Josef-Kirmayer-Straße

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Autor: Matthias Haupt
Josef-Kirmayer-Straße Straßennamen

Josef Kirmayer auf der Innbrücke, ca. 1940.

Seit den amtlichen Namenfestsetzungen 1914/1927 hieß die Josef-Kirmayer-Straße (teilweise auch zusammen mit der heutigen Straße Am Gries) Schulstraße, da diese am ehemaligen Salzamtsgebäude mit Englischen Institut (seit 1855) und Mädchen-Schule vorbeilief. Seit 1981 namenlos und 1991 in Würdigung der Verdienste Josef Kirmayers (* 23.11.1889 in Reichertshofen bei Ingolstadt, † 15.2.1958 in Wasserburg a. Inn) benannt. Der Lehrer, nebenamtliche Bibliotheksleiter, Museumsleiter und Stadtarchivar ist in Haag, später in Freising, wo er auch das Gymnasium besuchte, aufgewachsen. Studium der Neuphilologie an der Universität München von 1910-1914, wovon Kirmayer ein Jahr (1913) im Austausch in Dijon verbrachte; Staatsexamen 1919/20. Am 29.11.1921 zog Kirmayer nach Wasserburg und war hier von 1923 bis 1946 an der Luitpold-Realschule (heute Luitpold-Gymnasium) Lehrer, genauer Studienprofessor für Englisch und Französisch. Seit 1926 zeichnete er als nebenamtlicher Leiter der Stadtbibliothek verantwortlich für die Neuordnung, 1945 erfolgte die Ernennung zum nebenamtlichen Archivar der Stadt Wasserburg a. Inn, ab 1948 übernahm Kirmayer die Leitung des Museums. Josef Kirmayer widmete sich der Orts- und Flurnamenforschung, arbeitete Jahrzehnte an der Chronik der Stadt Wasserburg, heute in 26 Bänden gebunden und wichtiges Nachschlagewerk zur Stadtgeschichte (die unveröffentlichte Handschrift ist öffentlich zugänglich im Stadtarchiv). 1949 Herausgabe des Wasserburger Fremdenführer: Dieser Stadtführer wurde mehrfach nachgedruckt und stellt noch immer die kompakteste und beste Kurz-Informationsschrift über Wasserburgs Häuser, Gassen und Baudenkmäler dar. Josef Kirmayer arbeitete aktiv im Heimatverein und war Schriftleiter der Zeitschrift 'Heimat am Inn'.[1]

Eine kritische Auseinandersetzung mit Josef Kirmayers Rolle(n) während des Nationalsozialismus steht aus. Immerhin war er seit 1933 Mitglied der NSDAP gewesen und hatte u.a. die Funktionen des NS-Kulurobmannes und Kreisschrifttumwartes inne gehabt.[2] Für die Benennung der Straße spielte dies offensichtlich keine Rolle. Der Beschluss des Stadtrats fiel einstimmig, dem Protokoll ist keine Begründung für die Ehrung der Person zu entnehmen, außer dass dieser Heimatpfleger und Archivar gewesen sei.[3]

Empfohlene Zitierweise:
Matthias Haupt, Josef-Kirmayer-Straße, publiziert am 06.06.2019; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Josef-Kirmayer-Stra%C3%9Fe (15.06.2019)


  1. Haupt, Straßennamen, 45.
  2. Haupt, DP-Camps, 131-132.
  3. Einstimmiger Beschluss des Stadtrats vom 24.1.1991, StadtA Wasserburg a. Inn, III1299.