Frauenkirche: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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(Der mittelalterliche Kirchenbau)
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Um 1386 wurden einer Quittung des Meisters Paulus Mainer, genannt der "Mergker", zufolge die Kirche zumindest teilweise eingewölbt, nach Georg Hager neben dem Kirchenraum auch die Sakristei, die wohl dann in dieser Zeit vollständig neu errichtet wurde.<ref>KDB 1902, 2089, 2091. Nach KDB 1902, 2089 heißt der Meister Paulus Veiner, genannt der Vorgeher. Ebenso Feulner 1986, 12. Die Quittung nennt "8 gewölbpogen und andere Arbeit". Bei je vier weiten und flachen Bögen in den Mittelschiffwänden über den Seitenschiffgewölben handelt es sich um Entlastungsbögen. Nadler 2007 nimmt 1386 die Errichtung der beiden Seitenschiffe und für diese Flachdecken oder offene Dachstühle an.</ref>
 
Um 1386 wurden einer Quittung des Meisters Paulus Mainer, genannt der "Mergker", zufolge die Kirche zumindest teilweise eingewölbt, nach Georg Hager neben dem Kirchenraum auch die Sakristei, die wohl dann in dieser Zeit vollständig neu errichtet wurde.<ref>KDB 1902, 2089, 2091. Nach KDB 1902, 2089 heißt der Meister Paulus Veiner, genannt der Vorgeher. Ebenso Feulner 1986, 12. Die Quittung nennt "8 gewölbpogen und andere Arbeit". Bei je vier weiten und flachen Bögen in den Mittelschiffwänden über den Seitenschiffgewölben handelt es sich um Entlastungsbögen. Nadler 2007 nimmt 1386 die Errichtung der beiden Seitenschiffe und für diese Flachdecken oder offene Dachstühle an.</ref>
  
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Dabei muss es sich um das Gewölbe des Mittelschiffs gehandelt haben, einem Tonnengewölbe mit Stichkappen.<ref>Die Tonne erscheint jeweils zwischen den Rippen zwischen den Stichkappen leicht gebust.</ref> Dieses zeigte nämlich, wie die erhaltenen Rippen im westlichen Joch belegen, die Form eines sogenannten Springrautengewölbe, einer Gewölbeform, die erst wenige Jahre zuvor von Peter Parler 1370-1380 in der Durchfahrt des Altstädter Brückenturms und danach im Chorgewölbe des Prager Veitsdomes erstmals realisiert wurde.<ref>Nadler gibt dagegen fälschlich die Einwölbung des Langhauses in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, wohl im Rahmen einer größeren Umbaumaßnahme um 1488 an. Nach Feulner 1986, 13 werden für 1488 nur Ausbesserungen an den Mauern und eine Tünchung der Kirche genannt. Die These Nadlers geht offenbar auf Siegfried Pückler-Limburg, Kunstschätze am Inn, in Bayerland 61 (1959), 258-263, hier 258 zurück, der nach Feulner 1986, 48 Anm. 22 die Seitenschiffgewölbe um 1386 und das Mittelschiffgewölbe um 1450 datierte, da letzteres mit Werken der "Pürkhelschule im Alztal" vergleichbar sei.</ref>
 
Dabei muss es sich um das Gewölbe des Mittelschiffs gehandelt haben, einem Tonnengewölbe mit Stichkappen.<ref>Die Tonne erscheint jeweils zwischen den Rippen zwischen den Stichkappen leicht gebust.</ref> Dieses zeigte nämlich, wie die erhaltenen Rippen im westlichen Joch belegen, die Form eines sogenannten Springrautengewölbe, einer Gewölbeform, die erst wenige Jahre zuvor von Peter Parler 1370-1380 in der Durchfahrt des Altstädter Brückenturms und danach im Chorgewölbe des Prager Veitsdomes erstmals realisiert wurde.<ref>Nadler gibt dagegen fälschlich die Einwölbung des Langhauses in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, wohl im Rahmen einer größeren Umbaumaßnahme um 1488 an. Nach Feulner 1986, 13 werden für 1488 nur Ausbesserungen an den Mauern und eine Tünchung der Kirche genannt. Die These Nadlers geht offenbar auf Siegfried Pückler-Limburg, Kunstschätze am Inn, in Bayerland 61 (1959), 258-263, hier 258 zurück, der nach Feulner 1986, 48 Anm. 22 die Seitenschiffgewölbe um 1386 und das Mittelschiffgewölbe um 1450 datierte, da letzteres mit Werken der "Pürkhelschule im Alztal" vergleichbar sei.</ref>

Version vom 7. November 2019, 20:37 Uhr

Autor: Gerald Dobler

Frauenkirche mit Stadtturm

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Die Wasserburger Frauenkirche mit Stadtturm

Einführung

Die Frauenkirche von Südosten gesehen

Die Frauenkirche, seit ihrer Errichtung eine Filialkirche der Stadtpfarrkirche St. Jakob, ist eine dreischiffige, vierjochige Staffelhalle mit kurzem Chor, der nach außen nur als Dreiachtel-Schluss in Erscheinung tritt. Die Seitenschiffe enden östlich mit abgeschrägten Außenecken. Außen befinden sich am Chor zwei gestufte, tiefe Strebepfeiler, am Langhaus sehr flache Strebepfeiler, die an den Ecken schräg gestellt sind (nördlich z. T. verstärkt). An der Südseite ist zwischen Seitenschiff und Chor die Sakristei mit unregelmäßigem polygonalem Umriss angebaut. Vor der Westfassade erhebt sich über einer Durchgangshalle der Turm mit Wachgeschoss mit Eckerkern und Spitzhelm. Der Turm diente neben seiner Funktion als Kirchturm auch als (Feuer-)wachturm. Er befindet sich wohl mindestens seit dem frühen 17. Jahrhundert in städtischem Besitz.[1] Der Innenraum der mittelalterlichen Kirche ist barock überformt.[2]

Plan der Kirche von Simon Millinger von 1826

Inhalt

Geschichte, Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der mittelalterliche Kirchenbau

Die Frauenkirche wird erstmals 1324 anlässlich der Stiftung einer Frühmesse erwähnt.[3] Kaiser Ludwig der Bayer stiftete 1342 zum Unterhalt des Ewigen Lichts die Erträge der Stadtfronwaage.[4] 1351 besaß die Kirche mindestens zwei Altäre.[5]

Turm, Ostseite. Blenden mit Spitzbogenfriesen und Deutschem Band unter dem Glockengeschoss

Der Turm der Kirche dürfte einschließlich des Glockengeschosses noch einem ersten, frühgotischen Kirchenbau entstammen, der bald nach 1255 errichtet wurde.[6] An der Ostseite des ursprünglich ziegelsichtigen Turmes finden sich unter dem Glockengeschoss, heute unter dem Kirchendach, zwei Blenden mit Friesen aus je drei Spitzbögen und über diesen ein Deutsches Band. Mehrere Meter darunter sind an der Nord- und Südecke zwei Teile eines horizontalen Gesimses aus Tuffstein vorhanden, die an der Ostseite des Turmes nördlich schon nach ca. 90, südlich nach ca. 65 cm enden. Eine naheliegende Erklärung dafür ist, dass zwischen den Gesimsstücken ein Dach an den Turm anschloss, dass der Turm also mit einem östlich anschließenden Kirchenbau in Verbindung stand.[7] Die Halle im Erdgeschoss, die sich nördlich und südlich in zwei Spitzbögen öffnet und ein Kreuzrippengewölbe mit kräftigen, einfach gekehlten Rippen mit rundem Schlussstein aufweist, dürfte dem ursprünglichen Baubestand angehören. Die oberen Turmgeschosse waren damit, wie noch heute, nur über die angebaute Kirche zu erreichen.[8] Auch die vier Fenster des Glockengeschosses mit Maßwerk aus Tuffstein gehören noch diesem Bau an. Das vermauerte, zweibahnige spitzbogige Fenster mit Nasen in der Ostwand entspricht dem westlichen Fenster. Die beiden Fenster in der Nord- und Südwand sind ebenso konstruiert, jedoch etwas breiter und mit einem zusätzlichen Dreipassfenster über den Spitzbogenfenstern.[9] Das Glockengeschoss bildet üblicherweise das oberste Geschoss eines Kirchturmes. Der Turm endete demnach ursprünglich mit diesem Geschoss.[10]

Die Westwand des Mittelschiffs schließt über dem Gewölbe seitlich stumpf an den Turm an. Der Turm ist demnach älter als der bestehende Kirchenbau.[11]

Der bestehende Kirchenbau erscheint in den aufgehenden Teilen als einheitlicher Bau, der wohl durchgehend mit Kreuzgewölben geplant war.[12] Möglich ist seine Entstehung im späten 13. bis frühen 14. Jahrhundert, aber wohl auch noch nach dem Stadtbrand 1339, bei dem die Kirche möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen wurde, da der Überlieferung zufolge das benachbarte Rathaus abbrannte (das Vorhandensein eines Rathauses vor 1339 erscheint jedoch nicht gesichert).[13] Der Innenraum wird durch sechs barock ummantelte Freipfeiler mit halbrunden Diensten gegliedert, denen analog gestaltete Wandpfeiler an den Außenwänden entsprechen. An den Mittelschiffwänden laufen die Dienste bis zum (späteren) Gewölbe hinauf. In der Südfassade befindet sich eine von außen sichtbare Wendeltreppe, die in den Dachraum des Seitenschiffs führt. Über den Seitenschiffen waren ursprünglich zwischen den Jochen Strebebögen vorhanden, die mit ihrem Scheitel an flache Pfeiler an den Mittelschiffwänden liefen. In den Seitenschiffen sind heute Kreuzgratgewölbe vorhanden, wohl die ursprünglichen Kreuzrippengewölbe.

Um 1386 wurden einer Quittung des Meisters Paulus Mainer, genannt der "Mergker", zufolge die Kirche zumindest teilweise eingewölbt, nach Georg Hager neben dem Kirchenraum auch die Sakristei, die wohl dann in dieser Zeit vollständig neu errichtet wurde.[14]

Reste der Figuration des Springrautengewölbes aus der Zeit um 1386 im westlichen Joch des Mittelschiffs

Dabei muss es sich um das Gewölbe des Mittelschiffs gehandelt haben, einem Tonnengewölbe mit Stichkappen.[15] Dieses zeigte nämlich, wie die erhaltenen Rippen im westlichen Joch belegen, die Form eines sogenannten Springrautengewölbe, einer Gewölbeform, die erst wenige Jahre zuvor von Peter Parler 1370-1380 in der Durchfahrt des Altstädter Brückenturms und danach im Chorgewölbe des Prager Veitsdomes erstmals realisiert wurde.[16] Außerdem sind Unstimmigkeiten zwischen dem Gewölbe und den älteren Diensten festzustellen: In den beiden westlichen Ecken des Mittelschiffs sind offenbar im unteren Teil die ursprünglichen viertelrunden Dienste vorhanden. Hier reichen jedoch die Schildrippen des Gewölbes tiefer herab als bei den ursprünglichen Diensten an den Seitenwänden, die Formen der Rippen passen nicht zu den viertelrunden Diensten.[17]

Erhalten sind neben den birnstabförmigen Rippen drei runde und zwei halbrunde, skulptierte Schlusssteine. Im großen Schlussstein im Scheitel ist ein spitzbogiger Wappenschild mit einer Bretze und einem Wecken (mit gekreuzten Seerosen)[18] dargestellt, wohl das Wappen der Bäckerzunft, die die Einwölbung mitfinanzierte, in den kleineren Schlusssteinen eine Rosette, eine Maske und ein sich in das Bein beißendes Tier. Zwischen den Stichkappen sind kurze Dienste vorhanden, darüber zeichnen sich Querrippen ab.

Sterngewölbe der Sakristei aus der Zeit um 1386

Das Sterngewölbe der Sakristei besitzt ebenfalls birnstabförmige Rippen, es setzt westlich über zwei Konsolen mit Masken an, der große Schlusstein im Scheitel zeigt das Lamm Gottes, die übrigen vier Schlusssteine eine Rosette, eine Maske, ein Tier und einen nackten Menschen.


Steffan nimmt an, dass die Schlusssteine bereits der Mitte des 14. Jahrhunderts entstammen.[19] Das Verzeichnis der entfernten Schlusssteine des Buchbinders Frankenberger von 1752 (Abschrift von Joseph Heiserer vom 21.12.1855, Pfarrarchiv) nennt insgesamt 32 Stücke mit folgenden Darstellungen (überwiegend Wappenschilde): 1. Brustbild der Madonna in weißem Feld; 2. Brustbild einer weiblichen Figur mit Locken in rotem Feld; 3. Bayerisches Wappen mit Löwen; 4. Bayerisches Wappen mit Rauten; 5. Roter Stadtlöwe (Wappen Wasserburg) in weißem Feld; 6. Brustbild eines Menschen in blauem Feld; 7. stehender Löwe mit Menschengesicht in gelbem Feld; 8. "Halber Mann mit rundem Sägl (? Säpel) übern Kopf - blaues Feld"; 9. Kopf eines alten bärtigen Mannes in rotem Feld; 10. Kopf eines glatzköpfigen bärtigen Mannes in dunklem Feld; 11. Wassermann mit Schamtuch in blauem Feld; 12. Lamm Gottes in rotem Feld; 13. gelber Ochse in schwarzem Feld; 14. Katze mit Maus in der linken Tatze in dunklem Feld; 15. Karpfen in rotem Feld; 16. grüner Drache in gelbem Feld; 17. schlafender gelber Löwe in rotem Feld; 18. Eselsrumpf mit Vorderbeinen in rotem Feld; 19. gelbes "Ochsenhorn" in rotem Feld; 20. "Schöpfer gelb mit rothen schwarzen Reifen - aschenfärbig Feld"; 21. "Blauer Schöpfer mit gelb u. schwarzen Reifen, rothes Feld"; 22. weiße Rose in blauem Feld; 23. rote Rose in weißem Feld; 24. "Blaue Rose u. weiße Blättern - Schattenfeld"; 25. "Blaue Rose mit rothen Blättern - Schattenfeld"; 26. gelbe Rose mit blauen Blättern in "Schattenfeld"; 27. blauer Strich in rotem Schild; 28. ebenso; 29. Buchstabe in rotem Feld; 30. XX in rotem Schild; 31. "X ist ein weißes Band in rothem Schild"; 32. eine unkenntliche Darstellung. Nach Heiserer fanden sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts einige Schlussteine im Friedhof von St. Achatz eingelagert und zahlreiche im dortigen alten Badhaus verbaut. Er notierte für die Nr. 1, 3-5, 9, 12-14, 16, 19-20, 22-24, 27 und 30, dass diese noch vorhanden waren. In einer Randnotiz eines D. Martin (?) auf dem Blatt heißt es: "Sind nun alle (bis auf ein paar an der Friedhofmauer zu Sct. Achaz) bey Bau des Mineralbades verschwunden. In der Kirche zu Eiselfing sollen einige seyn." [20]

Zu der Einwölbung gehören wohl zwei kurze Dienste zuseiten des Chorostfensters, die an ihrem unteren Ende südlich eine kleinformatige Männer-, nördlich eine Frauenbüste aufweisen (letztere abgeschlagen).[21] Die Männerbüste zeigt wie die Reliefs der Schlusssteine sehr hohe bildhauerische Qualität.

Schließlich gehören noch drei Nischen mit mehrfach profilierten Segmentbögen im Chorschluss hinter dem Hochaltar dem ursprünglichen Bau an, ebenso zwei gemalte Apostelkreuze an dessen Schrägwänden.[22]



Vielleicht erfolgte die Einwölbung, von der die erhaltenen Rippen und Schlussteine zeugen, nach diesem Stadtbrand, etwa in der Mitte des 14. Jahrhunderts.[23]


Um 1420/30 erhielt die Kirche vermutlich einen neuen Altar mit dem noch heute vorhandenen Gnadenbild.[24]

1502-03 wurde unter Beteiligung des Wasserburger Baumeisters Wolfgang Wiser der Turm bis zur heutigen Höhe aufgestockt, er erhielt zwei zusätzliche Wohngeschosse, den Spitzhelm und die vier Eckerker an dessem unteren Ende.[25] Vermutlich erhielt der Turm erst durch diesen Umbau seine Zusatzfunktion als städtischer Wachturm.

Bewertung des spätromanischen / frühgotischen Kirchenbaus

Veränderungen des 16. und 17. Jahrhunderts

Im späten 16. Jahrhundert wurde in der westlichen Hälfte des westlichen Jochs des Langhauses eine unterwölbte Empore eingebaut, mit stuckierten Konsolen mit Blattwerk und Masken und einer Front mit Quadraturstuck, nach Hager ein "beachtenswerthes Werk der deutschen Renaissance".[26] Vielleicht wurde die Wendeltreppe in der Nordwestecke erst zusammen mit der Empore eingebaut. Die Rippen des Netzgewölbes der Empore stammen möglicherweise erst aus dem 19. Jahrhundert.

1667 stiftete der Wasserburger Patrizier Abraham Kern eine neue Orgel, die von Hans Vogl aus Neuötting gebaut wurde. In diesem Zusammenhang wurden eine obere, hölzerne Empore eingebaut und zwei Fenster in die Westwand der Kirche gebrochen. Vielleicht wurde gleichzeitig das Wandgemälde an der Westwand über der Orgel angebracht, das einen Baldachin zeigt, der von vier Engeln aufgehalten wird.[27]

Am 12. August 1668 schlug der Blitz in den Turm ein und beschädigte den Spitzhelm.

1696 erhielt die Kirche einen neuen Hochaltar, in den das gotische Gnadenbild übernommen wurde.[28]

Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgte die Neuerrichtung des Dachstuhls des Mittelschiffs in der heutigen, deutlich steileren Form. 1717 erhielt auch die Sakristei einen neuen Dachstuhl.

Am 26. August 1730 schlug der Blitz erneut in den Turm ein, wiederum wurde nur der Spitzhelm beschädigt.

Die Barockisierung 1750 bis 1753

Ab 1750 wurde die Kirche mit privaten Spenden durchgreifend barockisiert: Mit Ausnahme des westlichen Endes des Mittelschiffs wurden sämtliche Gewölberippen mit den Schlussteinen entfernt, die mittelalterlichen Pfeiler und Dienste ummantelt, die Fenster verändert, die Wand- und Gewölbeflächen stuckiert und freskiert. Die abschließende Neuweihe erfolgte am 27. Januar 1753 durch den Freisinger Weihbischof Franz Ignaz Albert von Werdenstein. Das im Pfarrarchiv erhaltene Konzept der Ausmalung dürfte der damalige Pfarrer Franz Anton Copaur entworfen haben, die Umsetzung besorgten der Mühldorfer Maler Johann Paul Kurz d. J. (* 1721, † 1772) und sein Tiroler Geselle Johann Joseph Leitner. Außerdem wurde eine neue Stuckkanzel eingebaut.

1814 erhielt auch das nördliche Seitenschiff einen neuen steileren Dachstuhl.

Regotisierende Eingriffe des 19. Jahrhunderts

In den Jahren 1859-81 kam es zu mehreren Regotisierungsmaßnahmen: 1859/60 erfolgte eine Innenrenovierung mit Übertünchung der Stuckkanzel und der Ornamentmalereien, 1863-64 wurden im Langhaus neugotische Maßwerkfenster eingebaut und durch den Wasserburger Maurermeister Michael Geisberger die beiden neugotischen Seitenportale eingebaut. 1872-73 folgten Glasgemälde des Glasmalers Ludwig Neumayer aus München und ein neues Westportal, wiederum von Geisberger, 1881 neugotische Maßwerkfenster im Chor.

Um 1900 wurden die Wandgemälde von 1750/52 überstrichen.[29]

Veränderungen des 20. Jahrhunderts

Bereits in den Jahren 1913-16 erfolgte im Rahmen einer weiteren Innenrenovierung die Wiederfreilegung der Kanzel und der figürlichen Wandbilder, nach 1921 auch der ornamentalen Malereien.[30]

1938 fand anlässlich der 800-Jahr-Feier der Stadt eine Außenrenovierung statt.[31]

Am 2. Mai 1945, einen Tag vor der Besetzung Wasserburgs durch die Amerikaner, wurden beim Einschlag einer Granate in der Nähe sämtliche Fenster der Kirche zerstört[32]

In den 1950er Jahren folgten weitere Revisionen der Umgestaltungen des 19. Jahrhunderts: 1954/55 wurden der Hochaltar freigelegt und das Gnadenbild restauriert, etwa gleichzeitig erhielten die Fenster neue Verglasungen ohne Malereien. 1956/57 erfolgte eine Außenrenovierung. Ab 1957 wurden die Nazarenerbilder in den Seitenaltären wieder entfernt.

1972-76 fand eine Gesamtrenovierung statt, in deren Verlauf die obere Empore abgebrochen, die dahinterliegende Baldachinmalerei freigelegt und eine neue Orgel eingebaut wurde. Außerdem erhielt die Kirche ein neues Pflaster aus Solnhofer Platten, das Gestühl wurde zu einem Mittelblock umgebaut.

1984-86 wurden zuletzt die beiden Seitenaltäre freigelegt und restauriert.

Ausstattung

Fassadenmalereien

An der Ostseite des südlichen Seitenschiffs befindet sich in einer Blendnische im unteren Teil ein extrem stark restauriertes Wandbild mit zwei stehenden Heiligen, ursprünglich wohl die hl. Katharina (mit Schwert) und die hl. Barbara (mit Kelch und Hostie), darüber das stark restaurierte Bild eines hl. Christophorus, der 1593 von dem Maler Wolf Lechner geschaffen[33] und nach zwischenzeitlicher Übertünchung vermutlich 1974 wieder freigelegt wurde.

An der Südostseite der Sakristei befindet sich ein Wandbild mit einer Verkündigung aus dem 18. Jahrhundert. Das Bild wurde nach 1921 restauriert.[34]

Wandmalereien vor 1750

An der Südostwand im Chor ist ein einfaches gotisches Apostelkreuz freigelegt.

Am Treppenturm unter der Empore ist ein Fragment mit Rollwerkmotiven etwa aus der Zeit um 1560/70 erhalten.

An der Westwand über der Orgel wurde 1973 ein großformatiges Wandbild freigelegt, das einen Baldachin zeigt, der von vier Engeln aufgehalten wird. Das Wandbild wurde vielleicht im Rahmen der Siftung einer neuen Orgel 1667 angebracht.[35]

Wand- und Gewölbemalereien von 1750/52

Die Wand- und Gewölbemalereien von Johann Paul Kurz d. J. (Signatur über der Westempore) im Inneren sind vollständig auf die Kirchenpatronin und ihr Gnadenbild im Hochaltar bezogen. Ihr Hauptgedanke ist Maria als mächtige Schutzherrin der Stadt, daneben auch als Fürbitterin der sündigen Menschen und als Inbegriff der Mutterschaft. Wesentliche Elemente sind auch das Lob Mariens und ihre Verehrung durch die Stadt Wasserburg. Die Malereien umfassen Darstellungen der hl. Dreifaltigkeit (über dem Hochaltar) und der Anbetung Mariä, Szenen aus der lauretanischen Litanei, Bilder von Marienfesten und von Frauengestalten aus dem Alten Testament als Antetypen Mariä.[36] Im einzelnen finden sich im Scheitel des Mittelschiffgewölbes von Ost nach West die Glorie der hl. Dreifaltigkeit, die Stadt Wasserburg weiht sich Maria, die Verehrung des Namens Maria durch die vier Erdteile und über der Orgelempore ein Bild mit Musikinstrumenten. Umgeben werden die Bilder von Marienemblemen zwischen den Stichkappen, das Bild mit den Musikinstrumenten von zwei weiteren Instrumenten. In den Zwickeln im Chorschluss befinden sich vier Kartuschen mit den Wappen Bayerns und Wasserburgs, der Widmungsinschrift "PROTECTRICI NOSTRAE" (unserer Beschützerin) und der Jahreszahl "ANNO M.DCCL." (1750). An den Mittelschiffhochwänden sind 14 Marienfeste dargestellt. In den Scheiteln der Seitenschiffgewölbe sind acht antetypische Vorbilder Mariä aus dem Alten Testament angebracht: im nördlichen Seitenschiff von Ost nach West Esther, Abigail, Das Weib von Thekua und Judith. Im südlichen Seitenschiff Sara, Rebekka, Michol und Jahel. Schließlich tritt Maria an der Westwand der Seitenschiffe noch als Fürbitterin (nördlich) und als Beschützerin auf.

Übersicht zu den Wand- und Gewölbemalereien von 1750/52

Altäre

Der Hochaltar wurde 1696 errichtet (Jahreszahl im Auszug). Er enthält das Gnadenbild der Thronenden Madonna aus der Zeit um 1420/30. Das Hintergrundbild für das Gnadenbild wird von Steffan dem Wasserburger Maler Gregor Sulzböck zugeschrieben, es zeigt die Dreifaltigkeit, von Engeln umgeben, und im unteren Teil eine Ansicht Wasserburgs.[37]

Die vier Seitenaltäre sind ebenfalls um 1700 entstanden.

Gnadenbild

Das Gnadenbild der Thronenden Madonna aus der Zeit um 1420/30 wurde in der Barockzeit bekleidet[38] und dafür umgearbeitet: die geschnitzten Haare Mariä und des Jesuskindes wurden entfernt, wobei vielleicht auch die Ohren der Gottesmutter neu hergestellt wurden, ihre geschnitzte Krone wurde durch eine metallene ersetzt. Ebenso wurde vermutlich ihr Oberkörper im Brustbereich abgearbeitet (Schleier, Gewandsaum), der untere Gewandsaum wurde halbrund beschnitten. 1954 wurde die Skulptur dann durch den Holzbildhauer Hermann Hutter aus Buchenhain bei München und den Fassmaler- und Vergoldermeister Otto Wimmer aus München in starker Anlehnung an die Seeoner Madonna im Bayerischen Nationalmuseum umfangreich ergänzt und wiederhergestellt. Dies führte in der Folge dazu, dass die Skulptur dem Salzburger Kunstkreis mit Nähe zur Werkstatt des Meisters von Seeon zugeordnet wurde. Aufgrund der überlieferten gravierenden Abarbeitungen an der originalen Skulptur ist hier eine Neubewertung notwendig.[39]

Das Gnadenbild vor der Restaurierung 1954
Das Gnadenbild nach der Restaurierung 1954


Kanzel

...

Taufbecken / Weihwasserbecken

Votivbilder

Quellen

Sefan Nadler, Kath. Frauenkirche in Wasserburg am Inn. Dokumentation zur Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte, April 2007 (= Nadler 2007).

Literatur

Georg Hager, Frauenkirche, in: Die Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Wasserburg, München 1902, 2089-2094 (= KDB 1902).

Franziska Feulner, Die Kirche im Herzen der Stadt - Zur Geschichte der Frauenkirche in Wasserburg, in: HAI 7 (1986), 10-60 (= Feulner 1986).

Anna Bauer-Wild, Wasserburg am Inn, Frauenkirche, in: Anna Bauer-Wild/Kristin Sinkel (Bearb.), Corpus der barocken Deckenmalerei, Bd. 12/II, Stadt und Landkreis Rosenheim, 2006, 503-518 (= Bauer-Wild 2006).

Ferdinand Steffan, Zur Geschichte der gotischen Madonna in der Frauenkirche zu Wasserburg am Inn, in: HAI 35/36 (Jahrbuch 2015/2016), 2016, 141-159 (= Steffan 2016).


Empfohlene Zitierweise:
Gerald Dobler, Frauenkirche, publiziert am 07.11.2019; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Frauenkirche (22.11.2019)

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  1. Feulner 1986, 26 (zuvor angeblich in herzoglichem Besitz, die Pfarrei bezahlte jedoch schon am Anfang des 16. Jh. für die Unterhaltung des Turms).
  2. Die Beschreibung fußt, soweit nicht anders vermerkt, auf Stefan Nadler, Kath. Frauenkirche in Wasserburg am Inn. Dokumentation zur Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte, April 2007 (= Nadler 2007).
  3. Feulner 1986, 12.
  4. Feulner 1986, 11.
  5. Feulner 1986, 12.
  6. Steffan 2016, 142 gibt die Errichtung der Kirche nach dem ersten Bau von St. Jakob 1255 und vor 1324 an. Auch Feulner 1986, 25f. sieht den Turm älter als die Kirche, sie gibt für seine Errichtung um 1300 an. Ihr zufolge befand sich (nach einer Überlieferung des 18. Jh.) der Turm ursprünglich in herzoglichen Besitz und war Bestandteil der Stadtbefestigung.
  7. Ein Dachanschluss ist jedoch nicht eindeutig zu erkennen.
  8. Heute erfolgt der Zugang von der Empore aus durch eine Türöffnung. Hier und im 2. Geschoss darüber (Geschoss mit Uhrwerk) befanden sich ursprünglich zwei großformatige spitzbogige Wandöffnungen.
  9. Das Maßwerk des nördlichen Fensters ist ausgebrochen. Im Geschoss darunter finden sich in der Nord- und Südwand zwei vermauerte kleinere spitzbogige Fenster mit Nasen.
  10. Über dem Geschoss ist ein Absatz im Mauerwerk vorhanden, darüber sind die Turmwände etwas dünner. Nach Nadler 2007 binden das Mauerwerk des Mittelschiffs und des Turms zumindest oberhalb des Mittelschiffgewölbes nicht ein, so dass der Turm möglicherweise nachträglich an das Mittelschiff angefügt wurde.
  11. Nadler 2007 vermutet dagegen, dass der Turm möglicherweise nachträglich an das Mittelschiff angefügt wurde.
  12. So auch Feulner 1986, 32f.
  13. Nadler 2007 vermutet, dass das Mittelschiff älter als die Seitenschiffe sei und den ursprünglichen einschiffigen Kirchenbau darstelle, wie ihm zufolge mehrere Befunde nahelegen: An der Nord- und Südwand des Mittelschiffs wären über dem Gewölbe demnach mehrere vermauerte Fensteröffnungen vorhanden, von denen zumindest die nördlichen offenbar rundbogig seien und somit wohl in vorgotischer Zeit entstanden seien. Er nennt außerdem Baufugen zum südlichen Seitenschiff. Das heutige Mittelschiff sei aufgrund der beschriebenen hochliegenden Fensteröffnungen als ursprünglich flachgedeckt oder mit offenem Dachstuhl zu denken. Die Thesen von Nadler erscheinen nicht stichhaltig. Insbesondere die von ihm angegebenen rundbogigen Fensteröffnungen in den Hochwänden des Mittelschiffs sind nicht nachweisbar.
  14. KDB 1902, 2089, 2091. Nach KDB 1902, 2089 heißt der Meister Paulus Veiner, genannt der Vorgeher. Ebenso Feulner 1986, 12. Die Quittung nennt "8 gewölbpogen und andere Arbeit". Bei je vier weiten und flachen Bögen in den Mittelschiffwänden über den Seitenschiffgewölben handelt es sich um Entlastungsbögen. Nadler 2007 nimmt 1386 die Errichtung der beiden Seitenschiffe und für diese Flachdecken oder offene Dachstühle an.
  15. Die Tonne erscheint jeweils zwischen den Rippen zwischen den Stichkappen leicht gebust.
  16. Nadler gibt dagegen fälschlich die Einwölbung des Langhauses in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, wohl im Rahmen einer größeren Umbaumaßnahme um 1488 an. Nach Feulner 1986, 13 werden für 1488 nur Ausbesserungen an den Mauern und eine Tünchung der Kirche genannt. Die These Nadlers geht offenbar auf Siegfried Pückler-Limburg, Kunstschätze am Inn, in Bayerland 61 (1959), 258-263, hier 258 zurück, der nach Feulner 1986, 48 Anm. 22 die Seitenschiffgewölbe um 1386 und das Mittelschiffgewölbe um 1450 datierte, da letzteres mit Werken der "Pürkhelschule im Alztal" vergleichbar sei.
  17. Die Schildrippen sind an den Seitenwänden einfach mit Schräge, an der Westwand profiliert.
  18. Feulner 1986, 34.
  19. Steffan 2016, 143, unter Berufung auf Volker Liedke.
  20. Steffan 2016, 143, Anm. 4 gibt an, dass die Schlusssteine später teilweise in anderen Kirchen und in Profanbauten eingebaut wurden.
  21. Vgl. Steffan 2016, 143.
  22. Steffan 2016, 143.
  23. So Bauer-Wild 2006, 503.
  24. Steffan 2016, 143.
  25. KDB 1902, 2089. KDB gibt 1501-1502 an.
  26. KDB 1902, 2093; Dehio 2006, 1358: 2. H. des 16. Jh.
  27. Bauer-Wild 2006, 517. Feulner 1986, 45 vermutete als Entstehungszeit zwischen 1620 und 1680.
  28. Steffan 2016, 144.
  29. Bauer-Wild 2006, 505.
  30. Bauer-Wild 2006, 505.
  31. Bauer-Wild 2006, 505.
  32. Handschriftliche Tagebuchaufzeichnungen des Stadtarchivars Josef Kirmayer, nach Auer, Hermann, der Landkreis Wasserburg im Dritten Reich, Wasserburg 2005, 645f.
  33. Feulner 1986, 14f.
  34. Feulner 1986, 22.
  35. Bauer-Wild 2006, 517.
  36. Zu den Malereien ausführlich Bauer-Wild 2006.
  37. Steffan 2016, 144. Das Auszugsbild stammt ihm zufolge ebenfalls von Sulzböck.
  38. Steffan 2016, 144.
  39. Steffan 2016, 152-159.