Herzog-Georg-Stiftung

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Autor: Christoph Nonnast

Herzog-Georg-Stiftung

Einführung
Die Herzog-Georg Stiftung bestand seit 1496 und gehört zu den untergegangenen wohltätigen Stiftungen der Stadt. Sie war Teil eines umfangreicheren Stiftungswerks, das alle wichtigen Städte des Herzogtums Bayern-Landshut in seinem damaligen Umfang umfasste. Stifter war dessen letzter Herzog Georg der Reiche. Inhalt der Stiftung für Wasserburg waren ein kostenloser Studienplatz an der Universität Ingolstadt und Mittel für jährliche Aussteuern, eine Tuchspende und eine Brotspende an Arme, die dafür für das Seelenheil des Herzogs beten sollten. Dazu diente auch ein jährlicher Gottesdienst mit Vigil, Jahrtag genannt. Die Mittel der Stiftung wurden Ende des 18. Jahrhunderts größtenteils umgewidmet und seitdem zur Mitfinanzierung der Wasserburger Schulen verwendet. Durch die Inflation Anfang der 1920er Jahre finanziell stark geschädigt, stellte die Stiftung ihre Arbeit praktisch ein und wurde 1928 mit anderen Wasserburger Stiftungen fusioniert.

Herzog Georg der Reiche von Bayer-Landshut.

Gründung

Bereits seit spätestens seit Anfang 1494 trug sich Herzog Georg der Reiche mit der Absicht, eine große wohltätige Stiftung zu gründen. Er ließ dazu eine Übersicht über das in seiner Regierungszeit neu erworbene Kammergut erstellen. [1] Die geographische Streuung des Besitzes legte eigentlich eine Teilung in mehrere Stiftungen nahe, jedoch wurde eine gemeinsame Gesamtstiftung formiert. In teilweise nachvollziehbaren Stufen entstand der schließlich umgesetzte Plan, die wichtigsten Städte des Herzogtums mit Einzelstiftungen zu bedenken. Die Kohärenz der Gesamtstiftung sollte durch ein ebenfalls neu gestiftetes Stipendiatenkolleg an der Universität Ingolstadt hergestellt werden, dessen Plätze als Freiplätze durch die einzelnen Städte besetzt werden. Die Stiftungsurkunde für das „Collegium Novum“ an der Universität, bald Georgianum genannt, ist auf den 15.12.1494 datiert, die bekannten Urkunden für die einzelnen Städte allesamt auf den 12.01.1495. Die Vollziehung der Urkunden durch den Herzog und ihre Verschickung an die begünstigten Städte erfolgte jedoch erst im Februar 1496, sodass 1496 als eigentliches Gründungsjahr der Stiftung anzusehen ist. [2] Als Hauptgrund für die Stiftung Herzog Georgs wurde dessen persönliches Heilsverlangen herausgearbeitet, demgegenüber die wohltätigen, bildungspolitischen und landesväterlichen Ziele nachgeordnet waren. [3]

Stiftbrief der Herzog-Georg-Stiftung, Urkunde vom 12.1.1495.

Herzog Georg-Gesamtstiftung

Die Herzog-Georg-Gesamtstiftung umfasste als zentrale Gründung das Collegium Novum (Georgianum) in Ingolstadt, und weitere Stiftungen für 18 Städte des Herzogtums Bayern-Landshut. Das Georgianum wurde mit Besitz ausgestattet, der jährlich 250 Gulden Ertrag liefern sollte. Es beherbergte elf Stipendiaten, die von den inneren Räten der begünstigten Städte präsentiert werden durften. Außerdem war ein Regens zu versorgen, der die Verwaltung des Kollegiums übernahm. Die elf Plätze wurden von den Städten Landshut, Ingolstadt, Lauingen, Wasserburg, Burghausen, Schärding, Braunau am Inn, Ötting, Wemding, Hilpoltstein und Weißenhorn besetzt, die dafür keine Zahlungen zu leisten hatten. [4] Darüber hinaus erhielten die Städte weiteren Besitz gestiftet, der gemäß den darüber ausgestellten Urkunden zu anderen wohltätigen Zwecken dienen sollte: zu Jahrtagsfeiern für den Herzog und die bayerischen Herzöge, für Brot- und Tuchspenden an bedürftige Arme und Aussteuerzahlungen an ledige arme Frauen. Solche Stiftungsbriefe wurden an 18 Städte ausgefertigt, von denen 17 namentlich bekannt sind. Es handelt sich um die elf Städte, die auch Stipendiaten präsentieren durften, und darüber hinaus Gundelfingen, Höchstätt, Neuburg an der Donau, Reichenhall, Rain, Friedberg und eine weitere bisher unbekannte Stadt. Der Umfang der weiteren Stiftungen fällt unterschiedlich aus: während Ingolstadt Güter mit jährlichen Erträgen von 48 Gulden zu den oben genannten Zwecken gestiftet bekam, erhielt Weißenhorn nichts als den Freiplatz. Die anderen Städte erhielten zumeist geringere Summen als Ingolstadt, die auch nur zu einigen der oben genannten Zwecke verwendet werden sollten. Der finanzielle Gesamtumfang der weiteren Stiftungen ist bisher nicht ermittelt worden.[5]

Stiftungsbrief für Wasserburg

Der Stiftungsbrief Herzog Georgs für Wasserburg [6] ist wie alle vergleichbaren Dokumente auf den 12. Januar 1495 datiert. Er nennt in der Arenga die Beweggründe des Herzogs – Dank für seine Erhöhung zum Herrscher, Mitleid mit dem Volk und Erlangung der ewigen Seligkeit – bevor die Stiftung genauer beschrieben wird. Mit Stiftungen im Umfang von 48 Gulden jährlich gehört Wasserburg zu den höchst dotierten Städten der Herzog-Georg-Gesamtstiftung.

Freiplatz im Georgianum

Der innere Rat der Stadt erhielt das Recht, einen Stipendiaten für das Georgianum in Ingolstadt zu benennen. Die präsentierten Studenten sollten arm, gottesfürchtig und wenigstens 16 Jahre alt sein, außerdem das Chorsingen grob beherrschen. Sie sollten möglichst aus Wasserburg stammen, mussten das aber nicht unbedingt. Die Stipendiaten erhielten kostenlos Wohnung und Verpflegung im Georgianum, wo sie bis zu fünf Jahre bleiben konnten und in dieser Zeit zunächst in etwa drei Jahren die freien Künste bis zum Magister studieren sollten. In den danach verbleibenden Semestern sollten sie sich der Theologie widmen. Diese Zeit genügte nicht für einen Abschluss in Theologie, aber für ausreichend Grundkenntnisse, um als Priester zu arbeiten. Im Gegenzug mussten sich die Stipendiaten der Hausordnung im Georgianum unterordnen und eine Reihe von detailliert beschriebenen gottesdienstlichen Verpflichtungen leisten: tägliches gemeinsames Rosenkranz- und Stiftergebet in der Kapelle des Georgianums, dienstags ein Seelamt, an allen Feiertagen Vesper, Salve und Hochamt zugunsten des Stifters. Diese Verpflichtungen weisen auf den Almosencharakter der Stiftung hin, die den Gepflogenheiten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit gemäß eine Gegenleistung in Form von Fürbitte für den Stifter erforderten.

Jahrtag

Auch in Wasserburg sollte jährlich ein Seelamt für Herzog Georg gefeiert werden. Am Sonntag Oculi abends mussten alle Priester der Stadt in der Jakobskirche eine gesungene Vigil beten, am nachfolgenden Montag jeder eine Seelmesse lesen. Dabei sollten möglichst auch alle Begünstigten der Stiftung anwesend sein. Für die Entlohnung der Priester waren 8 Gulden vorgesehen.

Brotspende

Nach der Seelmesse am Montag nach Oculi sollte es eine Brotspende mit halb Semmeln und halb Röggeln an alle Armen geben; Gegenleistung jedes armen Menschen sollte eine bestimmte Anzahl Gebete sein. Verbleibende Brotreste sollten gleich zwischen den Bewohnern des Spitals, des Leprosenhauses und den hausarmen Leuten der Stadt verteilt werden. Dafür sah der Stiftungsbrief 13 Gulden vor.

Aussteuer

Die Stadt wurde verpflichtet, jedes Jahr an eine fromme, sittliche und arme Jungfrau eine Aussteuer in Höhe von 16 Gulden zu zahlen. Die Aussicht auf eine Aussteuer ermöglichte armen Frauen häufig überhaupt erst, sich zu verheiraten und eine Familie zu gründen. Für diese Gunst, die der Rat zuteilte, wurde die jährliche Teilnahme an der Seelmesse am Montag nach Oculi erwartet.

Tuchspende

Einmal jährlich sollte die Stadt starkes Lodentuch ankaufen und daraus 16 Almosenröcke schneidern lassen, die sie nach Bedürftigkeit und Frömmigkeit unter darum bittenden armen Menschen zu verteilen hatte. Einen Termin für die Verteilung nennt der Stiftungsbrief nicht. Für die Tuchspende sollten 11 Gulden jährlich aufgewendet werden.

Finanzielle Ausstattung der Stiftung

Zur Erfüllung der Aufgaben wurde die Stiftung mit genügend Besitz ausgestattet, um die jährlich benötigten 48 Gulden zu erwirtschaften. Kernstück des Stiftungsvermögens waren acht Höfe, nämlich der Kirchhof Eiselfing, fünf Hufen in Bachmehring, eine in Alt-Eiselfing und das Mühlberggut, dessen genaue Lokalisierung im Umfeld Wasserburgs schwierig ist, weil gleich mehrere Orte dafür in Frage kommen. Die Höfe mussten festgelegte Mengen Roggen, Hafer und Weizen abliefern, dazu Geldsummen, mit denen weitere Naturallieferungen (für u.a. Hühner, Gänse, Eier, Erbsen und Rüben) abgegolten wurden. Dazu kamen Rechte auf Geldzahlungen von weiteren Grundstücken in der Umgebung Wasserburgs bzw. in der Stadt. Überzählige Einkünfte sollten zunächst als Rücklagen angelegt werden, erst ab 100 Gulden Rücklagen durften weitere Almosen nach Gutdünken des Rats verteilt werden.

Die Stiftungsarbeit in der Frühen Neuzeit (1496-1787)

Im Frühjahr 1496 wurde die Stiftung ins Leben gerufen. Der Wasserburger Wolfgang Aicher wurde erster Stipendiat am Georgianum,[7] und auch die weiteren Stiftungsinhalte dürften ab diesem Jahr umgesetzt worden sein. Einzelne Stiftungsrechnungen liegen ab 1505 vor, die die Ausgabe von Tuch – wohl nicht zu Almosenröcken verarbeitet – belegen, außerdem die Durchführung von Jahrtagsgottesdiensten, die Brotgabe und die Zahlung von Aussteuern. Für die Aussteuern liegen außerdem mehrere Dutzend Urkunden aus dem Zeitraum 1503-1565 vor, in denen Frauen bzw. deren Ehemänner den Empfang der Aussteuergelder bestätigten.[8] Sie belegen, dass Mitte des 16. Jahrhunderts in den meisten Jahren sogar zwei Aussteuern in voller Höhe vergeben wurden. Es kamen bis zu vier Auszahlungen im Jahr vor, was allerdings auch auf verspätete Hochzeiten seitens der begünstigten Frauen zurückzuführen sein kann. Für die Zeit zwischen 1549 und 1690 liegen keine Stiftungsrechnungen mehr vor, auch anderes Quellengut gibt es sonst für das 17. Jahrhundert nicht in Wasserburg.

Herzog-Georg-Stiftung Heiratsguturkunde, 1521.

Der Freiplatz im Georgianum der Universität Ingolstadt wurde scheinbar relativ kontinuierlich genutzt. Aus dem vorhandenen Quellenmaterial lassen sich für das 16. und 17. Jahrhundert trotz erheblicher Datenlücken jeweils ein reichliches Dutzend Stipendiaten der Wasserburger Kollegiatur am Georgianum nachweisen. Nicht alle Stipendiaten stammten jedoch aus Wasserburg, da beim Fehlen von geeigneten Bürgerssöhnen die Stadt oft Bittgesuche zugunsten auswärtiger Studenten erhielt, denen meist unter der Bedingung stattgegeben wurde, dass der Begünstigte jederzeit einem Wasserburger Bürgerssohn weichen musste. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gibt es jedoch auch immer wieder Hinweise auf zeitweise Vakanzzeiten, die mit der schlechten Finanzsituation des Georgianums zu tun hatten.[9] Grund dafür waren die Inflation des späten 16. Jahrhunderts und der Ausfall erster gestifteter Einkünfte. Statt 20 Gulden wie um 1500 mussten inzwischen 40 Gulden pro Student aufgewendet werden.[10] 1608 stiftete deshalb der Wasserburger Pfarrer und Ingolstädter Absolvent Dr. Michael Gruner eine Aufbesserung des Stipendienplatzes um weitere 20 Gulden jährlich ab seinem Tod. Ab 1630 wurde das Geld tatsächlich zu diesem Zweck verwendet.[11] Noch 1820 war das Kapital vorhanden.[12] Keine Auswirkungen auf die Frequentierung des Stipendiums hatte dagegen die stärkere Ausrichtung des Georgianums auf theologische Studien und seine Verlängerung auf acht Jahre durch Herzog Albrecht V. 1555.[13] Meist wurden zwei bis fünf Jahre auf dem Stipendium studiert. Für das 18. Jahrhundert ist eine quasi lückenlose Nutzung des Freiplatzes durch mehr als 20 Stipendiaten nachweisbar. Ihre Väter waren oft Ratsherren, während vor allem im 16. Jahrhundert auch häufig ärmere Berufe wie Leineweber, Beutler oder Aufleger genannt wurden.[14] In Wasserburg hatte sich im 17. und 18. Jahrhundert die Gewichtung der Stiftungszwecke verschoben: während für den Jahrtag, die Tuch- und Aussteuerstiftung weiterhin ähnliche Beträge verwendet wurden wie zur Gründungszeit der Stiftung, ohne der Inflation Rechnung zu tragen, war der finanzielle Umfang der Brotspende enorm auf 104 Gulden (1690) bis 168 Gulden (1770) angestiegen und damit zum Hauptzweck der Stiftung geworden. Aussteuern vergab der Rat im 18. Jahrhundert deutlich unregelmäßiger und praktisch nie mehr zum eigentlich vorgeschriebenen Festwert von 16 Gulden. Dafür wurden vereinzelt andere wohltätige Zwecke aus den Stiftungsmitteln gezahlt, etwa 1735 Kostgeld für die mittellose Tochter eines Lebzelters.[15] Das Stiftungsvermögen für das Ingolstädter Georgianum hatte Ende des 18. Jahrhunderts ebenfalls erneut Verluste erlitten, sodass sich Wasserburg und Landshut im Jahr 1781 darauf verständigten, gemeinsam eine Kollegiatur zu teilen und den Freiplatz jeweils abwechselnd 4 Jahre zu nutzen.[16] Dies war insofern nicht einschneidend, als ohnehin kaum ein Stipendiat die vollen acht Jahre benötigt hatte, die das Stipendium maximal laufen sollte. Allerdings bereitete die Koordinierung Probleme, da nicht in jedem Jahr, in dem Wasserburg die Kollegiatur zu besetzen hatte, auch einen Stipendiaten präsentieren konnte.

Umwidmung der Stiftung zur Unterrichtsstiftung 1788/89

Eine bedeutende Veränderung des Stiftungszwecks vollzog sich in den Jahren 1788 und 1789. Zunächst unterblieb 1788 die Tuchspende, stattdessen wurde das zuvor dafür verwendete Geld umgewidmet zugunsten des Wasserburger Schulfonds. 1789 folgte die noch weit bedeutendere Summe der bisherigen Brotspende.[17] Damit verwandelte sich der Hauptzweck der Stiftung in Wasserburg nunmehr hin zu einer Unterrichtsstiftung. Die Feier des Jahrtags, die Aussteuerzahlungen und die Möglichkeit zur Präsentation von Stipendiaten in Ingolstadt blieben von diesen Veränderungen unberührt. Den Anstoß zur Umwidmung der Gelder hatte die Münchener Regierung gegeben, die seit 1786 entschlossen versuchte, das staatliche Schulwesen in der Stadt zu verbessern. In der Folge kam 1788 eine geistliche Ratskommission in die Stadt, die zusammen mit dem Stadtmagistrat eine auskömmliche Finanzierung für das Schulwesen festlegte. Da die Schulgelder und das kommunale Steueraufkommen in der ökonomisch damals nicht allzu starken Stadt keine genügenden Mittel für einen Schulfonds bereitstellten, gehörten auch zu einem Drittel Beiträge der wohltätigen Stiftungen Wasserburgs zum Finanzierungsplan der Kommission.[18] In der praktischen Umsetzung zeigte sich rasch, dass die anderen Stiftungen nichts zur Finanzierung des Schulfonds beitragen konnten, weil sie für ihre Aufgaben ohnehin schlecht genug ausfinanziert waren. Dagegen wurde die Herzog-Georg-Stiftung zu einem erheblichen Beiträger zur Volksschule, sogar noch über den ursprünglich festgelegten Betrag von 80 Gulden jährlich hinaus.[19] Das staatliche Schulwesen blieb dennoch in prekärem Zustand, weil weiter private „Winkelschulen“ einen erheblichen Teil der Schüler aufnahmen, und die Stadt nicht genügend Geld besorgen konnte, um zwei oder gar drei Lehrer einzustellen und der staatlichen Schule einen entscheidenden Qualitätsvorsprung zu verschaffen.[20]

Die Herzog-Georg-Unterrichtsstiftung im 19. Jahrhundert

Ablösung des Grundbesitzes

Der Grundbesitz der Stiftung in direkter Nähe zur Stadt war bis ins 19. Jahrhundert hinein unverändert geblieben und hatte großen Anteil an der langfristig stabilen Finanzierung der Stiftung. Der große Anteil, den Naturalabgaben an den Gesamteinnahmen ausmachten, ließ die langsame Inflation der Frühen Neuzeit fast unbeschadet an den Stiftungsfinanzen vorbeigehen. Das änderte sich mit der Bauernbefreiung im Zuge der Revolution 1848. Die Verhandlungen zur Ablösung des Grundbesitzes der Herzog Georg-Stiftung zogen sich zwar bis 1855 hin, danach verlor die Stiftung jedoch ihren Grundbesitz in den benachbarten Ortschaften gegen Umwandlung in eine Kapitalsumme.[21] Diese musste von den nunmehrigen Besitzern aufgebracht werden in Form von Ablösezahlungen und Verzinsung. In den ersten Jahrzehnten danach wurde etwa die Hälfte der Ablöse gezahlt, danach nur noch die Zinsen. 1898 übernahm per Gesetz der bayerische Staat die meisten der Schuldverschreibungen. Die Einnahmen der Stiftung bestanden ab dieser Zeit vor allem aus Zinsen auf Kapitalvermögen, dass zumeist als Kredit an Privatpersonen ausgegeben war.[22]

Erfüllung des Stiftungszwecks bis 1900

Der Reform der Stiftung 1788 folgend, bestand die Hauptausgabe der Stiftung im 19. Jahrhundert in Form von Ausgaben für den Elementarschulfonds der Stadt. Die Ausgaben dafür entsprachen regelmäßig mehr als ¾ der Stiftungseinkünfte, bis in die 1870er Jahre gab es auch Ausgaben für die gewerbliche Fortbildungsschule. Außerdem hatte die Stiftung Anteil an den Umbaukosten des ehemaligen Krankenhausgebäudes am Gries in eine Schule. Den von der Stiftung dazu aufgenommenen Kredit zahlte sie bis 1892 ab. Danach standen regelmäßig über 1000 Mark für den Elementarschulfonds zur Verfügung.[23] Die Bezahlung von Pfarrer, Mesnern und Chorregenten für den jährlichen Gottesdienst spielten nur eine ganz untergeordnete Rolle, ebenso die ab 1876 mit 27,5 Mark veranschlagte Heiratsgeld, das nur in weniger als jedem zweiten Jahr vergeben wurde.[24] Selbst zusammen mit geringen Summen für Spenden an die Pfründner im Spital, Leprosen- und Bruderhaus und später auch für die örtlichen Waisen beim Jahrtagsgottesdienst sowie Lohnkosten für das Tragen der sogenannten Herzog-Georg-Stangen bei der Fronleichnamsprozession und für zwei Leichenfrauen machten diese Ausgaben kaum mehr als jährlich 50 Mark aus, weniger als die zunächst 60, später 70 und schließlich 100 Mark Verwaltungskosten. Die Wahrnehmung des freien Stipendienplatzes an der aus Ingolstadt zunächst nach Landshut, dann nach München verlegten Universität gestaltete sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schwierig. Die Anforderungen für die Stipendiaten am Georgianum waren nochmals gestiegen: sie mussten nun nicht nur ihre Bedürftigkeit, Gesundheit und Sittlichkeit nachweisen, sondern auch – was sich oft als Schwierigkeit erwies – bereits die zwei philosophischen Klassen absolviert haben. Studiert werden durfte weiter ausschließlich Theologie. Wasserburg hatte nur wenige Kandidaten vorzubringen, die alle Bedingungen erfüllten, und diese traten zudem manchmal in Jahren auf, in denen Landshut das Präsentationsrecht hatte. In Jahren ohne geeignete Kandidaten ließ der bayerische König seine Verwaltung andere geeignete Studenten auf das Stipendium setzen. Für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war das der häufigere Fall. Für die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhundert wurde in jedem Studienjahr das Stipendium neu vergeben, oft mit aus München vorgeschlagenen auswärtigen Kandidaten, aber auch wieder vermehrt mit einheimischen Kandidaten. Das je 4jährige Besetzungsrecht für Landshut und Wasserburg im Wechsel hielt sich bis zum Schluss.[25]

Niedergang der Stiftung

Im Jahr 1900 wandelte sich der Hauptstiftungszweck erneut: ab diesem Jahr wurden die Erträge der Stiftung nicht mehr an den Elementarschulfonds gezahlt, sondern an die Armenkasse der Stadt.[26] Eine Erklärung dafür ist noch nicht gefunden. Sonst lief die Stiftung bis zum Ende des ersten Weltkrieges weiter. Die Inflation von 1920-1923 vernichtete jedoch fast das gesamte Kapitalvermögen der Stiftung. Es verringerte sich von etwa 32.000 Mark auf weniger als 3.000 Reichsmark, die jährlichen Erträge sanken von zuletzt etwa 1350 Mark auf nur noch etwa 60 Reichsmark. Entsprechend stellte die Stiftung ihre Arbeit praktisch ein, nur die Herzog-Georg-Stangen wurden zur Fronleichnamsprozession weiter getragen. Die Zinsen der Stiftung wurden zur Vermehrung des Kapitalstammes angelegt, was diesen freilich nur sehr langsam aufbesserte.[27] Dem Georgianum war es ähnlich ergangen, sodass dort ebenfalls die Vergabe von Stipendienplätzen an die elf von Herzog Georg begünstigten Städte eingestellt wurde. Aufgrund dieser Situation ging die Stiftung 1928 auf Beschluss des Stadtmagistrats zusammen mit anderen inflationsgeschädigten Stiftungen in der „Vereinigten Wohltätigkeitsstiftung“ auf, die allerdings ebenfalls nur ihre Zinsen zur Mehrung des Kapitalstammes anlegte, ohne etwas auzuzahlen. So blieb es wohl bis zum zweiten Weltkrieg. An dessen Ende hatte die vereinigte Stiftung zwar ihr Kapital mehr als verdoppelt, die Währungsreform entwertete es jedoch erneut.[28] 1957 folgte die Auflösung der Stiftung und Einverleibung ihres Restkapitals in die Heilig-Geist-Spitalstiftung als letzte wohltätige Stiftung unter Verwaltung der Stadt.[29]

Weiterführende Literatur

Seifert, Georgianum.

Nonnast, Armenwesen Wasserburg.


Empfohlene Zitierweise:
Christoph Nonnast, Herzog-Georg-Stiftung, publiziert am 15.04.2019; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Herzog-Georg-Stiftung (23.08.2019)


  1. Prantl, Universität Ingolstadt, Bd. 1, 96f.
  2. Seifert, Georgianum, 154f.
  3. Seifert, Georgianum, 153f.
  4. StadtA Wasserburg a. Inn, I1a1181.
  5. Seifert, Georgianum, 155.
  6. Der komplette folgende Abschnitt folgt dem Original des Stiftungsbriefs im StadtA Wasserburg a. Inn, I1a1181.
  7. Real, Stipendienstiftungen Universität Ingolstadt, 30 mit Fußnote 10.
  8. Empfang von Heiratsgut (Heiratsaussteuer) der Herzog-Georg-Stiftung, insgesamt 48 Urkunden, im Zeitraum 1503-1611, StadtA Wasserburg a. Inn, I2a795 bis StadtA Wasserburg a. Inn, I2a843.
  9. StadtA Wasserburg a. Inn, I2b298./ AHG, II110./ Real, Stipendienstiftungen Universität Ingolstadt, 29.
  10. Real, Stipendienstiftungen Universität Ingolstadt, 136-138.
  11. Originalstiftungsurkunde: StadtA Wasserburg a. Inn, I2a424./ Einsatz ab 1630 nachweisbar über AHG, II110.
  12. StadtA Wasserburg a. Inn, II1056.
  13. Seifert, Georgianum, 179-181.
  14. AHG, II110./ StadtA Wasserburg a. Inn, I2b298.
  15. StadtA Wasserburg a. Inn, I2c1451./ StadtA Wasserburg a. Inn, I2c1456./ StadtA Wasserburg a. Inn, I2c1488.
  16. AHG, II105.
  17. StadtA Wasserburg a. Inn, I2c1499 und StadtA Wasserburg a. Inn, I2c1500.
  18. Brunhuber, lateinische und deutsche Schule Wasserburg, 55-62.
  19. StadtA Wasserburg a. Inn, I2c1516.
  20. Brunhuber, lateinische und deutsche Schule Wasserburg, 69 und 79-81.
  21. Ein Teil der Ablösungsverhandlungen mit den Untertanen der Stiftung ist dokumentiert in StadtA Wasserburg a. Inn, II1208.
  22. Herzog-Georg-Stiftungsrechnungen 1874, 1885 und 1899, StadtA Wasserburg a. Inn, noch ohne Signatur.
  23. Für diesen und den folgenden Absatz wurden elf Stiftungsrechnungen untersucht: 1874, 1885, 1891, 1893, 1898-1901, 1914, 1916 und 1918, StadtA Wasserburg a. Inn, Stiftungsrechnungen Herzog-Georg-Stiftung, noch ohne Signatur.
  24. In diesen elf untersuchten Jahrgängen wurde nur viermal ein Heiratsgeld gezahlt, nämlich 1891, 1898, 1914 und 1918.
  25. AHG, II106/1 und AHG, II106/2.
  26. Herzog-Georg-Stiftungsrechnung 1900 und folgende, StadtA Wasserburg a. Inn, noch ohne Signatur.
  27. Herzog-Georg-Stiftungsrechnung 1927/28, StadtA Wasserburg a. Inn, noch ohne Signatur.
  28. StadtA Wasserburg a. Inn, II800.
  29. Haushaltsplan der Heiliggeist-Spitalstiftung 2019, 5.