Joseph Heiserer: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Zeile 30: Zeile 30:
 
==Wirken in der Stadt==
 
==Wirken in der Stadt==
 
Von 1819 bis zu seinem Tode 1858 bekleidete Heiserer das Amt des ''rechtskundigen Stadtschreibers''.
 
Von 1819 bis zu seinem Tode 1858 bekleidete Heiserer das Amt des ''rechtskundigen Stadtschreibers''.
Er übernahm in einer Zeit der ''Zeitenwende'' dieses Amt. Denn nach dem Wiener Kongress wurden zwar Traditionen konserviert, andererseits nahm die wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung ihren Lauf, weshalb Entscheidungen getroffen werden mussten, die auch Wasserburg in die Moderne des 19. Jahrhunderts führen konnten.
+
Er übernahm in einer Zeit des Epochenwandels dieses Amt. Denn nach dem Wiener Kongress wurden zwar einerseits Traditionen konserviert, andererseits nahm eine massive wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung ihren Lauf, weshalb Entscheidungen getroffen werden mussten, die auch Wasserburg in die Moderne des 19. Jahrhunderts führen konnten.
 
Die Stadt Wasserburg litt unter chronischem Geldmangel. Heiserer muss wohl schon sehr bald nach seinem Amtsantritt eingesehen haben, dass größere Investitionen notwendig waren, um der Stadt eine Zukunft zu ermöglichen.<ref>[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 47f.</ref>
 
Die Stadt Wasserburg litt unter chronischem Geldmangel. Heiserer muss wohl schon sehr bald nach seinem Amtsantritt eingesehen haben, dass größere Investitionen notwendig waren, um der Stadt eine Zukunft zu ermöglichen.<ref>[[Quellen-_und_Literaturverzeichnis#Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer|Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer]], 47f.</ref>
  

Version vom 23. April 2020, 18:00 Uhr

Autor: Peter Rink

Biografie Joseph Heiserer

GND-Normdatensatz

Einführung
Joseph Heiserer war von 1819 bis 1858 Stadtschreiber der Stadt Wasserburg a. Inn. Er prägte die Geschicke der Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich.

Lebensdaten

Joseph Heiserer * 23.1.1794 in Affing bei Aichach, † 16.9.1858 in München.

Leben und Amtszeit

Joseph Heiserer wurde am 23. Januar 1794 in Affing bei Aichach geboren.[1] Der Beruf des Vaters war der eines Hofmarkverwalters und Gerichtshalters bei dem Graf-Leyden’schen Patrimonialgericht Affing. Heiserers Mutter Maria Anna, geb. Grimm, war eine Mautbeamtenstochter aus Regensburg.[2]

Porträt des Josef Heiserer, 1858.

Über Heiserers frühe Kindheit berichtet Pfarrer König, der von 1842 bis 1878 Stadtpfarrer in Wasserburg war: Der kleine Joseph zeigte schon im kindlichen Alter viele Talente und eine große Freude zum Lernen. Deshalb glaubten die Eltern ihn für eine höhere Bildung bestimmen zu müssen und übergaben den Knaben dem damaligen Pfarrer in Stotzham, welcher ihm den ersten Unterricht in Latein erteilte.[3] Heiserers Eltern schickten den Knaben auf die höhere Schule, obwohl ihnen das finanziell sehr schwer gefallen sein muss. Ostern 1805 trat er in die Studienanstalt Dillingen ein.[4] Vom Schuljahr 1806/07 an erhielt er ein Stipendium.[5] Joseph Heiserer oblag es nun, alljährlich seine Zeugnisse über Fortgang und Sitte dem zuständigen Verwaltungsamte vorzulegen.[6] Nach dem Abschluss seiner Dillinger Schulzeit begann Heiserer sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität, die sich damals in Landshut befand.[7] Joseph Heiserer studierte drei Jahre und bestand 1815 seine Abschlussprüfung. Daran anschließend trat er die in der Ordnung für das Jurastudium einjährige Amtspraxis an, damit er zur Concoursprüfung zugelassen werden konnte. Heiserer begann seine Zeit als Rechtspraktikant im Oktober 1815 am Herrschaftsgericht Affing, wo er bis November 1816 diente, anschließend wirkte er bis September 1817 am kgl. Landgericht Wasserburg, bevor er nach München an das kgl. Landgericht München wechselte.[8] Im Mai 1818 wurde er zur Concoursprüfung zugelassen, die er auch gut bestand. Anschließend betraute er ein Accessistenamt, bei dem er aber keine Einkünfte erzielen konnte. Graf Leyden übernahm für ihn den notwendigen Unterhalt. Nachdem der Wasserburger Stadtschreiber Pleistein verstorben war, bewarb sich Heiserer im März 1819 um die Stelle des rechtskundigen Stadtschreibers. Im Juni 1819 erhielt er den Zuschlag und trat am 28. Juli 1819 seinen Dienst an. Die Aufgabe des rechtskundigen Stadtschreibers bei der Stadt Wasserburg war Heiserer wohl sehr wichtig. Er bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tode 1858. Joseph Heiserer war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Augusta Kopleter starb nach der Geburt des Sohnes Franz Joseph im Mai 1830. Da war Heiserer gerade 10 Monate verheiratet. Im Mai 1843 heiratete Heiserer ein zweites Mal, und zwar die um 20 Jahre jüngere Rosina Feldmayr.[9] 1858 starb Heiserer im Alter von 64 Jahren unerwartet auf der Rückreise von Neuburg a/D. Sein Erbe wurde, damit man langwierigen Erbauseinandersetzungen aus dem Wege gehen konnte, öffentlich versteigert.[10] Die Möglichkeit, die Ergebnisse einer jahrzehntelangen Sammlertätigkeit Heiserers, für ein stadtgeschichtliches Museum zu erwerben, wurde nicht genutzt. Die Bestände seiner Sammlung wurden in alle Winde zerstreut. Heiserer selbst wurde auf dem Altstadtfriedhof beigesetzt.

Wirken in der Stadt

Von 1819 bis zu seinem Tode 1858 bekleidete Heiserer das Amt des rechtskundigen Stadtschreibers. Er übernahm in einer Zeit des Epochenwandels dieses Amt. Denn nach dem Wiener Kongress wurden zwar einerseits Traditionen konserviert, andererseits nahm eine massive wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung ihren Lauf, weshalb Entscheidungen getroffen werden mussten, die auch Wasserburg in die Moderne des 19. Jahrhunderts führen konnten. Die Stadt Wasserburg litt unter chronischem Geldmangel. Heiserer muss wohl schon sehr bald nach seinem Amtsantritt eingesehen haben, dass größere Investitionen notwendig waren, um der Stadt eine Zukunft zu ermöglichen.[11]

Mit der Gründung der städtischen Sparkasse 1826[12] hoffte Heiserer auch, die städtischen Finanzen teilweise stabilisieren zu können.

Sie nahm am 1. Oktober 1826 ihren Dienst auf und gehört somit zu den ältesten Sparkassen in Bayern. Sie sollte gemäß ihrer Satzung den Kindern, Dienstboten, ledigen Handwerkern und der übrigen unbemittelten Einwohner-Klasse ermöglichen, Geld gewinnbringend anzulegen, um für eine gesicherte Zukunft zu sorgen. In einer Zeit ohne staatliche Absicherung, im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter und nach Übergabe der Aufgaben der Armenpflege vom Staat zurück an die Gemeinden, versuchte die Stadt Wasserburg auf diese Weise, ihren Bürgern eine Möglichkeit der Armutsvorsorge zu bieten und sich selbst zu entlasten. Das Spargeschäft zu Beginn war einfach: Die Spareinlagen wurden zu 5% Zinsen bei der Staatsschuldentilgungskasse eingezahlt, der Sparer erhielt 3,33% Zinsen gutgeschrieben. Die Beschränkung des Personenkreises und der Einlagenhöhe sollten das Risiko für die Gemeinde, der Gewährsträgerin, klein und Spekulanten fern halten. Die Sparkasse war in der Kämmerei des Rathauses untergebracht, hatte nur geringe Öffnungszeiten und wurde durch Personal der Stadtverwaltung betreut, was die Verwaltungskosten niedrig hielt. Nach Erlaubnis des königlichen Landgerichts 1833 und einer Änderung der Satzung 1841 wurde langsam der Weg zum Privatkredit gegen hypothekarische Sicherheit frei, nachdem die Einlagen immer weiter stiegen und das Geld gewinnbringend angelegt werden musste. Die Staatsschuldentilgungskasse nahm die Sparsummen nur noch unter starken Einschränkungen bzw. 1843 gar nicht mehr an, da die Summen, die ihr zur Verzinsung übersandt wurden, zu hoch waren, als dass der Staat weiterhin eine sofortige Rückzahlung an die Einleger hätte garantieren können. Noch waren jedoch die Reglementierungen der staatlichen Aufsichtsbehörden bei der Kreditvergabe groß. Es gründeten sich daher im Geschäftsgebiet der Sparkasse Wasserburg Gewerbliche Kreditgenossenschaften, um die Nachfrage vor allem nach kurzfristigen und unbürokratischen Krediten kleinerer und mittlerer Betriebe befriedigen zu können. Heiserer wollte damit wohl auch den Weg zu einer Gewerbefreiheit in Wasserburg umsetzen. Diese kam aber erst 1868, also 10 Jahre nach Heiserers Tod.

Am Heisererplatz, 2016.

Heiserers Wunsch, dass sich der Bau der Eisenbahnlinie durch Wasserburg ziehen könnte, wurde nicht erfüllt, man hat seinerzeit den Wasserburgern nachgesagt, sie hätten sich einseitig auf die Förderung der Innschifffahrt festgelegt, eine Einschätzung, der Scheidacher allerdings vehement widerspricht.[13]

Die Stadt Wasserburg hat das Andenken Joseph Heiserers gewahrt, indem sie einen Platz in der Stadt nach ihm benannte. Auch durch die Schaffung der Joseph-Heiserer-Medaille, die an Wasserburger verliehen wird, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Der Wasserburger Stadtrat hat die Medaille 1985 ins Leben gerufen. Seit 2007 wurde die Medaille regelmäßig verliehen.

Daten zur Amtszeit

Initiierte kommunale Einrichtungen:[14]

  • Sparkasse 1826
  • Erster städtischer Kindergarten 1856
  • Anlage des Altstadtfriedhofes mitsamt Kirche 1838/1851
  • Einrichtung eines städtischen Krankenhauses 1855




Empfohlene Zitierweise:
Peter Rink, Joseph Heiserer, publiziert am 23.04.2020 [=Tag der letzten Änderung(en) an dieser Seite]; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Joseph_Heiserer (13.08.2020)
Creative Commons Lizenzvertrag. Lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.


  1. Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 11.
  2. Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 11.
  3. Th. P. König, Veröffentlichung des Nachrufs im 21. Jahresbericht des Hist. Vereins für Oberbayern (1859), 122-129, zitiert nach Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 13.
  4. Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 13.
  5. Schreiben der kgl. Bairischen Studienfonds Administration Dillingen v. 29.12.1806, zitiert nach Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 14.
  6. Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 14.
  7. Die Ludwigs-Maximilians-Universität hatte bis 1802 ihren Sitz in Ingolstadt, kam nach Landshut und wurde 1826 nach München verlegt.
  8. Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 16.
  9. Rosina Feldmayr war die Tochter eines Wasserburger Metzgermeisters. Sie starb im Alter von 30 Jahren im Oktober 1844. Heiserers zweiter Sohn Lorenz Eduard entstammte dieser Ehe. Heiserer sorgte sich sehr um die berufliche Zukunft seiner beiden Söhne. Zitiert nach Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 18.
  10. Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 153.
  11. Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 47f.
  12. Die städtische Sparkasse Wasserburg war die dritte Sparkasse in Oberbayern; vgl. Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 62.
  13. Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 37.
  14. Scheidacher, Stadtschreiber Heiserer, 159.