Zirnweg

Aus Historisches Lexikon Wasserburg
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Autor: Matthias Haupt
Zi[e]rnweg Straßennamen

Ansicht der Stadt von Süden mit der (Schiff-)Lände - heute Zirnweg, Stich von Wening 1701.

1927 benannt. Umbenennung aus Uferweg.[1] Ehrt die Bildhauergebrüder David, Martin und Michael Zi(e)rn (bekannter ist die Schreibweise Zürn). Die wohl ursprünglich für das Burgerfeld vorgesehene Wegbezeichnung griff den Vorschlag – an dieser Stelle leider mehr als unglücklich – wieder auf und würdigt die Bildhauerfamilie insgesamt durch den isoliert stehenden Familiennamen. Die Stein- und Holzbildhauer Martin und Michael Zürn haben 1638 die berühmte Kanzel in der Stadtpfarrkirche St. Jakob geschaffen (umfangreich erforscht, daher an dieser Stelle nicht zu wiederholen). Die historisch überlieferte Bezeichnung für diesen Bereich des Innufers zwischen Brucktor und ehemaligem Tränktor, die eng mit der Geschichte der Innschifffahrt Wasserburgs verbunden werden kann, ist jedoch die nutzungsbezogene Namenbezeichnung als Floßlände oder Schifflände. Bereits am 16.0.1354 wird diese urkundlich erwähnt. Die letzte magistratische Ländordnung aus dem Jahr 1832 verdeutlicht die lange Tradition der Wasserburger Schifflände als eines der wichtigsten Instrumente einer Handelsstadt am Fluss. Vor dem Tränktor, an dem der Inn unmittelbar vorüber floss, wie es der Grundriss aus dem Jahr 1615 verdeutlicht, landeten die Schiffe mit ihren Waren. Die Lände wird in diesem Jahrhundert durch den Mautner Wolfgang Pistorius in einem Schreiben vom 5.11.1657 an den Rat der Stadt beschrieben als die bequemste Landstatt, allda alle potentaten und cavaliri von der schiffung aus und wieder einzutreten pflegen. Dass man sich im Zusammenhang dieser Darstellung nicht ausführlich mit der Geschichte der Innschifffahrt Wasserburgs und somit der ehemaligen Schifflände am heutigen Zirnweg im Übergang zum Otto-Geigenberger-Weg beschäftigen kann, ist klar. Einige Rückblicke in das 16. Jahrhundert der Innschifffahrt sollen aber beispielhaft einen kurzen Eindruck vermitteln: Wasserburg war zu dieser Zeit für den Getreidehandel auf dem Wasserweg des Inn von größter Bedeutung, u.a. für den Geschäftsverkehr zwischen Bayern und Tirol, als einer der wichtigsten bayerischen Stapelplätze und als Innhafen Münchens. Nach den Wasserburger Kastenamtsrechnungen konnte beispielsweise ein vierspänniger Bauernwagen von der Lände Wasserburg bis zum Hofkasten München im 16. Jahrhundert sechs Scheffel Hafer befördern. Zur Abfuhr eines vollen, mit Getreide beladenen Schiffzuges, waren damit über 400 Scharwerksfuhren oder fast 1700 Pferde erforderlich – ein immenses Treiben vor den Toren der Stadt muss das gewesen sein. Als Herzog Wilhelm IV. (1503-1550) 1546 auf der Burg den großen Kasten baute, hat unter Oberaufsicht von 2 Hofkellermeistern der Hof von 1529 bis 1546 fast ein Dutzend mal ain scheffart wein von Wasserburg aus gen München füren lassen. Der Wein war aus Tirol zu Schiff nach Wasserburg gekommen. Die günstige Lage Wasserburgs als Schifflände für nach München bestimmte Güter wird 1586 beim Bau des Jesuitenkollegs mit der St. Michaels-Kirche in München sowie der Residenz vor dem 30jährigen Krieg deutlich: Hier wurden zur Beförderung großer Marmorblöcke mit Vorliebe die Fuhrwerke der Klöster Altenhohenau und Rott sowie Attel, Gars und Au aufgeboten. Nach der Hofzahlamtsrechnung von 1586 ist für die Klosterfuhren von Attel, Rott, Baumburg und Beyharting in München Stallmiete bezahlt worden.[2]


Empfohlene Zitierweise:

Matthias Haupt, Zirnweg, publiziert am 10.07.2019; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Zirnweg (23.08.2019)

  1. Beschluss des Stadtrats vom 31.3.1927, StadtA Wasserburg a. Inn, II3101, 75.
  2. Haupt, Straßennamen, 74-75.