Grabdenkmal, Nr. 55, Hauser, 1643: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Estermann-Kapelle an der Ostwand des Chores.
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Version vom 4. Dezember 2019, 09:48 Uhr

Autor: Ferdinand Steffan/Redaktion
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Grabdenkmal, Nr. 55, Hauser, 1643, Gesamtansicht.

Personen

Sigmund Hauser zu Eisendorf und Grafing († 29.11.1643)
Anna Kholber (Ehefrau von Sigmund Hauser) († 14.9.1648)
Johann Reiser zu Eisendorf und Grafing (Schwiegersohn) († 22.12.1647)
Maria Anna Katharina Hauser (Ehefrau des Georg Seb. Schobinger) († 24.8.1651)

Standort

Estermann-Kapelle[1] an der Ostwand des Chores.

Früherer Standort

Vorletzte Kapelle auf der Evanglienseite (=links vom Betrachter aus = Kapelle 6).[2]

Beschreibung

Mächtiges, repräsentatives Epitaph nach dem typischen Schema von Gregor Pichler[3] – Vollsignatur unterhalb des Totenkopfes (Gregorÿ Pichler). Schmale Randleiste, mehrfach vertieftes Feld, darin Architektursockel mit ovalem Schriftfeld in Knorpelwerkrahmen, seitlich die Wappen von Reiser/Hauser. Darüber Kreuz mit Wolkengebilde, seitlich davon die knienden Verstorbenen: rechts (außen) Sigmund Hauser und Johann Reiser, links (außen) Anna Hauser, geborene K(h)olber, und Maria Anna Katharina Hauser. Die Verstorbenen tragen die zeitgenössische Tracht und zeigen typische, bei Pichler stets wiederholte Trachtenbestandteile (Ausschnitt der Schuhe, Rosette an der Bundhose). Die Szene der knienden Personen ist eine für Pichler typische Architektur eingefügt: seitliche Pfeiler mit Würfelkapitellen, über die sich ein Dreipass spannt mit Knorpelwerk.

Material

Rotmarmor.

Maße

Höhe: 223 cm   Breite: 138 cm

Transkription/Übersetzung

Inschrift Original
Alhie Ligt Begraben der Edl und
Gestrenge Herr Sigmu̅nd Hau̅ser zu Eisendorf
und Gräfing im Leben gewesten der Curfrt: Dr̅t. in
Bayrn etc. Rhat, Haubtman und Pfleger alhie, so den 29.
Nove̅mb: Ao 1643, wie au̅ch Dessen Ehefrau̅ Anna Hau̅ser
in geborne Kholberin, welche Den 14. Sebt: Ao 1648,
Dann Der er̅nu̅est und wolweise Herr Johann Reiser Zu̅
Eisendorf und Gräfing gewester Deß Innern Rhats alda
so den 22 Xbris Ao 1647 wie au̅ch Hernach Herrn
Georg Sebastian Schobinger von Stettberg etc. alhie
geweste Ehefrau̅ Frau̅ Anna Catharina geborne
Hau̅serin etc., welche Den 24. Aug̃e Ao 1651 in
Gott seelig vershiden Deren Seelen Gott
Genedig sein welle. Amen

Erläuterung

Keine Textwiedergabe bei Höckmayr[4]; Todesjahr von Johann Reiser bei Höckmayr irrtümlich 22.Oktober statt 22. Dezember (Xbris = Decembris). Der Bildaufbau mit dem Kreuz und dem Dreipass kommt hier erstmals bei Pichler vor. Er hat dieses Schema später bei 6 kleineren Grabsteinen wiederholt. Als Entstehungszeit kommt die 2. Hälfte des Jahres 1651 oder wenig später in Frage (=Tod der A. Kath. Schobinger, geborene Hauser), da im Schriftfluss keinerlei Lücken für spätere Ergänzungen zu erkennen sind. Auftraggeber könnte der 2. Gatte der Anna Kath. Hauser = Georg Seb. Schobinger gewesen sein, dessen Wappen auf dem Epitaph fehlt. Es kämen natürlich auch andere Familienmitglieder dafür in Frage. Zu den Personen: Sigmund Hauser zu Eisendorf und Grafing war kurfürstlicgher Rat, Hauptmann und von 1636 – 43 Pfleger zu Wasserburg. Am 8.12.1637 übernahm er durch Kauf die Hofmark Eisendorf. Er war mit Anna K(h)olber verheiratet, mit der er als einziges Kind nur die Tochter Katharina hatte, die mit Johann Reiser von Wasserburg verehelicht wurde. Hauser kaufte auch den Hof zu Weissenfeld, die Huben von Sensau und ein Guetl zu Ettling. Während der Auseinandersetzung mit den Schweden war er Direktor des Proviantwesens und hielt sich damals die meiste Zeit in der Pfalz, in Franken und Schwaben auf, wo jeweils gerade die Truppen stationiert waren. Nach einer Erkrankung quittierte er den Dienst und kehrte nach Hause zurück. Hauser gilt als Erbauer und kurzzeitiger Besitzer von Schloss Hart bei Edling. Nach seinem Tod ging die Hofmark Eisendorf in Besitz von Johann Reiser über, der bei seinem frühen Tod die Gattin Katharina mit sechs noch minderjährigen Kindern zurückließ. Katharina Reiser heiratete erneut und zwar Georg Sebastian Schobinger. Da die Kinder noch immer unmündig waren, übernahmen die Vormünder Balthasar Winkler und Andreas Plaichshirn die Verwaltung der Hofmark. Johann Reiser, Mitglied des Inneren Rates in Wasserburg, hatte die einzige Tochter von Sigmund Hauser und Anna K(h)olber geheiratet.

Wappen

Rechts oben Hauser = Haus, gekrönter Spangenhelm mit Kleinod Haus, Helmdecke
Links oben K(h)olber = Geharnischter auf Dreiberg mit Schwert in der linken Hand und erhobenem Streitkolben in der rechten Hand, gekrönter Spangenhelm mit Kleinod zwischen Büffelhörnern, Helmdecke (ähnlich Altershamer-Wappen, jedoch Streitkolben statt Streithammer).
Rechts unten Reiser = schreitender Greif nach links mit erhobenem Zweig in den Pranken, gekrönter Stechhelm mit Kleinod.
Links unten Hauser = siehe oben.

Erhaltung

Sehr gut.

Literatur

Steffan, Bildhauer des Barock, 87.
Kebinger, Kapellenkranz St. Jakob, Nr. 6.
Höckmayr, Friedhöfe und Grabdenkmäler.
Lobming, Epitaphien Pfarrkirche S. Jacobi Nr. 69.
Bezold, Bezirksämter Traunstein und Wasserburg, 2081.
Lehner, Wasserburger Grabsteinbuch, Nr. 41.
Höckmayr, Friedhöfe und Grabdenkmäler, Nr. 34.
Ferchl, Behörden und Beamte 2, 1242.
Steffan, Bildhauer des Barock, 80 - 82.
Schäfer, Das goldene Buch, 74 - 76.


Empfohlene Zitierweise:

Ferdinand Steffan, Grabdenkmal, Nr. 55, Hauser, 1643, publiziert am 04.12.2019; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Grabdenkmal,_Nr._55,_Hauser,_1643 (16.12.2019)
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