Neudecker Straße

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Autor: Matthias Haupt
Neudecker Straße Straßennamen (Gemeindeverbindungsstraße, Wasserburg a. Inn, statistischer Ortsteil Äußere Lohe und Neudeck)

Richtungsanzeige, ohne urkundlichen Beleg (wohl aber althergebracht, früheste amtliche Eintragungsverfügung von 1961) – Straße zu der zwischen den Gemeinden Wasserburg und Babensham zweigeteilten Siedlung Neudeck. Zum Ortsnamen Neudeck gibt es keine wissenschaftlich gesicherte Deutung. Ortsnamenforscher Josef Kirmayer meinte, dass sich das Wort von Neud zu ahd. nid– Neid, Hass bestimmen ließe und das Grundwort eck hier als Ecke einer Anhöhe oder als auslaufender, vorgeschobener Teil eines Hügels zu verstehen sei.[1]

Denkbar wäre aber auch die Interpretation, dass der Ortsname Neudeck in Bezug zur Entstehungszeit „eine neu errichtete Burg“ bezeichnet hat: von mhd. ecke, bayerisch eck – Burgenbezeichnung für Bauten, die auf einem Felssporn aufragen – Höhenburg.[2] Die erste schriftliche Erwähnung des Ortsnamen im Stadtarchiv findet sich 1472, als Jörg Nägwein aus Neudeck Lienhart und Sabina Wild ihr Erbrecht und ihre Gerechtigkeit auf einem Weiher auf der Lohen bei Langwied (Langwayd) zusammen mit ihrem Haus verkaufte.[3] Archäologische Belege oder schriftliche Quellen einer vom Ortsnamen abgeleiteten, abgegangenen Burg- oder Wehranlage existieren nicht. Die Burg müsste wohl, wenn sie denn tatsächlich existiert hätte und bis heute unbekannt geblieben wäre, spätestens bis zum 11. /12. Jh. wieder zerstört, aufgegeben oder abgetragen worden sein. Den in den besprochenen Straßennamen steckenden Orts- und Siedlungsnamen Penzing, Neudeck und Odelsham, die geografisch nahe beieinanderliegen, ist jedoch gemein, dass es sich um sehr alte Siedlungsnamen handelt, bei Penzing und Odelsham wird dies durch frühe urkundliche Überlieferung unterstrichen, im Odelshamer Ortsnamen steckt die spätere Bezeichnung Adelsbesitz, Penzing kann mit der Wasserburger Grafenministerialität in Verbindung gebracht werden. Könnte diese Häufung ältester Besiedlung nicht eine Untermauerung der Vermutung einer abgegangenen Wehranlage bei Neudeck am Hochufer und oberhalb des Prallhangs (starke Gelände-Abtragungen im Laufe der Jahrhunderte) des Inn sein, auch wenn in räumlicher Nähe bisher gerade einmal eine späte Bronzefibel gefunden werden konnte.[4] Neudeck hätte damit quasi ein logisches Gegenüber (die nord-östliche Sicherung der Halbinsel mit Innübergang) des archäologisch bestätigten frühmittelalterlichen Wasserburger Burgstalls (süd-östliche Sicherung) oberhalb der Achatz-Kirche gebildet.[5]


Empfohlene Zitierweise:
Matthias Haupt, Neudecker Straße, publiziert am 31.07.2019; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Neudecker_Stra%C3%9Fe (17.09.2019)
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  1. Kirmayer, Chronik, Band 26, Ortsnamen.
  2. Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein, Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung, 1991, 115-116.
  3. Jörg Nägwein aus Neudeck und seine Magdalena verkaufen Lienhart und Sabina Wild ihr Erbrecht und ihre Gerechtigkeit auf einem Weiher auf der Lohen bei Langwied („Langwayd“) zusammen mit ihrem Haus, Urkunde vom 16.10.1472, StadtA Wasserburg a. Inn, I1a262.
  4. Ferdinand Steffan, Vor- und Frühgeschichte in Stadt und Landkreis Rosenheim II (Kataloge der archäologischen Staatssammlung München, Fortsetzung der prähistorischen Staatssammlung, Nr. 29), 2003, 106.
  5. Steffan, Vor- und Frühgeschichte (wie Anmerkung 3), 245-246.