bauern und der Soldateska in Wasserburg blieb aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Pest (1634/1635) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pest drang vom Westen her in das Kurfürstentum Bayern ein und erreichte Mitte August 1634 München. Was den Schweden in den zurückliegenden Jahren nicht gelang, das schaffte die Pest: Sie erreichte den Inn und verlangte der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten große Opfer ab. Die ersten Pesttoten gab es in Wasserburg im Oktober 1634, ab November grassierte die Seuche gnadenlos in der Stadt am Inn und erreichte Ende des Monats ihren Höhepunkt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 168.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Rat fasste zahlreiche Beschlüsse mit dem Ziel, die Krankheit aufzuhalten. So wurden Erkrankte unter Quarantäne gestellt und mit Medikamenten wie Aloe, Olivenöl oder Zitrone behandelt, doch konnten diese kaum einen Betroffenen retten. Die Verzweiflung der Wasserburger über die nicht aufzuhaltende Pest zeigt sich in dem Pestgelübde vom 8. Dezember 1634. In diesem erkannten die Wasserburger die Seuche als gerechte Strafe Gottes für ihre Sünden an und baten Gott um Befreiung von der Pest. Dafür versprachen sie, die Pfarrkirche [[St. Jakob]] zu renovieren, womit sie schon im Jahr 1635 begannen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gerhard Skrabal, Geschichte der Stadtpfarrei St. Jakob zu Wasserburg am Inn, 1962, 21–22.&amp;lt;/ref&amp;gt; An das Pestgelübde erinnert eine 1653 gefertigte Votivtafel, die heute noch in der Sebastianskapelle der Pfarrkirche zu sehen ist. Im Januar 1635, als die Wasserburger das Schlimmste überstanden hatten, vermerkt Maria Magdalena Haidenbucher in ihrem Tagebuch, dass die Pest &#039;&#039;„auch zu wasserburg starkh ein griffen. [und] dz manichen dag bey hundert menschen gestorben“&#039;&#039; sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Haidenbucher, Geschicht Buech (wie Anm. 6), 109.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wasserburg hatte etwa 1.000 Bewohner. Wenn an einigen Tagen hundert Menschen der Pest zum Opfer gefallen wären, wäre die Stadt nach der Pestwelle menschenleer gewesen, was sie aber nicht war. Auch in der Forschungsliteratur&amp;lt;ref&amp;gt;Skrabal, Geschichte der Stadtpfarrei St. Jakob (wie Anm. 39), 21./ Martin Geiger, Wasserburg a. Inn. Ein geschichtlicher Abriß, in: Heimat am Inn 1 (1980), 10./ Josef Kirmayer, Chronik der Stadt Wasserburg a. Inn. Band 5, 1630–1679, 1957 (unveröffentlichtes, im Stadtarchiv Wasserburg aufbewahrtes, handschriftliches Manuskript), 1634 (aufgrund fehlender Seitenangaben in dem Manuskript wird als Nachweis die Jahreszahl angegeben, unter der die Informationen in Kirmayers Chronik verzeichnet sind)./ Josef Kirmayer, Wasserburg a. Inn, in: Erich Keyser/Heinz Stoob (Hg.), Bayerisches Städtebuch. Teil 2, 1974, 718–722, hier 718.&amp;lt;/ref&amp;gt; unterscheidet sich die angesetzte Anzahl der Pestopfer. Am realistischsten ist vermutlich die Schätzung von rund 500 durch die Pest gestorbenen Stadtbewohnern.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 180.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es sollte ungefähr 65 Jahre dauern, bis in Wasserburg wieder so viele Menschen lebten wie vor der Pestwelle von 1634/1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedisch-französische Krieg (1635 – 1648) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg über die Schweden bei Nördlingen am 6. September 1634 war der Krieg noch nicht vorbei. Die Franzosen traten an die Seite der Schweden in den Krieg ein und leiteten damit die letzte und längste Phase des Dreißigjährigen Krieges ein. Bis zu seinem Tod in der Schlacht bei Alerheim am 3. August 1645 gelang es General Mercy, den Feind von Bayern fernzuhalten. Da deshalb keine oder nur sehr wenige kaiserlich-ligistische Soldaten im südöstlichen Teil des Kurfürstentums einquartiert werden mussten, konnten sich Wasserburg und andere durch die Kriegslasten der Jahre 1632 – 1634 stark betroffenen Orte am Inn regenerieren. Im August 1646 vereinigten sich die französische und schwedische Armee und zogen mit ganzer Macht auf Bayern. Aufgrund der nahen Feindesgefahr zog sich der Kurfürst im September 1646 mit seinem Hofstaat nach Wasserburg zurück. Zudem leitete er, mit Hilfe eines eigens dafür angefertigten riesenhaften Plans des Innstroms, Maßnahmen zum Schutz der Verteidigungslinie am Inn ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Kirmayer, Chronik der Stadt Wasserburg a. Inn. (wie Anm. 41), 1646.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Land zwischen Lech, Isar und Donau wurde in den folgenden Wochen noch schonungsloser verwüstet als bei dem ersten Feindeseinfall 1632.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 433.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass für Wasserburg 1646 keine direkte Feindesgefahr bestand, lag an der politisch begründeten Weigerung des französischen Feldmarschalls Turenne, dem Plan des schwedischen Generals Wrangel folgend, die Isar bei Freising zu überqueren, um das östliche Bayern zu verheeren.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 602–603.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der befestigten Stadt Wasserburg blieb Maximilian I. rund sieben Monate. Die Entscheidung Maximilians für Wasserburg unterstreicht die Bedeutung der Stadt am Inn. Aufgrund ihrer durch den Inn und die Steilufer natürlich gesicherten Lage, aber auch wegen der durch die Schanzarbeiten von 1632 – 1634 gut ausgebauten Befestigungsanlage, konnte sich der Kurfürst in Wasserburg sicher fühlen. Zudem bestünde bei Feindesgefahr die Möglichkeit, von Wasserburg aus in das noch sicherere Burghausen oder über den Inn in die habsburgischen Erblande zu flüchten. Mit der Unterzeichnung des Ulmer Waffenstillstandes&amp;lt;ref&amp;gt;Gerhard Immler, Kurfürst Maximilian I. und der Westfälische Friedenskongreß. Die bayerische auswärtige Politik von 1644 bis zum Ulmer Waffenstillstand (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der neueren Geschichte, Band 20), 1992, 398–487.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf dem Schloss zu Wasserburg am 14. März 1647 trennte sich Maximilian I. von Kaiser Ferdinand III&amp;lt;ref&amp;gt;Mark Hengerer, Kaiser Ferdinand III. (1608–1657). Eine Biographie (Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs, Band 107), 2012.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwar brachte der Waffenstillstand Bayern für einige Monate Frieden mit Schweden und Franzosen und der Kurfürst konnte in seine Residenzstadt zurückkehren, doch fiel ihm der Entschluss zur Abkehr von seinem Verbündeten außerordentlich schwer.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 612.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im September 1647 kündigte Maximilian I. den Ulmer Waffenstillstand und schloss sich erneut dem Kaiser an. Der bayerischen Bevölkerung brachte diese Entscheidung  im letzten Kriegsjahr noch einmal großes Leid, da sich die Schweden an den Bayern für die Aufkündigung des Waffenstillstands rächen wollten.&amp;lt;ref&amp;gt;Albrecht, Maximilian I. von Bayern (wie Anm. 2), 1080.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Die Belagerung Wasserburgs.jpg|200px|thumb|right|Caspar Merian: Die Belagerung Wasserburgs]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. Mai 1648 wurden die kaiserlich-bayerischen Truppen bei Zusmarshausen von dem schwedisch-französischen Heer besiegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Albrecht, Maximilian I. von Bayern (wie Anm. 2), 1080.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den folgenden Wochen konnten Schweden und Franzosen Lech und Isar ohne größeren Widerstand passieren. Dabei wurde Bayern bis zum Inn verwüstet und geplündert. Nach Überschreitung der Isar, war es das nächste Ziel der feindlichen Truppen, den Inn zwischen Rosenheim, Wasserburg und Mühldorf zu passieren. Im Juni 1648 zogen Schweden und Franzosen &#039;&#039;„mit fölliger Macht auf wasserburg an den Jstromb [Innstrom]“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Haidenbucher, Geschicht Buech (wie Anm. 6), 161.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um die Stadt und die Innlinie zu verteidigen, zog der Kurfürst vor und in Wasserburg etwa 2.500 Soldaten zusammen. Maximilian I. ahnte wohl, dass es das strategische Ziel der Schweden und Franzosen war, den Innübergang zu erzwingen und in das habsburgische Erbland vorzustoßen, als er schrieb, wenn &#039;&#039;„auch dieser Fluß nicht verteidigt werden [könne] […] so würde sich bis zum adriatischen Meer keiner mehr finden, den man defendiren könnte“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 641.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 15. Juni 1648 trafen Schweden und Franzosen vor der westlich des Inns liegenden Stadt Wasserburg auf erbitterten Widerstand der Verteidiger. Am 16. Juni begannen die Belagerer die Beschießung der Stadt. Dass der Feind nach zweitägiger Beschießung der Stadt und unter großen Verlusten die Belagerung aufgab, lässt sich vermutlich mit der natürlich gesicherten Lage der Halbinsel und der stark befestigten Verteidigungsanlage erklären. Resigniert stellt General Wrangel fest, dass man in Wasserburg &#039;&#039;„ohne Anwendung vieler Zeith und sonderlicher Ceremonien nit hineinkommen khönte“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernst Höfer, Das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Strategie und Kriegsbild, 1997, 301.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Seiten der Angreifer gab es vermutlich etwa 500 Tote und Gefangene.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 641.&amp;lt;/ref&amp;gt; Über die Verluste der Verteidiger schweigen die Quellen, vermutlich aber waren sie deutlich geringerer als die der Belagerer. Auch die Gebäudeschäden durch die schwedischen und französischen Geschütze hielten sich in Grenzen. Am 18. Juni 1648 zogen die feindlichen Truppen innabwärts und versuchten in Mühldorf den Inn zu überschreiten. Hier scheiterte man außer am Widerstand der Verteidiger vor allem an dem durch starken Regen hoch angestiegenen Inn. In der Folge zogen sich Schweden und Franzosen nach Norden zurück. Anfang August wurden die Soldaten aus Wasserburg abgezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Wildgruber, Wasserburg im Tagebuch der Äbtissin Haidenbucher von Frauenchiemsee 1609–1648, in: Heimat am Inn 10 (1990), 157–200, hier 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 24. Oktober 1648 endete der Dreißigjährige Krieg mit der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens. Neben der Angst vor Plünderung und Zerstörung der Stadt waren von Ende Mai bis Anfang August 1648 Einquartierungen und Schanzarbeiten die größten Belastungen für die Bewohner Wasserburgs. Besonders im Juni war die Stadt voll von Soldaten, die neben ihrem Sold auch Unterkunft und Verpflegung beanspruchten. Trotz diesen Verhältnissen waren die Belastungen des Jahres 1648 verglichen mit den Bürden, die der Wasserburger Bevölkerung in den Kriegsjahren 1632 – 1634 auferlegt waren, gering. Zwar wurde Wasserburg im letzten Kriegsjahr erstmals belagert, doch dies nur für drei Tage. Während die Stadt im Jahr 1648 etwa zweieinhalb Monate Einquartierungslasten zu tragen hatte, waren es zwischen 1632 und 1634 fast zweieinhalb Jahre. Kurfürst Maximilian I. stellte der Stadt Wasserburg als Belohnung für ihre Entbehrungen und die Verteidigung der Innlinie am 16. Januar 1649 ein Ehrendiplom aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Wasserburg im Tagebuch der Äbtissin Haidenbucher (wie Anm. 55), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ferner erhielt die Stadt das Recht zur Getreideschranne.&amp;lt;ref&amp;gt;Kirmayer, Chronik der Stadt Wasserburg a. Inn (wie Anm. 41), 1649.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<title>Dreißigjähriger Krieg</title>
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&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dreißigjähriger Krieg (1618 – 1648) – Die sozialen Folgen für die Bevölkerung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg brachte unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in Wasserburg. Die sozialen Folgen im Vergleich mit Rosenheim, Mühldorf und Trostberg. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes „local History &amp;amp; History of Arts“ der Stadt Wasserburg am Inn, 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einquartierungen, Schikanen der beherbergten Regimenter, Kriegskontributionen und Seuchen bestimmten den Alltag der Menschen – auch in den über weite Strecken nicht unmittelbar von Kampfhandlungen betroffenen Städten wie Wasserburg am Inn. Denn die vermeintlich eigenen, die kaiserlichen und bayerischen Truppen plünderten und mordeten kaum weniger als die feindliche Soldateska. 1632 kamen erstmals feindliche Truppen in das Territorium des Kurfürstentums Bayern, wo sie bis zum Jahr 1634 verblieben. In dieser Phase hatte die Wasserburger Bevölkerung massiv unter den indirekten Folgen des Krieges zu leiden. Erst im letzten Kriegsjahr 1648 war das Gebiet am Inn direkt von Feindeinwirkung betroffen und es bestand die Gefahr, dass Schweden und Franzosen den Inn überschreiten, um nach Österreich vorzudringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, 1998, 1081.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Phase wurde Wasserburg drei Tage von Schweden und Franzosen belagert. Der schwedisch-französische Vormarsch fand in Wasserburg seine Grenze und der Inn wurde für Habsburg zum rettenden Schutzwall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedische Krieg (1632 – 1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. April 1632 kam der Dreißigjährige Krieg nach Bayern, als Gustav Adolf&amp;lt;ref&amp;gt;Marcus Junkelmann, Gustav Adolf (1594–1632). Schwedens Aufstieg zur Großmacht, 1993.&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Rain am Lech den Flussübergang erzwang. In den folgenden Wochen konnte er Augsburg, Landshut und Freising erobern und am 17. Mai in München einziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Göran Rystad, Die Schweden in Bayern während des Dreißigjährigen Krieges, in: Hubert Glaser (Hg.), Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst. Band II/1, 1980, 424–435, hier 425.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nun bestand für Wasserburg erstmals im Krieg direkte Gefahr, denn es war das Kriegsziel Gustav Adolfs, das habsburgische Erbland anzugreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg im Dreißigjährigen Krieg 1632–1634, 1986, 14–15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der undurchsichtigen strategischen Lage zog Gustav Adolf allerdings am 7. Juni 1632 mit der Hauptmacht seines Heeres von München Richtung Augsburg ab. Dennoch war die Sorge der Bevölkerung östlich des Inns groß. Maria Magdalena Haidenbucher, Äbtissin von Frauenwörth, vermerkte in ihrem Tagebuch, dass &#039;&#039;„Sich aber Jeder man besorgt hat. es mechte sich villeicht die schwedische Macht ersterckhen vnd auf waserburg khumben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Maria Magdalena Haidenbucher, Geschicht Buech de Anno 1609 biß 1650. Das Tagebuch der Maria Magdalena Haidenbucher (1576–1650), Äbtissin von Frauenwörth, hg. v. Gerhard Stalla, 1988, 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar drangen schwedische Truppen in den nächsten Wochen noch weiter nach Osten vor, doch handelte es sich dabei nur um kleine, streifende Reitertrupps, die der befestigten Stadt Wasserburg nicht gefährlich werden konnten. Grundsätzlich sind die Sorgen der Äbtissin Haidenbucher nachvollziehbar. Der Inn und insbesondere Wasserburg war ein Schutzwall für die Gebiete östlich davon, damit auch für das Gebiet um den Chiemsee. Würde der Feind den Inn überschreiten, wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Kloster Frauenwörth im Chiemsee von der feindlichen Soldateska geplündert würde. Im November 1632 fiel Gustav Adolf bei Lützen. Die Kämpfe seiner Nachfolger mit den kaiserlich-bayerischen Truppen zogen sich über Monate hin und verwüsteten das Kurfürstentum schrecklich.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 426–427.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im letzten Jahresviertel 1633 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen wieder intensiver. Da der bayerische Kurfürst Maximilian I. nicht absehen konnte, wie weit die feindlichen Truppen nach Osten vordringen würden, befahl er vorsorglich, die Innlinie an den Standorten Wasserburg, Braunau, Schärding und Passau zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Juni 1634 gelang es kaiserlich-bayerischen Truppen, das von Schweden besetzte Regensburg zu erobern. Nach der schweren Niederlage der Schweden am 6. September 1634 bei Nördlingen konnte Bayern von der schwedischen Besatzung befreit werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 427–433.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einquartierungen == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Brief vom 24. Mai 1632.jpg|200px|thumb|right|Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Invasion Gustav Adolfs begann für die Wasserburger Bevölkerung eine von Drangsalen und Entbehrungen geprägte zweieinhalbjährige Leidenszeit. Das zunächst nur aus Landvolk&amp;lt;ref&amp;gt;Kriegsdienst leistende Bauern und Bürger.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus den umliegenden Gerichten bestehende Verteidigungskontingent wurde Ende April durch kaiserlich-bayerische Soldaten verstärkt. In den folgenden Monaten waren permanent Soldaten einquartiert, für die Verpflegung aus der Bevölkerung aufgebracht werden musste. Hinzu kam die Versorgung der Pferde mit Hafer, Heu und Stroh. Vermutlich mussten die rund 1.000 Wasserburger einer etwa gleichen Anzahl an Soldaten samt Gefolge Unterkunft und Verpflegung bieten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben den Familien der Soldaten und den Dienern der Offiziere war im Dreißigjährigen Krieg marodierendes Gesindel Teil des Trosses. Die Gefolgschaft der Truppen führte dazu, dass sich die unterzubringende und zu verpflegende Zahl von Menschen verdoppelte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siegfried Fiedler, Kriegswesen und Kriegsführung im Zeitalter der Landsknechte, 1985, 162.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Brief vom 21. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 21. Mai 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“).&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten Bürgermeister und Rat dem Kurfürsten von 1.250 Einquartierten. Der Rat beschwert sich, dass &#039;&#039;„die arme burgerschafft […] den geworbnen essen und trinkhen raichen“&#039;&#039; solle. Es wird argumentiert, dass die Bürger den Soldaten nichts schuldig wären und sich die Einquartierten Essen und Trinken von ihrem Monatssold kaufen sollten. &#039;&#039;„Ligerstatt, holz, licht unnd salz“&#039;&#039; werden hingegen gehorsam bereitgestellt. Am 24. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam aus Salzburg eine kurze Antwort des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. auf die Beschwerde des Rats der Stadt Wasserburg, in der er mitteilte, dass die &#039;&#039;„notturfft“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Existenzminimum.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Soldaten sichergestellt werden musste. In einem weiteren Brief teilten die kurfürstlichen Räte der Stadt mit, dass die Bürger froh sein sollten, dass sie die Soldaten nicht bezahlen mussten. Hinzu kommt, dass &#039;&#039;„dise einquartierung der soldaten zu euhrer burgerschafft und der ihrigen defension und beschuzung maistens gemaint und angesechen is.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der kurfürstlichen Räte vom 5. Juni 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tagesrationen für die Soldaten wurden vom Kurfürsten per  Befehl festgelegt: Jeder Soldat sollte täglich zweieinhalb Pfund Brot, eineinhalb Pfund Fleisch und zwei Maß Bier erhalten. Es verwundert kaum, dass die Bürgerschaft bei der Anzahl an Soldaten, deren Gefolge und den Pferden, die täglich versorgt werden mussten, über den kurfürstlichen Befehl nicht erfreut war. Daher schließen Bürgermeister und Rat den Brief mit der Bitte, &#039;&#039;„daß den soldaten ihre monatsold richtig bezalt [wird], darmit sie inen die notturfft essen und trinkhen selbs khauffen mögen, oder ein provianthaus lassen aufrichten, daraus inen die rationes täglich geraicht werden.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 8. Juni 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob diese Bittschriften große Wirkung auf Maximilian hatten, ist zumindest fragwürdig. Beschwerden und Klagen über die Belastungen durch Einquartierungen wird der Kurfürst aus vielen Städten und Märkten erhalten haben. Doch gab es zu einer Versorgung der Soldateska durch die Bürger keine Alternative. Daher blieb Maximilian I. oft nichts anderes übrig, als die Hilferufe seines Volkes zu ignorieren oder es zu vertrösten. Im November 1632 erreichte die Stadt Wasserburg ein kurfürstlicher Befehl, der die Not der Bevölkerung noch größer werden ließ. Bisher versuchte Maximilian I. die Räte der Stadt Wasserburg dadurch zu beschwichtigen, dass die Bürger die Soldaten nur verpflegen und nicht bezahlen müssten. Ende des Jahres mussten die Wasserburger zusätzlich die Besoldung der Truppen übernehmen. Durch eine Zusammenfassung der Belastungen der letzten Monate versucht der Rat der Stadt Wasserburg den Kurfürsten davon zu überzeugen, die Stadt und die Bürgerschaft von der Besoldung der Soldaten zu verschonen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Maximilian I. von Bayern.jpg|200px|thumb|right|Maximilian I. von Bayern (1573 – 1651)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was hiesige arme burgerschafft von denen in quarnison gelegnen reitern und fueskhnechten, auch willen starckhen durchzigen […] darbei gmainer statt unnd der burgerschafft mit essen und trinkhen, erkhauffung habern, hey unnd srey&amp;lt;ref&amp;gt;Hafer, Heu und Stroh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, sambt andern ausgaben, yber disß was selbigen destruirt und entwendet worden, in die 20 oder mehr tausent gulden aufganngen“.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 15. Dezember 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nicht nachvollziehen, ob die Spesen der Bürger tatsächlich 20.000 Gulden oder mehr betrugen. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass der wirtschaftliche Schaden im Dezember 1632 nach über siebenmonatiger Einquartierung für die Stadt und vor allem für die Bürger enorm gewesen sein muss. Den Winter 1632/1633 wollte Maximilian zur Auffüllung seiner dezimierten Truppen nutzen. Als Rekrutierungsplätze eigneten sich die vom Krieg bisher verschonten Gebiete am Inn. So kam zu der Unterbringung der bereits in Wasserburg liegenden Truppen nun die Verpflegung der neu rekrutierten Soldaten hinzu. Neben dem schon länger in Wasserburg liegenden Regiment kamen im Januar 1633 zusätzliche 1.000 Mann und 100 Pferde. Insgesamt mussten also deutlich mehr Soldaten versorgt werden, als Bürger in der Stadt waren. Die Quartierlasten setzten sich auch im Kriegsjahr 1634 fort. Zu der Last der Einquartierung  und Verpflegung der Soldaten kamen Schikanen und Gewaltdelikte der Soldateska. Zudem wurde mit Plünderungen gedroht, wenn sich die Bürger gegen die Soldaten auflehnen würden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 12. April 1634 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mitte Juli 1634 verschlimmerte sich die Lage weiter, denn die Schweden drangen von Augsburg nach Osten vor und eroberten am 22. Juli Landshut. Zu den bereits existierenden Bedrückungen kam nun zusätzlich die Last der Verteidigung. Konkret bedeutete dies eine weitere Zunahme der Einquartierungen an kaiserlichen und bayerischen Soldaten sowie die Pflicht zu Scharwerksdiensten. Die Julitage zwischen dem Verlust Landshuts an die Schweden und die Rückeroberung Regensburgs durch die Kaiserlichen brachten Wasserburg die letzten hohen Einquartierungslasten in den Kriegsjahren 1632 – 1634.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 139.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einem Dokument vom 24. Juli 1634 ist zu entnehmen, dass 647 Soldaten untergebracht werden mussten. Hinzu kam das Gefolge der Soldateska, bestehend aus 179 Frauen, 83 Kindern und 111 Dienerinnen und Dienern. Darüber hinaus brachten sie über 200 Pferde mit, die versorgt werden mussten. Für den Monatssold der Offiziere und Soldaten sowie die Futterkosten für die Pferde veranschlagte die Stadtkammer 6.571 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 141.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erschwerend hinzu kam die drangvolle Enge, mit der Wasserburg durch die Einquartierungen konfrontiert war. Für die rund 1.000 Bürger und eine ebenso große Menge an Soldaten samt Tross gab es wegen des umlaufenden Flusses keine Ausweichmöglichkeiten. Zwar liegen über die sanitären Verhältnisse keine Berichte vor, doch mussten diese in einer mit Menschen überfüllten Stadt im Dreißigjährigen Krieg katastrophal gewesen sein. Vor dem Hintergrund der schlechten hygienischen Verhältnisse und der mangelnden medizinischen Versorgung verwundert es kaum, dass sich Krankheiten und Seuchen wie die Pest in Wasserburg schnell ausbreiten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Liste vom 24. Juli 1634.jpg|200px|thumb|right|Liste vom 24. Juli 1634]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Scharwerksdienste und Schanzarbeiten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. April 1632, zwei Tage nachdem Gustav Adolf den Lech überquerte, kam der Befehl von Kurfürst Maximilian, die Befestigungsanlagen in Wasserburg zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies zeigt die Bedeutung der Stadt Wasserburg und des Inns als Schutzwall für das Land östlich davon. Für die Verstärkung der Befestigungsanlagen wurden Scharwerksdienste eingefordert, die für die Bevölkerung eine besonders große Belastung darstellten, da die Bürger grundsätzlich verpflichtet waren, diese Arbeit umsonst zu verrichten. Neben den Schanzarbeiten an der Festung in Wasserburg waren Scharwerksfuhren eine zusätzliche kriegsbedingte Last für die Bevölkerung der Innstadt. Maximilian I. echauffiert sich in einem an die Stadt Wasserburg gerichteten Brief&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 3. November 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; über die Weigerung der Wasserburger, Scharwerksfuhren nach München zu tätigen. Es sollten zwei Kartaunen und drei Haubitze&amp;lt;ref&amp;gt;Schwere Geschütze des 16. und 17. Jahrhunderts.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach München gebracht werden. Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg  argumentierten daraufhin, dass die Bürger durch Getreidefuhren und Scharwerksfuhren zum Ausbau der Befestigungsanlagen in Wasserburg bereits ausgelastet seien.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 5. November 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Kriegsjahr 1633 war eine stark befestigte Stadt Wasserburg für den Kurfürsten von großer Bedeutung, da die Schweden den Inn bei Wasserburg aufgrund der natürlichen Lage der Halbinsel nur nach einer Einnahme der Stadt hätten überschreiten können. Daher befahl Maximilian I. das &#039;&#039;„angefangene fortificationswesen&amp;lt;ref&amp;gt;Befestigungswesen.&amp;lt;/ref&amp;gt; […] forthsezen zelassen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 1. März 1633 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dem Argument, dass diese Arbeiten zur &#039;&#039;„defenßion des vatterlandts“&#039;&#039; beitragen, versucht der Kurfürst an die Vaterlandsliebe der Bevölkerung zu appellieren. Da Patriotismus alleine womöglich nicht ausreicht, um die Bürger für die unbeliebte Scharwerksarbeit&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.)/Andreas Kraus (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Zweiter Band. Das Alte Bayern. Der Territorialstaat vom Ausgang des 12. Jahrhunderts bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. 2., überarbeitete Auflage, 1988, 741.&amp;lt;/ref&amp;gt;  zu motivieren, folgt zum Schluss des Briefes eine Drohung: &#039;&#039;„Solten wir aber erfahren, das die underthannen sich fahrlessig ungehorsam und widersessig […] erzaigen sollen, so wollen wir gegen solchen ungehorsamen wolempfindtliche straff vornemmen“&#039;&#039;. Neben einer Zunahme der Einquartierungen hatte die Eroberung Landshuts durch die Schweden am 22. Juli 1634 auch zur Folge, dass die Bürger Wasserburgs erneut zu Scharwerksdiensten und Schanzarbeiten verpflichtet wurden. Durch einen Ausbau der Festung sollte Wasserburg uneinnehmbar gemacht und ein möglicher Vorstoß der Schweden am Inn gestoppt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegskontributionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Brief vom 17. März 1633.jpg|200px|thumb|right|Brief des Kurfürsten vom 17. März 1633 an die Stadt Wasserburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Belastungen durch die Einquartierungen und Scharwerks- und Schanzarbeiten brachte das Jahr 1633 noch die Einführung einer Kriegssteuer mit sich. Kurfürst Maximilian I. sah sich in Folge des entbehrungsreichen Jahres 1632 veranlasst, eine allgemeine Kontribution zu erheben. Grundlage der Kriegssteuer war ein kurfürstliches Mandat vom 10. Januar 1633. Um das Kurfürstentum verteidigen zu können, sei es nötig, &#039;&#039;„daß auch alle die jenige, welche solcher defension, und beschutzung geniessen, unndt im landt gesessen seyn […] zu fortsetzung und erhaltung solchen gemainnutzigen defensionwercks, darzu gehörigen mittln und unkosten […] das ihrige beysetzen und zuschiessen“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kurfürstliches Mandat vom 10. Januar 1633, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Kriegssteuer wurde nicht nur von der Stadt, sondern auch von den Bürgern eingetrieben. Sie mussten, ungeachtet ob sie bedürftig oder vermögend waren, von 100 Gulden ihres ganzen Vermögens monatlich drei Kreuzer entrichten. Mit dem Hinweis auf die permanenten Einquartierungen von kaiserlichen Soldaten versuchte die Stadt Wasserburg vergeblich eine Befreiung von der Kriegssteuer zu erwirken.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 8. Februar 1633 an den Pfleger von Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 17. März 1633&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 17. März 1633 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; erreichte Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg ein Schreiben des Kurfürsten, in dem Maximilian I. mit Missfallen feststellte, dass die Stadt dem &#039;&#039;„hochnothwendige[n] contribution wesen bißhero nicht mit schuldigstem vleiß und eiffer“&#039;&#039; nachgegangen sei. Es folgt ein dringender Befehl, die Kriegssteuer in Zukunft zu entrichten. Aus einem Brief des Rates der Stadt Wasserburg an den Kurfürsten ist zu entnehmen, dass der Stadt durch den Pfleger mitgeteilt worden sei, dass zur Verpflegung der Soldateska monatlich 2.150 Gulden aufgebracht werden müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 11. Februar 1634 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Summe könne von der verarmten Bürgerschaft nicht eingetrieben werden. In einem Befehl vom 15. Februar 1634 an den Pfleger zu Wasserburg legte Maximilian I. die monatliche Kriegssteuer für Wasserburg auf 1.457 Gulden fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 15. Februar 1634 an den Pfleger von Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Bauernaufstand (1633/1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Bürger der Stadt Wasserburg, auch die Bauern in den umliegenden Gebieten waren von den indirekten Folgen des Krieges und dabei insbesondere von den Einquartierungen betroffen. Ihre Wut über die Plünderungen der kaiserlichen und ligistischen Truppen entlud sich im Bauernaufstand von 1633/1634.&amp;lt;ref&amp;gt;Sigmund von Riezler, Der Aufstand der bayerischen Bauern im Winter 1633 auf 1634, 1901, 33–95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Soldaten lagen im Winterlager. Da Unterbringung und Verpflegung der Truppen in den stark vom Krieg betroffenen Gebieten zwischen Lech und Isar kaum möglich war, musste die Bevölkerung in den Landgerichten zwischen Isar und Salzach die Regimenter aufnehmen. Dabei scheinen die Städte, Märkte und Dörfer am Inn bevorzugt als Lagerplätze ausgewählt worden zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Haidenbucher, Geschicht Buech (wie Anm. 6), 106.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auslöser des Aufstandes war die Weigerung der Bauern am 3. Dezember 1633 im Gericht Kling, Scharwerksfuhren zum Transport schwedischer Gefangener zu leisten. Einen Tag später versammelte sich eine große Anzahl bewaffneter Bauern vor Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 99.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kurfürst Maximilian I. entschloss sich, zunächst Milde walten zu lassen und versuchte die Bauern zu beschwichtigen, was nicht gelang. In den ersten Tagen des Jahres 1634 drohte die Situation zu eskalieren. Westlich und östlich des Inns hatten sich Tausende von bewaffneten Bauern versammelt. In der Stadt Wasserburg lagen nach wie vor einige Hundert Soldaten in ihren Quartieren. Ein Aufeinandertreffen der beiden Parteien wäre für die Stadt Wasserburg katastrophal gewesen. Der Kurfürst entschloss sich, den Bauern entgegenzukommen und die Gebiete östlich des Inns zu von Einquartierungen zu verschonen. Die Bevölkerung westlich des Flusses musste der Soldateska weiterhin Unterkunft und Verpflegung bieten. Was den Kurfürsten dazu bewog, statt der durch den Krieg stärker betroffenen Bevölkerung westlich des Inns die Menschen östlich des Flusses zu entlasten, bleibt unklar. Dass der Aufstand unter diesen Umständen nicht ohne Blutvergießen zu Ende gehen konnte, war abzusehen. Am 18. Januar 1634 kam es bei Ebersberg zu einem Aufeinandertreffen von Bauern und Soldaten, bei dem etwa 200 Bauern umkamen. Das von den Bürgern und dem Rat befürchtete Aufeinandertreffen der Bauern und der Soldateska in Wasserburg blieb aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Pest (1634/1635) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pest drang vom Westen her in das Kurfürstentum Bayern ein und erreichte Mitte August 1634 München. Was den Schweden in den zurückliegenden Jahren nicht gelang, das schaffte die Pest: Sie erreichte den Inn und verlangte der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten große Opfer ab. Die ersten Pesttoten gab es in Wasserburg im Oktober 1634, ab November grassierte die Seuche gnadenlos in der Stadt am Inn und erreichte Ende des Monats ihren Höhepunkt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 168.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Rat fasste zahlreiche Beschlüsse mit dem Ziel, die Krankheit aufzuhalten. So wurden Erkrankte unter Quarantäne gestellt und mit Medikamenten wie Aloe, Olivenöl oder Zitrone behandelt, doch konnten diese kaum einen Betroffenen retten. Die Verzweiflung der Wasserburger über die nicht aufzuhaltende Pest zeigt sich in dem Pestgelübde vom 8. Dezember 1634. In diesem erkannten die Wasserburger die Seuche als gerechte Strafe Gottes für ihre Sünden an und baten Gott um Befreiung von der Pest. Dafür versprachen sie, die Pfarrkirche [[St. Jakob]] zu renovieren, womit sie schon im Jahr 1635 begannen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gerhard Skrabal, Geschichte der Stadtpfarrei St. Jakob zu Wasserburg am Inn, 1962, 21–22.&amp;lt;/ref&amp;gt; An das Pestgelübde erinnert eine 1653 gefertigte Votivtafel, die heute noch in der Sebastianskapelle der Pfarrkirche zu sehen ist. Im Januar 1635, als die Wasserburger das Schlimmste überstanden hatten, vermerkt Maria Magdalena Haidenbucher in ihrem Tagebuch, dass die Pest &#039;&#039;„auch zu wasserburg starkh ein griffen. [und] dz manichen dag bey hundert menschen gestorben“&#039;&#039; sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Haidenbucher, Geschicht Buech (wie Anm. 6), 109.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wasserburg hatte etwa 1.000 Bewohner. Wenn an einigen Tagen hundert Menschen der Pest zum Opfer gefallen wären, wäre die Stadt nach der Pestwelle menschenleer gewesen, was sie aber nicht war. Auch in der Forschungsliteratur&amp;lt;ref&amp;gt;Skrabal, Geschichte der Stadtpfarrei St. Jakob (wie Anm. 39), 21./ Martin Geiger, Wasserburg a. Inn. Ein geschichtlicher Abriß, in: Heimat am Inn 1 (1980), 10./ Josef Kirmayer, Chronik der Stadt Wasserburg a. Inn. Band 5, 1630–1679, 1957 (unveröffentlichtes, im Stadtarchiv Wasserburg aufbewahrtes, handschriftliches Manuskript), 1634 (aufgrund fehlender Seitenangaben in dem Manuskript wird als Nachweis die Jahreszahl angegeben, unter der die Informationen in Kirmayers Chronik verzeichnet sind)./ Josef Kirmayer, Wasserburg a. Inn, in: Erich Keyser/Heinz Stoob (Hg.), Bayerisches Städtebuch. Teil 2, 1974, 718–722, hier 718.&amp;lt;/ref&amp;gt; unterscheidet sich die angesetzte Anzahl der Pestopfer. Am realistischsten ist vermutlich die Schätzung von rund 500 durch die Pest gestorbenen Stadtbewohnern.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 180.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es sollte ungefähr 65 Jahre dauern, bis in Wasserburg wieder so viele Menschen lebten wie vor der Pestwelle von 1634/1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedisch-französische Krieg (1635 – 1648) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg über die Schweden bei Nördlingen am 6. September 1634 war der Krieg noch nicht vorbei. Die Franzosen traten an die Seite der Schweden in den Krieg ein und leiteten damit die letzte und längste Phase des Dreißigjährigen Krieges ein. Bis zu seinem Tod in der Schlacht bei Alerheim am 3. August 1645 gelang es General Mercy, den Feind von Bayern fernzuhalten. Da deshalb keine oder nur sehr wenige kaiserlich-ligistische Soldaten im südöstlichen Teil des Kurfürstentums einquartiert werden mussten, konnten sich Wasserburg und andere durch die Kriegslasten der Jahre 1632 – 1634 stark betroffenen Orte am Inn regenerieren. Im August 1646 vereinigten sich die französische und schwedische Armee und zogen mit ganzer Macht auf Bayern. Aufgrund der nahen Feindesgefahr zog sich der Kurfürst im September 1646 mit seinem Hofstaat nach Wasserburg zurück. Zudem leitete er, mit Hilfe eines eigens dafür angefertigten riesenhaften Plans des Innstroms, Maßnahmen zum Schutz der Verteidigungslinie am Inn ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Kirmayer, Chronik der Stadt Wasserburg a. Inn. (wie Anm. 41), 1646.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Land zwischen Lech, Isar und Donau wurde in den folgenden Wochen noch schonungsloser verwüstet als bei dem ersten Feindeseinfall 1632.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 433.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass für Wasserburg 1646 keine direkte Feindesgefahr bestand, lag an der politisch begründeten Weigerung des französischen Feldmarschalls Turenne, dem Plan des schwedischen Generals Wrangel folgend, die Isar bei Freising zu überqueren, um das östliche Bayern zu verheeren.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 602–603.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der befestigten Stadt Wasserburg blieb Maximilian I. rund sieben Monate. Die Entscheidung Maximilians für Wasserburg unterstreicht die Bedeutung der Stadt am Inn. Aufgrund ihrer durch den Inn und die Steilufer natürlich gesicherten Lage, aber auch wegen der durch die Schanzarbeiten von 1632 – 1634 gut ausgebauten Befestigungsanlage, konnte sich der Kurfürst in Wasserburg sicher fühlen. Zudem bestünde bei Feindesgefahr die Möglichkeit, von Wasserburg aus in das noch sicherere Burghausen oder über den Inn in die habsburgischen Erblande zu flüchten. Mit der Unterzeichnung des Ulmer Waffenstillstandes&amp;lt;ref&amp;gt;Gerhard Immler, Kurfürst Maximilian I. und der Westfälische Friedenskongreß. Die bayerische auswärtige Politik von 1644 bis zum Ulmer Waffenstillstand (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der neueren Geschichte, Band 20), 1992, 398–487.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf dem Schloss zu Wasserburg am 14. März 1647 trennte sich Maximilian I. von Kaiser Ferdinand III&amp;lt;ref&amp;gt;Mark Hengerer, Kaiser Ferdinand III. (1608–1657). Eine Biographie (Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs, Band 107), 2012.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwar brachte der Waffenstillstand Bayern für einige Monate Frieden mit Schweden und Franzosen und der Kurfürst konnte in seine Residenzstadt zurückkehren, doch fiel ihm der Entschluss zur Abkehr von seinem Verbündeten außerordentlich schwer.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 612.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im September 1647 kündigte Maximilian I. den Ulmer Waffenstillstand und schloss sich erneut dem Kaiser an. Der bayerischen Bevölkerung brachte diese Entscheidung  im letzten Kriegsjahr noch einmal großes Leid, da sich die Schweden an den Bayern für die Aufkündigung des Waffenstillstands rächen wollten.&amp;lt;ref&amp;gt;Albrecht, Maximilian I. von Bayern (wie Anm. 2), 1080.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Die Belagerung Wasserburgs.jpg|200px|thumb|right|Caspar Merian: Die Belagerung Wasserburgs]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. Mai 1648 wurden die kaiserlich-bayerischen Truppen bei Zusmarshausen von dem schwedisch-französischen Heer besiegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Albrecht, Maximilian I. von Bayern (wie Anm. 2), 1080.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den folgenden Wochen konnten Schweden und Franzosen Lech und Isar ohne größeren Widerstand passieren. Dabei wurde Bayern bis zum Inn verwüstet und geplündert. Nach Überschreitung der Isar, war es das nächste Ziel der feindlichen Truppen, den Inn zwischen Rosenheim, Wasserburg und Mühldorf zu passieren. Im Juni 1648 zogen Schweden und Franzosen &#039;&#039;„mit fölliger Macht auf wasserburg an den Jstromb [Innstrom]“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Haidenbucher, Geschicht Buech (wie Anm. 6), 161.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um die Stadt und die Innlinie zu verteidigen, zog der Kurfürst vor und in Wasserburg etwa 2.500 Soldaten zusammen. Maximilian I. ahnte wohl, dass es das strategische Ziel der Schweden und Franzosen war, den Innübergang zu erzwingen und in das habsburgische Erbland vorzustoßen, als er schrieb, wenn &#039;&#039;„auch dieser Fluß nicht verteidigt werden [könne] […] so würde sich bis zum adriatischen Meer keiner mehr finden, den man defendiren könnte“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Riezler, Geschichte Baierns (wie Anm. 35), 641.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 15. Juni 1648 trafen Schweden und Franzosen vor der westlich des Inns liegenden Stadt Wasserburg auf erbitterten Widerstand der Verteidiger. Am 16. Juni begannen die Belagerer die Beschießung der Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<title>Dreißigjähriger Krieg</title>
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		<updated>2019-02-21T09:03:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dreißigjähriger Krieg (1618 – 1648) – Die sozialen Folgen für die Bevölkerung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg brachte unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in Wasserburg. Die sozialen Folgen im Vergleich mit Rosenheim, Mühldorf und Trostberg. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes „local History &amp;amp; History of Arts“ der Stadt Wasserburg am Inn, 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einquartierungen, Schikanen der beherbergten Regimenter, Kriegskontributionen und Seuchen bestimmten den Alltag der Menschen – auch in den über weite Strecken nicht unmittelbar von Kampfhandlungen betroffenen Städten wie Wasserburg am Inn. Denn die vermeintlich eigenen, die kaiserlichen und bayerischen Truppen plünderten und mordeten kaum weniger als die feindliche Soldateska. 1632 kamen erstmals feindliche Truppen in das Territorium des Kurfürstentums Bayern, wo sie bis zum Jahr 1634 verblieben. In dieser Phase hatte die Wasserburger Bevölkerung massiv unter den indirekten Folgen des Krieges zu leiden. Erst im letzten Kriegsjahr 1648 war das Gebiet am Inn direkt von Feindeinwirkung betroffen und es bestand die Gefahr, dass Schweden und Franzosen den Inn überschreiten, um nach Österreich vorzudringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, 1998, 1081.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Phase wurde Wasserburg drei Tage von Schweden und Franzosen belagert. Der schwedisch-französische Vormarsch fand in Wasserburg seine Grenze und der Inn wurde für Habsburg zum rettenden Schutzwall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedische Krieg (1632 – 1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. April 1632 kam der Dreißigjährige Krieg nach Bayern, als Gustav Adolf&amp;lt;ref&amp;gt;Marcus Junkelmann, Gustav Adolf (1594–1632). Schwedens Aufstieg zur Großmacht, 1993.&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Rain am Lech den Flussübergang erzwang. In den folgenden Wochen konnte er Augsburg, Landshut und Freising erobern und am 17. Mai in München einziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Göran Rystad, Die Schweden in Bayern während des Dreißigjährigen Krieges, in: Hubert Glaser (Hg.), Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst. Band II/1, 1980, 424–435, hier 425.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nun bestand für Wasserburg erstmals im Krieg direkte Gefahr, denn es war das Kriegsziel Gustav Adolfs, das habsburgische Erbland anzugreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg im Dreißigjährigen Krieg 1632–1634, 1986, 14–15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der undurchsichtigen strategischen Lage zog Gustav Adolf allerdings am 7. Juni 1632 mit der Hauptmacht seines Heeres von München Richtung Augsburg ab. Dennoch war die Sorge der Bevölkerung östlich des Inns groß. Maria Magdalena Haidenbucher, Äbtissin von Frauenwörth, vermerkte in ihrem Tagebuch, dass &#039;&#039;„Sich aber Jeder man besorgt hat. es mechte sich villeicht die schwedische Macht ersterckhen vnd auf waserburg khumben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Maria Magdalena Haidenbucher, Geschicht Buech de Anno 1609 biß 1650. Das Tagebuch der Maria Magdalena Haidenbucher (1576–1650), Äbtissin von Frauenwörth, hg. v. Gerhard Stalla, 1988, 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar drangen schwedische Truppen in den nächsten Wochen noch weiter nach Osten vor, doch handelte es sich dabei nur um kleine, streifende Reitertrupps, die der befestigten Stadt Wasserburg nicht gefährlich werden konnten. Grundsätzlich sind die Sorgen der Äbtissin Haidenbucher nachvollziehbar. Der Inn und insbesondere Wasserburg war ein Schutzwall für die Gebiete östlich davon, damit auch für das Gebiet um den Chiemsee. Würde der Feind den Inn überschreiten, wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Kloster Frauenwörth im Chiemsee von der feindlichen Soldateska geplündert würde. Im November 1632 fiel Gustav Adolf bei Lützen. Die Kämpfe seiner Nachfolger mit den kaiserlich-bayerischen Truppen zogen sich über Monate hin und verwüsteten das Kurfürstentum schrecklich.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 426–427.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im letzten Jahresviertel 1633 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen wieder intensiver. Da der bayerische Kurfürst Maximilian I. nicht absehen konnte, wie weit die feindlichen Truppen nach Osten vordringen würden, befahl er vorsorglich, die Innlinie an den Standorten Wasserburg, Braunau, Schärding und Passau zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Juni 1634 gelang es kaiserlich-bayerischen Truppen, das von Schweden besetzte Regensburg zu erobern. Nach der schweren Niederlage der Schweden am 6. September 1634 bei Nördlingen konnte Bayern von der schwedischen Besatzung befreit werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 427–433.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einquartierungen == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Brief vom 24. Mai 1632.jpg|200px|thumb|right|Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Invasion Gustav Adolfs begann für die Wasserburger Bevölkerung eine von Drangsalen und Entbehrungen geprägte zweieinhalbjährige Leidenszeit. Das zunächst nur aus Landvolk&amp;lt;ref&amp;gt;Kriegsdienst leistende Bauern und Bürger.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus den umliegenden Gerichten bestehende Verteidigungskontingent wurde Ende April durch kaiserlich-bayerische Soldaten verstärkt. In den folgenden Monaten waren permanent Soldaten einquartiert, für die Verpflegung aus der Bevölkerung aufgebracht werden musste. Hinzu kam die Versorgung der Pferde mit Hafer, Heu und Stroh. Vermutlich mussten die rund 1.000 Wasserburger einer etwa gleichen Anzahl an Soldaten samt Gefolge Unterkunft und Verpflegung bieten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben den Familien der Soldaten und den Dienern der Offiziere war im Dreißigjährigen Krieg marodierendes Gesindel Teil des Trosses. Die Gefolgschaft der Truppen führte dazu, dass sich die unterzubringende und zu verpflegende Zahl von Menschen verdoppelte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siegfried Fiedler, Kriegswesen und Kriegsführung im Zeitalter der Landsknechte, 1985, 162.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Brief vom 21. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 21. Mai 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“).&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten Bürgermeister und Rat dem Kurfürsten von 1.250 Einquartierten. Der Rat beschwert sich, dass &#039;&#039;„die arme burgerschafft […] den geworbnen essen und trinkhen raichen“&#039;&#039; solle. Es wird argumentiert, dass die Bürger den Soldaten nichts schuldig wären und sich die Einquartierten Essen und Trinken von ihrem Monatssold kaufen sollten. &#039;&#039;„Ligerstatt, holz, licht unnd salz“&#039;&#039; werden hingegen gehorsam bereitgestellt. Am 24. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam aus Salzburg eine kurze Antwort des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. auf die Beschwerde des Rats der Stadt Wasserburg, in der er mitteilte, dass die &#039;&#039;„notturfft“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Existenzminimum.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Soldaten sichergestellt werden musste. In einem weiteren Brief teilten die kurfürstlichen Räte der Stadt mit, dass die Bürger froh sein sollten, dass sie die Soldaten nicht bezahlen mussten. Hinzu kommt, dass &#039;&#039;„dise einquartierung der soldaten zu euhrer burgerschafft und der ihrigen defension und beschuzung maistens gemaint und angesechen is.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der kurfürstlichen Räte vom 5. Juni 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tagesrationen für die Soldaten wurden vom Kurfürsten per  Befehl festgelegt: Jeder Soldat sollte täglich zweieinhalb Pfund Brot, eineinhalb Pfund Fleisch und zwei Maß Bier erhalten. Es verwundert kaum, dass die Bürgerschaft bei der Anzahl an Soldaten, deren Gefolge und den Pferden, die täglich versorgt werden mussten, über den kurfürstlichen Befehl nicht erfreut war. Daher schließen Bürgermeister und Rat den Brief mit der Bitte, &#039;&#039;„daß den soldaten ihre monatsold richtig bezalt [wird], darmit sie inen die notturfft essen und trinkhen selbs khauffen mögen, oder ein provianthaus lassen aufrichten, daraus inen die rationes täglich geraicht werden.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 8. Juni 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob diese Bittschriften große Wirkung auf Maximilian hatten, ist zumindest fragwürdig. Beschwerden und Klagen über die Belastungen durch Einquartierungen wird der Kurfürst aus vielen Städten und Märkten erhalten haben. Doch gab es zu einer Versorgung der Soldateska durch die Bürger keine Alternative. Daher blieb Maximilian I. oft nichts anderes übrig, als die Hilferufe seines Volkes zu ignorieren oder es zu vertrösten. Im November 1632 erreichte die Stadt Wasserburg ein kurfürstlicher Befehl, der die Not der Bevölkerung noch größer werden ließ. Bisher versuchte Maximilian I. die Räte der Stadt Wasserburg dadurch zu beschwichtigen, dass die Bürger die Soldaten nur verpflegen und nicht bezahlen müssten. Ende des Jahres mussten die Wasserburger zusätzlich die Besoldung der Truppen übernehmen. Durch eine Zusammenfassung der Belastungen der letzten Monate versucht der Rat der Stadt Wasserburg den Kurfürsten davon zu überzeugen, die Stadt und die Bürgerschaft von der Besoldung der Soldaten zu verschonen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Maximilian I. von Bayern.jpg|200px|thumb|right|Maximilian I. von Bayern (1573 – 1651)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was hiesige arme burgerschafft von denen in quarnison gelegnen reitern und fueskhnechten, auch willen starckhen durchzigen […] darbei gmainer statt unnd der burgerschafft mit essen und trinkhen, erkhauffung habern, hey unnd srey&amp;lt;ref&amp;gt;Hafer, Heu und Stroh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, sambt andern ausgaben, yber disß was selbigen destruirt und entwendet worden, in die 20 oder mehr tausent gulden aufganngen“.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 15. Dezember 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nicht nachvollziehen, ob die Spesen der Bürger tatsächlich 20.000 Gulden oder mehr betrugen. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass der wirtschaftliche Schaden im Dezember 1632 nach über siebenmonatiger Einquartierung für die Stadt und vor allem für die Bürger enorm gewesen sein muss. Den Winter 1632/1633 wollte Maximilian zur Auffüllung seiner dezimierten Truppen nutzen. Als Rekrutierungsplätze eigneten sich die vom Krieg bisher verschonten Gebiete am Inn. So kam zu der Unterbringung der bereits in Wasserburg liegenden Truppen nun die Verpflegung der neu rekrutierten Soldaten hinzu. Neben dem schon länger in Wasserburg liegenden Regiment kamen im Januar 1633 zusätzliche 1.000 Mann und 100 Pferde. Insgesamt mussten also deutlich mehr Soldaten versorgt werden, als Bürger in der Stadt waren. Die Quartierlasten setzten sich auch im Kriegsjahr 1634 fort. Zu der Last der Einquartierung  und Verpflegung der Soldaten kamen Schikanen und Gewaltdelikte der Soldateska. Zudem wurde mit Plünderungen gedroht, wenn sich die Bürger gegen die Soldaten auflehnen würden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 12. April 1634 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mitte Juli 1634 verschlimmerte sich die Lage weiter, denn die Schweden drangen von Augsburg nach Osten vor und eroberten am 22. Juli Landshut. Zu den bereits existierenden Bedrückungen kam nun zusätzlich die Last der Verteidigung. Konkret bedeutete dies eine weitere Zunahme der Einquartierungen an kaiserlichen und bayerischen Soldaten sowie die Pflicht zu Scharwerksdiensten. Die Julitage zwischen dem Verlust Landshuts an die Schweden und die Rückeroberung Regensburgs durch die Kaiserlichen brachten Wasserburg die letzten hohen Einquartierungslasten in den Kriegsjahren 1632 – 1634.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 139.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einem Dokument vom 24. Juli 1634 ist zu entnehmen, dass 647 Soldaten untergebracht werden mussten. Hinzu kam das Gefolge der Soldateska, bestehend aus 179 Frauen, 83 Kindern und 111 Dienerinnen und Dienern. Darüber hinaus brachten sie über 200 Pferde mit, die versorgt werden mussten. Für den Monatssold der Offiziere und Soldaten sowie die Futterkosten für die Pferde veranschlagte die Stadtkammer 6.571 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 141.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erschwerend hinzu kam die drangvolle Enge, mit der Wasserburg durch die Einquartierungen konfrontiert war. Für die rund 1.000 Bürger und eine ebenso große Menge an Soldaten samt Tross gab es wegen des umlaufenden Flusses keine Ausweichmöglichkeiten. Zwar liegen über die sanitären Verhältnisse keine Berichte vor, doch mussten diese in einer mit Menschen überfüllten Stadt im Dreißigjährigen Krieg katastrophal gewesen sein. Vor dem Hintergrund der schlechten hygienischen Verhältnisse und der mangelnden medizinischen Versorgung verwundert es kaum, dass sich Krankheiten und Seuchen wie die Pest in Wasserburg schnell ausbreiten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Liste vom 24. Juli 1634.jpg|200px|thumb|right|Liste vom 24. Juli 1634]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Scharwerksdienste und Schanzarbeiten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. April 1632, zwei Tage nachdem Gustav Adolf den Lech überquerte, kam der Befehl von Kurfürst Maximilian, die Befestigungsanlagen in Wasserburg zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies zeigt die Bedeutung der Stadt Wasserburg und des Inns als Schutzwall für das Land östlich davon. Für die Verstärkung der Befestigungsanlagen wurden Scharwerksdienste eingefordert, die für die Bevölkerung eine besonders große Belastung darstellten, da die Bürger grundsätzlich verpflichtet waren, diese Arbeit umsonst zu verrichten. Neben den Schanzarbeiten an der Festung in Wasserburg waren Scharwerksfuhren eine zusätzliche kriegsbedingte Last für die Bevölkerung der Innstadt. Maximilian I. echauffiert sich in einem an die Stadt Wasserburg gerichteten Brief&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 3. November 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; über die Weigerung der Wasserburger, Scharwerksfuhren nach München zu tätigen. Es sollten zwei Kartaunen und drei Haubitze&amp;lt;ref&amp;gt;Schwere Geschütze des 16. und 17. Jahrhunderts.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach München gebracht werden. Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg  argumentierten daraufhin, dass die Bürger durch Getreidefuhren und Scharwerksfuhren zum Ausbau der Befestigungsanlagen in Wasserburg bereits ausgelastet seien.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 5. November 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Kriegsjahr 1633 war eine stark befestigte Stadt Wasserburg für den Kurfürsten von großer Bedeutung, da die Schweden den Inn bei Wasserburg aufgrund der natürlichen Lage der Halbinsel nur nach einer Einnahme der Stadt hätten überschreiten können. Daher befahl Maximilian I. das &#039;&#039;„angefangene fortificationswesen&amp;lt;ref&amp;gt;Befestigungswesen.&amp;lt;/ref&amp;gt; […] forthsezen zelassen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 1. März 1633 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dem Argument, dass diese Arbeiten zur &#039;&#039;„defenßion des vatterlandts“&#039;&#039; beitragen, versucht der Kurfürst an die Vaterlandsliebe der Bevölkerung zu appellieren. Da Patriotismus alleine womöglich nicht ausreicht, um die Bürger für die unbeliebte Scharwerksarbeit&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.)/Andreas Kraus (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Zweiter Band. Das Alte Bayern. Der Territorialstaat vom Ausgang des 12. Jahrhunderts bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. 2., überarbeitete Auflage, 1988, 741.&amp;lt;/ref&amp;gt;  zu motivieren, folgt zum Schluss des Briefes eine Drohung: &#039;&#039;„Solten wir aber erfahren, das die underthannen sich fahrlessig ungehorsam und widersessig […] erzaigen sollen, so wollen wir gegen solchen ungehorsamen wolempfindtliche straff vornemmen“&#039;&#039;. Neben einer Zunahme der Einquartierungen hatte die Eroberung Landshuts durch die Schweden am 22. Juli 1634 auch zur Folge, dass die Bürger Wasserburgs erneut zu Scharwerksdiensten und Schanzarbeiten verpflichtet wurden. Durch einen Ausbau der Festung sollte Wasserburg uneinnehmbar gemacht und ein möglicher Vorstoß der Schweden am Inn gestoppt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegskontributionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Brief vom 17. März 1633.jpg|200px|thumb|right|Brief des Kurfürsten vom 17. März 1633 an die Stadt Wasserburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Belastungen durch die Einquartierungen und Scharwerks- und Schanzarbeiten brachte das Jahr 1633 noch die Einführung einer Kriegssteuer mit sich. Kurfürst Maximilian I. sah sich in Folge des entbehrungsreichen Jahres 1632 veranlasst, eine allgemeine Kontribution zu erheben. Grundlage der Kriegssteuer war ein kurfürstliches Mandat vom 10. Januar 1633. Um das Kurfürstentum verteidigen zu können, sei es nötig, &#039;&#039;„daß auch alle die jenige, welche solcher defension, und beschutzung geniessen, unndt im landt gesessen seyn […] zu fortsetzung und erhaltung solchen gemainnutzigen defensionwercks, darzu gehörigen mittln und unkosten […] das ihrige beysetzen und zuschiessen“&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kurfürstliches Mandat vom 10. Januar 1633, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Kriegssteuer wurde nicht nur von der Stadt, sondern auch von den Bürgern eingetrieben. Sie mussten, ungeachtet ob sie bedürftig oder vermögend waren, von 100 Gulden ihres ganzen Vermögens monatlich drei Kreuzer entrichten. Mit dem Hinweis auf die permanenten Einquartierungen von kaiserlichen Soldaten versuchte die Stadt Wasserburg vergeblich eine Befreiung von der Kriegssteuer zu erwirken.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 8. Februar 1633 an den Pfleger von Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 17. März 1633&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 17. März 1633 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; erreichte Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg ein Schreiben des Kurfürsten, in dem Maximilian I. mit Missfallen feststellte, dass die Stadt dem &#039;&#039;„hochnothwendige[n] contribution wesen bißhero nicht mit schuldigstem vleiß und eiffer“&#039;&#039; nachgegangen sei. Es folgt ein dringender Befehl, die Kriegssteuer in Zukunft zu entrichten. Aus einem Brief des Rates der Stadt Wasserburg an den Kurfürsten ist zu entnehmen, dass der Stadt durch den Pfleger mitgeteilt worden sei, dass zur Verpflegung der Soldateska monatlich 2.150 Gulden aufgebracht werden müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 11. Februar 1634 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Summe könne von der verarmten Bürgerschaft nicht eingetrieben werden. In einem Befehl vom 15. Februar 1634 an den Pfleger zu Wasserburg legte Maximilian I. die monatliche Kriegssteuer für Wasserburg auf 1.457 Gulden fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 15. Februar 1634 an den Pfleger von Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Bauernaufstand (1633/1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Bürger der Stadt Wasserburg, auch die Bauern in den umliegenden Gebieten waren von den indirekten Folgen des Krieges und dabei insbesondere von den Einquartierungen betroffen. Ihre Wut über die Plünderungen der kaiserlichen und ligistischen Truppen entlud sich im Bauernaufstand von 1633/1634.&amp;lt;ref&amp;gt;Sigmund von Riezler, Der Aufstand der bayerischen Bauern im Winter 1633 auf 1634, 1901, 33–95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Soldaten lagen im Winterlager. Da Unterbringung und Verpflegung der Truppen in den stark vom Krieg betroffenen Gebieten zwischen Lech und Isar kaum möglich war, musste die Bevölkerung in den Landgerichten zwischen Isar und Salzach die Regimenter aufnehmen. Dabei scheinen die Städte, Märkte und Dörfer am Inn bevorzugt als Lagerplätze ausgewählt worden zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Haidenbucher, Geschicht Buech (wie Anm. 6), 106.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auslöser des Aufstandes war die Weigerung der Bauern am 3. Dezember 1633 im Gericht Kling, Scharwerksfuhren zum Transport schwedischer Gefangener zu leisten. Einen Tag später versammelte sich eine große Anzahl bewaffneter Bauern vor Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 99.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kurfürst Maximilian I. entschloss sich, zunächst Milde walten zu lassen und versuchte die Bauern zu beschwichtigen, was nicht gelang. In den ersten Tagen des Jahres 1634 drohte die Situation zu eskalieren. Westlich und östlich des Inns hatten sich Tausende von bewaffneten Bauern versammelt. In der Stadt Wasserburg lagen nach wie vor einige Hundert Soldaten in ihren Quartieren. Ein Aufeinandertreffen der beiden Parteien wäre für die Stadt Wasserburg katastrophal gewesen. Der Kurfürst entschloss sich, den Bauern entgegenzukommen und die Gebiete östlich des Inns zu von Einquartierungen zu verschonen. Die Bevölkerung westlich des Flusses musste der Soldateska weiterhin Unterkunft und Verpflegung bieten. Was den Kurfürsten dazu bewog, statt der durch den Krieg stärker betroffenen Bevölkerung westlich des Inns die Menschen östlich des Flusses zu entlasten, bleibt unklar. Dass der Aufstand unter diesen Umständen nicht ohne Blutvergießen zu Ende gehen konnte, war abzusehen. Am 18. Januar 1634 kam es bei Ebersberg zu einem Aufeinandertreffen von Bauern und Soldaten, bei dem etwa 200 Bauern umkamen. Das von den Bürgern und dem Rat befürchtete Aufeinandertreffen der Bauern und der Soldateska in Wasserburg blieb aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Pest (1634/1635) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedisch-französische Krieg (1635 – 1648) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<updated>2019-02-20T19:37:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: Caspar Merian: Die Belagerung Wasserburgs, Kupferstich, 1648 – 1652, Wasserburg/Frankfurt am Main. Museum Wasserburg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Caspar Merian: Die Belagerung Wasserburgs, Kupferstich, 1648 – 1652, Wasserburg/Frankfurt am Main. Museum Wasserburg&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<updated>2019-02-20T19:37:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: Liste vom 24. Juli 1634. StadtA Wasserburg a. Inn, I1b71 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Liste vom 24. Juli 1634. StadtA Wasserburg a. Inn, I1b71 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: Maximilian I. von Bayern (1573 – 1651), 19. Jahrhundert, Öl auf Leinwand. Museum Wasserburg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Maximilian I. von Bayern (1573 – 1651), 19. Jahrhundert, Öl auf Leinwand. Museum Wasserburg&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<updated>2019-02-20T19:35:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: Brief des Kürfürsten vom 17. März 1633 an die Stadt Wasserburg. StadtA Wasserburg a. Inn, I1b71 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Brief des Kürfürsten vom 17. März 1633 an die Stadt Wasserburg. StadtA Wasserburg a. Inn, I1b71 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<title>Dreißigjähriger Krieg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dreißigjähriger Krieg (1618 – 1648) – Die sozialen Folgen für die Bevölkerung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg brachte unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in Wasserburg. Die sozialen Folgen im Vergleich mit Rosenheim, Mühldorf und Trostberg. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes „local History &amp;amp; History of Arts“ der Stadt Wasserburg am Inn, 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einquartierungen, Schikanen der beherbergten Regimenter, Kriegskontributionen und Seuchen bestimmten den Alltag der Menschen – auch in den über weite Strecken nicht unmittelbar von Kampfhandlungen betroffenen Städten wie Wasserburg am Inn. Denn die vermeintlich eigenen, die kaiserlichen und bayerischen Truppen plünderten und mordeten kaum weniger als die feindliche Soldateska. 1632 kamen erstmals feindliche Truppen in das Territorium des Kurfürstentums Bayern, wo sie bis zum Jahr 1634 verblieben. In dieser Phase hatte die Wasserburger Bevölkerung massiv unter den indirekten Folgen des Krieges zu leiden. Erst im letzten Kriegsjahr 1648 war das Gebiet am Inn direkt von Feindeinwirkung betroffen und es bestand die Gefahr, dass Schweden und Franzosen den Inn überschreiten, um nach Österreich vorzudringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, 1998, 1081.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Phase wurde Wasserburg drei Tage von Schweden und Franzosen belagert. Der schwedisch-französische Vormarsch fand in Wasserburg seine Grenze und der Inn wurde für Habsburg zum rettenden Schutzwall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedische Krieg (1632 – 1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. April 1632 kam der Dreißigjährige Krieg nach Bayern, als Gustav Adolf&amp;lt;ref&amp;gt;Marcus Junkelmann, Gustav Adolf (1594–1632). Schwedens Aufstieg zur Großmacht, 1993.&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Rain am Lech den Flussübergang erzwang. In den folgenden Wochen konnte er Augsburg, Landshut und Freising erobern und am 17. Mai in München einziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Göran Rystad, Die Schweden in Bayern während des Dreißigjährigen Krieges, in: Hubert Glaser (Hg.), Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst. Band II/1, 1980, 424–435, hier 425.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nun bestand für Wasserburg erstmals im Krieg direkte Gefahr, denn es war das Kriegsziel Gustav Adolfs, das habsburgische Erbland anzugreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg im Dreißigjährigen Krieg 1632–1634, 1986, 14–15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der undurchsichtigen strategischen Lage zog Gustav Adolf allerdings am 7. Juni 1632 mit der Hauptmacht seines Heeres von München Richtung Augsburg ab. Dennoch war die Sorge der Bevölkerung östlich des Inns groß. Maria Magdalena Haidenbucher, Äbtissin von Frauenwörth, vermerkte in ihrem Tagebuch, dass &#039;&#039;„Sich aber Jeder man besorgt hat. es mechte sich villeicht die schwedische Macht ersterckhen vnd auf waserburg khumben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Maria Magdalena Haidenbucher, Geschicht Buech de Anno 1609 biß 1650. Das Tagebuch der Maria Magdalena Haidenbucher (1576–1650), Äbtissin von Frauenwörth, hg. v. Gerhard Stalla, 1988, 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar drangen schwedische Truppen in den nächsten Wochen noch weiter nach Osten vor, doch handelte es sich dabei nur um kleine, streifende Reitertrupps, die der befestigten Stadt Wasserburg nicht gefährlich werden konnten. Grundsätzlich sind die Sorgen der Äbtissin Haidenbucher nachvollziehbar. Der Inn und insbesondere Wasserburg war ein Schutzwall für die Gebiete östlich davon, damit auch für das Gebiet um den Chiemsee. Würde der Feind den Inn überschreiten, wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Kloster Frauenwörth im Chiemsee von der feindlichen Soldateska geplündert würde. Im November 1632 fiel Gustav Adolf bei Lützen. Die Kämpfe seiner Nachfolger mit den kaiserlich-bayerischen Truppen zogen sich über Monate hin und verwüsteten das Kurfürstentum schrecklich.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 426–427.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im letzten Jahresviertel 1633 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen wieder intensiver. Da der bayerische Kurfürst Maximilian I. nicht absehen konnte, wie weit die feindlichen Truppen nach Osten vordringen würden, befahl er vorsorglich, die Innlinie an den Standorten Wasserburg, Braunau, Schärding und Passau zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Juni 1634 gelang es kaiserlich-bayerischen Truppen, das von Schweden besetzte Regensburg zu erobern. Nach der schweren Niederlage der Schweden am 6. September 1634 bei Nördlingen konnte Bayern von der schwedischen Besatzung befreit werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 427–433.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einquartierungen == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Brief vom 24. Mai 1632.jpg|200px|thumb|right|Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Invasion Gustav Adolfs begann für die Wasserburger Bevölkerung eine von Drangsalen und Entbehrungen geprägte zweieinhalbjährige Leidenszeit. Das zunächst nur aus Landvolk&amp;lt;ref&amp;gt;Kriegsdienst leistende Bauern und Bürger.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus den umliegenden Gerichten bestehende Verteidigungskontingent wurde Ende April durch kaiserlich-bayerische Soldaten verstärkt. In den folgenden Monaten waren permanent Soldaten einquartiert, für die Verpflegung aus der Bevölkerung aufgebracht werden musste. Hinzu kam die Versorgung der Pferde mit Hafer, Heu und Stroh. Vermutlich mussten die rund 1.000 Wasserburger einer etwa gleichen Anzahl an Soldaten samt Gefolge Unterkunft und Verpflegung bieten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben den Familien der Soldaten und den Dienern der Offiziere war im Dreißigjährigen Krieg marodierendes Gesindel Teil des Trosses. Die Gefolgschaft der Truppen führte dazu, dass sich die unterzubringende und zu verpflegende Zahl von Menschen verdoppelte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siegfried Fiedler, Kriegswesen und Kriegsführung im Zeitalter der Landsknechte, 1985, 162.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Brief vom 21. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 21. Mai 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“).&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten Bürgermeister und Rat dem Kurfürsten von 1.250 Einquartierten. Der Rat beschwert sich, dass &#039;&#039;„die arme burgerschafft […] den geworbnen essen und trinkhen raichen“&#039;&#039; solle. Es wird argumentiert, dass die Bürger den Soldaten nichts schuldig wären und sich die Einquartierten Essen und Trinken von ihrem Monatssold kaufen sollten. &#039;&#039;„Ligerstatt, holz, licht unnd salz“&#039;&#039; werden hingegen gehorsam bereitgestellt. Am 24. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam aus Salzburg eine kurze Antwort des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. auf die Beschwerde des Rats der Stadt Wasserburg, in der er mitteilte, dass die &#039;&#039;„notturfft“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Existenzminimum.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Soldaten sichergestellt werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Scharwerksdienste und Schanzarbeiten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegskontributionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Bauernaufstand (1633/1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Pest (1634/1635) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedisch-französische Krieg (1635 – 1648) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Brief des Kurfürsten Maximilian I. vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg. StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“)&lt;/div&gt;</summary>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dreißigjähriger Krieg (1618 – 1648) – Die sozialen Folgen für die Bevölkerung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg brachte unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in Wasserburg. Die sozialen Folgen im Vergleich mit Rosenheim, Mühldorf und Trostberg. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes „local History &amp;amp; History of Arts“ der Stadt Wasserburg am Inn, 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einquartierungen, Schikanen der beherbergten Regimenter, Kriegskontributionen und Seuchen bestimmten den Alltag der Menschen – auch in den über weite Strecken nicht unmittelbar von Kampfhandlungen betroffenen Städten wie Wasserburg am Inn. Denn die vermeintlich eigenen, die kaiserlichen und bayerischen Truppen plünderten und mordeten kaum weniger als die feindliche Soldateska. 1632 kamen erstmals feindliche Truppen in das Territorium des Kurfürstentums Bayern, wo sie bis zum Jahr 1634 verblieben. In dieser Phase hatte die Wasserburger Bevölkerung massiv unter den indirekten Folgen des Krieges zu leiden. Erst im letzten Kriegsjahr 1648 war das Gebiet am Inn direkt von Feindeinwirkung betroffen und es bestand die Gefahr, dass Schweden und Franzosen den Inn überschreiten, um nach Österreich vorzudringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, 1998, 1081.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Phase wurde Wasserburg drei Tage von Schweden und Franzosen belagert. Der schwedisch-französische Vormarsch fand in Wasserburg seine Grenze und der Inn wurde für Habsburg zum rettenden Schutzwall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedische Krieg (1632 – 1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. April 1632 kam der Dreißigjährige Krieg nach Bayern, als Gustav Adolf&amp;lt;ref&amp;gt;Marcus Junkelmann, Gustav Adolf (1594–1632). Schwedens Aufstieg zur Großmacht, 1993.&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Rain am Lech den Flussübergang erzwang. In den folgenden Wochen konnte er Augsburg, Landshut und Freising erobern und am 17. Mai in München einziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Göran Rystad, Die Schweden in Bayern während des Dreißigjährigen Krieges, in: Hubert Glaser (Hg.), Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst. Band II/1, 1980, 424–435, hier 425.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nun bestand für Wasserburg erstmals im Krieg direkte Gefahr, denn es war das Kriegsziel Gustav Adolfs, das habsburgische Erbland anzugreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg im Dreißigjährigen Krieg 1632–1634, 1986, 14–15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der undurchsichtigen strategischen Lage zog Gustav Adolf allerdings am 7. Juni 1632 mit der Hauptmacht seines Heeres von München Richtung Augsburg ab. Dennoch war die Sorge der Bevölkerung östlich des Inns groß. Maria Magdalena Haidenbucher, Äbtissin von Frauenwörth, vermerkte in ihrem Tagebuch, dass &#039;&#039;„Sich aber Jeder man besorgt hat. es mechte sich villeicht die schwedische Macht ersterckhen vnd auf waserburg khumben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Maria Magdalena Haidenbucher, Geschicht Buech de Anno 1609 biß 1650. Das Tagebuch der Maria Magdalena Haidenbucher (1576–1650), Äbtissin von Frauenwörth, hg. v. Gerhard Stalla, 1988, 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar drangen schwedische Truppen in den nächsten Wochen noch weiter nach Osten vor, doch handelte es sich dabei nur um kleine, streifende Reitertrupps, die der befestigten Stadt Wasserburg nicht gefährlich werden konnten. Grundsätzlich sind die Sorgen der Äbtissin Haidenbucher nachvollziehbar. Der Inn und insbesondere Wasserburg war ein Schutzwall für die Gebiete östlich davon, damit auch für das Gebiet um den Chiemsee. Würde der Feind den Inn überschreiten, wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Kloster Frauenwörth im Chiemsee von der feindlichen Soldateska geplündert würde. Im November 1632 fiel Gustav Adolf bei Lützen. Die Kämpfe seiner Nachfolger mit den kaiserlich-bayerischen Truppen zogen sich über Monate hin und verwüsteten das Kurfürstentum schrecklich.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 426–427.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im letzten Jahresviertel 1633 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen wieder intensiver. Da der bayerische Kurfürst Maximilian I. nicht absehen konnte, wie weit die feindlichen Truppen nach Osten vordringen würden, befahl er vorsorglich, die Innlinie an den Standorten Wasserburg, Braunau, Schärding und Passau zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Juni 1634 gelang es kaiserlich-bayerischen Truppen, das von Schweden besetzte Regensburg zu erobern. Nach der schweren Niederlage der Schweden am 6. September 1634 bei Nördlingen konnte Bayern von der schwedischen Besatzung befreit werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 427–433.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einquartierungen == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Invasion Gustav Adolfs begann für die Wasserburger Bevölkerung eine von Drangsalen und Entbehrungen geprägte zweieinhalbjährige Leidenszeit. Das zunächst nur aus Landvolk&amp;lt;ref&amp;gt;Kriegsdienst leistende Bauern und Bürger.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus den umliegenden Gerichten bestehende Verteidigungskontingent wurde Ende April durch kaiserlich-bayerische Soldaten verstärkt. In den folgenden Monaten waren permanent Soldaten einquartiert, für die Verpflegung aus der Bevölkerung aufgebracht werden musste. Hinzu kam die Versorgung der Pferde mit Hafer, Heu und Stroh. Vermutlich mussten die rund 1.000 Wasserburger einer etwa gleichen Anzahl an Soldaten samt Gefolge Unterkunft und Verpflegung bieten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben den Familien der Soldaten und den Dienern der Offiziere war im Dreißigjährigen Krieg marodierendes Gesindel Teil des Trosses. Die Gefolgschaft der Truppen führte dazu, dass sich die unterzubringende und zu verpflegende Zahl von Menschen verdoppelte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siegfried Fiedler, Kriegswesen und Kriegsführung im Zeitalter der Landsknechte, 1985, 162.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Brief vom 21. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 21. Mai 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“).&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten Bürgermeister und Rat dem Kurfürsten von 1.250 Einquartierten. Der Rat beschwert sich, dass &#039;&#039;„die arme burgerschafft […] den geworbnen essen und trinkhen raichen“&#039;&#039; solle. Es wird argumentiert, dass die Bürger den Soldaten nichts schuldig wären und sich die Einquartierten Essen und Trinken von ihrem Monatssold kaufen sollten. &#039;&#039;„Ligerstatt, holz, licht unnd salz“&#039;&#039; werden hingegen gehorsam bereitgestellt. Am 24. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam aus Salzburg eine kurze Antwort des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. auf die Beschwerde des Rats der Stadt Wasserburg, in der er mitteilte, dass die &#039;&#039;„notturfft“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Existenzminimum.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Soldaten sichergestellt werden musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Scharwerksdienste und Schanzarbeiten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegskontributionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Bauernaufstand (1633/1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Pest (1634/1635) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedisch-französische Krieg (1635 – 1648) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Mschwanse</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dreißigjähriger Krieg (1618 – 1648) – Die sozialen Folgen für die Bevölkerung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg brachte unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in Wasserburg. Die sozialen Folgen im Vergleich mit Rosenheim, Mühldorf und Trostberg. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes „local History &amp;amp; History of Arts“ der Stadt Wasserburg am Inn, 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einquartierungen, Schikanen der beherbergten Regimenter, Kriegskontributionen und Seuchen bestimmten den Alltag der Menschen – auch in den über weite Strecken nicht unmittelbar von Kampfhandlungen betroffenen Städten wie Wasserburg am Inn. Denn die vermeintlich eigenen, die kaiserlichen und bayerischen Truppen plünderten und mordeten kaum weniger als die feindliche Soldateska. 1632 kamen erstmals feindliche Truppen in das Territorium des Kurfürstentums Bayern, wo sie bis zum Jahr 1634 verblieben. In dieser Phase hatte die Wasserburger Bevölkerung massiv unter den indirekten Folgen des Krieges zu leiden. Erst im letzten Kriegsjahr 1648 war das Gebiet am Inn direkt von Feindeinwirkung betroffen und es bestand die Gefahr, dass Schweden und Franzosen den Inn überschreiten, um nach Österreich vorzudringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, 1998, 1081.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Phase wurde Wasserburg drei Tage von Schweden und Franzosen belagert. Der schwedisch-französische Vormarsch fand in Wasserburg seine Grenze und der Inn wurde für Habsburg zum rettenden Schutzwall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedische Krieg (1632 – 1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. April 1632 kam der Dreißigjährige Krieg nach Bayern, als Gustav Adolf&amp;lt;ref&amp;gt;Marcus Junkelmann, Gustav Adolf (1594–1632). Schwedens Aufstieg zur Großmacht, 1993.&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Rain am Lech den Flussübergang erzwang. In den folgenden Wochen konnte er Augsburg, Landshut und Freising erobern und am 17. Mai in München einziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Göran Rystad, Die Schweden in Bayern während des Dreißigjährigen Krieges, in: Hubert Glaser (Hg.), Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst. Band II/1, 1980, 424–435, hier 425.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nun bestand für Wasserburg erstmals im Krieg direkte Gefahr, denn es war das Kriegsziel Gustav Adolfs, das habsburgische Erbland anzugreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg im Dreißigjährigen Krieg 1632–1634, 1986, 14–15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der undurchsichtigen strategischen Lage zog Gustav Adolf allerdings am 7. Juni 1632 mit der Hauptmacht seines Heeres von München Richtung Augsburg ab. Dennoch war die Sorge der Bevölkerung östlich des Inns groß. Maria Magdalena Haidenbucher, Äbtissin von Frauenwörth, vermerkte in ihrem Tagebuch, dass &#039;&#039;„Sich aber Jeder man besorgt hat. es mechte sich villeicht die schwedische Macht ersterckhen vnd auf waserburg khumben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Maria Magdalena Haidenbucher, Geschicht Buech de Anno 1609 biß 1650. Das Tagebuch der Maria Magdalena Haidenbucher (1576–1650), Äbtissin von Frauenwörth, hg. v. Gerhard Stalla, 1988, 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar drangen schwedische Truppen in den nächsten Wochen noch weiter nach Osten vor, doch handelte es sich dabei nur um kleine, streifende Reitertrupps, die der befestigten Stadt Wasserburg nicht gefährlich werden konnten. Grundsätzlich sind die Sorgen der Äbtissin Haidenbucher nachvollziehbar. Der Inn und insbesondere Wasserburg war ein Schutzwall für die Gebiete östlich davon, damit auch für das Gebiet um den Chiemsee. Würde der Feind den Inn überschreiten, wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Kloster Frauenwörth im Chiemsee von der feindlichen Soldateska geplündert würde. Im November 1632 fiel Gustav Adolf bei Lützen. Die Kämpfe seiner Nachfolger mit den kaiserlich-bayerischen Truppen zogen sich über Monate hin und verwüsteten das Kurfürstentum schrecklich.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 426–427.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im letzten Jahresviertel 1633 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen wieder intensiver. Da der bayerische Kurfürst Maximilian I. nicht absehen konnte, wie weit die feindlichen Truppen nach Osten vordringen würden, befahl er vorsorglich, die Innlinie an den Standorten Wasserburg, Braunau, Schärding und Passau zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Juni 1634 gelang es kaiserlich-bayerischen Truppen, das von Schweden besetzte Regensburg zu erobern. Nach der schweren Niederlage der Schweden am 6. September 1634 bei Nördlingen konnte Bayern von der schwedischen Besatzung befreit werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 427–433.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einquartierungen == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Invasion Gustav Adolfs begann für die Wasserburger Bevölkerung eine von Drangsalen und Entbehrungen geprägte zweieinhalbjährige Leidenszeit. Das zunächst nur aus Landvolk&amp;lt;ref&amp;gt;Kriegsdienst leistende Bauern und Bürger.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus den umliegenden Gerichten bestehende Verteidigungskontingent wurde Ende April durch kaiserlich-bayerische Soldaten verstärkt. In den folgenden Monaten waren permanent Soldaten einquartiert, für die Verpflegung aus der Bevölkerung aufgebracht werden musste. Hinzu kam die Versorgung der Pferde mit Hafer, Heu und Stroh. Vermutlich mussten die rund 1.000 Wasserburger einer etwa gleichen Anzahl an Soldaten samt Gefolge Unterkunft und Verpflegung bieten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben den Familien der Soldaten und den Dienern der Offiziere war im Dreißigjährigen Krieg marodierendes Gesindel Teil des Trosses. Die Gefolgschaft der Truppen führte dazu, dass sich die unterzubringende und zu verpflegende Zahl von Menschen verdoppelte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siegfried Fiedler, Kriegswesen und Kriegsführung im Zeitalter der Landsknechte, 1985, 162.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Brief vom 21. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 21. Mai 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“).&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten Bürgermeister und Rat dem Kurfürsten von 1.250 Einquartierten. Der Rat beschwert sich, dass &#039;&#039;„die arme burgerschafft […] den geworbnen essen und trinkhen raichen“&#039;&#039; solle. Es wird argumentiert, dass die Bürger den Soldaten nichts schuldig wären und sich die Einquartierten Essen und Trinken von ihrem Monatssold kaufen sollten. &#039;&#039;„Ligerstatt, holz, licht unnd salz“&#039;&#039; werden hingegen gehorsam bereitgestellt. Am 24. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam aus Salzburg eine kurze Antwort des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. auf die Beschwerde des Rats der Stadt Wasserburg, in der er mitteilte, dass die &#039;&#039;„notturfft“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Existenzminimum.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Soldaten sichergestellt werden musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<title>Dreißigjähriger Krieg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Mschwanse: &lt;/p&gt;
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&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Dreißigjähriger Krieg (1618 - 1648) - Die sozialen Folgen für die Bevölkerung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg brachte unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in Wasserburg. Die sozialen Folgen im Vergleich mit Rosenheim, Mühldorf und Trostberg. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes „local History &amp;amp; History of Arts“ der Stadt Wasserburg am Inn, 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einquartierungen, Schikanen der beherbergten Regimenter, Kriegskontributionen und Seuchen bestimmten den Alltag der Menschen – auch in den über weite Strecken nicht unmittelbar von Kampfhandlungen betroffenen Städten wie Wasserburg am Inn. Denn die vermeintlich eigenen, die kaiserlichen und bayerischen Truppen plünderten und mordeten kaum weniger als die feindliche Soldateska. 1632 kamen erstmals feindliche Truppen in das Territorium des Kurfürstentums Bayern, wo sie bis zum Jahr 1634 verblieben. In dieser Phase hatte die Wasserburger Bevölkerung massiv unter den indirekten Folgen des Krieges zu leiden. Erst im letzten Kriegsjahr 1648 war das Gebiet am Inn direkt von Feindeinwirkung betroffen und es bestand die Gefahr, dass Schweden und Franzosen den Inn überschreiten, um nach Österreich vorzudringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, 1998, 1081.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Phase wurde Wasserburg drei Tage von Schweden und Franzosen belagert. Der schwedisch-französische Vormarsch fand in Wasserburg seine Grenze und der Inn wurde für Habsburg zum rettenden Schutzwall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der schwedische Krieg (1632 – 1634) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. April 1632 kam der Dreißigjährige Krieg nach Bayern, als Gustav Adolf&amp;lt;ref&amp;gt;Marcus Junkelmann, Gustav Adolf (1594–1632). Schwedens Aufstieg zur Großmacht, 1993.&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Rain am Lech den Flussübergang erzwang. In den folgenden Wochen konnte er Augsburg, Landshut und Freising erobern und am 17. Mai in München einziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Göran Rystad, Die Schweden in Bayern während des Dreißigjährigen Krieges, in: Hubert Glaser (Hg.), Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst. Band II/1, 1980, 424–435, hier 425.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nun bestand für Wasserburg erstmals im Krieg direkte Gefahr, denn es war das Kriegsziel Gustav Adolfs, das habsburgische Erbland anzugreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg im Dreißigjährigen Krieg 1632–1634, 1986, 14–15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der undurchsichtigen strategischen Lage zog Gustav Adolf allerdings am 7. Juni 1632 mit der Hauptmacht seines Heeres von München Richtung Augsburg ab. Dennoch war die Sorge der Bevölkerung östlich des Inns groß. Maria Magdalena Haidenbucher, Äbtissin von Frauenwörth, vermerkte in ihrem Tagebuch, dass &#039;&#039;„Sich aber Jeder man besorgt hat. es mechte sich villeicht die schwedische Macht ersterckhen vnd auf waserburg khumben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Maria Magdalena Haidenbucher, Geschicht Buech de Anno 1609 biß 1650. Das Tagebuch der Maria Magdalena Haidenbucher (1576–1650), Äbtissin von Frauenwörth, hg. v. Gerhard Stalla, 1988, 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar drangen schwedische Truppen in den nächsten Wochen noch weiter nach Osten vor, doch handelte es sich dabei nur um kleine, streifende Reitertrupps, die der befestigten Stadt Wasserburg nicht gefährlich werden konnten. Grundsätzlich sind die Sorgen der Äbtissin Haidenbucher nachvollziehbar. Der Inn und insbesondere Wasserburg war ein Schutzwall für die Gebiete östlich davon, damit auch für das Gebiet um den Chiemsee. Würde der Feind den Inn überschreiten, wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Kloster Frauenwörth im Chiemsee von der feindlichen Soldateska geplündert würde. Im November 1632 fiel Gustav Adolf bei Lützen. Die Kämpfe seiner Nachfolger mit den kaiserlich-bayerischen Truppen zogen sich über Monate hin und verwüsteten das Kurfürstentum schrecklich.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 426–427.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im letzten Jahresviertel 1633 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen wieder intensiver. Da der bayerische Kurfürst Maximilian I. nicht absehen konnte, wie weit die feindlichen Truppen nach Osten vordringen würden, befahl er vorsorglich, die Innlinie an den Standorten Wasserburg, Braunau, Schärding und Passau zu verstärken.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Juni 1634 gelang es kaiserlich-bayerischen Truppen, das von Schweden besetzte Regensburg zu erobern. Nach der schweren Niederlage der Schweden am 6. September 1634 bei Nördlingen konnte Bayern von der schwedischen Besatzung befreit werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Rystad, Die Schweden in Bayern (wie Anm. 4), 427–433.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einquartierungen == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Invasion Gustav Adolfs begann für die Wasserburger Bevölkerung eine von Drangsalen und Entbehrungen geprägte zweieinhalbjährige Leidenszeit. Das zunächst nur aus Landvolk&amp;lt;ref&amp;gt;Kriegsdienst leistende Bauern und Bürger.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus den umliegenden Gerichten bestehende Verteidigungskontingent wurde Ende April durch kaiserlich-bayerische Soldaten verstärkt. In den folgenden Monaten waren permanent Soldaten einquartiert, für die Verpflegung aus der Bevölkerung aufgebracht werden musste. Hinzu kam die Versorgung der Pferde mit Hafer, Heu und Stroh. Vermutlich mussten die rund 1.000 Wasserburger einer etwa gleichen Anzahl an Soldaten samt Gefolge Unterkunft und Verpflegung bieten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildgruber, Die feste Stadt Wasserburg (wie Anm. 5), 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben den Familien der Soldaten und den Dienern der Offiziere war im Dreißigjährigen Krieg marodierendes Gesindel Teil des Trosses. Die Gefolgschaft der Truppen führte dazu, dass sich die unterzubringende und zu verpflegende Zahl von Menschen verdoppelte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siegfried Fiedler, Kriegswesen und Kriegsführung im Zeitalter der Landsknechte, 1985, 162.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Brief vom 21. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief der Stadt Wasserburg vom 21. Mai 1632 an den Kurfürsten, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70 (=I. Altes Archiv „Kommunalarchiv“ und „Stiftungsarchiv“).&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten Bürgermeister und Rat dem Kurfürsten von 1.250 Einquartierten. Der Rat beschwert sich, dass &#039;&#039;„die arme burgerschafft […] den geworbnen essen und trinkhen raichen“&#039;&#039; solle. Es wird argumentiert, dass die Bürger den Soldaten nichts schuldig wären und sich die Einquartierten Essen und Trinken von ihrem Monatssold kaufen sollten. &#039;&#039;„Ligerstatt, holz, licht unnd salz“&#039;&#039; werden hingegen gehorsam bereitgestellt. Am 24. Mai 1632&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Kurfürsten vom 24. Mai 1632 an die Stadt Wasserburg, StadtA Wasserburg a. Inn, I1b70.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam aus Salzburg eine kurze Antwort des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. auf die Beschwerde des Rats der Stadt Wasserburg, in der er mitteilte, dass die &#039;&#039;„notturfft“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Existenzminimum.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Soldaten sichergestellt werden musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Dreißigjähriger Krieg (1618 - 1648) - Die sozialen Folgen für die Bevölkerung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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Der Dreißigjährige Krieg brachte unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in Wasserburg. Die sozialen Folgen im Vergleich mit Rosenheim, Mühldorf und Trostberg. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes „local History &amp;amp; History of Arts“ der Stadt Wasserburg am Inn, 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einquartierungen, Schikanen der beherbergten Regimenter, Kriegskontributionen und Seuchen bestimmten den Alltag der Menschen – auch in den über weite Strecken nicht unmittelbar von Kampfhandlungen betroffenen Städten wie Wasserburg am Inn. Denn die vermeintlich eigenen, die kaiserlichen und bayerischen Truppen plünderten und mordeten kaum weniger als die feindliche Soldateska. 1632 kamen erstmals feindliche Truppen in das Territorium des Kurfürstentums Bayern, wo sie bis zum Jahr 1634 verblieben. In dieser Phase hatte die Wasserburger Bevölkerung massiv unter den indirekten Folgen des Krieges zu leiden. Erst im letzten Kriegsjahr 1648 war das Gebiet am Inn direkt von Feindeinwirkung betroffen und es bestand die Gefahr, dass Schweden und Franzosen den Inn überschreiten, um nach Österreich vorzudringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, 1998, 1081.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Phase wurde Wasserburg drei Tage von Schweden und Franzosen belagert. Der schwedisch-französische Vormarsch fand in Wasserburg seine Grenze und der Inn wurde für Habsburg zum rettenden Schutzwall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Mschwanse</name></author>
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		<title>Kategorie:Manuel Schwanse</title>
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&lt;div&gt;[[Category:Autoren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Autor des Historischen Lexikons Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuel Schwanse, B.A., M.A, Jahrgang 1990, ist wissenschaftlicher Dokumentar im Historischen Archiv des Bayerischen Rundfunks. &lt;br /&gt;
Arbeitsschwerpunkte sind: Aktenerschließung; Ingest digitaler Bestände; Durchführen von bestandssichernden Maßnahmen; Beantwortung von internen und externen Anfragen; Führen von Besuchergruppen durch das Archiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Folgende Beiträge wurden vom Autor in diesem Lexikon verfasst:&#039;&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Mschwanse</name></author>
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