Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Autor: Ferdinand Steffan/Redaktion
 

Personen

Paul(us) Fuchshofer (auch Fuxhofer)
Elisabeth Hörmann

Standort

Städtisches Museum (Herrengasse 15), Innenhof, Ostseite

Früherer Standort

Unbekannt, vermutlich an einer der Außenseiten von St. Jakob.

Beschreibung

Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693, Gesamtansicht.
Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693, Detail Inschrift.

Eine schmale Leiste umfasst Bild- und Schriftfeld. Das Bildfeld ist geteilt, rechts begrenzt eine Säule mit Kompositkapitell die Szene, links ist es die Säule einer Altarkonstruktion. Im rechten Feld, das einen Sakralraum mit Rundbogenfenstern im Hintergrund andeutet, kniet das Ehepaar in einer Kirchenbank, im linken Feld ist ein Kruzifix auf einem Altar mit Antependium dargestellt. Ein Rundbogen spannt sich über die beiden Pfeiler, an denen Tücher hängen. Ein Wolkenband hängt von einem Kapitell zum anderen. Das Kreuz auf dem Altar steckt in einem angedeuteten Fels (Golgotha) mit Totengebein. Das ovale Schild mit dem Text ist von üppigem Akanthus-Werk umgeben. In den unteren Ecken die Wappen des Ehepaares in Akanthus-Ranken. Besonders auffallend ist die feine Ausarbeitung der Verstorbenen, was Kleidung und Phyisognomie betrifft, sodass man von Porträts sprechen kann.

Material

Rotmarmor.

Maße

Höhe: 77,5 cm   Breite: 61 cm   Stärke: 11 cm

Transkription/Übersetzung

Inschrift Original
Alda Ligen Begraben Der Ehrnves(t u)nd
Weiße Herr Paüllüs Füxhofer des Eüsser(n Rhat)s
Bürger Und Khisstler al(hie so) den 16. Novembe(r 1693 Dan die)
Ehrntügentsame Fraü Elisabetha Hörman(nin) Dessen
haüsfraü welche den […] in gott (S)eelliglich
entschlaffen Deren Und allen Cristgläubigen Sellen
ein Freliche Aüfersteheüng verleichen welle Amen

Erläuterung

Porträt des Paulus Fuchshofer, 1678.

Der Gedenkstein ist ein Objekt des Städtischen Museums: Museum Wasserburg a. Inn, Inv. Nr. 1480.
Zur Person: Der Geburtsbrief vom 22.5.1647[1] gibt als Geburtsjahr 1620 an, was jedoch nicht mit der Aufschrift auf dem Porträt im Museum[2] übereinstimmt: „Anno 1678 / Paülüß Fuxhofer / seineß Alters 57 / Jahr“, demnach wäre er 1621 geboren.
Der in Salzburg geborene Fuchshofer/Fuxhofer lebte und wirkte ab 1647 in Wasserburg in der Vergessenen Zeile/Färbergasse Nr. 7 als Kistler. Er hat nicht nur an der Fertigstellung des (Zürnschen) Hochaltares von St. Jakob mitgewirkt, sondern auch die Prunkschiffe bayer. Kurfürsten auf Inn und Chiemsee ausgestattet. Erhalten geblieben sind zwei Deckenverkleidungen – eine im Erdgeschoß seines Hauses, die andere wurde in das Bürgermeisterzimmer im Rathaus übertragen.
Die Angabe von W. Ernst[3], dass der Grabstein von Gregor Pichler geschaffen worden sei, lässt sich nicht halten, da er weder vom Stil noch von den Zeitangaben her mit Pichler († ca. 1670) übereinstimmt. Auch dessen Behauptung, Fuchshofer wäre Bildhauer gewesen, ist falsch.[4]
Man wäre geneigt, diesen künstlerisch äußerst feinen Grabstein der Werkstatt Zürn zuzuschreiben, doch ist der hier anässige David Zürn bereits 1666 verstorben, sein Schüler und Nachfolger Gregor Pichler, gest. 1670, weist nicht diese künstlerische Qualität auf. Sebastian Zürn, Sohn von David, führt nur kurzzeitig die Werkstatt und verstirbt schon 1668. Somit verbliebe nur Michael Zürn d. J., ebenfalls Sohn von David, der kurzzeitig in Rosenheim tätig war und 1698 in Passau gestorben ist. Das Fehlen gesicherter Werke von Michael Zürn in ausreichender Zahl für stilistische Vergleiche verbietet weitergehende Spekulationen.

Wappen

Wappen der Fuchshofer – rotes Feld mit schräg linkem Balken in weiß, steigender Fuchs nach rechts. Helm mit gespreizten Schwingen in rot mit weißem Balken, der mit einer Blüte belegt ist (redendes Wappen). Helmdecken weiß-rot. Am Helm gewundenes Band in weiß-rot.
Kleinod frontal ausgerichteter sitzender Fuchs.
Wappen der Hörmann – Mann auf Dreiberg mit Hörrohr in der rechten Hand (redendes Wappen).

Erhaltung

Während der Bildteil nahezu unbeschädigt ist, weist die Inschrift zahlreiche Ausbrüche durch mechanische Beschädigungen auf. Willi Ernst hat stets darauf hingewiesen, dass die im Museum wohnenden Hausmeister beim Holzhacken mit dem Beil den Stein wiederholt getroffen hätten.

Literatur

Ernst, Ausstatter kurfürstlicher Schiffe.


Empfohlene Zitierweise:

Ferdinand Steffan, Grabdenkmal, Nr. 169, Lapidarium, Fuchshofer, 1693, publiziert am 19.05.2021 [=Tag der letzten Änderung(en) an dieser Seite]; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Grabdenkmal,_Nr._169,_Lapidarium,_Fuchshofer,_1693 (21.06.2021)
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