Wappen und Siegel der Stadt Wasserburg

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Autor: Daniel Rittenauer

Wappen und Siegel der Stadt Wasserburg

Einführung

Die frühesten Darstellungen mittelalterlichen Wappen sind in der Regel auf Siegeln überliefert.[1] Der Beginn städtischer Siegel liegt im frühen 12. Jahrhundert; die ältesten Stadtsiegel im westeuropäischen Raum finden sich bei den Bischofsstädten am Rhein. Die Siegelführung durch Städte verbreitet sich im Folgenden rasch. Zu den häufigsten Symbolen, die sich auf frühen städtischen Siegeln fanden, zählen Stadtabbreviatur, Heilige und sprechende Figuren.

Der steigende, gekrönte Löwe erscheint erstmals auf einem Siegelabdruck aus dem Jahr 1292.

Wasserburg am Inn gehört hingegen zu den wenigen Städten, die im 13. bzw. frühen 14. Jahrhundert einen Löwen als Wappentier führten. Der steigende, gekrönte Löwe im Wasserburger Wappen ist erstmals auf einem Siegelabdruck aus dem Jahr 1292 überliefert, dessen Entstehung für die Mitte des 13. Jahrhunderts angenommen wird.[2] Farbige Darstellungen des Wappens existieren ungefähr ab dem 14. / 15. Jahrhundert; sie sind hauptsächlich in Rot und Silber gehalten. Als sicher darf angenommen werden, dass der Löwe, der ab dem 12. Jahrhundert zum beliebtesten Wappentier innerhalb des europäischen Adels wurde , von einem Adelsgeschlecht übernommen worden ist. In Frage kommen hierbei zum einen die Grafen von Wasserburg, zum anderen die bayerischen Herzöge aus der Familie der Wittelsbacher, die 1229 erstmals einen Löwen in ihrem Herzogssiegel führten, der auf ihre Verbindung mit den Pfalzgrafen bei Rhein zurückgeht.

Es soll bereits an dieser Stelle vorab festgestellt werden, dass der Löwe im Wappen der Stadt Wasserburg wittelsbachischer Herkunft ist. Allerdings bringt diese Zuweisung auch klärungsbedürftige Probleme mit sich, zu deren Lösung im Folgenden ein Beitrag geleistet werden soll. Vor allem stellt das Wasserburger Stadtwappen für seine Zeit eine bemerkenswerte Singularität unter den wittelsbachisch-bayerischen Städten dar: Keine andere Stadt im Herzogtum Bayern, für die in der Zeit, aus der das erste Wasserburger Siegel überliefert ist, führte darin ausschließlich einen Löwen. Wenn im 13. Jahrhundert die landesherrliche Zugehörigkeit in kommunalen Siegeln bzw. Wappen zum Ausdruck kam – und das war noch nicht häufig der Fall –, so erfolgte dies bevorzugt durch die bogischen Wecken. Lediglich Rain am Lech und wahrscheinlich auch Schrobenhausen führten – allerdings in Verbindung mit den Wecken – den pfälzischen Löwen in ihren Siegeln, die für die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert überliefert sind. In späteren Wappendarstellungen folgen diese Städte schließlich – anders als Wasserburg – der Tingierung des pfälzischen Löwen (Gold und schwarz sowie rot). Eine besondere Notwendigkeit, den Löwen im Stadtwappen von Wasserburg zur besseren Unterscheidung von Wappen anderer Städte in anderen Farben als den pfälzischen zu gestalten, lag wegen nicht bestehender Verwechslungsgefahr eigentlich nicht vor.

Die Grafen von Wasserburg

Diese Gründe, die Anlass geben, eine wittelsbachische Herkunft des Wasserburger Löwen zur Disposition zu stellen, führen zur Frage, inwieweit eine Herleitung des heraldischen Symbols von den Grafen von Wasserburg in Betracht gezogen werden kann. Zwar ist diese Möglichkeit nicht sehr wahrscheinlich, sie soll hier aber trotz allem diskutiert werden, auch weil dadurch die Rezeptionsgeschichte des Wasserburger Wappens miterfasst wird.

Die Grafen von Wasserburg stellten eines jener Adelsgeschlechter in Bayern dar, die im Laufe des 12. Jahrhundert erloschen, während ihre Güter auf die ein oder andere Weise dem Herzog anheimfielen.[3] Im Falle der Wasserburger war ursprünglich vorgesehen, dass die Besitzungen des letzten ihres Geschlechtes, Graf Konrad als Erbschaft auf die Wittelsbacher übergehen sollte. Konrad setzte Herzog Otto II. als Erben ein, ehe es zwischen den beiden Vettern – Konrads Mutter war die Tochter des ersten wittelsbachischen Herzogs von Bayern, Otto I. – im Kontext des Konflikts zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Innozenz IV. zum Zerwürfnis kam: War Konrad von Wasserburg bis 1246 Verbündeter des bayerischen Herzogs, den er in seinen Auseinandersetzungen gegen den Andechsern oder den Grafen von Falkenstein unterstützte, standen sie seit dem Wechsel Ottos II. in das staufische Lager auf unterschiedlichen Seiten. Die Aufnahme des päpstlichen Legaten Albert Beham in Wasserburg führte 1247 schließlich dazu, dass der bayerische Herzog militärisch gegen Graf Konrad vorging. Der ältere Sohn Ottos II., der nachmalige Herzog Ludwig II., belagerte Wasserburg mehrere Monate lang und konnte es im November 1247 schließlich erobern. Graf Konrad floh aus der Stadt und verstarb zwölf Jahre später, seine Besitzungen gingen auf den bayerischen Herzog über.

1790 leitete Franz Sebastian Meidinger die Herkunft des Löwen im Wasserburger Stadtwappen in seiner "Historischen Beschreibung verschiedener Städte und Märkte der kurfürstlich pfalzbaierischen Rentämter" von den Grafen von Wasserburg ab.[4] Dieser Annahme folgen in der ersten ausführlicheren Untersuchung zum Stadtwappen der Wasserburger Stadtschreiber Zweckstetter 1812,[5] im Jahr 1835 auch sein Amtsnachfolger Joseph Heiserer,[6] ferner 1912 der bedeutende Heraldiker Otto Hupp.[7] Maßgebliche Quelle für diese Annahme war dabei das Hochgrab der Grafen von Wasserburg im von ihnen im Verlauf des ersten Drittel des 12. Jahrhunderts wiederhergestellten Kloster Attel , auf dem u.a. ein Schild mit einem gekrönten Löwen zu sehen ist.[8] Wie Zweckstetter Behauptung, das Wasserburger Stadtwappen wäre der Stadt von den Grafen von Wasserburg gleich nach der Gründung der Stadt zu Beginn des 12. Jahrhunderts verliehen worden, ist auch eine Beweisführung auf Grundlage des Stiftergrabes in Attel nicht haltbar, denn dieses stammt in seinem Zustand wie es den Zeitgenossen im 19. Jahrhundert begegnete nicht aus dem Hochmittelalter, sondern entstand in dieser Form erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Vollendet wurde es von dem in Wasserburg ansässigen Bildhauer Wolfgang Leb im Jahr 1509,[9] wobei Philip Maria Halm in seiner Studie zur süddeutschen Plastik aufgrund der eher geringen Qualität des Atteler Stiftergrabes davon ausgeht, dass Lebs Gesamtanteil daran eher gering einzuschätzen sei.[10]

Wasserburger Stadtwappen (links) auf dem Stiftergrab in Attel.

In seinem kunsthistorischen Wert von weitaus größerer Bedeutung ist hingegen das neun Jahre zuvor von Leb geschaffene Stiftergrab im Benediktinerkloster Ebersberg, das Graf Ulrich von Ebersberg (gest. 1029) und seiner Gemahlin Richardis von Kärnten (gest. 1013) gedenken soll. Entscheidend für unseren Forschungsgegenstand sind die dort angebrachten Wappenschilde, die nicht den beiden Stiftern zugeschrieben werden können, die sie repräsentieren sollen: Die Grafen von Ebersberg erloschen gut ein halbes Jahrhundert ehe das Wappenwesen aufkam, das Wappen Richardis von Kärnten ist zwar tatsächlich das Wappen Kärntens, wurde in dieser Form – Löwen und österreichisch-habsburgisches Bindenschild – aber erst ab dem 13. Jahrhundert geführt. Historische Authenzität ist im Falle der Wappen auf dem Ebersberger Stiftergrabes also nicht gegeben und es ist naheliegend, dass sich dieser Befund auf das Stiftergrab in Attel übertragen lässt. Aber auch ungeachtet dieser Annahme, ist die Wahrscheinlichkeit, die Erschaffer des neuen Stiftergrabes in Attel hätten sich auf bis dato bestehende Vorlagen orientiert, gering. Wappengrabsteine – vor allem in Verbindung mit Kreuzen – lassen sich zwar grundsätzlich schon im 13. Jahrhundert nachweisen, allerdings nur in sehr geringer Anzahl;[11] erst ab dem 14. Jahrhundert – also ein halbes Jahrhundert nach dem Tod des letzten Wasserburgers und gut 150 Jahre nach dem Ableben des darin beigesetzten Stifters Engelbert – finden sich Wappen in einer immer größer werden Zahl auf Gräbern.

Immerhin kann aber anhand der Gestaltung des Atteler Stiftergrabes festgehalten werden, dass bereits um 1500 der Löwe im Wasserburger Stadtwappen für das Wappentier der Grafen von Wasserburg gehalten wurde.[12]

Gegen diese frühneuzeitliche Annahme sprechen freilich die zu den Grafen von Wasserburg überlieferten Wappendarstellungen auf Reitersiegeln des 12. und vor allem des 13. Jahrhunderts . In den staatlichen Archiven sind über 25 Siegel der Grafen von Wasserburg überliefert, von denen die überwiegende Mehrzahl allerdings stark beschädigt und unkenntlich ist. Auf denjenigen Reitersiegeln auf Urkunden der Grafen Dietrich (gest. ca. 1206) und Konrads, auf denen das Schild des Reiters erhalten ist, lassen sich folgende zwei Motive erkennen, die parallel zueinander geführt wurden: 1203,[13] ca. 1226,[14] 1233,[15] 1235 (?),[16] 1246[17] ein Schrägbalken. 1204,[18] 1234,[19] 1242,[20] 1244[21] Rauten; diese bedecken ursprünglich (wie auf dem Schild 1204) den kompletten Schild, reduzieren sich auf den folgenden Siegeln aber auf drei Rauten, die sich mittig im Schild befinden.

Ein Löwe ist in diesen bis zum vorletzten Jahr der Herrschaft der Grafen von Wasserburg über die gleichnamige Stadt am Inn überlieferten Siegeln hingegen nicht enthalten. Trotz allem soll die unwahrscheinliche Möglichkeit, dass der letzte Graf von Wasserburg vielleicht doch einen Löwen als Wappentier führte nicht völlig ausgeschlossen werden. Generell war gerade in seiner Frühzeit das Wappenwesen noch stark im Fluss und erst allmählich trat eine Verstetigung ein. Dass Adelsgeschlechter ihre Wappenbilder wiederholt wechselten oder ergänzten, war keine Seltenheit.[22] Dass die Grafen von Wasserburg neben den oben angeführten Wappenbildern noch einen Löwen als Wappentier geführt haben könnten, ist zwar unwahrscheinlich, wäre aber für ein Adelsgeschlecht wie die Wasserburger nicht gänzlich abwegig: Der Löwe war mit Abstand das beliebteste Wappentier des europäischen Adels, bemerkenswert erscheint zudem die in der Forschung aufgestellte Beobachtung, dass die Einbringung des Löwen in das Wappen oft auch als Ausdruck antikaiserlicher Position gedeutet werden konnte –[23] wie sie ja auch beim letzten Wasserburger gegeben war.

Sollte Graf Konrad von Wasserburg tatsächlich in seiner späten Herrschaftszeit noch einen Löwen in sein Wappen eingebracht und diesen zugleich der Stadt Wasserburg als Wappen verliehen haben, wäre schließlich noch danach zu fragen, ob die seit 1247 über Wasserburg herrschenden wittelsbachischen Herzöge, der Stadt tatsächlich gestattet hätten, weiterhin dieses Wappen in ihrem Siegel zu führen. Und auch hier lässt sich keine ganz sichere Einschätzung fällen: Einerseits war es nicht unüblich, dass sich Herrschaftswechsel in Städten auch in deren Siegeln und Wappen niederschlugen.[24] Andererseits waren die Wittelsbacher nicht nur Eroberer Wasserburgs, sondern auch die mehr oder weniger rechtmäßige Erben der wasserburgischen Besitzungen und für diesen Fall ist – z.B. bei den Grafen von Bogen oder der Grafen von Spanheim-Ortenburg – zu beobachten, dass die Wittelsbacher Wappenbilder ‚miterbten‘.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass gegen die Herleitung des Löwen im Wasserburger Stadtwappen von den Grafen von Wasserburg zahlreiche Argumente sprechen, die es naheliegender erscheinen lassen, seine Herkunft eher bei den seit 1247 in Wasserburg herrschenden bayerischen Herzögen zu suchen.

Wasserburg unter wittelsbachischer Herrschaft

Aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, als Wasserburg in Besitz der bayerischen Herzöge überging , sind verschiedene Wappenembleme der Wittelsbacher überliefert, die teilweise nebeneinander geführt wurden, teilweise aneinander ablösten:[25] Als früheste Embleme der Wittelsbacher, die bereits im 12. Jahrhundert in Erscheinung traten, dann aber in den Hintergrund gerieten, sind zunächst ein Adler, der als Zeichen des von ihnen bekleideten Pfalzgrafenamtes gedeutet wird, sowie ein „Zickzackbalken“ zu nennen. Ein Löwe erscheint auf einem bayerischen Herzogssiegel erstmals 1229. Es gehörte dem seit 1231 als Herzog amtierenden Otto II. (gest. 1253), der 1222 Agnes von der Pfalz geehelicht hatte und 1227 nach dem Tod seines Schwiegervaters Amt und Besitz der Pfalzgrafen bei Rhein übernahm. Die Wecken gelangten zusammen mit dem Erbe der Grafen von Bogen in das Wappen der Wittelsbacher und begegnen erstmals auf einem Siegel Ludwigs II. (reg. 1253-1294) im Jahr 1247. 1259 erscheint ferner der Spanheimer Panther auf einem Reitersiegel Heinrichs XIII. (reg. 1253-1290), der zeitweise bis ins 14. Jahrhundert hinein ebenfalls in den Wappenemblemen der bayerischen Herzöge Verwendung fand. Die zentralen Zeichen des Hauses Wittelsbach sollten aber die Wecken und der Löwe werden. Beide waren keine exklusiven Wappenembleme für die verschiedenen Linien der Wittelsbacher, in die sich das Geschlecht im Laufe der Jahrhunderte aufteilen sollte und auch nicht fest mit definierten geographischen Räumen verbunden.[26] So findet sich beispielsweise der Löwe für einen sehr viel längeren Zeitraum (ab 1259) auf Siegeln Herzog Heinrichs XIII. von Niederbayern als auf solchen seines Bruders Ludwig II. von Oberbayern (ab 1290), obwohl die Pfalz, woher der Löwe im Wappen der Wittelsbacher seinen Ursprung hatte, zu seiner Herrschaftssphäre zählte, während sich Heinrich eher nach Osten hin ausrichtete.[27] Durch die fehlende Reglementierung der Wappenführung der Wittelsbacher im 13. Jahrhundert wird eine Analyse der Ursprünge des Wasserburger Stadtwappens zwar nicht unbedingt erleichtert, doch wird man gestützt auf nachfolgenden Annahmen und Überlegungen wohl nicht gänzlich mit der Behauptung fehl gehen, dass es Herzog Otto II. war, der der Stadt Wasserburg das den Löwen beinhaltende Stadtwappen verlieh. Diese Annahme würde es auch erlauben, den Entstehungszeitraum des Wasserburger Wappens relativ genau einzugrenzen, nämlich zwischen Ende 1247 (Einnahme der Stadt Wasserburg durch den bayerischen Herzog) und 1253 (Tod Herzog Ottos II.), wobei ein früherer Zeitpunkt in diesem Zeitkorridor wahrscheinlicher sein dürfte. Als Urheber des Wasserburger Stadtwappens könnte aber auch Ottos ältester Sohn, Ludwig II., vermutet werden, der einerseits die Stadt 1247 nach mehrmonatiger Belagerung im Auftrag seines Vaters eroberte, andererseits zwischen 1255 und 1262 verhältnismäßig oft in Wasserburg nachzuweisen ist, bestimmte er die Stadt an der Innschleife doch als Unterbringungsort seines Neffen und Mündels Konradin (1252-1268), der nicht nur Prätendent auf das Erbe der Staufer in Schwaben und Italien, sondern auch potentieller Anwärter auf die Königs- und Kaiserkrone war.[28] Allerdings bediente sich Ludwig II. in seinen Siegeln vor allem der von ihm 1247 erstmals eingeführten bogischen Wecken während der Löwe erst ab 1289 in seinen Reitersiegeln zu finden sind; zu einer Zeit, für die dem Herzog keine engeren Verbindungen zu Wasserburg mehr nachgewiesen können.[29] Darüber hinaus lässt sich – freilich auch quellenbedingt – in der Amtszeit Herzog Ludwigs II. kein unmittelbarer Anlass für die Verleihung eines Wappens an die Stadt Wasserburg erkennen – wohl aber in der seines Vaters. Der neue wittelsbachische Stadtherr bestätigte bald nach der Eroberung der Stadt zumindest das noch unter Graf Konrad III. verliehene Wasserburger Stadtrecht (wenn er es nicht noch erweiterte) und trieb den Ausbau der prosperierenden Stadt voran (z.B. Bau des Rathauses um 1250; Errichtung der romanischen Bürgerkirche bis 1255).[30] Dass es besonders im Zusammenhang mit Stadtwerdungsprozessen – wenn auch nicht zwangsläufig – zu Verleihungen von Stadtwappen kam, ist allgemein bekannt[31] und dürfte auch für Wasserburg zutreffen. Das beantwortet freilich immer noch nicht, wieso der Löwe als Wappentier Verwendung fand. Andere, etwa sprechende, Motive wären für eine Stadt mit dem Namen „Wasserburg“ nicht nur naheliegender, sondern für den bayerischen Raum in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auch gebräuchlicher gewesen (vgl. etwa Pfaffenhofen an der Ilm mit dem sprechenden Pfaffen im Wappen oder das Wappen von Kelheim, auf dem neben einem Rautenschild, eine Torburg und davor die Donau repräsentierenden Wellen zu finden sind). Erklärt werden kann die Verleihung des Wappentiers Herzog Ottos II. an die Stadt Wasserburg am besten dadurch, dass der neue Stadtherr seine Ansprüche auf die 1247 eroberte Stadt durch dieses Wappen unterstrich, was durch den Umstand, dass ihr vormaliger Besitzer, Graf Konrad von Wasserburg, noch bis 1259 lebte und unterstützt von Papst Innozenz IV. vergeblich das ihm entzogene Eigentum zurückverlangte,[32] durchaus von Relevanz gewesen sein dürfte. Bekannter sind solche Fälle, in denen bei Herrschaftswechseln bestehende Wappen – oder auch nur einzelne Motive darin – den neuen Verhältnissen angepasst werden.[33] Es kann freilich nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass auch im Falle Wasserburg das neue Löwenwappen ein bereits vor 1247 bestehendes Wappen, von dem nichts bekannt ist, ersetzt hat, eher tendiere ich aber zu der Annahme, dass das von Otto II. verliehene Wappen mit dem Löwen, das erste Wappen der Stadt Wasserburg war.

Einordnung

Für die Zeit nach dem Tod Herzog Ottos II. 1253 lassen sich im bayerisch-wittelsbachischen Herrschaftsgebiet nicht nur vermehrt Wappen auf städtischen Siegeln nachweisen, auch trat mit den bogischen Wecken ein neues Element hinzu, das sich in den Wappen zahlreicher landesherrlicher Städte fand, oft und gern in Verbindung mit dem pfälzischen Löwen. Dass diese Kombination im Wappen der Stadt Wasserburg noch nicht auftritt, sondern dort allein ein Löwe vorzufinden ist, deutet darauf hin, dass Wasserburg sein Stadtwappen nicht durch Ludwig II., sondern durch dessen Vater, Otto II., vermutlich bald nach der Einnahme der Stadt erhielt, also zwischen 1247 und 1253. Trifft dieser Datierungsvorschlag zu, der freilich nicht vollkommen neu , in der vorliegenden Untersuchung aber mit zusätzlichen Argumenten untermauert worden ist, so gehört das Wasserburger Stadtwappen zu den ältesten Wappen im bayerisch-süddeutschen Raum: Älter oder ähnlichen Alters sind nach gegenwärtigem Forschungsstand im südbayerischen Raum lediglich Wappen von Bischofs- oder Reichsstädten wie Augsburg, Nördlingen oder Regensburg bzw. unter den landesherrlichen Städten nur München (Mönch, belegt ab 1239) und Reichenhall (Gotteslamm mit Fahne bis vor 1300, dann Wecken und Spanheimheimer Panther). Ebenfalls erlauben es die hier angestellten Überlegungen aber auch, den terminus post quem von Wappen bayerischer Städte, in denen bogische Wecken (in Kombination mit dem Löwen) zu finden sind und deren Entstehung grob ins 13. Jahrhundert datiert wird (z.B. Rain am Lech,[34] aber auch Neustadt an der Weinstraße[35]), zumindest ein wenig näher einzugrenzen, indem diese nach dem Tod Herzog Ottos II. 1253, entsprechend erst für dessen Nachfolger, anzusetzen sind.

Siegel wittelsbachischer Städte, auf denen wie im Falle Wasserburgs allein der Löwe auftritt, finden sich im Verlauf des weiteren 13. Jahrhunderts schließlich in der Pfalz: Wiesloch führte zwischen 1299 und 1369 nur den Löwen im Siegel. Im 1277 von König Rudolf zur Stadt erhobenem Alzey bestanden zwei Siegel nebenher; das eine zeigt eine Fidel und erscheint in Siegeln der Truchsessen und der Winter von Alzey, das andere den Löwen der Wittelsbacher, die mit dem lokalen Adel um die Stadtherrschaft rangen.[36] Hier mag sich auf kommunaler Ebene eine gewisse regionale Verdichtung des (im Laufe der Zeit immer mehr zum „pfälzischen“ werdenden) Löwen angebahnt haben, wie das zumindest auch partiell im Niederbayerischen mit dem Spanheimer Panther zu beobachten ist (Eggenfelden, Reichenhall, Vilsbiburg).[37]

Tingierung (Farbgebung)

Zeichnerische Darstellung des Wasserburger Löwens auf einem Glasfenster am Wasserburger Rathaus aus dem Spätmittelalter.

Die seit dem Spätmittelalter überlieferten Leitfarben des Wasserburger Stadtwappens, die heute auch die Stadtfarben Wasserburgs bilden, sind rot und weiß (heraldisch: Silber). Erstmals in Farbe ist das Wasserburg Stadtwappen auf einem Glasfenster am Rathaus, das ungefähr im 14. oder 15. Jahrhundert entstanden ist.[38] Neben diesen beiden Farben ist in Wappendarstellungen der frühen Neuzeit darüber hinaus ferner noch die Farbe Gold zu finden [39] Bemerkenswerterweise haben ferner auch mehrere Siegelschnüre, die an Siegeln der Grafen von Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert überliefert sind und bei denen sich Farbigkeit erhalten hat, ebenfalls die Farbkombination Rot und Gold.[40] Es würde beim gegenwärtigen Forschungsstand zu weit führen,[41] zu behaupten, dass es sich dabei möglicherweise um die Farben der Grafen von Wasserburg gehandelt haben mag. Auffällig bleibt dieser Befund dennoch und es soll nicht ausgeschlossen werden, dass sich Zeitgenossen, die sich in der frühen Neuzeit mit dem Wasserburger Stadtwappen befassten, davon inspirieren haben lassen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Farben Silber und Rot auf jeden Fall von der angeblichen Tingierung des Wappens der Wasserburger abgeleitet, nämlich rote Rauten auf silbernem Feld.[42] Bedenkenswert erscheint dabei, dass sollte der Wasserburger Löwe tatsächlich, wie oben dargestellt, ursprünglich ein pfälzischer gewesen sein, eine Tingierung in Gold und Schwarz erwarten werden müsste, wie sie seit 1260 für belegt ist.[43] Eine Notwendigkeit, das Wasserburger Stadtwappen mit seinem Löwen durch die Farbgebung rot und weiß von anderen Stadtwappen besonders zu unterscheiden, bestand angesichts des bereits dargestellten Umstandes, dass das Wasserburger Wappen für seine Zeit und seinen Raum eine Einzelerscheinung darstellte, eigentlich nicht.

Weitere Entwicklung seit der Frühen Neuzeit

Wappen der Stadt Wasserburg, gezeichnet von Otto Hupp im Jahr 1936.

An Form und Gestalt des seit Mitte des 13. Jahrhunderts geführten Siegels der Stadt Wasserbug änderte sich im Grundsatz bis auf den heutigen Tag nichts. Die gegenwärtige Darstellung des Wasserburger Stadtwappens, die 1936 anlässlich der 800. Jahrfeier durch Otto Hupp angefertigt wurde, folgt dem mittelalterlichen Original in all seinen Elementen.[44] Gleichsam traten im Laufe der Jahrhunderte immer wieder unterschiedliche Varianten des Wasserburger Stadtwappens auf, über deren Sinngehalt sich allerdings nur Mutmaßungen anstellen lassen und die - zumindest dem heutigen Wissensstand nach - wohl auch eher als Ausdruck künstlerischer Freiheit oder infolge von Irrtümern angesehen mögen werden.[45] So ist auf Aventins Karte von 1523 der Schweif des Wasserburger Löwen golden; im so genannten Hofkleiderbuch der bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Albrecht V. aus dem 16. Jahrhundert einerseits in einer Einzeldarstellung des Wasserburger Stadtwappens ein goldenes Band um den Hals des Wasserburger Löwen, andererseits wird zu Beginn des Buches das 'normale' Wasserburger Stadtwappen gebraucht, das neben den Wappen anderer bayerischer Städte steht[46]. Langfristig etablieren konnten sich diese Varianten neben dem "offiziellen" Löwen, wie er erstmals 1292 überliefert ist, nicht.

Empfohlene Zitierweise:
Daniel Rittenauer, Wappen und Siegel der Stadt Wasserburg, publiziert am 01.04.2019; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Wappen_und_Siegel_der_Stadt_Wasserburg (15.11.2019)


  1. Vgl. im Folgenden Toni Diederich, Städtische Siegelführung im Mittelalter, in: Klaus Fink/Wilhelm Jansen (Hg.), Grundherrschaft und Stadtentstehung am Niederrhein. Referate der 6. Niederrhein-Tagung des Arbeitskreises Niederrheinischer Kommunalarchivare für Regionalgeschichte (24.-25. Februar 1989 in Kleve) (Klever Archiv 9), 1989, 79-98. Alois Niederstätter, Das Stadtsiegel. Medium kommunaler Selbstdarstellung. Eine Annäherung anhand von Beispielen aus dem habsburgisch-österreichischen Alpen- und Donauraum, in: Ferdinand Opll (Hg.), Bild und Wahrnehmung der Stadt (Beiträge zur Geschichte der Städte Mitteleuropas 19), 2004, 143-153. Wilfried Schöntag, Kommunale Siegel und Wappen in Südwestdeutschland. Ihre Bildersprache vom 12. bis zum 20. Jahrhundert, 2010.
  2. Allgemeine Informationen zum Wappen der Stadt Wasserburg, wie auch zu anderen Wappen bayerischer Kommunen wurden der beim Haus der Bayerischen Geschichte angesiedelten Datenbank https://www.hdbg.eu/gemeinden/web entnommen.
  3. Siehe zu den Grafen von Wasserburg Elisabeth Noichl, Die Grafen von Wasserbug, in: Heimat am Inn 10 (1990), 5-39. Johannes Lang, Geschichte von Bad Reichenhall, 2009, 100-106. Vgl. Andreas Kraus, Grundlegung und Aufbau 1180-1314, in: Ders. (Hg.), Handbuch der Bayerischen Geschichte, Bd. 2, 1988, 42-53.
  4. Franz Sebastian Meidinger, Historische Beschreibung verschiedener Städte und Märkte der kurfürstlich pfalzbaierischen Rentämter, Bd. 1: München, Burghausen, 360.
  5. Zweckstetter: Nachrichten über das Gemeinde- und Stiftungs-Wappen zu Wasserburg, 1818, StadtA Wasserburg a. Inn, II-1341 (=II. Alte Registratur, Akten, Stadtmagistrat Wasserburg: Die Insiegel und Wappen der Stadt Wasserburg am Inn, 1818-1936).
  6. Joseph Heiserer: Nachrichten über das Gemeinde- und Stiftungs-Wappen der Stadt Wasserburg, 1835, ebd.
  7. Otto Hupp, Die Wappen und Siegel der deutschen Staedte und Doerfer, Bd. 6, 2 Königreich Bayern, 1912, 64 f. Vgl. zu Hupp Hans-Enno Korn/Christa Schmeißer, Otto Hupp. Meister der Wappenkunst, 1859 – 1949. Ausstellung des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, München, 6. Dezember 1984-3. Februar 1985 (Ausstellungskataloge der Staatlichen Archive in Bayern 19), 1985, 82. Otto Böcher, Leben und Werk des Heraldikers Otto Hupp (1859 - 1949), in: Der Herold 15 (1996), 1-33.
  8. Heiserer (wie Anm. 8) deutet die am Stiftergrab angebrachten Wappen als Symbole zur Darstellung der gräflichen Besitzungen. Darüber hinaus weist er darauf hin, dass sich Wappen, die dem Wasserburger Stadtwappen gleichen, zudem auf mehreren Urkunden des Klosters Attels befinden sollen; diese habe er allerdings nicht einsehen können.
  9. Lothar Altmann, Pfarrkirche St. Attel am Inn (Kleine Kunstführer 13), 2. Auflage 2014 16. Siehe zu Leb Volker Liedke, "Leb, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985).
  10. Philipp Maria Halm, Studien zur süddeutschen Plastik. Altbayern und Schwaben, Tirol und Salzburg, Bd. 1, 1926, 139-176.
  11. Ernst Borgwardt, Die Typen des mittelalterlichen Grabmals in Deutschland, 1939, 33. Eines der frühesten Wappengräber findet sich auf dem Grabmal des 1204 verstorbenen Dietmar von Ayst in Kloster Aldersbach, Klaus-Ulrich Högg, Die Grabinschriften des Klosters Aldersbach in der originalen und kopialen Überlieferung, in: Ars Bavarica 86 (2003), 43-157, hier 123.
  12. Folgt man Halms These (wie Anm. 12), die Mehrzahl der Tumben stammten nicht von Leb (, der nur die südliche Tumbe gefertigt habe), sondern wurden möglicherweise durch den (ebenfalls in Wasserburg tätigen) Meisters des Rotter Stiftergrabes in den 1480er Jahren geschaffen, so kann man diese Feststellung zeitlich noch etwas früher ansetzen.
  13. BayHStA, Urkunden Attel 9.
  14. BayHStA, Urkunden Kurbayern 17930.
  15. BayHStA, Urkunden Rott am Inn 24.
  16. BayHStA, Urkunden Altenhohenau 1.
  17. BayHStA, Urkunden Raitenhaslach 76.
  18. BayHStA, Urkunden Attel 10.
  19. BayHStA, Urkunden Attel 16.
  20. BayHStA, Urkunden Altenhohenau 8.
  21. BayHStA, Urkunden Altenhohenau 9 und Urkunden St. Zeno 29.
  22. Vgl. z.B. unten "Wasserburg unter wittelsbachischer Herrschaft"
  23. Georg Scheibelreiter, Wappen im Mittelalter, 2014, 166.
  24. Vgl. Toni Diederich, Grundzüge des Siegelwesens im ausgehenden 13. Jahrhundert, in: Werner Schäfke (Hg.), Der Name der Freiheit 1288 - 1988. Aspekte Kölner Geschichte von Worringen bis heute. Handbuch zur Ausstellung d. Köln. Stadtmuseums in d. Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln, 29.1.1988 - 1.5.1988, 1988, 83-104, hier 90 ff. Anderen Fälle wittelsbachischer Stadteroberungen aus der Mitte des 13. Jh. (so die ortenburgische Stadt Vilshofen sowie die andechs-meranischen Orte Wolfratshausen, Starnberg und Delling) können nicht zum Vergleich herangezogen werden, da die Siegel- bzw. Wappenführung dort erst seit dem 15. Jh. oder noch später einsetzt.
  25. Wilhelm Volkert, Die Bilder in den Wappen der Wittelsbacher, in: Hubert Glaser (Hg.), Die Zeit der frühen Herzöge. Von Otto I. zu Ludwig dem Bayern. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst 1180-1350 (Wittelsbach und Bayern I/1), München 1980, 13-28.
  26. Vgl. Harald Drös, Löwe, Rauten, roter Schild. Zum Wappen der pfälzischen Wittelsbacher im Spätmittelalter, in: Der Griff nach der Krone. Die Pfalzgrafschaft bei Rhein im Mittelalter. Begleitpublikation zur Ausstellung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und des Generallandesarchivs Karlsruhe, 2000, 100-117, hier 107.
  27. Karl Primbs, Siegel der Wittelsbacher in Bayern bis auf Max III. Joseph, in: Archivalische Zeitschrift 2 (1891), 13. Siegfried Hofmann, Urkundenwesen, Kanzlei und Regierungssystem der Herzoge von Bayern und Pfalzgrafen bei Rhein von 1180/1214 bis 1255/1294 (Münchener historische Studien. Abt. Geschichtliche Hilfswissenschaften 3), 1967, 137-139. Ludwig Schnurrer, Urkundenwesen, Kanzlei und Regierungssystem (Münchener historische Studien. Abt. Geschichtliche Hilfswissenschaften 8), 1972, 35-36.
  28. Hans Inninger, Konradin der letzte Hohenstaufer – Seine Kindheit in Wasserburg am Inn und sein tragisches Ende in Italien, 7-40. Hofmann, Urkundenwesen, 220-282.
  29. Ludwig II. lässt sich nach dem Weggang Konradins aus Wasserburg nur noch dreimal in Wasserburg belegen, nämlich 1263, 1273 und zuletzt 1280, Hofmann, Urkundenwesen, 137-139, 220-282.
  30. Vgl. Erich Keyser/Heinz Stoob (Hg.), Bayerisches Städtebuch, Bd. 2, 1974, 718 ff. Tertulina Burkhard, Landgericht Wasserburg und Kling (Historischer Atlas Bayern), 1965, 167-168. Martin Geiger, Wasserburg am Inn. Ein historischer Aufriß (Heimat am Inn 1), 16-18.
  31. Vgl. Schöntag, 21.
  32. Noichl, Grafen von Wasserbug, 26
  33. Schöntag, Kommunale Siegel, 141-148.
  34. Vgl. Reinhard Heydenreuther, Rechtsgeschichte der Stadt Rain am Lech, in: Rain am Lech im Mittelalter, 2007, 118-156, hier 118.
  35. Vgl. Joachim Dahlhaus, Zu den ältesten Siegeln der Städte Heidelberg und Neustadt an der Weinstraße, in: Hansmartin Schwarzmaier/Eugen Reinhard/Fred L. Sepaintner (Hg.), Aus Landesgesschichte und Landeskunde. Festschrift für Meinrad Schaab, 1999, 113-145, bes. 127-131, wobei die dort postulierte Entstehung des Neustädter Siegels vor dem Tod Ottos II. als Ausdruck einer gemeinsamen Beteiligung Ottos II. und Ludwigs II. bei der Gründung von Neustadt aus oben angeführten Gründen abzulehnen ist.
  36. Vgl. Klemens Stadler, Deutsche Wappen, Bd. 2. Die Gemeindewappen von Rheinland-Pfalz und Saarland. Bremen, Hamburg, Westberlin, 1966, 13. Georg Friedrich Böhn, Die Alzeyer Stadtrechtsverleihung von 1277 in territorialgeschichtlicher Sicht, in: Friedrich Karl Becker (Hg.), 1750 Jahre Alzey. Festschrift (Alzeyer Geschichtsblätter 6), 1973, 141-151.
  37. Vgl. Klemens Stadler, Die Wappen der niederbayerischen Landkreise und Gemeinden, 1960, 25. Diese Entwicklung näher zu verfolgen, wäre aber Gegenstand einer anderen Untersuchung.
  38. Otto Titan von Hefner, Heraldisches Original-Musterbuch für Künstler, Bauleute, Siegelstecher, Wappenmaler, Bildhaer, Steinmetzen etc., München u.a. 1863, Tafel 6.
  39. Vgl. Hupp, Königreich Bayern, 64 f.
  40. So BayHStA, Urkunden Attel 9, 16; Urkunden St. Zeno 29; Urkunden Rott am Inn 24, 25; Urkunden Passau Domkapitel 36. Ebenfalls mag diese Farbkombination auch bei der Siegelschnur vom Siegel, das bei Urkunden Raitenhaslach 76 anhängt, vorgelegen haben, allerdings ist hier nur noch die Farbe rot zu erkennen.
  41. Dieser ist nicht sehr weit fortgeschritten. Einzige Spezialuntersuchung aus dem deutschsprachigen Raum, die ermittelt werden konnte, ist Heide Dienst, Identifikatorische Farben in der Diplomatik. Heraldische Farben in Siegelschnüren des 13. Jahrhunderts, in: Ingrid Bennewitz/ Andrea Schindler (Hg.), Farben im Mittelalter, Berlin 2011, Bd. 2, 881-891. Dort macht die Autorin, die exemplarisch Siegelschnüre der Babenberger im 12. und 13. Jahrhundert untersucht, nicht nur auf zahlreiche Probleme aufmerksam, sondern kommt schlussendlich zum Ergebnis, das sich anhand von Farben von Siegelschnüren keine Aussagen über die Tingierung von Wappen von Adelsgeschlechtern oder Ländern herleiten lassen. Eine Verwendung von Siegelschnüren in dieser Bedeutung setzte in der Regel erst in der frühen Neuzeit (15. / 16. Jahrhundert) ein.
  42. Franz Sebastian Meidinger, Historische Beschreibung verschiedener Städte und Märkte der kurfürstlich pfalzbaierischen Rentämter, Bd. 1: München, Burghausen, 360 sowie offenbar darauf basierend Felix Joseph Lipowsky, Grundlinien der theoretisch und praktischen Heraldik nebst heraldisch-historischen Bemerkungen über das bayerische Wappen, 1816, 91.
  43. Stadler, Wappen in Bayern, 125.
  44. Der 1936 in dieser Angelegenheit geführte Briefwechsel zwischen Hupp und der Stadt Wasserburg ist überliefert in BayHStA, NL Otto Hupp 2700 und Stadtarchiv Wasserburg, Registratur, Wappen (1900-1979). Er enthält allerdings keine weiterführenden Hintergrundinformationen zur Neugestaltung des Stadtwappens durch Hupp, für die er 70 RM verlangte.
  45. Vgl. Hupp, Königreich Bayern, 17-26. Ludwig Biewer / Eckart Henning, Wappen. Handbuch der Heraldik, 20. Auflage 2017, 30 f., 174.
  46. BSB, cgm 1952.