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	<title>Historisches Lexikon Wasserburg - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Erster_Weltkrieg&amp;diff=14143</id>
		<title>Erster Weltkrieg</title>
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		<updated>2023-10-07T13:30:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Artikel wird derzeit erstellt. Wir bitten noch um etwas Geduld.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Lage in Europa 1914 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg dürfte Europa wohl auf dem Höhepunkt seiner globalen Dominanz gestanden haben. Durch die industrielle Revolution und die Bevölkerungsexplosion war es den Staaten in Europa zusammen mit den ebenfalls seit Ende des 19. Jahrhunderts imperial agierenden Mächten Japan und USA gelungen, eine globale politische Herrschaft zu etablieren. Der Erwerb von Kolonien in Afrika und Asien dokumentierte diese Dominanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sprach man lange von einer Pentarchie, weil es hier fünf Großmächte gab, die, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung, die Welt zu beherrschen suchten. Es handelte sich um das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland, die französische Republik, das zaristische Russland, das deutsche Kaiserreich und das Kaiserreich Österreich-Ungarn. Die USA, China und Japan wurden in dieser Sichtweise noch nicht als imperialistische Großmächte im engeren Sinne angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Politik des deutschen Kaiserreichs unter Bismarck, jenes &#039;&#039;Spiel mit den fünf Bällen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Bezeichnung hatte sich im Deutschen Kaiserreich für Bismarcks Europapolitik eingebürgert und bezeichnete das Bemühen, die fünf Großmächte in Europa in einem Gleichgewicht zu halten, damit ein brüchiger Friede gewahrt werden konnte. Bismarck hatte immer wieder betont, dass sich Deutschland in einer &#039;&#039;Mittellage&#039;&#039; befinde und es daher ein ureigenes deutsches Interesse sei, dieses Gleichgewicht zu erhalten. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts im Grunde erfolgreich, da das kaiserliche Deutschland keine Kolonialpolitik betreiben wollte. Bismarcks Credo, Deutschland sei saturiert &amp;lt;ref&amp;gt;Bei der Reichsgründung 1871 soll Bismarck dies verkündet haben, um die anderen europäischen Mächte dahingehend zu beruhigen, dass Deutschland keinen Kolonialbesitz anstrebe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, hatte also zumindest in dieser Hinsicht eine gewisse friedenssichernde Qualität. Mit dem Tode Kaiser Wilhelm I. 1888, der kurz darauf erfolgten Inthronisierung von Kaiser Wilhelm II. und dem Rücktritt des Reichskanzlers Otto von Bismarck 1890 änderte sich die deutsche Außenpolitik aber grundlegend. Das Deutsche Reich war nunmehr an Kolonien interessiert, Wilhelm II. wollte &#039;&#039;Weltgeltung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;   Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Aussenpolitik|Lemo, Aussenpolitik]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; für Deutschland und suchte z.B. die britische Überlegenheit auf dem Gebiet der Marine durch rüstungsintensive Investitionen abzubauen und geriet in eine Situation, die dazu führte, dass Russland, Frankreich und das Vereinigte Königreich mit der &#039;&#039;Entente Cordiale&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Entente|Lemo, Entente]].  &amp;lt;/ref&amp;gt; ein Bündnis begründeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren vor 1914 rüsteten alle europäischen Großmächte intensiv auf, Deutschland hatte ab 1912 hierbei einen gewissen Vorsprung, den Russland bis 1916/17 abzubauen gedachte, weshalb sich unter den deutschen Militärs die Auffassung durchsetzen konnte, dass ein Krieg 1913/14 wohl sinnvoller und Erfolg versprechender sei als zwei oder drei Jahre später. Deutschland befand sich in einem Bündnis mit Österreich-Ungarn und in gewisser Weise auch mit Italien und dem Osmanischen Reich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr unsicher war die Situation auf dem Balkan. Österreich-Ungarn hatte 1908 Bosnien-Herzegowina annektiert; darüber hinaus hatte die Donaumonarchie Teile Galiziens okkupiert. &lt;br /&gt;
Die in Russland weit verbreitete Ideologie des Panslawismus&amp;lt;ref&amp;gt;Insbesondere sollten die osteuropäischen Gebiete, in denen &#039;&#039;slawische&#039;&#039; Sprachen vorherrschten, russisch kontrolliert sein. Damit entsprach der &#039;&#039;Panslawismus&#039;&#039; auch dem Bemühen Russlands um einen &#039;&#039;Cordon sanitaire&#039;&#039;, mit dem die Sowjetunion sich gegen die westlichen Mächte zu schützen suchte. &amp;lt;/ref&amp;gt; zielte aber auf eine Kontrolle all dieser Gebiete durch Russland. Dadurch entstanden Konflikte, die eigentlich kaum friedlich gelöst werden konnten. Konflikte und Krisen im Südosten Europas, wo das christliche Europa an das islamische Osmanische Reich grenzte &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Clark, Schlafwandler|Clark, Schlafwandler]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, waren an sich nichts Neues für die Herrschenden in der Welt. Seit 1911 aber verschärfte sich die Situation: Italien begann im September 1911 einen Eroberungskrieg im heutigen Libyen. Da dieser Angriff mehrere Überfälle auf osmanische Gebiete auf dem Balkan provozierte, geriet auch das geopolitische Gleichgewicht in eine klare Schieflage. Die Balkankriege &amp;lt;ref&amp;gt; Montenegro erklärte dem Osmanischen Reich am 25. September 1912 und am 16. Oktober 1912 das Osmanische Reich Bulgarien den Krieg. Am Tag darauf erklärten Serbien, Bulgarien und Griechenland gemeinsam dem Osmanischen Reich den Krieg.&lt;br /&gt;
Die folgenden militärischen Niederlagen des Osmanischen Reiches, das durch den 1912 verlorenen Italienisch-Türkischen Krieg und verschiedene Aufstände in den Balkanprovinzen schon vorher geschwächt war, machten deutlich, dass es seine europäische Herrschaft so nicht mehr länger würde aufrechterhalten können. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; sorgten nunmehr dafür, dass sich das Osmanische Reich, abgesehen von einem kleinen thrakischen Zipfel, in Europa nicht mehr länger halten konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann man erkennen, dass die Großmächte um die Vorherrschaft in Europa und der Welt kämpften und hier spielte das Mittelmeer eine bedeutsame Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur daran, dass Russland seit jeher einen eisfreien Hafen wünschte, der aber in der Ostsee kaum realisiert werden konnte, da der nördlichste eisfreie Hafen Königsberg in Ostpreußen war, das auf dem Territorium des Deutschen Reiches lag. Von den russischen Häfen im Schwarzen Meer (Rostow am Don, Sewastopol, Mariupol, Odessa) konnte man das Mittelmeer nur erreichen, wenn man die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen passieren konnte. Beide Meerengen wurden aber vom Osmanischen Reich kontrolliert. Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn war sehr daran interessiert, seine Häfen in der Adria, also v.a. Fiume (Rijeka) und Pola in Istrien zu bewahren. Das Vereinigte Königreich war seinerseits brennend daran interessiert, den Suez-Kanal und die Meerenge von Gibraltar dauerhaft unter britischer Kontrolle zu halten. &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Zentrum der europäischen Konflikte stand natürlich der Balkan, von dem große Teile bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts vom Osmanischen Reich kontrolliert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Russland, das auch mit seiner Ideologie des Panslawismus die Kriegsbereitschaft anheizte. Es darf allerdings festgestellt werden, dass wohl eine gewisse Kriegsbereitschaft in vielen europäischen Staaten vorherrschte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Attentat auf den österreichisch-ungarischen Kronprinzen Franz Ferdinand und seine Gattin in Sarajevo am 28. Juni 1914 war die Kriegsbegeisterung bei allen Großmächten ganz offensichtlich stärker als die Friedenssehnsucht. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Akten, die über den Besuch des französischen Präsidenten Poincaré im Juli 1914 in St. Petersburg Auskunft geben könnten, sowohl auf französischer als auch auf russischer Seite verschwunden sind. Man ist also gezwungen, die Ereignisse im Juli 1914 im Großen und Ganzen zu erschließen, da wichtige Quellen anscheinend vernichtet wurden oder jedenfalls nicht zugänglich sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hier ausführlich: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#McMeekin, Russlands Weg in den Krieg|McMeekin, Russlands Weg in den Krieg]], 75 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zur Situation in Wasserburg 1914 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in Wasserburg dürfte die Kriegsbegeisterung im Sommer 1914 groß gewesen sein. Und es darf die These gewagt werden, dass auch hier die militärische Option gegenüber der politischen die Oberhand behielt. Allerdings wurden die Ereignisse ab dem 23. Juli 1914, dem Tag, an dem der französische Staatspräsident Poincaré St. Petersburg verließ und die Österreichisch-Ungarische Regierung der Serbischen ihr Ultimatum vorlegte, weder in der Ausgabe des Wasserburger Anzeigers vom 25. Juli 1914 noch in der vom 28. Juli 1914 erwähnt. Dies geschah erst am 30. Juli 1914. Viele andere Zeitungen berichteten hingegen bereits ab 24. Juli 1914 über diese Note, deren Ton als harsch und undiplomatisch interpretiert wurde&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 28.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wasserburger Anzeiger vom 30. Juli 1914 wird die Kriegsbegeisterung deutlich ausgesprochen: Ein Wasserburger, er wird namentlich &#039;&#039;Hr. Ing. Huber&#039;&#039; genannt, er weilte im Juli 1914 in Wien, schrieb an seine Angehörigen und erwähnte hier, dass man es eine &#039;&#039;Erlösung gefunden&#039;&#039; habe, &#039;&#039;daß es einmal losgeht. Vor russischem Eingriff hat man keine Angst.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und später schreibt er dann noch: &#039;&#039;Der Krieg ist sehr populär!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Wasserburger, der seinen Artikel &#039;&#039;Stimmungsbild&#039;&#039; nennt, schreibt allerdings aus Wien. Die Einschätzung, die er liefert, dürfte aber vergleichbar sein. &#039;&#039;Man faßt im übrigen die Sache sehr gelassen auf und läßt sich nicht aus der Gemütlichkeit bringen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen war kein direktes Kriegsgeschehen in Wasserburg spürbar, der Krieg begann in Belgien, wo die deutschen Truppen, dem Schlieffen-Plan folgend, Belgien überrannten, Luxemburg&amp;lt;ref&amp;gt;Luxemburg war übrigens das einzige Land in Europa, das die Besetzung kampflos hinnahm. &amp;lt;/ref&amp;gt; besetzten und in Richtung Frankreich und Ostpreußen (Tannenbergschlacht) marschierten. Insofern spürte man in Wasserburg die Auswirkungen des Krieges zwar sehr deutlich, auch wenn es hier kein Kriegsgeschehen im engeren Sinne gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Deutsche Reich hatte Russland am 1. August 1914 den Krieg erklärt.&lt;br /&gt;
In Bayern &#039;&#039;wurde der Kriegszustand nicht wie im übrigen Reich nach Art. 68 der Reichsverfassung durch den Kaiser ausgesprochen. Vielmehr war gemäß dem bayerischen Gesetz über den Kriegszustand von 1912 hierfür eine königliche Verordnung notwendig. Dies war nur im Kriegsfalle oder bei drohender Kriegsgefahr zulässig, nicht aber wie in Preußen bei einer Bedrohung von innen. Im Weltkrieg wurde der Kriegszustand für Bayern durch die bayerische Verordnung vom 31. Juli 1914 verhängt. Dieses Gesetz sah keine Ermächtigung zum Eingriff in die individuelle Freiheitssphäre vor, sondern nur eine Verschärfung des Strafrechts, insbesondere bei staatsgefährdenden Delikten. Das Standrecht (gemäß bayer. StGB) konnte angeordnet werden, das die Verhängung der Todesstrafe ausdehnte und ein summarisches Verfahren vorsah&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19|Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Telegramme, die der Wasserburger Anzeiger an den Stadtmagistrat übersandte, wiederholen im Großen und Ganzen die allgemeinen Kriegsberichte. Aber dieses Wasserburger Medium beschäftigt sich so gut wie gar nicht mit Wasserburg, wenn es um den Krieg geht. Am 1. November 1914 erscheint jedoch folgende Meldung: &#039;&#039;Ein Hurra! Für unseren Bürgermeister! Unter der Ueberschrift: Ehre, wem Ehre gebührt! Teilt uns soeben eine Anzahl freudeerfüllter Mannschaften des 2. Reserve-Infanterie-Regiments mit, dass ihr Bataillonskommandeur, Herr rechts. Bürgerm. Ertl von Wasserburg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], 212. Anschlag, Telegramm vom 1.11.1914.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere lokale Meldungen sucht man in den Telegrammen des Wasserburger Anzeigers eigentlich vergeblich. Es werden hier im Grunde nur die Frontberichte wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56]]. Die Ordner mit der Benennung Teil 1 und 2 liegen in getippter Form vor, während die Teile 3 und 4 nur in handschriftlicher Form archiviert sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ludwig III. hat am 31.07.1914 die &#039;&#039;Königliche Verordnung vom 31. Juli 1914, die Verhängung des Kriegszustands betreffend herausgegeben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Bayern, Nr. 35 vom 31.7.1914, 327f.&amp;lt;/ref&amp;gt; notwendig, weil die Verfassung ein Sonderrecht für Bayern vorsah. Damit war auch hier der Kriegszustand erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1914 postuliert das kgl. Bezirksamt Wasserburg im Amtsblatt die Notwendigkeit einer militärischen &#039;&#039;Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt des königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 48 vom 23. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde verfügt, dass bis zum 10.11.1914 &#039;&#039;ein Verzeichnis aller derjenigen jungen Männer im Alter  vom vollendeten 16. bis zum 25.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914 wird dieses Alter in &#039;&#039;20 Jahre&#039;&#039; korrigiert. &#039;&#039;Bei der Abfassung des Ausschreibens vom 20. Oktober 1914, Nr. 8490 ist ein Schreibversehen unterlaufen; in Zeile 3 des Absatzes 2 muss es &#039;&#039;statt 25. Lebensjahr&#039;&#039; selbstverständlich heißen: &#039;&#039;20. Lebensjahr&#039;&#039;,&#039;&#039;; in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Lebensjahre unter Angabe ihrer Geburtszeit […] und unter Mitteilung ihrer Bereitwilligkeit, sich für den Dienst des Vaterlandes zu schulen und an den Uebungen teilzunehmen, herzustellen und dem Bezirksamt vorzulegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In den ebenfalls beigefügten &#039;&#039;Richtlinien für die militärische Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]&amp;lt;/ref&amp;gt; vom Oktober 1914 wird eingehend erläutert, welche militärischen Kenntnisse und Fertigkeiten der Jugend in kürzester Zeit zu vermitteln seien. Die Forderung, auch die Namen der jungen Männer mitzuteilen, die nicht fähig oder willens seien, in den Krieg zu ziehen, lässt auf den möglichen Druck schließen, der weniger kriegsbegeisterten jungen Männern wohl drohte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anfängliche Begeisterung bei der Rekrutierung - und die sich daran anschließende Ernüchterung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Krieg ist solange lustig, wie niemand zurückschießt&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 71. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Begeisterung, die in Deutschland anscheinend zunächst vorherrschte, wich jedoch sehr bald einer größeren Ernüchterung. Doch zunächst wollten tatsächlich sehr viele junge Männer in den Krieg ziehen. Im Wasserburger Anzeiger war diesbezüglich zu lesen, dass nicht wenige Männer zur Beichte und anschließend zum &#039;&#039;Tisch des Herrn&#039;&#039; gegangen seien: &#039;&#039;Vor dem Ausmarsch noch eine Verbindung mit Gott! Das nenn ich Gottvertrauen und das wird uns zum Sieg verhelfen!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; In der Zeitung vom 01.08.1914 war noch die Rede davon, dass das Militär nun sprechen müsse, damit es &#039;&#039;endlich&#039;&#039; losgehe.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; Doch schon bald wurde deutlich, dass es in Deutschland kritisch werden könnte, denn zum einen fehlten bald sehr viele Arbeitskräfte, zum zweiten war Deutschland wie kein zweites Land in Europa auf Lebensmittelimporte angewiesen, da es seinen Lebensmittelbedarf nur zu ca. 35% selbst decken konnte. Zum dritten war Deutschland ein rohstoffarmes Land, man war also auch zur Waffenproduktion auf Importe angewiesen, die angesichts der Blockade aber ausblieben. &lt;br /&gt;
Mit Beginn des Krieges wurde auch die formale Pressefreiheit aufgehoben. Die Medienkontrolle ging an 62 verschiedene Zensurstellen beim Militär über, die unabhängig voneinander agierten. Dadurch kam es wiederholt zu sich widersprechenden Auflagen der Zensurstellen. Generell verboten waren kriegsrelevante Nachrichten wie Truppenbewegungen, Statistiken über Verluste an der Front, aber auch Informationen über besondere Notlagen der Bevölkerung. Überwacht wurden Texte über Friedensbestrebungen und über die Unterdrückung fremder Völker.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg|Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ist nachvollziehbar, da die Kriegsgegner keine Informationen über die eigene Kriegsstrategie erhalten sollten, andererseits diente diese Zensur natürlich und vor allem der Desinformation der eigenen Bevölkerung, damit die Kriegsbegeisterung aufrechterhalten bleiben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern gibt die Lektüre zeitgenössischer Quellen nur unzureichend Aufschluss über das Geschehen nach dem 1. August 1914. Was aber feststeht, ist die Tatsache, dass die politischen Entscheidungsträger den militärischen das alleinige Entscheidungsrecht zubilligten, wie im Kriege zu handeln sei. Kaiser Wilhelm II. blieb zwar formal an der Spitze des Reiches, hatte aber tatsächlich nicht mehr viel zu sagen. &#039;&#039;Wenn man so will, schließen Militärs und Kaiser unausgesprochen einen Pakt: Der Kaiser genehmigt zumeist anstandslos die Planungen des Generalstabschefs und erteilt ihm die Vollmacht, in seinem Namen Befehle zu erteilen. Im Gegenzug achtet die militärische Führung darauf, den Anschein der kaiserlichen Befehlsgewalt dem Volk gegenüber zu wahren. Als der Krieg beginnt, befindet sich der Monarch deshalb in einer eigentümlichen Lage: Er steht mitten im Geschehen und bleibt doch außen vor.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Menschen 1914|o.V., Menschen 1914]], 25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die sprunghaft nach oben schnellenden Zahlen der gefallenen Soldaten dürften dafür gesorgt haben, dass die Kriegsbegeisterung recht bald einer großen Ernüchterung wich, ebenso wie die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung mit Lebensmitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nicht immer große Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen, führte zu Klagen. So beklagt sich der stellvertretende Vorsitzende des Wehrbundes Wasserburg in einem Schreiben, &#039;&#039;dass in der letzten Zeit eine ziemliche Zahl ohne Grund und unentschuldigt den [Wehr-] Übungen fern blieb. […] Die Leitung des Wehrbundes spricht die bestimmte Erwartung aus, daß dieser Appell an das Ehrgefühl und die Treue der Teilnehmer genügt, um die Mitglieder des Wehrbundes zu neuem Eifer anzuspornen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben von Otto Laubet, Rechtsanwalt vom 23. Januar 1915; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe des Krieges wurde der Ton in dieser Hinsicht schärfer, dies dürfte ein Indiz dafür sein, dass sich die Wehrbereitschaft nicht im Interesse des Generalkommandos der Armee entwickelte. So äußert sich der kommandierende General von der Tann in einem Schreiben am 22.2.1917 w.f.: &#039;&#039;Es wurde in Erfahrung gebracht, dass in der Bevölkerung die Ansicht stark verbreitet ist, dass die militärisch vorgebildeten jungen Leute früher an die Front geschickt werden, als die Nichtgeübten. Aus diesem Grunde haben mehrere ehemalige Jungmannen bei ihrem Einrücken zur Truppe ihre frühere Zugehörigkeit zur Jugendwehr absichtlich verschwiegen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Von der Tann betont abschließend in seinem Schreiben, dass die Heeresverwaltung &#039;&#039;keinesfalls […] die Absicht&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; habe, die früheren Angehörigen der militärischen Jugendvereinigungen früher an die Front zu schicken.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgung der Armee mit Soldaten stockte immer wieder, sodass sich das preußische und das Bayerische Kriegsministerium veranlasst sahen, im Frühjahr 1916 einen Aufruf an alle Gemeinden in Bayern zu verfassen, in dem es w.f. heißt: &#039;&#039;Unsere Feinde haben eingesehen, daß sie uns nicht auszuhungern imstande sind. Auch ihre Hoffnung auf Deutschlands finanziellen Zusammenbruch verwandelte sich in Staunen über die unerschöpfliche Finanzkraft des Deutschen Volkes. […] Es muß nur jeder kriegsverwendungsfähige Mann der Front zugeführt werden&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben des kgl. Preuß. Kriegsministeriums und des kgl. Bayer. Kriegsministeriums vom 1. März 1916 bzw. 19. Mai 1916 an sämtliche Gemeindebehörden, zit. n.  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spionagehysterie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz nach dem Ausbruch des Krieges internierte Großbritannien wahllos deutsche, österreichisch-ungarische und osmanische Staatsbürger, die in Großbritannien lebten, auf der Isle of Man. Die Angst, von Spionen umzingelt zu sein, war überall in Europa sehr groß. Als Reaktion setzte die deutsche Reichsleitung ihrerseits im November 1914 britische Staatsbürger und Deutsch-Briten, die teilweise seit Jahrzehnten in Deutschland gelebt hatten, in Lagern fest. Viele Briten hatten sich auch bloß auf Urlaubsreise oder geschäftlich in Deutschland aufgehalten, als der Krieg begann.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Habermehl, Stachldrahtkrankheit|Habermehl, Stachldrahtkrankheit]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Hysterie hielt an, zumal beispielsweise Meldungen über die Doppelagentin Mata Hari das ihrige taten, die entsprechenden Ängste zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegsverwaltung und Beschäftigungssituation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bald nach Kriegsbeginn war ich neben 14 weiblichen Angestellten im Alter von 15 bis 50 Jahren der einzige Mann im Verlag&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 114.&amp;lt;/ref&amp;gt;, konstatierte der Münchner Verleger Reinhard Piper und auch in Wasserburg verschoben sich Stellengesuche und Stellenangebote nach dem Ausbruch des Krieges deutlich. Wurden vor Beginn des Krieges mehrfach Dienstmädchen, Köchinnen und Arbeitskräfte für ähnliche haushaltsnahe Dienstleistungen gesucht, so suchten nunmehr diese selbst eine Beschäftigung.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits war das Stellenangebot für Handwerker und Dienstknechte groß. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Grund ist plausibel wie naheliegend: Während die Männer eingezogen wurden und deshalb die entsprechenden Stellen vakant wurden, konnten sich viele angesichts der massiven Preissteigerungen Haushaltspersonal nicht mehr leisten, sodass nunmehr Köchinnen, Dienstmädchen und ähnliche Beschäftigte eine Arbeit suchten. Aber in Wirklichkeit dürfte es wohl nicht an Arbeitskräften gemangelt haben, sondern an Arbeit. &#039;&#039;Fast alle Kommunalverwaltungen überraschte, dass trotz der Einziehung von Millionen von Männern die Arbeitslosigkeit deutlich zunahm&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 117. &amp;lt;/ref&amp;gt; Bezogen auf ganz Deutschland stieg die Arbeitslosenquote von 2,7% im Juli 1914 auf 22,7% im September 1914.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 215. &amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig sank das Einkommensniveau der Familien beträchtlich: Ein arbeitslos gewordener, gut ausgebildeter Arbeiter mit einem Kind musste mit durchschnittlich 30 Mark Kriegsunterstützung auskommen, vorher standen ihm ca. 128 Mark zur Verfügung.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 121.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reichswollwoche - Vaterländischer Hilfsdienst ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 18. bis 24. Januar 1915 fand die &#039;&#039;Reichswollwoche&#039;&#039; statt. Man sammelte warme Unterkleidung für die deutschen Truppen&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Chronik 1915|Lemo, Chronik 1915]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; und hoffte auf diese Weise, die Kampfbereitschaft zu erhöhen. In Wasserburg wurde die Sammlung im Rahmen der Reichswollwoche jedoch nicht durchgeführt. So kann man im Wasserburger Anzeiger vom 21. Januar 1915 lesen: &#039;&#039;(Wollsachen als Liebesgaben.) Nach übereinstimmenden Mitteilungen, die an das bayerische Landeskomitee vom Roten Kreuz gelangt sind, ist die Versorgung unserer im Felde stehenden Truppen mit Wollsachen auf längere Zeit ausreichend und sogar Überfluß vorhanden. Infolgedessen ist es nicht beabsichtigt, in nächster Zeit Wollsachen in größeren Mengen an die Truppen gelangen zu lassen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Aus diesen Gründen beteiligten sich wohl die Menschen in Oberbayern und auch in Wasserburg nicht im gleichen Umfange an der Reichswollwoche wie in anderen Landesteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr wohl wurden allerdings in Wasserburg Rohstoffe gesammelt, wie z.B. Bierglasdeckel aus Zinn&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Amtsblatt des Königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 10 vom 1. März 1917, 1, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch Schuhwaren. Der Bedarf an Rohstoffen für die Rüstungsindustrie war enorm und konnte auch durch die zahlreichen Sammlungen bei der Bevölkerung nicht gedeckt werden. So nimmt es nicht wunder, dass es immer wieder Mahnungen an die Bevölkerung gab, mehr für die einzelnen Zwecke zu spenden, da anscheinend die Spendenbereitschaft geringer war als der Bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geldbedarf - Nagelung am Rathaustor ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wasserburg fehlten auch die Mittel für die Hinterbliebenen der gefallenen Soldaten. Deshalb beschloss der Magistrat der Stadt, dass im Dezember 1915 das Eingangstor des Rathauses mit einem Löwen und weiteren Verzierungen verschönert werden sollte. Das Bild sollte durch eine Vielzahl unterschiedlich großer Nägel entstehen. Bereits im Frühjahr 1915 wandte sich der Magistrat der Stadt Wasserburg an mehrere Städte in Süddeutschland und fragte an, ob dort ebenfalls an eine Benagelung an wichtigen Gebäuden geplant sei.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt ca. 4.500 Nägel wurden in der Folge in das Rathaustor genagelt, darunter 400 große Nägel, für die allein zwischen 10 und 400 Reichsmark (RM) pro Nagel gespendet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik|Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt gab es drei Größen für die Nägel, für sie wurden Spenden erhoben. Die großen Nägel kosteten mindestens 5 RM, ein mittlerer kostete 2 RM und ein kleiner war für 40 oder 20 Pfennig zu haben. Schulkinder konnten einen kleinen Nagel für 10 Pfennig erwerben. Für den 12. Dezember 1915 wurde zu einer &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; eingeladen, in der &#039;&#039;die Benagelung des Stadtlöwen für das Rathaustor als dauerndes Wahrzeichen der Kriegszeit verbunden wird&#039;&#039;. &amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Woche nach dieser &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; wurden die Schulklassen der Schulen in Wasserburg an das Tor geführt und durften ihrerseits Nägel anbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Umgang mit Hunger und Mangel und die Errichtung einer &amp;quot;Volksküche&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die kriegsbedingten wirtschaftlichen Probleme führten bereits im Winter 1914/15 zu enormen Preissteigerungen und großen Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen|Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Am 23. Juli 1915 erließ deshalb der Bundesrat die &#039;&#039;Bekanntmachung gegen übermäßige Preissteigerung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikimedia, Reichsgesetzblatt|Wikimedia, Reichsgesetzblatt]], 467.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber die Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung kaum zu lösen vermochte. Da Deutschland seit August 1914 unter der Tatsache litt, dass nahezu keine Nahrungsmittel mehr importiert wurden, war den Entscheidungsträgern recht bald deutlich: Man werde die deutsche Bevölkerung kaum ausreichend ernähren können. Spätestens im Januar 1916 dürfte diese Tatsache jedem bewusst gewesen sein. Die Reichsgetreidestelle organisierte zentral den Aufkauf von Brotgetreide und subventionierte auch die Endkundenpreise, die Reichskartoffelstelle übernahm die zu geringen Kartoffelimporte, der Kriegsausschuss für Öle und Fette musste die ausbleibenden Importe von Öl und Fett durch Produkte der einheimischen Landwirtschaft ersetzen. Angesichts dieser Vielzahl von staatlichen Koordinierungsstellen wurde die Versorgung der Bevölkerung jedoch schlechter und nicht besser. &amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 194.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen des akuten Mangels an Fleisch produzierte z.B. die Stadt München &#039;&#039;Kriegswurst&#039;&#039;, das war eine Wurst, die mit Kartoffelschalen und Küchenabfällen gestreckt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da es nirgends genug von dem gab, was man brauchte, entwickelte sich ein Schwarzmarkt und die Menschen verstärkten ihre Hamsterkäufe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 197.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Stettiner Hausbesitzerin Redepenning ist die folgende Quelle überliefert, in der sie eine Mieterhöhung direkt mit den epochalen Ereignissen des Spätsommers 1914 verknüpfte: &#039;&#039;Die gewaltige Wendung, die durch die Gnade des Allmächtigen Gottes unsere durch seine Macht und Kraft bewaffneten Truppen uns errungen haben, lassen uns in eine große gesegnete kommende Zeit blicken. Möchte unser Volk so viel Gnade nie vergessen, nie den alten Gott, der Staat und Volk vor allem Übel bewahrt. Ihre Wohnung kostet vom 1. Oktober ab 30 Mark mehr&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Eduard Engel, 1914. Ein Tagebuch, Braunschweig 1915, zit. n.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 205.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland fehlten bereits ganz offensichtlich 1914 die notwendigen Planungen für eine gesicherte Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Deutschland war das Land in Europa, das von Lebensmittelimporten abhängig war wie kein zweites. Etwa zwei Drittel der notwendigen Lebensmittel wurden vor Kriegsausbruch nach Deutschland importiert. Durch die Schließung der Grenzen war diese Einfuhr fortan nicht mehr möglich, da vor allem die Importe aus Großbritannien und Russland fehlten. Spätestens mit der Gründung des Kriegsernährungsamtes im Mai 1916 stieg der Kartoffelverbrauch in Deutschland auf das Zweieinhalbfache des Vorkriegsniveaus. Da v.a. Fleisch fehlte, wurden sogenannte &#039;&#039;Fleischersatzprodukte&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Hierbei handelte es sich häufig um Kohlrüben, auch Steckrüben genannt, aber auch Küchen- und andere Speiseabfälle, die in die Wurst eingearbeitet wurden. &amp;lt;/ref&amp;gt; in die Wurst eingearbeitet. Zu allem Überfluss war der Herbst 1916 sehr verregnet, deshalb litt die Bevölkerung auch unter der &#039;&#039;Kartoffelfäule&#039;&#039;, die die Kartoffelernte auf ca. 50% der Vorjahresernte reduzierte. So wurde die &#039;&#039;Steckrübe&#039;&#039; ein höchst wichtiges Nahrungsmittel, man fertigte Steckrübensuppe, Steckrübenauflauf, Steckrübenkoteletts, Steckrübenpudding, Steckrübenmarmelade und Steckrübenbrot. Anfang 1916 war in Deutschland eines sehr deutlich: Es würde das ganze Jahr über auf keinen Fall genügend Nahrung für die Bevölkerung geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 193.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 wird das Ausmaß der unzureichenden Ernährung der Bevölkerung offenbar: Am 30. Oktober 1916 erreichte den Wasserburger Magistrat eine Anfrage aus München, ob hier eine &#039;&#039;Volksküche&#039;&#039; geplant sei. Tatsächlich wurde bei der Heeresleitung der Bedarf erkannt, die Ernährung der Bevölkerung als staatliche Aufgabe zu begreifen. Und so wurden die existierenden Gasthäuser nicht selten in &#039;&#039;Speisehäuser&#039;&#039; umgewandelt, damit möglichst viele Menschen zumindest halbwegs ernährt werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Dokumente zur Errichtung einer Volksküche, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II59|StadtA Wasserburg a. Inn, II59]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lisa Marie Tanner hat in ihrer Seminararbeit die Ernährungssituation in Wasserburg während des Ersten Weltkrieges recht treffend beschrieben. Zu Beginn des Krieges sei die Versorgung der Menschen in der Stadt Wasserburg mit Getreide, Kartoffeln und Zucker noch gut gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als sich dann aber die Wintermonate genähert hätten, habe sich der Andrang auf Lebensmittel erhöht. Zudem seien die Lebensmittelpreise stetig gestiegen. Oftmals hätten sich die Menschen in Wasserburg sich zwar gerade noch die Lebensmittel zu den erhöhten Preisen leisten können, nicht aber mehr jene für Miete und Strom.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1915 sind dann Lebensmittelkarten eingeführt worden. Dadurch waren die Bewohner Wasserburgs berechtigt, Waren in bestimmten Läden oder eine Portion Essen in Gaststätten zu erwerben. Man zahlte 30 Pfennig und bekam dafür eine Lebensmittelkarte, mit der man sich beispielsweise entweder drei Liter Milch oder eine Portion Essen oder Fleisch oder Wurst oder Kolonialwaren oder Brot beschaffen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]].  &amp;lt;/ref&amp;gt; Tanner schließt daraus, dass die Lebensmittelkarten einen Ersatz für Geld darstellten.&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Giftgas ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einsatz von Kampfmitteln, die die Atemwege der Soldaten beeinträchtigten, sind schon seit der Antike bekannt. Bereits im Peleponnesischen Krieg (431 - 404 v. Chr.) sollen die Spartaner Brandkörper gegen die Athener eingesetzt haben, um auf diese Weise die Luft mit Schwefeldioxid zu vergiften. Moderne chemische Kriegführung kennen wir seit 1914. Es waren die französischen Streitkräfte, die bereits im August 1914 C-Waffen gegen die deutschen Truppen einsetzten. Allerdings handelte es sich zunächst &#039;&#039;nur&#039;&#039; um das Tränengas Xylylbromid. Für den ersten Einsatz tödlicher Giftgase waren dann allerdings die deutschen Truppen verantwortlich: Am 22. April 1915 griff das XV. Armeekorps unter General Berthold von Deimling zwischen Langemarck und Ypern mit Chlorgas an. Es war Kriegsminister Erich von Falkenhayn, der den Einsatz von Reizstoffen an der Front genehmigte. Da Chlor schwerer ist als Luft, sank es in die französischen Schützengräben. Dieser erste Angriff forderte schätzungsweise 1.200 Tote und 3.000 Verwundete. Damit die Soldaten wussten, was in den einzelnen Gasbehältern enthalten war, erhielten diese farbige Markierungen: Grüne Kreuze standen für Lungenkampfstoffe, blaue Kreuze für Blutkampfstoffe, gelbe für Hautkampfstoffe. Bei einem Chemieangriff mit verschiedenen Kampfstoffen sprachen die Soldaten deshalb lapidar-zynisch vom &#039;&#039;Buntschießen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe|Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verdeutschung ausländischer Begriffe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum war der Erste Weltkrieg ausgebrochen, hielt die patriotische Begeisterung Einzug in fast alle Lebensbereiche. Ebenso wie in Frankreich und Großbritannien, wo deutsche Begriffe getilgt wurden&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur an das Adelsgeschlecht Battenberg, das fürderhin nur noch &#039;&#039;Mountbatten&#039;&#039; genannt werden wollte und auch genannt wurde. &amp;lt;/ref&amp;gt;, versuchten die Deutschen, &#039;&#039;entbehrliche Fremdwörter&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; So eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1915, zit. n.:    [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter|Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter]] .&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem deutschen Sprachgebrauch zu tilgen. Betroffen waren v.a. französischsprachige Redewendungen wie z.B. &#039;&#039;Adieu&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Dafür sollte man jetzt &#039;&#039;Auf Wiedersehen&#039;&#039; sagen. &amp;lt;/ref&amp;gt; Mann und Frau sollten sich nicht mehr zu einem &#039;&#039;Rendez-Vous&#039;&#039; treffen, sondern sich zu einer &#039;&#039;Verabredung&#039;&#039; zusammenfinden. Ähnlich war es mit Begriffen wie z.B. &#039;&#039;Etage&#039;&#039; (Stockwerk) oder &#039;&#039;vis-à-vis&#039;&#039; (von Angesicht zu Angesicht). In den großen Städten wurden auch Eigennamen eingedeutscht wie z.B. &#039;&#039;Café Windsor&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffee Winzer&#039;&#039;, das &#039;&#039;Piccadilly Café&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffeehaus Vaterland&#039;&#039;. Auch der bis heute in Österreich gängige Begriff &#039;&#039;Kaffeehaus&#039;&#039; hat in dieser &#039;&#039;Verdeutschungskampagne&#039;&#039; seinen Ursprung. Aus &#039;&#039;Boutiquen&#039;&#039; wurden &#039;&#039;Modegeschäfte&#039;&#039; und selbst der Begriff &#039;&#039;chic&#039;&#039; wurde durch &#039;&#039;flott&#039;&#039; ersetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Schließlich wurden auch Markennamen eingedeutscht: Vor allem die vor dem Weltkrieg ausgesprochen kosmopolitisch klingenden Zigarettennamen ersetzten die Hersteller wie Manoli oder Garbáty nach Kriegsbeginn sehr schnell durch deutsche Namen. Aus &amp;quot;Duke of Edinborough&amp;quot; wurde &amp;quot;Flaggengala&amp;quot;, aus &amp;quot;Gibson Girl&amp;quot; wurde &amp;quot;Wimpel&amp;quot;, aus &amp;quot;Duke of York&amp;quot; wurde &amp;quot;Graf Yorck von Wartenburg&#039;&#039;. Anfangs überklebten die Hersteller die Zigarettendosen mit der neuen Bezeichnung. Diese Überklebung wurde dann nicht selten auf die Zigarettendosen aufgedruckt, ohne das ursprüngliche Design zu verändern, um die Bindung der Konsumenten an die Marke nicht durch ein neues Design zu stören. So blieb der Eindruck eines nur vorübergehenden Zustands erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Wasserburg ist dieser Trend umgesetzt worden, man kann ihn heute aber im Quellenstudium eigentlich nur daran erkennen, dass auf französisch- und englischsprachige Begriffe signifikant verzichtet wurde, während in den Vorkriegsjahren v.a. die französischsprachigen Begriffe doch weitaus geläufiger waren.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So ist vor Beginn des Krieges von &#039;&#039;Couplet&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; die Rede, von &#039;&#039;Bonbonnière&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder &#039;&#039;Equipage&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Beginn des Krieges las sprach man dagegen vermehrt von &#039;&#039;Strophe&#039;&#039;, &#039;&#039;Pralinen&#039;&#039; (was nun auch nicht sehr deutsch ist) oder &#039;&#039;Ausrüstung&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Sehr ausführlich bei: Oskar Kresse, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter; zit. n.:[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918|Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918]], 103f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schweinemord 1915 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Kriegsausbruch gab es in Deutschland an die 25 Millionen Schweine, die größtenteils mit Gerste gefüttert wurden, die aus Russland importiert wurde. Durch den Handelsboykott, der mit Kriegsbeginn in Kraft trat, unterblieb der Import von Getreide vollkommen. Das führte dazu, dass die Schweine nicht mehr ausreichend gefüttert werden konnten. Am 26.01.1915 konnte man in der Zeitung lesen, dass zu sparsamem Nahrungsmittelverbrauch aufgerufen wurde und dass der Höchstpreis für Roggen- oder Weizenkleie den Betrag von 13 Mark pro Doppelzentner nicht übersteigen dürfe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch mussten viele Schweine geschlachtet werden, etwa ein Drittel des Bestandes wurde 1915 getötet, weil das Futter nicht mehr ausreichte. Die Folge war ein Preisverfall für Schweinefleisch bei gleichzeitiger Preissteigerung für andere Lebensmittel. Im Wasserburger Anzeiger wurde mehrfach inseriert, dass Futterschweine &#039;&#039;billigst abzugeben&#039;&#039; und &#039;&#039;Futterferkel zu verkaufen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. aus der Fülle der Beispiele [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915]], 4./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; seien. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1915 gab es einen regelrechten Preisverfall bei Schweinefleisch. Im ersten Quartal 1915 wurden an die fünf Millionen Schweine geschlachtet. Allerdings stiegen die Preise in der zweiten Jahreshälfte 1915 wieder an, weil es nunmehr an Schlachtvieh gemangelt haben dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegsgefangene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt 8 Millionen Soldaten gerieten während des Ersten Weltkrieges in Kriegsgefangenschaft, mehr als 800.000 davon waren Deutsche. Von den 13 Millionen deutschen Kriegsteilnehmern sind also knapp 10% in Gefangenschaft geraten. Die Wasserburger Kriegsgefangenen wurden, ebenso wie viele andere deutsche Kriegsgefangene, erst nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28.06.1919 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, was in vielen Gemeinden bemerkenswerte Versorgungsprobleme nach sich zog.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenen-Heimkehrfeier 1919&#039;&#039; veranstaltet, im Juli 1919 wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenenheimkehrstelle&#039;&#039; eingerichtet&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und der Bayerische Staatsanzeiger berichtete am 1. August 1919, dass Kriegsheimkehrer eine &#039;&#039;Sonderzuweisung Ernährung&#039;&#039; erhalten sollen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bayer. Staatsanzeiger Nr. 188 vom 1. August 1919, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Stadt Wasserburg erstellte ein Verzeichnis von Familien, die bereit seien, entlassene Kriegsgefangene für eine gewisse Zeit bei sich aufzunehmen. Es existieren eine Liste, auf der sich allerdings nur eine einzige Familie zu einer solchen Aufnahme bereit erklärt hatte. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Opfer des Krieges ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wasserburg hat es gegen Kriegsende eine Auflistung der Gefallenen des Krieges gegeben. In der Liste sind 124 gefallene Wasserburger verzeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II184|StadtA Wasserburg a. Inn, II184]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Männer waren alle mindestens 18 Jahre alt und dürften kaum älter als 40 Jahre gewesen sein. Das Wählerverzeichnis für die Stadtmagistratswahl, zu der auch nur erwachsene Männer zugelassen waren, verzeichnet in den Jahren 1896 bis 1914 insgesamt zwischen 232 und 314 Personen.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II6729|StadtA Wasserburg a. Inn, II6729]], Teil 1: 1896 waren 237 Wahlberechtigte verzeichnet, 1899 314 Wahlberechtigte, 1902 289, 1905 259, 1908 273, 1911 262 und 1914 232. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Nimmt man als Ausgangszahl das Wählerverzeichnis von 1914, dann dürften im Krieg folglich mehr als 50% der wehrfähigen Männer Wasserburgs gefallen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die &amp;quot;Spanische Grippe&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die &#039;&#039;neuartige spanische Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird in den Quellen, die in Wasserburg zugänglich sind, eigentlich zunächst gar nichts berichtet. &#039;&#039;Die Zeitungen hielten sich daran, keine Meldungen zu bringen, welche die deutsche Öffentlichkeit im vierten Kriegsjahr irgendwie hätten beunruhigen können&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und das, obwohl die Epidemie wohl mehr Todesopfer gefordert haben dürfte als der Krieg selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das Grippevirus H1N1, das zum Auslöser der Pandemie wurde, ist vermutlich im Januar oder Februar 1918 im Mittleren Westen der USA von Geflügel oder Schweinen auf den Menschen übergesprungen. Es fand vor allem in den überfüllten Ausbildungslagern des sich in Aufstellung beﬁndlichen US-Expeditionskorps für Europa reichlich Gelegenheit zur Verbreitung. Die ersten Massenerkrankungen sind Anfang März 1918 im Camp Funston in Kansas verbürgt. Mitte April 1918 erreichte die Inﬂuenza mit den US-Truppentransporten dann Frankreich, wo man die ersten Fälle in Bordeaux registrierte. Die Frühjahrspandemie führte in allen betroffenen Ländern zwar zu vielen Erkrankungen, die aber zumeist harmlos verliefen. Allerdings kamen auch schon im Frühjahr gelegentlich äußerst heftige Grippefälle vor, die insbesondere bei Menschen im eigentlich widerstandsfähigsten Alter zu einem schnellen Tode führten. Bei den Obduktionen der Opfer ﬁelen den Ärzten bereits jetzt vereinzelt die dann in der Herbstwelle oft anzutreffenden völlig zerstörten, mit Blut und Flüssigkeit durchtränkten Lungenﬂügel auf&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 5f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So darf also vermutet werden, dass diese &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039;, wie sie in der Kirmayer-Chronik und dem Wasserburger Anzeiger bezeichnet wurde, auch die Wasserburger Bevölkerung erheblich befallen haben dürfte. Erstmalig wird dies im Sommer 1918 deutlich: &lt;br /&gt;
Wenn man Eckard Michels Glauben schenken mag, haben einzelne Zeitungen darüber berichtet, wie z.B. die Magdeburger Zeitung am 29.05.1918 erstmalig.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Wasserburger Anzeiger thematisiert die Krankheit zum ersten Male im Juli 1918.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918]], 2: &#039;&#039;(Die &#039;spanische Krankheit&#039;) scheint überall ihren Einzug zu halten. Die &#039;&#039;Grippe&#039;&#039; (eine ungefährliche influenzartige Erkrankung soll stärker auftreten in München, Landshut, Regensburg, Passau. Auch Wasserburger sollen schon &#039;&#039;spanisch&#039;&#039; erkrankt sein&#039;&#039;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Wenige Tage später berichtet die Zeitung, dass die Jahresabschlussfeier der Luitpold-Realschule wegen der &#039;&#039;Spanischen Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;   &#039;&#039;(Ohne Jahresabschlußfeier) schlossen sich heuer die Pforten unserer Luitpoldrealschule. Die &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039; hat die Schülerzahl durch frühe Beurlaubungen so herabgesetzt, daß von einer solchen Feier leider Umgang genommen werden musste.&#039;&#039;,  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918]], 2. &amp;lt;/ref&amp;gt; abgesagt werden musste. Der Ton der Meldung legt ein begrenztes Verständnis für diese Maßnahme nahe, was vermuten lässt, dass man die Folgen der &#039;&#039;Spanischen Grippe&#039;&#039; wohl nicht so richtig überblickt haben dürfte. Im November 1918 wartet der Wasserburger Anzeiger dann mit der Nachricht auf, dass man sich gegen die Grippe impfen lassen könne.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch hält die Infektionswelle an und fordert auch nach Kriegsende noch Todesopfer.&amp;lt;ref&amp;gt;So meldet der Wasserburger Anzeiger am 16. Januar 1919 insgesamt 26 Todesopfer binnen einer Woche, die an den Folgen der Grippe verstorben sind; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parlamentarisierung und Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr &#039;&#039;1917 war das Jahr der Meutereien und Streiks, der Kriegsmüdigkeit und der kollektiven Erschöpfung, der Polarisierung der Kriegsgesellschaften und der Neuausrichtung der Innenpolitik gewesen - bis hin zur radikalen Utopie als Ergebnis einer gewaltsamen Revolution und des Übergangs vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg in Russland. Aber in den kriegführenden Gesellschaften setzte sich diese Entwicklung nicht fort. Vielmehr konnte man eine steigende Bereitschaft beobachten, den Krieg fortzusetzen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 806. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese These Jörn Leonhards wird durch die Ereignisse, wie sie sich auch im Wasserburger Anzeiger dokumentieren, bestätigt: So berichtet der Wasserburger Anzeiger von einem Telegramm, das der &#039;&#039;Freie Ausschuss für einen Deutschen Arbeiterfrieden&#039;&#039;, der 300.000 Mitglieder habe, an den Deutschen Reichskanzler Graf Hertling geschickt habe und in dem stehe, dass man entrüstet sei über die deutschen Bedingungen für einen Frieden mit dem sowjetisch regierten Russland, denn in den Bedingungen liege der vollkommene Verzicht &#039;&#039;auf den deutschen Sieg&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tatsächlich mehrten sich die Stimmen, die erneute Offensiven nach dem Erschöpfungsjahr 1917 forderten. Das Deutsche Reich konnte sich in den Verhandlungen mit Sowjetrussland in dem am 3. März 1918 geschlossenen Friedensvertrag von Brest-Litowsk in vielen Punkten durchsetzen, weshalb man später in der Sowjetunion und auch in der DDR vom &#039;&#039;Raubfrieden von Brest-Litowsk&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Herbst, Novemberrevolution in Deutschland|Herbst, Novemberrevolution in Deutschland]], 15 und Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Band 12, Berlin (Ost), 1964, 831.   &amp;lt;span style=&amp;quot;color:red;&amp;quot;&amp;gt;FN WRID NOCH ANGEPASST&amp;lt;/span&amp;gt; . &amp;lt;/ref&amp;gt; sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Januar 1918 lud die sowjetrussische Regierung die anderen Ententemächte ein, einen umfassenden Frieden mit Deutschland, Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich ins Auge zu fassen und an den Friedensgesprächen in Brest-Litowsk teilzunehmen. Der Wasserburger Anzeiger berichtet hierzu, dass die Ententemächte diese Einladung abgelehnt hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], zit. n. Stadtarchiv Wasserburg: &#039;&#039;Die Einladung der russischen Regierung an die Entente zur Teilnahme an den Friedensvorbesprechungen in Brest-Litowsk ist ein höhnisches Nein gefolgt und Amerika glaubt noch seinen Extrasenf dreingeben zu müssen, um seinen Bundesgenossen den Rücken zu stärken.&#039;&#039;  &amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings weist die Zeitung darauf hin, dass man im Vereinigten Königreich die Bedingungen für einen Frieden, wie sie von Österreich-Ungarn und Deutschland formuliert worden seien, durchaus als ernst zu nehmend betrachte. Der Wasserburger Anzeiger ergänzt hierzu: &#039;&#039;Das wäre […] die erste Stimme der Vernunft, die man von Seiten der Alliierten zu hören bekäme&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Januar 1918 wartete schließlich US-Präsident Woodrow Wilson mit seinen 14 Punkten für einen Friedensschluss auf. Die von ihm formulierten Voraussetzungen für einen Friedensschluss wurden interessanterweise nicht nur von den Mittelmächten abgelehnt&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 808. &amp;lt;/ref&amp;gt;, sondern auch von den Verbündeten in der Entente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beginn des letzten Kriegsjahres 1918 war in Deutschland geprägt von der Hoffnung auf eine Kriegswende, begleitet von der großen Furcht, dass es diese Kriegswende doch nicht geben würde. Und trotz des Friedens von Brest-Litowsk trat im Laufe des Frühsommers erneut jene Erschöpfung bei den deutschen Soldaten ein, die die Jahre 1916 und 1917 geprägt hatten. Hinzu kam, dass die Prognosen für die Gewinnung neuer Soldaten eher bescheiden ausfielen. Nur 100.000 neue Soldaten des Jahrgangs 1900 würden deutschlandweit eingezogen werden können. Diese Tatsache und der Umstand, dass keine der Kriegsparteien nennenswerte Erfolge erzielen konnte, ließ überall in Europa die Kriegsmüdigkeit anwachsen. Dies wurde auch durch die Tatsache verstärkt, dass der Luftkrieg wichtiger wurde. Das neue Phänomen des Luftkrieges trug nämlich den Krieg in die Heimat. Zunächst kam es zu einem systematischen Bombardement alliierter Städte. Die Alliierten beantworteten dies mit Luftschlägen aus großer Höhe, bei denen es gar nicht darauf ankam, gezielte Objekte zu treffen, sondern vielmehr die Moral bei den Deutschen zu zerstören, indem man auch zivile Ziele unter Beschuss nahm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 810.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von all dem ist in den in Wasserburg zugänglichen Quellen wenig zu lesen. Natürlich liest man von Gefallenen, man erfährt auch von Kriegsgefangenen, aber der Krieg selbst drang nie nach Wasserburg vor, wohl aber dessen Begleiterscheinungen wie Nahrungsmangel, Spendenaufrufe u. dgl. Noch im November 1918, unmittelbar vor dem Waffenstillstand, gibt es Aufrufe in der Zeitung, die neue Kriegsanleihe zu zeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918]], 3-4 und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte September 1918 unterbreitet die österreichisch-ungarische Monarchie den Vorschlag einer Friedenskonferenz&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber von den Entente-Mächten abgelehnt wird. Angesichts der immer zahlreicher werdenden Streiks und Aufstände gegen den Krieg informierte am Abend des 3. Oktober 1918 Reichskanzler Prinz Max von Baden den amerikanischen Präsidenten. Die Reichsregierung ersuchte die US-Regierung um &#039;&#039;die Herstellung des Friedens&#039;&#039; auf der Basis von Wilsons 14 Punkten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Prinz Max von Baden stand der ersten parlamentarischen Reichsregierung vor und war seit 30. September 1918 im Amt. Mit dieser Initiative wurde im Grunde das Ende des Krieges endgültig eingeläutet. US-Präsident Wilson ließ seinen Außenminister darauf mit der Frage antworten, was denn &#039;&#039;der genaue Sinn der Note des Reichskanzlers&#039;&#039; sei?&amp;lt;ref&amp;gt;zit. n. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes|Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Da die amerikanische Seite zu keinem Frieden bereit war, solange deutsche Soldaten auf fremdem Territorium stünden, legte Prinz Max von Baden am 21.10.1918 nach: Man verband die formale Bitte mit dem Angebot, die besetzten Gebiete zu räumen und den U-Boot-Krieg einzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch führende Militärs der Obersten Heeresleitung machten Druck auf die Reichsregierung, einen schnellen Waffenstillstand herbeizuführen. Hindenburg teilte der Regierung bei seinem Antrittsbesuch in Berlin am 7. Oktober 1918 mit: &#039;&#039;Die Lage kann für uns nicht mehr besser werden, daher ist jede Verzögerung des Friedensschlusses, militärisch gesprochen, zu unserem Nachteil&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von alledem war in Wasserburg selbst nur wenig zu erfahren. Zu lange und höchst intensiv wurde der Glaube an den &#039;&#039;Siegfrieden&#039;&#039;, wie ihn die 3. Oberste Heeresleitung (OHL) immer wieder postulierte, gepflegt. Doch jetzt, im Oktober 1918, nachdem Wilhelm II. Prinz Max zum Reichskanzler ernannt hatte und der den Rückhalt der Parlamentsmehrheit genoss, schwenkte auch General Ludendorff um und wünschte einen Friedensvertrag auch auf der Basis von Wilsons 14 Punkten. Ein solcher &#039;&#039;maßvoller&#039;&#039; Frieden würde weder Sieger noch Besiegte kennen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19|Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19]], 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang auf ein System, in dem eine parlamentarische Kontrolle vorgesehen war, wurde zwar im Reich und in Bayern vollzogen, und auch auf kommunaler Ebene lesen wir von einem Soldaten- und Arbeiterrat, der sich im November 1918 gegründet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2: &#039;&#039;Auch hier hat sich ein Soldaten- und Arbeiterrat gebildet&#039;&#039;.  &amp;lt;/ref&amp;gt; Leider versagt weiteres Quellenstudium am Fehlen der diesbezüglichen Quellen &amp;lt;ref&amp;gt; Die diesbezüglichen Akten könnten eigentlich im Staatsarchiv München eingesehen werden, doch im Findbuch zu Wasserburg während des Ersten Weltkrieges sind die hier genannten Dokumente leider nicht vorhanden.&amp;lt;/ref&amp;gt;: So lesen wir von einer Veranstaltung im Danningerbräu, die einen &#039;&#039;äußerst starken Besuch&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehabt habe, &#039;&#039;darunter nicht wenige Frauen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der neue Landrat des Bezirks Wasserburg, Birnkammer, hielt einen zweistündigen Vortrag, in dem er &#039;&#039;das Interesse seiner Hörerschaft fesselte und diese oft zu lebhaftem Beifall hinriß&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ging anscheinend dem wohl sozialdemokratischen Landrat darum zu zeigen, dass die Sozialdemokratie während der gesamten Kriegsdauer stets ermahnt habe, einen Verständigungsfrieden mit den Entente-Mächten anzustreben, den die militärische Führung in Deutschland stets unterlaufen und boykottiert habe. Landrat Birnkammer dürfte wohl dann auch die Besucher aufgefordert haben, der sozialdemokratischen Partei beizutreten und es zu unterlassen, in der Stadt &#039;&#039;nachts feige reaktionäre Plakate anzuschlagen, die zudem keinen Wert hätten, da drei Viertel der Bevölkerung für die neue Ordnung seien&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den am 12. Januar 1919 durchgeführten Landtagswahlen, bei denen auch erstmals Frauen das aktive und passive Wahlrecht erhalten hatten, ergab sich dann allerdings keine Mehrheit für die Sozialdemokraten&amp;lt;ref&amp;gt;So erhielt die MSPD 17,6% der Stimmen und die USPD 0,1%, während die Bayerische Volkspartei auf 33,3 % der Stimmen kam und der Bauernbund auf 44,2%, zit. n. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Wasserburg. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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		<title>Erster Weltkrieg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: nur redaktionelle und sprachliche Korrekturen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Artikel wird derzeit erstellt. Wir bitten noch um etwas Geduld.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Lage in Europa 1914 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg dürfte Europa wohl auf dem Höhepunkt seiner globalen Dominanz gestanden haben. Durch die industrielle Revolution und die Bevölkerungsexplosion war es den Staaten in Europa zusammen mit den ebenfalls seit Ende des 19. Jahrhunderts imperial agierenden Mächten Japan und USA gelungen, eine globale politische Herrschaft zu etablieren. Der Erwerb von Kolonien in Afrika und Asien dokumentierte diese Dominanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sprach man lange von einer Pentarchie, weil es hier fünf Großmächte gab, die, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung, die Welt zu beherrschen suchten. Es handelte sich um das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland, die französische Republik, das zaristische Russland, das deutsche Kaiserreich und das Kaiserreich Österreich-Ungarn. Die USA, China und Japan wurden in dieser Sichtweise noch nicht als imperialistische Großmächte im engeren Sinne angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Politik des deutschen Kaiserreichs unter Bismarck, jenes &#039;&#039;Spiel mit den fünf Bällen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Bezeichnung hatte sich im Deutschen Kaiserreich für Bismarcks Europapolitik eingebürgert und bezeichnete das Bemühen, die fünf Großmächte in Europa in einem Gleichgewicht zu halten, damit ein brüchiger Friede gewahrt werden konnte. Bismarck hatte immer wieder betont, dass sich Deutschland in einer &#039;&#039;Mittellage&#039;&#039; befinde und es daher ein ureigenes deutsches Interesse sei, dieses Gleichgewicht zu erhalten. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts im Grunde erfolgreich, da das kaiserliche Deutschland keine Kolonialpolitik betreiben wollte. Bismarcks Credo, Deutschland sei saturiert &amp;lt;ref&amp;gt;Bei der Reichsgründung 1871 soll Bismarck dies verkündet haben, um die anderen europäischen Mächte dahingehend zu beruhigen, dass Deutschland keinen Kolonialbesitz anstrebe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, hatte also zumindest in dieser Hinsicht eine gewisse friedenssichernde Qualität. Mit dem Tode Kaiser Wilhelm I. 1888, der kurz darauf erfolgten Inthronisierung von Kaiser Wilhelm II. und dem Rücktritt des Reichskanzlers Otto von Bismarck 1890 änderte sich die deutsche Außenpolitik aber grundlegend. Das Deutsche Reich war nunmehr an Kolonien interessiert, Wilhelm II. wollte &#039;&#039;Weltgeltung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;   Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Aussenpolitik|Lemo, Aussenpolitik]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; für Deutschland und suchte z.B. die britische Überlegenheit auf dem Gebiet der Marine durch rüstungsintensive Investitionen abzubauen und geriet in eine Situation, die dazu führte, dass Russland, Frankreich und das Vereinigte Königreich mit der &#039;&#039;Entente Cordiale&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Entente|Lemo, Entente]].  &amp;lt;/ref&amp;gt; ein Bündnis begründeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren vor 1914 rüsteten alle europäischen Großmächte intensiv auf, Deutschland hatte ab 1912 hierbei einen gewissen Vorsprung, den Russland bis 1916/17 abzubauen gedachte, weshalb sich unter den deutschen Militärs die Auffassung durchsetzen konnte, dass ein Krieg 1913/14 wohl sinnvoller und Erfolg versprechender sei als zwei oder drei Jahre später. Deutschland befand sich in einem Bündnis mit Österreich-Ungarn und in gewisser Weise auch mit Italien und dem Osmanischen Reich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr unsicher war die Situation auf dem Balkan. Österreich-Ungarn hatte 1908 Bosnien-Herzegowina annektiert; darüber hinaus hatte die Donaumonarchie Teile Galiziens okkupiert. &lt;br /&gt;
Die in Russland weit verbreitete Ideologie des Panslawismus&amp;lt;ref&amp;gt;Insbesondere sollten die osteuropäischen Gebiete, in denen &#039;&#039;slawische&#039;&#039; Sprachen vorherrschten, russisch kontrolliert sein. Damit entsprach der &#039;&#039;Panslawismus&#039;&#039; auch dem Bemühen Russlands um einen &#039;&#039;Cordon sanitaire&#039;&#039;, mit dem die Sowjetunion sich gegen die westlichen Mächte zu schützen suchte. &amp;lt;/ref&amp;gt; zielte aber auf eine Kontrolle all dieser Gebiete durch Russland. Dadurch entstanden Konflikte, die eigentlich kaum friedlich gelöst werden konnten. Konflikte und Krisen im Südosten Europas, wo das christliche Europa an das islamische Osmanische Reich grenzte &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Clark, Schlafwandler|Clark, Schlafwandler]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, waren an sich nichts Neues für die Herrschenden in der Welt. Seit 1911 aber verschärfte sich die Situation: Italien begann im September 1911 einen Eroberungskrieg im heutigen Libyen. Da dieser Angriff mehrere Überfälle auf osmanische Gebiete auf dem Balkan provozierte, geriet auch das geopolitische Gleichgewicht in eine klare Schieflage. Die Balkankriege &amp;lt;ref&amp;gt; Montenegro erklärte dem Osmanischen Reich am 25. September 1912 und am 16. Oktober 1912 das Osmanische Reich Bulgarien den Krieg. Am Tag darauf erklärten Serbien, Bulgarien und Griechenland gemeinsam dem Osmanischen Reich den Krieg.&lt;br /&gt;
Die folgenden militärischen Niederlagen des Osmanischen Reiches, das durch den 1912 verlorenen Italienisch-Türkischen Krieg und verschiedene Aufstände in den Balkanprovinzen schon vorher geschwächt war, machten deutlich, dass es seine europäische Herrschaft so nicht mehr länger würde aufrechterhalten können. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; sorgten nunmehr dafür, dass sich das Osmanische Reich, abgesehen von einem kleinen thrakischen Zipfel, in Europa nicht mehr länger halten konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann man erkennen, dass die Großmächte um die Vorherrschaft in Europa und der Welt kämpften und hier spielte das Mittelmeer eine bedeutsame Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur daran, dass Russland seit jeher einen eisfreien Hafen wünschte, der aber in der Ostsee kaum realisiert werden konnte, da der nördlichste eisfreie Hafen Königsberg in Ostpreußen war, das auf dem Territorium des Deutschen Reiches lag. Von den russischen Häfen im Schwarzen Meer (Rostow am Don, Sewastopol, Mariupol, Odessa) konnte man das Mittelmeer nur erreichen, wenn man die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen passieren konnte. Beide Meerengen wurden aber vom Osmanischen Reich kontrolliert. Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn war sehr daran interessiert, seine Häfen in der Adria, also v.a. Fiume (Rijeka) und Pola in Istrien zu bewahren. Das Vereinigte Königreich war seinerseits brennend daran interessiert, den Suez-Kanal und die Meerenge von Gibraltar dauerhaft unter britischer Kontrolle zu halten. &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Zentrum der europäischen Konflikte stand natürlich der Balkan, von dem große Teile bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts vom Osmanischen Reich kontrolliert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Russland, das auch mit seiner Ideologie des Panslawismus die Kriegsbereitschaft anheizte. Es darf allerdings festgestellt werden, dass wohl eine gewisse Kriegsbereitschaft in vielen europäischen Staaten vorherrschte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Attentat auf den österreichisch-ungarischen Kronprinzen Franz Ferdinand und seine Gattin in Sarajevo am 28. Juni 1914 war die Kriegsbegeisterung bei allen Großmächten ganz offensichtlich stärker als die Friedenssehnsucht. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Akten, die über den Besuch des französischen Präsidenten Poincaré im Juli 1914 in St. Petersburg Auskunft geben könnten, sowohl auf französischer als auch auf russischer Seite verschwunden sind. Man ist also gezwungen, die Ereignisse im Juli 1914 im Großen und Ganzen zu erschließen, da wichtige Quellen anscheinend vernichtet wurden oder jedenfalls nicht zugänglich sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hier ausführlich: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#McMeekin, Russlands Weg in den Krieg|McMeekin, Russlands Weg in den Krieg]], 75 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zur Situation in Wasserburg 1914 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in Wasserburg dürfte die Kriegsbegeisterung im Sommer 1914 groß gewesen sein. Und es darf die These gewagt werden, dass auch hier die militärische Option gegenüber der politischen die Oberhand behielt. Allerdings wurden die Ereignisse ab dem 23. Juli 1914, dem Tag, an dem der französische Staatspräsident Poincaré St. Petersburg verließ und die Österreichisch-Ungarische Regierung der Serbischen ihr Ultimatum vorlegte, weder in der Ausgabe des Wasserburger Anzeigers vom 25. Juli 1914 noch in der vom 28. Juli 1914 erwähnt. Dies geschah erst am 30. Juli 1914. Viele andere Zeitungen berichteten hingegen bereits ab 24. Juli 1914 über diese Note, deren Ton als harsch und undiplomatisch interpretiert wurde&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 28.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wasserburger Anzeiger vom 30. Juli 1914 wird die Kriegsbegeisterung deutlich ausgesprochen: Ein Wasserburger, er wird namentlich &#039;&#039;Hr. Ing. Huber&#039;&#039; genannt, er weilte im Juli 1914 in Wien, schrieb an seine Angehörigen und erwähnte hier, dass man es eine &#039;&#039;Erlösung gefunden&#039;&#039; habe, &#039;&#039;daß es einmal losgeht. Vor russischem Eingriff hat man keine Angst.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und später schreibt er dann noch: &#039;&#039;Der Krieg ist sehr populär!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Wasserburger, der seinen Artikel &#039;&#039;Stimmungsbild&#039;&#039; nennt, schreibt allerdings aus Wien. Die Einschätzung, die er liefert, dürfte aber vergleichbar sein. &#039;&#039;Man faßt im übrigen die Sache sehr gelassen auf und läßt sich nicht aus der Gemütlichkeit bringen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen war kein direktes Kriegsgeschehen in Wasserburg spürbar, der Krieg begann in Belgien, wo die deutschen Truppen, dem Schlieffen-Plan folgend, Belgien überrannten, Luxemburg&amp;lt;ref&amp;gt;Luxemburg war übrigens das einzige Land in Europa, das die Besetzung kampflos hinnahm. &amp;lt;/ref&amp;gt; besetzten und in Richtung Frankreich und Ostpreußen (Tannenbergschlacht) marschierten. Insofern spürte man in Wasserburg die Auswirkungen des Krieges zwar sehr deutlich, auch wenn es hier kein Kriegsgeschehen im engeren Sinne gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Deutsche Reich hatte Russland am 1. August 1914 den Krieg erklärt.&lt;br /&gt;
In Bayern &#039;&#039;wurde der Kriegszustand nicht wie im übrigen Reich nach Art. 68 der Reichsverfassung durch den Kaiser ausgesprochen. Vielmehr war gemäß dem bayerischen Gesetz über den Kriegszustand von 1912 hierfür eine königliche Verordnung notwendig. Dies war nur im Kriegsfalle oder bei drohender Kriegsgefahr zulässig, nicht aber wie in Preußen bei einer Bedrohung von innen. Im Weltkrieg wurde der Kriegszustand für Bayern durch die bayerische Verordnung vom 31. Juli 1914 verhängt. Dieses Gesetz sah keine Ermächtigung zum Eingriff in die individuelle Freiheitssphäre vor, sondern nur eine Verschärfung des Strafrechts, insbesondere bei staatsgefährdenden Delikten. Das Standrecht (gemäß bayer. StGB) konnte angeordnet werden, das die Verhängung der Todesstrafe ausdehnte und ein summarisches Verfahren vorsah&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19|Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Telegramme, die der Wasserburger Anzeiger an den Stadtmagistrat übersandte, wiederholen im Großen und Ganzen die allgemeinen Kriegsberichte. Aber dieses Wasserburger Medium beschäftigt sich so gut wie gar nicht mit Wasserburg, wenn es um den Krieg geht. Am 1. November 1914 erscheint jedoch folgende Meldung: &#039;&#039;Ein Hurra! Für unseren Bürgermeister! Unter der Ueberschrift: Ehre, wem Ehre gebührt! Teilt uns soeben eine Anzahl freudeerfüllter Mannschaften des 2. Reserve-Infanterie-Regiments mit, dass ihr Bataillonskommandeur, Herr rechts. Bürgerm. Ertl von Wasserburg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], 212. Anschlag, Telegramm vom 1.11.1914.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere lokale Meldungen sucht man in den Telegrammen des Wasserburger Anzeigers eigentlich vergeblich. Es werden hier im Grunde nur die Frontberichte wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56]]. Die Ordner mit der Benennung Teil 1 und 2 liegen in getippter Form vor, während die Teile 3 und 4 nur in handschriftlicher Form archiviert sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ludwig III. hat am 31.07.1914 die &#039;&#039;Königliche Verordnung vom 31. Juli 1914, die Verhängung des Kriegszustands betreffend herausgegeben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Bayern, Nr. 35 vom 31.7.1914, 327f.&amp;lt;/ref&amp;gt; notwendig, weil die Verfassung ein Sonderrecht für Bayern vorsah. Damit war auch hier der Kriegszustand erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1914 postuliert das kgl. Bezirksamt Wasserburg im Amtsblatt die Notwendigkeit einer militärischen &#039;&#039;Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt des königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 48 vom 23. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde verfügt, dass bis zum 10.11.1914 &#039;&#039;ein Verzeichnis aller derjenigen jungen Männer im Alter  vom vollendeten 16. bis zum 25.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914 wird dieses Alter in &#039;&#039;20 Jahre&#039;&#039; korrigiert. &#039;&#039;Bei der Abfassung des Ausschreibens vom 20. Oktober 1914, Nr. 8490 ist ein Schreibversehen unterlaufen; in Zeile 3 des Absatzes 2 muss es &#039;&#039;statt 25. Lebensjahr&#039;&#039; selbstverständlich heißen: &#039;&#039;20. Lebensjahr&#039;&#039;,&#039;&#039;; in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Lebensjahre unter Angabe ihrer Geburtszeit […] und unter Mitteilung ihrer Bereitwilligkeit, sich für den Dienst des Vaterlandes zu schulen und an den Uebungen teilzunehmen, herzustellen und dem Bezirksamt vorzulegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In den ebenfalls beigefügten &#039;&#039;Richtlinien für die militärische Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]&amp;lt;/ref&amp;gt; vom Oktober 1914 wird eingehend erläutert, welche militärischen Kenntnisse und Fertigkeiten der Jugend in kürzester Zeit zu vermitteln seien. Die Forderung, auch die Namen der jungen Männer mitzuteilen, die nicht fähig oder willens seien, in den Krieg zu ziehen, lässt auf den möglichen Druck schließen, der weniger kriegsbegeisterten jungen Männern wohl drohte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anfängliche Begeisterung bei der Rekrutierung - und die sich daran anschließende Ernüchterung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Krieg ist solange lustig, wie niemand zurückschießt&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 71. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Begeisterung, die in Deutschland anscheinend zunächst vorherrschte, wich jedoch sehr bald einer größeren Ernüchterung. Doch zunächst wollten tatsächlich sehr viele junge Männer in den Krieg ziehen. Im Wasserburger Anzeiger war diesbezüglich zu lesen, dass nicht wenige Männer zur Beichte und anschließend zum &#039;&#039;Tisch des Herrn&#039;&#039; gegangen seien: &#039;&#039;Vor dem Ausmarsch noch eine Verbindung mit Gott! Das nenn ich Gottvertrauen und das wird uns zum Sieg verhelfen!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; In der Zeitung vom 01.08.1914 war noch die Rede davon, dass das Militär nun sprechen müsse, damit es &#039;&#039;endlich&#039;&#039; losgehe.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; Doch schon bald wurde deutlich, dass es in Deutschland kritisch werden könnte, denn zum einen fehlten bald sehr viele Arbeitskräfte, zum zweiten war Deutschland wie kein zweites Land in Europa auf Lebensmittelimporte angewiesen, da es seinen Lebensmittelbedarf nur zu ca. 35% selbst decken konnte. Zum dritten war Deutschland ein rohstoffarmes Land, man war also auch zur Waffenproduktion auf Importe angewiesen, die angesichts der Blockade aber ausblieben. &lt;br /&gt;
Mit Beginn des Krieges wurde auch die formale Pressefreiheit aufgehoben. Die Medienkontrolle ging an 62 verschiedene Zensurstellen beim Militär über, die unabhängig voneinander agierten. Dadurch kam es wiederholt zu sich widersprechenden Auflagen der Zensurstellen. Generell verboten waren kriegsrelevante Nachrichten wie Truppenbewegungen, Statistiken über Verluste an der Front, aber auch Informationen über besondere Notlagen der Bevölkerung. Überwacht wurden Texte über Friedensbestrebungen und über die Unterdrückung fremder Völker.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg|Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ist nachvollziehbar, da die Kriegsgegner keine Informationen über die eigene Kriegsstrategie erhalten sollten, andererseits diente diese Zensur natürlich und vor allem der Desinformation der eigenen Bevölkerung, damit die Kriegsbegeisterung aufrechterhalten bleiben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern gibt die Lektüre zeitgenössischer Quellen nur unzureichend Aufschluss über das Geschehen nach dem 1. August 1914. Was aber feststeht, ist die Tatsache, dass die politischen Entscheidungsträger den militärischen das alleinige Entscheidungsrecht zubilligten, wie im Kriege zu handeln sei. Kaiser Wilhelm II. blieb zwar formal an der Spitze des Reiches, hatte aber tatsächlich nicht mehr viel zu sagen. &#039;&#039;Wenn man so will, schließen Militärs und Kaiser unausgesprochen einen Pakt: Der Kaiser genehmigt zumeist anstandslos die Planungen des Generalstabschefs und erteilt ihm die Vollmacht, in seinem Namen Befehle zu erteilen. Im Gegenzug achtet die militärische Führung darauf, den Anschein der kaiserlichen Befehlsgewalt dem Volk gegenüber zu wahren. Als der Krieg beginnt, befindet sich der Monarch deshalb in einer eigentümlichen Lage: Er steht mitten im Geschehen und bleibt doch außen vor.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Menschen 1914|o.V., Menschen 1914]], 25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die sprunghaft nach oben schnellenden Zahlen der gefallenen Soldaten dürften dafür gesorgt haben, dass die Kriegsbegeisterung recht bald einer großen Ernüchterung wich, ebenso wie die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung mit Lebensmitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nicht immer große Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen, führte zu Klagen. So beklagt sich der stellvertretende Vorsitzende des Wehrbundes Wasserburg in einem Schreiben, &#039;&#039;dass in der letzten Zeit eine ziemliche Zahl ohne Grund und unentschuldigt den [Wehr-] Übungen fern blieb. […] Die Leitung des Wehrbundes spricht die bestimmte Erwartung aus, daß dieser Appell an das Ehrgefühl und die Treue der Teilnehmer genügt, um die Mitglieder des Wehrbundes zu neuem Eifer anzuspornen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben von Otto Laubet, Rechtsanwalt vom 23. Januar 1915; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe des Krieges wurde der Ton in dieser Hinsicht schärfer, dies dürfte ein Indiz dafür sein, dass sich die Wehrbereitschaft nicht im Interesse des Generalkommandos der Armee entwickelte. So äußert sich der kommandierende General von der Tann in einem Schreiben am 22.2.1917 w.f.: &#039;&#039;Es wurde in Erfahrung gebracht, dass in der Bevölkerung die Ansicht stark verbreitet ist, dass die militärisch vorgebildeten jungen Leute früher an die Front geschickt werden, als die Nichtgeübten. Aus diesem Grunde haben mehrere ehemalige Jungmannen bei ihrem Einrücken zur Truppe ihre frühere Zugehörigkeit zur Jugendwehr absichtlich verschwiegen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Von der Tann betont abschließend in seinem Schreiben, dass die Heeresverwaltung &#039;&#039;keinesfalls […] die Absicht&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; habe, die früheren Angehörigen der militärischen Jugendvereinigungen früher an die Front zu schicken.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgung der Armee mit Soldaten stockte immer wieder, sodass sich das preußische und das Bayerische Kriegsministerium veranlasst sahen, im Frühjahr 1916 einen Aufruf an alle Gemeinden in Bayern zu verfassen, in dem es w.f. heißt: &#039;&#039;Unsere Feinde haben eingesehen, daß sie uns nicht auszuhungern imstande sind. Auch ihre Hoffnung auf Deutschlands finanziellen Zusammenbruch verwandelte sich in Staunen über die unerschöpfliche Finanzkraft des Deutschen Volkes. […] Es muß nur jeder kriegsverwendungsfähige Mann der Front zugeführt werden&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben des kgl. Preuß. Kriegsministeriums und des kgl. Bayer. Kriegsministeriums vom 1. März 1916 bzw. 19. Mai 1916 an sämtliche Gemeindebehörden, zit. n.  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spionagehysterie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz nach dem Ausbruch des Krieges internierte Großbritannien wahllos deutsche, österreichisch-ungarische und osmanische Staatsbürger, die in Großbritannien lebten, auf der Isle of Man. Die Angst, von Spionen umzingelt zu sein, war überall in Europa sehr groß. Als Reaktion setzte die deutsche Reichsleitung ihrerseits im November 1914 britische Staatsbürger und Deutsch-Briten, die teilweise seit Jahrzehnten in Deutschland gelebt hatten, in Lagern fest. Viele Briten hatten sich auch bloß auf Urlaubsreise oder geschäftlich in Deutschland aufgehalten, als der Krieg begann.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Habermehl, Stachldrahtkrankheit|Habermehl, Stachldrahtkrankheit]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Hysterie hielt an, zumal beispielsweise Meldungen über die Doppelagentin Mata Hari das ihrige taten, die entsprechenden Ängste zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegsverwaltung und Beschäftigungssituation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bald nach Kriegsbeginn war ich neben 14 weiblichen Angestellten im Alter von 15 bis 50 Jahren der einzige Mann im Verlag&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 114.&amp;lt;/ref&amp;gt;, konstatierte der Münchner Verleger Reinhard Piper und auch in Wasserburg verschoben sich Stellengesuche und Stellenangebote nach dem Ausbruch des Krieges deutlich. Wurden vor Beginn des Krieges mehrfach Dienstmädchen, Köchinnen und Arbeitskräfte für ähnliche haushaltsnahe Dienstleistungen gesucht, so suchten nunmehr diese selbst eine Beschäftigung.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits war das Stellenangebot für Handwerker und Dienstknechte groß. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Grund ist plausibel wie naheliegend: Während die Männer eingezogen wurden und deshalb die entsprechenden Stellen vakant wurden, konnten sich viele angesichts der massiven Preissteigerungen Haushaltspersonal nicht mehr leisten, sodass nunmehr Köchinnen, Dienstmädchen und ähnliche Beschäftigte eine Arbeit suchten. Aber in Wirklichkeit dürfte es wohl nicht an Arbeitskräften gemangelt haben, sondern an Arbeit. &#039;&#039;Fast alle Kommunalverwaltungen überraschte, dass trotz der Einziehung von Millionen von Männern die Arbeitslosigkeit deutlich zunahm&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 117. &amp;lt;/ref&amp;gt; Bezogen auf ganz Deutschland stieg die Arbeitslosenquote von 2,7% im Juli 1914 auf 22,7% im September 1914.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 215. &amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig sank das Einkommensniveau der Familien beträchtlich: Ein arbeitslos gewordener, gut ausgebildeter Arbeiter mit einem Kind musste mit durchschnittlich 30 Mark Kriegsunterstützung auskommen, vorher standen ihm ca. 128 Mark zur Verfügung.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 121.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reichswollwoche - Vaterländischer Hilfsdienst ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 18. bis 24. Januar 1915 fand die &#039;&#039;Reichswollwoche&#039;&#039; statt. Man sammelte warme Unterkleidung für die deutschen Truppen&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Chronik 1915|Lemo, Chronik 1915]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; und hoffte auf diese Weise, die Kampfbereitschaft zu erhöhen. In Wasserburg wurde die Sammlung im Rahmen der Reichswollwoche jedoch nicht durchgeführt. So kann man im Wasserburger Anzeiger vom 21. Januar 1915 lesen: &#039;&#039;(Wollsachen als Liebesgaben.) Nach übereinstimmenden Mitteilungen, die an das bayerische Landeskomitee vom Roten Kreuz gelangt sind, ist die Versorgung unserer im Felde stehenden Truppen mit Wollsachen auf längere Zeit ausreichend und sogar Überfluß vorhanden. Infolgedessen ist es nicht beabsichtigt, in nächster Zeit Wollsachen in größeren Mengen an die Truppen gelangen zu lassen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Aus diesen Gründen beteiligten sich wohl die Menschen in Oberbayern und auch in Wasserburg nicht im gleichen Umfange an der Reichswollwoche wie in anderen Landesteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr wohl wurden allerdings in Wasserburg Rohstoffe gesammelt, wie z.B. Bierglasdeckel aus Zinn&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Amtsblatt des Königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 10 vom 1. März 1917, 1, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch Schuhwaren. Der Bedarf an Rohstoffen für die Rüstungsindustrie war enorm und konnte auch durch die zahlreichen Sammlungen bei der Bevölkerung nicht gedeckt werden. So nimmt es nicht wunder, dass es immer wieder Mahnungen an die Bevölkerung gab, mehr für die einzelnen Zwecke zu spenden, da anscheinend die Spendenbereitschaft geringer war als der Bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geldbedarf - Nagelung am Rathaustor ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wasserburg fehlten auch die Mittel für die Hinterbliebenen der gefallenen Soldaten. Deshalb beschloss der Magistrat der Stadt, dass im Dezember 1915 das Eingangstor des Rathauses mit einem Löwen und weiteren Verzierungen verschönert werden sollte. Das Bild sollte durch eine Vielzahl unterschiedlich großer Nägel entstehen. Bereits im Frühjahr 1915 wandte sich der Magistrat der Stadt Wasserburg an mehrere Städte in Süddeutschland und fragte an, ob dort ebenfalls an eine Benagelung an wichtigen Gebäuden geplant sei.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt ca. 4.500 Nägel wurden in der Folge in das Rathaustor genagelt, darunter 400 große Nägel, für die allein zwischen 10 und 400 Reichsmark (RM) pro Nagel gespendet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik|Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt gab es drei Größen für die Nägel, für sie wurden Spenden erhoben. Die großen Nägel kosteten mindestens 5 RM, ein mittlerer kostete 2 RM und ein kleiner war für 40 oder 20 Pfennig zu haben. Schulkinder konnten einen kleinen Nagel für 10 Pfennig erwerben. Für den 12. Dezember 1915 wurde zu einer &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; eingeladen, in der &#039;&#039;die Benagelung des Stadtlöwen für das Rathaustor als dauerndes Wahrzeichen der Kriegszeit verbunden wird&#039;&#039;. &amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Woche nach dieser &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; wurden die Schulklassen der Schulen in Wasserburg an das Tor geführt und durften ihrerseits Nägel anbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Umgang mit Hunger und Mangel und die Errichtung einer &amp;quot;Volksküche&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die kriegsbedingten wirtschaftlichen Probleme führten bereits im Winter 1914/15 zu enormen Preissteigerungen und großen Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen|Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Am 23. Juli 1915 erließ deshalb der Bundesrat die &#039;&#039;Bekanntmachung gegen übermäßige Preissteigerung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikimedia, Reichsgesetzblatt|Wikimedia, Reichsgesetzblatt]], 467.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber die Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung kaum zu lösen vermochte. Da Deutschland seit August 1914 unter der Tatsache litt, dass nahezu keine Nahrungsmittel mehr importiert wurden, war den Entscheidungsträgern recht bald deutlich: Man werde die deutsche Bevölkerung kaum ausreichend ernähren können. Spätestens im Januar 1916 dürfte diese Tatsache jedem bewusst gewesen sein. Die Reichsgetreidestelle organisierte zentral den Aufkauf von Brotgetreide und subventionierte auch die Endkundenpreise, die Reichskartoffelstelle übernahm die zu geringen Kartoffelimporte, der Kriegsausschuss für Öle und Fette musste die ausbleibenden Importe von Öl und Fett durch Produkte der einheimischen Landwirtschaft ersetzen. Angesichts dieser Vielzahl von staatlichen Koordinierungsstellen wurde die Versorgung der Bevölkerung jedoch schlechter und nicht besser. &amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 194.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen des akuten Mangels an Fleisch produzierte z.B. die Stadt München &#039;&#039;Kriegswurst&#039;&#039;, das war eine Wurst, die mit Kartoffelschalen und Küchenabfällen gestreckt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da es nirgends genug von dem gab, was man brauchte, entwickelte sich ein Schwarzmarkt und die Menschen verstärkten ihre Hamsterkäufe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 197.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Stettiner Hausbesitzerin Redepenning ist die folgende Quelle überliefert, in der sie eine Mieterhöhung direkt mit den epochalen Ereignissen des Spätsommers 1914 verknüpfte: &#039;&#039;Die gewaltige Wendung, die durch die Gnade des Allmächtigen Gottes unsere durch seine Macht und Kraft bewaffneten Truppen uns errungen haben, lassen uns in eine große gesegnete kommende Zeit blicken. Möchte unser Volk so viel Gnade nie vergessen, nie den alten Gott, der Staat und Volk vor allem Übel bewahrt. Ihre Wohnung kostet vom 1. Oktober ab 30 Mark mehr&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Eduard Engel, 1914. Ein Tagebuch, Braunschweig 1915, zit. n.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 205.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland fehlten bereits ganz offensichtlich 1914 die notwendigen Planungen für eine gesicherte Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Deutschland war das Land in Europa, das von Lebensmittelimporten abhängig war wie kein zweites. Etwa zwei Drittel der notwendigen Lebensmittel wurden vor Kriegsausbruch nach Deutschland importiert. Durch die Schließung der Grenzen war diese Einfuhr fortan nicht mehr möglich, da vor allem die Importe aus Großbritannien und Russland fehlten. Spätestens mit der Gründung des Kriegsernährungsamtes im Mai 1916 stieg der Kartoffelverbrauch in Deutschland auf das Zweieinhalbfache des Vorkriegsniveaus. Da v.a. Fleisch fehlte, wurden sogenannte &#039;&#039;Fleischersatzprodukte&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Hierbei handelte es sich häufig um Kohlrüben, auch Steckrüben genannt, aber auch Küchen- und andere Speiseabfälle, die in die Wurst eingearbeitet wurden. &amp;lt;/ref&amp;gt; in die Wurst eingearbeitet. Zu allem Überfluss war der Herbst 1916 sehr verregnet, deshalb litt die Bevölkerung auch unter der &#039;&#039;Kartoffelfäule&#039;&#039;, die die Kartoffelernte auf ca. 50% der Vorjahresernte reduzierte. So wurde die &#039;&#039;Steckrübe&#039;&#039; ein höchst wichtiges Nahrungsmittel, man fertigte Steckrübensuppe, Steckrübenauflauf, Steckrübenkoteletts, Steckrübenpudding, Steckrübenmarmelade und Steckrübenbrot. Anfang 1916 war in Deutschland eines sehr deutlich: Es würde das ganze Jahr über auf keinen Fall genügend Nahrung für die Bevölkerung geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 193.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 wird das Ausmaß der unzureichenden Ernährung der Bevölkerung offenbar: Am 30. Oktober 1916 erreichte den Wasserburger Magistrat eine Anfrage aus München, ob hier eine &#039;&#039;Volksküche&#039;&#039; geplant sei. Tatsächlich wurde bei der Heeresleitung der Bedarf erkannt, die Ernährung der Bevölkerung als staatliche Aufgabe zu begreifen. Und so wurden die existierenden Gasthäuser nicht selten in &#039;&#039;Speisehäuser&#039;&#039; umgewandelt, damit möglichst viele Menschen zumindest halbwegs ernährt werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Dokumente zur Errichtung einer Volksküche, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II59|StadtA Wasserburg a. Inn, II59]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lisa Marie Tanner hat in ihrer Seminararbeit die Ernährungssituation in Wasserburg während des Ersten Weltkrieges recht treffend beschrieben. Zu Beginn des Krieges sei die Versorgung der Menschen in der Stadt Wasserburg mit Getreide, Kartoffeln und Zucker noch gut gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als sich dann aber die Wintermonate genähert hätten, habe sich der Andrang auf Lebensmittel erhöht. Zudem seien die Lebensmittelpreise stetig gestiegen. Oftmals hätten sich die Menschen in Wasserburg sich zwar gerade noch die Lebensmittel zu den erhöhten Preisen leisten können, nicht aber mehr jene für Miete und Strom.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1915 sind dann Lebensmittelkarten eingeführt worden. Dadurch waren die Bewohner Wasserburgs berechtigt, Waren in bestimmten Läden oder eine Portion Essen in Gaststätten zu erwerben. Man zahlte 30 Pfennig und bekam dafür eine Lebensmittelkarte, mit der man sich beispielsweise entweder drei Liter Milch oder eine Portion Essen oder Fleisch oder Wurst oder Kolonialwaren oder Brot beschaffen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]].  &amp;lt;/ref&amp;gt; Tanner schließt daraus, dass die Lebensmittelkarten einen Ersatz für Geld darstellten.&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Giftgas ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einsatz von Kampfmitteln, die die Atemwege der Soldaten beeinträchtigten, sind schon seit der Antike bekannt. Bereits im Peleponnesischen Krieg (431 - 404 v. Chr.) sollen die Spartaner Brandkörper gegen die Athener eingesetzt haben, um auf diese Weise die Luft mit Schwefeldioxid zu vergiften. Moderne chemische Kriegführung kennen wir seit 1914. Es waren die französischen Streitkräfte, die bereits im August 1914 C-Waffen gegen die deutschen Truppen einsetzten. Allerdings handelte es sich zunächst &#039;&#039;nur&#039;&#039; um das Tränengas Xylylbromid. Für den ersten Einsatz tödlicher Giftgase waren dann allerdings die deutschen Truppen verantwortlich: Am 22. April 1915 griff das XV. Armeekorps unter General Berthold von Deimling zwischen Langemarck und Ypern mit Chlorgas an. Es war Kriegsminister Erich von Falkenhayn, der den Einsatz von Reizstoffen an der Front genehmigte. Da Chlor schwerer ist als Luft, sank es in die französischen Schützengräben. Dieser erste Angriff forderte schätzungsweise 1.200 Tote und 3.000 Verwundete. Damit die Soldaten wussten, was in den einzelnen Gasbehältern enthalten war, erhielten diese farbige Markierungen: Grüne Kreuze standen für Lungenkampfstoffe, blaue Kreuze für Blutkampfstoffe, gelbe für Hautkampfstoffe. Bei einem Chemieangriff mit verschiedenen Kampfstoffen sprachen die Soldaten deshalb lapidar-zynisch vom &#039;&#039;Buntschießen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe|Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verdeutschung ausländischer Begriffe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum war der Erste Weltkrieg ausgebrochen, hielt die patriotische Begeisterung Einzug in fast alle Lebensbereiche. Ebenso wie in Frankreich und Großbritannien, wo deutsche Begriffe getilgt wurden&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur an das Adelsgeschlecht Battenberg, das fürderhin nur noch &#039;&#039;Mountbatten&#039;&#039; genannt werden wollte und auch genannt wurde. &amp;lt;/ref&amp;gt;, versuchten die Deutschen, &#039;&#039;entbehrliche Fremdwörter&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; So eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1915, zit. n.:    [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter|Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter]] .&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem deutschen Sprachgebrauch zu tilgen. Betroffen waren v.a. französischsprachige Redewendungen wie z.B. &#039;&#039;Adieu&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Dafür sollte man jetzt &#039;&#039;Auf Wiedersehen&#039;&#039; sagen. &amp;lt;/ref&amp;gt; Mann und Frau sollten sich nicht mehr zu einem &#039;&#039;Rendez-Vous&#039;&#039; treffen, sondern sich zu einer &#039;&#039;Verabredung&#039;&#039; zusammenfinden. Ähnlich war es mit Begriffen wie z.B. &#039;&#039;Etage&#039;&#039; (Stockwerk) oder &#039;&#039;vis-à-vis&#039;&#039; (von Angesicht zu Angesicht). In den großen Städten wurden auch Eigennamen eingedeutscht wie z.B. &#039;&#039;Café Windsor&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffee Winzer&#039;&#039;, das &#039;&#039;Piccadilly Café&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffeehaus Vaterland&#039;&#039;. Auch der bis heute in Österreich gängige Begriff &#039;&#039;Kaffeehaus&#039;&#039; hat in dieser &#039;&#039;Verdeutschungskampagne&#039;&#039; seinen Ursprung. Aus &#039;&#039;Boutiquen&#039;&#039; wurden &#039;&#039;Modegeschäfte&#039;&#039; und selbst der Begriff &#039;&#039;chic&#039;&#039; wurde durch &#039;&#039;flott&#039;&#039; ersetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Schließlich wurden auch Markennamen eingedeutscht: Vor allem die vor dem Weltkrieg ausgesprochen kosmopolitisch klingenden Zigarettennamen ersetzten die Hersteller wie Manoli oder Garbáty nach Kriegsbeginn sehr schnell durch deutsche Namen. Aus &amp;quot;Duke of Edinborough&amp;quot; wurde &amp;quot;Flaggengala&amp;quot;, aus &amp;quot;Gibson Girl&amp;quot; wurde &amp;quot;Wimpel&amp;quot;, aus &amp;quot;Duke of York&amp;quot; wurde &amp;quot;Graf Yorck von Wartenburg&#039;&#039;. Anfangs überklebten die Hersteller die Zigarettendosen mit der neuen Bezeichnung. Diese Überklebung wurde dann nicht selten auf die Zigarettendosen aufgedruckt, ohne das ursprüngliche Design zu verändern, um die Bindung der Konsumenten an die Marke nicht durch ein neues Design zu stören. So blieb der Eindruck eines nur vorübergehenden Zustands erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Wasserburg ist dieser Trend umgesetzt worden, man kann ihn heute aber im Quellenstudium eigentlich nur daran erkennen, dass auf französisch- und englischsprachige Begriffe signifikant verzichtet wurde, während in den Vorkriegsjahren v.a. die französischsprachigen Begriffe doch weitaus geläufiger waren.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So ist vor Beginn des Krieges von &#039;&#039;Couplet&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; die Rede, von &#039;&#039;Bonbonnière&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder &#039;&#039;Equipage&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Beginn des Krieges las sprach man dagegen vermehrt von &#039;&#039;Strophe&#039;&#039;, &#039;&#039;Pralinen&#039;&#039; (was nun auch nicht sehr deutsch ist) oder &#039;&#039;Ausrüstung&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Sehr ausführlich bei: Oskar Kresse, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter; zit. n.:[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918|Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918]], 103f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schweinemord 1915 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Kriegsausbruch gab es in Deutschland an die 25 Millionen Schweine, die größtenteils mit Gerste gefüttert wurden, die aus Russland importiert wurde. Durch den Handelsboykott, der mit Kriegsbeginn in Kraft trat, unterblieb der Import von Getreide vollkommen. Das führte dazu, dass die Schweine nicht mehr ausreichend gefüttert werden konnten. Am 26.01.1915 konnte man in der Zeitung lesen, dass zu sparsamem Nahrungsmittelverbrauch aufgerufen wurde und dass der Höchstpreis für Roggen- oder Weizenkleie den Betrag von 13 Mark pro Doppelzentner nicht übersteigen dürfe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch mussten viele Schweine geschlachtet werden, etwa ein Drittel des Bestandes wurde 1915 getötet, weil das Futter nicht mehr ausreichte. Die Folge war ein Preisverfall für Schweinefleisch bei gleichzeitiger Preissteigerung für andere Lebensmittel. Im Wasserburger Anzeiger wurde mehrfach inseriert, dass Futterschweine &#039;&#039;billigst abzugeben&#039;&#039; und &#039;&#039;Futterferkel zu verkaufen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. aus der Fülle der Beispiele [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915]], 4./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; seien. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1915 gab es einen regelrechten Preisverfall bei Schweinefleisch. Im ersten Quartal 1915 wurden an die fünf Millionen Schweine geschlachtet. Allerdings stiegen die Preise in der zweiten Jahreshälfte 1915 wieder an, weil es nunmehr an Schlachtvieh gemangelt haben dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegsgefangene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt 8 Millionen Soldaten gerieten während des Ersten Weltkrieges in Kriegsgefangenschaft, mehr als 800.000 davon waren Deutsche. Von den 13 Millionen deutschen Kriegsteilnehmern sind also knapp 10% in Gefangenschaft geraten. Die Wasserburger Kriegsgefangenen wurden, ebenso wie viele andere deutsche Kriegsgefangene, erst nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28.06.1919 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, was in vielen Gemeinden bemerkenswerte Versorgungsprobleme nach sich zog.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenen-Heimkehrfeier 1919&#039;&#039; veranstaltet, im Juli 1919 wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenenheimkehrstelle&#039;&#039; eingerichtet&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und der Bayerische Staatsanzeiger berichtete am 1. August 1919, dass Kriegsheimkehrer eine &#039;&#039;Sonderzuweisung Ernährung&#039;&#039; erhalten sollen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bayer. Staatsanzeiger Nr. 188 vom 1. August 1919, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Stadt Wasserburg erstellte ein Verzeichnis von Familien, die bereit seien, entlassene Kriegsgefangene für eine gewisse Zeit bei sich aufzunehmen. Es existieren eine Liste, auf der sich allerdings nur eine einzige Familie zu einer solchen Aufnahme bereit erklärt hatte. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Opfer des Krieges (Bildsammlung im Archiv) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wasserburg hat es gegen Kriegsende eine Auflistung der Gefallenen des Krieges gegeben. In der Liste sind 124 gefallene Wasserburger verzeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II184|StadtA Wasserburg a. Inn, II184]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Männer waren alle mindestens 18 Jahre alt und dürften kaum älter als 40 Jahre gewesen sein. Das Wählerverzeichnis für die Stadtmagistratswahl, zu der auch nur erwachsene Männer zugelassen waren, verzeichnet in den Jahren 1896 bis 1914 insgesamt zwischen 232 und 314 Personen.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II6729|StadtA Wasserburg a. Inn, II6729]], Teil 1: 1896 waren 237 Wahlberechtigte verzeichnet, 1899 314 Wahlberechtigte, 1902 289, 1905 259, 1908 273, 1911 262 und 1914 232. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Nimmt man als Ausgangszahl das Wählerverzeichnis von 1914, dann dürften im Krieg folglich mehr als 50% der wehrfähigen Männer Wasserburgs gefallen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die &amp;quot;Spanische Grippe&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die &#039;&#039;neuartige spanische Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird in den Quellen, die in Wasserburg zugänglich sind, eigentlich zunächst gar nichts berichtet. &#039;&#039;Die Zeitungen hielten sich daran, keine Meldungen zu bringen, welche die deutsche Öffentlichkeit im vierten Kriegsjahr irgendwie hätten beunruhigen können&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und das, obwohl die Epidemie wohl mehr Todesopfer gefordert haben dürfte als der Krieg selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das Grippevirus H1N1, das zum Auslöser der Pandemie wurde, ist vermutlich im Januar oder Februar 1918 im Mittleren Westen der USA von Geflügel oder Schweinen auf den Menschen übergesprungen. Es fand vor allem in den überfüllten Ausbildungslagern des sich in Aufstellung beﬁndlichen US-Expeditionskorps für Europa reichlich Gelegenheit zur Verbreitung. Die ersten Massenerkrankungen sind Anfang März 1918 im Camp Funston in Kansas verbürgt. Mitte April 1918 erreichte die Inﬂuenza mit den US-Truppentransporten dann Frankreich, wo man die ersten Fälle in Bordeaux registrierte. Die Frühjahrspandemie führte in allen betroffenen Ländern zwar zu vielen Erkrankungen, die aber zumeist harmlos verliefen. Allerdings kamen auch schon im Frühjahr gelegentlich äußerst heftige Grippefälle vor, die insbesondere bei Menschen im eigentlich widerstandsfähigsten Alter zu einem schnellen Tode führten. Bei den Obduktionen der Opfer ﬁelen den Ärzten bereits jetzt vereinzelt die dann in der Herbstwelle oft anzutreffenden völlig zerstörten, mit Blut und Flüssigkeit durchtränkten Lungenﬂügel auf&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 5f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So darf also vermutet werden, dass diese &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039;, wie sie in der Kirmayer-Chronik und dem Wasserburger Anzeiger bezeichnet wurde, auch die Wasserburger Bevölkerung erheblich befallen haben dürfte. Erstmalig wird dies im Sommer 1918 deutlich: &lt;br /&gt;
Wenn man Eckard Michels Glauben schenken mag, haben einzelne Zeitungen darüber berichtet, wie z.B. die Magdeburger Zeitung am 29.05.1918 erstmalig.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Wasserburger Anzeiger thematisiert die Krankheit zum ersten Male im Juli 1918.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918]], 2: &#039;&#039;(Die &#039;spanische Krankheit&#039;) scheint überall ihren Einzug zu halten. Die &#039;&#039;Grippe&#039;&#039; (eine ungefährliche influenzartige Erkrankung soll stärker auftreten in München, Landshut, Regensburg, Passau. Auch Wasserburger sollen schon &#039;&#039;spanisch&#039;&#039; erkrankt sein&#039;&#039;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Wenige Tage später berichtet die Zeitung, dass die Jahresabschlussfeier der Luitpold-Realschule wegen der &#039;&#039;Spanischen Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;   &#039;&#039;(Ohne Jahresabschlußfeier) schlossen sich heuer die Pforten unserer Luitpoldrealschule. Die &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039; hat die Schülerzahl durch frühe Beurlaubungen so herabgesetzt, daß von einer solchen Feier leider Umgang genommen werden musste.&#039;&#039;,  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918]], 2. &amp;lt;/ref&amp;gt; abgesagt werden musste. Der Ton der Meldung legt ein begrenztes Verständnis für diese Maßnahme nahe, was vermuten lässt, dass man die Folgen der &#039;&#039;Spanischen Grippe&#039;&#039; wohl nicht so richtig überblickt haben dürfte. Im November 1918 wartet der Wasserburger Anzeiger dann mit der Nachricht auf, dass man sich gegen die Grippe impfen lassen könne.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch hält die Infektionswelle an und fordert auch nach Kriegsende noch Todesopfer.&amp;lt;ref&amp;gt;So meldet der Wasserburger Anzeiger am 16. Januar 1919 insgesamt 26 Todesopfer binnen einer Woche, die an den Folgen der Grippe verstorben sind; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parlamentarisierung und Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr &#039;&#039;1917 war das Jahr der Meutereien und Streiks, der Kriegsmüdigkeit und der kollektiven Erschöpfung, der Polarisierung der Kriegsgesellschaften und der Neuausrichtung der Innenpolitik gewesen - bis hin zur radikalen Utopie als Ergebnis einer gewaltsamen Revolution und des Übergangs vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg in Russland. Aber in den kriegführenden Gesellschaften setzte sich diese Entwicklung nicht fort. Vielmehr konnte man eine steigende Bereitschaft beobachten, den Krieg fortzusetzen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 806. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese These Jörn Leonhards wird durch die Ereignisse, wie sie sich auch im Wasserburger Anzeiger dokumentieren, bestätigt: So berichtet der Wasserburger Anzeiger von einem Telegramm, das der &#039;&#039;Freie Ausschuss für einen Deutschen Arbeiterfrieden&#039;&#039;, der 300.000 Mitglieder habe, an den Deutschen Reichskanzler Graf Hertling geschickt habe und in dem stehe, dass man entrüstet sei über die deutschen Bedingungen für einen Frieden mit dem sowjetisch regierten Russland, denn in den Bedingungen liege der vollkommene Verzicht &#039;&#039;auf den deutschen Sieg&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tatsächlich mehrten sich die Stimmen, die erneute Offensiven nach dem Erschöpfungsjahr 1917 forderten. Das Deutsche Reich konnte sich in den Verhandlungen mit Sowjetrussland in dem am 3. März 1918 geschlossenen Friedensvertrag von Brest-Litowsk in vielen Punkten durchsetzen, weshalb man später in der Sowjetunion und auch in der DDR vom &#039;&#039;Raubfrieden von Brest-Litowsk&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Herbst, Novemberrevolution in Deutschland|Herbst, Novemberrevolution in Deutschland]], 15 und Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Band 12, Berlin (Ost), 1964, 831.   &amp;lt;span style=&amp;quot;color:red;&amp;quot;&amp;gt;FN WRID NOCH ANGEPASST&amp;lt;/span&amp;gt; . &amp;lt;/ref&amp;gt; sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Januar 1918 lud die sowjetrussische Regierung die anderen Ententemächte ein, einen umfassenden Frieden mit Deutschland, Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich ins Auge zu fassen und an den Friedensgesprächen in Brest-Litowsk teilzunehmen. Der Wasserburger Anzeiger berichtet hierzu, dass die Ententemächte diese Einladung abgelehnt hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], zit. n. Stadtarchiv Wasserburg: &#039;&#039;Die Einladung der russischen Regierung an die Entente zur Teilnahme an den Friedensvorbesprechungen in Brest-Litowsk ist ein höhnisches Nein gefolgt und Amerika glaubt noch seinen Extrasenf dreingeben zu müssen, um seinen Bundesgenossen den Rücken zu stärken.&#039;&#039;  &amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings weist die Zeitung darauf hin, dass man im Vereinigten Königreich die Bedingungen für einen Frieden, wie sie von Österreich-Ungarn und Deutschland formuliert worden seien, durchaus als ernst zu nehmend betrachte. Der Wasserburger Anzeiger ergänzt hierzu: &#039;&#039;Das wäre […] die erste Stimme der Vernunft, die man von Seiten der Alliierten zu hören bekäme&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Januar 1918 wartete schließlich US-Präsident Woodrow Wilson mit seinen 14 Punkten für einen Friedensschluss auf. Die von ihm formulierten Voraussetzungen für einen Friedensschluss wurden interessanterweise nicht nur von den Mittelmächten abgelehnt&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 808. &amp;lt;/ref&amp;gt;, sondern auch von den Verbündeten in der Entente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beginn des letzten Kriegsjahres 1918 war in Deutschland geprägt von der Hoffnung auf eine Kriegswende, begleitet von der großen Furcht, dass es diese Kriegswende doch nicht geben würde. Und trotz des Friedens von Brest-Litowsk trat im Laufe des Frühsommers erneut jene Erschöpfung bei den deutschen Soldaten ein, die die Jahre 1916 und 1917 geprägt hatten. Hinzu kam, dass die Prognosen für die Gewinnung neuer Soldaten eher bescheiden ausfielen. Nur 100.000 neue Soldaten des Jahrgangs 1900 würden deutschlandweit eingezogen werden können. Diese Tatsache und der Umstand, dass keine der Kriegsparteien nennenswerte Erfolge erzielen konnte, ließ überall in Europa die Kriegsmüdigkeit anwachsen. Dies wurde auch durch die Tatsache verstärkt, dass der Luftkrieg wichtiger wurde. Das neue Phänomen des Luftkrieges trug nämlich den Krieg in die Heimat. Zunächst kam es zu einem systematischen Bombardement alliierter Städte. Die Alliierten beantworteten dies mit Luftschlägen aus großer Höhe, bei denen es gar nicht darauf ankam, gezielte Objekte zu treffen, sondern vielmehr die Moral bei den Deutschen zu zerstören, indem man auch zivile Ziele unter Beschuss nahm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 810.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von all dem ist in den in Wasserburg zugänglichen Quellen wenig zu lesen. Natürlich liest man von Gefallenen, man erfährt auch von Kriegsgefangenen, aber der Krieg selbst drang nie nach Wasserburg vor, wohl aber dessen Begleiterscheinungen wie Nahrungsmangel, Spendenaufrufe u. dgl. Noch im November 1918, unmittelbar vor dem Waffenstillstand, gibt es Aufrufe in der Zeitung, die neue Kriegsanleihe zu zeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918]], 3-4 und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte September 1918 unterbreitet die österreichisch-ungarische Monarchie den Vorschlag einer Friedenskonferenz&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber von den Entente-Mächten abgelehnt wird. Angesichts der immer zahlreicher werdenden Streiks und Aufstände gegen den Krieg informierte am Abend des 3. Oktober 1918 Reichskanzler Prinz Max von Baden den amerikanischen Präsidenten. Die Reichsregierung ersuchte die US-Regierung um &#039;&#039;die Herstellung des Friedens&#039;&#039; auf der Basis von Wilsons 14 Punkten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Prinz Max von Baden stand der ersten parlamentarischen Reichsregierung vor und war seit 30. September 1918 im Amt. Mit dieser Initiative wurde im Grunde das Ende des Krieges endgültig eingeläutet. US-Präsident Wilson ließ seinen Außenminister darauf mit der Frage antworten, was denn &#039;&#039;der genaue Sinn der Note des Reichskanzlers&#039;&#039; sei?&amp;lt;ref&amp;gt;zit. n. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes|Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Da die amerikanische Seite zu keinem Frieden bereit war, solange deutsche Soldaten auf fremdem Territorium stünden, legte Prinz Max von Baden am 21.10.1918 nach: Man verband die formale Bitte mit dem Angebot, die besetzten Gebiete zu räumen und den U-Boot-Krieg einzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch führende Militärs der Obersten Heeresleitung machten Druck auf die Reichsregierung, einen schnellen Waffenstillstand herbeizuführen. Hindenburg teilte der Regierung bei seinem Antrittsbesuch in Berlin am 7. Oktober 1918 mit: &#039;&#039;Die Lage kann für uns nicht mehr besser werden, daher ist jede Verzögerung des Friedensschlusses, militärisch gesprochen, zu unserem Nachteil&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von alledem war in Wasserburg selbst nur wenig zu erfahren. Zu lange und höchst intensiv wurde der Glaube an den &#039;&#039;Siegfrieden&#039;&#039;, wie ihn die 3. Oberste Heeresleitung (OHL) immer wieder postulierte, gepflegt. Doch jetzt, im Oktober 1918, nachdem Wilhelm II. Prinz Max zum Reichskanzler ernannt hatte und der den Rückhalt der Parlamentsmehrheit genoss, schwenkte auch General Ludendorff um und wünschte einen Friedensvertrag auch auf der Basis von Wilsons 14 Punkten. Ein solcher &#039;&#039;maßvoller&#039;&#039; Frieden würde weder Sieger noch Besiegte kennen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19|Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19]], 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang auf ein System, in dem eine parlamentarische Kontrolle vorgesehen war, wurde zwar im Reich und in Bayern vollzogen, und auch auf kommunaler Ebene lesen wir von einem Soldaten- und Arbeiterrat, der sich im November 1918 gegründet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2: &#039;&#039;Auch hier hat sich ein Soldaten- und Arbeiterrat gebildet&#039;&#039;.  &amp;lt;/ref&amp;gt; Leider versagt weiteres Quellenstudium am Fehlen der diesbezüglichen Quellen &amp;lt;ref&amp;gt; Die diesbezüglichen Akten könnten eigentlich im Staatsarchiv München eingesehen werden, doch im Findbuch zu Wasserburg während des Ersten Weltkrieges sind die hier genannten Dokumente leider nicht vorhanden.&amp;lt;/ref&amp;gt;: So lesen wir von einer Veranstaltung im Danningerbräu, die einen &#039;&#039;äußerst starken Besuch&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehabt habe, &#039;&#039;darunter nicht wenige Frauen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der neue Landrat des Bezirks Wasserburg, Birnkammer, hielt einen zweistündigen Vortrag, in dem er &#039;&#039;das Interesse seiner Hörerschaft fesselte und diese oft zu lebhaftem Beifall hinriß&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ging anscheinend dem wohl sozialdemokratischen Landrat darum zu zeigen, dass die Sozialdemokratie während der gesamten Kriegsdauer stets ermahnt habe, einen Verständigungsfrieden mit den Entente-Mächten anzustreben, den die militärische Führung in Deutschland stets unterlaufen und boykottiert habe. Landrat Birnkammer dürfte wohl dann auch die Besucher aufgefordert haben, der sozialdemokratischen Partei beizutreten und es zu unterlassen, in der Stadt &#039;&#039;nachts feige reaktionäre Plakate anzuschlagen, die zudem keinen Wert hätten, da drei Viertel der Bevölkerung für die neue Ordnung seien&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den am 12. Januar 1919 durchgeführten Landtagswahlen, bei denen auch erstmals Frauen das aktive und passive Wahlrecht erhalten hatten, ergab sich dann allerdings keine Mehrheit für die Sozialdemokraten&amp;lt;ref&amp;gt;So erhielt die MSPD 17,6% der Stimmen und die USPD 0,1%, während die Bayerische Volkspartei auf 33,3 % der Stimmen kam und der Bauernbund auf 44,2%, zit. n. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Wasserburg. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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		<title>Erster Weltkrieg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Artikel wird derzeit erstellt. Wir bitten noch um etwas Geduld.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Lage in Europa 1914 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg dürfte Europa wohl auf dem Höhepunkt seiner globalen Dominanz gestanden haben. Durch die industrielle Revolution und die Bevölkerungsexplosion war es den Staaten in Europa zusammen mit den ebenfalls seit Ende des 19. Jahrhunderts imperial agierenden Mächten Japan und USA gelungen, eine globale politische Herrschaft zu etablieren. Der Erwerb von Kolonien in Afrika und Asien dokumentierte diese Dominanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sprach man lange von einer Pentarchie, weil es hier fünf Großmächte gab, die, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung, die Welt zu beherrschen suchten. Es handelte sich um das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland, die französische Republik, das zaristische Russland, das deutsche Kaiserreich und das Kaiserreich Österreich-Ungarn. Die USA, China und Japan wurden in dieser Sichtweise noch nicht als imperialistische Großmächte im engeren Sinne angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Politik des deutschen Kaiserreichs unter Bismarck, jenes &#039;&#039;Spiel mit den fünf Bällen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Bezeichnung hatte sich im Deutschen Kaiserreich für Bismarcks Europapolitik eingebürgert und bezeichnete das Bemühen, die fünf Großmächte in Europa in einem Gleichgewicht zu halten, damit ein brüchiger Friede gewahrt werden konnte. Bismarck hatte immer wieder betont, dass sich Deutschland in einer &#039;&#039;Mittellage&#039;&#039; befinde und es daher ein ureigenes deutsches Interesse sei, dieses Gleichgewicht zu erhalten. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts im Grunde erfolgreich, da das kaiserliche Deutschland keine Kolonialpolitik betreiben wollte. Bismarcks Credo, Deutschland sei saturiert &amp;lt;ref&amp;gt;Bei der Reichsgründung 1871 soll Bismarck dies verkündet haben, um die anderen europäischen Mächte dahingehend zu beruhigen, dass Deutschland keinen Kolonialbesitz anstrebe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, hatte also zumindest in dieser Hinsicht eine gewisse friedenssichernde Qualität. Mit dem Tode Kaiser Wilhelm I. 1888, der kurz darauf erfolgten Inthronisierung von Kaiser Wilhelm II. und dem Rücktritt des Reichskanzlers Otto von Bismarck 1890 änderte sich die deutsche Außenpolitik aber grundlegend. Das Deutsche Reich war nunmehr an Kolonien interessiert, Wilhelm II. wollte &#039;&#039;Weltgeltung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;   Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Aussenpolitik|Lemo, Aussenpolitik]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; für Deutschland und suchte z.B. die britische Überlegenheit auf dem Gebiet der Marine durch rüstungsintensive Investitionen abzubauen und geriet in eine Situation, die dazu führte, dass Russland, Frankreich und das Vereinigte Königreich mit der &#039;&#039;Entente Cordiale&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Entente|Lemo, Entente]].  &amp;lt;/ref&amp;gt; ein Bündnis begründeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren vor 1914 rüsteten alle europäischen Großmächte intensiv auf, Deutschland hatte ab 1912 hierbei einen gewissen Vorsprung, den Russland bis 1916/17 abzubauen gedachte, weshalb sich unter den deutschen Militärs die Auffassung durchsetzen konnte, dass ein Krieg 1913/14 wohl sinnvoller und Erfolg versprechender sei als zwei oder drei Jahre später. Deutschland befand sich in einem Bündnis mit Österreich-Ungarn und in gewisser Weise auch mit Italien und dem Osmanischen Reich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr unsicher war die Situation auf dem Balkan. Österreich-Ungarn hatte 1908 Bosnien-Herzegowina annektiert; darüber hinaus hatte die Donaumonarchie Teile Galiziens okkupiert. &lt;br /&gt;
Die in Russland weit verbreitete Ideologie des Panslawismus&amp;lt;ref&amp;gt;Insbesondere sollten die osteuropäischen Gebiete, in denen &#039;&#039;slawische&#039;&#039; Sprachen vorherrschten, russisch kontrolliert sein. Damit entsprach der &#039;&#039;Panslawismus&#039;&#039; auch dem Bemühen Russlands um einen &#039;&#039;Cordon sanitaire&#039;&#039;, mit dem die Sowjetunion sich gegen die westlichen Mächte zu schützen suchte. &amp;lt;/ref&amp;gt; zielte aber auf eine Kontrolle all dieser Gebiete durch Russland. Dadurch entstanden Konflikte, die eigentlich kaum friedlich gelöst werden konnten. Konflikte und Krisen im Südosten Europas, wo das christliche Europa an das islamische Osmanische Reich grenzte &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Clark, Schlafwandler|Clark, Schlafwandler]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, waren an sich nichts Neues für die Herrschenden in der Welt. Seit 1911 aber verschärfte sich die Situation: Italien begann im September 1911 einen Eroberungskrieg im heutigen Libyen. Da dieser Angriff mehrere Überfälle auf osmanische Gebiete auf dem Balkan provozierte, geriet auch das geopolitische Gleichgewicht in eine klare Schieflage. Die Balkankriege &amp;lt;ref&amp;gt; Montenegro erklärte dem Osmanischen Reich am 25. September 1912 und am 16. Oktober 1912 das Osmanische Reich Bulgarien den Krieg. Am Tag darauf erklärten Serbien, Bulgarien und Griechenland gemeinsam dem Osmanischen Reich den Krieg.&lt;br /&gt;
Die folgenden militärischen Niederlagen des Osmanischen Reiches, das durch den 1912 verlorenen Italienisch-Türkischen Krieg und verschiedene Aufstände in den Balkanprovinzen schon vorher geschwächt war, machten deutlich, dass es seine europäische Herrschaft so nicht mehr länger würde aufrechterhalten können. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; sorgten nunmehr dafür, dass sich das Osmanische Reich, abgesehen von einem kleinen thrakischen Zipfel, in Europa nicht mehr länger halten konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann man erkennen, dass die Großmächte um die Vorherrschaft in Europa und der Welt kämpften und hier spielte das Mittelmeer eine bedeutsame Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur daran, dass Russland seit jeher einen eisfreien Hafen wünschte, der aber in der Ostsee kaum realisiert werden konnte, da der nördlichste eisfreie Hafen Königsberg in Ostpreußen war, das auf dem Territorium des Deutschen Reiches lag. Von den russischen Häfen im Schwarzen Meer (Rostow am Don, Sewastopol, Mariupol, Odessa) konnte man das Mittelmeer nur erreichen, wenn man die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen passieren konnte. Beide Meerengen wurden aber vom Osmanischen Reich kontrolliert. Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn war sehr daran interessiert, seine Häfen in der Adria, also v.a. Fiume (Rijeka) und Pola in Istrien zu bewahren. Das Vereinigte Königreich war seinerseits brennend daran interessiert, den Suez-Kanal und die Meerenge von Gibraltar dauerhaft unter britischer Kontrolle zu halten. &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Zentrum der europäischen Konflikte stand natürlich der Balkan, von dem große Teile bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts vom Osmanischen Reich kontrolliert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Russland, das auch mit seiner Ideologie des Panslawismus die Kriegsbereitschaft anheizte. Es darf allerdings festgestellt werden, dass wohl eine gewisse Kriegsbereitschaft in vielen europäischen Staaten vorherrschte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Attentat auf den österreichisch-ungarischen Kronprinzen Franz Ferdinand und seine Gattin in Sarajevo am 28. Juni 1914 war die Kriegsbegeisterung bei allen Großmächten ganz offensichtlich stärker als die Friedenssehnsucht. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Akten, die über den Besuch des französischen Präsidenten Poincaré im Juli 1914 in St. Petersburg Auskunft geben könnten, sowohl auf französischer als auch auf russischer Seite verschwunden sind. Man ist also gezwungen, die Ereignisse im Juli 1914 im Großen und Ganzen zu erschließen, da wichtige Quellen anscheinend vernichtet wurden oder jedenfalls nicht zugänglich sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hier ausführlich: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#McMeekin, Russlands Weg in den Krieg|McMeekin, Russlands Weg in den Krieg]], 75 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zur Situation in Wasserburg 1914 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in Wasserburg dürfte die Kriegsbegeisterung im Sommer 1914 groß gewesen sein. Und es darf die These gewagt werden, dass auch hier die militärische Option gegenüber der politischen die Oberhand behielt. Allerdings wurden die Ereignisse ab dem 23. Juli 1914, dem Tag, an dem der französische Staatspräsident Poincaré St. Petersburg verließ und die Österreichisch-Ungarische Regierung der Serbischen ihr Ultimatum vorlegte, weder in der Ausgabe des Wasserburger Anzeigers vom 25. Juli 1914 noch in der vom 28. Juli 1914 erwähnt. Dies geschah erst am 30. Juli 1914. Viele andere Zeitungen berichteten hingegen bereits ab 24. Juli 1914 über diese Note, deren Ton als harsch und undiplomatisch interpretiert wurde&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 28.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wasserburger Anzeiger vom 30. Juli 1914 wird die Kriegsbegeisterung deutlich ausgesprochen: Ein Wasserburger, er wird namentlich &#039;&#039;Hr. Ing. Huber&#039;&#039; genannt, er weilte im Juli 1914 in Wien, schrieb an seine Angehörigen und erwähnte hier, dass man es eine &#039;&#039;Erlösung gefunden&#039;&#039; habe, &#039;&#039;daß es einmal losgeht. Vor russischem Eingriff hat man keine Angst.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und später schreibt er dann noch: &#039;&#039;Der Krieg ist sehr populär!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Wasserburger, der seinen Artikel &#039;&#039;Stimmungsbild&#039;&#039; nennt, schreibt allerdings aus Wien. Die Einschätzung, die er liefert, dürfte aber vergleichbar sein. &#039;&#039;Man faßt im übrigen die Sache sehr gelassen auf und läßt sich nicht aus der Gemütlichkeit bringen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen war kein direktes Kriegsgeschehen in Wasserburg spürbar, der Krieg begann in Belgien, wo die deutschen Truppen, dem Schlieffen-Plan folgend, Belgien überrannten, Luxemburg&amp;lt;ref&amp;gt;Luxemburg war übrigens das einzige Land in Europa, das die Besetzung kampflos hinnahm. &amp;lt;/ref&amp;gt; besetzten und in Richtung Frankreich und Ostpreußen (Tannenbergschlacht) marschierten. Insofern spürte man in Wasserburg die Auswirkungen des Krieges zwar sehr deutlich, auch wenn es hier kein Kriegsgeschehen im engeren Sinne gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Deutsche Reich hatte Russland am 1. August 1914 den Krieg erklärt.&lt;br /&gt;
In Bayern &#039;&#039;wurde der Kriegszustand nicht wie im übrigen Reich nach Art. 68 der Reichsverfassung durch den Kaiser ausgesprochen. Vielmehr war gemäß dem bayerischen Gesetz über den Kriegszustand von 1912 hierfür eine königliche Verordnung notwendig. Dies war nur im Kriegsfalle oder bei drohender Kriegsgefahr zulässig, nicht aber wie in Preußen bei einer Bedrohung von innen. Im Weltkrieg wurde der Kriegszustand für Bayern durch die bayerische Verordnung vom 31. Juli 1914 verhängt. Dieses Gesetz sah keine Ermächtigung zum Eingriff in die individuelle Freiheitssphäre vor, sondern nur eine Verschärfung des Strafrechts, insbesondere bei staatsgefährdenden Delikten. Das Standrecht (gemäß bayer. StGB) konnte angeordnet werden, das die Verhängung der Todesstrafe ausdehnte und ein summarisches Verfahren vorsah&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19|Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Telegramme, die der Wasserburger Anzeiger an den Stadtmagistrat übersandte, wiederholen im Großen und Ganzen die allgemeinen Kriegsberichte. Aber dieses Wasserburger Medium beschäftigt sich so gut wie gar nicht mit Wasserburg, wenn es um den Krieg geht. Am 1. November 1914 erscheint jedoch folgende Meldung: &#039;&#039;Ein Hurra! Für unseren Bürgermeister! Unter der Ueberschrift: Ehre, wem Ehre gebührt! Teilt uns soeben eine Anzahl freudeerfüllter Mannschaften des 2. Reserve-Infanterie-Regiments mit, dass ihr Bataillonskommandeur, Herr rechts. Bürgerm. Ertl von Wasserburg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], 212. Anschlag, Telegramm vom 1.11.1914.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere lokale Meldungen sucht man in den Telegrammen des Wasserburger Anzeigers eigentlich vergeblich. Es werden hier im Grunde nur die Frontberichte wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56]]. Die Ordner mit der Benennung Teil 1 und 2 liegen in getippter Form vor, während die Teile 3 und 4 nur in handschriftlicher Form archiviert sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ludwig III. hat am 31.07.1914 die &#039;&#039;Königliche Verordnung vom 31. Juli 1914, die Verhängung des Kriegszustands betreffend herausgegeben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Bayern, Nr. 35 vom 31.7.1914, 327f.&amp;lt;/ref&amp;gt; notwendig, weil die Verfassung ein Sonderrecht für Bayern vorsah. Damit war auch hier der Kriegszustand erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1914 postuliert das kgl. Bezirksamt Wasserburg im Amtsblatt die Notwendigkeit einer militärischen &#039;&#039;Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt des königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 48 vom 23. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde verfügt, dass bis zum 10.11.1914 &#039;&#039;ein Verzeichnis aller derjenigen jungen Männer im Alter  vom vollendeten 16. bis zum 25.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914 wird dieses Alter in &#039;&#039;20 Jahre&#039;&#039; korrigiert. &#039;&#039;Bei der Abfassung des Ausschreibens vom 20. Oktober 1914, Nr. 8490 ist ein Schreibversehen unterlaufen; in Zeile 3 des Absatzes 2 muss es &#039;&#039;statt 25. Lebensjahr&#039;&#039; selbstverständlich heißen: &#039;&#039;20. Lebensjahr&#039;&#039;,&#039;&#039;; in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Lebensjahre unter Angabe ihrer Geburtszeit […] und unter Mitteilung ihrer Bereitwilligkeit, sich für den Dienst des Vaterlandes zu schulen und an den Uebungen teilzunehmen, herzustellen und dem Bezirksamt vorzulegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In den ebenfalls beigefügten &#039;&#039;Richtlinien für die militärische Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]&amp;lt;/ref&amp;gt; vom Oktober 1914 wird eingehend erläutert, welche militärischen Kenntnisse und Fertigkeiten der Jugend in kürzester Zeit zu vermitteln seien. Die Forderung, auch die Namen der jungen Männer mitzuteilen, die nicht fähig oder willens seien, in den Krieg zu ziehen, lässt auf den möglichen Druck schließen, der weniger kriegsbegeisterten jungen Männern wohl drohte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anfängliche Begeisterung bei der Rekrutierung - und die sich daran anschließende Ernüchterung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Krieg ist solange lustig, wie niemand zurückschießt&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 71. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Begeisterung, die in Deutschland anscheinend zunächst vorherrschte, wich jedoch sehr bald der Ernüchterung. Doch zunächst wollten tatsächlich sehr viele junge Männer in den Krieg ziehen. Im Wasserburger Anzeiger war diesbezüglich zu lesen, dass nicht wenige Männer zur Beichte und anschließend zum &#039;&#039;Tisch des Herrn&#039;&#039; gegangen seien: &#039;&#039;Vor dem Ausmarsch noch eine Verbindung mit Gott! Das nenn ich Gottvertrauen und das wird uns zum Sieg verhelfen!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; In der Zeitung vom 01.08.1914 war noch die Rede davon, dass das Militär nun sprechen müsse, damit es &#039;&#039;endlich&#039;&#039; losgehe.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; Doch schon bald wurde deutlich, dass es in Deutschland kritisch werden könnte, denn zum einen fehlten bald sehr viele Arbeitskräfte, zum zweiten war Deutschland wie kein zweites Land in Europa auf Lebensmittelimporte angewiesen, da es seinen Lebensmittelbedarf nur zu ca. 35% selbst decken konnte. Zum dritten war Deutschland ein rohstoffarmes Land, man war also auch zur Waffenproduktion auf Importe angewiesen, die eingedenk der Blockade aber ausblieben. &lt;br /&gt;
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde auch die formale Pressefreiheit aufgehoben. Die Medienkontrolle ging an 62 verschiedene Zensurstellen beim Militär über, die unabhängig voneinander agierten. Dadurch kam es wiederholt zu sich widersprechenden Auflagen der Zensurstellen. Generell verboten waren kriegsrelevante Nachrichten wie Truppenbewegungen, Statistiken über Verluste an der Front, aber auch Informationen über besondere Notlagen der Bevölkerung. Überwacht wurden Texte über Friedensbestrebungen und über die Unterdrückung fremder Völker.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg|Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ist nachvollziehbar, weil man den Kriegsgegnern keine Informationen über die eigene Kriegsstrategie zukommen lassen wollte, andererseits diente diese Zensur natürlich und vor allem der Desinformation der eigenen Bevölkerung, damit die Kriegsbegeisterung aufrechterhalten bleiben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern gibt die Lektüre zeitgenössischer Quellen nur unzureichend Aufschluss über das Geschehen nach dem 1. August 1914. Was aber feststeht, ist die Tatsache, dass die politischen Entscheidungsträger den militärischen das alleinige Entscheidungsrecht zubilligten, wie im Kriege zu handeln sei. Kaiser Wilhelm II. blieb zwar formal an der Spitze des Reiches, hatte aber tatsächlich nicht mehr viel zu sagen. &#039;&#039;Wenn man so will, schließen Militärs und Kaiser unausgesprochen einen Pakt: Der Kaiser genehmigt zumeist anstandslos die Planungen des Generalstabschefs und erteilt ihm die Vollmacht, in seinem Namen Befehle zu erteilen. Im Gegenzug achtet die militärische Führung darauf, den Anschein der kaiserlichen Befehlsgewalt dem Volk gegenüber zu wahren. Als der Krieg beginnt, befindet sich der Monarch deshalb in einer eigentümlichen Lage: Er steht mitten im Geschehen und bleibt doch außen vor.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Menschen 1914|o.V., Menschen 1914]], 25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die sprunghaft nach oben schnellenden Zahlen der gefallenen Soldaten dürfte dafür gesorgt haben, dass die Kriegsbegeisterung recht bald einer großen Ernüchterung wich, ebenso wie die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung mit Lebensmitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nicht immer große Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen, führte zu Klagen. So beklagt sich der stellvertretende Vorsitzende des Wehrbundes Wasserburg in einem Schreiben, &#039;&#039;dass in der letzten Zeit eine ziemliche Zahl ohne Grund und unentschuldigt den [Wehr-] Übungen fern blieb. […] Die Leitung des Wehrbundes spricht die bestimmte Erwartung aus, daß dieser Appell an das Ehrgefühl und die Treue der Teilnehmer genügt, um die Mitglieder des Wehrbundes zu neuem Eifer anzuspornen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben von Otto Laubet, Rechtsanwalt vom 23. Januar 1915; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe des Krieges wurde der Ton in dieser Hinsicht schärfer, dies dürfte ein Indiz dafür sein, dass sich die Wehrbereitschaft nicht im Interesse des Generalkommandos der Armee entwickelte. So äußert sich der kommandierende General von der Tann in einem Schreiben am 22.2.1917 w.f.: &#039;&#039;Es wurde in Erfahrung gebracht, dass in der Bevölkerung die Ansicht stark verbreitet ist, dass die militärisch vorgebildeten jungen Leute früher an die Front geschickt werden, als die Nichtgeübten. Aus diesem Grunde haben mehrere ehemalige Jungmannen bei ihrem Einrücken zur Truppe ihre frühere Zugehörigkeit zur Jugendwehr absichtlich verschwiegen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Von der Tann betont abschließend in seinem Schreiben, dass die Heeresverwaltung &#039;&#039;keinesfalls […] die Absicht&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; habe, die früheren Angehörigen der militärischen Jugendvereinigungen früher an die Front zu schicken.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgung der Armee mit Soldaten stockte immer wieder, sodass sich das preußische und das Bayerische Kriegsministerium veranlasst sahen, im Frühjahr 1916 einen Aufruf an alle Gemeinden in Bayern zu verfassen, in dem es w.f. heißt: &#039;&#039;Unsere Feinde haben eingesehen, daß sie uns nicht auszuhungern imstande sind. Auch ihre Hoffnung auf Deutschlands finanziellen Zusammenbruch verwandelte sich in Staunen über die unerschöpfliche Finanzkraft des Deutschen Volkes. […] Es muß nur jeder kriegsverwendungsfähige Mann der Front zugeführt werden&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben des kgl. Preuß. Kriegsministeriums und des kgl. Bayer. Kriegsministeriums vom 1. März 1916 bzw. 19. Mai 1916 an sämtliche Gemeindebehörden, zit. n.  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spionagehysterie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz nach dem Ausbruch des Krieges internierte Großbritannien wahllos deutsche, österreichisch-ungarische und osmanische Staatsbürger, die in Großbritannien lebten, auf der Isle of Man. Die Angst, von Spionen umzingelt zu sein, war überall in Europa sehr groß. Als Reaktion setzte die deutsche Reichsleitung ihrerseits im November 1914 britische Staatsbürger und Deutsch-Briten, die teilweise seit Jahrzehnten in Deutschland gelebt hatten, in Lagern fest. Viele Briten hatten sich auch bloß auf Urlaubsreise oder geschäftlich in Deutschland aufgehalten, als der Krieg begann.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Habermehl, Stachldrahtkrankheit|Habermehl, Stachldrahtkrankheit]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Hysterie hielt an, zumal beispielsweise Meldungen über die Doppelagentin Mata Hari das ihrige taten, die entsprechenden Ängste zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegsverwaltung und Beschäftigungssituation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bald nach Kriegsbeginn war ich neben 14 weiblichen Angestellten im Alter von 15 bis 50 Jahren der einzige Mann im Verlag&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 114.&amp;lt;/ref&amp;gt;, konstatierte der Münchner Verleger Reinhard Piper und auch in Wasserburg verschoben sich Stellengesuche und Stellenangebote nach dem Ausbruch des Krieges deutlich. Wurden vor Beginn des Krieges mehrfach Dienstmädchen, Köchinnen und Arbeitskräfte für ähnliche haushaltsnahe Dienstleistungen gesucht, so suchten nunmehr diese selbst eine Beschäftigung.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits war das Stellenangebot für Handwerker und Dienstknechte groß. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Grund ist plausibel wie naheliegend: Während die Männer eingezogen wurden und deshalb die entsprechenden Stellen vakant wurden, konnten sich viele angesichts der massiven Preissteigerungen Haushaltspersonal nicht mehr leisten, sodass nunmehr Köchinnen, Dienstmädchen und ähnliche Beschäftigte eine Arbeit suchten. Aber in Wirklichkeit dürfte es nicht an Arbeitskräften gemangelt haben, sondern an Arbeit. &#039;&#039;Fast alle Kommunalverwaltungen überraschte, dass trotz der Einziehung von Millionen von Männern die Arbeitslosigkeit deutlich zunahm&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 117. &amp;lt;/ref&amp;gt; Bezogen auf ganz Deutschland stieg die Arbeitslosenquote von 2,7% im Juli 1914 auf 22,7% im September 1914.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 215. &amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig sank das Einkommensniveau der Familien beträchtlich: Ein arbeitslos gewordener, gut ausgebildeter Arbeiter mit einem Kind musste mit durchschnittlich 30 Mark Kriegsunterstützung auskommen, vorher standen ihm ca. 128 Mark zur Verfügung.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 121.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reichswollwoche - Vaterländischer Hilfsdienst ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 18. bis 24. Januar 1915 fand die &#039;&#039;Reichswollwoche&#039;&#039;statt. Man sammelte warme Unterkleidung für die deutschen Truppen&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Chronik 1915|Lemo, Chronik 1915]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; und hoffte auf diese Weise, die Kampfbereitschaft zu erhöhen. In Wasserburg wurde die Sammlung im Rahmen der Reichswollwoche jedoch nicht durchgeführt. So kann man im Wasserburger Anzeiger vom 21. Januar 1915 lesen: &#039;&#039;(Wollsachen als Liebesgaben.) Nach übereinstimmenden Mitteilungen, die an das bayerische Landeskomitee vom Roten Kreuz gelangt sind, ist die Versorgung unserer im Felde stehenden Truppen mit Wollsachen auf längere Zeit ausreichend und sogar Überfluß vorhanden. Infolgedessen ist es nicht beabsichtigt, in nächster Zeit Wollsachen in größeren Mengen an die Truppen gelangen zu lassen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; Damit hat man sich wohl in Oberbayern und auch in Wasserburg nicht im gleichen Umfange wie in anderen Landesteilen an dieser Reichswollwoche beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr wohl wurden allerdings in Wasserburg Rohstoffe gesammelt, wie z.B. Bierglasdeckel aus Zinn&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Amtsblatt des Königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 10 vom 1. März 1917, 1, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch Schuhwaren. Der Bedarf an Rohstoffen für die Rüstungsindustrie war enorm und konnte auch durch die zahlreichen Sammlungen bei der Bevölkerung nicht gedeckt werden. So nimmt es nicht wunder, dass es immer wieder Mahnungen an die Bevölkerung gab, mehr für die einzelnen Zwecke zu spenden, da anscheinend die Spendenbereitschaft geringer war als der Bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geldbedarf - Nagelung am Rathaustor ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wasserburg fehlten auch die Mittel für die Hinterbliebenen der gefallenen Soldaten. Deshalb beschloss der Magistrat der Stadt im Dezember 1915, das Eingangstor des Rathauses mit einem Löwen und Verzierungen zu verschönern. Das Bild sollte durch eine Vielzahl unterschiedlich großer Nägel entstehen. Bereits im Frühjahr 1915 wandte sich der Magistrat der Stadt Wasserburg an mehrere Städte in Süddeutschland und fragte an, ob dort ebenfalls an eine Benagelung an wichtigen Gebäuden geplant sei.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt ca. 4.500 Nägel wurden in der Folge in das Rathaustor genagelt, darunter 400 große Nägel, für die allein zwischen 10 und 400 Reichsmark (RM) pro Nagel gespendet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik|Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt gab es drei Größen für die Nägel, für sie wurden Spenden erhoben. Die großen Nägel kosteten mindestens 5 RM, ein mittlerer kostete 2 RM und ein kleiner war für 40 oder 20 Pfennig zu haben. Schulkinder konnten einen kleinen Nagel für 10 Pfennig erwerben. Für den 12. Dezember 1915 wurde zu einer &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; eingeladen, in der &#039;&#039;die Benagelung des Stadtlöwen für das Rathaustor als dauerndes Wahrzeichen der Kriegszeit verbunden wird&#039;&#039;. &amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Woche nach dieser &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; wurden die Schulklassen der Schulen in Wasserburg an das Tor geführt und durften ihrerseits Nägel anbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Umgang mit Hunger und Mangel und die Errichtung einer &amp;quot;Volksküche&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die kriegsbedingten wirtschaftlichen Probleme führten bereits im Winter 1914/15 zu enormen Preissteigerungen und großen Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen|Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Am 23. Juli 1915 erließ deshalb der Bundesrat die &#039;&#039;Bekanntmachung gegen übermäßige Preissteigerung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikimedia, Reichsgesetzblatt|Wikimedia, Reichsgesetzblatt]], 467.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber die Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung kaum zu lösen vermochte. Da Deutschland seit August 1914 unter der Tatsache litt, dass nahezu keine Nahrungsmittel mehr importiert wurden, war den Entscheidungsträger recht bald deutlich: Man werde die deutsche Bevölkerung kaum ausreichend ernähren können. Spätestens im Januar 1916 dürfte diese Tatsache jedem bewusst gewesen sein. Die Reichsgetreidestelle organisierte zentral den Aufkauf von Brotgetreide und subventionierte auch die Endkundenpreise, die Reichskartoffelstelle übernahm die zu geringen Kartoffelimporte, der Kriegsausschuss für Öle und Fette musste die ausbleibenden Importe von Öl und Fett durch Produkte der einheimischen Landwirtschaft ersetzen. Angesichts dieser Vielzahl von staatlichen Koordinierungsstellen wurde die Versorgung der Bevölkerung jedoch schlechter und nicht besser. &amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 194.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen des akuten Mangels an Fleisch produzierte z.B. die Stadt München &#039;&#039;Kriegswurst&#039;&#039;, das war eine Wurst, die mit Kartoffelschalen und Küchenabfällen gestreckt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da es nirgends genug von dem gab, was man brauchte, entwickelte sich ein Schwarzmarkt und die Menschen verstärkten ihre Hamsterkäufe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 197.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Stettiner Hausbesitzerin Redepenning ist die folgende Quelle überliefert, in der sie eine Mieterhöhung direkt mit den epochalen Ereignissen des Spätsommers 1914 verknüpfte: &#039;&#039;Die gewaltige Wendung, die durch die Gnade des Allmächtigen Gottes unsere durch seine Macht und Kraft bewaffneten Truppen uns errungen haben, lassen uns in eine große gesegnete kommende Zeit blicken. Möchte unser Volk so viel Gnade nie vergessen, nie den alten Gott, der Staat und Volk vor allem Übel bewahrt. Ihre Wohnung kostet vom 1. Oktober ab 30 Mark mehr&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Eduard Engel, 1914. Ein Tagebuch, Braunschweig 1915, zit. n.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 205.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland fehlten bereits ganz offensichtlich 1914 die notwendigen Planungen für eine gesicherte Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Deutschland war das Land in Europa, das von Lebensmittelimporten abhängig war wie kein zweites. Etwa zwei Drittel der notwendigen Lebensmittel wurden vor Kriegsausbruch nach Deutschland importiert. Durch die Schließung der Grenzen war diese Einfuhr fortan nicht mehr möglich, da vor allem die Importe aus Großbritannien und Russland fehlten. Spätestens mit der Gründung des Kriegsernährungsamtes im Mai 1916 stieg der Kartoffelverbrauch in Deutschland auf das Zweieinhalbfache des Vorkriegsniveaus. Da v.a. Fleisch fehlte, wurden sogenannte &#039;&#039;Fleischersatzprodukte&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Hierbei handelte es sich häufig um Kohlrüben, auch Steckrüben genannt, aber auch Küchen- und andere Speiseabfälle, die in die Wurst eingearbeitet wurden. &amp;lt;/ref&amp;gt; in die Wurst eingearbeitet. Zu allem Überfluss war der Herbst 1916 sehr verregnet, deshalb litt die Bevölkerung auch unter der &#039;&#039;Kartoffelfäule&#039;&#039;, die die Kartoffelernte auf ca. 50% der Vorjahresernte reduzierte. So wurde die &#039;&#039;Steckrübe&#039;&#039; ein höchst wichtiges Nahrungsmittel, man fertigte Steckrübensuppe, Steckrübenauflauf, Steckrübenkoteletts, Steckrübenpudding, Steckrübenmarmelade und Steckrübenbrot. Anfang 1916 war in Deutschland eines sehr deutlich: Es würde das ganze Jahr über auf keinen Fall genügend Nahrung für die Bevölkerung geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 193.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 wird das Ausmaß der unzureichenden Ernährung der Bevölkerung offenbar: Am 30. Oktober 1916 erreichte den Wasserburger Magistrat eine Anfrage aus München, ob hier eine &#039;&#039;Volksküche&#039;&#039; geplant sei. Tatsächlich wurde bei der Heeresleitung der Bedarf erkannt, die Ernährung der Bevölkerung als staatliche Aufgabe zu begreifen. Und so wurden die existierenden Gasthäuser nicht selten in &#039;&#039;Speisehäuser&#039;&#039; umgewandelt, damit möglichst viele Menschen zumindest halbwegs ernährt werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Dokumente zur Errichtung einer Volksküche, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II59|StadtA Wasserburg a. Inn, II59]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lisa Marie Tanner hat in ihrer Seminararbeit die Ernährungssituation in Wasserburg während des Ersten Weltkrieges recht treffend beschrieben. Zu Beginn des Krieges sei die Versorgung der Menschen in der Stadt Wasserburg mit Getreide, Kartoffeln und Zucker noch gut gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als sich dann aber die Wintermonate genähert hätten, habe sich der Andrang auf Lebensmittel erhöht. Zudem seien die Lebensmittelpreise stetig gestiegen. Oftmals hätten sich die Menschen in Wasserburg sich zwar gerade noch die Lebensmittel zu den erhöhten Preisen leisten können, nicht aber mehr jene für Miete und Strom.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1915 sind dann Lebensmittelkarten eingeführt worden. Dadurch waren die Bewohner Wasserburgs berechtigt, Waren in bestimmten Läden oder eine Portion Essen in Gaststätten zu erwerben. Man zahlte 30 Pfennig und bekam dafür eine Lebensmittelkarte, mit der man sich beispielsweise entweder drei Liter Milch oder eine Portion Essen oder Fleisch oder Wurst oder Kolonialwaren oder Brot beschaffen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]].  &amp;lt;/ref&amp;gt; Tanner schließt daraus, dass die Lebensmittelkarten einen Ersatz für Geld darstellten.&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Giftgas ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einsatz von Kampfmitteln, die die Atemwege der Soldaten beeinträchtigten, sind schon seit der Antike bekannt. Bereits im Peleponnesischen Krieg (431 - 404 v. Chr.) sollen die Spartaner Brandkörper gegen die Athener eingesetzt haben, um auf diese Weise die Luft mit Schwefeldioxid zu vergiften. Moderne chemische Kriegführung kennen wir seit 1914. Es waren die französischen Streitkräfte, die bereits im August 1914 C-Waffen gegen die deutschen Truppen einsetzten. Allerdings handelte es sich zunächst &#039;&#039;nur&#039;&#039; um das Tränengas Xylylbromid. Für den ersten Einsatz tödlicher Giftgase waren dann allerdings die deutschen Truppen verantwortlich: Am 22. April 1915 griff das XV. Armeekorps unter General Berthold von Deimling zwischen Langemarck und Ypern mit Chlorgas an. Es war Kriegsminister Erich von Falkenhayn, der den Einsatz von Reizstoffen an der Front genehmigte. Da Chlor schwerer ist als Luft, sank es in die französischen Schützengräben. Dieser erste Angriff forderte schätzungsweise 1.200 Tote und 3.000 Verwundete. Damit die Soldaten wussten, was in den einzelnen Gasbehältern enthalten war, erhielten diese farbige Markierungen: Grüne Kreuze standen für Lungenkampfstoffe, blaue Kreuze für Blutkampfstoffe, gelbe für Hautkampfstoffe. Bei einem Chemieangriff mit verschiedenen Kampfstoffen sprachen die Soldaten deshalb lapidar-zynisch vom &#039;&#039;Buntschießen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe|Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verdeutschung ausländischer Begriffe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum war der Erste Weltkrieg ausgebrochen, hielt die patriotische Begeisterung Einzug in fast alle Lebensbereiche. Ebenso wie in Frankreich und Großbritannien, wo deutsche Begriffe getilgt wurden&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur an das Adelsgeschlecht Battenberg, das fürderhin nur noch &#039;&#039;Mountbatten&#039;&#039; genannt werden wollte und auch genannt wurde. &amp;lt;/ref&amp;gt;, versuchten die Deutschen, &#039;&#039;entbehrliche Fremdwörter&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; So eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1915, zit. n.:    [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter|Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter]] .&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem deutschen Sprachgebrauch zu tilgen. Betroffen waren v.a. französischsprachige Redewendungen wie z.B. &#039;&#039;Adieu&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Dafür sollte man jetzt &#039;&#039;Auf Wiedersehen&#039;&#039; sagen. &amp;lt;/ref&amp;gt; Mann und Frau sollten sich nicht mehr zu einem &#039;&#039;Rendez-Vous&#039;&#039; treffen, sondern sich zu einer &#039;&#039;Verabredung&#039;&#039; zusammenfinden. Ähnlich war es mit Begriffen wie z.B. &#039;&#039;Etage&#039;&#039; (Stockwerk) oder &#039;&#039;vis-à-vis&#039;&#039; (von Angesicht zu Angesicht). In den großen Städten wurden auch Eigennamen eingedeutscht wie z.B. &#039;&#039;Café Windsor&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffee Winzer&#039;&#039;, das &#039;&#039;Piccadilly Café&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffeehaus Vaterland&#039;&#039;. Auch der bis heute in Österreich gängige Begriff &#039;&#039;Kaffeehaus&#039;&#039; hat in dieser &#039;&#039;Verdeutschungskampagne&#039;&#039; seinen Ursprung. Aus &#039;&#039;Boutiquen&#039;&#039; wurden &#039;&#039;Modegeschäfte&#039;&#039; und selbst der Begriff &#039;&#039;chic&#039;&#039; wurde durch &#039;&#039;flott&#039;&#039; ersetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Schließlich wurden auch Markennamen eingedeutscht: Vor allem die vor dem Weltkrieg ausgesprochen kosmopolitisch klingenden Zigarettennamen ersetzten die Hersteller wie Manoli oder Garbáty nach Kriegsbeginn sehr schnell durch deutsche Namen. Aus &amp;quot;Duke of Edinborough&amp;quot; wurde &amp;quot;Flaggengala&amp;quot;, aus &amp;quot;Gibson Girl&amp;quot; wurde &amp;quot;Wimpel&amp;quot;, aus &amp;quot;Duke of York&amp;quot; wurde &amp;quot;Graf Yorck von Wartenburg&#039;&#039;. Anfangs überklebten die Hersteller die Zigarettendosen mit der neuen Bezeichnung. Diese Überklebung wurde dann nicht selten auf die Zigarettendosen aufgedruckt, ohne das ursprüngliche Design zu verändern, um die Bindung der Konsumenten an die Marke nicht durch ein neues Design zu stören. So blieb der Eindruck eines nur vorübergehenden Zustands erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Wasserburg ist dieser Trend umgesetzt worden, man kann ihn heute aber im Quellenstudium eigentlich nur daran erkennen, dass auf französisch- und englischsprachige Begriffe signifikant verzichtet wurde, während in den Vorkriegsjahren v.a. die französischsprachigen Begriffe doch weitaus geläufiger waren.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So ist vor Beginn des Krieges von &#039;&#039;Couplet&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; die Rede, von &#039;&#039;Bonbonnière&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder &#039;&#039;Equipage&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Beginn des Krieges las sprach man dagegen vermehrt von &#039;&#039;Strophe&#039;&#039;, &#039;&#039;Pralinen&#039;&#039; (was nun auch nicht sehr deutsch ist) oder &#039;&#039;Ausrüstung&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Sehr ausführlich bei: Oskar Kresse, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter; zit. n.:[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918|Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918]], 103f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schweinemord 1915 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Kriegsausbruch gab es in Deutschland an die 25 Millionen Schweine, die größtenteils mit Gerste gefüttert wurden, die aus Russland importiert wurde. Durch den Handelsboykott, der mit Kriegsbeginn in Kraft trat, unterblieb der Import von Getreide vollkommen. Das führte dazu, dass die Schweine nicht mehr ausreichend gefüttert werden konnten. Am 26.01.1915 konnte man in der Zeitung lesen, dass zu sparsamem Nahrungsmittelverbrauch aufgerufen wurde und dass der Höchstpreis für Roggen- oder Weizenkleie den Betrag von 13 Mark pro Doppelzentner nicht übersteigen dürfe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch mussten viele Schweine geschlachtet werden, etwa ein Drittel des Bestandes wurde 1915 getötet, weil das Futter nicht mehr ausreichte. Die Folge war ein Preisverfall für Schweinefleisch bei gleichzeitiger Preissteigerung für andere Lebensmittel. Im Wasserburger Anzeiger wurde mehrfach inseriert, dass Futterschweine &#039;&#039;billigst abzugeben&#039;&#039; und &#039;&#039;Futterferkel zu verkaufen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. aus der Fülle der Beispiele [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915]], 4./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; seien. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1915 gab es einen regelrechten Preisverfall bei Schweinefleisch. Im ersten Quartal 1915 wurden an die fünf Millionen Schweine geschlachtet. Allerdings stiegen die Preise in der zweiten Jahreshälfte 1915 wieder an, weil es nunmehr an Schlachtvieh gemangelt haben dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegsgefangene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt 8 Millionen Soldaten gerieten während des Ersten Weltkrieges in Kriegsgefangenschaft, mehr als 800.000 davon waren Deutsche. Von den 13 Millionen deutschen Kriegsteilnehmern sind also knapp 10% in Gefangenschaft geraten. Die Wasserburger Kriegsgefangenen wurden, ebenso wie viele andere deutsche Kriegsgefangene, erst nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28.06.1919 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, was in vielen Gemeinden bemerkenswerte Versorgungsprobleme nach sich zog.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenen-Heimkehrfeier 1919&#039;&#039; veranstaltet, im Juli 1919 wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenenheimkehrstelle&#039;&#039; eingerichtet&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und der Bayerische Staatsanzeiger berichtete am 1. August 1919, dass Kriegsheimkehrer eine &#039;&#039;Sonderzuweisung Ernährung&#039;&#039; erhalten sollen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bayer. Staatsanzeiger Nr. 188 vom 1. August 1919, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Stadt Wasserburg erstellte ein Verzeichnis von Familien, die bereit seien, entlassene Kriegsgefangene für eine gewisse Zeit bei sich aufzunehmen. Es existieren die Listen, auf denen sich allerdings nur eine einzige Familie tatsächlich zu einer solchen Aufnahme bereit erklärt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Opfer des Krieges (Bildsammlung im Archiv) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wasserburg hat es gegen Kriegsende eine Auflistung der Gefallenen gegeben. In dieser Auflistung sind 124 gefallene Wasserburger verzeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II184|StadtA Wasserburg a. Inn, II184]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Männer waren alle mindestens 18 Jahre alt und dürften wohl kaum älter als 40 Jahre gewesen sein. Das Wählerverzeichnis für die Stadtmagistratswahl, zu der auch nur erwachsene Männer zugelassen waren, verzeichnet in den Jahren 1896 bis 1914 insgesamt zwischen 232 und 314 Personen.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II6729|StadtA Wasserburg a. Inn, II6729]], Teil 1: 1896 waren 237 Wahlberechtigte verzeichnet, 1899 314 Wahlberechtigte, 1902 289, 1905 259, 1908 273, 1911 262 und 1914 232. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Nimmt man als Ausgangszahl das Wählerverzeichnis von 1914, dann dürften im Krieg mehr als 50% der wehrfähigen Männer Wasserburgs gefallen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die &amp;quot;Spanische Grippe&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die &#039;&#039;neuartige spanische Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird in den Quellen, die in Wasserburg zugänglich sind, eigentlich zunächst gar nichts berichtet. &#039;&#039;Die Zeitungen hielten sich daran, keine Meldungen zu bringen, welche die deutsche Öffentlichkeit im vierten Kriegsjahr irgendwie hätten beunruhigen können&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und das, obwohl die Epidemie wohl mehr Todesopfer gefordert haben dürfte als der Krieg selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das Grippevirus H1N1, das zum Auslöser der Pandemie wurde, ist vermutlich im Januar oder Februar 1918 im Mittleren Westen der USA von Geflügel oder Schweinen auf den Menschen übergesprungen. Es fand vor allem in den überfüllten Ausbildungslagern des sich in Aufstellung beﬁndlichen US-Expeditionskorps für Europa reichlich Gelegenheit zur Verbreitung. Die ersten Massenerkrankungen sind Anfang März 1918 im Camp Funston in Kansas verbürgt. Mitte April 1918 erreichte die Inﬂuenza mit den US-Truppentransporten dann Frankreich, wo man die ersten Fälle in Bordeaux registrierte. Die Frühjahrspandemie führte in allen betroffenen Ländern zwar zu vielen Erkrankungen, die aber zumeist harmlos verliefen. Allerdings kamen auch schon im Frühjahr gelegentlich äußerst heftige Grippefälle vor, die insbesondere bei Menschen im eigentlich widerstandsfähigsten Alter zu einem schnellen Tode führten. Bei den Obduktionen der Opfer ﬁelen den Ärzten bereits jetzt vereinzelt die dann in der Herbstwelle oft anzutreffenden völlig zerstörten, mit Blut und Flüssigkeit durchtränkten Lungenﬂügel auf&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 5f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So darf man also mit Fug und Recht vermuten, dass diese &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039;, wie sie in der Kirmayer-Chronik und dem Wasserburger Anzeiger bezeichnet wurde, auch die Wasserburger Bevölkerung erheblich befallen haben dürfte. Erstmalig wird dies im Sommer 1918 deutlich: &lt;br /&gt;
Wenn man Eckard Michels Glauben schenken mag, haben einzelne Zeitungen darüber berichtet, wie z.B. die Magdeburger Zeitung am 29.05.1918 erstmalig.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Wasserburger Anzeiger thematisiert die Krankheit zum ersten Male im Juli 1918.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918]], 2: &#039;&#039;(Die &#039;spanische Krankheit&#039;) scheint überall ihren Einzug zu halten. Die &#039;&#039;Grippe&#039;&#039; (eine ungefährliche influenzartige Erkrankung soll stärker auftreten in München, Landshut, Regensburg, Passau. Auch Wasserburger sollen schon &#039;&#039;spanisch&#039;&#039; erkrankt sein&#039;&#039;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Wenige Tage später berichtet die Zeitung, dass die Jahresabschlussfeier der Luitpold-Realschule wegen der &#039;&#039;Spanischen Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;   &#039;&#039;(Ohne Jahresabschlußfeier) schlossen sich heuer die Pforten unserer Luitpoldrealschule. Die &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039; hat die Schülerzahl durch frühe Beurlaubungen so herabgesetzt, daß von einer solchen Feier leider Umgang genommen werden musste.&#039;&#039;,  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918]], 2. &amp;lt;/ref&amp;gt; abgesagt werden musste. Der Ton der Meldung legt ein begrenztes Verständnis für diese Maßnahme nahe, was vermuten lässt, dass man die Folgen der &#039;&#039;Spanischen Grippe&#039;&#039; wohl nicht so richtig überblickt hat. Im November 1918 wartet der Wasserburger Anzeiger dann mit der Nachricht auf, dass man sich gegen die Grippe impfen lassen könne.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch hält die Infektionswelle an und fordert auch nach Kriegsende noch Todesopfer.&amp;lt;ref&amp;gt;So meldet der Wasserburger Anzeiger am 16. Januar 1919 insgesamt 26 Todesopfer binnen einer Woche, die an den Folgen der Grippe verstorben sind; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parlamentarisierung und Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr &#039;&#039;1917 war das Jahr der Meutereien und Streiks, der Kriegsmüdigkeit und der kollektiven Erschöpfung, der Polarisierung der Kriegsgesellschaften und der Neuausrichtung der Innenpolitik gewesen - bis hin zur radikalen Utopie als Ergebnis einer gewaltsamen Revolution und des Übergangs vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg in Russland. Aber in den kriegführenden Gesellschaften setzte sich diese Entwicklung nicht fort. Vielmehr konnte man eine steigende Bereitschaft beobachten, den Krieg fortzusetzen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 806. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese These Jörn Leonhards wird durch die Ereignisse, wie sie sich auch im Wasserburger Anzeiger dokumentieren, bestätigt: So berichtet der Wasserburger Anzeiger von einem Telegramm, das der &#039;&#039;Freie Ausschuss für einen Deutschen Arbeiterfrieden&#039;&#039;, der 300.000 Mitglieder habe, an den Deutschen Reichskanzler Graf Hertling geschickt habe und in dem stehe, dass man entrüstet sei über die deutschen Bedingungen für einen Frieden mit dem sowjetisch regierten Russland, denn in den Bedingungen liege der vollkommene Verzicht &#039;&#039;auf den deutschen Sieg&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tatsächlich mehrten sich die Stimmen, die erneute Offensiven nach dem Erschöpfungsjahr 1917 forderten. Tatsächlich konnte sich das Deutsche Reich in dem am 3. März 1918 geschlossenen Friedensvertrag von Brest-Litowsk in vielen Punkten durchsetzen, weshalb man später in der Sowjetunion und auch in der DDR vom &#039;&#039;Raubfrieden von Brest-Litowsk&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Herbst, Novemberrevolution in Deutschland|Herbst, Novemberrevolution in Deutschland]], 15 und Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Band 12, Berlin (Ost), 1964, 831.   &amp;lt;span style=&amp;quot;color:red;&amp;quot;&amp;gt;FN WRID NOCH ANGEPASST&amp;lt;/span&amp;gt; . &amp;lt;/ref&amp;gt; sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Januar 1918 lud die sowjetrussische Regierung die anderen Ententemächte ein, einen umfassenden Frieden mit Deutschland, Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich ins Auge zu fassen und an den Friedensgesprächen in Brest-Litowsk teilzunehmen. Der Wasserburger Anzeiger berichtet hierzu, dass die Ententemächte diese Einladung abgelehnt hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], zit. n. Stadtarchiv Wasserburg: &#039;&#039;Die Einladung der russischen Regierung an die Entente zur Teilnahme an den Friedensvorbesprechungen in Brest-Litowsk ist ein höhnisches Nein gefolgt und Amerika glaubt noch seinen Extrasenf dreingeben zu müssen, um seinen Bundesgenossen den Rücken zu stärken.&#039;&#039;  &amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings weist die Zeitung darauf hin, dass man im Vereinigten Königreich die Bedingungen für einen Frieden, wie sie von Österreich-Ungarn und Deutschland formuliert worden seien, durchaus als ernst zu nehmend betrachte. Der Wasserburger Anzeiger ergänzt hierzu: &#039;&#039;Das wäre […] die erste Stimme der Vernunft, die man von Seiten der Alliierten zu hören bekäme&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Januar 1918 wartete schließlich US-Präsident Woodrow Wilson mit seinen 14 Punkten für einen Friedensschluss auf. Die von ihm formulierten Voraussetzungen für einen Friedensschluss wurden interessanterweise nicht nur von den Mittelmächten abgelehnt&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 808. &amp;lt;/ref&amp;gt;, sondern auch von den Verbündeten in der Entente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beginn des letzten Kriegsjahres 1918 war in Deutschland geprägt von der Hoffnung auf eine Kriegswende, begleitet von der großen Furcht, dass es diese Kriegswende doch nicht geben würde. Und trotz des Friedens von Brest-Litowsk trat im Laufe des Frühsommers erneut jene Erschöpfung bei den deutschen Soldaten ein, die die Jahre 1916 und 1917 geprägt hatten. Hinzu kam, dass die Prognosen für die Gewinnung neuer Soldaten eher bescheiden ausfielen. Nur 100.000 neue Soldaten des Jahrgangs 1900 würden deutschlandweit eingezogen werden können. Diese Tatsache und der Umstand, dass es in diesem Krieg nirgends voranging, ließ die Kriegsmüdigkeit anwachsen. Dies wurde noch durch die Tatsache verstärkt, dass der Luftkrieg wichtiger wurde. Dieses neue Phänomen des Luftkrieges trug nämlich den Krieg in die Heimat. Zunächst kam es zu einem systematischen Bombardement alliierter Städte. Die Alliierten beantworteten dies mit Luftschlägen aus großer Höhe, bei denen es gar nicht darauf ankam, gezielte Objekte zu treffen, sondern vielmehr die Moral bei den Deutschen zu zerstören, indem man auch zivile Ziele unter Beschuss nahm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 810.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von all dem ist in den in Wasserburg zugänglichen Quellen wenig zu lesen. Natürlich liest man von Gefallenen, man erfährt auch von Kriegsgefangenen, aber der Krieg selbst drang nie nach Wasserburg vor, wohl aber dessen Begleiterscheinungen wie Nahrungsmangel, Spendenaufrufe u. dgl. Noch im November 1918, unmittelbar vor dem Waffenstillstand, gibt es Aufrufe in der Zeitung, die neue Kriegsanleihe zu zeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918]], 3-4 und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte September 1918 unterbreitet die österreichisch-ungarische Monarchie den Vorschlag einer Friedenskonferenz&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber von den Entente-Mächten abgelehnt wird. Eingedenk der immer stärker werdenden Streiks und Aufstände gegen den Krieg informierte dann am Abend des 3. Oktober 1918 der Reichskanzler Prinz Max von Baden den amerikanischen Präsidenten. Die Reichsregierung ersuchte die US-Regierung um &#039;&#039;die Herstellung des Friedens&#039;&#039; auf der Basis von Wilsons 14 Punkten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Prinz Max von Baden stand der ersten parlamentarischen Reichsregierung vor und war seit 30. September 1918 im Amt. Mit dieser Initiative wurde im Grunde das Ende des Krieges endgültig eingeläutet. US-Präsident Wilson ließ seinen Außenminister darauf mit der Frage antworten, was denn &#039;&#039;der genaue Sinn der Note des Reichskanzlers&#039;&#039; sei?&amp;lt;ref&amp;gt;zit. n. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes|Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Da die amerikanische Seite zu keinem Frieden bereit war, solange deutsche Soldaten auf fremdem Territorium stünden, legte Prinz Max von Baden am 21.10.1918 nach: Man verband die formale Bitte mit dem Angebot, die besetzten Gebiete zu räumen und den U-Boot-Krieg einzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch führenden Militärs der Obersten Heeresleitung machten Druck auf die Reichsregierung, einen schnellen Waffenstillstand herbeizuführen. Hindenburg teilte der Regierung bei seinem Antrittsbesuch in Berlin am 7. Oktober 1918 mit: &#039;&#039;Die Lage kann für uns nicht mehr besser werden, daher ist jede Verzögerung des Friedensschlusses militärisch gesprochen zu unserem Nachteil&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von alledem war in Wasserburg selbst nur wenig zu erfahren. Zu lange, ja, zu intensiv wurde der Glaube an den &#039;&#039;Siegfrieden&#039;&#039;, wie ihn die 3. Oberste Heeresleitung (OHL) immer wieder postulierte, gepflegt. Doch jetzt, im Oktober 1918, nachdem Wilhelm II. Prinz Max zum Reichskanzler ernannt hatte und der den Rückhalt der Parlamentsmehrheit genoss, schwenkte General Ludendorff um und wünschte einen Friedensvertrag auch auf der Basis von Wilsons 14 Punkten. Ein solcher &#039;&#039;maßvoller&#039;&#039; Frieden würde weder Sieger noch Besiegte kennen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19|Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19]], 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang auf ein System, das parlamentarische Kontrolle kannte, wurde zwar im Reich und in Bayern vollzogen und auch auf kommunaler Ebene lesen wir von einem Soldaten- und Arbeiterrat, der sich im November 1918 gegründet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2: &#039;&#039;Auch hier hat sich ein Soldaten- und Arbeiterrat gebildet&#039;&#039;.  &amp;lt;/ref&amp;gt; Leider versagt weiteres Quellenstudium am Fehlen der diesbezüglichen Quellen &amp;lt;ref&amp;gt; Die diesbezüglichen Akten könnten eigentlich im Staatsarchiv München eingesehen werden, doch im Findbuch zu Wasserburg während des Ersten Weltkrieges sind die hier genannten Dokumente leider nicht vorhanden.&amp;lt;/ref&amp;gt;: So lesen wir von einer Veranstaltung im Danningerbräu, die einen &#039;&#039;äußerst starken Besuch&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehabt habe, &#039;&#039;darunter nicht wenige Frauen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der neue Landrat des Bezirks Wasserburg, Birnkammer, hielt einen zweistündigen Vortrag, in dem er &#039;&#039;das Interesse seiner Hörerschaft fesselte und diese oft zu lebhaftem Beifall hinriß&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ging anscheinend dem wohl sozialdemokratischen Landrat darum zu zeigen, dass die Sozialdemokratie während der gesamten Kriegsdauer stets ermahnt habe, einen Verständigungsfrieden mit den Entente-Mächten anzustreben, den die militärische Führung in Deutschland stets unterlaufen und boykottiert habe. Landrat Birnkammer dürfte wohl dann auch die Besucher aufgefordert haben, der sozialdemokratischen Partei beizutreten und es zu unterlassen, in der Stadt &#039;&#039;nachts feige reaktionäre Plakate anzuschlagen, die zudem keinen Wert hätten, da drei Viertel der Bevölkerung für die neue Ordnung seien&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den am 12. Januar 1919 durchgeführten Landtagswahlen, bei denen auch erstmals Frauen das aktive und passive Wahlrecht erhalten hatten, ergab sich dann allerdings keine Mehrheit für die Sozialdemokraten&amp;lt;ref&amp;gt;So erhielt die MSPD 17,6% der Stimmen und die USPD 0,1%, während die Bayerische Volkspartei auf 33,3 % der Stimmen kam und der Bauernbund auf 44,2%, zit. n. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Wasserburg. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Erster_Weltkrieg&amp;diff=14139</id>
		<title>Erster Weltkrieg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dieser Artikel wird derzeit erstellt. Wir bitten noch um etwas Geduld.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Lage in Europa 1914 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren vor 1914 dürfte Europa wohl auf dem Höhepunkt seiner globalen Dominanz gestanden haben. Durch die industrielle Revolution und die Bevölkerungsexplosion war es den Staaten in Europa zusammen mit den ebenfalls seit Ende des 19. Jahrhunderts imperial agierenden Mächten Japan und USA gelungen, eine globale politische Herrschaft zu etablieren. Der Erwerb von Kolonien in Afrika und Asien dokumentierte diese Dominanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sprach man lange von einer Pentarchie, weil es fünf Großmächte gab, die sich alle in Europa befanden und die Welt zu beherrschen suchten. Es handelte sich um das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland, die französische Republik, das zaristische Russland, das deutsche Kaiserreich und das Kaiserreich Österreich-Ungarn. Die USA, China und Japan wurden in dieser Sichtweise noch nicht als imperialistische Großmächte im engeren Sinne angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Politik des deutschen Kaiserreichs unter Bismarck, jenes &#039;&#039;Spiel mit den fünf Bällen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Bezeichnung hatte sich im Deutschen Kaiserreich für Bismarcks Europapolitik eingebürgert und bezeichnete das Bemühen, die fünf Großmächte in Europa in einem Gleichgewicht zu halten, damit ein brüchiger Friede gewahrt werden konnte. Bismarck hatte immer wieder betont, dass sich Deutschland in einer &#039;&#039;Mittellage&#039;&#039; befinde und es daher ein ureigenes deutsches Interesse sei, dieses Gleichgewicht zu erhalten. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts im Grunde recht erfolgreich, da das kaiserliche Deutschland keine Kolonialpolitik betreiben wollte. Bismarcks Credo, Deutschland sei saturiert &amp;lt;ref&amp;gt;Bei der Reichsgründung 1871 soll Bismarck dies verkündet haben, um die anderen europäischen Mächte dahingehend zu beruhigen, dass Deutschland keinen Kolonialbesitz anstrebe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, hatte also zumindest in dieser Hinsicht friedenssichernde Qualität. Mit dem Tode Kaiser Wilhelm I. 1888, der kurz darauf erfolgten Inthronisierung von Wilhelm II. und dem Rücktritt des Reichskanzlers Otto von Bismarck 1890 änderte sich die deutsche Außenpolitik aber grundlegend. Man suchte nunmehr Kolonien, Wilhelm II. wollte &#039;&#039;Weltgeltung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;   Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Aussenpolitik|Lemo, Aussenpolitik]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; für Deutschland und suchte z.B. die britische Überlegenheit auf dem Gebiet der Marine durch rüstungsintensive Investitionen abzubauen und geriet in eine Situation, die dazu führte, dass Russland, Frankreich und das Vereinigte Königreich mit der &#039;&#039;Entente Cordiale&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Entente|Lemo, Entente]].  &amp;lt;/ref&amp;gt; ein Bündnis begründeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren vor 1914 rüsteten aber alle europäischen Großmächte intensiv auf, Deutschland hatte ab 1912 hierbei einen gewissen Vorsprung, den Russland bis 1916/17 abzubauen gedachte, weshalb sich unter den deutschen Militärs die Auffassung durchsetzen konnte, dass ein Krieg 1913/14 sinnvoller und Erfolg versprechender sei als zwei oder drei Jahre später. Deutschland befand sich in einem Bündnis mit Österreich-Ungarn und in gewisser Weise auch mit Italien und dem Osmanischen Reich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr unsicher war die Situation auf dem Balkan. Österreich-Ungarn hatte 1908 Bosnien-Herzegowina annektiert; darüber hinaus hatte die Donaumonarchie Teile Galiziens okkupiert. &lt;br /&gt;
Die in Russland weit verbreitete Ideologie des Panslawismus&amp;lt;ref&amp;gt;Insbesondere sollten die osteuropäischen Gebiete, in denen &#039;&#039;slawische&#039;&#039; Sprachen vorherrschten, russisch kontrolliert sein. Damit entsprach der &#039;&#039;Panslawismus&#039;&#039; auch dem Bemühen Russlands um einen &#039;&#039;Cordon sanitaire&#039;&#039;, mit dem die Sowjetunion sich gegen die westlichen Mächte zu schützen suchte. &amp;lt;/ref&amp;gt; zielte aber auf eine Kontrolle all dieser Gebiete durch Russland. Dadurch entstanden Konflikte, die eigentlich kaum friedlich gelöst werden konnten. Konflikte und Krisen im Südosten Europas, wo das christliche Europa an das islamische Osmanische Reich grenzte &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Clark, Schlafwandler|Clark, Schlafwandler]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, waren an sich nichts Neues für die Herrschenden in der Welt. Seit 1911 aber verschärfte sich die Situation: Italien begann im September 1911 einen Eroberungskrieg im heutigen Libyen. Da dieser Angriff mehrere Überfälle auf osmanische Gebiete auf dem Balkan provozierte, geriet auch das geopolitische Gleichgewicht in eine klare Schieflage. Die Balkankriege &amp;lt;ref&amp;gt; Montenegro erklärte dem Osmanischen Reich am 25. September 1912 und am 16. Oktober 1912 das Osmanische Reich Bulgarien den Krieg. Am Tag darauf erklärten Serbien, Bulgarien und Griechenland gemeinsam dem Osmanischen Reich den Krieg.&lt;br /&gt;
Die folgenden militärischen Niederlagen des Osmanischen Reiches, das durch den 1912 verlorenen Italienisch-Türkischen Krieg und verschiedene Aufstände in den Balkanprovinzen schon vorher geschwächt war, machten deutlich, dass es seine europäische Herrschaft so nicht mehr länger würde aufrechterhalten können. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; sorgten nunmehr dafür, dass sich das Osmanische Reich, abgesehen von einem kleinen thrakischen Zipfel, in Europa nicht mehr länger halten konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann man erkennen, dass die Großmächte um die Vorherrschaft in Europa und der Welt kämpften und hier spielte das Mittelmeer eine bedeutsame Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur daran, dass Russland seit jeher einen eisfreien Hafen wünschte, der aber in der Ostsee kaum realisiert werden konnte, da der nördlichste eisfreie Hafen Königsberg in Ostpreußen war, das auf dem Territorium des Deutschen Reiches lag. Von den russischen Häfen im Schwarzen Meer (Rostow am Don, Sewastopol, Mariupol, Odessa) konnte man das Mittelmeer nur erreichen, wenn man die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen passieren konnte. Beide Meerengen wurden aber vom Osmanischen Reich kontrolliert. Österreich-Ungarn war sehr daran interessiert, seine Häfen in der Adria, also v.a. Fiume (Rijeka) und Pola in Istrien zu bewahren. Das Vereinigte Königreich war seinerseits brennend daran interessiert, den Suez-Kanal und die Meerenge von Gibraltar unter britischer Kontrolle zu halten. &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Zentrum der europäischen Konflikte stand natürlich der Balkan, von dem große Teile bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts vom Osmanischen Reich kontrolliert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Russland, das auch mit seiner Ideologie des Panslawismus die Kriegsbereitschaft anheizte. Es darf allerdings festgestellt werden, dass wohl eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber einem Krieg in vielen europäischen Staaten vorherrschte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Attentat auf dem österreichisch-ungarischen Kronprinzen Franz Ferdinand und seine Gattin in Sarajevo am 28. Juni 1914 war die Kriegsbegeisterung bei allen Großmächten ganz offensichtlich stärker als die Friedenssehnsucht. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Akten, die über den Besuch des französischen Präsidenten Poincaré im Juli 1914 in St. Petersburg Auskunft geben könnten, sowohl auf französischer als auch auf russischer Seite verschwunden sind. Man ist also gezwungen, die Ereignisse im Juli 1914 im Großen und Ganzen zu erschließen, da wichtige Quellen anscheinend vernichtet wurden oder jedenfalls nicht zugänglich sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hier ausführlich: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#McMeekin, Russlands Weg in den Krieg|McMeekin, Russlands Weg in den Krieg]], 75 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zur Situation in Wasserburg 1914 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in Wasserburg dürfte die Kriegsbegeisterung im Sommer 1914 groß gewesen sein. Und es darf die These gewagt werden, dass auch hier die militärische Option gegenüber der politischen die Oberhand behielt. Allerdings wurden die Ereignisse ab dem 23. Juli 1914, dem Tag, an dem der französische Staatspräsident Poincaré St. Petersburg verließ und die Österreichisch-Ungarische Regierung der Serbischen ihr Ultimatum vorlegte, weder in der Ausgabe des Wasserburger Anzeigers vom 25. Juli 1914 noch in der vom 28. Juli 1914 erwähnt. Dies geschah erst am 30. Juli 1914. Viele andere Zeitungen berichteten hingegen bereits ab 24. Juli 1914 über diese Note, deren Ton als harsch und undiplomatisch interpretiert wurde&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 28.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wasserburger Anzeiger vom 30. Juli 1914 wird die Kriegsbegeisterung deutlich ausgesprochen: Ein Wasserburger, er wird namentlich &#039;&#039;Hr. Ing. Huber&#039;&#039; genannt, er weilte im Juli 1914 in Wien, schrieb an seine Angehörigen und erwähnte hier, dass man es eine &#039;&#039;Erlösung gefunden&#039;&#039; habe, &#039;&#039;daß es einmal losgeht. Vor russischem Eingriff hat man keine Angst.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und später schreibt er dann noch: &#039;&#039;Der Krieg ist sehr populär!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Wasserburger, der seinen Artikel &#039;&#039;Stimmungsbild&#039;&#039; nennt, schreibt allerdings aus Wien. Die Einschätzung, die er liefert, dürfte aber vergleichbar sein. &#039;&#039;Man faßt im übrigen die Sache sehr gelassen auf und läßt sich nicht aus der Gemütlichkeit bringen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914|Wasserburger Anzeiger, 30.07.1914]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen war kein direktes Kriegsgeschehen in Wasserburg spürbar, der Krieg begann in Belgien, wo die deutschen Truppen, dem Schlieffen-Plan folgend, Belgien überrannten, Luxemburg&amp;lt;ref&amp;gt;Luxemburg war übrigens das einzige Land in Europa, das die Besetzung kampflos hinnahm. &amp;lt;/ref&amp;gt; besetzten und in Richtung Frankreich und Ostpreußen (Tannenbergschlacht) marschierten. Insofern spürte man in Wasserburg die Auswirkungen des Krieges sehr deutlich, auch wenn es hier kein Kriegsgeschehen im engeren Sinne gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Deutsche Reich hatte Russland am 1. August 1914 den Krieg erklärt.&lt;br /&gt;
In Bayern &#039;&#039;wurde der Kriegszustand nicht wie im übrigen Reich nach Art. 68 der Reichsverfassung durch den Kaiser ausgesprochen. Vielmehr war gemäß dem bayerischen Gesetz über den Kriegszustand von 1912 hierfür eine königliche Verordnung notwendig. Dies war nur im Kriegsfalle oder bei drohender Kriegsgefahr zulässig, nicht aber wie in Preußen bei einer Bedrohung von innen. Im Weltkrieg wurde der Kriegszustand für Bayern durch die bayerische Verordnung vom 31. Juli 1914 verhängt. Dieses Gesetz sah keine Ermächtigung zum Eingriff in die individuelle Freiheitssphäre vor, sondern nur eine Verschärfung des Strafrechts, insbesondere bei staatsgefährdenden Delikten. Das Standrecht (gemäß bayer. StGB) konnte angeordnet werden, das die Verhängung der Todesstrafe ausdehnte und ein summarisches Verfahren vorsah&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19|Saupe, Kriegszustand, 1914-1918/19]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Telegramme, die der Wasserburger Anzeiger an den Stadtmagistrat übersandte, wiederholen im Großen und Ganzen die allgemeinen Kriegsberichte. Dieses Wasserburger Medium beschäftigt sich so gut wie gar nicht mit Wasserburg. Am 1. November 1914 erscheint jedoch folgende Meldung: &#039;&#039;Ein Hurra! Für unseren Bürgermeister! Unter der Ueberschrift: Ehre, wem Ehre gebührt! Teilt uns soeben eine Anzahl freudeerfüllter Mannschaften des 2. Reserve-Infanterie-Regiments mit, dass ihr Bataillonskommandeur, Herr rechts. Bürgerm. Ertl von Wasserburg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], 212. Anschlag, Telegramm vom 1.11.1914.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere lokale Meldungen sucht man in den Telegrammen des Wasserburger Anzeigers eigentlich vergeblich. Es werden hier im Grunde nur die Frontberichte wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil2-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil3-II56]], [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil4-II56]]. Die Ordner mit der Benennung Teil 1 und 2 liegen in getippter Form vor, während die Teile 3 und 4 nur in handschriftlicher Form archiviert sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ludwig III. hat am 31.07.1914 die &#039;&#039;Königliche Verordnung vom 31. Juli 1914, die Verhängung des Kriegszustands betreffend&#039;&#039; war Dies herausgegeben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Bayern, Nr. 35 vom 31.7.1914, 327f.&amp;lt;/ref&amp;gt; notwendig, weil die Verfassung ein Sonderrecht für Bayern vorsah. Damit war auch hier der Kriegszustand erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1914 postuliert das kgl. Bezirksamt Wasserburg im Amtsblatt die Notwendigkeit einer militärischen &#039;&#039;Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt des königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 48 vom 23. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde verfügt, dass bis zum 10.11.1914 &#039;&#039;ein Verzeichnis aller derjenigen jungen Männer im Alter  vom vollendeten 16. bis zum 25.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914 wird dieses Alter in &#039;&#039;20 Jahre&#039;&#039; korrigiert. &#039;&#039;Bei der Abfassung des Ausschreibens vom 20. Oktober 1914, Nr. 8490 ist ein Schreibversehen unterlaufen; in Zeile 3 des Absatzes 2 muss es &#039;&#039;statt 25. Lebensjahr&#039;&#039; selbstverständlich heißen: &#039;&#039;20. Lebensjahr&#039;&#039;,&#039;&#039;; in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Lebensjahre unter Angabe ihrer Geburtszeit […] und unter Mitteilung ihrer Bereitwilligkeit, sich für den Dienst des Vaterlandes zu schulen und an den Uebungen teilzunehmen, herzustellen und dem Bezirksamt vorzulegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In den ebenfalls beigefügten &#039;&#039;Richtlinien für die militärische Jugenderziehung während des Krieges&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bezirksamtsblatt vom 29. Oktober 1914, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]&amp;lt;/ref&amp;gt; vom Oktober 1914 wird eingehend erläutert, welche militärischen Kenntnisse und Fertigkeiten der Jugend in kürzester Zeit zu vermitteln seien. Die Forderung, auch die Namen der jungen Männer mitzuteilen, die nicht fähig oder willens seien, in den Krieg zu ziehen, lässt auf den möglichen Druck schließen, der weniger kriegsbegeisterten jungen Männern wohl drohte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anfängliche Begeisterung bei der Rekrutierung - und die sich daran anschließende Ernüchterung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Krieg ist solange lustig, wie niemand zurückschießt&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 71. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Begeisterung, die in Deutschland anscheinend zunächst vorherrschte, wich jedoch sehr bald der Ernüchterung. Doch zunächst wollten tatsächlich sehr viele junge Männer in den Krieg ziehen. Im Wasserburger Anzeiger war diesbezüglich zu lesen, dass nicht wenige Männer zur Beichte und anschließend zum &#039;&#039;Tisch des Herrn&#039;&#039; gegangen seien: &#039;&#039;Vor dem Ausmarsch noch eine Verbindung mit Gott! Das nenn ich Gottvertrauen und das wird uns zum Sieg verhelfen!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 3.8.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; In der Zeitung vom 01.08.1914 war noch die Rede davon, dass das Militär nun sprechen müsse, damit es &#039;&#039;endlich&#039;&#039; losgehe.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914|Wasserburger Anzeiger, 1.8.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; Doch schon bald wurde deutlich, dass es in Deutschland kritisch werden könnte, denn zum einen fehlten bald sehr viele Arbeitskräfte, zum zweiten war Deutschland wie kein zweites Land in Europa auf Lebensmittelimporte angewiesen, da es seinen Lebensmittelbedarf nur zu ca. 35% selbst decken konnte. Zum dritten war Deutschland ein rohstoffarmes Land, man war also auch zur Waffenproduktion auf Importe angewiesen, die eingedenk der Blockade aber ausblieben. &lt;br /&gt;
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde auch die formale Pressefreiheit aufgehoben. Die Medienkontrolle ging an 62 verschiedene Zensurstellen beim Militär über, die unabhängig voneinander agierten. Dadurch kam es wiederholt zu sich widersprechenden Auflagen der Zensurstellen. Generell verboten waren kriegsrelevante Nachrichten wie Truppenbewegungen, Statistiken über Verluste an der Front, aber auch Informationen über besondere Notlagen der Bevölkerung. Überwacht wurden Texte über Friedensbestrebungen und über die Unterdrückung fremder Völker.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg|Mediengeschichte, Zensur im Ersten Weltkrieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ist insofern nachvollziehbar, als man den Kriegsgegnern keine Informationen über die eigene Kriegsstrategie zukommen lassen wollte, andererseits diente diese Zensur natürlich und vor allem der Desinformation der eigenen Bevölkerung, damit die Kriegsbegeisterung aufrechterhalten bleiben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern gibt die Lektüre zeitgenössischer Quellen nur unzureichend Aufschluss über das Geschehen nach dem 1. August 1914. Was aber feststeht, ist die Tatsache, dass die politischen Entscheidungsträger den militärischen das alleinige Entscheidungsrecht zubilligten, wie im Kriege zu handeln sei. Kaiser Wilhelm II. blieb zwar formal an der Spitze des Reiches, hatte aber tatsächlich nicht mehr viel zu sagen. &#039;&#039;Wenn man so will, schließen Militärs und Kaiser unausgesprochen einen Pakt: Der Kaiser genehmigt zumeist anstandslos die Planungen des Generalstabschefs und erteilt ihm die Vollmacht, in seinem Namen Befehle zu erteilen. Im Gegenzug achtet die militärische Führung darauf, den Anschein der kaiserlichen Befehlsgewalt dem Volk gegenüber zu wahren. Als der Krieg beginnt, befindet sich der Monarch deshalb in einer eigentümlichen Lage: Er steht mitten im Geschehen und bleibt doch außen vor.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#o.V., Menschen 1914|o.V., Menschen 1914]], 25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die sprunghaft nach oben schnellenden Zahlen der gefallenen Soldaten dürfte dafür gesorgt haben, dass die Kriegsbegeisterung recht bald einer großen Ernüchterung wich, ebenso wie die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung mit Lebensmitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nicht immer große Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen, führte zu Klagen. So beklagt sich der stellvertretende Vorsitzende des Wehrbundes Wasserburg in einem Schreiben, &#039;&#039;dass in der letzten Zeit eine ziemliche Zahl ohne Grund und unentschuldigt den [Wehr-] Übungen fern blieb. […] Die Leitung des Wehrbundes spricht die bestimmte Erwartung aus, daß dieser Appell an das Ehrgefühl und die Treue der Teilnehmer genügt, um die Mitglieder des Wehrbundes zu neuem Eifer anzuspornen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben von Otto Laubet, Rechtsanwalt vom 23. Januar 1915; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe des Krieges wurde der Ton in dieser Hinsicht schärfer, dies dürfte ein Indiz dafür sein, dass sich die Wehrbereitschaft nicht im Interesse des Generalkommandos der Armee entwickelte. So äußert sich der kommandierende General von der Tann in einem Schreiben am 22.2.1917 w.f.: &#039;&#039;Es wurde in Erfahrung gebracht, dass in der Bevölkerung die Ansicht stark verbreitet ist, dass die militärisch vorgebildeten jungen Leute früher an die Front geschickt werden, als die Nichtgeübten. Aus diesem Grunde haben mehrere ehemalige Jungmannen bei ihrem Einrücken zur Truppe ihre frühere Zugehörigkeit zur Jugendwehr absichtlich verschwiegen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Von der Tann betont abschließend in seinem Schreiben, dass die Heeresverwaltung &#039;&#039;keinesfalls […] die Absicht&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt; habe, die früheren Angehörigen der militärischen Jugendvereinigungen früher an die Front zu schicken.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben von General von der Tann (stellv. Generalkommando L.B.A.K.) an die Gemeindebehörden zur geeigneten Bekanntgabe an die in Betracht kommenden jungen Leute, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II57|StadtA Wasserburg a. Inn, II57]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgung der Armee mit Soldaten stockte immer wieder, sodass sich das preußische und das Bayerische Kriegsministerium veranlasst sahen, im Frühjahr 1916 einen Aufruf an alle Gemeinden in Bayern zu verfassen, in dem es w.f. heißt: &#039;&#039;Unsere Feinde haben eingesehen, daß sie uns nicht auszuhungern imstande sind. Auch ihre Hoffnung auf Deutschlands finanziellen Zusammenbruch verwandelte sich in Staunen über die unerschöpfliche Finanzkraft des Deutschen Volkes. […] Es muß nur jeder kriegsverwendungsfähige Mann der Front zugeführt werden&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Schreiben des kgl. Preuß. Kriegsministeriums und des kgl. Bayer. Kriegsministeriums vom 1. März 1916 bzw. 19. Mai 1916 an sämtliche Gemeindebehörden, zit. n.  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spionagehysterie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz nach dem Ausbruch des Krieges internierte Großbritannien wahllos deutsche, österreichisch-ungarische und osmanische Staatsbürger, die in Großbritannien lebten, auf der Isle of Man. Die Angst, von Spionen umzingelt zu sein, war überall in Europa sehr groß. Als Reaktion setzte die deutsche Reichsleitung ihrerseits im November 1914 britische Staatsbürger und Deutsch-Briten, die teilweise seit Jahrzehnten in Deutschland gelebt hatten, in Lagern fest. Viele Briten hatten sich auch bloß auf Urlaubsreise oder geschäftlich in Deutschland aufgehalten, als der Krieg begann.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Habermehl, Stachldrahtkrankheit|Habermehl, Stachldrahtkrankheit]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Hysterie hielt an, zumal beispielsweise Meldungen über die Doppelagentin Mata Hari das ihrige taten, die entsprechenden Ängste zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegsverwaltung und Beschäftigungssituation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bald nach Kriegsbeginn war ich neben 14 weiblichen Angestellten im Alter von 15 bis 50 Jahren der einzige Mann im Verlag&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 114.&amp;lt;/ref&amp;gt;, konstatierte der Münchner Verleger Reinhard Piper und auch in Wasserburg verschoben sich Stellengesuche und Stellenangebote nach dem Ausbruch des Krieges deutlich. Wurden vor Beginn des Krieges mehrfach Dienstmädchen, Köchinnen und Arbeitskräfte für ähnliche haushaltsnahe Dienstleistungen gesucht, so suchten nunmehr diese selbst eine Beschäftigung.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits war das Stellenangebot für Handwerker und Dienstknechte groß. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914|Wasserburger Anzeiger, 10.10.1914]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Grund ist plausibel wie naheliegend: Während die Männer eingezogen wurden und deshalb die entsprechenden Stellen vakant wurden, konnten sich viele angesichts der massiven Preissteigerungen Haushaltspersonal nicht mehr leisten, sodass nunmehr Köchinnen, Dienstmädchen und ähnliche Beschäftigte eine Arbeit suchten. Aber in Wirklichkeit dürfte es nicht an Arbeitskräften gemangelt haben, sondern an Arbeit. &#039;&#039;Fast alle Kommunalverwaltungen überraschte, dass trotz der Einziehung von Millionen von Männern die Arbeitslosigkeit deutlich zunahm&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 117. &amp;lt;/ref&amp;gt; Bezogen auf ganz Deutschland stieg die Arbeitslosenquote von 2,7% im Juli 1914 auf 22,7% im September 1914.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 215. &amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig sank das Einkommensniveau der Familien beträchtlich: Ein arbeitslos gewordener, gut ausgebildeter Arbeiter mit einem Kind musste mit durchschnittlich 30 Mark Kriegsunterstützung auskommen, vorher standen ihm ca. 128 Mark zur Verfügung.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 121.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reichswollwoche - Vaterländischer Hilfsdienst ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 18. bis 24. Januar 1915 fand die &#039;&#039;Reichswollwoche&#039;&#039;statt. Man sammelte warme Unterkleidung für die deutschen Truppen&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Chronik 1915|Lemo, Chronik 1915]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; und hoffte auf diese Weise, die Kampfbereitschaft zu erhöhen. In Wasserburg wurde die Sammlung im Rahmen der Reichswollwoche jedoch nicht durchgeführt. So kann man im Wasserburger Anzeiger vom 21. Januar 1915 lesen: &#039;&#039;(Wollsachen als Liebesgaben.) Nach übereinstimmenden Mitteilungen, die an das bayerische Landeskomitee vom Roten Kreuz gelangt sind, ist die Versorgung unserer im Felde stehenden Truppen mit Wollsachen auf längere Zeit ausreichend und sogar Überfluß vorhanden. Infolgedessen ist es nicht beabsichtigt, in nächster Zeit Wollsachen in größeren Mengen an die Truppen gelangen zu lassen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 21.1.1915]], 3. &amp;lt;/ref&amp;gt; Damit hat man sich wohl in Oberbayern und auch in Wasserburg nicht im gleichen Umfange wie in anderen Landesteilen an dieser Reichswollwoche beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr wohl wurden allerdings in Wasserburg Rohstoffe gesammelt, wie z.B. Bierglasdeckel aus Zinn&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Amtsblatt des Königl. Bezirksamtes Wasserburg, Nr. 10 vom 1. März 1917, 1, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II64|StadtA Wasserburg a. Inn, II64]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch Schuhwaren. Der Bedarf an Rohstoffen für die Rüstungsindustrie war enorm und konnte auch durch die zahlreichen Sammlungen bei der Bevölkerung nicht gedeckt werden. So nimmt es nicht wunder, dass es immer wieder Mahnungen an die Bevölkerung gab, mehr für die einzelnen Zwecke zu spenden, da anscheinend die Spendenbereitschaft geringer war als der Bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geldbedarf - Nagelung am Rathaustor ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wasserburg fehlten auch die Mittel für die Hinterbliebenen der gefallenen Soldaten. Deshalb beschloss der Magistrat der Stadt im Dezember 1915, das Eingangstor des Rathauses mit einem Löwen und Verzierungen zu verschönern. Das Bild sollte durch eine Vielzahl unterschiedlich großer Nägel entstehen. Bereits im Frühjahr 1915 wandte sich der Magistrat der Stadt Wasserburg an mehrere Städte in Süddeutschland und fragte an, ob dort ebenfalls an eine Benagelung an wichtigen Gebäuden geplant sei.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt ca. 4.500 Nägel wurden in der Folge in das Rathaustor genagelt, darunter 400 große Nägel, für die allein zwischen 10 und 400 Reichsmark (RM) pro Nagel gespendet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik|Kienle, Vom Kaiserreich zur Republik]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt gab es drei Größen für die Nägel, für sie wurden Spenden erhoben. Die großen Nägel kosteten mindestens 5 RM, ein mittlerer kostete 2 RM und ein kleiner war für 40 oder 20 Pfennig zu haben. Schulkinder konnten einen kleinen Nagel für 10 Pfennig erwerben. Für den 12. Dezember 1915 wurde zu einer &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; eingeladen, in der &#039;&#039;die Benagelung des Stadtlöwen für das Rathaustor als dauerndes Wahrzeichen der Kriegszeit verbunden wird&#039;&#039;. &amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II1494|StadtA Wasserburg a. Inn, II1494]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Woche nach dieser &#039;&#039;Vaterländischen Feier&#039;&#039; wurden die Schulklassen der Schulen in Wasserburg an das Tor geführt und durften ihrerseits Nägel anbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Umgang mit Hunger und Mangel und die Errichtung einer &amp;quot;Volksküche&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die kriegsbedingten wirtschaftlichen Probleme führten bereits im Winter 1914/15 zu enormen Preissteigerungen und großen Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen|Braun, Kriegs- und Zwangswirtschaftsstellen]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Am 23. Juli 1915 erließ deshalb der Bundesrat die &#039;&#039;Bekanntmachung gegen übermäßige Preissteigerung&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wikimedia, Reichsgesetzblatt|Wikimedia, Reichsgesetzblatt]], 467.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber die Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung kaum zu lösen vermochte. Da Deutschland seit August 1914 unter der Tatsache litt, dass nahezu keine Nahrungsmittel mehr importiert wurden, war den Entscheidungsträger recht bald deutlich: Man werde die deutsche Bevölkerung kaum ausreichend ernähren können. Spätestens im Januar 1916 dürfte diese Tatsache jedem bewusst gewesen sein. Die Reichsgetreidestelle organisierte zentral den Aufkauf von Brotgetreide und subventionierte auch die Endkundenpreise, die Reichskartoffelstelle übernahm die zu geringen Kartoffelimporte, der Kriegsausschuss für Öle und Fette musste die ausbleibenden Importe von Öl und Fett durch Produkte der einheimischen Landwirtschaft ersetzen. Angesichts dieser Vielzahl von staatlichen Koordinierungsstellen wurde die Versorgung der Bevölkerung jedoch schlechter und nicht besser. &amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 194.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen des akuten Mangels an Fleisch produzierte z.B. die Stadt München &#039;&#039;Kriegswurst&#039;&#039;, das war eine Wurst, die mit Kartoffelschalen und Küchenabfällen gestreckt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da es nirgends genug von dem gab, was man brauchte, entwickelte sich ein Schwarzmarkt und die Menschen verstärkten ihre Hamsterkäufe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 197.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Stettiner Hausbesitzerin Redepenning ist die folgende Quelle überliefert, in der sie eine Mieterhöhung direkt mit den epochalen Ereignissen des Spätsommers 1914 verknüpfte: &#039;&#039;Die gewaltige Wendung, die durch die Gnade des Allmächtigen Gottes unsere durch seine Macht und Kraft bewaffneten Truppen uns errungen haben, lassen uns in eine große gesegnete kommende Zeit blicken. Möchte unser Volk so viel Gnade nie vergessen, nie den alten Gott, der Staat und Volk vor allem Übel bewahrt. Ihre Wohnung kostet vom 1. Oktober ab 30 Mark mehr&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Eduard Engel, 1914. Ein Tagebuch, Braunschweig 1915, zit. n.: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 205.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland fehlten bereits ganz offensichtlich 1914 die notwendigen Planungen für eine gesicherte Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Deutschland war das Land in Europa, das von Lebensmittelimporten abhängig war wie kein zweites. Etwa zwei Drittel der notwendigen Lebensmittel wurden vor Kriegsausbruch nach Deutschland importiert. Durch die Schließung der Grenzen war diese Einfuhr fortan nicht mehr möglich, da vor allem die Importe aus Großbritannien und Russland fehlten. Spätestens mit der Gründung des Kriegsernährungsamtes im Mai 1916 stieg der Kartoffelverbrauch in Deutschland auf das Zweieinhalbfache des Vorkriegsniveaus. Da v.a. Fleisch fehlte, wurden sogenannte &#039;&#039;Fleischersatzprodukte&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Hierbei handelte es sich häufig um Kohlrüben, auch Steckrüben genannt, aber auch Küchen- und andere Speiseabfälle, die in die Wurst eingearbeitet wurden. &amp;lt;/ref&amp;gt; in die Wurst eingearbeitet. Zu allem Überfluss war der Herbst 1916 sehr verregnet, deshalb litt die Bevölkerung auch unter der &#039;&#039;Kartoffelfäule&#039;&#039;, die die Kartoffelernte auf ca. 50% der Vorjahresernte reduzierte. So wurde die &#039;&#039;Steckrübe&#039;&#039; ein höchst wichtiges Nahrungsmittel, man fertigte Steckrübensuppe, Steckrübenauflauf, Steckrübenkoteletts, Steckrübenpudding, Steckrübenmarmelade und Steckrübenbrot. Anfang 1916 war in Deutschland eines sehr deutlich: Es würde das ganze Jahr über auf keinen Fall genügend Nahrung für die Bevölkerung geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]], 193.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 wird das Ausmaß der unzureichenden Ernährung der Bevölkerung offenbar: Am 30. Oktober 1916 erreichte den Wasserburger Magistrat eine Anfrage aus München, ob hier eine &#039;&#039;Volksküche&#039;&#039; geplant sei. Tatsächlich wurde bei der Heeresleitung der Bedarf erkannt, die Ernährung der Bevölkerung als staatliche Aufgabe zu begreifen. Und so wurden die existierenden Gasthäuser nicht selten in &#039;&#039;Speisehäuser&#039;&#039; umgewandelt, damit möglichst viele Menschen zumindest halbwegs ernährt werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Dokumente zur Errichtung einer Volksküche, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II59|StadtA Wasserburg a. Inn, II59]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lisa Marie Tanner hat in ihrer Seminararbeit die Ernährungssituation in Wasserburg während des Ersten Weltkrieges recht treffend beschrieben. Zu Beginn des Krieges sei die Versorgung der Menschen in der Stadt Wasserburg mit Getreide, Kartoffeln und Zucker noch gut gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als sich dann aber die Wintermonate genähert hätten, habe sich der Andrang auf Lebensmittel erhöht. Zudem seien die Lebensmittelpreise stetig gestiegen. Oftmals hätten sich die Menschen in Wasserburg sich zwar gerade noch die Lebensmittel zu den erhöhten Preisen leisten können, nicht aber mehr jene für Miete und Strom.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]]./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Bd. 15, 2450./ Vgl. auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1915 sind dann Lebensmittelkarten eingeführt worden. Dadurch waren die Bewohner Wasserburgs berechtigt, Waren in bestimmten Läden oder eine Portion Essen in Gaststätten zu erwerben. Man zahlte 30 Pfennig und bekam dafür eine Lebensmittelkarte, mit der man sich beispielsweise entweder drei Liter Milch oder eine Portion Essen oder Fleisch oder Wurst oder Kolonialwaren oder Brot beschaffen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67|StadtA Wasserburg a. Inn, Teil1-II67]].  &amp;lt;/ref&amp;gt; Tanner schließt daraus, dass die Lebensmittelkarten einen Ersatz für Geld darstellten.&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs|Tanner, Problematik der Ernährungssituation in Wasserburg während des 1. Weltkriegs]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Giftgas ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einsatz von Kampfmitteln, die die Atemwege der Soldaten beeinträchtigten, sind schon seit der Antike bekannt. Bereits im Peleponnesischen Krieg (431 - 404 v. Chr.) sollen die Spartaner Brandkörper gegen die Athener eingesetzt haben, um auf diese Weise die Luft mit Schwefeldioxid zu vergiften. Moderne chemische Kriegführung kennen wir seit 1914. Es waren die französischen Streitkräfte, die bereits im August 1914 C-Waffen gegen die deutschen Truppen einsetzten. Allerdings handelte es sich zunächst &#039;&#039;nur&#039;&#039; um das Tränengas Xylylbromid. Für den ersten Einsatz tödlicher Giftgase waren dann allerdings die deutschen Truppen verantwortlich: Am 22. April 1915 griff das XV. Armeekorps unter General Berthold von Deimling zwischen Langemarck und Ypern mit Chlorgas an. Es war Kriegsminister Erich von Falkenhayn, der den Einsatz von Reizstoffen an der Front genehmigte. Da Chlor schwerer ist als Luft, sank es in die französischen Schützengräben. Dieser erste Angriff forderte schätzungsweise 1.200 Tote und 3.000 Verwundete. Damit die Soldaten wussten, was in den einzelnen Gasbehältern enthalten war, erhielten diese farbige Markierungen: Grüne Kreuze standen für Lungenkampfstoffe, blaue Kreuze für Blutkampfstoffe, gelbe für Hautkampfstoffe. Bei einem Chemieangriff mit verschiedenen Kampfstoffen sprachen die Soldaten deshalb lapidar-zynisch vom &#039;&#039;Buntschießen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe|Bundeszentrale für politische Bildung, Chemische Kampfstoffe]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verdeutschung ausländischer Begriffe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum war der Erste Weltkrieg ausgebrochen, hielt die patriotische Begeisterung Einzug in fast alle Lebensbereiche. Ebenso wie in Frankreich und Großbritannien, wo deutsche Begriffe getilgt wurden&amp;lt;ref&amp;gt;Man denke nur an das Adelsgeschlecht Battenberg, das fürderhin nur noch &#039;&#039;Mountbatten&#039;&#039; genannt werden wollte und auch genannt wurde. &amp;lt;/ref&amp;gt;, versuchten die Deutschen, &#039;&#039;entbehrliche Fremdwörter&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; So eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1915, zit. n.:    [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter|Lemo, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter]] .&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem deutschen Sprachgebrauch zu tilgen. Betroffen waren v.a. französischsprachige Redewendungen wie z.B. &#039;&#039;Adieu&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Dafür sollte man jetzt &#039;&#039;Auf Wiedersehen&#039;&#039; sagen. &amp;lt;/ref&amp;gt; Mann und Frau sollten sich nicht mehr zu einem &#039;&#039;Rendez-Vous&#039;&#039; treffen, sondern sich zu einer &#039;&#039;Verabredung&#039;&#039; zusammenfinden. Ähnlich war es mit Begriffen wie z.B. &#039;&#039;Etage&#039;&#039; (Stockwerk) oder &#039;&#039;vis-à-vis&#039;&#039; (von Angesicht zu Angesicht). In den großen Städten wurden auch Eigennamen eingedeutscht wie z.B. &#039;&#039;Café Windsor&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffee Winzer&#039;&#039;, das &#039;&#039;Piccadilly Café&#039;&#039; in &#039;&#039;Kaffeehaus Vaterland&#039;&#039;. Auch der bis heute in Österreich gängige Begriff &#039;&#039;Kaffeehaus&#039;&#039; hat in dieser &#039;&#039;Verdeutschungskampagne&#039;&#039; seinen Ursprung. Aus &#039;&#039;Boutiquen&#039;&#039; wurden &#039;&#039;Modegeschäfte&#039;&#039; und selbst der Begriff &#039;&#039;chic&#039;&#039; wurde durch &#039;&#039;flott&#039;&#039; ersetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Schließlich wurden auch Markennamen eingedeutscht: Vor allem die vor dem Weltkrieg ausgesprochen kosmopolitisch klingenden Zigarettennamen ersetzten die Hersteller wie Manoli oder Garbáty nach Kriegsbeginn sehr schnell durch deutsche Namen. Aus &amp;quot;Duke of Edinborough&amp;quot; wurde &amp;quot;Flaggengala&amp;quot;, aus &amp;quot;Gibson Girl&amp;quot; wurde &amp;quot;Wimpel&amp;quot;, aus &amp;quot;Duke of York&amp;quot; wurde &amp;quot;Graf Yorck von Wartenburg&#039;&#039;. Anfangs überklebten die Hersteller die Zigarettendosen mit der neuen Bezeichnung. Diese Überklebung wurde dann nicht selten auf die Zigarettendosen aufgedruckt, ohne das ursprüngliche Design zu verändern, um die Bindung der Konsumenten an die Marke nicht durch ein neues Design zu stören. So blieb der Eindruck eines nur vorübergehenden Zustands erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Wasserburg ist dieser Trend umgesetzt worden, man kann ihn heute aber im Quellenstudium eigentlich nur daran erkennen, dass auf französisch- und englischsprachige Begriffe signifikant verzichtet wurde, während in den Vorkriegsjahren v.a. die französischsprachigen Begriffe doch weitaus geläufiger waren.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe|Scriba, Verdeutschung ausländischer Begriffe]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So ist vor Beginn des Krieges von &#039;&#039;Couplet&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 8.1.1914]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; die Rede, von &#039;&#039;Bonbonnière&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 13.1.1914]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder &#039;&#039;Equipage&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914|Wasserburger Anzeiger, 15.1.1914]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Beginn des Krieges las sprach man dagegen vermehrt von &#039;&#039;Strophe&#039;&#039;, &#039;&#039;Pralinen&#039;&#039; (was nun auch nicht sehr deutsch ist) oder &#039;&#039;Ausrüstung&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Sehr ausführlich bei: Oskar Kresse, Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter; zit. n.:[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918|Rother, Der Weltkrieg 1914 - 1918]], 103f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schweinemord 1915 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Kriegsausbruch gab es in Deutschland an die 25 Millionen Schweine, die größtenteils mit Gerste gefüttert wurden, die aus Russland importiert wurde. Durch den Handelsboykott, der mit Kriegsbeginn in Kraft trat, unterblieb der Import von Getreide vollkommen. Das führte dazu, dass die Schweine nicht mehr ausreichend gefüttert werden konnten. Am 26.01.1915 konnte man in der Zeitung lesen, dass zu sparsamem Nahrungsmittelverbrauch aufgerufen wurde und dass der Höchstpreis für Roggen- oder Weizenkleie den Betrag von 13 Mark pro Doppelzentner nicht übersteigen dürfe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915|Wasserburger Anzeiger, 26.1.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch mussten viele Schweine geschlachtet werden, etwa ein Drittel des Bestandes wurde 1915 getötet, weil das Futter nicht mehr ausreichte. Die Folge war ein Preisverfall für Schweinefleisch bei gleichzeitiger Preissteigerung für andere Lebensmittel. Im Wasserburger Anzeiger wurde mehrfach inseriert, dass Futterschweine &#039;&#039;billigst abzugeben&#039;&#039; und &#039;&#039;Futterferkel zu verkaufen&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. aus der Fülle der Beispiele [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 2.2.1915]], 4./ [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915|Wasserburger Anzeiger, 6.2.1915]], 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; seien. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1915 gab es einen regelrechten Preisverfall bei Schweinefleisch. Im ersten Quartal 1915 wurden an die fünf Millionen Schweine geschlachtet. Allerdings stiegen die Preise in der zweiten Jahreshälfte 1915 wieder an, weil es nunmehr an Schlachtvieh gemangelt haben dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kriegsgefangene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt 8 Millionen Soldaten gerieten während des Ersten Weltkrieges in Kriegsgefangenschaft, mehr als 800.000 davon waren Deutsche. Von den 13 Millionen deutschen Kriegsteilnehmern sind also knapp 10% in Gefangenschaft geraten. Die Wasserburger Kriegsgefangenen wurden, ebenso wie viele andere deutsche Kriegsgefangene, erst nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28.06.1919 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, was in vielen Gemeinden bemerkenswerte Versorgungsprobleme nach sich zog.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenen-Heimkehrfeier 1919&#039;&#039; veranstaltet, im Juli 1919 wurde eine &#039;&#039;Kriegsgefangenenheimkehrstelle&#039;&#039; eingerichtet&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und der Bayerische Staatsanzeiger berichtete am 1. August 1919, dass Kriegsheimkehrer eine &#039;&#039;Sonderzuweisung Ernährung&#039;&#039; erhalten sollen.&amp;lt;ref&amp;gt;Bayer. Staatsanzeiger Nr. 188 vom 1. August 1919, in: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Stadt Wasserburg erstellte ein Verzeichnis von Familien, die bereit seien, entlassene Kriegsgefangene für eine gewisse Zeit bei sich aufzunehmen. Es existieren die Listen, auf denen sich allerdings nur eine einzige Familie tatsächlich zu einer solchen Aufnahme bereit erklärt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II71|StadtA Wasserburg a. Inn, II71]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Opfer des Krieges (Bildsammlung im Archiv) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wasserburg hat es gegen Kriegsende eine Auflistung der Gefallenen gegeben. In dieser Auflistung sind 124 gefallene Wasserburger verzeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II184|StadtA Wasserburg a. Inn, II184]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Männer waren alle mindestens 18 Jahre alt und dürften wohl kaum älter als 40 Jahre gewesen sein. Das Wählerverzeichnis für die Stadtmagistratswahl, zu der auch nur erwachsene Männer zugelassen waren, verzeichnet in den Jahren 1896 bis 1914 insgesamt zwischen 232 und 314 Personen.&amp;lt;ref&amp;gt; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II6729|StadtA Wasserburg a. Inn, II6729]], Teil 1: 1896 waren 237 Wahlberechtigte verzeichnet, 1899 314 Wahlberechtigte, 1902 289, 1905 259, 1908 273, 1911 262 und 1914 232. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Nimmt man als Ausgangszahl das Wählerverzeichnis von 1914, dann dürften im Krieg mehr als 50% der wehrfähigen Männer Wasserburgs gefallen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die &amp;quot;Spanische Grippe&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die &#039;&#039;neuartige spanische Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird in den Quellen, die in Wasserburg zugänglich sind, eigentlich zunächst gar nichts berichtet. &#039;&#039;Die Zeitungen hielten sich daran, keine Meldungen zu bringen, welche die deutsche Öffentlichkeit im vierten Kriegsjahr irgendwie hätten beunruhigen können&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und das, obwohl die Epidemie wohl mehr Todesopfer gefordert haben dürfte als der Krieg selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das Grippevirus H1N1, das zum Auslöser der Pandemie wurde, ist vermutlich im Januar oder Februar 1918 im Mittleren Westen der USA von Geflügel oder Schweinen auf den Menschen übergesprungen. Es fand vor allem in den überfüllten Ausbildungslagern des sich in Aufstellung beﬁndlichen US-Expeditionskorps für Europa reichlich Gelegenheit zur Verbreitung. Die ersten Massenerkrankungen sind Anfang März 1918 im Camp Funston in Kansas verbürgt. Mitte April 1918 erreichte die Inﬂuenza mit den US-Truppentransporten dann Frankreich, wo man die ersten Fälle in Bordeaux registrierte. Die Frühjahrspandemie führte in allen betroffenen Ländern zwar zu vielen Erkrankungen, die aber zumeist harmlos verliefen. Allerdings kamen auch schon im Frühjahr gelegentlich äußerst heftige Grippefälle vor, die insbesondere bei Menschen im eigentlich widerstandsfähigsten Alter zu einem schnellen Tode führten. Bei den Obduktionen der Opfer ﬁelen den Ärzten bereits jetzt vereinzelt die dann in der Herbstwelle oft anzutreffenden völlig zerstörten, mit Blut und Flüssigkeit durchtränkten Lungenﬂügel auf&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 5f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So darf man also mit Fug und Recht vermuten, dass diese &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039;, wie sie in der Kirmayer-Chronik und dem Wasserburger Anzeiger bezeichnet wurde, auch die Wasserburger Bevölkerung erheblich befallen haben dürfte. Erstmalig wird dies im Sommer 1918 deutlich: &lt;br /&gt;
Wenn man Eckard Michels Glauben schenken mag, haben einzelne Zeitungen darüber berichtet, wie z.B. die Magdeburger Zeitung am 29.05.1918 erstmalig.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Michels, Spanische Grippe 1918/19|Michels, Spanische Grippe 1918/19]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Wasserburger Anzeiger thematisiert die Krankheit zum ersten Male im Juli 1918.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 4.7.1918]], 2: &#039;&#039;(Die &#039;spanische Krankheit&#039;) scheint überall ihren Einzug zu halten. Die &#039;&#039;Grippe&#039;&#039; (eine ungefährliche influenzartige Erkrankung soll stärker auftreten in München, Landshut, Regensburg, Passau. Auch Wasserburger sollen schon &#039;&#039;spanisch&#039;&#039; erkrankt sein&#039;&#039;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Wenige Tage später berichtet die Zeitung, dass die Jahresabschlussfeier der Luitpold-Realschule wegen der &#039;&#039;Spanischen Krankheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;   &#039;&#039;(Ohne Jahresabschlußfeier) schlossen sich heuer die Pforten unserer Luitpoldrealschule. Die &#039;&#039;Spanische Krankheit&#039;&#039; hat die Schülerzahl durch frühe Beurlaubungen so herabgesetzt, daß von einer solchen Feier leider Umgang genommen werden musste.&#039;&#039;,  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918|Wasserburger Anzeiger, 16.7.1918]], 2. &amp;lt;/ref&amp;gt; abgesagt werden musste. Der Ton der Meldung legt ein begrenztes Verständnis für diese Maßnahme nahe, was vermuten lässt, dass man die Folgen der &#039;&#039;Spanischen Grippe&#039;&#039; wohl nicht so richtig überblickt hat. Im November 1918 wartet der Wasserburger Anzeiger dann mit der Nachricht auf, dass man sich gegen die Grippe impfen lassen könne.&amp;lt;ref&amp;gt;  [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch hält die Infektionswelle an und fordert auch nach Kriegsende noch Todesopfer.&amp;lt;ref&amp;gt;So meldet der Wasserburger Anzeiger am 16. Januar 1919 insgesamt 26 Todesopfer binnen einer Woche, die an den Folgen der Grippe verstorben sind; [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 16.1.1919]]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parlamentarisierung und Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr &#039;&#039;1917 war das Jahr der Meutereien und Streiks, der Kriegsmüdigkeit und der kollektiven Erschöpfung, der Polarisierung der Kriegsgesellschaften und der Neuausrichtung der Innenpolitik gewesen - bis hin zur radikalen Utopie als Ergebnis einer gewaltsamen Revolution und des Übergangs vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg in Russland. Aber in den kriegführenden Gesellschaften setzte sich diese Entwicklung nicht fort. Vielmehr konnte man eine steigende Bereitschaft beobachten, den Krieg fortzusetzen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 806. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese These Jörn Leonhards wird durch die Ereignisse, wie sie sich auch im Wasserburger Anzeiger dokumentieren, bestätigt: So berichtet der Wasserburger Anzeiger von einem Telegramm, das der &#039;&#039;Freie Ausschuss für einen Deutschen Arbeiterfrieden&#039;&#039;, der 300.000 Mitglieder habe, an den Deutschen Reichskanzler Graf Hertling geschickt habe und in dem stehe, dass man entrüstet sei über die deutschen Bedingungen für einen Frieden mit dem sowjetisch regierten Russland, denn in den Bedingungen liege der vollkommene Verzicht &#039;&#039;auf den deutschen Sieg&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tatsächlich mehrten sich die Stimmen, die erneute Offensiven nach dem Erschöpfungsjahr 1917 forderten. Tatsächlich konnte sich das Deutsche Reich in dem am 3. März 1918 geschlossenen Friedensvertrag von Brest-Litowsk in vielen Punkten durchsetzen, weshalb man später in der Sowjetunion und auch in der DDR vom &#039;&#039;Raubfrieden von Brest-Litowsk&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus der Fülle der Beispiele: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Herbst, Novemberrevolution in Deutschland|Herbst, Novemberrevolution in Deutschland]], 15 und Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Band 12, Berlin (Ost), 1964, 831.   &amp;lt;span style=&amp;quot;color:red;&amp;quot;&amp;gt;FN WRID NOCH ANGEPASST&amp;lt;/span&amp;gt; . &amp;lt;/ref&amp;gt; sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Januar 1918 lud die sowjetrussische Regierung die anderen Ententemächte ein, einen umfassenden Frieden mit Deutschland, Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich ins Auge zu fassen und an den Friedensgesprächen in Brest-Litowsk teilzunehmen. Der Wasserburger Anzeiger berichtet hierzu, dass die Ententemächte diese Einladung abgelehnt hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]], zit. n. Stadtarchiv Wasserburg: &#039;&#039;Die Einladung der russischen Regierung an die Entente zur Teilnahme an den Friedensvorbesprechungen in Brest-Litowsk ist ein höhnisches Nein gefolgt und Amerika glaubt noch seinen Extrasenf dreingeben zu müssen, um seinen Bundesgenossen den Rücken zu stärken.&#039;&#039;  &amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings weist die Zeitung darauf hin, dass man im Vereinigten Königreich die Bedingungen für einen Frieden, wie sie von Österreich-Ungarn und Deutschland formuliert worden seien, durchaus als ernst zu nehmend betrachte. Der Wasserburger Anzeiger ergänzt hierzu: &#039;&#039;Das wäre […] die erste Stimme der Vernunft, die man von Seiten der Alliierten zu hören bekäme&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.1.1918]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Januar 1918 wartete schließlich US-Präsident Woodrow Wilson mit seinen 14 Punkten für einen Friedensschluss auf. Die von ihm formulierten Voraussetzungen für einen Friedensschluss wurden interessanterweise nicht nur von den Mittelmächten abgelehnt&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 808. &amp;lt;/ref&amp;gt;, sondern auch von den Verbündeten in der Entente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beginn des letzten Kriegsjahres 1918 war in Deutschland geprägt von der Hoffnung auf eine Kriegswende, begleitet von der großen Furcht, dass es diese Kriegswende doch nicht geben würde. Und trotz des Friedens von Brest-Litowsk trat im Laufe des Frühsommers erneut jene Erschöpfung bei den deutschen Soldaten ein, die die Jahre 1916 und 1917 geprägt hatten. Hinzu kam, dass die Prognosen für die Gewinnung neuer Soldaten eher bescheiden ausfielen. Nur 100.000 neue Soldaten des Jahrgangs 1900 würden deutschlandweit eingezogen werden können. Diese Tatsache und der Umstand, dass es in diesem Krieg nirgends voranging, ließ die Kriegsmüdigkeit anwachsen. Dies wurde noch durch die Tatsache verstärkt, dass der Luftkrieg wichtiger wurde. Dieses neue Phänomen des Luftkrieges trug nämlich den Krieg in die Heimat. Zunächst kam es zu einem systematischen Bombardement alliierter Städte. Die Alliierten beantworteten dies mit Luftschlägen aus großer Höhe, bei denen es gar nicht darauf ankam, gezielte Objekte zu treffen, sondern vielmehr die Moral bei den Deutschen zu zerstören, indem man auch zivile Ziele unter Beschuss nahm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 810.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von all dem ist in den in Wasserburg zugänglichen Quellen wenig zu lesen. Natürlich liest man von Gefallenen, man erfährt auch von Kriegsgefangenen, aber der Krieg selbst drang nie nach Wasserburg vor, wohl aber dessen Begleiterscheinungen wie Nahrungsmangel, Spendenaufrufe u. dgl. Noch im November 1918, unmittelbar vor dem Waffenstillstand, gibt es Aufrufe in der Zeitung, die neue Kriegsanleihe zu zeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 5.11.1918]], 3-4 und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 7.11.1918]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte September 1918 unterbreitet die österreichisch-ungarische Monarchie den Vorschlag einer Friedenskonferenz&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.9.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die aber von den Entente-Mächten abgelehnt wird. Eingedenk der immer stärker werdenden Streiks und Aufstände gegen den Krieg informierte dann am Abend des 3. Oktober 1918 der Reichskanzler Prinz Max von Baden den amerikanischen Präsidenten. Die Reichsregierung ersuchte die US-Regierung um &#039;&#039;die Herstellung des Friedens&#039;&#039; auf der Basis von Wilsons 14 Punkten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Prinz Max von Baden stand der ersten parlamentarischen Reichsregierung vor und war seit 30. September 1918 im Amt. Mit dieser Initiative wurde im Grunde das Ende des Krieges endgültig eingeläutet. US-Präsident Wilson ließ seinen Außenminister darauf mit der Frage antworten, was denn &#039;&#039;der genaue Sinn der Note des Reichskanzlers&#039;&#039; sei?&amp;lt;ref&amp;gt;zit. n. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes|Kellerhoff, Sinn des Friedensangebotes]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Da die amerikanische Seite zu keinem Frieden bereit war, solange deutsche Soldaten auf fremdem Territorium stünden, legte Prinz Max von Baden am 21.10.1918 nach: Man verband die formale Bitte mit dem Angebot, die besetzten Gebiete zu räumen und den U-Boot-Krieg einzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Leonhard, Die Büchse der Pandora|Leonhard, Die Büchse der Pandora]], 879.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch führenden Militärs der Obersten Heeresleitung machten Druck auf die Reichsregierung, einen schnellen Waffenstillstand herbeizuführen. Hindenburg teilte der Regierung bei seinem Antrittsbesuch in Berlin am 7. Oktober 1918 mit: &#039;&#039;Die Lage kann für uns nicht mehr besser werden, daher ist jede Verzögerung des Friedensschlusses militärisch gesprochen zu unserem Nachteil&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kellerhoff, Heimatfront|Kellerhoff, Heimatfront]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von alledem war in Wasserburg selbst nur wenig zu erfahren. Zu lange, ja, zu intensiv wurde der Glaube an den &#039;&#039;Siegfrieden&#039;&#039;, wie ihn die 3. Oberste Heeresleitung (OHL) immer wieder postulierte, gepflegt. Doch jetzt, im Oktober 1918, nachdem Wilhelm II. Prinz Max zum Reichskanzler ernannt hatte und der den Rückhalt der Parlamentsmehrheit genoss, schwenkte General Ludendorff um und wünschte einen Friedensvertrag auch auf der Basis von Wilsons 14 Punkten. Ein solcher &#039;&#039;maßvoller&#039;&#039; Frieden würde weder Sieger noch Besiegte kennen.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierzu: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19|Wirsching, Paradoxe Revolution 1918/19]], 8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang auf ein System, das parlamentarische Kontrolle kannte, wurde zwar im Reich und in Bayern vollzogen und auch auf kommunaler Ebene lesen wir von einem Soldaten- und Arbeiterrat, der sich im November 1918 gegründet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 12.11.1918]], 2: &#039;&#039;Auch hier hat sich ein Soldaten- und Arbeiterrat gebildet&#039;&#039;.  &amp;lt;/ref&amp;gt; Leider versagt weiteres Quellenstudium am Fehlen der diesbezüglichen Quellen &amp;lt;ref&amp;gt; Die diesbezüglichen Akten könnten eigentlich im Staatsarchiv München eingesehen werden, doch im Findbuch zu Wasserburg während des Ersten Weltkrieges sind die hier genannten Dokumente leider nicht vorhanden.&amp;lt;/ref&amp;gt;: So lesen wir von einer Veranstaltung im Danningerbräu, die einen &#039;&#039;äußerst starken Besuch&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehabt habe, &#039;&#039;darunter nicht wenige Frauen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der neue Landrat des Bezirks Wasserburg, Birnkammer, hielt einen zweistündigen Vortrag, in dem er &#039;&#039;das Interesse seiner Hörerschaft fesselte und diese oft zu lebhaftem Beifall hinriß&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ging anscheinend dem wohl sozialdemokratischen Landrat darum zu zeigen, dass die Sozialdemokratie während der gesamten Kriegsdauer stets ermahnt habe, einen Verständigungsfrieden mit den Entente-Mächten anzustreben, den die militärische Führung in Deutschland stets unterlaufen und boykottiert habe. Landrat Birnkammer dürfte wohl dann auch die Besucher aufgefordert haben, der sozialdemokratischen Partei beizutreten und es zu unterlassen, in der Stadt &#039;&#039;nachts feige reaktionäre Plakate anzuschlagen, die zudem keinen Wert hätten, da drei Viertel der Bevölkerung für die neue Ordnung seien&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918|Wasserburger Anzeiger, 19.11.1918]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den am 12. Januar 1919 durchgeführten Landtagswahlen, bei denen auch erstmals Frauen das aktive und passive Wahlrecht erhalten hatten, ergab sich dann allerdings keine Mehrheit für die Sozialdemokraten&amp;lt;ref&amp;gt;So erhielt die MSPD 17,6% der Stimmen und die USPD 0,1%, während die Bayerische Volkspartei auf 33,3 % der Stimmen kam und der Bauernbund auf 44,2%, zit. n. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919|Wasserburger Anzeiger, 14.1.1919]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Wasserburg. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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		<title>Joseph Heiserer</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: /* Daten zur Amtszeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biografie Joseph Heiserer&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
[[Besitzt::GND-Normdatensatz| ]] {{#set:GND-ID=13220195X | Link={{fullurl:Joseph Heiserer}}}}&lt;br /&gt;
[http://d-nb.info/gnd/13220195X GND-Normdatensatz]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer war von 1819 bis 1858 Stadtschreiber der Stadt Wasserburg a. Inn. Er prägte die Geschicke der Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Lebensdaten==&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer * 23.1.1794 in Affing bei Aichach, † 16.9.1858 in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben und Amtszeit==&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer wurde am 23. Januar 1794 in Affing bei Aichach geboren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Beruf des Vaters war der eines Hofmarkverwalters und Gerichtshalters bei dem Graf-Leyden’schen Patrimonialgericht Affing. Heiserers Mutter Maria Anna, geb. Grimm, war eine Mautbeamtenstochter aus Regensburg.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Museum Wasserburg Inv. Nr. 11448.jpg|mini|Porträt des Josef Heiserer, 1858.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Heiserers frühe Kindheit berichtet Pfarrer König, der von 1842 bis 1878 Stadtpfarrer in Wasserburg war: &#039;&#039;Der kleine Joseph zeigte schon im kindlichen Alter viele Talente und eine große Freude zum Lernen. Deshalb glaubten die Eltern ihn für eine höhere Bildung bestimmen zu müssen und übergaben den Knaben dem damaligen Pfarrer in Stotzham, welcher ihm den ersten Unterricht in Latein erteilte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Th. P. König, Veröffentlichung des Nachrufs im 21. Jahresbericht des Hist. Vereins für Oberbayern (1859), 122-129, zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Heiserers Eltern schickten den Knaben auf die höhere Schule, obwohl ihnen das finanziell sehr schwer gefallen sein muss. Ostern 1805 trat er in die Studienanstalt Dillingen ein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vom Schuljahr 1806/07 an erhielt er ein Stipendium.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben der kgl. Bairischen Studienfonds Administration Dillingen v. 29.12.1806, zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; Joseph Heiserer oblag es nun, alljährlich seine &#039;&#039;Zeugnisse über Fortgang und Sitte&#039;&#039; dem zuständigen &#039;&#039;Verwaltungsamte&#039;&#039; vorzulegen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Abschluss seiner Dillinger Schulzeit begann Heiserer sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität, die sich damals in Landshut befand.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Ludwigs-Maximilians-Universität hatte bis 1802 ihren Sitz in Ingolstadt, kam nach Landshut und wurde 1826 nach München verlegt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Joseph Heiserer studierte drei Jahre und bestand 1815 seine Abschlussprüfung. Daran anschließend trat er die in der Ordnung für das Jurastudium einjährige Amtspraxis an, damit er zur &#039;&#039;Concoursprüfung&#039;&#039; zugelassen werden konnte. Heiserer begann seine Zeit als &#039;&#039;Rechtspraktikant&#039;&#039; im Oktober 1815 am Herrschaftsgericht Affing, wo er bis November 1816 diente, anschließend wirkte er bis September 1817 am kgl. Landgericht Wasserburg, bevor er nach München an das kgl. Landgericht München wechselte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Mai 1818 wurde er zur &#039;&#039;Concoursprüfung&#039;&#039; zugelassen, die er auch gut bestand. Anschließend betraute er ein &#039;&#039;Accessistenamt&#039;&#039;, bei dem er aber keine Einkünfte erzielen konnte. Graf Leyden übernahm für ihn den notwendigen Unterhalt. Nachdem der Wasserburger Stadtschreiber Pleistein verstorben war, bewarb sich Heiserer im März 1819 um die Stelle des &#039;&#039;rechtskundigen Stadtschreibers&#039;&#039;. Im Juni 1819 erhielt er den Zuschlag und trat am 28. Juli 1819 seinen Dienst an.&lt;br /&gt;
Die Aufgabe des rechtskundigen Stadtschreibers bei der Stadt Wasserburg war Heiserer wohl sehr wichtig. Er bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tode 1858.&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Augusta Kopleter starb nach der Geburt des Sohnes Franz Joseph im Mai 1830. Da war Heiserer gerade 10 Monate verheiratet. Im Mai 1843 heiratete Heiserer ein zweites Mal, und zwar die um 20 Jahre jüngere Rosina Feldmayr.&amp;lt;ref&amp;gt;Rosina Feldmayr war die Tochter eines Wasserburger Metzgermeisters. Sie starb im Alter von 30 Jahren im Oktober 1844. Heiserers zweiter Sohn Lorenz Eduard entstammte dieser Ehe. Heiserer sorgte sich sehr um die berufliche Zukunft seiner beiden Söhne. Zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1858 starb Heiserer im Alter von 64 Jahren unerwartet &#039;&#039;auf der Rückreise von Neuburg a/D.&#039;&#039; Sein Erbe wurde, damit man langwierigen Erbauseinandersetzungen aus dem Wege gehen konnte, öffentlich versteigert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 153.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Möglichkeit, die Ergebnisse einer jahrzehntelangen Sammlertätigkeit Heiserers, für ein stadtgeschichtliches Museum zu erwerben, wurde nicht genutzt. Die Bestände seiner Sammlung wurden in alle Winde zerstreut.&lt;br /&gt;
Heiserer selbst wurde auf dem Altstadtfriedhof beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirken in der Stadt==&lt;br /&gt;
Von 1819 bis zu seinem Tode 1858 bekleidete Heiserer das Amt des &#039;&#039;rechtskundigen Stadtschreibers&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Er übernahm in einer Zeit des Epochenwandels dieses Amt. Denn nach dem Wiener Kongress wurden zwar einerseits Traditionen konserviert, andererseits nahm eine massive wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung ihren Lauf, weshalb Entscheidungen getroffen werden mussten, die auch Wasserburg in die Moderne des 19. Jahrhunderts führen konnten.&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg litt unter chronischem Geldmangel. Heiserer muss wohl schon sehr bald nach seinem Amtsantritt eingesehen haben, dass größere Investitionen notwendig waren, um der Stadt eine Zukunft zu ermöglichen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 47f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Gründung der städtischen Sparkasse 1826&amp;lt;ref&amp;gt;Die städtische Sparkasse Wasserburg war die dritte Sparkasse in Oberbayern; vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; hoffte Heiserer auch, die städtischen Finanzen teilweise stabilisieren zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nahm am 1. Oktober 1826 ihren Dienst auf und gehört somit zu den ältesten Sparkassen in Bayern. Sie sollte gemäß ihrer Satzung &#039;&#039;den Kindern, Dienstboten, ledigen Handwerkern und der übrigen unbemittelten Einwohner-Klasse&#039;&#039;  ermöglichen, Geld gewinnbringend anzulegen, um für eine gesicherte Zukunft zu sorgen. In einer Zeit ohne staatliche Absicherung, im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter und nach Übergabe der Aufgaben der Armenpflege vom Staat zurück an die Gemeinden, versuchte die Stadt Wasserburg auf diese Weise, ihren Bürgern eine Möglichkeit der Armutsvorsorge zu bieten und sich selbst zu entlasten.&lt;br /&gt;
Das Spargeschäft zu Beginn war einfach: Die Spareinlagen wurden zu 5% Zinsen bei der Staatsschuldentilgungskasse eingezahlt, der Sparer erhielt 3,33% Zinsen gutgeschrieben. Die Beschränkung des Personenkreises und der Einlagenhöhe sollten das Risiko für die Gemeinde, der Gewährsträgerin, klein und Spekulanten fern halten.&lt;br /&gt;
Die Sparkasse war in der Kämmerei des Rathauses untergebracht, hatte nur geringe Öffnungszeiten und wurde durch Personal der Stadtverwaltung betreut, was die Verwaltungskosten niedrig hielt.&lt;br /&gt;
Nach Erlaubnis des königlichen Landgerichts 1833 und einer Änderung der Satzung 1841 wurde langsam der Weg zum Privatkredit gegen hypothekarische Sicherheit frei, nachdem die Einlagen immer weiter stiegen und das Geld gewinnbringend angelegt werden musste. Die Staatsschuldentilgungskasse nahm die Sparsummen nur noch unter starken Einschränkungen bzw. 1843 gar nicht mehr an, da die Summen, die ihr zur Verzinsung übersandt wurden, zu hoch waren, als dass der Staat weiterhin eine sofortige Rückzahlung an die Einleger hätte garantieren können.&lt;br /&gt;
Noch waren jedoch die Reglementierungen der staatlichen Aufsichtsbehörden bei der Kreditvergabe groß. Es gründeten sich daher im Geschäftsgebiet der Sparkasse Wasserburg Gewerbliche Kreditgenossenschaften, um die Nachfrage vor allem nach kurzfristigen und unbürokratischen Krediten kleinerer und mittlerer Betriebe befriedigen zu können.&lt;br /&gt;
Zu wichtigen Leistungen in der Stadt Wasserburg gehören aber mit Sicherheit auch die Anlage des Altstadtfriedhofs 1838 und die Gründung des städtischen. Krankenhauses 1855. Heiserer ist es hier gelungen, Aufgaben in der Stadt Wasserburg umzusetzen, wie sie für eine moderne Stadt notwendig waren, aber eben noch nicht in dieser Form erkannt wurden.&lt;br /&gt;
Heiserer wollte damit wohl auch den Weg zu einer Gewerbefreiheit in Wasserburg umsetzen. Diese kam aber erst 1868, also 10 Jahre nach Heiserers Tod.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heisererplatz.jpg|mini|Am Heisererplatz, 2016.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiserers Wunsch, dass sich der [[Der_Kampf_um_die_Eisenbahn|Bau der Eisenbahnlinie durch Wasserburg]] ziehen könnte, wurde nicht erfüllt, man hat seinerzeit den Wasserburgern nachgesagt, sie hätten sich einseitig auf die Förderung der Innschifffahrt festgelegt, eine Einschätzung, der Scheidacher allerdings vehement widerspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 37.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tode hat sich die Stadt Wasserburg zunächst schwer getan, das Andenken an diesen großen Wasserburger angemessen zu würdigen. Aus Anlass seines Todes erschien keine Anzeige der Stadtverwaltung in der Zeitung (vgl. Scheidacher, p.156). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg hat in der Gegenwart das Andenken Joseph Heiserers gewahrt, indem sie einen [[Heisererplatz|Platz]] in der Stadt nach ihm benannte. Auch durch die Schaffung der &#039;&#039;[https://www.google.com/url?sa=t&amp;amp;rct=j&amp;amp;q=&amp;amp;esrc=s&amp;amp;source=web&amp;amp;cd=2&amp;amp;ved=2ahUKEwia_8fN2_noAhW0p3EKHaxhClAQFjABegQIAxAB&amp;amp;url=https%3A%2F%2Fwww.wasserburg.de%2Ffileadmin%2FDateien%2FDateien%2FWasserburg%2FStadt_Buerger%2FStadtverwaltung%2FOrtsrecht%2Fheiserermedaille.pdf&amp;amp;usg=AOvVaw16tbES9OKl4_bG8zsppyE7 Joseph-Heiserer-Medaille]&#039;&#039;, die an Wasserburger verliehen wird, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Der Wasserburger Stadtrat hat die Medaille 1985 ins Leben gerufen. Seit 2007 wird die Medaille regelmäßig verliehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Daten zur Amtszeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Initiierte kommunale Einrichtungen:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 159.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Gründung der städtischen Sparkasse 1826&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Erster städtischer Kindergarten 1856&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Anlage des Altstadtfriedhofes mitsamt Kirche 1838/1851&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Einrichtung eines städtischen Krankenhauses 1855&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Joseph_Heiserer&amp;diff=8674</id>
		<title>Joseph Heiserer</title>
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		<updated>2020-04-24T07:53:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biografie Joseph Heiserer&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
[[Besitzt::GND-Normdatensatz| ]] {{#set:GND-ID=13220195X | Link={{fullurl:Joseph Heiserer}}}}&lt;br /&gt;
[http://d-nb.info/gnd/13220195X GND-Normdatensatz]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer war von 1819 bis 1858 Stadtschreiber der Stadt Wasserburg a. Inn. Er prägte die Geschicke der Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Lebensdaten==&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer * 23.1.1794 in Affing bei Aichach, † 16.9.1858 in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben und Amtszeit==&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer wurde am 23. Januar 1794 in Affing bei Aichach geboren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Beruf des Vaters war der eines Hofmarkverwalters und Gerichtshalters bei dem Graf-Leyden’schen Patrimonialgericht Affing. Heiserers Mutter Maria Anna, geb. Grimm, war eine Mautbeamtenstochter aus Regensburg.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Museum Wasserburg Inv. Nr. 11448.jpg|mini|Porträt des Josef Heiserer, 1858.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Heiserers frühe Kindheit berichtet Pfarrer König, der von 1842 bis 1878 Stadtpfarrer in Wasserburg war: &#039;&#039;Der kleine Joseph zeigte schon im kindlichen Alter viele Talente und eine große Freude zum Lernen. Deshalb glaubten die Eltern ihn für eine höhere Bildung bestimmen zu müssen und übergaben den Knaben dem damaligen Pfarrer in Stotzham, welcher ihm den ersten Unterricht in Latein erteilte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Th. P. König, Veröffentlichung des Nachrufs im 21. Jahresbericht des Hist. Vereins für Oberbayern (1859), 122-129, zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Heiserers Eltern schickten den Knaben auf die höhere Schule, obwohl ihnen das finanziell sehr schwer gefallen sein muss. Ostern 1805 trat er in die Studienanstalt Dillingen ein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vom Schuljahr 1806/07 an erhielt er ein Stipendium.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben der kgl. Bairischen Studienfonds Administration Dillingen v. 29.12.1806, zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; Joseph Heiserer oblag es nun, alljährlich seine &#039;&#039;Zeugnisse über Fortgang und Sitte&#039;&#039; dem zuständigen &#039;&#039;Verwaltungsamte&#039;&#039; vorzulegen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Abschluss seiner Dillinger Schulzeit begann Heiserer sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität, die sich damals in Landshut befand.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Ludwigs-Maximilians-Universität hatte bis 1802 ihren Sitz in Ingolstadt, kam nach Landshut und wurde 1826 nach München verlegt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Joseph Heiserer studierte drei Jahre und bestand 1815 seine Abschlussprüfung. Daran anschließend trat er die in der Ordnung für das Jurastudium einjährige Amtspraxis an, damit er zur &#039;&#039;Concoursprüfung&#039;&#039; zugelassen werden konnte. Heiserer begann seine Zeit als &#039;&#039;Rechtspraktikant&#039;&#039; im Oktober 1815 am Herrschaftsgericht Affing, wo er bis November 1816 diente, anschließend wirkte er bis September 1817 am kgl. Landgericht Wasserburg, bevor er nach München an das kgl. Landgericht München wechselte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Mai 1818 wurde er zur &#039;&#039;Concoursprüfung&#039;&#039; zugelassen, die er auch gut bestand. Anschließend betraute er ein &#039;&#039;Accessistenamt&#039;&#039;, bei dem er aber keine Einkünfte erzielen konnte. Graf Leyden übernahm für ihn den notwendigen Unterhalt. Nachdem der Wasserburger Stadtschreiber Pleistein verstorben war, bewarb sich Heiserer im März 1819 um die Stelle des &#039;&#039;rechtskundigen Stadtschreibers&#039;&#039;. Im Juni 1819 erhielt er den Zuschlag und trat am 28. Juli 1819 seinen Dienst an.&lt;br /&gt;
Die Aufgabe des rechtskundigen Stadtschreibers bei der Stadt Wasserburg war Heiserer wohl sehr wichtig. Er bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tode 1858.&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Augusta Kopleter starb nach der Geburt des Sohnes Franz Joseph im Mai 1830. Da war Heiserer gerade 10 Monate verheiratet. Im Mai 1843 heiratete Heiserer ein zweites Mal, und zwar die um 20 Jahre jüngere Rosina Feldmayr.&amp;lt;ref&amp;gt;Rosina Feldmayr war die Tochter eines Wasserburger Metzgermeisters. Sie starb im Alter von 30 Jahren im Oktober 1844. Heiserers zweiter Sohn Lorenz Eduard entstammte dieser Ehe. Heiserer sorgte sich sehr um die berufliche Zukunft seiner beiden Söhne. Zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1858 starb Heiserer im Alter von 64 Jahren unerwartet &#039;&#039;auf der Rückreise von Neuburg a/D.&#039;&#039; Sein Erbe wurde, damit man langwierigen Erbauseinandersetzungen aus dem Wege gehen konnte, öffentlich versteigert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 153.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Möglichkeit, die Ergebnisse einer jahrzehntelangen Sammlertätigkeit Heiserers, für ein stadtgeschichtliches Museum zu erwerben, wurde nicht genutzt. Die Bestände seiner Sammlung wurden in alle Winde zerstreut.&lt;br /&gt;
Heiserer selbst wurde auf dem Altstadtfriedhof beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirken in der Stadt==&lt;br /&gt;
Von 1819 bis zu seinem Tode 1858 bekleidete Heiserer das Amt des &#039;&#039;rechtskundigen Stadtschreibers&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Er übernahm in einer Zeit des Epochenwandels dieses Amt. Denn nach dem Wiener Kongress wurden zwar einerseits Traditionen konserviert, andererseits nahm eine massive wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung ihren Lauf, weshalb Entscheidungen getroffen werden mussten, die auch Wasserburg in die Moderne des 19. Jahrhunderts führen konnten.&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg litt unter chronischem Geldmangel. Heiserer muss wohl schon sehr bald nach seinem Amtsantritt eingesehen haben, dass größere Investitionen notwendig waren, um der Stadt eine Zukunft zu ermöglichen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 47f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Gründung der städtischen Sparkasse 1826&amp;lt;ref&amp;gt;Die städtische Sparkasse Wasserburg war die dritte Sparkasse in Oberbayern; vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; hoffte Heiserer auch, die städtischen Finanzen teilweise stabilisieren zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nahm am 1. Oktober 1826 ihren Dienst auf und gehört somit zu den ältesten Sparkassen in Bayern. Sie sollte gemäß ihrer Satzung &#039;&#039;den Kindern, Dienstboten, ledigen Handwerkern und der übrigen unbemittelten Einwohner-Klasse&#039;&#039;  ermöglichen, Geld gewinnbringend anzulegen, um für eine gesicherte Zukunft zu sorgen. In einer Zeit ohne staatliche Absicherung, im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter und nach Übergabe der Aufgaben der Armenpflege vom Staat zurück an die Gemeinden, versuchte die Stadt Wasserburg auf diese Weise, ihren Bürgern eine Möglichkeit der Armutsvorsorge zu bieten und sich selbst zu entlasten.&lt;br /&gt;
Das Spargeschäft zu Beginn war einfach: Die Spareinlagen wurden zu 5% Zinsen bei der Staatsschuldentilgungskasse eingezahlt, der Sparer erhielt 3,33% Zinsen gutgeschrieben. Die Beschränkung des Personenkreises und der Einlagenhöhe sollten das Risiko für die Gemeinde, der Gewährsträgerin, klein und Spekulanten fern halten.&lt;br /&gt;
Die Sparkasse war in der Kämmerei des Rathauses untergebracht, hatte nur geringe Öffnungszeiten und wurde durch Personal der Stadtverwaltung betreut, was die Verwaltungskosten niedrig hielt.&lt;br /&gt;
Nach Erlaubnis des königlichen Landgerichts 1833 und einer Änderung der Satzung 1841 wurde langsam der Weg zum Privatkredit gegen hypothekarische Sicherheit frei, nachdem die Einlagen immer weiter stiegen und das Geld gewinnbringend angelegt werden musste. Die Staatsschuldentilgungskasse nahm die Sparsummen nur noch unter starken Einschränkungen bzw. 1843 gar nicht mehr an, da die Summen, die ihr zur Verzinsung übersandt wurden, zu hoch waren, als dass der Staat weiterhin eine sofortige Rückzahlung an die Einleger hätte garantieren können.&lt;br /&gt;
Noch waren jedoch die Reglementierungen der staatlichen Aufsichtsbehörden bei der Kreditvergabe groß. Es gründeten sich daher im Geschäftsgebiet der Sparkasse Wasserburg Gewerbliche Kreditgenossenschaften, um die Nachfrage vor allem nach kurzfristigen und unbürokratischen Krediten kleinerer und mittlerer Betriebe befriedigen zu können.&lt;br /&gt;
Zu wichtigen Leistungen in der Stadt Wasserburg gehören aber mit Sicherheit auch die Anlage des Altstadtfriedhofs 1838 und die Gründung des städtischen. Krankenhauses 1855. Heiserer ist es hier gelungen, Aufgaben in der Stadt Wasserburg umzusetzen, wie sie für eine moderne Stadt notwendig waren, aber eben noch nicht in dieser Form erkannt wurden.&lt;br /&gt;
Heiserer wollte damit wohl auch den Weg zu einer Gewerbefreiheit in Wasserburg umsetzen. Diese kam aber erst 1868, also 10 Jahre nach Heiserers Tod.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heisererplatz.jpg|mini|Am Heisererplatz, 2016.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiserers Wunsch, dass sich der [[Der_Kampf_um_die_Eisenbahn|Bau der Eisenbahnlinie durch Wasserburg]] ziehen könnte, wurde nicht erfüllt, man hat seinerzeit den Wasserburgern nachgesagt, sie hätten sich einseitig auf die Förderung der Innschifffahrt festgelegt, eine Einschätzung, der Scheidacher allerdings vehement widerspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 37.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tode hat sich die Stadt Wasserburg zunächst schwer getan, das Andenken an diesen großen Wasserburger angemessen zu würdigen. Aus Anlass seines Todes erschien keine Anzeige der Stadtverwaltung in der Zeitung (vgl. Scheidacher, p.156). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg hat in der Gegenwart das Andenken Joseph Heiserers gewahrt, indem sie einen [[Heisererplatz|Platz]] in der Stadt nach ihm benannte. Auch durch die Schaffung der &#039;&#039;[https://www.google.com/url?sa=t&amp;amp;rct=j&amp;amp;q=&amp;amp;esrc=s&amp;amp;source=web&amp;amp;cd=2&amp;amp;ved=2ahUKEwia_8fN2_noAhW0p3EKHaxhClAQFjABegQIAxAB&amp;amp;url=https%3A%2F%2Fwww.wasserburg.de%2Ffileadmin%2FDateien%2FDateien%2FWasserburg%2FStadt_Buerger%2FStadtverwaltung%2FOrtsrecht%2Fheiserermedaille.pdf&amp;amp;usg=AOvVaw16tbES9OKl4_bG8zsppyE7 Joseph-Heiserer-Medaille]&#039;&#039;, die an Wasserburger verliehen wird, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Der Wasserburger Stadtrat hat die Medaille 1985 ins Leben gerufen. Seit 2007 wird die Medaille regelmäßig verliehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Daten zur Amtszeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Initiierte kommunale Einrichtungen:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 159.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Sparkasse 1826&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Erster städtischer Kindergarten 1856&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Anlage des Altstadtfriedhofes mitsamt Kirche 1838/1851&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Einrichtung eines städtischen Krankenhauses 1855&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Kategorie:Peter_Rink&amp;diff=8672</id>
		<title>Kategorie:Peter Rink</title>
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		<updated>2020-04-23T16:06:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Category:Autoren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Autor des Historischen Lexikons Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Rink, Jahrgang 1952, ist Oberstudiendirektor und war bis 2019 Leiter des Luitpold-Gymnasiums Wasserburg a. Inn. Er studierte Germanistik, Geschichte und politische Wissenschaften in Erlangen und Freiburg. 1986-1994 war er als Deutsch- und Geschichtslehrer an der Deutschen Schule Alexandria/Ägypten tätig und leitete von 1998 bis 2004 die Deutsche Schule in Jounieh/Libanon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Folgende Beiträge wurden vom Autor in diesem Lexikon verfasst:&#039;&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Kategorie:Peter_Rink&amp;diff=8670</id>
		<title>Kategorie:Peter Rink</title>
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		<updated>2020-04-23T16:04:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Category:Autoren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Autor des Historischen Lexikons Wasserburg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Rink, Jahrgang 1952, ist Oberstudiendirektor und war bis 2019 Leiter des Luitpold-Gymnasiums Wasserburg a. Inn. Er studierte Germanistik, Geschichte und politische Wissenschaften in Erlangen und Freiburg. 1986-1994 und 1998-2004 Tätigkeiten an deutschen Auslandsschulen in Alexandria und Beirut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Folgende Beiträge wurden vom Autor in diesem Lexikon verfasst:&#039;&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Joseph_Heiserer&amp;diff=8667</id>
		<title>Joseph Heiserer</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Joseph_Heiserer&amp;diff=8667"/>
		<updated>2020-04-23T16:01:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biografie Joseph Heiserer&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
[[Besitzt::GND-Normdatensatz| ]] {{#set:GND-ID=13220195X | Link={{fullurl:Joseph Heiserer}}}}&lt;br /&gt;
[http://d-nb.info/gnd/13220195X GND-Normdatensatz]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer war von 1819 bis 1858 Stadtschreiber der Stadt Wasserburg a. Inn. Er prägte die Geschicke der Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Lebensdaten==&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer * 23.1.1794 in Affing bei Aichach, † 16.9.1858 in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben und Amtszeit==&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer wurde am 23. Januar 1794 in Affing bei Aichach geboren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Beruf des Vaters war der eines Hofmarkverwalters und Gerichtshalters bei dem Graf-Leyden’schen Patrimonialgericht Affing. Heiserers Mutter Maria Anna, geb. Grimm, war eine Mautbeamtenstochter aus Regensburg.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Museum Wasserburg Inv. Nr. 11448.jpg|mini|Porträt des Josef Heiserer, 1858.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Heiserers frühe Kindheit berichtet Pfarrer König, der von 1842 bis 1878 Stadtpfarrer in Wasserburg war: &#039;&#039;Der kleine Joseph zeigte schon im kindlichen Alter viele Talente und eine große Freude zum Lernen. Deshalb glaubten die Eltern ihn für eine höhere Bildung bestimmen zu müssen und übergaben den Knaben dem damaligen Pfarrer in Stotzham, welcher ihm den ersten Unterricht in Latein erteilte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Th. P. König, Veröffentlichung des Nachrufs im 21. Jahresbericht des Hist. Vereins für Oberbayern (1859), 122-129, zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Heiserers Eltern schickten den Knaben auf die höhere Schule, obwohl ihnen das finanziell sehr schwer gefallen sein muss. Ostern 1805 trat er in die Studienanstalt Dillingen ein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vom Schuljahr 1806/07 an erhielt er ein Stipendium.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben der kgl. Bairischen Studienfonds Administration Dillingen v. 29.12.1806, zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; Joseph Heiserer oblag es nun, alljährlich seine &#039;&#039;Zeugnisse über Fortgang und Sitte&#039;&#039; dem zuständigen &#039;&#039;Verwaltungsamte&#039;&#039; vorzulegen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Abschluss seiner Dillinger Schulzeit begann Heiserer sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität, die sich damals in Landshut befand.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Ludwigs-Maximilians-Universität hatte bis 1802 ihren Sitz in Ingolstadt, kam nach Landshut und wurde 1826 nach München verlegt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Joseph Heiserer studierte drei Jahre und bestand 1815 seine Abschlussprüfung. Daran anschließend trat er die in der Ordnung für das Jurastudium einjährige Amtspraxis an, damit er zur &#039;&#039;Concoursprüfung&#039;&#039; zugelassen werden konnte. Heiserer begann seine Zeit als &#039;&#039;Rechtspraktikant&#039;&#039; im Oktober 1815 am Herrschaftsgericht Affing, wo er bis November 1816 diente, anschließend wirkte er bis September 1817 am kgl. Landgericht Wasserburg, bevor er nach München an das kgl. Landgericht München wechselte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Mai 1818 wurde er zur &#039;&#039;Concoursprüfung&#039;&#039; zugelassen, die er auch gut bestand. Anschließend betraute er ein &#039;&#039;Accessistenamt&#039;&#039;, bei dem er aber keine Einkünfte erzielen konnte. Graf Leyden übernahm für ihn den notwendigen Unterhalt. Nachdem der Wasserburger Stadtschreiber Pleistein verstorben war, bewarb sich Heiserer im März 1819 um die Stelle des &#039;&#039;rechtskundigen Stadtschreibers&#039;&#039;. Im Juni 1819 erhielt er den Zuschlag und trat am 28. Juli 1819 seinen Dienst an.&lt;br /&gt;
Die Aufgabe des rechtskundigen Stadtschreibers bei der Stadt Wasserburg war Heiserer wohl sehr wichtig. Er bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tode 1858.&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Augusta Kopleter starb nach der Geburt des Sohnes Franz Joseph im Mai 1830. Da war Heiserer gerade 10 Monate verheiratet. Im Mai 1843 heiratete Heiserer ein zweites Mal, und zwar die um 20 Jahre jüngere Rosina Feldmayr.&amp;lt;ref&amp;gt;Rosina Feldmayr war die Tochter eines Wasserburger Metzgermeisters. Sie starb im Alter von 30 Jahren im Oktober 1844. Heiserers zweiter Sohn Lorenz Eduard entstammte dieser Ehe. Heiserer sorgte sich sehr um die berufliche Zukunft seiner beiden Söhne. Zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1858 starb Heiserer im Alter von 64 Jahren unerwartet &#039;&#039;auf der Rückreise von Neuburg a/D.&#039;&#039; Sein Erbe wurde, damit man langwierigen Erbauseinandersetzungen aus dem Wege gehen konnte, öffentlich versteigert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 153.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Möglichkeit, die Ergebnisse einer jahrzehntelangen Sammlertätigkeit Heiserers, für ein stadtgeschichtliches Museum zu erwerben, wurde nicht genutzt. Die Bestände seiner Sammlung wurden in alle Winde zerstreut.&lt;br /&gt;
Heiserer selbst wurde auf dem Altstadtfriedhof beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirken in der Stadt==&lt;br /&gt;
Von 1819 bis zu seinem Tode 1858 bekleidete Heiserer das Amt des &#039;&#039;rechtskundigen Stadtschreibers&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Er übernahm in einer Zeit des Epochenwandels dieses Amt. Denn nach dem Wiener Kongress wurden zwar einerseits Traditionen konserviert, andererseits nahm eine massive wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung ihren Lauf, weshalb Entscheidungen getroffen werden mussten, die auch Wasserburg in die Moderne des 19. Jahrhunderts führen konnten.&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg litt unter chronischem Geldmangel. Heiserer muss wohl schon sehr bald nach seinem Amtsantritt eingesehen haben, dass größere Investitionen notwendig waren, um der Stadt eine Zukunft zu ermöglichen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 47f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Gründung der städtischen Sparkasse 1826&amp;lt;ref&amp;gt;Die städtische Sparkasse Wasserburg war die dritte Sparkasse in Oberbayern; vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; hoffte Heiserer auch, die städtischen Finanzen teilweise stabilisieren zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nahm am 1. Oktober 1826 ihren Dienst auf und gehört somit zu den ältesten Sparkassen in Bayern. Sie sollte gemäß ihrer Satzung &#039;&#039;den Kindern, Dienstboten, ledigen Handwerkern und der übrigen unbemittelten Einwohner-Klasse&#039;&#039;  ermöglichen, Geld gewinnbringend anzulegen, um für eine gesicherte Zukunft zu sorgen. In einer Zeit ohne staatliche Absicherung, im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter und nach Übergabe der Aufgaben der Armenpflege vom Staat zurück an die Gemeinden, versuchte die Stadt Wasserburg auf diese Weise, ihren Bürgern eine Möglichkeit der Armutsvorsorge zu bieten und sich selbst zu entlasten.&lt;br /&gt;
Das Spargeschäft zu Beginn war einfach: Die Spareinlagen wurden zu 5% Zinsen bei der Staatsschuldentilgungskasse eingezahlt, der Sparer erhielt 3,33% Zinsen gutgeschrieben. Die Beschränkung des Personenkreises und der Einlagenhöhe sollten das Risiko für die Gemeinde, der Gewährsträgerin, klein und Spekulanten fern halten.&lt;br /&gt;
Die Sparkasse war in der Kämmerei des Rathauses untergebracht, hatte nur geringe Öffnungszeiten und wurde durch Personal der Stadtverwaltung betreut, was die Verwaltungskosten niedrig hielt.&lt;br /&gt;
Nach Erlaubnis des königlichen Landgerichts 1833 und einer Änderung der Satzung 1841 wurde langsam der Weg zum Privatkredit gegen hypothekarische Sicherheit frei, nachdem die Einlagen immer weiter stiegen und das Geld gewinnbringend angelegt werden musste. Die Staatsschuldentilgungskasse nahm die Sparsummen nur noch unter starken Einschränkungen bzw. 1843 gar nicht mehr an, da die Summen, die ihr zur Verzinsung übersandt wurden, zu hoch waren, als dass der Staat weiterhin eine sofortige Rückzahlung an die Einleger hätte garantieren können.&lt;br /&gt;
Noch waren jedoch die Reglementierungen der staatlichen Aufsichtsbehörden bei der Kreditvergabe groß. Es gründeten sich daher im Geschäftsgebiet der Sparkasse Wasserburg Gewerbliche Kreditgenossenschaften, um die Nachfrage vor allem nach kurzfristigen und unbürokratischen Krediten kleinerer und mittlerer Betriebe befriedigen zu können.&lt;br /&gt;
Heiserer wollte damit wohl auch den Weg zu einer Gewerbefreiheit in Wasserburg umsetzen. Diese kam aber erst 1868, also 10 Jahre nach Heiserers Tod.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heisererplatz.jpg|mini|Am Heisererplatz, 2016.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiserers Wunsch, dass sich der [[Der_Kampf_um_die_Eisenbahn|Bau der Eisenbahnlinie durch Wasserburg]] ziehen könnte, wurde nicht erfüllt, man hat seinerzeit den Wasserburgern nachgesagt, sie hätten sich einseitig auf die Förderung der Innschifffahrt festgelegt, eine Einschätzung, der Scheidacher allerdings vehement widerspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 37.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg hat das Andenken Joseph Heiserers gewahrt, indem sie einen [[Heisererplatz|Platz]] in der Stadt nach ihm benannte. Auch durch die Schaffung der &#039;&#039;[https://www.google.com/url?sa=t&amp;amp;rct=j&amp;amp;q=&amp;amp;esrc=s&amp;amp;source=web&amp;amp;cd=2&amp;amp;ved=2ahUKEwia_8fN2_noAhW0p3EKHaxhClAQFjABegQIAxAB&amp;amp;url=https%3A%2F%2Fwww.wasserburg.de%2Ffileadmin%2FDateien%2FDateien%2FWasserburg%2FStadt_Buerger%2FStadtverwaltung%2FOrtsrecht%2Fheiserermedaille.pdf&amp;amp;usg=AOvVaw16tbES9OKl4_bG8zsppyE7 Joseph-Heiserer-Medaille]&#039;&#039;, die an Wasserburger verliehen wird, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Der Wasserburger Stadtrat hat die Medaille 1985 ins Leben gerufen. Seit 2007 wird die Medaille regelmäßig verliehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Daten zur Amtszeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Initiierte kommunale Einrichtungen:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 159.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Sparkasse 1826&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Erster städtischer Kindergarten 1856&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Anlage des Altstadtfriedhofes mitsamt Kirche 1838/1851&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Einrichtung eines städtischen Krankenhauses 1855&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Joseph_Heiserer&amp;diff=8666</id>
		<title>Joseph Heiserer</title>
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		<updated>2020-04-23T16:00:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biografie Joseph Heiserer&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
[[Besitzt::GND-Normdatensatz| ]] {{#set:GND-ID=13220195X | Link={{fullurl:Joseph Heiserer}}}}&lt;br /&gt;
[http://d-nb.info/gnd/13220195X GND-Normdatensatz]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer war von 1819 bis 1858 Stadtschreiber der Stadt Wasserburg a. Inn. Er prägte die Geschicke der Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Lebensdaten==&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer * 23.1.1794 in Affing bei Aichach, † 16.9.1858 in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben und Amtszeit==&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer wurde am 23. Januar 1794 in Affing bei Aichach geboren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Beruf des Vaters war der eines Hofmarkverwalters und Gerichtshalters bei dem Graf-Leyden’schen Patrimonialgericht Affing. Heiserers Mutter Maria Anna, geb. Grimm, war eine Mautbeamtenstochter aus Regensburg.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Museum Wasserburg Inv. Nr. 11448.jpg|mini|Porträt des Josef Heiserer, 1858.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Heiserers frühe Kindheit berichtet Pfarrer König, der von 1842 bis 1878 Stadtpfarrer in Wasserburg war: &#039;&#039;Der kleine Joseph zeigte schon im kindlichen Alter viele Talente und eine große Freude zum Lernen. Deshalb glaubten die Eltern ihn für eine höhere Bildung bestimmen zu müssen und übergaben den Knaben dem damaligen Pfarrer in Stotzham, welcher ihm den ersten Unterricht in Latein erteilte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Th. P. König, Veröffentlichung des Nachrufs im 21. Jahresbericht des Hist. Vereins für Oberbayern (1859), 122-129, zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Heiserers Eltern schickten den Knaben auf die höhere Schule, obwohl ihnen das finanziell sehr schwer gefallen sein muss. Ostern 1805 trat er in die Studienanstalt Dillingen ein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vom Schuljahr 1806/07 an erhielt er ein Stipendium.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben der kgl. Bairischen Studienfonds Administration Dillingen v. 29.12.1806, zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; Joseph Heiserer oblag es nun, alljährlich seine &#039;&#039;Zeugnisse über Fortgang und Sitte&#039;&#039; dem zuständigen &#039;&#039;Verwaltungsamte&#039;&#039; vorzulegen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Abschluss seiner Dillinger Schulzeit begann Heiserer sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität, die sich damals in Landshut befand.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Ludwigs-Maximilians-Universität hatte bis 1802 ihren Sitz in Ingolstadt, kam nach Landshut und wurde 1826 nach München verlegt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Joseph Heiserer studierte drei Jahre und bestand 1815 seine Abschlussprüfung. Daran anschließend trat er die in der Ordnung für das Jurastudium einjährige Amtspraxis an, damit er zur &#039;&#039;Concoursprüfung&#039;&#039; zugelassen werden konnte. Heiserer begann seine Zeit als &#039;&#039;Rechtspraktikant&#039;&#039; im Oktober 1815 am Herrschaftsgericht Affing, wo er bis November 1816 diente, anschließend wirkte er bis September 1817 am kgl. Landgericht Wasserburg, bevor er nach München an das kgl. Landgericht München wechselte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Mai 1818 wurde er zur &#039;&#039;Concoursprüfung&#039;&#039; zugelassen, die er auch gut bestand. Anschließend betraute er ein &#039;&#039;Accessistenamt&#039;&#039;, bei dem er aber keine Einkünfte erzielen konnte. Graf Leyden übernahm für ihn den notwendigen Unterhalt. Nachdem der Wasserburger Stadtschreiber Pleistein verstorben war, bewarb sich Heiserer im März 1819 um die Stelle des &#039;&#039;rechtskundigen Stadtschreibers&#039;&#039;. Im Juni 1819 erhielt er den Zuschlag und trat am 28. Juli 1819 seinen Dienst an.&lt;br /&gt;
Die Aufgabe des rechtskundigen Stadtschreibers bei der Stadt Wasserburg war Heiserer wohl sehr wichtig. Er bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tode 1858.&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Augusta Kopleter starb nach der Geburt des Sohnes Franz Joseph im Mai 1830. Da war Heiserer gerade 10 Monate verheiratet. Im Mai 1843 heiratete Heiserer ein zweites Mal, und zwar die um 20 Jahre jüngere Rosina Feldmayr.&amp;lt;ref&amp;gt;Rosina Feldmayr war die Tochter eines Wasserburger Metzgermeisters. Sie starb im Alter von 30 Jahren im Oktober 1844. Heiserers zweiter Sohn Lorenz Eduard entstammte dieser Ehe. Heiserer sorgte sich sehr um die berufliche Zukunft seiner beiden Söhne. Zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1858 starb Heiserer im Alter von 64 Jahren unerwartet &#039;&#039;auf der Rückreise von Neuburg a/D.&#039;&#039; Sein Erbe wurde, damit man langwierigen Erbauseinandersetzungen aus dem Wege gehen konnte, öffentlich versteigert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 153.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Möglichkeit, die Ergebnisse einer jahrzehntelangen Sammlertätigkeit Heiserers, für ein stadtgeschichtliches Museum zu erwerben, wurde nicht genutzt. Die Bestände seiner Sammlung wurden in alle Winde zerstreut.&lt;br /&gt;
Heiserer selbst wurde auf dem Altstadtfriedhof beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirken in der Stadt==&lt;br /&gt;
Von 1819 bis zu seinem Tode 1858 bekleidete Heiserer das Amt des &#039;&#039;rechtskundigen Stadtschreibers&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Er übernahm in einer Zeit des Epochenwandels dieses Amt. Denn nach dem Wiener Kongress wurden zwar einerseits Traditionen konserviert, andererseits nahm eine massive wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung ihren Lauf, weshalb Entscheidungen getroffen werden mussten, die auch Wasserburg in die Moderne des 19. Jahrhunderts führen konnten.&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg litt unter chronischem Geldmangel. Heiserer muss wohl schon sehr bald nach seinem Amtsantritt eingesehen haben, dass größere Investitionen notwendig waren, um der Stadt eine Zukunft zu ermöglichen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 47f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Gründung der städtischen Sparkasse 1826&amp;lt;ref&amp;gt;Die städtische Sparkasse Wasserburg war die dritte Sparkasse in Oberbayern; vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; hoffte Heiserer auch, die städtischen Finanzen teilweise stabilisieren zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nahm am 1. Oktober 1826 ihren Dienst auf und gehört somit zu den ältesten Sparkassen in Bayern. Sie sollte gemäß ihrer Satzung &#039;&#039;den Kindern, Dienstboten, ledigen Handwerkern und der übrigen unbemittelten Einwohner-Klasse&#039;&#039;  ermöglichen, Geld gewinnbringend anzulegen, um für eine gesicherte Zukunft zu sorgen. In einer Zeit ohne staatliche Absicherung, im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter und nach Übergabe der Aufgaben der Armenpflege vom Staat zurück an die Gemeinden, versuchte die Stadt Wasserburg auf diese Weise, ihren Bürgern eine Möglichkeit der Armutsvorsorge zu bieten und sich selbst zu entlasten.&lt;br /&gt;
Das Spargeschäft zu Beginn war einfach: Die Spareinlagen wurden zu 5% Zinsen bei der Staatsschuldentilgungskasse eingezahlt, der Sparer erhielt 3,33% Zinsen gutgeschrieben. Die Beschränkung des Personenkreises und der Einlagenhöhe sollten das Risiko für die Gemeinde, der Gewährsträgerin, klein und Spekulanten fern halten.&lt;br /&gt;
Die Sparkasse war in der Kämmerei des Rathauses untergebracht, hatte nur geringe Öffnungszeiten und wurde durch Personal der Stadtverwaltung betreut, was die Verwaltungskosten niedrig hielt.&lt;br /&gt;
Nach Erlaubnis des königlichen Landgerichts 1833 und einer Änderung der Satzung 1841 wurde langsam der Weg zum Privatkredit gegen hypothekarische Sicherheit frei, nachdem die Einlagen immer weiter stiegen und das Geld gewinnbringend angelegt werden musste. Die Staatsschuldentilgungskasse nahm die Sparsummen nur noch unter starken Einschränkungen bzw. 1843 gar nicht mehr an, da die Summen, die ihr zur Verzinsung übersandt wurden, zu hoch waren, als dass der Staat weiterhin eine sofortige Rückzahlung an die Einleger hätte garantieren können.&lt;br /&gt;
Noch waren jedoch die Reglementierungen der staatlichen Aufsichtsbehörden bei der Kreditvergabe groß. Es gründeten sich daher im Geschäftsgebiet der Sparkasse Wasserburg Gewerbliche Kreditgenossenschaften, um die Nachfrage vor allem nach kurzfristigen und unbürokratischen Krediten kleinerer und mittlerer Betriebe befriedigen zu können.&lt;br /&gt;
Heiserer wollte damit wohl auch den Weg zu einer Gewerbefreiheit in Wasserburg umsetzen. Diese kam aber erst 1868, also 10 Jahre nach Heiserers Tod.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heisererplatz.jpg|mini|Am Heisererplatz, 2016.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiserers Wunsch, dass sich der [[Der_Kampf_um_die_Eisenbahn|Bau der Eisenbahnlinie durch Wasserburg]] ziehen könnte, wurde nicht erfüllt, man hat seinerzeit den Wasserburgern nachgesagt, sie hätten sich einseitig auf die Förderung der Innschifffahrt festgelegt, eine Einschätzung, der Scheidacher allerdings vehement widerspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 37.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg hat das Andenken Joseph Heiserers gewahrt, indem sie einen [[Heisererplatz|Platz]] in der Stadt nach ihm benannte. Auch durch die Schaffung der &#039;&#039;[https://www.google.com/url?sa=t&amp;amp;rct=j&amp;amp;q=&amp;amp;esrc=s&amp;amp;source=web&amp;amp;cd=2&amp;amp;ved=2ahUKEwia_8fN2_noAhW0p3EKHaxhClAQFjABegQIAxAB&amp;amp;url=https%3A%2F%2Fwww.wasserburg.de%2Ffileadmin%2FDateien%2FDateien%2FWasserburg%2FStadt_Buerger%2FStadtverwaltung%2FOrtsrecht%2Fheiserermedaille.pdf&amp;amp;usg=AOvVaw16tbES9OKl4_bG8zsppyE7 Joseph-Heiserer-Medaille]&#039;&#039;, die an Wasserburger verliehen wird, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Der Wasserburger Stadtrat hat die Medaille 1985 ins Leben gerufen. Seit 2007 wurde die Medaille regelmäßig verliehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Daten zur Amtszeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Initiierte kommunale Einrichtungen:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 159.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Sparkasse 1826&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Erster städtischer Kindergarten 1856&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Anlage des Altstadtfriedhofes mitsamt Kirche 1838/1851&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Einrichtung eines städtischen Krankenhauses 1855&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Joseph_Heiserer&amp;diff=8608</id>
		<title>Joseph Heiserer</title>
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		<updated>2020-04-22T13:02:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Peter Rink|Peter Rink]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Peter Rink]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biografie Joseph Heiserer&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
[[Besitzt::GND-Normdatensatz| ]] {{#set:GND-ID=13220195X | Link={{fullurl:Joseph Heiserer}}}}&lt;br /&gt;
[http://d-nb.info/gnd/13220195X GND-Normdatensatz]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer war von 1819 bis 1858 Stadtschreiber der Stadt Wasserburg a. Inn. Er prägte die Geschicke der Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Lebensdaten==&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer * 23.1.1794 in Affing bei Aichach, † 16.9.1858 in München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben und Amtszeit==&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer wurde am 23. Januar 1794 in Affing bei Aichach geboren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Beruf des Vaters war der eines Hofmarkverwalters und Gerichtshalters bei dem Graf-Leyden’schen Patrimonialgericht Affing. Heiserers Mutter Maria Anna, geb. Grimm, war eine Mautbeamtenstochter aus Regensburg.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Museum Wasserburg Inv. Nr. 11448.jpg|mini|Porträt des Josef Heiserer, 1858.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Heiserers frühe Kindheit berichtet Pfarrer König, der von 1842 bis 1878 Stadtpfarrer in Wasserburg war: &#039;&#039;Der kleine Joseph zeigte schon im kindlichen Alter viele Talente und eine große Freude zum Lernen. Deshalb glaubten die Eltern ihn für eine höhere Bildung bestimmen zu müssen und übergaben den Knaben dem damaligen Pfarrer in Stotzham, welcher ihm den ersten Unterricht in Latein erteilte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Th. P. König, Veröffentlichung des Nachrufs im 21. Jahresbericht des Hist. Vereins für Oberbayern (1859), 122-129, zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Heiserers Eltern schickten den Knaben auf die höhere Schule, obwohl ihnen das finanziell sehr schwer gefallen sein muss. Ostern 1805 trat er in die Studienanstalt Dillingen ein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vom Schuljahr 1806/07 an erhielt er ein Stipendium.&amp;lt;ref&amp;gt;Schreiben der kgl. Bairischen Studienfonds Administration Dillingen v. 29.12.1806, zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; Joseph Heiserer oblag es nun, alljährlich seine &#039;&#039;Zeugnisse über Fortgang und Sitte&#039;&#039; dem zuständigen &#039;&#039;Verwaltungsamte&#039;&#039; vorzulegen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Abschluss seiner Dillinger Schulzeit begann Heiserer sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität, die sich damals in Landshut befand.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Ludwigs-Maximilians-Universität hatte bis 1802 ihren Sitz in Ingolstadt, kam nach Landshut und wurde 1826 nach München verlegt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Joseph Heiserer studierte drei Jahre und bestand 1815 seine Abschlussprüfung. Daran anschließend trat er die in der Ordnung für das Jurastudium einjährige Amtspraxis an, damit er zur &#039;&#039;Concoursprüfung&#039;&#039; zugelassen werden konnte. Heiserer begann seine Zeit als &#039;&#039;Rechtspraktikant&#039;&#039; im Oktober 1815 am Herrschaftsgericht Affing, wo er bis November 1816 diente, anschließend wirkte er bis September 1817 am kgl. Landgericht Wasserburg, bevor er nach München an das kgl. Landgericht München wechselte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Mai 1818 wurde er zur &#039;&#039;Concoursprüfung&#039;&#039; zugelassen, die er auch gut bestand. Anschließend betraute er ein &#039;&#039;Accessistenamt&#039;&#039;, bei dem er aber keine Einkünfte erzielen konnte. Graf Leyden übernahm für ihn den notwendigen Unterhalt. Nachdem der Wasserburger Stadtschreiber Pleistein verstorben war, bewarb sich Heiserer im März 1819 um die Stelle des &#039;&#039;rechtskundigen Stadtschreibers&#039;&#039;. Im Juni 1819 erhielt er den Zuschlag und trat am 28. Juli 1819 seinen Dienst an.&lt;br /&gt;
Die Aufgabe des rechtskundigen Stadtschreibers bei der Stadt Wasserburg war Heiserer wohl sehr wichtig. Er bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tode 1858.&lt;br /&gt;
Joseph Heiserer war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Augusta Kopleter starb nach der Geburt des Sohnes Franz Joseph im Mai 1830. Da war Heiserer gerade 10 Monate verheiratet. Im Mai 1843 heiratete Heiserer ein zweites Mal, und zwar die um 20 Jahre jüngere Rosina Feldmayr.&amp;lt;ref&amp;gt;Rosina Feldmayr war die Tochter eines Wasserburger Metzgermeisters. Sie starb im Alter von 30 Jahren im Oktober 1844. Heiserers zweiter Sohn Lorenz Eduard entstammte dieser Ehe. Heiserer sorgte sich sehr um die berufliche Zukunft seiner beiden Söhne. Zitiert nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1858 starb Heiserer im Alter von 64 Jahren unerwartet &#039;&#039;auf der Rückreise von Neuburg a/D.&#039;&#039; Sein Erbe wurde, damit man langwierigen Erbauseinandersetzungen aus dem Wege gehen konnte, öffentlich versteigert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 153.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Möglichkeit, die Ergebnisse einer jahrzehntelangen Sammlertätigkeit Heiserers, für ein stadtgeschichtliches Museum zu erwerben, wurde nicht genutzt. Die Bestände seiner Sammlung wurden in alle Winde zerstreut.&lt;br /&gt;
Heiserer selbst wurde auf dem Altstadtfriedhof beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirken in der Stadt==&lt;br /&gt;
Von 1819 bis zu seinem Tode 1858 bekleidete Heiserer das Amt des &#039;&#039;rechtskundigen Stadtschreibers&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Er übernahm in einer Zeit der &#039;&#039;Zeitenwende&#039;&#039; dieses Amt. Denn nach dem Wiener Kongress wurden zwar Traditionen konserviert, andererseits nahm die wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung ihren Lauf, weshalb Entscheidungen getroffen werden mussten, die auch Wasserburg in die Moderne des 19. Jahrhunderts führen konnten.&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg litt unter chronischem Geldmangel. Heiserer muss wohl schon sehr bald nach seinem Amtsantritt eingesehen haben, dass größere Investitionen notwendig waren, um der Stadt eine Zukunft zu ermöglichen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 47f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Gründung der städtischen Sparkasse 1826&amp;lt;ref&amp;gt;Die städtische Sparkasse Wasserburg war die dritte Sparkasse in Oberbayern; vgl. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; hoffte Heiserer auch, die städtischen Finanzen teilweise stabilisieren zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nahm am 1. Oktober 1826 ihren Dienst auf und gehört somit zu den ältesten Sparkassen in Bayern. Sie sollte gemäß ihrer Satzung &#039;&#039;den Kindern, Dienstboten, ledigen Handwerkern und der übrigen unbemittelten Einwohner-Klasse&#039;&#039;  ermöglichen, Geld gewinnbringend anzulegen, um für eine gesicherte Zukunft zu sorgen. In einer Zeit ohne staatliche Absicherung, im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter und nach Übergabe der Aufgaben der Armenpflege vom Staat zurück an die Gemeinden, versuchte die Stadt Wasserburg auf diese Weise, ihren Bürgern eine Möglichkeit der Armutsvorsorge zu bieten und sich selbst zu entlasten.&lt;br /&gt;
Das Spargeschäft zu Beginn war einfach: Die Spareinlagen wurden zu 5% Zinsen bei der Staatsschuldentilgungskasse eingezahlt, der Sparer erhielt 3,33% Zinsen gutgeschrieben. Die Beschränkung des Personenkreises und der Einlagenhöhe sollten das Risiko für die Gemeinde, der Gewährsträgerin, klein und Spekulanten fern halten.&lt;br /&gt;
Die Sparkasse war in der Kämmerei des Rathauses untergebracht, hatte nur geringe Öffnungszeiten und wurde durch Personal der Stadtverwaltung betreut, was die Verwaltungskosten niedrig hielt.&lt;br /&gt;
Nach Erlaubnis des königlichen Landgerichts 1833 und einer Änderung der Satzung 1841 wurde langsam der Weg zum Privatkredit gegen hypothekarische Sicherheit frei, nachdem die Einlagen immer weiter stiegen und das Geld gewinnbringend angelegt werden musste. Die Staatsschuldentilgungskasse nahm die Sparsummen nur noch unter starken Einschränkungen bzw. 1843 gar nicht mehr an, da die Summen, die ihr zur Verzinsung übersandt wurden, zu hoch waren, als dass der Staat weiterhin eine sofortige Rückzahlung an die Einleger hätte garantieren können.&lt;br /&gt;
Noch waren jedoch die Reglementierungen der staatlichen Aufsichtsbehörden bei der Kreditvergabe groß. Es gründeten sich daher im Geschäftsgebiet der Sparkasse Wasserburg Gewerbliche Kreditgenossenschaften, um die Nachfrage vor allem nach kurzfristigen und unbürokratischen Krediten kleinerer und mittlerer Betriebe befriedigen zu können.&lt;br /&gt;
Heiserer wollte damit wohl auch den Weg zu einer Gewerbefreiheit in Wasserburg umsetzen. Diese kam aber erst 1868, also 10 Jahre nach Heiserers Tod.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heisererplatz.jpg|mini|Am Heisererplatz, 2016.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiserers Wunsch, dass sich der [[Der_Kampf_um_die_Eisenbahn|Bau der Eisenbahnlinie durch Wasserburg]] ziehen könnte, wurde nicht erfüllt, man hat seinerzeit den Wasserburgern nachgesagt, sie hätten sich einseitig auf die Förderung der Innschifffahrt festgelegt, eine Einschätzung, der Scheidacher allerdings vehement widerspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 37.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg hat das Andenken Joseph Heiserers gewahrt, indem sie einen [[Heisererplatz|Platz]] in der Stadt nach ihm benannte. Auch durch die Schaffung der &#039;&#039;[https://www.google.com/url?sa=t&amp;amp;rct=j&amp;amp;q=&amp;amp;esrc=s&amp;amp;source=web&amp;amp;cd=2&amp;amp;ved=2ahUKEwia_8fN2_noAhW0p3EKHaxhClAQFjABegQIAxAB&amp;amp;url=https%3A%2F%2Fwww.wasserburg.de%2Ffileadmin%2FDateien%2FDateien%2FWasserburg%2FStadt_Buerger%2FStadtverwaltung%2FOrtsrecht%2Fheiserermedaille.pdf&amp;amp;usg=AOvVaw16tbES9OKl4_bG8zsppyE7 Joseph-Heiserer-Medaille]&#039;&#039;, die an Wasserburger verliehen wird, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Der Wasserburger Stadtrat hat die Medaille 1985 ins Leben gerufen. Seit 2007 wurde die Medaille regelmäßig verliehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Daten zur Amtszeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Initiierte kommunale Einrichtungen:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 159.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Sparkasse 1826&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Erster städtischer Kindergarten 1856&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Anlage des Altstadtfriedhofes mitsamt Kirche 1838/1851&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Einrichtung eines städtischen Krankenhauses 1855&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Peter Rink}}{{Vorlage:CC BY-NC-SA}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Truppendurchz%C3%BCge_im_16._Jahrhundert&amp;diff=7122</id>
		<title>Truppendurchzüge im 16. Jahrhundert</title>
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		<updated>2020-02-17T14:44:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Christoph Gampert|Christoph Gampert]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Christoph Gampert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Truppendurchzüge im 16. Jahrhundert&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Truppendurchzüge ist auf den ersten Blick selbsterklärend. [https://www.deutsche-biographie.de/pnd11919063X.html#ndbcontent Krünitz],&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weber, Johann Georg Krünitz|Weber, Johann Georg Krünitz]].&amp;lt;/ref&amp;gt; ein deutscher Enzyklopädist des 18. Jahrhunderts, versteht darunter schlichtweg das Durchreisen von Soldaten und Truppen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Krünitz, Art. Durchzug|Krünitz, Art. Durchzug.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser an sich simple Vorgang eines Durchziehens oder Durchmarschierens militärischer Einheiten blieb jedoch für die davon betroffenen Gebiete nicht ohne Folgen. Die Soldaten benötigten auf Ihrer Durchreise Lebensmittel und Übernachtungsmöglichkeiten, zum Teil auch Transportmöglichkeiten wie Schiffe, wenn sie auf dem Wasserweg unterwegs waren oder Karren, Wagen und Zugtiere, um Artillerie, Kriegsmaterial und Lebensmittel zu transportieren. Allerdings bestand für die betroffenen Gebiete und deren Bevölkerung immer auch die Gefahr, Opfer von Gewalt, Plünderung und Willkür der Soldaten zu werden. Neben der Versorgungspflicht der Truppen kam deshalb dem Schutz der eigenen Bevölkerung eine große Bedeutung bei den lokalen Verantwortungsträgern zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Truppendurchzüge in Wasserburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Wasserburg war immer wieder von Truppendurchzügen betroffen, was an der verkehrsgünstigen Lage der Stadt lag. Im Folgenden soll möglichst anschaulich dargestellt werden, wie solche Durchzüge im 16. Jahrhundert abliefen, welche Aufgaben auf die Wasserburger Stadtverwaltung (Bürgermeister, Rat, Ämterinhaber) zukamen, inwiefern die Bevölkerung davon betroffen war und welche Folgen, positive wie negative, die Durchzüge hatten. Das Stadtarchiv Wasserburg bietet hierzu glücklicherweise eine ausgesprochen reichhaltige Überlieferung. Für die Jahre 1532&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug kaiserlicher Söldner von 1532, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b350|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b350]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1541&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug kaiserlicher Söldner von 1541, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b350|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b350]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1542&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug und Nachtlager italienischer Söldner von 1542, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b355|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b355]]./ Ordnung der Stadt Wasserburg gegen durchziehende italienische Söldner von 1542, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b393|&lt;br /&gt;
StadtA Wasserburg a. Inn, I1b393]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1543&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug und Nachtlager italienischer Söldner von 1543, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b355|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b355]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1546&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug italienischer Söldner von 1546, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b351|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b351]]./ Ausgaben an Brot und Fleisch für kaiserliche Söldner von 1546, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b353|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b353]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1551&amp;lt;ref&amp;gt;Nachtlager kaiserlicher Söldner von 1551, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1552&amp;lt;ref&amp;gt;Nachtlager kaiserlicher Söldner von 1552, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1566&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug kaiserlicher Söldner von 1566, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1594&amp;lt;ref&amp;gt;Dokumente zu diesem Durchzug, der im Folgenden ausführlich behandelt wird, finden sich unter der Signatur [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1595&amp;lt;ref&amp;gt;Dokumente zu diesem Durchzug, der im Folgenden ausführlich behandelt wird, finden sich unter den Signaturen [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]] und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1599&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug kaiserlicher Söldner von 1599, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354]].&amp;lt;/ref&amp;gt; sind Truppendurchzüge in Wasserburg belegt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Truppendurchzüge stehen dabei im Zusammenhang mit den Kriegen und Feldzügen der habsburgischen Kaiser, insbesondere den [http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Türkengefahr_(Spätmittelalter/Frühe_Neuzeit) Türkenkriegen],&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Barbarics-Hermanik, Türkengefahr|Barbarics-Hermanik, Türkengefahr]].&amp;lt;/ref&amp;gt; aber auch den Kriegen gegen Frankreich und den konfessionellen Auseinandersetzungen im Reich ([https://www.historicum.net/themen/reformation/glossar/s/ Schmalkaldischer Krieg 1546],&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#historicum.net, Schmalkaldischer Krieg|historicum.net, Schmalkaldischer Krieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; [https://www.historicum.net/themen/reformation/glossar/f Fürstenaufstand 1551/1552]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#historicum.net, Fürstenaufstand,|historicum.net, Fürstenaufstand]].&amp;lt;/ref&amp;gt;).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen der Truppendurchzug des tirolischen Kriegsvolks unter [https://www.deutsche-biographie.de/pnd129216038.html#ndbcontent Markgraf Karl von Burgau]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Benedikt, Karl Markgraf von Burgau|Benedikt, Karl Markgraf von Burgau]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 1594, welches auf dem Wasserweg nach Ungarn zog, und der Durchzug italienischen Kriegsvolks 1595 ausführlicher behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Truppendurchzug des tirolischen Kriegsvolks unter Markgraf Karl von Burgau 1594==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vorbereitung des Durchzugs===&lt;br /&gt;
In einem Schreiben des bayerischen Herzogs Maximilian I. an den Pfleger [https://www.deutsche-biographie.de/pnd136647715.html Ulrich von Preising]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Preysing, Preysing, Ulrich|Preysing, Preysing, Ulrich]].&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie Bürgermeister und Rat zu Wasserburg vom 29. August 1594 teilte der Landesfürst dem Pfleger und der Stadt mit, dass das Kriegsvolk des Markgrafen Karl von Burgau, etwa 4.000 Mann, auf dem Wasserweg nach Ungarn unterwegs sei und es sein könne, dass die Truppen ihr Nachtlager bei Wasserburg aufschlagen, was ein Kommissar aber rechtzeitig ankündigen würde. Im Namen des Markgrafen befahl er, eine Verordnung zu erlassen sowie Vorkehrungen zu treffen, um das Kriegsvolk unterzubringen und gegen Bezahlung nach Gebühr mit Proviant zu versorgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Herzog Maximilian I. an Pfleger Ulrich Preysing und die Stadt Wasserburg, Befehl vom 29.8.1594, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Folgenden entwickelte sich ein reger Schriftverkehr zwischen Stadt, Herzog, Pfleger und dem herzoglichen Rat Karl Khullmayr, welcher auch den von Maximilian I. genannten Kommissar darstellte. Die Stadt Wasserburg bat Khullmayr zunächst am 3. September 1594 darum, dass nicht das ganze Kriegsvolk auf eine Nacht bei ihnen abgesetzt werde, sondern es entweder auf andere Orte oder auf mehrere Nächte verteilt werde.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadt Wasserburg an Karl Khullmayr am 3.9.1594, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Antwort ist leider nicht überliefert, weshalb die Stadt Wasserburg sich wohl als nächstes an den Herzog wandte. Sie fragte am 7. September 1594 bei ihm nach, ob das Kriegsvolk innerhalb oder außerhalb der Stadt vor der Innbrücke untergebracht werden solle, da dies aus dem Befehl nicht hervorgegangen sei. Auch wurde angemerkt, dass zu den 4.000 Soldaten zusätzlich 5.500 Frauen und Trosspersonen dazukämen. Die Stadt fürchtete das Ausbrechen eines Feuers aufgrund einer Unachtsamkeit, was angesichts der mit Holz gedeckten Häuser einen großen Schaden anrichten könnte. In der Vergangenheit wären durchziehende Truppen immer in den Stadeln, Häusern und Mühlen vor der Innbrücke untergebracht worden. Es wurde auch angeboten, zusätzliche Hütten und Küchen bzw. Kochstellen (&#039;&#039;khuchel&#039;&#039;) zu errichten.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadt Wasserburg am 7.9.1594 an Herzog Maximilian I., [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Leider ist auch hier keine Antwort in den Beständen des Stadtarchivs Wasserburg überliefert. In zwei weiteren Schreiben zwischen der Stadt Wasserburg und Khullmayr vom 9. und 10. September 1594 wurde das konkrete Anlanden der Soldaten in Wasserburg und deren Verteilung auf die Quartiere besprochen. Der Vorschlag der Stadt, Khullmayr solle den Soldaten auf dem Inn eine halbe Meile entgegenfahren und sie dann zur Lände geleiten, wurde von diesem gut geheißen. Ebenso bat ihn die Stadt, dass Kommen der Soldaten einige Tage vorher anzukündigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadt Wasserburg am 9.9.1594 an Karl Khullmayr, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In seinem Schreiben vom 10. September 1594 teilte Khullmayr dann der Stadt mit, die ersten drei Fähnlein würden am darauffolgenden Tag nach Wasserburg abfahren.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Khullmayr am 10.9.1594 an Pfleger Ulrich Preysing und die Stadt Wasserburg, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel dazu erstellte die Stadt Wasserburg am 7. sowie 14. September 1594&amp;lt;ref&amp;gt;Im Stadtarchiv Wasserburg a. Inn liegen zwei Proviantregister vor. Wahrscheinlich wurde die Fassung vom 7.9.1594 an Khullmayr geschickt. Die Fassung vom 14.9.1594 könnte dann die endgültige Fassung bzw. Reinschrift sein. Im Folgenden wird sich auf diese zweite Fassung bezogen.&amp;lt;/ref&amp;gt; eine Proviantordnung für die Truppen, welche ebenfalls die Zustimmung Khullmayrs fand. Dieses „proviant regisster“ listet detailliert die Aufgaben der einzelnen städtischen Ämterinhaber bzw. spezieller Verordneter auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Proviantregister für die Truppen zu Fuß des Markgrafen von Burgau vom 14.9.1594, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Proviantregister 1594 1.jpg|mini|Auszug aus dem Proviantregister vom 14. September 1594.]]&lt;br /&gt;
Drei Mitglieder des inneren Rats (Wolfgang Khüenperger, Caspar Reitter und Abraham Khern) wurden dazu verordnet, die Stadel, Provianthäuser und Hütten zu inspizieren. Da sie als erstes genannt werden, liegt die Vermutung nahe, dass ihnen damit auch eine Art Oberaufsicht über die Vorbereitung und Durchführung des Durchzugs übertragen wurde. Die Baumeister sollten die &#039;&#039;khucheln&#039;&#039;, Zelte, Hütten und Provianthäuser errichten lassen, Holz zum Feuer machen und Stroh für die Hütten liefern lassen. Der Handelsmann Wolf Mair wurde dazu verordnet, bei Attel auf die ersten Fuhren über den Fluss ankommender Soldaten zu warten und sie zu der Lände zu geleiten. Zwei Bürger wurden zu Furieren&amp;lt;ref&amp;gt;Furier = Unteroffizier, der sich um Verpflegung und Quartier der Soldaten kümmert bzw. Bediensteter bei Hof, der für die Versorgung und Quartiere der Gäste zuständig ist. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Krünitz, Art. Furier|Krünitz, Art. Furier]].&amp;lt;/ref&amp;gt; ernannt und sollten die in die Stadt eingelassenen Offiziere sowie deren Pferde versorgen (&#039;&#039;ein zufuriern verorndt&#039;&#039;) und unterbringen. Der Stadtrichter und Stadtschreiber Georg Wallcher wurde beauftragt, die von den Schiffen gehenden Kommissare und Hauptleute darauf hinzuweisen, dass kein Schaden an den Stadeln, Häusern, Gärten, Äckern etc. angerichtet werde sowie dass man jedem &#039;&#039;umb eines zimblichen pfenning proviant&#039;&#039; geben werde. Danach folgen noch verschiedene Verordnete zu unterschiedlichen Aufgaben, u.a. Einkauf von Wein, Einnahme des Geldes für den ausgeschenkten Wein, wobei auch die Preise für den Wein genannt werden (ein Maß Traminer 10 Kreuzer&amp;lt;ref&amp;gt;Der Kreuzer (abgekürzt x.) war eine gängige Silbermünze im Wert von 4 Pfennigen. 60 Kreuzer ergaben 1 Gulden (abgekürzt fl.). Siehe hierzu [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klüßendorf, Münzkunde|Klüßendorf, Münzkunde]], 87.&amp;lt;/ref&amp;gt;, ein Maß Hepfwein 8 Kreuzer, ein Maß Osterwein 6 Kreuzer), Aufsicht beim Wein und an der Tür. Die Bierbrauer sollten das Bier selbst im Färberhaus vor der Innbrücke ausschenken. Ihnen wurden aber noch zwei Verordnete beigegeben, die auf die Brauer achten sollten, &#039;&#039;damit jedem sein maß vleissig gegeben, auch anndere sachen dabei ordenlich verricht werde&#039;&#039;. Offensichtlich war der Stadt an einem korrekten Ausschank von Bier und Wein gelegen, um sowohl Klagen der Soldaten als auch alkoholbedingte Streitigkeiten zu vermeiden. Weitere Verordnete wurden beauftragt, Brot zu kaufen, dieses zu den Soldaten vor die Innbrücke (&#039;&#039;hinaus&#039;&#039;) zu liefern sowie das durch den Verkauf des Brots eingenommene Geld einzunehmen. Ähnlich wurde auch beim Fleisch vorgegangen, welches in einer &#039;&#039;khuchel beim stög&#039;&#039; gekocht wurde. Auch eine Geldwechselstube (&#039;&#039;wexl hütten&#039;&#039;)wurde eingerichtet. Die Fragner sollten Lebensmittel wie Käse, Zwiebeln, Schmalz, Salz und Obst ins Lager der Soldaten bringen und dort verkaufen. Kramer, Messerschmiede, Hafner&amp;lt;ref&amp;gt;Hafner = Handwerker, der Töpferwaren herstellt und Öfen baut (gleichbedeutend mit Töpfer). [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Hafner|Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Hafner]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, Schuster, Spengler und andere Handwerker sollten an einer genau bezeichneten Stelle ihre Hütten aufstellen, um ihre Dienste anzubieten. Die Zeugmeister sollten die Schützen und Bewohner der einzelnen Stadtviertel zu Wachdiensten auf der Mauer und den Türmen einteilen. Die Viertel- und Rottmeister wurden angewiesen, sobald die Sturmglocke läutet mit ihrer Rotte auf das Haus (vermutlich das Rathaus) zu kommen. Die Stadtmeister sollten Löschgeräte wie Eimer und Leitern in Bereitschaft halten, falls ein Brand ausbricht. Zu guter Letzt sollte der Bürgermeister befehlen, Eimer mit Wasser in den Häusern bereit zu stellen und (Brunnen-) Kästen zu den Brunnen bringen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die detaillierte Regelung der Bereitstellung von Proviant, aber auch allgemein der Durchführung des Truppendurchzugs überrascht. Es scheint fast, als hätte jeder Bürger der Stadt eine Aufgabe, um den Durchzug so reibungslos wie möglich vonstattengehen zu lassen. Die Stadt Wasserburg war offensichtlich sehr bemüht, nichts dem Zufall zu überlassen, sondern alles bis ins kleinste Detail zu regeln. Ob hier frühere, weniger geordnete Truppendurchzüge als Negativbeispiele dienten und die Stadt zu dieser genauen Planung anregten, lässt sich leider nicht sagen. Die negativen Berichte über Durchzüge und Einquartierungen legen jedoch den Schluss nahe, dass die Stadt gut daran tat, den Durchzug der Truppen so genau wie möglich zu regeln und zu organisieren, um deren Unversehrtheit zu gewährleisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Versorgung der Soldaten===&lt;br /&gt;
Eine weitere interessante Erkenntnis ist, dass die Soldaten nicht auf Kosten der Stadt, in der sie lagerten, versorgt wurden, sondern dass sie ihre Verpflegung selbst kaufen und bezahlen mussten. Dies zeigt schon das obige Zitat, den Soldaten werde &#039;&#039;umb eines zimblichen pfenning proviant&#039;&#039; gegeben. Dies bedeutete nichts anderes, als dass den Soldaten gegen eine angemessene Bezahlung Proviant geliefert wird. Dass der Stadtrichter und Stadtschreiber beauftragt wurde, diese Informationen den Hauptleuten und Kommissaren des Kriegsvolks zu übermitteln, unterstreicht zusätzlich die Bedeutung. Einer der höchsten Amtsträger in der Stadt kommunizierte dies an die wichtigsten Befehlshaber und Verantwortungsträger der durchziehenden Truppe. Eine ausführliche Liste der Preise für Lebensmittel sowie der Gewichte für Brot beweist dies.&amp;lt;ref&amp;gt;Verzeichnis, wie die Verpflegung für das tirolische Kriegsvolk anzuschlagen ist von 1594, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Es werden zunächst die Gewichte der einzelnen Brot- und Gebäcksorten, getrennt nach Weizen- und Roggenbrot, aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Verzeichnis Brot 1594 1.jpg|mini|Verzeichnis der Preise für Lebensmittel 1594.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Weizenbrot sollte ein &#039;&#039;khreizer laib&#039;&#039;, also ein Laib Brot im Wert von 1 Kreuzer, 16 Lot&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Lot ist eine alte Gewichtseinheit. 1 Lot = 1/32 Pfund (ca. 17,5g). Siehe [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klüßendorf, Münzkunde|Klüßendorf, Münzkunde]], 66.&amp;lt;/ref&amp;gt; wiegen. Ein &#039;&#039;pfenning laibl&#039;&#039; Roggenbrot (ein Laib Roggenbrot im Wert 1 Pfennigs) sollte 54 Lot wiegen. Anschließend werden die Preise für die verschiedenen Sorten Fleisch und Getränke aufgeführt. Ein Pfund rohes Rindfleisch kostete demnach 2 Kreuzer, ein Pfund Kalbfleisch, &#039;&#039;wellches aber der zeiten nit zubekommen&#039;&#039;, 5 Schwarzpfennige&amp;lt;ref&amp;gt;Unter einem Schwarzpfennig verstand man einen minderwertigen Pfennig mit geringerem Silbergehalt und höherem Kupferanteil, welcher mit der Zeit zu einem schwarzen Verfärben führte, z.B. österreichische Schinderlinge.&amp;lt;/ref&amp;gt; und für fünf Eier zahlte man 1 Kreuzer. Beim Wein finden sich Änderungen, die die Beträge manchmal schwer lesbar machen. Offensichtlich wurden die Preise reduziert. Eine Maß Welschwein sollte ursprünglich 12 Kreuzer kosten, wurde aber auf 10 Kreuzer vergünstigt. Der Preis für eine Maß Osterwein wurde von 7 auf 6 Kreuzer gesenkt. Dies entsprach auch der damaligen &#039;Rechtslage&#039;, war doch auf dem Reichstag zu Speyer 1570 beschlossen worden, dass die kaiserlichen Truppen von Reichsuntertanen nichts ohne Bezahlung nehmen und diese nicht durch Plünderungen oder ähnliches beschweren durften. Bei Soldmangel sollten den Wirten bzw. Gastgebern Quittungen ausgestellt und die Kosten anschließend vom Sold der Soldaten abgezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Senckenberg, Sammlung der Reichs-Abschiede|Senckenberg, Sammlung der Reichsabschiede]], 330 und 338.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wie dies in der Praxis funktionierte, kann an dieser Stelle leider nicht beurteilt werden, da keine Berichte über die Truppendurchzüge im Stadtarchiv Wasserburg überliefert sind. Eines zeigt diese Episode aus der Wasserburger Stadtgeschichte auf jeden Fall klar und deutlich: Truppendurchzüge wurden von der städtischen Obrigkeit detailliert organisiert und geregelt, wobei die aktuelle &#039;Rechtslage&#039; bekannt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Durchzug italienischen Kriegsvolks 1595==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vorbereitung des Durchzugs===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Erlass einer Ordnung====&lt;br /&gt;
Im Folgejahr zog italienisches Kriegsvolk durch Wasserburg, das im Osten des Reiches gegen die Türken kämpfen sollte. Hierzu wurde am 4. Juli 1595 eine Ordnung erstellt, wie es mit der Versorgung der Truppen zu halten sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Verzeichnis und Ordnung für das italienische Kriegsvolk vom 4.7.1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei handelt es sich um ein Verzeichnis der Preise für die einzelnen Lebensmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Ordnung 1595 2.png|mini|Ordnung für das italienische Kriegsvolk, 1595.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kostete beispielsweise eine Maß österreichischer Wein 6 Kreuzer, ein Pfund einfacher Käse 2 Kreuzer, ein Pfund Schmalz 7 Kreuzer und ein Pfund Rindfleisch 2 Kreuzer. Am Ende wurden auch die Werte der einzelnen ausländischen Münzsorten aufgeführt. So sollte eine Goldkrone&amp;lt;ref&amp;gt;Unter Goldkrone sind wahrscheinlich burgundische, französische oder niederländische Goldmünzen, auch Sonnenkronen genannt, zu verstehen. Siehe Römischer Kayserlicher, auch zu Hungern vnnd Behaim, [et]c. Khü. May. [et]c. Ertzhertzogen zu Osterreich [et]c. Newe Müntz Ordnung Sampt Valuirung der Gulden vnd Silbern Müntzen, Vnd darauff erfolgtem Edict, zu Wienn alles im Jahr M. D. LX. auffgericht vnd außgangen, fol. XXV. Siehe auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Goldkrone|Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Goldkrone]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 94 Kreuzer gelten, 1 venezianischer Dukat oder Silberkrone&amp;lt;ref&amp;gt;Der venezianische Dukat, auch Zecchino genannt, war eine Goldmünze, die seit 1284 in Venedig geprägt wurde. Nach der Reichsmünzordnung von 1559 war er 104 Kreuzer wert. Siehe [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klüßendorf, Münzkunde|Klüßendorf, Münzkunde]], 83-85 und 89f. Der Begriff Silberkrone war leider nicht aufzulösen.&amp;lt;/ref&amp;gt; 84 Kreuzer und ein &#039;&#039;ainfacher wellischer pfundtner&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Pfundner = eine in Hall in Tirol geprägte Münze im Wert von 240 Veroneser Pfennigen (= 1 Pfund Pfennige). [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#numispedia, Pfundner|numispedia, Pfundner]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 12 Kreuzer. Unterschrieben ist das Dokument vom Generalkommissar Joan Baptista Doria mit dem Zusatz &#039;&#039;in wellischer schrifft (…) hergeben und mit aigner handt undterschriben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies bedeutet, dass Doria eine Fassung der Ordnung in italienischer Sprache unterschrieben hatte, wovon das vorliegende Schriftstück demnach eine Abschrift und Übersetzung ins Deutsche darstellen dürfte. Im Stadtarchiv Wasserburg a. Inn liegen übrigens die deutsche und die italienische Fassung vor. Interessant ist dabei, dass die Ordnung der Preise offensichtlich nicht von der Stadt Wasserburg erlassen wurde wie noch im Vorjahr beim Durchzug des tirolischen Kriegsvolks. Dafür spricht die Formulierung, Doria habe diese Ordnung &#039;&#039;hergeben&#039;&#039;, also der Stadt übergeben und zusätzlich auch mit seinem Siegel versehen. Auch findet sich im Stadtarchiv Wasserburg weder in dieser Akte noch in benachbarten Akten ein Schreiben der Stadt, das als Vorbild für Dorias Preisliste gelten könnte. Es ist somit klar festzustellen, dass in diesem Fall der Stadt Wasserburg vom Kommissar der durchziehenden Truppen vorgegeben wurde, wie viel Geld die Soldaten für die einzelnen Lebensmittel bezahlen sollten. Weitere Korrespondenz zwischen Doria und der Stadt Wasserburg ist leider nicht überliefert, so dass der genaue Vorgang nicht abschließend aufgeklärt werden kann. Allerdings ist der Unterschied zum Durchzug des tirolischen Kriegsvolks, bei dem die Stadt die Organisation klar und fest in ihrer Hand behielt, sehr deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Beschaffung der für die durchziehenden Soldaten benötigten Lebensmittel====&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg war in der Folge sehr darum bemüht, die benötigten Lebensmittel aufzutreiben, wobei sie aber auf die Mithilfe der benachbarten Landgerichte angewiesen war. In einem Schreiben vom 19. August 1595 bat sie um die Lieferung von Eiern.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadt Wasserburg am 19.8.1595 an die benachbarten Landgerichte, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus Mangel an Schaffleisch schickte die Stadt Wasserburg zwei Metzger in die umliegenden Landbezirke, um Schafe und anderes Vieh zu kaufen. Dafür stellte die Stadt am 11. Juli eine Urkunde aus, die insgesamt viermal vorliegt. Darin bat die Stadt Wasserburg die Obrigkeiten der benachbarten Landgerichte, den Metzgern und Bürgern, welche diesen Schein vorzeigten, einen Amtmann zu schicken, der mit ihnen in die Häuser der Untertanen ging, um Vieh kaufen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Urkunde der Stadt Wasserburg vom 11.7.1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dem selben Datum liegt auch eine Urkunde des Landrichters von Haag, Georg Pettenpeckh, vor, in welcher er es dem Wasserburger Fragner&amp;lt;ref&amp;gt;Fragner = Kleinhändler. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Fragner|Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Fragner]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Hanns Auer gestattete, in der Grafschaft Haag Eier, Schmalz und ähnliche Viktualien gegen gebührliche Bezahlung zu kaufen und nach Wasserburg zu bringen, um dort die durchziehenden Truppen zu versorgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Urkunde des Georg Pettenpekh, Landrichter zum Haag, vom 11.7.1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Landrichter von Kling, Georg Hellmayr, befahl einen Tag später in einer Urkunde, dem Wasserburger Metzger Hanns Winckhler Schafe, Kälber und anderes Vieh gegen &#039;&#039;gebür- unnd leidenliche&#039;&#039; Bezahlung zu verkaufen.&amp;lt;ref&amp;gt;Befehl des Landrichters zu Kling, Georg Hellmayr, vom 12.7.1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kosten des Durchzugs===&lt;br /&gt;
Höchstwahrscheinlich entstand in diesem Zusammenhang auch die &#039;&#039;Haubt Rechnung und Summarische Beschreibung aller Ausgaben und Uncosten&#039;&#039; eines Durchzugs italienischer Truppen, die in päpstlichen Diensten standen, und kaiserlicher Truppen unter dem Herzog von Mantua, die mit 300 Pferden und 22 Fähnlein&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Fähnlein war die kleinste Einheit der Infanterie (in der Regel 300 Mann), gleichbedeutend mit dem Begriff Kompanie ([[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Fähnlein|Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Fähnlein]]). Unter Pferden sind in der Regel Reiter, also Kavalleristen, zu verstehen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Fußvolk zehn Nächte in Wasserburg lagen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Haubt Rechnung und Summarische Beschreibung aller Ausgaben und Uncosten&#039;&#039; des Durchzugs der Truppen des Herzogs von Mantua, Rechnung von 1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Es werden auf mehreren Seiten, die zu einem kleinen Heft in Halbfolio-Format zusammengebunden sind, alle entstandenen Ausgaben und Unkosten aufgeführt. Die Gesamtsumme, die am Ende gebildet wird, beträgt 149 Gulden 30 ¾ x. Unterschrieben ist die Abrechnung von den beiden Stadtkämmerern Abraham Khern und Anndre Planckh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rechnung 1595 1.jpg|mini|Auszug aus der Abrechnung der Ausgaben für den Durchzug der italienischen Truppen, 1595.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechnung gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil umfasst Unkosten für &#039;&#039;profiandtierung&#039;&#039;, also Proviant für Mensch und Tier, der zweite Teil listet andere &#039;&#039;allerlaj&#039;&#039; Unkosten auf. Im ersten Teil finden sich Ausgaben für Hafer, Heu und Stroh sowie Fleisch, Schmalz, Lebendvieh und Wein, aber auch Zahlungen an den obersten städtischen Verordneten über das Brot. Insgesamt belaufen sich diese Proviantkosten auf 92 Gulden 31 ¾ x. Im zweiten Teil werden unter anderem Botenlöhne, Kosten für Reisen von Bürgern (wahrscheinlich Ratsherren) im Auftrag der Stadt an verschiedene Orte (München, Rosenheim, Hall), Kosten für einen Trommler und einen französischen Dolmetscher, Trinkgelder für verschiedene Bürger, die Dienste geleistet hatten sowie eine Verehrung für einen Rosenheimer Bürger, der der Stadt mitgeteilt hatte, wann das Kriegsvolk ankommt, verzeichnet. Insgesamt belaufen sich diese Kosten auf 56 Gulden 59 x. Eine zweite Rechnung erfasst die Kosten für Fleisch, das von den Metzgern genommen und dann, teils gekocht, teils roh, den Soldaten verkauft wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Rechnung über das an das italienische Kriegsvolk gelieferte Fleisch von 1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rechnung beginnt mit dem ersten Nachtlager vom 10. und 11. Juli 1595 und verzeichnet, welche Menge Fleisch (in diesem Fall Schaf- und Kalbfleisch) zu welchem Preis von den Metzgern gekauft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Fleisch erstes Nachtlager 1595 1.jpg|mini|Auszug aus der Rechnung über das Fleisch für die Soldaten, 1595.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgen die weiteren Nachtlager am 15./16. Juli, 24./25. Juli, 27. Juli und 27. August. Insgesamt wurden 1973 ½ Pfund Fleisch für 65 Gulden 14 x. 2 d.&amp;lt;ref&amp;gt;d. = Abkürzung für Pfennig (von lat. denarius).&amp;lt;/ref&amp;gt; gekauft. Es folgt nun in einem zweiten Teil der Verkauf des Fleisches und der daraus erzielte Erlös. Wieder werden die einzelnen, insgesamt fünf Nachtlager nacheinander aufgeführt. Das Fleisch wird jeweils an die Verordneten in den Küchen und die Verordneten für das rohe Fleisch verkauft, insgesamt werden so für die gesamte Fleischmenge 66 Gulden 37 x. erlöst. Es folgen noch Ausgaben für Verpflegung der Verordneten, so dass die Rechnung am Ende mit einem Minus von 1 Gulden 13 x. 1 d. schließt, welches vom Rat der Stadt zu erstatten ist. Da in der Rechnung auch Botenlöhne für die Zustellung von Schreiben an die Richter zu Kling und Haag enthalten sind, liegt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um die Abrechnung der Kosten des Durchzugs des italienischen Kriegsvolks handelt. Die Botenlöhne würden sich dann auf die Urkunden der Stadt Wasserburg vom 11. Juli 1595 beziehen, welche nachweislich den Landrichtern zu Kling und Haag zugestellt wurden, da diese entsprechende Urkunden für Wasserburger Bürger erließen. Die &#039;&#039;Haubt Rechnung&#039;&#039; lässt darauf schließen, dass die Beschaffung von Lebensmitteln erfolgreich verlief, immerhin konnte man fast 2.000 Pfund Fleisch ankaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider fehlen auch hier Quellen, aus denen sich schließen lässt, wie der Durchzug der italienischen Truppen tatsächlich ablief und ob es zu Plünderungen oder Sachbeschädigungen durch die Soldaten kam oder nicht. Interessant ist jedoch, wie intensiv die Stadt Wasserburg daran arbeitete, ausreichend Lebensmittel zur Versorgung der durchziehenden Truppen zu akquirieren, ein Vorgang, der beim Durchzug des tirolischen Kriegsvolks im Vorjahr keine Rolle spielte. Ob es ein warnendes Negativbeispiel gab, das die Stadt zu diesen Maßnahmen motivierte, muss leider mangels Quellen offen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
Eine Gemeinsamkeit verbindet die beiden Durchzüge jedenfalls, nämlich die umfangreiche und detaillierte Planung, Vorbereitung und Organisation des Durchzugs seitens der Stadt Wasserburg. Es wurde nichts dem Zufall überlassen, man wollte auf alles vorbereitet sein, um Probleme, wie Plünderungen oder Zerstörungen durch die Soldaten, zu vermeiden. Die Zusammenarbeit mit den militärischen Verantwortungsträgern wurde aktiv gesucht und führte auch zu Ergebnissen, wie der Ordnung der Lebensmittelpreise von Joan Baptista Doria. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Christoph Gampert}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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		<title>Truppendurchzüge im 16. Jahrhundert</title>
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		<updated>2020-02-17T14:27:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Christoph Gampert|Christoph Gampert]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Christoph Gampert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Truppendurchzüge im 16. Jahrhundert&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Truppendurchzüge ist auf den ersten Blick selbsterklärend. [https://www.deutsche-biographie.de/pnd11919063X.html#ndbcontent Krünitz],&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weber, Johann Georg Krünitz|Weber, Johann Georg Krünitz]].&amp;lt;/ref&amp;gt; ein deutscher Enzyklopädist des 18. Jahrhunderts, versteht darunter schlichtweg das Durchreisen von Soldaten und Truppen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Krünitz, Art. Durchzug|Krünitz, Art. Durchzug.]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser an sich simple Vorgang eines Durchziehens oder Durchmarschierens militärischer Einheiten blieb jedoch für die davon betroffenen Gebiete nicht ohne Folgen. Die Soldaten benötigten auf Ihrer Durchreise Lebensmittel und Übernachtungsmöglichkeiten, zum Teil auch Transportmöglichkeiten wie Schiffe, wenn sie auf dem Wasserweg unterwegs waren oder Karren, Wagen und Zugtiere, um Artillerie, Kriegsmaterial und Lebensmittel zu transportieren. Allerdings bestand für die betroffenen Gebiete und deren Bevölkerung immer auch die Gefahr, Opfer von Gewalt, Plünderung und Willkür der Soldaten zu werden. Neben der Versorgungspflicht der Truppen kam deshalb dem Schutz der eigenen Bevölkerung eine große Bedeutung bei den lokalen Verantwortungsträgern zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Truppendurchzüge in Wasserburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Wasserburg war immer wieder von Truppendurchzügen betroffen, was an der verkehrsgünstigen Lage der Stadt lag. Im Folgenden soll möglichst anschaulich dargestellt werden, wie solche Durchzüge im 16. Jahrhundert abliefen, welche Aufgaben auf die Wasserburger Stadtverwaltung (Bürgermeister, Rat, Ämterinhaber) zukamen, inwiefern die Bevölkerung davon betroffen war und welche Folgen, positive wie negative, die Durchzüge hatten. Das Stadtarchiv Wasserburg bietet hierzu glücklicherweise eine ausgesprochen reichhaltige Überlieferung. Für die Jahre 1532&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug kaiserlicher Söldner von 1532, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b350|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b350]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1541&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug kaiserlicher Söldner von 1541, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b350|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b350]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1542&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug und Nachtlager italienischer Söldner von 1542, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b355|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b355]]./ Ordnung der Stadt Wasserburg gegen durchziehende italienische Söldner von 1542, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b393|&lt;br /&gt;
StadtA Wasserburg a. Inn, I1b393]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1543&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug und Nachtlager italienischer Söldner von 1543, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b355|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b355]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1546&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug italienischer Söldner von 1546, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b351|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b351]]./ Ausgaben an Brot und Fleisch für kaiserliche Söldner von 1546, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b353|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b353]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1551&amp;lt;ref&amp;gt;Nachtlager kaiserlicher Söldner von 1551, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1552&amp;lt;ref&amp;gt;Nachtlager kaiserlicher Söldner von 1552, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1566&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug kaiserlicher Söldner von 1566, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1594&amp;lt;ref&amp;gt;Dokumente zu diesem Durchzug, der im Folgenden ausführlich behandelt wird, finden sich unter der Signatur [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1595&amp;lt;ref&amp;gt;Dokumente zu diesem Durchzug, der im Folgenden ausführlich behandelt wird, finden sich unter den Signaturen [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]] und [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1599&amp;lt;ref&amp;gt;Durchzug kaiserlicher Söldner von 1599, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b354]].&amp;lt;/ref&amp;gt; sind Truppendurchzüge in Wasserburg belegt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Truppendurchzüge stehen dabei im Zusammenhang mit den Kriegen und Feldzügen der habsburgischen Kaiser, insbesondere den [http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Türkengefahr_(Spätmittelalter/Frühe_Neuzeit) Türkenkriegen],&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Barbarics-Hermanik, Türkengefahr|Barbarics-Hermanik, Türkengefahr]].&amp;lt;/ref&amp;gt; aber auch den Kriegen gegen Frankreich und den konfessionellen Auseinandersetzungen im Reich ([https://www.historicum.net/themen/reformation/glossar/s/ Schmalkaldischer Krieg 1546],&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#historicum.net, Schmalkaldischer Krieg|historicum.net, Schmalkaldischer Krieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; [https://www.historicum.net/themen/reformation/glossar/f Fürstenaufstand 1551/1552]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#historicum.net, Fürstenaufstand,|historicum.net, Fürstenaufstand]].&amp;lt;/ref&amp;gt;).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen der Truppendurchzug des tirolischen Kriegsvolks unter [https://www.deutsche-biographie.de/pnd129216038.html#ndbcontent Markgraf Karl von Burgau]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Benedikt, Karl Markgraf von Burgau|Benedikt, Karl Markgraf von Burgau]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 1594, welches auf dem Wasserweg nach Ungarn zog, und der Durchzug italienischen Kriegsvolks 1595 ausführlicher behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Truppendurchzug des tirolischen Kriegsvolks unter Markgraf Karl von Burgau 1594==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vorbereitung des Durchzugs===&lt;br /&gt;
In einem Schreiben des bayerischen Herzogs Maximilian I. an den Pfleger [https://www.deutsche-biographie.de/pnd136647715.html Ulrich von Preising]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Preysing, Preysing, Ulrich|Preysing, Preysing, Ulrich]].&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie Bürgermeister und Rat zu Wasserburg vom 29. August 1594 teilte der Landesfürst dem Pfleger und der Stadt mit, dass das Kriegsvolk des Markgrafen Karl von Burgau, etwa 4.000 Mann, auf dem Wasserweg nach Ungarn unterwegs sei und es sein könne, dass die Truppen ihr Nachtlager bei Wasserburg aufschlagen, was ein Kommissar aber rechtzeitig ankündigen würde. Im Namen des Markgrafen befahl er, eine Verordnung zu erlassen sowie Vorkehrungen zu treffen, um das Kriegsvolk unterzubringen und gegen Bezahlung nach Gebühr mit Proviant zu versorgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Herzog Maximilian I. an Pfleger Ulrich Preysing und die Stadt Wasserburg, Befehl vom 29.8.1594, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Folgenden entwickelte sich ein reger Schriftverkehr zwischen Stadt, Herzog, Pfleger und dem herzoglichen Rat Karl Khullmayr, welcher auch den von Maximilian I. genannten Kommissar darstellte. Die Stadt Wasserburg bat Khullmayr zunächst am 3. September 1594 darum, dass nicht das ganze Kriegsvolk auf eine Nacht bei ihnen abgesetzt werde, sondern es entweder auf andere Orte oder auf mehrere Nächte verteilt werde.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadt Wasserburg an Karl Khullmayr am 3.9.1594, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Antwort ist leider nicht überliefert, weshalb die Stadt Wasserburg sich wohl als nächstes an den Herzog wandte. Sie fragte am 7. September 1594 bei ihm nach, ob das Kriegsvolk innerhalb oder außerhalb der Stadt vor der Innbrücke untergebracht werden solle, da dies aus dem Befehl nicht hervorgegangen sei. Auch wurde angemerkt, dass zu den 4.000 Soldaten zusätzlich 5.500 Frauen und Trosspersonen dazukämen. Die Stadt fürchtete das Ausbrechen eines Feuers aufgrund einer Unachtsamkeit, was angesichts der mit Holz gedeckten Häuser einen großen Schaden anrichten könnte. In der Vergangenheit wären durchziehende Truppen immer in den Stadeln, Häusern und Mühlen vor der Innbrücke untergebracht worden. Es wurde auch angeboten, zusätzliche Hütten und Küchen bzw. Kochstellen (&#039;&#039;khuchel&#039;&#039;) zu errichten.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadt Wasserburg am 7.9.1594 an Herzog Maximilian I., [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Leider ist auch hier keine Antwort in den Beständen des Stadtarchivs Wasserburg überliefert. In zwei weiteren Schreiben zwischen der Stadt Wasserburg und Khullmayr vom 9. und 10. September 1594 wurde das konkrete Anlanden der Soldaten in Wasserburg und deren Verteilung auf die Quartiere besprochen. Der Vorschlag der Stadt, Khullmayr solle den Soldaten auf dem Inn eine halbe Meile entgegenfahren und sie dann zur Lände geleiten, wurde von diesem gut geheißen. Ebenso bat ihn die Stadt, dass Kommen der Soldaten einige Tage vorher anzukündigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadt Wasserburg am 9.9.1594 an Karl Khullmayr, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In seinem Schreiben vom 10. September 1594 teilte Khullmayr dann der Stadt mit, die ersten drei Fähnlein würden morgen nach Wasserburg abfahren.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Khullmayr am 10.9.1594 an Pfleger Ulrich Preysing und die Stadt Wasserburg, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel dazu erstellte die Stadt Wasserburg am 7. sowie 14. September 1594&amp;lt;ref&amp;gt;Im Stadtarchiv Wasserburg a. Inn liegen zwei Proviantregister vor. Wahrscheinlich wurde die Fassung vom 7.9.1594 an Khullmayr geschickt. Die Fassung vom 14.9.1594 könnte dann die endgültige Fassung bzw. Reinschrift sein. Im Folgenden wird sich auf diese zweite Fassung bezogen.&amp;lt;/ref&amp;gt; eine Proviantordnung für die Truppen, welche ebenfalls die Zustimmung Khullmayrs fand. Dieses „proviant regisster“ listet detailliert die Aufgaben der einzelnen städtischen Ämterinhaber bzw. spezieller Verordneter auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Proviantregister für die Truppen zu Fuß des Markgrafen von Burgau vom 14.9.1594, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Proviantregister 1594 1.jpg|mini|Auszug aus dem Proviantregister vom 14. September 1594.]]&lt;br /&gt;
Drei Mitglieder des inneren Rats (Wolfgang Khüenperger, Caspar Reitter und Abraham Khern) wurden dazu verordnet, die Stadel, Provianthäuser und Hütten zu inspizieren. Da sie als erstes genannt werden, liegt die Vermutung nahe, dass ihnen damit auch eine Art Oberaufsicht über die Vorbereitung und Durchführung des Durchzugs übertragen wurde. Die Baumeister sollten die &#039;&#039;khucheln&#039;&#039;, Zelte, Hütten und Provianthäuser errichten lassen, Holz zum Feuer machen und Stroh für die Hütten liefern lassen. Der Handelsmann Wolf Mair wurde dazu verordnet, bei Attel auf die ersten Fuhren über den Fluss ankommender Soldaten zu warten und sie zu der Lände zu geleiten. Zwei Bürger wurden zu Furieren&amp;lt;ref&amp;gt;Furier = Unteroffizier, der sich um Verpflegung und Quartier der Soldaten kümmert bzw. Bediensteter bei Hof, der für die Versorgung und Quartiere der Gäste zuständig ist. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Krünitz, Art. Furier|Krünitz, Art. Furier]].&amp;lt;/ref&amp;gt; ernannt und sollten die in die Stadt eingelassenen Offiziere sowie deren Pferde versorgen (&#039;&#039;ein zufuriern verorndt&#039;&#039;) und unterbringen. Der Stadtrichter und Stadtschreiber Georg Wallcher wurde beauftragt, die von den Schiffen gehenden Kommissare und Hauptleute darauf hinzuweisen, dass kein Schaden an den Stadeln, Häusern, Gärten, Äckern etc. angerichtet werde sowie dass man jedem &#039;&#039;umb eines zimblichen pfenning proviant&#039;&#039; geben werde. Danach folgen noch verschiedene Verordnete zu unterschiedlichen Aufgaben, u.a. Einkauf von Wein, Einnahme des Geldes für den ausgeschenkten Wein, wobei auch die Preise für den Wein genannt werden (ein Maß Traminer 10 Kreuzer&amp;lt;ref&amp;gt;Der Kreuzer (abgekürzt x.) war eine gängige Silbermünze im Wert von 4 Pfennigen. 60 Kreuzer ergaben 1 Gulden (abgekürzt fl.). Siehe hierzu [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klüßendorf, Münzkunde|Klüßendorf, Münzkunde]], 87.&amp;lt;/ref&amp;gt;, ein Maß Hepfwein 8 Kreuzer, ein Maß Osterwein 6 Kreuzer), Aufsicht beim Wein und an der Tür. Die Bierbrauer sollten das Bier selbst im Färberhaus vor der Innbrücke ausschenken. Ihnen wurden aber noch zwei Verordnete beigegeben, die auf die Brauer achten sollten, &#039;&#039;damit jedem sein maß vleissig gegeben, auch anndere sachen dabei ordenlich verricht werde&#039;&#039;. Offensichtlich war der Stadt an einem korrekten Ausschank von Bier und Wein gelegen, um sowohl Klagen der Soldaten als auch alkoholbedingte Streitigkeiten zu vermeiden. Weitere Verordnete wurden beauftragt, Brot zu kaufen, dieses zu den Soldaten vor die Innbrücke (&#039;&#039;hinaus&#039;&#039;) zu liefern sowie das durch den Verkauf des Brots eingenommene Geld einzunehmen. Ähnlich wurde auch beim Fleisch vorgegangen, welches in einer &#039;&#039;khuchel beim stög&#039;&#039; gekocht wurde. Auch eine Geldwechselstube (&#039;&#039;wexl hütten&#039;&#039;)wurde eingerichtet. Die Fragner sollten Lebensmittel wie Käse, Zwiebeln, Schmalz, Salz und Obst ins Lager der Soldaten bringen und dort verkaufen. Kramer, Messerschmiede, Hafner&amp;lt;ref&amp;gt;Hafner = Handwerker, der Töpferwaren herstellt und Öfen baut (gleichbedeutend mit Töpfer). [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Hafner|Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Hafner]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, Schuster, Spengler und andere Handwerker sollten an einer genau bezeichneten Stelle ihre Hütten aufstellen, um ihre Dienste anzubieten. Die Zeugmeister sollten die Schützen und Bewohner der einzelnen Stadtviertel zu Wachdiensten auf der Mauer und den Türmen einteilen. Die Viertel- und Rottmeister wurden angewiesen, sobald die Sturmglocke läutet mit ihrer Rotte auf das Haus (vermutlich das Rathaus) zu kommen. Die Stadtmeister sollten Löschgeräte wie Eimer und Leitern in Bereitschaft halten, falls ein Brand ausbricht. Zu guter Letzt sollte der Bürgermeister befehlen, Eimer mit Wasser in den Häusern bereit zu stellen und (Brunnen-)Kästen zu den Brunnen bringen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die detaillierte Regelung der Bereitstellung von Proviant, aber auch allgemein der Durchführung des Truppendurchzugs überrascht. Es scheint fast, als hätte jeder Bürger der Stadt eine Aufgabe, um den Durchzug so reibungslos wie möglich vonstattengehen zu lassen. Die Stadt Wasserburg war offensichtlich sehr bemüht, nichts dem Zufall zu überlassen, sondern alles bis ins kleinste Detail zu regeln. Ob hier frühere, weniger geordnete Truppendurchzüge als Negativbeispiele dienten und die Stadt zu dieser genauen Planung anregten, lässt sich leider nicht sagen. Die negativen Berichte über Durchzüge und Einquartierungen legen jedoch den Schluss nahe, dass die Stadt gut daran tat, den Durchzug der Truppen so genau wie möglich zu regeln und zu organisieren, um Unversehrtheit zu befördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Versorgung der Soldaten===&lt;br /&gt;
Eine weitere interessante Erkenntnis ist, dass die Soldaten nicht auf Kosten der Stadt, in der sie lagerten, versorgt wurden, sondern dass sie ihre Verpflegung selbst kaufen und bezahlen mussten. Dies zeigt schon das obige Zitat, den Soldaten werde &#039;&#039;umb eines zimblichen pfenning proviant&#039;&#039; gegeben. Dies bedeutete nichts anderes, als dass den Soldaten gegen eine angemessene Bezahlung Proviant geliefert wird. Dass der Stadtrichter und Stadtschreiber beauftragt wurde, diese Informationen den Hauptleuten und Kommissaren des Kriegsvolks zu übermitteln, unterstreicht zusätzlich die Bedeutung. Einer der höchsten Amtsträger in der Stadt kommunizierte dies an die wichtigsten Befehlshaber und Verantwortungsträger der durchziehenden Truppe. Eine ausführliche Liste der Preise für Lebensmittel sowie der Gewichte für Brot beweist dies.&amp;lt;ref&amp;gt;Verzeichnis, wie die Verpflegung für das tirolische Kriegsvolk anzuschlagen ist von 1594, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Es werden zunächst die Gewichte der einzelnen Brot- und Gebäcksorten, getrennt nach Weizen- und Roggenbrot, aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Verzeichnis Brot 1594 1.jpg|mini|Verzeichnis der Preise für Lebensmittel 1594.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Weizenbrot sollte ein &#039;&#039;khreizer laib&#039;&#039;, also ein Laib Brot im Wert von 1 Kreuzer, 16 Lot&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Lot ist eine alte Gewichtseinheit. 1 Lot = 1/32 Pfund (ca. 17,5g). Siehe [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klüßendorf, Münzkunde|Klüßendorf, Münzkunde]], 66.&amp;lt;/ref&amp;gt; wiegen. Ein &#039;&#039;pfenning laibl&#039;&#039; Roggenbrot (ein Laib Roggenbrot im Wert 1 Pfennigs) sollte 54 Lot wiegen. Anschließend werden die Preise für die verschiedenen Sorten Fleisch und Getränke aufgeführt. Ein Pfund rohes Rindfleisch kostete demnach 2 Kreuzer, ein Pfund Kalbfleisch, &#039;&#039;wellches aber der zeiten nit zubekommen&#039;&#039;, 5 Schwarzpfennige&amp;lt;ref&amp;gt;Unter einem Schwarzpfennig verstand man einen minderwertigen Pfennig mit geringerem Silbergehalt und höherem Kupferanteil, welcher mit der Zeit zu einem schwarzen Verfärben führte, z.B. österreichische Schinderlinge.&amp;lt;/ref&amp;gt; und für fünf Eier zahlte man 1 Kreuzer. Beim Wein finden sich Änderungen, die die Beträge manchmal schwer lesbar machen. Offensichtlich wurden die Preise reduziert. Eine Maß Welschwein sollte ursprünglich 12 Kreuzer kosten, wurde aber auf 10 Kreuzer vergünstigt. Der Preis für eine Maß Osterwein wurde von 7 auf 6 Kreuzer gesenkt. Dies entsprach auch der damaligen &#039;Rechtslage&#039;, war doch auf dem Reichstag zu Speyer 1570 beschlossen worden, dass die kaiserlichen Truppen von Reichsuntertanen nichts ohne Bezahlung nehmen und diese nicht durch Plünderungen oder ähnliches beschweren durften. Bei Soldmangel sollten den Wirten bzw. Gastgebern Quittungen ausgestellt und die Kosten anschließend vom Sold der Soldaten abgezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Senckenberg, Sammlung der Reichs-Abschiede|Senckenberg, Sammlung der Reichsabschiede]], 330 und 338.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wie dies in der Praxis funktionierte, kann an dieser Stelle leider nicht beurteilt werden, da keine Berichte über die Truppendurchzüge im Stadtarchiv Wasserburg überliefert sind. Eines zeigt diese Episode aus der Wasserburger Stadtgeschichte auf jeden Fall klar und deutlich: Truppendurchzüge wurden von der städtischen Obrigkeit detailliert organisiert und geregelt, wobei die aktuelle &#039;Rechtslage&#039; bekannt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Durchzug italienischen Kriegsvolks 1595==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vorbereitung des Durchzugs===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Erlass einer Ordnung====&lt;br /&gt;
Im Folgejahr zog italienisches Kriegsvolk durch Wasserburg, das im Osten des Reiches gegen die Türken kämpfen sollte. Hierzu wurde am 4. Juli 1595 eine Ordnung erstellt, wie es mit der Versorgung der Truppen zu halten sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Verzeichnis und Ordnung für das italienische Kriegsvolk vom 4.7.1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei handelt es sich um ein Verzeichnis der Preise für die einzelnen Lebensmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Ordnung 1595 2.png|mini|Ordnung für das italienische Kriegsvolk, 1595.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kostete beispielsweise eine Maß österreichischer Wein 6 Kreuzer, ein Pfund einfacher Käse 2 Kreuzer, ein Pfund Schmalz 7 Kreuzer und ein Pfund Rindfleisch 2 Kreuzer. Am Ende wurden auch die Werte der einzelnen ausländischen Münzsorten aufgeführt. So sollte eine Goldkrone&amp;lt;ref&amp;gt;Unter Goldkrone sind wahrscheinlich burgundische, französische oder niederländische Goldmünzen, auch Sonnenkronen genannt, zu verstehen. Siehe Römischer Kayserlicher, auch zu Hungern vnnd Behaim, [et]c. Khü. May. [et]c. Ertzhertzogen zu Osterreich [et]c. Newe Müntz Ordnung Sampt Valuirung der Gulden vnd Silbern Müntzen, Vnd darauff erfolgtem Edict, zu Wienn alles im Jahr M. D. LX. auffgericht vnd außgangen, fol. XXV. Siehe auch [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Goldkrone|Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Goldkrone]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 94 Kreuzer gelten, 1 venezianischer Dukat oder Silberkrone&amp;lt;ref&amp;gt;Der venezianische Dukat, auch Zecchino genannt, war eine Goldmünze, die seit 1284 in Venedig geprägt wurde. Nach der Reichsmünzordnung von 1559 war er 104 Kreuzer wert. Siehe [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Klüßendorf, Münzkunde|Klüßendorf, Münzkunde]], 83-85 und 89f. Der Begriff Silberkrone war leider nicht aufzulösen.&amp;lt;/ref&amp;gt; 84 Kreuzer und ein &#039;&#039;ainfacher wellischer pfundtner&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Pfundner = eine in Hall in Tirol geprägte Münze im Wert von 240 Veroneser Pfennigen (= 1 Pfund Pfennige). [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#numispedia, Pfundner|numispedia, Pfundner]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 12 Kreuzer. Unterschrieben ist das Dokument vom Generalkommissar Joan Baptista Doria mit dem Zusatz &#039;&#039;in wellischer schrifft (…) hergeben und mit aigner handt undterschriben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies bedeutet, dass Doria eine Fassung der Ordnung in italienischer Sprache unterschrieben hatte, wovon das vorliegende Schriftstück demnach eine Abschrift und Übersetzung ins Deutsche darstellen dürfte. Im Stadtarchiv Wasserburg a. Inn liegen übrigens die deutsche und die italienische Fassung vor. Interessant ist dabei, dass die Ordnung der Preise offensichtlich nicht von der Stadt Wasserburg erlassen wurde wie noch im Vorjahr beim Durchzug des tirolischen Kriegsvolks. Dafür spricht die Formulierung, Doria habe diese Ordnung &#039;&#039;hergeben&#039;&#039;, also der Stadt übergeben und zusätzlich auch mit seinem Siegel versehen. Auch findet sich im Stadtarchiv Wasserburg weder in dieser Akte noch in benachbarten Akten ein Schreiben der Stadt, das als Vorbild für Dorias Preisliste gelten könnte. Es ist somit klar festzustellen, dass in diesem Fall der Stadt Wasserburg vom Kommissar der durchziehenden Truppen vorgegeben wurde, wie viel Geld die Soldaten für die einzelnen Lebensmittel bezahlen sollten. Weitere Korrespondenz zwischen Doria und der Stadt Wasserburg ist leider nicht überliefert, so dass der genaue Vorgang nicht abschließend aufgeklärt werden kann. Allerdings ist der Unterschied zum Durchzug des tirolischen Kriegsvolks, bei dem die Stadt die Organisation klar und fest in ihrer Hand behielt, sehr deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Beschaffung der für die durchziehenden Soldaten benötigten Lebensmittel====&lt;br /&gt;
Die Stadt Wasserburg war in der Folge sehr darum bemüht, die benötigten Lebensmittel aufzutreiben, wobei sie aber auf die Mithilfe der benachbarten Landgerichte angewiesen war. In einem Schreiben vom 19. August 1595 bat sie um die Lieferung von Eiern.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadt Wasserburg am 19.8.1595 an die benachbarten Landgerichte, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus Mangel an Schaffleisch schickte die Stadt Wasserburg zwei Metzger in die umliegenden Landbezirke, um Schafe und anderes Vieh zu kaufen. Dafür stellte die Stadt am 11. Juli eine Urkunde aus, die insgesamt viermal vorliegt. Darin bat die Stadt Wasserburg die Obrigkeiten der benachbarten Landgerichte, den Metzgern und Bürgern, welche diesen Schein vorzeigten, einen Amtmann zu schicken, der mit ihnen in die Häuser der Untertanen ging, um Vieh kaufen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Urkunde der Stadt Wasserburg vom 11.7.1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dem selben Datum liegt auch eine Urkunde des Landrichters von Haag, Georg Pettenpeckh, vor, in welcher er es dem Wasserburger Fragner&amp;lt;ref&amp;gt;Fragner = Kleinhändler. [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Fragner|Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Fragner]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Hanns Auer gestattete, in der Grafschaft Haag Eier, Schmalz und ähnliche Viktualien gegen gebührliche Bezahlung zu kaufen und nach Wasserburg zu bringen, um dort die durchziehenden Truppen zu versorgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Urkunde des Georg Pettenpekh, Landrichter zum Haag, vom 11.7.1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Landrichter von Kling, Georg Hellmayr, befahl einen Tag später in einer Urkunde, dem Wasserburger Metzger Hanns Winckhler Schafe, Kälber und anderes Vieh gegen &#039;&#039;gebür- unnd leidenliche&#039;&#039; Bezahlung zu verkaufen.&amp;lt;ref&amp;gt;Befehl des Landrichters zu Kling, Georg Hellmayr, vom 12.7.1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b349]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kosten des Durchzugs===&lt;br /&gt;
Höchstwahrscheinlich entstand in diesem Zusammenhang auch die &#039;&#039;Haubt Rechnung und Summarische Beschreibung aller Ausgaben und Uncosten&#039;&#039; eines Durchzugs italienischer Truppen, die in päpstlichen Diensten standen, und kaiserlicher Truppen unter dem Herzog von Mantua, die mit 300 Pferden und 22 Fähnlein&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Fähnlein war die kleinste Einheit der Infanterie (in der Regel 300 Mann), gleichbedeutend mit dem Begriff Kompanie ([[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Fähnlein|Meyers Großes Konversations-Lexikon, Art. Fähnlein]]). Unter Pferden sind in der Regel Reiter, also Kavalleristen, zu verstehen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Fußvolk zehn Nächte in Wasserburg lagen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Haubt Rechnung und Summarische Beschreibung aller Ausgaben und Uncosten&#039;&#039; des Durchzugs der Truppen des Herzogs von Mantua, Rechnung von 1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Es werden auf mehreren Seiten, die zu einem kleinen Heft in Halbfolio-Format zusammengebunden sind, alle entstandenen Ausgaben und Unkosten aufgeführt. Die Gesamtsumme, die am Ende gebildet wird, beträgt 149 Gulden 30 ¾ x. Unterschrieben ist die Abrechnung von den beiden Stadtkämmerern Abraham Khern und Anndre Planckh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rechnung 1595 1.jpg|mini|Auszug aus der Abrechnung der Ausgaben für den Durchzug der italienischen Truppen, 1595.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechnung gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil umfasst Unkosten für &#039;&#039;profiandtierung&#039;&#039;, also Proviant für Mensch und Tier, der zweite Teil listet andere &#039;&#039;allerlaj&#039;&#039; Unkosten auf. Im ersten Teil finden sich Ausgaben für Hafer, Heu und Stroh sowie Fleisch, Schmalz, Lebendvieh und Wein, aber auch Zahlungen an den obersten städtischen Verordneten über das Brot. Insgesamt belaufen sich diese Proviantkosten auf 92 Gulden 31 ¾ x. Im zweiten Teil werden unter anderem Botenlöhne, Kosten für Reisen von Bürgern (wahrscheinlich Ratsherren) im Auftrag der Stadt an verschiedene Orte (München, Rosenheim, Hall), Kosten für einen Trommler und einen französischen Dolmetscher, Trinkgelder für verschiedene Bürger, die Dienste geleistet hatten sowie eine Verehrung für einen Rosenheimer Bürger, der der Stadt mitgeteilt hatte, wann das Kriegsvolk ankommt, verzeichnet. Insgesamt belaufen sich diese Kosten auf 56 Gulden 59 x. Eine zweite Rechnung erfasst die Kosten für Fleisch, das von den Metzgern genommen und dann, teils gekocht, teils roh, den Soldaten verkauft wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Rechnung über das an das italienische Kriegsvolk gelieferte Fleisch von 1595, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348|StadtA Wasserburg a. Inn, I1b348]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rechnung beginnt mit dem ersten Nachtlager vom 10. und 11. Juli 1595 und verzeichnet, welche Menge Fleisch (in diesem Fall Schaf- und Kalbfleisch) zu welchem Preis von den Metzgern gekauft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Fleisch erstes Nachtlager 1595 1.jpg|mini|Auszug aus der Rechnung über das Fleisch für die Soldaten, 1595.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgen die weiteren Nachtlager am 15./16. Juli, 24./25. Juli, 27. Juli und 27. August. Insgesamt wurden 1973 ½ Pfund Fleisch für 65 Gulden 14 x. 2 d.&amp;lt;ref&amp;gt;d. = Abkürzung für Pfennig (von lat. denarius).&amp;lt;/ref&amp;gt; gekauft. Es folgt nun in einem zweiten Teil der Verkauf des Fleisches und der daraus erzielte Erlös. Wieder werden die einzelnen, insgesamt fünf Nachtlager nacheinander aufgeführt. Das Fleisch wird jeweils an die Verordneten in den Küchen und die Verordneten für das rohe Fleisch verkauft, insgesamt werden so für die gesamte Fleischmenge 66 Gulden 37 x. erlöst. Es folgen noch Ausgaben für Verpflegung der Verordneten, so dass die Rechnung am Ende mit einem Minus von 1 Gulden 13 x. 1 d. schließt, welches vom Rat der Stadt zu erstatten ist. Da in der Rechnung auch Botenlöhne für die Zustellung von Schreiben an die Richter zu Kling und Haag enthalten sind, liegt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um die Abrechnung der Kosten des Durchzugs des italienischen Kriegsvolks handelt. Die Botenlöhne würden sich dann auf die Urkunden der Stadt Wasserburg vom 11. Juli 1595 beziehen, welche nachweislich den Landrichtern zu Kling und Haag zugestellt wurden, da diese entsprechende Urkunden für Wasserburger Bürger erließen. Die &#039;&#039;Haubt Rechnung&#039;&#039; lässt darauf schließen, dass die Beschaffung von Lebensmitteln erfolgreich verlief, immerhin konnte man fast 2.000 Pfund Fleisch ankaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider fehlen auch hier Quellen, aus denen sich schließen lässt, wie der Durchzug der italienischen Truppen tatsächlich ablief und ob es zu Plünderungen oder Sachbeschädigungen durch die Soldaten kam oder nicht. Interessant ist jedoch, wie intensiv die Stadt Wasserburg daran arbeitete, ausreichend Lebensmittel zur Versorgung der durchziehenden Truppen zu akquirieren, ein Vorgang, der beim Durchzug des tirolischen Kriegsvolks im Vorjahr keine Rolle spielte. Ob es ein warnendes Negativbeispiel gab, das die Stadt zu diesen Maßnahmen motivierte, muss leider mangels Quellen offen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
Eine Gemeinsamkeit verbindet die beiden Durchzüge jedenfalls, nämlich die umfangreiche und detaillierte Planung, Vorbereitung und Organisation des Durchzugs seitens der Stadt Wasserburg. Es wurde nichts dem Zufall überlassen, man wollte auf alles vorbereitet sein, um Probleme, wie Plünderungen oder Zerstörungen durch die Soldaten, zu vermeiden. Die Zusammenarbeit mit den militärischen Verantwortungsträgern wurde aktiv gesucht und führte auch zu Ergebnissen, wie der Ordnung der Lebensmittelpreise von Joan Baptista Doria. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Christoph Gampert}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Salzrecht&amp;diff=7098</id>
		<title>Salzrecht</title>
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		<updated>2020-02-14T15:46:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: Rosenheim erhielt erst 1864 das Stadtrecht, von daher ist es schief, von einer Stadt im 16. Jh. zu sprechen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Felix Grollmann|Felix Grollmann]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Felix Grollmann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Salzrecht]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die essentielle Bedeutung von Salz für den Menschen und seine Kultur erklärt sich aus mehreren Faktoren. Jeder Mensch muss, wenn auch nur in geringem Umfang, regelmäßig Salz konsumieren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haid, Salz, Salzgewinnung, Salzhandel|Haid, Salz, Salzgewinnung, Salzhandel]], 355.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit der Vor- und Frühgeschichte wird Salz für die Konservierung von Lebensmitteln, in der Heilkunst und in vielen weiteren Bereichen, wie dem Handwerk und der Nahrungsmittelproduktion, verwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stöllner, Salz, Salzgewinnung, Salzhandel|Stöllner, Salz, Salzgewinnung, Salzhandel]], 357.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser großen Nachfrage steht ein räumlich beschränktes Angebot gegenüber: &#039;&#039;Salz ist ein lokalisiertes Material, keine Ubiquität&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Epple, Die Salzstraße|Epple, Die Salzstraße]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; So wurde Salz zum ersten Fernhandelsgut überhaupt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Palme, Zusammenfassung|Palme, Zusammenfassung]], 456.&amp;lt;/ref&amp;gt; Herstellung, Distribution und Verkauf von Salz haben eine spezifische Salzwirtschaft hervorgebracht. Rechtliche Bestimmungen von unterschiedlichem Entstehungskontext und Geltungsanspruch haben den Salzhandel in der bzw. über die Stadt Wasserburg am Inn zum Gegenstand. Bis zum frühen 16. Jahrhundert wurde Wasserburg eine Vielzahl von herzoglichen Privilegien zum Salzhandel verliehen. Diese Rechtspolitik endete mit der Errichtung eines landesherrlichen Monopols über den Salzhandel (bis 1587), dem ein herzogliches Salzerzeugungsmonopol vorausgegangen war (bis 1509).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wasserburg am Inn als Salzhandelsort ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salz und die Stadt Wasserburg waren von jeher fest aufeinander bezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Steffan, Wasserburg und das Salz|Steffan, Wasserburg und das Salz]], vor 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Grafen von Wasserburg sind seit dem 12. Jh. die Hallgrafen von Reichenhall gewesen. Um 1100 wurde diese Hallgrafschaft durch Verkleinerung der vorhandenen Raumorganisation gegründet und umfasste nahezu nur die dortige Saline mit einem kleinen Umland.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion|Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion]], 63.&amp;lt;/ref&amp;gt; Überträgt man das im Titel enthaltene mittelhochdeutsche Wort &#039;&#039;Hall-&#039;&#039; in das moderne Deutsch, würden die entsprechenden Amtsträger Salzgrafen heißen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Niehörster, Straße des weißen Golds|Niehörster, Straße des weißen Golds]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wittelsbacher übernahmen unter Herzog Otto ab 1180 die Hallgrafschaft.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion|Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion]], 63.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Grafen verloren zudem ihre Hoheit über die Stadt mit der Besetzung der Grafschaft durch die Wittelsbacher im Jahr 1247.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 229.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit hatten zuerst die Grafen von Wasserburg und danach die Herzöge als Herrscher über Wasserburg direkten Einfluss auf eine Saline, die &#039;&#039;an einer besonders ergiebigen Solequelle&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ott, Salzhandel in der Mitte Europas|Ott, Salzhandel in der Mitte Europas]], 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; , gehabt. Nicht nur die Herrschergewalt über, sondern auch das ökonomische Wohlergehen von Wasserburg hing lange Zeit vom Salz ab. Noch 1710, als das landesherrliche Monopol seit über einem Jahrhundert bestand, machten Einnahmen aus dem Salzzoll 36 % des kommunalen Haushalts aus.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Steffan, Wasserburg und das Salz|Steffan, Wasserburg und das Salz]], 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn eine wichtige Salzhandelsroute im Spätmittelalter verlief &#039;&#039;von Reichenhall nach Traunstein und über Wasserburg oder Rosenheim nach München.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter|Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter]], 90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie trug auch den Namen ‚goldene Straße‘, weil sie dem Herzog die größten Zolleinnahmen versprach.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter|Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter]], 90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Salzweg, der von Traunstein über Wasserburg nach München führte, wurde noch in der Frühen Neuzeit deutlich mehr als die Alternative, die über Rosenheim führte, genutzt: Im ausgehenden 16. Jh. wurde über Wasserburg ungefähr die vierfache und im ersten Drittel des 17. Jh. immer noch etwa die doppelte Menge an Salz gegenüber der Route über Rosenheim transportiert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kümper, Zwischen Landesherren und Laienkelch|Kümper, Zwischen Landesherren und Laienkelch]], 25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Innstadt lag dabei wohl an einer Reichsstraße.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 214.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Generelle stadtgeschichtliche Bedeutung des Salzhandels ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzherstellung und -handel haben große Auswirkungen auf die Topographie, die verfassungsrechtliche Ausgestaltung und das Vermögen einer Stadt. Deutlich wird dies etwa am Salzerzeugungsort Reichenhall, der sich Ende des 12. Jahrhunderts zu einem &#039;&#039;autonomen Verfassungskörper, der durch die Gemeinschaft der freien Siedeherren gebildet wurde&#039;&#039;, entwickelt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion|Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion]], 65.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Als kommunaler Typus wird in der jüngeren Forschung die sogenannte Salzstadt vorgeschlagen, womit insbesondere die &#039;&#039;Dichotomie spätmittelalterliche Autonomiestadt versus frühneuzeitliche Landstadt&#039;&#039; hinterfragt werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Freitag, Die Salzstadt|Freitag, Die Salzstadt]], 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diesem Ansatz liegen freilich Salinenorte zugrunde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Freitag, Die Salzstadt|Freitag, Die Salzstadt]], 11 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Wasserburg lässt sich dieses Konzept nicht anwenden. Wasserburg hing nicht nur wirtschaftlich vom Salzhandel ab und war Empfänger zahlreicher Privilegien auf diesem Gebiet, sondern hat sich auch darüber hinaus verfassungsrechtlich und topographisch durch den Salzhandel verändert. Zum einen dürften die Salzsender, also die Salzkaufleute, als Anführer des Wasserburger ‚Patriziats‘ erheblich zur &#039;&#039;Entwicklung der Selbstverwaltung&#039;&#039; beigetragen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling|Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling]], 180.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zum anderen hat sich auch das Stadtbild verändert. Dies zeigt sich insbesondere an dem in Privilegien geregelten Salzstadel, in dem das Handelsgut untergebracht wurde. Bezeichnenderweise leiteten zwei der vier Viertel der Stadt ihren Namen vom Salzhandel ab. So gab es ein Scheiben- und ein Salzsenderviertel, deren Straßen nach einer Überlieferung aus dem frühen 19. Jahrhundert genau zugeordnet werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c7|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c7]]. Übersichtlich zusammengestellt bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;|Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;]], 148. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliche Regelungen zum Salzhandel in Wasserburg am Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entspricht dem hohen Bedeutungsgrad von Salz für Lebenspraxis, Ökonomie und Stadtentwicklung, dass es auch Gegenstand zahlreicher, typologisch stark verschiedener Rechtsnormen war.&amp;lt;ref&amp;gt;Diesem Aspekt widmet sich der Tagungsband [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hocquet/Palme, Das Salz in der Rechts- und Handelsgeschichte|Hocquet/Palme, Das Salz in der Rechts- und Handelsgeschichte]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Maßgeblich für die herrschaftliche Bemächtigung von Salinen waren Berg- und Salzregal.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Putzer, Salzregal|Putzer, Salzregal]], Spalte 1291-1293.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wirkmächtig war insofern die Regalienaufzählung auf dem Reichstag von Roncaglia (1158), welche das Recht zur unterirdischen Gewinnung von Erz und Silber wie Abgaben aus Salinen einschloss – diese Regalien wurden bald gewohnheitsmäßig von den Landesherren beansprucht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Palme, Rechtliche Probleme|Palme, Rechtliche Probleme]], 78. Zur Einordnung des Reichstags allgemein [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Görich, Friedrich Barbarossa|Görich, Friedrich Barbarossa]], 301-311. Nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Freitag, Die Salzstadt|Freitag, Die Salzstadt]], 13, sei erst im Westfälischen Frieden von 1648 &#039;&#039;allen Reichsständen die volle Landeshoheit und damit auch das Bergregal voll zuerkannt&#039;&#039; worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Naturgemäß spielte dieser rechtliche Aspekt keine zentrale Rolle für reine Salzhandelsorte wie Wasserburg, wie auch die seit Errichtung des Salzerzeugungsmonopols für die landesherrlichen Salinen häufiger erlassenen Salzordnungen die Innstadt nicht unmittelbar betrafen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu bayerischen Salzordnungen des 16. Jahrhunderts [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 90-109. Dass es sich dabei um ein territorial weiter ausgreifendes Phänomen handelte, zeigen die Beiträge in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hocquet/Palme, Das Salz in der Rechts- und Handelsgeschichte|Hocquet/Palme, Das Salz in der Rechts- und Handelsgeschichte]] zu Salzordnungen von Polen, Ungarn, Mitteldeutschland und Tirol.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für den Salzhandel insgesamt, aber wiederum gerade nicht für die Stadt Wasserburg, von direkter Relevanz waren  sogenannte Salzverträge. Dies waren vom bayerischen Landesherren abgeschlossene Verträge mit äußeren Mächten ab der Zeit von Salzerzeugungs- (bis 1509) und Salzhandelsmonopol (1587), welche nur sinnvoll gewesen seien für &#039;&#039;Absatzgebiete, in denen staatliche Obrigkeiten ein Handelsmonopol oder Salzregal innerhalb ihrer Territorien beanspruchten oder zumindest als Markteilnehmer Salz ankauften und im Inland verhandelten&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ott, Salzhandel in der Mitte Europas|Ott, Salzhandel in der Mitte Europas]], 53.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Form typisch vormoderner Rechtssetzung, die für Wasserburg auf dem Gebiet des Salzhandels eminent bedeutend war, ist das (Handels-)Privileg. Diese individuelle Rechtsverleihung stellte einerseits ein &#039;&#039;Einzelrecht, eine subjektive Sonderberechtigung, ein persönliches Sonderrecht oder Ausnahmerecht&#039;&#039; dar, war andererseits aber von &#039;&#039;gesetzesähnlich[er] Allgemeinverbindlichkeit&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mohnhaupt, Privileg|Mohnhaupt, Privileg]], Spalte 392 und 395.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vornehmlich durch solche Rechtsakte ist der Salzhandel in Wasserburg reguliert gewesen. Hinzukommen noch Vorgaben aus dem Stadtrecht, wobei dieses selbst durch Privileg verliehen werden konnte. Bemerkenswerterweise sind Bestimmungen für die Wasserburger Salzsender auch im Münchner Stadtrecht enthalten gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== {{Anker|Brückenzoll und Salzscheibenpfennig}} Brückenzoll und Salzscheibenpfennig ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht bekannt, in welchem genauen Jahr und auf welche Initiative hin die Brücke über den Inn errichtet worden ist. Eine Entstehung im 11. Jahrhundert oder früher ist wahrscheinlich.&amp;lt;ref&amp;gt;In einem Traditionsbuch des Klosters St. Emmeram zu Regensburg ist die Schenkung einer Leibeigenen durch Dietrich von Wasserburg mutmaßlich in den Jahren 1085-1088 festgehalten worden: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Kloster Regensburg - St. Emmeram|BayHStA, Kloster Regensburg - St. Emmeram]]. Außerdem haben neueste archäologische Grabungen (deren Ergebnisse bislang nicht publiziert wurden) ergeben, dass es auf dem Altstadtgebiet im Bereich des sogenannten Fletzingerareals ein herausragendes Gebäude oder Mauerwerk des 9. Jahrhunderts gab. Ohne eine Brücke wäre ein solches Bauwerk aber kaum erreichbar gewesen. Für Hinweise zur Entstehung der Brückenverbindung über den Inn danke ich Herrn Dipl.-Archivar (FH) Matthias Haupt sehr herzlich.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus Urkunden um 1200 herum lässt sich schlussfolgern, dass ein Brückenzoll wohl spätestens seit 1192 unter der Herrschaft des Grafen Dietrich von Wasserburg eingezogen worden ist.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 212, Anmerkung 21 mit Quellennachweisen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Brückenzoll könnte von vornherein dem Erhalt des Bauwerks gedient haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Bereits seit fränkischer Zeit wurde der Zoll als Gebühr, also als eine Gegenleistung (für den Erhalt eines Gebäudes, die Gewährung von Geleitschutz etc.) erhoben: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Eichstaedt, Zoll|Eichstaedt, Zoll]], Spalte 1753 f. Instrukiv allgemein [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Pitz, Zoll|Pitz, Zoll]], Spalte 666-669.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weil den Wasserburger Grafen vor 1247 die volle Verfügungsmacht über den Brückenzoll zukam, konnten sie im Jahr 1244 dem Kloster Schäftlarn Zollfreiheit für Einkünfte aus Reichenhall gewähren, womit ein älteres Privileg bestätigt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weissthanner, Die Urkunden und Urbare des Klosters Schäftlarn|Weissthanner, Die Urkunden und Urbare des Klosters Schäftlarn]], 17 f. Dazu [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 152.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der spätere Übergang der Herrschaftsgewalt auf die Wittelsbacher wurde im Urbar des Herzogtums Oberbayern (1279/84) zum Ausdruck gebracht, das den Wasserburger Zoll aufführte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 213, Anmerkung 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist daher nicht verwunderlich, wenn mit Herzog Rudolf am 10.1.1307 nun ein Wittelsbacher eine Zollbefreiung gewährte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 179 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es erscheint naheliegend, dass angesichts der stetigen Salzfuhren über den Inn für dieses Handelsgut eine eigene Abgabe, der  sogenannte Salzscheibenpfennig, eingeführt wurde, da dies zu einer präziseren Berechnung durch Bezugnahme auf die maßgebliche Bemessungsgrundlage Salz führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Vernichtung des älteren Wasserburger Archivmaterials  im Stadtbrand von 1339 fehlen Unterlagen, die eine Einführung vor dem genannten Jahr belegen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;|Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;]], 13 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt freilich Indizien, die dies nahelegen: Bereits 1320 wurde der Stadt Landsberg am Lech der ,Salzpfennig‘ durch Herzog Ludwig den Bayern verliehen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Epple, Die Salzstraße|Epple, Die Salzstraße]], 8.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da dieser Handelsort die Route Reichenhall – Wasserburg – München nach Westen verlängerte, wäre ein solches Privileg durch Austausch zwischen den Salzsendern auch in Wasserburg bekannt geworden.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur konfliktträchtigen Entwicklung des Salzhandels zwischen München und Landsberg [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter|Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter]], 27-29.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um Unzufriedenheit vorzubeugen, könnte auch Wasserburg (wenn es nicht ohnehin zuerst begünstigt worden war) dasselbe Privileg verliehen bekommen haben. Außerdem findet sich in der ersten erhaltenen Urkunde zum Wasserburger Salzscheibenpfennig, in der am 13.4.1376 der Innstadt für sechs Jahre das Recht eingeräumt wurde, den Salzscheibenpfennig einzunehmen, die Formulierung &#039;&#039;umb den pfeng den unser lieb getrew Di burger gemainlich der Statt zu Wasserburg auf ein ieglich Scheibn Saltz an unsern zoll daselbn gelegt habent.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a357|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a357]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das bedeutet, dass der Salzscheibenpfennig nicht nur älter als 1376 gewesen, sondern der Stadt Wasserburg schon früher überlassen worden sein könnte. Verlautbarter Zweck der Verleihung von 1376 war jedenfalls, mit der Abgabe den Nutzen und das fromme Wohl zu fördern. In der Goldenen Bulle Kaiser Ludwigs des Bayern vom 6.11.1332 wurde die Erhebung eines Zolls im Rahmen des Salzhandels vorausgesetzt (&#039;&#039;zolstat zu Wazzerburch&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Der Text ist abgedruckt in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dirr, Denkmäler des Münchner Stadtrechts|Dirr, Denkmäler des Münchner Stadtrechts]], 139-142.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies lässt die Anwendung des (allgemeinen) Brückenzolls auf das Handelsgut Salz oder bereits eine spezielle Abgabe erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Herzog Ludwigs VII. von Bayern-Ingolstadt ergingen dann drei Privilegien zum Salzscheibenpfennig. Zuerst wurde der Salzscheibenpfennig am 9.2.1416 (erneut) auf Widerruf verliehen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a359|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a359]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenig später wurde am 31.1.1417 die Zuweisung der Abgabe an die Stadt Wasserburg in einer Urkunde geregelt, welche daneben insbesondere das Rechtsbuch, ein beschränktes Marktrecht sowie den Pflasterzoll bestätigte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a362|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a362]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:I1a360.jpeg.jpg|200px|thumb|right|Urkunde Herzogs Ludwigs VII. vom 11.4.1439.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Abschluss fand diese Reihe von Rechtsakten mit der Urkunde vom 11.4.1439, die der Stadt Wasserburg Marktzoll und Scheibenpfennig ewiglich verlieh.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a360|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a360]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wie sich aus dem Anfangsteil der Urkunde ergibt, sah sich der Herzog zu diesen Rechtsverleihungen durch die &#039;&#039;frumickhait&#039;&#039; der Wasserburger veranlasst, da diese einen Feind so aufgehalten hätten, dass dieser erfolglos von dannen ziehen hätte müssen. Bezugspunkt dieser Ausführungen dürfte die Belagerung der Innstadt im Bayerischen Krieg (1420-1422) gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Instruktiv [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Glasauer, Bayerischer Krieg|Glasauer, Bayerischer Krieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der Einnahmehoheit war dabei keine Ausgabefreiheit verbunden. Gemäß der Urkunde sollten mit dem Scheibenpfennig die Befestigungsanlagen finanziert werden, wobei der herzogliche Pfleger zu Wasserburg Rat geben sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a360|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a360]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser vorgegebene und durch Mitwirkung seitens eines herzoglichen Amtsträgers gesicherte Verwendungszweck knüpfte an die Narratio, welche die Verteidigungsleistung der Wasserburger in Erinnerung rief, konsequent an. Die Urkunde ist daher nicht (nur) als Förderung städtischer Autonomie, sondern (auch) als integraler Bestandteil einer auf Defensive ausgerichteten Herrschaftspolitik anzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum gleichen Ergebnis kommt [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;|Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;]], 61, wenn er schreibt, dass die &#039;&#039;frühe, zumindest teilweise Überlassung des Brückenzolls und später die Gewährung des Salzscheibenpfennigs [...] nicht so sehr aus milder Gesinnung oder gar zur Belohnung [...], sondern weit mehr auf Grund strategischer Notwendigkeiten geschahen.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Salzscheibenpfennig Wasserburgs sollte der Salzhandel in Altbayern noch Jahrhunderte geprägt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Steffan, Wasserburg und das Salz|Steffan, Wasserburg und das Salz]], 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagsrecht, Markttage und Handelsrouten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Salzwirtschaft ist rechtlich freilich nicht allein durch Vorgaben zu öffentlichen Abgaben geprägt worden. Ein generelles Phänomen in vormodernen Zeiten ist das Niederlagsrecht. Dies bedeutet, dass eine Kommune von durchziehenden Kaufleuten verlangen konnte, dass diese ihre Handelsware vor Ort zum Verkauf anboten – mit diesem Privileg stand dem Landesherren ein Mittel zur Verfügung, um Warenströme zu lenken und Marktvorgänge zu intensivieren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Knittler, Der Salzhandel|Knittler, Der Salzhandel]], 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz dieses instrumentellen Charakters gab es hierfür &#039;&#039;objektive Voraussetzungen, z. B. die Existenz von Lagerhäusern&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hocquet, Weißes Gold|Hocquet, Weißes Gold]], 211.&amp;lt;/ref&amp;gt; Übergreifend wurde beobachtet, dass ein Stapelrecht insbesondere am &#039;&#039;zollpflichtige[n] Übergang über einen Fluß&#039;&#039; zu finden war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hocquet, Weißes Gold|Hocquet, Weißes Gold]], 212.&amp;lt;/ref&amp;gt; So verhält es sich auch in Wasserburg. Spätestens 1392 waren ein Niederlagsrecht und das Recht zur Errichtung eines Salzstadels vorhanden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a358|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a358]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Wie schon im Falle des Salzscheibenpfennigs dürfte aber auch hier eine frühere Verleihung infolge des Stadtbrands (1339) nicht mehr überliefert sein. Denn dass Wasserburg schon 1332 eine Legstätte für Salz war, ergibt sich aus der Goldenen Bulle Kaiser Ludwigs des Bayern (1332) und aus Vorschriften des Münchner Stadtrechts.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 245.&amp;lt;/ref&amp;gt; In jener Urkunde wurde der Stadt München das Niederlagsrecht für Salz eingeräumt und die Münchner Salzsender allein berechtigt, Salz in die Stadt zu bringen, um es dort an &#039;&#039;burger oder gesten&#039;&#039; zu verkaufen; geholt werden durfte das Gut grundsätzlich aber nur in Wasserburg: &#039;&#039;Auch sullen Munchner nindert salts nemen dann ze Wazzerpurch, ez wurd dann sogetan gebrest, daz man sein da niht funde noch gehaben mochte, so mugen si ez anderswo nemen und anders nicht&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dirr, Denkmäler des Münchner Stadtrechts|Dirr, Denkmäler des Münchner Stadtrechts]], 140 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sichergestellt wurde die Umsetzung des Münchner Salzhandelmonopols durch entsprechende Anweisungen des Kaisers an Richter zu Aibling und Schwaben am 9.11.1332.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 20.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies exemplifiziert, dass Privilegien trotz ihrer Adressierung an den Empfänger auch von Dritten zu beachten waren, weshalb in der Forschung auch von der gesetzesähnlichen Allgemeinverbindlichkeit gesprochen wird. In den Jahren 1385 und 1404 wurden auf herzoglichen Befehl hin sämtliche Niederlagen aufgehoben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unveränderlich war ein einmal erlangter Rechtsstatus also nicht. Im Salzwesen zeigten sich erhebliche Spielräume der Landesherrschaft. Es bleibt freilich unklar, ob der 1495 anscheinend nicht existente Salzstadel in Wasserburg aus dem Verbot von 1404 oder einem jüngeren Verbot resultierte, schlicht auf Brand oder ähnliches zurückzuführen war oder entgegen der Annahme von der objektiven Voraussetzung eines Lagerhauses für ein Niederlagsrecht noch kein solches Gebäude errichtet worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c3|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c3]]. Hierzu [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;|Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;]], 80.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einer Urkunde vom 22.7.1529 wurde der Bau seitens der Herzöge angekündigt, während der Unterhalt aus dem Salzscheibenpfennig zu finanzieren war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a364|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a364]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Münchner Stadtrecht finden sich für den Salzhandel nicht nur zu den einheimischen Angelegenheiten Vorgaben, sondern auch zum Markt in Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch die Festsetzung der allgemeinen Markttage, an welchen das Hauptgeschäft gemacht werden musste, schuf die Gesetzgebung einen Koordinationsrahmen für den Strom der Handelsware aus Reichenhall in Richtung München. Die Gewinnmöglichkeiten bei Transport und Verkauf von Salz führten zu Konkurrenz zwischen den verschiedenen Ortschaften an den Handelsrouten. Konflikte der Stadt Wasserburg mit anderen Städten wurden obrigkeitlich registriert und verarbeitet. Im Stadtarchiv Wasserburg werden naturgemäß vor allem Urkunden aufbewahrt, die herrscherliche Maßnahmen zugunsten der Innstadt dokumentierten. So wurde den Wasserburgern in einem Privileg vom 15.11.1507 zugesichert, dass sie weiterhin über Traunstein und Altenmarkt fahren  durften, wobei sie das Salz in Traunstein nicht zum Verkauf anbieten mussten. Es war ihnen auch erlaubt, das Salz erst in Traunstein aufzunehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a535|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a535]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verhältnis zur ebenfalls am Inn liegenden Stadt Rosenheim sind zwei herzogliche Verfügungen bekannt. In der Urkunde vom 21.3.1514, die in einer zwei Jahre jüngeren Abschrift überliefert ist, wurde dem Markt Rosenheim das Recht zum Salzhandel aberkannt, während Wasserburg seine älteren Rechte zuerkannt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a363|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a363]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In ähnlicher Weise wurde Wasserburg gegenüber Rosenheim in einer Urkunde vom 22.7.1529 besser gestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a364|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a364]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen der Monopolisierung des Salzhandels im 16. Jahrhundert ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kommunale Salzhandel war, wie gezeigt wurde, in vielerlei Hinsicht reguliert, indem Handelsrouten, Ortschaften, in welchen die Ware zwangsweise angeboten werden musste, und allgemeine Markttage festgelegt waren. Trotz oder gerade wegen der dadurch bedingten Berechenbarkeit des Salzhandels bot diese Tätigkeit die Möglichkeit Reichtum und Ansehen in der jeweiligen Kommune zu erlangen. Die Salzsender standen an der Spitze der Bürgerschaft von Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling|Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling]], 180.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bezeichnenderweise wurde ein ganzes Viertel nach ihnen benannt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c7|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c7]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Etablierung des Salzerzeugungsmonopols (bis 1509) wurde die Tätigkeit der Salzsender in Salzordnungen zu den Salinen normativ weiter eingeschränkt, der Landesherr beanspruchte gerade den Wasserburger Salzsendern Vorgaben zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 105, 107.&amp;lt;/ref&amp;gt; Selbst mit dem herzoglichen Salzhandelsmonopol, das landesweit 1587, in Wasserburg aber bereits infolge einer Visitation durch den Rentmeister Christof Neuburger im vorherigen Jahr erreicht worden war, ging das kommunale Salzsendewesen indes nicht sofort zu Ende.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Durchsetzung des landesherrlichen Salzmonopols in den Jahren 1586/87 [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 124 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einer Übergangsphase erhielten die Salzsender das Monopol pachtweise, bevor die Bauern zwischen Reichenhall und München damit betraut wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling|Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling]], 181.&amp;lt;/ref&amp;gt; Fortbestehen blieben jedenfalls noch lange Zeit bis zum Ausgang der Frühen Neuzeit zugunsten der Stadt Wasserburg das Niederlagsrecht und die Einnahmen aus dem Salzscheibenpfennig.&amp;lt;ref&amp;gt;Informationen zum Umschlagsumsatz und Einnahmen aus dem Salzscheibenpfennig in der Frühen Neuzeit finden sich bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Steffan, Wasserburg und das Salz|Steffan, Wasserburg und das Salz]], 12-15.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Felix Grollmann}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Prink</name></author>
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		<title>Salzrecht</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Felix Grollmann|Felix Grollmann]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Felix Grollmann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Salzrecht]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die essentielle Bedeutung von Salz für den Menschen und seine Kultur erklärt sich aus mehreren Faktoren. Jeder Mensch muss, wenn auch nur in geringem Umfang, regelmäßig Salz konsumieren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haid, Salz, Salzgewinnung, Salzhandel|Haid, Salz, Salzgewinnung, Salzhandel]], 355.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit der Vor- und Frühgeschichte wird Salz für die Konservierung von Lebensmitteln, in der Heilkunst und in vielen weiteren Bereichen, wie dem Handwerk und der Nahrungsmittelproduktion, verwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Stöllner, Salz, Salzgewinnung, Salzhandel|Stöllner, Salz, Salzgewinnung, Salzhandel]], 357.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser großen Nachfrage steht ein räumlich beschränktes Angebot gegenüber: &#039;&#039;Salz ist ein lokalisiertes Material, keine Ubiquität&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Epple, Die Salzstraße|Epple, Die Salzstraße]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; So wurde Salz zum ersten Fernhandelsgut überhaupt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Palme, Zusammenfassung|Palme, Zusammenfassung]], 456.&amp;lt;/ref&amp;gt; Herstellung, Distribution und Verkauf von Salz haben eine spezifische Salzwirtschaft hervorgebracht. Rechtliche Bestimmungen von unterschiedlichem Entstehungskontext und Geltungsanspruch haben den Salzhandel in der bzw. über die Stadt Wasserburg am Inn zum Gegenstand. Bis zum frühen 16. Jahrhundert wurde Wasserburg eine Vielzahl von herzoglichen Privilegien zum Salzhandel verliehen. Diese Rechtspolitik endete mit der Errichtung eines landesherrlichen Monopols über den Salzhandel (bis 1587), dem ein herzogliches Salzerzeugungsmonopol vorausgegangen war (bis 1509).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wasserburg am Inn als Salzhandelsort ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salz und die Stadt Wasserburg waren von jeher fest aufeinander bezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Steffan, Wasserburg und das Salz|Steffan, Wasserburg und das Salz]], vor 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Grafen von Wasserburg sind seit dem 12. Jh. die Hallgrafen von Reichenhall gewesen. Um 1100 wurde diese Hallgrafschaft durch Verkleinerung der vorhandenen Raumorganisation gegründet und umfasste nahezu nur die dortige Saline mit einem kleinen Umland.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion|Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion]], 63.&amp;lt;/ref&amp;gt; Überträgt man das im Titel enthaltene mittelhochdeutsche Wort &#039;&#039;Hall-&#039;&#039; in das moderne Deutsch, würden die entsprechenden Amtsträger Salzgrafen heißen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Niehörster, Straße des weißen Golds|Niehörster, Straße des weißen Golds]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wittelsbacher übernahmen unter Herzog Otto ab 1180 die Hallgrafschaft.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion|Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion]], 63.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Grafen verloren zudem ihre Hoheit über die Stadt mit der Besetzung der Grafschaft durch die Wittelsbacher im Jahr 1247.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 229.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit hatten zuerst die Grafen von Wasserburg und danach die Herzöge als Herrscher über Wasserburg direkten Einfluss auf eine Saline, die &#039;&#039;an einer besonders ergiebigen Solequelle&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ott, Salzhandel in der Mitte Europas|Ott, Salzhandel in der Mitte Europas]], 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; , gehabt. Nicht nur die Herrschergewalt über, sondern auch das ökonomische Wohlergehen von Wasserburg hing lange Zeit vom Salz ab. Noch 1710, als das landesherrliche Monopol seit über einem Jahrhundert bestand, machten Einnahmen aus dem Salzzoll 36 % des kommunalen Haushalts aus.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Steffan, Wasserburg und das Salz|Steffan, Wasserburg und das Salz]], 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn eine wichtige Salzhandelsroute im Spätmittelalter verlief &#039;&#039;von Reichenhall nach Traunstein und über Wasserburg oder Rosenheim nach München.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter|Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter]], 90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie trug auch den Namen ‚goldene Straße‘, weil sie dem Herzog die größten Zolleinnahmen versprach.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter|Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter]], 90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Salzweg, der von Traunstein über Wasserburg nach München führte, wurde noch in der Frühen Neuzeit deutlich mehr als die Alternative, die über Rosenheim führte, genutzt: Im ausgehenden 16. Jh. wurde über Wasserburg ungefähr die vierfache und im ersten Drittel des 17. Jh. immer noch etwa die doppelte Menge an Salz gegenüber der Route über Rosenheim transportiert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kümper, Zwischen Landesherren und Laienkelch|Kümper, Zwischen Landesherren und Laienkelch]], 25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Innstadt lag dabei wohl an einer Reichsstraße.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 214.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Generelle stadtgeschichtliche Bedeutung des Salzhandels ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzherstellung und -handel haben große Auswirkungen auf die Topographie, die verfassungsrechtliche Ausgestaltung und das Vermögen einer Stadt. Deutlich wird dies etwa am Salzerzeugungsort Reichenhall, der sich Ende des 12. Jahrhunderts zu einem &#039;&#039;autonomen Verfassungskörper, der durch die Gemeinschaft der freien Siedeherren gebildet wurde&#039;&#039;, entwickelt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion|Wanderwitz, Salzhandel und Salzproduktion]], 65.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Als kommunaler Typus wird in der jüngeren Forschung die sogenannte Salzstadt vorgeschlagen, womit insbesondere die &#039;&#039;Dichotomie spätmittelalterliche Autonomiestadt versus frühneuzeitliche Landstadt&#039;&#039; hinterfragt werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Freitag, Die Salzstadt|Freitag, Die Salzstadt]], 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diesem Ansatz liegen freilich Salinenorte zugrunde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Freitag, Die Salzstadt|Freitag, Die Salzstadt]], 11 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Wasserburg lässt sich dieses Konzept nicht anwenden. Wasserburg hing nicht nur wirtschaftlich vom Salzhandel ab und war Empfänger zahlreicher Privilegien auf diesem Gebiet, sondern hat sich auch darüber hinaus verfassungsrechtlich und topographisch durch den Salzhandel verändert. Zum einen dürften die Salzsender, also die Salzkaufleute, als Anführer des Wasserburger ‚Patriziats‘ erheblich zur &#039;&#039;Entwicklung der Selbstverwaltung&#039;&#039; beigetragen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling|Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling]], 180.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zum anderen hat sich auch das Stadtbild verändert. Dies zeigt sich insbesondere an dem in Privilegien geregelten Salzstadel, in dem das Handelsgut untergebracht wurde. Bezeichnenderweise leiteten zwei der vier Viertel der Stadt ihren Namen vom Salzhandel ab. So gab es ein Scheiben- und ein Salzsenderviertel, deren Straßen nach einer Überlieferung aus dem frühen 19. Jahrhundert genau zugeordnet werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c7|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c7]]. Übersichtlich zusammengestellt bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;|Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;]], 148. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliche Regelungen zum Salzhandel in Wasserburg am Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entspricht dem hohen Bedeutungsgrad von Salz für Lebenspraxis, Ökonomie und Stadtentwicklung, dass es auch Gegenstand zahlreicher, typologisch stark verschiedener Rechtsnormen war.&amp;lt;ref&amp;gt;Diesem Aspekt widmet sich der Tagungsband [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hocquet/Palme, Das Salz in der Rechts- und Handelsgeschichte|Hocquet/Palme, Das Salz in der Rechts- und Handelsgeschichte]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Maßgeblich für die herrschaftliche Bemächtigung von Salinen waren Berg- und Salzregal.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Putzer, Salzregal|Putzer, Salzregal]], Spalte 1291-1293.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wirkmächtig war insofern die Regalienaufzählung auf dem Reichstag von Roncaglia (1158), welche das Recht zur unterirdischen Gewinnung von Erz und Silber wie Abgaben aus Salinen einschloss – diese Regalien wurden bald gewohnheitsmäßig von den Landesherren beansprucht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Palme, Rechtliche Probleme|Palme, Rechtliche Probleme]], 78. Zur Einordnung des Reichstags allgemein [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Görich, Friedrich Barbarossa|Görich, Friedrich Barbarossa]], 301-311. Nach [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Freitag, Die Salzstadt|Freitag, Die Salzstadt]], 13, sei erst im Westfälischen Frieden von 1648 &#039;&#039;allen Reichsständen die volle Landeshoheit und damit auch das Bergregal voll zuerkannt&#039;&#039; worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Naturgemäß spielte dieser rechtliche Aspekt keine zentrale Rolle für reine Salzhandelsorte wie Wasserburg, wie auch die seit Errichtung des Salzerzeugungsmonopols für die landesherrlichen Salinen häufiger erlassenen Salzordnungen die Innstadt nicht unmittelbar betrafen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu bayerischen Salzordnungen des 16. Jahrhunderts [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 90-109. Dass es sich dabei um ein territorial weiter ausgreifendes Phänomen handelte, zeigen die Beiträge in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hocquet/Palme, Das Salz in der Rechts- und Handelsgeschichte|Hocquet/Palme, Das Salz in der Rechts- und Handelsgeschichte]] zu Salzordnungen von Polen, Ungarn, Mitteldeutschland und Tirol.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für den Salzhandel insgesamt, aber wiederum gerade nicht für die Stadt Wasserburg, von direkter Relevanz waren  sogenannte Salzverträge. Dies waren vom bayerischen Landesherren abgeschlossene Verträge mit äußeren Mächten ab der Zeit von Salzerzeugungs- (bis 1509) und Salzhandelsmonopol (1587), welche nur sinnvoll gewesen seien für &#039;&#039;Absatzgebiete, in denen staatliche Obrigkeiten ein Handelsmonopol oder Salzregal innerhalb ihrer Territorien beanspruchten oder zumindest als Markteilnehmer Salz ankauften und im Inland verhandelten&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Ott, Salzhandel in der Mitte Europas|Ott, Salzhandel in der Mitte Europas]], 53.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Form typisch vormoderner Rechtssetzung, die für Wasserburg auf dem Gebiet des Salzhandels eminent bedeutend war, ist das (Handels-)Privileg. Diese individuelle Rechtsverleihung stellte einerseits ein &#039;&#039;Einzelrecht, eine subjektive Sonderberechtigung, ein persönliches Sonderrecht oder Ausnahmerecht&#039;&#039; dar, war andererseits aber von &#039;&#039;gesetzesähnlich[er] Allgemeinverbindlichkeit&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Mohnhaupt, Privileg|Mohnhaupt, Privileg]], Spalte 392 und 395.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vornehmlich durch solche Rechtsakte ist der Salzhandel in Wasserburg reguliert gewesen. Hinzukommen noch Vorgaben aus dem Stadtrecht, wobei dieses selbst durch Privileg verliehen werden konnte. Bemerkenswerterweise sind Bestimmungen für die Wasserburger Salzsender auch im Münchner Stadtrecht enthalten gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== {{Anker|Brückenzoll und Salzscheibenpfennig}} Brückenzoll und Salzscheibenpfennig ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht bekannt, in welchem genauen Jahr und auf welche Initiative hin die Brücke über den Inn errichtet worden ist. Eine Entstehung im 11. Jahrhundert oder früher ist wahrscheinlich.&amp;lt;ref&amp;gt;In einem Traditionsbuch des Klosters St. Emmeram zu Regensburg ist die Schenkung einer Leibeigenen durch Dietrich von Wasserburg mutmaßlich in den Jahren 1085-1088 festgehalten worden: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#BayHStA, Kloster Regensburg - St. Emmeram|BayHStA, Kloster Regensburg - St. Emmeram]]. Außerdem haben neueste archäologische Grabungen (deren Ergebnisse bislang nicht publiziert wurden) ergeben, dass es auf dem Altstadtgebiet im Bereich des sogenannten Fletzingerareals ein herausragendes Gebäude oder Mauerwerk des 9. Jahrhunderts gab. Ohne eine Brücke wäre ein solches Bauwerk aber kaum erreichbar gewesen. Für Hinweise zur Entstehung der Brückenverbindung über den Inn danke ich Herrn Dipl.-Archivar (FH) Matthias Haupt sehr herzlich.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus Urkunden um 1200 herum lässt sich schlussfolgern, dass ein Brückenzoll wohl spätestens seit 1192 unter der Herrschaft des Grafen Dietrich von Wasserburg eingezogen worden ist.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 212, Anmerkung 21 mit Quellennachweisen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Brückenzoll könnte von vornherein dem Erhalt des Bauwerks gedient haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Bereits seit fränkischer Zeit wurde der Zoll als Gebühr, also als eine Gegenleistung (für den Erhalt eines Gebäudes, die Gewährung von Geleitschutz etc.) erhoben: [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Eichstaedt, Zoll|Eichstaedt, Zoll]], Spalte 1753 f. Instrukiv allgemein [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Pitz, Zoll|Pitz, Zoll]], Spalte 666-669.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weil den Wasserburger Grafen vor 1247 die volle Verfügungsmacht über den Brückenzoll zukam, konnten sie im Jahr 1244 dem Kloster Schäftlarn Zollfreiheit für Einkünfte aus Reichenhall gewähren, womit ein älteres Privileg bestätigt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Weissthanner, Die Urkunden und Urbare des Klosters Schäftlarn|Weissthanner, Die Urkunden und Urbare des Klosters Schäftlarn]], 17 f. Dazu [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 152.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der spätere Übergang der Herrschaftsgewalt auf die Wittelsbacher wurde im Urbar des Herzogtums Oberbayern (1279/84) zum Ausdruck gebracht, das den Wasserburger Zoll aufführte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 213, Anmerkung 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist daher nicht verwunderlich, wenn mit Herzog Rudolf am 10.1.1307 nun ein Wittelsbacher eine Zollbefreiung gewährte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 179 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es erscheint naheliegend, dass angesichts der stetigen Salzfuhren über den Inn für dieses Handelsgut eine eigene Abgabe, der  sogenannte Salzscheibenpfennig, eingeführt wurde, da dies zu einer präziseren Berechnung durch Bezugnahme auf die maßgebliche Bemessungsgrundlage Salz führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Vernichtung des älteren Wasserburger Archivmaterials  im Stadtbrand von 1339 fehlen Unterlagen, die eine Einführung vor dem genannten Jahr belegen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;|Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;]], 13 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt freilich Indizien, die dies nahelegen: Bereits 1320 wurde der Stadt Landsberg am Lech der ,Salzpfennig‘ durch Herzog Ludwig den Bayern verliehen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Epple, Die Salzstraße|Epple, Die Salzstraße]], 8.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da dieser Handelsort die Route Reichenhall – Wasserburg – München nach Westen verlängerte, wäre ein solches Privileg durch Austausch zwischen den Salzsendern auch in Wasserburg bekannt geworden.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur konfliktträchtigen Entwicklung des Salzhandels zwischen München und Landsberg [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter|Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter]], 27-29.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um Unzufriedenheit vorzubeugen, könnte auch Wasserburg (wenn es nicht ohnehin zuerst begünstigt worden war) dasselbe Privileg verliehen bekommen haben. Außerdem findet sich in der ersten erhaltenen Urkunde zum Wasserburger Salzscheibenpfennig, in der am 13.4.1376 der Innstadt für sechs Jahre das Recht eingeräumt wurde, den Salzscheibenpfennig einzunehmen, die Formulierung &#039;&#039;umb den pfeng den unser lieb getrew Di burger gemainlich der Statt zu Wasserburg auf ein ieglich Scheibn Saltz an unsern zoll daselbn gelegt habent.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a357|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a357]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das bedeutet, dass der Salzscheibenpfennig nicht nur älter als 1376 gewesen, sondern der Stadt Wasserburg schon früher überlassen worden sein könnte. Verlautbarter Zweck der Verleihung von 1376 war jedenfalls, mit der Abgabe den Nutzen und das fromme Wohl zu fördern. In der Goldenen Bulle Kaiser Ludwigs des Bayern vom 6.11.1332 wurde die Erhebung eines Zolls im Rahmen des Salzhandels vorausgesetzt (&#039;&#039;zolstat zu Wazzerburch&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Der Text ist abgedruckt in [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dirr, Denkmäler des Münchner Stadtrechts|Dirr, Denkmäler des Münchner Stadtrechts]], 139-142.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies lässt die Anwendung des (allgemeinen) Brückenzolls auf das Handelsgut Salz oder bereits eine spezielle Abgabe erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Herzog Ludwigs VII. von Bayern-Ingolstadt ergingen dann drei Privilegien zum Salzscheibenpfennig. Zuerst wurde der Salzscheibenpfennig am 9.2.1416 (erneut) auf Widerruf verliehen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a359|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a359]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenig später wurde am 31.1.1417 die Zuweisung der Abgabe an die Stadt Wasserburg in einer Urkunde geregelt, welche daneben insbesondere das Rechtsbuch, ein beschränktes Marktrecht sowie den Pflasterzoll bestätigte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a362|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a362]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:I1a360.jpeg.jpg|200px|thumb|right|Urkunde Herzogs Ludwigs VII. vom 11.4.1439.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Abschluss fand diese Reihe von Rechtsakten mit der Urkunde vom 11.4.1439, die der Stadt Wasserburg Marktzoll und Scheibenpfennig ewiglich verlieh.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a360|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a360]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wie sich aus dem Anfangsteil der Urkunde ergibt, sah sich der Herzog zu diesen Rechtsverleihungen durch die &#039;&#039;frumickhait&#039;&#039; der Wasserburger veranlasst, da diese einen Feind so aufgehalten hätten, dass dieser erfolglos von dannen ziehen hätte müssen. Bezugspunkt dieser Ausführungen dürfte die Belagerung der Innstadt im Bayerischen Krieg (1420-1422) gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Instruktiv [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Glasauer, Bayerischer Krieg|Glasauer, Bayerischer Krieg]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der Einnahmehoheit war dabei keine Ausgabefreiheit verbunden. Gemäß der Urkunde sollten mit dem Scheibenpfennig die Befestigungsanlagen finanziert werden, wobei der herzogliche Pfleger zu Wasserburg Rat geben sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a360|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a360]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser vorgegebene und durch Mitwirkung seitens eines herzoglichen Amtsträgers gesicherte Verwendungszweck knüpfte an die Narratio, welche die Verteidigungsleistung der Wasserburger in Erinnerung rief, konsequent an. Die Urkunde ist daher nicht (nur) als Förderung städtischer Autonomie, sondern (auch) als integraler Bestandteil einer auf Defensive ausgerichteten Herrschaftspolitik anzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum gleichen Ergebnis kommt [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;|Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;]], 61, wenn er schreibt, dass die &#039;&#039;frühe, zumindest teilweise Überlassung des Brückenzolls und später die Gewährung des Salzscheibenpfennigs [...] nicht so sehr aus milder Gesinnung oder gar zur Belohnung [...], sondern weit mehr auf Grund strategischer Notwendigkeiten geschahen.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Salzscheibenpfennig Wasserburgs sollte der Salzhandel in Altbayern noch Jahrhunderte geprägt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Steffan, Wasserburg und das Salz|Steffan, Wasserburg und das Salz]], 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagsrecht, Markttage und Handelsrouten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Salzwirtschaft ist rechtlich freilich nicht allein durch Vorgaben zu öffentlichen Abgaben geprägt worden. Ein generelles Phänomen in vormodernen Zeiten ist das Niederlagsrecht. Dies bedeutet, dass eine Kommune von durchziehenden Kaufleuten verlangen konnte, dass diese ihre Handelsware vor Ort zum Verkauf anboten – mit diesem Privileg stand dem Landesherren ein Mittel zur Verfügung, um Warenströme zu lenken und Marktvorgänge zu intensivieren.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Knittler, Der Salzhandel|Knittler, Der Salzhandel]], 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz dieses instrumentellen Charakters gab es hierfür &#039;&#039;objektive Voraussetzungen, z. B. die Existenz von Lagerhäusern&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hocquet, Weißes Gold|Hocquet, Weißes Gold]], 211.&amp;lt;/ref&amp;gt; Übergreifend wurde beobachtet, dass ein Stapelrecht insbesondere am &#039;&#039;zollpflichtige[n] Übergang über einen Fluß&#039;&#039; zu finden war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hocquet, Weißes Gold|Hocquet, Weißes Gold]], 212.&amp;lt;/ref&amp;gt; So verhält es sich auch in Wasserburg. Spätestens 1392 waren ein Niederlagsrecht und das Recht zur Errichtung eines Salzstadels vorhanden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a358|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a358]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Wie schon im Falle des Salzscheibenpfennigs dürfte aber auch hier eine frühere Verleihung infolge des Stadtbrands (1339) nicht mehr überliefert sein. Denn dass Wasserburg schon 1332 eine Legstätte für Salz war, ergibt sich aus der Goldenen Bulle Kaiser Ludwigs des Bayern (1332) und aus Vorschriften des Münchner Stadtrechts.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen|Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen]], 245.&amp;lt;/ref&amp;gt; In jener Urkunde wurde der Stadt München das Niederlagsrecht für Salz eingeräumt und die Münchner Salzsender allein berechtigt, Salz in die Stadt zu bringen, um es dort an &#039;&#039;burger oder gesten&#039;&#039; zu verkaufen; geholt werden durfte das Gut grundsätzlich aber nur in Wasserburg: &#039;&#039;Auch sullen Munchner nindert salts nemen dann ze Wazzerpurch, ez wurd dann sogetan gebrest, daz man sein da niht funde noch gehaben mochte, so mugen si ez anderswo nemen und anders nicht&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Dirr, Denkmäler des Münchner Stadtrechts|Dirr, Denkmäler des Münchner Stadtrechts]], 140 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sichergestellt wurde die Umsetzung des Münchner Salzhandelmonopols durch entsprechende Anweisungen des Kaisers an Richter zu Aibling und Schwaben am 9.11.1332.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 20.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies exemplifiziert, dass Privilegien trotz ihrer Adressierung an den Empfänger auch von Dritten zu beachten waren, weshalb in der Forschung auch von der gesetzesähnlichen Allgemeinverbindlichkeit gesprochen wird. In den Jahren 1385 und 1404 wurden auf herzoglichen Befehl hin sämtliche Niederlagen aufgehoben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unveränderlich war ein einmal erlangter Rechtsstatus also nicht. Im Salzwesen zeigten sich erhebliche Spielräume der Landesherrschaft. Es bleibt freilich unklar, ob der 1495 anscheinend nicht existente Salzstadel in Wasserburg aus dem Verbot von 1404 oder einem jüngeren Verbot resultierte, schlicht auf Brand oder ähnliches zurückzuführen war oder entgegen der Annahme von der objektiven Voraussetzung eines Lagerhauses für ein Niederlagsrecht noch kein solches Gebäude errichtet worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c3|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c3]]. Hierzu [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;|Geiger, &#039;&#039;Threulich und ohne Gefährde&#039;&#039;]], 80.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einer Urkunde vom 22.7.1529 wurde der Bau seitens der Herzöge angekündigt, während der Unterhalt aus dem Salzscheibenpfennig zu finanzieren war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a364|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a364]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Münchner Stadtrecht finden sich für den Salzhandel nicht nur zu den einheimischen Angelegenheiten Vorgaben, sondern auch zum Markt in Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch die Festsetzung der allgemeinen Markttage, an welchen das Hauptgeschäft gemacht werden musste, schuf die Gesetzgebung einen Koordinationsrahmen für den Strom der Handelsware aus Reichenhall in Richtung München. Die Gewinnmöglichkeiten bei Transport und Verkauf von Salz führten zu Konkurrenz zwischen den verschiedenen Ortschaften an den Handelsrouten. Konflikte der Stadt Wasserburg mit anderen Städten wurden obrigkeitlich registriert und verarbeitet. Im Stadtarchiv Wasserburg werden naturgemäß vor allem Urkunden aufbewahrt, die herrscherliche Maßnahmen zugunsten der Innstadt dokumentierten. So wurde den Wasserburgern in einem Privileg vom 15.11.1507 zugesichert, dass sie weiterhin über Traunstein und Altenmarkt fahren  durften, wobei sie das Salz in Traunstein nicht zum Verkauf anbieten mussten. Es war ihnen auch erlaubt, das Salz erst in Traunstein aufzunehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a535|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a535]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verhältnis zur ebenfalls am Inn liegenden Stadt Rosenheim sind zwei herzogliche Verfügungen bekannt. In der Urkunde vom 21.3.1514, die in einer zwei Jahre jüngeren Abschrift überliefert ist, wurde der Stadt Rosenheim das Recht zum Salzhandel aberkannt, während Wasserburg seine älteren Rechte zuerkannt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a363|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a363]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In ähnlicher Weise wurde Wasserburg gegenüber Rosenheim in einer Urkunde vom 22.7.1529 besser gestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1a364|StadtA Wasserburg a. Inn, I1a364]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen der Monopolisierung des Salzhandels im 16. Jahrhundert ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kommunale Salzhandel war, wie gezeigt wurde, in vielerlei Hinsicht reguliert, indem Handelsrouten, Ortschaften, in welchen die Ware zwangsweise angeboten werden musste, und allgemeine Markttage festgelegt waren. Trotz oder gerade wegen der dadurch bedingten Berechenbarkeit des Salzhandels bot diese Tätigkeit die Möglichkeit Reichtum und Ansehen in der jeweiligen Kommune zu erlangen. Die Salzsender standen an der Spitze der Bürgerschaft von Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling|Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling]], 180.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bezeichnenderweise wurde ein ganzes Viertel nach ihnen benannt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, I1c7|StadtA Wasserburg a. Inn, I1c7]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Etablierung des Salzerzeugungsmonopols (bis 1509) wurde die Tätigkeit der Salzsender in Salzordnungen zu den Salinen normativ weiter eingeschränkt, der Landesherr beanspruchte gerade den Wasserburger Salzsendern Vorgaben zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 105, 107.&amp;lt;/ref&amp;gt; Selbst mit dem herzoglichen Salzhandelsmonopol, das landesweit 1587, in Wasserburg aber bereits infolge einer Visitation durch den Rentmeister Christof Neuburger im vorherigen Jahr erreicht worden war, ging das kommunale Salzsendewesen indes nicht sofort zu Ende.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Durchsetzung des landesherrlichen Salzmonopols in den Jahren 1586/87 [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Vietzen, Der Münchner Salzhandel|Vietzen, Der Münchner Salzhandel]], 124 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einer Übergangsphase erhielten die Salzsender das Monopol pachtweise, bevor die Bauern zwischen Reichenhall und München damit betraut wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling|Burkard, Die Landgerichte Wasserburg und Kling]], 181.&amp;lt;/ref&amp;gt; Fortbestehen blieben jedenfalls noch lange Zeit bis zum Ausgang der Frühen Neuzeit zugunsten der Stadt Wasserburg das Niederlagsrecht und die Einnahmen aus dem Salzscheibenpfennig.&amp;lt;ref&amp;gt;Informationen zum Umschlagsumsatz und Einnahmen aus dem Salzscheibenpfennig in der Frühen Neuzeit finden sich bei [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Steffan, Wasserburg und das Salz|Steffan, Wasserburg und das Salz]], 12-15.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Felix Grollmann}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Wiederbeginn_des_politischen_und_kommunalen_Lebens_nach_1945_in_der_Stadt_Wasserburg&amp;diff=6777</id>
		<title>Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 in der Stadt Wasserburg</title>
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		<updated>2020-01-23T14:03:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Juliane Günther|Juliane Günther]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Juliane Günther]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 in der Stadt Wasserburg. Eine Auswertung auf der Basis der Sitzungsprotokolle des Wasserburger Stadtrates 1945-1955&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Wiederbeginn_des_politischen_und_kommunalen_Lebens_nach_1945_im_Landkreis_Wasserburg|Entwicklung des Landkreises Wasserburg am Inn nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs]] hat der Historiker Jaromír Balcar in einer im Jahr 2003 erschienen Publikation untersucht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass die Lage in der Kreisstadt nicht immer mit den innerhalb des gesamten  Kreises vorherrschenden politischen Tendenzen übereinstimmte, lässt Jaromír  Balcar an einigen Punkten erkennen. So wurde beispielsweise die Bayernpartei bei der Landtagswahl im Jahr 1950 in 48 der 62 Gemeinden des Landkreises Wasserburg die stärkste politische Kraft. In der Kreisstadt hingegen verwies jedoch nicht die CSU, sondern die SPD die Bayernpartei auf den zweiten Platz.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 193.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch bei den Kommunalwahlen 1952 wurde mit dem seit 1948 amtierenden Wasserburger Bürgermeister Gabriel Neumeier ein SPD-Politiker wiedergewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 205.&amp;lt;/ref&amp;gt; Den Landkreis zählt Jaromír Balcar hingegen in der Zeit von deren Lizensierung im Jahr 1948 bis zum Wiedererstarken der CSU bei den Bundestagswahlen im Jahr 1953 zu den Hochburgen der Bayernpartei.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 206.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um herauszufinden wie das politische Leben sich nach Kriegsende in der Stadt Wasserburg entwickelte, wurden für diesen Artikel die im Stadtarchiv verwahrten Protokolle der Sitzungen des Wasserburger Stadtrates aus der Zeit von 1945 bis 1955 ausgewertet. Anhand der Protokolle werden die Themen sichtbar, mit denen sich die Stadträte auseinandersetzten und welche Entscheidungen sie trafen um bestehende Probleme zu lösen. Neben diesen Quellen kann die Thematik mit Hilfe weiterer Aktenüberlieferungen im Stadtarchiv ausgewertet werden, die Aspekte wie beispielsweise das Alltagsleben in der Stadt nach Kriegsende beleuchten und keinen Eingang in die Sitzungsprotokolle des Stadtrates gefunden haben. Gemeinsam mit weiteren Teilauswertungen kann dieser Artikel zu einem Gesamtbild der Situation nach 1945 in der Stadt Wasserburg beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1945 bis 1947 – Die unmittelbaren Nachkriegsjahre ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die ersten Stadtratssitzungen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef Estermann.jpg|200px|thumb|right|Josef Estermann 1945.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Estermann spielte  eine entscheidende Rolle innerhalb der turbulenten Entwicklungen der letzten Kriegstage in der Stadt Wasserburg. Der  1898 geborene Korbmacher war Mitglied der KPD gewesen und zwischen 1933 und 1934 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Dem Kriegseinsatz konnte er sich nach seiner Entlassung aus dem KZ entziehen indem er für die Rüstung wichtige Granatkörbe herstellte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 150-151.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den letzten Kriegstagen wurde er zum Anführer der in der Stadt aktiven Freiheitsaktion Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Diem, Freiheitsaktion Bayern|Diem, Freiheitsaktion Bayern]]. Die Freiheitsaktion Bayern (FAB) war ein Widerstandskreis der sich aus einer sehr heterogenen Gruppe von Gegnern des Nationalsozialismus zusammensetzte. Zwischen dem 27. und dem 28.4.1945 gelang der FAB die Übertragung eines Rundfunkaufrufes an die Bevölkerung. Auf diesen reagierten etwa 990 Personen mit unterschiedlichen Aktionen im gesamten südbayerischen Raum. Beispielsweise hissten die Akteure weiße Flaggen, setzten NS-Funktionäre fest oder räumten Panzersperren weg. 20 dieser Situationen eskalierten in der Konfrontation mit den Nationalsozialisten und forderten 57 Todesopfer.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenig später wurde Estermann jedoch deswegen festgenommen und von einem Schnellgericht zum Tode verurteilt. In der Chronik von Stadtarchivar Josef Kirmayer, der als Zeitzeuge über die Geschehnisse in der Stadt berichtete, findet sich für den 28.4.1945 folgender Eintrag: &#039;&#039;Estermann erklärte, er habe die Macht an sich gerissen.&#039;&#039; Wenig später vermerkte Kirmayer auch Estermanns Festnahme.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 28.4.1945.&amp;lt;/ref&amp;gt; Josef Kirmayer war seit 1933 Mitglied der NSDAP und während des Nationalsozialismus unter anderem NS-Kulturobmann und Schrifttumswart gewesen. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps|Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps]], 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Estermann gelang nach seiner Verhaftung die Flucht in den Leichenraum des Wasserburger Krankenhauses, in dem er sich bis zum Eintreffen der Amerikaner in der Stadt verbergen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 150-151.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für die amerikanische Militärregierung war Estermann als erklärter Gegner des Nationalsozialismus eine ideale Besetzung für den Bürgermeisterposten in der Stadt.  Bis zur Durchführung von Wahlen setzten sie ihn als Bürgermeister ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 17.5.1945 trafen der neue Bürgermeister und der neugebildete Stadtrat zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Für die Protokolle verwendete man weiterhin das bereits in den Monaten zuvor und somit noch während des Nationalsozialismus geführte Aufbewahrungsbuch. Jedoch lässt folgender Eintrag das Bewusstsein für den Neubeginn nach dem Ende des Krieges erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Er [der Bürgermeister] bittete die Ratsherren um vertrauensvolle Mitarbeit und sprach die Hoffnung aus, dass in Bälde aus den Trümmern des Nationalsozialismus ein neuer Staat entstehe, frei von Tyrannei und Versklavung (…).&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 17.5.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Stellvertreter des Bürgermeisters wählten die Ratsmitglieder in ihrer ersten Sitzung nach Kriegsende ohne Gegenstimmen Karl Deggendorfer.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 17.5.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den Stadträten befand sich auch der Bäckermeister Franz Xaver Köck, auf dessen Initiative sich in Stadt und Landkreis Wasserburg die neu ins Leben gerufene CSU etablieren sollte. Wie auch in anderen ländlichen Regionen Bayerns vollzog sich die Gründung der CSU in Wasserburg in direkter Anknüpfung an die Bayerische Volkspartei (BVP), die während der Weimarer Republik aus der bayerischen Zentrumspartei hervorgegangen war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 137.&amp;lt;/ref&amp;gt; Franz Xaver Köck hatte den Vorsitz der BVP in der Region innegehabt. Am  17.12.1945 lud er zu einer Versammlung in die Gaststätte ‚Aumüller‘ ein, bei der die für die Lizensierung der CSU im Landkreis notwendigen 25 Unterschriften von Bürgern die sich während des Nationalsozialismus Nichts hatten zu Schulden kommen lassen zusammen kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 138.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein planmäßiger Aufbau stabiler Organisationsstrukturen gelang der CSU im ersten Jahr nach ihrer Lizensierung durch die Militärregierung jedoch noch nicht. Die Partei organisierte nur eine öffentliche Veranstaltung pro Monat und verzichtete auf die Erhebung von Mitgliedsbeiträgen. Anfallende Kosten beglich der Gründungsvorsitzende Köck aus eigener Tasche.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 139-140.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die amerikanische Militärregierung entschied nicht nur über die Zulassung politischer Parteien, sie war auch bestrebt mit Entnazifizierungsmaßnahmen ein Wiedererstarken des Nationalsozialismus in ihrem Besatzungsgebiet zu verhindern. Dabei sollte nicht nur die Führungsschicht der NSDAP, sondern auch ihre aktiven Mitglieder die beispielsweise Beamtenposten innegehabt hatten aus ihrer beruflichen Stellung entfernt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Hoser, Entnazifizierung|Hoser, Entnazifizierung]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei der Sitzung am 1.6.1945 erfuhren die Mitglieder des Wasserburger Stadtrates von einem Schreiben des Landrates, welches über die &#039;&#039;Reinigung des Beamtenkörpers&#039;&#039; durch die Militärregierung informierte. Die als nationalsozialistisch belastet eingestuften Beamten innerhalb der Wasserburger Stadtverwaltung &#039;&#039;wurden mit sofortiger Wirkung ihres Dienstes enthoben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 1.6.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Von der Entnazifizierung Betroffene mussten zudem auch Arbeitsdienste leisten und wurden beispielsweise für die Einrichtung der  DP-Lager in Gabersee und Attel herangezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps|Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Güter aus dem Besitz ehemaliger Amtsträger und Mitglieder der NSDAP beschlagnahmte die Militärregierung zur Einrichtung ihres Sitzes im Gasthof ‚Meyer-Bräu‘.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps|Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Protokoll_Wohnungsnot_Auszug.JPG|200px|thumb|right|Auszug aus dem Protokoll der Stadtratssitzung vom 26.7.1945.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in der Sitzung vom 1.6.1945 wurden  ein Bau- sowie ein Elektrizitätswerksausschuss im Stadtrat gebildet, deren erster Vorsitzender jeweils der Bürgermeister Estermann wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 1.6.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Daran lässt sich erkennen, dass neben dem Wiederaufbau der Versorgung der Stadt auch die Schaffung von Wohnraum zu einem die Stadt in den kommenden Jahren bestimmenden Thema geworden war. Bereits im Protokoll zur Sitzung vom 26.7.1945 wird das Problem der Wohnungsnot konkret angesprochen. Der Stadtrat beschloss, ein Schreiben an den Landrat zu richten, in dem ein Zuzugsverbot für die Stadt Wasserburg beantragt werden sollte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Infolge der in Wasserburg a. Inn gegenwärtig herrschenden katastrophalen Wohnungsverhältnisse verursacht durch die lfd. Zuzüge von Flüchtlingen u.s.w. sowie Beschlagnahme einer Anzahl Wasserburger Wohnhäuser durch die amerik. Armee wird der Antrag gestellt, bis auf Weiteres für das Stadtgebiet den Zuzug von Personen zu sperren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 26.7.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gesamte Landkreis verzeichnete nach Kriegsende einen sprunghaften Bevölkerungsanstieg von rund 39.000 Einwohnern im Jahr 1939 auf 54.000 im Jahr 1946.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 134.&amp;lt;/ref&amp;gt; Josef Kirmayer vermerkte in seiner Chronik am 27.7.1946 6.096 Einwohner in der Stadt Wasserburg, von denen er über 760 als &#039;&#039;Flüchtlinge&#039;&#039; und 5.336 als &#039;&#039;Eingesessene&#039;&#039; bezeichnete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 27.7.1946.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben der Sorge der Wohnungsknappheit setzte bei der Bevölkerung auch die Angst vor einer ‚Überfremdung‘ der Stadt durch die zahlreichen Ortsfremden ein. Zudem hatten die Evakuierten und Flüchtlinge meist ihr sämtliches Hab und Gut verloren und waren auf Fürsorgeeinrichtungen angewiesen. Oft gingen sie, bedingt durch ihre Flucht, auch keiner Erwerbstätigkeit nach, was als zusätzliche Belastung empfunden wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 58.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Vorgehen der Militärregierung, die privaten Wohnraum zur Unterbringung von Flüchtlingen und DPs beschlagnahmte, erschien vielen Einheimischen willkürlich und ungerecht. Die Vorbehalte der Einheimischen richteten sich dabei nicht nur gegen Personen aus dem Ausland, sondern auch gegen Deutsche oder sogar gegen nicht in der Stadt einheimische Bayern. Auch sie wurden zu ‚Preußen‘ und weiteren Konkurrenten um die nach Kriegsende knappen Ressourcen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 58.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass ein großer Teil dieser Menschen dauerhaft in der Stadt bleiben würde, war für viele Einheimische zu diesem Zeitpunkt unvorstellbar. Erst allmählich entwickelte sich die Vorstellung von einem künftigen Zusammenleben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps|Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps]], 42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für eine Bestätigung des vom Stadtrat erbetenen Zuzugsverbots finden sich keine Hinweise. Der Stadtrat sah sich selbst zum Handeln verpflichtet und beschloss am 24.8.1945 die Situation mit einem Wohnungsbauprogramm zu verbessern. Dieses schloss jedoch noch nicht den Neubau von Wohnhäusern ein, sondern setzte den Schwerpunkt auf den Ausbau und die Nutzung der bereits bestehenden Gebäude. Der Vermerk: &#039;&#039;Mit den Bauarbeiten soll sofort begonnen werden.&#039;&#039; soll wohl die Dringlichkeit dieser Maßnahme unterstrichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 24.8.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den nächsten Stadtratssitzungen veränderten sich die Personalien. Am 6.9.1945 wurde Franz Xaver Köck als zweiter Bürgermeister und Stellvertreter von Josef Estermann gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 6.9.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ab dem Protokoll vom 5.10.1945 befindet sich der ehemalige zweite Bürgermeister Karl Deggendorfer wohl nicht mehr unter den Stadträten.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 5.10.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Josef Kirmayer vermerkte am 9.10.1945 die Ernennung von Kaspar Wiedemann zum ersten Bürgermeister der Stadt, während Josef Estermann den Posten als Landrat erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 9.10.1945.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Sitzungsprotokoll vom 26.10.1945 wird nun ebenfalls Kaspar Wiedemann als erster Bürgermeister aufgeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 26.10.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch der neue Bürgermeister sah sich mit den Folgen des Krieges und der Wohnungsnot in der Stadt konfrontiert, die besonders wegen des bevorstehenden Winters zum Problem wurde. Um Bedürftigen zu helfen beschloss der Stadtrat am 4.11.1945 die Einrichtung einer Wärmestube, die bei &#039;&#039;eintretender Kälte&#039;&#039; von 9:00 bis 22:00 Uhr geöffnet sein sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 4.11.1945, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Da eine Wärmestube nicht ausreichte, wurde im Verlauf des Winters eine zweite im Gasthof ‚Alte Post‘ eingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Veränderungen und Wahlen 1946 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7.2.1946 wird Alfons Püls im Sitzungsprotokoll als erster Bürgermeister der Stadt aufgeführt. Mit ihm besetzte ein Mitglied der CSU das Bürgermeisteramt in der Stadt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 150-151.&amp;lt;/ref&amp;gt; Franz Xaver Köck blieb weiterhin der Stellvertreter des Bürgermeisters und der ehemalige erste Bürgermeister Kaspar Wiedemann gehörte nun zu den Stadträten.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 7.2.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Für die Besetzung des Landratspostens fanden im gleichen Jahr Wahlen statt. Josef Kirmayer verzeichnete deren Durchführung am 31.5.1946 und notierte dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Durch den neuen Kreistag wird Dr. Lenz aus Laufen zum Landrat von Wasserburg gewählt. Die Bestätigung durch die Militärregierung erfolgt aber nicht, so wird Josef Estermann in einigen Tagen durch die Militärregierung Oberbayern als kommissarischer Landrat beordert, und zwar bis zur schriftlichen Bestätigung eines neu gewählten Landrates.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 31.5.1946.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juni wurde ebenfalls ein gewählter Landratskandidat, der &#039;&#039;Regierungs-Assossor Hans Niedermeier aus München&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 28.6.1946.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht von der Militärregierung legitimiert. Erst am 30.9.1946 vermerkte Josef Kirmayer: &#039;&#039;Korbwarenfabrikant Josef Estermann endlich als Landrat (zuletzt kommissarisch) abgetreten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 30.9.1946.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nicht jeder im Landkreis konnte sich mit Estermann als Landrat anfreunden, der zudem eine Schlüsselrolle innerhalb der Parteiarbeit der SPD in der Region nach Kriegsende innehatte. Da er vor Kriegsbeginn Mitglied der KPD gewesen war und nun am Wiederaufbau der SPD mitarbeitete, versuchten ihn zudem ehemalige Bekannte aus der Zeit bei der KPD als Gestapo-Spitzel zu denunzieren. Auch wenn der gegen ihn angestrebte Prozess bald im Sande verlief, war seine politische Karriere mit der Bestätigung seines Nachfolgers Hans Niedermeier durch die Militärregierung schließlich beendet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 152.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass die Wohnungssituation auch 1946 weiterhin den Stadtrat beschäftigte, zeigt sich im Protokoll vom 6.6.1946, in dem es um die bereits im Jahr 1945 in zwei Gastwirtschaften eingerichteten Übernachtungsstellen geht. Der Stadtrat beschloss diese Stellen weiterhin beizubehalten und hielt fest, dass eine Nutzung ausschließlich für Personen mit einem von der Stadtpolizei ausgestellten &#039;&#039;Übernachtungsschein&#039;&#039; vorgesehen sei. Eine selbstständige Vergabe der Zimmer durch die Gastwirte war nicht erwünscht. Für den &#039;&#039;Übernachtungsschein&#039;&#039; sollten zudem 40 Pfennige an die Stadtpolizei gezahlt werden, die später mit der Stadtkämmerei abzurechnen hatte. Konnte eine Person eine besondere Bedürftigkeit nachweisen, konnte sie auch kostenfrei eine Übernachtungsstelle nutzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 6.6.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Von einer Rückkehr zur Normalität nach Kriegsende war die Stadt 1946 noch weit entfernt. Wahrscheinlich lehnte der Stadtrat bei seiner Sitzung am 25.7.1946 aus diesem Grund auch das Gesuch um die Eröffnung eines zweiten Kinos ab. Als Begründung für diese Entscheidung hielten die Ratsmitglieder fest, dass &#039;&#039;ein Bedürfnis hierfür nicht vorliegt&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 25.7.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorrangig schien dem Stadtrat hingegen die Versorgung Bedürftiger zu sein. Am 21.11.1946 wurde zu diesem Zweck ein Fürsorgeausschuss ins Leben gerufen, dessen erster Vorsitzender Bürgermeister Püls wurde. In der Zusammensetzung der Ausschussmitglieder sahen die Stadträte auch einen &#039;&#039;Vertreter aus den Reihen der Flüchtlinge&#039;&#039; vor.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 21.11.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im November 1946 bereiteten sich die Stadträte und Parteien auf den Volksentscheid über die bayerische Verfassung und die Wahl des bayerischen Landtages am 1.12.1946 vor.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 7.11.1946, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3109|StadtA Wasserburg a. Inn, II3109]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In den letzten Tagen vor der Abstimmung notierte Josef Kirmayer täglich eine Wahlversammlung  im Rathaussaal. Am 28.11. nutzte die KPD den Saal, am 29.11. die CSU und am 30.11. schließlich die SPD. Am 1.12. hielt der Chronist für die Stadt Wasserburg 1.610 Stimmen für und 761 Stimmen gegen die Annahme der Verfassung fest. Als Ergebnis der Landtagswahl notierte Kirmayer:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 1.12.1946.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Partei !! Stimmenzahl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| CSU || 1097&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| SPD || 777&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| KPD || 187&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung (WAV) || 260&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| FDP || 104&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn sich die SPD als einzige Partei in der Region konkret um die Flüchtlinge und Vertriebenen bemüht hatte, konnte sie anscheinend davon noch nicht profitieren. Zur Wahl zugelassen waren nach Anordnung der Amerikaner  nur deutsche, über 21 Jahre alte Staatsbürger, die mindestens ein Jahr in ihrer Gemeinde ansässig waren. Durch ihre Vergangenheit im Nationalsozialismus belastete Personen waren von den Wahlen ebenfalls ausgeschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 164-165.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Situation im Hungerjahr 1947 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der sprunghaft angestiegenen Bevölkerung, wuchs auch das Problem der Wohnungsnot immens an. Besonders im sogenannten Hungerjahr 1947 begann sich auch die Ernährungslage in der Stadt zuzuspitzen und in dem  harten Winter 1946/1947 mangelte es vielen Menschen zudem an Heizmaterial. Auf den sehr kalten Winter folgte ein heißer Sommer, der Einbußen bei der so dringend benötigten Ernte mit sich brachte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 21-24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch wenn sich die Versorgungssituation in der Region bedingt durch den hohen Anteil der Selbstversorger – 23.000 Menschen im Landkreis waren als solche eingestuft, was 43% der dort lebenden Bevölkerung ausmachte&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 39.&amp;lt;/ref&amp;gt; – besser gestaltete als beispielsweise in München, machten Ausfälle in der Kartoffelernte die Lage 1947 prekär. Besonders Kartoffeln stellten in den Nachkriegsjahren eine wichtige Kalorien- und Kohlenhydratquelle dar.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kein anderes Thema schien die öffentliche Meinung in der Stadt in den ersten Nachkriegsjahren so sehr zu prägen wie die Sorge um die Ernährung. Da die Verhältnisse im Raum Wasserburg diesbezüglich besser als in anderen Regionen waren, reagierte die Militärregierung darauf mit Unverständnis. Politischen Themen gegenüber zeigten sich die Menschen dagegen oft gleichgültig.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 49.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass es doch politische Aktivitäten in der Stadt gegeben hat zeigt der Beschluss des Stadtrates, das Gesuch der KPD Ortsgruppe Wasserburg  einen Aushangkasten anbringen zu dürfen zu genehmigen. Allerdings fügte man im Protokoll hinzu, dass der Kasten &#039;&#039;in gefälliger Form zu gestalten&#039;&#039; sei und die &#039;&#039;Ausmaße von 50 x 60 cm nicht überschritten werden&#039;&#039; sollten.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 11.9.1947, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3110|StadtA Wasserburg a. Inn, II3110]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vergabe der begehrten Nahrungsmittel erfolgte nach einem Rationierungssystem, in dem die Menschen je nach Zugehörigkeit zu einer Versorgungsgruppe Kalorienrationen gegen Lebensmittelkarten erhielten. Oft fiel die tatsächliche Zuteilung geringer aus als der Rationsanspruch.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 20.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben diesem Rationierungssystem entwickelte sich ein illegales Kompensationssystem, welches Hamstern, Schwarzhandel und die Fälschung von Lebensmittelkarten beinhaltete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 13.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bedingt durch die Einteilung in Versorgungsgruppen kam es zu Neid gegenüber  Bessergestellten. Beispielsweise erhielten im Nationalsozialismus Verfolgte und ehemalige Häftlinge aus den Konzentrationslagern Lebensmittelzulagen. Dies traf auch auf die in Gabersee und Attel untergebrachten jüdischen DPs zu, denen die Militärregierung die Kalorienration für die Versorgungsgruppe der Schwerstarbeiter als Entschädigung für das erlittene Unrecht zugestand.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 53.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ihnen unterstellten die Einheimischen in der Folge, dass sie über genügend Lebensmittel verfügen würden um den Schwarzmarkt damit beliefern zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die prekäre Versorgungslage bildete auch den Anlass für einen Anstieg der Hungerkriminalität. Neben regen Schwarzmarktaktivitäten kam es vermehrt zu Einbrüchen und Diebstählen sowie auch zu Überfällen auf Lebensmittelkartenstellen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 45.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch wenn die DPs bei Schwarzmarktdelikten unter Generalverdacht standen, beteiligten sich neben ihnen im Hungerjahr 1947 im Raum Wasserburg sämtliche Bevölkerungsgruppen am Schwarzmarkt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps|Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps]], 36.&amp;lt;/ref&amp;gt; Umso wichtiger wurden Fürsorgeeinrichtungen wie die Arbeiterwohlfahrt, die sich besonders um Kriegsgefangene und Heimkehrer aber auch um Mütter, Waisen-, Flüchtlings- und Arbeiterkinder kümmerte und auch eine Verteilung von Kohlen an bedürftige Rentner organisierte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 96.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Kirmayer vermerkte am 24.8.1947: &#039;&#039;Letzten Sonntag wurde hier die Bayernpartei gegründet.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 24.8.1947.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die in München von Ludwig Max Lallinger ins Leben gerufene und 1948 durch die Militärregierung lizensierte Partei machte beispielsweise mit der Forderung nach einem unabhängigen Bayern auf sich aufmerksam. Thesen wie Preußen habe Bayern mit in den Krieg und somit ins Verderben gerissen und eine starke Polemik gegen die in Bayern lebenden Flüchtlinge&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 181.&amp;lt;/ref&amp;gt; verbanden sich dabei mit der auch in Wasserburg herrschenden Angst vor einer Überfremdung und dem Neid auf die höheren Versorgungsrationen, die machen Ortsfremden gewährt wurden. Ganz in diesem Zeitgeist scheint auch die Entscheidung des Stadtrates verhaftet, den jüdischen DPs bei Bedarf keinen Anspruch auf ein Zimmer im städtischen Krankenhaus zu garantieren. Eine Behandlung von Bewohnern der DP-Lager sei nur möglich &#039;&#039;wenn entsprechend Betten frei sind&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 25.9.1947, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3110|StadtA Wasserburg a. Inn, II3110]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Administration der DP-Lager oblag nicht der Stadt Wasserburg, sondern war der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administraton) und damit den Amerikanern unterstellt. Die DP-Lager funktionierten unabhängig vom städtischen Leben und verfügten beispielsweise über eigene kulturelle Veranstaltungen, Schulen, eine Lagerpolizei und eine eigene Presselandschaft.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps|Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps]], 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vielleicht wollte der Stadtrat aus diesem Grund auf der Trennung auch im Hinblick auf die Versorgung im Krankenhaus beharren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadträte beschäftigte im Sommer 1947 auch die Bekämpfung einer bei der &#039;&#039;Müllabfuhrstelle&#039;&#039; herrschenden &#039;&#039;Rattenplage&#039;&#039;. Um dieser Herr zu werden, beschloss man jedoch nicht einen Schädlingsbekämpfer zu beauftragen, sondern die Bekämpfung mit zuvor angeschafftem Gift einer &#039;&#039;ortsansässigen Person&#039;&#039; zu übertragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 10.7.1947, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3110|StadtA Wasserburg a. Inn, II3110]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im August 1947 legte der Stadtrat eine einheitliche Arbeitszeit von acht Stunden pro Tag in den städtischen Betrieben fest, die ohne Lohnkürzungen eingeführt werden sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 7.8.1947, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3110|StadtA Wasserburg a. Inn, II3110]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bedingt durch die prekäre Ernährungslage und die Zeit die die Menschen täglich mit dem Anstehen bei der Lebensmittelausgabe verbrachten, lag die Arbeitsleistung in den ersten drei Nachkriegsjahren auf einem besonders niedrigen Niveau.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um die Ernährungslage etwas zu verbessern, beschlossen die Stadträte im Herbst des Jahres auf die Bitte des Flüchtlingsobmannes einzugehen und den Flüchtlingen &#039;&#039;Gartenland&#039;&#039; für den Anbau von Obst und Gemüse zur Verfügung zu stellen. &amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 16.10.1947, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3110|StadtA Wasserburg a. Inn, II3110]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1948 bis 1950 – Beginn der  Amtszeit von Gabriel Neumeier ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Aus Flüchtlingen werden Neubürger ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bürgermeister Neumeier Heimatfest.jpg|200px|thumb|right|Erinnerung an die Rede von Gabriel Neumeier auf dem Heimatfest 1949.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1948 löste der SPD-Politiker Gabriel Neumeier das CSU-Mitglied Alfons Püls als ersten Bürgermeister der Stadt ab. Am 31.5.1948 ist im Stadtratsprotokoll eine Rede des Neugewählten erwähnt, in der er &#039;&#039;dem Bürgermeister der vorherigen Wahlperiode für die zum Wohle der Stadt und ihrer Bevölkerung geleisteten uneigennützigen Arbeiten&#039;&#039; dankte. In der gleichen Sitzung wurde mit Dr. Gabriel Huber ebenfalls ein Kandidat der SPD für das Amt des zweiten Bürgermeisters bestimmt, während Karl Deggendorfer von der CSU nur eine der 17 Stadtratsstimmen erhielt. Alfons Püls und sein Stellvertreter Franz Xaver Köck werden im Protokoll unter den Stadträten aufgeführt. Köck wurde auf der Sitzung zudem zum Krankenhausverwalter gewählt. Den Antrag des neuen Bürgermeisters auf die Bildung eines Flüchtlingsausschusses nahmen die Stadträte am 31.5.1948 an. Der Ausschuss sollte fortan bei der Behandlung von &#039;&#039;Flüchtlingsfragen im Stadtrat beratend mitwirken&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 31.5.1948, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3127|StadtA Wasserburg a. Inn, II3127]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu diesem Beschluss ist weiterhin im Protokoll vermerkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Die Bayern-Partei gibt ihre Zustimmung mit dem Vorbehalt, daß es sich um wirkliche Flüchtlinge nicht aber um Personen handelt, die nach Hause könnten, aber nicht wollen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 31.5.1948, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3127|StadtA Wasserburg a. Inn, II3127]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn in der Kreisstadt die SPD den ersten und den zweiten Bürgermeister stellte, wurde die Bayernpartei im Landkreis Wasserburg bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 1948 stärkste Kraft. Ihr Kandidat Heinrich Stuhlberger wurde Landrat, was besonders für die Wasserburger CSU eine herbe Enttäuschung darstellte. Stuhlberger hatte einst zu den 25 Gründungsmitgliedern der CSU im Landkreis gehört und hatte die Partei wie viele andere zu Gunsten der Bayernpartei verlassen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 177.&amp;lt;/ref&amp;gt; Josef Kirmayer hielt zur Wahl Stuhlbergers am 7.6.1948 fest, dass dieser Diplomlandwirt und zuvor der Bürgermeister der Gemeinde Amerang gewesen war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 7.6.1948.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Landrat Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Landrat Heinrich Stulberger 1949 beim Wasserburger Heimatfest.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der Bayernpartei im Wahlkampf genutzte Angst der Bevölkerung vor einer Überfremdung durch Flüchtlinge und Evakuierte spielte auch bei den 1948 abgehaltenen Gemeinderatswahlen eine Rolle. Aus Angst davor, dass Bürgermeisterposten von Ortsfremden besetzt werden könnten, wurde vor den Wahlen besonders an die Einheimischen appelliert. Sie sollten sich als Bürgermeisterkandidaten aufstellen lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps|Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps]], 43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einen Schritt zu einem besseren Zusammenleben machte hingegen der Wasserburger Stadtrat, indem er in seiner Sitzung am 22.7.1948 beschloss dem Flüchtlingsvertrauensmann eine monatliche, freiwillig gezahlte Aufwandsentschädigung von 40 Mark zukommen zu lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 22.7.1948, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3127|StadtA Wasserburg a. Inn, II3127]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ab dem Jahr 1948 findet sich in den Berichten des Landratsamtes an die Bezirksregierung auch erstmals die Bezeichnung Neubürger. Langsam schien die Erkenntnis zu reifen, dass die 16.663 nach Kriegsende hinzugekommenen Menschen im Landkreis Wasserburg bleiben würden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps|Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps]], 44.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ebenfalls im Jahr 1948 nahmen die Wasserburger Stadträte den Antrag des zweiten Bürgermeisters auf die Bildung eines Kulturausschusses an.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 22.7.1948, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3127|StadtA Wasserburg a. Inn, II3127]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heimatfest 1949 mit Kriegisch und Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Josef Kriegisch (Erster von links) beim Wasserburger Heimatfest 1949.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Parteien nutzten den Rathaussaal regelmäßig für Wahlveranstaltungen und Kundgebungen. Die Nutzung bedurfte jedes Mal der Zustimmung der Stadträte. Hatten diese im September 1948 noch einer Veranstaltung der Bayernpartei im Rathaussaal zugestimmt,&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 22.9.1948, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, II3127|StadtA Wasserburg a. Inn, II3127]].&amp;lt;/ref&amp;gt; lehnte sie eine solche im Januar 1949 ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 26.1.1949, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, III1330|StadtA Wasserburg a. Inn, III1330]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Februar beschlossen die Ratsmitglieder die Durchführung eines großen Heimatfestes, welches zu einem wesentlichen Zeichen für die Anerkennung und Integration der Neubürger in der Stadt werden sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 9.2.1949.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Fest, welches im September 1949 mit einem Festumzug und vielen anderen Programmpunkten gefeiert wurde, besuchten auch Landrat Heinrich Stuhlberger und dessen Stellvertreter der SPD-Politiker Dr. Josef Kriegisch. Beide hielten neben Bürgermeister Neumeier Festreden und nahmen am Festumzug teil. In einem Fotoalbum zur Dokumentation des Festes ist neben einem Foto von Heinrich Stuhlberger notiert: &#039;&#039;Herr Landrat Stuhlberger gewinnt mit seiner Begrüßungsansprache die Herzen der Heimatvertrieben.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, IVa18|StadtA Wasserburg a. Inn, IVa18]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Anscheinend hatte auch der der Bayernpartei angehörenden Landrat erkannt, dass die Region den Menschen nun dauerhaft ein Zuhause werden sollte. Sein Stellvertreter Josef Kriegisch konnte innerhalb der SPD bedingt durch seinen Kriegseinsatz an der Ostfront und die Ausweisung seiner Mutter aus der Tschechoslowakei sowohl die Gruppe der Kriegsversehrten als auch die der Heimatvertriebenen repräsentierten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 262.&amp;lt;/ref&amp;gt; Josef Kirmayer vermerkte für das Trachtenfest mit Umzug am 11.9.1949 25.000 bis 30.000 Besucher und bezeichnete die Veranstaltung als ein &#039;&#039;großartiges Fest&#039;&#039;. &amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 11.9.1949.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1950 bis 1955 – Der Wohnungsbau als Kernaufgabe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1948 bis 1950 verbesserte sich die Ernährungslage in der Region Wasserburg und ganz Bayern bedingt durch den Marshall-Plan – ein großes Konjunkturprogramm der Amerikaner – die Währungsreform und günstige Witterungsverhältnisse, die zu besseren Ernteerträgen führten. Im Frühsommer 1949 konnte bereits ein Großteil der Lebensmittel frei und ohne Lebensmittelkarten verkauft werden. Am 30.4.1950 endete das Rationierungssystem in der Bundesrepublik.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Schwanse, Ernährungslage in Bayern|Schwanse, Ernährungslage in Bayern]], 36-37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ebenfalls 1950 wurden die DP-Lager in Gabersee und Attel aufgelöst, in denen zusammengenommen durchschnittlich bis zu 2.500 jüdische DPs untergebracht gewesen waren. Der Großteil von ihnen stammte nicht aus Deutschland und wollte dieses aufgrund traumatischer Erinnerungen baldmöglichst verlassen. Nur etwa zehn Prozent der in Nachkriegsdeutschland lebenden DPs blieben mehr oder weniger gezwungenermaßen in Deutschland.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps|Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps]], 24. Ein Grund dafür können Krankheiten wie Tuberkulose gewesen sein, weswegen Einreisen in andere Länder verwehrt werden konnten.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das als DP-Lager genutzte, 1873 von den Barmherzigen Brüdern zur Errichtung einer Anstalt zur Pflege behinderter Menschen erworbene Gelände in Attel wurde 1950 an die Barmherzigen Brüder zurückgegeben. Im Jahr 1951 begannen diese dort wieder mit der Betreuung Behinderter. Im Jahr 1953 eröffnete in Gabersee auf dem Gelände des ehemaligen DP-Lagers ein psychiatrisches Krankenhaus. Bereits 1883 war es anfänglich zu diesem Zweck genutzt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps|Haupt, Quellenstudie Displaced Persons Camps]], 4-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Stadt blieb, war der durch Flucht und Vertreibung bedingte Bevölkerungszuwachs und die Stadträte mussten im Frühjahr 1950 erkennen, dass die Nutzung der bestehenden Gebäude nicht ausreichte um die herrschende Wohnungsnot einzudämmen. Im Protokoll  vom  17.5.1950 hielten die Stadträte fest, dass ein Baudarlehen in Höhe von 102.000 Mark für den sozialen Siedlungs- und Wohnungsbau von der Regierung von Oberbayern für die Stadt genehmigt wurde. Genutzt werden sollte dieses Darlehen für den Neubau von 26 Wohnungen mit einem Kostenaufwand von 237.167 Mark.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 17.5.1950, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, III1331|StadtA Wasserburg a. Inn, III1331]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits am 3.6.1950 notierte Chronist Josef Kirmayer: &#039;&#039;Im Burgerfeld gehen die Bauarbeiten in der St. Georgsiedlung und an den drei städtischen Wohnblöcken hurtig voran.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 17.5.1950.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben der Schaffung von Wohnraum beschäftigte auch die Versorgung der Stadt mit Trinkwasser die Stadträte im Jahr 1950. Am 28.6. beschlossen sie wegen einer eventuellen Chlorierung der Wasserleitung mit dem Landesamt für Wasserversorgung in Kontakt zu treten. Vorausgegangen war dieser Entscheidung die Forderung des Landratsamtes und des Staatlichen Gesundheitsamtes, die Stadtbewohner mit einwandfreiem Wasser zu versorgen. &amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 28.6.1950, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, III1331|StadtA Wasserburg a. Inn, III1331]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch im darauffolgenden Jahr schien das Problem der Wasserversorgung nicht gelöst, da der Stadtrat aus diesem Anlass zu einer Sondersitzung zusammentraf. Gemeinsam mit anwesenden Vertretern des Landesamtes für Wasserversorgung wurde eine Erweiterung der Wasserversorgungsanlage im Wert von 150.000 Mark beschlossen. Bereits im März 1951 sollte mit den entsprechenden Arbeiten begonnen werden. &amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 11.1.1951, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, III1280|StadtA Wasserburg a. Inn, III1280]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende des Jahres 1950 stand Wasserburg im Zeichen der Landtagswahl. Diese wurde besonders für die CSU zur Niederlage, die viele Wähler an die Bayernpartei verloren hatte. Die CSU erhielt im Landkreis Wasserburg nur noch 25,6 Prozent der Stimmen. Der große Erfolg der Bayernpartei in der Region kann mit deren bäuerlicher Prägung sowie der großen Mehrheit der katholischen Bevölkerung begründet werden. In 48 der 62 zum Kreis gehörenden Gemeinden wurde die Bayernpartei 1950 stärkste politische Kraft und Heinrich Stuhlberger blieb weiterhin Landrat. In der Kreisstadt selbst wurde sie jedoch von der SPD auf den zweiten Platz verwiesen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 192-193.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anders als in anderen bayerischen Regionen hatte sich die Wasserburger SPD dauerhaft als Vertreterin der Interessen von Flüchtlingen und Vertriebenen etablieren können. Beispielsweise setzten sich die Sozialdemokraten für bessere Fürsorgeleistungen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze ein, die einen Neubeginn in der Region begünstigen sollten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 260.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da in der Kreisstadt besonders viele Neubürger lebten, kann dies zu diesem sehr auf die Stadt konzentrierten Erfolg der SPD beigetragen haben. Auch hatten es die Sozialdemokraten besonders auf dem Land schwer. Hier begegnete  man der als ‚kirchenfeindlich‘ verrufenen Partei mit einer anhaltenden Skepsis,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 263.&amp;lt;/ref&amp;gt; während sie die meisten Wähler unter den in der Kreisstadt lebenden Arbeitern und Angestellten fand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1952 wurde der in der Kreisstadt amtierende Bürgermeister Gabriel Neumeier von der SPD im Amt bestätigt. Nach den Aufzeichnungen von Josef Kirmayer erhielt Neumeier 2.600 Stimmen und sein Gegenkandidat Karl Deggendorfer von der CSU nur 900. Kirmayer notierte dazu: &#039;&#039;Arge Niederlage!&#039;&#039;. Für die Zusammensetzung des Wasserburger Stadtrates hielt der Chronist fest:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Kirmayer, Chronik|Kirmayer, Chronik]], Eintrag vom 30.3.1952.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Partei !! Anzahl der Sitze im Stadtrat&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| CSU || 6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| SPD || 6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Bayernpartei || 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) || 1&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wahlblock || 1&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der Bayernpartei bekam die CSU im Landkreis in diesem Wahlkampf auch Konkurrenz von freien Wählergruppen, die sich unter teils phantasievollen Namen zusammenschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Balcar, Politik auf dem Land|Balcar, Politik auf dem Land]], 195-196.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch 1951 beschäftigten sich die Stadträte mit dem Wohnungsbau und bei ihrer Sitzung am 11.1. beschlossen sie den Bau von zwei Wohnblocks zu je acht Wohnungen im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus noch im selben Jahr zu beginnen. Finanziert wurde das Bauprojekt durch staatliche Darlehen, ein Eigenkapital von 60.000 Mark sowie durch die Post.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 11.1.1951, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, III1280|StadtA Wasserburg a. Inn, III1280]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Post beteiligte sich auch an einem weiteren 1954 durchgeführten Bauprojekt, in dem ein weiterer Wohnblock zu acht Wohnungen im Gesamtwert von 124.000 Mark entstehen sollte. Im Protokoll ihrer Sitzung hielten die Stadträte am 25.5.1954 fest, dass einige der Wohnungen &#039;&#039;nur an die von der Deutschen Bundespost bezeichneten Personen vergeben&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 25.5.1954, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, III1283|StadtA Wasserburg a. Inn, III1283]].&amp;lt;/ref&amp;gt; werden durften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Wohnungsnot in der Stadt weiterhin bekämpfen zu können, entschieden sich die Stadträte im Jahr 1954 dafür beim Landratsamt einen Antrag um die Zuweisung der Wohnraumbewirtschaftung direkt an die Stadt zu stellen. Damit entschied man sich für eine Beibehaltung des Wohnungsamtes in der Stadt Wasserburg, obwohl diese zu diesem Zeitpunkt eine Stadt mit unter 10.000 Einwohnern war und somit ihre Wohnungsangelegenheiten Sache des Landkreises gewesen wäre. Diese Entscheidung entstand aus dem Wunsch weiter direkt für die Wohnraum suchenden Bürger in der Stadt da sein zu können. Der Stadtrat bestimmte einen verantwortlichen Leiter des Wohnungsamtes und beschloss die Bildung eines Wohnungsausschusses. Ebenso wurde festgelegt, dass die Entscheidung über die Vergabe neuer städtischer Wohnungen bei den Ratsmitgliedern lag. Nicht neugeschaffene, städtische Wohnungen sollte der Wohnungsausschuss auch ohne vorheriges Einverständnis aller Stadträte vergeben dürfen.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 16.6.1954, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, III1283|StadtA Wasserburg a. Inn, III1283]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber noch im folgenden Jahr wurde im Sitzungsprotokoll vom 22.6.1955 notiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Stadtrat hat in einer ausgedehnten Debatte die katastrophale Wohnungsnot besprochen und besonders auf die Fälle hingewiesen, die in unzumutbaren Notunterkünften wohnen. Aus sittlichen Gründen können diese Notstände nicht mehr länger geduldet werden. Es ist zu versuchen durch Beschaffung von billigen Darlehen, Staatszuschüssen und Eigenmitteln diese Notfälle zu beseitigen oder mindestens zu lindern&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll vom 22.6.1955, [[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#StadtA Wasserburg a. Inn, III1284|StadtA Wasserburg a. Inn, III1284]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Juliane Günther}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Wiederbeginn_des_politischen_und_kommunalen_Lebens_nach_1945_im_Landkreis_Wasserburg&amp;diff=6776</id>
		<title>Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg</title>
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		<updated>2020-01-23T13:38:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Juliane Günther|Juliane Günther]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Juliane Günther]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel basiert auf den den Landkreis Wasserburg am Inn betreffenden Kapiteln aus der Publikation: Jaromir Balcar, Politik auf dem Land. Studien zur Bayerischen Provinz 1945 bis 1972 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Band 56/Bayern im Bund, Band 5), 2004. Neben dem Landkreis Wasserburg am Inn betrachtet der Autor auch die Landkreise Landsberg am Lech (Oberbayern), Bogen (Niederbayern), Beilngries, Neumarkt und Roding (Oberpfalz), Feuchtwangen und Rothenburg ob der Tauber (Mittelfranken), Königshofen im Grabfeld (Unterfranken) sowie Neuburg an der Donau und Nördlingen (Schwaben) im Zeitraum von 1945 bis 1972.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ausgangssituation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrschten  besonders in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg am Inn prekäre Zustände. Das Leben der Menschen war bestimmt von blanker materieller Not und der Sorge um eine ungewisse Zukunft. Hinzu kamen schlechte Verkehrsbedingungen, vielerorts eine unzureichende Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung sowie eine mangelhafte Stromversorgung. Es fehlte nicht zuletzt an modernen Bildungseinrichtungen. Auch waren viele Flüchtlinge und Vertriebene in der Folge des Krieges in den Landkreis Wasserburg gekommen, was nicht selten zu Reibereien mit dort Einheimischen führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Mit den Flüchtlingen und Vertriebenen kam auch erstmals eine nennenswerte Anzahl von Protestanten in die katholisch geprägte Region. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 460.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober des Jahres 1946 lebten bereits über 54.000 Menschen im Landkreis, was verglichen mit den rund 39.000 im Jahr 1939 einen sprunghaften Bevölkerungsanstieg bedeutete.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 134.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die amerikanische Besatzungsmacht beanspruchte zudem uneingeschränkte Hoheitsrechte in ihrem Besatzungsgebiet. Das gesamte öffentliche Leben wurde von der Militärregierung geregelt. Sie ernannte neue Amtsträger und ließ führende Funktionsträger des Dritten Reiches inhaftieren. Mit pauschalen Massenentlassungen ehemaliger Mitglieder der NSDAP besonders im Bereich der öffentlichen Verwaltung bekämpfte sie den Nationalsozialismus. Im Mai 1945 wurde der ehemalige Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Fritz Schäffer&amp;lt;ref&amp;gt;Fritz Schäffer wurde bereits Ende September 1945 wieder aus seinem Amt als Ministerpräsident entlassen, da er die Säuberung der öffentlichen Verwaltung von Nationalsozialisten nicht ausreichend rigoros betrieben haben soll. Als neuer Ministerpräsident wurde der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner ernannt, der bereits vor 1933 als Gegner Adolf Hitlers hervorgetreten und anschließend in die Schweiz emigriert war. Vgl. Wolfgang Benz, Alliierte Deutschlandpolitik, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Alliierte_Deutschlandpolitik (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;, von der Militärregierung zum Ministerpräsidenten ernannt. Die nun zum Handeln gemäß der Anweisungen der Militärregierung befugte Bayerische Staatsregierung stand vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Einen nicht unerheblichen Teil davon stellte neben der Versorgung der Bevölkerung auch die Wiederherstellung der öffentlichen Verwaltung dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg, URL: http://www.hdbg.de/polges/pages/druck/kapitel8.pdf (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Bestreben der Besatzungsmacht nach Kriegsende rasch eine Demokratie in Bayern zu etablieren, schuf hingegen den gesetzlichen Rahmen für den Wiederbeginn des politischen Lebens. Dabei behielten sich die Amerikaner die Entscheidung über jeden einzelnen Gründungs- oder Neuzulassungsantrag einer Partei vor.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg (wie Anm. 5).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die an einem politischen Neubeginn arbeitenden Parteien waren die Ausgangsbedingungen schwierig. Oft konnten die Parteimitglieder weder telefonisch noch brieflich miteinander in Verbindung treten. Besonders die Papierknappheit erschwerte eine Neuorganisation.  Darüber hinaus herrschte innerhalb der Bevölkerung angesichts des verlorenen Krieges und der von der amerikanischen Besatzungsmacht durchgeführten Entnazifizierungsmaßnahmen eine gewisse politische Apathie.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 133.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der CSU nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in den ländlichen Regionen Altbayerns vollzog sich die Gründung der CSU in einer direkten Anknüpfung an die Bayerische Volkspartei (BVP), die während der Weimarer Republik existiert hatte und aus der Bayerischen Zentrumspartei hervorgegangen war. Im Landkreis Wasserburg, wo die BVP bis 1933 eine der einflussreichsten Parteien war, wurde die CSU quasi direkt &amp;quot;auf Anweisung&amp;quot; aus München ins Leben gerufen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Ende 1945 wandte sich[Staatsrat] Fritz Schäffer, der von München aus die Fäden zog, in einem Brief an seinen ehemaligen Parteifreund [[Franz Xaver Köck]], um ihn von der Gründung der ‚Bayerischen Christlich-Sozialen Union‘ in München zu informieren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 137.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in der Stadt Wasserburg lebende Bäckermeister Franz Xaver Köck hatte zur Zeit der Weimarer Republik den Vorsitz der BVP in der Region innegehabt und schien nun die ideale Person für die Etablierung der CSU im Landkreis. Am 17.12.1945 lud Köck zu einer Versammlung in die ‚Gaststätte Aumüller‘ ein, die zur politischen Lizensierung der CSU im Landkreis führen sollte. Zu der Veranstaltung kamen 54 Besucher, darunter befanden sich auch viele von der Militärregierung eingesetzte Bürgermeister aus der Region. Die für die Lizensierung notwendigen 25 Unterschriften von Bürgern die sich während des Nationalsozialismus nichts hatten zuschulden kommen lassen waren schnell beisammen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 138. &amp;lt;/ref&amp;gt; 23 der zur Versammlung erschienenen Personen waren Selbstständige, neun von diesen Bauern. Ebenfalls vertreten waren selbstständige Kaufleute, Landhandwerker, Fabrikanten und Rechtsanwälte. Abhängig Beschäftigte, Arbeiter und besonders Frauen suchte man unter den Gründungsmitgliedern vergeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein planmäßiger Aufbau stabiler Organisationsstrukturen gelang der CSU im ersten Jahr nach ihrer Lizensierung im gesamten Landkreis vorerst nicht. Die Partei veranstaltete nur eine öffentliche Veranstaltung im Monat und erhob keine Mitgliederbeiträge. Anfallende Kosten beglich der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck aus eigener Tasche.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139-140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Inhaltlich orientierte sich die Partei an den Leitgedanken ihrer Gründungsmitglieder, die hauptsächlich dem in der Region verwurzelten ländlich-katholischen Besitzmittelstand entstammten. Ein erster 1945 erstellter programmatischer Orientierungsrahmen war zudem nicht frei von unter Alteingesessenen verbreiteten Ressentiments gegen ‚Preußen‘ und Neubürger. Die CSU verstand sich als eine ‚Partei der Bayern‘, in der die Mitgliedschaft von Vertriebenen und Flüchtlingen zwar formal nicht ausgeschlossen, aber eine Seltenheit war. Eine große Rolle spielte das Prestige der in der Gegend meist gut angesehenen Parteimitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Das rudimentäre Programm war vielmehr als Aufforderung an die Einheimischen zu verstehen, sich hinter dem breiten Rücken angesehener und weithin geachteter Persönlichkeiten zu scharen, die die Lauterkeit der Ziele der Partei verbürgen sollten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre eigene Entwicklung schätze die CSU weitaus positiver ein als sie letztlich von Statten ging. So gingen die Parteigründer bereits 1946 von 6.000 bis 7.000 Parteimitgliedern aus, die damit mehr als zehn Prozent der Bevölkerung im Landkreis ausgemacht hätten. Obwohl die Wasserburger Militärregierung diese Zahlen akzeptierte und die neu hinzukommenden Mitglieder einfach dazu addierte, waren 1946 nur 354 Personen eingeschriebene Parteimitglieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Aufbauphase der CSU spielten einflussreiche und in der Region bekannte Persönlichkeiten eine große Rolle, die die Anliegen der Partei in den wenigen öffentlichen Veranstaltungen wortgewandt vorbrachten. Der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck stellte sich jedoch weder als mitreißender Redner noch als begnadeter Organisator heraus. Schnell geriet er in den Schatten der eigentlichen, unter den Gründungsmitgliedern vertretenen Führungspersönlichkeit: Dr. Max Zwicknagl. Der aus einem großbürgerlichen Elternhaus stammende promovierte Ökonom war bereits in den 1920er Jahren im Wirtschaftsbeirat der BVP beschäftigt gewesen. Nachdem er unter den Nationalsozialisten mehrfach Geldbußen und kürzere Haftstrafen hatte ableisten müssen, wurde Zwicknagl 1944 zum Kriegsdienst einberufen. Nach Kriegsende unterstützte er die Amerikaner als unbescholtener Einheimischer in einem Fünferausschuss bei der Entnazifizierung in Rott am Inn. Dabei ging er schonungslos gegen die Bewohner der Gemeinde vor, die sich als überzeugte Nationalsozialisten gezeigt hatten. Im Urteil über die ‚Verführten‘ berief er sich jedoch auf die christliche Nächstenliebe und ließ Milde walten. Der wortgewandete Brauereibesitzer stieg nach seinem Einzug in den Kreistag im April 1946 schnell zum Vorsitzenden der CSU Fraktion auf. Dabei positionierte sich Zwicknagl auch klar für den Unterschied von der gescheiterten BVP. Er sah die CSU als eine moderne Partei die über die katholische Bevölkerung hinaus auch liberale und evangelische Wähler ansprechen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141-145.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den ständigen Streitigkeiten die zwischen der CSU Landtagsfraktion und der Landesleitung herrschten, befand sich die Partei im Landkreis Wasserburg in einem tendenziellen Gleichgewicht. Dieses garantierte in der Anfangszeit den Frieden innerhalb des Kreisverbandes und damit auch seine ersten Erfolge.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 147.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der SPD nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die SPD nach Kriegsende im Gegensatz zur CSU keine neue Partei war, musste sie sich von Grund auf neu organisieren. Im Landkreis Wasserburg kamen für diesen Neubeginn erschwerte Bedingungen hinzu, da das vor 1933 dort vorhandene sozialistische Milieu 1945 kaum noch existierte. In städtischen Ballungszentren fiel es der SPD leichter, sich zumindest personell neu zu organisieren, während ihre Etablierung in den Dörfern besonders schwer fiel. Sie hielt an dem Charakter einer Arbeiterpartei fest und beschränkte sich somit selbst auf die Zielgruppe der städtischen Industriearbeiterschaft. Auf die Landarbeiter, bei denen die SPD noch nie großen Anklang gefunden hatte, wirkte die von dem Parteivorsitzenden Kurt Schumacher verwendete aggressive Klassenkampfrhetorik zudem abschreckend.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch im Landkreis vorhandenen Anhänger der SPD betonten im Antrag auf die Wiederzulassung nicht ohne Stolz die langjährige Geschichte der Partei als traditionelle Gegnerin des Nationalismus. Stark bezog sich die SPD bei ihrer Neuorganisation auf Strukturen aus der Zeit der Weimarer Republik. Die vor 1933 gültigen Statuten wurden bei der Neuzulassung wieder in Kraft gesetzt. Auch ihr Mitgliederprofil hatte sich kaum verändert und viele der 25 Parteigründer waren schon vor 1933 Mitglieder der SPD gewesen. Von ihnen gehörten 20 zur Arbeiterschaft, wobei Facharbeiter gegenüber ungelernten Hilfsarbeitern dominierten. Drei gingen einer selbstständigen Tätigkeit nach, Bauern, Landarbeiter und Frauen befanden sich nicht unter ihnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148-149.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef Estermann.jpg|200px|thumb|right|Josef Estermann 1945.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gegner des Nationalsozialismus wurden die SPD-Mitglieder von der amerikanischen Besatzungsmacht gefördert und auch im Landkreis Wasserburg wurden wichtige Ämter zunächst mit ihnen besetzt. So wurde einer der Neugründer, der Korbmacher Josef Estermann, von den Amerikanern im Mai 1945 zunächst zum Bürgermeister der Kreisstadt und im Oktober des gleichen Jahres zum Landrat ernannt. Der 1898 in Wasserburg geborene aus kleinen Verhältnissen stammende Estermann war nicht zuletzt durch seinen turbulenten Lebenslauf eine schillernde Persönlichkeit innerhalb der Partei. Zunächst Mitglied der SPD, war er von deren lascher Haltung enttäuscht der KPD beigetreten und wegen der Beteiligung an einem Waffendiebstahl steckbrieflich gesucht worden. Schließlich floh er nach Russland. Von dort aus musste er erneut fliehen, da er in das Räderwerk der Geheimpolizei Stalins geraten war. 1932 verurteilte man ihn in Leipzig zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe und im Jahr 1933 brachte man ihn in das Konzentrationslager Dachau, aus dem er 1934 wieder entlassen wurde. Zurück in Wasserburg arbeitete er erfolgreich als selbstständiger Korbmacher, der sich durch die Produktion von kriegswichtigen Granatkörben dem Einsatz im Zweiten Weltkrieg entziehen konnte. In den letzten Kriegstagen wurde Estermann zum Anführer einer gegen die Nationalsozialisten gerichteten Freiheitsaktion und aufgrund dessen wenig später von einem Schnellgericht zum Tode verurteilt. Ihm gelang wiederum die Flucht in den Leichenraum des Wasserburger Krankenhauses, in dem er sich bis zum Eintreffen der Amerikaner in der Stadt verbarg. Jedoch war Josef Estermann nur kurzfristig Landrat, da ihn ehemalige Bekannte aus seiner Zeit bei der KPD wegen seines Übertritts zur SPD als angeblichen Spitzel der Gestapo denunzierten. Auch wenn der gegen ihn angestrebte Prozess bald im Sand verlief, war seine politische Karriere damit beendet. Die Wahlen im Jahr 1946 beendeten zudem die Stellung, die die SPD in der Stadt Wasserburg besessen hatte, als Alfons Püls von der CSU neuer Bürgermeister wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 150-151.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Verlust Estermanns wurde die SPD im Landkreis Wasserburg &#039;&#039;kopf- bzw. führungslos&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss der SPD konzentrierte sich sehr auf die Kreisstadt, während der Landkreis mit seiner hauptsächlich aus katholisch geprägten Bauern, Handwerkern und Landarbeitern bestehenden Bevölkerung für die Partei schwer erreichbar blieb. Daneben nutzten andere Parteien die auf dem Lande bestehende Skepsis gegen die SPD geschickt aus. Zum Zeitpunkt ihrer offiziellen Zulassung im Januar 1946 zählt die SPD 33 Parteimitglieder. Anfang April waren es bereits 67, wovon jedoch 51 in der Kreisstadt lebten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit konkreten Werbekampagnen bemühte sich die SPD besonders um die Neubürger im Landkreis. Obwohl dieser Personenkreis 1946 fast 22 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmachte, war die SPD zunächst die einzige Partei, die ihn als potentielle Wähler umwarb. Sie organisierte Versammlungen für Neubürger und konnte ihre Mitgliederzahl besonders in der Kreisstadt enorm vergrößern. Bei Alteingesessenen wurde sie deswegen jedoch verächtlich als eine Partei der ‚Ortsfremden‘ betrachtet, was die SPD in ihrer Werbung um neue Parteimitglieder wenig beeindruckte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 154.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wahlen und Wahlkampf im Jahr 1946 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die SPD bei der ersten Landtagswahl nach Kriegsende im Landkreis Wasserburg mit rund 17 Prozent das beste Ergebnis nach den Wahlen von 1928 (acht Prozent) und 1932 (rund sechs Prozent) erzielen konnte, war die CSU die eindeutige Wahlsiegerin und somit dominierende Kraft in der Region. Die kurze zwischen der Ankündigung der Wahlen und deren Durchführung liegende Zeit stellte für alle Parteien gleichermaßen ein Problem dar. Besonders hinderlich für den Wahlkampf war die nach Kriegsende herrschende, notorische Papierknappheit. Die CSU meisterte diese Herausforderung insofern am besten, als sie auf öffentliche Wahlveranstaltungen mit Diskussionen und zugkräftigen Rednern setzte. Unter anderem konnte sie Fritz Schäffer gewinnen, der bis vor kurzem noch den Posten des Ministerpräsidenten bekleidet hatte und 550 Zuhörer aus der ganzen Region anziehen konnte. In seiner rhetorisch ausgefeilten Ansprache verglich Schäffer unter anderem die Rolle der durch den Nationalsozialismus ‚Verführten‘ mit der Versuchung Christi durch den Satan und kritisierte den hohen Anteil von ‚Zugereisten‘ in der Verwaltung. Auch die weiteren, nur mit Rednern aus dem katholisch-konservativen Flügel der Partei besetzten Veranstaltungen, waren sehr erfolgreich. Wie die CSU organisierte auch die SPD öffentliche Wahlveranstaltungen mit prominenten Rednern, die sich großer Beliebtheit erfreuten und durchschnittlich zwischen 200 und 300 Besucher anzogen. Verglichen mit den CSU-Rednern gelang es den Referenten der SPD jedoch nicht gleichermaßen, die Ängste, Wünsche und Hoffnungen der Landbevölkerung anzusprechen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 156-158.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die SPD war bestrebt, sich mit den in den Landkreis gekommenen Flüchtlingen und Vertriebenen neue Wählergruppen zu erschließen. Dieses Vorhaben wurde jedoch von der am 18. Dezember 1945 von den Amerikanern erlassenen bayerischen Gemeindeordnung gestört, die nur deutschen über 21 Jahre alten Staatsbürgern, die mindestens ein Jahr in ihrer Gemeinde ansässig waren, das Wahlrecht zusprach. Gleiches galt auch für die Kreistagswahlen und die Wahl zur Verfassungsgebenden Landesversammlung. Durch ihre Vergangenheit im Nationalsozialismus belastete Personen waren von den ersten Wahlen in Bayern ebenfalls ausgeschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 164-165.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger als der SPD gelang es der KPD im Landkreis Wasserburg Fuß zu fassen. Nur mit Mühe hatten die Initiatoren die für eine Zulassung notwendigen 25 Unterschriften aufbringen können. Umso weniger Aufmerksamkeit erhielten die Wahlveranstaltungen der KPD, die jedoch einen engagierten und aufwändigen Wahlkampf betrieb und sogar mit Flugblättern arbeitete. Doch auch dieser Aufwand wirkte sich letztendlich negativ für das Image der Partei aus, da die Bevölkerung die massive Flugblattkampagne angesichts der Papierknappheit als geschmacklos empfand.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 160-161.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Grund für die im Landkreis Wasserburg und anderen ländlichen Regionen Bayerns erzielten Wahlerfolge der CSU im Jahr 1946 sieht der Historiker Jaromír Balcar in der Bedeutung ihres politischen Personals. Die Partei konnte in dem auf dem Land sehr personalisierten Wahlkampf auf geachtete und angesehene Persönlichkeiten zurückgreifen. Neben einer streng antikommunistischen Stimmung wirkte auch die Kirche als ein wichtiger politischer Faktor für die CSU. Daneben fand ihre mit Blick auf die christliche Nächstenliebe praktizierte Aufarbeitung des Nationalsozialismus bei der Bevölkerung Zustimmung. Das Prinzip die ‚Verführer‘ zu bestrafen, gegen die ‚Verführten‘ jedoch Milde walten zu lassen, befürworteten diejenigen, die die Entnazifizierung als zu radikal und ungerecht empfanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gewerkschaften, die vor 1933 die Arbeit der SPD unterstützt hatten, waren nach Kriegsende nur langsam wieder aufgebaut worden. Als sie in regionalen Zentren wie der Stadt Wasserburg wieder zu existieren begannen, unterstützten sie erneut die SPD. Jedoch beschränkte sich ihr Einfluss auf die in Wasserburg sehr kleine Gruppe der Industriearbeiter. Die größere Gruppe der Bauern und Landarbeiter wiederum stand unter dem Einfluss des Bayerischen Bauernverbandes, der der CSU verbunden war. Ebenfalls unterstützend für die CSU wirkte die Lizensierungspraxis der amerikanischen Besatzungsmacht, die den Aufbau des bayerischen Parteiensystems als Fünfermatrix zur Folge hatte. Zunächst bildeten diese die Parteien CSU, SPD, KPD, FDP und WAV&amp;lt;ref&amp;gt;WAV steht für die Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung die 1946 in Bayern als Partei lizensiert wurde. Wegen ihres nicht unumstrittenen Gründers Alfred Loritz wurde sie auch ‚Loritz-Partei‘ genannt. Die WAV verfolgte kein schriftlich niedergelegtes Programm, sondern versuchte durch ihre betonte Andersartigkeit, die sie von den in der Weimarer Zeit gescheiterten Parteien unterscheiden sollte, Wähler für sich zu gewinnen. Besonders der Führungsstil von Alfred Loritz destabilisierte die WAV. Nachdem es die Partei geschafft hatte, eine Beteiligung im Kabinett von Ministerpräsident Hans Ehard (CSU) zu erlangen, verschwand sie ab 1950 aus dem Landtag und in der Bedeutungslosigkeit. Alfred Loritz hatte 1946 den Posten eines Sonderministers für Politische Befreiung erhalten, aus dem er bereits 1947 wieder entlassen wurde. Im Landkreis Wasserburg hatte die WAV bei den Landtagswahlen im Jahr 1946 rund neun Prozent der Stimmen erreicht. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 162 und Daniel Schönwald, Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung (WAV), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wirtschaftliche_Aufbau-Vereinigung_(WAV) (17.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als interkonfessionelle Sammlungspartei wollte die CSU das gesamte, vor 1933 in Bayern stark gespaltene, bürgerlich-konservative Lager als Wähler ansprechen. Innerhalb des Parteiensystems gab es für sie kaum ernsthafte Konkurrenz. Dabei stellte sich die große und heterogene Gruppe der potentiellen Wähler auch als Herausforderung dar, was sich in permanenten Führungs- und Flügelkämpfen äußerte. So blieb die Führungsrolle, die die CSU nach den Wahlen 1946 in Bayern innehatte, auch abhängig von der Lizensierungspolitik der amerikanischen Besatzungsmacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 167-168.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die CSU in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ende der amerikanischen Lizensierungspraxis erhielten die CSU und die SPD ab 1948 politische Konkurrenz. Im Fall der CSU war dies insbesondere die ab 1946 auf kommunaler und ab 1948 auf Landesebene lizensierte Bayernpartei. Für die SPD waren es die ab 1950 gegründeten Flüchtlingsparteien, deren Lizensierung die Militärregierung zuvor abgelehnt hatte. Nach dem verlorenen Krieg herrschende wirtschaftliche und soziale Probleme begünstigten zudem die Gründung von Regional- und Protestparteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 169.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Landrat Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Landrat Heinrich Stulberger 1949 beim Wasserburger Heimatfest.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Organisationsaufbau der CSU ging auch nach den Wahlerfolgen im Jahr 1946 besonders auf dem Land nur schleppend voran. Hinzu kamen pausenlosen Diskussionen um die Ausrichtung der Partei mit anhaltenden Flügelkämpfen. Mit der von Ludwig Max Lallinger ins Leben gerufenen Bayernpartei erhielt die CSU eine gefährliche Rivalin im Kampf um die bürgerlich-konservative Wählerschaft. Bereits bei den Kommunalwahlen im April 1948 konnte die Bayernpartei besonders im Regierungsbezirk Oberbayern viele ehemalige CSU-Wähler für sich gewinnen. Auch angesehene Politiker wie der ehemalige Landwirtschaftsminister Joseph Baumgartner verließen die CSU zu Gunsten der Bayernpartei, was dieser wiederum Prestige einbrachte. Im Landkreis Wasserburg erhielt die Bayernpartei bei den Kommunalwahlen 1948 die stimmliche Mehrheit und ihr Kandidat Heinrich Stulberger – ebenfalls ein ehemaliger CSU-Politiker – wurde zum Landrat gewählt. Besonders schmerzlich für die Wasserburger CSU muss die Tatsache gewesen sein, dass Stulberger 1945 zu ihren 25 Gründungsmitgliedern gehört hatte. Gemeinsam mit der Union der Ausgewiesenen, mit der sie vor der Wahl eine Listenverbindung eingegangen war, konnte die CSU jedoch zumindest ihre Position als stärkste Fraktion im Wasserburger Kreistag behalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 175-176.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele CSU-Mitglieder verließen ihre Partei in der Hoffnung auf eine schnellere politische Karriere bei der Bayernpartei. Einige waren zuvor mit ihren Ambitionen bei der CSU gescheitert, wie auch der Sägewerksbesitzer Andreas Schachner, der zum Fraktionsvorsitzenden der Bayernpartei im Kreistag des Landkreises Wasserburg gewählt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Daneben gelang es der Bayernpartei bis zum Frühjahr 1948, eine ganze Reihe von Bürgermeistern der kreisangehörigen Gemeinden, die zuvor für die CSU kandidiert oder keiner Partei angehört hatten, zum Eintritt zu bewegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem profitierte die Bayernpartei gegenüber der CSU von einer größeren Homogenität in der politischen Ausrichtung ihrer Mitglieder. Solange die Bayernpartei keine Regierungsverantwortung trug, mussten ihre Vertreter in öffentlichen Aussagen und Wahlversprechen keine Rücksicht auf den nach Kriegsende herrschenden Mangel, bestehende Ablieferungsverpflichtungen oder die Integration von Flüchtlingen nehmen. Diese Themen hemmten hingegen die CSU, die den Ministerpräsidenten stellte. Viel einfacher hatte es da die Bayernpartei, die die nach Kriegsende herrschenden Probleme auf die Politik der CSU zurückführen und sich als eine Protestpartei der Einheimischen präsentieren konnte. Zu einem ersten Kräftemessen zwischen den beiden Parteien in ganz Bayern kam es bei der Bundestagswahl im Jahr 1949.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177-178.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wahlkampf setzte die Bayernpartei auf stark inszenierte Veranstaltungen, bei denen die Redner radikale Thesen vertraten. Beispielsweise beschuldigte man Preußen, Bayern ‚ins Verderben‘ geführt zu haben und forderte einen selbstständigen bayerischen Staat. Darüber hinaus wendete sich die Bayernpartei mit großer Polemik gegen die Neubürger oder auch gegen ihre direkte politische Konkurrenz. Im Landkreis Wasserburg kam es zu diffamierenden Angriffen von Seiten der Bayernpartei gegen führende Persönlichkeiten der CSU. Bedingt durch ihre Regierungsverantwortung konnte sich die CSU nicht mit gleicher Polemik zur Wehr setzen, zumal einige CSU-Politiker auch ein Bündnis mit der Bayernpartei in Erwägung zogen und damit wiederum für parteiinterne Diskussionen sorgten. Im Landkreis Wasserburg richtete sich die CSU in ihren Wahlkampfveranstaltungen ohnehin mehr gegen SPD und KPD. Klar sprach man sich jedoch gegen die von der Bayernpartei geforderte bayerische ‚Abspaltung‘ aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 181-183.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Wahlkampf zur Landtagswahl 1950 befand sich die CSU gegenüber der Bayernpartei in der Defensive. Die Wasserburger CSU musste zudem auf ihre Führungspersönlichkeit Max Zwicknagl verzichten, der aus dem bayerischen Landtag in den Frankfurter Wirtschaftsrat gewechselt war und sich aus dem politischen Geschehen im Landkreis mehr und mehr zurückzog.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die CSU 1949 mit 29,2 Prozent der Stimmen stärkste Kraft in Bayern wurde und die Bayernpartei (20,9 Prozent) wie die SPD mit 22,7 Prozent hinter sich ließ, war ihr Wahlergebnis, verglichen mit den vorherigen, alarmierend. Besonders im Landkreis Wasserburg hatte die CSU schlecht abgeschnitten, die Bayernpartei war hier als stärkste Partei hervorgegangen. Anders als die Bayernpartei, die in einzelnen Regierungsbezirken besondere Erfolge erzielen konnte, blieb die CSU jedoch eine gesamtbayerische Partei, die in allen sieben Regierungsbezirken verankert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1950 erlitt die CSU mit 27,4 Prozent der Stimmen erneut eine Niederlage. Im Landkreis Wasserburg hatten nur noch 25,6 Prozent der Wähler ihr ihre Stimme gegeben, was einen Verlust um einen Prozentpunkt im Vergleich zu 1949 bedeutete. Diese Entwicklung kann im Landkreis Wasserburg mit der direkten Konkurrenz der Bayernpartei begründet werden. In 49 der 62 zum Landkreis gehörenden Gemeinden war die Bayernpartei bereits bei den Bundestagswahlen 1949 stärkste Kraft geworden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Der Landkreis Wasserburg am Inn stellte mit seiner bäuerlichen Prägung und seiner in der großen Mehrheit katholischen Bevölkerung geradezu den Archetyp der altbayerischen Hochburgen der Bayernpartei dar.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kreisstadt selbst wurde die Bayernpartei 1950 auf den zweiten Platz verwiesen. Die stärkste Partei wurde hier allerdings nicht die CSU, sondern die SPD. Das Wahlverhalten der Bewohner der einzelnen Gemeinden in der Vergangenheit hatte auch einen Einfluss darauf, ob eine Gemeinde zur CSU oder zur Bayernpartei tendierte. In Kommunen, in denen die BVP ihre besten Resultate erzielt hatte, schnitt auch die CSU gut ab. Stimmen verlor sie vor allem in Regionen, in denen sich ehemalige Hochburgen des Bayerischen Bauernbundes befanden. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1952 wurden freie Wählergruppen zu einer zusätzlichen Konkurrenz der CSU im Landkreis Wasserburg. Auch gelang es der CSU nicht, mit Karl Deggendorfer das Bürgermeisteramt in der Kreisstadt für sich zu gewinnen. Mit nur 27,3 Prozent der Stimmen musste er sich gegen den amtierenden SPD-Bürgermeister Gabriel Neumeier geschlagen geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192-196.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Trendwende für die CSU brachte die Wahl zum Zweiten Deutschen Bundestag im September 1953. Die Bayernpartei erreichte mit rund neun Prozent ein um über zehn Prozentpunkte schlechteres Ergebnis als bei der ersten Bundestagswahl. Sie konnte nicht in das Bonner Parlament einziehen und sank zu einer reinen Landespartei herab. Als eindeutige Wahlsiegerin ging die CSU hervor. So war es auch im Landkreis Wasserburg. Die Bayernpartei musste sich in einer ihrer einstigen ‚Hochburgen‘ mit nur 25,7 Prozent der Stimmen zufrieden geben, während die CSU 45,7 Prozent erhielt. In 52 der 62 zum Kreis gehörenden Gemeinden setzte sich die CSU als stärkste Partei durch. Dieser für viele Zeitgenossen unerwartete Wahlerfolg kann einerseits mit der großen Popularität von Bundeskanzler Konrad Adenauer begründet werden, hinter den sich die CSU trotz aller internen Streitigkeiten stellte. Für viele Wähler bedeutete die CSU den Fortbestand der Kanzlerschaft Adenauers. Obwohl sich die Bayernpartei in Ermangelung einer Alternative auch für Adenauer aussprach, befand sich die CSU diesbezüglich in der besseren Position. Sie betonte, dass eine Zersplitterung des bürgerlichen Lagers allein der SPD zugute kommen könne.  Einen weiteren Erfolgsfaktor im Wahlkampf bildete darüber hinaus der große Einsatz von Bundestagskandidat Josef Bauer&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Bauer, geboren 1915 in der Stadt Wasserburg, stammte aus der Familie der Molkereibesitzer Bauer. Bereits 1937 stand er, bedingt durch den frühen Tod des Vaters, der Molkerei vor. Als gläubiger Katholik zeigte sich Bauer dem Nationalsozialismus gegenüber reserviert, geriet mit dem Regime jedoch nicht in Konflikt. Den Einsatz im Zweiten Weltkrieg und die anschließende Gefangenschaft überstand er unversehrt. Nachdem Bauer die Molkerei nach Kriegsende saniert hatte, trat er 1951 in die CSU ein und saß 1953 für diese im Wasserburger Stadtrat. Durch seine rhetorische Begabung und sein taktisches Geschick machte sich Bauer in der Partei bald unentbehrlich. Er erwies sich als idealer Repräsentant des Bundeswahlkreises. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 209-210.&amp;lt;/ref&amp;gt; ,der eine große Anzahl von Wahlauftritten absolvierte. Von der Wahlniederlage der Bayernpartei überrascht, traten einige ihrer Funktionäre zur CSU über und es vollzog sich erneut ein Personalwechsel zwischen den beiden Parteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 203-208.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karl Neuburger.jpg|200px|thumb|right|Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg Karl Neuburger.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bauer gehörte zu den jungen Männern, die 1953 einen Generationswechsel bei der CSU in vielen bayerischen Landkreisen einleiteten. Oft verbanden sie die gleichen Erfolg versprechenden Eigenschaften. Sie hatten prägende Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit gesammelt. In den Regionen in denen ihre politischen Karrieren begannen, waren sie tief verwurzelt und auch nach einem Wechsel nach München oder Bonn blieben sie diesen verbunden. Im Hinblick auf ihre soziale Stellung in der Gesellschaft ähnelten sie sehr den klassischen Honoratioren der CSU, deren Nachfolge sie antraten. Mit ihnen hatte die ‚neue Generation‘ die Verwurzelung im christlichen Glauben und dem landwirtschaftlichen Verbandswesen gemeinsam. Allerdings zeichneten sich die jungen CSU-Politiker durch ihre moderne Einstellung und einen dadurch beeinflussten Politikstil aus. Ihnen gelang es den Organisationsapparat der Partei auszubauen und zu reaktivieren. Sie erweiterten den bisher hauptsächlich auf den Wahlkampf konzentrierten politischen Dialog mit der Bevölkerung um Veranstaltungen und Sprechstunden und trugen damit auch zu einer stärkeren Demokratisierung des politischen Prozesses bei. Auch das innerparteiliche Klima  wurde durch sie ausgeglichener. Im Jahr 1955 wurde Franz Xaver Köck in seinem Amt als Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg von Karl Neuburger&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Neuburger initiierte eine Anzahl von Neugründungen von CSU-Ortsverbänden im Landkreis, bei denen er besonders eng mit den jeweiligen Pfarrern zusammen arbeitete. Durch diese Parteireform wuchs auch die Zahl der Parteimitgliederzahl im Landkreis. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 218-219. &amp;lt;/ref&amp;gt; abgelöst, der sich mit Josef Bauer optimal ergänzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 212-215.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Simon Hangl stellte die CSU 1957 einen nebenberuflichen Geschäftsführer für den Bundeswahlkreis ein, zu dem auch der Landkreis Wasserburg gehörte. Durch ihn sollte Karl Neuburger entlastet werden, der nicht nur Kreisvorsitzender im Landkreis Wasserburg war, sondern Josef Bauer auch in den anderen beiden zum Bundeswahlkreis gehörenden Landkreisen (Altötting und Mühldorf am Inn) den Rücken frei hielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 229-230.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedingt durch die nun voranschreitende Organisation der Partei und den Generationenwechsel konnte die CSU auch in den Jahren nach 1955 bayernweit Wahlerfolge erzielen. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1956 zeigte sich, dass die CSU besonders dort, wo sie über einen funktionierenden Ortsverband verfügte, gute Wahlergebnisse erhielt. Mit den in Bayern erzielten 57,2% knüpfte die CSU bei der Bundestagswahl im Jahr 1957 erstmals wieder an ihre Wahlergebnisse von 1946 an. Die Bayernpartei musste dagegen große Stimmenverluste hinnehmen. Ausschlaggebend für diesen Erfolg waren unter anderem die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Entwicklung Westdeutschlands unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und das neue Grundsatzprogramm, mit dem sich die CSU 1957 selbst auf die Höhe der Zeit brachte. Auch die Ausstattung der Bundeswahlkreisgeschäftsstellen wurde vor dem Wahlkampf in den ländlichen Regionen verbessert. So verfügte das Sekretariat in Wasserburg schließlich über ein langersehntes Auto und einen Filmprojektor zum Abspielen des eigens für die CSU angefertigten, psychologisch äußerst geschickt komponierten Werbefilms.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 234-238.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bayernpartei verlor im Laufe der 1950er Jahre schnell an Dynamik und Attraktivität. Im Jahr 1954 ergriffen ihre Vertreter die verzweifelte Maßnahme sich mit der SPD, der FDP und dem BHE&amp;lt;ref&amp;gt;BHE steht für den Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten. Die politische Vereinigung vertrat die Interessen einer durch Krieg, Flucht und Vertreibung gezeichneten Gesellschaftsschicht. Da ihre inhaltlichen Schwerpunkte die Sozial- und Flüchtlingspolitik waren, verstärkte eine Koalition mit ihr die Unglaubwürdigkeit der Bayernpartei für ihre Stammwählerschaft zusätzlich. Vgl. Daniel Schönwald, Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikonbayerns.de/Lexikon/Block_der_Heimatvertriebenen_und_Entrechteten_(BHE)#Inhaltliche_Schwerpunkte_in_Bayern (21.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; in einer ‚Viererkoalition‘ gegen die CSU zu verbünden. Dabei wurde sie für ihre Wählerschaft immer unglaubwürdiger, wenn sie versuchte, sich als einzige Bewahrerin bayerischer Tradition zu präsentieren, aber gleichzeitig mit der SPD koalierte. Auch existierten viele Zukunftsängste und materielle Nöte, die sich die Bayernpartei zunächst als Protestbewegung hatte zunutze machen können innerhalb der nun vom ‚Wirtschaftswunder‘ beflügelten Bevölkerung nicht mehr. Viele ihrer einstigen Spitzenpolitiker wechselten von der Bayernpartei zur CSU. Schließlich verschwand die Bayernpartei genauso rasch von der politischen Bildfläche, wie sie zehn Jahre zuvor aufgetaucht war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 244-245.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen herben Rückschlag musste die CSU im Landkreis Wasserburg jedoch bei den Landrats- und Landtagswahlen im Jahr 1958 hinnehmen. Sie versuchte zunächst vergeblich den amtierenden Landrat Heinrich Stulberger (Bayernpartei) von einer Kandidatur auf der CSU-Liste oder zumindest zu einem gemeinsamen Vorschlag von CSU und Bayernpartei zu überzeugen. Notgedrungen präsentierte sie dann den völlig unbekannten Oberregierungsrat Hans-Georg Mayer aus München als Landratskandidaten. Die Popularität des Landrates war schließlich ausschlaggebend dafür, dass Stulberger mit 77,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt wurde, während Mayer enttäuschende 22,7 Prozent erhielt. In der Folge drohte der Kreisvorsitzenden Karl Neuburger mit seinem Rücktritt und es kam zu Auflösungserscheinungen in einigen CSU-Ortsverbänden. Diese Niederlage im Landkreis Wasserburg war jedoch nicht repräsentativ für die Landratswahlen von 1958, bei denen die CSU bayernweit betrachtet sehr erfolgreich war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 250-251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die SPD in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heimatfest 1949 mit Kriegisch und Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Josef Kriegisch (Erster von links) beim Wasserburger Heimatfest 1949.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Landkreis Wasserburg war einer der wenigen bayerischen Landkreise, in denen die SPD bei den Landtagswahlen 1946 Zugewinne verbuchen konnte. Es gelang ihr, sich dauerhaft als Vertretung der Flüchtlinge und Vertriebenen im Landkreis zu etablieren. Dabei bemühte sich die Partei gezielt um die Neubürger und stellte die Lösung des Flüchtlingsproblems ins Zentrum des Bundestagswahlkampfes von 1949. Um diese zu erreichen, wollte die SPD Fürsorgeleistungen verbessern und Arbeitsplätze schaffen sowie für einen gerechten Lastenausgleich sorgen. Unter den Politikern der SPD befanden sich beispielsweise mit Volkmar Gabert&amp;lt;ref&amp;gt;Volkmar Gabert wurde 1923 in der Tschechoslowakei geboren und musste 1938 mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten nach England fliehen. 1946 kam er nach München, wo er sich durch die soziale Betreuung von Heimatvertriebenen einen Namen machte. In der SPD stieg er schnell auf. Ab 1950 gehörte er dem bayerischen Landtag an, 1958 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion. 1963 wurde er Landesvorsitzender der SPD in Bayern. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 261-262.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Josef Kriegisch&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Kriegisch konnte sich 1950 mit großer Mehrheit als Kandidat der SPD für die Landtagswahl 1950 durchsetzten. Wie Volkmar Gabert war er 1923 in der Tschechoslowakei geboren. Beim Kriegseinsatz an der Ostfront wurde er 1943 schwer verwundet und verlor ein Bein. Nach einem Aufenthalt im Lazarett studierte Kriegisch in Wien Jura. Nachdem seine Mutter aus der Tschechoslowakei ausgewiesen worden war, übersiedelte er nach Wasserburg. Er fand eine Anstellung als Verwaltungsjurist im Landratsamt und trat in die SPD ein, für die er nicht nur die Heimatvertriebenen, sondern auch die Kriegsversehrten repräsentieren konnte. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 262.&amp;lt;/ref&amp;gt; auch Personen die selbst Flucht und Vertreibung erfahren hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 258-261.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gelang es der SPD in den 1950er Jahren nicht, in den ländlichen Regionen Bayerns Fuß zu fassen. In der öffentlichen Meinung galt sie vielerorts noch als ‚kirchenfeindlich‘, was es der Partei besonders in den katholisch geprägten Landesteilen schwer machte. Ungeschickte gegen die Kirche gerichtete Äußerungen, beispielsweise von Parteichef Kurt Schumacher, verstärkten diese Skepsis noch und lieferten CDU und CSU eine willkommene Angriffsfläche. Die Kirche ihrerseits rief die Gläubigen dazu auf, nur einer christlich ausgerichteten Partei ihre Stimmen zu geben. Auch der in Westdeutschland beinahe allgegenwärtige Antikommunismus schadete den Sozialdemokraten besonders auf dem Land. Die politischen Gegner nutzten diese Stimmung und versuchten die SPD gezielt als Partei des Kommunismus zu stilisieren. Und für viele mit dem unter Bundeskanzler Adenauer erzielten ‚Wirtschaftswunder‘ Zufriedene klang der Wunsch der SPD nach Wirtschaftsplanung und Sozialisierung der Schlüsselindustrien zu sehr nach einer Planwirtschaft sowjetischen Typs. Das von der SPD propagierte Agrarprogramm fand in ländlichen Gegenden ebenso keine große Zustimmung, da es besonders für die Konsumenten und nicht für die Produzenten landwirtschaftlicher Produkte Verbesserungen vorsah. Die Lebensbedingungen der Bauern spielten darin keine Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 263-267.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stärker als die CSU griff die SPD bei der Finanzierung ihrer Parteiarbeit auf Mitgliederbeiträge zurück. Der Verlust von Mitgliedern wirkte sich somit besonders negativ auf die Finanzkraft der Partei aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 271-273.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die wachsenden Ausgaben für den Wahlkampf bedeuteten für die SPD eine größere Herausforderung als für die CSU, die auf großzügige Spenden aus der Industrie hoffen konnte. Daneben brachte auch das Kassieren der Mitgliederbeiträge Probleme mit sich. Gezahlt wurde nicht per Bankeinzug oder Überweisung sondern persönlich bei einem zur Vorstandschaft des jeweiligen Ortsvereins gehörenden Kassier. Die SPD versuchte ihre dauerhaft schlechte finanzielle Situation durch eine Zentralisierung der Organisation auf allen Ebenen in den Griff zu bekommen. Kleine Geschäftsstellen sollten verschwinden und ganze Bezirke wurden für die Parteiarbeit miteinander fusioniert. So wurde aus den SPD-Bezirken Oberbayern und Schwaben der Bezirk Südbayern, was wiederum Probleme und Eifersüchteleien zur Folge hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 274-275.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ausdünnung des Parteiapparates aus finanziellen Gründen ging auf Kosten der ländlichen Regionen, da sich die Bezirkssekretariate nur noch in den urbanen Zentren wie München oder Nürnberg befanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;So stärkte die organisatorische Entwicklung der SPD in den fünfziger Jahren einseitig die städtischen Hochburgen, während sie die Probleme in der ländlichen Diaspora noch verschärfte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Schwäche auf dem Land zeigte sich auch im Wahlkampf, in dem es der SPD schwer fiel, die wenigen Stammwähler zu mobilisieren und neue Stimmen hinzuzugewinnen. Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Bundestagswahl 1949 und der Landtagswahl 1950 stand für die SPD fest, dass sie in Bayern nicht ohne einen Zugewinn in den landwirtschaftlich geprägten Regionen Fuß fassen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Abwanderung vieler Flüchtlinge und Vertriebener in Regionen, in denen sich ihnen bessere Verdienstmöglichkeiten boten, verlor die SPD auf dem Land wichtige Wähler und Parteimitglieder. Und nicht nur die Aussicht auf eine gut bezahlte Arbeit veranlasste viele Neubürger dazu, dem Land den Rücken zu kehren. Flüchtlingen, die noch dazu der SPD angehörten, schlug dort immer wieder Geringschätzung entgegen. Aber auch die einheimischen SPD-Mitglieder hatten es nicht einfacher. So hatte die Partei in den gesamten 50er Jahren Schwierigkeiten bei der Anmietung von Vereinslokalen im ländlichen Raum. Aus Angst um den Arbeitsplatz wagten manche Sympathisanten den Eintritt in die SPD nicht. Auf Anfeindungen reagierten betroffene Ortsvereine mit einer starken Abschottung von der Außenwelt. Ihren Mitgliedern boten sie dagegen vielerorts ein umfangreiches Betätigungsfeld. Die SPD wurde damit eine Alternative zu den dörflichen und kleinstädtischen Vereinen, zu denen Parteimitgliedern der Zutritt oft verwehrt blieb. Auch wenn die SPD damit ihren Mitgliedern ein Gefühl der Zugehörigkeit gab, blieb sie durch die Abschottung vom ländlichen Umfeld für viele eine &#039;&#039;fremde Partei&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 290-292.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Juliane Günther}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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		<title>Ernährungslage</title>
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		<updated>2019-03-31T16:14:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Manuel Schwanse|Manuel Schwanse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Manuel Schwanse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Versorgungskrise und die Hungererfahrungen der Wasserburger Bevölkerung (1945 – 1950)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Menschen sorgten sich in den ersten Nachkriegsjahren vor allem um die Herausforderungen des Alltags.&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Beitrag fußt auf Manuel Schwanse, Die Ernährungslage in  Bayern 1945 – 1950 unter besonderer Berücksichtigung des Landkreises Wasserburg a. Inn. Arbeit des 1. Preisträgers des wissenschaftlichen Wettbewerbes local History &amp;amp; History of Arts der Stadt Wasserburg am Inn, 2016. Der Beitrag ist im Angebot [https://www.wasserburg.de/stadtarchiv/vermittlungsarbeit/publikationen/ Siegerarbeiten des Städtischen Geschichtswettbewerbs] digital verfügbar. [https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Stadtarchiv/Vermittlungsarbeit/Masterarbeit_Druck.pdf Hier gelangen Sie direkt zum Digitalisat].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Probleme des täglichen Überlebens, wozu neben Hunger auch Wohnungsnot, Mangel an Kohle, Wasser und Elektrizität und andere Entbehrungen gehörten, wurden zu einer prägenden und kollektiven Grunderfahrung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.&amp;lt;ref&amp;gt;Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, 2006, 30–31./ Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, 2009, 25./ Andreas Wirsching, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, 2011, 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungskrise kam nach dem Krieg und den damit verbundenen Menschenverlusten, Zerstörungen und Vertreibungen obendrein noch dazu. In ländlich geprägten Gebieten wie Wasserburg a. Inn war die Versorgungslage besser als in den großstädtischen Ballungszentren.&amp;lt;ref&amp;gt;Conze, Die Suche nach Sicherheit (wie Anm. 2), 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Je urbanisierter eine Region war, desto schlechter war dort in der Nachkriegszeit die Ernährungslage. Typische Hungererfahrungen und Verhaltensweisen der Menschen in der Nachkriegszeit zeigten sich jedoch unabhängig von der Schärfe der Ernährungskrise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Bewirtschaftungs- und Rationierungssystem ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende August 1939 hatten die Nationalsozialisten ein komplexes Rationierungssystem eingerichtet und kurz vor dem Überfall auf Polen wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, 196.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gut durchdachte Rationierungssystem wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht empfunden und funktionierte fast bis zum letzten Kriegstag. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 brach das Ernährungs- und Versorgungssystem in Deutschland vollends zusammen. Als die Importe aus den besetzten Gebieten nach Kriegsende stoppten und zudem die landwirtschaftlichen Überschussgebiete östlich von Oder und Neiße verloren gingen, nahm die Hungerkrise ihren Lauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Schlange-Schöninngen (Hg.), Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945-1949, bearb. v. Justus Rohrbach, 1955, 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Versorgungsverwaltung griff man im Wesentlichen auf die Strukturen des von den Nationalsozialisten aufgebauten Versorgungssystems zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Rainer Gries, Die Rationen-Gesellschaft. Versorgungskampf und Vergleichsmentalität: Leipzig, München und Köln nach dem Kriege, 1991, 21–28./ Paul Erker, Ernährungskrise und Nachkriegsgesellschaft. Bauern und Arbeiterschaft in Bayern 1943–1953, 1990, 36–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ernährungswirtschaft wurde zwischen 1939 und 1950 von zwei Säulen getragen: Dem Bewirtschaftungssystem, welches die Landwirtschaft reglementierte und dem Rationierungssystem, das die Verbraucher mit Lebensmitteln versorgte. Dabei wurden Lebensmittel mit Hilfe von Bezugsscheinen aufs Gramm genau an die Menschen verteilt. Innerhalb der ‚Rationen-Gesellschaft‘ der Nachkriegszeit kann eine Differenzierung vorgenommen werden: So gab es die Selbstversorger, deren Anteil in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg a. Inn größer war als beispielsweise in München und die in der Regel den besten Lebensstandard hatten, da sie dem staatlichen Zuteilungssystem nicht unmittelbar unterworfen waren. Innerhalb der schlechter versorgten Gruppe der Normalverbraucher gab es eine Altersstaffelung. Das komplexe Verteilungssystem wurde durch Zulagekarten für bestimmte Gruppen weiter ausdifferenziert: Arbeiter, Kranke, Alte und Schwerbeschädigte, werdende und stillende Mütter, politisch Verfolgte und ehemalige KZ-Häftlinge erhielten Lebensmittelzulagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hungerkrise in Bayern und Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versorgungslage in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch des ‚Dritten Reiches‘ war katastrophal. Im Juni 1945 wurden in Bayern an Normalverbraucher 1.043 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer vom 7. Juni 1945 an den Schweizer Konsul Dr. Frei, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 41 (=Lebensmittelversorgung 1944–1945).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwar versprachen Amerikaner und Briten dem Länderrat im Dezember 1945, 1.550 Kalorien sicherzustellen&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;, doch konnte dieser Kaloriensatz nicht eingehalten werden. So wurden zum Beispiel in München im Sommer 1946 920 Kalorien pro Kopf verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jakob Kock/Manfred Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Manfred Treml (Hg.), Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, 2006, 391–515, hier 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der US-Zone musste der Normalverbraucher &#039;&#039;mit einer durchschnittlichen Tagesration von einem halben Teelöffel Zucker, einem fingernagelgroßen Stück Fett, Fleisch in der Größe eines Radiergummis, zwei Kartoffeln, einer Prise Kaffee-Ersatz und einem Schluck Magermilch auskommen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch schlimmer stellte sich die Ernährungslage im Ruhrgebiet oder auch in Leipzig dar, wo bisweilen ‚Friedhofsrationen‘ um 800 Kalorien pro Tag verteilt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990, 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein amerikanischer Arzt empfahl in einem Gutachten ein tägliches Nahrungssoll von 2.600 Kalorien für den erwachsenen Normalverbraucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Margot Fuchs, „Zucker, wer hat? Öl, wer kauft?“. Ernährungslage und Schwarzmarkt in München 1945–1948, in: Friedrich Prinz (Hg.), Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbrauch 1945–1949, 1984, 312–319, hier 313.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert wurde in München und anderen deutschen Großstädten nie erreicht. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte das Jahr 1947 dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verantwortlich dafür war vor allem der Winter 1946/1947, der als einer der härtesten des gesamten Jahrhunderts gilt, bereits Mitte Dezember einsetzte und bis März 1947 andauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konrad Adenauer schrieb am 10. Dezember 1946 in einem Privatbrief: &#039;&#039;Ich hoffe, daß der größte Teil des deutschen Volkes diesen Winter übersteht. Aber die Verhältnisse sind sehr ernst und sehr traurig…&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen April und Juni 1947 wurden in fast allen Teilen der Bizone nur zwischen 850 und 1.050 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 95.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der katastrophalen Ernährungslage kam es im Mai 1947 in mehreren bayerischen Betrieben zu Hungerstreiks.&amp;lt;ref&amp;gt;Kock/Treml, Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg (wie Anm. 10), 430.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu allem Überfluss folgte auf den Jahrhundertwinter ein Jahrhundertsommer. Der August 1947 galt als trockenster Monat der vergangenen hundert Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Frust der Bevölkerung über die anhaltende Versorgungskrise entlud sich im Frühjahr 1948 in einer neuen Streik- und Protestwelle, die praktisch die ganze Bizone umfasste. So befanden sich in Bayern am 22. und 23. Januar 1948 etwa eine Million Arbeiter im Generalstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1948/1949 besserten sich die Ernährungslage und die Agrarproduktion. Verantwortlich dafür waren der Marshallplan, die Währungsreform und die günstige Witterung.&amp;lt;ref&amp;gt;Schlange-Schöningen, Im Schatten des Hungers (wie Anm. 5), 186–187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnten im Juni 1948 noch 1.535 Tageskalorien ausgegeben werden, waren es im September immerhin 1.845 und im Mai 1949 gar 2.350.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 185–186.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Monaten nach der Währungsreform wurden die Bewirtschaftungsvorschriften langsam gelockert und einige Lebensmittel von der rationierten Verteilung befreit. Im Frühsommer 1949 konnte ein großer Teil der Lebensmittel frei und ohne Marken gekauft werden.  Das vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäße Bewirtschaftungssystem wurde von der Marktwirtschaft abgelöst. Am 30. April 1950 endete in der Bundesrepublik Deutschland nach elf Jahren endgültig das Rationierungssystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den unmittelbaren Nachkriegsmonaten war die Situation auch in Wasserburg katastrophal. Nach einem Monatsbericht der amerikanischen Militärregierung im Kreis Wasserburg wurden zwischen dem 25. Juni und dem 22. Juli 1945 Hungerrationen von gerade einmal 654 Kalorien pro Tag ausgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn November 1945, undatiert, Institut für Zeitgeschichte (IfZ), RG 260, 10/78-2/5 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Wert steigerte sich im nächsten Monat auf immer noch völlig unzureichende 947 Tageskalorien. Erst ab November besserte sich die Lage. Als Folge der Mangelernährung im letzten Kriegsjahr und der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte die Militärregierung in ihrem Jahresbericht 1945 einen deutlichen Gewichtsverlust und einen generell schlechten Gesundheitszustand bei der Wasserburger Bevölkerung fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Verlaufe des Jahres 1946 besserte sich die Situation. Die Ernährungslage im Landkreis Wasserburg war wesentlich entspannter als beispielsweise in München. Wenn etwas fehlte, waren es vor allem minder wichtige Erzeugnisse wie Marmelade, Fruchtsäfte oder Zucker. Ein Grund dafür ist sicherlich der hohe Anteil an Selbstversorgern im agrarisch geprägten Landkreis Wasserburg a. Inn. Von 54.000 im Landkreis lebenden Personen waren im August 1946 23.000 als Selbstversorger eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Wasserburg a. Inn vom 29.8.1946 an den Regierungspräsidenten in München, StAM, Ernährungsämter B 365 (=Allgemeiner Schriftwechsel des Ernährungsamtes Abt. B mit dem Landrat (Berichte über die Ernährungslage) und sonstigen Dienststellen 1945–1950).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Quote an Selbstversorgern übertrifft den Anteil an  der gesamtdeutschen (14%) und auch an der bayerischen (25%) Bevölkerung deutlich. Demnach war auch die amerikanische Militärregierung der Ansicht, dass die Wasserburger Bevölkerung keinen Grund habe, sich über die Ernährungslage zu beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.10.1946 – 31.12.1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch konnten eben nicht alle Wasserburger der Gruppe der Landwirte und ihrer Angehörigen zugerechnet werden. Vor allem die Kinder der Normalverbraucher hatten unter der Unterernährung zu leiden. Im April des Katastrophenjahres 1947 verschärfte sich die Situation in Wasserburg genauso wie in ganz Bayern dramatisch. Im Mai erhielt der erwachsene Normalverbraucher nur noch fünf Kilogramm Brot, das waren pro Tag gerade einmal 167 Gramm. Zudem konnten in der nächsten Zuteilungsperiode auch die festgesetzten Rationssätze für Kartoffeln nicht ausgegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 20.6.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war insofern höchst problematisch, als Brot und Kartoffeln die beiden hauptsächlichen Kalorienträger waren. Die Verzweiflung der besorgten und entkräfteten Wasserburger Bevölkerung zeigt sich in zahlreichen Schreiben an das Ernährungsamt. So wandte sich ein Bürger im Juni 1947 mit der Bitte an das Ernährungsamt, ihm eine Bezugsquelle für Kartoffeln bekannt zu geben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;Wissen die Herren vom Ernährungsamt, was das für eine Frau heisst, wenn sie für 6 Personen kochen soll und keine Kartoffeln hat? Der Kartoffelvorrat bei uns dürfte nur noch für wenige Tage reichen und was dann? Dabei sind doch die anderen Zuteilungen an Brot, Fett, Nährmittel udgl. so gering, dass man ein Hungerkünstler sein muss, um davon leben zu können.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter B 343 (=Zuteilung von Lebensmittelkarten an Kranke, Flüchtlingslager usw.; Ordnungsstrafen wegen Schwarzschlachtungen u.a. (alphabetisch nach Namen) 1945–1949).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Ernährungsamtes fiel für den betroffenen Wasserburger und seine Familie ernüchternd aus: Zwar habe man sich für ihn bemüht, doch musste man feststellen, dass bei Erfassungsbetrieben und Verteilern keine Kartoffeln mehr vorhanden waren. Die Lage auf dem Kartoffelmarkt in Wasserburg sei gegenwärtig katastrophal.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 2.7.1947 an Karl Gottwald, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dank einer frühzeitigen Kartoffelernte besserte sich die Ernährungslage im Landkreis im September 1947.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. Wasserburg a. Inn vom 22.9.1947 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Währungsreform ging es in Stadt und Landkreis Wasserburg wirtschaftlich und ernährungsmäßig aufwärts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Versorgung der Fremden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in der Nachkriegszeit von ‚Fremden‘ spricht, geht es in der Regel um drei Gruppen von Personen: Die ‚Displaced Persons‘, die Evakuierten und die Flüchtlinge/Vertriebenen. Als ‚Displaced Persons‘ werden ausländische Fremdarbeiter und Zwangsverschleppte bezeichnet, die sich als Hinterlassenschaft der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg nach Kriegsende noch in deutschen Gebieten aufhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951, 1985, 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die meisten von ihnen kamen aus osteuropäischen Ländern. Im August 1945 waren in Westdeutschland über sechs Millionen DPs. Auch in Wasserburg lebten in den Lagern Gabersee und Attel viele DPs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1945 waren insgesamt 3.572 DPs einquartiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Anordnung der Militärregierung sollten DPs und ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge eine Verpflegung in Höhe von 2.000 Tageskalorien erhalten. Zweck der Sonderverpflegung war, die begünstigten Personen für die während der NS-Herrschaft erduldeten Ernährungserschwerungen zu entschädigen. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich massiv benachteiligt. So bekamen die in Lagern untergebrachten DPs im Juli 1945 mit 2.027 Kalorien einen mehr als doppelt so hohen Nährwert wie der durchschnittliche deutsche Normalverbraucher (1.020 Kalorien).&amp;lt;ref&amp;gt;Entschließung des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B vom 11.7.1945, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern, Abt. B 54 (=Verpflegung für Ausländer und ehemalige KZ-Häftlinge 1945–1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorfälle wie im DP-Lager in Schongau, wo Lebensmittel weggeschmissen wurden, zwangen die einheimische Bevölkerung zu der Feststellung, &#039;&#039;daß die den Ausländern zugebilligten Rationssätze zu reichlich bemessen sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Landrats von Schongau vom 10.10.1945 an das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern Abt. B, BayHStA, Landesernährungsamt Bayern Abt. B 54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Problematisch für das Verhältnis von Einheimischen und DPs war, dass Letztere nicht nur einen besseren Lebensstandard hatten, sondern sich auch – so zumindest wird es in den Quellen behauptet – massiv am Schwarzmarkt beteiligten. Möglicherweise gab es auf deutscher Seite eine rassistisch und antisemitisch geprägte Realitätswahrnehmung, die den Anteil der deutschen Bevölkerung am Schwarzmarkt und anderen Straftaten herunterspielte oder unterschlug.&amp;lt;ref&amp;gt;Jacobmeyer, Displaced Persons in Westdeutschland (wie Anm. 31), 46–50./ Stefan Mörchen, „Echte Kriminelle“ und „zeitbedingte Rechtsbrecher“. Schwarzer Markt und Konstruktionen des Kriminellen in der Nachkriegszeit, in: Werkstatt Geschichte 42 (2006), 57–76, hier 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beteiligung der DPs am Schwarzmarkt wurde vermutlich durch Gerüchte über das tatsächliche Maß hinaus aufgebauscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Spindler (Begr.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, neu herausgegeben von Alois Schmid. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, 2003, 756.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Millionen Deutsche mussten während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen, um der Zerstörung ihrer Wohnungen und Städte durch die Bombenangriffe der Alliierten zu entgehen. Nach Ende des Krieges saßen die meisten Evakuierten erst einmal in ihren Notquartieren fest. Alleine in Bayern waren es kurz vor Kriegsende beinahe eine Million ‚Entwurzelte‘ und im Juni 1945 noch rund 700.000.&amp;lt;ref&amp;gt;Katja Klee, Im „Luftschutzkeller des Reiches“. Evakuierte in Bayern 1939–1953: Politik, soziale Lage, Erfahrungen, 1999, 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade in den ländlichen Gebieten Oberbayerns wurden besonders viele Heimatlose und Entwurzelte untergebracht. Im Oktober 1945 lebten 9.025 Evakuierte im Landkreis Wasserburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.10.1945 an den Landrat von Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das waren zu diesem Zeitpunkt etwa 18% der Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser großen Zahl von Menschen stellte die Ernährung neben der Wohnraumknappheit das größte Problem dar. Da die Evakuierten anders als die ‚Displaced Persons‘ keine Sonderzuteilungen an Lebensmitteln erhielten, mussten sie mit den Normalverbraucherrationen auskommen. Da diese kaum zum Überleben ausreichten, waren die Evakuierten ebenso wie weite Teile der einheimischen Bevölkerung auf eine illegale Zusatzversorgung angewiesen. Neben der Ernährungs- und Wohnungskrise war es vor allem die unterschiedliche ländliche und bei Evakuierten und Flüchtlingen meist städtische Prägung, die zu schweren Konflikten zwischen Einheimischen und Fremden führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 743.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kam eine generelle Angst vor Überfremdung sowie ein ‚Preußenhass‘. Die Abneigung gegen ‚Preußen‘ hatte in Bayern eine lange Tradition, die durch die Versorgungsproblematik aufs Neue angefacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Landkreis Wasserburg a. Inn war der ‚Preußenhass‘ laut Quellen offensichtlich. So wurden Flüchtlinge am Bahnhof mit einem ‚Preußen sind hier nicht willkommen‘ Schriftzug empfangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Annual Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1945–1946, 30.6.1946, IfZ, RG 260, 10/78-2/5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Versorgung und Unterbringung der DPs und Evakuierten vor dem Hintergrund der Ernährungslage und der Wohnungsknappheit schon ein großes Problem, verschärfte sich die Situation mit Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten weiter. Die meisten der mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen kamen durch die organisierte Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei im Jahre 1946 in Westdeutschland an.&amp;lt;ref&amp;gt;Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte (wie Anm. 37), 742.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis September 1947 stieg der Anteil der Flüchtlinge im Kreis Wasserburg auf 25% an.&amp;lt;ref&amp;gt;Quarterly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn 1.7.1947–30.9.1947, 17.9.1947, IfZ, RG 260, 10/78-3/1 (=Annual, Quarterly and Monthly Historical Reports of Det. E-283 Wasserburg a. Inn).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Zuzug der Flüchtlinge, Evakuierten und DPs zerbrach die traditionelle dörfliche Sozialstruktur und die ländliche Abgeschlossenheit löste sich auf. Zwischenzeitlich betrug der Anteil der Ortsfremden im Landkreis Wasserburg knapp 35%.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Landkreis Wasserburg a. Inn October 1946, undatiert, IfZ, RG 260, 10/78-3/1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Situation der Flüchtlinge war äußerst schwierig. Unter ihnen befanden sich viele Frauen, Kinder sowie alte und kranke Menschen. Insofern waren Flüchtlinge in besonderem Maße von der Nachkriegsarbeitslosigkeit betroffen. Die Ernährungslage war für die Flüchtlinge mindestens genauso prekär, wie für die einheimischen Normalverbraucher. Ein im Kreis Wasserburg untergekommener Flüchtling sah die Einheimischen in einem Versorgungsvorteil gegenüber den Flüchtlingen, denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &#039;&#039;die Einheimischen können sich von der Not, in der die meisten Flüchtlinge leben, gar keine Vorstellung machen, denn die Flüchtlinge haben weder Geld, um etwas auf dem ‚schwarzen Markt‘ kaufen zu können, noch haben sie irgendwelche Sachen wie Wäsche, Kleidung, Haushaltsgegenstände, die sie [zu] Bauern zum Umtausch gegen Lebensmittel tragen können, noch haben sie die ‚guten Beziehungen‘ bei Verwandten und Bekannten, die etwas an Lebensmitteln einträglich sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Karl Gottwald vom 16.6.1947 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Illegale Zusatzversorgung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem offiziellen ernährungswirtschaftlichen Verteilungssystem gab es ein zweites, illegales Kompensationssystem, dem Maßnahmen wie Schwarzmarkthandel, Diebstähle, Fälschung von Lebensmittelmarken und Hamstern zuzurechnen sind. Ein großer Teil der Normalverbraucher war auf die illegale Zusatzversorgung angewiesen, um überleben zu können. Der Schwarzhandel war offiziell verboten, doch beteiligte sich beinahe jeder daran. Im Herbst 1947 schätzte ein leitender Beamter der bizonalen Ernährungsverwaltung, dass 95% der Bevölkerung der Bizone direkt oder indirekt mit dem Schwarzmarkt in Berührung kamen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Schwarzmarkt oder Schwarzhandel wurde der Handel außerhalb der Bewirtschaftungs-, Versorgungs- und Preisbestimmungen verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuchs, Ernährungslage und Schwarzmarkt in München (wie Anm. 13), 316.&amp;lt;/ref&amp;gt; Letztlich wurde die Kleinkriminalität der einfachen Bevölkerung mehr oder weniger geduldet. Dagegen versuchte man massiv gegen die im Hintergrund agierenden Berufsschwarzhändler vorzugehen. Wenn in den Unterlagen des Wasserburger Ernährungsamtes von Schwarzmarkt die Rede ist, dann werden die meist die Juden des DP-Lagers Gabersee als Verantwortliche genannt. Auch der von vielen Selbstversorgern begangene Tatbestand der Schwarzschlachtung war ein Problem. Bei regelmäßigen Viehzählungen mussten die Bauern ihr Vieh anmelden. Das Schlachten war nur erlaubt, wenn ein entsprechender Schlachtantrag genehmigt worden war. Durch Schwarzschlachtungen wollten die Bauern den Beschlagnahmungen zuvorkommen und das Fleisch gewinnbringend verkaufen bzw. gegen Gebrauchsgegenstände eintauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Schwarzmarktaktivitäten gab es auch andere Formen der illegalen Zusatzversorgung wie Hamstern, Eigentumsdelikte, Lebensmittelkartenfälschung oder das Erschleichen von Zusatzkarten. Der Begriff Hamstern wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem für das massenhaft auftretende Phänomen verwendet, sich bei Bauern auf dem Land durch Betteln oder den Tausch von Gebrauchsgegenständen Nahrungsmittel zu beschaffen. Da die Lebensmittel auf diese Weise ohne Bezugsberechtigung in den Besitz genommen wurden, war Hamstern ein Verstoß gegen die Verordnung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu: Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Verbrauchsregelungs-Strafverordnung (Hamstern von Lebensmitteln u.a.), alphabetisch nach Beschuldigten 1943–1949, StAM, Ernährungsämter Abt. B 362–364.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hamsterfahrten aufs Land wurden vor allem von der großstädtischen Bevölkerung getätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 222.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bekämpfung des sogenannten ‚Hamstererunwesens‘ erwies sich allerdings als ähnlich erfolglos wie die des Schwarzmarktes. Bald konzentrierte sich die Polizei darauf, das Hamstern größerer Mengen Ware zu unterbinden, wohingegen das Hamstern weniger Lebensmittel durch arme Bevölkerungskreise nicht geahndet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Präsidiums der Landpolizei von Bayern vom 17.4.1947 an alle Chefdienststellen, alle Schulen, Leiter des Schulwesens, Vizepräsidenten, StAM, Polizeipräsidium Oberbayern 607 (=Bekämpfung des Schwarzhandels (Generalakt) 1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Eigentumsdelikte nahmen in der Nachkriegszeit dramatisch zu. Diese waren eng mit dem Schwarzhandel verbunden, denn Diebesgut war eine der wichtigsten Quellen des Schwarzen Marktes.&amp;lt;ref&amp;gt;Mörchen, Schwarzer Markt (wie Anm. 36), 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Großteil der Eigentumsdelikte lässt sich der Versorgungskriminalität zurechnen, etwa wenn Lebensmittel oder Kohle zum Eigenverbrauch oder zum Verkauf bzw. Tausch auf dem Schwarzmarkt gestohlen wurden. Einbrüche in Ernährungsämter, Kartenausgabestellen und Druckereien waren allgegenwärtig, da Aufwand und Risiko im Verhältnis zum möglichen Gewinn sehr gering waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Trittel, Hunger und Politik (wie Anm. 12), 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Maßnahme zur illegalen Zusatzversorgung war die Fälschung von Lebensmittelkarten. Bei Stichproben wurde festgestellt, dass bis zu 90% der für bestimmte Waren abgelieferten Marken gefälscht waren. In der Regel druckten die Markenfälscher nicht die ganze Karte nach, sondern nur einzelne, besonders wertvolle Abschnitte von Mangelwaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 19.6.1947 an die Stadtpolizei Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weit verbreitet war überdies das Erschleichen von Zusatzkarten. So versuchten sich z.B. Mütter Zusatzrationen zu erschwindeln, indem sie vorgaben Kinder zu stillen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 8.10.1947 an alle Hebammen des Landkreises Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bürokratische Erfahrung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bürokratismus war eine weitere prägende Erfahrung der Nachkriegszeit. Sehr deutlich wird sie in der Korrespondenz der Ernährungsämter mit der Bevölkerung. Die Beamten wurden von den Bürgern häufig für die eigene Unterversorgung verantwortlich gemacht. Daher waren die Bediensteten der Ernährungsämter ganz besonders von der insgesamt sehr gereizten Stimmung dieser Zeit betroffen. Im Februar 1948 bat ein Bürger aus dem Landkreis Wasserburg a. Inn den Leiter des Ernährungsamtes Abt. B, acht Abschnitte für Fische der Krankenzulagekarte seiner elfjährigen Tochter gegen Eier oder ähnliches mit gleichem Kalorienwert umzutauschen. Dies war nötig, da die Tochter keine Fische vertrug. Der Bürger fügte zudem an, dass &#039;&#039;wir durch zweimaliges Ausbomben in München alles verloren [haben] und ganz auf uns selbst gestellt sind.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Rudolf Bart vom 28.2.1948 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Reaktion des Ernährungsamtes fiel lapidar aus: &#039;&#039;Ein Umtausch der Fischmarken [ist] nur für die Krankheitsgruppe 9/1 […] möglich&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasserburg a. Inn vom 10.3.1948 an Rudolf Bart, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tochter gehörte zur Krankheitsgruppe 9/2. Die Angestellten der Ernährungsämter standen vor dem ständigen Dilemma, dass sie zwar für die Bevölkerung da sein sollten, gleichzeitig aber zur genauen Einhaltung der Vorschriften angehalten waren. Dies war auch insofern problematisch, als sie relativ große Machtbefugnisse besaßen und bei der Vergabe der Lebensmittelkarten fast über Leben und Tod entscheiden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dierk Hoffmann, Nachkriegszeit. Deutschland 1945–1949, 2011, 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche Wasserburger versuchten in ihrem Elend und ihrer Verzweiflung die eigenen Forderungen mithilfe von Drohungen durchzusetzen. So wurde beispielsweise damit gedroht, den Fall im Oberbayerischen Volksblatt zu veröffentlichen oder die übergeordnete Behörde einzuschalten. Der Leiter des Wasserburger Ernährungsamtes ließ sich allerdings nicht jede Anschuldigung gefallen: &#039;&#039;In Ihrem Schreiben vom 28.1.1946 führen Sie zweimal das Wort ‚Unterschlagung‘ an. Diese unbegründete, wie unverschämte Anschuldigung weise ich auf das Schärfste […] zurück, im Wiederholungsfalle werde ich ein gerichtliches Verfahren gegen Sie einleiten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Ernährungsamtes Abt. B Wasseburg a. Inn vom 22.2.1946 an Mina Reiter, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichsmentalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten von Not, Elend und Hoffnungslosigkeit dachten die Menschen zuerst an sich, einen Zusammenhalt gab es kaum.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfrum, Die geglückte Demokratie (wie Anm. 2), 33./ Paul Erker, Solidarität und Selbsthilfe. Die Arbeiterschaft in der Ernährungskrise, in: Wolfgang Benz (Hg.), Neuanfang in Bayern 1945–1949. Politik und Gesellschaft in der Nachkriegszeit, 82–102, hier 82.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einheit und Solidarität brachten im Gegensatz zu Egoismus und der Beteiligung am Schwarzmarkt keine Vorteile. Versorgungsdruck und Versorgungsneid zeigten sich in den allgegenwärtigen Vorwürfen, die eigene Zone, das eigene Land, die Heimatstadt oder die eigene Familie seien schlecht versorgt und würden benachteiligt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gries, Die Rationen-Gesellschaft (wie Anm. 6), 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine immer wieder in den Quellen auftauchende Ebene des Versorgungsneides ist die zwischen der städtischen und der ländlichen Bevölkerung. Eigentlich könnte man meinen, die Bevölkerung des Landkreises Wasserburg a. Inn hätten keinen Grund gehabt, sich gegenüber den Stadtbewohnern benachteiligt zu fühlen, war die Versorgungslage auf dem Land doch meist besser als in den Großstädten. Doch gibt es in den Quellen eindeutige Belege dafür, dass sich auch die Landbevölkerung gegenüber den Städtern im Nachteil sah. Im Kreis Wasserburg gab es massive Beschwerden darüber, dass nur Städte mit 20.000 Einwohnern zusätzliche Lebensmittellieferungen erhielten.&amp;lt;ref&amp;gt;Monthly Historical Report Wirtschaftsamt Wasserburg a. Inn September 1946, 30.9.1946, StAM, Wirtschaftsämter 157 (=Monatsberichte in englischer Sprache 1946).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein evakuierter Landbewohner aus dem Kreis Wasserburg beklagte sich, dass &#039;&#039;die Stadtbewohner, wie man tägl. sehen kann, mit […] Säcken u. Waschkörben aufs Land hinauskommen u. das Obst zentnerweise holen&#039;&#039;. Die Städter seien &#039;&#039;dann doppelt versorgt, weil sie ja auf die Obst- u. Gemüsekarte auch noch welches erhalten, während wir auf dem Lande das Nachsehen haben&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Johann Mairle vom 23.9.1946 an das Ernährungsamt Abt. B Wasserburg a. Inn, StAM, Ernährungsämter Abt. B 343.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber auch zwischen Angehörigen des gleichen Milieus kam es zu einer Polarisierung. In den Akten des Wasserburger Ernährungsamtes finden sich zahlreiche Beschwerden über den angeblich unstatthaften Empfang von Zulagekarten durch den ‚Mann oder die Frau von nebenan‘. So finden sich in den Quellen viele Beschwerden, dass die Nachbarin die Zusatzkarte für stillende Mütter bezieht, obwohl sie das Kind gar nicht stillt. Vorstellbar ist durchaus, dass persönliche Beweggründe in Zeiten der Not zur Denunziation von unliebsamen Mitbürgern führten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf gegen Hunger und Elend: Die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg a. Inn ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche Hilfsorganisationen versuchten in der Nachkriegszeit die Not der Menschen zu lindern. Von den ausländischen Hilfsorganisationen ist CARE&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Karl-Ludwig Sommer, Die CARE-Pakete im Nachkriegsdeutschland – historische Grundlagen einer legendären Hilfsaktion, in: Arbeiterbewegung und Sozialgeschichte 19 (2007), 35–48./ Volker Ilgen, CARE-Paket &amp;amp; Co. Von der Liebesgabe zum Westpaket, 2008.&amp;lt;/ref&amp;gt; bis heute die bekannteste. Die private amerikanische Nichtregierungsorganisation schickte in der Nachkriegszeit ca. zehn Millionen CARE-Pakete nach Deutschland. Humanitäre Auslandshilfe für Deutschland&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hans-Josef Wollasch, Humanitäre Auslandshilfe für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Darstellung und Dokumentation kirchlicher und nichtkirchlicher Hilfen, 1976.&amp;lt;/ref&amp;gt; leisteten auch andere Länder wie etwa die Schweiz und Organisationen wie die Quäker, die Schulspeisungen veranlassten. Zur Linderung der Not trugen ferner die katholische Kirche und vor allem der Deutsche Caritasverband bei. In Wasserburg a. Inn kümmerte sich der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt intensiv um Bedürftige. Besonders engagiert kümmerte sich die Wohlfahrtsorganisation um Kriegsgefangene bzw. Heimkehrer. So wurden Kriegsgefangene bei Entlassungsanträgen beraten und deren Angehörige betreut. Die Hilfe wurde jedoch nicht mit der Heimkehr aus der Gefangenschaft eingestellt: &#039;&#039;Die Arbeiterwohlfahrt will sich der Ärmsten annehmen, die dieser grausame Krieg auf die Straße des Elends getrieben hat: der aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassenen ehemaligen deutschen Soldaten. […] Wir wollen helfen und wir werden helfen! Mit sauberem Quartier, in dem sich die Verlassenen erst einmal von den Strapazen erholen können. Mit einem mehrwöchigen, guten Essen, das sie wieder zu Kräften kommen läßt, mit menschenwürdigen Kleidungsstücken und einer individuellen sofortigen Arbeitsvermittlung.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Arbeiterwohlfahrt Landesverbands Bayern vom 15.8.1947 an die Ortsausschüsse, Ortsvereine, Kreisverbände, Bezirksverbände, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1278 (=Rechnungsjahr 1947 des Arbeiterwohlfahrt Ortsvereins Wasserburg a. Inn 1946–1948).&amp;lt;/ref&amp;gt; Um dies zu finanzieren, lief im August 1947 in ganz Bayern unter dem Motto ‚Wir müssen den Heimkehrern helfen!‘ eine große Spendensammlung. Bedürftigen Müttern ermöglichte und finanzierte der Arbeiterwohlfahrt Ortsverein Wasserburg a. Inn einen Aufenthalt im Müttererholungsheim Ammerland.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief des Arbeiterwohlfahrt Bezirksverbands Oberbayern vom 21.7.1947 an alle Kreisverbände, Ortsvereine, Ortsausschüsse, Bezirksvorstandsmitglieder, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1278.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere Gruppe von Bedürftigen waren die Kinder, vor allem Waisen, Kriegsversehrte, Flüchtlings- und Arbeiterkinder. So führte die Arbeiterwohlfahrt zusammen mit den freien Gewerkschaften zu Weihnachten 1946 eine Kinderbescherung durch.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verteilung von Hilfsgütern 1946–1949, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1275.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem wurden die Schulspeisungskosten für die Kinder von bedürftigen Familien übernommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Spendenverteilung des Arbeiterwohlfahrts Ortsvereins Wasserburg a. Inn 1947–1948, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1282.&amp;lt;/ref&amp;gt; An arme Rentnerinnen und Rentner der Stadt Wasserburg a. Inn wurden ebenfalls zu Weihnachten 1946 insgesamt 70 Zentner Kohle verteilt, was angesichts des Jahrhundertwinters 1946/47 eine lebensrettende Maßnahme gewesen sein dürfe. Überdies wurden Flüchtlinge und Vertriebene unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Manuel Schwanse}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Wiederbeginn_des_politischen_und_kommunalen_Lebens_nach_1945_im_Landkreis_Wasserburg&amp;diff=1574</id>
		<title>Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg</title>
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		<updated>2019-02-26T16:41:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Juliane Günther|Juliane Günther]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Juliane Günther]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel basiert auf den den Landkreis Wasserburg am Inn betreffenden Kapiteln aus der Publikation: Jaromir Balcar, Politik auf dem Land. Studien zur Bayerischen Provinz 1945 bis 1972 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Band 56/Bayern im Bund, Band 5), 2004. Neben dem Landkreis Wasserburg am Inn betrachtet der Autor auch die Landkreise Landsberg am Lech (Oberbayern), Bogen (Niederbayern), Bleingries, Neumarkt und Roding (Oberpfalz), Feuchtwangen und Rothenburg ob der Tauber (Mittelfranken), Königshofen im Grabfeld (Unterfranken) sowie Neuburg an der Donau und Nördlingen (Schwaben) im Zeitraum von 1945 bis 1972.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ausgangssituation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrschten  besonders in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg am Inn prekäre Zustände. Das Leben der Menschen war bestimmt von blanker materieller Not und der Sorge um eine ungewisse Zukunft. Hinzu kamen schlechte Verkehrsbedingungen, vielerorts eine unzureichende Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung sowie eine mangelhafte Stromversorgung. Es fehlte nicht zuletzt an modernen Bildungseinrichtungen. Auch waren viele Flüchtlinge und Vertriebene in der Folge des Krieges in den Landkreis Wasserburg gekommen, was nicht selten zu Reibereien mit dort Einheimischen führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Mit den Flüchtlingen und Vertriebenen kam auch erstmals eine nennenswerte Anzahl von Protestanten in die katholisch geprägte Region. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 460.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober des Jahres 1946 lebten bereits über 54.000 Menschen im Landkreis, was verglichen mit den rund 39.000 im Jahr 1939 einen sprunghaften Bevölkerungsanstieg bedeutete.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 134.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die amerikanische Besatzungsmacht beanspruchte zudem uneingeschränkte Hoheitsrechte in ihrem Besatzungsgebiet. Das gesamte öffentliche Leben wurde von der Militärregierung geregelt. Sie ernannte neue Amtsträger und ließ führende Funktionsträger des Dritten Reiches inhaftieren. Mit pauschalen Massenentlassungen ehemaliger Mitglieder der NSDAP besonders im Bereich der öffentlichen Verwaltung bekämpfte sie den Nationalsozialismus. Im Mai 1945 wurde der ehemalige Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Fritz Schäffer&amp;lt;ref&amp;gt;Fritz Schäffer wurde bereits Ende September 1945 wieder aus seinem Amt als Ministerpräsident entlassen, da er die Säuberung der öffentlichen Verwaltung von Nationalsozialisten nicht ausreichend rigoros betrieben haben soll. Als neuer Ministerpräsident wurde der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner ernannt, der bereits vor 1933 als Gegner Adolf Hitlers hervorgetreten und anschließend in die Schweiz emigriert war. Vgl. Wolfgang Benz, Alliierte Deutschlandpolitik, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Alliierte_Deutschlandpolitik (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;, von der Militärregierung zum Ministerpräsidenten ernannt. Die nun zum Handeln gemäß der Anweisungen der Militärregierung befugte Bayerische Staatsregierung stand vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Einen nicht unerheblichen Teil davon stellte neben der Versorgung der Bevölkerung auch die Wiederherstellung der öffentlichen Verwaltung dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg, URL: http://www.hdbg.de/polges/pages/druck/kapitel8.pdf (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Bestreben der Besatzungsmacht nach Kriegsende rasch eine Demokratie in Bayern zu etablieren, schuf hingegen den gesetzlichen Rahmen für den Wiederbeginn des politischen Lebens. Dabei behielten sich die Amerikaner die Entscheidung über jeden einzelnen Gründungs- oder Neuzulassungsantrag einer Partei vor.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg (wie Anm. 5).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die an einem politischen Neubeginn arbeitenden Parteien waren die Ausgangsbedingungen schwierig. Oft konnten die Parteimitglieder weder telefonisch noch brieflich miteinander in Verbindung treten. Besonders die Papierknappheit erschwerte eine Neuorganisation.  Darüber hinaus herrschte innerhalb der Bevölkerung angesichts des verlorenen Krieges und der von der amerikanischen Besatzungsmacht durchgeführten Entnazifizierungsmaßnahmen eine gewisse politische Apathie.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 133.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der CSU nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in den ländlichen Regionen Altbayerns vollzog sich die Gründung der CSU in einer direkten Anknüpfung an die Bayerische Volkspartei (BVP), die während der Weimarer Republik existiert hatte und aus der Bayerischen Zentrumspartei hervorgegangen war. Im Landkreis Wasserburg, wo die BVP bis 1933 eine der einflussreichsten Parteien war, wurde die CSU quasi direkt &amp;quot;auf Anweisung&amp;quot; aus München ins Leben gerufen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ende 1945 wandte sich[Staatsrat] Fritz Schäffer, der von München aus die Fäden zog, in einem Brief an seinen ehemaligen Parteifreund [[Franz Xaver Köck]], um ihn von der Gründung der ‚Bayerischen Christlich-Sozialen Union‘ in München zu informieren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 137.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in der Stadt Wasserburg lebende Bäckermeister Franz Xaver Köck hatte zur Zeit der Weimarer Republik den Vorsitz der BVP in der Region innegehabt und schien nun die ideale Person für die Etablierung der CSU im Landkreis. Am 17.12.1945 lud Köck zu einer Versammlung in die ‚Gaststätte Aumüller‘ ein, die zur politischen Lizensierung der CSU im Landkreis führen sollte. Zu der Veranstaltung kamen 54 Besucher, darunter befanden sich auch viele von der Militärregierung eingesetzte Bürgermeister aus der Region. Die für die Lizensierung notwendigen 25 Unterschriften von Bürgern die sich während des Nationalsozialismus nichts hatten zuschulden kommen lassen waren schnell beisammen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 138. &amp;lt;/ref&amp;gt; 23 der zur Versammlung erschienenen Personen waren Selbstständige, neun von diesen Bauern. Ebenfalls vertreten waren selbstständige Kaufleute, Landhandwerker, Fabrikanten und Rechtsanwälte. Abhängig Beschäftigte, Arbeiter und besonders Frauen suchte man unter den Gründungsmitgliedern vergeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein planmäßiger Aufbau stabiler Organisationsstrukturen gelang der CSU im ersten Jahr nach ihrer Lizensierung im gesamten Landkreis vorerst nicht. Die Partei veranstaltete nur eine öffentliche Veranstaltung im Monat und erhob keine Mitgliederbeiträge. Anfallende Kosten beglich der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck aus eigener Tasche.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139-140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Inhaltlich orientierte sich die Partei an den Leitgedanken ihrer Gründungsmitglieder, die hauptsächlich dem in der Region verwurzelten ländlich-katholischen Besitzmittelstand entstammten. Ein erster 1945 erstellter programmatischer Orientierungsrahmen war zudem nicht frei von unter Alteingesessenen verbreiteten Ressentiments gegen ‚Preußen‘ und Neubürger. Die CSU verstand sich als eine ‚Partei der Bayern‘, in der die Mitgliedschaft von Vertriebenen und Flüchtlingen zwar formal nicht ausgeschlossen, aber eine Seltenheit war. Eine große Rolle spielte das Prestige der in der Gegend meist gut angesehenen Parteimitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das rudimentäre Programm war vielmehr als Aufforderung an die Einheimischen zu verstehen, sich hinter dem breiten Rücken angesehener und weithin geachteter Persönlichkeiten zu scharen, die die Lauterkeit der Ziele der Partei verbürgen sollten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre eigene Entwicklung schätze die CSU weitaus positiver ein als sie letztlich von Statten ging. So gingen die Parteigründer bereits 1946 von 6.000 bis 7.000 Parteimitgliedern aus, die damit mehr als zehn Prozent der Bevölkerung im Landkreis ausgemacht hätten. Obwohl die Wasserburger Militärregierung diese Zahlen akzeptierte und die neu hinzukommenden Mitglieder einfach dazu addierte, waren 1946 nur 354 Personen eingeschriebene Parteimitglieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Aufbauphase der CSU spielten einflussreiche und in der Region bekannte Persönlichkeiten eine große Rolle, die die Anliegen der Partei in den wenigen öffentlichen Veranstaltungen wortgewandt vorbrachten. Der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck stellte sich jedoch weder als mitreißender Redner noch als begnadeter Organisator heraus. Schnell geriet er in den Schatten der eigentlichen, unter den Gründungsmitgliedern vertretenen Führungspersönlichkeit: Dr. Max Zwicknagl. Der aus einem großbürgerlichen Elternhaus stammende promovierte Ökonom war bereits in den 1920er Jahren im Wirtschaftsbeirat der BVP beschäftigt gewesen. Nachdem er unter den Nationalsozialisten mehrfach Geldbußen und kürzere Haftstrafen hatte ableisten müssen, wurde Zwicknagl 1944 zum Kriegsdienst einberufen. Nach Kriegsende unterstützte er die Amerikaner als unbescholtener Einheimischer in einem Fünferausschuss bei der Entnazifizierung in Rott am Inn. Dabei ging er schonungslos gegen die Bewohner der Gemeinde vor, die sich als überzeugte Nationalsozialisten gezeigt hatten. Im Urteil über die ‚Verführten‘ berief er sich jedoch auf die christliche Nächstenliebe und ließ Milde walten. Der wortgewandete Brauereibesitzer stieg nach seinem Einzug in den Kreistag im April 1946 schnell zum Vorsitzenden der CSU Fraktion auf. Dabei positionierte sich Zwicknagl auch klar für den Unterschied von der gescheiterten BVP. Er sah die CSU als eine moderne Partei die über die katholische Bevölkerung hinaus auch liberale und evangelische Wähler ansprechen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141-145.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den ständigen Streitigkeiten die zwischen der CSU Landtagsfraktion und der Landesleitung herrschten, befand sich die Partei im Landkreis Wasserburg in einem tendenziellen Gleichgewicht. Dieses garantierte in der Anfangszeit den Frieden innerhalb des Kreisverbandes und damit auch seine ersten Erfolge.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 147.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der SPD nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die SPD nach Kriegsende im Gegensatz zur CSU keine neue Partei war, musste sie sich von Grund auf neu organisieren. Im Landkreis Wasserburg kamen für diesen Neubeginn erschwerte Bedingungen hinzu, da das vor 1933 dort vorhandene sozialistische Milieu 1945 kaum noch existierte. In städtischen Ballungszentren fiel es der SPD leichter, sich zumindest personell neu zu organisieren, während ihre Etablierung in den Dörfern besonders schwer fiel. Sie hielt an dem Charakter einer Arbeiterpartei fest und beschränkte sich somit selbst auf die Zielgruppe der städtischen Industriearbeiterschaft. Auf die Landarbeiter, bei denen die SPD noch nie großen Anklang gefunden hatte, wirkte die von dem Parteivorsitzenden Kurt Schumacher verwendete aggressive Klassenkampfrhetorik zudem abschreckend.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch im Landkreis vorhandenen Anhänger der SPD betonten im Antrag auf die Wiederzulassung nicht ohne Stolz die langjährige Geschichte der Partei als traditionelle Gegnerin des Nationalismus. Stark bezog sich die SPD bei ihrer Neuorganisation auf Strukturen aus der Zeit der Weimarer Republik. Die vor 1933 gültigen Statuten wurden bei der Neuzulassung wieder in Kraft gesetzt. Auch ihr Mitgliederprofil hatte sich kaum verändert und viele der 25 Parteigründer waren schon vor 1933 Mitglieder der SPD gewesen. Von ihnen gehörten 20 zur Arbeiterschaft, wobei Facharbeiter gegenüber ungelernten Hilfsarbeitern dominierten. Drei gingen einer selbstständigen Tätigkeit nach, Bauern, Landarbeiter und Frauen befanden sich nicht unter ihnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148-149.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef Estermann.jpg|200px|thumb|right|Josef Estermann 1945]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gegner des Nationalsozialismus wurden die SPD-Mitglieder von der amerikanischen Besatzungsmacht gefördert und auch im Landkreis Wasserburg wurden wichtige Ämter zunächst mit ihnen besetzt. So wurde einer der Neugründer, der Korbmacher Josef Estermann, von den Amerikanern im Mai 1945 zunächst zum Bürgermeister der Kreisstadt und im Oktober des gleichen Jahres zum Landrat ernannt. Der 1898 in Wasserburg geborene aus kleinen Verhältnissen stammende Estermann war nicht zuletzt durch seinen turbulenten Lebenslauf eine schillernde Persönlichkeit innerhalb der Partei. Zunächst Mitglied der SPD, war er von deren lascher Haltung enttäuscht der KPD beigetreten und wegen der Beteiligung an einem Waffendiebstahl steckbrieflich gesucht worden. Schließlich floh er nach Russland. Von dort aus musste er erneut fliehen, da er in das Räderwerk der Geheimpolizei Stalins geraten war. 1932 verurteilte man ihn in Leipzig zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe und im Jahr 1933 brachte man ihn in das Konzentrationslager Dachau, aus dem er 1934 wieder entlassen wurde. Zurück in Wasserburg arbeitete er erfolgreich als selbstständiger Korbmacher, der sich durch die Produktion von kriegswichtigen Granatkörben dem Einsatz im Zweiten Weltkrieg entziehen konnte. In den letzten Kriegstagen wurde Estermann zum Anführer einer gegen die Nationalsozialisten gerichteten Freiheitsaktion und aufgrund dessen wenig später von einem Schnellgericht zum Tode verurteilt. Ihm gelang wiederum die Flucht in den Leichenraum des Wasserburger Krankenhauses, in dem er sich bis zum Eintreffen der Amerikaner in der Stadt verbarg. Jedoch war Josef Estermann nur kurzfristig Landrat, da ihn ehemalige Bekannte aus seiner Zeit bei der KPD wegen seines Übertritts zur SPD als angeblichen Spitzel der Gestapo denunzierten. Auch wenn der gegen ihn angestrebte Prozess bald im Sand verlief, war seine politische Karriere damit beendet. Die Wahlen im Jahr 1946 beendeten zudem die Stellung, die die SPD in der Stadt Wasserburg besessen hatte, als Alfons Püls von der CSU neuer Bürgermeister wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 150-151.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Verlust Estermanns wurde die SPD im Landkreis Wasserburg &#039;&#039;kopf- bzw. führungslos&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss der SPD konzentrierte sich sehr auf die Kreisstadt, während der Landkreis mit seiner hauptsächlich aus katholisch geprägten Bauern, Handwerkern und Landarbeitern bestehenden Bevölkerung für die Partei schwer erreichbar blieb. Daneben nutzten andere Parteien die auf dem Lande bestehende Skepsis gegen die SPD geschickt aus. Zum Zeitpunkt ihrer offiziellen Zulassung im Januar 1946 zählt die SPD 33 Parteimitglieder. Anfang April waren es bereits 67, wovon jedoch 51 in der Kreisstadt lebten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit konkreten Werbekampagnen bemühte sich die SPD besonders um die Neubürger im Landkreis. Obwohl dieser Personenkreis 1946 fast 22 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmachte, war die SPD zunächst die einzige Partei, die ihn als potentielle Wähler umwarb. Sie organisierte Versammlungen für Neubürger und konnte ihre Mitgliederzahl besonders in der Kreisstadt enorm vergrößern. Bei Alteingesessenen wurde sie deswegen jedoch verächtlich als eine Partei der ‚Ortsfremden‘ betrachtet, was die SPD in ihrer Werbung um neue Parteimitglieder wenig beeindruckte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 154.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wahlen und Wahlkampf im Jahr 1946 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die SPD bei der ersten Landtagswahl nach Kriegsende im Landkreis Wasserburg mit rund 17 Prozent das beste Ergebnis nach den Wahlen von 1928 (acht Prozent) und 1932 (rund sechs Prozent) erzielen konnte, war die CSU die eindeutige Wahlsiegerin und somit dominierende Kraft in der Region. Die kurze zwischen der Ankündigung der Wahlen und deren Durchführung liegende Zeit stellte für alle Parteien gleichermaßen ein Problem dar. Besonders hinderlich für den Wahlkampf war die nach Kriegsende herrschende, notorische Papierknappheit. Die CSU meisterte diese Herausforderung insofern am besten, als sie auf öffentliche Wahlveranstaltungen mit Diskussionen und zugkräftigen Rednern setzte. Unter anderem konnte sie Fritz Schäffer gewinnen, der bis vor kurzem noch den Posten des Ministerpräsidenten bekleidet hatte und 550 Zuhörer aus der ganzen Region anziehen konnte. In seiner rhetorisch ausgefeilten Ansprache verglich Schäffer unter anderem die Rolle der durch den Nationalsozialismus ‚Verführten‘ mit der Versuchung Christi durch den Satan und kritisierte den hohen Anteil von ‚Zugereisten‘ in der Verwaltung. Auch die weiteren, nur mit Rednern aus dem katholisch-konservativen Flügel der Partei besetzten Veranstaltungen, waren sehr erfolgreich. Wie die CSU organisierte auch die SPD öffentliche Wahlveranstaltungen mit prominenten Rednern, die sich großer Beliebtheit erfreuten und durchschnittlich zwischen 200 und 300 Besucher anzogen. Verglichen mit den CSU-Rednern gelang es den Referenten der SPD jedoch nicht gleichermaßen, die Ängste, Wünsche und Hoffnungen der Landbevölkerung anzusprechen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 156-158.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die SPD war bestrebt, sich mit den in den Landkreis gekommenen Flüchtlingen und Vertriebenen neue Wählergruppen zu erschließen. Dieses Vorhaben wurde jedoch von der am 18. Dezember 1945 von den Amerikanern erlassenen bayerischen Gemeindeordnung gestört, die nur deutschen über 21 Jahre alten Staatsbürgern, die mindestens ein Jahr in ihrer Gemeinde ansässig waren, das Wahlrecht zusprach. Gleiches galt auch für die Kreistagswahlen und die Wahl zur Verfassungsgebenden Landesversammlung. Durch ihre Vergangenheit im Nationalsozialismus belastete Personen waren von den ersten Wahlen in Bayern ebenfalls ausgeschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 164-165.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger als der SPD gelang es der KPD im Landkreis Wasserburg Fuß zu fassen. Nur mit Mühe hatten die Initiatoren die für eine Zulassung notwendigen 25 Unterschriften aufbringen können. Umso weniger Aufmerksamkeit erhielten die Wahlveranstaltungen der KPD, die jedoch einen engagierten und aufwändigen Wahlkampf betrieb und sogar mit Flugblättern arbeitete. Doch auch dieser Aufwand wirkte sich letztendlich negativ für das Image der Partei aus, da die Bevölkerung die massive Flugblattkampagne angesichts der Papierknappheit als geschmacklos empfand.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 160-161.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Grund für die im Landkreis Wasserburg und anderen ländlichen Regionen Bayerns erzielten Wahlerfolge der CSU im Jahr 1946 sieht der Historiker Jaromír Balcar in der Bedeutung ihres politischen Personals. Die Partei konnte in dem auf dem Land sehr personalisierten Wahlkampf auf geachtete und angesehene Persönlichkeiten zurückgreifen. Neben einer streng antikommunistischen Stimmung wirkte auch die Kirche als ein wichtiger politischer Faktor für die CSU. Daneben fand ihre mit Blick auf die christliche Nächstenliebe praktizierte Aufarbeitung des Nationalsozialismus bei der Bevölkerung Zustimmung. Das Prinzip die ‚Verführer‘ zu bestrafen, gegen die ‚Verführten‘ jedoch Milde walten zu lassen, befürworteten diejenigen, die die Entnazifizierung als zu radikal und ungerecht empfanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gewerkschaften, die vor 1933 die Arbeit der SPD unterstützt hatten, waren nach Kriegsende nur langsam wieder aufgebaut worden. Als sie in regionalen Zentren wie der Stadt Wasserburg wieder zu existieren begannen, unterstützten sie erneut die SPD. Jedoch beschränkte sich ihr Einfluss auf die in Wasserburg sehr kleine Gruppe der Industriearbeiter. Die größere Gruppe der Bauern und Landarbeiter wiederum stand unter dem Einfluss des Bayerischen Bauernverbandes, der der CSU verbunden war. Ebenfalls unterstützend für die CSU wirkte die Lizensierungspraxis der amerikanischen Besatzungsmacht, die den Aufbau des bayerischen Parteiensystems als Fünfermatrix zur Folge hatte. Zunächst bildeten diese die Parteien CSU, SPD, KPD, FDP und WAV&amp;lt;ref&amp;gt;WAV steht für die Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung die 1946 in Bayern als Partei lizensiert wurde. Wegen ihres nicht unumstrittenen Gründers Alfred Loritz wurde sie auch ‚Loritz-Partei‘ genannt. Die WAV verfolgte kein schriftlich niedergelegtes Programm, sondern versuchte durch ihre betonte Andersartigkeit, die sie von den in der Weimarer Zeit gescheiterten Parteien unterscheiden sollte, Wähler für sich zu gewinnen. Besonders der Führungsstil von Alfred Loritz destabilisierte die WAV. Nachdem es die Partei geschafft hatte, eine Beteiligung im Kabinett von Ministerpräsident Hans Ehard (CSU) zu erlangen, verschwand sie ab 1950 aus dem Landtag und in der Bedeutungslosigkeit. Alfred Loritz hatte 1946 den Posten eines Sonderministers für Politische Befreiung erhalten, aus dem er bereits 1947 wieder entlassen wurde. Im Landkreis Wasserburg hatte die WAV bei den Landtagswahlen im Jahr 1946 rund neun Prozent der Stimmen erreicht. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 162 und Daniel Schönwald, Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung (WAV), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wirtschaftliche_Aufbau-Vereinigung_(WAV) (17.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als interkonfessionelle Sammlungspartei wollte die CSU das gesamte, vor 1933 in Bayern stark gespaltene, bürgerlich-konservative Lager als Wähler ansprechen. Innerhalb des Parteiensystems gab es für sie kaum ernsthafte Konkurrenz. Dabei stellte sich die große und heterogene Gruppe der potentiellen Wähler auch als Herausforderung dar, was sich in permanenten Führungs- und Flügelkämpfen äußerte. So blieb die Führungsrolle, die die CSU nach den Wahlen 1946 in Bayern innehatte, auch abhängig von der Lizensierungspolitik der amerikanischen Besatzungsmacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 167-168.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die CSU in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ende der amerikanischen Lizensierungspraxis erhielten die CSU und die SPD ab 1948 politische Konkurrenz. Im Fall der CSU war dies insbesondere die ab 1946 auf kommunaler und ab 1948 auf Landesebene lizensierte Bayernpartei. Für die SPD waren es die ab 1950 gegründeten Flüchtlingsparteien, deren Lizensierung die Militärregierung zuvor abgelehnt hatte. Nach dem verlorenen Krieg herrschende wirtschaftliche und soziale Probleme begünstigten zudem die Gründung von Regional- und Protestparteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 169.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Landrat Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Landrat Heinrich Stulberger 1949 beim Wasserburger Heimatfest.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Organisationsaufbau der CSU ging auch nach den Wahlerfolgen im Jahr 1946 besonders auf dem Land nur schleppend voran. Hinzu kamen pausenlosen Diskussionen um die Ausrichtung der Partei mit anhaltenden Flügelkämpfen. Mit der von Ludwig Max Lallinger ins Leben gerufenen Bayernpartei erhielt die CSU eine gefährliche Rivalin im Kampf um die bürgerlich-konservative Wählerschaft. Bereits bei den Kommunalwahlen im April 1948 konnte die Bayernpartei besonders im Regierungsbezirk Oberbayern viele ehemalige CSU-Wähler für sich gewinnen. Auch angesehene Politiker wie der ehemalige Landwirtschaftsminister Joseph Baumgartner verließen die CSU zu Gunsten der Bayernpartei, was dieser wiederum Prestige einbrachte. Im Landkreis Wasserburg erhielt die Bayernpartei bei den Kommunalwahlen 1948 die stimmliche Mehrheit und ihr Kandidat Heinrich Stulberger – ebenfalls ein ehemaliger CSU-Politiker – wurde zum Landrat gewählt. Besonders schmerzlich für die Wasserburger CSU muss die Tatsache gewesen sein, dass Stulberger 1945 zu ihren 25 Gründungsmitgliedern gehört hatte. Gemeinsam mit der Union der Ausgewiesenen, mit der sie vor der Wahl eine Listenverbindung eingegangen war, konnte die CSU jedoch zumindest ihre Position als stärkste Fraktion im Wasserburger Kreistag behalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 175-176.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele CSU-Mitglieder verließen ihre Partei in der Hoffnung auf eine schnellere politische Karriere bei der Bayernpartei. Einige waren zuvor mit ihren Ambitionen bei der CSU gescheitert, wie auch der Sägewerksbesitzer Andreas Schachner, der zum Fraktionsvorsitzenden der Bayernpartei im Kreistag des Landkreises Wasserburg gewählt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daneben gelang es der Bayernpartei bis zum Frühjahr 1948, eine ganze Reihe von Bürgermeistern der kreisangehörigen Gemeinden, die zuvor für die CSU kandidiert oder keiner Partei angehört hatten, zum Eintritt zu bewegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem profitierte die Bayernpartei gegenüber der CSU von einer größeren Homogenität in der politischen Ausrichtung ihrer Mitglieder. Solange die Bayernpartei keine Regierungsverantwortung trug, mussten ihre Vertreter in öffentlichen Aussagen und Wahlversprechen keine Rücksicht auf den nach Kriegsende herrschenden Mangel, bestehende Ablieferungsverpflichtungen oder die Integration von Flüchtlingen nehmen. Diese Themen hemmten hingegen die CSU, die den Ministerpräsidenten stellte. Viel einfacher hatte es da die Bayernpartei, die die nach Kriegsende herrschenden Probleme auf die Politik der CSU zurückführen und sich als eine Protestpartei der Einheimischen präsentieren konnte. Zu einem ersten Kräftemessen zwischen den beiden Parteien in ganz Bayern kam es bei der Bundestagswahl im Jahr 1949.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177-178.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wahlkampf setzte die Bayernpartei auf stark inszenierte Veranstaltungen, bei denen die Redner radikale Thesen vertraten. Beispielsweise beschuldigte man Preußen, Bayern ‚ins Verderben‘ geführt zu haben und forderte einen selbstständigen bayerischen Staat. Darüber hinaus wendete sich die Bayernpartei mit großer Polemik gegen die Neubürger oder auch gegen ihre direkte politische Konkurrenz. Im Landkreis Wasserburg kam es zu diffamierenden Angriffen von Seiten der Bayernpartei gegen führende Persönlichkeiten der CSU. Bedingt durch ihre Regierungsverantwortung konnte sich die CSU nicht mit gleicher Polemik zur Wehr setzen, zumal einige CSU-Politiker auch ein Bündnis mit der Bayernpartei in Erwägung zogen und damit wiederum für parteiinterne Diskussionen sorgten. Im Landkreis Wasserburg richtete sich die CSU in ihren Wahlkampfveranstaltungen ohnehin mehr gegen SPD und KPD. Klar sprach man sich jedoch gegen die von der Bayernpartei geforderte bayerische ‚Abspaltung‘ aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 181-183.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Wahlkampf zur Landtagswahl 1950 befand sich die CSU gegenüber der Bayernpartei in der Defensive. Die Wasserburger CSU musste zudem auf ihre Führungspersönlichkeit Max Zwicknagl verzichten, der aus dem bayerischen Landtag in den Frankfurter Wirtschaftsrat gewechselt war und sich aus dem politischen Geschehen im Landkreis mehr und mehr zurückzog.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die CSU 1949 mit 29,2 Prozent der Stimmen stärkste Kraft in Bayern wurde und die Bayernpartei (20,9 Prozent) wie die SPD mit 22,7 Prozent hinter sich ließ, war ihr Wahlergebnis, verglichen mit den vorherigen, alarmierend. Besonders im Landkreis Wasserburg hatte die CSU schlecht abgeschnitten, die Bayernpartei war hier als stärkste Partei hervorgegangen. Anders als die Bayernpartei, die in einzelnen Regierungsbezirken besondere Erfolge erzielen konnte, blieb die CSU jedoch eine gesamtbayerische Partei, die in allen sieben Regierungsbezirken verankert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1950 erlitt die CSU mit 27,4 Prozent der Stimmen erneut eine Niederlage. Im Landkreis Wasserburg hatten nur noch 25,6 Prozent der Wähler ihr ihre Stimme gegeben, was einen Verlust um einen Prozentpunkt im Vergleich zu 1949 bedeutete. Diese Entwicklung kann im Landkreis Wasserburg mit der direkten Konkurrenz der Bayernpartei begründet werden. In 49 der 62 zum Landkreis gehörenden Gemeinden war die Bayernpartei bereits bei den Bundestagswahlen 1949 stärkste Kraft geworden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Landkreis Wasserburg am Inn stellte mit seiner bäuerlichen Prägung und seiner in der großen Mehrheit katholischen Bevölkerung geradezu den Archetyp der altbayerischen Hochburgen der Bayernpartei dar.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kreisstadt selbst wurde die Bayernpartei 1950 auf den zweiten Platz verwiesen. Die stärkste Partei wurde hier allerdings nicht die CSU, sondern die SPD. Das Wahlverhalten der Bewohner der einzelnen Gemeinden in der Vergangenheit hatte auch einen Einfluss darauf, ob eine Gemeinde zur CSU oder zur Bayernpartei tendierte. In Kommunen, in denen die BVP ihre besten Resultate erzielt hatte, schnitt auch die CSU gut ab. Stimmen verlor sie vor allem in Regionen, in denen sich ehemalige Hochburgen des Bayerischen Bauernbundes befanden. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1952 wurden freie Wählergruppen zu einer zusätzlichen Konkurrenz der CSU im Landkreis Wasserburg. Auch gelang es der CSU nicht, mit Karl Deggendorfer das Bürgermeisteramt in der Kreisstadt für sich zu gewinnen. Mit nur 27,3 Prozent der Stimmen musste er sich gegen den amtierenden SPD-Bürgermeister Gabriel Neumeier geschlagen geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192-196.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Trendwende für die CSU brachte die Wahl zum Zweiten Deutschen Bundestag im September 1953. Die Bayernpartei erreichte mit rund neun Prozent ein um über zehn Prozentpunkte schlechteres Ergebnis als bei der ersten Bundestagswahl. Sie konnte nicht in das Bonner Parlament einziehen und sank zu einer reinen Landespartei herab. Als eindeutige Wahlsiegerin ging die CSU hervor. So war es auch im Landkreis Wasserburg. Die Bayernpartei musste sich in einer ihrer einstigen ‚Hochburgen‘ mit nur 25,7 Prozent der Stimmen zufrieden geben, während die CSU 45,7 Prozent erhielt. In 52 der 62 zum Kreis gehörenden Gemeinden setzte sich die CSU als stärkste Partei durch. Dieser für viele Zeitgenossen unerwartete Wahlerfolg kann einerseits mit der großen Popularität von Bundeskanzler Konrad Adenauer begründet werden, hinter den sich die CSU trotz aller internen Streitigkeiten stellte. Für viele Wähler bedeutete die CSU den Fortbestand der Kanzlerschaft Adenauers. Obwohl sich die Bayernpartei in Ermangelung einer Alternative auch für Adenauer aussprach, befand sich die CSU diesbezüglich in der besseren Position. Sie betonte, dass eine Zersplitterung des bürgerlichen Lagers allein der SPD zugute kommen könne.  Einen weiteren Erfolgsfaktor im Wahlkampf bildete darüber hinaus der große Einsatz von Bundestagskandidat Josef Bauer&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Bauer, geboren 1915 in der Stadt Wasserburg, stammte aus der Familie der Molkereibesitzer Bauer. Bereits 1937 stand er, bedingt durch den frühen Tod des Vaters, der Molkerei vor. Als gläubiger Katholik zeigte sich Bauer dem Nationalsozialismus gegenüber reserviert, geriet mit dem Regime jedoch nicht in Konflikt. Den Einsatz im Zweiten Weltkrieg und die anschließende Gefangenschaft überstand er unversehrt. Nachdem Bauer die Molkerei nach Kriegsende saniert hatte, trat er 1951 in die CSU ein und saß 1953 für diese im Wasserburger Stadtrat. Durch seine rhetorische Begabung und sein taktisches Geschick machte sich Bauer in der Partei bald unentbehrlich. Er erwies sich als idealer Repräsentant des Bundeswahlkreises. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 209-210.&amp;lt;/ref&amp;gt; ,der eine große Anzahl von Wahlauftritten absolvierte. Von der Wahlniederlage der Bayernpartei überrascht, traten einige ihrer Funktionäre zur CSU über und es vollzog sich erneut ein Personalwechsel zwischen den beiden Parteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 203-208.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karl Neuburger.jpg|200px|thumb|right|Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg Karl Neuburger]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bauer gehörte zu den jungen Männern, die 1953 einen Generationswechsel bei der CSU in vielen bayerischen Landkreisen einleiteten. Oft verbanden sie die gleichen Erfolg versprechenden Eigenschaften. Sie hatten prägende Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit gesammelt. In den Regionen in denen ihre politischen Karrieren begannen, waren sie tief verwurzelt und auch nach einem Wechsel nach München oder Bonn blieben sie diesen verbunden. Im Hinblick auf ihre soziale Stellung in der Gesellschaft ähnelten sie sehr den klassischen Honoratioren der CSU, deren Nachfolge sie antraten. Mit ihnen hatte die ‚neue Generation‘ die Verwurzelung im christlichen Glauben und dem landwirtschaftlichen Verbandswesen gemeinsam. Allerdings zeichneten sich die jungen CSU-Politiker durch ihre moderne Einstellung und einen dadurch beeinflussten Politikstil aus. Ihnen gelang es den Organisationsapparat der Partei auszubauen und zu reaktivieren. Sie erweiterten den bisher hauptsächlich auf den Wahlkampf konzentrierten politischen Dialog mit der Bevölkerung um Veranstaltungen und Sprechstunden und trugen damit auch zu einer stärkeren Demokratisierung des politischen Prozesses bei. Auch das innerparteiliche Klima  wurde durch sie ausgeglichener. Im Jahr 1955 wurde Franz Xaver Köck in seinem Amt als Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg von Karl Neuburger&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Neuburger initiierte eine Anzahl von Neugründungen von CSU-Ortsverbänden im Landkreis, bei denen er besonders eng mit den jeweiligen Pfarrern zusammen arbeitete. Durch diese Parteireform wuchs auch die Zahl der Parteimitgliederzahl im Landkreis. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 218-219. &amp;lt;/ref&amp;gt; abgelöst, der sich mit Josef Bauer optimal ergänzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 212-215.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Simon Hangl stellte die CSU 1957 einen nebenberuflichen Geschäftsführer für den Bundeswahlkreis ein, zu dem auch der Landkreis Wasserburg gehörte. Durch ihn sollte Karl Neuburger entlastet werden, der nicht nur Kreisvorsitzender im Landkreis Wasserburg war, sondern Josef Bauer auch in den anderen beiden zum Bundeswahlkreis gehörenden Landkreisen (Altötting und Mühldorf am Inn) den Rücken frei hielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 229-230.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedingt durch die nun voranschreitende Organisation der Partei und den Generationenwechsel konnte die CSU auch in den Jahren nach 1955 bayernweit Wahlerfolge erzielen. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1956 zeigte sich, dass die CSU besonders dort, wo sie über einen funktionierenden Ortsverband verfügte, gute Wahlergebnisse erhielt. Mit den in Bayern erzielten 57,2% knüpfte die CSU bei der Bundestagswahl im Jahr 1957 erstmals wieder an ihre Wahlergebnisse von 1946 an. Die Bayernpartei musste dagegen große Stimmenverluste hinnehmen. Ausschlaggebend für diesen Erfolg waren unter anderem die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Entwicklung Westdeutschlands unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und das neue Grundsatzprogramm, mit dem sich die CSU 1957 selbst auf die Höhe der Zeit brachte. Auch die Ausstattung der Bundeswahlkreisgeschäftsstellen wurde vor dem Wahlkampf in den ländlichen Regionen verbessert. So verfügte das Sekretariat in Wasserburg schließlich über ein langersehntes Auto und einen Filmprojektor zum Abspielen des eigens für die CSU angefertigten, psychologisch äußerst geschickt komponierten Werbefilms.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 234-238.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bayernpartei verlor im Laufe der 1950er Jahre schnell an Dynamik und Attraktivität. Im Jahr 1954 ergriffen ihre Vertreter die verzweifelte Maßnahme sich mit der SPD, der FDP und dem BHE&amp;lt;ref&amp;gt;BHE steht für den Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten. Die politische Vereinigung vertrat die Interessen einer durch Krieg, Flucht und Vertreibung gezeichneten Gesellschaftsschicht. Da ihre inhaltlichen Schwerpunkte die Sozial- und Flüchtlingspolitik waren, verstärkte eine Koalition mit ihr die Unglaubwürdigkeit der Bayernpartei für ihre Stammwählerschaft zusätzlich. Vgl. Daniel Schönwald, Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikonbayerns.de/Lexikon/Block_der_Heimatvertriebenen_und_Entrechteten_(BHE)#Inhaltliche_Schwerpunkte_in_Bayern (21.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; in einer ‚Viererkoalition‘ gegen die CSU zu verbünden. Dabei wurde sie für ihre Wählerschaft immer unglaubwürdiger, wenn sie versuchte, sich als einzige Bewahrerin bayerischer Tradition zu präsentieren, aber gleichzeitig mit der SPD koalierte. Auch existierten viele Zukunftsängste und materielle Nöte, die sich die Bayernpartei zunächst als Protestbewegung hatte zunutze machen können innerhalb der nun vom ‚Wirtschaftswunder‘ beflügelten Bevölkerung nicht mehr. Viele ihrer einstigen Spitzenpolitiker wechselten von der Bayernpartei zur CSU. Schließlich verschwand die Bayernpartei genauso rasch von der politischen Bildfläche, wie sie zehn Jahre zuvor aufgetaucht war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 244-245.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen herben Rückschlag musste die CSU im Landkreis Wasserburg jedoch bei den Landrats- und Landtagswahlen im Jahr 1958 hinnehmen. Sie versuchte zunächst vergeblich den amtierenden Landrat Heinrich Stulberger (Bayernpartei) von einer Kandidatur auf der CSU-Liste oder zumindest zu einem gemeinsamen Vorschlag von CSU und Bayernpartei zu überzeugen. Notgedrungen präsentierte sie dann den völlig unbekannten Oberregierungsrat Hans-Georg Mayer aus München als Landratskandidaten. Die Popularität des Landrates war schließlich ausschlaggebend dafür, dass Stulberger mit 77,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt wurde, während Mayer enttäuschende 22,7 Prozent erhielt. In der Folge drohte der Kreisvorsitzenden Karl Neuburger mit seinem Rücktritt und es kam zu Auflösungserscheinungen in einigen CSU-Ortsverbänden. Diese Niederlage im Landkreis Wasserburg war jedoch nicht repräsentativ für die Landratswahlen von 1958, bei denen die CSU bayernweit betrachtet sehr erfolgreich war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 250-251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die SPD in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heimatfest 1949 mit Kriegisch und Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Josef Kriegisch (Erster von links) beim Wasserburger Heimatfest 1949.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Landkreis Wasserburg war einer der wenigen bayerischen Landkreise, in denen die SPD bei den Landtagswahlen 1946 Zugewinne verbuchen konnte. Es gelang ihr, sich dauerhaft als Vertretung der Flüchtlinge und Vertriebenen im Landkreis zu etablieren. Dabei bemühte sich die Partei gezielt um die Neubürger und stellte die Lösung des Flüchtlingsproblems ins Zentrum des Bundestagswahlkampfes von 1949. Um diese zu erreichen, wollte die SPD Fürsorgeleistungen verbessern und Arbeitsplätze schaffen sowie für einen gerechten Lastenausgleich sorgen. Unter den Politikern der SPD befanden sich beispielsweise mit Volkmar Gabert&amp;lt;ref&amp;gt;Volkmar Gabert wurde 1923 in der Tschechoslowakei geboren und musste 1938 mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten nach England fliehen. 1946 kam er nach München, wo er sich durch die soziale Betreuung von Heimatvertriebenen einen Namen machte. In der SPD stieg er schnell auf. Ab 1950 gehörte er dem bayerischen Landtag an, 1958 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion. 1963 wurde er Landesvorsitzender der SPD in Bayern. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 261-262.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Josef Kriegisch&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Kriegisch konnte sich 1950 mit großer Mehrheit als Kandidat der SPD für die Landtagswahl 1950 durchsetzten. Wie Volkmar Gabert war er 1923 in der Tschechoslowakei geboren. Beim Kriegseinsatz an der Ostfront wurde er 1943 schwer verwundet und verlor ein Bein. Nach einem Aufenthalt im Lazarett studierte Kriegisch in Wien Jura. Nachdem seine Mutter aus der Tschechoslowakei ausgewiesen worden war, übersiedelte er nach Wasserburg. Er fand eine Anstellung als Verwaltungsjurist im Landratsamt und trat in die SPD ein, für die er nicht nur die Heimatvertriebenen, sondern auch die Kriegsversehrten repräsentieren konnte. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 262.&amp;lt;/ref&amp;gt; auch Personen die selbst Flucht und Vertreibung erfahren hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 258-261.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gelang es der SPD in den 1950er Jahren nicht, in den ländlichen Regionen Bayerns Fuß zu fassen. In der öffentlichen Meinung galt sie vielerorts noch als ‚kirchenfeindlich‘, was es der Partei besonders in den katholisch geprägten Landesteilen schwer machte. Ungeschickte gegen die Kirche gerichtete Äußerungen, beispielsweise von Parteichef Kurt Schumacher, verstärkten diese Skepsis noch und lieferten CDU und CSU eine willkommene Angriffsfläche. Die Kirche ihrerseits rief die Gläubigen dazu auf, nur einer christlich ausgerichteten Partei ihre Stimmen zu geben. Auch der in Westdeutschland beinahe allgegenwärtige Antikommunismus schadete den Sozialdemokraten besonders auf dem Land. Die politischen Gegner nutzten diese Stimmung und versuchten die SPD gezielt als Partei des Kommunismus zu stilisieren. Und für viele mit dem unter Bundeskanzler Adenauer erzielten ‚Wirtschaftswunder‘ Zufriedene klang der Wunsch der SPD nach Wirtschaftsplanung und Sozialisierung der Schlüsselindustrien zu sehr nach einer Planwirtschaft sowjetischen Typs. Das von der SPD propagierte Agrarprogramm fand in ländlichen Gegenden ebenso keine große Zustimmung, da es besonders für die Konsumenten und nicht für die Produzenten landwirtschaftlicher Produkte Verbesserungen vorsah. Die Lebensbedingungen der Bauern spielten darin keine Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 263-267.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stärker als die CSU griff die SPD bei der Finanzierung ihrer Parteiarbeit auf Mitgliederbeiträge zurück. Der Verlust von Mitgliedern wirkte sich somit besonders negativ auf die Finanzkraft der Partei aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 271-273.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die wachsenden Ausgaben für den Wahlkampf bedeuteten für die SPD eine größere Herausforderung als für die CSU, die auf großzügige Spenden aus der Industrie hoffen konnte. Daneben brachte auch das Kassieren der Mitgliederbeiträge Probleme mit sich. Gezahlt wurde nicht per Bankeinzug oder Überweisung sondern persönlich bei einem zur Vorstandschaft des jeweiligen Ortsvereins gehörenden Kassier. Die SPD versuchte ihre dauerhaft schlechte finanzielle Situation durch eine Zentralisierung der Organisation auf allen Ebenen in den Griff zu bekommen. Kleine Geschäftsstellen sollten verschwinden und ganze Bezirke wurden für die Parteiarbeit miteinander fusioniert. So wurde aus den SPD-Bezirken Oberbayern und Schwaben der Bezirk Südbayern, was wiederum Probleme und Eifersüchteleien zur Folge hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 274-275.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ausdünnung des Parteiapparates aus finanziellen Gründen ging auf Kosten der ländlichen Regionen, da sich die Bezirkssekretariate nur noch in den urbanen Zentren wie München oder Nürnberg befanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So stärkte die organisatorische Entwicklung der SPD in den fünfziger Jahren einseitig die städtischen Hochburgen, während sie die Probleme in der ländlichen Diaspora noch verschärfte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Schwäche auf dem Land zeigte sich auch im Wahlkampf, in dem es der SPD schwer fiel, die wenigen Stammwähler zu mobilisieren und neue Stimmen hinzuzugewinnen. Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Bundestagswahl 1949 und der Landtagswahl 1950 stand für die SPD fest, dass sie in Bayern nicht ohne einen Zugewinn in den landwirtschaftlich geprägten Regionen Fuß fassen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Abwanderung vieler Flüchtlinge und Vertriebener in Regionen, in denen sich ihnen bessere Verdienstmöglichkeiten boten, verlor die SPD auf dem Land wichtige Wähler und Parteimitglieder. Und nicht nur die Aussicht auf eine gut bezahlte Arbeit veranlasste viele Neubürger dazu, dem Land den Rücken zu kehren. Flüchtlingen, die noch dazu der SPD angehörten, schlug dort immer wieder Geringschätzung entgegen. Aber auch die einheimischen SPD-Mitglieder hatten es nicht einfacher. So hatte die Partei in den gesamten 50er Jahren Schwierigkeiten bei der Anmietung von Vereinslokalen im ländlichen Raum. Aus Angst um den Arbeitsplatz wagten manche Sympathisanten den Eintritt in die SPD nicht. Auf Anfeindungen reagierten betroffene Ortsvereine mit einer starken Abschottung von der Außenwelt. Ihren Mitgliedern boten sie dagegen vielerorts ein umfangreiches Betätigungsfeld. Die SPD wurde damit eine Alternative zu den dörflichen und kleinstädtischen Vereinen, zu denen Parteimitgliedern der Zutritt oft verwehrt blieb. Auch wenn die SPD damit ihren Mitgliedern ein Gefühl der Zugehörigkeit gab, blieb sie durch die Abschottung vom ländlichen Umfeld für viele eine &#039;&#039;fremde Partei&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 290-292.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Juliane Günther}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Wiederbeginn_des_politischen_und_kommunalen_Lebens_nach_1945_im_Landkreis_Wasserburg&amp;diff=1509</id>
		<title>Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg</title>
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		<updated>2019-02-25T16:10:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Juliane Günther|Juliane Günther]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Juliane Günther]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel basiert auf den den Landkreis Wasserburg am Inn betreffenden Kapiteln aus der Publikation: Jaromir Balcar, Politik auf dem Land. Studien zur Bayerischen Provinz 1945 bis 1972 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Band 56/Bayern im Bund, Band 5), 2004. Neben dem Landkreis Wasserburg am Inn betrachtet der Autor auch die Landkreise Landsberg am Lech (Oberbayern), Bogen (Niederbayern), Bleingries, Neumarkt und Roding (Oberpfalz), Feuchtwangen und Rothenburg ob der Tauber (Mittelfranken), Königshofen im Grabfeld (Unterfranken) sowie Neuburg an der Donau und Nördlingen (Schwaben) im Zeitraum von 1945 bis 1972.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ausgangssituation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrschten  besonders in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg am Inn prekäre Zustände. Das Leben der Menschen war bestimmt von blanker materieller Not und der Sorge um eine ungewisse Zukunft. Hinzu kamen schlechte Verkehrsbedingungen, vielerorts eine unzureichende Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung sowie eine mangelhafte Stromversorgung. Es fehlte nicht zuletzt an modernen Bildungseinrichtungen. Auch waren viele Flüchtlinge und Vertriebene in der Folge des Krieges in den Landkreis Wasserburg gekommen, was nicht selten zu Reibereien mit dort Einheimischen führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Mit den Flüchtlingen und Vertriebenen kam auch erstmals eine nennenswerte Anzahl von Protestanten in die katholisch geprägte Region. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 460.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober des Jahres 1946 lebten bereits über 54.000 Menschen im Landkreis, was verglichen mit den rund 39.000 im Jahr 1939 einen sprunghaften Bevölkerungsanstieg bedeutete.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 134.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die amerikanische Besatzungsmacht beanspruchte zudem uneingeschränkte Hoheitsrechte in ihrem Besatzungsgebiet. Das gesamte öffentliche Leben wurde von der Militärregierung geregelt. Sie ernannte neue Amtsträger und ließ führende Funktionsträger des Dritten Reiches inhaftieren. Mit pauschalen Massenentlassungen ehemaliger Mitglieder der NSDAP besonders im Bereich der öffentlichen Verwaltung bekämpfte sie den Nationalsozialismus. Im Mai 1945 wurde der ehemalige Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Fritz Schäffer&amp;lt;ref&amp;gt;Fritz Schäffer wurde bereits Ende September 1945 wieder aus seinem Amt als Ministerpräsident entlassen, da er die Säuberung der öffentlichen Verwaltung von Nationalsozialisten nicht ausreichend rigoros betrieben haben soll. Als neuer Ministerpräsident wurde der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner ernannt, der bereits vor 1933 als Gegner Adolf Hitlers hervorgetreten und anschließend in die Schweiz emigriert war. Vgl. Wolfgang Benz, Alliierte Deutschlandpolitik, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Alliierte_Deutschlandpolitik (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;, von der Militärregierung zum Ministerpräsidenten ernannt. Die nun zum Handeln gemäß der Anweisungen der Militärregierung befugte Bayerische Staatsregierung stand vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Einen nicht unerheblichen Teil davon stellte neben der Versorgung der Bevölkerung auch die Wiederherstellung der öffentlichen Verwaltung dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg, URL: http://www.hdbg.de/polges/pages/druck/kapitel8.pdf (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Bestreben der Besatzungsmacht nach Kriegsende rasch eine Demokratie in Bayern zu etablieren, schuf hingegen den gesetzlichen Rahmen für den Wiederbeginn des politischen Lebens. Dabei behielten sich die Amerikaner die Entscheidung über jeden einzelnen Gründungs- oder Neuzulassungsantrag einer Partei vor.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg (wie Anm. 5).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die an einem politischen Neubeginn arbeitenden Parteien waren die Ausgangsbedingungen schwierig. Oft konnten die Parteimitglieder weder telefonisch noch brieflich miteinander in Verbindung treten. Besonders die Papierknappheit erschwerte eine Neuorganisation.  Darüber hinaus herrschte innerhalb der Bevölkerung angesichts des verlorenen Krieges und der von der amerikanischen Besatzungsmacht durchgeführten Entnazifizierungsmaßnahmen eine gewisse politische Apathie.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 133.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der CSU nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in den ländlichen Regionen Altbayerns vollzog sich die Gründung der CSU in einer direkten Anknüpfung an die Bayerische Volkspartei (BVP), die während der Weimarer Republik existiert hatte und aus der Bayerischen Zentrumspartei hervorgegangen war. Im Landkreis Wasserburg, wo die BVP bis 1933 eine der einflussreichsten Parteien war, wurde die CSU quasi direkt &amp;quot;auf Anweisung&amp;quot; aus München ins Leben gerufen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ende 1945 wandte sich[Staatsrat] Fritz Schäffer, der von München aus die Fäden zog, in einem Brief an seinen ehemaligen Parteifreund [[Franz Xaver Köck]], um ihn von der Gründung der ‚Bayerischen Christlich-Sozialen Union‘ in München zu informieren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 137.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in der Stadt Wasserburg lebende Bäckermeister Franz Xaver Köck hatte zur Zeit der Weimarer Republik den Vorsitz der BVP in der Region innegehabt und schien nun die ideale Person für die Etablierung der CSU im Landkreis. Am 17.12.1945 lud Köck zu einer Versammlung in die ‚Gaststätte Aumüller‘ ein, die zur politischen Lizensierung der CSU im Landkreis führen sollte. Zu der Veranstaltung kamen 54 Besucher, darunter befanden sich auch viele von der Militärregierung eingesetzte Bürgermeister aus der Region. Die für die Lizensierung notwendigen 25 Unterschriften von Bürgern die sich während des Nationalsozialismus nichts hatten zuschulden kommen lassen waren schnell beisammen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 138. &amp;lt;/ref&amp;gt; 23 der zur Versammlung erschienenen Personen waren Selbstständige, neun von diesen Bauern. Ebenfalls vertreten waren selbstständige Kaufleute, Landhandwerker, Fabrikanten und Rechtsanwälte. Abhängig Beschäftigte, Arbeiter und besonders Frauen suchte man unter den Gründungsmitgliedern vergeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein planmäßiger Aufbau stabiler Organisationsstrukturen gelang der CSU im ersten Jahr nach ihrer Lizensierung im gesamten Landkreis vorerst nicht. Die Partei veranstaltete nur eine öffentliche Veranstaltung im Monat und erhob keine Mitgliederbeiträge. Anfallende Kosten beglich der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck aus eigener Tasche.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139-140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Inhaltlich orientierte sich die Partei an den Leitgedanken ihrer Gründungsmitglieder, die hauptsächlich dem in der Region verwurzelten ländlich-katholischen Besitzmittelstand entstammten. Ein erster 1945 erstellter programmatischer Orientierungsrahmen war zudem nicht frei von unter Alteingesessenen verbreiteten Ressentiments gegen ‚Preußen‘ und Neubürger. Die CSU verstand sich als eine ‚Partei der Bayern‘, in der die Mitgliedschaft von Vertriebenen und Flüchtlingen zwar formal nicht ausgeschlossen, aber eine Seltenheit war. Eine große Rolle spielte das Prestige der in der Gegend meist gut angesehenen Parteimitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das rudimentäre Programm war vielmehr als Aufforderung an die Einheimischen zu verstehen, sich hinter dem breiten Rücken angesehener und weithin geachteter Persönlichkeiten zu scharen, die die Lauterkeit der Ziele der Partei verbürgen sollten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre eigene Entwicklung schätze die CSU weitaus positiver ein als sie letztlich von Statten ging. So gingen die Parteigründer bereits 1946 von 6.000 bis 7.000 Parteimitgliedern aus, die damit mehr als zehn Prozent der Bevölkerung im Landkreis ausgemacht hätten. Obwohl die Wasserburger Militärregierung diese Zahlen akzeptierte und die neu hinzukommenden Mitglieder einfach dazu addierte, waren 1946 nur 354 Personen eingeschriebene Parteimitglieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Aufbauphase der CSU spielten einflussreiche und in der Region bekannte Persönlichkeiten eine große Rolle, die die Anliegen der Partei in den wenigen öffentlichen Veranstaltungen wortgewandt vorbrachten. Der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck stellte sich jedoch weder als mitreißender Redner noch als begnadeter Organisator heraus. Schnell geriet er in den Schatten der eigentlichen, unter den Gründungsmitgliedern vertretenen Führungspersönlichkeit: Dr. Max Zwicknagl. Der aus einem großbürgerlichen Elternhaus stammende promovierte Ökonom war bereits in den 1920er Jahren im Wirtschaftsbeirat der BVP beschäftigt gewesen. Nachdem er unter den Nationalsozialisten mehrfach Geldbußen und kürzere Haftstrafen hatte ableisten müssen, wurde Zwicknagl 1944 zum Kriegsdienst einberufen. Nach Kriegsende unterstützte er die Amerikaner als unbescholtener Einheimischer in einem Fünferausschuss bei der Entnazifizierung in Rott am Inn. Dabei ging er schonungslos gegen die Bewohner der Gemeinde vor, die sich als überzeugte Nationalsozialisten gezeigt hatten. Im Urteil über die ‚Verführten‘ berief er sich jedoch auf die christliche Nächstenliebe und ließ Milde walten. Der wortgewandete Brauereibesitzer stieg nach seinem Einzug in den Kreistag im April 1946 schnell zum Vorsitzenden der CSU Fraktion auf. Dabei positionierte sich Zwicknagl auch klar für den Unterschied von der gescheiterten BVP. Er sah die CSU als eine moderne Partei die über die katholische Bevölkerung hinaus auch liberale und evangelische Wähler ansprechen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141-145.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den ständigen Streitigkeiten die zwischen der CSU Landtagsfraktion und der Landesleitung herrschten, befand sich die Partei im Landkreis Wasserburg in einem tendenziellen Gleichgewicht. Dieses garantierte in der Anfangszeit den Frieden innerhalb des Kreisverbandes und damit auch seine ersten Erfolge.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 147.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der SPD nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die SPD nach Kriegsende im Gegensatz zur CSU keine neue Partei war, musste sie sich von Grund auf neu organisieren. Im Landkreis Wasserburg kamen für diesen Neubeginn erschwerte Bedingungen hinzu, da das vor 1933 dort vorhandene sozialistische Milieu 1945 kaum noch existierte. In städtischen Ballungszentren fiel es der SPD leichter, sich zumindest personell neu zu organisieren, während ihre Etablierung in den Dörfern besonders schwer fiel. Sie hielt an dem Charakter einer Arbeiterpartei fest und beschränkte sich somit selbst auf die Zielgruppe der städtischen Industriearbeiterschaft. Auf die Landarbeiter, bei denen die SPD noch nie großen Anklang gefunden hatte, wirkte die von dem Parteivorsitzenden Kurt Schumacher verwendete aggressive Klassenkampfrhetorik zudem abschreckend.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch im Landkreis vorhandenen Anhänger der SPD betonten im Antrag auf die Wiederzulassung nicht ohne Stolz die langjährige Geschichte der Partei als traditionelle Gegnerin des Nationalismus. Stark bezog sich die SPD bei ihrer Neuorganisation auf Strukturen aus der Zeit der Weimarer Republik. Die vor 1933 gültigen Statuten wurden bei der Neuzulassung wieder in Kraft gesetzt. Auch ihr Mitgliederprofil hatte sich kaum verändert und viele der 25 Parteigründer waren schon vor 1933 Mitglieder der SPD gewesen. Von ihnen gehörten 20 zur Arbeiterschaft, wobei Facharbeiter gegenüber ungelernten Hilfsarbeitern dominierten. Drei gingen einer selbstständigen Tätigkeit nach, Bauern, Landarbeiter und Frauen befanden sich nicht unter ihnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148-149.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef Estermann.jpg|200px|thumb|right|Josef Estermann 1945]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gegner des Nationalsozialismus wurden die SPD-Mitglieder von der amerikanischen Besatzungsmacht gefördert und auch im Landkreis Wasserburg wurden wichtige Ämter zunächst mit ihnen besetzt. So wurde einer der Neugründer, der Korbmacher Josef Estermann, von den Amerikanern im Mai 1945 zunächst zum Bürgermeister der Kreisstadt und im Oktober des gleichen Jahres zum Landrat ernannt. Der 1898 in Wasserburg geborene aus kleinen Verhältnissen stammende Estermann war nicht zuletzt durch seinen turbulenten Lebenslauf eine schillernde Persönlichkeit innerhalb der Partei. Zunächst Mitglied der SPD, war er von deren lascher Haltung enttäuscht der KPD beigetreten und wegen der Beteiligung an einem Waffendiebstahl steckbrieflich gesucht worden. Schließlich floh er nach Russland. Von dort aus musste er erneut fliehen, da er in das Räderwerk der Geheimpolizei Stalins geraten war. 1932 verurteilte man ihn in Leipzig zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe und im Jahr 1933 brachte man ihn in das Konzentrationslager Dachau, aus dem er 1934 wieder entlassen wurde. Zurück in Wasserburg arbeitete er erfolgreich als selbstständiger Korbmacher, der sich durch die Produktion von kriegswichtigen Granatkörben dem Einsatz im Zweiten Weltkrieg entziehen konnte. In den letzten Kriegstagen wurde Estermann zum Anführer einer gegen die Nationalsozialisten gerichteten Freiheitsaktion und aufgrund dessen wenig später von einem Schnellgericht zum Tode verurteilt. Ihm gelang wiederum die Flucht in den Leichenraum des Wasserburger Krankenhauses, in dem er sich bis zum Eintreffen der Amerikaner in der Stadt verbarg. Jedoch war Josef Estermann nur kurzfristig Landrat, da ihn ehemalige Bekannte aus seiner Zeit bei der KPD wegen seines Übertritts zur SPD als angeblichen Spitzel der Gestapo denunzierten. Auch wenn der gegen ihn angestrebte Prozess bald im Sand verlief, war seine politische Karriere damit beendet. Die Wahlen im Jahr 1946 beendeten zudem die Stellung, die die SPD in der Stadt Wasserburg besessen hatte, als Alfons Püls von der CSU neuer Bürgermeister wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 150-151.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Verlust Estermanns wurde die SPD im Landkreis Wasserburg &#039;&#039;kopf- bzw. führungslos&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss der SPD konzentrierte sich sehr auf die Kreisstadt, während der Landkreis mit seiner hauptsächlich aus katholisch geprägten Bauern, Handwerkern und Landarbeitern bestehenden Bevölkerung für die Partei schwer erreichbar blieb. Daneben nutzten andere Parteien die auf dem Lande bestehende Skepsis gegen die SPD geschickt aus. Zum Zeitpunkt ihrer offiziellen Zulassung im Januar 1946 zählt die SPD 33 Parteimitglieder. Anfang April waren es bereits 67, wovon jedoch 51 in der Kreisstadt lebten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit konkreten Werbekampagnen bemühte sich die SPD besonders um die Neubürger im Landkreis. Obwohl dieser Personenkreis 1946 fast 22 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmachte, war die SPD zunächst die einzige Partei, die ihn als potentielle Wähler umwarb. Sie organisierte Versammlungen für Neubürger und konnte ihre Mitgliederzahl besonders in der Kreisstadt enorm vergrößern. Bei Alteingesessenen wurde sie deswegen jedoch verächtlich als eine Partei der ‚Ortsfremden‘ betrachtet, was die SPD in ihrer Werbung um neue Parteimitglieder wenig beeindruckte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 154.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wahlen und Wahlkampf im Jahr 1946 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die SPD bei der ersten Landtagswahl nach Kriegsende im Landkreis Wasserburg mit rund 17 Prozent das beste Ergebnis nach den Wahlen von 1928 (acht Prozent) und 1932 (rund sechs Prozent) erzielen konnte, war die CSU die eindeutige Wahlsiegerin und somit dominierende Kraft in der Region. Die kurze zwischen der Ankündigung der Wahlen und deren Durchführung liegende Zeit stellte für alle Parteien gleichermaßen ein Problem dar. Besonders hinderlich für den Wahlkampf war die nach Kriegsende herrschende, notorische Papierknappheit. Die CSU meisterte diese Herausforderung insofern am besten, als sie auf öffentliche Wahlveranstaltungen mit Diskussionen und zugkräftigen Rednern setzte. Unter anderem konnte sie Fritz Schäffer gewinnen, der bis vor kurzem noch den Posten des Ministerpräsidenten bekleidet hatte und 550 Zuhörer aus der ganzen Region anziehen konnte. In seiner rhetorisch ausgefeilten Ansprache verglich Schäffer unter anderem die Rolle der durch den Nationalsozialismus ‚Verführten‘ mit der Versuchung Christi durch den Satan und kritisierte den hohen Anteil von ‚Zugereisten‘ in der Verwaltung. Auch die weiteren, nur mit Rednern aus dem katholisch-konservativen Flügel der Partei besetzten Veranstaltungen, waren sehr erfolgreich. Wie die CSU organisierte auch die SPD öffentliche Wahlveranstaltungen mit prominenten Rednern, die sich großer Beliebtheit erfreuten und durchschnittlich zwischen 200 und 300 Besucher anzogen. Verglichen mit den CSU-Rednern gelang es den Referenten der SPD jedoch nicht gleichermaßen, die Ängste, Wünsche und Hoffnungen der Landbevölkerung anzusprechen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 156-158.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die SPD war bestrebt, sich mit den in den Landkreis gekommenen Flüchtlingen und Vertriebenen neue Wählergruppen zu erschließen. Dieses Vorhaben wurde jedoch von der am 18. Dezember 1945 von den Amerikanern erlassenen bayerischen Gemeindeordnung gestört, die nur deutschen über 21 Jahre alten Staatsbürgern, die mindestens ein Jahr in ihrer Gemeinde ansässig waren, das Wahlrecht zusprach. Gleiches galt auch für die Kreistagswahlen und die Wahl zur Verfassungsgebenden Landesversammlung. Durch ihre Vergangenheit im Nationalsozialismus belastete Personen waren von den ersten Wahlen in Bayern ebenfalls ausgeschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 164-165.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger als der SPD gelang es der KPD im Landkreis Wasserburg Fuß zu fassen. Nur mit Mühe hatten die Initiatoren die für eine Zulassung notwendigen 25 Unterschriften aufbringen können. Umso weniger Aufmerksamkeit erhielten die Wahlveranstaltungen der KPD, die jedoch einen engagierten und aufwändigen Wahlkampf betrieb und sogar mit Flugblättern arbeitete. Doch auch dieser Aufwand wirkte sich letztendlich negativ für das Image der Partei aus, da die Bevölkerung die massive Flugblattkampagne angesichts der Papierknappheit als geschmacklos empfand.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 160-161.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Grund für die im Landkreis Wasserburg und anderen ländlichen Regionen Bayerns erzielten Wahlerfolge der CSU im Jahr 1946 sieht der Historiker Jaromír Balcar in der Bedeutung ihres politischen Personals. Die Partei konnte in dem auf dem Land sehr personalisierten Wahlkampf auf geachtete und angesehene Persönlichkeiten zurückgreifen. Neben einer streng antikommunistischen Stimmung wirkte auch die Kirche als ein wichtiger politischer Faktor für die CSU. Daneben fand ihre mit Blick auf die christliche Nächstenliebe praktizierte Aufarbeitung des Nationalsozialismus bei der Bevölkerung Zustimmung. Das Prinzip die ‚Verführer‘ zu bestrafen, gegen die ‚Verführten‘ jedoch Milde walten zu lassen, befürworteten diejenigen, die die Entnazifizierung als zu radikal und ungerecht empfanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gewerkschaften, die vor 1933 die Arbeit der SPD unterstützt hatten, waren nach Kriegsende nur langsam wieder aufgebaut worden. Als sie in regionalen Zentren wie der Stadt Wasserburg wieder zu existieren begannen, unterstützten sie erneut die SPD. Jedoch beschränkte sich ihr Einfluss auf die in Wasserburg sehr kleine Gruppe der Industriearbeiter. Die größere Gruppe der Bauern und Landarbeiter wiederum stand unter dem Einfluss des Bayerischen Bauernverbandes, der der CSU verbunden war. Ebenfalls unterstützend für die CSU wirkte die Lizensierungspraxis der amerikanischen Besatzungsmacht, die den Aufbau des bayerischen Parteiensystems als Fünfermatrix zur Folge hatte. Zunächst bildeten diese die Parteien CSU, SPD, KPD, FDP und WAV&amp;lt;ref&amp;gt;WAV steht für die Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung die 1946 in Bayern als Partei lizensiert wurde. Wegen ihres nicht unumstrittenen Gründers Alfred Loritz wurde sie auch ‚Loritz-Partei‘ genannt. Die WAV verfolgte kein schriftlich niedergelegtes Programm, sondern versuchte durch ihre betonte Andersartigkeit, die sie von den in der Weimarer Zeit gescheiterten Parteien unterscheiden sollte, Wähler für sich zu gewinnen. Besonders der Führungsstil von Alfred Loritz destabilisierte die WAV. Nachdem es die Partei geschafft hatte, eine Beteiligung im Kabinett von Ministerpräsident Hans Ehard (CSU) zu erlangen, verschwand sie ab 1950 aus dem Landtag und in der Bedeutungslosigkeit. Alfred Loritz hatte 1946 den Posten eines Sonderministers für Politische Befreiung erhalten, aus dem er bereits 1947 wieder entlassen wurde. Im Landkreis Wasserburg hatte die WAV bei den Landtagswahlen im Jahr 1946 rund neun Prozent der Stimmen erreicht. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 162 und Daniel Schönwald, Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung (WAV), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wirtschaftliche_Aufbau-Vereinigung_(WAV) (17.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als interkonfessionelle Sammlungspartei wollte die CSU das gesamte, vor 1933 in Bayern stark gespaltene, bürgerlich-konservative Lager als Wähler ansprechen. Innerhalb des Parteiensystems gab es für sie kaum ernsthafte Konkurrenz. Dabei stellte sich die große und heterogene Gruppe der potentiellen Wähler auch als Herausforderung dar, was sich in permanenten Führungs- und Flügelkämpfen äußerte. So blieb die Führungsrolle, die die CSU nach den Wahlen 1946 in Bayern innehatte, auch abhängig von der Lizensierungspolitik der amerikanischen Besatzungsmacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 167-168.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die CSU in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ende der amerikanischen Lizensierungspraxis erhielten die CSU und die SPD ab 1948 politische Konkurrenz. Im Fall der CSU war dies insbesondere die ab 1946 auf kommunaler und ab 1948 auf Landesebene lizensierte Bayernpartei. Für die SPD waren es die ab 1950 gegründeten Flüchtlingsparteien, deren Lizensierung die Militärregierung zuvor abgelehnt hatte. Nach dem verlorenen Krieg herrschende wirtschaftliche und soziale Probleme begünstigten zudem die Gründung von Regional- und Protestparteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 169.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Landrat Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Landrat Heinrich Stulberger 1949 beim Wasserburger Heimatfest.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Organisationsaufbau der CSU ging auch nach den Wahlerfolgen im Jahr 1946 besonders auf dem Land nur schleppend voran. Hinzu kamen pausenlosen Diskussionen um die Ausrichtung der Partei mit anhaltenden Flügelkämpfen. Mit der von Ludwig Max Lallinger ins Leben gerufenen Bayernpartei erhielt die CSU eine gefährliche Rivalin im Kampf um die bürgerlich-konservative Wählerschaft. Bereits bei den Kommunalwahlen im April 1948 konnte die Bayernpartei besonders im Regierungsbezirk Oberbayern viele ehemalige CSU-Wähler für sich gewinnen. Auch angesehene Politiker wie der ehemalige Landwirtschaftsminister Joseph Baumgartner verließen die CSU zu Gunsten der Bayernpartei, was dieser wiederum Prestige einbrachte. Im Landkreis Wasserburg erhielt die Bayernpartei bei den Kommunalwahlen 1948 die stimmliche Mehrheit und ihr Kandidat Heinrich Stulberger – ebenfalls ein ehemaliger CSU-Politiker – wurde zum Landrat gewählt. Besonders schmerzlich für die Wasserburger CSU muss die Tatsache gewesen sein, dass Stulberger 1945 zu ihren 25 Gründungsmitgliedern gehört hatte. Gemeinsam mit der Union der Ausgewiesenen, mit der sie vor der Wahl eine Listenverbindung eingegangen war, konnte die CSU jedoch zumindest ihre Position als stärkste Fraktion im Wasserburger Kreistag behalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 175-176.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele CSU-Mitglieder verließen ihre Partei in der Hoffnung auf eine schnellere politische Karriere bei der Bayernpartei. Einige waren zuvor mit ihren Ambitionen bei der CSU gescheitert, wie auch der Sägewerksbesitzer Andreas Schachner, der zum Fraktionsvorsitzenden der Bayernpartei im Kreistag des Landkreises Wasserburg gewählt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daneben gelang es der Bayernpartei bis zum Frühjahr 1948, eine ganze Reihe von Bürgermeistern der kreisangehörigen Gemeinden, die zuvor für die CSU kandidiert oder keiner Partei angehört hatten, zum Eintritt zu bewegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem profitierte die Bayernpartei gegenüber der CSU von einer größeren Homogenität in der politischen Ausrichtung ihrer Mitglieder. Solange die Bayernpartei keine Regierungsverantwortung trug, mussten ihre Vertreter in öffentlichen Aussagen und Wahlversprechen keine Rücksicht auf den nach Kriegsende herrschenden Mangel, bestehende Ablieferungsverpflichtungen oder die Integration von Flüchtlingen nehmen. Diese Themen hemmten hingegen die CSU, die den Ministerpräsidenten stellte. Viel einfacher hatte es da die Bayernpartei, die die nach Kriegsende herrschenden Probleme auf die Politik der CSU zurückführen und sich als eine Protestpartei der Einheimischen präsentieren konnte. Zu einem ersten Kräftemessen zwischen den beiden Parteien in ganz Bayern kam es bei der Bundestagswahl im Jahr 1949.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177-178.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wahlkampf setzte die Bayernpartei auf stark inszenierte Veranstaltungen, bei denen die Redner radikale Thesen vertraten. Beispielsweise beschuldigte man Preußen, Bayern ‚ins Verderben‘ geführt zu haben und forderte einen selbstständigen bayerischen Staat. Darüber hinaus wendete sich die Bayernpartei mit großer Polemik gegen die Neubürger oder auch gegen ihre direkte politische Konkurrenz. Im Landkreis Wasserburg kam es zu diffamierenden Angriffen von Seiten der Bayernpartei gegen führende Persönlichkeiten der CSU. Bedingt durch ihre Regierungsverantwortung konnte sich die CSU nicht mit gleicher Polemik zur Wehr setzen, zumal einige CSU-Politiker auch ein Bündnis mit der Bayernpartei in Erwägung zogen und damit wiederum für parteiinterne Diskussionen sorgten. Im Landkreis Wasserburg richtete sich die CSU in ihren Wahlkampfveranstaltungen ohnehin mehr gegen SPD und KPD. Klar sprach man sich jedoch gegen die von der Bayernpartei geforderte bayerische ‚Abspaltung‘ aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 181-183.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Wahlkampf zur Landtagswahl 1950 befand sich die CSU gegenüber der Bayernpartei in der Defensive. Die Wasserburger CSU musste zudem auf ihre Führungspersönlichkeit Max Zwicknagl verzichten, der aus dem bayerischen Landtag in den Frankfurter Wirtschaftsrat gewechselt war und sich aus dem politischen Geschehen im Landkreis mehr und mehr zurückzog.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die CSU 1949 mit 29,2 Prozent der Stimmen stärkste Kraft in Bayern wurde und die Bayernpartei (20,9 Prozent) wie die SPD mit 22,7 Prozent hinter sich ließ, war ihr Wahlergebnis, verglichen mit den vorherigen, alarmierend. Besonders im Landkreis Wasserburg hatte die CSU schlecht abgeschnitten, die Bayernpartei war hier als stärkste Partei hervorgegangen. Anders als die Bayernpartei, die in einzelnen Regierungsbezirken besondere Erfolge erzielen konnte, blieb die CSU jedoch eine gesamtbayerische Partei, die in allen sieben Regierungsbezirken verankert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1950 erlitt die CSU mit 27,4 Prozent der Stimmen erneut eine Niederlage. Im Landkreis Wasserburg hatten nur noch 25,6 Prozent der Wähler ihr ihre Stimme gegeben, was einen Verlust um einen Prozentpunkt im Vergleich zu 1949 bedeutete. Diese Entwicklung kann im Landkreis Wasserburg mit der direkten Konkurrenz der Bayernpartei begründet werden. In 49 der 62 zum Landkreis gehörenden Gemeinden war die Bayernpartei bereits bei den Bundestagswahlen 1949 stärkste Kraft geworden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Landkreis Wasserburg am Inn stellte mit seiner bäuerlichen Prägung und seiner in der großen Mehrheit katholischen Bevölkerung geradezu den Archetyp der altbayerischen Hochburgen der Bayernpartei dar.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kreisstadt selbst wurde die Bayernpartei 1950 auf den zweiten Platz verwiesen. Die stärkste Partei wurde hier allerdings nicht die CSU, sondern die SPD. Das Wahlverhalten der Bewohner der einzelnen Gemeinden in der Vergangenheit hatte auch einen Einfluss darauf, ob eine Gemeinde zur CSU oder zur Bayernpartei tendierte. In Kommunen, in denen die BVP ihre besten Resultate erzielt hatte, schnitt auch die CSU gut ab. Stimmen verlor sie vor allem in Regionen, in denen sich ehemalige Hochburgen des Bayerischen Bauernbundes befanden. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1952 wurden freie Wählergruppen zu einer zusätzlichen Konkurrenz der CSU im Landkreis Wasserburg. Auch gelang es der CSU nicht, mit Karl Deggendorfer das Bürgermeisteramt in der Kreisstadt für sich zu gewinnen. Mit nur 27,3 Prozent der Stimmen musste er sich gegen den amtierenden SPD-Bürgermeister Gabriel Neumeier geschlagen geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192-196.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Trendwende für die CSU brachte die Wahl zum Zweiten Deutschen Bundestag im September 1953. Die Bayernpartei erreichte mit rund neun Prozent ein um über zehn Prozentpunkte schlechteres Ergebnis als bei der ersten Bundestagswahl. Sie konnte nicht in das Bonner Parlament einziehen und sank zu einer reinen Landespartei herab. Als eindeutige Wahlsiegerin ging die CSU hervor. So war es auch im Landkreis Wasserburg. Die Bayernpartei musste sich in einer ihrer einstigen ‚Hochburgen‘ mit nur 25,7 Prozent der Stimmen zufrieden geben, während die CSU 45,7 Prozent erhielt. In 52 der 62 zum Kreis gehörenden Gemeinden setzte sich die CSU als stärkste Partei durch. Dieser für viele Zeitgenossen unerwartete Wahlerfolg kann einerseits mit der großen Popularität von Bundeskanzler Konrad Adenauer begründet werden, hinter den sich die CSU trotz aller internen Streitigkeiten stellte. Für viele Wähler bedeutete die CSU den Fortbestand der Kanzlerschaft Adenauers. Obwohl sich die Bayernpartei in Ermangelung einer Alternative auch für Adenauer aussprach, befand sich die CSU diesbezüglich in der besseren Position. Sie betonte, dass eine Zersplitterung des bürgerlichen Lagers allein der SPD zugute kommen könne.  Einen weiteren Erfolgsfaktor im Wahlkampf bildete darüber hinaus der große Einsatz von Bundestagskandidat Josef Bauer&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Bauer, geboren 1915 in der Stadt Wasserburg, stammte aus der Familie der Molkereibesitzer Bauer. Bereits 1937 stand er, bedingt durch den frühen Tod des Vaters, der Molkerei vor. Als gläubiger Katholik zeigte sich Bauer dem Nationalsozialismus gegenüber reserviert, geriet mit dem Regime jedoch nicht in Konflikt. Den Einsatz im Zweiten Weltkrieg und die anschließende Gefangenschaft überstand er unversehrt. Nachdem Bauer die Molkerei nach Kriegsende saniert hatte, trat er 1951 in die CSU ein und saß 1953 für diese im Wasserburger Stadtrat. Durch seine rhetorische Begabung und sein taktisches Geschick machte sich Bauer in der Partei bald unentbehrlich. Er erwies sich als idealer Repräsentant des Bundeswahlkreises. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 209-210.&amp;lt;/ref&amp;gt; ,der eine große Anzahl von Wahlauftritten absolvierte. Von der Wahlniederlage der Bayernpartei überrascht, traten einige ihrer Funktionäre zur CSU über und es vollzog sich erneut ein Personalwechsel zwischen den beiden Parteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 203-208.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karl Neuburger.jpg|200px|thumb|right|Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg Karl Neuburger]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bauer gehörte zu den jungen Männern, die 1953 einen Generationswechsel bei der CSU in vielen bayerischen Landkreisen einleiteten. Oft verbanden sie die gleichen Erfolg versprechenden Eigenschaften. Sie hatten prägende Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit gesammelt. In den Regionen in denen ihre politischen Karrieren begannen, waren sie tief verwurzelt und auch nach einem Wechsel nach München oder Bonn blieben sie diesen verbunden. Im Hinblick auf ihre soziale Stellung in der Gesellschaft ähnelten sie sehr den klassischen Honoratioren der CSU, deren Nachfolge sie antraten. Mit ihnen hatte die ‚neue Generation‘ die Verwurzelung im christlichen Glauben und dem landwirtschaftlichen Verbandswesen gemeinsam. Allerdings zeichneten sich die jungen CSU-Politiker durch ihre moderne Einstellung und einen dadurch beeinflussten Politikstil aus. Ihnen gelang es den Organisationsapparat der Partei auszubauen und zu reaktivieren. Sie erweiterten den bisher hauptsächlich auf den Wahlkampf konzentrierten politischen Dialog mit der Bevölkerung um Veranstaltungen und Sprechstunden und trugen damit auch zu einer stärkeren Demokratisierung des politischen Prozesses bei. Auch das innerparteiliche Klima  wurde durch sie ausgeglichener. Im Jahr 1955 wurde Franz Xaver Köck in seinem Amt als Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg von Karl Neuburger&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Neuburger initiierte eine Anzahl von Neugründungen von CSU-Ortsverbänden im Landkreis, bei denen er besonders eng mit den jeweiligen Pfarrern zusammen arbeitete. Durch diese Parteireform wuchs auch die Zahl der Parteimitgliederzahl im Landkreis. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 218-219. &amp;lt;/ref&amp;gt; abgelöst, der sich mit Josef Bauer optimal ergänzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 212-215.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Simon Hangl stellte die CSU 1957 einen nebenberuflichen Geschäftsführer für den Bundeswahlkreis ein, zu dem auch der Landkreis Wasserburg gehörte. Durch ihn sollte Karl Neuburger entlastet werden, der nicht nur Kreisvorsitzender im Landkreis Wasserburg war, sondern Josef Bauer auch in den anderen beiden zum Bundeswahlkreis gehörenden Landkreisen (Altötting und Mühldorf am Inn) den Rücken frei hielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 229-230.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedingt durch die nun voranschreitende Organisation der Partei und den Generationenwechsel konnte die CSU auch in den Jahren nach 1955 bayernweit Wahlerfolge erzielen. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1956 zeigte sich, dass die CSU besonders dort, wo sie über einen funktionierenden Ortsverband verfügte, gute Wahlergebnisse erhielt. Mit den in Bayern erzielten 57,2% knüpfte die CSU bei der Bundestagswahl im Jahr 1957 erstmals wieder an ihre Wahlergebnisse von 1946 an. Die Bayernpartei musste dagegen große Stimmenverluste hinnehmen. Ausschlaggebend für diesen Erfolg waren unter anderem die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Entwicklung Westdeutschlands unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und das neue Grundsatzprogramm, mit dem sich die CSU 1957 selbst auf die Höhe der Zeit brachte. Auch die Ausstattung der Bundeswahlkreisgeschäftsstellen wurde vor dem Wahlkampf in den ländlichen Regionen verbessert. So verfügte das Sekretariat in Wasserburg schließlich über ein langersehntes Auto und einen Filmprojektor zum Abspielen des eigens für die CSU angefertigten, psychologisch äußerst geschickt komponierten Werbefilms.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 234-238.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bayernpartei verlor im Laufe der 1950er Jahre schnell an Dynamik und Attraktivität. Im Jahr 1954 ergriffen ihre Vertreter die verzweifelte Maßnahme sich mit der SPD, der FDP und dem BHE&amp;lt;ref&amp;gt;BHE steht für den Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten. Die politische Vereinigung vertrat die Interessen einer durch Krieg, Flucht und Vertreibung gezeichneten Gesellschaftsschicht. Da ihre inhaltlichen Schwerpunkte die Sozial- und Flüchtlingspolitik waren, verstärkte eine Koalition mit ihr die Unglaubwürdigkeit der Bayernpartei für ihre Stammwählerschaft zusätzlich. Vgl. Daniel Schönwald, Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikonbayerns.de/Lexikon/Block_der_Heimatvertriebenen_und_Entrechteten_(BHE)#Inhaltliche_Schwerpunkte_in_Bayern (21.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; in einer ‚Viererkoalition‘ gegen die CSU zu verbünden. Dabei wurde sie für ihre Wählerschaft immer unglaubwürdiger, wenn sie versuchte, sich als einzige Bewahrerin bayerischer Tradition zu präsentieren, aber gleichzeitig mit der SPD koalierte. Auch existierten viele Zukunftsängste und materielle Nöte, die sich die Bayernpartei zunächst als Protestbewegung hatte zunutze machen können innerhalb der nun vom ‚Wirtschaftswunder‘ beflügelten Bevölkerung nicht mehr. Viele ihrer einstigen Spitzenpolitiker wechselten von der Bayernpartei zur CSU. Schließlich verschwand die Bayernpartei genauso rasch von der politischen Bildfläche, wie sie zehn Jahre zuvor aufgetaucht war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 244-245.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen herben Rückschlag musste die CSU im Landkreis Wasserburg jedoch bei den Landrats- und Landtagswahlen im Jahr 1958 hinnehmen. Sie versuchte zunächst vergeblich den amtierenden Landrat Heinrich Stulberger (Bayernpartei) von einer Kandidatur auf der CSU-Liste oder zumindest zu einem gemeinsamen Vorschlag von CSU und Bayernpartei zu überzeugen. Notgedrungen präsentierte sie dann den völlig unbekannten Oberregierungsrat Hans-Georg Mayer aus München als Landratskandidaten. Die Popularität des Landrates war schließlich ausschlaggebend dafür, dass Stulberger mit 77,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt wurde, während Mayer enttäuschende 22,7 Prozent erhielt. In der Folge drohte der Kreisvorsitzenden Karl Neuburger mit seinem Rücktritt und es kam zu Auflösungserscheinungen in einigen CSU-Ortsverbänden. Diese Niederlage im Landkreis Wasserburg war jedoch nicht repräsentativ für die Landratswahlen von 1958, bei denen die CSU bayernweit betrachtet sehr erfolgreich war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 250-251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die SPD in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heimatfest 1949 mit Kriegisch und Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Josef Kriegisch (Erster von links) beim Wasserburger Heimatfest 1949.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Landkreis Wasserburg war einer der wenigen bayerischen Landkreise, in denen die SPD bei den Landtagswahlen 1946 Zugewinne verbuchen konnte. Es gelang ihr, sich dauerhaft als Vertretung der Flüchtlinge und Vertriebenen im Landkreis zu etablieren. Dabei bemühte sich die Partei gezielt um die Neubürger und stellte die Lösung des Flüchtlingsproblems ins Zentrum des Bundestagswahlkampfes von 1949. Um diese zu erreichen wollte die SPD Fürsorgeleistungen verbessern und Arbeitsplätze schaffen sowie für einen gerechten Lastenausgleich sorgen. Unter den Politikern der SPD befanden sich beispielsweise mit Volkmar Gabert&amp;lt;ref&amp;gt;Volkmar Gabert wurde 1923 in der Tschechoslowakei geboren und musste 1938 mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten nach England fliehen. 1946 kam er nach München, wo er sich durch die soziale Betreuung von Heimatvertriebenen einen Namen machte. In der SPD stieg er schnell auf. Ab 1950 gehörte er dem bayerischen Landtag an, 1958 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion. 1963 war er Landesvorsitzender der SPD in Bayern. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 261-262.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Josef Kriegisch&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Kriegisch konnte sich 1950 mit großer Mehrheit als Kandidat der SPD für die Landtagswahl 1950 durchsetzten. Wie Volkmar Gabert war er 1923 in der Tschechoslowakei geboren. Beim Kriegseinsatz an der Ostfront wurde er 1943 schwer verwundet und verlor ein Bein. Nach einem Aufenthalt im Lazarett studierte Kriegisch in Wien Jura. Nachdem seine Mutter aus der Tschechoslowakei ausgewiesen worden war, übersiedelte er nach Wasserburg. Er fand eine Anstellung als Verwaltungsjurist im Landratsamt und trat in die SPD ein, für die er nicht nur die Heimatvertriebenen, sondern auch die Kriegsversehrten repräsentieren konnte. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 262.&amp;lt;/ref&amp;gt; auch Personen die selbst Flucht und Vertreibung erfahren hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 258-261.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gelang es der SPD in den 1950er Jahren nicht, in den ländlichen Regionen Bayerns Fuß zu fassen. In der öffentlichen Meinung galt sie vielerorts noch als ‚kirchenfeindlich‘, was es der Partei besonders in den katholisch geprägten Landesteilen schwer machte. Ungeschickte, gegen die Kirche gerichtete Äußerungen beispielsweise von Parteichef Kurt Schumacher verstärkten diese Skepsis noch und lieferten CDU und CSU eine willkommene Angriffsfläche. Die Kirche ihrerseits rief die Gläubigen dazu auf, nur einer christlich ausgerichteten Partei ihre Stimmen zu geben. Auch der in Westdeutschland beinahe allgegenwärtige Antikommunismus schadete den Sozialdemokarten besonders auf dem Land. Die politischen Gegner nutzten diese Stimmung und versuchten die SPD gezielt als Partei des Kommunismus zu stilisieren. Und für viele mit dem unter Bundeskanzler Adenauer erzielten ‚Wirtschaftswunder‘ Zufriedene klang der Wunsch der SPD nach Wirtschaftsplanung und Sozialisierung der Schlüsselindustrien zu sehr nach einer Planwirtschaft sowjetischen Typs. Das von der SPD propagierte Agrarprogramm fand in ländlichen Gegenden ebenso keine große Zustimmung, da es besonders für die Konsumenten und nicht für die Produzenten landwirtschaftlicher Produkte Verbesserungen vorsah. Die Lebensbedingungen der Bauern spielten darin keine Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 263-267.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stärker als die CSU griff die SPD bei der Finanzierung ihrer Parteiarbeit auf Mitgliederbeiträge zurück. Der Verlust von Mitgliedern wirkte sich somit besonders negativ auf die Finanzkraft der Partei aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 271-273.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die wachsenden Ausgaben für den Wahlkampf bedeuteten für die SPD eine größere Herausforderung als für die CSU, die auf großzügige Spenden aus der Industrie hoffen konnte. Daneben brachte auch das Kassieren der Mitgliederbeiträge Probleme mit sich. Gezahlt wurde nicht per Bankeinzug oder Überweisung sondern persönlich bei einem zur Vorstandschaft des jeweiligen Ortsvereins gehörenden Kassier. Die SPD versuchte ihre dauerhaft schlechte finanzielle Situation durch eine Zentralisierung der Organisation auf allen Ebenen in den Griff zu bekommen. Kleine Geschäftsstellen sollten verschwinden und ganze Bezirke wurden für die Parteiarbeit miteinander fusioniert. So wurde aus den Bezirken Oberbayern und Schwaben der Bezirk Südbayern, was wiederum Probleme und Eifersüchteleien zur Folge hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 274-275.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ausdünnung des Parteiapparates aus finanziellen Gründen ging auf Kosten der ländlichen Regionen, da sich die Bezirkssekretariate nur noch in den urbanen Zentren wie München oder Nürnberg befanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So stärkte die organisatorische Entwicklung der SPD in den fünfziger Jahren einseitig die städtischen Hochburgen, während sie die Probleme in der ländlichen Diaspora noch verschärfte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Schwäche auf dem Land zeigte sich auch im Wahlkampf, in dem es der SPD schwerfiel, die wenigen Stammwähler zu mobilisieren und neue Stimmen hinzuzugewinnen. Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Bundestagswahl 1949 und der Landtagswahl 1950 stand für die SPD fest, dass sie in Bayern nicht ohne einen Zugewinn in den landwirtschaftlich geprägten Regionen Fuß fassen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Abwanderung vieler Flüchtlinge und Vertriebener in Regionen in denen sich ihnen bessere Verdienstmöglichkeiten boten, verlor die SPD auf dem Land wichtige Wähler und Parteimitglieder. Und nicht nur die Aussicht auf eine gut bezahlte Arbeit veranlasste viele Neubürger dazu, dem Land den Rücken zu kehren. Flüchtlingen, die noch dazu der SPD angehörten, schlug dort immer wieder Geringschätzung entgegen. Aber auch die einheimischen SPD-Mitglieder hatten es nicht einfacher. So hatte die Partei in den gesamten 50er Jahren Schwierigkeiten bei der Anmietung von Vereinslokalen im ländlichen Raum. Aus Angst um den Arbeitsplatz wagten manche Sympathisanten den Eintritt in die SDP nicht. Auf Anfeindungen reagierten betroffene Ortsvereine mit einer starken Abschottung von der Außenwelt. Ihren Mitgliedern boten sie dagegen vielerorts ein umfangreiches Betätigungsfeld. Die SPD wurde damit eine Alternative zu den dörflichen und kleinstädtischen Vereinen, zu denen Parteimitgliedern der Zutritt oft verwehrt blieb. Auch wenn die SPD damit ihren Mitgliedern ein Gefühl der Zugehörigkeit gab, blieb sie durch die Abschottung vom ländlichen Umfeld eine &#039;&#039;fremde Partei&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 290-292.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Juliane Günther}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Prink</name></author>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Wiederbeginn_des_politischen_und_kommunalen_Lebens_nach_1945_im_Landkreis_Wasserburg&amp;diff=1504</id>
		<title>Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg</title>
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		<updated>2019-02-25T15:24:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Juliane Günther|Juliane Günther]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Juliane Günther]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel basiert auf den den Landkreis Wasserburg am Inn betreffenden Kapiteln aus der Publikation: Jaromir Balcar, Politik auf dem Land. Studien zur Bayerischen Provinz 1945 bis 1972 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Band 56/Bayern im Bund, Band 5), 2004. Neben dem Landkreis Wasserburg am Inn betrachtet der Autor auch die Landkreise Landsberg am Lech (Oberbayern), Bogen (Niederbayern), Bleingries, Neumarkt und Roding (Oberpfalz), Feuchtwangen und Rothenburg ob der Tauber (Mittelfranken), Königshofen im Grabfeld (Unterfranken) sowie Neuburg an der Donau und Nördlingen (Schwaben) im Zeitraum von 1945 bis 1972.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ausgangssituation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrschten  besonders in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg am Inn prekäre Zustände. Das Leben der Menschen war bestimmt von blanker materieller Not und der Sorge um eine ungewisse Zukunft. Hinzu kamen schlechte Verkehrsbedingungen, vielerorts eine unzureichende Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung sowie eine mangelhafte Stromversorgung. Es fehlte nicht zuletzt an modernen Bildungseinrichtungen. Auch waren viele Flüchtlinge und Vertriebene in der Folge des Krieges in den Landkreis Wasserburg gekommen, was nicht selten zu Reibereien mit dort Einheimischen führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Mit den Flüchtlingen und Vertriebenen kam auch erstmals eine nennenswerte Anzahl von Protestanten in die katholisch geprägte Region. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 460.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober des Jahres 1946 lebten bereits über 54.000 Menschen im Landkreis, was verglichen mit den rund 39.000 im Jahr 1939 einen sprunghaften Bevölkerungsanstieg bedeutete.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 134.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die amerikanische Besatzungsmacht beanspruchte zudem uneingeschränkte Hoheitsrechte in ihrem Besatzungsgebiet. Das gesamte öffentliche Leben wurde von der Militärregierung geregelt. Sie ernannte neue Amtsträger und ließ führende Funktionsträger des Dritten Reiches inhaftieren. Mit pauschalen Massenentlassungen ehemaliger Mitglieder der NSDAP besonders im Bereich der öffentlichen Verwaltung bekämpfte sie den Nationalsozialismus. Im Mai 1945 wurde der ehemalige Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Fritz Schäffer&amp;lt;ref&amp;gt;Fritz Schäffer wurde bereits Ende September 1945 wieder aus seinem Amt als Ministerpräsident entlassen, da er die Säuberung der öffentlichen Verwaltung von Nationalsozialisten nicht ausreichend rigoros betrieben haben soll. Als neuer Ministerpräsident wurde der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner ernannt, der bereits vor 1933 als Gegner Adolf Hitlers hervorgetreten und anschließend in die Schweiz emigriert war. Vgl. Wolfgang Benz, Alliierte Deutschlandpolitik, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Alliierte_Deutschlandpolitik (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;, von der Militärregierung zum Ministerpräsidenten ernannt. Die nun zum Handeln gemäß der Anweisungen der Militärregierung befugte Bayerische Staatsregierung stand vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Einen nicht unerheblichen Teil davon stellte neben der Versorgung der Bevölkerung auch die Wiederherstellung der öffentlichen Verwaltung dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg, URL: http://www.hdbg.de/polges/pages/druck/kapitel8.pdf (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Bestreben der Besatzungsmacht nach Kriegsende rasch eine Demokratie in Bayern zu etablieren, schuf hingegen den gesetzlichen Rahmen für den Wiederbeginn des politischen Lebens. Dabei behielten sich die Amerikaner die Entscheidung über jeden einzelnen Gründungs- oder Neuzulassungsantrag einer Partei vor.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg (wie Anm. 5).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die an einem politischen Neubeginn arbeitenden Parteien waren die Ausgangsbedingungen schwierig. Oft konnten die Parteimitglieder weder telefonisch noch brieflich miteinander in Verbindung treten. Besonders die Papierknappheit erschwerte eine Neuorganisation.  Darüber hinaus herrschte innerhalb der Bevölkerung angesichts des verlorenen Krieges und der von der amerikanischen Besatzungsmacht durchgeführten Entnazifizierungsmaßnahmen eine gewisse politische Apathie.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 133.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der CSU nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in den ländlichen Regionen Altbayerns vollzog sich die Gründung der CSU in einer direkten Anknüpfung an die Bayerische Volkspartei (BVP), die während der Weimarer Republik existiert hatte und aus der Bayerischen Zentrumspartei hervorgegangen war. Im Landkreis Wasserburg, wo die BVP bis 1933 eine der einflussreichsten Parteien war, wurde die CSU quasi direkt &amp;quot;auf Anweisung&amp;quot; aus München ins Leben gerufen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ende 1945 wandte sich[Staatsrat] Fritz Schäffer, der von München aus die Fäden zog, in einem Brief an seinen ehemaligen Parteifreund [[Franz Xaver Köck]], um ihn von der Gründung der ‚Bayerischen Christlich-Sozialen Union‘ in München zu informieren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 137.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in der Stadt Wasserburg lebende Bäckermeister Franz Xaver Köck hatte zur Zeit der Weimarer Republik den Vorsitz der BVP in der Region innegehabt und schien nun die ideale Person für die Etablierung der CSU im Landkreis. Am 17.12.1945 lud Köck zu einer Versammlung in die ‚Gaststätte Aumüller‘ ein, die zur politischen Lizensierung der CSU im Landkreis führen sollte. Zu der Veranstaltung kamen 54 Besucher, darunter befanden sich auch viele von der Militärregierung eingesetzte Bürgermeister aus der Region. Die für die Lizensierung notwendigen 25 Unterschriften von Bürgern die sich während des Nationalsozialismus nichts hatten zuschulden kommen lassen waren schnell beisammen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 138. &amp;lt;/ref&amp;gt; 23 der zur Versammlung erschienenen Personen waren Selbstständige, neun von diesen Bauern. Ebenfalls vertreten waren selbstständige Kaufleute, Landhandwerker, Fabrikanten und Rechtsanwälte. Abhängig Beschäftigte, Arbeiter und besonders Frauen suchte man unter den Gründungsmitgliedern vergeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein planmäßiger Aufbau stabiler Organisationsstrukturen gelang der CSU im ersten Jahr nach ihrer Lizensierung im gesamten Landkreis vorerst nicht. Die Partei veranstaltete nur eine öffentliche Veranstaltung im Monat und erhob keine Mitgliederbeiträge. Anfallende Kosten beglich der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck aus eigener Tasche.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139-140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Inhaltlich orientierte sich die Partei an den Leitgedanken ihrer Gründungsmitglieder, die hauptsächlich dem in der Region verwurzelten ländlich-katholischen Besitzmittelstand entstammten. Ein erster 1945 erstellter programmatischer Orientierungsrahmen war zudem nicht frei von unter Alteingesessenen verbreiteten Ressentiments gegen ‚Preußen‘ und Neubürger. Die CSU verstand sich als eine ‚Partei der Bayern‘, in der die Mitgliedschaft von Vertriebenen und Flüchtlingen zwar formal nicht ausgeschlossen, aber eine Seltenheit war. Eine große Rolle spielte das Prestige der in der Gegend meist gut angesehenen Parteimitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das rudimentäre Programm war vielmehr als Aufforderung an die Einheimischen zu verstehen, sich hinter dem breiten Rücken angesehener und weithin geachteter Persönlichkeiten zu scharen, die die Lauterkeit der Ziele der Partei verbürgen sollten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre eigene Entwicklung schätze die CSU weitaus positiver ein als sie letztlich von Statten ging. So gingen die Parteigründer bereits 1946 von 6.000 bis 7.000 Parteimitgliedern aus, die damit mehr als zehn Prozent der Bevölkerung im Landkreis ausgemacht hätten. Obwohl die Wasserburger Militärregierung diese Zahlen akzeptierte und die neu hinzukommenden Mitglieder einfach dazu addierte, waren 1946 nur 354 Personen eingeschriebene Parteimitglieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Aufbauphase der CSU spielten einflussreiche und in der Region bekannte Persönlichkeiten eine große Rolle, die die Anliegen der Partei in den wenigen öffentlichen Veranstaltungen wortgewandt vorbrachten. Der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck stellte sich jedoch weder als mitreißender Redner noch als begnadeter Organisator heraus. Schnell geriet er in den Schatten der eigentlichen, unter den Gründungsmitgliedern vertretenen Führungspersönlichkeit: Dr. Max Zwicknagl. Der aus einem großbürgerlichen Elternhaus stammende promovierte Ökonom war bereits in den 1920er Jahren im Wirtschaftsbeirat der BVP beschäftigt gewesen. Nachdem er unter den Nationalsozialisten mehrfach Geldbußen und kürzere Haftstrafen hatte ableisten müssen, wurde Zwicknagl 1944 zum Kriegsdienst einberufen. Nach Kriegsende unterstützte er die Amerikaner als unbescholtener Einheimischer in einem Fünferausschuss bei der Entnazifizierung in Rott am Inn. Dabei ging er schonungslos gegen die Bewohner der Gemeinde vor, die sich als überzeugte Nationalsozialisten gezeigt hatten. Im Urteil über die ‚Verführten‘ berief er sich jedoch auf die christliche Nächstenliebe und ließ Milde walten. Der wortgewandete Brauereibesitzer stieg nach seinem Einzug in den Kreistag im April 1946 schnell zum Vorsitzenden der CSU Fraktion auf. Dabei positionierte sich Zwicknagl auch klar für den Unterschied von der gescheiterten BVP. Er sah die CSU als eine moderne Partei die über die katholische Bevölkerung hinaus auch liberale und evangelische Wähler ansprechen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141-145.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den ständigen Streitigkeiten die zwischen der CSU Landtagsfraktion und der Landesleitung herrschten, befand sich die Partei im Landkreis Wasserburg in einem tendenziellen Gleichgewicht. Dieses garantierte in der Anfangszeit den Frieden innerhalb des Kreisverbandes und damit auch seine ersten Erfolge.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 147.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der SPD nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die SPD nach Kriegsende im Gegensatz zur CSU keine neue Partei war, musste sie sich von Grund auf neu organisieren. Im Landkreis Wasserburg kamen für diesen Neubeginn erschwerte Bedingungen hinzu, da das vor 1933 dort vorhandene sozialistische Milieu 1945 kaum noch existierte. In städtischen Ballungszentren fiel es der SPD leichter, sich zumindest personell neu zu organisieren, während ihre Etablierung in den Dörfern besonders schwer fiel. Sie hielt an dem Charakter einer Arbeiterpartei fest und beschränkte sich somit selbst auf die Zielgruppe der städtischen Industriearbeiterschaft. Auf die Landarbeiter, bei denen die SPD noch nie großen Anklang gefunden hatte, wirkte die von dem Parteivorsitzenden Kurt Schumacher verwendete aggressive Klassenkampfrhetorik zudem abschreckend.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch im Landkreis vorhandenen Anhänger der SPD betonten im Antrag auf die Wiederzulassung nicht ohne Stolz die langjährige Geschichte der Partei als traditionelle Gegnerin des Nationalismus. Stark bezog sich die SPD bei ihrer Neuorganisation auf Strukturen aus der Zeit der Weimarer Republik. Die vor 1933 gültigen Statuten wurden bei der Neuzulassung wieder in Kraft gesetzt. Auch ihr Mitgliederprofil hatte sich kaum verändert und viele der 25 Parteigründer waren schon vor 1933 Mitglieder der SPD gewesen. Von ihnen gehörten 20 zur Arbeiterschaft, wobei Facharbeiter gegenüber ungelernten Hilfsarbeitern dominierten. Drei gingen einer selbstständigen Tätigkeit nach, Bauern, Landarbeiter und Frauen befanden sich nicht unter ihnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148-149.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef Estermann.jpg|200px|thumb|right|Josef Estermann 1945]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gegner des Nationalsozialismus wurden die SPD-Mitglieder von der amerikanischen Besatzungsmacht gefördert und auch im Landkreis Wasserburg wurden wichtige Ämter zunächst mit ihnen besetzt. So wurde einer der Neugründer, der Korbmacher Josef Estermann, von den Amerikanern im Mai 1945 zunächst zum Bürgermeister der Kreisstadt und im Oktober des gleichen Jahres zum Landrat ernannt. Der 1898 in Wasserburg geborene aus kleinen Verhältnissen stammende Estermann war nicht zuletzt durch seinen turbulenten Lebenslauf eine schillernde Persönlichkeit innerhalb der Partei. Zunächst Mitglied der SPD, war er von deren lascher Haltung enttäuscht der KPD beigetreten und wegen der Beteiligung an einem Waffendiebstahl steckbrieflich gesucht worden. Schließlich floh er nach Russland. Von dort aus musste er erneut fliehen, da er in das Räderwerk der Geheimpolizei Stalins geraten war. 1932 verurteilte man ihn in Leipzig zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe und im Jahr 1933 brachte man ihn in das Konzentrationslager Dachau, aus dem er 1934 wieder entlassen wurde. Zurück in Wasserburg arbeitete er erfolgreich als selbstständiger Korbmacher, der sich durch die Produktion von kriegswichtigen Granatkörben dem Einsatz im Zweiten Weltkrieg entziehen konnte. In den letzten Kriegstagen wurde Estermann zum Anführer einer gegen die Nationalsozialisten gerichteten Freiheitsaktion und aufgrund dessen wenig später von einem Schnellgericht zum Tode verurteilt. Ihm gelang wiederum die Flucht in den Leichenraum des Wasserburger Krankenhauses, in dem er sich bis zum Eintreffen der Amerikaner in der Stadt verbarg. Jedoch war Josef Estermann nur kurzfristig Landrat, da ihn ehemalige Bekannte aus seiner Zeit bei der KPD wegen seines Übertritts zur SPD als angeblichen Spitzel der Gestapo denunzierten. Auch wenn der gegen ihn angestrebte Prozess bald im Sand verlief, war seine politische Karriere damit beendet. Die Wahlen im Jahr 1946 beendeten zudem die Stellung, die die SPD in der Stadt Wasserburg besessen hatte, als Alfons Püls von der CSU neuer Bürgermeister wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 150-151.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Verlust Estermanns wurde die SPD im Landkreis Wasserburg &#039;&#039;kopf- bzw. führungslos&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss der SPD konzentrierte sich sehr auf die Kreisstadt, während der Landkreis mit seiner hauptsächlich aus katholisch geprägten Bauern, Handwerkern und Landarbeitern bestehenden Bevölkerung für die Partei schwer erreichbar blieb. Daneben nutzten andere Parteien die auf dem Lande bestehende Skepsis gegen die SPD geschickt aus. Zum Zeitpunkt ihrer offiziellen Zulassung im Januar 1946 zählt die SPD 33 Parteimitglieder. Anfang April waren es bereits 67, wovon jedoch 51 in der Kreisstadt lebten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit konkreten Werbekampagnen bemühte sich die SPD besonders um die Neubürger im Landkreis. Obwohl dieser Personenkreis 1946 fast 22 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmachte, war die SPD zunächst die einzige Partei, die ihn als potentielle Wähler umwarb. Sie organisierte Versammlungen für Neubürger und konnte ihre Mitgliederzahl besonders in der Kreisstadt enorm vergrößern. Bei Alteingesessenen wurde sie deswegen jedoch verächtlich als eine Partei der ‚Ortsfremden‘ betrachtet, was die SPD in ihrer Werbung um neue Parteimitglieder wenig beeindruckte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 154.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wahlen und Wahlkampf im Jahr 1946 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die SPD bei der ersten Landtagswahl nach Kriegsende im Landkreis Wasserburg mit rund 17 Prozent das beste Ergebnis nach den Wahlen von 1928 (acht Prozent) und 1932 (rund sechs Prozent) erzielen konnte, war die CSU die eindeutige Wahlsiegerin und somit dominierende Kraft in der Region. Die kurze zwischen der Ankündigung der Wahlen und deren Durchführung liegende Zeit stellte für alle Parteien gleichermaßen ein Problem dar. Besonders hinderlich für den Wahlkampf war die nach Kriegsende herrschende, notorische Papierknappheit. Die CSU meisterte diese Herausforderung insofern am besten, als sie auf öffentliche Wahlveranstaltungen mit Diskussionen und zugkräftigen Rednern setzte. Unter anderem konnte sie Fritz Schäffer gewinnen, der bis vor kurzem noch den Posten des Ministerpräsidenten bekleidet hatte und 550 Zuhörer aus der ganzen Region anziehen konnte. In seiner rhetorisch ausgefeilten Ansprache verglich Schäffer unter anderem die Rolle der durch den Nationalsozialismus ‚Verführten‘ mit der Versuchung Christi durch den Satan und kritisierte den hohen Anteil von ‚Zugereisten‘ in der Verwaltung. Auch die weiteren, nur mit Rednern aus dem katholisch-konservativen Flügel der Partei besetzten Veranstaltungen, waren sehr erfolgreich. Wie die CSU organisierte auch die SPD öffentliche Wahlveranstaltungen mit prominenten Rednern, die sich großer Beliebtheit erfreuten und durchschnittlich zwischen 200 und 300 Besucher anzogen. Verglichen mit den CSU-Rednern gelang es den Referenten der SPD jedoch nicht gleichermaßen, die Ängste, Wünsche und Hoffnungen der Landbevölkerung anzusprechen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 156-158.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die SPD war bestrebt, sich mit den in den Landkreis gekommenen Flüchtlingen und Vertriebenen neue Wählergruppen zu erschließen. Dieses Vorhaben wurde jedoch von der am 18. Dezember 1945 von den Amerikanern erlassenen bayerischen Gemeindeordnung gestört, die nur deutschen über 21 Jahre alten Staatsbürgern, die mindestens ein Jahr in ihrer Gemeinde ansässig waren, das Wahlrecht zusprach. Gleiches galt auch für die Kreistagswahlen und die Wahl zur Verfassungsgebenden Landesversammlung. Durch ihre Vergangenheit im Nationalsozialismus belastete Personen waren von den ersten Wahlen in Bayern ebenfalls ausgeschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 164-165.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger als der SPD gelang es der KPD im Landkreis Wasserburg Fuß zu fassen. Nur mit Mühe hatten die Initiatoren die für eine Zulassung notwendigen 25 Unterschriften aufbringen können. Umso weniger Aufmerksamkeit erhielten die Wahlveranstaltungen der KPD, die jedoch einen engagierten und aufwändigen Wahlkampf betrieb und sogar mit Flugblättern arbeitete. Doch auch dieser Aufwand wirkte sich letztendlich negativ für das Image der Partei aus, da die Bevölkerung die massive Flugblattkampagne angesichts der Papierknappheit als geschmacklos empfand.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 160-161.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Grund für die im Landkreis Wasserburg und anderen ländlichen Regionen Bayerns erzielten Wahlerfolge der CSU im Jahr 1946 sieht der Historiker Jaromír Balcar in der Bedeutung ihres politischen Personals. Die Partei konnte in dem auf dem Land sehr personalisierten Wahlkampf auf geachtete und angesehene Persönlichkeiten zurückgreifen. Neben einer streng antikommunistischen Stimmung wirkte auch die Kirche als ein wichtiger politischer Faktor für die CSU. Daneben fand ihre mit Blick auf die christliche Nächstenliebe praktizierte Aufarbeitung des Nationalsozialismus bei der Bevölkerung Zustimmung. Das Prinzip die ‚Verführer‘ zu bestrafen, gegen die ‚Verführten‘ jedoch Milde walten zu lassen, befürworteten diejenigen, die die Entnazifizierung als zu radikal und ungerecht empfanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gewerkschaften, die vor 1933 die Arbeit der SPD unterstützt hatten, waren nach Kriegsende nur langsam wieder aufgebaut worden. Als sie in regionalen Zentren wie der Stadt Wasserburg wieder zu existieren begannen, unterstützten sie erneut die SPD. Jedoch beschränkte sich ihr Einfluss auf die in Wasserburg sehr kleine Gruppe der Industriearbeiter. Die größere Gruppe der Bauern und Landarbeiter wiederum stand unter dem Einfluss des Bayerischen Bauernverbandes, der der CSU verbunden war. Ebenfalls unterstützend für die CSU wirkte die Lizensierungspraxis der amerikanischen Besatzungsmacht, die den Aufbau des bayerischen Parteiensystems als Fünfermatrix zur Folge hatte. Zunächst bildeten diese die Parteien CSU, SPD, KPD, FDP und WAV&amp;lt;ref&amp;gt;WAV steht für die Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung die 1946 in Bayern als Partei lizensiert wurde. Wegen ihres nicht unumstrittenen Gründers Alfred Loritz wurde sie auch ‚Loritz-Partei‘ genannt. Die WAV verfolgte kein schriftlich niedergelegtes Programm, sondern versuchte durch ihre betonte Andersartigkeit, die sie von den in der Weimarer Zeit gescheiterten Parteien unterscheiden sollte, Wähler für sich zu gewinnen. Besonders der Führungsstil von Alfred Loritz destabilisierte die WAV. Nachdem es die Partei geschafft hatte, eine Beteiligung im Kabinett von Ministerpräsident Hans Ehard (CSU) zu erlangen, verschwand sie ab 1950 aus dem Landtag und in der Bedeutungslosigkeit. Alfred Loritz hatte 1946 den Posten eines Sonderministers für Politische Befreiung erhalten, aus dem er bereits 1947 wieder entlassen wurde. Im Landkreis Wasserburg hatte die WAV bei den Landtagswahlen im Jahr 1946 rund neun Prozent der Stimmen erreicht. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 162 und Daniel Schönwald, Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung (WAV), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wirtschaftliche_Aufbau-Vereinigung_(WAV) (17.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als interkonfessionelle Sammlungspartei wollte die CSU das gesamte, vor 1933 in Bayern stark gespaltene, bürgerlich-konservative Lager als Wähler ansprechen. Innerhalb des Parteiensystems gab es für sie kaum ernsthafte Konkurrenz. Dabei stellte sich die große und heterogene Gruppe der potentiellen Wähler auch als Herausforderung dar, was sich in permanenten Führungs- und Flügelkämpfen äußerte. So blieb die Führungsrolle, die die CSU nach den Wahlen 1946 in Bayern innehatte, auch abhängig von der Lizensierungspolitik der amerikanischen Besatzungsmacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 167-168.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die CSU in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ende der amerikanischen Lizensierungspraxis erhielten die CSU und die SPD ab 1948 politische Konkurrenz. Im Fall der CSU war dies insbesondere die ab 1946 auf kommunaler und ab 1948 auf Landesebene lizensierte Bayernpartei. Für die SPD waren es die ab 1950 gegründeten Flüchtlingsparteien, deren Lizensierung die Militärregierung zuvor abgelehnt hatte. Nach dem verlorenen Krieg herrschende wirtschaftliche und soziale Probleme begünstigten zudem die Gründung von Regional- und Protestparteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 169.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Landrat Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Landrat Heinrich Stulberger 1949 beim Wasserburger Heimatfest.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Organisationsaufbau der CSU ging auch nach den Wahlerfolgen im Jahr 1946 besonders auf dem Land nur schleppend voran. Hinzu kamen pausenlosen Diskussionen um die Ausrichtung der Partei mit anhaltenden Flügelkämpfen. Mit der von Ludwig Max Lallinger ins Leben gerufenen Bayernpartei erhielt die CSU eine gefährliche Rivalin im Kampf um die bürgerlich-konservative Wählerschaft. Bereits bei den Kommunalwahlen im April 1948 konnte die Bayernpartei besonders im Regierungsbezirk Oberbayern viele ehemalige CSU-Wähler für sich gewinnen. Auch angesehene Politiker wie der ehemalige Landwirtschaftsminister Joseph Baumgartner verließen die CSU zu Gunsten der Bayernpartei, was dieser wiederum Prestige einbrachte. Im Landkreis Wasserburg erhielt die Bayernpartei bei den Kommunalwahlen 1948 die stimmliche Mehrheit und ihr Kandidat Heinrich Stulberger – ebenfalls ein ehemaliger CSU-Politiker – wurde zum Landrat. Besonders schmerzlich für die Wasserburger CSU muss die Tatsache gewesen sein, dass Stulberger 1945 zu ihren 25 Gründungsmitgliedern gehört hatte. Gemeinsam mit der Union der Ausgewiesenen, mit der sie vor der Wahl eine Listenverbindung eingegangen war, konnte die CSU jedoch zumindest ihre Position als stärkste Fraktion im Wasserburger Kreistag behalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 175-176.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele CSU-Mitglieder verließen ihre Partei in der Hoffnung auf eine schnellere politische Karriere bei der Bayernpartei. Einige waren zuvor mit ihren Ambitionen bei der CSU gescheitert, wie auch der Sägewerksbesitzer Andreas Schachner, der zum Fraktionsvorsitzenden der Bayernpartei im Kreistag des Landkreises Wasserburg wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daneben gelang es der Bayernpartei bis zum Frühjahr 1948, eine ganze Reihe von Bürgermeistern der kreisangehörigen Gemeinden, die zuvor für die CSU kandidiert oder keiner Partei angehört hatten, zum Eintritt zu bewegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem profitierte die Bayernpartei gegenüber der CSU von einer großen Homogenität in der politischen Ausrichtung ihrer Mitglieder. Solange die Bayernpartei keine Regierungsverantwortung trug, mussten ihre Vertreter in öffentlichen Aussagen und Wahlversprechen keine Rücksicht auf den nach Kriegsende herrschenden Mangel, bestehende Ablieferungsverpflichtungen oder die Integration von Flüchtlingen nehmen. Diese Themen hemmten hingegen die CSU, die den Ministerpräsidenten stellte. Viel einfacher hatte es da die Bayernpartei, die die nach Kriegsende herrschenden Probleme auf die Politik der CSU zurückführen und sich als eine Protestpartei der Einheimischen präsentieren konnte. Zu einem ersten Kräftemessen zwischen den beiden Parteien in ganz Bayern kam es bei der Bundestagswahl im Jahr 1949.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177-178.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wahlkampf setzte die Bayernpartei auf stark inszenierte Veranstaltungen, bei denen die Redner radikale Thesen vertraten. Beispielsweise beschuldigte man Preußen, Bayern ‚ins Verderben‘ geführt zu haben und forderte einen selbstständigen bayerischen Staat. Darüber hinaus wendete sich die Bayernpartei mit großer Polemik gegen die Neubürger oder auch gegen ihre direkte politische Konkurrenz. Im Landkreis Wasserburg kam es zu diffamierenden Angriffen von Seiten der Bayernpartei gegen führende Persönlichkeiten der CSU. Bedingt durch ihre Regierungsverantwortung konnte sich die CSU  nicht mit gleicher Polemik zur Wehr setzen. Zumal einige CSU-Politiker auch ein Bündnis mit der Bayernpartei in Erwägung zogen und damit wiederum für parteiinterne Diskussionen sorgten. Im Landkreis Wasserburg richtete sich die CSU in ihren Wahlkampfveranstaltungen ohnehin mehr gegen SPD und KPD. Klar sprach man sich jedoch gegen die von der Bayernpartei geforderte bayerische ‚Abspaltung‘ aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 181-183.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Wahlkampf zur Landtagswahl 1950 befand sich die CSU gegenüber der Bayernpartei in der Defensive. Die Wasserburger CSU musste zudem auf ihre Führungspersönlichkeit Max Zwicknagl verzichten, der aus dem bayerischen Landtag in den Frankfurter Wirtschaftsrat gewechselt war und sich aus dem politischen Geschehen im Landkreis mehr und mehr zurückzog.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die CSU 1949 mit 29,2 Prozent der Stimmen stärkste Kraft in Bayern wurde und die Bayernpartei (20,9 Prozent) wie die SPD mit 22,7 Prozent hinter sich ließ, war ihr Wahlergebnis verglichen mit den vorherigen alarmierend. Besonders im Landkreis Wasserburg hatte die CSU schlecht abgeschnitten, die Bayernpartei war hier als meistgewählte Partei hervorgegangen. Anders als die Bayernpartei, die in einzelnen Regierungsbezirken besondere Erfolge erzielen konnte, blieb die CSU jedoch eine gesamtbayerische Partei, die in allen sieben Regierungsbezirken verankert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1950 erlitt die CSU mit 27,4 Prozent der Stimmen erneut eine Niederlage. Im Landkreis Wasserburg hatten nur noch 25,6 Prozent der Wähler ihr ihre Stimme gegeben, was einen Verlust um einen Prozentpunkt im Vergleich zu 1949 bedeutete. Diese Entwicklung kann im Landkreis Wasserburg mit der direkten Konkurrenz der Bayernpartei begründet werden. In 49 der 62 zum Landkreis gehörenden Gemeinden war die Bayernpartei bereits bei den Bundestagswahlen 1949 stärkste Kraft geworden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Landkreis Wasserburg am Inn stellte mit seiner bäuerlichen Prägung und seiner in der großen Mehrheit katholischen Bevölkerung geradezu den Archetyp der altbayerischen Hochburgen der Bayernpartei dar.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kreisstadt selbst wurde die Bayernpartei 1950 auf den zweiten Platz verwiesen. Die stärkste Partei wurde hier allerdings nicht die CSU, sondern die SPD. Das Wahlverhalten der Bewohner der einzelnen Gemeinden in der Vergangenheit hatte auch einen Einfluss darauf, ob eine Gemeinde zur CSU oder zur Bayernpartei tendierte. In Kommunen, in denen die BVP ihre besten Resultate erzielt hatte, schnitt auch die CSU gut ab. Stimmen verlor sie vor allem in Regionen in denen sich ehemalige Hochburgen des Bayerischen Bauernbundes befanden. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1952 wurden freie Wählergruppen zu einer zusätzlichen Konkurrenz der CSU im Landkreis Wasserburg. Auch gelang es der CSU nicht, mit Karl Deggendorfer das Bürgermeisteramt in der Kreisstadt für sich zu gewinnen. Mit nur 27,3 Prozent der Stimmen musste er sich gegen den amtierenden SPD-Bürgermeister Gabriel Neumeier geschlagen geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192-196.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Trendwende für die CSU brachte die Wahl zum zweiten Deutschen Bundestag im September 1953. Die Bayernpartei erreichte mit rund neun Prozent ein um über zehn Prozentpunkte schlechteres Ergebnis als bei der ersten Bundestagswahl. Sie konnte nicht in das Bonner Parlament einziehen und sank zu einer reinen Landespartei herab. Als eindeutige Wahlsiegerin ging die CSU hervor. So war es auch im Landkreis Wasserburg. Die Bayernpartei musste sich in einer ihrer einstigen ‚Hochburgen‘ mit nur 25,7 Prozent der Stimmen zufrieden geben, während die CSU 45,7 Prozent erhielt. In 52 der 62 zum Kreis gehörenden Gemeinden setzte sich die CSU als stärkste Partei durch. Dieser für viele Zeitgenossen unerwartete Wahlerfolg kann einerseits mit der großen Popularität von Bundeskanzler Konrad Adenauer begründet werden, hinter den sich die CSU trotz aller internen Streitigkeiten stellte. Für viele Wähler bedeutete die CSU den Fortbestand der Kanzlerschaft Adenauers. Obwohl sich die Bayernpartei in Ermangelung einer Alternative auch für Adenauer aussprach, befand sich die CSU diesbezüglich in der besseren Position. Sie betonte, dass eine Zersplitterung des bürgerlichen Lagers allein der SPD zugutekommen könne.  Einen weiteren Erfolgsfaktor im Wahlkampf bildete darüber hinaus der große Einsatz von Bundestagskandidat Josef Bauer&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Bauer, geboren 1915 in der Stadt Wasserburg, stammte aus der Familie der Molkereibesitzer Bauer. Bereits 1937 stand er bedingt durch den frühen Tod des Vaters der Molkerei vor. Als gläubiger Katholik zeigte sich Bauer dem Nationalsozialismus gegenüber reserviert, geriet mit dem Regime jedoch nicht in Konflikt. Den Einsatz im Zweiten Weltkrieg und die anschließende Gefangenschaft überstand er unversehrt. Nachdem Bauer die Molkerei nach Kriegsende saniert hatte, trat er 1951 in die CSU ein und saß 1953 für diese im Wasserburger Stadtrat. Durch seine rhetorische Begabung und sein taktisches Geschick machte sich Bauer in der Partei bald unentbehrlich. Er erwies sich als idealer Repräsentant des Bundeswahlkreises. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 209-210.&amp;lt;/ref&amp;gt; ,der eine große Anzahl von Wahlauftritten absolvierte. Von der Wahlniederlage der Bayernpartei überrascht, traten einige ihrer Funktionäre zur CSU über und es vollzog sich erneut ein Personalwechsel zwischen den beiden Parteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 203-208.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karl Neuburger.jpg|200px|thumb|right|Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg Karl Neuburger]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bauer gehörte zu den jungen Männern, die 1953 einen Generationswechsel bei der CSU in vielen bayerischen Landkreisen einleiteten. Oft verbanden sie die gleichen erfolgversprechenden Eigenschaften. Sie hatten prägende Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit gesammelt. In den Regionen in denen ihre politischen Karrieren begannen, waren sie tief verwurzelt und auch nach einem Wechsel nach München oder Bonn blieben sie diesen verbunden. Im Hinblick auf ihre soziale Stellung in der Gesellschaft ähnelten sie sehr den klassischen Honoratioren der CSU, deren Nachfolge sie antraten. Mit ihnen hatte die ‚neue Generation‘ die Verwurzelung im christlichen Glauben und dem landwirtschaftlichen Verbandswesen gemeinsam. Allerdings zeichneten sich die jungen CSU-Politiker durch ihre moderne Einstellung und einen dadurch beeinflussten Politikstil aus. Ihnen gelang es den Organisationsapparat der Partei auszubauen und zu reaktivieren. Sie erweiterten den bisher hauptsächlich auf den Wahlkampf konzentrierten politischen Dialog mit der Bevölkerung um Veranstaltungen und Sprechstunden und trugen damit auch zu einer stärkeren Demokratisierung des politischen Prozesses bei. Auch das innerparteiliche Klima  wurde durch sie ausgeglichener. Im Jahr 1955 wurde Franz Xaver Köck in seinem Amt als Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg von Karl Neuburger&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Neuburger initiierte eine Anzahl von Neugründungen von CSU-Ortsverbänden im Landkreis, bei denen er besonders eng mit den jeweiligen Pfarrern zusammen arbeitete. Durch diese Parteireform wuchs auch die Zahl der Parteimitgliederzahl im Landkreis. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 218-219. &amp;lt;/ref&amp;gt; abgelöst, der sich mit Josef Bauer optimal ergänzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 212-215.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Simon Hangl stellte die CSU 1957 einen nebenberuflichen Geschäftsführer für den Bundeswahlkreis ein, zu dem auch der Landkreis Wasserburg gehörte. Durch ihn sollte Karl Neuburger entlastet werden, der nicht nur Kreisvorsitzender im Landkreis Wasserburg war, sondern Josef Bauer auch in den anderen beiden zum Bundeswahlkreis gehörenden Landkreisen (Altötting und Mühldorf am Inn) den Rücken frei hielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 229-230.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedingt durch die nun voranschreitende Organisation der Partei und den Generationenwechsel konnte die CSU auch in den Jahren nach 1955 bayernweit Wahlerfolge erzielen. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1956 zeigte sich, dass die CSU besonders dort, wo sie über einen funktionierenden Ortsverband verfügte, gute Wahlergebnisse erhielt. Mit den 57,2 in Bayern erzielten Prozent knüpfte die CSU bei der Bundestagswahl im Jahr 1957 erstmals wieder an ihre Wahlergebnisse von 1946 an. Die Bayernpartei musste dagegen große Stimmverluste hinnehmen. Ausschlaggebend für diesen Erfolg waren unter anderem die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Entwicklung Westdeutschlands unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und das neue Grundsatzprogramm mit dem sich die CSU 1957 selbst auf die Höhe der Zeit brachte. Auch die Ausstattung der Bundeswahlkreisgeschäftsstellen wurde vor dem Wahlkampf in den ländlichen Regionen verbessert. So verfügte das Sekretariat in Wasserburg schließlich über ein langersehntes Auto und einen Filmprojektor zum Abspielen des eigens für die CSU angefertigten, psychologisch äußerst geschickt komponierten Werbefilms.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 234-238.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bayernpartei verlor im Laufe der 1950er Jahre schnell an Dynamik und Attraktivität. Im Jahr 1954 ergriffen ihre Vertreter die verzweifelte Maßnahme sich mit der SPD, der FDP und dem BHE&amp;lt;ref&amp;gt;BHE steht für den Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten. Die politische Vereinigung vertrat die Interessen einer durch Krieg, Flucht und Vertreibung gezeichneten Gesellschaftsschicht. Da ihre inhaltlichen Schwerpunkte die Sozial- und Flüchtlingspolitik waren, verstärkte eine Koalition mit ihr die Unglaubwürdigkeit der Bayernpartei für ihre Stammwählerschaft zusätzlich. Vgl. Daniel Schönwald, Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikonbayerns.de/Lexikon/Block_der_Heimatvertriebenen_und_Entrechteten_(BHE)#Inhaltliche_Schwerpunkte_in_Bayern (21.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; in einer ‚Viererkoalition‘ gegen die CSU zu verbünden. Dabei wurde sie für ihre Wählerschaft immer unglaubwürdiger, wenn sie versuchte, sich als einzige Bewahrerin bayerischer Tradition zu präsentieren, aber gleichzeitig mit der SPD koalierte. Auch existierten viele Zukunftsängste und materielle Nöte, die sich die Bayernpartei zunächst als Protestbewegung hatte zunutze machen können innerhalb der nun vom ‚Wirtschaftswunder‘ beflügelten Bevölkerung nicht mehr. Viele ihrer einstigen Spitzenpolitiker wechselten von der Bayernpartei zur CSU. Schließlich verschwand die Bayernpartei genauso rasch von der politischen Bildfläche, wie sie zehn Jahre zuvor aufgetaucht war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 244-245.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen herben Rückschlag musste die CSU im Landkreis Wasserburg jedoch bei den Landrats- und Landtagswahlen im Jahr 1958 hinnehmen. Sie versuchte zunächst vergeblich den amtierenden Landrat Heinrich Stulberger (Bayernpartei) von einer Kandidatur auf der CSU-Liste oder zumindest zu einem gemeinsamen Vorschlag von CSU und Bayernpartei zu überzeugen. Notgedrungen präsentierte sie dann den völlig unbekannten Oberregierungsrat Hans-Georg Mayer aus München als Landratskandidaten. Die Popularität des Landrates war schließlich ausschlaggebend dafür, dass Stulberger mit 77,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt wurde, während Mayer enttäuschende 22,7 Prozent erhielt. In der Folge drohte der Kreisvorsitzenden Karl Neuburger mit seinem Rücktritt und es kam zu Auflösungserscheinungen in einigen CSU-Ortsverbänden. Diese Niederlage im Landkreis Wasserburg war jedoch nicht repräsentativ für die Landratswahlen von 1958, bei denen die CSU bayernweit betrachtet sehr erfolgreich war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 250-251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die SPD in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heimatfest 1949 mit Kriegisch und Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Josef Kriegisch (Erster von links) beim Wasserburger Heimatfest 1949.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Landkreis Wasserburg war einer der wenigen bayerischen Landkreise, in denen die SPD bei den Landtagswahlen 1946 Zugewinne verbuchen konnte. Es gelang ihr, sich dauerhaft als Vertretung der Flüchtlinge und Vertriebenen im Landkreis zu etablieren. Dabei bemühte sich die Partei gezielt um die Neubürger und stellte die Lösung des Flüchtlingsproblems ins Zentrum des Bundestagswahlkampfes von 1949. Um diese zu erreichen wollte die SPD Fürsorgeleistungen verbessern und Arbeitsplätze schaffen sowie für einen gerechten Lastenausgleich sorgen. Unter den Politikern der SPD befanden sich beispielsweise mit Volkmar Gabert&amp;lt;ref&amp;gt;Volkmar Gabert wurde 1923 in der Tschechoslowakei geboren und musste 1938 mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten nach England fliehen. 1946 kam er nach München, wo er sich durch die soziale Betreuung von Heimatvertriebenen einen Namen machte. In der SPD stieg er schnell auf. Ab 1950 gehörte er dem bayerischen Landtag an, 1958 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion. 1963 war er Landesvorsitzender der SPD in Bayern. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 261-262.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Josef Kriegisch&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Kriegisch konnte sich 1950 mit großer Mehrheit als Kandidat der SPD für die Landtagswahl 1950 durchsetzten. Wie Volkmar Gabert war er 1923 in der Tschechoslowakei geboren. Beim Kriegseinsatz an der Ostfront wurde er 1943 schwer verwundet und verlor ein Bein. Nach einem Aufenthalt im Lazarett studierte Kriegisch in Wien Jura. Nachdem seine Mutter aus der Tschechoslowakei ausgewiesen worden war, übersiedelte er nach Wasserburg. Er fand eine Anstellung als Verwaltungsjurist im Landratsamt und trat in die SPD ein, für die er nicht nur die Heimatvertriebenen, sondern auch die Kriegsversehrten repräsentieren konnte. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 262.&amp;lt;/ref&amp;gt; auch Personen die selbst Flucht und Vertreibung erfahren hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 258-261.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gelang es der SPD in den 1950er Jahren nicht, in den ländlichen Regionen Bayerns Fuß zu fassen. In der öffentlichen Meinung galt sie vielerorts noch als ‚kirchenfeindlich‘, was es der Partei besonders in den katholisch geprägten Landesteilen schwer machte. Ungeschickte, gegen die Kirche gerichtete Äußerungen beispielsweise von Parteichef Kurt Schumacher verstärkten diese Skepsis noch und lieferten CDU und CSU eine willkommene Angriffsfläche. Die Kirche ihrerseits rief die Gläubigen dazu auf, nur einer christlich ausgerichteten Partei ihre Stimmen zu geben. Auch der in Westdeutschland beinahe allgegenwärtige Antikommunismus schadete den Sozialdemokarten besonders auf dem Land. Die politischen Gegner nutzten diese Stimmung und versuchten die SPD gezielt als Partei des Kommunismus zu stilisieren. Und für viele mit dem unter Bundeskanzler Adenauer erzielten ‚Wirtschaftswunder‘ Zufriedene klang der Wunsch der SPD nach Wirtschaftsplanung und Sozialisierung der Schlüsselindustrien zu sehr nach einer Planwirtschaft sowjetischen Typs. Das von der SPD propagierte Agrarprogramm fand in ländlichen Gegenden ebenso keine große Zustimmung, da es besonders für die Konsumenten und nicht für die Produzenten landwirtschaftlicher Produkte Verbesserungen vorsah. Die Lebensbedingungen der Bauern spielten darin keine Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 263-267.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stärker als die CSU griff die SPD bei der Finanzierung ihrer Parteiarbeit auf Mitgliederbeiträge zurück. Der Verlust von Mitgliedern wirkte sich somit besonders negativ auf die Finanzkraft der Partei aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 271-273.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die wachsenden Ausgaben für den Wahlkampf bedeuteten für die SPD eine größere Herausforderung als für die CSU, die auf großzügige Spenden aus der Industrie hoffen konnte. Daneben brachte auch das Kassieren der Mitgliederbeiträge Probleme mit sich. Gezahlt wurde nicht per Bankeinzug oder Überweisung sondern persönlich bei einem zur Vorstandschaft des jeweiligen Ortsvereins gehörenden Kassier. Die SPD versuchte ihre dauerhaft schlechte finanzielle Situation durch eine Zentralisierung der Organisation auf allen Ebenen in den Griff zu bekommen. Kleine Geschäftsstellen sollten verschwinden und ganze Bezirke wurden für die Parteiarbeit miteinander fusioniert. So wurde aus den Bezirken Oberbayern und Schwaben der Bezirk Südbayern, was wiederum Probleme und Eifersüchteleien zur Folge hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 274-275.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ausdünnung des Parteiapparates aus finanziellen Gründen ging auf Kosten der ländlichen Regionen, da sich die Bezirkssekretariate nur noch in den urbanen Zentren wie München oder Nürnberg befanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So stärkte die organisatorische Entwicklung der SPD in den fünfziger Jahren einseitig die städtischen Hochburgen, während sie die Probleme in der ländlichen Diaspora noch verschärfte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Schwäche auf dem Land zeigte sich auch im Wahlkampf, in dem es der SPD schwerfiel, die wenigen Stammwähler zu mobilisieren und neue Stimmen hinzuzugewinnen. Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Bundestagswahl 1949 und der Landtagswahl 1950 stand für die SPD fest, dass sie in Bayern nicht ohne einen Zugewinn in den landwirtschaftlich geprägten Regionen Fuß fassen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Abwanderung vieler Flüchtlinge und Vertriebener in Regionen in denen sich ihnen bessere Verdienstmöglichkeiten boten, verlor die SPD auf dem Land wichtige Wähler und Parteimitglieder. Und nicht nur die Aussicht auf eine gut bezahlte Arbeit veranlasste viele Neubürger dazu, dem Land den Rücken zu kehren. Flüchtlingen, die noch dazu der SPD angehörten, schlug dort immer wieder Geringschätzung entgegen. Aber auch die einheimischen SPD-Mitglieder hatten es nicht einfacher. So hatte die Partei in den gesamten 50er Jahren Schwierigkeiten bei der Anmietung von Vereinslokalen im ländlichen Raum. Aus Angst um den Arbeitsplatz wagten manche Sympathisanten den Eintritt in die SDP nicht. Auf Anfeindungen reagierten betroffene Ortsvereine mit einer starken Abschottung von der Außenwelt. Ihren Mitgliedern boten sie dagegen vielerorts ein umfangreiches Betätigungsfeld. Die SPD wurde damit eine Alternative zu den dörflichen und kleinstädtischen Vereinen, zu denen Parteimitgliedern der Zutritt oft verwehrt blieb. Auch wenn die SPD damit ihren Mitgliedern ein Gefühl der Zugehörigkeit gab, blieb sie durch die Abschottung vom ländlichen Umfeld eine &#039;&#039;fremde Partei&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 290-292.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Juliane Günther}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
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		<title>Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Juliane Günther|Juliane Günther]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Juliane Günther]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel basiert auf den den Landkreis Wasserburg am Inn betreffenden Kapiteln aus der Publikation: Jaromir Balcar, Politik auf dem Land. Studien zur Bayerischen Provinz 1945 bis 1972 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Band 56/Bayern im Bund, Band 5), 2004. Neben dem Landkreis Wasserburg am Inn betrachtet der Autor auch die Landkreise Landsberg am Lech (Oberbayern), Bogen (Niederbayern), Bleingries, Neumarkt und Roding (Oberpfalz), Feuchtwangen und Rothenburg ob der Tauber (Mittelfranken), Königshofen im Grabfeld (Unterfranken) sowie Neuburg an der Donau und Nördlingen (Schwaben) im Zeitraum von 1945 bis 1972.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einführung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ausgangssituation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrschten  besonders in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg am Inn prekäre Zustände. Das Leben der Menschen war bestimmt von blanker materieller Not und der Sorge um eine ungewisse Zukunft. Hinzu kamen schlechte Verkehrsbedingungen, vielerorts eine unzureichende Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung sowie eine mangelhafte Stromversorgung. Es fehlte nicht zuletzt an modernen Bildungseinrichtungen. Auch waren viele Flüchtlinge und Vertriebene in der Folge des Krieges in den Landkreis Wasserburg gekommen, was nicht selten zu Reibereien mit dort Einheimischen führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Mit den Flüchtlingen und Vertriebenen kam auch erstmals eine nennenswerte Anzahl von Protestanten in die katholisch geprägte Region. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 460.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober des Jahres 1946 lebten bereits über 54.000 Menschen im Landkreis, was verglichen mit den rund 39.000 im Jahr 1939 einen sprunghaften Bevölkerungsanstieg bedeutete.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 134.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die amerikanische Besatzungsmacht beanspruchte zudem uneingeschränkte Hoheitsrechte in ihrem Besatzungsgebiet. Das gesamte öffentliche Leben wurde von der Militärregierung geregelt. Sie ernannte neue Amtsträger und ließ führende Funktionsträger des Dritten Reiches inhaftieren. Mit pauschalen Massenentlassungen ehemaliger Mitglieder der NSDAP besonders im Bereich der öffentlichen Verwaltung bekämpfte sie den Nationalsozialismus. Im Mai 1945 wurde der ehemalige Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Fritz Schäffer&amp;lt;ref&amp;gt;Fritz Schäffer wurde bereits Ende September 1945 wieder aus seinem Amt als Ministerpräsident entlassen, da er die Säuberung der öffentlichen Verwaltung von Nationalsozialisten nicht ausreichend rigoros betrieben haben soll. Als neuer Ministerpräsident wurde der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner ernannt, der bereits vor 1933 als Gegner Adolf Hitlers hervorgetreten und anschließend in die Schweiz emigriert war. Vgl. Wolfgang Benz, Alliierte Deutschlandpolitik, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Alliierte_Deutschlandpolitik (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;, von der Militärregierung zum Ministerpräsidenten ernannt. Die nun zum Handeln gemäß der Anweisungen der Militärregierung befugte Bayerische Staatsregierung stand vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Einen nicht unerheblichen Teil davon stellte neben der Versorgung der Bevölkerung auch die Wiederherstellung der öffentlichen Verwaltung dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg, URL: http://www.hdbg.de/polges/pages/druck/kapitel8.pdf (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Bestreben der Besatzungsmacht nach Kriegsende rasch eine Demokratie in Bayern zu etablieren, schuf hingegen den gesetzlichen Rahmen für den Wiederbeginn des politischen Lebens. Dabei behielten sich die Amerikaner die Entscheidung über jeden einzelnen Gründungs- oder Neuzulassungsantrag einer Partei vor.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg (wie Anm. 5).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die an einem politischen Neubeginn arbeitenden Parteien waren die Ausgangsbedingungen schwierig. Oft konnten die Parteimitglieder weder telefonisch noch brieflich miteinander in Verbindung treten. Besonders die Papierknappheit erschwerte eine Neuorganisation.  Darüber hinaus herrschte innerhalb der Bevölkerung angesichts des verlorenen Krieges und der von der amerikanischen Besatzungsmacht durchgeführten Entnazifizierungsmaßnahmen eine gewisse politische Apathie.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 133.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der CSU nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in den ländlichen Regionen Altbayerns vollzog sich die Gründung der CSU in einer direkten Anknüpfung an die Bayerische Volkspartei (BVP), die während der Weimarer Republik existiert hatte und aus der Bayerischen Zentrumspartei hervorgegangen war. Im Landkreis Wasserburg, wo die BVP bis 1933 eine der einflussreichsten Parteien war, wurde die CSU quasi direkt &amp;quot;auf Anweisung&amp;quot; aus München ins Leben gerufen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ende 1945 wandte sich[Staatsrat] Fritz Schäffer, der von München aus die Fäden zog, in einem Brief an seinen ehemaligen Parteifreund [[Franz Xaver Köck]], um ihn von der Gründung der ‚Bayerischen Christlich-Sozialen Union‘ in München zu informieren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 137.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in der Stadt Wasserburg lebende Bäckermeister Franz Xaver Köck hatte zur Zeit der Weimarer Republik den Vorsitz der BVP in der Region innegehabt und schien nun die ideale Person für die Etablierung der CSU im Landkreis. Am 17.12.1945 lud Köck zu einer Versammlung in die ‚Gaststätte Aumüller‘ ein, die zur politischen Lizensierung der CSU im Landkreis führen sollte. Zu der Veranstaltung kamen 54 Besucher, darunter befanden sich auch viele von der Militärregierung eingesetzte Bürgermeister aus der Region. Die für die Lizensierung notwendigen 25 Unterschriften von Bürgern die sich während des Nationalsozialismus nichts hatten zuschulden kommen lassen waren schnell beisammen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 138. &amp;lt;/ref&amp;gt; 23 der zur Versammlung erschienenen Personen waren Selbstständige, neun von diesen Bauern. Ebenfalls vertreten waren selbstständige Kaufleute, Landhandwerker, Fabrikanten und Rechtsanwälte. Abhängig Beschäftigte, Arbeiter und besonders Frauen suchte man unter den Gründungsmitgliedern vergeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein planmäßiger Aufbau stabiler Organisationsstrukturen gelang der CSU im ersten Jahr nach ihrer Lizensierung im gesamten Landkreis vorerst nicht. Die Partei veranstaltete nur eine öffentliche Veranstaltung im Monat und erhob keine Mitgliederbeiträge. Anfallende Kosten beglich der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck aus eigener Tasche.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139-140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Inhaltlich orientierte sich die Partei an den Leitgedanken ihrer Gründungsmitglieder, die hauptsächlich dem in der Region verwurzelten ländlich-katholischen Besitzmittelstand entstammten. Ein erster 1945 erstellter programmatischer Orientierungsrahmen war zudem nicht frei von unter Alteingesessenen verbreiteten Ressentiments gegen ‚Preußen‘ und Neubürger. Die CSU verstand sich als eine ‚Partei der Bayern‘, in der die Mitgliedschaft von Vertriebenen und Flüchtlingen zwar formal nicht ausgeschlossen, aber eine Seltenheit war. Eine große Rolle spielte das Prestige der in der Gegend meist gut angesehenen Parteimitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das rudimentäre Programm war vielmehr als Aufforderung an die Einheimischen zu verstehen, sich hinter dem breiten Rücken angesehener und weithin geachteter Persönlichkeiten zu scharen, die die Lauterkeit der Ziele der Partei verbürgen sollten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre eigene Entwicklung schätze die CSU weitaus positiver ein als sie letztlich von Statten ging. So gingen die Parteigründer bereits 1946 von 6.000 bis 7.000 Parteimitgliedern aus, die damit mehr als zehn Prozent der Bevölkerung im Landkreis ausgemacht hätten. Obwohl die Wasserburger Militärregierung diese Zahlen akzeptierte und die neu hinzukommenden Mitglieder einfach dazu addierte, waren 1946 nur 354 Personen eingeschriebene Parteimitglieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Aufbauphase der CSU spielten einflussreiche und in der Region bekannte Persönlichkeiten eine große Rolle, die die Anliegen der Partei in den wenigen öffentlichen Veranstaltungen wortgewandt vorbrachten. Der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck stellte sich jedoch weder als mitreißender Redner noch als begnadeter Organisator heraus. Schnell geriet er in den Schatten der eigentlichen, unter den Gründungsmitgliedern vertretenen Führungspersönlichkeit: Dr. Max Zwicknagl. Der aus einem großbürgerlichen Elternhaus stammende promovierte Ökonom war bereits in den 1920er Jahren im Wirtschaftsbeirat der BVP beschäftigt gewesen. Nachdem er unter den Nationalsozialisten mehrfach Geldbußen und kürzere Haftstrafen hatte ableisten müssen, wurde Zwicknagl 1944 zum Kriegsdienst einberufen. Nach Kriegsende unterstützte er die Amerikaner als unbescholtener Einheimischer in einem Fünferausschuss bei der Entnazifizierung in Rott am Inn. Dabei ging er schonungslos gegen die Bewohner der Gemeinde vor, die sich als überzeugte Nationalsozialisten gezeigt hatten. Im Urteil über die ‚Verführten‘ berief er sich jedoch auf die christliche Nächstenliebe und ließ Milde walten. Der wortgewandete Brauereibesitzer stieg nach seinem Einzug in den Kreistag im April 1946 schnell zum Vorsitzenden der CSU Fraktion auf. Dabei positionierte sich Zwicknagl auch klar für den Unterschied von der gescheiterten BVP. Er sah die CSU als eine moderne Partei die über die katholische Bevölkerung hinaus auch liberale und evangelische Wähler ansprechen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141-145.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den ständigen Streitigkeiten die zwischen der CSU Landtagsfraktion und der Landesleitung herrschten, befand sich die Partei im Landkreis Wasserburg in einem tendenziellen Gleichgewicht. Dieses garantierte in der Anfangszeit den Frieden innerhalb des Kreisverbandes und damit auch seine ersten Erfolge.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 147.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der SPD nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die SPD nach Kriegsende im Gegensatz zur CSU keine neue Partei war, musste sie sich von Grund auf neu organisieren. Im Landkreis Wasserburg kamen für diesen Neubeginn erschwerte Bedingungen hinzu, da das vor 1933 dort vorhandene sozialistische Milieu 1945 kaum noch existierte. In städtischen Ballungszentren fiel es der SPD leichter sich zumindest personell neu zu organisieren, während ihre Etablierung in den Dörfern besonders schwer fiel. Sie hielt an dem Charakter einer Arbeiterpartei fest und beschränkte sich somit selbst auf die Zielgruppe der städtischen Industriearbeiterschaft. Auf die Landarbeiter bei denen die SPD noch nie großen Anklang gefunden hatte, wirkte die von dem Parteivorsitzenden Kurt Schumacher verwendete aggressive Klassenkampfrhetorik zudem abschreckend.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch im Landkreis vorhandenen Anhänger der SPD betonten im Antrag auf die Wiederzulassung nicht ohne Stolz die langjährige Geschichte der Partei als traditionelle Gegnerin des Nationalismus. Stark bezog sich die SPD bei ihrer Neuorganisation auf Strukturen aus der Zeit der Weimarer Republik. Die vor 1933 gültigen Statuten wurden bei der Neuzulassung wieder in Kraft gesetzt. Auch ihr Mitgliederprofil hatte sich kaum verändert und viele der 25 Parteigründer waren schon vor 1933 Mitglieder der SPD gewesen. Von ihnen gehörten 20 zur Arbeiterschaft, wobei Facharbeiter gegenüber ungelernten Hilfsarbeitern dominierten. Drei gingen einer selbstständigen Tätigkeit nach, Bauern, Landarbeiter und Frauen befanden sich nicht unter ihnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148-149.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef Estermann.jpg|200px|thumb|right|Josef Estermann 1945]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gegner des Nationalsozialismus wurden die SPD-Mitglieder von der amerikanischen Besatzungsmacht gefördert und auch im Landkreis Wasserburg wurden wichtige Ämter zunächst mit ihnen besetzt. So wurde einer der Neugründer, der Korbmacher Josef Estermann, von den Amerikanern im Mai 1945 zunächst zum Bürgermeister der Kreisstadt und im Oktober des gleichen Jahres zum Landrat ernannt. Der 1898 in Wasserburg gebürtige, aus kleinen Verhältnissen stammende Estermann, war nicht zuletzt durch seinen turbulenten Lebenslauf eine schillernde Persönlichkeit innerhalb der Partei. Zunächst Mitglied der SPD war er von deren lascher Haltung enttäuscht der KPD beigetreten und wegen der Beteiligung an einem Waffendiebstahl steckbrieflich gesucht worden. Schließlich floh er nach Russland. Von dort aus musste er erneut fliehen, da er in das Räderwerk der Geheimpolizei Stalins geraten war. 1932 verurteilte man ihn in Leipzig zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe und im Jahr 1933 brachte man ihn in das Konzentrationslager Dachau, aus dem er 1934 wieder entlassen wurde. Zurück in Wasserburg arbeitete er erfolgreich als selbstständiger Korbmacher, der sich durch die Produktion von kriegswichtigen Granatkörben dem Einsatz im Zweiten Weltkrieg entziehen konnte. In den letzten Kriegstagen wurde Estermann zum Anführer einer gegen die Nationalsozialisten gerichteten Freiheitsaktion und aufgrund dessen wenig später von einem Schnellgericht zum Tode verurteilt. Ihm gelang wiederum die Flucht in den Leichenraum des Wasserburger Krankenhauses, in dem er sich bis zum Eintreffen der Amerikaner in der Stadt verbarg. Jedoch war Josef Estermann nur kurzfristig Landrat, da ihn ehemalige Bekannte aus seiner Zeit bei der KPD wegen seines Übertritts zur SPD als angeblichen Spitzel der Gestapo denunzierten. Auch wenn der gegen ihn angestrebte Prozess bald im Sand verlief war seine politische Karriere damit beendet. Die Wahlen im Jahr 1946 beendeten zudem die Stellung, die die SPD in der Stadt Wasserburg besessen hatte, als Alfons Püls von der CSU neuer Bürgermeister wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 150-151.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Verlust Estermanns wurde die SPD im Landkreis Wasserburg &#039;&#039;kopf- bzw. führungslos&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss der SPD konzentrierte sich sehr auf die Kreisstadt, während der Landkreis mit seiner hauptsächlich aus katholisch geprägten Bauern, Handwerkern und Landarbeitern bestehenden Bevölkerung für die Partei schwer erreichbar blieb. Daneben nutzten andere Parteien die auf dem Lande bestehende Skepsis gegen die SPD geschickt aus. Zum Zeitpunkt ihrer offiziellen Zulassung im Januar 1946 zählt die SPD 33 Parteimitglieder. Anfang April waren es bereits 67, wovon jedoch 51 in der Kreisstadt lebten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit konkreten Werbekampagnen bemühte sich die SPD besonders um die Neubürger im Landkreis. Obwohl dieser Personenkreis 1946 fast 22 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmachte, war die SPD zunächst die einzige Partei, die ihn als potentielle Wähler umwarb. Sie organisierte Versammlungen für Neubürger und konnte ihre Mitgliederzahl besonders in der Kreisstadt enorm vergrößern. Bei Alteingesessenen wurde sie deswegen jedoch verächtlich als eine Partei der ‚Ortsfremden‘ betrachtet, was die SPD in ihrer Werbung um neue Parteimitglieder wenig beeindruckte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 154.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wahlen und Wahlkampf im Jahr 1946 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die SPD bei der ersten Landtagswahl nach Kriegsende im Landkreis Wasserburg mit rund 17 Prozent das beste Ergebnis nach den Wahlen von 1928 (acht Prozent) und 1932 (rund sechs Prozent) erzielen konnte, war die CSU die eindeutige Wahlsiegerin und somit dominierende Kraft in der Region. Die kurze zwischen der Ankündigung der Wahlen und deren Durchführung liegende Zeit stellte für alle Parteien gleichermaßen ein Problem dar. Besonders hinderlich für den Wahlkampf war die nach Kriegsende herrschende, notorische Papierknappheit. Die CSU meisterte diese Herausforderung insofern am besten, als sie auf öffentliche Wahlveranstaltungen mit Diskussionen und zugkräftigen Rednern setzte. Unter anderem konnte sie Fritz Schäffer gewinnen, der bis vor kurzem noch den Posten des Ministerpräsidenten bekleidet hatte und 550 Zuhörer aus der ganzen Region anziehen konnte. In seiner rhetorisch ausgefeilten Ansprache verglich Schäffer unter anderem die Rolle der durch den Nationalsozialismus ‚Verführten‘ mit der Versuchung Christi durch den Satan und kritisierte den hohen Anteil von ‚Zugereisten‘ in der Verwaltung. Auch die weiteren, nur mit Rednern aus dem katholisch-konservativen Flügel der Partei besetzten Veranstaltungen, waren sehr erfolgreich. Wie die CSU organisierte auch die SPD öffentliche Wahlveranstaltungen mit prominenten Rednern, die sich großer Beliebtheit erfreuten und durchschnittlich zwischen 200 und 300 Besucher anzogen. Verglichen mit den CSU-Rednern gelang es den Referenten der SPD jedoch nicht gleichermaßen die Ängste, Wünsche und Hoffnungen der Landbevölkerung anzusprechen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 156-158.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die SPD war bestrebt sich mit den in den Landkreis gekommenen Flüchtlingen und Vertriebenen neue Wähler zu erschließen. Dieses Vorhaben wurde jedoch von der am 18. Dezember 1945 von den Amerikanern erlassenen bayerischen Gemeindeordnung gestört, die nur deutschen, über 21 Jahre alten Staatsbürgern die mindestens ein Jahr in ihrer Gemeinde ansässig waren das Wahlrecht zusprach. Gleiches galt auch für die Kreistagswahlen und die Wahl zur Verfassungsgebenden Landesversammlung. Durch ihre Vergangenheit im Nationalsozialismus belastete Personen waren von den ersten Wahlen in Bayern ebenfalls ausgeschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 164-165.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger als der SPD gelang es der KPD im Landkreis Wasserburg Fuß zu fassen. Nur mit Mühe hatten die Initiatoren die für eine Zulassung notwendigen 25 Unterschriften aufbringen können. Umso weniger Aufmerksamkeit erhielten die Wahlveranstaltungen der KPD, die jedoch einen engagierten und aufwändigen Wahlkampf betrieb und sogar mit Flugblättern arbeitete. Doch auch dieser Aufwand wirkte sich letztendlich negativ für das Image der Partei aus, da die Bevölkerung die massive Flugblattkampagne angesichts der Papierknappheit als geschmacklos empfand.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 160-161.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Grund für die im Landkreis Wasserburg und anderen ländlichen Regionen Bayerns erzielten Wahlerfolge der CSU im Jahr 1946 sieht der Historiker Jaromír Balcar in der Bedeutung ihres politischen Personals. Die Partei konnte in dem auf dem Land sehr personalisierten Wahlkampf auf geachtete und angesehene Persönlichkeiten zurückgreifen. Neben einer streng antikommunistischen Stimmung wirkte auch die Kirche als ein wichtiger politischer Faktor für die CSU. Daneben fand ihre mit Blick auf die christliche Nächstenliebe praktizierte Aufarbeitung des Nationalsozialismus bei der Bevölkerung Zustimmung. Das Prinzip die ‚Verführer‘ zu bestrafen, gegen die ‚Verführten‘ jedoch Milde walten zu lassen, befürworteten diejenigen, die die Entnazifizierung als zu radikal und ungerecht empfanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gewerkschaften, die vor 1933 die Arbeit der SPD unterstützt hatten, waren nach Kriegsende nur langsam wieder aufgebaut worden. Als sie in regionalen Zentren wie der Stadt Wasserburg wieder zu existieren begannen, unterstützten sie erneut die SPD. Jedoch beschränkte sich ihr Einfluss auf die in Wasserburg sehr kleine Gruppe der Industriearbeiter. Die größere Gruppe der Bauern und Landarbeiter wiederum stand unter dem Einfluss des Bayerischen Bauernverbandes, der der CSU verbunden war. Ebenfalls unterstützend für die CSU wirkte die Lizensierungspraxis der amerikanischen Besatzungsmacht, die den Aufbau des bayerischen Parteiensystems als Fünfermatrix zur Folge hatte. Zunächst bildeten diese die Parteien CSU, SPD, KPD, FDP und WAV&amp;lt;ref&amp;gt;WAV steht für die Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung die 1946 in Bayern als Partei lizensiert wurde. Wegen ihres nicht unumstrittenen Gründers Alfred Loritz wurde sie auch ‚Loritz-Partei‘ genannt. Die WAV verfolgte kein schriftlich niedergelegtes Programm, sondern versuchte durch ihre betonte Andersartigkeit, die sie von den in der Weimarer Zeit gescheiterten Parteien unterscheiden sollte, Wähler für sich zu gewinnen. Besonders der Führungsstil von Alfred Loritz destabilisierte die WAV. Nachdem es die Partei geschafft hatte eine Beteiligung im Kabinett von Ministerpräsident Hans Ehard (CSU) zu erlangen, verschwand sie ab 1950 aus dem Landtag und in der Bedeutungslosigkeit. Alfred Loritz hatte 1946 den Posten eines Sonderministers für Politische Befreiung erhalten aus dem er bereits 1947 wieder entlassen wurde. Im Landkreis Wasserburg hatte die WAV bei den Landtagswahlen im Jahr 1946 rund neun Prozent der Stimmen erreicht. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 162 und Daniel Schönwald, Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung (WAV), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wirtschaftliche_Aufbau-Vereinigung_(WAV) (17.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als interkonfessionelle Sammlungspartei wollte die CSU das gesamte, vor 1933 in Bayern stark gespaltene, bürgerlich-konservative Lager als Wähler ansprechen. Innerhalb des Parteiensystems gab es für sie kaum ernsthafte Konkurrenz. Dabei stellte sich die große und heterogene Gruppe der potentiellen Wähler auch als Herausforderung dar, was sich in permanenten Führungs- und Flügelkämpfen äußerte. So blieb die Führungsrolle, die die CSU nach den Wahlen 1946 in Bayern innehatte auch abhängig von der Lizensierungspolitik der amerikanischen Besatzungsmacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 167-168.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die CSU in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ende der amerikanischen Lizensierungspraxis erhielten die CSU und die SPD ab 1948 politische Konkurrenz. Im Fall der CSU war dies insbesondere die ab 1946 auf kommunaler und ab 1948 auf Landesebene lizensierte Bayernpartei. Für die SPD waren es die ab 1950 gegründeten Flüchtlingsparteien, deren Lizensierung die Militärregierung zuvor abgelehnt hatte. Nach dem verlorenen Krieg herrschende wirtschaftliche und soziale Probleme begünstigten zudem die Gründung von Regional- und Protestparteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 169.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Landrat Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Landrat Heinrich Stulberger 1949 beim Wasserburger Heimatfest.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Organisationsaufbau der CSU ging auch nach den Wahlerfolgen im Jahr 1946 besonders auf dem Land nur schleppend voran. Hinzu kamen pausenlosen Diskussionen um die Ausrichtung der Partei mit anhaltenden Flügelkämpfen. Mit der von Ludwig Max Lallinger ins Leben gerufenen Bayernpartei erhielt die CSU eine gefährliche Rivalin im Kampf um die bürgerlich-konservative Wählerschaft. Bereits bei den Kommunalwahlen im April 1948 konnte die Bayernpartei besonders im Regierungsbezirk Oberbayern viele ehemalige CSU-Wähler für sich gewinnen. Auch angesehene Politiker wie der ehemalige Landwirtschaftsminister Joseph Baumgartner verließen die CSU zu Gunsten der Bayernpartei, was dieser wiederum Prestige einbrachte. Im Landkreis Wasserburg erhielt die Bayernpartei bei den Kommunalwahlen 1948 die stimmliche Mehrheit und ihr Kandidat Heinrich Stulberger – ebenfalls ein ehemaliger CSU-Politiker – wurde zum Landrat. Besonders schmerzlich für die Wasserburger CSU muss die Tatsache gewesen sein, dass Stulberger 1945 zu ihren 25 Gründungsmitgliedern gehört hatte. Gemeinsam mit der Union der Ausgewiesenen, mit der sie vor der Wahl eine Listenverbindung eingegangen war, konnte die CSU jedoch zumindest ihre Position als stärkste Fraktion im Wasserburger Kreistag behalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 175-176.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele CSU-Mitglieder verließen ihre Partei in der Hoffnung auf eine schnellere politische Karriere bei der Bayernpartei. Einige waren zuvor mit ihren Ambitionen bei der CSU gescheitert, wie auch der Sägewerksbesitzer Andreas Schachner, der zum Fraktionsvorsitzenden der Bayernpartei im Kreistag des Landkreises Wasserburg wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daneben gelang es der Bayernpartei bis zum Frühjahr 1948, eine ganze Reihe von Bürgermeistern der kreisangehörigen Gemeinden, die zuvor für die CSU kandidiert oder keiner Partei angehört hatten, zum Eintritt zu bewegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem profitierte die Bayernpartei gegenüber der CSU von einer großen Homogenität in der politischen Ausrichtung ihrer Mitglieder. Solange die Bayernpartei keine Regierungsverantwortung trug, mussten ihre Vertreter in öffentlichen Aussagen und Wahlversprechen keine Rücksicht auf den nach Kriegsende herrschenden Mangel, bestehende Ablieferungsverpflichtungen oder die Integration von Flüchtlingen nehmen. Diese Themen hemmten hingegen die CSU, die den Ministerpräsidenten stellte. Viel einfacher hatte es da die Bayernpartei, die die nach Kriegsende herrschenden Probleme auf die Politik der CSU zurückführen und sich als eine Protestpartei der Einheimischen präsentieren konnte. Zu einem ersten Kräftemessen zwischen den beiden Parteien in ganz Bayern kam es bei der Bundestagswahl im Jahr 1949.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177-178.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wahlkampf setzte die Bayernpartei auf stark inszenierte Veranstaltungen, bei denen die Redner radikale Thesen vertraten. Beispielsweise beschuldigte man Preußen, Bayern ‚ins Verderben‘ geführt zu haben und forderte einen selbstständigen bayerischen Staat. Darüber hinaus wendete sich die Bayernpartei mit großer Polemik gegen die Neubürger oder auch gegen ihre direkte politische Konkurrenz. Im Landkreis Wasserburg kam es zu diffamierenden Angriffen von Seiten der Bayernpartei gegen führende Persönlichkeiten der CSU. Bedingt durch ihre Regierungsverantwortung konnte sich die CSU  nicht mit gleicher Polemik zur Wehr setzen. Zumal einige CSU-Politiker auch ein Bündnis mit der Bayernpartei in Erwägung zogen und damit wiederum für parteiinterne Diskussionen sorgten. Im Landkreis Wasserburg richtete sich die CSU in ihren Wahlkampfveranstaltungen ohnehin mehr gegen SPD und KPD. Klar sprach man sich jedoch gegen die von der Bayernpartei geforderte bayerische ‚Abspaltung‘ aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 181-183.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Wahlkampf zur Landtagswahl 1950 befand sich die CSU gegenüber der Bayernpartei in der Defensive. Die Wasserburger CSU musste zudem auf ihre Führungspersönlichkeit Max Zwicknagl verzichten, der aus dem bayerischen Landtag in den Frankfurter Wirtschaftsrat gewechselt war und sich aus dem politischen Geschehen im Landkreis mehr und mehr zurückzog.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die CSU 1949 mit 29,2 Prozent der Stimmen stärkste Kraft in Bayern wurde und die Bayernpartei (20,9 Prozent) wie die SPD mit 22,7 Prozent hinter sich ließ, war ihr Wahlergebnis verglichen mit den vorherigen alarmierend. Besonders im Landkreis Wasserburg hatte die CSU schlecht abgeschnitten, die Bayernpartei war hier als meistgewählte Partei hervorgegangen. Anders als die Bayernpartei, die in einzelnen Regierungsbezirken besondere Erfolge erzielen konnte, blieb die CSU jedoch eine gesamtbayerische Partei, die in allen sieben Regierungsbezirken verankert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1950 erlitt die CSU mit 27,4 Prozent der Stimmen erneut eine Niederlage. Im Landkreis Wasserburg hatten nur noch 25,6 Prozent der Wähler ihr ihre Stimme gegeben, was einen Verlust um einen Prozentpunkt im Vergleich zu 1949 bedeutete. Diese Entwicklung kann im Landkreis Wasserburg mit der direkten Konkurrenz der Bayernpartei begründet werden. In 49 der 62 zum Landkreis gehörenden Gemeinden war die Bayernpartei bereits bei den Bundestagswahlen 1949 stärkste Kraft geworden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Landkreis Wasserburg am Inn stellte mit seiner bäuerlichen Prägung und seiner in der großen Mehrheit katholischen Bevölkerung geradezu den Archetyp der altbayerischen Hochburgen der Bayernpartei dar.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kreisstadt selbst wurde die Bayernpartei 1950 auf den zweiten Platz verwiesen. Die stärkste Partei wurde hier allerdings nicht die CSU, sondern die SPD. Das Wahlverhalten der Bewohner der einzelnen Gemeinden in der Vergangenheit hatte auch einen Einfluss darauf, ob eine Gemeinde zur CSU oder zur Bayernpartei tendierte. In Kommunen, in denen die BVP ihre besten Resultate erzielt hatte, schnitt auch die CSU gut ab. Stimmen verlor sie vor allem in Regionen in denen sich ehemalige Hochburgen des Bayerischen Bauernbundes befanden. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1952 wurden freie Wählergruppen zu einer zusätzlichen Konkurrenz der CSU im Landkreis Wasserburg. Auch gelang es der CSU nicht, mit Karl Deggendorfer das Bürgermeisteramt in der Kreisstadt für sich zu gewinnen. Mit nur 27,3 Prozent der Stimmen musste er sich gegen den amtierenden SPD-Bürgermeister Gabriel Neumeier geschlagen geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192-196.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Trendwende für die CSU brachte die Wahl zum zweiten Deutschen Bundestag im September 1953. Die Bayernpartei erreichte mit rund neun Prozent ein um über zehn Prozentpunkte schlechteres Ergebnis als bei der ersten Bundestagswahl. Sie konnte nicht in das Bonner Parlament einziehen und sank zu einer reinen Landespartei herab. Als eindeutige Wahlsiegerin ging die CSU hervor. So war es auch im Landkreis Wasserburg. Die Bayernpartei musste sich in einer ihrer einstigen ‚Hochburgen‘ mit nur 25,7 Prozent der Stimmen zufrieden geben, während die CSU 45,7 Prozent erhielt. In 52 der 62 zum Kreis gehörenden Gemeinden setzte sich die CSU als stärkste Partei durch. Dieser für viele Zeitgenossen unerwartete Wahlerfolg kann einerseits mit der großen Popularität von Bundeskanzler Konrad Adenauer begründet werden, hinter den sich die CSU trotz aller internen Streitigkeiten stellte. Für viele Wähler bedeutete die CSU den Fortbestand der Kanzlerschaft Adenauers. Obwohl sich die Bayernpartei in Ermangelung einer Alternative auch für Adenauer aussprach, befand sich die CSU diesbezüglich in der besseren Position. Sie betonte, dass eine Zersplitterung des bürgerlichen Lagers allein der SPD zugutekommen könne.  Einen weiteren Erfolgsfaktor im Wahlkampf bildete darüber hinaus der große Einsatz von Bundestagskandidat Josef Bauer&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Bauer, geboren 1915 in der Stadt Wasserburg, stammte aus der Familie der Molkereibesitzer Bauer. Bereits 1937 stand er bedingt durch den frühen Tod des Vaters der Molkerei vor. Als gläubiger Katholik zeigte sich Bauer dem Nationalsozialismus gegenüber reserviert, geriet mit dem Regime jedoch nicht in Konflikt. Den Einsatz im Zweiten Weltkrieg und die anschließende Gefangenschaft überstand er unversehrt. Nachdem Bauer die Molkerei nach Kriegsende saniert hatte, trat er 1951 in die CSU ein und saß 1953 für diese im Wasserburger Stadtrat. Durch seine rhetorische Begabung und sein taktisches Geschick machte sich Bauer in der Partei bald unentbehrlich. Er erwies sich als idealer Repräsentant des Bundeswahlkreises. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 209-210.&amp;lt;/ref&amp;gt; ,der eine große Anzahl von Wahlauftritten absolvierte. Von der Wahlniederlage der Bayernpartei überrascht, traten einige ihrer Funktionäre zur CSU über und es vollzog sich erneut ein Personalwechsel zwischen den beiden Parteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 203-208.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karl Neuburger.jpg|200px|thumb|right|Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg Karl Neuburger]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bauer gehörte zu den jungen Männern, die 1953 einen Generationswechsel bei der CSU in vielen bayerischen Landkreisen einleiteten. Oft verbanden sie die gleichen erfolgversprechenden Eigenschaften. Sie hatten prägende Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit gesammelt. In den Regionen in denen ihre politischen Karrieren begannen, waren sie tief verwurzelt und auch nach einem Wechsel nach München oder Bonn blieben sie diesen verbunden. Im Hinblick auf ihre soziale Stellung in der Gesellschaft ähnelten sie sehr den klassischen Honoratioren der CSU, deren Nachfolge sie antraten. Mit ihnen hatte die ‚neue Generation‘ die Verwurzelung im christlichen Glauben und dem landwirtschaftlichen Verbandswesen gemeinsam. Allerdings zeichneten sich die jungen CSU-Politiker durch ihre moderne Einstellung und einen dadurch beeinflussten Politikstil aus. Ihnen gelang es den Organisationsapparat der Partei auszubauen und zu reaktivieren. Sie erweiterten den bisher hauptsächlich auf den Wahlkampf konzentrierten politischen Dialog mit der Bevölkerung um Veranstaltungen und Sprechstunden und trugen damit auch zu einer stärkeren Demokratisierung des politischen Prozesses bei. Auch das innerparteiliche Klima  wurde durch sie ausgeglichener. Im Jahr 1955 wurde Franz Xaver Köck in seinem Amt als Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg von Karl Neuburger&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Neuburger initiierte eine Anzahl von Neugründungen von CSU-Ortsverbänden im Landkreis, bei denen er besonders eng mit den jeweiligen Pfarrern zusammen arbeitete. Durch diese Parteireform wuchs auch die Zahl der Parteimitgliederzahl im Landkreis. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 218-219. &amp;lt;/ref&amp;gt; abgelöst, der sich mit Josef Bauer optimal ergänzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 212-215.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Simon Hangl stellte die CSU 1957 einen nebenberuflichen Geschäftsführer für den Bundeswahlkreis ein, zu dem auch der Landkreis Wasserburg gehörte. Durch ihn sollte Karl Neuburger entlastet werden, der nicht nur Kreisvorsitzender im Landkreis Wasserburg war, sondern Josef Bauer auch in den anderen beiden zum Bundeswahlkreis gehörenden Landkreisen (Altötting und Mühldorf am Inn) den Rücken frei hielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 229-230.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedingt durch die nun voranschreitende Organisation der Partei und den Generationenwechsel konnte die CSU auch in den Jahren nach 1955 bayernweit Wahlerfolge erzielen. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1956 zeigte sich, dass die CSU besonders dort, wo sie über einen funktionierenden Ortsverband verfügte, gute Wahlergebnisse erhielt. Mit den 57,2 in Bayern erzielten Prozent knüpfte die CSU bei der Bundestagswahl im Jahr 1957 erstmals wieder an ihre Wahlergebnisse von 1946 an. Die Bayernpartei musste dagegen große Stimmverluste hinnehmen. Ausschlaggebend für diesen Erfolg waren unter anderem die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Entwicklung Westdeutschlands unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und das neue Grundsatzprogramm mit dem sich die CSU 1957 selbst auf die Höhe der Zeit brachte. Auch die Ausstattung der Bundeswahlkreisgeschäftsstellen wurde vor dem Wahlkampf in den ländlichen Regionen verbessert. So verfügte das Sekretariat in Wasserburg schließlich über ein langersehntes Auto und einen Filmprojektor zum Abspielen des eigens für die CSU angefertigten, psychologisch äußerst geschickt komponierten Werbefilms.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 234-238.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bayernpartei verlor im Laufe der 1950er Jahre schnell an Dynamik und Attraktivität. Im Jahr 1954 ergriffen ihre Vertreter die verzweifelte Maßnahme sich mit der SPD, der FDP und dem BHE&amp;lt;ref&amp;gt;BHE steht für den Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten. Die politische Vereinigung vertrat die Interessen einer durch Krieg, Flucht und Vertreibung gezeichneten Gesellschaftsschicht. Da ihre inhaltlichen Schwerpunkte die Sozial- und Flüchtlingspolitik waren, verstärkte eine Koalition mit ihr die Unglaubwürdigkeit der Bayernpartei für ihre Stammwählerschaft zusätzlich. Vgl. Daniel Schönwald, Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikonbayerns.de/Lexikon/Block_der_Heimatvertriebenen_und_Entrechteten_(BHE)#Inhaltliche_Schwerpunkte_in_Bayern (21.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; in einer ‚Viererkoalition‘ gegen die CSU zu verbünden. Dabei wurde sie für ihre Wählerschaft immer unglaubwürdiger, wenn sie versuchte, sich als einzige Bewahrerin bayerischer Tradition zu präsentieren, aber gleichzeitig mit der SPD koalierte. Auch existierten viele Zukunftsängste und materielle Nöte, die sich die Bayernpartei zunächst als Protestbewegung hatte zunutze machen können innerhalb der nun vom ‚Wirtschaftswunder‘ beflügelten Bevölkerung nicht mehr. Viele ihrer einstigen Spitzenpolitiker wechselten von der Bayernpartei zur CSU. Schließlich verschwand die Bayernpartei genauso rasch von der politischen Bildfläche, wie sie zehn Jahre zuvor aufgetaucht war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 244-245.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen herben Rückschlag musste die CSU im Landkreis Wasserburg jedoch bei den Landrats- und Landtagswahlen im Jahr 1958 hinnehmen. Sie versuchte zunächst vergeblich den amtierenden Landrat Heinrich Stulberger (Bayernpartei) von einer Kandidatur auf der CSU-Liste oder zumindest zu einem gemeinsamen Vorschlag von CSU und Bayernpartei zu überzeugen. Notgedrungen präsentierte sie dann den völlig unbekannten Oberregierungsrat Hans-Georg Mayer aus München als Landratskandidaten. Die Popularität des Landrates war schließlich ausschlaggebend dafür, dass Stulberger mit 77,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt wurde, während Mayer enttäuschende 22,7 Prozent erhielt. In der Folge drohte der Kreisvorsitzenden Karl Neuburger mit seinem Rücktritt und es kam zu Auflösungserscheinungen in einigen CSU-Ortsverbänden. Diese Niederlage im Landkreis Wasserburg war jedoch nicht repräsentativ für die Landratswahlen von 1958, bei denen die CSU bayernweit betrachtet sehr erfolgreich war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 250-251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die SPD in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heimatfest 1949 mit Kriegisch und Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Josef Kriegisch (Erster von links) beim Wasserburger Heimatfest 1949.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Landkreis Wasserburg war einer der wenigen bayerischen Landkreise, in denen die SPD bei den Landtagswahlen 1946 Zugewinne verbuchen konnte. Es gelang ihr, sich dauerhaft als Vertretung der Flüchtlinge und Vertriebenen im Landkreis zu etablieren. Dabei bemühte sich die Partei gezielt um die Neubürger und stellte die Lösung des Flüchtlingsproblems ins Zentrum des Bundestagswahlkampfes von 1949. Um diese zu erreichen wollte die SPD Fürsorgeleistungen verbessern und Arbeitsplätze schaffen sowie für einen gerechten Lastenausgleich sorgen. Unter den Politikern der SPD befanden sich beispielsweise mit Volkmar Gabert&amp;lt;ref&amp;gt;Volkmar Gabert wurde 1923 in der Tschechoslowakei geboren und musste 1938 mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten nach England fliehen. 1946 kam er nach München, wo er sich durch die soziale Betreuung von Heimatvertriebenen einen Namen machte. In der SPD stieg er schnell auf. Ab 1950 gehörte er dem bayerischen Landtag an, 1958 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion. 1963 war er Landesvorsitzender der SPD in Bayern. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 261-262.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Josef Kriegisch&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Kriegisch konnte sich 1950 mit großer Mehrheit als Kandidat der SPD für die Landtagswahl 1950 durchsetzten. Wie Volkmar Gabert war er 1923 in der Tschechoslowakei geboren. Beim Kriegseinsatz an der Ostfront wurde er 1943 schwer verwundet und verlor ein Bein. Nach einem Aufenthalt im Lazarett studierte Kriegisch in Wien Jura. Nachdem seine Mutter aus der Tschechoslowakei ausgewiesen worden war, übersiedelte er nach Wasserburg. Er fand eine Anstellung als Verwaltungsjurist im Landratsamt und trat in die SPD ein, für die er nicht nur die Heimatvertriebenen, sondern auch die Kriegsversehrten repräsentieren konnte. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 262.&amp;lt;/ref&amp;gt; auch Personen die selbst Flucht und Vertreibung erfahren hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 258-261.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gelang es der SPD in den 1950er Jahren nicht, in den ländlichen Regionen Bayerns Fuß zu fassen. In der öffentlichen Meinung galt sie vielerorts noch als ‚kirchenfeindlich‘, was es der Partei besonders in den katholisch geprägten Landesteilen schwer machte. Ungeschickte, gegen die Kirche gerichtete Äußerungen beispielsweise von Parteichef Kurt Schumacher verstärkten diese Skepsis noch und lieferten CDU und CSU eine willkommene Angriffsfläche. Die Kirche ihrerseits rief die Gläubigen dazu auf, nur einer christlich ausgerichteten Partei ihre Stimmen zu geben. Auch der in Westdeutschland beinahe allgegenwärtige Antikommunismus schadete den Sozialdemokarten besonders auf dem Land. Die politischen Gegner nutzten diese Stimmung und versuchten die SPD gezielt als Partei des Kommunismus zu stilisieren. Und für viele mit dem unter Bundeskanzler Adenauer erzielten ‚Wirtschaftswunder‘ Zufriedene klang der Wunsch der SPD nach Wirtschaftsplanung und Sozialisierung der Schlüsselindustrien zu sehr nach einer Planwirtschaft sowjetischen Typs. Das von der SPD propagierte Agrarprogramm fand in ländlichen Gegenden ebenso keine große Zustimmung, da es besonders für die Konsumenten und nicht für die Produzenten landwirtschaftlicher Produkte Verbesserungen vorsah. Die Lebensbedingungen der Bauern spielten darin keine Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 263-267.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stärker als die CSU griff die SPD bei der Finanzierung ihrer Parteiarbeit auf Mitgliederbeiträge zurück. Der Verlust von Mitgliedern wirkte sich somit besonders negativ auf die Finanzkraft der Partei aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 271-273.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die wachsenden Ausgaben für den Wahlkampf bedeuteten für die SPD eine größere Herausforderung als für die CSU, die auf großzügige Spenden aus der Industrie hoffen konnte. Daneben brachte auch das Kassieren der Mitgliederbeiträge Probleme mit sich. Gezahlt wurde nicht per Bankeinzug oder Überweisung sondern persönlich bei einem zur Vorstandschaft des jeweiligen Ortsvereins gehörenden Kassier. Die SPD versuchte ihre dauerhaft schlechte finanzielle Situation durch eine Zentralisierung der Organisation auf allen Ebenen in den Griff zu bekommen. Kleine Geschäftsstellen sollten verschwinden und ganze Bezirke wurden für die Parteiarbeit miteinander fusioniert. So wurde aus den Bezirken Oberbayern und Schwaben der Bezirk Südbayern, was wiederum Probleme und Eifersüchteleien zur Folge hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 274-275.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ausdünnung des Parteiapparates aus finanziellen Gründen ging auf Kosten der ländlichen Regionen, da sich die Bezirkssekretariate nur noch in den urbanen Zentren wie München oder Nürnberg befanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So stärkte die organisatorische Entwicklung der SPD in den fünfziger Jahren einseitig die städtischen Hochburgen, während sie die Probleme in der ländlichen Diaspora noch verschärfte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Schwäche auf dem Land zeigte sich auch im Wahlkampf, in dem es der SPD schwerfiel, die wenigen Stammwähler zu mobilisieren und neue Stimmen hinzuzugewinnen. Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Bundestagswahl 1949 und der Landtagswahl 1950 stand für die SPD fest, dass sie in Bayern nicht ohne einen Zugewinn in den landwirtschaftlich geprägten Regionen Fuß fassen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Abwanderung vieler Flüchtlinge und Vertriebener in Regionen in denen sich ihnen bessere Verdienstmöglichkeiten boten, verlor die SPD auf dem Land wichtige Wähler und Parteimitglieder. Und nicht nur die Aussicht auf eine gut bezahlte Arbeit veranlasste viele Neubürger dazu, dem Land den Rücken zu kehren. Flüchtlingen, die noch dazu der SPD angehörten, schlug dort immer wieder Geringschätzung entgegen. Aber auch die einheimischen SPD-Mitglieder hatten es nicht einfacher. So hatte die Partei in den gesamten 50er Jahren Schwierigkeiten bei der Anmietung von Vereinslokalen im ländlichen Raum. Aus Angst um den Arbeitsplatz wagten manche Sympathisanten den Eintritt in die SDP nicht. Auf Anfeindungen reagierten betroffene Ortsvereine mit einer starken Abschottung von der Außenwelt. Ihren Mitgliedern boten sie dagegen vielerorts ein umfangreiches Betätigungsfeld. Die SPD wurde damit eine Alternative zu den dörflichen und kleinstädtischen Vereinen, zu denen Parteimitgliedern der Zutritt oft verwehrt blieb. Auch wenn die SPD damit ihren Mitgliedern ein Gefühl der Zugehörigkeit gab, blieb sie durch die Abschottung vom ländlichen Umfeld eine &#039;&#039;fremde Partei&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 290-292.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitierweise|Juliane Günther}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Prink</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/index.php?title=Wiederbeginn_des_politischen_und_kommunalen_Lebens_nach_1945_im_Landkreis_Wasserburg&amp;diff=1379</id>
		<title>Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg</title>
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		<updated>2019-02-19T10:08:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Prink: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Autor: [[:Kategorie:Juliane Günther|Juliane Günther]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Themen/Epochen]][[Kategorie: Artikel A-Z]][[Kategorie: Juliane Günther]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wiederbeginn des politischen und kommunalen Lebens nach 1945 im Landkreis Wasserburg]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel basiert auf den den Landkreis Wasserburg am Inn betreffenden Kapiteln aus der Publikation: Jaromir Balcar, Politik auf dem Land. Studien zur Bayerischen Provinz 1945 bis 1972 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Band 56/Bayern im Bund, Band 5), 2004. Neben dem Landkreis Wasserburg am Inn betrachtet der Autor auch die Landkreise Landsberg am Lech (Oberbayern), Bogen (Niederbayern), Bleingries, Neumarkt und Roding (Oberpfalz), Feuchtwangen und Rothenburg ob der Tauber (Mittelfranken), Königshofen im Grabfeld (Unterfranken) sowie Neuburg an der Donau und Nördlingen (Schwaben) im Zeitraum von 1945 bis 1972.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ausgangssituation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrschten  besonders in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Wasserburg am Inn prekäre Zustände. Das Leben der Menschen war bestimmt von blanker materieller Not und der Sorge um eine ungewisse Zukunft. Hinzu kamen schlechte Verkehrsbedingungen, vielerorts eine unzureichende Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung sowie eine mangelhafte Stromversorgung. Es fehlte nicht zuletzt an modernen Bildungseinrichtungen. Auch waren viele Flüchtlinge und Vertriebene in der Folge des Krieges in den Landkreis Wasserburg gekommen, was nicht selten zu Reibereien mit dort Einheimischen führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Mit den Flüchtlingen und Vertriebenen kam auch erstmals eine nennenswerte Anzahl von Protestanten in die katholisch geprägte Region. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 460.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober des Jahres 1946 lebten bereits über 54.000 Menschen im Landkreis, was verglichen mit den rund 39.000 im Jahr 1939 einen sprunghaften Bevölkerungsanstieg bedeutete.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 134.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die amerikanische Besatzungsmacht beanspruchte zudem uneingeschränkte Hoheitsrechte in ihrem Besatzungsgebiet. Das gesamte öffentliche Leben wurde von der Militärregierung geregelt. Sie ernannte neue Amtsträger und ließ führende Funktionsträger des Dritten Reiches inhaftieren. Mit pauschalen Massenentlassungen ehemaliger Mitglieder der NSDAP besonders im Bereich der öffentlichen Verwaltung bekämpfte sie den Nationalsozialismus. Im Mai 1945 wurde der ehemalige Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Fritz Schäffer&amp;lt;ref&amp;gt;Fritz Schäffer wurde bereits Ende September 1945 wieder aus seinem Amt als Ministerpräsident entlassen, da er die Säuberung der öffentlichen Verwaltung von Nationalsozialisten nicht ausreichend rigoros betrieben haben soll. Als neuer Ministerpräsident wurde der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner ernannt, der bereits vor 1933 als Gegner Adolf Hitlers hervorgetreten und anschließend in die Schweiz emigriert war. Vgl. Wolfgang Benz, Alliierte Deutschlandpolitik, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Alliierte_Deutschlandpolitik (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;, von der Militärregierung zum Ministerpräsidenten ernannt. Die nun zum Handeln gemäß der Anweisungen der Militärregierung befugte Bayerische Staatsregierung stand vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Einen nicht unerheblichen Teil davon stellte neben der Versorgung der Bevölkerung auch die Wiederherstellung der öffentlichen Verwaltung dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg, URL: http://www.hdbg.de/polges/pages/druck/kapitel8.pdf (9.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Bestreben der Besatzungsmacht nach Kriegsende rasch eine Demokratie in Bayern zu etablieren, schuf hingegen den gesetzlichen Rahmen für den Wiederbeginn des politischen Lebens. Dabei behielten sich die Amerikaner die Entscheidung über jeden einzelnen Gründungs- oder Neuzulassungsantrag einer Partei vor.&amp;lt;ref&amp;gt;Haus der Bayerischen Geschichte, Bayern nach dem II. Weltkrieg (wie Anm. 5).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die an einem politischen Neubeginn arbeitenden Parteien waren die Ausgangsbedingungen schwierig. Oft konnten die Parteimitglieder weder telefonisch noch brieflich miteinander in Verbindung treten. Besonders die Papierknappheit erschwerte eine Neuorganisation.  Darüber hinaus herrschte innerhalb der Bevölkerung angesichts des verlorenen Krieges und der von der amerikanischen Besatzungsmacht durchgeführten Entnazifizierungsmaßnahmen eine gewisse politische Apathie.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 133.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der CSU nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in den ländlichen Regionen Altbayerns vollzog sich die Gründung der CSU in einer direkten Anknüpfung an die Bayerische Volkspartei (BVP), die während der Weimarer Republik existiert hatte und aus der Bayerischen Zentrumspartei hervorgegangen war. Im Landkreis Wasserburg, in dem die BVP bis 1933 eine der einflussreichsten Parteien gewesen war, wurde die CSU quasi direkt ‚auf Anweisung‘ aus München ins Leben gerufen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ende 1945 wandte sich[Staatsrat] Fritz Schäffer, der von München aus die Fäden zog, in einem Brief an seinen ehemaligen Parteifreund [[Franz Xaver Köck]], um ihn von der Gründung der ‚Bayerischen Christlich-Sozialen Union‘ in München zu informieren.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 137.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in der Stadt Wasserburg lebende Bäckermeister Franz Xaver Köck hatte zur Zeit der Weimarer Republik den Vorsitz der BVP in der Region innegehabt und schien nun die ideale Person für die Etablierung der CSU im Landkreis. Am 17.12.1945 lud Köck zu einer Versammlung in die ‚Gaststätte Aumüller‘ ein, die zur politischen Lizensierung der CSU im Landkreis führen sollte. Zu der Veranstaltung kamen  54 Besucher, darunter befanden sich auch viele von der Militärregierung eingesetzte Bürgermeister aus der Region. Die für die Lizensierung notwendigen 25 Unterschriften von Bürgern die sich während des Nationalsozialismus Nichts hatten zu Schulden kommen lassen waren schnell beisammen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 138. &amp;lt;/ref&amp;gt; 23 der zur Versammlung erschienenen Personen waren Selbstständige, neun von diesen Bauern. Ebenfalls vertreten waren selbständige Kaufleute, Landhandwerker, Fabrikanten und Rechtsanwälte. Abhängig Beschäftigte, Arbeiter und besonders Frauen suchte man unter den Gründungsmitgliedern vergeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein planmäßiger Aufbau stabiler Organisationsstrukturen gelang der CSU im ersten Jahr nach ihrer Lizensierung im gesamten Landkreis vorerst nicht. Die Partei veranstaltete nur eine öffentliche Veranstaltung im Monat und erhob keine Mitgliederbeiträge. Anfallende Kosten beglich der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck aus eigener Tasche.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139-140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Inhaltlich orientierte sich die Partei an den Leitgedanken ihrer Gründungsmitglieder, die hauptsächlich dem in der Region verwurzelten ländlich-katholischen Besitzmittelstand entstammten. Ein erster 1945 erstellter programmatischer Orientierungsrahmen war zudem nicht frei von unter Alteingesessenen verbreiteten Ressentiments gegen ‚Preußen‘ und Neubürger. Die CSU verstand sich als eine ‚Partei der Bayern‘, in der die Mitgliedschaft von Vertriebenen und Flüchtlingen zwar formal nicht ausgeschlossen, aber eine Seltenheit war. Eine große Rolle spielte das Prestige der in der Gegend meist gut angesehenen Parteimitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Das rudimentäre Programm war vielmehr als Aufforderung an die Einheimischen zu verstehen, sich hinter dem breiten Rücken angesehener und weithin geachteter Persönlichkeiten zu scharen, die die Lauterkeit der Ziele der Partei verbürgen sollten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre eigene Entwicklung schätze die CSU weitaus positiver ein als sie letztlich von statten ging. So gingen die Parteigründer bereits 1946 von 6.000 bis 7.000 Parteimitgliedern aus, die damit mehr als zehn Prozent der Bevölkerung im Landkreis ausgemacht hätten. Obwohl die Wasserburger Militärregierung diese Zahlen akzeptierte und die neu hinzukommenden Mitglieder einfach dazu addierte, waren 1946 nur 354 Personen eingeschriebene Parteimitglieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 139.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Aufbauphase der CSU spielten einflussreiche und in der Region bekannte Persönlichkeiten eine große Rolle, die die Anliegen der Partei in den wenigen öffentlichen Veranstaltungen wortgewandt vorbrachten. Der Gründungsvorsitzende Franz Xaver Köck stellte sich jedoch weder als mitreißender Redner noch als begnadeter Organisator heraus. Schnell geriet er in den Schatten der eigentlichen, unter den Gründungsmitgliedern vertretenen Führungspersönlichkeit: Dr. Max Zwicknagl. Der aus einem großbürgerlichen Elternhaus stammende promovierte Ökonom war bereits in den 1920er Jahren im Wirtschaftsbeirat der BVP beschäftigt gewesen. Nachdem er unter den Nationalsozialisten mehrfach Geldbußen und kürzere Haftstrafen hatte ableisten müssen, wurde Zwicknagl 1944 zum Kriegsdienst einberufen. Nach Kriegsende unterstützte er die Amerikaner als unbescholtener Einheimischer in einem Fünferausschuss bei der Entnazifizierung in Rott am Inn. Dabei ging er schonungslos gegen die Bewohner der Gemeinde vor, die sich als überzeugte Nationalsozialisten gezeigt hatten. Im Urteil über die ‚Verführten‘ berief er sich jedoch auf die christliche Nächstenliebe und ließ Milde walten. Der wortgewandete Brauereibesitzer stieg nach seinem Einzug in den Kreistag im April 1946 schnell zum Vorsitzenden der CSU Fraktion auf. Dabei positionierte sich Zwicknagl auch klar für den Unterschied von der gescheiterten BVP. Er sah die CSU als eine moderne Partei die über die katholische Bevölkerung hinaus auch liberale und evangelische Wähler ansprechen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 141-145.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den ständigen Streitigkeiten die zwischen der CSU Landtagsfraktion und der Landesleitung herrschten, befand sich die Partei im Landkreis Wasserburg in einem tendenziellen Gleichgewicht. Dieses garantierte in der Anfangszeit den Frieden innerhalb des Kreisverbandes und damit auch seine ersten Erfolge.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 147.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parteiarbeit der SPD nach Kriegsende ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die SPD nach Kriegsende im Gegensatz zur CSU keine neue Partei war, musste sie sich von Grund auf neu organisieren. Im Landkreis Wasserburg kamen für diesen Neubeginn erschwerte Bedingungen hinzu, da das vor 1933 dort vorhandene sozialistische Milieu 1945 kaum noch existierte. In städtischen Ballungszentren fiel es der SPD leichter sich zumindest personell neu zu organisieren, während ihre Etablierung in den Dörfern besonders schwer fiel. Sie hielt an dem Charakter einer Arbeiterpartei fest und beschränkte sich somit selbst auf die Zielgruppe der städtischen Industriearbeiterschaft. Auf die Landarbeiter bei denen die SPD noch nie großen Anklang gefunden hatte, wirkte die von dem Parteivorsitzenden Kurt Schumacher verwendete aggressive Klassenkampfrhetorik zudem abschreckend.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die noch im Landkreis vorhandenen Anhänger der SPD betonten im Antrag auf die Wiederzulassung nicht ohne Stolz die langjährige Geschichte der Partei als traditionelle Gegnerin des Nationalismus. Stark bezog sich die SPD bei ihrer Neuorganisation auf Strukturen aus der Zeit der Weimarer Republik. Die vor 1933 gültigen Statuten wurden bei der Neuzulassung wieder in Kraft gesetzt. Auch ihr Mitgliederprofil hatte sich kaum verändert und viele der 25 Parteigründer waren schon vor 1933 Mitglieder der SPD gewesen. Von ihnen gehörten 20 zur Arbeiterschaft, wobei Facharbeiter gegenüber ungelernten Hilfsarbeitern dominierten. Drei gingen einer selbstständigen Tätigkeit nach, Bauern, Landarbeiter und Frauen befanden sich nicht unter ihnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 148-149.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef Estermann.jpg|200px|thumb|right|Josef Estermann 1945]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gegner des Nationalsozialismus wurden die SPD-Mitglieder von der amerikanischen Besatzungsmacht gefördert und auch im Landkreis Wasserburg wurden wichtige Ämter zunächst mit ihnen besetzt. So wurde einer der Neugründer, der Korbmacher Josef Estermann, von den Amerikanern im Mai 1945 zunächst zum Bürgermeister der Kreisstadt und im Oktober des gleichen Jahres zum Landrat ernannt. Der 1898 in Wasserburg gebürtige, aus kleinen Verhältnissen stammende Estermann, war nicht zuletzt durch seinen turbulenten Lebenslauf eine schillernde Persönlichkeit innerhalb der Partei. Zunächst Mitglied der SPD war er von deren lascher Haltung enttäuscht der KPD beigetreten und wegen der Beteiligung an einem Waffendiebstahl steckbrieflich gesucht worden. Schließlich floh er nach Russland. Von dort aus musste er erneut fliehen, da er in das Räderwerk der Geheimpolizei Stalins geraten war. 1932 verurteilte man ihn in Leipzig zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe und im Jahr 1933 brachte man ihn in das Konzentrationslager Dachau, aus dem er 1934 wieder entlassen wurde. Zurück in Wasserburg arbeitete er erfolgreich als selbstständiger Korbmacher, der sich durch die Produktion von kriegswichtigen Granatkörben dem Einsatz im Zweiten Weltkrieg entziehen konnte. In den letzten Kriegstagen wurde Estermann zum Anführer einer gegen die Nationalsozialisten gerichteten Freiheitsaktion und aufgrund dessen wenig später von einem Schnellgericht zum Tode verurteilt. Ihm gelang wiederum die Flucht in den Leichenraum des Wasserburger Krankenhauses, in dem er sich bis zum Eintreffen der Amerikaner in der Stadt verbarg. Jedoch war Josef Estermann nur kurzfristig Landrat, da ihn ehemalige Bekannte aus seiner Zeit bei der KPD wegen seines Übertritts zur SPD als angeblichen Spitzel der Gestapo denunzierten. Auch wenn der gegen ihn angestrebte Prozess bald im Sand verlief war seine politische Karriere damit beendet. Die Wahlen im Jahr 1946 beendeten zudem die Stellung, die die SPD in der Stadt Wasserburg besessen hatte, als Alfons Püls von der CSU neuer Bürgermeister wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 150-151.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Verlust Estermanns wurde die SPD im Landkreis Wasserburg &#039;&#039;kopf- bzw. führungslos&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152. &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss der SPD konzentrierte sich sehr auf die Kreisstadt, während der Landkreis mit seiner hauptsächlich aus katholisch geprägten Bauern, Handwerkern und Landarbeitern bestehenden Bevölkerung für die Partei schwer erreichbar blieb. Daneben nutzten andere Parteien die auf dem Lande bestehende Skepsis gegen die SPD geschickt aus. Zum Zeitpunkt ihrer offiziellen Zulassung im Januar 1946 zählt die SPD 33 Parteimitglieder. Anfang April waren es bereits 67, wovon jedoch 51 in der Kreisstadt lebten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 152.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit konkreten Werbekampagnen bemühte sich die SPD besonders um die Neubürger im Landkreis. Obwohl dieser Personenkreis 1946 fast 22 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmachte, war die SPD zunächst die einzige Partei, die ihn als potentielle Wähler umwarb. Sie organisierte Versammlungen für Neubürger und konnte ihre Mitgliederzahl besonders in der Kreisstadt enorm vergrößern. Bei Alteingesessenen wurde sie deswegen jedoch verächtlich als eine Partei der ‚Ortsfremden‘ betrachtet, was die SPD in ihrer Werbung um neue Parteimitglieder wenig beeindruckte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 154.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wahlen und Wahlkampf im Jahr 1946 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die SPD bei der ersten Landtagswahl nach Kriegsende im Landkreis Wasserburg mit rund 17 Prozent das beste Ergebnis nach den Wahlen von 1928 (acht Prozent) und 1932 (rund sechs Prozent) erzielen konnte, war die CSU die eindeutige Wahlsiegerin und somit dominierende Kraft in der Region. Die kurze zwischen der Ankündigung der Wahlen und deren Durchführung liegende Zeit stellte für alle Parteien gleichermaßen ein Problem dar. Besonders hinderlich für den Wahlkampf war die nach Kriegsende herrschende, notorische Papierknappheit. Die CSU meisterte diese Herausforderung insofern am besten, als sie auf öffentliche Wahlveranstaltungen mit Diskussionen und zugkräftigen Rednern setzte. Unter anderem konnte sie Fritz Schäffer gewinnen, der bis vor kurzem noch den Posten des Ministerpräsidenten bekleidet hatte und 550 Zuhörer aus der ganzen Region anziehen konnte. In seiner rhetorisch ausgefeilten Ansprache verglich Schäffer unter anderem die Rolle der durch den Nationalsozialismus ‚Verführten‘ mit der Versuchung Christi durch den Satan und kritisierte den hohen Anteil von ‚Zugereisten‘ in der Verwaltung. Auch die weiteren, nur mit Rednern aus dem katholisch-konservativen Flügel der Partei besetzten Veranstaltungen, waren sehr erfolgreich. Wie die CSU organisierte auch die SPD öffentliche Wahlveranstaltungen mit prominenten Rednern, die sich großer Beliebtheit erfreuten und durchschnittlich zwischen 200 und 300 Besucher anzogen. Verglichen mit den CSU-Rednern gelang es den Referenten der SPD jedoch nicht gleichermaßen die Ängste, Wünsche und Hoffnungen der Landbevölkerung anzusprechen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 156-158.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die SPD war bestrebt sich mit den in den Landkreis gekommenen Flüchtlingen und Vertriebenen neue Wähler zu erschließen. Dieses Vorhaben wurde jedoch von der am 18. Dezember 1945 von den Amerikanern erlassenen bayerischen Gemeindeordnung gestört, die nur deutschen, über 21 Jahre alten Staatsbürgern die mindestens ein Jahr in ihrer Gemeinde ansässig waren das Wahlrecht zusprach. Gleiches galt auch für die Kreistagswahlen und die Wahl zur Verfassungsgebenden Landesversammlung. Durch ihre Vergangenheit im Nationalsozialismus belastete Personen waren von den ersten Wahlen in Bayern ebenfalls ausgeschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 164-165.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger als der SPD gelang es der KPD im Landkreis Wasserburg Fuß zu fassen. Nur mit Mühe hatten die Initiatoren die für eine Zulassung notwendigen 25 Unterschriften aufbringen können. Umso weniger Aufmerksamkeit erhielten die Wahlveranstaltungen der KPD, die jedoch einen engagierten und aufwändigen Wahlkampf betrieb und sogar mit Flugblättern arbeitete. Doch auch dieser Aufwand wirkte sich letztendlich negativ für das Image der Partei aus, da die Bevölkerung die massive Flugblattkampagne angesichts der Papierknappheit als geschmacklos empfand.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 160-161.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Grund für die im Landkreis Wasserburg und anderen ländlichen Regionen Bayerns erzielten Wahlerfolge der CSU im Jahr 1946 sieht der Historiker Jaromír Balcar in der Bedeutung ihres politischen Personals. Die Partei konnte in dem auf dem Land sehr personalisierten Wahlkampf auf geachtete und angesehene Persönlichkeiten zurückgreifen. Neben einer streng antikommunistischen Stimmung wirkte auch die Kirche als ein wichtiger politischer Faktor für die CSU. Daneben fand ihre mit Blick auf die christliche Nächstenliebe praktizierte Aufarbeitung des Nationalsozialismus bei der Bevölkerung Zustimmung. Das Prinzip die ‚Verführer‘ zu bestrafen, gegen die ‚Verführten‘ jedoch Milde walten zu lassen, befürworteten diejenigen, die die Entnazifizierung als zu radikal und ungerecht empfanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gewerkschaften, die vor 1933 die Arbeit der SPD unterstützt hatten, waren nach Kriegsende nur langsam wieder aufgebaut worden. Als sie in regionalen Zentren wie der Stadt Wasserburg wieder zu existieren begannen, unterstützten sie erneut die SPD. Jedoch beschränkte sich ihr Einfluss auf die in Wasserburg sehr kleine Gruppe der Industriearbeiter. Die größere Gruppe der Bauern und Landarbeiter wiederum stand unter dem Einfluss des Bayerischen Bauernverbandes, der der CSU verbunden war. Ebenfalls unterstützend für die CSU wirkte die Lizensierungspraxis der amerikanischen Besatzungsmacht, die den Aufbau des bayerischen Parteiensystems als Fünfermatrix zur Folge hatte. Zunächst bildeten diese die Parteien CSU, SPD, KPD, FDP und WAV&amp;lt;ref&amp;gt;WAV steht für die Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung die 1946 in Bayern als Partei lizensiert wurde. Wegen ihres nicht unumstrittenen Gründers Alfred Loritz wurde sie auch ‚Loritz-Partei‘ genannt. Die WAV verfolgte kein schriftlich niedergelegtes Programm, sondern versuchte durch ihre betonte Andersartigkeit, die sie von den in der Weimarer Zeit gescheiterten Parteien unterscheiden sollte, Wähler für sich zu gewinnen. Besonders der Führungsstil von Alfred Loritz destabilisierte die WAV. Nachdem es die Partei geschafft hatte eine Beteiligung im Kabinett von Ministerpräsident Hans Ehard (CSU) zu erlangen, verschwand sie ab 1950 aus dem Landtag und in der Bedeutungslosigkeit. Alfred Loritz hatte 1946 den Posten eines Sonderministers für Politische Befreiung erhalten aus dem er bereits 1947 wieder entlassen wurde. Im Landkreis Wasserburg hatte die WAV bei den Landtagswahlen im Jahr 1946 rund neun Prozent der Stimmen erreicht. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 162 und Daniel Schönwald, Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung (WAV), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wirtschaftliche_Aufbau-Vereinigung_(WAV) (17.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als interkonfessionelle Sammlungspartei wollte die CSU das gesamte, vor 1933 in Bayern stark gespaltene, bürgerlich-konservative Lager als Wähler ansprechen. Innerhalb des Parteiensystems gab es für sie kaum ernsthafte Konkurrenz. Dabei stellte sich die große und heterogene Gruppe der potentiellen Wähler auch als Herausforderung dar, was sich in permanenten Führungs- und Flügelkämpfen äußerte. So blieb die Führungsrolle, die die CSU nach den Wahlen 1946 in Bayern innehatte auch abhängig von der Lizensierungspolitik der amerikanischen Besatzungsmacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 167-168.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die CSU in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ende der amerikanischen Lizensierungspraxis erhielten die CSU und die SPD ab 1948 politische Konkurrenz. Im Fall der CSU war dies insbesondere die ab 1946 auf kommunaler und ab 1948 auf Landesebene lizensierte Bayernpartei. Für die SPD waren es die ab 1950 gegründeten Flüchtlingsparteien, deren Lizensierung die Militärregierung zuvor abgelehnt hatte. Nach dem verlorenen Krieg herrschende wirtschaftliche und soziale Probleme begünstigten zudem die Gründung von Regional- und Protestparteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 169.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Landrat Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Landrat Heinrich Stulberger 1949 beim Wasserburger Heimatfest.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Organisationsaufbau der CSU ging auch nach den Wahlerfolgen im Jahr 1946 besonders auf dem Land nur schleppend voran. Hinzu kamen pausenlosen Diskussionen um die Ausrichtung der Partei mit anhaltenden Flügelkämpfen. Mit der von Ludwig Max Lallinger ins Leben gerufenen Bayernpartei erhielt die CSU eine gefährliche Rivalin im Kampf um die bürgerlich-konservative Wählerschaft. Bereits bei den Kommunalwahlen im April 1948 konnte die Bayernpartei besonders im Regierungsbezirk Oberbayern viele ehemalige CSU-Wähler für sich gewinnen. Auch angesehene Politiker wie der ehemalige Landwirtschaftsminister Joseph Baumgartner verließen die CSU zu Gunsten der Bayernpartei, was dieser wiederum Prestige einbrachte. Im Landkreis Wasserburg erhielt die Bayernpartei bei den Kommunalwahlen 1948 die stimmliche Mehrheit und ihr Kandidat Heinrich Stulberger – ebenfalls ein ehemaliger CSU-Politiker – wurde zum Landrat. Besonders schmerzlich für die Wasserburger CSU muss die Tatsache gewesen sein, dass Stulberger 1945 zu ihren 25 Gründungsmitgliedern gehört hatte. Gemeinsam mit der Union der Ausgewiesenen, mit der sie vor der Wahl eine Listenverbindung eingegangen war, konnte die CSU jedoch zumindest ihre Position als stärkste Fraktion im Wasserburger Kreistag behalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 175-176.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele CSU-Mitglieder verließen ihre Partei in der Hoffnung auf eine schnellere politische Karriere bei der Bayernpartei. Einige waren zuvor mit ihren Ambitionen bei der CSU gescheitert, wie auch der Sägewerksbesitzer Andreas Schachner, der zum Fraktionsvorsitzenden der Bayernpartei im Kreistag des Landkreises Wasserburg wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daneben gelang es der Bayernpartei bis zum Frühjahr 1948, eine ganze Reihe von Bürgermeistern der kreisangehörigen Gemeinden, die zuvor für die CSU kandidiert oder keiner Partei angehört hatten, zum Eintritt zu bewegen.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem profitierte die Bayernpartei gegenüber der CSU von einer großen Homogenität in der politischen Ausrichtung ihrer Mitglieder. Solange die Bayernpartei keine Regierungsverantwortung trug, mussten ihre Vertreter in öffentlichen Aussagen und Wahlversprechen keine Rücksicht auf den nach Kriegsende herrschenden Mangel, bestehende Ablieferungsverpflichtungen oder die Integration von Flüchtlingen nehmen. Diese Themen hemmten hingegen die CSU, die den Ministerpräsidenten stellte. Viel einfacher hatte es da die Bayernpartei, die die nach Kriegsende herrschenden Probleme auf die Politik der CSU zurückführen und sich als eine Protestpartei der Einheimischen präsentieren konnte. Zu einem ersten Kräftemessen zwischen den beiden Parteien in ganz Bayern kam es bei der Bundestagswahl im Jahr 1949.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 177-178.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wahlkampf setzte die Bayernpartei auf stark inszenierte Veranstaltungen, bei denen die Redner radikale Thesen vertraten. Beispielsweise beschuldigte man Preußen, Bayern ‚ins Verderben‘ geführt zu haben und forderte einen selbstständigen bayerischen Staat. Darüber hinaus wendete sich die Bayernpartei mit großer Polemik gegen die Neubürger oder auch gegen ihre direkte politische Konkurrenz. Im Landkreis Wasserburg kam es zu diffamierenden Angriffen von Seiten der Bayernpartei gegen führende Persönlichkeiten der CSU. Bedingt durch ihre Regierungsverantwortung konnte sich die CSU  nicht mit gleicher Polemik zur Wehr setzen. Zumal einige CSU-Politiker auch ein Bündnis mit der Bayernpartei in Erwägung zogen und damit wiederum für parteiinterne Diskussionen sorgten. Im Landkreis Wasserburg richtete sich die CSU in ihren Wahlkampfveranstaltungen ohnehin mehr gegen SPD und KPD. Klar sprach man sich jedoch gegen die von der Bayernpartei geforderte bayerische ‚Abspaltung‘ aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 181-183.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Wahlkampf zur Landtagswahl 1950 befand sich die CSU gegenüber der Bayernpartei in der Defensive. Die Wasserburger CSU musste zudem auf ihre Führungspersönlichkeit Max Zwicknagl verzichten, der aus dem bayerischen Landtag in den Frankfurter Wirtschaftsrat gewechselt war und sich aus dem politischen Geschehen im Landkreis mehr und mehr zurückzog.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die CSU 1949 mit 29,2 Prozent der Stimmen stärkste Kraft in Bayern wurde und die Bayernpartei (20,9 Prozent) wie die SPD mit 22,7 Prozent hinter sich ließ, war ihr Wahlergebnis verglichen mit den vorherigen alarmierend. Besonders im Landkreis Wasserburg hatte die CSU schlecht abgeschnitten, die Bayernpartei war hier als meistgewählte Partei hervorgegangen. Anders als die Bayernpartei, die in einzelnen Regierungsbezirken besondere Erfolge erzielen konnte, blieb die CSU jedoch eine gesamtbayerische Partei, die in allen sieben Regierungsbezirken verankert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1950 erlitt die CSU mit 27,4 Prozent der Stimmen erneut eine Niederlage. Im Landkreis Wasserburg hatten nur noch 25,6 Prozent der Wähler ihr ihre Stimme gegeben, was einen Verlust um einen Prozentpunkt im Vergleich zu 1949 bedeutete. Diese Entwicklung kann im Landkreis Wasserburg mit der direkten Konkurrenz der Bayernpartei begründet werden. In 49 der 62 zum Landkreis gehörenden Gemeinden war die Bayernpartei bereits bei den Bundestagswahlen 1949 stärkste Kraft geworden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Landkreis Wasserburg am Inn stellte mit seiner bäuerlichen Prägung und seiner in der großen Mehrheit katholischen Bevölkerung geradezu den Archetyp der altbayerischen Hochburgen der Bayernpartei dar.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kreisstadt selbst wurde die Bayernpartei 1950 auf den zweiten Platz verwiesen. Die stärkste Partei wurde hier allerdings nicht die CSU, sondern die SPD. Das Wahlverhalten der Bewohner der einzelnen Gemeinden in der Vergangenheit hatte auch einen Einfluss darauf, ob eine Gemeinde zur CSU oder zur Bayernpartei tendierte. In Kommunen, in denen die BVP ihre besten Resultate erzielt hatte, schnitt auch die CSU gut ab. Stimmen verlor sie vor allem in Regionen in denen sich ehemalige Hochburgen des Bayerischen Bauernbundes befanden. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1952 wurden freie Wählergruppen zu einer zusätzlichen Konkurrenz der CSU im Landkreis Wasserburg. Auch gelang es der CSU nicht, mit Karl Deggendorfer das Bürgermeisteramt in der Kreisstadt für sich zu gewinnen. Mit nur 27,3 Prozent der Stimmen musste er sich gegen den amtierenden SPD-Bürgermeister Gabriel Neumeier geschlagen geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 192-196.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Trendwende für die CSU brachte die Wahl zum zweiten Deutschen Bundestag im September 1953. Die Bayernpartei erreichte mit rund neun Prozent ein um über zehn Prozentpunkte schlechteres Ergebnis als bei der ersten Bundestagswahl. Sie konnte nicht in das Bonner Parlament einziehen und sank zu einer reinen Landespartei herab. Als eindeutige Wahlsiegerin ging die CSU hervor. So war es auch im Landkreis Wasserburg. Die Bayernpartei musste sich in einer ihrer einstigen ‚Hochburgen‘ mit nur 25,7 Prozent der Stimmen zufrieden geben, während die CSU 45,7 Prozent erhielt. In 52 der 62 zum Kreis gehörenden Gemeinden setzte sich die CSU als stärkste Partei durch. Dieser für viele Zeitgenossen unerwartete Wahlerfolg kann einerseits mit der großen Popularität von Bundeskanzler Konrad Adenauer begründet werden, hinter den sich die CSU trotz aller internen Streitigkeiten stellte. Für viele Wähler bedeutete die CSU den Fortbestand der Kanzlerschaft Adenauers. Obwohl sich die Bayernpartei in Ermangelung einer Alternative auch für Adenauer aussprach, befand sich die CSU diesbezüglich in der besseren Position. Sie betonte, dass eine Zersplitterung des bürgerlichen Lagers allein der SPD zugutekommen könne.  Einen weiteren Erfolgsfaktor im Wahlkampf bildete darüber hinaus der große Einsatz von Bundestagskandidat Josef Bauer&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Bauer, geboren 1915 in der Stadt Wasserburg, stammte aus der Familie der Molkereibesitzer Bauer. Bereits 1937 stand er bedingt durch den frühen Tod des Vaters der Molkerei vor. Als gläubiger Katholik zeigte sich Bauer dem Nationalsozialismus gegenüber reserviert, geriet mit dem Regime jedoch nicht in Konflikt. Den Einsatz im Zweiten Weltkrieg und die anschließende Gefangenschaft überstand er unversehrt. Nachdem Bauer die Molkerei nach Kriegsende saniert hatte, trat er 1951 in die CSU ein und saß 1953 für diese im Wasserburger Stadtrat. Durch seine rhetorische Begabung und sein taktisches Geschick machte sich Bauer in der Partei bald unentbehrlich. Er erwies sich als idealer Repräsentant des Bundeswahlkreises. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 209-210.&amp;lt;/ref&amp;gt; ,der eine große Anzahl von Wahlauftritten absolvierte. Von der Wahlniederlage der Bayernpartei überrascht, traten einige ihrer Funktionäre zur CSU über und es vollzog sich erneut ein Personalwechsel zwischen den beiden Parteien.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 203-208.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karl Neuburger.jpg|200px|thumb|right|Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg Karl Neuburger]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bauer gehörte zu den jungen Männern, die 1953 einen Generationswechsel bei der CSU in vielen bayerischen Landkreisen einleiteten. Oft verbanden sie die gleichen erfolgversprechenden Eigenschaften. Sie hatten prägende Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit gesammelt. In den Regionen in denen ihre politischen Karrieren begannen, waren sie tief verwurzelt und auch nach einem Wechsel nach München oder Bonn blieben sie diesen verbunden. Im Hinblick auf ihre soziale Stellung in der Gesellschaft ähnelten sie sehr den klassischen Honoratioren der CSU, deren Nachfolge sie antraten. Mit ihnen hatte die ‚neue Generation‘ die Verwurzelung im christlichen Glauben und dem landwirtschaftlichen Verbandswesen gemeinsam. Allerdings zeichneten sich die jungen CSU-Politiker durch ihre moderne Einstellung und einen dadurch beeinflussten Politikstil aus. Ihnen gelang es den Organisationsapparat der Partei auszubauen und zu reaktivieren. Sie erweiterten den bisher hauptsächlich auf den Wahlkampf konzentrierten politischen Dialog mit der Bevölkerung um Veranstaltungen und Sprechstunden und trugen damit auch zu einer stärkeren Demokratisierung des politischen Prozesses bei. Auch das innerparteiliche Klima  wurde durch sie ausgeglichener. Im Jahr 1955 wurde Franz Xaver Köck in seinem Amt als Kreisvorsitzender der CSU im Landkreis Wasserburg von Karl Neuburger&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Neuburger initiierte eine Anzahl von Neugründungen von CSU-Ortsverbänden im Landkreis, bei denen er besonders eng mit den jeweiligen Pfarrern zusammen arbeitete. Durch diese Parteireform wuchs auch die Zahl der Parteimitgliederzahl im Landkreis. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 218-219. &amp;lt;/ref&amp;gt; abgelöst, der sich mit Josef Bauer optimal ergänzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 212-215.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Simon Hangl stellte die CSU 1957 einen nebenberuflichen Geschäftsführer für den Bundeswahlkreis ein, zu dem auch der Landkreis Wasserburg gehörte. Durch ihn sollte Karl Neuburger entlastet werden, der nicht nur Kreisvorsitzender im Landkreis Wasserburg war, sondern Josef Bauer auch in den anderen beiden zum Bundeswahlkreis gehörenden Landkreisen (Altötting und Mühldorf am Inn) den Rücken frei hielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 229-230.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedingt durch die nun voranschreitende Organisation der Partei und den Generationenwechsel konnte die CSU auch in den Jahren nach 1955 bayernweit Wahlerfolge erzielen. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1956 zeigte sich, dass die CSU besonders dort, wo sie über einen funktionierenden Ortsverband verfügte, gute Wahlergebnisse erhielt. Mit den 57,2 in Bayern erzielten Prozent knüpfte die CSU bei der Bundestagswahl im Jahr 1957 erstmals wieder an ihre Wahlergebnisse von 1946 an. Die Bayernpartei musste dagegen große Stimmverluste hinnehmen. Ausschlaggebend für diesen Erfolg waren unter anderem die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Entwicklung Westdeutschlands unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und das neue Grundsatzprogramm mit dem sich die CSU 1957 selbst auf die Höhe der Zeit brachte. Auch die Ausstattung der Bundeswahlkreisgeschäftsstellen wurde vor dem Wahlkampf in den ländlichen Regionen verbessert. So verfügte das Sekretariat in Wasserburg schließlich über ein langersehntes Auto und einen Filmprojektor zum Abspielen des eigens für die CSU angefertigten, psychologisch äußerst geschickt komponierten Werbefilms.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 234-238.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bayernpartei verlor im Laufe der 1950er Jahre schnell an Dynamik und Attraktivität. Im Jahr 1954 ergriffen ihre Vertreter die verzweifelte Maßnahme sich mit der SPD, der FDP und dem BHE&amp;lt;ref&amp;gt;BHE steht für den Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten. Die politische Vereinigung vertrat die Interessen einer durch Krieg, Flucht und Vertreibung gezeichneten Gesellschaftsschicht. Da ihre inhaltlichen Schwerpunkte die Sozial- und Flüchtlingspolitik waren, verstärkte eine Koalition mit ihr die Unglaubwürdigkeit der Bayernpartei für ihre Stammwählerschaft zusätzlich. Vgl. Daniel Schönwald, Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikonbayerns.de/Lexikon/Block_der_Heimatvertriebenen_und_Entrechteten_(BHE)#Inhaltliche_Schwerpunkte_in_Bayern (21.1.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; in einer ‚Viererkoalition‘ gegen die CSU zu verbünden. Dabei wurde sie für ihre Wählerschaft immer unglaubwürdiger, wenn sie versuchte, sich als einzige Bewahrerin bayerischer Tradition zu präsentieren, aber gleichzeitig mit der SPD koalierte. Auch existierten viele Zukunftsängste und materielle Nöte, die sich die Bayernpartei zunächst als Protestbewegung hatte zunutze machen können innerhalb der nun vom ‚Wirtschaftswunder‘ beflügelten Bevölkerung nicht mehr. Viele ihrer einstigen Spitzenpolitiker wechselten von der Bayernpartei zur CSU. Schließlich verschwand die Bayernpartei genauso rasch von der politischen Bildfläche, wie sie zehn Jahre zuvor aufgetaucht war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 244-245.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen herben Rückschlag musste die CSU im Landkreis Wasserburg jedoch bei den Landrats- und Landtagswahlen im Jahr 1958 hinnehmen. Sie versuchte zunächst vergeblich den amtierenden Landrat Heinrich Stulberger (Bayernpartei) von einer Kandidatur auf der CSU-Liste oder zumindest zu einem gemeinsamen Vorschlag von CSU und Bayernpartei zu überzeugen. Notgedrungen präsentierte sie dann den völlig unbekannten Oberregierungsrat Hans-Georg Mayer aus München als Landratskandidaten. Die Popularität des Landrates war schließlich ausschlaggebend dafür, dass Stulberger mit 77,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt wurde, während Mayer enttäuschende 22,7 Prozent erhielt. In der Folge drohte der Kreisvorsitzenden Karl Neuburger mit seinem Rücktritt und es kam zu Auflösungserscheinungen in einigen CSU-Ortsverbänden. Diese Niederlage im Landkreis Wasserburg war jedoch nicht repräsentativ für die Landratswahlen von 1958, bei denen die CSU bayernweit betrachtet sehr erfolgreich war.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 250-251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die SPD in den 1950er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heimatfest 1949 mit Kriegisch und Stulberger.jpg|200px|thumb|right|Josef Kriegisch (Erster von links) beim Wasserburger Heimatfest 1949.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Landkreis Wasserburg war einer der wenigen bayerischen Landkreise, in denen die SPD bei den Landtagswahlen 1946 Zugewinne verbuchen konnte. Es gelang ihr, sich dauerhaft als Vertretung der Flüchtlinge und Vertriebenen im Landkreis zu etablieren. Dabei bemühte sich die Partei gezielt um die Neubürger und stellte die Lösung des Flüchtlingsproblems ins Zentrum des Bundestagswahlkampfes von 1949. Um diese zu erreichen wollte die SPD Fürsorgeleistungen verbessern und Arbeitsplätze schaffen sowie für einen gerechten Lastenausgleich sorgen. Unter den Politikern der SPD befanden sich beispielsweise mit Volkmar Gabert&amp;lt;ref&amp;gt;Volkmar Gabert wurde 1923 in der Tschechoslowakei geboren und musste 1938 mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten nach England fliehen. 1946 kam er nach München, wo er sich durch die soziale Betreuung von Heimatvertriebenen einen Namen machte. In der SPD stieg er schnell auf. Ab 1950 gehörte er dem bayerischen Landtag an, 1958 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion. 1963 war er Landesvorsitzender der SPD in Bayern. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 261-262.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Josef Kriegisch&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Kriegisch konnte sich 1950 mit großer Mehrheit als Kandidat der SPD für die Landtagswahl 1950 durchsetzten. Wie Volkmar Gabert war er 1923 in der Tschechoslowakei geboren. Beim Kriegseinsatz an der Ostfront wurde er 1943 schwer verwundet und verlor ein Bein. Nach einem Aufenthalt im Lazarett studierte Kriegisch in Wien Jura. Nachdem seine Mutter aus der Tschechoslowakei ausgewiesen worden war, übersiedelte er nach Wasserburg. Er fand eine Anstellung als Verwaltungsjurist im Landratsamt und trat in die SPD ein, für die er nicht nur die Heimatvertriebenen, sondern auch die Kriegsversehrten repräsentieren konnte. Vgl. Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 262.&amp;lt;/ref&amp;gt; auch Personen die selbst Flucht und Vertreibung erfahren hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 258-261.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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Allerdings gelang es der SPD in den 1950er Jahren nicht, in den ländlichen Regionen Bayerns Fuß zu fassen. In der öffentlichen Meinung galt sie vielerorts noch als ‚kirchenfeindlich‘, was es der Partei besonders in den katholisch geprägten Landesteilen schwer machte. Ungeschickte, gegen die Kirche gerichtete Äußerungen beispielsweise von Parteichef Kurt Schumacher verstärkten diese Skepsis noch und lieferten CDU und CSU eine willkommene Angriffsfläche. Die Kirche ihrerseits rief die Gläubigen dazu auf, nur einer christlich ausgerichteten Partei ihre Stimmen zu geben. Auch der in Westdeutschland beinahe allgegenwärtige Antikommunismus schadete den Sozialdemokarten besonders auf dem Land. Die politischen Gegner nutzten diese Stimmung und versuchten die SPD gezielt als Partei des Kommunismus zu stilisieren. Und für viele mit dem unter Bundeskanzler Adenauer erzielten ‚Wirtschaftswunder‘ Zufriedene klang der Wunsch der SPD nach Wirtschaftsplanung und Sozialisierung der Schlüsselindustrien zu sehr nach einer Planwirtschaft sowjetischen Typs. Das von der SPD propagierte Agrarprogramm fand in ländlichen Gegenden ebenso keine große Zustimmung, da es besonders für die Konsumenten und nicht für die Produzenten landwirtschaftlicher Produkte Verbesserungen vorsah. Die Lebensbedingungen der Bauern spielten darin keine Rolle.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 263-267.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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Stärker als die CSU griff die SPD bei der Finanzierung ihrer Parteiarbeit auf Mitgliederbeiträge zurück. Der Verlust von Mitgliedern wirkte sich somit besonders negativ auf die Finanzkraft der Partei aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 271-273.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die wachsenden Ausgaben für den Wahlkampf bedeuteten für die SPD eine größere Herausforderung als für die CSU, die auf großzügige Spenden aus der Industrie hoffen konnte. Daneben brachte auch das Kassieren der Mitgliederbeiträge Probleme mit sich. Gezahlt wurde nicht per Bankeinzug oder Überweisung sondern persönlich bei einem zur Vorstandschaft des jeweiligen Ortsvereins gehörenden Kassier. Die SPD versuchte ihre dauerhaft schlechte finanzielle Situation durch eine Zentralisierung der Organisation auf allen Ebenen in den Griff zu bekommen. Kleine Geschäftsstellen sollten verschwinden und ganze Bezirke wurden für die Parteiarbeit miteinander fusioniert. So wurde aus den Bezirken Oberbayern und Schwaben der Bezirk Südbayern, was wiederum Probleme und Eifersüchteleien zur Folge hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 274-275.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ausdünnung des Parteiapparates aus finanziellen Gründen ging auf Kosten der ländlichen Regionen, da sich die Bezirkssekretariate nur noch in den urbanen Zentren wie München oder Nürnberg befanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;So stärkte die organisatorische Entwicklung der SPD in den fünfziger Jahren einseitig die städtischen Hochburgen, während sie die Probleme in der ländlichen Diaspora noch verschärfte.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 277.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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Diese Schwäche auf dem Land zeigte sich auch im Wahlkampf, in dem es der SPD schwerfiel, die wenigen Stammwähler zu mobilisieren und neue Stimmen hinzuzugewinnen. Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Bundestagswahl 1949 und der Landtagswahl 1950 stand für die SPD fest, dass sie in Bayern nicht ohne einen Zugewinn in den landwirtschaftlich geprägten Regionen Fuß fassen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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Mit der Abwanderung vieler Flüchtlinge und Vertriebener in Regionen in denen sich ihnen bessere Verdienstmöglichkeiten boten, verlor die SPD auf dem Land wichtige Wähler und Parteimitglieder. Und nicht nur die Aussicht auf eine gut bezahlte Arbeit veranlasste viele Neubürger dazu, dem Land den Rücken zu kehren. Flüchtlingen, die noch dazu der SPD angehörten, schlug dort immer wieder Geringschätzung entgegen. Aber auch die einheimischen SPD-Mitglieder hatten es nicht einfacher. So hatte die Partei in den gesamten 50er Jahren Schwierigkeiten bei der Anmietung von Vereinslokalen im ländlichen Raum. Aus Angst um den Arbeitsplatz wagten manche Sympathisanten den Eintritt in die SDP nicht. Auf Anfeindungen reagierten betroffene Ortsvereine mit einer starken Abschottung von der Außenwelt. Ihren Mitgliedern boten sie dagegen vielerorts ein umfangreiches Betätigungsfeld. Die SPD wurde damit eine Alternative zu den dörflichen und kleinstädtischen Vereinen, zu denen Parteimitgliedern der Zutritt oft verwehrt blieb. Auch wenn die SPD damit ihren Mitgliedern ein Gefühl der Zugehörigkeit gab, blieb sie durch die Abschottung vom ländlichen Umfeld eine &#039;&#039;fremde Partei&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Balcar, Politik auf dem Land (wie Anm. 1), 290-292.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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{{Zitierweise|Juliane Günther}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Prink</name></author>
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