Gebrüder-Troll-Straße

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Autor: Matthias Haupt

Gebrüder-Troll-Straße Straßennamen (Ortsstraße, Wasserburg a. Inn, statistischer Ortsteil Reitmehring/Süd)

Sinnstiftende Benennung mit Festsetzungsbeschluss des Stadtrates vom 29. Juni 1989[1]: Für die Straße im neuen Baugebiet in Reitmehring beim Waldweg (Bebauungsplan Nr. 20) wird folgender Straßenname festgesetzt: Gebrüder-Troll-Straße. Die Abstimmung im Stadtrat fiel knapp aus, mit 13 Stimmen für diesen Straßennamen und 10 Gegenstimmen. Schwierig an der Benennung (aus heutiger Sicht) ist, dass aus dem Straßenschild nicht ersichtlich werden kann, welche konkrete Person gemeint ist, da mehrere Personen mit dem gleichen Nachnamen angesprochen sind. Für den Betrachter im öffentlichen Raum ist keine eindeutige Zuordnung möglich. Dies wird mit zunehmenden zeitlichem Abstand zum Lebenswerk der Geehrten zudem nicht einfacher. Auch aus dem Stadtratsprotokoll geht eine Personenzuordnung nicht hervor (den Mandatsträgern müssen diese damals wohl uneingeschränkt bekannt gewesen sein). Ebenso wird die teils kritische Haltung zur Benennung nicht weiter transparent, abgesehen davon, dass hier auswählend zu einem weiterem Straßnenamenvorschlag, der Käthe-Braun-Straße entschieden wurde.
Mit dem Straßennamen wollte die Stadt jedenfalls zwei Wasserburger bzw. Gaberseer Söhne geehrt wissen. Nämlich die Gebrüder Carl (Karl) Theodor Joseph Maria Troll, Geograph, Naturforscher, Geoökologe (* 24. Dezember 1899 Gabersee bei Wasserburg a. Inn, † 21. Juli 1975 Bonn)[2] und Wilhelm Troll, Botaniker, Leiter des Botanischen Gartens der Universität Mainz (* 3. November 1897 München, † 28. Dezember 1978 Mainz).[3] Von den beiden Brüdern blieb Carl Troll der Wasserburger bzw. Reitmehringer Bürgerschaft vermutlich in präsenterer Erinnerung. Zum einen ließ der ordentliche Professor und Direktor des Geographischen Instituts der Universiät Bonn[4] Troll die Beziehung zu Reitmehring nie abreißen und kam immer wieder zu Besuchen in den Wasserburger Raum, wo er zusammen mit Studenten geologische Untersuchungen unternahm und in der Adlerkiesgrube wertvolle Funde machte.[5]. Zum anderen waren seine Veröffentlichungen Das Inn- und Chiemsee-Vorland, 1924[6] und Der diluviale Inn-Chiemsee-Gletscher[7] für den hiesigen Raum (neben der wissenschaftlichen) auch von heimatkundlicher Bedeutung und sind heute noch als Bestandteil der Präsenzbibliothek des Stadtarchivs für Lesesaalaushebungen relevant.

Der 1988 vor Ort erschienener Artikel über Wasserburger Gelehrte, Komponisten, Forscher und Erfinder[8] mag einen gewissen Einfluss auf den Vorschlag zur Straßenbenennung gehabt haben.

Die Deutsche Biographie attestiert Carl Troll eine kritische Distanz zum NS-Regime.[9] Wilhelm Troll begehrte 1933 Aufnahme in die NSDAP, was 1934 durch die Ortsgruppe Halle-Moritzburg abgelehnt worden sei.[10]

Empfohlene Zitierweise:
Matthias Haupt, Gebrüder-Troll-Straße, publiziert am 07.05.2026 [=Tag der letzten Änderung(en) an dieser Seite]; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Gebr%C3%BCder-Troll-Stra%C3%9Fe (07.05.2026)
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