Ledererzeile

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Autor: Matthias Haupt
Ledererzeile Straßennamen

Lederereile, um 1870.

Historische Gewerbebezeichnung für die Zunft der hier u.a. ansässigen Lederer/Gerber, dem Berufszweig, der aus rohen Tierhäuten haltbares, verarbeitbares Leder herstellt, bzw. allgemein – die Leder verarbeitenden Berufe. 1379 erstmals urkundlich als Lederzeyl erwähnt. Zum gleichnamigen Wasserburger Steuerviertel Ledererzeilviertel zählte 1833 die Lederergasse, die Webergasse, das Paradiesgässl, der Gries und außerhalb der Altstadt auch das Gebiet vor der Brücke, St. Achatz, Herder, und die innere/äußere Lohen. Dass in der Zeile nicht ausschließlich Lederer wohnten, verdeutlicht sogleich die Ersterwähnung des Straßennamens (und des Handwerkszweiges) 1379, als eine Ewiggilt aus einem Haus zwischen des Kasten, des Lederers und des Purchlien, des Goldschmiedes Häusern verkauft wurde. Im 18. Jahrhundert waren im Bereich der Textil- und Lederverarbeitung 69 verschiedene Handwerke in Wasserburg ansässig. 1950 benannte der Stadtrat die Ledererzeile in Ledererstraße um und erhielt fachlichen Widerspruch durch den Heimatverein und das Landesamt für Denkmalpflege – die amtlichen Bestimmungen sahen bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts vor, dass historisch überlieferte Bezeichnungen nicht einfach neue Straßennamen erhalten durften, da diese Geschichtszeugnisse sind. Der Stadtrat nahm die Umbenennung sogleich in der nächsten Sitzung wieder zurück.[1]


Empfohlene Zitierweise:
Matthias Haupt, Ledererzeile, publiziert am 07.06.2019; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Ledererzeile (10.12.2019)