Franz Baumann

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Autor: Robert Obermayr

Kurzbiografie Franz Baumann
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Lebensdaten

Franz Baumann, 1930er Jahre.

Franz Baumann, * 1. Dezember 1896 in Berchtesgaden[1], † 18. April 1963 in Haag in Oberbayern.[2]

Wirken in der NS-Zeit

Franz Baumann war in der Zeit von 25. Juni 1937[3] bis 9. Mai 1945[4] Bürgermeister der Stadt Wasserburg am Inn. Seiner Ernennung zum Bürgermeister ging keine Wahl voraus, sondern sie erfolgte, wie damals üblich, auf Vorschlag des NSDAP-Kreisleiters Fritz Schwägerl und nach Einverständnis der Aufsichtsbehörden.[5] Baumann gehörte bereits 1933 dem Stadtrat Wasserburg an und war seit 1934 1. Beigeordneter, was dem Stellvertreter des Bürgermeisters entsprach.[6] In seine Amtszeit fiel auch die Ausrichtung der 800-Jahr-Feier der Stadt Wasserburg im Juni 1938. Nach dem Aufruf der Freiheitsaktion Bayern am 28. April 1945 unterzeichnete er mit weiteren Wasserburgern die Erklärung zur Nichtverteidigung der Stadt, die er über Lautsprecher am Rathaus bekanntgeben ließ.[7] Die Spruchkammern Wasserburg und Rosenheim werteten dies entlastend als aktiven Widerstand und stuften ihn trotz seiner hohen formellen Belastung im Nachverfahren in die Personengruppe 4, als Mitläufer, ein.[8] Mehrere Zeugen bestätigten, er habe sich als Bürgermeister gerecht, unparteiisch und stets hilfsbereit[9] gezeigt. Obwohl er einst als eifriger, überzeugter und zum Teil fanatischer Nationalsozialist[10] in Erscheinung getreten sei, habe er sich seit Kriegsbeginn innerlich vom Nationalsozialismus abgewandt. Eine missbräuchliche Amtsausübung konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Die Zeit vor 1933

Der damals 23-jährige Baumann kam im Jahr 1919 nach Wasserburg und wurde Inhaber des Betriebs Optik-, Uhren- und Goldwaren A. Rauch.[11] Er trat nachweislich am 1. Juli 1930 der NSDAP und in den Folgejahren mehreren NS-Gliederungen bei.[12] Eine frühere NSDAP-Mitgliedschaft bereits 1922 bestritt er ebenso wie eine aktive Rolle beim Aufbau der Wasserburger Ortsgruppe der NSDAP im Jahr 1930.[13]

Nach 1945

Werbeanzeige aus dem Jahr 1949

Der Vater von sechs Kindern musste auf Anordnung der US-Militärregierung die Zeit von Dezember 1945 bis Juni 1947 in verschiedenen Internierungslagern verbringen.[14] Nach Ablauf der einjährigen Bewährungsfrist im Entnazifizierungsverfahren konnte er im April 1949 wieder seinem Beruf als selbständiger Optiker und Uhrmacher in der Wasserburger Bruckgasse nachgehen. Franz Baumann verstarb am 18. April 1963 im Alter von 66 Jahren.

Empfohlene Zitierweise:

Robert Obermayr, Franz Baumann, publiziert am 19.05.2022 [=Tag der letzten Änderung(en) an dieser Seite]; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Franz_Baumann (25.06.2022)
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  1. Meldebogen vom 19.1.1947, StAM, SpkA K3790.
  2. Sterbebild, StadtA Wasserburg a. Inn, V4a1-M1/2.
  3. Beschluss zur Ernennung vom 25.6.1937, StadtA Wasserburg a. Inn, Reg.Verz.Teil2-XB45.
  4. Befehl der US-Militärregierung vom 10.5.1945 zur Ernennung von Josef Estermann als nachfolgenden Bürgermeister, StadtA Wasserburg a. Inn, VI1141.
  5. StadtA Wasserburg a. Inn, Reg.Verz.Teil2-XB45.
  6. Artikel Aus dem Leben des neuen Bürgermeisters, Wasserburger Anzeiger, Juli 1937, ohne genauere Datierung, aus: Hermann Auer, Der Landkreis Wasserburg im Dritten Reich, 211.
  7. Obermayr, Jetzt kommt da Estermann, 112ff.
  8. Spruch der Hauptkammer Rosenheim vom 29.4.1949, StAM, SpkA K3790.
  9. Ermittlungsbericht der Spruchkammer Wasserburg vom 15.12.1947, StAM, SpkA K3792.
  10. Klage der Spruchkammer Wasserburg vom 15.1.1948, StAM, SpkA K3792.
  11. Mitteilung der Lagerspruchkammer Garmisch v. 02.12.1947, StAM, SpkA K3792.
  12. Liste Mitglieder NSDAP, Ortsgruppe Wasserburg, 1 StAM, NSDAP 2466.
  13. Obermayr, Jetzt kommt da Estermann, 374ff.
  14. Entlassungsschein vom 19.6.1947, StAM, SpkA K3792.