Schmidtor

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Autor: Gerald Dobler

Schmidtor (abgebrochen, westlich Bäckerzeile 1)

Einführung

Ansicht des Schmidtors von Nordwesten, 1832.

Das Schmidtor (auch Bauschreibertor, Bachzahnertor oder Gerbltor, Mittleres Griestor; alte Hausnummer 268), ein halbrunder Torturm der mittelalterlichen Stadtmauer, befand sich westlich des Hauses Bäckerzeile 1. Es führte in die Vorstadt Auf dem Grieß. Das Tor wurde um 1878/79 abgebrochen. Der Name Schmidtor leitet sich von der früheren Schmidgasse innerhalb des Tors, der heutigen Bäckerzeile, ab. Der Name Bauschreibertor von der Funktion des Turms als Wohnung des städtischen Bauschreibers bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts und die Namen Bachzahner- und Gerbltor von den Besitzern im 19. Jahrhundert (die Gerbl waren eine Wasserburger Brauerfamilie).

Geschichte / Baugeschichte

Das Tor wird in den zeitgenössischen Beschreibungen der Stadtmauerbauten von 1415ff. nicht aufgeführt. Im Gegensatz zu den damals errichteten quadratischen Türmen zeigte es außerdem eine halbrunde Form. Es dürfte daher erst im späteren 15. Jahrhundert in die Ringmauer eingebaut worden sein, um neben Tränktor und Rotem Tor einen weiteren Zugang zur Vorstadt Auf dem Grieß zu schaffen, wo die Flöße anlandeten und die damit ein Zentrum des Handels in der Stadt darstellte.

1807 wurde das Schmidtor an den Maurer Joseph Bachzahner verkauft.[1]

Der Stadtschreiber Heiserer schrieb 1857 über das Tor:

Der schon vor dem Anbau der Salzstädel an der Ringmauer und den auf der anderen Seite stehenden Hüt[t]en erbaute Thurm verbindet die Stadt mit dem Gries und mit dem daselbst stehenden freyen Salz- und dem städtischen Baustadl durch das unter demselben angebrachte Thor. Der Thurm diente immer zur Dienstwohnung für den Bauschreiber, bis diese Communal-Bedienstung sich auflöste, wornach der Thurm am 30. Oktober 1807 an Joseph Bachzahner Maurer verkauft wurde; jetzt befindet sich derselbe in dem Eigenthume seines Sohnes Joseph Bachzahner ebenfalls Maurer. Der Thurm ist mit einem Spitzdache von Ziegelblatten versehen, und hat zuverläßig noch seine ursprüngliche Bauform. In dem Thorbogen befindet sich ein an die Wand gemahltes Kruzifix mit dem Namensschrifter A. H. A. A. E. H. A und der Jahrzahl 17- vermuthlich 1716. Nicht ungern haben die Alten unter den Thoren heilige Bilder angebracht, wahrscheinlich nebst der Beförderung des christlichen Sinnes die Verunreinigung dergleichen Räumlichkeiten dadurch besser zu verhindern.[2]
Plan des Schmidtors von 1878.

1878 wurden noch Pläne des Schmidtors für den neuen Besitzer Sinzinger erstellt. Bald darauf, wohl 1878/79 wurde das Tor durch die Stadt Wasserburg abgebrochen, die es kurz zuvor erworben hatte.[3]

Quellen

Kirmayer, Chronik, Bd. 1.
StadtA Wasserburg a. Inn, II170.
StadtA Wasserburg a. Inn, II770.
StadtA Wasserburg a. Inn, Reg.Verz.Teil2-VC4.

Empfohlene Zitierweise:

Gerald Dobler, Schmidtor, publiziert am 12.02.2020 [=Tag der letzten Änderung(en) an dieser Seite]; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Schmidtor (31.10.2020)
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  1. StadtA Wasserburg a. Inn, II170.
  2. StadtA Wasserburg a. Inn, II170.
  3. Kirmayer, Chronik, Bd. 1 zum Jahr 1803, 1877, gibt 1876/77 an. Jedoch existiert noch ein Plan des Zimmermeisters Johann Rieperdinger von 1878 (StAM, Bpl. Wasserburg 1878/201.). In einem Schreiben des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten vom 25.1.1879 wird ein wirkliches Bedürfnis für den Abbruch des Tors anerkannt (StadtA Wasserburg a. Inn, Reg.Verz.Teil2-VC4)./ siehe auch StadtA Wasserburg a. Inn, II770, darin Ankauf des Gerblturmes durch die Stadt und Abbruch samt Anbau.